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aKotibe p bem ©nttoutfe
eines
6ürgerltfl)ett ©el'e^budies
füu baö
»Mi IV.
5amiticitted)t.
Setlag »ou J. ^ntttnUe
^umiliettred^t.
erjtcr STttcI.
§§ 1227, 1228.
2lbtt)cid)cnb uotn rom. SRcd^te l^at baö bcftel)cnbe JRccfit übcriüiegenb baö «nfpruc^
SJcrlobnife, b. 1^. bcn auf bic fünftige ©d^Iiefeung einer ef)e gerid^teten aSertrag, urtoaLö,
als eitlen red^teoerbinblid^en, einen flagbaren Slnfprud^ ber SSerlobten auf ®*ttj>«"«'
Sd^Iiefeung ber @^c, eoentuell auf ©d^abenöcrfafe roegen 5Rici^terfüIlung be^
grünbenben SSertrag anerfannt ober jroar einen flagbaren Slnfprud^ auf seiienbc«
©d^tiegung ber &)t uerfagt, aber im gaUe eines ungered^tfertigten aSerlöbnig* ^'**'
brud^cö bem verlegten 2^eile batb in größerem, balb in geringerem Umfange
einen 2[nfpru(^ auf ©d^abenßerfa| geroäl^rt. 3m Stnfd^luffe an baö fanonifd^e
Ked&t t^ai inöbefonbcre bie gcmeinred^tUd^e ^ßrarid bem SSerlöbniffc ben Äaralter
eincö red^töoerbinblid^en, einen flagbaren 2lnfprud^ auf Sd^Iiefeung ber &)t,
eoentueD auf ©ntfd^äbigung bcgrünbenben SSertrageö beigelegt. SÄuf bem 33oben
beö gemeinen Sled^teö ftel^cn im SBefentlid^en aud^ baö preufe. 31. S. 3i. II, 1
§§ 82, 99, 112—116 oerb. mit 21. ®. D. I, 40 §§ 1, 10, foroie üerfd^iebene
neuere, in fleincren SRed^tögebietcn geltenbe ©efe^e (oergl. qoÜ). ®f|egef. d.
15. aCuguft 1834 §§ 29, 37, 41, 42, 46 ; medflenb. aScrorbn. t). 18. gebruar 1846-
§ 3 5Wr. 1, 3; lübecf. ©ef. v. 26. Df tober 1863 §§ 4, 5).^ 5Durd& bie ®eftimmungen
bed § 779 9lbf. 2 unb beö § 774 3lbf. 2 ber ß. ^.*D. ift jebod^ jebe bircfte
ober inbirette ©rjioingung ber ß^efc^Iiefeung im SBege ber 3tt)angöt)oUftredEung
auögcfd^Ioffen (uergl. aud^ § 52 beö 91. ®ef. über bie Seurfunbung beö
^ßerfoncnftanbeö unb bie ©fiefd^Iiefeung t). 6. gebruar 1875).
SHe Sße^rjai^I ber neueren ©efcgc fd^tie^t übcrl^aupt febe Älage auf
©d^liefeung ber ®^e auö, giebt ober bem Derlegten 2:^eile im galle eines un^:
gerechtfertigten aSertöbniPrud^eö in größerem ober geringerem Umfange einen
9(nfpru(^ auf ©d^abenöerfafe unb jroar üorwiegenb einen Slnfprud^ auf ®rfa^
«DtiDC I. Mt«en. «efc|to($. lY. 1
2 S5erröbm§. Unüccbinbrtd&feit. SRiicftritt, ®(f abenSetfajs. §§1227,1228.
bt^ pofttiocn ©d^abcnö, nid&t auf (Srfafc bcö ©rfüUungöintcrcffcö (üergl. fäd^f.
@. ®. §§ 1579, 1581; TOÜrttemb. ©cf. t). 8. Slufluft 1875 9Irt. 4; ^cff. ®e). ü.
18. 3lpril 1877 3lrt. 4; olbcnb. ©efcfec t). 31. ajlai 1855 3lrt. 3 unb t). 7. 3imi 1858
ncbft aScrorbn. v. 8. $ßot)cmber 1875 9lrt. 16 ; rocimar. ©ef. d. 2. 5Rot)ember 1848
§§9,10; braunfd^n). aScrorbn. v. 18. gebruarl814; naff. SBcrovbn. ü. 23.9lprU
1822 § 96; altenb. ®ef. t). 13. Januar 1869 §§ 1, 3; reoib. ©rläut. jur anmalt.
S. D. SCit. V, VI, VIII §§ 5, 11, 15, 18 nebft anmalt, ©cfcfee t). 1. 3uU 1864
unb äusf. ®cf. iur 6. 5p. D. o. 10. aJlai 1879 § 8; 3luöf. ®c[. jur ß. % O.
für gicufe ä. 2. ü. 3. aßd 1879 § 8).
®ine brittc Äatcgoric t)on Sled^teit f)at bcm aScrlöbniffc ote fold^em icbc
redjttid^e SBirlfamfcit ücrfagt, namentlid^ aud^ jeben 9lnfprud^ auf Sd^abcnä*
crfa| roegen aScriöbnifebrud^eö au^ bem S8crlöbni§t)crtragc auögefd^Ioffcn.
3)al)in gehören — abgefcfien üon einigen älteren, in fleincn ©ebictcn Sa^ernö
geltenben 3kii)ttn — baö bab. ®ef. v. 9. ©ejcmber 1875 § 13 unb baö
brem. ©ef. d. 31. Dttober 1875 § 2. ^uä) ber code civil entliält feine 33e^
ftimmungcn über baö aScrIöbnife unb hc^tn SBirfungen. S)a6 ouö einem
aScrIobniffe auf Sd^Uefeung ber ®l^e nid^t geftagt werben fann, wirb t)on ber
franj. Suriöprubcnj allgemein anerfannt; im Uebrigen ift es aber beftritten,
ob ha^ Sßertöbnife einen 9lnfprud& auf od^abenöerfa^ roegcn Slid^terfüllung
bes ®l^et)erfpred^ens erjeugt ober ob geeigneten Falles nur aus bem ©efid^tö^
punfte bes 5Detifteö ober DuafibelifteS mä^ SÜJafegabe ber 9Irt. 1382, 1383
beö code civil ®rfag beö miberred&tlid^ jugefügtcn Sd^abens nertangt merben
fann (oergt. ba^u S^rt. 55 beS fd&meij. Sb. ©ef. über baß Dbl. 31.).
SBcnngleid^ mä) ber Dorftel^enben Ueberftd^t beö beftel^enben JRed^teß in
bcm bei roeitem größten 2^^eile ©eutfd^lanbö bem aSertöbniffe mel^r ober
weniger red^tlid^e 2Birffam!eit beigelegt ift, fo barf bod^, um ein rid^tigeö
83ilb oon bcm gegcnroärtigen Slcd^töjuftanbc in S)eutfd&lanb in biefer Sejie^ung
ju geroinnen, nid^t aufeer 9ld&t getanen werben, bafe nad^ ber großen aJlel^rjaf|t
berienigen ©ef efegebungen , roeld^e aus bem aSerlöbniffe im galle ber ^lid&t:^
crfüHung beö ®l^eoerfpred^enö in größerem ober geringerem Umfange einen
9lnfprud& auf ©d^abcnöcrfa^ iulaffen, biefer Slnfprud^ baburd^ bebingt ift, bafe
bei (Singe^ung beö aSerlobniffeö geroiife, bie ©üttigfeit beö legieren bebingenbe
gormen beobad&tet roerben, formen, roeld^e, roenigftenö in großen Äreifen ber
öeoölferung, roeit fic ber ©itte wenig entfprcd^en, nur feiten beobad^tet ju
werben pflegen, fo bafe bem praftifd^en JRefultate nad^ aud^ in ben ©ebieten
jener ©efeggebungen ba^ aSerlöbnife, weil formloö eingegangen, feine rec^tlid^c
aSerbinblid^feit, inöbefonbcre aud^ nid^t eine aSerbinblid^feit 5um ©rfafee beö
pofititjen ©d&abenö, erjeugt.
©tonbpunrt 2)ie Sled^töentwidEelung jeigt unoerfcnnbar baö Seftreben, bie rec^tli^en
(Entwürfe« ^Birfungen beö aSerlöbnifeoertrageö einjufd^ränfen. 2)urd^ bcn 3Iuöfd^lufe jeber
bireften unb inbireften ©rjwingung ber ©liefd^liefeung im SBege ber 3njangö*
DoUftredEung l&at bie Sulaffung einer Älage auf ©d^liegung ber ®^e fd&on jefet
jebe praftifd^e 93ebcutung verloren. ®ine weitere er^eblid^e Slbfd^wäd^ung l^at
bie redjtli^e S3ebeutung beö aSerlöbni^nertrageö baburd^ crfal^ren, bafe nad&
§ 39 beö SR. ©ef. über bie Seurfunbung beö 5ßerfonenftanbeö unb bie ©l^e^
fd^liefeung ü. 6. gebruar 1875 bem aSerlöbniffe bie SBirfung eineö auffd^iebenben.
Serröbnii Uttt)erMnblt*fcit. SRürftritt, @*abenöcrfa^. §§ 1227, 1228. 3
jum ©infprud&c gegen eine onberroeit beabfid^tigte ©^efc^Hefeung bcrcd^tigenben
^inbemiifcö nid^t me^r jufommt. ®ie Seftimmung beö § 1227, bQ§ intd^
bad 93erlöbni6 eine SJcrbinblid^feit ber SSerlobten jur ©d^Iiefeung ber ®^c
nicibt bcgrünbct wirb, unb bie barauö ftd^ ergebenbe Äonfequenj, bafe im goUe
eincÄ ungeredbtfertigten aSerlöbni^brud^cö bem Derlefeten J^^eife ein 3lnfprud^
auf bttß erfüUungöintereife ober ouf eine Slbfinbung alö ©rfafe für bie ge^offtcn,
aber vereitelten SSort^eile ber @^e nid^t jufte^t, ftellt ftd& nur ald eine fon^
fequente gortentroidelung beö bem § 774 3lbf. 2 unb bem § 779 2lbf. 2 ber
6. 5ß. D. ju ©runbe liegenben Oebanfenö bar unb fteljt mit ben meiften
neueren biefen Oegenftanb regeinben ©cfelgebungen im ®inftange. ©in fold^er
Slnfprud^ mirft als inbiretteö S^ongömittel unb beeinträd^tigt bie grei^eit ber
SBiDcnöbeftimmung bei ber (S^efd^lie^ung; er uerträgt fid& nic^t mit bem
SBefen ber ®^e, meldte in erfter 2inic ein fittlid^cö SBertjöltnife ift unb nid^it
ate eine Quelle für üermögensred&tlicbe 33ortbeife be^anbelt merben barf. 2)er
äuöfc^Iufe beö Slnfprud^cö auf baö ©rfüUungöintereffe ober auf eine 3lbfinbung
gewahrt aufeerbem ben großen SSort^eil, bag baburd^ bie Stufftellung einer üoH*
flönbigcn 2:^eorie beö SSerlobniffeö entbebrlid^ mirb unb bie oielen bamit rer^
bunbenen ©d^roierigfeiten Dermieben werben.
3Cuö ber Sßorfd^rift beö § 1227 t)erb. mit § 424 ergiebt fid^ femer Don Äonoenttonai.
felbfl, ba^ bie SBerabrcbung einer Äontcntionatftrafe für ben gall, bag bie ^^^^*'
6^e ni^t ju ©tanbe fommen folltc, unroirffam ift (übereinftimmcnb : naff.
aSerorbn. v. 23. 3lprU 1882; olbenb. Oefefee d. 31. aJlai 1855 3lrt 3 unb v.
7. 3uni 1858; fäd^f. ®. 93. § 1580; alknb. ®cf. v. 13. 3anuar 1869 § 2;
often. ®. 93. § 45; ^ejf. ©ntro. II ärt. 1; abroeid^enb bie, allerbingö nid^t
unbeftrittenc, gemeinred^tfid^e 5(Jrajiö; preufe. 91. S. SH. II, 1 § 113; got^. ®^egef.
p. 15. aiuguft 1834 § 42; merflenb. SBcrorbn. t). 18. gebruar 1846 § 3;
lüberf. ©ef. p. 26. Oftober 1863 § 4).
33a ber § 1227 baö SBerlobnife für red^tlid^ unt)erbinblid& erflärt, mitl^in et^obw«.
jebem ber ißerlobten ber SRüdtritt freifte^t, fo läfet ftd^ auö ben allgemeinen ^^orfttTtu«!
©runbfäften aud^ ein Slnfprud^ auf 6rfafe beö negativen Sntereffeö megen
ungercd^tfertigten SRüdtritteö beö anberen "i^dUd von bem SScrlöbnijfe nid^t
obleiten, cö fei benn, bafe ber SlüdEtritt nadd ben befonberen Umftänben beö
gaUeö alö eine unter bie 93eftimmungen beö § 704 Slbf. 1 unb beö § 705
fallenbc unerlaubte ^anblung anjufc^en fein foUte. JRücfficbten ber 93iIIigfeit,
foroie bie SRüdfid^t auf baö im äSolIe lebenbe Sled^töbemufetfein unb auf boö
geltenbe Siedet, roet^eö im gaUe beö ungered^tfertigten 9lüdEtritteö vom SSer^«
löbnijfe übermiegenb in größerem ober geringcrem Umfange bem ocriefeten
Xf)dlt einen 2lnfprud^ auf ©d^abenöerfag geroäbrt, ftnb iebod& beftimmenb
gcroefen, in bem in § 1228 3lbf. 1 bejeid^neten Umfange für ben gall eineö
ungerechtfertigten SRüdtrittcö oom aSerlöbniffc einen 9lnfprud& auf ©d^abenö*
erfafe o^ne SRücffid^t borauf anjuerfennen, ob im fonfreten gallc ber SRüdEtritt
0(0 ein ^e(ift \x6) barfteOt.
3)ic aSorfd^rift beö § 1228 Stbf. 1 becft — infomeit jum ^^eil über bie umfang be«
neueren ©efefegebungen, inöbef. baö fäd^f. ®. 93. § 1581 unb baö altenb. ®cf. ^,^^^^*
t). 13. Soiiuar 1869 § 3, ^inauögebenb — aud^ fold^e gälle in meldten ein
Serlobter in ©rmartung ber ®^e eine Slnftellung ober einen 93eruf aufgegeben
4 aSci-Iöbnig. Uiü?erBinblt(&fcit. mdiiitt, @*abeneerfaft. §§ 1227, 1228.
ober eine i{)m mäfircnb beö Srautftanbcö angebotene 3lnfteUun9 ober fonft einen
oermögenSred^tlid^cn (Srroerb auögcfd^tagen l^at. Slnbcrerfeit« fd^licfet fie ben
entgangenen ©eroinn in folgen gäHen auö, in roeld^en baö Entgelten beöfetben
nid^t auf einer üermögenöred^tlid^en SSerfügung berul^t, 2)en ©rfag be«
entgangenen ©eroinneö alö S^^eil beö negatioen Si^tereffeö aud^ in gällen ber
lefeteren Slrt ju gemä^rcn, fül^rt ju weit, bringt SBermidetungen, fd^roierige
©d^abenäbered^nungen mit fid^ unb brol^t eine Quelle langwieriger ^rojejfe ju
eröffnen. (Sine fflefd^ränfung beö Umfangeö beö ©d^abenöerfafteö in ber im
§ 1228 Srbf. 1 bejeid^neten Slrt bietet jubem ben 33ort^eiI, bafe eö mit SRüdEfid^t
auf biefe Sefd^ränfung unbebenllid^ erfd^eint, uon einer naiveren ^eftfteHung
ber SBorauöfcfeungen bcö älnfprud^eö auf ©d^abcnöerfafe abjufe^en unb bie
©ntfc^eibung ber grage, mann überf)aupt ein SBertöbnift ofe eingegangen
anjufef)en unb mann ein SRüdEtritt oon bem 33erI6bniffe gered^tfertigt ift, bem
freien ©rmeffen beö SRid^terö ju überlaffen. ®ä fann barauf oertraut werben,
bafe ber SRid^ter unter 5Bürbigung ber Umftänbc beö einjelnen galleö, inö*
befonbere unter öerüdEfid^tigung ber Sitte, beö 3lnftanbeö unb ber red^tlid(|en
SSorauöfeftungen einer ß^efd^Iiefeung, bie rid^tige (Sntfd^eibung, ob ein JBer^
tobnifebrud^ oorlicgt, finben wirb (oergl. aud^ § 566, § 598 Stbf. 3', § 625,
§ 638 3lbf. 1, § 648 3lbf. 2, 3).
»eweiwaft; Um übrigeuö bem Sefd^äbigten bie ©eltenbmad^ung beö ©cbabenöcrfa|*
anfprud^eö nid^t ju fe^r ju crfd^meren, ift, wie bie gaffung beö § 1228
Slbf. 1 ergiebt, im (Sintlange [mit ber SWel^rjal^I ber beftel^enben Siebte bem«
ienigen SBerlobten, meldder megen feineö einfcitigen SRüdtritteö auf ©d^abenö*
erfafe in Slnfprud^ genommen mirb, ber 93emeiö auferlegt, bafe ein mid&tiger,
nad) ben Umftönben beö gallcö ben SlüdEtritt red^tfertigenber Orunb vor-
gelegen ^at.
«rfaittitfpruc^ '^Hai^ bcm SBorbilbe ä^nlid^er, jebod^ weniger roeitgefienber 33eftimmungen
ber «tern. j^^g yg^^^ ^ ^ g ^59^ ^^^j, j^^g ^i^^^^^ (g^f ^^ ^3^ 3anuar 1869 § 3 gewöfirt
ber § 1228 9lbf. 1 unter benfelben SSorauöfe^ungen, unter meldten ber 93eriobte
felbft Sd&abenöcrfaft ju forbern beredjtigt ift, aud^ ben ©Itern beö (enteren
einen Slnfprud^ auf ©d^abenöerfafe in bem in § 1228 Stbf. 1 bejeid&neten Um?
fange. 2)ie SSorfd^rift ift jmeifeUoö pofitio, empfief)It fid^ aber auö Orünbcn
ber Silligfcit unb SttJ^cfmäliigfeit. 3n oielen fällen ftnb cö ni^t bie SBerlobtcn
felbft, fonbern bie ©Itern berfelben, meldte bie jum '^xocdz ber fünftigen 6tie
erforbertid^en 9lufmenbtmgcn burd^ 9lnfd^affung ber 9luöfteuer ober ©inrid^tung
auö il)rem eigenen 3Scrmogen madjen. 3n berartigen gälten mürbe bie 9ln*
erfennung eineö 9lnfpnid^eö auf ©d^abenöerfaft roegen ungcred^tfert igten SScr?
löbnifebru^eö regelmäßig ofine praftifd^e 93ebeutung fein, rocnn nid&t aud^ ben
(Sltern beö betreffenben Verlobten ein felbftänbigcr Slnfprud^ auf ©df|abenöerfa|
gemährt mürbe, ©in genügenber Orunb, biefcn Slnfprud^ ber ©Item, abmeid^enb
oon bem ben 33erlobten felbft jufte^enben 9lnfpnid^e, auf ben ©rfag beöjcnigen
©d^abenö ju befd^ränfen, meld^er i^nen barauö entftanben ift, bafe fie in ©r«
Wartung beö 3wftaubetommenö ber ©^e für bcren 3^^^*^ etwaö aufgewenbet
Iiabcn (ocrgl. fäddf. ©. S. § 1581, altenb. ®ef. o. 13. 3anuar 1869 § 13), liegt
nid^t üor, wenngleid^ für bie ©Item ein anbcrweiter ©d^aben praftifd^ reget
mäßig niclit in grage fommen wirb. * ©benfowenig empfiehlt eö fid^, nad& bem
SerföBnig. Un\jerHnbIi*fctt. mätxitf, S^abenferfatv §§ 1227, 1228. 5
SSorgangc bcö fäd^f. ®, 93. unb bcß altcitb. Oef. bcn 9lnfprud& Quf ©d)obenö*
crfa| nic^t ben ©Item afe fold^cn, fonbcrn benjenigen cinjuräumen, bcrcn 6in*
roiUigung jur ©J^cfd^tic^ung crf orbcrlid^ roor ; bcnn bic t)\ev in SRcbc fte^cnbcn
S[ufn)cnbungen ftcl^en mit jener ©inmilligung jur ß^efd^tiefeung an fid^ in
feinem S^fammenl^ange unb bcr beabfid^tigte Qmtd wirb nur bann üoUftönbig
erreicht, .wenn ben ©Itern ber 9Infprud^ oI)ne 9iäcf[i(^t barauf gegeben wirb,
ob eö im fontrcten galle ifirer ©inroiUigung jur ß^efd^üefeung beburfte, ba
no^ bem (gntmurfe (§§ 1238, 1239) — abroeid&enb von bem fäd^f. ®. ®.
§§ 1600, 1571 unb ber oltenb. (g^eorbn. t). 13. SRai 1837 § 18 — nebeii bcr
©inroilligimg beö SSaterä nid^t aud& bic ber SWutter erforberlid^ ift unb cö nod^
jurürfgelegtem fünfunbjroanjigften Scbenöjafirc bcd Äinbcö bcr ©inroittigung
beö SSatcrö ober bcr SRuttcr jur ©^cfd^Uefeung überfiaupt nid&t mel)r bebarf.
3)ie Seftimmung beö § 1228 3lbj. 2 ftellt bem galle bcö ungere^tfertigten ®*aben*.
einfcitigen aiücftrittcß ben onbcrcn %aü glcid^, in roeld&em ein aScrtobtcr burd& bciwüSvitt
ein i^m jur Saft faUenbes SScrfd^uIbcn ben anberen SScrlobtcn jum 9?ücftritte ««fl««
von bem SScrlöbniffe ücranlafet ^at. 3)cr 3wrü(Jtretcnbe bejn). bcjfcn ®(tern bc/«nber«;
foUen mithin in einem fold^en gallc bcred^tigt [ein, üon bem anberen !E^eiIe
ben ®r|a| beö i^nen auö bem 9iütftritte entftanbenen ©d^abenö in bem in
§ 1228 2lbf. 1 bejcid)neten Umfange ju Derlangen. 2)icfe, bem jmeiten ©agc
beö § 566 Slbf. 1 fid& anf^Ucfeenbe, einer gcmcinred^tlid^ tjielfac^ Dcrtrctcnen
än{id&t unb uerf d&icbcnen neueren ©cfcftcn (t)ergl. prcufe. 31. 2. dt. II, 1 § 120 ;
fäc^f. &. 93. § 1581 ; got^. ei^cgef. v. 15. Stuguft 1834 §§ 37, 40- 42 ; meimar. ®cf.
T>. 2. Srtoüember 1848 § 10; altcnb. ®cf. v. 13. Sanuar 1869 § 3; — abmeic^cnb:
najf. aSerorbn. v. 23.3lprif 1822; olbenb. ®cf. v. 31. aßai 1855 5Ärt. 3; lübedf.
®ef. V. 26. Dftobcr 1863 § 4; anljalt. ®cf. v. 10. aJlai 1379 § 8; ®cf. f. 3leuB
ä. S. 0. 3. 3Rai 1879 § 51) cntfpred^cnbc Scftimmung red^tfcrtigt fid^ namentlid^
burc^ bic prattifd^c ©rroägung, bafe anbercnfallö ein SScrIobtcr, um bcn mit
dnem ungerechtfertigten Stücftritte für i^n Dcrbunbencn 9lad^t^cilcn ju entgelten,
es barauf anlegen tonnte, burd^ fein 5ßerl)a[ten b^n anberen J^ljcil jum 3lflcf*
trittc }u ocranlaffcn.
Xnvä) bic öeftimmungen beö § 1228 wirb ber 9tnfprud) auf ©rfafe ®*oben».
beöienigcn Sc^abenö, rocldier einem 33erIobtcn ober beffen Eltern baburd) ent^ " ***etaer
ftonbcn ift, bafe erfterer burd^ eine unerlaubte ^anblung beö anberen 2:^cilcö, ""•'?{"^**"
j. 93. bur^ einen 93etrug beö Icßteren, jur ®ingcf)ung beö SSerlöbniffcö ücr- '"" ""^'
anlagt morben ift, nid&t berührt. 3n fold^en göUen ift ber 93efd^Äbigte nad^
ben ttBgemeinen ©runbfögcn über bcn Sd^abcnöerfa^ auö unerlaubten
^anblungen (§§ 704, 705) ben ®rfa^ beö negativen SSntcrcffcö ju forbern
bered^tigt. ©in 93ebürfni6, für biefe gällc nodf) befonberc 58orfd)riften ju geben,
liegt nic^t üor. Slud^ inforoeit, alö in ben göDen, in metcöen nad^ § 1228
eine gefejlid^c SBerpflic^tung jum Sdiabenöcrfafec begrünbct ift, vermöge bc^
fonberer babei fonfurrirenber Umftänbe bie 3Sorauöfet;ungen jutreffen, unter
roeld^en nad^ ben allgemeinen ©runbfägcn über ben S^abcnöcrfa^ auö un?
erlaubten ^anblungen, inöbefonbcre naä) bem § 705, ein mcitergrcifenber
©c^abenderfa|anfpru^ Pag greift, ift ber tegtere burc^ bic bef onbcrcn, auf
bem ©efic^töpunfte einer gefefelid^en Obligation bcrul^enben 93orfd)riften beö -
§ 1228 nid^t auögef^Ioffen.
6 SScclö&nife. ©djenfunflcn :c. untec Scrfobtcn. § 1229.
»ererbii(^feit SJctfci^icbcnc ©cfcggcbunflcu laRcn bcn 2[nfprud& auf ©^abenöcrfaß
fprtt*e«"Buf wegen aScrlöbnifebrud^eß nid^t auf bie ®rben bcä Sercd^tigten übergcl^cn, roenn
^tria"*' ^^^ kßterc Dor bcr Älagcer^ebung geftorbcn ift (oergl. föd&f. ®. 35. § 1587;
' "*' altenb. Oef. d. 13. 3anuar 1869 § 9; lübccf. ®cf. ü. 26. Df tober 1863 § 5;
anmalt. ®ef. v. 10. 3Jlai 1879 § 8). 3lad) bem preufe. 31. S. 31. 'II, 1 § 127
lönnen bie 6rben beö unfd^ulbigcn 2^I)ei[eö bie ©ntf^äbigung unb 3lbfinbung
von bem fd&ulbigcn 2^^eilc fogar nur bann forbem, roenn biefelbe bem ®rb*
laffer bereite red^töträftig juerfannt mar. ®a ber im § 1228 beftimmte
Slnfprud^ auf ©d^abenöcrfag fid^ nid^t alfi 3luöflu6 eined junäd^ft unb un*
mittelbar auf ©(^Ilefeung ber 6^e gerid^tetcn ^öd^ftperfönlid^cn Slnfpruddeö
barfteDt unb aud^ nid^t ben Äarafter einer actio vindictam spirans ^at, fo
folgt au& ben allgemeinen ©runbfäfeen, ba§ berfetbe, roic regelmäßig alle ®nt*
fd^äbigungöanfprüd^e, auf bie ©rben beö 93ered^tigten übergebt (§§ 292, 2051)
unb aud^ oon hzn ©laubigem beö legieren im SBege ber 3nJÄt^9öüöllftre<fung
gepfänbet rocrben fann. ®in genügenber ©runb, im ^inblide barauf, baß
aud& burd& bie ®eltenbmad(|ung beö ^ier fraglid^en Sd^abenöerfaganfprud&ed
perfönlid&e 3ntereffen beö Sered^tigten berührt unb in ben Rrciö bcr 35er^
iianblung gcjogcn rocrben, bie allgemeinen ©runbfäfee nad^ 3lnalogie ber
33eftimmung beö § 728 9lbf. 1 in bcn bcieid)neten SWid^tungen ju burd^brcd^cn,
fann nid^t anerfannt rocrben, jumal bcr ©d^abcnöerfaganfpruc^ nadf) § 1230
mit Slbtauf eincö Sabreö oon ber 9Iuf^ebung beö SScrlöbniffeö an tjcrjäfirt.
2)aö preufe. 91. £. SR. II, 1 §§ 125, 126 unb baö gotl). E^egcf. t).
15. 3luguft 1834 § 46 bcfd^röntcn bie ©cltcnbmad^ung beö 9lnfprud)eö auf
©ntfd^äbigung unb 9lbfinbung aud& gegenüber ben (Srben beö fcfiulbigcn 3:^eileö.
®ö bangt bicö bamit jufammen, bafe nad^ jenen 9led)tcn ia^ SBcrlobnife ju*
näd^ft einen 3lnfprud) auf ©d^licfeung bcr 61)^ unb nur fubftbiär einen 2lnfprud^
auf ®ntfd^äbigung begrünbet. 5Bom Stanbpunfte beö ©ntrourfcö auö fann
in ber ijkx in ^ebe ftet)cnben 3lid[)tung eine 3luöna^mc t)on ber Siegel beö
§ 292 nicbt in grage fommcn.
§ 1229.
ec^enrunaen 2[ni 3lnf d^luffc an baö rom. SRcd^t (l. 1 5 Cod. de don. ante nupt. b, s)
""oöten*'^* bcftimmt baö gemeine Slcd&t, foroic bie ÜJlebrjabl bcr neueren ©cfcggcbungen,
bafe ©d^enfungcn unter 93erlobtcn im B'^'^if^ ^^^ unter bcr SKorauöfcgung
gemad^t anjufebcn feien, bafe bie ©t)cfcblic&ung erfolgen roerbe (ücrgl. preufe.
91. S. 3fl. II, 1 § 122 ; föcbf. ®. 33. § 1583 ; roeimar. ®cf . t). 2. ^noDcmbcr 1848
§ 10;got^. ebegef. 0. 15. 9luguft 1834 § 42; altenb. ®ef. o. 13. Januar 1869
§ 5). 9luf bemfelben S3oben ftct)t aud^ ber § 1229. Da bie bier fraglid^cn
Sd^enhingen in SScranlaffung beö Srautftanbeö alö ^ziä)cn bcr Siebe unb
3uneigung gemadjt rocrben, fo cntfprid^t cö im ^i^cifel bem SBillen beö
®eberö, baß, roenn bie nal)cn perfönlid)cn Sesicbungeu, roetd^e bie Sd^cnfungcn
ücranlaßt I)abcn, burcb 9lufl)cbung beö SScrlöbniffeö roieber gclöft rocrben, aud^
bie ©dientungcn ba& SScrlöbniß nid^t Überbauern, fonbern bie ®cfd)enfc jurücts
gegeben rocrben follen. 2)icfcr ©cfi^töpunft fann jcbodf) für bcn gall nid&t
alö jutrcffcnb eracbtct rocrben, roetm baö SBcrlöbniß burd^ ben ^ob eincö ber
aScrlobtcn aufgcljobcn roirb. 3ln einem fold^en gallc rocrben bie bie ®runblagc
S3erlöbm§. SSeriä^rung beö ©(j^aben^erfa^anfprucfeeS k, § 1230. 7
ber S^enfungcn bilbettbcn nafien perfonlidien Scjiel^iincjcn m6)t gcloft, unb
cntfpric^t cö im 3n)cifcl umgcfcfirt bem SBillcn bcö ©cbcrö, bafe ber Scfd^enfte
bcjio. bcffen (gvben bie ©efd^cnfe alö 9Inbenfen behalten [oUen. 3)icß ift aud)
bct StanbpunK bcö lüärttemb. SKed&teä, beö fäc^f. (S. 33. § 1586 unb beö
altcnb. Ocf. ü. 13. Sanuar 1869 § 8, roä^renb ba^ prcufe. 21. S. 9?. II, 1 § 123
unb baö got^. ®ef. v. 15. 9luguft 1834 § 45 im galle ber 3luff)ebung beö
aScrlöbniffeö burd^ ben S^ob cineö SBerlobten bem Ueberlcbenben bic 3Ba^l
(Qjten, ob er bie empfangenen Oefd^enfe behalten ober ob er [ie jiirücf geben
unb bie oon i^m gcmad(|ten roieberforbern toüI.
2)en ©d^enfungen unter ^Brautleuten ftellt ber § 1229, ber beutfd^en ^0« s"«»
Sitte unb SRed^töentroirfelung folgenb, in ber I)ier fraglid^en Sejie^ung baö* «Äiiff?«
ienige gleid^, roaö ein JBerlobter bem anberen olö 3^^^^^^ ^^^ eingegangenen ««fl«*«««-
93erIobnif[eö gegeben l&at (t)ergl. bax)x. 2. 5R. I, 6 § 17 ; preufe. 31. fi. di. I, 5
§ 209; fäd^f. ©. S3. §§ 1583—1587; altenb. ®ef. t). 13. Sanuar 1869 §§ 5—8).
2)ie gaRung beö § 1229 fd^Iiefet fi^ bem § 742 an. 2)aburd& loerbeu »»«««!.
bcfonberc Scftimmungen barüber, unter roeld^en SBorauöfcfeungen in ben gölten ""« sSkS"
bcö § 1229 ein Slnfprud^ auf Slürfforberung begrünbet ift unb meldten Sn^att forbenitt««-
bicfcr ainfprud^ ^ot (oergt. fäe^f. ®. ». §§ 1584, 1585), entbehrlich, ©ö ftnb "****'
in biefer §infid(|t bie allgemeinen 33eflimmungen ber §§ 742—744 ma^gebenb.
9Iu« bem § 743 9Jr. 2 ergicbt fid^ namcnttid) ber bem gemeinen 9led(|te unb
ben mciften neueren ©efefegebungen (oergl. preufe. 31. £. 5R. II, 1 § 122; fäd^f.
©. ». § 1585; got^. G^egef. v. 15, Sluguft 1834 §§ 42, 45; roeimar. ©ef. x>.
2. 9Jooember 1848 § 10; attenb. ©ef. t). 13. Januar 1869 §§ 5, 6) cnU
fpre(^enbe ©aft oon felbft, bafe baö 5Rücfforberungöred&t beö ©eberö auö-
gefc^Ioffen ift, menn berfelbc t)on bem Söerlobniffe jurüdftritt, ol)ne bafe ein
TOid^tiger, nad^ ben Umftönben beö galleö ben SRürftritt redf)tfertigenber ©runb
oorgetegcn ^at ober wenn berfelbc burd^ ein oon x^m ücrfc^ulbeteö SBerl^alten
ben anberen 2:^ei[ jum JRüdEtritte Dcranlafet.
©in Sebürfnife, ben Uebergang beö l^icr frogüdjen, rein Dcrmögenöred^t* ««mwic^reit
liefen änfprud^eö auf bic ßrben bcö Serc^tigten in 3lbn)eid^ung üon ben oU^ ^*'^*^^***-
gemeineti ©rnubfäfeen (§§ 292, 2051) ju bcf^ränfcn (oergl. föd&f. ©. 93.
§ 1587 ; altcnb. ©ef. ü. 13. 3anuar 1869 § 9), fann, namentlid^ im ^inblidPc
auf bie im § 1230 beftimmte turjc SSeriö^rung beö 3lnfprudiieö, nid^t an^
crfonnt toerben.
Suroicroeit eine lelttoilligc SSerfügung, burd^ meiere ein SBcrlobtcr ben Surocnbunaen
anbeten bebad(|t, ober ein iwifd^cn ben aSerlobtcn gcfd&lojfcner ©rbeinfeftungö- xobeörocaen.
©ertrag, burd^ roeld)en ber eine Sßerlobtc ben anberen ober einen ^Dritten alö
9?crtragöerben eingefegt ^at, ber Slnfed^tung unterliegt, menn baö 95erlöbni§
Dor bem Sobe beö ©rblafferö aufgetoft ift, bcftimmt fid^ nad) bm SSorfd^riften
ber §§ 1783 ff., foroie beö § 1948 2lbf. 2 unb bcö § 1949 (ücrg(. aud[| § 1962).
§ 1230.
3lai^ bem SJorgangc ber mciften neueren ©efcjjc (oergl. prcug. 31. 2. 91. II, 1 ««rja^runa
§§ 128—130; föd&f.©.». § 1587; gotl). ei;egcf. o. 15. Sluguft 1834 § 47 ; ''' f^tcT*'
lübccf. ®cf. V. 26. Dttober 1863 § 5; altcnb. ©ef. 0. 13. Januar 1869 § 9) ift «nfpn»«^^« »c
8 ei^el&inbernifTc imb (SM^üeBung. 23crbemerfun(j. (§§ 1231—1249.)
eine furjc SSeriäl^rimg fotüo^l bcö im § 1228 beftimntten SÄnfprud^eS auf
©d^abenäcrfal als bcs 3lnfpruc^cö auf ^^i^ürfncibe bor im § 1229 bejeid^ncten
(Segenftänbe alö unentbcf)rlid) eradjtet, tljcilö megen bcr ©diroierigfcit, bie I)icr
in 33etrad)t fommcnben, im inneren beu gamilie fid) ereignenben S3orgänge
nod^ nad) längerer Qü\t ju ermitteln, tljeitö um ©d^u^ gegen d^üanöfc 9ln-
fpriid^e unb bie bamit üerbunbene Störung bcr 9lu^c unb bcö griebenö ber
fjamilie ju gcmäf)rcn. 3(m 9Infd)tuftc an bie neueren Oefeßc ift bie SScr^
iäljrungöfrift auf ein 3o^r feftgefc^t, beginnenb mit bem ^citpunfte, in mefd^cm
bieg SSerlobnife aufgcf)oben ift. ©ine längere grift mürbe mit bem ju
erreid^enben Qw^dc ni(f)t vereinbar fein.
äJovbemerlttug
JU bcn §§ 1231-1249.
stettuna SBenngleid^, fooiel bie Stellung bed biirgerlid^cn ©efepud^cö p ben
fRtml^ttc beftel^enben Sleidjögefefeen betrifft, im 90lgemeinen üon bem (Srunbfafee an^^
». 6. §e6ruov jugel^en fein mirb, ba§ ber prioatred^tlid^e Snl^att ber (enteren oufre^t ju
erhalten unb nur, foroeit ein SBcbürfnife vorliegt, ju änbcrn, ju ergänjen ober
ju beflariren ift, fo ftef|t bod^ ber ®infd^tagung biefed SBegeö in 9lnfel^ung
bc« in bem dl ®ef. über bie 33eurfunbung beö 5ßerfoncnftanbeö unb bie
©^efd^üefeung r>. 6. gebruar 1875 §§ 28' ff. bereitö geregelten ß^efd^Ucfeungd^
redete« ber Umftanb entgegen, bofe jenes ®efeg baß ®l)efd)lic6ungßredöt, ent^
fpred^enb bem auf bie 6rmögtid)ung ber 5Durdf)fül^rung ber 3i^i'^f)^ ^'
fd^ränften 3n)edEe biefcö 2:i)eileö jenes ©efegeö, nur unoollftänbig geregelt l^at.
«rforbwniffc gjji fj^j^ geljoreu bie SSorfd^riften über bie materiellen ©rforberniffe ber ©l)c*
m^^nl fddliefeung überfiaupt nid^t in bas ^ßerfonenftanbßgefc^. 3)ies gilt aud& oon
ben $Borfcf)riften über bie fog. auffd^iebenben 6l)et)inberniffe, inbcm biefclben in
erftcr 2inie fid& nid&t an ben ©tanbesbeamten, fonbern an bie ©^efd&liefeenbcn
roenben unb bie ?lid^tbeobad&tung berfelben eine SBiberred^tlie^feit ber Qf^e^
fd^Hefeenbcn begrünbet, meldte, abgefe^en von etwaigen fie treffcnben ©traf-
beftimmungen, unter Umftänben eine SSerpftid^tung jum ©diabenßerfage nad^
fid& jieljen fann. Die 9lufna^mc ber SJorfd^riften über bie ©rforberniffe bcr
©^ef^liefeung in baß ^erfonenftanbßgefefe ift and) lebiglid^ beß^alb erfolgt,
weit man bie ©tanbesbeamten in ber l)icr fraglid^en S3ejicf)img auf baß üor
bem Sleidjßgcfe^e in ©eltung gemefene materielle Sted^t nid)t t)ermeifen fonnte,
ba baß legtcre tf)eilß bunfel, tf)eilß in ben einjelnen Sunbeßftaaten Dcrfd&iebcn
gorm. mar. 2lud& bie SSorfd^riften über bie gorm ber ®l)efd^lie§ung felbft, fomeit
biefelben bie ©ültigfeit bcr ®^c bebingen, finb, roenngleid^ biefclben fid^ aud&
an ben ©tanbeßbcamten menbcn unb oon biefem Oefid^töpunfte an& jugleid^
bcn Äarattcr üon 2?erfal)rcnöüorfc^riften fiaben, bocf) üorroicgenb materiell
rcd^tlid|C 33orfd)riftcn. Süß fold)e gel}ören biefclben fi)ftematifd) unb prinjipieU
nic^t minbcr in baß bürgcrtid)c ©efe^bud), alß bie 93orfd|riften über bie gorm
anberer 9Ied)tßgcfd^äfte. 2)a eß bie 9lufgabe beß bürgerlid)en ®efe6bud)cß ift,
baß perfönlid^c ©l)ered^t in feinem ganjcn Umfange 5u regeln, fo mürbe baß
©cfefebuc^ in micfjtigcn fünften eine mefentlid^c Surfe cntl)altcn, roznn eß über
efectinbcrniffe unb eSef^Iicgung. SScrbcmerfung. {§§ 1231—1249.) 9
bic materiellen erforberniffe ber (S^e[(^Ue§uu3 unb über bie gorm ber ©{le-
fcdliefeung fclbft ganj fd^roetgen ober in biefcr ^infid)t nur eine SUerrocifung
auf baö 9t. @ef. d. 6. gebruar 1875 enthalten würbe. 3)ie 3luö)d)eibung
ber 33oric^riften über bie ®^el)inberniffe unb über bie gorm ber @f)efd)lie6ung
oiis bem ©cfefebu^e ift aber aue^ um beöwitlen nid&t ju empfehlen, weil iene
Sorfc^riften mit ben in bem ^erfonenftanbögefefte nid^t ent{)a[tenen unb bal)er
im bürgerlichen ©efefebud^e iebenfallö ju treffenben SJorfd^riften über bie an bie
SUc^tbcobad&tung jener Sßorfc^riften fid) Inüpfenben S^tgcn, insbefonberc über
bie Sli^tigteit unb Slnfed^tbarfeit ber ®^e, auf baä ©ngfte in SSerbinbung
ftc^cn, inbcm jene SSorf^riften bic ©runblage ber (enteren bilben. ©aß ®efe^=j
buc^ mürbe an Ueberfid^ttic^feit unb ®infac^^eit fd^mere ©inbufee erlciben,
toenn es gctiot^igt märe, bei ben S3eftimmungen über bie ?5oIgfn einer gefefe^
roibrig eingegangenen 6^e auf baä SH. ®ef. v. 6. gebruar 1875 bcjm. auf
baö bie nöt^ig merbenben ©rgänjungen unb 3lbänberungen beö legteren ent^
^oltenbc ©infü^rungögefeß jum bürgerlid)en ©efe^buc^e S3ejug ju neljmen.
3)ie aufnähme ber 3Jorfd()riften über bie 6I)ef)inbcrniffe unb bie gorm ber
®Hti&Iic6ung in baß bürgcrlid^e ©efefebud^ ift aber auc^ im 3ntereffc ber ©r-
Ici^tcrung ber ©efd^öftöfül^rung ber Stanbeöbeamten unb im Sntercffe ber
gorberung ber Verbreitung ber Äenntnife jener SSorfdjiriften in ben bettjciligten
Äreifcn beö ^JJublifumö porju}iel)en, ba, auc^ menn man eä in biefer ^infid)t
im Uebrigen bei bem 91. @ef. d. 6. gebruar 1875 belaffen moUte, bod^ in
»erf(^iebcnen 9lid^tungen eine ©rgänjung biefeö ©efe^cö, fomeit baöfelbe nämlic^
ttuf baö 2onbeßredt)t üermeift unb in bicfem bic nötf)igc SßerüoUftänbigung
finbet, crforberlid^ werben unb aud^ eine facfjlic^e 9lenberung jener Säorfdiriften
mit aiürfllc^t auf neue 5ßrinjipien beä ©efegbuc^cö nid)t ju uermcibcn fein,
mithin baö e^efd&Uefeungöred^t fid^ tljeite in bem 9t. ©cf. u. 6. gebruar 1875,
l^eite in bem 6infü^rungggefe|e jum bürgerlid[)en ©efegbud^c finben mürbe.
SDBcrben bie mcfentlid^en, bie ©ültigfeit ber ßfiefd^Iiefeung bebingenben
eJormoorfd^riften in bas ©efegbud^ aufgenommen, fo empficf)It eö fid&, menn^:
glei^ f^ftcmatifd^e 9iü(ffic^ten bagegcn fprec^en mögen, bo^ aus übermiegcnben
®runben praftif4ier Sn^^^^öfeigfeit, in gleid^cr SBcifc aud) in Slnfetjung ber
ni^t roefentlid^en SSorfd^riften über bie gorm ber ®f)efdl^lie§ung fclbft ju
oerfa^ren, ba bie mefentlid^en unb bie unroefentlid^en gormuorfd^riften in
einem engen S^^fon^tnen^ange fte^en unb burd^ bie Trennung bcrfclbeu bie
praftif(^e ^anbl^abung ber gefe^lid^en Seftimmungcn nidjt uncrf)cblid) erfdimcrt
©erben mürbe.
3[nberd, ate in älnfe^ung ber SBorfd^riften über bie ©{)c^inberni)fc unb »eur*
über bic e^d^Iicfeung fclbft, liegt bagegcn bie Sad&e in 3lnfcf)ung ber baö SlIÄt
Hufgebot unb bie S3eurfunbung ber ©f)efd^liefeung betrcffenben S5orfdE)riften.
5)iefe aSorfd^riftcn finb lebigüc^ 38erfaf)renöoorfd|riften unb gcl;ören bcöl;alb
f^ftematifcö unb nad^ ber oon bem ©efe^buc^c in äl;nlid)cn gällen, j. 3J. in
Setreff ber bie ©runbbudjorbnung unb baö 33erfal)rcn in ajormunbfd^aftös
foc^cn bejielenbcn Seftimmungen , befolgten SKet^obc nidjt in baö bürgerlid)c
©efetbuc^. ©in gcnügenbcr ©runb, t)on biefer 3Ket()obe l)ier abjumcid)cn,
liegt um fo meniger t)or, alö baö 9t. ©cf. o. 6. gcbruar 1875 bie be-
j^idineten SSorfd&rif ten DoUftänbig entljält unb ein Scbürfui^, bicfclben ju
I
^
10 e^eBinbcmifff. ©cf^äftSunfä^iQfeit ic. §§ 1231, 1232.
änbcrn unb ju crgänjcn, rocnn übcrljaupt, bod^ tnir in geringem aWofee üorliegt.
9lud5 bcr Sufött^^cJ^^önO ^i^f^^ SSorfd^riften mit ben SSorfd^riften über bie
gorm ber Sf)cfd()Iic6ung fclbft tft nicjt oon cntfd^eibcnbcr Scbeutung. Safe
aus ber 2^rennung biefer 33orfd()riften ein er^eblid^er Uebelftanb für bie praftifd^e
^anb^abung, inöbcfonbere für bie ®cfd^äftöfü{)rung ber ©tonbeöbeamten,
erroad&fen mcrbe, ift nid^t ju beforgen, jiimol biefem Uebelftanbe, fomeit nöt^ig,
burd^ eine bem ^crfonenftanbögefcge anju^ängenbe 3nftruftion für bie ©tonbeß«
beomten abgeholfen merbcn fann (t)crgl. 9lnm. 1 ju § 1245 ff.).
§ 1231.
©eftwft«^ S)ic a\i& bem SBefen ber (S^c mit ißot^menbigfeit pd^ ergebenbe SSe^
«nWflfeit. ^ti^„^„„g j,eö § 1231 f^Iiefet fid) in fad&li^er ^infic^t bem 9«. ®ef. v. 6. gebruar
1875 infofern on, a(d Icfeterefi im § 28 bie ©inroiUigung bcr S^efd^fiefeenben
ücriangt, GinroiUigung aber 2BilIensfäf|igfeit t)orauöfegt. SBcnngleic^ bie 93c*
ftimmung bcö § 1231 im ^inblicfc auf § 64 3lbf. 3 mUtxä^t alö felbftücrftänblid^
bctrad)tet werben fann, fo empfiehlt es fic^ bod&, bicfclbe im 3lnfd(|Iuffe an
bie ^Terminologie beö ©cfeftcs (§ 64) außbrütflid^ auösufpredfeen, ba e« einer*
feit« im Sntercffc bcr jur ^anbljabimg beö ©efefecö berufenen ©tanbedbeamtcn
liegt, fftmmtlid[)c Sfic^inbcrniffe jufammenjuftcHcn, anbererfeitö burd^ bie Sluf*
na^me bcr Scftimmung ieber Sw^^iH barübet auögefd)toffen toirb, bafe in ber
6f)efd^Iie6ung ein rcd^tögef^fiftlidjcr 3lft, ein SSertrag ju finbcn ift (oergl.
preufe. 91. 2. 31. IT, 1 § 39 ; fäd&f. ®. 93. § 1592 oerb. mit § 4 beö fäd^f. ®cf. t).
5. 9loücmbcr 1875; gotl). ©Ijcgcf. v. 15. 2luguft 1834 § 2 3iff. f.; altenb.
ei)corbn. t). 13. SWai 1837 § 165; l|cff. ©ntm. II Slrt. 8).
9Iuö bem § 1231 in SBerbinbung mit bem § 64 9lbf. 2 folgt namcntlid^
üon fclbft, bafe ^crfoncn, n)eld)c roegen ®eifteöfranff)eit entmünbigt finb, fo
lange bie ßntmünbigung bcftcljt, aud) in fog. lid)ten SnJifd&^n^öw^cn eine 6^e
nid)t fc^lie6en f önnen (ücrgl. preufe. 91. S. % II, 1 § 39, 1, 4 § 25 ; got^, ©l^cgef.
0. 15. 9tuguft 1834 § 2 3iff. f.).
Uebcr bcn ©influfe ber ®efd&äftdunfä^ig!cit eine« ©^cfd^tiefeenben auf bie
®ültigfcit bcr ei;e ücrgl. § 1250 3Jr. 2, §§ 1251, 1259 3lx. 4 nebft aßotiocn.
§ 1232.
sewranfte 1. S)ic Scftimmung beö 9lbf. 1 ift im ^inblidc auf ben red^tö*
Täluftdt.' gefd&äftUd()cn Äarafter bcr S^cfc^lie^ung nur eine 5lonfequcnj allgemeiner
cinrnuiflunfl ©niubfä^c (ücrgl. § 65 9lbf. 3, §§ 70, 71). 3^^ ^^^ entgegcngefcfetcn 6nt*
^ »?rt«t!?r fcft^i^""fl lüürbc man gelangen muffen, wenn bie ©fiemünbigfcit bie Sebeutung
f)dtte, baß mit bem ä^itpunftc bcrfclbcn in 9lnfel)ung ber 6{)efd&tic{3ung bie
unbcfd)ränltc (S3cfd)äftöfäl)igfeit atö erlangt anjufc^cn märe. S)icfe 93ebcutung
l)ai aber bie 6l)emünbigfcit nad^ bem ©ntmurfe in Uebercinftimmung mit ben
bcftct)cnben 9led)tcu nid)t. ^ic ®f)emünbigfcit bcjcid^nct cinerfeitö bieicnige
®i*en5c, Dor bercn 6rreid)ung eine gültige ©^e übertjaupt nid)t eingegangen
(Sfee^inbemiife unb (Sl&eft^Iiegung. SSorBemcrhina. (§§ 1231-1249.) 9
bic materiellen ©rforberniffc ber ß^efd^Uefeung unb über bie gorm bor ©^c?
f^licfeung fclbft ganj fd^roeigen ober in biefer c^infic^t nur eine ^crrocifung
auf baö 51. ®ef. t). 6. gcbruar 1875 entöaUen würbe. 3)ie 2IuS)d)eibung
ber ajorfdjriften über bie (SI)ef)inberrüfie unb über bie gorm ber G^efd^Iiefeung
an^ bem ®efe|bud^e ift aber aud^ um besiuiflen ni6)i ju empfetjlen, weil jene
9Sorf(^riften mit ben in bem ^^erfonenftanbögcfefce nid)t entf)altenen unb bal)cr
im bürgerlichen Ocfegbud&e jebenfallö ju treffenben aSor|'cf)riften über bie an bie
9lid|tbeobad^tung jener Sßorfd^riften fid) fnüpfenben golgen, inäbefonbcre über
bie 5ßid^tigfeit unb Slnfcd^tbarfeit ber ®^e, auf baö ©ngfte in SSerbinbung
[teilen, inbem iene SSorfd^riften bie Oninblage' ber lejteren bilben. S)as Oefefe-
bu^ mürbe an Ueberfid^tti^feit unb 6infad)^eit fd^roere ©inbufee erleiben,
wenn eö genöt^igt märe, bei ben Seftimmungen über bie ^ol^cn einer gefe^^
roibrig eingegangenen ®t)e auf bas 91. ®ef. v. 6. gebruar 1875 besro. auf
ba^ bie not^ig mcrbenben ©rgönjungen unb 9lbänberungen beö legieren ent*
^altenbc (Sinfü^rungögefeg jum bürgerlid^en ©efe^bud^e Sejug ju nef)men.
3)ie Slufnal^me ber ^orfdl)riften über bie ®l)el)inbcrni}fe unb bie gorm ber
(g^efc^liefeung in baö bürgerlid^e ©efegbud) ift aber aud& im 3ntcreffc ber ©r*
lcid(|tcrung ber ©efd&äftsfü^rung ber ©tanbcöbcamten unb im Sntercffc ber
görberung ber aSerbreitung ber Äenntnife jener aSorfdljriften in ben bett^ciligten
Äreifen beö ^^ublitumö t)orjujiel)en, ba, auc^ rcenn man eö in biefcr ^infid&t
im Uebrigen bei bem SH. ®ef. ü. 6. gebruar 1875 belajfen wollte, bod^ in
xierfd^iebenen 9lid)tungen eine ©rgönjung biefeö ©cfeßcö, fomeit baöfelbc nämtic^
auf baö Sanbeöred^t üerroeift unb in biefem bie nötljige SBerüollftänbigung
finbet, erforberlid^ roerben unb aud) eine fad&lic^c 9lenberung jener SSorfd^riften
mit SRücffic^t auf neue ^rinjipicn beö ®cfc§bud)eö nid)t ju oermciben fein,
mithin baö (S^efd^liefeungöred^t fid^ t^eilö in bem 9t. ®cf. ü. 6. gebruar 1875,
tt^eite in bem 6infü^rungögcfe|e jum bürgerlid^en ®efe^budöe finbcn mürbe.
SBcrben bie roefentli^en, bie ©ültigtcit ber ©liefd&liefeung bcbingenben
gormoorfd^riften in baö ©efegbud^ aufgenommen, fo empfict)lt eö fic^, roenn^
glcid^ f^ftematifd^e 9lücffidöten bagegen fpred^en mögen, boc^ aus überroiegenben
©rünbcn praftifd^er 3w>^^"^ö6igteit, in gleid^er SBcifc aud^ in 3lnfcl;ung ber
nid^t roefentlid^cn 33orfd)riften über bie gorm ber ©tjefc^Uefeung fclbft ju
Derfa^rcn, ba bie mefentli^en unb bie unroefentlidben gormüorfc^rif ten in
einem engen 3wfammenf)ange ftel)en unb burd& bie SE:rennung berfclbcn bic
prattifd^c ^anb^abung ber gefeglid^en 33cftimmungcn nid)t uncr^cblid^ erfc^wert
merben mürbe.
9lnberö, als in 9lnfef)ung ber SSorf^riften über bie 6^el)inbernijfc unb »cur*
über bie ©Hd^li^fei^nfl fclbft, liegt bagegen bic Bad)c in 9lnfc^ung ber baö «"„{g^ot
Aufgebot unb bie Seurtunbung ber 6l)cfd^liefeung betreffcnbcn aSorfd^riftcn.
Siefe aSorfd^riften finb lebiglidE) SSerfalircnöüorfc^riften unb geljören beöl)alb
fpftematift^ unb nad) ber üon bem ©efelbuc^e in äl)nlid)en gällen, j. S. in
Setreff ber bic ©runbbuc^orbnung unb baö aSerfal^rcn in aijormunbfdjaftö^
fachen bcjielenben Seftimmungen , befolgten aKet^obc nid)t in baö bürgerlid()c
©efefebud). 6in genügenber ©runb, üon biefcr 3ftetljobe Ijicr absuiücid^en,
liegt um fo weniger oor, alö baö 91. ©ef. o. 6. gebruar 1875 bie be*
ieidineten äorfc^riften Dollftänbig entl}ält unb ein Sebürfnife, bicfclbcn ju
1 2 ebeJtnberniiTe. ScWränftc ©efdjaftöfaßiöfett. § 1232.
iinb bcö fäd^f. ®. S. §§ 1600, 1575, rocniflftcn« in Slnfc^unß bcr wegen S8er*
fd^mcnbung unter SJormunbfd&aft gcftelltcn äSoHiäl^rlgen in ©ettung geroefcnen
Siedete ~, bie ©inrailligung beö gcfefelid^en 33ertreterd nid)t crforberltd) ift.
9lu(^ biefe 9I6roeid^ung red^tfertigt fid^ burd^ bie allgemeinen ©runbfäße bcä
©efclbud^cS, nodö roeld^em SSoIIiä^rige, raeld&e wegen SBerfd^rocnbung entmünbigt
ober nad^ ÜBafegabc beö § 1727 wegen gewiffcr ®ebred^en beö üormunbf^aft?
lid^en ©^ufeeö für bebürftig ertlärt ober nad^ Sßafegabe beö § 1737 lyttcr oor?
läufige Sßormunbfd^aft gcfteUt ftnb, in 9lnfe^ung ber ©efdjäftöfä^igfeit ben
a)Jinbcriäf)rigcn, wcld)e baö fiebentc Sebenöjafir jurüdfgelegt l)aben, auc^ rüdE-
fid^tlidö nid^t Dcrmögenöred&tlid^er Sied^tögcfc^äftc gleid^fte^en (§§ 70, 71). ©5
fe^lt an einem jwingenben Orunbe, jeneß ^rinjip für bie ©l^efd&Uefeung ju
bur^bred^en; im ®egentf)eil liegt ed, fooiel inßbefonbere fold^e SSoIljä^rige be^
trifft, wclcf)e wegen Sßerfd^wcnbung entmünbigt finb, fowoE)! in bem eigenen
3ntcref?e bcr leftteren alö aud^ im öffentli^en Sntereffe, burc^ baö ©rforbernife
ber Einwilligung bcö gcfe6lid[)en SJertreterö jur (Sticfd^licfeung einen ©d^u^
gegen bie leid()tfinnige unb unüberlegte ©d^lieftung einer ®l^e üon Seiten folc^er
^l^crfoncn unb bie barauö ber gamilic unb ben ©emeinben bro^cnbe ^aft ju
gewähren. 9fnlangcnb aber bie na6) ÜJlafegabc beö § 1727 bcö oormunbfd^aft^
lid)cn ©d^ufeeö für bebürftig ertlärten üoUid^rigen ^^ieiionen, fo fann bejüglid^
biefer bie öeftimmung beö § 1232 9lbf. 1 um fo weniger 33ebenfen erregen,
alö nad) bem § 1735 SÄbf. 3 baö SSonnunbf^aftögcric^t bie 3}ormunbfd&aft
über fold&e ^^Jcrfonen aufl)ebcn foU, wenn ber 9Jlünbel bie 5fuf^ebung beantragt
unb mit ber 9tuf^ebung ber SSormuubfd^aft nac^ bem § 71 bie 4)cfd^räntung
ber ®cfd)ciftöfft^iflfeit wegfällt, mithin aud) bie 83eftimmung beö 9lb|. 1 in Sin?
fcl)ung bcr l)icr fraglid&cn ^^Jcrfonen unanwcnbbar wirb.
^tfH*« s)iad) s)lbf. 1 ift bie (Sinwilligung bcö gefc6lid)en aScrtrcterö ber in bcr
®efd&äftöfäf)igfcit bcfd^ränttcn ^erfon erforberlid^. SBer als ber gefc^lic^c
SSertreter bcr)etbcn anjufel)en ift, crgicbt fic^ am ben S3eftimmungcn über
bie clterlid()e ®cwalt unb ben öcftimmungen bcö 3Sormunb)d)aftöre(^teö. ülai^
biefen Scftimmungen ift ber gcfcfctid^c 33crtretcr ber in bcr ®efd^äftöfäl|igfeit
befd^ränften ^^crfon, je nac^bem bie Ic^tcrc unter elterlicher ®ewalt ober ®or^
munbfd^aft fteljt, bcr 3nl)abcr ber cltcrlid^en ©ewalt ober bcr i>ormunb bcjw.,
fofern aM bcfonberen ®rünben bie SScrtretung in perfönlid&cn 9lngclegen^citen
beö Äinbcö ober SWünbelö einem ^pegcr übertragen fein folltc, biefer leßtere,
ba bie ®inwiUigung jur ©^cfd^licfeung fid& alö 9luöflu6 bcr Sorge für bie
^^Jerfon bcö ftinbcö bcsw. bcö ^OJlünbelö barftellt (ücrgl. g§ 1503, 1649, 1650,
1728, 1730, 1738 9lbf. 1 Sag 1, g 1743).
dfftmt^n 2Bie auö bcr Scftimmung beö § 1651 9lr. 1 unb bcö § 1728 fid^ crgicbt,
^t^ixZn ift ^^^^ ^^^ 33ormunb ju bcr ®l)cfd^lic6ung jwifc^cn fid^ felbft ober einem feiner
»ertreter k. ggerwaubtcu iu gcrabcr Sinic unb bem Sßünbcl bie nad^ bem § 1232 9lbf. 1 er*
f orbcrlid&e ©inwilligung 5U ertf)cilen bcf)inbert. S)ur^ bie allgemeine Scftimmung
beö § 1651 yiv.l wirb bie befonbcrc Seftimmung beö §37 bcö ^)i. Wcf. über
bie S3eur!unbung bcö ^ßcrfoncnftanbcö unb bie ®f}efd)lie6ung o. 6. gcbruar 1875
crfefet. 2)cr Stanbpunft beö ©ntwurfcö weidet allcrbingö, abgefc{)cn baüon,
bafe bie ®^c jwifd^cn bem Sßünbel unb bem bebinbertcn 93ormunbe bejw. bem
2lbFömmlingc bcö Icgtcrcn nad) bem § 1259 ?ßr. 4 in 3Scrbinbung mit bem
e^ejinbcmiflc. SeWranlte ®ef*aftßfaBtflfeit. §1232. 13
§ 1232 äbf. 1 unb bcm § 1651 3lr. I anfechtbar ift, barin üon bcm «Rci^d*
gcfcgc ab, ba§ nad^ bcm ©ntrourfc bic ®^c jroifc^cn bcn bcjeicfinetcn ^erfoncn
nw^nb ber 2)aucr bcr SSormunbfd^aft nid^t unbcbingt ocrbotcn, fonbcrn jiu
lofftg ift, njcnn an Stelle bcö inforocit oon ber SBertrctung ousgcfd^loffencn
Sormunbeö ein ju biefem Sroerfe beftellter Pfleger (§ 1738 3lbf. 1 Sag 1)
feine ©inimlKgung ju ber ß^cfd^Iiefeung ertfieilt. S)ie|e 9lbiDci(^ungen ooti
bem aicic^ögefege re^tfertigen fid^ aber burd^ bcn Slnfd&Iufe an bie allgemeinen
fJrinjipien beö SBormunbfd^aftöred&tcö, unb and) a\x^ bem ©efid^töpunfte ücr*
bicnl bcr Stanbpunft bed ©ntrourfeö bcn 3}oriug, mcil unter Umftänben bic
^ortbauer bcr SBormunbfd^aft im Sntcreffe bc« üöiünbelö münf^cnsrocrtl) fein
fonn. ®a jum S^cdc ber ®rt{)cilung bcr ®inroilligung bcö gcieglid^en SScr*
treterS jur ß^efd^tiefeung in ben Ijicr in SRcbe ftc^enbcn fällen bic ScftcUung
eines befonberen Pfleger« erforbcrlid^ ift, )o erhält baö 3iormunbfd)aftögeri^t
Don bcr bcabfid^tigtcn ß^cfd^licfeung immer .Vtenntnift unb ift baöfclbc in golgc
beffen in ber Sage, bcn SSormunb, fomeit bieö bcn Umftänben nad^ im 3nter*
effe bcö 2Rünbete geboten erf^eint, enttaffen ju fönnen (§ 1705 "ih. 1). 2)aß
3ntereffe bcö aWünbetö mirb auf biefe 2Beifc in auörcic^enbem SÖiafec gefd^ügt.
Der Stonbpunft bcö ©ntmurfcö, nad) roeld^cm bie 6öc jmif($en bcm 3)tünbcl
unb bem SSormunbc bejro. einem Slbfömmtingc beö legtcren iüäl)renb bcr
iJauer ber 33ormunbfd^aft n\6)i abfolut unjuläffig ift, näl^crt fid& benjcnigcu
t)or benx Snfrafttreten bcö Sicid^ögcfcfteö in ©ettung gerocfenen Sflcd)ten, met^e
bie ^icr fraglid^en ©ticfd^liefeungen aud) n)öf)renb bcr 2)aucr ber 33ormunb*
fc^aft ntit ®enel)migung bcö 35ormunbfdE)aftdgcric^tcö geftattctcu (ücrgl. preufe.
a.2. 9i. II, 1 § 14; föd^f. @. 93. § 1604; altcnb. eiieorbn. ü. 13. 3)Jai 1837
§§ 15, 16). SBie bcr SSormunb, fo ift aud^ ein Pfleger, mcld^cm bic Sorge
für bic ^erfon bcö 9Äünbel« obliegt, bie ©inmilligung jur ®f)cfd&Iicfeung ju
erteilen be^inbcrt, menn cö fic^ um bie S^cfdilicfeung jroifd&cn bcm 3)lünbel
unb bem ?ßflcger ober einem SJcrmonbtcn bcö lc|tercn in gerabcr 2inie ^anbelt
(oergl. § 1743, § 1651 3lt. 1, § 1232 9lbf. 1). 35aö|clbc gilt nad^ § 1503 in
aSerbinbung mit bem § 1651 9lr. 1 unb bem § 1232 Slbf. 1 auc^ in 9lnfcl)ung
beö Sn^aberd bcr eltcrlld^en ©eroalt, foroeit bei biefem bcr ^icr fraglid^c gall
im öinblitfc auf bie §§ 1236, 1240 üorfommcn tonn. ®ö ift bicö mögtid^,
toenn es fid^ um bie 6^e jroifc^cn einem Äinbc unb einem Cnfcl hcQ ^ntjabcrö
ber elterlichen ©eroalt ober um bic ®l;c jroifdicn jjroci 9lboptioge)d)roiftern
^anbett, ba ber 3lnnel)menbe nad^ bem ©ntrourfe bie e[terlid)e ©croalt über
ben nod& minberiäl)rigcn angenommenen erlaugt (§§ 1001, 1623).
3nroieroeit neben ber ®tnroilligung beö gefegli^cn )8ertrctcrö aud) bic
©nroillißung ber ©Itern afe folget crforbcrlid) ift, unb inroieroeit bie ©im
nriOigung, roelc^e ein @lterntl^cil als fold^cr crtl)cilt, juglci^ bie Ginroilligung
bcö le^tercn alö bcö gcfcfelid^cn Sßcrtretcrö bcö Äinbes cntf)ält, crgiebt fid^ auö
ben §§ 1238, 1239 (ücrgl. in Icfetcrer ^infid^t unten S. 17 unter 3).
auf bic nad^ 2tbf. 1 erforberlic^e ©inroiUigung jur ©fjcfd^licfeung |*^^J^f J*^
finbcn bie allgemeinen SSorfd^riften beö § 127 9lb). 1—3, inäbefonbcrc aud) (hnroiaiflun«.
bie aSorfc^rift be« § 127 äbf. 3 T)erb. mit § 119, 3lnroenbung. S)ic oon bem
flefe6ti(^n SBertreter ertl&eilte ©inroilligung jur ©liefd^liefeung laun mitf)in, fo ®ib«wm«^'
lange bic legtcrc nod^ nid^t erfolgt ift, roirffam roiberrufen roerbcn. ®ö
14 e^e^inbentüTc. Sefc^ranfte ®ef*aft8fd6iöfeit. § 1232.
cntfpridit bicö an6) bem ®cfid^töpun!te, bafe bte ©inroilligung beö gcfcllid&en
SBcrtretcrö ein Sluöflufe ber gürforgc für bic ^crfon beö Sßertretenen ift.
treten fpäter Umftänbc ein ober l)crt)or, rocld^e bie (S^efd^Uefeung alö nid^t im
Sntereffe beö SBertrctenen erfd)einen lafjen, fo ift ber SBibcrruf ber ©inroilligung
nid^t nur ein SRed)t, fonbcrn aud& eine ^flid^t, auf roeld^c nid^t t)erjid^tet
werben fann. STuö jenem Oefid^töpunfte ergiebt fid) ferner, bafe eö immer
auf bie ©inmiUigung beöjenigen anfommt, roeld&er jur '^di ber ©fiefdötic^ung
' ber gefefelidie SSertreter ift. ©oUte berjenige, roeldier jur 3^it ber ©^efd^Iiefeung
ber gefe^Iid^e SSertreter ift, bie ©inroilligung perfagen, tro^bem ein frütiercr
gefefcti^er Vertreter biefelbe ert^eilt l^atte, fo fiat ber Stanbeöbeamte bie
Slnorbnung beö Stufgebotcö bejro. bie S^efd^Uefeung abjulel)nen, fo lange nid^t
ber icfeige gefe^Ud&e SBerlretcr bie ©inwilligung ertf)ei[t l;at bcjro. bie (entere
nad^ aJlafegabc beö 3lbf. 2, 3 unb beö § 1238 2lbf. 4 erfefet ift (oergl.
§§ 45, 48 beö iJt. (Sef. über bie Seurfunbung beö ^erfonenftanbeö unb bie
ß^efd^Iiefeung t). 6. 3uti 1875). ©in öebürfnife, üon bem ©runbfa^c ber
2BiberrufIid^teit ber ©inroiUigung für fold^e gälle eine 9luönal)me ju mad^cn,
in roeld&en ber SBiberruf auf Orunb von Umftänben erfolgt, n)eld)e bem
gefe^Iid^en SScrtretcr, ber bie ®inmiUigung ert^cilt Ijatte, jur ^z\t ber
©rtl^eifung ber ©inmiUigung befannt waren (oergl. preufe. 31. S. 9t. II, 1
§ 111; fftd^f. ®. SB. § 1601; got^. ß^egef. t). 15. 9luguft 1834 § 39), !ann
nid)t anertannt werben. S)er SBiberruf ber einmal crtljeilten ©inmiUigung
fann allerbingö für bie Set^eiligten unter Umftänben eine grofee ^ärte fein;
inbeffcn barf barauf vertraut werben, bafe, wenn t)on ber in ber ©efd&fiftö-
fä^igfcit bef darauf ten 5ßcrfon nad^ SKafegabe beö 9lbf. 2 bejw., fofern ein
®lternt^eil ber gefeglid&e SSertreter berfetbcn ift, nad^ Slfafegabe beö 3lbf. 3
unb beö § 1238 aibf. 3, 4 auf ©rgänjung ber einmal ert^eilt gewefenen
aber wiberrufenen Sinwilligung beö gefe^Ud^en 33ertreterö angetragen wirb,
baö jur ©ntfd^cibung berufene Oerid^t |f(^on t)on felbft auf fold^c befonberen
33erf|ältniffe bei feiner ®ntfd)eibung SlüdEfid^t nefimen wirb. ®inc 3luöna^me
oon bem ®runbfa|e ber SBiberrufUc^fcit ber ©inwilligung in ber bejeid^neten
3lid)tung würbe jubem feine gro^e praftifd^e Sebeutung f)aben, ba in ben
meiften fallen, in weld^en ein SBibcrruf erfolgt, j^igleid^ neue Umftänbe mit
ben befannt gewefenen fonfurriren werben. Slnbcrerfeitö ift ber Sluöf^Iufe
beö SBiberrufeö aud^ im ^inblidEe auf fold^e gälle in l^ol^em ©rabc bebenflid^,
in weldjen bei ©rt^eilung ber ®inwilligung übereilt ober gewiffenloö ©erfahren
ift unb auö biefem ©runbe ber 2Biberruf erfolgt.
(Knwiatgung 3iiid^ bie ^xaQ^, inwiefern bie Einwilligung ju ber 6l)efd)lie6ung unter
iörtin^ngK. <&inäwfügung einer 93ebingung ober 3^i*t>^ftin^wiung wirffam ertfjeilt werben
fann, ift nad^ ben allgemeinen ©runbfägen ju beurtl)eiten. 3)ie SRatur ber
©inwilligung ju ber ß^cfdiliefeung alö eineö familienrcd^tlid|cn 9led&tögcfd)äfteö
ftel^t, in Ermangelung einer befonberen SBeftimmung, ber Seifügung einer
Scbingung ober 3<^itbeftimmung nid^t entgegen. 3lur fann, fo lange bic
23ebingung fd^webt ober ber S^itpunft nod^ nid^t eingetreten ift, felbftüerftänblid^
bie 6^e nid^t gefd^loffen werben. ®in entfd&eibenber (Srunb, in bem l^itr
in SRebe ftel^enben gallc eine 9luönat|me üon ben allgemeinen ©runbfäfcen ju
mad)en, liegt nid^t üor. 3!nöbefonbere ift eine folcf)e 9luönal)mebeftimmung
ete^inberniffc. Scf^ränftc ©efd&äftöfäßiöWt. § 1232. 15
burci praftifd^c SlüdEfid&ten jum 3^^*^ ^^^ (Srlciddterung her ®efd^äftsfii^rung
bcr ©tonbcöbcamtcn ober jum Sd^ufee bcr &)tn gegen Slnfed^tung, rocnn bcr
©ntritt ber 93cbingung etwa irrtl^ümlid^ angenommen fein follie, nid^t geboten,
ba nadf ben SBorfc^riftcn über baö 5lufgebotdt)erfQl&rcn bie SSerlobten bie
juftimmenbe ©rfläning berjenigen, beren ©inroilligung jur ß^efd&Hefenng
erforberlid^ ift, b. ^. bie unbcbingte unb unbcfriftcte (Sinroilligung berfclben in
beglaubigter gorm beizubringen l^aben (§ 45 beö 31. ®ef. über bie Seurtunbung
be« ^crfoncnftanbeß unb bie ©^efd^Iiefeung v. 6. 3uli 1875).
2. 3n einem großen 2^^eile S)eutfd&IanbS ift nod^ bem burc^ ben § 29®^^^^^^
Sbf. 5 bes SR. ©ef. über bie SBeurfunbung beö 5ßerfonenftanbeö unb bie **f<j^^«"" '
©Hd&li^fewng 0. 6. gebruar 1875 unberührt geladenen Üanbeöred^te (üergl. fle«**««-
preufe. ar. 2.91. n, 1 § 54 unb baju ®ntfd^. beö 91. ®. in ©troff. V, 118;
fäc^f. ®. 93. § 1921; got^. ©^egef. t). 15. 9luguft 1834 § 4 3lbf. 5;
meining. Oef. v. 27. SRoüembcr 1875 nebft Snftruftion o. 26. gebruar 1876
§ 49; oltenb. 33erorbn. t). 30. Dttober 1875 § 9; fc^roorsb.^rubolft. 3m
flruftion o. 10. ©ejember 1875 § 17 ; code civil 3lrt. 160 ; bab. Wef. v. 9. ®e^
jember 1875 § 2) ju ber ß^cfc^Iiefeung beocrmunbeter 5ßerfonen neben bejU).
ftatt ber ßinroiUigung beö SSormunbeö bie ®enel)migung beö SSormunbfd^aftö-
gcri^teö ober beö gamilienratl^cö erforberlid^. 6ö tonn nic^t oerfonnt werben,
bafe wichtige ©rünbe fid^ bofür gcitcnb machen taffen, bei bem für ben Seocr*
munbeten befonberö roid^tigen 9lcd(|tögefc^äfte ber ß^efc^liefeung neben ber ©in*
roilligung beö 58ormunbeö auc^ bie ®ene{)migung beö SBormunbfd^aftögeric^teö
ju verlangen, jumal nad^ bem ©efefebu^e in üicien gäHen, xoM)t an ftd&
nid^t oon fo einfd()neibenber Sebeutung für bie SJer^ältniffe beö ÜRünbelö ftnb,
nomentlid^ ju oermogenöred^tlid^en 9lec^tögef(^fiften (§ 1674), bie ®encl)migunn
beö Sormunbfd^aftögeriddteö erforbert mirb. SBerlongt man bie ®enc^migung
beö SBormunbf d^aftögerid^teö , fo ift baö lefeterc in ber Sage, fontroliren ju
fönnen, ob ber SSormunb in bcr l^icr fraglid^en 99ejiel|ung bie Sntereffen beö
ÜRünbelö geroiffenl^aft wahrnimmt. ®ine berortige Äontrolc f ann inäbcfonbere in
folc^cn ^Uen roünfd^cnöroertl^ erfc^einen, in roeld^en bie SBa^I bcr ^erfon
beö aSormunbcö Don bem 93ormunbfd)aftögerid^te nic^t abfängt (oergl. §§ 1635,
1637, 1728, 1729). S^^JWfl^fe^Ji ift femer, bai mit ber (g^cfd^Iiefeung oft aud)
"loic^tigc permögenöred^tUd^c golgen t)erbunben finb. 2^ro^ biefer für baö ®r^
forbemife bct ©enel^migung beö 9Sormunbfd)aftögcrid^tcö fpred^enben ®rünbc
ifi eö jebod^ rid^tigcr, T)on bicfem ©rforberniffe abjufcficn, meil eincöt^eilö baö
@efe|bu(ö überhaupt uon bem ^rinjipe ouöge^t, bofe bie ©orge für bie
^kifon beö ÜHünbclö bem SSormunbe allein obliegt (§ 1648), unb anberen-
t^eilö, oom praftifd&en ®eftd^töpunfte auö betrad)tet, üon ber ^[uffteUuug jeneö
ßrforberniffeö nad^ ben gemad^ten (Erfahrungen bie erl^offten SSort^eilc nid|t
iu erroarten finb. SWad^ ber 9latur ber ^icr in Setrod^t fommcnben SSer^
Wltniffc ift baö 3Sonnunbfd^aftögcrid^t nur |in feltencn [fällen in ber Sage,
fitft bie not^ige Äenntnife ber SSerl)ältnif)e alö ©runblage feiner ®ntfd&cibung
ju üerfc^affen. 3ti Solgc bcffen wirb bie ®enel^migung beöfelben oft eine
reine gormfad^e, jumal baö 3Sormunbfd&aftägerid^t meift üor ooUenbeten X\)aU
fa^en fte^t, bcncn Slec^nung ju tragen eö fd)lie6lid& bod& [xä) gcjmutigen fiefit.
Sttbcrerfeitö !ann, menn baö aSormunbfd^aftögerid)t ängftlid) unb peinlid)
16 ei&ejinbemffc. S3ef*rdntte ®cfd6oft«fa5i0feit. § 12^2.
Derfäl^rt, eine beii Umftfinbcn nid^t cn tfpred^cnbe 6ntf (Reibung ober bod^ eine
nac^tl^eilige SSerjogerung ber legieren erfolgen.
«nÄur ^' ®'^ -SSorfd&riften beö Slbf. 2, 3 betreffen bie grage, inwiefern
beftgefe«ii(^en bie ®inn)inigung bed gefegUd^en SSertreterS bur^ bie ©enetimigung bed 93or-
»ertreters, tnunbfd^aftsgerid^teS erfefet werben fann, roäl^renb über bie Swlöffigfeit rid^ter^
lid&er ©rganjung ber ©inraiUigung ber Gltem afe fotd^er ber § 1238 3lbf. 3
beftimmt.
2)urc^ boö 9t. ®ef. t). 6. gebruar 1875 § 29 3lbf. 4 finb biejenigen
lanbeögefegU^en 33eftimmungen, nad^ weldien bie ©inroilligung beö SSormunbeö
burc^ bie ©ene^migung beö SBormunbfd&aftögeric^ted erfefet werben fann, un*
berüfirt gelaffen (oergl. inöbef. preufe. ä. S. SR. II, 1 §§ 69, 70 ; got^. ei)egef .
t). 15. Sttuguft 1839 § 6 3lbf. 2; weimor. ®cf. ö. 2. 5Rot)ember 1848 § 3; lübedE.
®ef. D. 26. Dttober 1863 § 2 g. ®. oerb. mit ber lübecf. aScrorbn. t). 11. Dttober
1820 § 29; \)amb. SSormunbfc^. D. t). 14. Dejember 1883 3lrt. 58 3lbf. 3; brent.
aSormunbfd^. D. o. 14. 3Kai 1882 § 40). Sie SBorfd^rift beö aibf. 2 fd^Uefet
fid^ bicfen Scftimmungen an. 9Jad^ ben allgemeinen ©runbfäftcn beö SSomiunb^
fd&aftörec^teö tonn allerbingö baö 3Sormunbf(^oftsgeric^t, menn ber SSormunb ober
^Pfleger feine ©inroilligung t)erfagt, nidE|t an ©teile beö 55ormunbed ober
^Pflegers bie ©inwilligung ert^eilen, fonbcrn nur im j^alle pflid^tmibriger SSer-
fagung ber ©inwilligung unb aud& in bicfem galle nur in ber 9lrt einfdireiten,
bafe es entweber ben SBormunb ober ^JJfleger burc^ bie jutäffigen 3^^öngömittcl
jur ®rtl)eiluug ber ®inroiBigung anhält ober bie ©ntlaffung beöfelben üerfügt
unb einen anberen SSormunb ober 5ßfteger beftellt (üergl. §§ 1684, 1705 3lx. 1,
§§ 1728, 1743). ®S ift iebod^ unbebentUd^ unb im 3ntereffe ber aSereinfac^ung,
fomie jur SScrmcibung üon aSerjögerungeu angemeffen, üon jenem 5ßrinjipe
l^ier eine 3luönal&me ju mad^en. Um bem SWifeücrftänbniffe 5u begegnen, alö
ob baö a3ormunbfd^aftögerid)t bie ©inwilligung beö 2]ormunbeö ober 5ßpegerö
nur im galle einer ^flid^troibrigfeit erfegen fann, ift eö alö ratl)fam eraditet,
burd) bie aSorfddrift beö äbf. 2 ©ag 2 auöbrüdflid^ barauf fiinsuroeifen, ba§ baö
aSormuubfd^aftögeric^t bie ©inroilligung ju ertfieilen Ijat, wenn bie ©rtfieilung
im 3^tci*<^ff^ i^cö SWünbelö liegt.
insbef. 3)ie üorfte^eub bejeid^neten 93eftimmungen follen aud) bann 9lnrocnbung
t^eueä dl^bes Pi^b^^V ^^^^ ^'^ ©Itemt^eil ber in ber Oefc^äftöfäl&igfeit befc^ränften 5ßerfon
öefmic^en t)er gcfeglid^e aSertrctcr ber legteren ift, t)orauögefcgt, bafe nad^ ben SJorfd&riften
ber §§ 1238, 1239 bie (Sinroilligung biefeö ©Iternt^eileö alö fold^en ju ber
®t)efd()lie6ung beö Äinbeö nid&t crforberlid^ ift. ®icfe ajorauöfegung trifft
namentlid; in bem galle ju, in meld^em ein Äinb, roel^eö baö fünfunbjwanjigfte
Sebenöja^r jurüdEgetegt \)at, unter ber Sßormunbfd&aft ober ^^ßftegfdliaft eineö
@lterntf)eileö fielet. Sie fann aber unter Umftänben a\i6) in 9lnfe^ung beö
minberjätjrigen , unter elterlid^er ©eroalt ftefienben Äinbeö jutreffen, votnn
nämli^ bie elterlid)e ©eroalt beö SBaterö, roeil berfelbe tl)atföd)lid^ t)er^inbert
ift, bie ©eroalt auöjuüben, ober rocgen aRinberiftt)rigfeit beöfelben ru^t unb
bie etterlidde ©eroalt in biefen gällen ber aßutter juftet)t (üergl. §§ 1554, 1555).
3in foldien pllen ift neben ber nad& bem § 1238 3lbf. 1 erforberlidien
©inroilligung beö aSaterö alö foldEien nad^ 9lbf. 1 aud& bie ßinroilligung
ber aJlutter alö beö gefeglid^en SScrtreterö beö Äinbeö erforberlid^. ©in ge*
ei&cjinbermffe. S^cmünbißfeit §1233. 17
nugcnbcr (Srunb, bic änrocnbung bcö 3lbf. 2 in bcrartigcn gällen aud^
|ufc6lic§cn, liegt nic^t »or, ba in biefcn gäUcn ein eigene« SHcd^t beö be*
trcffenben ©Itemt^eilcd, welcher ber gefe^Iicfie 55ertrcter beö Äinbe« ift, nic^t
in ^ogc fommt.
Snbetö liegt bagegen bie ©ad^e, wenn ein folc^cr ®ltcmt^eil, ol^nc beffen
einn^iOigung bod 5linb mä) btn iBorfd^riften ber §§ 1238, 1239 bie ®^e nid^t
f(^Ue§en barf, jugleid^ ber gefeglid^e SSertreter bed £inbcd ift, fei ed, ha^ bad
Äinb unter ber elterlichen (Seroalt ober unter ber 33ormunbfc^aft ober ^Peg^
fd^ft biefed @lterntl^eiled ftcl^t. 93ern)eigert ein folc^cr @lterntl^eil bie ©in«
vUiigung, fo fann bie ©intoiDigung bedfelben alö folc^en nad^ § 1238 ätbf. 3
oerb. mit § 779 äbf. 1 ß. % D. nur bur^ ben ^^Jrojeferid^ter erfe|t werben.
3n Srmongelung einer befonberen 93eftimmung mürbe aber neben ber ©rgönjung
burc^ ben $ro}e§ric^ter wegen ber @igenfd^aft beö ©Iternt^eiled ald bed gefe^
lic^ SSertreterd beö Jlinbeö nad^ § 1232 äbf. 2 noä) eine ©rgänjung burd^
baö Sormunbfd^aftdgeric^t erforberlid^ fein. 3)iefe tefetere ©rgäujung ift jeboc^
neben ber erfteren ald überflüfrig crad^tet (nergl. § 1238 3lbf. 4). Das Äinb,
loelc^eö in ben ^ier norauSgefegten fällen bie rid^terli^e @rgänjung ber elter^^
tieften ©inwilligung na^ äßafegabc befi § 1238 3lbf. 3 verlangt, mufe ju biefem
3nK(fe bie S3eftellung eines ^flegerd bei bem SBormunbfd^aftßgerid^te beantragen
(oergl. § 1651 Sir. 1, § 1738 2lbf. 1 Saft 1). 2)ad aSormunbfcftaftögeric^t
wirb aber einen ?ßfleger nur bann ju beftellen ftaben, wenn ed auö b^n Um*
jtonben bed galleö minbeftenö bie Ueberjeugung gewinnt, bafe bie grage, ob
ber 3lnfprucft befi Äinbeö auf ©rtfteilung ber eltcrlid^cn ©inwiUigung begrünbet
fei, einer näheren Prüfung bebürfe. ^ält baöfelbe l^iemad^ bie SeftcUuug
eined Pflegers für erforberltcft, fo wirb biefer bie groge, ob bie Äloge auf
Srtfteilung ber elterlid(^en SinwiQiguug ju ergeben [ei, in i^rcm ganjen Um^
fange ju prüfen ^aben, fowol^l aud bem ©eftd^töpunfte, ob bie @ingel^ung ber
6fte überhaupt im 3ntereffe beö Äinbeö, alö auö bem ©efiditöpunfte, ob bie
Einwilligung beö (Slternt^eileö ol^ne genugenben ©runb verweigert ift. @nt*
fcfteibet ber Pfleger ftcft ^iemad^ für bie @r^cbung ber Älage, fo wirb auf
biefem SBegc fad^lid^ baöfelbe erreid[^t, alö wenn ein t)on bem ^ormunbfd^aftö*
gericbte ju biefem fpeiiellen ^medt beftellter Pfleger bie Einwilligung ju ber
S^d^liegung beö Äinbeö ertl^eilt I)ätte.
2)er ÜRangel ber nacft § 1232 erforberlid^en Einwilligung beö gefejlicften
3Sertreterö jur ß^efd^lie&ung ftat bic 3lnfed^tbarfeit ber 6^e 5ur golge (oergl.
§ 1259 9lr. 4 ncbft SKotiüeu).
§ 1233.
Sie Seftimmungen beö erften biö britten 3lbfafeeö beö § 1233 ftel^en c^emünbiöi
mit bem § 28 beö dt. ®ef. über bie Seurtunbung beö ^^5erfonenftanbcö unb '*^''
bie 6ftef(ftlie6ung n. 6. gebruar 1875 im ®inflange. ©in Sebürfnife, in biefer
Sejie^ung baö befteftenbe 9leicftöred^t ju änbem, ift, foniel befannt, nid|t lieroop
getreten; aucft ift burcft neue $rin}ipien beö ©efegbucftcö infoweit eine älenberung
nijftt oeranlogt. 3n*befonbere fc^lt eö an einem genugenben Slnlaffe, bie ©Ijc*
münbigteit ber 9)länner erft mit ber 93ollj[ä^rigteit ober ^oUjälirigfcitöerflörung
i eintreten }u laffen.
Stotm 1. bdrflcrL a<fc|6tt4 lY. 2
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18 eje^inbcrniffe. SSerBot ber »igamie. § 1234.
9infiu% her 3)ic 93cftitnmung beö Slbf. 4, bag burd^ SSoUiä^rigfcitöcrttärung ß^c*
«oaiajng* ^jjj^jjigfgjt „jjj^t begrünbct wirb, fann t)ieUcid)t, I;ingcfcf|cn auf ben S^td
ertwrung. ^cr SSoUiä^rigfcitdcrHäruitg, bie mit bcr aDlinbcrjäl^rigfeit t)crbunbenc Se«
fd&rfinfung bcr ®efd&äftdfä^igfcit ju bcfcitigcn (§ 26, § 65 3lbf. 1), unb ^im
gefcl)cn auf ben tjcrfc^iebcuen Äaraftcr bcr (S^cmünbigfcit unb bcr SScf^ronfung
bcr ®cf(^äftöfäf)igtcit unb bic ücrf^icbcncn Icgiölatiocn ©rroägungcn, auf
tt)cl^cn bic eine unb bie anbere beruf|cn, afe felbftoerftänblid^ bctrad^tct werben.
3Kit SiüdEfid^t auf bic abfolut {autenbcJBorfc^rift beö § 26, bitfe SKinberiä^rige
burdö bie SSoUjäfirigfeitdcrHärung bie red)tlid^e Stellung bcr SBoIIiä^rigen
erlangen, unb in ber ©rroägung, bafe bie ß^emünbigteit, weit biefelbc nic^t
fd^on mit bcr roirflidbcn ©cfd^lecidtdrcifc eintritt, fic^ ate eine befonberc 9Crt
ber befd^räntten ®efd()äftdfäl)igfcit auffaffen läfet, ift eö icbod^ als rat^fam
erad^tet, ben im 9lbf. 4 beö § 1233 cntl^altenen Sag im ©efefee auöbrüdlid^
auöjufpredien, jumal auf bem ©ebiete beö fog. ^^Jriüatfürftcnrec^teß fid^ bie
(Streitfrage erl^oben f|at, ob tvlauä)it 5|Jcrfonen, mctd&e nad^ ben ^audgefefeen
mit bem jurüdfgelegtcn ac^tje^ntcn ober neunjcl)nten fiebenöia^rc bie 95olt
jälirigfeit errcid)en, mit biefem Sebenöia^rc trog ber öeftimmung bcö § 28
beß 91. ®ef. ü. 6. gebruar 1875 bie ®t)emüubigteit erlangen.
®cr aWangel ber ß^emünbigfeit begrünbct bic Slnfcd^tbarfeit bcr @^e
(Dcrgl. § 1259 9Jr. 3 nebft aKotioen).
§ 1234.
^8«*" *• yrfunbung beö 5ßcrfonenftanbcö unb bic ß^cfd^liefeung t). 6. gcbniar 1875
an. 2)ic rebattionellcn Slcnbcrungen (,,fann" ftatt: „barf", „für ungültig crflört
ift" hatt: „für ungültig ober nid)tig crflärt ift") fjängcn mit bem fonftigen
©prac^gebraudEie bcS ®efegbud&cö jufammcn, nad& roeli^cm bcr Sluöbrudf ,,fann
nid^t" jur Scjeidlinung ber Ungülttgteit bcß 3lfteö gebrauefit mirb unb ber
SKuöbnidf „Ungültigtcit" fomobl bic 9iid&tigfcit alö aud^ bic 9lnfcd)tbarfcit
umfaßt. 2)a& baö ß^cücrbot fxä) nur auf ben galt bcjiclit, mcnn bic frühere
6f)c in gcbörigcr gorm gcfcftloffcn war (§§ 1245, 1248), brandet nid^t bc*
fonbcrö l)croorgcf)obcn ju rocrbcn, ba eine nid^t in gcliorigcr gorm gcfd()lof|ene
©l)e, o^ne bag eine ?li(^tigfeitöcrflörung bcrfclben ftattfinbet, fraft beö (Scfefecö
nid^tig unb bcö^alb alö flbcrtjaupt nid^t gefd^loRcn anjufclöcn ift (ocrgl. § 1250
9Jr. 1, §§ 1252, 108).
®er Sßerftofe gegen baö äJcrbot be« § 1234 l^at bic 9iic^tigfeit bcr (S^c
jur golgc (t)ergl. § 1250 9ir. 3 ncbft aWotiücn).
§ 1235.
sBirfimaber 2)cr 3lbf. 1 fpri^t eine anQ bem ©runbfafee beö § 21 3lbf. 1 fid^
rungVnrberCrgcbcnbc Äonfcqucnj in 9lnfel)ung bcr 6t|e mit Slücffid^t barauf befonberö
eÄeftur ^"^' ^^^ ^^ ^^^ "^" ^'"^ praftifdö befonberc roid^tige ftonfcqucnj ^anbelt, mctd&c
' um fo mel;r ljcroorgef)obcn ju toerben ücrbient, alö bie l)ier fraglid^e 93eftimmung
©j^^l^üibcniiffc. SBirfung ber SEobe^crflärung Jinf. bcc ®5^. § 1235. 19
in pcrfc^icbcncn ©cbicten, namcntlid^ im ©ebicte beö frans. 9led&tcö, ncueö Siedet
fc^offt
2)ic Stnrocnbung bcö im § 21 Slbf. 1 cntl)altcncn pofitiücn Orunbfafeeö
öuf bic ®^c ift burc^ ein bringcnbeö Scbürfnife geboten. S)ur^ bie allgemeinen
©runbfäic mirb bcm Sebürfniffe, bcm ©Regatten eines SSerf^oUenen bie äWög^
lic^feit ju gewähren, nad^ erfolgter S^obeöerflärung beö lefeteren eitie nene @^e
in fci&Ucfecn unb baburc^ bie fd^roeren $Rad()tI|eile, meldte i^m unb feinen 31^
fle^origen aus bcr gortbauer beö biöEierigen 3iiftttnbed ermad^fen, für bie 3w=
Junft abiun)enben, nid^t in aufireic^enbem Üßafee genügt. 3laä) ben allgemeinen
®ninbfä|en müfete ber ©begatte beö S8erfd)oIlenen, um jur Sd^Iiefeung einer
Ticuen 6^e jugelaRen ju merbcn, fofem er nid)t etroa bie UngüItigfeitöerMärung
ober bie Sd^eibung ber beftel^enben 6^e ju erwirfen in ber Sage ift, bem
©tonbc&beomten ben 2:ob beö SSerfd&oUcnen in übcrjeugenber 2Beife nad^^
weifen. 6in fol<^er Slad^meiö fann aber nur in ben feltenften gällen gcfüfirt
loerben. 6« rcid&t aud^, um ben 3lnforberungen beö fiebenö ju genügen, n\ä)t
ber S(|cibungägrunb ber bodlic^en SSerfoffung ouö, ba bie SSorauöfefeungen
biefcö ©dbeibungögrunbcß nad& SJlafegabe beö § 1443 in SSerfc^oUentjeitöfäÜen
ni^t immer oorücgen ober enoeiöUd^ finb. SBirb bem ®l^egatten be« SSer^
fd^oKenen nid^t in anberer Slrt bie 5K5gtid^feit ber SBieberoer^eiratl^ung ge^
tDö^rt, fo liegt bic Oefa^r na^e, bafe, gebrängt burd^ bie Söebürfniffe beö Sehens,
in änfe^ung bcr ©c^cibung megen böölic^er aSerlaflung eine fd^äbtidie, taye
^rayid fid^ bilben mirb. 2)a6 ein Sebürfnife üor^anben ift, bcm 6t)egatten eine«
SJerfc^oUenen burd^ befonberc pofttiüc Seftimmungen bie SBieben)erl)eiratl)ung
iVL ermöglichen ober bod^ }u erteid)tern, jeigt aud) bic 9ted^tdentn)idelung. Ob
gemeinrechtlich bie SBirfung ber S^obeöerflörung aud^ auf bie perfonlid^en ^cx^
^öltniRe beö SBcrfd^oHenen, inöbefonbere auf bie 6^e, fid^ crftredEt, ift beftritten,
iinb Qudb auf bem ©cbiete bcö fat^olifd^en Äirc^enred^teö gelten bie 9lnfid)ten
barüber auöeinanber, ob auf ©runb ber 3;obcßerflärung eines ®l}egattcn ber
anbere ©begatte jur Sd^liefeung einer neuen ®^e jugclaffen werben barf. Sie
neueren ©efcggebungen — abgefe^en t)on bem franj. Siechte — ^abcn aber
bofi öcbürfnife befonberer SBeftimmungen, burd^ meld)e bem @f)cgatten beö SSer*
fc^oUenen bei Ungeroifei^eit über Sehen ober S:ob bcö le^tcren bie SBieber*
Der^eirat^ung ermöglicht roirb, allgemein anerfannt, unb jroar geftatten bie
meiften berfclben bie SBieberDcr^eirat^ung ol)ne SGBeitercö auf ©runb ber J^obeS==
erflörung (oergl. preufe. 21. S. SR. II, 1 § 666; l^annot). ©ef. t). 23. ajlai 1848
% 16; brem. SBerorbn. t). 28. 3uni 1826 §§ 21, 29; lübecE. SSerorbn. o. 30. ©ejember
1829 §-16; ^amb. ©ef. t). 14. 3uli 1879 Slrt. 14; batjr. Sluöf. ©ef. jur 6. ^. D.
V. 23. gebruar 1879 3lrt. 118, 119), möl^renb anbere bie 3utaflung ber SBieber-
Der^rat^ung nad^ erfolgter Slobcöerflarung beö anberen ©Regatten nod^ t)on
einem befonbercn e^egeric^tli^en Sßerfal^ren abhängig machen (ücrgl. fäd^f. ©. 33.
§ 1708; olbenb. aSerorbn. v. 16. gebruar 1844 § 18). ©inen befonbercn SBeg
^ben ba^ bab. S. 91. ©afe 232 a unb bcr l)eR. ©ntm. II Slrt. 127 eingcfd^tagen,
inbem biefe bem ©l&cgattcu beö aSerfd^oUenen baö Siedet beilegen, auf ©runb
ber 2^obeöerflärung bei bem 6öegcri(^te bic ©dieibung ber ®^c ju ücrlangen.
®iefer lefttere 8Beg, bie SBieberoer^eirat^ung beö ©Regatten eineö SBer^
fc^oUenen ju crmöglid^cn, fommt t)om ©tanbpunfte beö ©ntrourfeö auö (oergl.
2*
18 e^el&inbemiffe. SSerBot ber »igamic § 1234.
cinfi^ ber 3)ic Seftitumung bcö 2l6f. 4, bafe burd^ aSolIiä^rigfeitöcrKörung e^c*
"^"iitr^' münbigfeit nid^t bcgrünbet wirb, tann üiellei^t, l)ingefc^en Quf ben 3"^^^
crfwrung. j,^ SJoIljäl^rigfcitecrHärung, bie mit ber aDlinberjäfirigfeit öcrbunbcne 93c«
fc^ränfung ber ©ef^äftöfä^igfcit ju bcfcitigcn (§ 26, § 65 STbf. 1), unb ^im
gcfc^cn auf ben ücrf^iebcuen Sarofter ber ®^cmünbigfeit unb ber 93ef^ränfung
ber ®efd)äftöfä^igteit unb bie üerfd^iebencn Icgiötatioen ©rroägungen, auf
roeldien bie eine unb bie anbere berufen, alö fctbftoerftänbUc^ betrad^tet werben.
2ßit diM\iä)i auf bie abfolut lautenbeJBorfd^rift bcfi § 26, bafe aRinberjä^rige
burd) bie SSoUiä^rigfeitöcrHärung bie red)tlid^e ©tellung ber SBoIliä^rigen
erlangen, unb in ber ©rroägung, bafe bie ®{)emünbigteit, weil biefelbe nid^t
fd)on mit ber wirflid^en (Sefd)Ied&töreife eintritt, fic^ alö eine befonbere Slrt
ber bef^ränften ®efd&äftöfäf)igteit auffaffen läfet, ift eö iebod^ alö ratl^fam
erad^tet, ben im 9lbf. 4 beä § 1233 enthaltenen ©aß im ®efe^e auöbrüdEli^
auöjufpredien, jumal auf bem ©ebiete beö fog. ^^5riüatfürftenred)ted fi^ bie
(Streitfrage erl&oben l^at, ob erlaudlitc ^crfonen, roeld^e nad^ ben ^auögefegen
mit bem jurüdEgelcgten oc^tje^ntcn ober neunje^ntcn Sebenßial^rc bie aSolt
iäl)rigfeit erreid^en, mit biefcm Sebenöial&re trofe ber Seftimmung beö § 28
beö 91. Oef. ü. 6. gebruar 1875 bie ©^emünbigfeit erlangen.
S)er SWangel ber ®^emünbigfeit begrünbet bie Sttnfcd^tbarfeit ber @^e
(oergl. § 1259 SRr. 3 nebft aHotioen).
§ 1234.
«erbot 25er § 1234 fdiliefet ftd) fad)lid) bem § 34 beö % ®ef. über bie S3e^
igamie. ^^.fyj^jj^^g jj^g ^erfoneuftaubcö unb bie ®t)efd^lie§ung t). 6. gebniar 1875
an. S)ie rebattionellcn 3lenberungen (,,fann" ftatt: „barf", „für ungültig crflärt
ift" ftatt: „für ungültig ober nid)ttg erflört ift") l^öngen mit bem fonftigen
©prad^gcbraud^e beö ©efefebud^eö pfammen, mä) roeldjem ber 9luöbrudE „fann
nid^t" jur S3ejci(^nung ber Ungülttgfeit beö 9tfteö gebraudlit wirb unb ber
SluöbrudE „Ungültigfeit" fomo^l bie «ßi^tigfeit alö aud& bie 9Infed)tbarfeit
umfaßt, ©ag baö ß^eoerbot fxi^ nur auf ben gall bejiel)t, wenn bie frül)ere
®^e in gel)5riger gorm gefd&loffen mar (§§ 1245, 1248), braucht nid^t be*
fonberö l^eroorgel^oben ju werben, ba eine nid)t in gehöriger ^orm gefd^loffene
6l;e, oline bafe eine atid^tigfeitöerflärung berfclben ftattfinbet, fraft beö ©cfegcö
nid^tig unb beölialb alö übcrl)aupt nid^t gefdjloffen anjufelöen ift (üergl. § 1250
9lr. 1, §§ 1252, 108).
2)er SBerftofe gegen baö SJerbot beö § 1234 l)at bie 9li(^tigfeit ber (Sl^e
jur golge (üergl. § 1250 3lr. 3 nebft 3Wotinen).
§ 1235.
jBirfunaber 2)er 3lbf. 1 fpri(^t eine aM bem ©runbfafee beö § 21 Slbf. 1 fid^
rung ^*nf. bir crgebenbe ftonfequenj in 9lnfel)ung ber ®^e mit 9tüdEfi(^t barauf befonbcrö
öbeflhXr ^"^' ^^^ ^^ '^^ ^"'^ ^"^^ praftifd^ befonbere mid^tige Äonfequcnj ^anbelt, meld&c
"um fo mcl;r Ijcroorge^oben ju werben rerbient, alö bie l^ier fraglid^e Seftimmung
e^cBinbemijfe. gScmanbtfc^aft; ®4traöcrfd6aft. § 1286. 21
§ 1236.
S^ie Scflimmungcn bcö § 1236 über ba^ ©f)CDcrbot rocncn 93ern)anbt:s «^e^inbemi*
fc^aft ober ©c^roögcrf^aft f einließen fid^, von ^affimgsänbcrunflcn abgefefien, „anbift^aft
im aSSefentlid^cn bem § 33 5Rr. 1 biß 3 bcö 91. ®ef. über bic SBcurfunbung beö ^ «^f
'^erfoncnftanbcö iinb bie ®f>ef(i&[ic&ung t). 6. gebniar 1875 an. ynöbefonberc fc^oft.
ciitfprcc^fn axiä) bic Scftimmungen beö jroeiten Slbfagcö, wcldic iid^ alö eine
^ii¬ime t)on bem ©rnnbfa^e beö § 30 9lbf. 3 beö ©ntrourfeö barftellen,
jenem Sleid^ögcfege (uergt. auäj § 173 beö Str. 0. 83.). 5Der jrocitc Safe
beö 9lbf. 2 fann üiettei^t im ^inbüdEe auf ben § 32 beö ©ntrourfeö in
3}erbinbung mit bem erften ©a^e beö Slbf. 2 alö entbe^rltd^ betrautet
»erben. a3ei ber SSid&tigfeit ber Sa^e unb im S^tercffe ber ©rlcic^terung
bcr ©efc^äftöfü^rung ber Stdnbeöbeamten ift eö jebod^ alö rat^fam crad^tet
luorben, im 9lnfd|Iu?ye an ben § 33 beö bejeid^neten JReid^ögefefeeö bie S3e*
ftimmung beö jroeiten ©aßeö beö 9lbf. 2 im ®efe|e auöbrücfli^ t)eroors
5u^6en.
9lac^ bem aSorgangc beö § 33 beö 91. ®ef. ü. 6. ^ebruar 1875 (oergl. ime^i^e
L 14 § 2 D. de ritu nupt 23, 2; preufe. 21. S. 91. II, 1 §§ 3, 4 nebft «crorbn. *'^*'"^"""«
0. 22. SJcjember 1843; fäd&f. @. 8. § 1608) mad&t aud& bcr § 1236 baö (S^e*
Dcrbot wegen einer auf uncl^efid^er Slbftammung berul^enben SBermanbtfd&aft
ober Sc^n)agerfdöaft nid&t i3on ber SInerfennung beö unei^eUd^en Äinbcö, inö*
bcfonbere aud^ nid^t ocn ber 9lnerfennung beö le|teren burc^ ben unc^elidden
?Jater, abhängig. 2)a ber ®runb beö ^ier fraglid^en ß^eüerboteö baö burd^
bie JtHitfad^e ber ©rjeugung begrünbete natürlid&e SBerl^ältnife ift, fo fann eö
jur Segrünbung beö S^ei^inbemiffeö auf bie Sfnertennung beö unef|eltd)en
Äinbeö nic^t onfommen, unb jroar üom ©tanbpunfte beö (Sntrourfeö auö um
fo weniger, alö ber festere ben Sag beö franj. 9ledbteö: „la recherche de la
pateniite est interdite" (code civil 9lrt. 340) aud) im Uebrigen nid^t auf*
genommen ^ot. 2)ie 9(nfid()t, bafe in Ermangelung einer Slnerfennung beö
unebelic^en Äinbeö oon ©eiten beö uncl^etic^en Sßaterö bic unel)elid^e SSater*
fc^aft burd& Seroeiö überhaupt nid^t fcftjuftellcn fei, fann alö rid^tig nic^t
erQ(^tet werben. 3m §inblidfc auf bic feltenen f^^lle, in meieren eine fold&c
Mtft^Dung roegen beö ^ier in 9lcbc ftel)enben S^eoerboteö nötliig wirb, fc{)lt
es auc^ an einem praftifc^en Sebürfniffe, jum ^voede ber ©rleid^terung ber
Seroeiöfü^rung, mie in 2lnfcl|ung beö 9llimcntationöanfprud^eö beö unef|elid)cn
Äinbeö gegen ben unelielid^en 93ater unb beö Slnfprud^eö bcr une^elidden
Wutter gegen ben leftteren auf (Srfa^ ber ©ntbinbungö^ unb 2Bod^enbcttöfoften
(§ 1572, § 1577 9tbf. 2), fo aud^ in 9lnfef|ung beö ^ier fraglid^en e^cljinbernijfeö
eine befonberc 9le^töt)ermut^ung ber unehelichen SSaterfd^aft aufjuftcllen. 95iel^
mcljr Dcrbient eö, jumal roegen ber an bie Uebertretung beö ^icr fraglichen
ß^eocrbotcö fid^ fnüpfenben tief greif cnben folgen, ben SSorjug, ben 9iid)ter,
wie ouf bem ®ebiete beö ©trafred^teö (öergl. § 173 ©tr. ®. 83., SntfdE). b.
». ®. in Straff. I, 206 ©. 447, II, 100 ©. 239 ff.), fo aud) liier in betreff
ber Semeiöfrage nid^t an 9icd&töt)ermut^ungcn ^n binben, fonbern eö in biefer
feinfic^t lebiglid^ bei ben allgemeinen ®runbfägcn beroenben ju laffen.
SSon ücrfd^iebencn ©eiten ift eö getabelt unb alö eine SüdEe bejci^nct j,^^^^**"^
roorben, bafe baö 91. ®ef. v. 6. gebruar 1875 — abroeic^enb t)on bem '^'''°*'
12 efietinbemiffe. 93cf*ränftc ©ef^aftSfaBißfcü. §1232.
unb bcö fcid^f. ®. 23. §§ 1600, 1575, rocnigficn« in 9lnfc^unfl bcr rocgcn 95er*
fd^rocnbung unter 93ormunbfd)aft gcftellten äSoUieil^rigen in ©eltung gerocfcnen
SRed^te — , bie ©inioilligung beö gcfefelid^en SSertreterö nid^t crforberlid^ ift.
9tud^ biefe Slbroeid^iing red^tfertigt [xä) bxivd) bie allgemeinen ©runbfäfee beß
®efe|bud()cö, nad^ weld^cm aSoIIiä^rige, rocld^e wegen 93erf(^n)enbung entmünbtgt
ober nad^ ajla§gabc beö § 1727 wegen geroi^er ©ebred^en beö t)ormunbfd|Qft'
Udden ©djufeeö für bebürftig erflärt ober nad^ SRofegabc beö § 1737 unter oor^
läufige aSormunbfc^aft gefteUt finb, in 9lnfe^ung ber Oefd&öftöfö^igteit ben
■iDtinberiäl^rigcn, roddjc baö ficbente Sebenöja^r jurüdEgetegt liaben, aud^ rüdE-
fid&tllc^ nid)t ocrmögenöred^tlic^er 5Hed&tögef(^äfte gleidifte^en (§§ 70, 71). ®ö
fct)U an einem jmingenben Orunbe, jeneö ^rinjip für bie ©l^efd^liefeung ju
burd^brec^en ; im ©cgent^eil liegt eö, foüicl inöbefonbere fotd^c SJoIljäl^rige be-
trifft, wcldje wegen 93erfd()wcnbung entmünbigt finb, fowol&l in bcm eigenen
SntereRe ber Icfeteren alö aud^ im öffentlid^en Sntereffe, burc^ baö ©rforbernife
ber ©inwiUigung beö gefefelid^en 35ertreterö jur (S^efc^Ue^ung einen ©d^u^
gegen bie leid^tfinnige unb unüberlegte ©d)liefeung einer ®l^e üon Seiten folc^er
^^Wrfonen unb bie barauö ber gamilie unb beu Oemcinben brol^enbe I^aft ju
gewähren. Slnfangenb aber bie nad) SDlafegabe beö § 1727 beö oormunbfd^aft*
lid&en ©d^ußeö für bebürftig ertlärten üolljäfirigen 5ßerfonen, fo fann bejüglid^
biefer bie 83eftimmung beö § 1232 9lbf. 1 um fo weniger 23ebenfen erregen,
alö mä) bem § 1735 9lbf. 3 baö 93onnunbf(^oftögerid^t bie SJormunbfc^aft
über fold^e 5ßerfoncn aufgeben foU, wenn ber SJlünbel bie Sluf^ebung beontragt
unb mit ber 9tuffjeburig ber SSormunbfc^aft nac^ bem § 71 bie Öefd^ränfung
bcr ©efd^äftöfci^igfeit wegfällt, mithin aud) bie 33eftimmung beö 9lb). 1 in 9ln^
fcf)ung ber ^ier frag[id)en ^45erfonen unanwcnbbar wirb.
iSrtwtw ^^^^^ ^^^^' ^ ^f* ^^^ einwiUigung beö gefet;lid)en SSertrcterö ber in ber
®efd^äftöfät|igteit befd^ränttcn ^erfon erforberlid^. SBer alö bcr gefe^lid)c
SScrtreter berfelben anjufel^en ift, crgiebt fid^ am ben Seftimmungen über
bie cltcrlid^e (Scwalt unb ben Öeftimmungen beö SSormunbfd^aftöred^teö. 9lad^
biefcn 95cftimmungen ift ber gefefelic^e 33ertreter ber in bcr ®efd^äftöfäl^ig!eit
bcfd&ränften ^^erfon, je nad^bem bie le^tere unter elterlid)cr ©cwalt ober 93or?
^ muubfdiaft ftefit, ber 3[nf)aber ber elterlidöcn ©ewalt ober ber i>ormunb be^w.,
fofern auö bcfonbercn ©rünben bie SSertretung in pcrfönlid^en 9lngc[egent)eiten
beö Kinbeö ober SKünbelö einem 5ßflegcr übertragen fein follte, biefer legterc,
ba bie ®inwiUigung jur ß^efd^liefeung fid) alö 9luöflu6 ber ©orge für bie
^erfou beö Uinbcö bejw. beö iülünbelö barftellt (oergl. §§ 1503, 1649, 1650,
1728, 1730, 1738 9lbf. 1 Saß 1, § 1743).
*^mtf ^tr^ SBie auö bcr Scftimmung beö § 1651 9ir. 1 unb beö § 1728 fi^ crgiebt,
gefe«ii(^eii ift abcr bcr Siormunb ju bcr ©^cfd^Uc^ung jwifd^en fid^ felbft ober einem feiner
»ertreter k. sßcrwanbten in gcraber Siuic unb bcm aÄünbcl bie wad) bcm § 1232 3lbf. 1 er*
forberlid^c ©inwilligung ju ertf)cilen bcl)inbcrt. Durd^ bie allgemeine SBeftimmung
beö § 1651 9lr. 1 wirb bie befonbere Seftimmung beö § 37 beö ))l ®ef. über
bie 23eurfunbung beö ^crfoncnftanbeö unb bie (S^cfdblie^ung v. 6. ^^-cbruar 1875
crfe|t. 3)cr ©tanbpunft beö ©ntwurfeö weidet allcrbingö, abgcfeljcn baoon,
bafe bie @öe jwifdjcn bem SKünbet unb bem bebinbertcn 3Sormunbe bejm. bcm
9lbfömmlinge beö le^tercn nad} bem § 1259 9Jr. 4 in SSerbinbung mit bcm
S^cBinbemiffc. gScrtüanbtft^aft; ®4tt?aöcrfd6aft. § 1236. 21
§ 1236.
35ic Scftimmungcn bcö § 1236 über baö ©f)coerbot wegen SScriDQnbt* aminhetni^
fd^aft ober ©(^roogerfc^oft fci^Iicgcn fid^, üon gafjuitgöänberungcn abgefcfien, „a^nbif^aft
im gBcfentltd^cn bem § 33 5Rr. 1 biß 3 beö 91. @ef. über bie SBcurhmbung beö ^^^^\^^
^erfonenftonbeö iinb bie ©^efd^tiefeung ü. 6. gebniar 1875 an. 3i"S6efonbere ^^alT"
cntfijrcd^en awä) bie Seftimmungen beö jrociten 9Ibfa^eö, vod6)c ]xci) alö eine
%idna^me oon bem (Srnnbfa|e beö § 30 9tbf. 3 beö ©ntrourfeö barfteBen,
jenem Sleid^gcfege (uergL anä) § 173 beö Str. ®. S3.). ®er jroeite Sag
beö SIbf. 2 fann üielleidit im ^inbüde auf ben § 32 beö ©ntrourfeö in
IBerbinbung mit bem erften ©age beö 9lbf. 2 alö entbel)rli(i& betrad&tet
werben. Sei ber SBid^tigfcit ber Sa^e unb im 3ntere?yc ber ©rleic^tcrung
bcr ©efc^oftöfü^rung ber ©tanbeöbeamten ift eö jebod^ alö ratl)fam erad^tet
loorben, im 9lnf(i^luifc an ben § 33 beö bejeid^neten SReid^ögefegeö bie 93e*
ftimmung beö jweiten ©ageö beö 9lbf. 2 im ©efege auöbrücflid^ I)ert)or'
ju^eben.
"iladi) bem SBorgange beö § 33 beö 91. ®ef. v. 6. gebruar 1875 (oergl. "ne^eitc^
1. 14 § 2 D. de ritu nupt. 23, a; preufe. 21. S. 91. II, 1 §§ 3, 4 nebft »erorbn. *^^""*""''«
t>. 22. 3)eiember 1843; fä^f. ®. SB. § 1608) mad&t au^ bcr § 1236 baö @^e^
Derbot rocgen einer auf unc^elid^er 3lbftammung benifienben SSerwanbtfc^aft
ober Sd^mfigerfc^aft nid^t t)on bcr 9lnerfennung beö uneJielid^en Äinbeö, inö^
lefonbere aud^ nid^t T)cn ber 9lnerfennung beö Icfeteren burdf) ben une^etid^en
SSater, abhängig. 2)a ber Orunb beö f|ier fragtid^en ©fieoerboteö baö burd^
bie J:^atfac^e ber ©rjeugung begrünbete natürlid&e SBerliftltnife ift, fo fann eö
§ur 33egrunbung beö ©^e^inberniffeö auf bie Stnerfennung beö une^elid^en
Äinbeö nid&t anfommen, unb jwar i3om ©tanbpunftc beö Sntwurfeö a\i& um
fo weniger, alö ber lefttcrc ben ©a{f beö franj. 9led&teö: „la recherche de la
pat^rnit^ est interdite" (code civil 9Irt. 340) aud) im Uebrigen nic^t auf-
genommen ^at. 35ie Stnfid^t, bafe in Ermangelung einer 9lnerfennung beö
imebelid^en ftinbeö oon Seiten beö unehelichen Sßaterö bie unel}elid&e SSater*
fd^aft bur^ Seweiö überhaupt nid^t fcftjuftellen fei, fann alö richtig nic^t
erod^tet loerbcn. 3m ^inbtirfc auf bie feltenen ^öllc, in weld^en eine fold^c
MtfteUung wegen beö ^ier in 9lebe fteJöf^ben ß^eoerboteö nötl^ig wirb, fel)tt
eö au(^ an einem praftifdf)en Sebürfniffe, jum ^vocdc ber ®rleid^terung ber
SSeweiöfü^rung, wie in Slnfel)ung beö 9lUmentationöanfprud^eö beö unel^eli^en
Äinbeö gegen ben imelielid^en 93ater unb beö Slnfprud^eö bcr uueJ^elid^en
^Wutter gegen ben leftteren auf (Srfag ber ©ntbinbungö^ unb 2Bod&cnbettötoften
(§ 1572, § 1577 3tbf. 2), fo aud^ in 9lnfef)ung beö ^ier fraglid^en ®^el)inbernifyeö
eine befonbere 9lcc^töDcrmutf|ung ber unehelichen 5Baterf^aft aufjuftellen. SSiel*
meljr üerbient eö, jumal wegen ber an bie Uebertretung beö l^ier fraglid&en
6^eDcrboteö fic^ fmlpfenben tiefgreifenben "^olQtn, ben SBorjug, ben 9lid)ter,
wie auf bem ©ebietc beö Strafred&teö (wergt. § 173 Str. ©. 33., (gntfc^. b.
». ®. in Straff. I, 206 ©. 447, II, 100 ©. 239 ff.), fo and) liier in Setreff
ber Seweiöfrage nid&t an 9led^töDermut^ungcn ju binben, fonbern eö in biefer
6infi(||t Icbiglic^ bei ben allgemeinen ©runbfäßen bewenbcn ju taffcn.
Son t)erfc^icbencn ©eiten ift eö getabelt unb alö eine Sücfe bejeid^net ^^^^^'^
»orben, bafe baö 91. ®ef. v. 6. gebruar 1875 — abwcic^enb T)on bem '^'"°''
14 e^el&inbennlTc. ffiefc^ranfte ®efd&äft§fd6t0fett. § 1232.
cntfprid^t btcö auö) bem ©eftd^töpunftc, bafe bic SinroiHigung beö gcfe^Iid^cn
3Scrtreterö ein SluSftufe ber ^ürforgc für bic ^^erfon beß 3Sertrctencn ift.
2:rcten fpäter Umftänbc ein ober l^eroor, roeldie bie ©^efd^Iiefeung als ni^t im
Snterefje beß SBertretenen crf(^eincn lafjcn, fo ift ber SBibcrruf ber ©intüiUigung
nid&t nur ein SRed^t, fonbern auä) eine ^fti^t, auf roeldie nid^t üerjid^tet
werben fonn. Sluö jenem (Sefici^tßpunfte crgiebt fid) ferner, bafe eß immer
auf bie ©inroilligung beßjenigen anfommt, meld^er jur 'Sdi ber 6^efci^tie§ung
' ber gefeglic^e SSertreter ift. Sollte berjenige, meld^er jur 3cit ber ß^ef^Uefeung
ber gefe^Iid^e SSertreter ift, bie ©inmilligung üerfagen, trofebem ein frül^erer
gefefelid^er Vertreter biefelbe ertl)eilt ^atte, fo f)at ber Stanbeßbeamte bie
9tnorbnung beß ätufgebotcß bejm. bie ß^efd^Iiefeung abjuletjnen, fo lange nid^t
ber jcfeige gefe^Iid&e Vertreter bie ©iniüilligung ertl^eilt l)ai bejm. bie tegterc
nad) anafegabe beß 3lbf. 2, 3 unb beß § 1238 Slbf. 4 erfegt ift (üergl.
§§ 45, 48 beß 9t. (Sef. über bie Seurfunbung beß ^erfonenftanbeß unb bie
6^efd6Iicfeung v. 6. 3uli 1875). ©in öebürfnife, von bem ©runbfage ber
SBiberruflidifeit ber ©inroiUigung für fold^e gälle eine 9[ußna^me ju machen,
in mel(^cn ber SBiberruf auf ®runb oon Umftänben erfolgt, meldte bem
gefegtic^en 93ertreter, ber bie ©inmiUigung ert^cilt ^atte, jur 3^it ber
©rtl^eilung ber ©inroiUigung befannt waren (üergl. preu§. 21. £. di. II, 1
§ 111; fäc^f. ®. 33. § 1601; gotf). G^egef. \>, 15. 9luguft 1834 § 39), fanu
nid^t anerfannt mcrben. S)er SBiberruf ber einmal ert^eilten (Sinmilligung
fann allerbingö für bie Set^eiligten unter Umftänben eine grofee ^ärte fein;
inbeffen barf barauf Dertraut merbcn, baß, wenn üon ber in ber ®ef(^äftß''
fä^igfeit bef darauf ten 5ßerfon nad) SRaggabe beß 9lbf. 2 bejm., fofern ein
©(ternt^cil ber gefeglid^e SSertreter berfelben ift, naä) aJlafegabe beß 3lbf. 3
unb beß § 1238 3lbf. 3, 4 auf (Srgänjung ber einmal ert^eilt geroefenen
aber miberrufenen ©inmilligung beß gefeglid^eii 33ertreterß angetragen mirb,
baß jur ®ntfd&eibung berufene ©erid^t [fd&on üon fclbft auf fotd^e bcfonberen
3}erl)ältniffe bei feiner (Sntfd&eibung Siürffid^t nef)men roirb. ©ine 9lußna^me
üon bem ©runbfafee ber 2Biberruflid()feit ber ©inmilligung in ber bejeid^neten
SRid&tung mürbe jubem feine grofee praftifd^e Sebeutung l)aben, ba in ben
meiften ^ixUcn, in meldten ein SBibcrruf erfolgt, jugleidli neue Umftänbe mit
ben befannt gemefenen fonfurriren werben. 9lnbererfeitß ift ber Slußfd^tufe
beß SBiberrufeß aud^ im ^inblidEe auf fold^e gftlle in l|ol)em ®rabe bebenflid^,
in roeldjen bei ©rtl)eilung ber ©inroilligung übereilt ober gemiffenloß üerfa^ren
ift unb auß biefem ©runbe ber SBiberruf erfolgt,
eimmaigung '^\\^ bie ^^rage, inroiefcrn bie ©inroiUigung ju ber ©^efdjliefeung unter
»ebi^guig K. -Öi^ä^fügung einer Sebingung ober 3^itbeftimmung mirffam ert^eilt werben
fann, ift na^ ben allgemeinen (Srunbfägen ju beurtl)eilen. S)ie 3Jatur ber
©inwilligung ju ber ©tjefd&liefeuug alß eineß familienred)tlid^cn Sle^tßgefd^äfteß
ftel)t, in ©rmangelung einer befonberen Seftimmung, ber Seifügung einer
Sebingung ober 3^itbeftimmung nid^t entgegen. 5lur fann, fo lange bic
33ebingung fd^webt ober ber 3ritpunft nod^ nid^t eingetreten ift, felbftücrftänblid^
bie @l)e nid^t gefd^loffen werben. ®in entfd^eibenber ®runb, in bem \)m
in SKebc ftel^enben galle eine 9lußnal)me üon ben allgemeinen (Srunbfäfcen ju
madjen, liegt nid^t oor. 3>nßbefonbere ift eine fotd)e 9tußna^mebeftimmung
ßMinberniffe. Sef^tönfte ®ef^äftsfä6ifl?eit. § 1232. 15
burcib proftifd&c SRüdffid^ten jum 3^^*^ ^^^ ©rlcid^tcrung bcr ©efd^öftöfül^rung
ber ©tanbcsbcomtcn ober jum ©d^ufee bcr ®l^cn gegen STnfcd^tung, rotnn bcr
ßinlritt bcr 33ebingung ctroa irrtliümlid^ ongenommen fein follie, nid^t geboten,
ba naif ben Sßorfd&riften über boö Slufgebotöücrfal^ren bie SSerlobtcn bie
iuftimmenbc ©rflärung bcrienigcn, beren ©innjiUigung jur (S^cfd^liefeung
erforberüd^ ift, b. ^. bie unbebingte unb unbefriftcte ©inraiUigung berfelben in
bcgioubigter gorm beijubringen l^aben (§ 45 be§ SR. Oef. über bie 33eurhmbung
bcd ^ßcrfonenftonbeö unb bie ß^efd^liefeung n. 6. 3uH 1875).
2. 3^1 einem grofeen 3:^^eilc 2)eutfd6Ianbs ift naä) bem burd) ben § 29 ®«»e^«nifl«nfl
STbf. 5 bcfi SH. ®ef. über bie SBcurfunbung beä ^erfonenftanbcö unb bie ''^® «1^«^*
ß^cf^licfeung v. 6. gcbruar 1875 unberührt getaffenen SanbeöredEitc (t)ergl. q^^^^-
preufe. at. S. 9i. II, 1 § 54 unb baju ©ntf^. beß SR. ®. in ©traff. V, 118;
jät^f. ®. 93. § 1921; got^. S^cgef. t). 15. 9luguft 1834 § 4 Sttbf. 5;
mcining. @ef. o. 27. 3lopentber 1875 nebft 3nftruftion t). 26. gebruar 1876
§ 49; Qltcnb. aScrorbn. ü. 30. Dttober 1875 § 9; fd^warjb.^rubolft. 3u^
flruftion p. 10. 5Dejcmber 1875 § 17; code civil 3lrt. 160; bab. (9e). ü. 9. ©e-
jember 1875 § 2) ju ber (S^cfc^tte^ung beoormunbeter ^erfoncn neben bcjn).
ftatt ber ©inroiDigung beö SBormunbeö bie ®enel)migung bcö 93ormunbfd&aftö==
gcrid^tcd ober bcö gamilicnratfieä erforbcrlid). ®ö fann nid)t oerfannt roerbcn,
ba§ wichtige ®rünbe fid^ bofür geltenb mad^en taffcn, bei bem für ben Seoor^
munbcten bcfonbcrß wid^tigcn SRcd&tägefd^äftc ber ®^ef erliefen ng neben ber ©in-
nrilligung beö SSormunbed aud^ bie ©cncl^migung beö 3Sormunbfd|Qftögerid^tes
}u oerlongcn, jumol nad^ bem ©efeßbut^c in Dielen gäHen, roeldjc an fid^
nid&t üon fo einfd^ncibenbcr Sebeutung für bie $5erl^ältniffe beö SKünbetö [\nb,
namenilid^ i^u Pcrmögenöred&tUd&cn SRed^tsgefd^öften (§ 1674), bie ©encljmigung
bcÄ 33ormunbfd^aftögerid^tes crforbert wirb. SBcrlangt man bie ©ene^migung
bcö 93ormunbf(^aftögerid^teß, fo ift baö leßtcrc in bcr Sage, fontroliren ju
fonnen, ob bcr SSormunb in ber l^icr fraglid^en SSejie^ung bie 3ntcreffcn beö
SRünbcte geroijfcnl^Qft roo^rnimmt. @inc bcrartige Äontrole fann inöbcfonbcre in
foU^cn goUcn roünfd^cnömertl^ erfd^eiueu, in meieren bie SBa^t ber 5ßerfon
bcö 3Sormunbcö pon bem aSormunbfd^aftögerid^tc nic^t abfängt (oergl. §§ 1635,
1637, 1728, 1729). B^jugcbcn ift femer, bafe mit ber ©H^Ii^feung oft aud)
'n)i(!^tigc ocrmögenörcd^tlid^e folgen ücrbunben fmb. Xxo^ biefer für baö 6r^
forbemife bct ©cnel^migung bcö 33ormunbfc^aftögerid)tcö fpred)cnbcn ©rünbc
ifl cö jebo^ rid^tigcr, üon bicfcm ©rforbemiffe abjufc^cn, weit eineöt^eitö baö
©efeftbuc^ überhaupt üon bem ^rinjipe auögcl^t, ba^ bie ©orge für bie
^Jerfon bcö aWünbelö bem aSormunbc allein obliegt (§ 1648), unb anbercn-
t^cilö, oom proftifd&cn ©cfid^töpunftc auö betrachtet, Don bcr SffufftcUung icneö
©rforbcmiffcö nad^ ben gemachten Erfahrungen bie erl^offten SSort^cile nic^t
}u erroörten jtnb. 5Rad^ ber 5Ratur ber {)ier in 33etradöt fommcnben SScr-
i^öttnine ift boö aSormunbfd^aftögcrid&t nur |in feltcnen [gällen in bcr Sage,
fid^ bie notl^igc Jlcnntnife bcr SBcrfiältniffc alö ©runblagc feiner ©ntfd^eibung
5U Dcrfd&affcn. 3^ golgc bcffen wirb bie ©cnelimigung beöfelben oft eine
reine gormfad^c, jumol baö aSormunbfd^aftögeridfit meift t)or oollenbeten Sri^at^:
fa^en ftc^t, bcncn Slc^nung ju tragen eö fd&licfelid^ bod^ fidi gcjtoungcn fielet.
3[iü>crerfcitö fann, mcnn baö 3Sormunbfdöaftögerid)t ängftlid) unb peintid)
16 ei&cjinberniffc. Sef^ranfte ©cfd&aftgfä^ißfeit. § 123-2.
üerfäl^rt, eine ben Umftänben nid^t entfpued^enbc ©ntfd&cibung ober bod^ eine
noc^tl^eilige SSerjogerung ber Icfetercn erfolgen.
«nÄauna ^- ®^^ ^orfd^riftcn beö aibf. 2, 3 betreffen bic grage, inwiefern
be«flefe|ii(^n bie ©inwilligung beß gcfefelici^en 33ertrcterö burd^ bie (Senefimigung beö SSor^
»ertreter«, ntunbfd^aftägerid^teö erfegt werben fonn, roäl^renb über bie 3uläffigfeit rid&ter*
lid^er (Srgänjung ber ©inroilligung ber ®ltern qIö fold^er ber § 1238 2lbf. 8
beftimmt.
5Dur^ boö SR. (Sef. ü. 6. gebruor 1875 § 29 Sttbf. 4 fmb bieienigen
lanbeßgefeglidöen SBeftimmungen, nad^ n)eld)en bic ©inroilligung beö SSomtunbeö
burd^ bic ©ene^migung bcö SSormunbfd&aftögerid^tcö erfefet werben fann, um
berührt gelaRen (ocrgt. inäbef . preufe. 31. 2. 9t. II, 1 §§ 69, 70 ; goti^. (S^egef .
0. 15. äuguft 1839 § 6 2Ibf . 2 ; roeimor. ®ef . o. 2. 3?oocmber 1848 § 3 ; lübccl.
®ef. 0. 26. Dfiober 1863 § 2 g. ®. oerb. mit ber tüberf. SSerorbn. o. 11. Dftober
1820 § 29 ; ^amb. SBormunbfd^. D. t). 14. Dcsember 1883 2lrt. 58 3lbf. 3 ; brem.
S3ormunbf4 D. o. 14. SRai 1882 § 40). 2)ic aSorfd^rift beö Slbf. 2 fd^tiefet
fid^ biefen Seftimmungen (ix{. 3?Qd& ben allgemeinen ©runbfägen bcö SSormunb*
fd^aftöred^teö fann atterbingä baö JBormunbfd^oftögeridbt, roenn ber SJormunb ober
5ßf(eger feine ©inroilligung Dcrfagt, nid^t an ©teile beß SSormunbeß ober
Pflegers bie ©inroilligung ert^eilen, fonbern nur im ^allc pffid^troibrigcr SBer^
fagung ber ©inroiUigung unb aud& in biefem galle nur in ber 2lrt einfd^reitcn,
bafe eß entroeber ben SSormunb ober Pfleger burd^ bie juläffigen 3roöngßmittel
jur ®rtl^eilung ber ©inroilligung anhält ober bie (Sntlaffung beöfelben oerfügt
unb einen anberen 93ormunb ober 5ßf(eger befteHt (Dcrgl. §§ 1684, 1705 9lr. 1,
§§ 1728, 1743). ®ö ift jebod^ unbebenflid^ unb im Sntereffe ber SSereinfac^ung,
foroie jur aSermeibung oon aSerjögerungen angemeffcn, üon jenem 5ßrinjipe
^ier eine Sluöna^me ju mad&en. Um bem aÄifeoerftänbniffe ju begegnen, alö
ob büß aSormunbfd&aftßgerid&t bie (SinmiHigung beß SJormunbeß ober 5ßflegerß
nur im galle einer 5ßf(idbtroibrigfeit erfefeen taxm, ift eß alö ratl^fam crod^tet,
burd^ bie SBorfd^rift beß älbf. 2 ©ag 2 außbrüdflid^ barauf l)insuroeifen, bafe baß
aSormunbfc^aftßgeric^t bic ©inroiHigung ju crtf|ei(en ^at, menn bie ®rtl^eilung
im Snterejfe beß SWünbelß liegt.
inöbef. 2)ic oorftel^enb bejeidjneten S3eftimmungen follcn aud^ bann Slnroenbung
t^eites ai« be3 fiJ^ben, TOCun ein ©Iternt^eil ber in ber Ocfd^äftßfä^igfcit befd^räntten 5ßerfou
gefetjUi^en ^er gcfefelic^c aSertreter ber legteren ift, ooraußgcfcfet, bafe nad^ ben SSorfd^riften
ertteterd. ^^^ gg ^^^^^ ^^^^ ^.^ ©inmiHigung biefcß eitcrntljeilcß alß fotd^en ju ber
®t)efdE)[ie6ung beß Ä^inbeß nid^t crforberlid^ ift. 5Diefe 23oraußfegung trifft
namentlid^ in bem gallc ju, in roeld^em ein Äinb, raeld^eß baß fünfunbjmanjigftc
Sebensja^r jurüdEgelcgt ^at, unter ber SBormunbfd^aft ober 5ßf[cgfdf)aft cincß
eiterntljeileß ftef)t. Sic fonn aber unter Umftänben aud^ in 3lnfe^ung beß
minbcriälirigcn , unter elterlicher Ocroalt ftef)enben Älinbcß jutreffen, menn
nämlidt) bic elterliche (Seroalt beß aSaterß, rocil berfclbe tl)atffid&lid^ t)cr^inbert
ift, bic (Seroalt außjuüben, ober roegen äßinberiftl^rigfeit beßfelben ru^t unb
bie eltcrlid)c (Seroalt in biefen gällcn ber aKutter juftel)t (oergl. §§ 1554, 1555).
3n fold^cn gälten ift neben ber nad) bem § 1238 3lbf. 1 erforbcrlic^cn
®inroilligung beß Siatcrß alß folc^en m6) 9lbf. 1 aud^ bic (SinroiUigung
ber aWutter alß beß gcfeßlid^cn SBcrtrctcrö beß Äinbeß crforberlid). ©in ge^
e^e^ittberniffe. ßfecmünbigfett §1233. 17
nügcnber ®runb, bic änroenbung bcö 3lbf. 2 in berartigcn gäUen auö-
jufc^iUefecn, liegt nxdfi Dor, ba in biefcn gäUcn ein eigenes Siedet beä be^
treffcnben ©Itcmt^Ued, TOelc^er ber gefefeUc^e SSertreter bed Äinbeö ift, nic^t
in ^agc tommt.
älnbcrö liegt bagegen bic ©od^e, wenn ein foldjcr ©Iterntfieil, o{)nc beffen
einiDiUigung bad Einb nad) ben aSorfd^riften ber §§ 1238, 1239 bie @^e ni^t
ft^üefeen barf, jugleic^ ber gefeßlid&e SScrtreter beö Äinbcd ift, fei es, ha^ baß
Äinb unter ber elterlid^en Oeroalt ober unter ber SBormunbfd^oft ober ^ffeg*
fc^ft biefes @(ternt^ei(ed ftc^t. 3iern>eigert ein folc^cr ©Iterntl^eil bie @im
miOigung, fo fann bie @inn)iUigung bedfelben ald fold^en nad^ § 1238 3l6f. 3
Derb, mit § 779 9lbf. 1 6. ^. D. nur burd^ ben ^^rojeferic^ter erfegt werben.
3n @nnange(ung einer befonberen ä3eftimmung n)ürbc aber neben ber ®rgön}ung
bur^f ben ^rojcgrid^ter wegen ber @igenfd^aft beö ©(ternt^eiled a(d bed gefe^
Ixd^ SJertrcterö beö 5linbeö nad^ § 1232 9lbf. 2 nod^ eine ®rgänjung burd^
baö Sormunbf^aftßgeric^t erf orberüd^ fein. ®icfe lefetere ©rgänjung ift jebod^
neben ber erfieren ate überPfiffxg erachtet (oergl. § 1238 3lbf. 4). S)aö Äinb,
loelc^eö in ben ^icr Doraudgefegten fällen bie rid^terlic^e Srgänjung ber elter«
liefen ©inroiUigung nac^ aWofegabc beö § 1238 2lbf. 3 üerlangt, mu§ ju biefem
SuKtfc bie ^fteDung eineö $f[egerö bei bem SSormunbfd^aftögerid^te beantragen
(oergL § 1651 3?r. 1, § 1738 2lbf. 1 ©afi 1). 5Daö aSomtunbfc^aftögerid^t
wirb aber einen Pfleger nur bann ju beftellen ^aben, roenn eö auö ben Um?
ftänbcn beö galleö minbeftenö bie Ueberjeugung gewinnt, ba^ bie grage, ob
ber Snfpruc^ beö ftinbeö auf ©rt^eilung ber elterlid^en ©inroiUigung begrünbet
fei, einer näheren Prüfung bebürfe. ^ält baöfelbe {|iemad^ bic SefteUung
eineö ^pegerö für erforberltd^, fo n)irb biefer bie grage, ob bic Älagc auf
©rt^eilung ber elterlid^en Sinroilligung ju ergeben fei, in ibrem gangen Um?
fange ju prüfen ^aben, fomol^I auö bem ©efic^töpunfte, ob bie ®inge^ung ber
&fe überhaupt im Sntereffe bcö Äinbeö, alö auö bem ©efid&töpunfte, ob bic
Sinroilligung beö ©Iternt^cilcö o^nc genügenben ©runb ocrrocigcrt ift. ®nt?
fc^eibet ber ?Jfleger fic^ ^iemad^ für bic ©r^ebung ber Älage, fo mirb auf
biefem 9Bcgc ia6)l\6) baöfelbc erreid^t, alö menn ein Don bem 93ormunbfd&aftß?
geriefte ju biefem fpcjieUen 3^^*^ befteUter Pfleger bic ©inmilligung ju ber
SH^licgung bcö Äinbeö ert()ei(t I)ätte.
33cr aSangel ber nac^ § 1232 erforberlid^cn ©inmiUigung beö gcfcglic^cn
Sertretcrö jur g^efd^üefeung ^at bic SKnfcc^tbarfeit ber ®t)e jur golgc (oergl.
§ 1259 5«r. 4 nebft aBotioen).
§ 1233.
®ic Seftimmungen beö erften biö britten Slbfagcö beö § 1233 ftcficn c^emünbia-
mit bem § 28 beö SR. ®ef. über bic SSeurfunbung beö ^^Serfonenftanbeß unb *'*''
bic S^efc^Uefeung n. 6. gebruar 1875 im ©inflange. 6in Sebürfnife, in biefer
Sejie^ung baö beftef|cnbe 9ieicl)örecl)t ju änbem, ift, fooicl befannt, nid|t ^croor?
getreten; aud) ift bur<^ neue ^^ringipien beö ®efc|bud^eö infomeit eine älenbcrung
nid^t oeranla|t. 3nöbefonberc fe^lt eö an einem genügenben ^ilnfaffc, bic @tjc*
münbigfeit ber SRänner erft mit ber SSoUial^rigfcit ober aSolljäfirigfeitöcrflärung
eintreten }u laffen.
26 S^e^inbcmiffc. SKaitöcI ber elterli(6cn ©intoiHigung. § 1238.
§ 2), fo ift boä) anbererfcitö auä) boö ^ntc^^ff^ ^^^ ftinber ju bcrüdfid^tigen.
9luf bicfcr 9luöglcic^ung ber üerfc^iebencn Sntcrcj^en beru()cn bie Seftimmungcn
bcr §§ 29, 30 bc§ SR. ®ef. ü. 6. gcbruar 1875. groingcnbc ©rünbc, in ber
^icr fraglidicn ^infic^t t)on bcm beftc^cnbcn 9leid6ärcd)tc abjurocic^cn, liegen
nid^t üor. 3indbcionbere empfiehlt eö fid& au6) nic^t, bie Sltterögrenje, bis ju
TOeic^r bie ©intoiUigung ber ©Itern erforberlid^ ift, ouf baß 9l(ter ber iBoü*
jätirigteit ^crunteräufegen, ba üerfrü^te ®^en nid^t ju förbcrn finb. 9lur
infonjeit ift eine 9lenbcrung bcö beseid)netcn SReic^ögefcgeö alö angemeffen
bis 8um »Ott. erad)tet lüorben, ate ber 3lbf. 1 Sag 1 bie ^öd^ter ben ©ötincn gteid^*
We" ' ftcUt, mithin anij bie crftcren bis jum jurücfgelegten fiinfunbjroanjigften
Sebcnöjafire ber ©inroittigung beö SSaters bejro. ber Sftutter jur ß^efd&Iiefenng
bcbttrfen. S)ie 3lücffidt)t auf bie bcfonberen Seftimmungen beö prciife.
91. 2. 31. II, 1 §§ 46, 997, 988, welche baö M. ®ef. t). 6. gebruar 1875
beftimmt l}abeu, in 9lnfet)ung ber Ziä)kt bas üoUenbctc oierunbjroanjigfte
Sebengjafir ju roälilen, fommt für baö bürgerlid^e (Sefegbuc^ nid(it in Setra^t.
Sind) in ber ^infi^t folgt ber 9lbf. 1 Saft 1 bem § 29 beö di. Oef.,
alö er jur ©^efd)lie6ung eincö c()elid^cn Äinbeö nid)t bie (SinrtiiUigung
beiber eitern (Dergl. fäd^f. ®. ö. §§ 1600, 1571), fonbern in Uebercinftimmung
mit bcm fd^on üor bem 3nfrafttreten beö 9i. ®ef. in ben meiftcn Sled^tögebieten
geltenbcn 5led)te (oergl. inöbef. preufe. 91. ö. % II, 1 §§ 45, 46, 49) nur bie
®inn)illigung beö SSaterö, nad) bem 2^obe beö leftteren aber bie ©inmilligung
ber äßutter forbert. 5IBenngtcid6 baö Stitereffe ber 9Kutter burd) bie &f)t^
fd)lie6ung i^reö Äinbcö nic^t minber berül)rt roirb, mie baö beö 3Saterö, fo
entfprid^t eö bod^ ber Stellung beö S3atcrö, alö beö ^aupteö ber gamilic,
unb bem § 1506 9lbf. 2, bafe bei 95leinungöoerfd^iebenl)eiten ber SJater hm
9(uöfd}lag giebt.
beiÄinbem äßaö im 9lbf. 1 Saft 1 in Slnfe^ung efjelid^er Äinber beftimmt ift,
unflüiHfler P^^^* ^ud) auf bie Äinber auö ungültigen Slien, fomie auf legitimirtc
(Sbe unb ftinber 9lnroenbung (oergl. §§ 1562, 1567, 1579, 1583), auf bie Äinber auö
^Äinbir^nr Ungültigen (Sl^en nad^ 9lbf. 1 Saft 4 jcbod^ mit ber SRobififation, bafe, menn
bem aSater nac^ ben SJorfd^riften ber §§ 1564, 1566, 1567 bie auö ber
33atcrfd&aft fid) ergebenben Siedete nid^t juftel)en, an Stelle bcr ©inmilligung
beö Sßaterö fc^on Dor beffen 2^obc bie ©inmilligung bcr ajlutter erforberlid^ ift.
3n ainfe^ung eineö burc^ @{|clid6feitöerflärung legitimirten Älnbeö mürbe in
®emä§^eit ber Siegel beö § 1596 3lbf. 2 bie ©inroilligung ber une^elid^en
SKutter menigftenö bann erforberlic^ fein, rotnn ber SSater geftorben ift. S)a
icbocö ein fold()eö Äinb in golge ber ®^elic^feitöerflärung regelmäfeig bcr
mütterlidöen gamitie entfrembet mirb unb liäufig in fojialer ^inftc^t eine oon
feinen biötjcrigen SSer^ältniffen DöUig ücrfd^iebene Scbenöftellung einnimmt,
fo beftimmt ber 9lbf. 1 Saft 2, Dafe baö burd^ ®l)elid&feitöerflärung legi^
timirte Äinb ber ©inroilligung feiner ÜKutter nidf)t bebarf, aud^ bann nic^t,
rotnn bcr 93atcr beö Äinbeö geftorben ift (oergl. and) § 1597).
bei äuge* ^n 9tnfcl|ung bcr an Kinbeöftatt angenommenen ^^erfonen finb im
"ÄiHbeTn" § 1239 bcfonberc SSorfd^riften gegeben.
aBegfatt ©er brittc Saft beö 9lbf. 1 entfpric^t bem § 29 9lbf. 3 beö
SJÄng. 5». ®ef. V. 6. gebruar 1875. ®in »cbürfnife, in ben f)m fraglichen gäflen
©fecjinberniffc. ?DlanöeI bcr elterlichen SintoilKöurtg. § 1238. 27
nad^ analog« bcd § 1554 9lbf. 1 Safe 2 bic 93cf)inberung eine« ©tterntl^eifeö,
Mc ßinroifligung ju ertfieilen, t)on einem 9luöfprud)c beö äJormunbfd^afts?
geri^ted abhängig }u machen, tt)ette um ben S)icnft ber ©tanbedbcomten ju
crleid^tem, t^eilö um fpötcren ©treitigfeitcn über bad aSor^anbenfein ober Sticht-
pori^anbcnfein ber ^ier fraglichen Se^inberungägrünbc abjufrfineiben (üergl. in
Wejer ^infi^t § 2001 9lr. 7), liegt nici^t üor. ®a nac^ bem ©ntnmrfc bcr
aRangcl ber elterlichen 6inn)iltigung auf bie ©üttigfeit bcr &t)t o^ne ©inPufe
ift, 10 fommt inöbefonberc baö Sntercffc bcr Bxä)nl)dt ber ®l)c nid^t in gragc.
5Ja<i^ cinjelncn Sanbeögcfe|cn wirb baö elterliche ©inroiltigungöred^t jur «enmrfung
©W^^licßung unter befonbcren Umftänbcn, namentUd) roegcn beftimmter aSer* ^Z^^tn.
ge^en, Derroirft (Dcrgl. roflrttemb. ®ef. ü. 5. September 1839 3Irt. 19, 27, 29,
bob. (Sef. p. 23. 3)ejember 1871 Slrt. 14 3iff- H/ Ic^tereö jeboc^ aufgeljobcn
burc^ bab. ©ef. t). 9. 2)ejember 1875 § 3). Oi bcrarttge lanbeßgefeglid^c öe^
nimmungen neben bem § 29 beß 31. ®ef. d. 6. gcbruar 1875 nod) in Äraft
geblieben pnb, ift nicftt unbeftritten. 9)Ht ber (Sninbauffaffung bcö ®ntmurfcö,
löclcbcr baö einroilligungörccfit ber (Sltern nid^t als Sluöflufe ber gürforge für
Die ^rfon bcr Äinber, fonbcrn ate ein eigenes $Hecf|t ber ©Item be^anbelt,
roürbc ed iticftt ocrcinbar fein, in bcn im § 1559 bejcid^netcn gällen eineö
gegen baö Äinb ober an bem Sinbe ocrübten aSerbred^enö ober aSergel^enS mit
ber aSerroirfung ber elterliij^en ©emalt aüd) ben SJertuft bcö elterlid^en ©in^
willigungÄrccIjtcö eintreten ju laffen. SSom ©tanbpunftc beö ©ntmurfcö
mi« roürbc ein fold^cr SScrluft bcö (Sinmillungörcci^tcö bcn Äaraftcr einer
8trofc Ijabcn.
9luö bcr bcäcid^ncten ®runbauffaffung folgt ferner, bafe aud) bic ©d^eibung ««fiwft ber
auf ha^ l)ier fraglid^c ©inroilligungörcd^t bcr ®ltcrn oljnc ©influfe fein mu^; *^*^^""®'
bies ift aucft bcr Stanbpuntt bcö § 29 bcö gebacf)tcn Slcic^ögcfcßcö.
iJ)ic Seftimmungen bcö 3tbf. 2 cntfpred)en bcr pcrfonlid^en 9iatur bcr ^tx\mi^
elterlichen Sinmilligung }ur @l)efc^lic§ung. S)ie auöbrücflicf)c ^eroor^ebung (stn^iau
bcrfelbcn im ©efegc ift um beöroillen crforbcrlid^, mcil bic Scftimmungen bcö ««"aftre^^teftw
Sormunbfc^aftörcc^teö auf bem ^Prinjipc berufen, ba^ bic gcfc^lid&e aScr-
trctungsmac^t bcö aSormunbeö unb baö mit bcrfelbcn uerbunbcnc dlc6)t bcö
Sormunbcö, }u Sled^tögcfc^äftcn bcö iSKünbelö bic ®inroiUigung ju ert()cilcu
(§ 65), an jid^ unbefc^ränft ift unb inöbefonberc, fomcit nid)t baö ©efeß auö==
na^möroeife ba^ ©egcnt^cil beftimmt, aud) auf bie perfönlici)en Slngclegcns
bciten bcö OTünbclö fid^ erftrecft (ocrgl. §§ 1649, 1728, 1730 unb bie aJJotioe
P § 1049). 9lac^ bem ©prac^gebraud^c bcö ©efefecö bejic^t fiel) jebod^ bie im
Sbf. 2 auögcfpröd^cnc Unjuläffigfeit bcr SJertretung nur auf bic 'Vertretung
im JBillen. ®inc ^Scrtretung in bcr ®rflärung bcö SBillcnö in bem ©inne,
ba§ bic Ginroilligungöcrflärung burd& bic Sßermittclung cincö 9(nbercn ab^
gegeben wirb, ift felbfti)erftänblid& md)t auögcfd&lofjen.
Snwiefern bie elterlid^e ©nroilligung jur ®^cfd|lie§ung unter ^inju* eimotafßung
fügung einer SJebingung ober einer 3^itbeftimmung mirffam ert^eilt werben "g^JIgw k"*
tonn, ift, wie im galle bcö § 1232, fo auc^ ^icr nad^ bcn allgemeinen ©runb-
föjen ju beurteilen. @d wirb in biefer ^infid&t auf bic 2luöfül^rungen bcr
aUotioc iu § 1232 S. 14 ff. pcrroiefen.
r k
28 eBcJinbemiflc üRaitöcI bcr cltcrlicjen (Sintt?ilItflun0. § 1238.
«ic^tertic^e gBol^renb m6) bcm § 32 bcö JR. ®cf. o. 6. ^ebruar 1875 im goOc ber
t?r*X"^ SBerfagung ber cttcrlid^cn ©inroilligung jur 6l|cf<^Ii^6w«9 «ur ooUiä^rigcn
wiaiflung. jjinbern bic Ätage oiif ric^tcrlid&c (Srgönjung juftc^t, gcroS^rt ber SIbf. 3 oud^
minberjä^rigcn ftinbcrn bic aJlöglirfifcit bic ©rfegung bcr cfterHd^cn 6irt«
roilHgung burd& rid&tcrlid&cö Urt[)cil tjcrbcijufü^ren. S)urc^ bicfe Slcnbcrung
bcö 9lcirf)Sgcfc|eö roirb bericiiigc Stcc^tdjuftanb roicbcr liergcftellt, rocld^cr üor
bcm 5leicf)ägefcgc in bcm grofetcn SCljeitc JDeutfc^tonbö, namentlich in bcn ®e*
bieten beö gemeinen Sfcd^teö, bcä preufe. 91. S. 5R. unb beö fäd^f. 0. S., be*
ftanben ^at (oergl. preu^. 91. S. SR. II, 1 §§ 58, 68; fäddf. ®. 83. § 1602;
rocimor. Oef. ü. 2. Stoucmbcr 1848 § 5; got^. ß^egef. ü. 15. 3luguft 1834
§ 6; aftcnb. e^corbn. d. l3.9Rai 1837 § 30; lübecf. ®cf. ü. 26. Oftober 1863
§ 2). 9[ud& bei minbcrjälirigen Äinbcrn fönnen bic^er^ältniffe fo liegen, ba§
bo« Sntereffe bcr Äinber einen rechtlichen ©d^uß gegen geroiffcnlofe ©ttcrn,
rocld^e ilire ®inroilligung jur ©^cfc^Iicfeung auö Soö^eit ober aud eigcnniifiigcn
aRotioen ücrrocigcrn unb boburd^ üieHcidöt baö ganjc OlüdE ber Äinber für
bic S^^i^ft jerftören loürbcn, bringcnb cr^eifd&t. Safe burdö bie ©eroä^rung
eines fold^cn 5led()töfdöngeö bic 9tutorität bcr ®ltern gegenüber bcn ftinbern
gefäljrbct unb \iQA gamilienbanb ju fcf)r gelodfert werbe, ift nid^t ju beforgcn.
D^nc bringenbc SSerontaffung wirb bcr gefcßlic^c 33ertreter beö minberiä^rigen
ftinbcö nic^t leicht ben 9lnfprud) auf ©rt^cilung ber ©inroilligung gegen bcn
93oter ober bie Sßutter beö Äinbeö ©erfolgen.
^ «Unb?** 3m 9lnfci)luffe an "t^ix^ gemeine SRcc^t unb oerfd^iebene neuere ©efegs
gcbungöroerte (Dcrgl. roeimar. ©cf. t). 2. 9lot)ember 1848 § 5; roürttemb.
©ef. 0. 8. giuguft 1875 9lrt. 38; l)eff. ®ntio. n 9lrt. 14) ift oon einer näheren
93eftimmung ber SSorauöfegungcn, unter meieren bie ®(tern bie 6inn)iUigung
JU Dcrmcigcm berechtigt fein foHcn (ocrgl. in biefer Sejic^ung preu&. 91. S. 91.
II, 1 §§ 58—67 ; fädfif. ©. 93. § 1603; gotf). e()cgef. t). 15. 9luguft 1834
§ 5; altcnb. ©fieorbn. o. 13. ajlai 1837 §§ 30, 31), abgefe^en. 9tud& ber
§ 32 beö 5H. ©cf. o. 6. gebruar 1875 enthält feine Seftimmungen über bie
©rünbe, aus meieren bie cltertid^c ©inroilligung ücrfagt mcrben fann, ot)nc
iebod^ bie in biefer Sejicl^ung beftel^cnbcn lanbcörcd^tlid^en SBorfd&riftcn befeitigen
JU motten. Um bcm SRic^ter eine allgemeine ©ireftiüc für feine ©ntfdbeibung
JU geben, ift cS inbcffcn als rat^fam erad^tet morben, im 9lbf. 3 ju be-
ftimmen, bafe ber 9lnfprud^ beö Äinbeö auf ®rtf)eilung ber ©inroilligung auö^
gefd&loffcn ift, toenn ein mid)tiger, nac^ bcn Umftänben beö gaUcö bic SSer-
mcigerung rec^tfcrtigenbcr ©runb oorliegt. 6ö fann barauf oertraut mcrben,
ba§ ber 9Uc^ter an bcr §anb biefer allgemeinen 93cftimmung, mic in anbcrcn
ä^nlid) licgcnben gällcn (oergl. § 1228; §§ 566, 598, 648, 1896), bic rici)tigc
®ntfd)cibuug im einjelncn gallc finben mirb. 9llö felbftücrftänblid) ift cö inö^
befonbere ju betrad&tcn, ba^, mcnn bcr 5ßatcr ober bie 3Ruttcr gefc|licf)er 33cr*
tretcr beö Äinbcö ift, ein bic SScrrocigerung bcr (Sinmilligung rcc^tfcrtigcnber
©runb aud^ bann ftetö oorlianben ift, menn bie ©rt^cilung ber ©inmiUigung
nid^t im Sntereffe beö Äinbcö liegt (ücrgl. § 1232 9tbf. 2). (So crgicbt ftc^
bicö barauö, bafe ber SSater ober bic SRutter alö gefc^lid^cr 35crtrctcr beö
Äinbcö in erfter Sinie baö 3[nterefic beö Äinbcö roal)rjunc]^mcn berufen ift
unb nad^ 9lbf. 4 baö red&töfräftigc Urtl^eil, burd^ roeld)cö ein ®ltemtt|eit
e^cjtnbeniiffc. 5!BanöeI bcr eltcrliicn eintoiaigung. § 1238. 29
}ur @rt^ei[ung ber @inmiüioung üerurt^etlt roirb^ jugleid^ bie SintDiUigung
bes Sttont^fitcfi alft bed- gefe^u^u ä^ertretcrs erfegt, ätnbererfeitd fönnen
aber aud) folc^e ©riinbc, welche bcm befonbcren 3ntcref[c beö betrcffenben
©Itemt^eilcö ober ber gomilie entnommen ftnb, bic aSerroeigerung ber 6in^
willigiing red^tfcrtigen. ®rünbc biefer 2trt treten in ben 33orbergrunb , wenn
ber 33ater ober bie SKutter nid^t jugleid^ ber gefeglicfee Sßcrtreter beö Äinbeö
ift; bod^ ift nid)t ouögef4|Ioffen, bofe auä) in fold^en gällen, namentlid^ rocnn
baö ftinb tJoUio^rig ift, bic SSerroeigernng ber eltcrlid^en ©inroiUigung auö bem
©eftc^töpunfte bcä 3ntcref|eö beö Rinbeö fid^ ofe gere^tfcrtigt barftellcn fann.
®ur^ bic goifnng ber Sd^Iuferoorte bcö Slbf. 3 wirb jugleic^ bic S3c* »eroeisioft
loeifilaft, unb jroQr in Ucbereinftimmung mit bcm geltenben Siedete, ju
©unften beö Äinbeö geregelt.
SScflcn ber Orünbc, oud mcld&en ber SBibcrruf ber crt^eilten ^1^^^'^^^ ®^S^^''
ßinroilligung nic^t befd)ränft merbcn, fonbern cö in biefcr §infid^t bei ben
oUgemeinen ©runbfäfecn (§ 127 3lbf. 3, § 119) ucrblcibcn foU, roirb auf bic
äuöfü^rungcn in ben SHotioen ju § 1232 (©. 13 ff.) S3ejug genommen.
23er § 32 beö 9t. ®ef. o. 6. gcbruar 1875 ^at, abgefc^cn oon ber fflc:* »erführen.
ftimmung, bafe bie 6rgänjung ber eltcrlid)en ©inroiUignng eine rid^tcrlic^e fein
mu6, über bie 3uftänbigfeit unb baö 5Berfaf|ren in betreff ber ©rgänjungö?
Hage feine aSorfd^riften gegeben. 6ö finb beö^alb inforoeit bic lanbeögcfeg^
liefen Seftimmungen mafegcbcnb. 3lad) ben Icgtcrcn gehören bie ®rgänjungö^
flagen überroiegenb ju ben Sachen ber ftreitigen ©erid&tßbarfcit unb finbcn
owf biefclbcn bie für geroöf)nUcöc SWcdjtöftreitigfeiten geltenben aSerfa^rcnö:=
»orfc^riftcn Sfntoenbung (oergl. preufe. 21. S. SR. II, 1 § 68, preufe. ®ef. für
bie ^rooinj |)annoi)cr v. 1. aWärj 1869 § 1; mürttemb. ®ef. o. 8. Sluguft 1875
ärt. 3 ocrb. mit Ocf. t). 18. Stuguft 1879 2lrt. 34; meimar. ®ef. u. 2. 9lo^
oember 1848 § 5; got^). ®ef. v. 15. Sluguft 1834 § 6). S)agegen bcftimmt
baö bab. ®ef. v. 9. ©cjcmbcr 1875 § 5, bofe bic Älogc auf rid)tcrli(^e
©rgänjung bei ben Slmtögerid^ten anjubringen fei unb baö aSerfa^rcn fid)
nai) ben für Slngdegcn^citcn ber frcimilligen ®crid)löbarfeit geltenben
Sorf(ftriften richten foUc. Snbem ber 2[bf. 3 bcm Äinbe einen 3tnfprud()
auf ©rt^eilung ber elterlic()en ©inroiUigung beilegt, ucrftdjt cö fic^ in
fermangclung einer cntgcgeuftcljcnben Scfttmmung üou felbft, bafe ber
^rojeferic^ter über ben 3tnfprud& ju entfd)cibcn \)ai unb ber § 779 ber
6. ^^. D. anrocnbbar wirb. 3Rit ber 9latur beö elterlichen ©inmilligungös
rec^tcö a(ö eines eigenen 9tec^tcö ber Altern mürbe cö nid^t im @inflange
flehen, menn man bic @ntfdE)eibung nic^t bem ^rojcgriciitcr, fonbern bcm
Siebter ber freimiUigen ®crid^töbarleit, inöbcfonberc bem SSormunbfc^aftö::
geridile, übertragen moUtc. SBcnnglcic^ baö Skrfal^rcn oor bem SBormunb^^
fc^aftögeric^te einfacber ift unb rafcl)er jum Qide fü^rt, aud& jugegeben roerbcn
wu^, ba| 5ßrojcffe ber Ifitt fraglichen kxt oft mit großer ©rbittcrung gcfül)rt
werben unb in böb^rem SRafee alö baö aSerfa^ren oor bcm SSormunbfd^aftö*
flerit^c bic gamUienbejie^ungen ju untergraben geeignet finb, fo ift bod^
anbcrerfeitö ju bcrücffid^tigcn, bafe baö ^ßroje^oerfa^ren größere ®arantieen
flCTod^rt unb inöbcfonberc in ben ja^lreic^en gällen, in welchen umfaffenbc
Serociöaufno^mcn not^ig werben, alö baö angemeffenere crfd&eint.
30 ®5«]&inberniffe. ©Itcrl. ©iniptlligung bei angenommenen Rinbcrn. § 1239.
sBirfunflbe« 2)ie ©rünbc, auf welchen bie Jöeftimmung bcd 9lbf. 4 bcrul^t, finb
urt^etieft. jjg^^-^g ^^ jjg^ ÜRotiocn ju § 1232 Slbf. 3 borgclcgt (ocrgf. oben ©. 17).
aSic QUO ber gaRung beö § 1238 ,,bQrf nid^t" unb aM einer SSergteid^ung
ber §§ 1250, 1259 fid^ crgiebt, begrünbct ber SBangcl ber nad^ bcn Sc^
ftimmungcn bcö § 1238 erforberlic^en elterlid^en ®inn)iUigung nur ein auf*
fc^iebenbcö ©J^ctiinbemife (oergl. in biefer ^infid)t bie 3)iotioe ju § 1259
unter 9lr. 5). Qux Sicherung beö (S^eoerboteß bienen aufecrbem bie 93eftimmungen
beö § 1536, foroie beö § 2001 3lt. 7 (oergt. bie ÜRotiüe ju §§ 1536, 2001).
§ 1239.
c(terii*e 2)cr § 1239 regelt baä eltertid^e ©inroiUigungöred&t in Slnfei^ung ber
flun/bei Oft. ß^efd^Iiefeung eines on Äinbefiftatt angenommenen Äinbeö, unb jroar in einer
^^SiTbwir^" ton bem § 31 bed JR. ®ef. o. 6. gebruor 1875 jum a:^ei( abroeid^enben
SBeife, inbem er einerfeitö bie Slboptiümuttcr bem Slbopticoater in ber ^ier
fraglid^en §infid^t Doüftänbig gleic^ftellt, anbcrcrfeitö beftimmt, ba^ baö ®in*
roilligungdred^t ber leiblid^en (Sttern in golge ber 3lnna^me an Äinbeöftatt
bauernb erlifd)t, bie ©inmilligung ber leiblichen @Itern mithin aud^ bann nid^t
erf orberlidEi ift, wenn bie SKnna^me an Äinbeöftatt roieber aufgel)oben ift (§ 1629).
^ag in 9[nfe()ung eines an ^inbesftatt angenommenen Rinbes nad^
äJtaggabe bcd § 1238 bie Sinmilligung bed 9Innel)menben }ur @^efd^(iegung
erforberlic^ ift, unb jroar o^ne Unterfc^ieb, ob ber (entere ein üRann ober eine
grau ift, entfprid^t bem 5ßrinjipe befi § 1601 unb bem ©tanbpunfte beö
®ntn)urfes, n)e(d)er bie 3lnnal^me an Äinbeöftatt burd^ einen 9Kann unb bie
9lnnal^me an Äinbeöftatt bnxd) eine grau grunbfälüd^ gleic^ftellt (oergl. bie
aWotiüe }u § 1601). 3n ©rmangelung einer befonberen Seftimmung mürbe
aber na^ ben §§ 1625, 1238 neben ber ®inn)iUigung beö 3lnne^menben aud^
bie ®inroiUigung ber bisherigen ®(tem erforberlic^ fein bejw., fofern ber 3ln«
nel^menbc eine grau ift, baö ©inroilligungöred^t ber le^tcren erft nad& bem
2:obe beö leibfid&en SSaterö ober nac^ bem 6intritte eines ber im § 1238 9[bf. 1
©a| 3, 4 bem Slobe beö 93aterö gleid^gefteUten gälle roirffam werben, ©in fold^eö
JRefuItat fann iebod^ im ^inblidfe barauf, bafe in fe()r oiefcn gällen baö
angenommene Jlinb burcfe bie 9lnna^me an Äinbeöftatt in ganj anbere fojiale
SSer^ältniffe fommt unb ben leiblid^en ®ltern entfrembct wirb, als ein an«
gemcffenes nid&t erachtet werben. 3laä) bem SSorgange bcs § 31 beö
9t. ®ef. V. 6. gebruar 1875 beftimmt beö&alb ber 5tbf. 1, bafe in 9lnfe^ung
eincö an ftinbeöftatt angenommenen Äinbeö an ©teile ber nad^ ben ©e*
ftimmungen • beö § 1238 erforberlicften ©inroilligung ber leiblid&en ®ttern bie
©inroilligung beöienigen tritt, roetd^er baö Äinb an Äinbeöftatt angenommen
^at 2)iefelben Orünbe, auf meldten biefe Seftimmung berul^t, muffen aber
— über bie SSorfd&rift beö § 31 beö bejeid&neten 9t. ®cf. l;inauö (oergt. aucft
preufe. 31. 2. 91. II, 2 § 715; fäd^f. ®. 33. § 1800) — ju ber weiteren, bem
§ 1626 entfpred^enben Seftimmung führen, bafe eö ber ©inmilligung ber leib*
lidicn 6ttern aud^ bann nic^t bebarf, menn bie 2lnnal^mc an Äinbeöftatt roieber
aufgcfjoben ift (9lbf. 2). ^m ^ßrinjipe ftimmt bamit baö gemeine 9lecbt in
3lnfel;ung ber 3lrrogation unb ber adoptio plena fiberein.
(5]&c6inbemxtfc. 9tbDptiDöenratibtf4aft. §1240. 31
2)cr Sa|, bofe in Slnfcl^ung eines an Äinbcöftatt angenommenen ftinbeö
cm Stelle ber nac^ ben Seftimmungen beö § 1238 erforberlic^en ©iniöilligung
htt (eibli^en @(tem bie SinmiUigung beSjenigen tritt, meieret bad Ainb an
jtinbedftatt angenommen l)ai, erleibet iebod) in perfdEjiebenen 9]td^tungen eine
3Robififation für ben gall, wtnn roä^renb beftel)enber ®I)e t)on einem ©Regatten
boö Äinb beö anberen ©Regatten ober ton beibcn ©Regatten biefclbe 5ßerfon
on Äinbcöftatt angenommen ift (§ 1621). 2)a in biefem galle ber 9lngenommene
nac^ § 1621 bic redfitlicl^e ©tellüng eines gemeinfd^aftlid)en cl)elic^en ÄinbcS
beibcr ©Regatten erlangt, fo ift eö fonfequcnt, bafe in biefem galle in 3lnfe^ung
bfö on ftinbesftatt angenommenen Äinbcö an Stelle ber nad^ btn S3e*
fümmungcn beö § 1238 erforberlic^en GinroiUigung ber leibtid^en ©Item bie
Ginmilligung beö ©fiemannes unb nad) befjen Sobe bie ©inmilligung ber
G^cfrau tritt.
2)ie im jweiten Sa&e beö § 31 beS SR. ®cf. ü. 6. gebruar 1875 mit
giütffic^t auf bie Sönbcr beö franjoFifdjen 9iec^teö getroffene ©infc^ränfung
fommt für ben ©ntmurf nid^t in grage.
§ 1240.
2)ie Seftimmung beö § 1240, lucldic, mic ber erfte Sajj jum 2(uSbriicfe »Wnbemt»
bringt, eine Sluöna^me tjon ber 93orfd)rift beS § 1236 9lbf. 1 9ir. 1 in 33er^ «boptLer.
binbung mit bem ©runbfage beö § 1601 9lbf. 1 enthält (oergl. bie SKotiüc ju wanbtf<^aft.
§ 1236 oben S. 24), fdiliefet fi^ im SBefentlidien bem § 33 3lx. 4 beö
m. ®ef. V. 6. gebruar 1875 an (üergl. auc^ preufe. 91. S. 31. II, 1 § 13).
®ö laffen fic^ allerbingö geroid^tigc ©rünbe bafür geltenb mad^en, nad) bem
Vorgänge beö gemeinen Sied^teö, beö code civil 9lrt. 348 unb beö fäc^f. (S. S3.
§ 1614 baö ©^eterbot roegen 9lboptit)t)erroanbtfd)aft weiter auöjubel)nen, inö^
befonbere bie ©^e jmifd^en bem 9lnne{)menben unb ber SBittme beö 9ln*
genommenen, foroie umgefef)rt bie ©fie jroifd^en bem (enteren unb ber SBittwe
beö 31nncf)menben ju ©erbieten, unb bas ©t)et)erbot aud) nac^ 9luf^ebung beö
aboptipocr^ältnif[eö (§ 1629) fortbauern ju Iaf?en. ©ö ift jebod) alö bebenffid^
fragtet, in ber ^icr fraglid^en Sejie^ung Don bem befte^enben 5lcid^örcd)tc in
loeiterem Umfange abjuroeicfeen ; nur infofern ge^t ber § 1240 über ba& le^tere
hinaus, alö er nac^ bem ^orbilbe beö franj. 9lec^teö unb beö fdc^f. ®. S3. aud^
bie G^c jroifc^en bem 9inne^menben unb ben 9lbf5mmHngen beö 9lngenommenen
©erbietet, unb jmar aud^ bann, menn auf biefc 9lbtömmlinge bic 9lnna^me
an Äinbeöftatt fic^ nid)t erftrecft tiat (§ 1620). 2)ie gi^foffung einer fold^en
6b« roibcrfprid^t ju fe^r bem natürlid^en ©efü^le unb fann ju 33erl)ältniffen
führen, roeld^e mit einem gebeitjtid^en gamilienfeben nidftt oereinbar finb. S)ic
©riinbe, auf melden biefe ©rmeiterung beö ©f)eDerboteö berufit, fonnten aud^
für eine Sluöbe^nung beö 33erboteö auf bie ©bc jmlfd^cn bem 9(ngenommenen
unb ben 93oreItern beö 9lnnel^menben geltenb gemad^t merben. 3ini>cf?en ift
biefc Äuöbe^nung wegen ber ©eltenl^eit ber l)ier in 33etrac^t fommenben gäUe
entbe^rlid^.
Unter „Slbfommlingen" beö 9lngcnommenen finb nad^ bem Sprad^?
gebrauche beö ©efegbuc^eö fold^e unet)e(idE)e 9(6f5mmUnge, meldte nid|t nad^
32 ei&c]6tnbcmiffc Söarteicit bcr grauen. § 1241.
aßafegabc bcö § 30 mit bcm 2lnfleitommencn ocrioanbt fiitb, nid^t ju ücr*
fielen, ein Scbürfnife, bod e^cocrbot bcö § 1210 nad^ ainalogic beö § 1236
3lbf. 2 and) auf fold&e uuc^elidEic Slbtömmlinfle auöiubct)nen, liegt nic^t oor.
S)aö im § 1240 bcftimmtc @^c^inbcrni§ i)at nur bic SScbeutung eine«
auff(^iebcnben ©^eljinbcrniRed, wie t^d) auö bcr gaffung ,,barf nic^t" unb ben
§§ 1250, 1259 ergicbt (Dcrgl. in biefcr S3cjict)ung bic aWotioc ju §§ 1250, 1259
unter 9Jr. 4). 3lufecrbcm fnüpfcn ftd& an bie ajcrle^ung bcö SScrbotcd bie im
§ 1631 beftimmtcn befonberen golgen (ocrgl. bic aKotioe ju § 1631).
§ 1241.
flBartcieit ber ©er § 1241 ftimmt fad&Ud) mit bem § 35 bcö 91. (Scf. o. 6. gebvuar 1875
*^*"*"* übcrcin; inöbefonbcrc f|ält bcrfelbc tro^ ber im § 1467 beftimmtcn, für bie
e^elic^c Slbftammung mafegcbenbcn, etroaö fürjcrcn grift üou brei^unbert 2:agen
an ber grift oon jc^n aBonaten fcft. 3luf eine genaue Uebereinftimmung ber
l^ier frogtid^cn grift mit ber im § 1467 beftimmtcn grift ift fein (Schiebt ju
legen. Die SBorfcbrift beö § 1241 fte^t mit bem § 1467 nur infofern im
3ufammen^angc, als bie grift bcö § 1241 im ^inbficfc auf ben 3«^^* bcö
teßteren nic^t türjcr fein barf, afö bie beö § 1467. 2)agegen fteben einer SSer-
längerung jener grift in ber bem beftebenben SReid^örcd&tc entfprec^enben SBcifc
innere ©riinbe nicbt entgegen. 2luf bcr anbcren Seite cmpfiefilt ficb bic 93ci^
bebaltung bcr grift von jc^n aWonaten aM bcm praftifd&cn Ocjtcbtöpunftc,
meil pe }u einer ©rleicbtcrung bcr 33crcd)nung bcr grift (§ 149) fü^rt.
3)urc^ bic gaf[ung bcö § 1241 mirb bcr nad^ bem SBortlautc beö § 35
beö SR. Ocf. 0. 6. gcbruar 1875 moglidbc 3w>cifc[ auögcfcbloffen, ob baö ©b^oerbot
bcö § 1241 aud& in bcm galle 9lnrocnbung finbct, wenn bie frübere @^e ffir
ungültig erttärt ift. S)ie ©rftrcdfung bcö ©b^ocrboteö auf biefen gall entfpric^t
bem 3^^^*^ ^^ö SJcrbotcö, bei cbctid^cn Äinbcrn bic Ungcroifebcit ibvcr 3lb«
ftammung ju t)crl)ütcn (§ 1479), in SBcrbinbung mit ben 33cftimmungcn ber
§§ 1562, 1567.
3m Slnfc^luffc an baö gemeine Sled&t unb bie neueren ©efeggebungen
(Dcrgl. prcufe. 21. Ä. SR. II, 1 § 1006; fäc^f. 0. 93. §§ 1605, 1607, 1621, 1627
Dcrb. mit bem fäd^f. ®cf. p. 5. 3louembcr 1875 § 7 ; gotb. 6^egef. t). 15. 2luguft
1834 §§ 15, 22, 23; altcnb. ®bcorbn. t). 13. OTai 1837 §§ 38, 40, 163, 165—193;
bab. ®ef. o. 9. Sejember 1875 § 1 5Rr. 2; § 36 bcö SR. Oef. o. 6. gebruar 1875)
ift bcm @b^^i^^c^"if[c ^^ö § 1241 nur bie Sebeutung eineö auffc^iebenben ®i)^^
binbemiffcö beigelegt, mic nid^t nur a\\^ ber gaffung bcö § 1241, fonbem auc^
auö einer SBcrglcic^ung bcr §§ 1250, 1259 erbellt. S)ie 33erletung bcö SSerboteö
ift aber oufecrbcm im ^inblirfc auf bie äßidi^tigfcit bcr 3!tttcreffcn, roclcbc baö
©bcücrtot bcö § 1241 JU fdjüßcn bcftimmt ift, nac^ bem SJorgange ücrfd&iebener
neuerer ©cfcßgebungcn (ücrgl. preufe. 2(. 2. dl II, 1 §§ 1008—1012 ; fäc^f. @. ».
§ 1627 unb fäd^f. ®ef. t). 5. iRoDcmber 1875 § 7) mit Strafe bebrobt. 55ic
betrcffcnbe Strafbcftimmung (ücrgl. 2lnm. 1 unter I, 2 ju bem Unterabfc^nitte
„IV. Ungültigfeit bcr ©be" §§ 1250 ff.j ift jcbodb jum 3n)cdc bcr ergänjung
beö Strafgcfcjbudjcö in baö einfübruugögcfcß oerroiefen.
(S^e^inbcrn. Sid^crungbcrÄinbcr früherer e^c Scamtezc. §§1242,1243. 33
§ 1242.
Xer § 38 Sbf. 2 bcS SR. ®cf. ü. 6. gebniar 1875 l^at bie aSorfd^riften, eic^erfteoun«
iDctc^e oor ber 6^cfcl)lic6ung eine SWadEirocifung, Sliiöeinanberfefcung ober ©id^er^ Xü^t^i^l
fkllung bcd SSermögcnö erforbem, mit SRücffic^t auf bie gro^e 3Rannigfa[tigfeit
bcr ^ter cinfd^fagenben, mit bem el^elidien ©üterrcd^te, bem (Sltcrn- unb 35 or*
munbfc^aftdrcd^tc in engem 3wfo^tt*^^^^ö'^9^ ftel^enben lanbeögefeglid^en Se*
ftimmungen (üergl. bie bei v. ©id^erer, boö Sleid^ögefe^ über bie 93curfunbung
beö ?ßerfonenftanbeö u. f. ro. x>. 6. gebruor 1875, ju § 88 S. 435 ff. gegebene
Ucbcrfi^t) unberül^rt gelaffen. ©ä ^anbelt fid^ l^ier oomefimlid^ um fold^c
33cftimmungen, mcldbe für ben gall ber SBieberüer^eirat^ung eines ©tterntl^eiles
bad 3ntereffc ber Äinber ber früheren 6l|e in 3lnfe^ung il|re§ SScrmogcnö ju
ft^em bejroerfen. 9lud& ber ©ntrourf tnif)iHi eine dicvf)t berortiger Seftimmungen
(pergl. §§ 1548, 1599, 1623 3lbf. 3, §§ 1734, 1404). Um bie 2)urc^fü^rung
bicfer Seftimmungen ju fidlem, onbererfeitä um ben ©tanbcöbeamten nid^t mit
bcr Prüfung ju bcfaften, ob bie SBorauöfegungen berfelben üorliegen ober
nid^t, bcftimmt ber § 1242, ba^ unter ben bort bejeic^neten, leidet feftjuftellenben
aSorauäfefcungen ein ©Iternt^eil bejTO. ber überlebenbe ©l^egattc eine ®^e erft
fd^liefeen borf, nac^bem ba^ SSormunbfd&aftögerid^t ein B^ugnife barüber crtlieilt
bat, bafe bie aus jenen SBeftimmungen fid^ ergebenben SSerpftic^tungcn üon
i^tn erfüllt finb ober il^m nid^t obliegen.
Xtn e^efid^en Äinbem (§§ 1466, 1562, 1567) ftefjen in ber ^ier frag:*
li^en ©infic^t nod^ SRafegabc ber §§ 1579, 1583, 1601 bie legitimirten Äinber,
foroic bie an ftinbesftatt angenommenen ^ßerfonen gleid^.
2)aS e^e^inbernife bes § 1242 ^at, roie bie Raffung bes § 1242 jum
9IiiSbrucIe bringt (t)crgl. audfi bie §§ 1250, 1259), in Uebereinftimmung mit
bcr aSorfd^rift beS § 38 3lbf. 2 beS SR. Oef. ü. 6. gcbruar 1875 nur bie ^c^^
beutung eines auffd^iebenben @l^el^inbemiffes. Gin Sebürfnife, bie ©urdEifü^rung
bcfi ^ier fraglichen ß^eoerbotes nod^ burd^ eine bcfonbere ©trafbeftimmung ju
fi<I)em (pcrgl. preufe. 91. £. 31. II, 1 §§ 1001, 1008 ff.), liegt nid)t üor, um
fo mcniger, als es ftd^ bei biefem Säcrbote nur um ben Sd^ufe prioater, nid^t
um ben Sd^ug offehtlid&er 3nterej^cn t)anbe(t (oergl. übrigens §§ 1548, 1734
in gSerbinbung mit §§ 1550, 1705 5Rr. 1).
§ 1243.
•3m Slnfc^Iuffe an § 38 Slbf. 1 Safe 1 beS 9t. ®ef. t). 6. gebruar c^c
1875 föfet ber Sa| 1 biejenigen reid^sgefeßlid^en bejm. lanbesgefeglic^cn S8e^ b«"5uuär.
ftimmungen unberührt, nac& roeld&en SKilitärperf onen (t)ergl. § 40, § 38 Ht. A, pcrfonen unb
§ 60 3lr. 4, § 61 beS SR. a»il. ®ef. v. 2. SRai 1874), ingleid^en Sanbes^ ^^"^ten,
beamte eine befonbere (Srtaubnig }ur @^efd^tiegung nad^jufud^en l^aben. @ine
fcttftänbigc 3)iSpofition enthält ber ©ag 1 bagegen infofern, als er beftimmt,
bag ÜKilitarperfonen unb Sanbesbeamte, wenn unb foroeit für biefetbcn
nad^ jenen Seftimmungen eine befonbere (Srlaubnife jur ©Ijefd^liefeung Dor?
gcfc^rieben ift, ol^ne bie üorgefc^riebene Srfaubnife eine G^e nid^t fdljtiefeen
bürfcn. Xa es fic^ um bie reid&Sgefe^Üd^e 2luffteUung eines an ben SDiangcl
Itoüoc %. MrscrL Ocfe|au<^. IT. 3
34 e^el&inbcrnifTc. Sluölanbcr. J)i8penfattongBefuflni§. §§ 1243, 1244.
eines
9CudIAnberS.
Sorbe^alt.
ber crforberlid&cn ©rtaubnife ju fnüpfenbcn ©l^el^inberniffeö fianbelt, fo tann
es nid&t jrocifelliQft fein, bafe biefc SBcftimtnung in ba^ bürgerliche ®efe|bud&
gebort (Dergl. auä) § 38 3(6f. 1 Safe 2 beö 91. ®ef. d. 6. gebruar 1875).
Db jene aSeftimmung infofern über ben § 38 3lbf. 1 beö SR. ®ef. ü. 6. gebruar
1875 l^inauöge^t, olö fie ben SKangel ber Dorgefd^riebenen ©riaubnife in allen
fallen ate auffd^iebenbeö @l|el|inbcmi6 roirfen läfet, au6) wenn naä) bem be*
treffenben Sanbeögefcfee ber SKangel ber oorgefd^riebenen ©rtaubnife ein ©J^e-
{jinbernife überhaupt nid^t begrünbet, fonbern nur biöäiplinarifd&e folgen naä)
tid) jie{)t, fann bo^ingeftellt bleiben; in jebem gaUe ift eö im Sntercffe ber
SRed^töeinl^eit unb ber ©rlcic^terung ber ©efd^äftöfül^rung ber ©tanbeöbeamten
angemeffen, roenn ber SKangel ber tjorgefd^riebencn Srlaubnife allgemein als
auffd^iebenbeö ®^ebinberni6 belianbelt wirb. 9lnlangenb bie Äategorieen ber^^
ienigen ^erfonen, bei melden ber 3Banget ber üorgefdEiriebenen ©rlaubnife als
e^ebinbernife roirten foll, fo fdiliefet fid^ ber Safe 1 bem § 38 beö 91. ®cf.
ü. 6. ^ebruar 1875 an. S)ie 5Weid^öbeamtcn t)icr ju berücf fid)tigcn , ift ent=^
bel^rlic^, ba in biefer ^infidjt, fomeit nötl^ig, bie Sleid^öfpeäialgefeggebung SSor-
forgc treffen fann.
^ni} ber jrocite £a^ beö § 1243 fd^licfet fid) im 2Bcfentlid)en bem be^^
fte^enben SReid&öredite an, nnb ^roar forool^l in ber 5Rid)tung, bafe er bie tanbeß-
gcfefeUd&cn SBorfc^riften unberührt läfet, meldte bie Gljefc^lie^ung oon 3luölänbern,
b. 1^. t)on 9lid^tbeutfc^en, üon einer ©rlaubnife ober ber Beibringung eineö
3eugnif|c3 abhängig mad^en, alö auc^ in ber SRidljtung, bafe ber SKanget einer
fotd^en ßrlaubnife ober eineö fold^en 3^uflnif[eö ein auffd&iebenbeö Gl)cl)inbemi§
begrünben foU (üergt. § 38 2lbf. 1 beö 91. Oef. ü. 6. gebruar 1875). 2ßegen
bcs Suf^^^^^^^l^önges bor bejeid)neten lanbeßgefe^lid^en 33orfd)riften mit ben
öffentlid)red)tlid)en 33orfdE)riften über baö SUeberlaffungömefen unb bie öffent=
lid^c 9lrmenpflege unb im ^inblirfe auf bie jalitrcidjcn ))kx einfd^lagenben
©taatöüerträge beö 9teid^eß, unb inöbefonbere ber einjetnen S3unbegftaaten,
fann eine jene lanbeögefegtidien SBorfd^riften befeitigenbe ein^citlid^c Siegelung
nid^t erfolgen.
S)urd& bie 93eftimmungen bcö § 1243 roirb ber bax)v. SSorbel^alt nac^
a)k6gabe beö SünbnifeDcrtrageö v. 23. 9Joüember 1870 unter III § 1 3Ibf. 1
unb beö Sd^lufeprotofoUeö t)on bcmfelben Sage unter I, wenn unb fomeit ber^
felbe ^ier überfiaupt eingreift, felbftüerftönblid) nic^t berührt. Db jener SSor^
behalt auöbrücflid^ außjufpred^en fei, ift ber ^^Jrüfung bei ber Seratbung beö
®infäl^rungögefe|eö vorbehalten.
§ 1244.
»i«- 2)er § 1244 entfprid^t bem § 40 beö 91. ®ef. o. 6. ^^cbruar 1875 ; ba^
TeÄ' '^^ ^^^^ § ^0 üor ben 2ßorten ,,bem Staate" pd^ finbenbe SBort ,,nur" ift
iebod) alö entbelirlidE) erad^tet. 3m Uebrigen liegt ein genügenber ®runb, oon
bem 9leid|ögefefee abjumeid^en, inöbefonbere bie Seftimmung über bie 3luöübung
ber 2^iöpenfationöbefugni§ ftatt ben Sanbeöregierungen ber Sanbeögefcftgebung
5u übertragen, nid^t t)or.
©tefinbernifte. 9ln5an0. — ®ßefd&ne§un0. DBIigat. Stöirejc. § 1245. 35
ju bcn §§ 1231-1244.
3m 3lnfd^lu)le an baö bcftcl^cnbe JHeidöörcd^t f)ai bcr ©ntrourf weitere '««^t*
©^c^inbemifje , alö ftd^ quo ben §§ 1231—1244 ergeben, nic^t onfgcnommen. weue«?eU
©in ©ebürfnife, aud ber großen ^af)l ber oor bem Snfrofttreten bcö 91. (Sef. »inbemiffe.
0. 6. ^bruar 1875 partifuforred^tlid^ onerfannten, ober burd^ bcn § 39
jcncö 5H. ©ef. befcltigten fonftigcn ß^e^inbernij^e baö eine ober baö anbere
wicber cinjufüliren, ift, foDiel befannt, nid^t hervorgetreten. (So gilt bieö
inöbcfonbere auä) oon bem SSerbote ber 3Biebcn)er^eirat^ung beö für ben
fc^ulbigen 21)eil crttärten gcfdE)iebcncn ®l|egatten. SBenngleic^ für ein fold^eö
jeilfic^ bcfd^ränttcß SSerbot geroid^tige (Srünbe fidj geltenb maä)tn loffen, fo
finb bod^ bie onbererfcitö bamit Dcrbunbcnen fittlic^en (gefahren unb roirt^^
fc^oftlid^en Slac^t^eik ate überroiegenb ju erad^ten.
SSerfc^icbenc ©efefegebungen entgolten unter bcn bic materiellen ©rforber^ einwintflung
ni^c ber ©(jcfcftliefeung bctreffenbcn 93eftimmungcn bie auöbrüdEUd^c 95orfc^rift, \^Zf^^n.
ba% jur ©^cfd^Iie&ung bic freie (Sinroilligung ber ©^efd^Iiefecnbcn crforberlid^
fei füergl. preufe. 31. 2. dl. II, 1 §§ 38, 39; altcnb. e^eorbn. p. 13. aßai 1837
§ 165; ^eff. entro. II 2lrt. 2; fd^meij. 33b. ©ef. ü. 24. ©ejcmbcr 1874 SKrt. 26).
aud^ ber § 28 bcö SR. ©ef. d. 6. gcbruar 1875 t)cbt alö matericllcö erforbernife
bcr ©^ef(^tie§ung bie ©inroilligung ber ©l^ef^liefeenbcn befonberß l^croor (oergl.
ferner code civil 2lrt. 146 ; fäd&f. ©. ö. § 1588; got^. (Sfiegef. ü. 15. aiuguft 1834
§ 1). 2)ic 2lufno^me einer bcrartigen 93eftimmung in ben 3lbfdE)nitt über bie
materiellen 6rforbernijfe ber ß^efd^Iie^ung ift jebod^ im ^inblidfe auf bie 93or^
fd^riften ber §§ 1231, 1248, fomic auf bic befonbcrcn 9Jorfdf)riftcn über bcn ®inf(u^
Don SBillendmängeln auf bie ©üttigteit bcö ®^efdf)lieBungöüertrageö (ücrgl.
§ 1250 ?Rr. 2, § 1259 3lx. 1, 2) entbel|rlid^. Slut^ auö bem ©cftd^töpunftc ift
eine bcrortigc 93eftimmung nid^t erforberüd^, um ben ©tanbeöbeamten barauf
^injuroeifcn, ba§ feine ?}rüfung fidf) gecignetenfalls aud^ auf bie freie ©inwilligung
bcr ß^cf^Iiefeenben ju crftrecfen ^abc, ba biefer 3medE im 5lBcge einer 3nftruftion
erreid^t werben fann.
©benforoenig braud^cn bie Unjuläffigfeit ber SSertretung ber ß^efc^Iiefeenben öertretunfl.
im SGBillen unb bic Unjuläffigfeit ber Beifügung einer S3ebingung ober QzxU »ewn-
beftimmung, rocnngreic^ cd fid^ babei, genau bctrad^tct, um S3orfd^riften tianbelt, ®""^'^" "•
roeld^ bie motericUen ®rforberniffe ber ®[)cfd^lie§ung betreffen, neben bcn
SJorfd^riften beö § 1248 nod& bcfoitbcrö unter ben SSorfd^rifteu über bie materiellen
©rforbcmiffc ber ©fiefd&licfeung l^croorgel)obcn ju rocrbcn.
III. mtmitfinm').
§ 1245.
2er 2lbf. 1 fprid^t im Slnfdjluffe an bcn § 41 beö SR. ©ef. o. 6. gc^ 'Pnnaip ber
bruar 1875 baö ^rinjip ber obligatorifc^en 3^^^'^^^ ^wö. 3lngefi(^tö beö f^en 'Ä"^^^
*) J)te ©rönbe, au& njcl(6cn bie ffleftlmmunoen über ba§ Slufgebot unb bie Sc
itrfitnbuns bcr Sbcfd^He^uitg au§ bem ©efejibudje außflefcfeieben fmb, anbcrcrfeitß bic bic
gorm ber (Sbcfd&Iicgunß fclbft betrcffenben SJorfdjriften 9lufnabme in bne^ ©efetjBuc^ gc»
fimben baben, finb berettö oben ©. 8 f. baroefeflt.
8*
36 er^cfd&ItcBung. OBIioatcrifd&c Stüilcl&c §1245.
bcftefienbcu 9ieid|öreci^tcö braud^t auf bic für unb gegen boö 3nftitut bcr
obdgatorifd^en 3iöilcl)c fpred^eubcn ©rünbc nic^t weiter eingegangen ju werben.
D^nc bic jroingcnbften (Srünbc würbe eine 9lbroeid&ung oon bem bcfte^enben
SReid^öred^tc in ber ^ier fraglichen S3eäic[)ung nid)t gcred^tfertigt fein, ©old&e
©rünbe jtnb aber nid^t anjucrtennen.
9lnlangenb bie gajfung beö 9lbf. 1, fo weidet bicfelbe oon bem § 41
beö 3i. ®ef. t). 6. gebruar 1875 junödjft infofern ob, alö bie in bem
festeren fid^ finbenbcn SBorte ,,inner]^alb beö ©ebieteö beö ©eutfdjen SReid^eö"
wcggelaffen finb. SBelc^e gormüorfc^riften bei ©f^efd^liefeungen im 9luölanbe
mafegebenb finb, rid^tet fic^ nad& ben ©nmbfäfeen beö internationalen ^ßrioat*
red^teö. 9lid^t minber überflüffig ift baö SBort „red&tögültig" im § 41 beö
SR. ®ef. (üergt. § 1250 ?lr. 1). 3lu§crbem fmb bie SBorte ,,oor bem ©tanbeö^
beamten" beö § 41 jeneö ©efegeö im 9lbf. 1 burd^ bic SEortc ,,oor
einem ©tanbeöbeamten" erfefet, um baö SRifeDerftänbnife auöjufd^liefeen, alö
ob bic (Sültigfeit bcr ß^efd^Iie^ung bauon abl^änge, bafe bic ®l)c üor
bem iuftänbigen ©tanbeöbeamten (§§ 1246, 1247) gefd^Ioffen roorben fei
(§ 1250 5Rr. 1).
©lanbe«* SBcldjcn ^ßcrfoncn bie (Sigenfd^aft eines ©tanbeöbeamten jufommt,
beomte: ^gftimmt fid) nac^ ben allgemeinen 9Jorfdf)riftcn beö ^erfonenftanbögefefeeö
(oergl. §§ 2, 3 beö 5R. ®ef. v. 6. gebruar 1875). 2)a nad^ biefen SBorfd^riften
bie 33cfteÜung eineö ©tanbeöbeamten nur für einen beftimmtcn, örtlid^ ab-
gegrenätcn ©tanbeöamtöbejirf erfolgt, fo fann einem ©tanbeöbeamten bie
6igenfd^aft eineö fotd&en nur inforaeit beigelegt werben, alö er innerfialb feineö
Sejirfeö tljätig wirb. Slufeerl^alb feineö 9lmtöbejirfeö ^at er nur bic ®igen*
fc^aft eineö ^riDatmanneö. S)aö SSerl^ältnife ift in ber l^ier fraglichen 33e*
jie^ung bei bem ©tanbeöbeamten baöfclbc, wie bei 9lid|tern unb 5Rotaren.
^nbiungett Um iu bicfcr SRid^tung aber ieben 3i^<^if^l auöäufdjlie^en, beftimmt ber § 1245
^^^ 2lbf. 2 auöbrücflid) , bafe, wenn ein ©tanbeöbeamter außerhalb feineö Sttmtö-
t^re««eatrfe8, bejirfeö alö ©tanbeöbeamter l)anbelt, er nidjt alö ©tanbeöbeamter gilt. 2)ie
golge bicfcr 93cftimmung ift, bafe eine üor einem ©tanbeöbeamten aufeerfialb
feineö ^Imtöbcjirfcö gcfdf)toffcne 6^e nacb 2Ra§gabe ber allgemeinen ©runbfä^e
nid()tig ift (§ 1250 3lx. 1, §§ 1252, 108). ©ö mufe zugegeben werben, bafe
biefc Seftimmung in fold^en fällen ju gärten führen fann, in wcld^cn bic
e^cfd^liefecnbcn btn au^er^alb feineö 9tmtöbcjirtcö l^anbelnbcn ©tanbeöbeamten
für befugt gehalten l^abcn, bei bcr ©l|cfdt)lie6ung mitjuwirfcn, jumal nad^ bem
©ntwurfe SBirtungen einer fog. ^utatiüel)c nur mit einer in gehöriger
gönn gefd)loffencn, a\i& einem anberen ©runbc ungültigen ®§c ücrbunben
finb (§§ 1258, 1562). Snbcffcu fönnen berartige gärten in gleid^er SBeifc
anä) bann eintreten, wenn eine ^erfon, weld^er bic (Sigcnfc^aft eineö ©tanbeö*
beamten übcrljaupt nid^t jufommt, alö ©tanbeöbeamter bei bcr S^cfd^liefeung
mitgewirft ^at. 2)ie in cinjclnen gällcn auö ben f)ier fraglid^en Seftimmungen
in ajcrbinbung mit ben 93orfd&riften beö § 1250 9Jr. 1 unb beö § 1252 ent*
ftel;enbcn gärten werben burd^ bie mit jenen Seftimmungen oerbunbencn
SSortl^cile überwogen. Xk SRüdfidjt auf bic 3Bid^tigfcit ber ®t)e unb bic
Unterfd^eibung ber le^teren üom Eonfubinate ücrlangt, bafe bic grage, ob
eine Gf)c gcfdjloffen ift ober nid^t, nic^t üon mel)r ober weniger unfid^eren
(5M*ne§ung. DBIiöatorifd^e StmMe. §1245. 37
öciocifcn abhängig gcmad^t, fonbern bie ®^cfd^Iic§ung an eine bcftimmte, 511«
jlcid^ ben S3en)ei8 DöBig jtc^ernbe gönn gebunben wirb. 3!)iefcr Qwed wirb
aber nur erreid&t, wenn eine formgültige ®^e nur Dor einem innerlialb feines
ämidbejirfeö ^anbelnben ©tanbcöbeamten gefd)lof[en merbcn tann, bo bie von
einer ^crfon, roeld^c überhaupt nic^t bie (Sigenfd^aft eines ©tanbeöbeamten
bcfi|t, ober bie tjon einem ©tanbeöbeamten aufeerlialb feines 9tmtsbejirtes vox^
genommenen 83eurfunbungen feinen öffenttidien ®Iauben ^aben. 3lur bann
würbe es angängig fein, eine ®l)e, bei beren Sd^Iie^ung ein ©tanbesbeamter
au|er^afb feines SKmtsbejirfeS mitgeroirft f)at, als formgültig ju bctjanbetn,
toenn man ber 33orfd^rift, nad^ welcher ein Standesbeamter für einen be^
ftimmten Sejirf beftellt wirb, einen nur reglcmentarifd^en Starafter beilegen
fonnte. 25em ftcl)t iebod& entgegen, ba^ bie ©tanbesbeamtcn nid^t Seamte
bes SReid^eS, fonbern ber einseinen SJunbeSftaaten finb unb bie üon bem einen
öunbcsftaate beftellten ©tanbesbeamten iebenfaUö nid&t in bem ©ebiete eines
anbcrcn 33unbeSftaateS mit red^ttid^cr SBirffamfeit als ©tanbesbeamten mürben
l^anbeln fönnen.
3Son felbft ©erfte^t es fid& übrigens, ha^ bie 93eftimmung, nad^ meld^er im %aüt b«r
ein aufecrbalb feines 33ejirfes bönbelnber ©tanbcsbeamter nicbt als ©tanbes^ ^^JJ^bi""^
beamter gilt, auf fold^e gälle feine Slnmenbung finbet, in roeldjcn ein ©tanbes* «ufrK^td«
becmter oon ber 2lufftd^tsbel^örbe ermächtigt ift, für geroiffe gäUe baS 9lmt
eines ©tanbesbeamten in einem anberen Sejirfe roabrjune^men (§ 3 9lbf. 1
bes dl. ®cf. V. 6. gebruar 1875), ba ber betreff enbe ©tanbcs6eamte für ben
ftreis bicfer §äUe aud^ ©tanbesbeamter bes anberen SSejirfeS ift. ©benfo*
TDenig fallen fold^e gälle unter bie 33eftimmung bcs 3lbf. 2, in meldten eine
als ©tellt)ertreter bes ©tanbesbeamten für einen beftimmten SJejirf ernannte
^erfon innerbatb biefes S3ejirfes bei einer S^efc^liefeung mitroirft, obgleid^ eine
Seranlaffung, als ©telloertreter einzutreten, nid^t üorlag; benn in biefem galle
fianbeltc eine als ©tanbesbeamter beftelltc 5ßerfon nicbt au^erl)alb i^res Slmts^
bejirfeS, fonbern unbefugter SEeife, o^ne jur 9lusübung ibrer Sefugnife in
bem fonfrcten galle berufen gu fein, inncrljalb ilires Sejirfes. 9lud^ in einem
fol(ben gallc bie 6^e als eine nid|t formgültige ju bc^anbeln, liegt fein ®runb
t)or. 3m ©egent^eil mürbe eine fol^e ^Regelung in ^ol^em @rabe bebenftid^
fein, ba man ben Set^eiügten unmöglid^ jumutben fann, 5U prüfen, ob unter
ben oortiegcnben Umftänben ber ^all ber ©tellüertretung gegeben ift.
2)ic im 2lbf. 2 enthaltene weitere Seftimmung, ba^, menn ein ©taubes^ a»itrDirfunfl
beomter bei ber ©c^liefeung feiner eigenen ef)e als ©tanbesbeamter l^anbelt, «igener^c^e.
er nid^t als ©tanbesbeamter gilt, beruht auf ber (Srmägung, bafe es mit ber
im § 1248 Dorgefd[)riebenen gorm unb beren ^mcde uncereinbar ift, rotnn
ein ©tanbesbeamter als fold^er bei ber ©c^liefeung feiner eigenen (Sf|e mit^
nrirfen rooUte. 3)as SR. ®ef. 0. 6. gebruar 1875 entbätt in biefer Sejiebung
eine ausbrücllicl)e SBeftimmung nid^t. 3m |)inblidEe auf bie gormüorfd^riften
bes § 52 jenes OcfefeeS wirb inbejfen auc^ nad^ bem legteren 9lid^tigfeit
einer fold^en ®Hc^lie|ung anjunebmen fein (oergl. bab. ©ef. t). 9. ^e-^
gember 1875 § 7). 3ur Sefeitigung t)on Bmcifeln ift es aber ratbfam,
biefen ©aj im ®efe|e auSbrürf lidd auSjufpred^en. 3lnbererfeits foU es auf bie
©ültigteit ber e^e obne Sinflug fein, wenn ein ©tanbesbeamter bei ber ei|e=j
38 fö6cfcl&Iic§ung. Suftänbiöfcit bcö ©tanbcöBeamtcn. §§ 1246, 1247.
fd^Ucfeung na^cr SBcrroanbtcv mitroirft. 3nöbefonbcrc foü feine aßitroirfung
red^tdd^ aud^ in fold^en fällen nid^t audgefc^ [offen fein, in mdd)tn er als
aSater ober gefeglic^er SBertreter eines ber ß^efd^Iiefeenben noc^ ben §§ 1238, 1239
ober bem § 1232 9lbf. 1 feine ©inroiUigung ju ber (S^efd^Uefeung ju ert^eilcn
l()Ot. 2)iefe ©inroiUigung liegt ^6)on barin, bafe er ate ©tanbeßbeamter bei ber
S^efd^Iiefeung mitroirft.
§ 124().
b^ef ©tanbet ^^^ Seftimmungen beö 3lbf. 1, 2, 4 roieber^olen ben fad()Iid^en Sn^alt
' beanTten. ' beö § 42 3lbf . 1 beö SR. Oef. ü. 6. "gebruor 1875. Wogegen entliält bie Se*
ftimmnng beö § 1246 3lbf. 3 eine ©rgänjung beö befte^enben SReid^öred^teö,
n)eld^e ^auptfä^Hd^ ben ^vo^d oerfolgt, fold^en im 9luö[anbe n)o^nl^aften
SReic^öangeprigen, roeld^e im Snlanbe roeber einen SBoJ^nfi^ nod^ einen ge*
mo^nlid^en Slufentl^oltöort fjoben, fonbern fid) im Snlanbe nur oorübergel[)enb
ouf^olten, bic ©fiefd^Iicfeung im Snianbc in \olö)tn gällen ju ermogüd^en, in
meldten aud^ ber anbere 2:^ei( einen SBo^nfife ober geroölinlidöcn 3lufentl)altös
ort im Snlonbe nid^t l^at. 6in Sebürfnife, für fold^e nid^t gerabe fel^r feltcne
gälle SBorforge ju treffen, liegt um fo mel^r oor, alö bie im 3luö(anbe roo^n«
fiaften 2)eutfd()en naö) bem an il^rem SQSol^nfige jur SInmenbung fommenben
auölönbifd^en SKed^te nid^t immer in ber Sage fmb, bort eine ®l)c ju fd^liefeen,
ober bod^ bei einer ß^cfc^Iiefeung im Sluölanbe bie bort oorgefd^riebencn formen
beobad^tcn muffen, beren Slnroenbung i^ncn jum (Semiffenöbrucfe gcreid^en
fann. ©ine auöreid^enbe Slbliülfc roirb auc^ nid^t burd^ baö ®cfeg, betr. bic
©i^efd^Iiefeung unb bie S3eurfunbung beö ^JJerfonenftanbeö von 93unbeö^
anget)örigen im Sluölanbe, o. 4. aWai 1870 geroäl^rt, ba bic ©ernähr felitt,
bafe in allen ^iaattn beö 2(uölanbeö bie bort oor fremben biplomatifd^en ober
fonfutarifd^en SSertretern abgcfd()Iof[enen 6f)cn alö gültige 6()cn aner!annt
merben (oergl. (Sntfd^. b. dt. ®. in ßioitf. IX, 116 ©. 398, 401, 402).
35ie Seftimmung beö 9lbf. 3 bcrft alle ^icr in Setrad^t fommenben gäüc,
inöbefonberc aud^ biejenigen, in meldten ber im 91uölanbc geborene 2)eutfd&c
im Snlanbc niemate einen Söo^nfig ober einen gcmöl^nlidjien 9lufent^altöort
gel()abt l^at.
SBie auö ber S^ffung beö § 1246 unb auö einer SBergleid^ung ber
§§ 1250, 1259 flar l)ert)orgel^t, fiat bie SBeftimmung beö 3lbf. 1 nur
ben Karafter einer Drbnungöoorfd^rift. Die SUd^tbeobad^tung berfetben ift
mitfjin auf bie Oültigfcit ber ®l^c o^nc ©inftufe. 2)aburd^ erlebigt fic^ bic
fad^Iid^ übcreinftimmcnbe, befonbere Seftimmung beö § 42 9lbf. 2 beö SR. ®ef.
0. 6. gcbruar 1875.
§ 1247.
«W<^iie^una 5Der § 1247 entfprid^t fad^Ud& bem § 43 beö 9t. ®ef. ü. 6. gebruar 1875.
etonbX 91^4 ^if 33crle^ung biefer aSorfd^rift ift — im ©inftange mit bem bcftcl^enben
beamtcn eine« gfjeic^öred^tc (§ 42 9lbf. 2 beö bcjeid^neten SR. ®ef.) — auf bie ©ültigfeit ber
oS ©de of)nc ©inftufe (oergl. § 1246 9lbf. 1, §§ 1250, 1259).
e5e|*Ilc§unö. Sörmli*!citcn. §§ 1248, 1249. 39
§§ 1248, 1249.
aScnnglcid) im Sntcreffc bcö 9lnfel^enä bcr bürgcrtid^cn ©Ijefd^Uc^ung aBefentii<!^e
unb jur ©croinnung gröfecrer ©arontiecn für bie (Srnfttic^fcit bcö 2BiIIenö bcr stimmt
&)^äilk%anQ, foroic jur ©id^crung bcö Scrocifcö an bcr Scobad^tung gcroiffcr, ^^^^'
ber SBi^tigfcit unb bcr 5EBürbc bcö Slftcö cntfprcd^cnbcr f cicrlid^cr gormcn noci&
SMafegabc bcö § 52 bcö SR. ®cf. o. 6. gcbruor 1875 fcftgcJ^altcn werben mufe, fo
ift eö bod^ anbcrcrfcitö mit atüdffid^t barauf, bafe cö jrocifcl^aft unb bcftritten ift,
inroicrocit bic im § 52 bcö St. Ocf. o. 6. gcbruar 1875 oorgcfd^ricbcncn görmUcI^:^
feiten alö rocfcntlid^, b. f). alö bic ®ültig!cit bcr (S^c bcbingcnb, onjufcl^cn finb,
unb ba% eine nid^t unter Scobod^tung ber roefentlid^cn gormcn eingegangene
6§e naö) bcm ©ntrourfe alö !raft bcö ©cfcfecö nid^tig befianbclt werben foH
(§ 1250 3Jr. 1, § 1252), im 3ntercf[c ber Sid^erung ber e^en bringenb gc-
boten, in bcm ®efe6bud[)e bie mcfcntlid^en formen bcr (Sficfd^licfeung t)on ben
unroefentlic^cn fd[|arf ju fd&cibcn unb bic erfteren ouf ein möglid^ft geringeö
3ßa§ JU befd^rfinfen, inöbefonbere flaräuftcllen, bafe bie ©iiltigfcit ber ®^c
nidSit oon bcm ©cfiraud^c beftimmter, folcnner SBorte abhängig ift.
aitö unbcbingt mcfcntlid^ ju erad^ten ift bie ®rf[ärung bcö SBillcnö bcr ^erfönuc^c
gH^Iicfeung von ©eiten ber ©^cfd^Ucfecnbcn dot bcm ©tanbeöbeamten unb ®'" gJJ*/ ^**
ber hierauf crfolgcnbe Sluöfprud^ bcö legtercn, bafe er bie (Sl^e für gefd()Ioffen J^5^J^"JJ^
erffäre (ücrgl. § 52 bcö 3i. ®ef. ü. 6. gebruar 1875). ®inc roeitere roefentUd^c b^m ©tanbel-
SSorauöfcßung ift eö nad^ § 1248 oerb. mit § 1250 5Rr. 1, bofe bic 93erlobtcn ^*^"'*^"'
ben SBiUcn bcr eöcfd^Ucgung perfonlid^ unb bei gleid^jcitiger Slnrocfcnl^eit
erflärcn. 3)aö pcrfonlidöc erfd;einen ber SScrlobten t)or bcm ©tanbeöbcamten
giebt ni^t allein eine größere ®arantie für bic ©rnftlidöfcit bcö 2Bi[lcnö unb
bie grei^eit ber SBiUcnöbcftimmung, foroie einen größeren ©d^ug gegen Ucber::
eilung unb gegen $crfonenoerroed^fcIung, fonbern fld&ert aud^ in pl^ercm äßafec
ben Seiociö ber ©i^cfc^Uefeung, inbem mit bcr 2;^atfad^e eineö insmifd^cn ctma
erfolgten SBiberrufeö ber SBoUmad^t nid^t gered^nct ju roerben brandet. S)icö
ijt — obroeiddenb oon bcm fanonifd^en SRcd^te — aud^ ber ©tanbpunft bcö
gemeinen proteftantifd^cn ©tieredötcö unb bcr SWc^rjal^l bcr neueren ®efe6j
gebungen (uergl. prcug. 31. S. di. II, 1 § 167 unb preufe. ®ef. über bie S3e'
urfunbung bcö ?ßcrfonenftanbcö unb bic gorm ber ©^efd^Uefeung o. 9. $0lärj 1874
§ 35; gotl). @^cgef. d. 15. Sluguft 1834 § 59; ital. ®. S3. 3lrt. 94). 3n bcm
§ 52 beö 31. ®ef. t). 6. gebruar 1875 ift bie pcrfönlid^c (grllärung ber SBcrlobtcn
par nid&t auöbrüdflid^ oorgefc^rieben, baö ©rforbernife berfelben ergiebt fid^
aber auö ben fategorifd^ oufgeftellten gormoorfd^riften bcö § 52 unb auö bcm
§ 72 icneö ®cfe6eö. ©d^eibet man bie ber Sad^e nad^ roefenttid^cn gorm^
Dorfc^riften auö unb crflärt man bie übrigen g5rmlid^!eiten für unrocfcntlidö,
10 ift cö not^enbig, auöbrücflid^ ouöjufprcd)en, bafe bie ©rHärung ber SScp
lobten perfönlic^ unb bei glcid^jeitiger sllnroefenljcit abgegeben roerben mu§,
jumol bieö eine 9luönal^me oon ben allgemeinen ®runbfä6cn beö ®efcgbud^cö
ift. 5Dic im § 72 beö 31. ®ef. o. 6. gebruar 1875 für bic Sanbeöl)crren unb Sünbes^erm ;
bie 2)htglteber ber tanbeö^errlid^en gamilien, foroie ber fürftlid^en gamitic
^o^enjoUern oorbe^altenc 3luöna^me mirb im ©infü^rungögcfc^c aufredet::
juer^altcn fein.
40 e^efd&riegung. görmli^feilen. §§ 1248, 1249.
Sn ©rmangelung einer entgegenftel^enben Seftimmung tonn bie ©rtlärung
her SSerlobtcn aud^ ftillfd^roeigcnb erfolgen (§ 72). ®q iebod^ ftiUfd^roeigcnbe
©rllärungcn ber SBerlobten ofe ©runblagc für ble im § 1248 2lbf. 1 vox^
gefd^riebene (Srflärung beö ©tanbeöbeamten faum oorfommen werben, fo fe^lt
eö an einem 93ebürfniffe, in älbroeid^ung von allgemeinen (Srunbfä|en ju be*
ftimmen, bafe bie Srflärung ber SBcrlobtcn ftiUfd^roeigenb nid^t abgegeben werben
f önne. Ueberbieö ift e« bebenftid^, bei ber ß^efd^Iiefeung jroifd^en außbrüdttid^en
unb ftillfd^roeigenben ©rflärungen ju unterfd^ciben, ba bie 9lnfid^ten über bie
Slbgrenjung berfelben in ber 3uriöprubenj auöeinanbergel^en.
xauht, <^x\ 9lnfe]^ung ber @f|ef^Iie6ung 3::auber, ©tummer ober 2:aubftummer,
foroic fold^er 5ßerfonen, meld&e ber beutfd^en ©prad^c nid^t mäd^tig finb, \)at
ber ©ntmurf in Uebereinftimmung mit bem SR. ®ef. o. 6. gebruar 1875 be*
fonbere SBorfd^riften nid^t aufgenommen. 3ene ^erfonen fönnen eine 6^e
fd^üefeen, foroeit jroifd^en i^nen unb bem ©tanbeßbeamten eine SBerftänbigung
nad^ üKafegabc ber §§ 1248, 1249 möglid^ ift. 3n (Srmangelung befonberer
reid^ögefefelid^cr S8orfd)riften bleiben jroar bie lanbeögefeglid^en aSerfabrcnö-
oorfd^riften, meldte für bie SSerfianblung ber ©tanbedbeamten mit 'jßerfonen
ber bejeid^neten 9lrt gegeben finb, unberührt; bod^ ift bie 9iid^tbead^tung biefer
Ianbeögefc|Iid^cn SSorfd^rifteh, roie fid^ auä § 1250 3lv. 1 ergiebt, auf bie
©ültigfeit ber @^c o\)ne ©inftuö.
«u«fpru(^ 3lnlangenb bie SWitroirfung bes ©tanbeßbeamten, fo genügt es, menn
*'**beamten.^^' öte TOefentUdE) oorgefd^rieben roirb, bafe berfelbe auf Orunblage beö üon ben
3SerIobten crflärten SBiüenö ber ©^efd^Iiefeung bie ®^e für gefd^Ioffen ju er-
flären f)at. ®ie norgängige grage be§ ©tanbeöbeamten an bie 93erIobten,
mie fie im § 52 beö SR. ®ef. n. 6. gebruar 1875 norgefd^rieben ift, fann alö
eine mefentlid^e ^örmlid^feit entbel^rt merben, ba baö ©rforbernife jener ®r^
flärung beß ©tanbeßbeamten eine außreid&enbe ®arantie bietet, ba^ oline bie
aftiüe aJlitmirfung beßfelben eine @be nid&t ju ©tanbe fommen fann. 9luc§
bie im § 52 beß SR. ®ef. für bie SKitmirfung beß ©tanbeßbeamten fonft
üorgefd^riebeneu görmlid^feiten fönnen atß mefentlid^e nid^t erad^tet werben,
2)agegen l^at ber (Sntmurf biefetben alß Drbnungßüorfc^riften beibebalten
(oergl. § 1249 Slbf. 1 oerb. mit § 1250 5Rr. 1). 3n ber gaffung roeid&t ber
§ 1249 9lbf. 1 von ben cntfpred^cnben SBorfd^riften beß § 52 beß SR. ®ef. o.
6. gebruar 1875 jebod^ infofem ab, atß ben SBorten „fraft beß ©efe^eß"
eine anbere ©teile gegeben ift, um bie nad^ ber gaffung beß SReid^ßgefe^eß
allerbingß mbglid^e 2)eutung außjufd^ liefen, alß ob burd^ bie bejal^enbe 9Int*
mort ber Verlobten bie S^ef^Iieöung fraft beß ©efegeß tjolljogen fei unb ber
3lußfprudE) beß ©tanbeöbeamten nur eine beflaratorifd^e Sebeutung l^obe,
n)öl;renb nad^ bem ©ebanten beß § 1248 bie &)c nur ju Staube fommt burd^
bie Slonfcnßerf(ärung ber aSerlobten unb bie im § 1248 bejeid^nete ©rflärung
beß ©tanbeßbeamten. ©o lange biefe ®rf lärung nod^ nid^t erfolgt ift, fann jeber
ber 33erlobten nod^ mirffam jurüdEtreten. 9lud^ ift bie &t)t nid^t jur ©ntfte^ung ge*
langt, menn einer ber SBerlobten vor erfolgter 6rf törung beß ©tanbeßbeamten ocr*
ftorben fein ober ber lefetere bie (Srflärung in SBirf lid^feit unterlagen I;aben f oüte.
3luf ber anberen ©eite ift bie ©intragung ber ©^efd^Iiefeung in baß |)eirat^ß'
regifter (§ 54 beß SR. ®ef. v. 6. gebruar 1875) für baß 3uftanbefommen ber
(SM^IieSunö. görmli^Ieiten. §§ 1248, 1249. 41
6^ ni^t roefentlid^; bicfclbc f)ai Diclmcl^r nur bic Sebcutung einer Se-
itxfunbung bcr bereits erfolgten ©Ijefd^Uefeung. ©in Sebürfnife, in biefer
SSejic^ung üon bcm beftel^enbcn SReid^sred&te objuroeid^en (tjergt. auö) code
civü «rt 75; itol. ®. SB. 2Irt. 94; fd^rocij. Sb. ®ef. d. 24. ©escmber 1874
Art 39) unb ju bem abroeid^enben ©tanbpunfte beö preufe. Oef. d. 9. SRärj
1874 § 35 jurücfjufe^ren, ift nid^t l^erüorgetreten.
3iDeifetIiaft fann eg fein, ob cö rätl^li^ ift, bie (Segcnroart üon jroei ^f,^^^"^"^.
3eugen als ^^eitne^ntem an bcnt ©H^Iicfeungßafte (©olennitötßjeugen) in
ber airt porjuf ^reiben , bafe bie SRid^tbeobod^tung biefer SBorfc^rift, als einer
iDtfentUd^en gormnorfc^rift, bie Slic^tigfeit ber ©J^efd^liefeung nad^ fid^ jiefit
(oergL § 1248, 1250 5Rr. 1). ^lacl^ gemeinem proteftantifd^en (S^cred^te wirb
bie 3iiii^^"tt9 ^on 3^wgen nid^t alö mefentlid^ ongefe^en (üergl. ©euffert
Xin, 258). 3[ud& bic franj. Suriöprubenj nimmt an, bafe bcr 3Wangcl ber
3eugen für fid^ allein nid^t unbebingt bie Ungültigfeit ber ®t;e nadf) SKafegabc
bcö code civil 2lrt 191 jur gotge tiabe, fonbem ba^ bie §rage unter 33e*
rücffic^gung ber fonfreten Umftänbe, namentlid^ mit 3flü(frtd&t barauf ju
entfc^eiben fei, ob ©rünbe für bie Slnnal^me Dorlicgen, bafe bie ^'jörmtidifeit
jur Umgel^ung oon (Sinfprad^en Dcrlefet roorben fei. dagegen ^at nad^
fat^oltfd^em ©^erec^te ber SKangel bcr Saugen bie 9lid|tigfeit ber 6t)e jur
golge. ©üöfelbe ift nad^ bem § 52 beö 5». ®ef. ü. 6. gcbruar 1875 anju^
ne^en. 9Benngleid^ bie S^ii^'^^^fl ^^^ 3^9^^ ^"te^ ^öen Umftänben
|iDccEmä§ig ift, meil fie eine größere ©arantie für bie 95efo[gung ber gcfeglid^cn
Sorfc^riften unb einen größeren ©^uß gegen ^Betrügereien bietet unb auöcrbcm
bagu bicnen fann, in befonberen ^äBen, j. SB. menn ber ©tanbeöbeamtc nad&
erfolgter ß^efd^Iiefeung, aber Dor ©intragung berfelben in baß ^cirat^ßregiftcr
fttrbt ober wenn nad^ bem ^obe bcß ©tanbeßbeamten baß ^cirat^ßregifter
iierloren gegangen ift, ben Seroeiß ju fid^ern, fo fann boä) anbercrfcitß geltenb
gemad^t werben, bafe eß ju meit ge^e, bie 3i*äi^^w"9 ^on 3^^9^^^ ^I^ ^ine
roef entließe gormDorf^rift ^injuftellen , bafe eß oielme^r genügen muffe, menn
bic ©^ef^üefeung burc^ ben ©tanbeßbeamten, eine mit öffentlichem ©tauben
Dcrfe^ene ^rfon, bejeugt fei. S)ic SRüctfic^t auf ba% beftefienbe SRcc^t unb bie
(Srrofigung, bafe bie 3^ji^^wng oon 3^^9c^ ^^^ Deffentlid&feit erfegen unb ben
Slbfcf^IuB gefe|TOibriger ©l^en Dcr^üten foU, ift {cbod^ alß übcrroiegcnb crad^tet
tDorben. ajoju fommt, bafe ber ©tanbpunft bcß ©ntrourfeß, praftifd^ betrad^tet,
eine grofee ©efa^r für btn SBcftanb ber ©Iie nid^t mit fid^ bringen fann.
©oOte in einem einjelncn ^aUe bie 3wäi^^w^9 ^on 3^wgen Dcrgeffen fein, fo
wirb ber ©tanbeßbeamte burd^ bie unmittelbar an ben ®t)efd^Uciiungßaft fid^
anf^Uegenbe ©intragung bcr ©Ijef^liefeung in baß ^ciratt)ßrcgifter auf ben
9Rangel aufmerffam werben, ba bie ©intragung in baß .^}eiratl^ßrcgifter, für
weldbe gormutare norgefc^rieben werben, bic perfönlid^en 93er^ättniffe ber
i^ttgejogenen 3^9^" angeben foB, bie ©intragung aud^ non ben 3^W9^^ P
unterfc^reiben ift (§ 13 3lr. 5 beß 31. ®ef. o. 6. gebruar 1875).
85on gro§er praftif^er 93ebeutung ift bagegen bie weitere ^rage, ob unb «iaenft^aftcn
inwieweit ber aßangel gewiffer ©igenfd()aften in bcr 5ßcrfon bcr jugcjogenen " *"^'^"*
3eugcn auf bie ©ültigfeit ber ©^e von ©inftufe fein foll. ®er § 53 bcß
91. Ocf. p. 6. gebnmr 1875 entl)ält in biefer Scjiel^ung lebiglic^ bie S3e*
42 gl&efd^Iicgung. gormli^feltcn. §§ 1248, 1249.
ftitnmung, bafe olß B^^gcn nur ©rofeiä^rigc jugcjogcn werben foüen, onbercr^s
feite, bafe aSerroanbtfd^aft unb ©d^roägerfd^aft jroifd^en ben S3et^eiligten unb
ben QtViQtn ober ben S^wgen unter cinanber beren B^ii^^u^fl ni^t entgegen*
fte^t. Ob auf (Srunb biefer 33eftimmung eine ©^efd^Ue^ung, bei roeC^er
minberjä^rige 3^ü9^^ jugejogen finb, als nid^tig Qnjufel^en, ift beftritten,
ebenfo, ob cd auf bie ©ültigfeit ber @^e von ©inftufe ift, wenn ^erfonen ate
3eugen jugejogen finb, njcldje in golge 3lberfennung ber bürgerlid^en ®^ren-
redete auf ®runb beö § 34 3lv. 5 bcö Str. ®. 93. bie gä^igfeit oerlorcn
^aben, 3^wgen bei 9lufnal|me oon Urfunben ju fein. 2)er § 1249 3lbf. 2 in
SScrbinbung mit bem § 1250 9lr. 1 entfd^eibet biefe Streitfragen in t)er*
neinenbem ©inne. Ob eine 5ßerfon üoIIjät}rig ift ober nic^t, lä^t fld^ bcrfelben
n\ä)t immer anfeilen. 3SieIIcid)t roiffcn auc^ bie S^^fl^J^ f^^t>ft ^^^ Sllter nid^t
genau ober üielleid;t geben fie mijfentlid^ ein falfd^eö Sllter an. 6& würbe
baficr in fiol^em ©rabe bebenflid^ fein, bie 93oUiä^rigfeit ber B^^fl^J^ ^^^ ^^^
roefentlid^eö ©rforbemife J^injufteUen. (Sbenfo mufe ed alö bcbenflid^ crad^tct
werben, an bie S^äie^ung fold^er ^erfonen afö Beugen, roeldjien bie bürgere
üd^en ®{)renred6te aberfannt finb, bie SRid^tigfeit ber ®f)efd^Iic6ung ju fnüpfen,
ba ber ©tanbeöbeamte ni^t immer in ber Sage ift, fid^ ju Dergewifjern, ob
in biefer SRid^tung ein SKangel oortiegt, unb bie 3^W9^^ ^^'^^ flcneigt fein
werben, ben äRanget ju üerfd^weigen. ©aju f ommt, ba§ ber wefentlid&e B^ecf
ber B^ji^^it^Ö ^ön 3^W8^^ 6ei ber ©^efd^liefeung, nämlid^ bie ^erfteHung ber
Deffentlid^feit, aud^ bann erreid^t wirb, wenn minberjä^rige ober fol^e ^er*
fönen afe S^^ifl^^ jug^jogen fein foUten, weld^en bie biirgerlidjien ®^renrec^te
aberfannt finb. 3)a bie ©^efd^Iiefeung fid^ burd^ münblid^e ®rflärungen ooH^
jie^t unb bie 3lufnal)me ber §eiratt)öurhmbc feinen wefentlic^en Seftanbt^eil
ber efief^Iiefeung bilbet, fo fann in ber Siegelung bes ©ntwurfeß, ba^ bie
3ujie^ung folc^er 5ßerfonen, wc(d;en bie bürgerlid^en Sfiretired^te oberfannt
finb, nid^t bie 9lidbtigfeit ber ©fiefdEitiefeung jur golge ^at, aud^ feine 5lb-
weid^ung t)on bem § 34 3lx. 5 beö ©tr. ®. 93. gefunben werben, inbem ber
le^tere nur bie Unfäljigfeit ber l^ier fraglidjen 5)Serfonen, 3^wgen bei 9lufnal^me
Don Urfunben ju fein, auöfprid^t, biefe Unfäf)igfeit aber bie Unfä^igfeit,
3eugc bei einem lebiglid^ münblidd fid& voüjiel^enben 3lfte ju fein, nid^t in
fic^ fc^licfet.
3m Uebrigen ift es nid^t alö rat^fam erad^tet,. barüber näf)cre SSeftim^
mungen in baö (Sefe^ aufjunefimen, ob unb inwieweit bie äßa^rnel^mungö'
fäf)igfeit für ben Segriff beö B^^ifl^i^ wcfentlid), bejw. in weld)cn gälten SQSa^r?
nei)mungöfäl)igfeit alö nid;t t)orf)anben anjufefien ift. ©ö ift ju beforgen, bafe
berartige 33eftimmungen neue Streitfragen hervorrufen werben. 9lud) finb bic:!
felben im ^inblidfe auf bie Seltenheit ber ()icr ju entfd)eibenben S^agen burd^
ein praftifd^eö Sebürfnife nid^t geboten. 3lad) bem SBorgange beö § 52 beö
SR. ©cf. ü. 6. gebruar 1873 fann bie ®ntfd^cibung biefer fragen t)ielmef)r
unbebenflid} ber SBiffenfd^aft unb ^^Jrariö überlaffen werben,
»eifüguiifl 2)ic 93cftimmung beö § 1248 3Ibf. 2, bag bie im 9lbf. 1 bejeid^neten
öZc^llTv ©rftärungen, fowobl bie ©rflärungen ber SSertobten alö bie ßrflarung beö
Scttbcftim. Stanbcöbcamten, uid^t unter 33eifügung einer 93ebingung ober B^itbeftimmung
erfolgen fönnen, entfprid^t bem SBefen ber ©^e. S)ic 3iiIofU9fcit ber SSei^
mungeu,
nnflültigfcit bcr ©Je. SfM^Kflfett unb Stnfe^tBarfcit (§§ 1250—1270). 43
fügung einer auffc^icbenbeu Sebingung ober ehieö 9lnfangötermineö würbe
jubem mit bem ©ruabfage ber Unoerbiublid^feit beö SSerlobmffeö (§ 1227),
bic 3wlcifngfeit ber 3ieifügung einer auffd^iebenben SBebingung aud) mit bem
3ipecfe beö Stonbedrcgiftcrö, ben öeroeiö ju fid^crn, ba& bie ®f)e ju Staube
gefommen ift, nic^t vereinbar fein. 3)ie SSorfc^rift beö § 1248 9lb). 2 fte^t mit
bem gemeinen proteftantifc^en ß^ere^te im ©inHange, mä^renb baö fanonif^e
Sfc^t bei ber ©{)ef(i^Iie6ung jmar nxä)t bie .^injufügung einer 3eitbeftimmung,
iDo^t aber bie ^injufügung einer S3ebingung geftattet, fofern (entere nid^t
iftrem Jn^alte nacti bem SBefen ber &)t ioiberfprid)t. ®aö preufe. 91. 2. 51.,
ber Code civil unb bas fäd)). ®. ö. entl)alten in ber ^ier fraglicfien Scjiebung
feine auöbrürflidie 39eftimmung, ebenfomcnig baö 31. (^3e). o. 6. ^ebruar 1875;
bo<^ ergiebt bie fategorifd^e gaffung bcr SJorfd^riften beö § 52 biefeö ©efegcö,
boB ouc^ nad) bem lefeteren eine ®I)efd()Iie§ung, meldte unter Seifügung einer
Sebingung ober 3^i^f^^ftin^nxung erfolgt, ai^ ni^tig anjufc^en ift. 2)icfclben
©rünbe, meiere nad^ Cbigem (S. 39) bcftimmenb gcmefen finb, auöbrüdflid)
au^ufprec^en, bafe bie ©rflärung ber SSerlobten perfönlid^ abgegeben merben
muB, laffen es and) aU notf)roenbig erfd^eincn, auöbrürftid) 5U beftimmen, baß
bie im 3{bf. 1 beö § 1248 bejeid^neten ©rflärungen unter Jicifügung einer
Seöingung (oergl. baju § 137 9lbf. 3) ober S^i^t^^fti^^^^^^^S ^^i^t erfolgen
fönnen, um fo mel)r, atö in bem ©efe^bud^e oou bem örunbfafec ausgegangen
in, baß bie 3wlcilfigfcit ber Seifügung einer Sebingung ober 3citbeftimmung
bei einem Stec^tögef^äfte bie 'Jtegcl bUbet unb bie 9luöna()men üon biefcr Stcgct
in ben einfd)Iagenben gälten befonbcrö feftäuftellen finb.
"Jlad) bem § 1248 Slbf. 1 in SBerbinbung mit bem § 1250 9Jr. 1 I)at
nur bie Beifügung einer 33ebingung ober 3^i^6eftimmung bic 9Ud^tigfeit ber
ßbefc^Iiefeung 5ur gotge. Xk Seifügung fonftiger 3fcbenbeftimmungen if^/mV'Sefrm"
loenngleid) i)cr Stanbeöbeamte fie uid)t äulaf^en foU, auf bie ©üttigfeit ber munöen. '
Glje oifm ©influß. lies gilt inöbefonbere aud^ üon ber Seifügung einer
Sorauöfeßuiig. Sofern bie lefctere nidbt im !onfreten galle alö Sebingung
oudjulegen ift, fommt biefelbe nur alö ein bie ©ültigfeit bcr Gf)e nid)t be-
rü^renber SBeroeggrunb in Setra^t. 9lbgefel}en üon ben auf bem ©ebietc beö
Skrmoflenorecbteö fid^ beroegenben Äonbiftionen (§§ 737 ff.; ücrgl. aud^ § 667
äbf. 2) unb üon ben SSerfügungen üon ^^obcömegen" (§§ 1781, 1948) fommt
nat^ bem ©efebbuc^e ber §8orauöfe^ung neben ber Sebingung unb bem Scroeg^
grunbe eine felbftänbige Sebeutung überall nid^t ju.
IT. UttgiUHgfeit Her SijeO«
§§ 1250-1270.
3m 9(nfc^Iuffe an bie allgemeinen (Srunbfät;e beö ©cfc^bud^eö über bic ^^<^tiQUit
Ungültigfeit bcr SHcc^tögefd^äftc (§§ 108—113) unterfc^cibet ber Gntmurf aud) ""börtif '^
*) 2)ie Segrünbung ber in bcr 9(nm. unter II unb III bejei^netcn, jur 9lufna5mc
in büÄ (ginfübrung^efff Seftimmten S3orf4riften ift bcr Segrünbung bc8 (Sintübrungö-
gefc^ed ucrbcbalten. ©otoeit biefelben jebod? mit einseincn §Borfcf?nftcn beö Bürger-
liitcn @eie^Bud)cd in unmittclBarem Snfammenbangc fteljen, ftnb fte in ben SMotiücn
m ben betreffenben SSorfi^riften Berüdftd&ttgt.
44 UnöüItiöWt bcr (Sl^c. W^tigfcit unb «nfc^tbarfeit (§§ 1250-1270).
bei bcr 6l^e jmifd^en jioci 9lrten ber Ungültigfeit ber ®^e, nämlid^ jrotfd^en
9Jid^tigfeit unb Slnfed^tborfeit ber ®l)e. ®a bie ®{|cf d^Iiefeung , bur^ roeld^c
baö 9lecl^t§t)erf)ältnife ber ®f)e begrünbet voitb, red^tlid^ bctrad^tct, ftd^ olö
ein Sieditßgefc^ftft barfteHt, fo würben in (Srmangelung befonberer Se?
ftimmungen aud^ auf bie ®t)ef(i^lie§ung bie allgemeinen ®runbfä|e über bic
Ungültigfeit ber JRedjtögefdbäfte Slnroenbung finben müRen. ®ie SHücffid^t auf
boö SBefen ber ®tje, insbefonbere ben fittlid^en Äarafter ber legteren, foroie
bie 3fJücffid^t auf ha^ an baß Snftitut ber ®bc f\ä) fnüpfcnbe öffentUd^c
3nterejfe madien jebodE) tiefgreifenbe Slbroei^ungen oon ben allgemeinen ®runb*
fäfeen beä Oefe^bud^eß über bie Ungültigfeit ber 9ted^tögcf^äfte unb beß^alb
eine befonbere Siegelung ber Ungültigfeit ber ®l^e erforberlid^. 3)iefe Siegelung
ift ber Oegenftanb ber §§ 1250—1270. ®ie Siegelung ift eine fo crfd^öpfenbc,
bafe baneben für bic Slnwenbung ber allgemeinen ©runbföfte beö ©efegbud^eß
über bie Ungflltigfcit ber ?{ed)tßgefdöäfte nur wenig SRaum bleibt.
sRed&tit(^e 9lnlangenb junäd^ft bie Slid^tigfeit ber ®f)e, fo fommen bic allgemeinen
wiViöfeit, ©ninbfdgc über bie ^lid^tigfcit eineß Sled^tßgefd^äfteß nad^ 2Wa§gabe beö § 108
o[;ne SBeitereö jur 5lnn)enbung, menn bie ®t)c nid}t in ber burd^ bie
§§ 1245, 1248 üorgefd^riebenen gorm gef^toffen ift (§ 1250 5»r. 1, § 1252).
Seru^t bagegen bic ^lid^tigfeit ber ®l)e nid^t auf einen gormmangcl bei ber
e^cfd^liefeung (§ 1250 3lx. 2, 3), fo fann bic Sad&tigfcit, biß bie ©fie auf::
gclöft ober für ungültig crflört ift, nid&t inddenter. fonbcrn nur im 9Bege
ber 3]id)tigfeitßf(agc gcitenb gemad)t mcrbcn. S3iß äu jenem 3^itpwnftc ift
bal^er bic ®[)e alß gültig ansufeben (Dcrgt. §§ 1252, 1253). 2)em ©cbanfen,
baß bic ®^c materiell nidE)tig ift, mirb aber burdE) bie Seftimmung Sted^nung
getragen, baß bic 9lid)tigfcitöflagc nid)t nur üon febcm ber ©bigotten unb
Don bcm ©taatßanmalte, fonbcrn audj üon iebem Stritten, roeld^em im gallc
ber ?lid)tigfcit ber @f)e ein Slnfprud) äufte^t ober im galle ber (Sültigfeit bcr-
felben eine SJcrbinbüdjfeit obliegt, fomie im galle eineß aSerftofeeß gegen baß
SJerbot beß § 1234 oon bcmjenigcn crt)oben merben fann, mit meinem bic
frül^ere ®t)c gefd^loffcn mar (§ 1253). 9luf jenem ®ebanfcn berubcn ferner
bie 33eftimmungen, mel^c nad) bcr 3lnm. 1 ju bcm Untcrabf^nitte „IV. Un-
gültigfeit ber ©f)c" unter III bcm § 139 ber ß. % D. atö 9lbf. 2 burd^ baß
(Sinfüf)rungßgefe^ b^njugefügt merben follcn.
@inc nad^träglid^c Leitung bcr 9iic^tigfeit bcr ®f)c (ücrgl. §§ 109, 110)
tritt nur im galle beö § 1251 ein.
bcr «n. 2)ic Scftimmungcu über bie Slnfed^tbarfcit ber ©b^ meid^en oon ben
allgemeinen ©runbfä^cn über bie Slnfcd^tbarfcit eineß 3?edE)tßgefd^aftcß
(§§ 112, 113) namentlidf) barin ah, baß, fo lange bie @bc nid^t aufgelöft ift,
bie älnfcd^tung ber ©t)e burd^ ©rl^ebung ber 9lnfedbtungöftage erfolgt (§ 1266
9lbf. 1) unb ba§, aud^ menn bie 9lnfedbtung in biefer 9lrt erfolgt ift, bie an
fid^ nad^ bcm § 112 mit bcm 9lnfe^tungßaftc ücrbunbcne SBirfung ber Un*
gültigfeit ber ®l)c fo lange incideuter in einem anberen SHed^tßftreitc nid^t
geltenb gemad^t merben fann, biß bic ©^e aufgelöft ober für ungültig erftärt
ift, bafe mitl^in biß bal)in bic anfed^tbare eije tro^ ber erfolgten 3tnfed^tung
atß gültig bcbanbelt roirb (§ 1260). 3m Swfammenbange bamit fteljt bic
nnöultiflfeit bct (56c. 3li(J&tiöWt imb 9lnfe*tbarfeit (§§ 1250-1270). 45
©eitere Sbrocid^ung oon beu allgemeinen (Srunbfä^en, bafe, wenn bic Slufed^tung
ber 6^e burd^ (gr^ebung ber 9lnfe(i^tungöllagc erfolgt ift, bie SBirfung ber
erfolgten änfe^tung naä) SKafegabe beö § 1268 burc^ 3wtüctnaljme ber Sin-
fed^tungöHage ober burd^ (Genehmigung ber angefod^tencn ®l|e von Seiten beö
anfct^tungöbcred^tigten ©Regatten in ber 9lrt rücf gängig gemad^t werben fann,
bo§, porbc^altlidö geroijyer Sluöna^men, baö 3lnfe(i|tungöred^t crtifd^t (oergl.
baju bie in ber Sttnmerfung ju bem Unterabfc^nittc „IV. Ungültigfeit ber ®^e"
unter II, 4, 5 mitget^cilten, jur Slufno^me in baö ®inf. ®cf. beftimmten
§§ 575a, 576 ber 6. $. D). 3ft bic ®\)c hxixd) ben Xob beö nid^t anfe^tungö^
berechtigten ©Regatten oufgeloft, fo gilt gegenüber bem § 113 bie Sefonbcr^
^it, bofe bie Snfed^tung burd& eine gegenüber bem Siad^tafegcrid^tc abjugebenbe
38iUenderflärung erfolgt (§ 1266 Slbf. 2). 3ft bie Sluflofung ber S^c burd^
ben S^ob beö jur Slnfed^tung bered^tigten ©Regatten ober burc^ ©d^eibung
erfolgt, fo ift bie Slnfed^tung ber 6f)e überl^aupt auögefd^loffen (§ 1262).
Sufecrbem roirb bie anfeclftbare, aber nod) nicl)t angefod^tcne @^c unanfed^tbar
bur^ ®ene§migung oon (Seiten beö anfe^tungöbered^tigten ®t)egatten, bcjm.
im ^ne beö § 1259 3lx. 4 burd^ ©ene^mignng oon Seiten feines gefefelid^en
'Bertreterö, in einem j^^lle (§ 1259 3lv, 3) Qud^ burd^ nQdt)trägtid&e ©iöpen^
fation, ferner in allen fallen burd^ 3eitabtauf (§§ 1263, 1264).
SBö^rcnb bie Segrünbung beö norftclienb tarafterifirtcn Si)ftcmeö beö «e^tferti.
entiourfcö in 3lnfc^ung ber S3el)anblung ber Ungültigfeit ber ©öe im ©injelnen . ^nnteu"^
ben Spesialmotioen vorbehalten mirb, f ollen ^iernod^ bic allgemeinen ©efid^tö:^ fd&eibuno:
punfte bargelegt werben, meldte bafür mafegebenb gemcfen fmb, bie im all*
gemeinen S^^eile beö ®efe|bud^eö in 9lnfe{)ung ber Ungültigfeit ber Sted^tß*
8ef(^fte aufgeftellten Äategorieen ber 9li^tigfcit unb 9lnfed[|tbarfeit auc^ auf
Me gj^e anjumenben.
2)aö fatl)olifd&e foroie baö proteftantifd^c ®l)ered)t fennt ben Unterfd^icb ©citenbcs
iroif^en Sflid&tigfeit unb 9lnfcd^tbarfeit ber ef)e nicl)t. Sic ®^c ift entmebcr ^^'^''
ni^tig ober gültig. Slber bie 9lid^tigfeit l^at eine Dcrfd^iebene Sebeutung unb
ffiirtung, je nad^bem baö 6^et)inberni6, roet^eö bic 5Jli^tigfeit bewirft, öffent*
lOfct ober privater 9latur ift, unb je nad^bcm biöpenfirt roerbcn fann ober
nid&t 3ft i>oö ©l^e^inbemife ein öffentlid^eö, fo erfolgt bic Slid^tigfcitöerftärung
ber 6^e oon SImtöroegen, ift eö prioater 3Jatur, nur auf Slntrag beö aSer-
testen, daneben ift in ben legten fallen, foroie bei biöpenfabelen ®^c^inber^
nijfen beö offentlid^en SKed&teö eine Teilung ber 3fid^tigfeit, roenigftenö bem
praftifd&en ®rfolge nad^, moglid^. ®aö fatt)olifd&e ©f)cre^t forbert jroar, ab*
gcfe^en t)on bem SÄuönal^mefalle einer S)iöpcnfation in radice matrimonii,
immer bic renovatio consensus ber ©Regatten nad^ Sefeitigung beö ^inberniffcö,
aber eö oerlongt in ben meiften gällen feine Sßieberl^olung ber für bic ®l)e'
f^lie^ng gefejlid^ Dorgefd^riebenen gorm. Der praftifd^e ©rfolg ift nad^
fat^olifd^ ß^ered^te alfo im SBcfentlid^en berfelbe wie nadb proteftantifd^em
^red^te, na(^ welchem bei pritjaten e^e^inberniffen bie ®t)^ burd^ 33erjidbt
5on Seiten beö SSerlcgten bejro. burd^ gortfefeung ber ®f)c nad^ SBegfall beö
C^nbemiffeö fonüaleöjirt unb au^ im galle beö SBcgfallcö anbcrer ®^e*
^inbemif[e eine Teilung ber Slid^tigfcit ber 6^e o^ne SBieberfiotung ber nor*
ficf(^riebenen ^orm Dorroiegenb für juläffig gehalten roirb.
46 Unoültiofeit bcc SIjc. Jli^tigfcit imb 3lnfc*t6avfeit (§§ 1250-1270).
Siefclbcn Untcrfd^icbe her Sebeutung uub SBirfung ber einjelnen
trcnncnbcn ©^eJ^inbcrninc mad)tr\ fämmtlid^c neueren @ef cggebungcn ; wenn-
gleid^ bic ft)ftentatifd)c 33el;onbIung ber ©oc^e in benfelbcn eine tjerfd^iebene
ift unb mond^e 9lbn)ei(i)ungeu im ©injelnen oortommen, fo liegt bod^ allen ber
®ebanfe ju ©runbc, bafe je nod^ ber 9iatur bcö betreffenben trennenben (S^e*
Ijinberniffeö bie Ungültigfeit ber ®f|e entroeber oon 3lmtön)cgcn bcjro. Don
jebem Setlieiligten ober nur t)on bem oerlegten J^^eile ober bod^ nur tjon
beftimmten ^crfonen, meldte ein bcfonbcreß Sntereffc baran ^oben, geltenb
gemad^t lüerben fann unb bafe in bem lefeteren galle bic 6t;e burd) ben
SBegfall beä 9led^teö, bic Ungüttigfeit ber 6^c geltenb ju mad^en, gültig wirb
(oergl. preufe. 21. S. dt. II, 1 §§ 933, 934, 950—952, 973—975, ©efeferenirion
^enf. XV anotioe ©. 467, 9rbfd[)n. 9; föd^f. ©. 93. §§ 1620—1626 unb fäd&f.
@ef. ü. 5. SWoücmber 1875 §§ 3—6; code civil 3lrt. 180—191; gotft. ß^egcf.
t). 15. 9luguft 1834 §§23, 71, 135-137; altcnb. ei)corbn. o. 13. SWai 1837
§§ 6, 163—193; f)cff. entro. II 9(rt. 11, 48 -63; S. % D. § 592).
etonbpimft 9Benngleid(), ^ingefe^en auf bic fittlid&e 3latur ber G^e alö einer doU*
(sntrourfe«; ftäubigcu Scbcnögcmcinfd^aft, fid& bie Slnfid^t ocrtreten läfet, bafe cö bem SBefen
Der @f)e am mciften cntfpred^en mürbe, nur ämif(^cn abfolut gültigen unb
abfohlt nid)tigen 6l)en ju unterfcf)eiben, fo fann biefc Sluffaffung boc^, mmn
man bic re^tlid^e 3iatur ber ®f|e alö eineä burd) ein 9ied&tögcfc^äft begrünbeten
9led&töt)ert)öltnif5eö ins 9luge fafet, üom Stanbpunftc cineö ©efefebud^eö aus,
rocld^cß bei 9lc^t6gefd&ftften bic ÜJlöglid^feit eines S^ifd^cnsuftanbeö jmifd^en
vollftänbiger (Sültigfeit unb üoUftänbiger 5Rid^tigfeit anertennt, äunädS)ft prin^
^ipiell alö rid^tig nid^t erachtet merben; benn ift baö 5Rcd[|tßgefc^äft ber @^c*
fd)lie6ung, auf roeld^em baö 9ted)töocrf|ftltni6 ber @^e beru{)t, mit einem
3Kanget bet)aftet, melier nad) ben allgemeinen ©runbfäßen bic Slnfed^tbarfeit
cineö 9kdötögcfd^äfteö begrünbet, fo mufe biefer SWangel, fomeit ni^t baö ©cfeft
pofitio ein Slnbereö beftimmt, bic gleidie SBirfung aud^ äufeern auf ba^ burd()
baö 9ied)tögefd^äft ber ®t)ef(^lie6ung bebingtc SWe^töocr^ältni^ ber (gl)e. 9Ibcr
aud& baö praftifd^e Sebürfnife geftattet cö nid^t, lebigtid) jmifd^en abfolut gültigen
unb abfolut nid^tigen ©l^en ju unterfd&ciben, menn man gemiffcn Umftänbcn,
inöbefonbere ber mibcrrcd^tlid^en ©ro^ung, bem betrüge unb bem Srrt^umc
einen ©influfe auf bie ©ültigfcit ber @f|c übcrfiaupt gcmäliren u)ill. 3ft ber
burdö 2)rof)ung ober betrug jur ©^cfd^liefeung beftimmte ©begatte burd^ bic
®ingel)ung ber @^c unb bic mit bcrfelben oerbunbenen golgen in eine Sage
Dcrfc^t, bei meld^cr fein 3ntercffc nur burd^ 3lufred^terl)altung ber @^e gemalert
werben fann, fo mürbe cö eine Ungered^tigfeit fein, il;m biefen 9Beg, fein
Sutcreffe ju magren, ju oerfd^ tiefen, roö^renb anbererfcitö bem ©Regatten,
roeld^er burd^ 2)rol^ung ober S9ctrug ben anberen ©Regatten jur ©j^efd^lic^ung
beftimmt ^at, fein Unred^t gefd^ie^t, wenn man i^n an ber oon i^m gerooBten
®^e fcftl)ält. ©erabe bei ber @^e fann aber, menn bie t^atfäd&lic^e cl)elid&e
Sebenögcmcinf^aft einmal eingetreten ift, baö Sfntereffe bcö ücrlc^ftcn ®l|cgatten
cö entfd^ieben verlangen, bafe bie ®t)e alö gültig anerfannt merbe unb fortbauerc.
Rann l)iernadö aud^ bei ber ®^e eine fold^c 9Irt ber Ungültigteit nid&t entbehrt
merben, meldjc bic ©ntfd^cibung barüber, ob bic ©^e bcftel)en ober nid^t be*
ftel)en foll, oon bem SBiUen bcö einen ober anberen ©Regatten abl)fingig mad^t.
Unöültiflfdt ber (Sl^e. 9H(l&tift!eiföörfmbc. §§ 1250, 1251. 47
fo cmpficf^tt es fid^, auf bicfc Slrt bcr Ungültigfett im Snfd^Iufjc an bic all:*
gemeinen ®runbfä|e bcö ®efe|bu(j^eö bic Äategorie ber 3lnfec!^tbarfcit an*
juioenben; benn baö SBefen ber Slnfed^tbarteit beftel)t eben barin, ba^ ber
gortbcftanb bc« anfechtbaren Sted&t&gefd&äftcö oon bcm SBiüen bed 9SerIe|ten
abfängt. 3)ie Slnroenbung ber Kategorie ber Slnfcd^tbarfeit auf bic 6^c f)at
üUerbingö anbererfeitö jur golgc, ba^ biß jur erfolgten Slnfcd^tung eine
roirfli^c, gültige 6^e beftc^t. 2)arau& fönnte gegen bic Slnrocnbung ber
ftatcgorie ber 9lnfed)tbarfcit ber ©iniüanb hergeleitet werben, bafe, aud^ roenn
man bie 6^e nid)t alö ©aframent betrad^tct unb bic aWöglid^Icit if)rer 3luf?
lofung jugiebt, eö bod^ mit bcm fittlid^cn SBefen ber @^e im SCßibcrfprud^c
fte^e, eine roa^re &)t als beftcl^cnb anjufe^cn, tro|bem biefclbe oon 9Infang
an mit einem aRangel beliaftet fei, rod6)tt bcm einen ober bem anbcren (SJ^e-
gatten baß Siecht gebe, bic 9lufl)ebung ber ®l)e rücfmörtöl^in ^crbeiiufülircn.
5)iefelben 93cbcn!en mürben fid^ inbefjen, praftifd^ betrad&tet, aud& gegen bie
Äategorie ber f og. relatiücn 5ßid^tigfeit erl)eben ; benn aud^ bei bicfcr wirb baö
t^otfäd()lid& beftel^enbc e^elid^e SScr^ältnife wegen beß burd^ bic ^orm ber ®l)C'
fd^Iießung ^crüorgerufenen ©c^eineß ber 6^c einftroeilcn red^tlid^ ancrfannt unb
enlfc^eibct nad^träglid^ ber SBille beß einen S^eileß barübcr, ob baß tf)atfädölid&
befte^enbe e^elid^e SSer^ältnife alß ein güttigeß fortbaucrn foll. Slnbererfcitß
Derbicnt gerabe Dom fittlic^en ©tanbpuntte auß bie Kategorie ber Slnfcd^t*
bartcit oor ber fiategorie bcr retatioen 9lid^tigfcit um bcßmillen ben SBorjug,
weil bei Slnmenbung ber erfteren bie 6l^e biß jur erfolgten 9lnfec^tung alß
TOirfli^c ®^c bel^anbclt wirb, roä^rcnb bei relatioer 9iid|tigfeit ber ©taat in bcr
Sroifcf^enjeit, trofebem eine 6^c nid^t porl^anben ift, baß ct)etid^c S^fammen-
leben ni^t aBcin bulbet, fonbern ben anbcren S^^cil ju einem fold^en fogar
not^igt, o\)m bcm le^tcren .burd& bic Oemö^rung beß JRcd&teß, bic SRi^tig-
leitßtlage ju ergeben, juglcid) ein SWittel an bie ^anb ju geben, jenen B^^ng
für i^n JU befeitigen.
Snlangenb ben ©prac^jgebraud^, fo rcbet ber Entwurf nid&t oon 3Jid^tigfeit ®^'"**
ober 9tnfed^tbarfeit beß ©Hd^licfeungßocrtragcß, fonbern fd^led^tl^in Don ^* '^ '
Slici^tigtcit ober 3lnfc^tbarfcit bcr ®^c. SBcnnglcic^ bic crfte 9IußbrudEßweifc
an fic^ alß bie forreftcre erfd^cint, ba bic 9iid^tigfeit unb 9lnfedötbarfcit junä^ft
eine ©igenf^aft beß baß SRcd^tßocr^ältnife ber ®^c begrünbcnbcn (S^cf^licfeungß-
Dcrtrogcß ift, fo ift bod^ bem jweiten türjercn aiußbrurfc bcr SSorjug gegeben,
weil er ber Sprat^weife ber ©efet^c (6. 5ß. 0. §§ 568, 582 ; ©tr. ®. 93. §§ 179,
171) unb beß gcwo^nlid^en Scbcnß cntfprid^t, aud^ fein äKifeocrftänbnife bc*
forgen läfet, ba eine ®^c nur nid^tig ober anfed^tbar fein foH unb fann, wenn
ber JU ©runbc licgenbc SBertrag nid[|tig ober anfechtbar ift.
§§ 1250, 1251.
58ic bie ©ingangßworte beß § 1250 ergeben, fmb bie im § 1250 bc=^'*«8'«**>«f
Scic^netcn gäDe ber 3lic^tigfeit bcr ©^c bie einjigen, wcld^e baß ®efc^^ un* *^^
bef^abet bcr baneben unberührt blcibcnben ®runbfä6c beß internationalen
^riüatred^tcß, anerfennt. 9llß felbftücrftänbli^ ift babei üoraußgcfcgt, bafe eß
tieft um ein SBerl)Ältni§ ^anbclt, wcld^cß nac^ bcm natürticiicn 93cgriffe bcr ©^c
48 Unöülttgfeit bcr e^e. SUd&tlgfcitöörünbc. §§ 1250, 1251.
fflerfonen ^^ ^^^ übct^oupt citte 6l^c fciit foun. ©ofe citic g^e jroifd^en 5ßcrfoncn bcö^
beftViSw felbcn ©efd^led^teö auc^ rcc^Uid^ nid^t tnoglid^ ift, folgt fd&on quo bem Segriffc
&twtdfiti, j,^^ g^g ^j^j) ij^j beöl^alb im ©cfcfte nidjit bcfonberd außäufprcc^cn, anä) bonn
nid^t, roenn baö ©cfcß fid^ bie Slufgabe ftcUt, bic SJid^tigfcitögrüiibc crfd^öpfcnb
mit 3n>ittern. ju regctu. älud^ im §inblic!c auf bic S^itter ift eine befonberc Seftimmung
nid^t crf orberlidö , ba bie l[)cufige mcbijinifd^e SBiffcnfc^aft 3n>itter ni^t an*
crfcnnt. aiuf bie feltenen gälle aber, in n)cld^eu bie S^fl^^ö^^ifllclt ju bem
einen ober anberen Ocf^led^te jroeifel^aft ift, I^at baö ®efeg feine Siürffid^t ju
nel^men, locil eö fid^ in benfelben nur um tJ^atfäd^Iid^e 3^<^if^l wnb Ungewife?
I^eiten ^anbelt, wddjt il^re ©riebigung nac^ 9Wa§gabe ber allgemeinen ©runb*
fäfec finben muffen. 3lud^ bie neueren (Sefeftgebungcn l^aben fid^ in ben \)kx
fraglid^en SBejicl^ungen jcber befonberen S3cftimmung enthalten.
3m Uebrigen ift ju ben §§ 1250, 1251 golgcnbeö ju bemerfen:
i.9n<^«flfeit 1. 3)ie (Srünbe, auf meldten bie Seftimmungen bcö § 1250 3lv. 1 be*
" manflST"' HtJ^eti uub Quä TOcIc^en bie Sii^tbead^tung anberer görmlid^feiten, ate bcr in
ben §§ 1245, 1248 bcjeid^netcn, bic 5Rid^tigfeit bcr (S^c nid}t jur golge l^abcn
foU, fmb bereits in ben äßotiücn ju ben §§ 1245—1249 bargclegt morben.
^eroorjul^cben ift nur nod^, bafe, mie fxä) aus ben §§ 1250, 1259 ergiebt, aud^
bie Unterlaffung beö 3luf geboten (§ 44 beö 3«. (Sef. v. 6. gebruar 1875) ouf
bic ©ültigfcit ber 6()e ol^ne ©influfe ift. 6ö entfprid^t bieö inöbefonbere bem
gemeinen SKed^te unb bem preufe. 31. £. SU. II, 1 § 154 (ocrgl. anbcrerfeit« code
civil 3Irt. 191 ; bab. ®ef. o., 9. ©cjember 1875 § 2 lit h). aiud& bic Raffung
beö § 44 3lbf. 1 beö % ®ef. o. 6. gcbruar 1875 beutet barauf l^in, bafe nod^
bcr 3lbfid^t biefeß ©efefecö baö 9lufgcbot nid^t ju ben görmlid^feiten bcr ©^c*
f^licfeung gcljören fott. S)a bcr 3"^^^ '^^^ 3lufgcbotcö bal^in ge^t, ben aib-
fci^Iufe gefcßioibriger 6^en ju pcrl^ütcn, fo fann tebiglid^ bcr Unterlaffung bicfer
görmlid^feit wegen icbenfallß eine ben materiellen ®rforberniffen ber 6^e ent*
fprcd^enbe Q\)t nid^t al§ ungültig bel)anbelt werben. Daöfelbe mu^ aber aud^
bann gelten, wenn ber ®^e ein nur auffd^iebenbeö 6l)e^inbcrni§ entgegen?
gcftanben l^aben foUte ; bcnn eben barauö, bafe bem betreffenben ß^clöinbcmiffc
von bem Oefcfee nur ouffd^iebenbc SBirlung beigelegt ift, ergiebt fic^, ba^ baö
©efefe auf bie Slufrcd^ter^altung ber ®^e ein grö^ercö Oemid&t legt, alö auf
bic Befolgung beö betreffenben ß^eoerboteö. SBolltc man bcr Unterlaffung
beö aiufgcboteö in folgen gällen einen ©inftufe auf bic ©ültigfcit ber @l^e
beUegen, fo mürbe bieö inbireft bal^in füljrcn, bem SBerftoßc gegen baö be*
treffenbe ©^coerbot eine größere SBirfung bcijulcgcn.
S)ic fpejieae SBermeifung auf bic §§ 1245, 1248 im § 1250 5Rr. 1 ift
alö not^roenbig erad^tet roorben, roeit eö fid^ l^ier nur imi bic in ©cutfd^lanb
gcfd^loffcnen ®f|cn lianbclt.
Ä^tigfeit 2. 2)ic mit ber ®efd&äftöunfä^igfeit (SBittenöunfä^igfcit) cincö ber 6^c*
omm^' fd^liefecnbcn oerbunbenen folgen pnb in ben bcftcl)enben SKed^tcn Dcrfd^icben
unfä^Qfett. beftimmt. 3lai) fatl)olifd|em (S^ered^te wirb bie aBillenöunfäf)igfeit alö ein
©citcnbc« öffentli^eö trennenbeö ©^cliinbernife bcl^anbctt. Db bieö aud^ nad[| bem 5Rcd^tc
^'^*** ber etjangclifd^en ilird^c ber gall ober ob nidjt vielmel^r nad^ bem Icfttcrcn ber
SJJangcl bcr 2Billenöfäl)igfcit nur ben Äarafter cincö impedimentum privatum
l^at, ift beftritten. Daö 9lcid^ögerid)t l^at fid^ für bie Icttcrc 9lnfid^t entfd^ieben
Unöumflfcit bcr Sße. 9H*ti0fcit^firünbe. §§ 1250, 1251. 49
(entfc^. b. 9J. ®. in 6ioitf. IX, 57 ©. 215, 216, 9ir. 58 ©. 220). 3Iud& bieienigen,
roclc^c bcr crftcren 3lnfi^t folgen, ncJimcn icbod^ an, ba^ bic 6^c burd^ mä)^
traglicöc, na^ S3cfeitigung ber SBiBcnöunfä^igfeit crfolgenbe bciberfeitige ©in*
mlligung bcr ©Regatten fonoaköjirt. 2)er Stanbpunft bcß preufe. 2t. 2. di,
(üergL II, I §§ 38, 39, 971, 993, I, 4 §§ 20—28) ift in bcr ^icr fraglid^en
fiinfi^t nid^t jroeifelloS. 3n S)ottrin unb ^rajiö mxb inbcffen übenuicgcnb
ongcnommcn, bog bcr SRangcI ber SBittenöfä^igfeit nic^t bic ?Jid^tigfcit, fonbcrn
nur bie- Ungültigfeit bcr ®f)e begrünbe, b. 1^. nur als ein impedimentum pri-
Tatum ju bctra(!^tcn fei (t)ergl. ©ntfc^. b. dt. ®. in ©ioilf. IX, 57 (2. 215, 216).
auf biefcm »oben fteljcn and) baö föd^f. ®. 93. §§ 1623, 1624 in aScrbinbung
mit bem fäc^f. @cf. d. 5. 31ooembcr 1875 § 4 unb bie altenb. ß^eorbn. o. 13. 2Jlai
1837 §§ 163, 165—167 ücrb. mit bem attenb, ®cf. o. 25. 3Kärj 1879 § 8
(ocrgl. femer ®cf. für Stcufe ä. 2. o. 3. a»ai 1879 § 14). Sagegen beftimmt
bo8 got^. ®^cgcf. o. 15. Stuguft 1834 § 23, bafe eine von einem ©eiftcöfranten
eingegangene 6^e nuB unb nid^tig unb oon Slmtöroegen ju trennen fei," mv^
audgcfe^t icboc^, ba§ ju ber ^tit, in roeldöcr bie (S^etrennung in ^rage fommt,
bic ©eifteöfranf^eit noc^ fortbauere. Daö franj, SWcd^t \)at in ber ^ier fragst
fic^n ^infxc^t feine auöbrücflid^e S9cftimmung. 3)ic ^crrfd^enbe ÜJleinung
nimmt auf ®runb bcö code civil Slrt. 146 an, bafe bie t)on einem 85ßillend=
unfähigen gcfd^IoRcnc ®f)e fraft beß ®efegcß nid^tig fei, ol)nc bafe eö aud^ nur
einer 9Jic^tiflfeitdcrfIärung auf erhobene 5Rid^tigfeitöflagc bebürfe. 5Der ^cR.
©ntro. III 3(rt. 51, 52 ^at einen SWittchDcg eingef^Iagen. 3la6) bemfelbcn
^t bcr ÜÄangel bcr SBillcnßfä^igfeit infofern bcn Äarafter eines impedimentum
publicum, ate 6iö jur Sefeitigung bcö ^inberniffeö bcr SKangel audE) uom
etaatöanroalte gcltcnb gemad^t werben fann. 3laä) Hebung bcö äßangelö ftc^t
bogegen nur bem 6f)egatten, meld&er jur 3cit ^^^ ß^cfd^lic^ung nid^t millcnö-
fö^ig loor, boö Sle^t bcr 9lnfcd&tung bcr ®l;e ju.
S)a bic 6^cfdölie§ung, rcd^tUd& betrachtet, fid^ alö ein SHed^tögefd^äft stanbpunft
barftcüt, fo cntfprii^t cö bcn allgemeinen ®runbfä|en bcö ©cfcfebud^cö (§ 64), c„twwfe«.
boft bic 6^c nichtig ift, wenn einer bcr @I)efd()tie6enben jur 3^^ ber ®f)cs
f(^lic|ung gef^äftöunfäl^ig mar. 3^ bemfelbcn Stcfultatc fül^rt baö fittlid)c
SBcfen ber ©^c. 2)ie ^[nrocnbung bcr Äatcgoric ber Slnfcd^tbarfeit auf bcn
^ier in Siebe ftc^enben gaB ift mebcr mit bcr rcd^tlid^cn nod^ mit ber fittlid^cn
Jlotur bcr &)t ucreinbar. Sei änmenbung jener Äategorie mürbe biö jur
erfolgten Snfcc^tung eine wirftid^c (S^e alö beftel^enb angenommen, obrool^I
eine bcgrifförocfcntlic^c SJorauöfefeung berfelben fel^lt. ©ine fo weit gc^enbe
9bmei<!^ung uon ben aQgemeinen ®runbfägcn fann aud^ ni^t a(ö burd^i ein
praftifd^eö 93ebürfni§ geboten erachtet werben. (Sinjclnc feltcnc gäUe, in
mU^ auö bcr SRic^tigfeit bcr @^c gärten unb Unjuträglid^fciten fid&
möglid^enoeife ergeben, j. 93. menn einer bcr ©^cfd^Iie^enbcn an einer fircn
3bce ober an einer ä^nlid^cn ®eifteöfronfl^eit leibet, o^ne bafe man fagcn fann,
bie Sd^üefeung ber @^e ftc^c unter bem ®influffe berfelben, ober menn ein
wegen ©eiftcöfranf^cit ©ntmünbigter roieber gefunb geworben unb nod^ vor
ber Sluf^ebung bcr (gntmimbigung eine 6l)e eingegangen ift, vermögen eine
foI4ie 3?urd^brc(^ung ber allgemeinen ®runbfäfec nid^t ju rcd^tfcrtigen. 2)cn
proftif^en SRurffic^ten, meldte perfd6icbene Siedete beftimmt l^aben, bcr SBillcnS^
Ütotive $. bfirflccL 9t\«^ndf. lY. 4
50 Ungültigfcit ber Stc. 9Rt*tiflfcit?0rünbe. §§ 1250, 1251.
imfäl^igteit eines ber @§efc^Uc§cnben nur bcn Äarafter eines impedimentum
privatum bcijukgen, wirb, [oroeit jene SRüdEftd^ten in ber X^ai SBead^tung Der:«
bienen, burd^ biejenigc Slbroeidiung t)on bcn aügemeinen ®runb[äfeen (§§ 109, 110)
in auörcid^enbcm SRa^e SRcd^nung getrogen, roeld^e fid^ oud bem § 1251
^cuung ber crgiebt. 3Benn eine 5ßcrfon, roel^e bei ber ß^efc^lie^ung gefd^äftdunfäf)ig war,
9ii*ti8««t. ^^jjgjjg^. gefd^äftsfö^ig wirb, beoor bie G^e aufge[oft ober für nid^tig erftärt ift,
fo liegt CS aUerbingö im öffentli^en 3ntereffc, wie im 3ntereffe ber unmittelbor
Setfieitigten, bafe bie 9lufred^terl|Qltung ber ®^c ermoglid^t wirb. Oefc^ä^e
bieö nid^t, fo würbe jur Herbeiführung einer gültigen ®l;e für bie 33et^eiligten,
auö) wenn mon ni^t auf ®runb beö § 1234 in einem fold^en gallc bie üor*
gängige 9li^tigfcitöerflärung ber bisherigen niditigen ®^c für nöt^ig erad^ten
fönte, bod& iebenfaHs bie 2Bieberl)oIung ber ^orm ber ©fiefd&liefeung crforbertit^
fein. ®in fold^es SKefuItat ift aber wenig angemeffen; auc^ fann bie bamit
uerbunbcne SJerjogcnmg teid&t gefä^rlid^ werben. 6S crfd^eint ba^er geboten,
bas an fid) richtige ^ßrinjip ber Unl^eilbarfeit ber 9lid[|tigfeit Ijier ju burd^-
bred^en. ®cr oerfiftltnifemäfeig cinfad^fte unb befte SluSweg ift, bie RonoaleSjenj
ber ©f)e burd^ ausbrürftid^e ober ftiUfd^weigenbe Oene^migung beS ©efd^äftö*
fäl)iggeroorbenen in ber 3lrt jujutaffe», ba^ bie G^e auf bie 3^it jurücfwirft,
in wefd^cr bie ®^e gefd^toffen ift. S'^ar läfet fid^ bagegen einwenbcn, bafe bie
gragc, ob im gegebenen gaUe ©ene^migung ftattgefunbcn l&at, leidet ju 3n)eifeln
unb Streitigfeiten 2lnla6 geben fann. 3lUein bie 93ebenfen, meldte gegen ben
anberen moglid^en 9lusroeg fpred^en, nämlid^ bie Sßerroanbelung ber Slid^tigfcit
in 9lnfec§tbarfcit mit bem 3citpunfte, in weld^em ber Oefd^äftSunfäfiige auf^
gel)ört l;at, gefdjftftsuufä^ig ju fein, fmb weit er^eblid^er. 9lbgefe^en oon bem
anomalen Äarafter einer fold^cn SBerwanbelung , bringt biefe Äonftruftion
namcntlid^ bie unbefriebigenbc Äonfequenj mit fic^, ba^, wenn ber ©efd^äfts-
unfftl^ige, insbefonbere ber (SciftcSfranfe, ftirbt, beoor bie Slnfed^tungsflagc oon
il)m erhoben ift, bie ©de gültig bleibt (oergt. § 1262), obwoljl er von ber
©fiftenj ber ®^c oieHeid^t niemals etwas erfafiren ^at.
6in Sebürfnife, nad) 2lnatogie beS § 1264 ben Slbtauf einer ^ßröflufim
frift ber (Genehmigung gleic^j^^fteHen, liegt im §inblicfe baruuf, ba§, fo lange
bie ©cnefimigung nid^t erfolgt, bie 6^e nid^tig ift unb bemnad^ ber anberc
et)egatte bis ba^in bie Slid^tigfeitöflage crl^eben fann, nid^t t)or. 2)aju fommt,
bafe ber 3<^itpunft, mit weld^cm bie @efd^äftsunfäl)igfeit aufgcl;ört unb ber ®e?
fd^äftöfäl)iggeworbene oon ber ß^efd^lie^ung Äenntni^ erlangt ^at, fid) in ber
SRegel einer genauen geftftellung cntjieljt unb es ba^er an einem auSreid^enb
fieberen 2lnl)alte für ben S3eginn beö SaufeS ber ^räflufiofrift fehlen würbe.
S)a nad^ bem § 1251 3lbf. 1 bie ©enel^migung erfolgen fann, bis bie
6lje aufgelöft ober für ungültig erflärt ift, fo folgt barauS, bafe bie ©c-
ne^migung aud^ nod^ imüaufe beS 9Ud^tigfeitSprojeffeö wirffam erfolgen fann.
33on fclbft oerftetit es fid) inbeffen, bafe bie erfolgte ©eneljmigung in einem
bereits anl)ängigen ^lic^tigfeitsprojeffe nur fo lange geltcub gemad()t werben
fann, als nad^ ben ©runbfö^en ber 6. % D. übcrl)aupt !J:f)atfad^en nod^ mit
©rfolg norgebra^t werben fönnen. ©benfowenig fann es 5weifell)aft fein,
ba6, wenn burc^ bas Urtbcil bie (5f)c für ungültig crftdrt ift, basfelbe nic^t
etwa nad)träglic^ beöljalb in grage geftcllt werben fann, weil bie Gf)c nod^
Unöülltöfcit bcr ß^e, 9ltd&ttöfeit?orunbe. §§ 1250, 1251. 51
vox her Sicd^töfraft bcfi Urt^citeö gcttcl^migt roorbcn roor, biefer Umftanb aber
in bem 3iid^tigfeitdprojcf[e ni^t me^r ^at geltenb gcmad^t roerbcn fonnen.
2)aÄ ©egent^eil fann tnßbcfonbcrc aud^ niiji quo bcm § 686 Slbf. 2 bcr
€. ^. 0. hergeleitet werben, ba ber leftterc auf bem ^ßrinjipe beru()t, bafe bic
in her 3n>if(^en}eit jroifd&en bem ©d^Iuffe bcr münblid^cn SBerl^anblung unb
bem Urt^eile eniftanbenen @inmenbungcn fo be^anbelt n)erben foUcn, mie menn
beren ®runb erft no^ bem Urt^eile entftanben märe. 2)ied fül^rt aber ba^in,
bQ§ bie in ber 3^if^^^5^tt erfolgte ©ene^migung ber ®^e gegenüber bem
rcd^tftfröftigen^ bie @^e für ungültig crflärenben Urt^eilc cbcnforoenig in
Setrac^t fommen fann, mie nad^ § 1251 eine erft nad& erfolgter Ungültigfeit«*
erflärung ber &)t ertlftrtc (Senel^migung ber Icßtercn.
S)a bie ©ene^migung ber (S^efd^liefeung t)on ©eitcn beö ©efd^öftäfä^ig«
geworbenen gegenüber bem anberen 2^^eile ein cinfeitigeö Slcc^tögefd^öft ift, fo
beborf cö, toenn ber ©ene^migenbe in ber ©cfd^äftßfäl^igfcit befd^ränft fein
follte, na^ § 65 9lbf. 3 jur SBirffamfeit ber ©enefimigung ber ©inroilligung
feine« gefeßlid^en SSertreterö. 3n Ermangelung einer befonberen Seftimmung
iDürbe bie o^ne biefe ©inmilligung erfolgte Genehmigung nac^ § 65 9Ibf. 3
nichtig fein. SBie jebod^ aufl § 1259 9lr. 4 fic^ crgiebt, foB ber 3Wangel ber
©nioiBigung beö gefegli^en SBertreterß in bicfem galle nur bie 2lnfed^tbarfeit
ber @^e begrünben (oergl. bie SDlotioe ju § 1259 unter 3lt. 5).
3. Sie 9li^tigfeit einer gegen baö SSerbot beö § 1234 ücrftofeenbcn m^f^uu
üfft ifl für ben %aU, bafe bie frühere 6^e eine materiell gültige ift, nid^t nur jjg^e.
im fot^olifc^cn unb proteftantifd^cn ®f)ere^te, fonbern aud^ in aUcn neueren
®efe^gcbungen anerfannt (oergl. preufe. 31. 2. SR. II, 1 § 936; code civil
«rt'l47, 184; bab. ®cf. t). 9. ajejcmber 1875 § 2 lit. c; fä^f. ®. ».
§§ 1590, 1621 unb fädf)f. ®ef. o. 5. 9toocmber 1875 § 3; got^ ©l^egef. v.
15. «uguft 1834 § 22 lit a unb § 23; attenb. ß^eorbn. o. 13. 3Jlax 1837
§ 4 9hr. 1 unb § 6 ücrb. mit bem altenb. ®ef. t)om 25. SWai 1879 § 8; ®ef.
fiir 9leu6 ä. 2. v. 3. aWai 1879 § 14 ; licjf. (Sntro. II 3lrt. 10, 56). Saöfelbe
mu§ bann gelten, wenn bic frühere 6^e anfed^tbar ift; benn baö SBefen ber
Infed^tbarfeit beftel^t gerabe barin, ha% bie anfed&tbare 6^e bid jur erfolgten
5nfe(^tung ate eine mirtlid&e 6()e be^anbelt roirb. "^eUn einer nod& be*
fteljenben @^e fann aber eine jmeite 6^e nidE)t befielen. S^^^if^l^löft fann eö
iKigegen fein, ob bie 9lid^tigfeit ber neuen ©l|e, meldte gegen baö SSerbot beö
§ 1234 üerftöfet, axiä) in bem galle anerfannt merben foU, menn bie frühere
€be materiell nidfitig ift. 2)er ©tanbpunft ber beftel)enben SRed^tc ift in biefer
^inftcf^t ein ücrfd^iebener. 3iad& bem fat^olifd^en unb proteftantifc^en ß^ercdötc,
bem code civil äfrt. 189, bem bab. 2. % ©a| 189 t)crb. mit bem bab. ©ef. t).
9. Xejember 1875 § 2 lit. c (ücrgl. aud^ ^eff. entro. n 3lrt. 48 nebft ben
HRotioen baju ©. 72) bcgrünbet in biefem gaüc bie frühere nid^tigc Gt^e, bis
biefelbe für ni^tig erflärt ift, nur ein auffdE)iebcnbeö ß^ctiinbcrnife. dagegen
ift nad& bem fä^f. ©ef. d. 5. 9Joüember 1875 §3 unb ber anlialt-beffauifd^cn
9Jerorbn. v. 27. 3uni 1823 § 13 in einem fold^en galle aud^ bie neue (S^c
ni<!ötig. S)er ©tanbpunft beö prcufe. 31. 2. SR. ift in (Snnangelung einer aus*
brücflic^ gefe^Ii^en entfd^eibung beftrittcn. Slud^ baö got^. Göegef. d.
15. 9luguft 1834 unb bie altenb. (S^eorbn. o. 13. a)ki 1837 fpred^en p*
52 Unoültiöfcit ber (Sße. ?lid;tiöfcit^örünbe. §§ 1250, 1251.
Über bic gragc nid)t auöbriicflid^ aus. S)a mä) § 1252 9lbf. 2, wenn eine
materiell nid)ti9e et)e aufgeloft ober für ungültig crflärt ift, eö fo anjufeficn
ift, alä ob bie 6^c ni^t gefd^lofjen roorben wäre, fo würbe eö an fxti) bcr
9iecl)töfonfequenj cntfpred)en, in bem Ijier üorauögefe|;teu gaüc an einen
33erfto|3 gegen boö SSerbot beö § 1234 nic^t bic 9lic()tigfeit ber neuen @^e ju
fnüpfen. 3lud& fprec^en für eine folc^e Siegelung Stücffic^ten ber 93iUigfcit
unb baö materielle 9?erf)t. 2^rogbem l)at ber (Sntrourf fid; aud) in Snfe^ung
biefeö galleö für bie 5iid)tigfeit ber neuen @^e entfdiieben. S3cftimmenb ift
namentlid; bie ©rmägung geroefen, bafe ber § 171 beö Str. (S. 33. awd) in bem
f)ier fraglid^en ^-alle bie ®inge^ung ber neuen QI)q, beüor bie frühere @^e für
nidjtig erflort unb bamit ber ©d^ein einer beftel;enben gültigen (S^e (§ 1252
3lbf. 1) befeitigt ift, als S3igamie mit Strafe belegt unb ba§, loenn eö mit
biefer Strafbeftimmung ernft genommen merben foll, baö bürgerliche Siecht
bie ^ortbauer eineö 33erl)ältnif|eö nid)t bulben fann, melc^eö ben 2^l)atbeftanb
ber Sigamie auömad^t.
yiad) § 1250 3ir. 3 ift bie 5nid|tigfeit bcr ©öe mcgcn eineö 9}erfto|3e^
gegen baö SScrbot beö § 123-1 axiä) bann al^ begrünbct anäufel;en, nienn jioar
bie frül;crc 6t)c üor ©inge^ung ber neuen ®l;e red)töfräftig gefd&iebcn ober
für ungültig crflärt mar, baö rcditöfräftige Urtl)eil aber nad) ÜJlafegabc ber
§§ 541 ff. bcr ß. ^ß. D. im SDBcgc ber SBiebcraufnal)me beö $8erfal)renö roiebcr
befeitigt loorben ift; benn mit bcmSBcgfallc biefeö Urtt;cilcö ift bic ©runblage
für bic 3wläffigfcit unb bie ©ültigfeit ber neuen (Sl;e weggefallen unb bie
frütjerc (Sl;c alö fortbcfteljcnb anjufc^en. SGßennglcid^ nidbt ju oerfenneu ift^
ba^ barauö gärten für bie ®l;egatten bcr neuen 6^c fid^ ergeben, fo fommt
bod) anbercrfeitö in 93etrad)t, bafe baö 5Rec^t beö burd^ bic neue ®l)e uerlcfttea
(Sl)cgatten ber früljcren ®l;e ber Slufred^tcrljaltung ber neuen ©(jc entgegcnfte^t
unb mit 9iüdfid)t barauf eine ©urddbred^ung ber allgemeinen @runbfä|c burd^
eine pofitiue, jubcm fafuiftifd^c unb für feltenc gällc berechnete Scftimmung
nid^t geredE)tfertigt fein mürbe.
ÄonoQicijena 3lad) protcftautifd^cm ®^ercd)te wirb aud^ im galle eineö SSerftofeci^
^^^^Kfeit" fl^O^n baö e^cocrbot ber Sigamie Äonüaleöjenj ber neuen ®^c angenommen^
»T mme. ^^"^ ^^^ ®^el)inbcrnii} ber befte^enben ®t)e, beoor eö jur 31i4ltigfeitöertlörunft
ber neuen ®^c getommcn ift, wegfällt unb ber ®f)efonfenö ber ©Regatten bcr
neuen ei)e fortbaucrt. ^nd) boö preug. 31. 2. dt. II, 1 §§ 942—945, ba&^
gotf). e^cgef. o. 15. 9luguft 1834 § 24 unb bie altenb. ®^corbn. d. 13. aßai
1837 § 7 laffen wenigftenö bann Äonoaleöjcnj eintreten, wenn, bcoor cö jur
3lid)tigfcitöerflärung bcr jweiten ®l)e gefommcn, bie frühere ®l)c aufgeloft
ober für ungültig crflärt ift unb bcr boppclt oer^eirat^ete ®^cgattc bei ©in«
geljung ber neuen ©Ijc feine frühere ©Ije an& entfd^ulbbarcm Srrti^umc für
getrciuit l;iclt. SBenngleid) Slüdfid^ten ber Silligfcit nnb ber Sd^onung für bic
Sutaffung ber Äonoaleö,^enj ber neuen ©^c nad) SBcgfall beö l)ier fraglic^ea
^inberniffcö fprcd)cn, fo ift cö bod), namcnttid^ im §inblirfe auf bie
Scftimmungcn beö Str. ®. 33. § 171 (ocrgl. oben S. 52), alö bcbenflid) er*
ad^tet, in bcr ^icr fraglichen ^infid^t bic allgemeinen ©runbfäße (§ 109) ja
burd)brcd^en. knd) in bcr 93cfd)ränfung beö prent. 21. £. 9t. empfiehlt fic^
eine 3luönaf)mebeftimmung ni^t, weil praftifd^c Jlücffid^tcn, inöbefonbere bie
Un^ürtiöfeit bcr (Sl&c. 9«*tiöfeit§örünbc. §§ 1250, 1251. 53
Äücffit^t auf bic ©id)erljcit bcö SScrfcIircö, bagcgcn fprcd^en, bic (Sntfdöcibung
bcr gragc, ob ftonoalcsscns eingetreten ift ober nid[)t, oon bem Seroeife meljr
ober rocniger fd)n)er feftsuftcllcnber SSoraußfegungcn, näm(id) uon bcm Scioeife
eines entf^ulbbaren Srrt^umeö beö eine neue ®^c fc^ticf^enben ©Regatten,
abhängig 5U ma^en.
4. S)ie 33eftimmung beä § 1250 Sir. 3, bofe eine gegen bog Sßerbot bes sw^tigfeit
% 1236 oerftofeenbe 6^e nid^tig ift, fte(jt mit bem fat^olifdf)en unb bem pro« roSfc^ft
teftQutifc^en 6f)ered^te unb allen neueren ©efe^gebungen im ®in!(angc (ücrgf. ^^
preufe. 21. 2. SR. II, 1 §§ 3, 6, 935; code civil girt. 184, 161, 162; bab. ®cf. '^^a^'
0. 9.S)cicmber 1875 § 2 lit. c; fäd)f. ©ef. o. 5. 9iooember 1875 § 3; got^.
e^egcf. V. 15. Sluguft 1834 § 2 lit. b— d, § 23; altenb. (g^eorbn. t). 13. ^JKai
1837 § 4 9lr. 2, § 6 uerb. mit bem attenb. ®ef. u. 25. aWai 1879 § 8; ©ef.
für 3teuB ä. S. o. 3. 3Rai 1879 § 3).
2)ic ÜWebrjal)! bcr beftel)enben Siechte bclmnbelt auch baö ®bebinbcrni§ «>optiD»ej.
ber äboptiooerroanbtf^aft (§ 1240) afö ein öffentlidjeS trennenbeö ®I)es auffc^iebenbc«
l^inbcrnife, inöbefonbere baö fat^oUfc^e imb baö protcftantifdjc ®I)ereci&t, baä ®^^^^"^*"*^*-
fd(^f. ®ef. D. 5. 9iot)ember 1875 § 3 (oergf. fäc^f. ®. 33. §§ 1614, 1621), haQ
6ab. ®ef. v. 9. Sejember 1875- § 2 lit. c unb bas got^. (Sf;cgef. o. 15. Sfuguft
1834 § 2 lit. e, § 23. 3laä) preufe. 91. S. 9i. II, 1 §§ 985—987 bcgrünbet
Stboptiüücnüanbtfd^aft jroor ein trennenbeö, aber nur ein priüatcö (Sfie^inbernife.
SBirb bic @^c in ber golgc gültig, fo wirb ba^ burd^ bic 9lboption begrünbete
SJer^ältnife als erlof^en angefe^en. S)aS franj. Siecht entbält in bcr ()icr
fragli^en S5cjicl)ung feine bcfonbcrc 33cftimmung. I)ic Ijcrrfc^cnbc SOJcinung
legt bem ©^coerbote bcr Slboptioocrroanbtfc^aft nur bcn Saratter cincö aufs
fc^icbenbcn G^cl|inbcrniffeö bei. 2)icö fc^cint auc^ ber, allcrbingö nid^t
unbcftrittcne Stanbpunft ber attenb. ®^corbn. o. 13. äßai 1837 § 35 oergt. mit
§§ 4—6, 163, 165—193 ju fein (oergl. aud^ altenb. @ef. o. 25. Sßai 1879
§ 8). 91uf bemfelbcn «oben fte^t baö ®ef. für SRcufe ä. 2. t). 3. aßai 1879 § 14.
®cr üon bcm preufe. 91. 2. 5f. eingefdölagcne SBcg, nad^ locld^cm baö
©^c^inbcmife bcr 9lboptioocm)anbtfd^aft nur ein 9lnfed)tungdred^t bcö 9(n^
genommenen begrünbct, ift, l^ingcfel)en auf bic biefem ®l>el)inbernif|c ju
®nmbc licgenbc ratio, nid^t ju billigen. S)aö ^rinjip bcr 9lboption, nac^
tocl^cm bcr 9lngcnommenc bic red^tlid^e Stellung cineß cfielidjen fiinbcö bcö 9ln'
ne^menbcn erplt (§ 1601), füljrt an fid^ fonfequent ba^in, bcm ®f)e^inberniffe
ber äboptioocnoanbtfdiaft bicfclbc SBirfung bcijulcgcn, toie bcm ber Slutö^
»crroonbtfd^oft. 9ludö SRüdEpc^tcn bcö 9lnftanbcö unb bcr 9lufred^terbattung ber
Sittcnreinftcit in bcm burdi bic 9lnnaf|mc an Äinbeöftatt begrünbeten Familien-
leben laffcn fid^ bafür anführen. Schlägt man biefcn 2Beg ein, fo bleibt
troft ber ß^cfd^licfeung baö burc^ bic 9lnna^mc an Äinbeöftatt begrünbete SSer?
WltniB an fid^ unberührt. S)a jcbo^ bic ®^c nid^t fraft bcö ©efefecö atö nid^tig
bc^onbelt wirb, fo entfielt bic notJ^menbig ju Äonfliften fü^renbe Unjuträglid&feit,
baB neben bem bur^ bic 9lnnal^mc an Äinbeöftatt begrünbeten 93crt)ältnif|c
jugleic^ bic Gl|c fo lange beftcl)t, biö bic legterc für nidjtig ertlart ift. S)iefc
Unjutrdglid^fcit toirb Dcrmieben, mcnn man bcm ®f)el)inbcrnific ber 9lboptiü*
©eruKinbtfc^aft nur auffd^iebenbe SBirfung beilegt unb juglcid^ bcftimmt, bafe
tnit Sc^lieftung ber ©^c bic 9luf^ebung beö burcö bie 9lnna^mc an Äinbeöftatt
54 UnsültioMt bcr S6c. 9li(i&tiflfcitßörünbc. §§ 1250, 1251.
jToifdöcn bcn (gficfd^ücfeenben begrünbeten SBcrpltniffeö fraft bcö ®efc|ed
eintritt (§ 1631 9Ibf. 1). ®a feneö «erpltnife ein fünftlid^ gcfd&affeneö unb
mä) bem § 1629 auc^ eine üertragömäfeige 9luf^ebung befifelben jugelaffen
ift, fo ftef>en ber Dorfte^enb bcjeid^neten Siegelung prinjipiclle Sebenfen nid&t
entgegen, änbererfeitö [pred^en überroiegenbe ©rünbe bafür, wenn einmal
baö burd^ bie annähme an Äinbcßftatt begrünbete ®ltcrn* iinb Äinbe&^
Derl^ältnife in golge ber ©d^Iiefeung einer 6^c jroifc^cn ben burd^ 2lnna^me
an Äinbeöftatt Derbunbenen 5ßerfonen fattifd^ jerftort ift, aud^ rcc^tlid^ bie
3luf^ebung biefeö 83erpltnijfeö anjuerfennen, bie ®f)c aber aufredet ju erhalten.
2)aö öffenttid&e Sntereffe, rocld^eß jur StuffteDung beö f>ier fraglid&en ßl^e*
l^inbernijfeS geführt {)at, wirb burd^ bie auffd^iebenbe SBirfung beöfelben unb
bie Seftimmung beö § 1631 Slbf. 1 in auöreidjenbem SWafec gefd^ügt. ©in
Sebürfnife, bie ©urc^fü^rung beö (S^e^inberniffeö aufeerbem nod& burd^ eine
befonbere ©trafbeftimmung ju [d&üfeen, liegt nid^t vor.
Äuff^iebenbe 5, ©Qg fat^olifd^e unb baö proteftantifc^e (Sfiered^t, foroie üerfd^icbene
«JewÄotc? neuere ©efefegebungen (oergl. preufe. 31. S. 91. II, 1 § 937; bab. ®ef. t».
ciSSJ^c« ^' 3)cjember 1875 § 2 lit. i; ^eff. ©ntro. II, 11, 55) fnüpfen bie Sßic^tigfeit ber
6^e aud^ an einen SSerftofe gegen baö (S^enerbot wegen (S^cbrud&eö. Dagegen
^abcn ba& fäd[)f. ®cf. o. 5. 5Rot)embcr 1875 § 7 (oergl. auc^ fäd^f. ®. S3. § 1627)
unb baö gotf>. ©fiegef. ü. 15. 9luguft 1834 §§ 13, 22, 23 biefem ef|et)crbote nur
ouffd&tebenbe SBirtung beigelegt, baneben aber bie Uebcrtretung beöfelben mit
©träfe bebro^t. Sluf bemfelben Soben fd^einen in erfterer ^infid^t auc^ ba^
altenb. ®ef. t). 25. SRai 1879 § 8 (abroeid&enb bie altenb. e^corbn. t). 13. aJIai
1837 §§ 5, 6) unb baö ®ef. für 9leu6 ä. S. t). 3. DJlai 1879 § 14 ju fielen.
S)cr Code civil entl)ält feine auöbrüdEIi^c 93eftimmung über bie SBirfung beö
(S^e^inberniffeö beö S^ebrud^eö. 9lad^ ber ^errfd^enben äneinung l^at baö @^e»
^inbemife nur bie SBebeutung eineö auffd&iebenben ®f)e^inbernijfeö.
I)er ©utrourf ^at fid^ ber julegt gebadeten ®ruppe t)on SRed&ten am
gefd^loffen. ®egen bie Ungültigfeit einer gegen baö SSerbot beö § 1237 Der*
ftogenben ©^e föUt Dorne^mlid^ inö ®tmä)t, bag eö fid^ nur um ein biöpenfabteö
©^e^inbernife ^anbelt. ®aju fommt, baft bie ?lic^tigfeit oba' Slnfed^tbarfeit
ber ©bc ^ier ju einem wenig befricbigenbeu Slcfultate fü^rt. 3)en ©Regatten
bie 9lid^tigfeitöflage ju geben, nad^bem fie unter SSer^e^Iung beö entgegen^
ftel^enben ^inberniffeö bie ©(je erft gefd^Iojfen f)aben, ift mifelid^ (üergt. aud[^
bab. S. SR. ©ag 298 a unb bab. ®ef. ry. 9. Scjember 1875 § 2 lit. h; |ieff. ©ntro. II
9lrt. 11, 55); anbcrerfeitö fann man baö Siedet, bie Sßid&tigfeitöerflärung ber
©^e ^erbeijufü^ren, füglic^ aud^ nic^t bem ©taatöanmatte aDein einräumen,
menn man biefen galt ber SJic^tigfeit nic^t iu einem ganj eigenartigen mad^en
mill. Sic 9lnfed&tbarfeit entfpric^t nid|t bem 5tarafter beö ^ier fraglid&en
©^e^inberniffeö alö eineö öffentlid^en unb ©erfagt auc^ beöl^alb, roeil bie um
mittelbar Sct^ciligten in ber Siegel fid^ ^üten mürben, t)on bem Slnfe^tungö^
redete ®ebrauc^ ju mad&en. ©ö bleibt j^iemadö "ur bie älnna^me eineö auf-
fd^iebenben ©^e^inbernij^cö übrig. S)a aber roicfitige öffentltd^e Sntcrcffen bei
bem ©^eoerbote beö § 1237 in grage fommen, fo ift baneben ju beren ©c^u|e
eine ©trafbeftimmung (oergl. Slnm. 1 unter I, 1 ju bem Unterabfd^nitte „IV.
Ungültigfeit ber ®t|e") nicfit ju entbehren, um fo weniger, alö gcrabc in bem
Uiiflültigfeit ^er (S^c. Snid&tigfeitggrünbe. §§ 1250, 1251, 55
^Icr in SRebc ftcl^cnbcn gattc bic OcfQ^r na^e liegt, bofe baß ©^eüerbot nid)t
yax Äcnntnife bcfi ©tonbcöbeatntcn gelangt. Xuvä) bie ouffc^iebcnbe SBirtung
bcÄ ©l^coerboteö in SBcrbinbung mit ber ©trafbeftimmung roirb ber B^Jed bcö
(S^cDcrbotcö im SBcfcntlic^cn errcid^t rocrbcn.
6. S)a bie e^c auf bem 9lcdjtägefc^äfte ber ©fiefc^Iiefeung berulit, fo ^^^^^^
toürbc no^ ben allgemeinen ©runbfäfeen beß -©efefebu^eö (§§ 95, 96) bic ©tnmiQtu>n.
6^c auc^ bann nichtig fein, lücnn bie 93oraußfefeungen üorliegcn, imter welchen
ein SRcd^tögefd^äft wegen 3KentaIreferüation ober Simulation nidlitig ift. 3la6i
röm. SRec^tc ift eine fimulirte ®^e nid&tig (1. 30 D. de rit. nupt. 23, 2). Ob
bicö auc^ nad) gemeinem SRed&te anjunelKiien, ift beftritten. 3" neuerer 3^it
ift namentlid^ unter ^inroeiß barauf, bafe bic ®^e nic^t me^r ein unfeierlid&er 3lft
fei, fonbeni in publifer SBeife üor einem ftaatli^en Organe oolljogen werbe, baß
(Segent^etl außiufül^ren Dcrfud^t. Slud^ barüber ge^en gemeinrec^tüc^ bie 3ln-
fid^tcn auöcinanbcr, ob im ^aUe einer 2llentaIrefen)ation bie (S^c nid^tig fei
(öcrgL c. 26 X. de spons. 4, 1). S)ie neueren ©efefegebungen t)aben fid^ in
btn l^ier fragli^en SBejiel^ungen febcr außbrüdlid^en 93eftimmung enthalten.
yiad) bem ©ntrourfe ift, roic ftd^ auß ben ©ingongßroorten beß § 1250 in
SScrbinbung mit § 1250 5Rr. 1—3 unb § 1259 ergiebt, bie aUentat^
refcrDation unb bie ©imulotion in oDen göUen auf bie ®ültig!eit ber ®t|e
o^nc ©influfe. ®ieß entfpric^t für ben galt ber äßcntalreferüation, fofern ber
anbere @^egatte ben SDtangel ber Uebereinftimmung beß mirflic^en äSiUenß mit
bem crMärten SBiUen nici^t gefannt l|at, ben allgemeinen ©runbfdfecn beß
©efegbud^eß (§ 95 ©ag 1), enthält bagegen eine Slbroeid^ung mn ben lefeteren
für ben gaU, »enn ber anbere ©tiegatte jenen 3RangeI gefannt I)at, fomic
für ben gall ber ©imutotion (§ 95 Sag 2, § 96 äbf. 1). 5Diefc Slbroeid^ung
ift aber burd^ praftifd^c ©rünbc ber jroingenbftcn 9lrt geboten. 3)aß öffent*
lid&c Sntercffc geftattet nic^t, ben SlbfdiUife oon ©d^cine^en ju bulben. ©elbft
ber ^inroeiß auf bie SHöglid^feit einer folcfien im ©efcge ift in ^ofjem 2Ka§e
bebenflid^. S)aß S^iftitut ber ©^efd&Uefeung t)erträgt feinen SWifebrauc^. 2Ber
unter ben Dorgefd^riebenen 55ormcn erftärt, ha^ er bic ®^c fc^liefee, mufe ju
feinem SBorte fteben. S)ie ©eftattung ber ©d^einebc würbe aud^ bie für bic
S^ef^eibung aufgeftellten ©runbfägc unb bie in i^nen liegenben ©d^ranfen
iüuforifd^ i\i mad^en bro^cn, fomie }u einem tl^atfä^lid^en SSer^ältniffe bie
SRögUd^feit gemö^ren, meld^eß einer @^c auf Qtii jiemlid^ gleidf)fömf . liefen
Stüclfic^ten gegenüber fann iiuf ben @inn)anb, ba| baß 93er^öitni§ in fällen
ber ^icr ooraußgefe^ten Slrt meber redjtlid^ nod^ ftttlid^ eine ®f)c fei unb bag
mon bie 6^cfd&Iie§enben nid^t jur ©träfe bafür, ba^ fie bic gorm ber (S^e*
fd^üefeung mifebrau^en, mit ber ©träfe ber ®f)e belegen fönne, entfd^eibenbeß
©eiDid^t nid^t gelegt werben, äuc^ beim ©runbbu^ired&tc (oergl. §§ 832,
1087, § 1091 3lbf. 3, § 1106 äbf. 2, § 1107 SKbf. 2, §§ 1134, 1144) ift auß
praftif<^cn ©rünben oon bem ©runbfaße beß § 96 9lbf. 1 jum ST^eil ab-
gewichen.
9luß ä^nlic^en ©rünben, wie biejenigen, welche ba^in gefüfjrt ^aben, st^er».
ber 2Jlentalrefen)ation unb ber ©imulation feinen ®influ§ auf bie ©ültigfcit
ber &fc einjuräumen, foll aud^ im gaHe beß fog. guten Sd^erjeß (§ 97) bie
SJi^tigfeit ber ©^e außgefd&loffen fein. SRegelmäfeig wirb übrigenß in ben bier
1
56 Ungürtigfeit ber S6e. ?Re*tU*er Äaraftcr ber 5ni4tigfeit. § 1252.
in gragc fommenbcn gällcn oI)ncl^in bic ©ad)c fo liegen, bafe entrocbcr bic für
bie (Sfiefd^Iiefeung rorgefcfiriebene gorm nid^t beobad^tct ober eine SWental^
referüation ober Simulation anjune^men ift.
3Begen ber öel^anblung ber ^olle beö fog. roefenttic^en 3rrtt)umeö bei
ber e^efd^üefeung (§§ 98, 99) üergL § 1259 unter 3lv. 2 ncbft SWotioen.
§ 1252.
ÄttrVftcr ber 9tuö bettt ^ßriujipe ber Jlid^tigfeit mürbe an [ic^ folgen, bafe 3cber, auf
e^ier*eT/ ^^^"'^" 9ied|t§oer^ältniRe bic ®£|e, wenn fie gültig roäre, Don ©inffufe fein
roürbe, fidf) auf bie 3lic^tigfeit ber ®^e berufen fönnte, fei eä burd^ ©citcnb*
madjung eincä 9lnfpruc^es, beffen ®üttig!eit burc^ bie 9ii^tigtcit ber @^c
bebingt ift, fei es im SBege ber (Sinrebe burd& 93eftrcitcn eines 2tnfprud&eö,
beRen ©ültigfeit oon ber SHed&töbcftänbigfeit ber @^e abf)ängt. 3laä) bem
SSorgonge beö fatf)oIifdf)en unb proteftantifdfien ©^ered^teö unb ber neueren
^artifularred&te (üergl. preufe. 91. 2. 31. II, 1 §§ 950—952, 960—962 in SScr:*
binbung mit ber preu§. SSerorbn. d. 28. 3uni 1844 § 5 ; code civil Slrt. 186
bis 191; bab. S. dt, ©ag 180—191 rerb. mit bem bab. ®ef. d. 9. ©ejember 1872
§ 2; fä^f. ®. 93. §§ 1620, 162JL üerb. mit bem fäd&f. ®cf. v. 5. SJonember 1875
§ 3; got^. ©fiegcf. d. 15. Sluguft 1834 §§ 23, 71; altenb. ©Ijeorbn. x>.
13. aßai 1837 §§ 6, 163; ^ejf. ©ntm. II 3lrt. 56—63; ©ntfdö. b. SR. ®. in
eiüilf. IX, 57 ©, 214, entfd^. b. SR. ®. in ©troff. VII, 42 ©. 136) unb im
arnfd^tuffe an ben § 588 ber ß. % D. (Dergt. audö § 171 bcs ©tr. ®. ».; § 34
beS SR. ®ef. über bie 33curfunbung bcs ^erfonenftanbes u. f. m. t). 6, gebruar
1875) gel)t iebod^ ber ©ntmurf baron aus, bofe eine nid^tige ®^c regelmäßig nid^t
m^^unTber ^^"^ SBcitcrcs afs uid^tig betianbelt merbcn foll, fonbem bie SRid^tigfeit ber*
9ii<*tiflfeit im fclbcu ttuf ©ruub ciucr SRi^tigfcitSflagc in einem befonbcren aScrfal^ren burd^
Äßfeu«. rid^terlidöcs Urtf)eit feftgeftettt mcrben muß unb bis baf|in, baß biefe gcft*
Hage. ftcQung erfolgt ift, in einem anbcren SBerfafiren über bie SRid^tigfeit ber (S^e
incidenter nid|t ücrl^anbelt unb entfd^ieben mcrbcn barf. (Sine Äonfequenj
bicfer 9lrt ber ©eftaltung ber 5Rid&tigfcit ift es, baß bie nid^tigc ®^e
bis iur SRid^tigfeitserflärung einftmeilcn als gültig anjufc^en ift (9lbf. 1).
®rfoIgt aber bemnäd^ft bie SRidtitigfeitSerflärung, fo ift es, t»orbel^altUd& bc^^
fonbcrer 9lusnat)men (ocrgl. §§ 1257, 1258, 1562 ff.), fo anjufef>cn, als
ob bie ®t}t nid^t gcfd^loffen märe (9lbf. 2). S)ieS cntfprid^t aud^ bem be^
fte[)enben SRec^te (oergl. ©euffert XII, 342; preuß. 91. 2. SR. n, 1 §§ 952 bis
955; fäd&f. 03. 93. §§ 1628, 2054; code civil 9lrt. 201, 202; got^. (S^cgef. t).
15. äuguft 1834 § 23). ®abei ift iebod^ bas aScr^öltniß nid^t fo ju benfen,
als ob bie ®f|c erft burc^ bie SRic^tigfeitScrflärung überliaupt ju einer nid^tigcn
mürbe, fonbem bas Urt^eil ^at nur betlaratorifd^c 93ebeutung (oergt. (Sntfd^.
b. SR. ®. in ßioilf. IX, 57 ©. 214). ®ie ©igcnt^ümlid^feit bes aSerfidltniffes
befte^t lebiglidi barin, baß bie fc^on oorf)er Dor^anbenc SRic^tigfeit bis jur
SRid^tigfeitSerflörung ber ®^e incidenter nid^t gcttenb gemalt werben fann.
S)icfe Gigcntl^ümüc^feit re^tfertigt fid^ burd^ ben 9lusfd|(uß ber ^ßrioat*
bispofition über baS SRec^tSüer^ältniß ber ®^e unb baS Sntereffe bcs ©toatcS
Unöürtiörcit ber ß6c. {RetJ^tKc^er Sara!tcr ber Tu*tigfeit. § 1252. 57
on ber 2t«fred6tcrf)altung oü^tifl^^ ®f)C"/ ^^^^^ ^ic 9läc!fid)t Quf bie offentlidöc
Crbnung unb bie ©i^erl)cit beö aScrfcl)rcd, foioic burd) bic ©rroögung, bafe
es jur SJcmtcibung roiberfprec^enber Urlf)ci{e ratlifam ift, locim bic 9Jid)tigfeit
ber 6^c, foroeit t^unUd), in einem befonbercn S3erfal)ren ein()eitli(^ mit
SBirfung für unb gegen SlUc (§ 1256) feftgefteüt wirb. 9luf ber onberen Seite
börf aber unter bem ©runbfa^e beö 9lbf. 1 boö materielle Mec^t niä)i
leiben. @ö barf bal)er, wenn bie (Sntfc^eibung eincö anberen SRed)töftreitcö
boüon abfjongt, ob bie ©f)c nici^tig ift in biefem anberen SWcc^töftrcite bie öe-
rufimg auf bie Slici^tigfcit ber 6^e nic^t übert)aupt auögefc^loffen merbcn; vkU
mc^r erforbert es bic materielle ®eredt)tigfeit, bafe in einem fold^cn g-alle baö
Serfo^rcn in jenem anberen 9led)t6ftreitc biö jur ©rlebigung beö 9ledf)t§ftreiteß
über bic 9tic^tigfeitöffage auögcfe|t bejm., menn bic le|tcre nod) nidit erhoben
ift, auf SIntrag ber Partei, roeldtic auf bic 5Uid5tigfeit ein 9lngriffö=^ ober SSer-
t^ibigungömittel grünbet, biefer 5ßartei unter 9luöfegung beö SBerfatirenö eine
Mt jur erl^cbung ber 9iid&tigfcitßf(agc (oergl. § 1253) beftimmt mirb. S)er
§ 139 ber S. % D. geroöl^rt in biefer ^infid^t feine genügenbc 9lust|ülfe, ba
er einerfcitö bem ®erid)tc bic Sluöfe^ung beß SSerfa^renö nid&t jur ^flid)t
mac^t, anbererfeitä bie Scfugnife beö ©erid^teö jur 9luöfegung nur auf bcn
^ü bcfc^ronft, wenn in 3lnfe^ung ber pröiubijiellen gragc ein 9ie(^töftreit
bereits anhängig ift. Um biefc Sücfe auöjufüDen, foU ber § 139 ber
C. % D. burc^ baö ©infüfirungögefeg in ber in ber ^Inm. 1 ju bem Unter*
obf^nittc „IV. UngiUtlgfcit ber e^e" unter III 9lbf. 1 bejeidjnetcn SBeife
ergänst roerben.
2)er Orunbfafe beö 9lbf. 1 foU inbeffen nur bann Slnmenbung finben, «"»««bung
wenn bic 9ii^ttgfcit ber 6^c nid|t auf einem gormmangel bei ber ß^e* ftn^cmemen
fd^licfeung berul^t; ift bic @l)e mcgen gormmangelö nid^tig, fo ift cö in ö»^""^^**«
©emäS^eit ber allgemeinen Orunbfäfec (§ 108) fo anjufcl)en, alö ob bic @^e
ni(^t gefc^Ioffen märe (9lbf. 2). 9Iur bann, wenn eine ®^e formgültig gc* im m^^ ber
fd^loffen ift, liegt ber öufeerc ©d^cin einer 6^c vor unb ift eine 33crmutl)ung ^e*"*^*^^^^^^
für Mc (Sultigfeit berfelbcn begrünbet. 9]ur unter biefer SSorauöfcfeung ift ein ^^rm*^
Sebfirfnife uor^anben, burd^ bic ^Rotl^rocnbigfeit ber 5Ridt)tigfeitöftage befonberc """"^^ '
(Soronticen ju fd^affcn. Snßbcfonbcre fefilt cö an auöreid^enben ©rünben,
bos einfoc^c unb flarc ^rinjip, baß bie SBcobad&tung ber mefcntlid&cn gorm
barübcr cntfd^cibet, ob 9lid^tigfeitöerf(ärung notliroenbig ift ober 9?id&tigfeit
traft bcfi ©efcfteö eintritt, für fotd^e gälle ju burd^bredgien , in TOctd&en Ijin-
fid^tlid^ ber 3wii^^w"9 ^^^^ 3^^^9^^ ^i"^ loefentli^c SSorfd^rift oerlcgt ift ober
bie 9lic^tigfcit barauf beruht, bafe eine ^etfon böS 9lntt beö ©tanbeöbeamten
too^genommcn ^ot, meldte l^icrju nid^t befugt mar (§§ 1245, 1248). Ob eine
<5^e liegen gormmongetö nid^tig ift, wirb in bcn feltcnften ^ftüen jroeifelljaft
fein. Sollten aber in einjelncn gällen S^^^ifel über bie ©ültigfeit ber ®()e
in ber einen ober anberen Jßinrid^t entftefien, fo finb bic ©Regatten iebcricit in
ber SJage, im SBegc ber gcftftellungöflage eine (Sntfd^cibung über bcn ©runb
ober Ungrunb beö 3w>cifclö ^erbeijufü^rcn. ®er Stanbpunft beö ©ntrourfcö,
boB bie Scobad^tung ber mefentlid^en gorm barübcr cntfd)eibet, ob 9lidt)tigfcitö^
erflarung cinju treten ^at ober ni^t, cntfprid^t audf) bem gemeinen Sk^tc
(wrgt. ©ntfd). b: dt. ®. in ßiüilf. IX, 57 ©. 214) unb im aScfcntlidtien bcn
58 Uuöültiöfcit ber (gj^c 9}i(j&liflfcit«ragc Scflitimation. § 1253.
neueren, auf gemeinred^tlid^er ©runbloge berul^nben (Sefelgebungen, roenn^
gleich bie festeren ftd^ über bie grogc nid^t immer mit genü'genber ftlor^eit
auöfpred&cn (nergl. für baö preufe. Siecht ©ntfc^. b. SR. ®. in ©traff. vn, 42
©. 136; ferner fä# ®. 93. §§ 1620, 1621 unb fäd^f. ®ef. d. 5. 5Woüember
1875 § 3). 3)aß franj. 9led^t »erlangt bagegen aud^ im gälte bcr aSerleßung
roefentU^er gormlid^feiten bie 3iid|tigf eitöerKärung ; bocö nimmt bie Suri«^
prubenj an, bofe bie (S^c wegen SBerlegung roefcntlic^er gormlid&feiteu in
gcmiffen gällen, namentlid^ wenn biefelbe überl^aupt nic^t t)or einem Stonbeö«
beamten gcfc^loffcn würbe, fd^on fraft beö ©efegcö ate nid^t beftel^enb anju^
feilen ift (üergl. code civil 3lrt. 191; bab. ®cf. o. 9. ©ejembcr 1875 § 2 lit h).
*«^öf* ^^^ ^^^ ^" ^^^ %oXi^^ in roeld^em bie 9lic^tigfeit ber ®^e nid&t auf einem
"ober""" gormmangel beruht, fommen, o^ne bafe cd einer 5Rid&tigteitderMärung bebarf,
""ertiään***' ^^^ attgemeinen ©runbfä^e ber 9lid|tigfeit bonn jur änmenbung, mcnn bie
nid&tige @^e, fei eö burd^ Sob ober Sc^eibung ober in gotge Sobedertlärung
(§§ 1440, 1464), aufgelöft ober auf erhobene Slnfec^tungßflage l^in — bei
Äonfurrenj eineö änfed^tungögrunbeö — (§ 1260, § 1266 äbf. 1) für um
gültig crtlärt ift (3lbf. 2). Unter biefen aSorauöfefeungen fommen bie 9lücf:*
fid^ten, auf meieren baö Snftitut ber SRi^tigfeitsHage beruht, nid^t mclir ober
bod^ utc^t mctir in gleichem SRage in SBetrad^t. ®ic grage, ob bie @^e nid^tig
ift ober nid^t, ^at atebann nur nod^ für bie einjelnen Tiad^wirfungen ber
6^e 93cbcutung, bei melden baö offentlid^e 3ntercf[e um fo meuiger betl^ciügt
ift, als biefelben, foroeit fie Dermögenöred^tlid&er 9latur fmb, bcr ©iöpofition
ber Parteien unterliegen. Sin fi^ würbe cö iwar roünfd&cnörocrtfi fein, au(§
in 9lnfe^ung jener Jlad^mirfungcn roiberfprcd^enbe (Sntfd)cibungen tljunlid^ft ju
Dcrmeibcn; aUein bie 3itlöjfung einer bcfonberen Sßid^tigfeitÄHage atö ^t^U
fteQungdflage mürbe, menigftenö für ben gall, bag beibe ©Regatten t)erftorben
finb, Ijingefe^en auf bie grage, meldten 5)Jerfonen bie Äläger* bcjm. bie 83c*
ftagtenroUe jujut^eilen fei, auf unlösbare ©^roierigfeiten ftogen. Stud^ ift
baö für bie 9iid|tigfeilsflage beftimmte befonbere a3erfal)ren bcr S. ^. O.
(§§ 585 ff.) mit feinen bcfonberen ©arantieen für bie l^ier in SRebe fte^enben
gälte meber beregnet nod^ aud^ paffenb. 9Rit ber Siegelung beö Sntmurfed
ftimmt im SBefentlid^en audi baö geltcnbe SRc^t (ocrgL § 588 ber 6. ^. D.;
Urtl^. b. SR. ®. bei genner u. SRcdc II, 77) überein.
«infiuB ber ©ine Äonfcqucn j beö 9lbf . 2 ift eö, ba% burdb eine nid^tige @^e baö
«bwÄw gefefclid^e ©rbred^t bcr ©Regatten (§ 1971) nic^t begrünbet wirb. aBcI^en
«infi(*t. ginptu^ bie SRid^tigfeit bcr (Bf)t auf bie SBirtfamfeit einer legtmiUigen ^tv^
fügung i^ai, burd^ mctd^e ein @^egatte ben anberen bebaut ^at, ober auf bie
aßirffamfcit eineö jmif^en ben ®^egatten gcfd&Ioifenen (Srbeinfc^ungö* ober
aScrmäditnifeoertrageö, crgicbt fid^ auö ben §§ 1783 ff., 1948, 1949, 1962.
§ 1253.
9H(*tt9W«* 3)a& bie Älage, bur^ meldte bcantrogt wirb, bie ®^c für nid)tig ju
""^*' erflären (?li(i^tigtcitötlagc), in allen göUen oon bcm Staatöanroalte erhoben
werben fann, rechtfertigt fic^ burdi bie JRüdfic^t auf baö öffcntlid^c ^ntcrejfe
unb cntfpridjt bcm § 586 bcr 6. % D. 3»wicfcrn jur ©rljcbung bcr 9lic^tigfeitö^
Unflültigfdt ber g6e. giid&ttöfeitgflaflc. SeßiHmation. § 1-253. 59
ftoflc au&etbem ein g^cgattc ober ein 2)ritter befugt ift, foU mä) § 586 ber s«flitimation.
6. % 0. md) ben 5Borfd(|riftcn be« bürgcrlid^en SRed^teä fic^ beftimmen. S)ie ©eitenbe«
meiftcn neueren ©efe^gcbungen ^aben aufeer bem ©taQtöQnroQltc a\x6) bcm ^^^
g^egotten felbft baö ^e(^t jur ©r^cbung ber 9lici&tig!citsflage beigelegt (oergl.
Code dvü art. 184, 191; bab. ®e[. t). 9. ©csember 1875 § 2 lit. c unb h; iar)x.
(Sei. jur aiuöfü^rung ber Q. 5ß. D. v. 23. gebruar 1879 3Irt. 93 für bie Sanbcö^
l^e red^tö beö 9i^eind; fäd&f. ®ef. v. 4. aWärj 1879 § 2; oltenb. ®ef. v.
25. aRärj 1879 § 8; ®cf. für 9leufe ä. S. t). 3. aWai 1879 § 15; ^eff. (Sntn). II
8rt. 56). ®er code civil ärt. 188, baö bab. ß. 31. Safe 188, baß ®ef. für
3leu§ &. 2. 0. 3. anoi 1879 § 17 unb ber {|eif. ®ntn). II 3lrt. 58 räumen ferner
für ben gaU ber S3igamie aud^ bemienigen, mit roeld^em bie früliere (S^e
gefc^Iojfen mar, ieneö SRed^t ein. 3laä) bem code civü ärt. 184, 186, 187, 191,
bem bab. @cf. n. 9. 2)ejembcr 1875 § 2 lit. c unb h, bem ba^r. ®ef. o.
23. ^bruar 1879 2lrt. 53 unb bem ^eff. ©ntm. II Slrt. 56 fann aufeerbem bie
SKd^tigfeitöHage im ^rinjipc t)on iebem dritten erhoben merben, meld&cr ein
re^tli^eö 3nterefle baran ^at, bafe bie @f)t für ni^tig erflärt merbe. Db
unb inmiemeit aud^ nad& benjenigen SRed^ten, roeld&e in ben liier fraglid&en
9e}ie^ungen audbrücflic^e 99eftimmungen ni^t enthalten, indbefonbere nad^
))ceu^ Siedete, auger bem Staatöanmalte auc^ bie ©Regatten felbft unb britte
beteiligte ^erfonen ald jur 6rl|cbung ber 5Wid^tigfeitöflagc befugt anjufelien
jinb, ift bcftritten.
S)en e^egatten felbft ba& Siecht jur ©rl^ebung ber 3lid^tigfcitö!lage bei* etQnbpunrt
julegen, fann einem S3ebenfcn nid^t unterliegen. 3)a bie 3lid&tigfeitätlagc fidb entwürfe«.
ate eine Älage auf geftftellung beö Slid^tbefte^nö ber (g^ farafteriftrt, fo
entfpric^t cd f^on ben aÜgemeinen ®runbfä6cn über bie guläffigfeit üon geft^
jteHungöHagen (§ 231 ber G. 5ß. D.), bafe bie 5Wid&tig!eitöflage üon ben 6^*
gatten felbft alö ben junä^ft unb unmittelbar beteiligten 5ßerfonen mufe
erhoben merben fonnen. S)ie SInerfennung bicfer Sefugnife ift jubcm burd^
bofl 3ntereffe ber (S^CQaüm bringenb gebotett. @3 fann nid)t lebiglid^ von
bem ®rmeffen unb ber red^tlic^en SSeurt^eilutig bed Staatdanmalted unb ber
bcmfflben oorgefefeten ^el^orben abhängig gemad^t merben, ob ein @l|e9^^^/
rodd^ in einer nid^tigen @e 8W leben t)crmcint, gejmungen fein foU, in ber^^
felben meiler ju leben. @benf omenig fann, menn bie @e 0^0^^ ^^^ Verbot
bed § 1284 Derftögt, bemienigen bie 92idt|tigfeitdflage verfagt merben, mit
loelcf^em bie frühere @t)e gefc^loffen mar, ba berfelbe burd^ bie neue ®e in
feiner Kcc^töftcUung unmittelbar ©erlegt ift ujib an ber Slid^tigfeitöerfldrung
ber neuen 6^ ein bringenbed red^tlid^es Sntercffe ^at ^xoü\eü)a\itx ift bie
Cntfc^ibung ber ^age, ob ba& 9ieä)t jur @rl|ebung ber 92id^tigfeit3flage aud^
auf anbere beteiligte ©ritte auögebel^nt merben foll. 2)iefeö SRcdfit jcbcm
iCritten einunrfiumen, meld^er irgenb ein rec^tlid&eö S^^tercffe baran l^at, ba%
bie ee fü^ nid^tig crtldrt merbe, fü^t ju meit. dagegen fprecfien über*
megenbe ©rünbe bafür, einem 2)ritten bann jeneö SRed&t beijulegen, menn
bemfelben im golle ber Slic^tigteit ber @e ein Slnfprud) juftetit ober im gaüc
bcc ©ultigteit berfelben eine SSerbinblid&teit obliegt. 6ö lä^t fid& jmar ni^t ocr*
fennen, bag äRance^ bagegen ju fprcdjen fd^eint, britten ^^crfoncn, meld)e
melleit^t nur ein untergeorbneteö Sntcrcffe an bem Söcftanbe ober JJic^tbeftanbe
60 Ungürtiöfeit bcr SBc. 5fti*tiflfcit9frage. ?^ro5c6fä6iöfcit. § 1254.
bcr G^c f;oben, übcrl^aupt bic SWad^t cinjuröumcn, bicfcii öeftanb in ^ragc
ju [teilen. 3nbcf?cn bei genanercr Setrad^tung tann 2lnfto6 boran nid^t
genommen merben. 3)urd^ ben Orunbfa^ beö § 1252 9lbf. 1 ift bcm ©ritten,
bcfjen 3lnfpnid^ ober SSerpffidjtung bur^ bie Slic^tigfcit bcjro. (Sültigfeit bcr
6^e bebingt ift, baö if)m an fic^ juftcljenbc SRed^t, bic SJid^tigfeit incidenter
gcitcnb }u mQd)en, entjogen. 2)qö not^mcnbigc ftorrclat ift, i^m bas Stecht
}ur ©rljcbung ber 9lid^tigfeitöMage i\u geben, ©od rcditnc^c 3ntcrcffc bei^
2)ritten qu bcm S)cftanbe ober 9lid|tbeftanbe ber @^e fonn ein fe^r cr^eblid^cfi
fein (SlIimentationöQnfprud), SRed^te an^ bem ©üterücr^ältniffe, 9ied)te an& ber
elterlid)en ©emalt, ?2ad6fo(ge in 2et)cn unb gibeifommiffe, 9iled)t Quf ben
©enufe einer Stiftung u. f. ro.). S)ie SWöglid^feit, fid^ an ben Stoatßanmalt
ju menben, bamit biefcr bic 3Uc^tigfcitöHogc ertjebe, gemährt bem S)rittcn nicftt
biefclben ©aranticen. 2tnbererfeitö finb c^ifanbfe ^lid^tigfeitöprojeRc nid^t p
beforgen. S)ic ben unberufenen Äläger trcffenbe Äoftenpftid^t unb bic ©cJ^öffig^
feit beß ©d^ritteö finb gcnügenbc ©d^ranfcn. 3)ie gültige (glje läuft aud^
feine ©efa^r. 3n bem mit ben locitcften ©aranticen umgebenen aScrfa^ren ift
ben ©Regatten bie üKöglidjfcit geboten, alles jur 3Bat)rung il)rer SWcd^tc
©rforbcrlidic üorjufe^rcn. 3ft aber bic ®^c nid)tig, fo entfprid;t cö burd^auö
bem öffentlichen 3ntcrcf(e, menn biefe 9lid)tigfcit, fei cß and) nur burc^ bad
9Sorgcf)cn eincö bctljciligtcn dritten, aufgcbcctt roirb.
oerer6n<^feit. S)ag nad) bcm STobe eincö bcr ®f)cgatten bie 9lid^tigfeitöflagc uon bcit
©rben bcöfelbcn nid)t crijobcn werben fann, ergiebt fid^ fc^on aus bem § 1252
Slbf. 2, nadö iDcldjcm, mcnn bic nid^tigc ®^c aufgetöft ift, bie allgemeinen ©runb^
fä^c ber Siic^tigfcit Slnmenbung finben. ©bcnforocnig gel)t im galle ber SSigamic
baö Siedet bcß baburd) ucrtc^tcn 6(|cgatten ber früljeren 6^c, bic ^lid&tigfcitßflagc
iu crl)cbcn, auf bie ©rbcn als folc^c über, ba baö 9kdl)t bcö 33crftorbcncn auf SSer*
nidjtung ber neuen ©t)c fid) auf ben SJcftanb bcr früheren 6l)c, mithin auf ein
l)od)ftpcrfonlic^cöSRcd)töDcrl)ältni6, grünbct (ücrgt. §2051). 93crul}t bic SBcfugni^
jur ®r^cbung bcr 5Rid^tigtcitö!lagc barauf, bafe bcr Slnfpruc^ ober bic 3Jcrpflid)tuug
bcö jur ©r^ebung ber 9lid)tigfeitöflage bered^tigten ©ritten burd^ bic 9iid^tigfeit
bcjn). ©ültigfcit bcr 6ljc bebingt ift, fo fönncn bic ®rben bcö ©ritten bic
?lid&tigfeitötlagc nur bann crl)cbcn, menn ber Slnfprud^, roeldöer ben SRccfttö^
grunb für baö iRcd&t 5ur ©rl^cbung bcr JUd^tigfcitöftagc bilbet, auf fxc übcrs=
gegangen ift bcjro. bic $ßerpfUd)tung , fallö biefelbc bcftänbc, auf fic über*
gegangen fein mürbe, ©omeit bicö bcr gall, treffen in bcr ^crfon bcö ®rben
bic SSorauöfcJungen bcö Sag 2 5u.
§ 1254.
^rojcifa^ig. SBennglcic^ oom praftifd^en Stanbpunftc auö S3cbcnfen bagcgen erhoben
'*"• TOcrben fönncn, einem- in bcr ©efd&äftöfäliigfeit befd^ränften ©Regatten, inö?
befonbere einer minbcrjät)rigen ß^cfrau, in einer fo mid^tigen 9lngclcgcnl)cit
auönalimömcife aftio unb paffio bic ^rojefefä^igtcit bcijulcgen, jumat bie
^rojclfüljrung, l)ingcfcl)cn auf bic ^^rojcfefoftcn, audf) oermögenörcdjtlid^e 9Iad&*
tbeilc mit fidf) bringen faun, fo fönncn bicfe Sebenfen bod^ gegenüber bcr ©r«
mögung, bafe bic Gtiegattcn burd) einen Sicd^töftreit, mclcber bic 5iic^tigfcit bcr
Ungültigfcit bcr S6c. SRi^tigfeitöffage. S^roinforifd&e Sl^agrefleln. § l'2bb. 61
iSI)c ium ©cgenftanbc l)ai, in i^rcr pcrfönlid^eti JHec^töfteUung unmittelbar bc*
rfi^rl werben, nid^t qIö burdt))d|tagenb angefe^en werben, 3n einer fo per*
fönlic^en ängelcgenljcit mufe, foroeit nidtit bringenbe (Srünbc proftifc^cr ^imd-
mofeigfeit cntgegcnfte^en, bie eigene ®ntf(^Ue6ung ber 23etljeiligtcu mafegcbenb
fein. 5)ic ^crt)orgcl)obencn praftif^en 33eben!en uerüeren jubem baburd) er-
^lic^ an ©croid&t, bafe bic Parteien burd^ einen Sttnroalt vertreten fein muffen
imb ouf baö 33erfa^ren bic befonbercn nuf bem Dffisialprinäipe beruöenben äJor^
fc^riften bcr 6. % D. ütcr baö S3erfof|ren bei ber 3Uc^tigfeitöfIage 3(nn)enbung
finben. 3ft ber in ber ®cfdöäftÄfä^igfeit bcfc^ränfte e^egatte in 9fn)ef)ung bcö ^^1'^^^**^",^
^ier fraglichen 9lcci)töftreiteö projefefä^ig, fo ergicbt fid^ auö § 50 ber G. ^4J. D. qZ^mtn
iwn fclbft, baS fein gefeglic^er SSertreter für if|n ben ^rojefe nic^t fütiren fann. *^'^^'^**"-
Auf ber anbercn ©eite würbe cö aber ju weit gelten unb praftifd^ in ^of)em
©robe bebcnflid^ fein, wenn man aud^ bem gcfe|tid)en SBertreter eiucö gefd&aftß*
unfähigen G^cgatten bad dic6)i ent^ietien wollte, für ben (enteren eine ^{ic^tig*
feitöHagc ju ergeben (üergl. aud) ßntfc^. b. dt, ®. in 6iDilf. IX, 58; fäc^f.
®. «. §§ 1623, 1624 unb fäc^f. ®ef. u. 5. Siooember 1875 § 4). Xa nai)
§ 1252 9(bf. 1 eine nid^tige ®^e, beren 9lic^tigfeit nid}t auf einem gormmartgel
bei ber ©H^li^feMnö bcruljt, fo lange als gültig be^anbelt wirb, bis fie auf*
grlöft ober für ungültig erflärt ift, fo würbe ber gefd&äftöunfö^ige Ehegatte
genot^igt fein, in bcr nichtigen @^c für bic Sauer feiner (Sefi^äftöunfäljigfeit
fortjutcben, fofern nidjt oon anberer ©eite bic 3lidf)tigfeitöflagc erhoben würbe.
ffienngleic^ ber ©a§, bafe für ben gefd)äftöunfä feigen G^egatten ber 9ledf)tös
ftreit, welcher bic Slid^tigfcit ber (g^c jum ©cgenftanbc l)at, burc^ bm gefeg-
lii^en aSertreter geführt wirb, fd^on ai\^ bem ^^Jrinsipe beö ®ntwurfeö, bafe
bie Sertretungdmad^t bcd gefe^lic^en 93ertretcrd, foweit nidjt bad @efeg ein
Snberefi beftimmt, audti auf bie perfonlid^en 9{ngelegenf)citcn beö 93crtrctcncn
^ crftrerft (§§ 1649, 1728, 1743, 1503), in SJcrbinbung mit bem § 50 ber
6. % C. hergeleitet werben fann, fo ift cö boc^ mit SiüdEfic^t barauf, bafe bic
grage, ob bie Stid&tigteitöflagc burd& ben gefeßlid^en äJertreter eines ©Regatten
erhoben werben fann, in S)oftrin unb ^-IJroriö ftreitig ift (oergl. cinerfeitö
Seuffert XXXI, 248, anbercrfcitö ©ntfd^. b^ dt. 0. in ßioilf. IX, 58), ate
rat^fom era^tet, im § 1254 jjenen Sag auöbrüdlic^ audjufpred^en.
Do bie 6. % 0. § 50 in Slnfe^ung ber ^ßrojefefä^igfeit auf baö bürger:^ «erfahren.
licfie SRed^t uerwcift, fo gebort bic SSorfc^rift beö § 1254 in baö bürgerliche
®efegbu^. Dagegen finb t)crfd&iebene baö aScrfalircn in ®f)cfad)en, inöbcfonbcrc
Äud^ bie 9li4|tigfeitöflage, betreff cnbc 9lenberungen unb ©rgänjungen ber
6.$. C. beirt Ginfü^rungögcfegc überwicfen (oergl. bie 9lnm. ju bem Unter:^
abfc^nitte „IV. Ungültigfeit ber ei|c" unter II, inöbcfonbcrc bie bort mit-
grt^eiltcn §§ 573 a, 577, 581 3lbf. 2, §§ 584 a, 587, 569 a ber ß. % C).
§ 1255.
ßinjelne neuere ©efeggebungcn boben befonbcrc Scftimmungcn über iJrooiforifc^e
pnwiforifc^je ajlafercgeln wät)renb bcr Douer beö 9lid&tigfeitöprojeffeö, nament* iJ^^nfb"«
lii4 in anfe^ung bcr SBcrppi^ung bcr ©l^cgatten jur Ijciuölicben ®emeinfcf|aft, «ec^unreue«.
getroffen (üergl. fäc^f. ®. 33. §§ 1621, 1753 oerb. mit bem fäc^f. (Sef. o. 4. aWärj
62 Unöürtiflfcit tcr (S^c. SRi^tigfeitöfraoe. Umfano b. Sfc^tefraft b. UrtJ. § 1256.
•
1879 § 2 3lb[. 3; ®c[. für SRenfe ä. S. t). 3. SÖlai 1879 § 18; fc^rocij. »b. ®ef.
ü. 24. JDcjcmbcr 1874 Slrt. 43, 44; ital. 0, 33. 3Irt. 115). 5Da nod& bem § 1252
9lbf. 1 eine nid^tige ®^e, bereu ^iic^tigfcit nic^t auf einem gormmangel bei
ber (S^ef^liefeuug beruht, fo longc alö gültig Qugefefieu roirb, biß fie oufgeloft
ober für ungültig erflört. ift, f o enifprid^t eä ber 9lnaIogic beö 33er^ättnineft
unb fütirt Qud) ju einem angemeffenen Slefultate, menn bie für ben ®^c^
fd)eibungSproje§ gcitenben SSorf^riften ber §§ 1462, 1463 auf ben SHid&tigfeitö*
projefe für entfpred^enb anmcnbbar erflärt merben. 3"fofern liegen allerbingft
trog beß § 1252 9l6f. 1 bie SBerl^ältnijfe etroaß üerfd&ieben, als nad^ ber 93or*
f^rift, meldte burdi ba^ einfü^rungdgefefe bem § 139 ber ß. ^. D. afe 9lbf. 2 ^im
angefügt werben mirb (oergl. bie 9lnm. 1 ju bem Unterabfd^nittc „IV. Ungültigst
feit ber ®^e" unter III), aud^ t)or erfolgter Sßid&tigfeitäerflärung bie ?Ri(iötigfcit
ber 6^e mit ber 5!Birfung geltenb gemalt werben fann, ba§ ein SRec^töftreit^
beffen ©ntfd^eibung oon ber Jli^tigfeit ber ®^e abhängig ift, von bem Oeri^te
bis }ur ©rtebigung beö SRed^töftreiteö über bie 9ii^tig!eitsflage ausgefegt werben
mufe. Snbejfen ift ein Sebürfnife, mit JRüdEfi^t auf biefe SSerfd^iebcn^eit ber
Sachlage bie SSerljältniffe wäf)rcnb ber Sauer beS 3lic^tigfeitspro}effcS in ber
einen ober anberen 93eäie^ung, insbcfonbere in 9lnfe^ung ber UnterlialtSpflid^t
beS ©l^emanneS gegenüber ber ®l^efrau, in einer oon ben 5Borfc^riften beö
§ 1462 abweid^enben Slrt ju orbnen, nid^t aujuerfennen.
§ 1256.
©ubi<ftio<r 2)Q^ j)Qg (iii^ j)ie ?Rid)tigfeitSftage erlaRene Urt()eil — abweid^enb üon
wllt^tSraft ber 5Rcgel bcs § 192 — iebcnfalls bann für unb gegen Sllte wirfeu mufe,
urthliie« ^^^"^ ^'^ ®^^ ^"^ nid^tig erflärt ift, fann, namentlid^ im §inblidfe auf bie
SBcftimmungen beS § 1234 beS ®ntwurfes unb beS § 171 bcs ©tr. ®. ».,
nid(|t jweifelljaft fein. 9luf biefer SSorauSfegung beruht au^ ber § 588 bor
®. % D. Ueberwiegenbc ®rünbe fprec^en aber bafür, aud& bem bie ^lid^tigteitö»
ftage abweifcnben Urt^eile SBirfung für unb gegen 91llc beijulcgen. S)as in
ber Softrin, insbefonbere bcs gemeinen SRed^tcö, üorwiegenb Dcrtrctene unb
im fäc^f. ®. 33. § 1857 ausbrürflid^ jur STnertennung gelangte ^riujip, bafe
bas ouf eine fog. ©tatusflagc crgc^enbe Urt^eil für unb gegen 9IUe wirft,
beruht auf SJücffid^ten p^erer 9lrt unb ift, namentli^ wegen ber Unt^eilbar^
feit unb ber objcftiüen 9lotur ber l^ier in 33etrad&t fommenben aSer^ältniffe
unb ber fonft eintretenben SSerwidEelungcn, im Sntcreffe ber offentlid^en Crb«
nung bringenb geboten (oergl. aud^ bie §§ 1269, 1271, 1477, 1632). ©iefen
SJlücfftd&ten gegenüber fann ber Umftanb, ba§ burc^ jenes ^rinjip Siechte
britter ^erfonen, wcldie an bem ^rojeffe nid^t S'^eil genommen ^aben unJ>
oielleid^t gar nid^t in ber Sage gewefen fmb, baran S^fieil ju nehmen, üerlcgt
werben tonnen, als burd^fd^lagcnb nidjt erad[)tet werben, tiefes 93ebenfen
üerliert iubem erl)cblid) an ®ewi(^t burc^ bie befonberen ®arantieen, mit
wcld)en nad^ ben S3eftimmungen ber ß. 5ß. D. unb ben biefetbe ergönjenben,
jur 9lufnal^me in bas ©infü^rungsgefeg beftimmten äJorfc^riften (ücrgt. bie
9lnm. 1 ju §§ 1250 ff. unter II unb bie 9rnm. ju §§ 1476, 1632) bas 83er*
fatiren bei ben ©tatusflagen Mnb insbefonbere aud^ bei ber 9Jid&tigfeitSflage
Unflultiöfctt ber ßl&e. <Sä)\i^ gutglaubiöcr ©ritter. § 1257. 63
umgeben ift. 3n ^olQt ber DfpiialtnQjime wirb ba« Urt^eK in ber Sieget
ber Soc^Iage entfpred^en. 3«^ Sfnfd^Iuffe an bie gemcinred&tlid^e 2)ottrin
empfiehlt ed jid^ febod^, für ben galt, roenn borübcr ju cntfd^ciben war, ob
bie 6^e gegen bie SBorfciirift befi § 1234 verftofee, ju (Sunften bed Dritten,
mit welchem bie frühere 6^e gefd&toffen war, eine 3tuöna^mc bal^in ju mod^en,
büB bafl Urt^eil ni^t gegen benfelben wirft, fofem er nic^t an bem 5ßrojeRe
2^il genommen ^atte. ®iefe Slufina^me red^tfertigt ftcfi bur^ bie ©rroägung,
bog efi fid^ in biefem galle nid^t um ein oon ber ®^c jmifdjen ben ^Parteien
ob^öngenbed Sle^t eined Dritten, [onbern itm ein felbftönbiged, nnmittelbareö
5le(^t bedfelben ^onbelt. 9luf ber gleid^en (Srroägung berul^t bie Seftimmung
bcd § 1632 SIbf. 1 Safe 2.
2)ie im § 1256 beftimmte SBorauöfefeung, bafe baö Urt^eil noc^ wä^renb ^^^"^^
ber fiebenöjeit beiber ©Regatten rec^töfröftig geworben fein mufe (ocrgl. aud^ preite«%ur^
§§ 1269, 1477, 1632), ift eine Äonfequenj ber ate ©rgönsung ber ^Sorfd^riften J;;^*^;^;;*^»
ber 6. ^. C über baö SSerfal^ren in ß^efad^en befd^Ioffcnen, jur 9Iufnal^me in
ba« ginfül^rungfigefefe beftimmlen SSorfd^rift beö § 584 a ber S. % D., bafe,
wenn einer ber (S^egatten t)or ber JRec^tdtraft beö ©nburt^eiles ftirbt, ber
Set^töftrcit in Stnfe^ung ber ^auptfad^e ald erlebigt anjufel^en ift (t)ergl. bie
Snm. 1 }u bem Unterabfd^nitte „IV. Ungültigfeit ber @^e" unter II, 9 ; ferner
bie in ber »nm. ju § 1476 mitgct^eilten §§ 627 a— 627 b ber 6. % D.). aJIit
bem 2:obe eine« ber ©Regatten fäUt baß bie ®runb(agc unb ben Oegenftanb
ber ^ter in Siebe ftefjenben SRed^töftreitigfeiten bilbenbe SJedötöoer^ältnife weg.
Soc^ bem 2:obe eines ber ©Regatten fann bie 6^e, wie fic ni(^t me^r gcs
[(Rieben werben fann, aud^ nic^t mc^r für ungültig erflärt werben; oielme^r
fBnnen nod^ bem 2:obe eines ber ©Regatten nur nod& Slad^wirfungen ber 6^e
in grage fommen. Diefe fxnb aber nid^t Oegenftanb beö S^eprojcffeö, fonbern
muffen in einem neuen befonberen ^rojeffe geltenb gemalt werben. Eine
gortfefeung be« ß^eprojeffed mit SRüdftd&t auf fotd^e SJad^wirfungen ber ®^c
fu^rt aud^ ju ©c^wierigfeiten in STnfe^ung ber grage, oon wetd^en ^erfonen
^jw- flcgen welche ^erfonen ber ^rojefe fortgefefet werben foll. 3^^^^^^ ift
für foI(I)e Sladdwirfungen ber 6^e baö befonbere SSerfa^ren in ß^efad^en nic^t
beredbnet. Da icbo^ bie grage, ob biefe SKuffaRung fc^on an& ben allgemeinen
©nmbfä^en hergeleitet werben fann, nid^t oline S^J^if^l ift (ocrgl, ßntfdö. b.
9J. ®. in Gioilf. IX, 57), fo ift eö alö ratljfam erad^tet, bie ß. % D. burt^
ben bejeic^ueten § 584 a in ber Ijicr fraglid^en ^inftc^t ju crgänsen.
§ 1257.
Sie olö eine ÜMobififation beö § 1252 3tbf. 2 fid^ barftellenben , im 6*u«
^rinjipe bem preufe. 91. 2. 91. II, 1 §§ 960, 961 fid) anfcliliefeenben S3e^ ^"Är"
ftimmungen beö § 1257 beruljen auf ber ©rwägung, ha^ eö im Siitereffe ber
Si(^er^cit beö 3Serfe^reö bringenb geboten ift, ben ©ritten, welcher im $ßertrauen
auf bie ©filtigfeit einer nid^tigen, aber in gepriger gorm gefd&tojfenen (S^e
ftci mit ben ©Regatten ober einem berfelben auf 9le^tögefd}äfte ober auf einen
SJcc^töftreit einlädt, in 9lnfel)ung ber SBirffamfcit bicfer SHed^tögcfcbftfte ober
64 Unflültiöfcit bcr ^f)e. S^u^ öutöfoubiöcr ^Dritter. § 1-257.
bcd in einem fol(f)en 9iec^töftrcite crloffenen Urtl^eiteö gegen bie aus ber 9]ic^tig-
feit bcr ehe fidö ergebcnben golgcn t^unüd)ft ju fd)ügcn (rergf. §§ 304, 838;.
1336, 1337, 2077, 2090). 2)er Srfjiiß begießt [\ö) aber nur auf bie SBirffanv*
feit bcö 9ied)tögeid)äftcö ober Urt^ei(c§. 2)ic g3orfd;riften bcS § 1257 gc^
iDäf)rcn bem 2:ritten nid^t aud^ bie Scfuguife, bef)ufs ber Sefriebigung feiner
gegen einen ber ©fjegattcn begrünbeten gorberung fici^ an baßjenigc 9Semiögcit
beä anberen ©Regatten ju galten, roclc^cö, roenn bie ©fjc gültig geroefen wäre,
S3eftanbtbei{ beö 33ermögenö feines Scbnibnerö geworben fein ober bocb ber
groangöroUftrecfung ron Seiten beö dritten unterlegen f)aben mürbe. @d
folgt bieö barauö, ba& ber ©laubiger nidjt ate 9luöflu& beö feine gorberung
begrünbenben 5Rcd)tögefcbäfteö ein Sted&t barauf gewinnt, ha^ bci& feiner 3w)ang«:s
üoUftrerfung unterliegenbe Vermögen in bcmienigen 33eftanbe üerbleibt, in
roeld^em baöfelbe jur 3^^* ^^^ Segrünbung feiner gorberung fid& befinbct.
S)ie praftifcbe S3ebeutung biefer 3luffaRung jeigt fid^ bei bem gefcfelid^en e^c*
lid)en ®üterredf)te in Slnfe^ung ber grüd)te, roelcbe bei ©ültigfeit ber ®^c bcr
©Ijemann auf (Srunb bcr e^cü^en SRußniefeung (§§ 1292, 1299) erworben
baben würbe, ferner bei ber ©ütergemeinfd^aft in 9lnfebung beßienigen SSer^
mögenö bcr ®bcfrau, wetd^eö bei (Sültigfeit ber ®be Seftanbtbeil beß ©efammt^
gutes geworben wäre (§ 1359, § 1360 2lbf. 1, § 1423 2lbf. 1, § 1424 3lbf. 1^
§ 1431).
3n 9ln(ebnung an bie S3eftimmungen bcö ©runbbuc^rec^ted (§ 837;
Dcrgl. aud^ §§ 2077, 2090) legt ber § 1257 baö entfdtieibenbe ©ewid^t Icbiglid^
barauf, ob bem ©ritten bie 9lid)tigfeit ber ß^e ju ber im § 1257 aibf. 1, 2
nätjcr bcäcic^neten 3^it befannt war ober nic^t. ®ie 9lnwenbbarfeit ber 58ors
fc^rif ten beä § 1257 aucb bann auöjufdbticfeen, wenn ber S)ritte bie ?lid&tigfcit bcr
6^e fennen mufetc, bem dritten mithin, obwohl wegen 33eobad^tunfl ber gorm
ber ®b^Wli^6"J^9 bem äußeren 3lnfcbeine nad) eine gültige &i)c vox\)anbtn ift,
noc^ eine befonbere SRad^forfc^ungäpflic^t auf juerlegcn, ift als bebenflic^ erachtet
worben. 3n Äonfequenj biefcö ©tanbpuntteß mu§ aud^ bie Äenntnife bcr
9lecbtöbängigfeit beä ?Ucf)tigteitöprojejfcö oline ©influfe fein, ba bicfe Äenntnift
fid) nur alö ein gaU beö SUnnenmüffenö ber ?lic^tigfeit ber &i)t barfteltt unJ>
befonbere ©rünbc, bejüglicb biejeß gallcö eine abweid^enbe Stellung einjii«
nebmen, nid)t anjuerfennen finb. 3luf bcr anberen Seite würbe eß ju weit
geben, gänjlic^ baoon abiufeben, ob ber Sritte bie 9Ucbtigfeit bcr et)e fanntc
ober nid)t fannte. 2)cr ©runbfa^, bafe eine für nicbtig erflärte ©bc atö nic^t
gcfcfitojfen anjufcben ift (§ 1252 3lbf. 2), würbe bamit in 9lnfebung 2}ritter tbat^
fädfjiid) befeitigt. Slugerbem wäre bamit bie 3Jlöglidt)feit gegeben, bafe ber üon ber
9}ic^tigfcit bcr ©b^ unterrichtete ©begatte mit bem gleic^follö üon ber SUc^tigfeit
untcrricbtcten ©ritten fid) Dcrbänbe unb burc§ entfpred^enbe SRc^tßgeidtiäfte
h^n anberen ©b^flötten fd)äbigte, ben (enteren DicUeid^t um fein ganjeö 93er*
mögen bräd^te. 3)l\t diüd)\d)i barauf, baß wegen bcr beobad^tcten gorm bcr
©befdjliefeung eine äufeerlid) gültige ©bc vorliegt, unb in Uebereinftimmung
mit anberen, äbnlid) ticgcnben gäUen (§§ 304, 696, 837, 1336, 1337, § 1278
9lbf. 4, § 1307 3tbf. 3, §§ 2077, 2090) ift eö iebod) alö angemejfen eracbtet
worben, bie fflcweißlaft, wie bie gajfung beutlicb ju crfcnnen giebt, in ber
2(rt 5U regeln, ba^ berienige, welcher fid; gegenüber bem ©ritten auf bie
UnflürtiöWt bcr GJe. ©^iife flutgräuBiocr Dritter. § 1257. G5
Jlui^tigfeit bcr &)c beruft, ju bciücifcn f)at, bag bcm Sirittcn bic Stid^tigfcit
511 bcr bctreffenben ^di bcfannt war.
9Bar bic 6^c jur 3eit bcr 33ornQf)mc bcö SRed^tögcfd^äftcö bcjro. 5U bcr
3rit, in welcher in einem ontjängigcn SRec^tSftrcitc bic Slidtitigfeit bcr ©(je
Wttc gcttenb gcmod^t werben !onncn, bereits für ungültig crMärt, fo ift bic
Snroenbung bcr Seftimmungcn beö § 1257 oljnc SRücffidjt barouf, ob beut
Stritten bic 9iic^tigfcit bcr (S^c befonnt war ober ni^t, auögcf^Ioffcn ; benn
ift bic Gl)c für ungültig crflärt, fo fommen ^lacbwirfungcn bcrfctbcn nid)t
me^r in gragc. ®cgcn bic Unfcnntnife bcr erfolgten 3flic^tigfeitftcrf{ärung
aber ift ein Dritter ebenf owenig 5U f^ü^cn, wie gegen bic Unfenntnife bcr
Suflofung bcr Gt)c burd^ 2:ob ober ©(Reibung ober in golgc 2^obcöerfIftrung.
Dagegen ift bic ij^atfad^c bcr 2lufIofung bcr GI)C auf bic 2lnwcnbbarfeit bcS
§ 1257 ol^nc Ginftufe. 9Son praftifd^cr Sebeutung finb bic SSorfd^riften bcö
§ 1257 in einem fold^cn galle wegen bcr 3lacl)wirfungcn bcr ®l)c, wcld)c
burc^ bic ®ültigfeit bcr @^c bebingt finb, inöbefonbere im ^aße bcr 3tuflöfun3
bcr (S^e burd& ben 2'ob eines bcr Gb^Oö**^'^ wegen beö Crbrcciötcö bcö über-
Icbcnben 6§cgattcu.
Der Schuft, welken bic 3?orfd)rift bcö 3lbf. 1 Dritten gcwäb^t, bc-
fctiränft fid^ übrigenö nur auf bic unmittctbar mit ben ©begatten t)or^
genommenen bcjro. i^jncn gegeimber uorgenommenen 9le4itögcfc^äfte; er erftrerft
ft(b nid^t auf fold&c gäDc, in weld^cn ein Dritter im SSertrauen auf bic
(Sültigfeit bcr ©bc mit einer anbercn ^erfon auf ein Med^tögefd^äft fidj ein-
KÖt, betfen (Sültigfeit mittelbar oon bcr (Sültigfeit bcr ©b^ abtjdngt. ^at
j. S. ein Dritter einen jum JBcrmögcn bcr ©befrau gebörenben ©egenftanb,
rodeten ein 3lnberer t)on bem mit bcr ©^efrau in (Sütergcmeinfdöaft Icbcitben
©bemanne erworben bötte, uon biefem älnbercn im SBertraucn barauf erworben,
bafe bic 6^c gültig unb bcr ©bemann bcö^alb 5ur SBcröufecrung Jeneö (Segen-
ftanbcö befugt gewefen fei (§ 1352), fo fd&üfet ibn, fallö fein 3lutor bic 3lidjtig:^
feit ber ©be jur 3cit beö ©nücrbcö fanntc unb bic SSeräufeerung an bcnfelben
babcr unwirffam wor, ber Umftanb, bafe er fclbft sur 3eit feincö ©rwcrbcö
bic 5li^tigfeit ber ©be nid^t fanntc, nic^t gegenüber ber ©befrau. ©in Sc*
bürfniß, ben S^ug bcö guten Olaubenö im Sntcrejfc bcr ©id&crljcit bcö SSer*
fcbrcö fo loett auöjubebnen, liegt nic^t oor, jumat in oiclcn gällcn bic fonftigen
SJcftimmungcn beö ®efegbucf|cö über ben ©d&ug bcö guten ©(aubenö, inö*
bcfonberc bic Seftimmungen bcö Sad&enrec^tcö, bcm Dritten fd^üftenb jur
Seite fteben roerben. Dagu fommt, bafe aud^ in ben äbnlid^ licgcnbcn gaUen
bcr §§ 120, 121, wenn eine SSolImad^t burdb Sßiberruf crlofc^cn ift, bcr gut*
gläubige Dritte nur in Slnfcbung bcr unmittelbar mit bem Scoollmäd^tigtcn
oorgcnommenen SRcd&tögcfd^afte gcfd&üftt wirb.
9tnlangenb ben SB)f. 2, fo bcjicfit fic^ bcrfclbe im 9lnfc^Iujfe an § 304
3ü)f. 2 (oergt. ferner § 1337) fowobl auf ben gall, wenn oon einem
bcr ©begatten ein SRcd^töftrcit gegen ben Dritten, alö auf ben umgcfclirten
Sali, wenn oon bem Dritten ein SRcd&töftrcit gegen einen ber ©begatten an*
Wnglg gcraod^t ift. 3(ud[i in bem Icfetercn galle bietet ber 9lbf. 2 bem
Dritten, wcld^er alö Älöger ein obfiegenbcö Urtl)cil gegen einen ber ©be*
Sotioe i. bßrgerL Ocfe|(n4. lY. 5
66 Unoürtiflfdt ber ©Sc. ^utatiüe^e. § 1258.
galten crftritten f)at, inforoeit gcroiffe S8ortf|cite^ olö bei aSoraußfegung bcr
©ültigfeit ber (Sf)t baß Urtl^eil aiid^ gegenüber bem onberen ®l)egotten tüirffam
ift (t>ergl. § 1352, § 1360 3lbi. 1). 2Bic im § 304 3lbf. 2 (oergL femer
§ 1337), ift an6) im § 1257 alö mafegebcnbcr 3^itpw"W/ ^iö ju roeld^em bic
Äenntnife beö ©ritten von ber 9Jid&tigfeit ber @I)c in Setra^t fommt, ber*
jenigc 3^itpi^"tt beftimmt, in weld^em bie 9iid^tig!eit ber 6l^c nod^ l^ättc
gcitenb gemad^t werben fönncn. S)ie (Srünbe, auö roeld^en ber ©ntrourf biefen
3eitpun!t, nid^t aber ben 3^itpwi^W ^^^ 9lcd^tßf|ängigfeit beö 9lec^töftreiteS
als ben mafegebenben Ijingeftettt l^at, finb bicfelben, roeld^e ju ber entfprecbenbcn
a^orfd&rift beö § 304 3t6f. 2 geführt öaben.
Saß preufe. 91. 2. 5R. II, 1 § 962 f)cbt noc^ befonberö fieroor, bafe, wenn
bie (Sfie wegen beß SJerbotcß ber Sigamic (§ 1234 beß ©ntmurfeß) nid&tig
ift, bur^ bie SB^rl^anblungen eineß ©ritten mit bem uermeinten jmeiten ©Ije-
gattcn bie 9iecf|tc beö erftcn unb moliren (Stiegotten nid|t gcfräntt merben
fönnen. ©ine entfpred^enbe Scftimmung ift in ben ©ntrourf nic^t ouf*
genommen, ba in Crmongelung einer befonberen SSorfc^rlft eö fi^ von felbft
t)erftel}t, ha^ SRed^te ©ritter burc^ 5Red^töftanbIungen jroifd^en anberen 5ßerfonen
nid^t beeinträd)tigt werben fönnen, bie aSorfd[)rift beß § 1257 ober nur infotoeit
©d)"6 5" getoäljren besroedt, alß bie 91id&tigfeit bcr (Sf)c bcr SBirffamfeit beö
9lcd^tßgefd)äfteö ober beß Urtt;eileß entgegcnftcl;en würbe.
§ 1258.
»irtunfl einer 2)er § 1258 betrifft bic S^agc, ob unb inwieweit im gallc ber ^lic^tig-
feit bcr ©^c auf ©runb beö guten ©laubenö bcibcr ©Regatten ober eincö ber*
fclben für bie ©Regatten im ajerpltnifjc ju ciuanbcr unb }u ©ritten bie an
fic^ an^ bcr 3lid)tigfeit ber ©[)e fidf) ergebenben Honfequenjen (§ 1252 3lbf. 2)
©crtenbed ciuc 3)lobififatiön erleiben foUen. ©ie befteficnbcn dkd)ic ncl)men gegenüber
****• bicfcr grage einen priitjipicU ücrfd^icbencn Staubpunft ein. ©aö gemeine
9ted)t unb biefcm folgcnb bie SKc^rja^I bcr neueren G3cfcggcbungcn (fäd^f.
©. ». §§ 1028, 2054; code civil 3(rt. 201, 202; ^eff. ©ntw. II 3lrt. 59—62,
III 3(rt. 89 nebft aWotiücn S. 30 ff.; fc[)weij. S3b.0cf. n. 24. ©cscmbcr 1874
3frt. 55; t)ergl. ferner in erbrcd)tlid)er Scjie^ung fonbcrö^. Sutjcffionßorbn.
V. 8. ©ejcmbcr 1829 §§ 94, 95; Weimar. (?3cf. t). 6. Sfpril 1833 §§ 65, 68;
altcnb. ©cf. v, 6. 3fpril 1841 §§ 74, 75 t)erb. mit bcr altcnb. ©^corbn. v.
13. aJJai 1837 §§ 4—8, 26vS— 270; ©ef. f. 3Jcuf3 j. 2. i). 10. ©ejcmbcr 1853
§§ 67, 68) legen ber ^^utatiücfie bic 2Birfung bei, ba{3, wenn bcibc GI)e*
gattcn in gutem ©tauben finb, für bcibc ©Regatten, wenn nur einer berfelben
in gutem ©tauben ift, nur für ben gutgläubigen Gf)cgattcn alle red)tlid^en
SBirfungen einer gültigen ©f)e, inöbefonbcre anö) bie erbrcd)tlid^en SGßirfungen,
eintreten, ©agegen fommcn nad) bem preufe. 31. S. di. II, 1 §§ 952—959
(t)crgl. aud) ©efe^ret). ^enf. XV §§ 144—150, 157) — abgcfe^en t)on
einigen unerl)cbü4icn 9)Jobififationcn — audf) bei einer ^utatiüel)e (ebiglid) bie
allgemeinen ©runbfä^c bcr DJic^tigfcit jur Sfnwenbung. 9iad) näfierer Sc*
ftimmung bcr §§ 963—965, 967 II, 1 3{. 2. % ift aber bcricnige Gtiegatte,
Unöüfliöfeit ber (g^e. 9)utatiöc6e. § 1258, 67
mlc^cr ben onbcrcn Gficgotteu burd^ SSerfdjiüeigung ober ajerfteimlidjinig bcö
€^^inbcrnif|cö ober fonft burd) betrüglidje SBorfpiegelungen jur Scftliefeimg
ber nichtigen Qi)c oerleitet i}at, bcii anbercii G^egattcu fc^abtoö 511 [)ahcn ocr^
pflichtet 9luf bcm Sobcn beö preufe. 9t. S. di. ftcfjen im 5ßrinäipc aiid) baö
afterr, 0. 33. §§ 102, 1265 unb baö. gotf). ß^cgcf. ü. 15. 3lug. 1834 § 23
Derb, mit bem gotf). @cf. ü. 7. 3uui 1844 § 54.
2)ie oUgemeinen ®runbfä^e fügten baf)iii, baß im gallc ber 9ti(i6tigfeit «t^n^j^n^
ber 6f|e für boö SBer^ältniß ber ©Regatten ju einanbcr unb ju dritten bic Gutwurfe«.
•@runb|ä|e ber 9ii^tigfeit mo&gebenb fein muffen, mitf)in iuöbefonbcre axiö)
büß gegenfeitigc Grbrec^t ber ©Regatten auögcfd)Ioffcn ift. ©ine 2)urc^bred)ung
biefes ^45rin5ipeö ift nur gered^tfertigt, mcnn unb foweit ein bringenbeö prof-
tifc^eö Sebürfniß bieö eri)cifd^t. ©in SSebürfnift ober, fic^ Don ben allgemeinen
<3nmbfa^en fo weit ju entfernen, mic baö gemeine 9le^t unb biefem folgenb
boö fäcbf. ©. 33. unb ba§t fransöfifdje Sted^t es tf)un, fann nid)t anerfannt
werben, ^n bem großen Gebiete beö auf bem entgegenfc^ten Stanbpuntte
fte^enben preufe. 91. 2. 91. ift baö 33ebürfni§ einer 9lenberung in ber f)icr
fraglichen 33ejie^ung nid)t ^eroorgetreten. ©egen eine foldje 9luöbef)nung ber
3Sirfungch ber 5ßutatit)e^c, mie fie im gemeinen 9ted)te unb in ben bem
(enteren fid^ onfc^liefeenben neueren ÖJefefegebungen 9lnerfcnnung gefunben Iiat,
fprec^en subem er^ebüd^e fad^lid^e S3ebenfen, namentlid) bie mit eina* folc^en
Siegelung tjerbunbene 93erle|ung ber Siedete, inöbefonbere ber ©rbred^te, dritter
unb bic 3?ern)idelungen, xoM)C fic^ barauö für bic nic^t feltenen gällc ber
3Jigamic ergeben fonnen, fomic bie Grwägung, baß eö unter Umftänben bcm
gutgläubigen ©Regatten mcit Dort^cil^aftcr ift, w^nn er bic i^m auf ©runb ber
^lic^tigfcit ber ©^e jufte^cnben Sled&te geltenb macfien fann, alö meim für il)n
bic SBirtimgcn einer gültigen ©^e eintreten. 9luf ber anberen Seite laffen
icboc^ Slüdffic^ten ber SiHigfeit unb Sd&onung unb bie 9lüdEfid^t auf biejcnigen
9led)tßgebietc, in n)eld)en ber gutgläubige ©begatte einen befonberen Sd^u^
flcnieBt, cö olö bcbenflid) erfd&einen, oon jeber befonberen 33eftimmung 5um
S(^u5c bcö guten ©laubenö abiufcl^cn unb ben gutgläubigen ©fiegatteri lebigtid^
auf bic allgemeinen ©runbfäge ber 9iid^tigfeit unb beö 3d)abcnöerfa|eö axi&
unerlaubten ^anblungen (§§ 704, 705) ju Dcrmeifen, jumal in Icfeterer ^in*
fid^t bie allgemeinen ©runbfäfie nur ju einem Slnfpnic^e auf ©rfa^ beö ncga-
tioen Sntercffefi führen mürben, n)eld)eö in mand^cn gällen alö eine auö*
rcit^enbe, ber S3illigfeit entfpred^enbe ©ntfd^öbigung nid^t angefel^en roerbcn
fann. 33ei biefer ©obläge erfd^eint eö alö ein paffenber, jmifd^en ben uer- »a^iret^t be«
f^iebcncn Siedeten unb ben Dcrft^iebcnen 9lüctfid^ten uermittelnber 9luön)eg, *^öÄun"
bem gutgläubigen ©Regatten, fofern ber anbcrc ©l^egatte bei Sd^liefeung ber
&ft bereu Slid&tigfeit gefannt l^at, nad^ 9luflöfung ober Ungültigfeitöerflärung
ber et)c bic SBa^l ju geben, ob gegenüber bem anberen ©Regatten in uer«
mogenörcd&tlid^cr Sejic^ung eö bei ben [auö ber 3flid^tigfcit ber ©l;e fid)
ergebenbcn S^lfl^" verbleiben ober baö SScrl^ältnife fo bel>anbctt werben foll,
wie TOcnn bie ©^e gefd)ieben unb ber onbere ©l^egattc für ben fd^ulbigen S^tjcil
ertlärt märe. Sinb bagegen beibc ©Regatten bei Schließung ber ©l)e in gutem
Öloubcn getucfen, fo foll eö bei ben'allgemeinen ©nmbfä^en fein Sieroenben
^ttben. aud& für biefen gall jebem ber ©Ijegattcn baö 9led&t ber JSaljl 5U
5*
68 Ungültiflfcit ber eßc. ^utatbcje. § 1258.
gebcn^ ob im 93cr^ö(tniffc berfelben ju cinanber bic @^c ald gültig, aber al^
gefd^icbcn bel^anbclt werben folf, empfiel^lt fxä) nid^t, rocil Qtebann jcber bcr
©Regatten ben anbeten nötl^igen tonnte, ftQtt bcr Siegel gemöfe bic il^m picUeid^t
güttftigen SBirfungen ber 9iic^tigfcit in änfprud^ ju nefimcn, feinem Sntcrcftc
entgegen ftd) fo bel^anbeln ju loffen, loic wenn bie 6^e gültig, ober gefd^icben
n)are. Xa ed ftd^ barum l^anbelt, bem gutgläubigen ©Regatten eine 9Bol^ltl^at
5U erioeifen, fo barf bic lefeterc bcmfclbcn nid)t Qufgebrängt unb gegenüber bcr
Siegel ber 3ludnol[ime nic^t ba& Uebergen)id^t jugeftanben roerben.
3m ©in^etnen ift jur SRec^tfertigung ber SBeftimmungen bcö § 125vS nod)
golgenbcö ju bemerfen:
!dtTi"'e?e. 1. 3Jic befonbcrcn Scftimmungcn beö § 1258 foHcn nur bann gelten,
lücnn bic SUid^tigfcit ber 6l)c auf einem anberen ®runbc als auf einem gorm^^
mangel berul|t. 3)icö ift aud^, luenigftcnö nad^ bcr ^errfd^cnben 3Kcinung, bcr
Stanbpunft beö gemeinen Slcc^ted (ocrgl. ferner in crbrcd^tlid^er .^infid^t mcimor.
®cf. V. 6. 3lpril 1833 §§ 16, 65, 66; gotl[|. ®cf. t). 2. 3anuar 1844 §§ 19, 54;
altenb. ©ef. v. 6. äpril 1841 §§ 17, 74, 75 t)crb. mit bcr altcnb. ©^corbn.
V. 13; anai 1837 §§ 4, 5, 7, 283; ®cf. für Sieufe i. 2. o. 10. Scjember 1853
§§ 17, 67, 68). ©benfo fc^eint ber code civil 2lrt. 201, inbem er einer für
ni^tig crflärtcn, aber in gutem ©laubcn eingegangenen ©f)e bic 3Gßirfungcn
einer gültigen ©^e beilegt, baoon auösugeljen, bafe bic SBirfungen einer 5ßutatit):^
cf)c überljaupt nur bei foldjcn ©lien eintreten, loeld&c nid)t f^on fraft bcö«
©cfe^cö nid&tig finb, fonbern erft burd^ rid)terlid&cö Urt^cil auf erhobene
gUd^tigfeitöflagc für nichtig crtlärt lucrbcn muffen. S)aö fäd()f. ®. SB. (oergL
§§ 1628, 1771, 2054 mit § 1620) mad^t bagcgcn ben eintritt ber SBirfungen
bcr ^jJutatiDcfie tiid^t unbebingt baoon abhängig, bafe bie ®lic eine formgültige
fei (Dcrgl. au^ ^eff. ©ntro. II 3lrt. 61). £)b baö prcufe. 91. S. 91., fomcit baö-
felbc überhaupt mit bcr 5[Jutatit)c,^e befonbere SBirfungen oerbinbet, gorm*
gültigfeit ber ©l|e oorauöfcßt, ift auöbrücflid^ nid)t bcftimmt. 3)ic SSorfd^rift
bcö § 50 II, 2 31. S. 31., meldte bie rcd^tlic^c Stellung ber Sinber am einer
nid)tigen ©^e betrifft, f(^ciut bafür ju fpred^cn. 3nbcffcn wirb in bcr Softrin
aud) bic cntgcgcngcfcötc Slnfid^t oertretcn.
SBennglcid) SBinigfcitörücffid^tcn fid5 bafür anführen laffcn, bic 83cftimmunj
bcö § 1258 aud^ auf ben gall auöjube^ncn, in lücld^cm eine naä) äRafegabc
bcö § 1252 2lbf. 1 alö gültig ansufe^enbc ©^e nid)t vorliegt, ber eine ©begatte
aber fxä) in einem entfdpulbbaren Srrtljumc über baö 33orl)anbcnfcin bcö gorm^?
mangelö befunben l)at, "fo fann bod) ein bringenbeö SBcbürfnife, oon bem fonft
im ©cfclbud^c feftgel^altencn ©funbfafee, bafe eine formungültige ©^e alö nid^t
gefd&loRcn anjufel)cn ift (§ 1252 3lbf. 2), ^ier ju ®unften bcö gutgläubigen
©Regatten abjumcid^en, nid()t anerfannt mcrbcn, jumal md) bem ^ISrinsipc bcö
§ 1258 überljaupt nur bic feltenen gölle in SBctrad^t fommen, in meldten lebiglid)
bcr eine iTfieil fid^ in einem cntfd^ulbbarcn 3rrtl|ume über baö Söorljanbenfcin
bcö gormmangclö befunben, bcr anbere 2:^cil aber bie Slid^tigfcit ber ©^c
gcfannt dat. ®egen bie 9luöbcl^nung fprid^t aufeerbem baö praftifd()e Scbenfcn,
baß, ba in bem oorauögefefetcu gallc eine Slid^tigfcitöcrflärung ni^t ftattfinbet
(§ 1252 9lbf. 2, § 1253), bcr geitpunft bcr ©ntbcdung bcö 3rrtl;umcö ber S3er*
Unöültiofeit ber S^e. ?)utatiüc5c. § 1258. G9
möflcnfiauöcinaubcvfc^ung ju ©ninbc gelegt rocrben müfete, bicfer 3<^itpwJ^ft
ober ji(ö fc^roer firiren läßt.
2. ©ntfprcd^cnb bcm in bem ©efegbiid^c axid) fouft befolgten Sprad;- »««nfr »>'«
gcbraud^c ift bei ber gaffung beß § 1258 ber 3liiöbrucf „guter Olaubc" Der^ ©lauben«.
mieben unb finb ftatt beffcn bic SBorauöfefeungcn beö guten ©foubenö im ©in-
llQnge mit bcn §§ 877, 881 nä^er bcftimmt. S)ic SBirfungcn ber ^utatiu^
c^ f(i^on bann ju t)erfageu, wenn bie Untenntnife beö G^egotten auf einer
riiä^t groben ga^riäfjigteit berul^t Ijat, ift aus (Srünben ber SiUigfeit nid)t alö
ongemcifen erachtet. Slnbcrerfeitö mürbe cö nid^t gered^tfertigt fein, bie 93er^
günftigung be« § 1258 einem fold^en ©Regatten ju ®ute f ommen ju laffen, meld)er
bie Slic^tigfeit ber @^e jmar nid^t gefannt, beffen Unfenntnife aber auf grober
ga^rlöffigfeit beruht bat. 3n ber ?{5erfon beö anberen 6[;egatten mirb bagegen,
cntfprc(i^cnb ber ratio le^sris, mirttidje Äenntnife ber SRid^tigfeit ber @^e jur
3eit ber ©^efd^Uefeung uorauögefegt. 3n beiben SRid^tungen ftellt aber ber
g 1258, abmeic^enb t)on bem fäd^f. ®. S3. §§ 1628, 1771 (oergl. aud^ § 837
isbf. 2 b. Qnim.), barauf ab, ob ber betreffenbc ß^egatte bie Jlid^tigfeit ber ©()c,
itit^t barauf, ob cv bic bie Slid^tigfeit begrünbenben ^'^atfad^en gefannt fjat.
*on praftifd^cr SBebcutung ift bicö namentUd^ für ben galt ber ß^efc^Iiefeung
eines Snölänberö mit einem Snfönber, wenn bem erfteren jroar bie bie Stid&tig-
feit begrünbenben Tfiatfad^en, nic^t aber bie ©igenfd^aft ber (enteren alö cineö
^'lid^tigfeitögrunbeö be!annt waren, ©erabe mit SRüdffid&t auf fold)c göllc
empfiehlt eö fic^, auf bie Äenntnife ber 9lid^tigfeit ber 6I)c abjufteUcn.
änlangenb bie Semeiölaft, fo fann eö nad) ber S^ffung beö § 1258 ©ewcitiati
unb ben allgemeinen (Srunbfäften (§ 193) nid^t jmeifel^aft fein, bafe berjenige
©^cgotte, roeld^er gegenüber bem anberen ©fiegatten pon bem SRedjte (ätbrand)
machen mill, bag unter i^nen ba^ §Berbö(tni& fo bebanbelt merbe, mie menn
bic 6bc gefd^ieben unb ber anbere S^b^U für ben fd^ulbigen J^beil erWart märe,
foioobl bic SSorauöfe^ungen beö guten ©laubenö auf feiner Seite alö bie
Äcimtnift ber ?li^tigfeit ber 6^e jur ^txt ber ©d&Iiefeung ber le^tcrcn auf
Seiten beö anberen ©Regatten ju bemeifen ()at.
3. SEBcnnglcicö ber § 1258 bem gutgläubigen ©fjegatten ein 3QBabfred)t ^**^*' .
einräumt, fo ift bocfe, mic auö ber gaffung mit genügenber Älar^eit erl^ellt, ju?Äi?«üLn^
baö Ser^ältnife unter ben ©Eiegatten, fo lange ber gutgläubige Gf)egatte Don gg^^i^Lj^g
bem i^m beigelegten befonberen 9ted^te feinen ©ebraudE) gemad^t bat, junäd^ft
nad^ ben (9runbfa6en über bie 9Ud^tigfeit ber ®bc ju beurtl^eilen. @rft bie
®rt(ärung beö gutgläubigen (Sljegatten, bag er pon ienem Siedete ©cbraud^
mad^c, bewirft, bajj beibe J'^cile im SBer^ältniffe ju cinanber — nid^t aud^ ju
^Dritten — fo berechtigt unb terpflid^tet finb, mic menn bie ß^e gültig, aber
gefc^iebcn unb ber anbere ©begatte für ben fd&ulbigen ^I)eil erflärt märe.
jCurd^ bic SCnerfenming eineö 85Ba{)Irec^teö unb bie bamit in SBerbinbung
fte^be aSermeifung auf bie jur analogen 3lnmenbung geeigneten aSorfd^riften
ber §§ 208, 209 wirb eine einfad)e unb smecfentfprec^cnbe Siegelung beö 33ep
^(tniffeö erreid)t Um icbod^ bcm anberen ST^eile ein aJlittel an bie ^anb auftübunß b««
jii geben, bie ©nlfd^eibung beö aBal^Ibered()tigten innerhalb angcmeffencr grift ®*'^'"^***-
^bcijufübren, ift im Slufd^Iuffe an anbere analoge SBorfd^riftcn (ücrgl. inö-
70 Uiiöültiöfeit bcr gje. 3)«tattec5c. § 1258.
bcfonbcrc § 210 3lbf. 2) bic 3lufnaf)mc bcr in SKbf. 2 Sag 2, 3 enthaltene!!
33orfc^riften alfi rat^fam crod)tct. 3n locld^er SBeife baö SSBa^Ircd^t gcgcniiber
bcn ©rben bcö anberen 2:f)eilc8 auöjuüben ift unb wcld^en (ginffufe cö l&at,
lücnn baö SDBofilrc^t sunäd^ft nur einem ber (grben gegenüber auögeübt wirb,
ift, wie in anberen gäDen einedSSßal^Ireciited, fo aud^ f|ier an ber ^anb ber
allgemeinen ©runbfäge ju entfd^eiben.
SÄQ^gebenbcr 4. SKad^t ber gutgläubige ©i^egatte pon bem i^m im § 1258 Slbf. 1
Seitpunft für jj^jg^icgteti befoubereu 3ledS|te ©ebrau^ \o ift für bie aSermogenöaudcinanber:^
a5ermöflcn5* fefeung uutcr ben ©Regatten nad^ aWafegabe ber ©runbfäfee beö ©d&eibungö*
°"*Aun".*''* red^tcä bcr B^Upwwft mafegebenb, in metd^em bic 6^c aufgeloft ober bai^
Urti^eil, burd^ roeld^eö fic für ungültig erflart roirb, recßtöfräftig geroorben ift*
ro^'JJenirus ^^^ ^^^^^ ^^^ supcrveniens auf Seiten bc« jur 3cit ber ©c^Iiefeung ber &)e
"in gutem ®lauben befinblid^en ©Regatten ift mithin in bcr l^ier fraglid^cn
§infid^t o^ne ©influfe. ®emcinrec^tUd{) wirb bie gragc, ob mala fides
superveniens bic 9Birfungen ber 5ßutatiDelje für bie 3wfunft aufgebt, Der*
fd^ieben beantwortet. 2luf bem ©tanbpuntte beö (Sntrourfeö ftel^cn, menigften*
nad^ bcr J^crrfd^enbetx 3Kcinung, bcr code civil Slrt. 201, ferner bie altenb.
eijeorbn. v. 13. a»ai 1837 §§ 270, 283 oerb. mit bem altcnb. ©rbfotgcgef.
V. 6. Slpril 1841 §§ 17, 75, ba& got^. ®öcgef. t). 15. 9luguft 1834 §§23,25
verb. mit bem gotl^. ©rbfotgegef. v. 2. Januar 1844 § 19 unb baö ®ef. für
3teu6 i. S. V. 10. 5Dcjcmber 1853 §§ 17, 68, fomic ber f|cff. entm. II 9Irt. 59,
III 3lrt. 39. dagegen legt baö fäd^f. ®. S3. §§ 1(328, 1771 ber 5ßutatioc^c
in Slnfcl^ung bcr ©Regatten felbft bie SBirhingcn einer gültigen ®l^e nur hx&
ju bem S^itpunfte ber erlangten Äenntnife bcö ©l^el^inbemiRcö bei, mälircnb
5U ®unften ber in ber nid^tigen ®^e erjeugten Äinber bie mala Men super-
veniens nic^t in Sctrad^t fommen foll. 3laä) bem preufe. 21. S. SR. II, 2 § 54
ift, foüicl bie SRcd^te ber ©Regatten gegenüber ben Äinbern anlangt, mala fide»
superveniens ol|ne ©influfe.
SGßcnnglcid^ bie Äonfequenj baljin fü^rt, mit bcr ^utatioelic für beu
gutgläubigen @l)egatten 9Birfungen einer gültigen 6^e nur biö ju bem ^cxU
puufte ju oerbinben, in meld^em ber ®l^egatte üon bcr 9tid{)tigfcit ber ®^c
Äenntnife erlangt l^at, bcr aScrmogenöauöeinanbcrfcfeung mitl[|in biefcn 3<^itpunft
äu ®runbc JU legen, menngleid^ ferner bie fac^li^en Sebenfcn fid^ nid^t Dcr^^
tennen laffen, meldte bagegen fpred^en, mit einer red^tötoibrigen unb bem
öffcntlid^cn 3ntereffc miberftreitenben SBcrbinbung über jenen Scitpunft l^inauö
SBirfungen einer gültigen 6^e ju »erfnüpfen, fo flnb bod^ bic ®egengrünbc
alö übcrroiegenb ju erachten. SSor Slllem fällt inö ®etoid&t, baß bic gcft*
ftcllung beö Seitpunftcö, in meld^cm ber gutgläubige e^egattc oon bem e^e:^
Ijinbernine Äenntnig erlangt l^at, oft mit großen Sc^mierigfeiten t)erbunbeu
ift unb eö fd^on auö biefem ®runbc bebenflidf) crfd^eint, jenen 3^itpunft bcr
SBcrmogcnöauöcinanberfcfeung unter ben ©i^egattcn ju ®runbe ju legen. ®a
bcr Älägcr, meld^er bie aSermögcnöauöeinanberfcgung auf ber ©runblagc beö
in einem Don i^m anjugebenben beftimmten 3citpunfte uorijianbenen 5Bermögenö*
äuftanbeö f orbern mürbe, bic gortbauer beö guten ©laubcnö biö ju biefem
3citpunfte unb nid^t barübcr Ijinauö beroeifen müfetc, fo mürbe in vkkn
gällen fein 3lnfpruc^ an ber Sd^mierigfeit beö 93emeifcö fd^citcrn. SBermitfeltc
Ungulligfcit bcr e^e. anfed&tunößöränbe. §1259. 71
unb loeitläuftgc ^rojeffc würben nid^t auöb(ciben. 55aju fommt, ba^ man,
njcniflftcnö unter gen)if?cn 5Ber[)äItniffen, bcm gutgläubigen ©Regatten, njenn er
fpoter oon bcr 9lici^tigteit ber ®f|e Äenntnife erlangt, nid^t n)ol)l sumutl^cn
fann, bic 9ii(^tigfeH8f[agc ju erl^eben ober bic 9lid^tigfeit ber ®^e feinerfcitß
jur 8tn5eige ju bringen, bamit bic @f|c t)on 2Imtön)egen für mcf)tig erllärt
loerbe. 938irb aber ber 3^itpunft, in roeld^eni ber ©fjegatte t)on ber Sti^tigfeit
ber ®^c Jlcnntnil erlangt l^at, a(ö mafegebcnb fiir bie aSermogenöauäeinanbcr?
feftung crflart, fo brängt man ben ®f)egatten bal^in, jenen ©d&ritt ju tl^un,
}umal mit bem ^inauöfd^icben ber ©eltenbmadjiung beö Ijier fraglid^en Sied^tcö
bie proftift^cn ©c^roierigfeitcn wegen @rmittehmg bcä für bic SBermogenö-
audeinonberfcftung mafegebcnben S^itpunfteö unb befi bamaligen SSermögcnö-
jujlanbcö not^roenbig road^fen. Um fo unbebenflid^er ift eö, ber mala fides
superveniens einen (ginftufe nid^t cinjuräumen, alö bcr (gnttourf mit ber
^utatioe^e in Slnfc^ung bcr ©Regatten fold^c SBirfungen, vodäjt SRediitc 2)ritter
beeinträchtigen, inöbefonberc erbred^tlid^c SBirfungen, nid&t ücrbinbet.
5. SJurd^ bic Scftimmungen beß § 1258 mirb bic grage, ob wJ^i> ejx®*J,^T*j„
inioiewett bcr gutgläubige @^cgattc gegen ben anbcrcn S^l^cil, wenn biefer bie oagemeinen
«ic^tigfcit ber @^c gefannt ^at, nad& SKafegabc ber allgemeinen ©runbfäöc ®'"»^f«*«"-
über S^abenderfag au3 unerlaubten ^anblungeti einen @ntfc^äbigungdanfpmd^
flcitcnb mad^en fann (uergl. §§ 704, 705), nid^t berül&rt. ®ine befonbere
aeftintmung (ücrgt. preufe. 21. S. JR. H, 1 §§ 963—965; fä^f. ®. 93. § 1629) ift
in biefer Slid^tung nid^t crforberlid^.
§ 1259.
2Bic in ber SSorbemerfuug ju ben §§ 1250—1270 S. 45 ff. bereits J^eroor* «nfec^t^arfeit
gehoben würbe, forbcrt baö praftifd^c Sebürfnife, neben ben gäUen, in weld^cn ^" ^^'
eine @^e a(3 md)tiQ bel^anbclt wirb unb bedl^alb t)on älmtswegen für nid^tig
crflärt werben fann (§§ 1250, 1253), and) \old)c %ixUc anjuerfcnnen, in wcldden
nur beftimmtcn ^erfonen bad SHed^t iuftel^t, auf Ungültigfcitäerflärung anju?
tragen, b. If. naä) bem Spfteme beö^öntwurfcö fold^c gciUe, in weld[)en bie ®t)e
ünfe(!^tbar ift. ®iefc gdllc beftimmt ber § 1259 unb jwar, wie bie ®ingangd? iMw«Wie6ii<^c
Worte bcöfclben ergeben, in auöfd^licfecnbcr SBcife. '^"flJmS??*'
1. 2a6 bic &)t anfed^tbar fein foD, wenn einer ber ©i^efd&liefecnben, fei s^w^una.
es oon bem anberen SC^cile, fei eö oon einem dritten, wiberred^tlid^ bur^
Jhro^ung ju ber ©ficfd^liefeung beftimmt worben ift (^Jlr. 1), entfprid)t ben
allgemeinen ©runbfägen beS ©efeftbud^cö (§ 103) unb fteöt mit bem geltenben
Äcc^tc infofem im ©inflauge, als baö fanonifd&e Siecht unb baö gemeine pro?
teftantifc^c e^cred^t, fowic auc^ bic neueren ©efeggebungen bic S3eeinf(uffung
bfd ©iUenö burt^ wiberred&tlid^c Srol^ung burd&weg alö ein prioateö trennenbcö
efie^inbcmife be^anbcln (ocrgl. preufe. 91. 2. di. II, 1 §§ 39, 41—44, 993;
codecivü 2(rt. 180; fä^f. ©. 93. §§ 1593, 1625; altenb. etjcorbn. ü. 13. 3)M
1837 §§ 163, 165, 168—170; ^eff. ©ntw. II 3lrt. 3, 48). g^äljere 93eftimmungen
über bic SJorauöfc^ungcn biefeö 9lnfedjtungögrunbeö, inöbefonberc über bie 93c?
f(^offcn^cit ber ÜCro^ung unb htn fog, luetus reverentialis (ocrgl. fäd^f. ©. 93.
72 UnöüItioWt bcr 66c. 9tnfed)tun98örunbe. §1259. •
§ 1593; f)cff. ©ntiü. II, 4—6), finb l^icr cbcnfoiocnig, wie in bem allgemeinen
SC^cile beö ©efe^bud^eö (üergl. § 103), alö crforberlicb ober ongemcffen crad^tct.
»«truß. 2. 3n 9lnfef)ung ber grage, ob unb inwieweit awä) ber 93etrng ofö
f old&er auf bie ©ultigfeit ber ®Ije pon 6influ& ift, gelten bie beftel^enben SHcd^te
©citcnbefi auöeinanber. Saß fanonifd^e SRed&t crfennt ben S3etrug alö einen fclbftänbigen
^^^' Ungültigfeitögrunb nid;t an. 3n ber Softrin unb 5ßrariö be« gemeinen pro?
teftantifd&en ß^ered^teö ift bie grage im 5ßrinjipe, n?ie im ©iujelnen, inö-
befonbere aud^ na^ ber ÜRid^tung l^in, inwiefern eine burd) 33etrug l)ert)or*
gerufene Säufd^ung beö einen 3;^eileö über bie SBermogenßoerfiältnifie beö
anberen ST^eUeö bie Ungültigfeit ber ®^e ju bcgrünben vermag, beftritten; bie
5ßrajiö neigt fid^ ber Slnfid^t ju, ia^ eine ®Ije o^ne 9iüdf|id)t auf ben ©egen*
ftanb beö burd^ ben betrug oerantafeten Srrt^umeö megen Setrugeö anfed^tbar
fei, fofern nur aniunef)men ift, bafe ber ®etäufc^te, menn er ben roal)ren Sad^-
t)erl^a(t gefannt Ijätte, bei reif{id()er Uebcriegung bie 6f|e nid^t gefd^Ioffen f)abm
mürbe (oergl. ©euffert I, 235, III, 66, ©ntfd^. b. SR. ®. in 6ioilf. V, 46,
XVIII, 45; anbercrfeitö iebod^ (Sntfd^. b. SR. ®. in ©traff. VIII, 4). Sluf bem
Soben beö fanonifd^en Jtedöteö ftel^en ber code civil, fomie ber f)c% ®ntm.
(ücrgl. bie tDlotioe jum l^eff. Gntm. II, 7 ©. 40 ff), dagegen finb nad5 bem
preufe. 31. Ü. SR. II, 1 § 39 t)erb. mit I, 4 §§ 84 ff. (oergt. aud& ©efefercü.
^:ßcnf. XV § 30; altenb. ©I^eorbn. ü. 13. ^M 1837 §§ 171 ff.; fc^meis- 83b.
®ef. D. 24. ©cjember 1874 9lrt. 50) auc^ in 9lnfel^ung ber 6^e bie allgemeinen
®runbfätse über bie Ungültigfeit ber SBiUenöerftärungen megen öetrugeö mafe*
gebenb. S)aö föd^f. ®. S3. § 1597 löfet bie 2lnfed{)tung ber ß^e wegen »etrugeö
bann ju, romn ber eine ©begatte jur ©ingel^ung ber ©^e burd^ 2^äufd^ung beö
anberen ij^^eileö über Umftänbe t)ermod&t roorben ift, meld&e if)n, mcnn er
biefelben gefannt i)ätk, bei t)ernünftiger Ueberlegung Don ber 6ingel)ung ber
Gf)e I)ätten abgalten muffen. 3ft ber S3etrug üon einem ©ritten verübt, fo
finbet eine 3lnfed{)tung ber ®l)c nur ftatt, mcnn ber anbere ®^eg<itte um ben
betrug geroufet bat (fäd&f. 0. 33. § 1598). 3luf einem ä^nlid^en ©cbanfen
beruben bie fafuiftifd^cn SBorfd^riftcn beö got^. ®f|egef. u. 15. Sluguft 1834
§§ 135, 136.
etojibpunft' S)cr ©ntmurf ift im 5ßrinjipe bem preufe. 31. 2. SR. unb ber in ben
(?ntmuV ®"tf*- ^- ^- ®- *" ®^^^'f- V' 4^' XVIII, 45 audj für baö gemeine pro*
teftantifd^e ©beredet vertretenen 3luffaffung gefolgt. 3lad) 9Jr. 1 ift bie ®f)c
megen 33etrugeö unter benfelbcn SBorauöfegungen anfechtbar, unter meldten
33etrug nad) ben allgemeinen ©runbfäfeen beö ©efetjbud^eö (§ 103) überl^aupt
bie Slnfed&tbarfeit eineö SRed&tögefd^äfteö begrünbet. 5!Benngleid& nic^t üerfannt
mirb, bag bie ©l^e alö ein Dormiegenb fittlid^eö SBerl^ältnig nid^t o^ne SSeitereö
nad^ ben allgemeinen ©runbfäfeen über Slnfed^tbarfeit ber SRed^tögefd^öfte p
beurt^eiten ift, fonbern bie ©igent^ümtid^fcit bcr ©f)e unb ba& öjtentlid^c
Sntereffe an ber 9lufrcdf)tert)attung ber ©^e alö einer objcftioen 3nftitution
befonbere SerüdEfidjtigung rerbicnen, fo finb bod^ bie ®rünbc, meldte bafür
fpred)en, ben 33etrug überhaupt alö felbftftnbigen Slnfed^tungögrunb anjuerfenncn,
alö übermicgenb ju cra^ten. Stellt eö feft, baß einer ber ©^efd^lieftenbcn
burd) betrug ju ber ©I;cfd^lie{jung beftimmt morben ift, fo fann eö nic^t alö
geredjtfertigt angefeljcn merben, ben ®etSufdöten an einer 6f|e feftjuljalten.
Ungültiöfeit bcr ejc anfcc^tunflgörünbe. § 1259. 73
wtlä)t nur biird^ bod rechte* unb fittenroibrifle SBcrl^alten bcö Qnbcrcn ^()cilcö
ober, wenn aud^ burd^ bcn Sctrufl cincö ©ritten, fo bod) unter aKitroiRenfc^aft
bcfi anbcrcn a^^eilcfi üon bem Setrugc ober unter folc^cn Umftänben, unter
loelc^cn ber onbcrc S^^cil uon bicfem SBetruge wiRen muf3te, ju ©tanbe
gcfommen ift ©incr fold^en @^e fc^lt cß uon uoml^ercin nn ber fittlid^en
Sofiö. auf bog Sebcnfcn, bog ber Seftanb ber G^c ju fel)r gefäfjrbet unb
fripolen (S^efd^eibunBcn SSorfc^ub gefeiftet roerbe, ba^ cö übcrl)aupt mit bem
littlid&en SBefen ber ®I;e ni(^t uereinbar fei, wenn bcn fubicftiücn SSciocgs
grünben in fo weitem Umfange ol^nc Stüdfid^t auf ben ©egenftanb beß burd)
ben Sctrug l^cruorgerufcnen 3rrt^umcß, o^nc SRüctfid^t barauf, ob cß fid^ um
einen für bic 3nJecIe ber ®f|e wefentüd^en Umftanb Ijanbelc, rcd^tüd)e Sc^
beutung bcigcmeffen werbe, fann im ^inblidfe barauf entfd^eibenbeß (Semid^t
md^t gelegt werben, bafe ber Äaufaljufammenl^ang ber ©l^efd^liefeung mit bem
S3etnigc nac^gemiefcn merbm mufe. 3(n biefcm Jlad^meife merben friuolc
^nfeti^tungen ber &)c wegen Setrugeß fd^eitern. 5Dcr Slic^ter mirb biefen
^loc^roeiö nur bann alß crbrad^t anfeilen, wenn ben Umftfinben nad) nic^t
JU besmeifeln ift, ba§ bcr Oetäufd^te, wenn er bie mafire ©ad^Iage gefannt
^ätte, bei vernünftiger Uebcriegung bie ©I)e nic^t gcfd^Ioffen l^aben mürbe.
^uß ben angefül^rten ©rünben ift cß aud^ nid^t angezeigt unb nid&t ratl;)am.
He 9lnfcd&tbarfeit bcr @^e roegen Setrugeß burd^ bic SluffteUung obicKiocr,
bem 3»erfe ber 6^e entnommener ©d^ranfen iu bcgrenjen. ®ß ift ju beforgen,
ha% bei einer berartigen SSegrenjung nid^t aüc Ijier in SBetrad^t fommcnben
tinb ju berüdfic^tigenben gälle getroffen merben mürben. 3nöbefonbcre fonn
tinter Umftfinben auc^ eine Stfiufd&ung über bie aSermogenßocrl^ältniffe beß
anberen SCf^eileß bic 3lnfed^tung ber @^e wegen Sctrugeß red^tfertigen (oergl.
€ntf(^. b. SR. ®. in Sioilf. V, 46, XVIII, 45). 3war f oU eine ©l^e ni^t um
beß 33crmogenß willen eingegangen werben; auf bcr anberen Seite fteljt cß
inbeRen mit bem SBcfen ber 6^e feineßwegß in SBiberfprud^, wenn bei bcr
€ntf (Reibung bcr gragc, ob man mit einer bcftimmtcn ^^erfon eine ©Ijc
f(^Iie§en will, ober nic^t, a\i6) bie SBcrmogenßoerl^ältniffc biefer 5ßerfon mit-
bejiimmenb finb, namentlid^ fowcit cß fid^ barum Iiaubclt, ob bem fünftigen
<5^egatten eine feinen biß^crigen SBcr^filtniffen entfprec^enbe öfonomifd^e ©riftenj
flefix^ert fein werbe. SBann übrigenß in folcfeen unb anberen göUcn in ber
2:^t ein Setrug anjuncl^men, inwieweit namcntlid) — abgefel^cn von bem in
5lr. 1 ^roorgel^obcnen befonberen gatte — eine SicdjtßpPid^t beftcljt, bem
miberen 2^eilc aUe Umftänbe mitjutl^cilen, uon welchen t)orauß5ufel^cn ift,
bo§ fie auf bcn ©ntfd&Iu^ beß anberen 2:^eUeß von ©inPufe fein würben, ift
ffitt ebenfowenig ju bcfHmmen, wie bics in § 103 gefd)e^en ift. SBie bei
anberen SRcd^tßgefd^äften, muffen in biefer §infid)t aud^ ^ier bie ©ittc unb
bie 9(nwenbung bcr allgemeinen ©runbfö^c uon 2^reue unb ©tauben bei %kv^
trfigen entfd^eiben.
9ttß einen befonberen gall beß 83ctrugeß, burd) weld^en einer ber GI;c? «er^e^rung
f(^(ie§enben uon bem anberen 2;^eilc wibcrred^tlid^ jur ©liefd^Iiejsung beftimmt '""«gil?*^
wori)en, bejeid&nct bcr § 1259 3lt. 1 ben gall, wenn bem erftcren fold)c per- ^^«f*«« '^•
\Mxd^ ßigcnfd^aften ober aSerljältniffc beß anberen 3:i)cileß uon biefcm uerl^cl)ft
roorben fmb, wel^c i^n bei oerftänbigcr SBürbigung beß Sj^J^^^ö ^^^ ®^c
74 Uiiöültigfeit bet Sßc Sfnfcd&tung^orünbc. § 1259.
Dou bcr ©^cfd^Iicfeung abfjaltcu mufetcn uiib t)on rocld^cn jugleid^ üorauöiufel^cn
xoav, bafe fic i^n, wenn er fic gefannt l)ättc, von bcr (S^efd^Hefeung abgcljaltcn
I)abcn loürbcn. 2)ur(i^ bicfc pofitbc 33cftimmung wirb cincrfcitö in gciüijfcm
Umfange eine Offenborungäpfftd^t bcr ©J^cfd^Uefecnbcn unter einonber an^
brüdfüdb anerfannt, anbererfcitö ein gall beö Sctrugcö unter aSorQuäfegungen
bcftimmt, welche an fxä) ben 2:^atbeftanb beä S3etrugeö im Sinne bes § 103
fcincöiücgö erfc^öpfen, inbem nid)t and) ber Jlad&mciö ©erlangt mirb, bafe bie
betreffenbcn Umftänbe bem anberen S^^cile ju bem ^wcdz ücrfc^miegen fmb,
bamit bcr anberc S^l^cil von bcr Sd^Iiefeung ber 6^e nid^t juriicfgcl^attcn werbe.
owToi^Tr. ^^^ Seftimmuug ber 9lr. 1 ftel)t in engem S^f^mmenliange mit
bem Stanbpun!te beö ©ntmurfcs, bag, abgefel^en von ben in 3lx. 2 be^
jeid^ncten gällcn, eine älnfed^tung bcr (S^c megen fog. njcfentlic^en Srrti^umcö
über ©igenfd^aften unb SBcr^öItniffc beö anberen S^Ijcileö nic^t jugelaRen
merben foll.
©ritmbeä 25Qg geltenbe 9te^t Ijat ben (Sinftufe beö 3rrt^umeö auf bie Oültigleit
ber 6^e Dcrfd^ieben bcftimmt. S)aö fanonifd^c 9led)t berücffic^tigt als trennenbcs
ß^cl^inbcrnife in biefer öejiel^ung nur ben Srrt^um über bie ^erfon (error per-
sonae unb error qualitatis in personam redunclans) unb benSrrti^um über ben freien
Staub (error conditionis). 3m Uebrigcn ift nad& ber l^crrfd&enben 3lnfid&t in
2)ottrin unb 5ßrajiö ber Srrtl^um über ßigenfdjaften ber ?|Serfon auf bie
©ültigfeit ber G^e o^ne ©inpufe. ©ine anbere Sluffaffung ge^t iebod^ ba^in,
bafe bie S3eftimmung beö tanon. 9led)teö über ben ©influfe beö error conditionis
bcr StuöbrudE eineö ^rinjipeö fei unb in allen gällen ber Srrtl^um über
lücfcntlid^e ©igenfd^aften einer ^erfon, b. 1^, über fold^e ©igenfd^aften, burd^
meldte ba^ SBcfcn bcr ®^c berührt merbc, ein prioateö trennenbeö ©^e^
Ijinbernife begrünbe. Sluf bem ©ebietc beö eüangelifd&en Äird^enrec^teö luiebers
l^olt fid^ biefelbe Streitfrage, ob unb inmicroeit ber Srrtl^um über ©igenfc^aften
bcr 5ßcrfon auf bie Oültigfeit ber 6()e uon ©inftufe ift; bod^ ift l^ier 2)oftrin
unb ^rariö einer ©rroeiterimg biefeö ©influffeö im ®anjen geneigter, toenngleid^
über bie gormuürung beö ^rinjipeö unb ben Umfang, in loeld^em bem
Srrt^ume über ©igenfd^aftcn unb a3crf)ältniffe ber ^^erfon ein ©influfe auf bie
©ültigfcit ber G^e cinjuräumen fei, im ©injelnen feine Uebereinftimmung
bcftcl^t (ücrgl. ©ntfd^. b. 31. ®. in ©iüilf. XVII, 58). 2lnlangenb bie 5ßrariö,
fo wirb Don bcrfelben jicmlid^ allgemein Sd^roangerfd&aft ber ©ficfrau dou
einem !£rittcn, fofern bem ©bemanne biefe Sd^wangerfd^aft unbefannt geblieben
ift, alö 5Rid&tigteitögrunb anerfannt (t)er3l. Scuffcrt VI, 210, 211, XII, 36,
XXXV, 79). SBielfad^ mirb in ber 5ßrariö ferner angenommen, bafe über«
^aupt bcr ^rrt^um über ben aJlangel bcr SSirginität bie SRid^tigfeit bcr
G^c begrünbe (ücrgl. Scuffcrt VII, 191, XIII, 33, XVII, 249, XVIII, 144;
anbererfcitö X, 175, XXI, 58).
Son ben neueren (Sefcfigcbungcn berücffid^tigt bcr code civil Slrt. 180,
lücnigftcnö bem SBortlaute nad), nur ben 3trrtt)um in bcr ^^erfon (oergl. aud^
ital. ®. SB. Mxt 105 Slbf. 2; fd^mcij. 93b. OJcf. v. 24. ©cicmbcr 1874 2lrt. 50).
3n bcr franjöfifd)en Suriöprubcuä fjcrrfd^t jcbod^ ein lebhafter Streit
barübcr, ob unter bem ^rrt^ume in bcr ^^Serfon im 3lnfd[|Iu{fe an baö fanonifd^c
JHcd^t nur bcr Srrtfjum über bie pf|i)fifd^e ^^Jerfon ju tjcrftc^en ober ber
Uiiöultiofeit tcr ß^e. anfed;tunö8flrünbc. § 1259. 75
3rrt§um aud^ nod^ in anbcrcu gollen oIS ^lid^tigfcitögruub anjucrfcmicn fei.
J)ic dcrrfd&cnbc SKcinung nimmt leßtcrcö an, gcl^t aber in Beantwortung ber
groge, in loeld&em Umfange ber 3^rt^um über ®igenfd&aftcn ber ^^ierfon ju
bcrüctfid^tigen fei, weit auSeinanbcr. 3lad) ber einen Sluffaffung liegt ein
Srrt^um in ber ^erfon bann oor, roenn ber 3trtf)um fid& auf bie personne
cinle bejieljt, b. I). auf ben 3i^Upö»i> ^^r 5(}erfon, inöbefonbere bie 9lb^
ftammung unb gamilienangel^origfeit. Slnbere wollen bagegen aud^ ben
3W^um über fojialc ober moralifd)e unb felbft p6i)ftfd5c ©igenfd^aftcn berüd*
fic^tigcu. ®er bcm code civil nal)c ftel^enbe \)c% ©ntn). II Slrt. 7 befianbelt
aufeer bem 3rrtl^ume über bie 3bentität ber ^^erfon ben S^rt^um beö &)c^
monneö über bie t)on einem dritten l|errül[|renbe Sd^mangerfddaft ber grau jur
3cit ber e^efd^liefeung als 91id^tigfeitögrunb (ebenfo ofterr. ®. 33. §§ 57—59).
Xugerbem fann bie Siicfetigfeitöerflärung wegen 3n:tl)ume8 beantragt werben,
luenn einer ber ©Regatten fd^on oor ber ©liefd^liefeung in fiufeerlid^ erfennbarer
338eife jur Seiwo^nung unl^eilbar unffil&ig war.
Sad fäd^f. ®. 33. §§ 1595, 1596 l^at ben ©inftufe beö 3vrtl|umeö auf
bie (Söltigfeit ber &)c nod^ fafuiftifd^er geregelt. S)er* Srrtl^um fd&liefet bie
Ginmilligung jur 6^c aus, wenn eine SBerwed^fclung in ber 5ßerfon ftatt^
gcfunben ^at, ober wenn ber eine (g^efd^liefeenbe erft nad) ©ingeljung ber ®^e
crföl)rt, bofe ber anberc ©begatte fd^on oor. ber @i)c mit gewiffen, nälier be^
jeic^neten, unheilbaren geiftigen ober forperlidjen Äranf Reiten ober ®ebredE)en
behaftet, namenttid^ unl^eilbar unfäliig jum SBeifd^lafe gewefen, ober ba^ er
mibematürlid^e Unjud^t mit einem SWenf^en ober einem S^^iere getrieben ober
ba§ er fid^ eines SBerbred^ienö fd^ulbig gemad^t Ijat, weld^eö von ber 93cfd^affcn*
^it ift, bag anjune^men ftel^t, ber 3rrenbc würbe ben Slnberen nid^t ge^eirat^et
^ben, wenn er baö SBerbred^en gefannt ^ötte. Slufeerbem wirb eö als ein bie
©inwilligung ausfd^liefeenber 3rrt^um eines ©Regatten bezaubert, wenn ber
le^tcrc erft nad^ ©ingei&ung ber (g^e Äennntnil baüon erlangt, ba§ ber anbere
%gatte nad^ bem oorl&ergegangenen SBerlöbniffe eine unjüd^tige ^anblung be-
gangen l^at, wegen beren ß^efc^cibung verlangt werben fonnte, ober wenn ber
e^cmann erft nad^ ber ©l^efd^liefeung in @rfal;rung bringt, \>a^ feine ©l^efrau
oor eingel^ung ber ®^e aufeere^elid^ geboren l§at ober bei beren ©inge^ung
uon einem Slnberen fc^wanger gewefen ift.
2lbwei(^cnb oon ben bisher angeführten ©efcggebungen berüdfidjtigt
bos preufe. a. fi. % II, 1 § 40 aufecr bem Srrtl^ume in ber 5ßerfon, unb jwar
unter 33erweifimg auf bie allgemeinen 93eftimmungen (I, 4 §§ 75—83), all-
gemein ben Srrtl^um in fold^en perfönlid^en ©igenfd^aften, weld[)c bei Sc^liefeung
einer ß^e ber bctreffenben 3trt oorausgefegt ju werben pflegen (t)crgl. ©ntfc^.
b. % ®. in eioilf. XVII, 58). 3laö) ben §§ 81, 82 I, 4 ift ein fol^er
3nrt^um in ben ßigenfdjaftcn auf bie ©ültigfeit ber ©l^e jebod^ ofinc Cinftug,
wenn ber Snrenbc feinen Srrtlium, burc^ eigenes grobes ober mäßiges SSerfetieu
wonlofet l^at. ®er ®efegret). 5ßenf. XV, §§ 31a, 31b, 32 ^at biefc SBorfc^riftcn
bo^in cinjufc^ränten uorgefd^lagen, bafe ein Snrtl^um in ben ©igenfd^aften ber
^tfon ein ^Infed^tungsrec^t nur bann begrünben folle, wenn ber ©bemann
feine G^efrau nad) ber Gl^efd^liefeung bereits üon einem Slnbcren gefd^wängert
finbet, ober wenn ein fd^on oor ©ingel)ung ber Ql)c i)orl|anben gewefenes immer^^
76 UngüItiöWt bcr ßßc anfc4tunö§örfinbc. § 1259.
TOöfireubcö Unücrinögcn juv S3eirooIjnung ober ein anbcrcß förpcrlic^eö im-
l^eilbareö ©ebred^en, weld^cß Gfcl ober Slbfd^eu erregt, bem anberen 2'f)cile
üerfd^njicgeu worben ift. 9luf einem äljnlid^en Stanbpunftc, mic ba^ prcufe.
91. S. 9t., ftel)en im ^Prinjipc a\\6) boö gottj. ß^cgcf. v. 15. 3luguft 1834
§§ 135, 136 unb bie oltenb. ei)eorbn. v. 13. üKai 1837 §§ 177, 178.
etanbpunft 2)yj gulaffnng ber 3lnfcd^tung ber ß^e megen 3rrtl)umeö beö einen 2:f|eileö
önticurfe«. Über fog. wefentfidje ©igcnfd^aften ober SSerfiältniffe beä Qnberen S^^eileö, b. l).
über fold^e in bcr ^erf on beö [enteren begrünbete Umftönbe, meldte objef liu
von bcr ®I;cfd5Ue§ung mit bemfelbcn abju^altcn geeignet waren unb im fon*
fretcn gallc aud^ ben 3t^renben abgel^alteu ^aben mürben, mürbe fidf) als eine
2luönoI)me t)on bem Orunbfatje beö § 102 barftellcn, ba& ein 3rrtf)nm in bcn
33emeggrünbcn auf bie ©ültigfcit eines 9led)tögcfd^äfte8 ol^nc ©influfe ift. ©ine
2)urd)bred^ung biefeö ©runbfa^e« läfet ftd^ nur bann red^tfertigen, menn bie*
fclbe burd^ bie befonbcre Slatur bcr ©^e alö einer baucrnben DoHiflcn Scbcnö*
gemeinfd^aft unb alö eineö üormiegenb fittUd)en JBer^ältniffeö ober burd^ ein
jroingenbeö praftifd)cö Sebürfnife geboten ift. 3n erfterer §infid&t fann man
für eine ©rmeiterung ber 9Infed^tbarfeit megen S^^rtl^wtneö anfül^ren, bafi,
mcnu eö in ber 5ßerfon eineö ber ß^efd^Iießenben megen bcr perfonlid^cn ©igen*
fc^aften unb a3erf)ältniffe beöfelbcn an einer mefentlidfjen SBorauöfefeung für eine
baucrnbc üöüige Scbenögemeinfd^aft, für eine gcgenfcitigc innige Eingabe, mie
fie baö SGßefen ber e[)e mit ftdö bringt, fel^It, bem anberen S^^cile, fofern biefer
fidö im l^nrt^umc über jene ©igenfd()aften unb aScrl^SItniRc befunben Ijat, bei
Äenntniß bcr ©ad)Iage aber bie 6f)e nid^t gcfd^Ioffcn \)ahtn mürbe, bie gort*
fe^ung ber ©l)e nid^t jugemut^et merbcn bürfe, nomentlid) bann nid^t, menn
größere fittlid^e aWöngel in ber 5ßerfon beö einen ä^^cileö bem anberen Streife
unbcfannt geblieben feien. SSom praftifd^cn ®efid)töpunfte auö fann man ferner
für bie 3wlöffung ber Slnfed^tung bcr ©l^c wegen ^rrt^umeö in folc^en gättcn
flcftenb mad^en, bafe oI;nc biefc 3ulaffung bie 3öl^t ber unglüdEIid^en 6^en fic§
ücrme^rcn werbe. 9Benngfcid& baö ©ewid^t biefer ©rünbe nid)t t)er!annt wirb,
aud^ baö geltenbe 3led^t übcrwicgenb biefen Stanbpunft einnimmt, fo l)at bod^
ber ©ntwurf Jöcbeitfcn getragen, tcbiglid^ am bem ©efid^töpunfte beö 3i''rtf)umeö
in göUcn bcr bcjeid;neten 9lrt bie Stnfed^tung ber ®^e ju geftattcn. 33ei biefer
9lrt ber Siegelung wirb baö inbiDibucDc 3ntereffe beöienigen, welcher fid; in bem
3rrtl)umc befunben l^at, ju fc^r in bcn 3Jorbergrunb geftellt unb bem öffent*
lid&en 3»ttereffe an bcr 9lufred^terl)altung bcr ®{)en, fowie bem 3^it^reffc beö
anberen Ä^eileö, wenn biefer ben betreffenben Umftanb ebcnfallö nid^t gekannt
^at, nid)t genügenb SRcd^nung getragen. 9luf ber anberen Seite ift eö in*
it^cn mit SRürffic^t auf bie Slnforberimgen beö Sebenö unb mit Slüdffid^t
barauf, bafe in großen 9ied)tögebieten baö geltenbe SWed^t bie 2lnfed)tung ber
©I)e an^ bem ©efid^töpunftc beö wefentlid&en 3rrt^untcö in weiterem Umfange
äuläfet, alö bieö nad^ ber 3lx, 2 bcr gall ift, bebenRid^, an bcr Strenge
beö ©runbfafeeö beö § 102 bei ber ©fjcfd^liefeung unbebingt fcftsu^alten. Sic
9lnfed)tbarfeit wegen Setrugeö gewäl)rt nid&t immer auöreid^cnbc ^ülfe. ^n
Dielen ber I)icr in 93etrad)t fommenbcn SSerliöttniffc wirb swar ein Setrug im
Sinne beö §103 vorliegen; nid)t feiten wirb eö jebod) anbcrcrfeitö jweifell)aft
fein, ob eine 9ted)töpflid)t beö einen I'^eilcö, bem anberen bie betreffenben
llngülttflfcit bcc SBe. anfcd&tunöcßrünbe. §1259. 77
Umftänbc ju offenbaren, angenommen werben fann, unb ob ber crftcre bicfe
Umftfinbe in bctrügerifd^er 9lbfid^t oerfdjioiegen ^at, bamit ber anbere X\)til
mc^t oon ber Schließung ber ®l^c jurüdgel^altcn merbc. 2luö biefen ©rünben
nnpftc^tt CS \idi, bie Sttnfed^tung ber ©l^e auä bem ©efid^tspunüe bcö S3ctrugcö
fc^on bann jujulaffen, wenn bie in bem ©d^Iufefaßc ber 9ir. 1 nöl^er
bQci<ftneten SSorauöfc^ungen t)orl^anben fmb. 35iird^ ba^ ©rforbernife, ba^ bie
betrcffcnben ©igenfd^aften unb SBerl^ältniffc bed einen ^^eileö oon biefcm bem
anbcren ij^eile oerfiel^lt fein muffen, werben namentlid^ bie gärten unb Un-
MIßgfciten ücrmieben, meldte mit ber Slnfed^tung lebiglid^ aus bem ®efid)tä^
punfte beö 3trt^umed für btn \x\ä)t anfec^tungdbercd)tigten anberen ^f)eil bann
©erbunben fein fönnen, wenn and) biefem bie betreffenben Umftänbc jur 3<^it
ber (S^ef^Iießung unbefannt loaren.
Xa burc^ bie SSorfc^rift beö brüten ©albfafeeö in 9Jr. 1 beö § 1259 eine
bcfonberc Dffcnbarungöpflid^t in 3lnfel^ung ber bort bejeid^neten 6igenfd)aftcn
unb SJer^ältniffe ber ©J^efd^lieöenben nur für bicfe felbft, nid^t aud^ für brüte
•pcifonen bcftimmt mirb, fo fann ein dritter burd) baö bloße 35cr^ef|lcn f o(d)er
Gigcnf(^oftcn unb aSerl^altniffc nad^ allgemeinen ©runbfätfcn cincö S3etrugci^
fic^ nid^t fd^ulbig mad^en unb bed()a(b auf einen fo(d)en gall bie äior^
fc^rift beö 5ioeiten ^afbfafeeö in ?lr. 1 Eeinc Slnroenbung finben. 6at
dncr ber ©l^efc^ließenben gemußt, baß feine perfönUd^en ©igenfd^aften unb
*erl)ältniifc üon einem Stritten bem anbcren ^^^eile Der^cf)It finb, fo l)at er
fdbft, loenn er nid^t fprid^t, iene @igcnfd)aftcn unb 93cr^8ltniffe ocrl)el)lt. Sa*
gegen ocrmag ein fo^rläf jigeö 33erf)alten bcöfelbcn in biefer S3ejie^ung niemals
naif ajloßgabc beö jmeiten c^albfaßcö in 9Jr. 1 beö § 1259 bie Slnfcd^tung ber
6^e ju begrfinben.
3m Slnfd^luffe au bie SSorfd^riften beö fanouifd^cn 9tec^tcä unb beö Smpotenj.
protcfiantifd^en Gljered^tcö über baö ®^el;inberniß ber ^mpotcnj (uergl. Seuffcrt
XXXXII, 302) laffen uerfd)iebene neuere ®efe^gebungen (oergl. fäd^f. (S. 33.
§ 1595; got^. eijegcf. v. 15. Sluguft 1834 § 104; attcnb. eijeorbn. o. 13. Mai
1837 §§ 178, 180—183; ^eff. (Sntm. II 9lrt. 7 9lr. 2) aM bem ®erid&tß:=
punfte u)cfcnttid)en 3rrtl)umcß bie Slnfed&tung ber Gt)c megen 3"^Potcnj cincö
Glatten ju. Slud^ in biefer Scjiel^ung ift icbod& für foldfjc gäUc, in metd&en
bie Seiwo^nungöunfä^igfcit erfennbar ift, neben ber SBorfd^rift ber 3lv. 1
eine befonbere a3orfd()rift entbefjrlid^. 3)aß eine äußerlich crlennbarc S8ci*
too^nungöunfä^igfeit bem Unfähigen imbefannt geblieben ift, liegt fo fern unb
We betreffenben gälle merben fo feiten fein, ba\] cö an einem genügcnben Sin-
laffc fe^Ü, für folc^e göDc bcfonberc SBorforge in treffen. 9lnlangcnb aber
fol(^ gäHc, in roeldden ber 3Hanget äußcrlid) nid^t erfennbar ift, fonbern auf
inneren ©rünbcu beruht, fo ift für bicfe gälle eine Slbmcid^ung oon bem
%unbfo|c bcfi § 102, baß ber S^rtl^um in bcn Scmeggrünbcn auf bie (5Jültig=
feit eincö Slec^tögcfd^äfteö oljnc ©inftuß ift, um fo bebcnflid)cr, atö ein 3)langcl
ber airt fd^ioer feftftcDbar ift unb, aud) abgefc^cn baoou, uid^t einmal unter
allen Umfiänben bie 2lnnaf)me gered^tfcrtigt fein wirb, baß bie ®{)c in ber
jii^crcn Grroartung ber Seimoljnungöfäf^igfcit gcf^loffen ift. Gine fold^c ©r*
iwrtung wirb 5. 35. bei ber Gf^cfc^licßung jn)ifd)cn betagten 5|Jerfoncn nid}t
fetten ^u ocnteinen fein.
78 Unöültiöfeit ber (SJe. 9lnfcd)tun08grunbc. § 1259.
Mangel ber 3. 3iaä) betit § 1259 3lx. 2 Ift blc (Sl)c itt jiüci gällcn anfcd^tbar roegcn
fiiSmurg^bea 3)hn9ctd bct Ucbcrcinftimmung bcö wirMid^cn SBiUenö mit bctn crflärteu
ffi'a*nft^m"t ^^''^^"^ f^f"^*^" ^^^^^^ SKangel auf einem 3rrtf)ume beö - ßrf lärenben bcrul^te.
tm Irfiärten SSoii beit allgemeinen ©runbfäfeen beö ©efeßbud^eö (§ 98, § 99 5BDbf. 1) meidet
®|[*y" bie Scftimmung in breifad^cr Sejiel^ung ab, einmal infofern, afe in ben in
Srrt^ume«. 3lx. 2 bejeid&neten gäHen bie Slnfed^tung ber Gl^e megen Srrt^umeö
immer juläffig ift, olinc bafe es einer fonhreten Unterfud^ung bebarf, ob an-
junel^men ift, ba§ ber Srrenbe bei Äenntnifj ber Sad^Iage bie e^e nid)t
gefc^Ioffen ^abcn mürbe (§ 98). Sie aeBic^tigfeit unb bie ^öd^ftperf5nlid)c
9ktur ber ß^c »erlangt, bafe bie ©ntfd^eibung barüber allein bem 3rrenben
,überlaf|en mirb. S)ie imeite 3lbmeici^ung befteljt barin, bafe in ben Iiicr
fraglid^en gällen bie G^e aud^ bann ungültig ift, menn bem 'Su'enben grobe
gal)rlaffigfeit jur Saft fällt, ber anbcre 2:^eil aber ben 3trtl>um meber fanntc
no6) fennen mufete. ®ie raefentlic^ auf 9{ücfpd{)ten ber ©ic^erl^eit unb Seid^tig*
feit beß SSerfel^reß beru^enbcn ©rünbc für bie ba& SBiUenöbogma burd^*
bred^enbe SJorfc^rift beö § 99 Slbf. 1 treffen für bie ©liefd&tiefeung nic^t ju.
3lud^ mürbe eö bem SBcfen ber 6l)e nid^t entfpred^en, roenn ber 3rrenbe um
bcömillen, meil iljm grobe ga^rlöffigfeit jur Saft fällt, an eine (St)e, meldte
er in SBirtlid^feit nid)t geroollt \)at, gebunben fein foUte. 2llö eine britte Slb-
roeic^ung t)on ben attgcmeinen ©runbfäfeen erfd^eint eö, bafe in ben gäUcn
ber 3lx. 2 bie ©fie nid^t nid^tig, fonbern nur anfed^tbar ift (§ 98).
ISiefe mit ben befte^enbcn Siedeten im Ginflange ftel^enbe 3lbmeid)ung rec^t*
fertigt fid^ burdd bie ©rroägung, baß eö unter Umftänben im Sntercffe beö
Srrenben liegen fann, bie einmal gefd&loffene 6l)e, namentlid^ menn bie tl^at*
fäd^lic^e t^dxä)c Sebenögemeinfd)aft einmal eingetreten ift, aud{) nad^ ber 6nt*
bcdfung beö Srrtl^umeö f ortjufe^en, bafe aber bem anberen 2;t)eile, roeld^er feine
freie ©inroilligung ju ber ß^ef^liegung crtljeilt l)at, fein Unred^t gefd&iet)t,
menn er an biefer ei)e feftgel^alten mirb.
S)er erfte ber beiben in 3tv. 2 bejeicöneten gälle, roenn einer ber
@l)c)d)lie6cnben ben SBillen, überhaupt eine ©^e ju fd&lieften, bei ber ©Ije*
fd^liefeung nid^t gehabt Ijat unb biefer aJlangel ber Uebercinftimmung beö roirf^
lid)en SBillenö mit bem erflärten SBillcn auf einem 3rrtl^ume beö ©rflärenben
berul^t, roirb feiten praftifd^ roerben ; er fann jebod^ vorfommen namentlid^ bei
ber fog. 3rrung, bem Srrt^ume in ber ©rflärungöl^anblung, fomie bei ber
@l)efd)lic6ung 3:auber, Stummer, S^aubftummer ober folc^er ^^Jerfonen, meiere
ber beutfd)en ©prad&e nid^t mädjitig fmb. S)er jroeite, aud^ in bnx beftel)enben
SÄcd^ten (üergl. bie Ueberfid)t oben unter 9^r. 2 S. 74 ff.) überall Dorgefeljene
gall betrifft ben 3n:t^um über bie 3bentität ber 5)ierfon. S)ie gaffung ber
9lr. 2 läßt mit genügenber Älarl^eit erfennen, ba^ barunter nur ber 3rrt^um
über ba^ Snbioibuum, nid^t aud& ber 3rrt^um über ©igenf^aften
ber H-^erfon ju tjerfteben ift. ®ie Sofung ber grage, in meldten gällen ein
folc^er Srrtl^um über bie 3bentität ber ?|Jerfon, eine auf 3rrt^um beru^enbe
^4>erfonem)erroed^fclung vorliegt, mufe, roie im § 98, fo ani) ^ier, ber aDBiffem
fd^aft überlaffen bleiben.
^^^ . 4. Sie golgen einer Don einem ©l)eunmünbigen eingegangenen G^e fmb
»mm n 0 et . ^^^^ ^^^^ gclteubeu SRed^te fcl)r t)erfd^ieben geregelt. 3lad) ber einen ®ruppe
Ungültiafeit ber Qh. Stnfecftunot'flrünbe. § 1259. 79
pon SRecfttcn bilbct bic G^cunmünbigfcit ein öffcntlid^eö trennenbciS ©^cljinbcrnife, ^^^^l^
fo ba^ bic gegen ba^ SBerbot oerftofeenbc Gf)c abfolut nid)tig, bic 9licbtigfcit
mitbin von Slmtfiwegen gcltenb ju macbcn ift. gu biefer ®ruppc geboren
bad fatbolift^e unb genteinc proteftantifd^c ©beredet, ber code civil 3lrt. 144,
184—187 unb baö bab. S. 9t. Safe 184—187 t)erb. mit bem bab. ®ef. t). 9. S)c^
jcmber 1875 § 2 lit. c (pcrgl. oud^ b^R- ®"tn). II Slrt. 55). 3la6) gemeinem
proteftantifd^en 6^ercd6tc mirb inbe^en angenommen, bafe bie nid^tige Gl)c
fonpaledjirt, roenn trofe ber mangeinben ©b^^^^ö^t^iof^i^ ^^^ ©efd&fed&töoereini«
gung DoUjogen ober wenn bie ß^emünbigfeit eingetreten ift, fofern nid^t in
bem lefcteren goUe ber ß^eunmünbige Dor bem (Eintritte ber ©b^n^üni^iflfcit
feinen S)iffen9 ju erfennen gegeben ober bei Gintritt beöfelben bie 3lid[)tigfeit
ber 6b« flcltenb gemod^t Ijat ^lad) bem code civil 9lrt. 185 unb bem bab.
2. 91. £a6 185 ift bie ©rbebung ber ?lidbtigfeitä!Iage nid^t meljr iuläfftg, mcnn
feit bem Eintritte ber ©^emünbigteit fed&ö 3Honate t)erf(offen finb, ober menn,
falte bie grau ber ebeunmünbige S^beil mar, bic lefetere t)or 3lblauf ber fei^ö
SRonate empfangen l^at.
9ladb einer jmeiten ©ruppe von Siedeten ift ber aßangel ber ©bc-
münbigfcit ein prit)ateö trennenbeö ©b^^i^i^cmife. Sicö ift ber Stanbpunft
beS preug. 91. £. 91. II, 1 §§ 934, 970, 991, 992 unb beß fäc^f. ©ef. v. 5. 9io=
wrmber 1875 § 5 (oergl. audf) ©ef. für 9leu6 ä. 2. n. 3. a)lai 1879 § 14; ferner
ofterr. ®. 83. §§ 48, 94 ; fd^meij. »b. @ef. ü. 24. 5Deiember 1874 9lrt. 27, 52).
Ginc britte ©ruppe t)on 9led^ten legt bem 3)langel ber Gbemünbigteit
nur bie 33ebeutung eineß auffd&iebenben Gbebinbentiffeß bei, fo baö gotb.
Gbcgef. V. 15. SKuguft 1834 §§ 2, 3, 22, 23 unb bie altenb. Gbeorbn. v.
13. SKai 1837 §§ 4—6, 163, 165—193 oerb. mit bem altenb. ®ef. v. 25. äßärj^
1879 § 8 (oergl. ferner baß infomeit iebodf) burd^ baß oben angefübrte ©ef.
ü. 5. 9loDembcr 1875 § 5 abgeänberte fäd^f. ©. S3. §§ 1589, 1627, 1621).
2cr Gntmurf (9]r. 3) b^* f^d) "^ l>cr Ijier fraglid[)en Sejiebung etan^punft
bem prcufe. unb bem fäd^f. 9ied^te angefd^Ioffen. S^er ©tanbpunft berjenigen cntwurf««.
©efe^gebungen, meld&e ben SRangel ber Gbemünbig!eit nur alß auffd^iebenbcß
Gbcbinbcmiß bebanbeln, ücrbient namentlid^ um beßmillen feine Billigung,
weil er ben ©eftcbtßpunft unberüdErtdjitigt läfet, bafe bie Gl^e bie perfönlidtjc
GinroiHigung ber (&\)^ä)lk%tnbtn erforbert, biefe Ginmilligung aber nur bann
afe eine binbenbe betrad^tet merben barf, menn ber GinmiUigenbe bie gä{)igtcit
befaß, bie S3ebeutung ber Gbc in ibrem sollen Umfange erfennen ju fönnen.
Siefe gäbigfeit ift aber, roenigftenö ber 9iegel nad^, nor Gintritt ber Gbe-
münbigfeit nid^t ror^anben. 9luf ber anberen Seite ift eö aber aud^ bebenffid^,
bie Gb<^ünbigfcit alß 9ii(btigfeitßgrunb anjuerfennen. Saß ®en)i^t ber Gbe-
unmünbigteit afe eineß Gbebinbentiffeß ift mefentüd^ geminbert burd& bie 3u*
lajfung ber ©ißpcnfation (§ 1233 2lbf. 3). Gin bißpenfabfeß Gbebinbernig ju
einem abfolutcn trennenben Gbebinberniffe ju mad^en, erfd^eint nid)t alß an-
flcmeffcn. 9lud^ baburd^ I|at bie Gbemünbigfeit einen anberen Äarafter an^
genommen, ba| biefelbe nid^t mebr, mie bieß vkl^aö) frül^er ber gall mar,
mit bem Gintritte ber 5ßubertät jufammenföUt, fonbern meit über biefen S^iU
puntt biwaußgcfc^obcn ift. 3n golgc beffen ftellt fic fid() alß eine befonbcrc
«rt befc^ranfter ®ef(bäftßfä^igfeit bar.
^
80 Unöültiöfcit fccr g^c 9tnfc(f;tun65öränbc. § 1259.
3ln bcn aJlaugel ber ®[)emünbigfcit bie Sftid)ti8fcit ber ®[jc ju fnüpfcn,
fü^vt Qufecrbcm unter Umftänbcn ju großen gärten. S)ie SlegcIfäUe finb bie^
jenigcn, in roeld^en ber Gljeunmünbigc ber ©^emünbigfcit fel^r no^e ftcl&t, ber
eintritt berfclben üon ben S3ctl^cUigten oieUcid^t auf ®runb einer unri^tigcn
ober ungenauen ©eburtöurfunbc in gutem ©tauben fd^ou afö erfolgt angenommen
mirb. 3lbcr aud) wo bieö nid)t ber gall, ift bie 9lid&tigfeit anftöfeig. ©9 liegt
feincöroegd im offentIicf)en Sntercffe, bcn Staatöanmalt eingreifen ju lajfeiv
mcnn eö 5, SB. äu einer ©d^roangerung ber grau gefommen ift. ©benfo ift
bie auö ber 9lid^tigfeit fid^ ergebeube Äonfequens mifelid^, baß, menn ein 2:i)eil
uor eintritt ber ©^emünbigfcit ftirbt, bie etwa auö ber ©Ije üor^aubeneu
Äinber als iiinber aus ungültiger (S^c bef)anbelt werben muffen, wad namentlid^
in bem galle beö § 1566 ^art fein fann. 3)aju fommt, baß c« ju einem
eigent^ümlid)cn Slcfultate fii^rt, wenn eine ®f)c, it)e(d{)e üon einer in ber
©efd&äftöfä{)igfeit befd^ränften^ aber «^cmünbigen ^^erfon ol^nc bie ©inroiUigung
beö gefefelid^en SSertreterö gefd^Ioffen rourbc, nur anfed^tbar ift (Sir. 4),
mä()renb bie uon einer burd^ SSoUiatirigfeitderflärung gefd^äftöfäfiig geworbenen,
aber trogbem el^eunmünbigen ^erfon (üergl. § 1233 3lbf. 4) eingegangene
G^c als nid^tig bel^anbelt würbe, liefen ©rroägungen gegenüber fann auf
bie felteneu göUe, in meldten bie ®f)e bem öffentlid&en ^ntercffe wiberftreitet,
weil ber ©Ijeunmünbige erft eben bie Saläre ber Äinb^eit überfd^ritten I)at,
entfdjeibenbed ®en)id)t nid)t gelegt werben, ebenfowcnig auf ba& SBebenfen, baß
bie Sefjanblung ber ®{|eunmünbigfeit afe eines 3lnfed^tungsgrunbes im .^inblicfc
auf bie SBorfd^riftcn ber §§ 1261, 1263, 1264 ju einer bem SBefen ber ©l^e
wiberfpred^enbcn ®^e auf ^^robe führen fonne.
«aitflcib« 5. ©in weiterer Slnfed&tungsgrunb ift nad^ 3ir. 4 ber SDiangel ber
b^"8*^ifSn ßi'^^iUiOwwS ^^^ gefeglid^en aSertreterS eines ber ©^efd^Ueßenben. Sagegen
»ertretcrs. (j^t, wie bie gaffung ber ©ingangsworte bes § 1259 üergli^en mit bcn
3lv. 1-— 4 unb ber § 1250 ergeben, ber SRangel ber nad& ben §§ 1238, 1239
erforberlid^en ©inwilligung ber ©Itern als fold^er nur bie Sebeutung eines auf«
fdjiebenben ©^eljinbernijfes.
©eitcnbcft S)ic beftel)enben SÄed^te tiaben bie SBirfung bes ÜWangelS ber elterlidjcn
^''^** ober ber üormunbfd&aftlid^en ©inwilligung jur ©i^efd^ließung fef)r üerfdjiebcn
geregelt. 2^^ei(S legen fie biefem ©^e^inberniffc nur auffc^iebenbe, t()eils
treuncnbe, t^eils je nad^ SSerfd^iebenl^eit ber gäHe auffd^iebenbe ober trennenbc
SBirfung bei unb, foweit fie bem äJlangel ber ©inwilligung einen ©influß auf
bie ©ültigfeit ber ©^e einräumen, ertlären fie bie {entere t^eits für abfolut
nid^tig, tfjeils nur für anfedbtbar. SJabei pflegt jwifd)en ber ©igenfd^aft ber
©Itern als fold&er unb ber ©igenfd()aft eines ©(ternt()eiles als beS gefeglic^en
aSertreterS beS ©f)ef^Iießenben nid^t fd^arf unterfd&ieben ju werben.
3}aii) bem fanonifdjen Siedete wirb bie ©ültigfeit ber 6^c burd^ ben
9)langel ber eltcrlid^en ober uormunbfdjaftfidjen ©inwilligung nid^t berührt.
S)em fanonifc^en dlcä)ic finb eine große S^^l älterer bapr. Statuten imb t)cr^
fd^iebene in ber 5ßrot)inj .^annooer geltenbe ältere ^artitularre^tc gefolgt,
ferner üon neueren ©efeggebungen bas got^. ©Ijegef. v. 15. 9luguft 1834 §§ 4,
22, 23, bie altenb. ©^eorbn. o. 13. aWai 1837 §§ 32, 36, 82, 16.3, 165—193,
bas fäc^f. ©. 93. §§ 1571—1575, 1600, 1621, 1627 (lefetereS iebodj aufgehoben
Unöültigfeit ber gjc. anfed^tungößciinbe. §1259, 81
burc^ boö fdd)f. ©cf. t). 5. SUoücmber 1875 § 6) unb ba% brem. ®cf. r.
31. Ohobcr 1875 § 1.
3m (Scgcnfagc ju jenen SRed^ten erftörcn einjelne ältere, inöbefonberc
franf. unb fc^roäb. ^ßartilularred^te bie von Äinbern ofjne bic ©inroilligung
bcr 6(tem, foroie bic von beüormunbetcn ajlinberiäl^rigen o^ne bie ©in-
roilligung bcr SSormünbcr gefd^Ioiyenc ®öe für abfolut nid&tig.
3laä^ einer britten ©ruppe üon SRcd^ten ift bcr aWange( bcr cltcrlici^en
ober ijormunbfd^aftlid&cn ©inroiDigung bejm. bcr ©inroilligung beö gamilicn*
rot^es ein prioateö trennenbcö ©J^cl^inbernife. S)al^in gel^ören: bcr code civil
Sri. 182, 183, bas bab. 2. SR. ©ag 182 tjcrb. mit bem bab. @cf. v. 9. ^Dejember
1875 § 2 lit. b, foroie baö fä^f. ®cf. v. 5. Sloücmber 1875 § 6 (Dcrgl. femer
l^cjf. gntro. n Slrt. 53 ; bfterr. ®. ». § 96 ; fc^roeij. »b. ®ef. v. 24. SDeäcmber
1874 3lrt. 53). S)ie bem code civil eigenttjümfid^cn SSorfd^riften über ba&
ehrerbietige 9lnfud&en um bie elterlid^c ©inroilligung l^aben inbeffen nur ben
Äarafter eincö ouffd^icbenbcn ß^cl^inbcrniffeß.
©ine rierte ®ruppe üon Siedeten läfet baö ^ier fraglid^e ©J^cfiinbernife
je nad^ SSerfd^iebenf^cit bcr göHe balb als priüatcö trennenbeö, balb nur ate
üuffc^iebenbeö (g^ebinbcrnife mirfen. 9lbgefef)en von einigen älteren, in f(eincren
Äec^tsgebietcn geltenben Siedeten, nimmt biefen ©tanbpunft oor 9lBcm baö
preuß. 3t. S. 51. II, 1 §§ 978—984, 994—1000 ein (üergl. aud) ®efe6reü.,
¥cnf. XV §§ 164—170, 180—189). 3laä) bem preuß. 91. 2. 91. bemirft bcr
SRongel ber oäterlid^en ©inroilligung bei Söl^nen, meldte nod^ unter eltcrlid^er
®mali ftel^cn, unb bei minberjä^rigen 2:öd^tern bic Ungültigfeit ber ®^e.
Sei ©o^nen, meldte nid^t mel^r unter pätcrlid^er ®cn)alt ftcl)en, unb bei grofe*
JQllrigen ^od^tern l^at bagegen bcr ajlangel ber üäterlid^en (SinroiUigung nur
bie Sebcutung cincö auffd^icbenben 6f)c^inbcrniffeö. 35er äßangel ber matter*
li^en (SinroiUigung ift bei t)aterIofcn gro^jäl^rigcn Äinbern auf bic ®ültigfcit
ber &)t o^nc ©influfe; bagegen fann bei tatcrlofen minbcrjäfirigen Äinbern
bie g^c wegen SKangclö bcr müttcrlid^cn ober bcr oormunbfd^aftlid^cn ©in*
roilligung alö ungültig angefod^ten roerben. Slucb baß gemeine proteftantifd^c
6f|crec^t gcl^ört ju biefer ®ruppc von 9led)ten, fofern nad^ bemfclben, maö
icbod^ beftrittcn ift, bcr ajlangcl bcr clterlid^en ©inroilligung alö trennenbeö
6|e|inbemi6 anjufe^cn ift. ®cr ajlangel ber Dormunbf^aftlid^en ©inroiUigung
ift auf bie ©ültigfcit bcr ®^e o^ne ©influfe.
änfangcnb ben 3ßangcl bcr einroilligung beö gefc^Iid^en aSertretcrß, fo etanbpuntt
•ofet fi^ für ben ©tonbpunft bcqenigcn 3led)tc, meldte biefen 3Äangcl nur afe entrourfe«.
ein auff^icbcnbcö 6l^cl^inbcrni§ bcl^anbcln, inöbefonbere anfül^ren, bafe bei einem
ß^efc^lic^cnben, rocld^cr baö SKter bcr ®l^emünbig!eit erreidE)t ^abe, aud& wenn
berfcfte für ben fonftigen bürgerlid^en SRcd^töt)crfcf)r in ber ®efd^äftsfäf)igfcit
befd^rönft fei, bod^ bic jur ß^cfcblicfeung erforberlid^e geiftige unb fittlid^c
Seife Dorauögefcfet merbcn bürfe, unter biefen Umftänbcn aber baö Sntcrcjfc
an ber äufred^terl^altung bcr ®^e größer fei, alö bie Stüdffid^t auf ben c^c*
münbigen, aber in bcr ®cfd&äftöfäl^ig!cit befc^ränften ©l^cgattcn, roeld&er üiclleid^t
in unüberlegter SBeife eine feinen 3Serf|äItniffen nid^t cntfprcd^enbc ©t)c gc-
fi^Iojfen ^abe, 3^^^^^ gemalert bic aJlögIid)feit, bic ®l^c megen beö aWangelö
ber (jinroinigung beö gefcfelid()en SBcrtrcterö anjufedötcn, bem betrcffcnbcn (S^e^
82 Unoüliigfcit bcr ©fie. Slnfcd^hingSörunbc. § 1259.
galten ein SKittel, quo biefem Oejic^töpunfte oud^ in fold^en gällen bie e^e
anju fechten, in weld^en von einer [eid&tftnnigen ©fiefd^Iiegung mä) Sage ber
©ad^e überall nid^t bie SRebe fein fann, ber anfed^tungöberec^tigte ©fiegattc
aber aus anbcren, an unb für fid^ nid^t ju berücfftc^igenben ©rünben bie
S^rennung ber Qt)t l)crbeijufüf|ren roünfd^t. 2^ro6 biefer Seben!cn l^at ber
©ntrourf fid^ bafür entfd^icben, ben 3Kangel ber ©inroilligung beö gefeftUd^en
Sertreterö ate 9lnfed^tungögrunb ju bel^anbeln, unb jroar tf)exlö mit SRücffid^t
auf ba^ befteöenbe SRcd&t, roeld^eö üorroiegenb btn Stanbpunft beö ©ntrourfeö
einnimmt, tl^eilä aus bem inneren Orunbe, bag bem in ber Oefd^äftöfäbigfcit
S3efd^räntten bei einem fo roid&tigen, baö gonje fiebenöglüdf bcftimmenben SRed^tö^
gefd^öfte, wie ber ß^efdöliegung, ber ©d^ug nid^t entjogen werben foll, weisen
baä Siedelt i^m bei fonftigen 93erträgen grunbfä^Iid^ geu)äl)rt. S)er (Sebanfe,
auf meinem bie 33eftimmung beö § 65 3Ibf. 3 (üergL aud^ bie §§ 70, 71)
bcrufjt, mufe ba^in führen, aud& bie ol^ne bie erforbcrlid^e ©inroiDigung beö
gefefelid^en 33ertreterö gefdbloffene ©be ate unmirtfam 5U bc[)anbeln. 3m 9lm
fdE)(uffe an bas ©r)ftem beö (Sntrourfeö unb mit SRüdEfid&t barauf, bafe ber nai^
bem § 65 SÄbf. 3 bei anberen SSertrögen eintretenbc Sd&niebejuftanb mit bem
SBefen ber 6be n\d)i im ©inflange fte^en mürbe, ift jcbod& jener ®ebanfe bei
ber ©fiefd^Iiefeung in einer anberen gorm, näm(idf) in ber gönn ber 9tnfec^tbar*
feit ber ßl)e, jum 9luöbrutfe gcbrad&t.
?em''1fcT ®^^ Seftimmung beö § 1259 3lv. 4 finbet inöbefonbere auc^ in bem ^^alle
Vertreter uiib Stumenbung, menn jmifd^en einer in ber ©efd&äftöfä^igfcit befd^ränften 'tfierfon
Vertretenen ^"^ iörem gefeftUd^cu SBertreter ober einem 9lbf5mmlinge beö legieren eine ©fie
gefd^loffen ift, o^ne bafe ein ju biefem 3^^*^ beftellter Pfleger feine Gin-
roilligung ju ber Gl)efd^(ie6ung ertf)eilt batte (üergl. § 1232 Slbf. 1 oerb. mit
§ 1651 9lr. 1, §§ 1728, 1743, 1503; ÜKotiüe }U § 1232 oben S. 12 ff.).
@ö fann babingeftellt bleiben, ob bie SBeftimmung beö § 37 beö SR. ®ef. über
bie Seurfunbung beö ^erfoncnftanbeö unb bie 6f)efd^Ue6ung ü. 6. gebruor
1875, bafe eine jroifd&en einem ^flegebefof^Ienen unb feinem SSormunbe ober
beffen Kinbern mä^renb ber Dauer ber SSormunbfd&aft gefdbloffene 6l)c wegen
eineö SScrftofeeö gegen baö e^eücrbot beö § 37 3lbf. 1 jeneö ©efegeö alö un*
gültig nid^t foU angefod&ten werben fönnen, audE) auf fold^c gälle ju begießen
ift, in meldten ber 93ormunb bie nad^ bem § 29 jeneö ©efefeeö erforbcrlid^c
©inmiUigung jur ß^efd^liefeung feineö SKünbelö in h^n göUen beö § 37 9ibf. 1 nad&
bem Sanbeöredfjtc ju ert^eilen bcbinbert ift unb ber llfangel jener ©inroilligung
nad^ 2anbeöred)t (ücrgl. § 36 beö gebadeten % ®ef.) bie Ungüttigfeit ber (S^e
jur golge f|at ober ob bie S3eftimmung beö § 37 Slbf. 2 nid^t üielmel)r ba^in
oerftanben werben mufe, bafe lebigli^ auö bem ©runbe, weil ein ^Pflege?
befol)lener mit feinem 93ormunbe ober beffen Rinbcrn wäf)renb ber Sauer ber 93or*
munbfd^aft eine ©(je gefd^toffen liat, bie ©be alö ungültig nid&t angef ödsten werben
fann. 33om Stanbpunfte beö ©ntwurfeö auö, weld()er baüon auöget)t, bafe ein
gefeßlid^ bel)inberter aSertreter infoweit, alö bie :öel^inberung reid)t, überl)aupt
nid^t alö gefcglicber 33ertreter ju betrad^ten ift, würbe eö eine nid^t ju vc6)U
fertigenbe 9fnomalie fein, wenn in ben bier fraglid^en gällcn entgegen ber Siegel
beö § 1259 3lr. 4 bie 3lnfed^tbarfeit ber ©be auögefd^loffen fein foHte, obwohl
ber in ber ©efd^äftöfäbigfeit befc^räntte ©begatte beö Sd^ufeeö, weldjen ibm
Unöultiflfeit ber g^c 9tnfe*tunö§örünbc. § 1-259. 83
bo« @cfcg huxä) baa 6rforbcmi6 ber (SintoiKigung beö gcfc^lid&cn SScrtrctcrö
gemo^rcn roill, in ber xi)ai niä)i ti^eil^aftig geworben ift.
35ie (Srünbe, auf welchen bic 5Bnfed^tbarfeit ber ®^e berul^t, roenn einer wene^migung
ber ©H^Iiefeenbcn jur 3eit ber efiefc^Iiefeung in ber ©efc^äftöfä^igfeit be^ 'T.eÄ'*
f^rönft unb bic ©inroilligung jur ®^efd^liefeung oon feinem gefc^Ud&en SBer^ ""taMgcn.
tretcr ni^t crt^eilt n)ar, treffen a\i6) bann jii, wenn im gälte beß § 1251
ber ©cne^migenbe jur ^exi ber ©enc^migung in ber ®efd)äftöfäf)igfeit bc*
ft^ränft unb bie ©inroittigung ju ber ©enel^migung von feinem gefejlid^ien
Sertreter ni^t ertfjeilt roax, ba im galle beö § 1251 ber Äonfenß beö jur
3eil ber (S^efc^Iiefeung gefd&äftöunfäf^igen ©Regatten erft in ber fpälcren
(Scne^migung bcöfelben liegt (ücrgl. bie aWotioe ju §§ 1250, 1251 unter 3lx. 2
oben S. 50).
©in 93ebürfnife, bie 93ead^tung beft im § 1232 beftimmten ©t)e^inberniffeö straf«
no4 burc^ bic Sluffteflung befonbercr Strafoorfc^riften ju fid^ern (preufe. ''°'*^*'''^^'"-
3L2. dl. II, 1 §§ 1008—1012; föd^f. ©. 33. §§ 1600, 1621, 1627), liegt
mäfi t)or (oergl. aud^ iQ& inforoeit baö fäd^f. ®. 33. änbernbe fäc^f. ®ef.
ü. 5. 3lot)cmbcr 1875 § 7).
SBelc^en ©influfe eö auf baö e^etid^e ©ütcrred^t l^at, wenn bie ©fjcfrau jur
3rit ber ©^cfd^licfeung in ber ®efd^äftöfäl|igfeit befd^ränft unb bie ©inroilligung
}u ber ©^efc^Ucfeung von iljrcm gefe^lidien 93ertreter nid^t ert^eitt war, ift im
§ 1284 beftimmt (ocrgl. bic aWotiüc ju § 1284).
2)aö preufe. SC. 2. 9t. II, 1 §§ 977, 982, 999 entl|ält für bcn gall, ^'c^tirnuige
wenn eine in ber ®ef(^äftöfäl)igfeit befdiränftc ^erfon ofine ©inroinigung beö -*^^»'^3""8^"-
gefejU^en SJertreterö eine ©^e gefd&loffen l^at, noc^ befonbere 93orf(^riftcn über
bie SBirffamfeit Icßtroilliger SBerfügungcn, roeld^e ber in ber ®efc^äftsfäl^igfeit
befc^ränfte Gl^cgatte, inöbefonbere bie ©fjcfrau ju ®unftcn beö ©l^emanneö,
getroffen tfat 3n bicfer $infid|t reid^cn j[ebod| bie ollgemeinen erbred^tlid^en *
©runbfätc über bie aSiberruflid^feit unb über bie 3lnfcd^tborfeit lefetroilliger
Serfügungen aus (§ 1753 2lbf. 2, §§ 1780 ff.).
©benforoenig bebarf cd für bcn gaU, wenn eine in ber ®efd^äft0fä^igfcit «ec^t«.
bff(^ränhc ^^on mit i^rcm gcfcfelidöen aSertreter ober einem 3lbf ommlinge "^'|,^*J^^^^^^^
bcflfelbcn ofine ©inroiHigung eincö }u bicfem S^edEc beftellten ^jJflegerß eine
©^ gefc^loffcn ^at, in 3lnfel;ung ber Sßirffamteit ber in SSeranlaffung ber
©^ jroifd&en jenen ^erfonen gefd^loffcncn SRcd^tögcfd^äfte unter Sebenben, j. 33.
fined ©^eücrtrageö, befonbercr 3Sorfd^riftcn, jum Sd^ufee ber in ber ®efd&äftöi
fä^igfeit bcfd^ränftcn ^^erfon, ba in biefer ^infid^t bic allgemeine SSorfd^rift
beft § 1651 ^JJr. 1 ben n5tl)igen Schüfe gen)ät)rt.
21&a^renb ber ©ntwurf ben aWanget ber ©inroilligung beö gcfefelid^en anangeiber
Sertretcrö afe änfc^tungögrunb belianbelt, legt er bem aWangcl ber nad^ bcn %TS
§§ 1238, 1239 erforbcrli^en ©inroilligung ber ©Item als fot(^er nur auf^ «i« f'>^<^«-
fc^iebenbe fflirfung bei. ^ie SlüdEfid^t auf baQ 3nteref[c ber Äinber erforbert
eine barüber ftinauögcljenbe SBirfung nid^t. 3)en Äinbem, fo lange biefclbcn
in ber ©cfd^äftsfä^igfeit befd[iränft fxnb, geroälirt bie neben ber ©inroilligung
ber ©ttcrn alft fold^er erforbcrlid^c ©inroilligung beß gefefelidöcn aSertretcrß
unb bic mit bem 9)langct ber le|teren ocrbunbenc 9lnfed|tbarfeit ber ©t)c auß*
m<^enbcn Sc^u|; fmb biefclbcn in ber ®efd^äftöfä^igfeit nid^t mel)r be^
6*
84 Ungültiöfeit bcr e6e. «nfe^tbarfeit. 9?c$tli*et Äarafter. § 1260.
fd^ränft, fo fcl^lt cö an einem ©d^ufebebürfniRe. S8om ©tanbpnnfte beg
@ntn)urfeö ouö fann ber (Sefid^töpunft beö SntercRcö bcr Äinber um fo weniger
Ijicr in Setrod&t fommen, alö bcr ®ntmurf bqß ©inroinigungöred^t bcr ®ltern
als \i)l6)ev oormiegenb nid^t alö einen älusflufe ber gürforge für bic 5ßerfon
ber Äinber, fonbern alß ein ben 6(tcrn in i^rem perfönlid^en SntereRc unb
im 3ntereffe ber gamilic beigelegtes eigenes 9le(^t ouffofet (oergl. bic 3Kotiüc
ju § 1238 oben ©. 25 ff.). S)iefeö S^tereffc ber SItern unb bcr gomifie mu&
aber fjinter bem f|öl)eren Sntcreffe an ber Slufrcd^terl^altung ber einmal doU^
jogencn @^e jurücfftelicn. 3enem 3nterej|c unb ber 9lüdfid^t auf bic elterlid^e
3lutoritöt roirb burd^ bic S3el|anblung be§ SRangelß ber elterlid[ien ©inmilligung
als eines auffd^iebenben ®l^cl^inbernij|es unb burd^ bie fonftigen nad^ bem
©ntrourfe mit ber Uebertretung bes I)ier fraglid^en ©^coerbotes oerbunbcnen
5Radöt^eilc (oergl. §§ 1536, 2001 9lr. 7, § 1490 3Ibf. 2; SRotioe p §§ 1536,
2001 9lr. 7) in ausreid^enber SBcifc Slcd^nung getragen. Sluc§ bic Slnbrol^ung
befonberer ©trofen wegen eines SBcrftofeeS gegen bic SBorfd^riften ber §§ 1238,
1239 ift cinesttieils als cntbe^rlid^, anbcrenll^eils im ^inblidEc barauf, bafe eö
fid^ ^icr nur um ben Sd^ug eines ^riDatintcreffcS Iianbelt, nid^t als angemeffen
cvad)ttt.
§ 1260.
!Re(^tii(^€r gjyg i)en allgemeinen ©runbfägcn bes ©efefebud^cs über bas aSefen ber
"infeit. ^"^ Slnfed^tbarfeit eines 9led^tgefd^äfteS folgt, ba^ eine anfed^tbare @f)c, folange
baxuit. jjjg ginfcd^tung nid^t erfolgt ift, alle SBirfungen einer gültigen @f|c äußert,
anbererfeits, ba6 nad^ erfolgter Slnfcd^tung es fo anjufefien ift, als ob bie
@^c nid^t gefd^loffen märe, bafe mitfjin nad^ erfolgter 3lnfed^tung bic Ungültigst
feit ber @^e oon Scbem, ber ein rcd^tlid^es 3nteref[c baron I|at, inddentep
geltenb gemad^t mcrben fann (§ 112). 5Bon biefem aus ben allgemeinen
Orunbfägen fid^ ergcbenben Slcfultatc meid^en bie S3eftimmungen bes § 1260
infofern ab, als bic anfed^tbarc ©tjc, au(^ menn bic 3lnfed^tung erfolgt ift,
fo lange als gültig angcfcl^cn roerben foll, bis fie aufgeloft ober für un^^
gültig erflärt ift.
sBirtunfl ber S)en Staubpuuft bes (Sntrourfes, baß bie anfed^tbarc @^c in golge ber
anfe^tunfl. gj^^ed^tung rütfroärts^in mit binglic^er SBirfung oernic^tet mirb, ftef|t fac^lic^
mit bem fanonifd^en Siedete unb bem gemeinen proteftantifd^en ©tjcrcd^tc,
foroie mit bcr 2Jlet)rjal^l ber neueren ©cfcggcbungcn im ©inflangc (oergt.
preufe. 91. S. SR. II, 1 §§ 973, 974, 952—965, 967; fäd^f. @. S3. §§ 1628,
1706; Code civil Slrt. 180—183, 201—202; l^cff. ©ntm. H Slrt. 48, 53, 59—62;
ofterr. ®. 33. §§ 94—96, 102, 160, 1265 ; fd^mei}. »b. ®ef. v. 24. 5Dejembcr
1874 3lrt. 50, 52, 53, 55 3lbf. 3). 5«ur in cinjclncn fleineren SRcd^tSgcbietcn
mirft bie 3lnfed^tung nid^t rüdtoärtsliin, fonbern, mie bic ©l^cfd^cibung, nur
für bie 3ufunft (gotl). ©l^cgef. v. 15. 3luguft 1834 §§ 109, 117, 118, 135,
136 ; ücrgl. aud^ altenb. @^eorbn. o. 13. SKai 1837 §§ 163—193, 267—272, 283).
®urd^ biefe lefeterc 9lrt ber Siegelung mirb iebodö, ganj abgefc^en baoon, bafe
biefelbc bm allgemeinen ©runbfä^cn beS ©ntmurfcs über ben Segriff ber
Slnfec^tbarfeit nid^t entfprid^t, bas Sntcreffe beS anfcd^tungsbered^tigten ®^e*
gatten nid[)t in ausreid^enbcr SBcifc gefd^ügt.
nngültlfifeit bcr gje. 3lnfc*tbarfclt. 3ic$ilid}cr Äarafter. § 1260. 85
3luci^ bann ftimmt bcr Sutrourf, raennglcid^ in ber Äouftniftion ah wc^»oer^.
toci^cnb, boc^ \a6)l\ö) im 5DBcfcntlid)en mit bem gcUcnbcu Siedete überein, ba% bum
bie anfc^tbarc ®^e, anä) wenn bie 9lnfed&tung erfolgt ift, fo lange als gültig ob^SÄ
be^onbclt mirb, biß biefelbe aufgeloft ober für ungültig erflärt ift. Sie crrwrung
©r^ebung ber 3lnfed^tungßflage, burd) roeldbe bie 9lnfed^tung erfolgt, fo lange anaef^ö^e;
bie e^e nid)t aufgeloft ift (§ 1266 3lbf. 1), f|at nad) bem entmurfc eine
boppclte Sebcutung. (ginerfeitö bilbet fie ben SJlnfed&tungöaft (§ 113) unb l^at
infofcm einen red^tsgefd^äftlid^en Äarafter. 3lte SÄnfec^tungöaft bewirft fie,
boS bie ®f|e materiell rücfroörtöl^in uernid^tet wirb. 3lnbererfeitö f|at bie
änfcd^tungätlage infofern bie 3latur einer gefifteDungöflage, alö in bem burd^
i^re grfjcbung anl^ängig geworbenen SRed^töftreite feftgeftellt werben folt, ob
Me Snfc^tung begrünbet war ober nid^t, ob mitljin bie ®fie befielet ober nic^t.
28ic ober nad^ § 1252 bie 3lid^tigfeit einer in gehöriger gorm gefd^loffenen
% incidenter nid^t geltenb gemad^t werben tdnn, bis bie (5f)e aufgeloft ober
ßt i/rtgöltig erflärt ift, fo foU aud^ bie in gotge ber ainfed^tung eingetretene
SBirfung ber Ungültigfeit ber ®l|e, um tliunlid^ft eine einlieitlid^e geftftellung
iu erreichen (§ 1269), fo lange incidenter nidf)t geltenb gemad^t werben ifönnen,
bi3 bie angefod^tene (£^e aufgeloft ober für ungültig erflärt ift. 3ft bagegen
bie 6l)e in ^jolge ber 9lnfed^tung für ungültig erflärt ober ift bie anfed^tbare "«^^ *>« ««^'
€^e na^ erfolgter Slnfed^tung t)or (grlebigung beö 3tec^tsftrciteö aufgeloft, fo ''^^""^*'^'
öufeert nunmefir, T)orbel^altlid^ gewiffer Sluönal^men (üergt. §§ 1270, 1567,
§ 1464 3lbf. 2), bie erfolgte 9lnfed&tung bie ilir nad^ ben allgemeinen ©runb^
fä^en (§ 112) jutommenbe SBirfung, 2)a6 bie in ^olge ber Slnfed^tung ein^
getretene Ungültigfeit ber ®^c aud^ in bem julegt gebadeten gälte incidenter
geltenb gemad^t werben fann, l)ängt mit ber in ber 9lnm. 1 ju bem Unter*
abfc^nitte „IV. Ungültigfeit ber 6f)e" unter II, 9 mitgetl^eilten, alö (Srgänjung
ber S. 5ß. D. jur Slufna^me in baä ®infüf|rungögefefe beftimmten SSorfd^rift
befi § 584 a ber ß. % 0. iufammen, nad^ weld^er, wenn einer ber (gl^cgatten
t)or bcr SJed^tsfraft beö ®nburtfieilcä ftirbt, ber 3ted^tsftreit in 9lnfel|ung ber
^uptfad&e alö ertebigt anjufel^en ift (t)ergt. bie SRotioe ju §§ 1256 unb 1269).
3ft bie ef)c burd^ ben 2;ob beö nidbt anfed^tungöbercdötigten ©l^egatten&eisinfcc^tuitg
oufgeloft, fo erfolgt nac^ § 1266 9lbf. 2 bie 3lnfec^tung burd^ eine gegenüber ""^.b^/"'
bem SRod^lafegerid^te abjugcbenbc SBillenöerflärung. 3n biefem galle ift, wie
§ 1260 äbf. 2 ergiebt, bie SBirfung ber SÄnfed^tung nid^t bat)on abl^ängig,
^6 bie Ungültigfeit ber ®{)e burd^ rid^terlid^eö Urtf)eil auf (Srunb einer uor^
Sängigen 5ßräiubijialflage auögefprodjen wirb; rielmefir wirft in biefem gatle
ir> änfec^tung nac^ SKafegabe ber allgemeinen ©runbfäfec (§§ 112, 113) fraft
be& ©efefteö. 3)ie (Sriinbe für biefe 9lrt ber Siegelung finb biefetben, wie
biejenigen, roeld^e ju ber Seftimmung beö § 1252 3Ibf. 2 gcfül)rt ^aben, ba^
.bie Slic^tigfeit einer in geliöriger gorm gef^loffenen ®^e nad^ äluflöfung ber
leftteren na^^ üJlafegabe ber allgemeinen ©runbfäge geltenb gemad^t werben
tonn (oergL bie SKotioc ju § 1252 oben ©. 57 ff.).
äfuö § 1260 9lbf. 2 folgt von fclbft, bafe, wenn bie S^e in golge ber
Xnfet^tung alö nic^t gefd^loffen anjufel^en ift, auä) oon einem gcgenfeitigen
6r6rc^te ber ©Regatten nid^t bie 3flebc fein fann. 28etd^en ©inftufe eö auf
Wc aBirffamfeit einer legtwilligen SSerfügung ^at, burd^ weld^e ein ©begatte
L
1
86 Uuflültiöfcit bcr &ijt. Stnfe^tungörec^t. § 1261.
bcn anberen bcbad^t f)at, ober auf bic aSirffamfcit cineö jroifc^en bcn ©Regatten
gefd^loRenen (Srbcin[e|un9öT)crtragcö ober SBcrmäd^tnifeocrtrageö, rocnn bic ®^c
anfed^tbar unb angefod^tcn ift, ergicbt Tid^ ouö bcn §§ 1783 ff., 1948, 1949, 1962.
§ 1261.
anf^mng '^^^ § ^^^^ beruf|t auf bcm 5ßrinjipc, baß jur Slnfcd^tung bcr ®^c nur
bcrjenigc ß^cgatte berechtigt ift, in bcffen ^erfon bcr Orunb bcr 9lnfed^tung
Hegt. ®a§ in bcn gällcn beß § 1259 3lx. 1 nur bemicnigcn ©Regatten bad
Slnfed^tungörcd^t juftc^t, wcld^cr ju bcr ©l^cfd^ilicfeung bur(^ 3)ro^ung ober
33ctrug beftimmt roorben ift, cntfpric^t bcn angemeinen Scftimmungcn beß
©efegbud^eö (§ 103) unb bcn ©rünbcn, auf rodeten cö bcrufit, in jenen gällcn
bic ®^c nur für anfed&tbar ju crflärcn, unb ftel^t mit bcn bcftcfienbcn 3lcd[|tcn,
fomcit biefclbcn in bcn fiicr fraglid^cn gäUcn bic Slnfcd^tbarfeit bcr ®^c übers
l^aupt anertennen, im ©inf lange (ucrgl. prcufe. 31. S. SB. II, 1 §§ 39, 41—44, 993 ;
Code civü 3lrt. 180 ; fäc^f. ®. S3. § 1625 ; attenb. ©^corbn. t). 13. SKai 1837
§§ 163, 165, 168 ff.; l^cR.©ntn}. II, 3, 48; fd^iocij. SBb. @cf. X). 24. 5Dc5cmbcr 1874,
Slrt. 50). ©benforoenig fann eß jmcifcl^aft fein, bafe in bcn göUen beß § 1259
9?r. 2 nur bemicnigcn ©Regatten baß Slnfcd^tungßrcd^t ciniuräumen ift, meldtet
geirrt l^at (oergl. aud^ preufe. 21. 2,91. 11,1 §§ 39, 41, 42, 993; code civil 2[rt.l80;
fäd^f. O. S3. § 1625). 2lucb in Slnfebung bcr gälle beß § 1259 3lx. 3, 4 führen
bic Orünbc, meldte mafegebenb gemcfen finb, bic ©^eunmünbigfeit unb bcn
SBangcI bcr ©inroilligung beß gefc|lid^cn SBcrtrctcrß alß Slnfed^tungßgrünbe
anjuerJennen, baju, nur bcm bctrcffenbcn, b. 1^. bcm el^cunmünbigcn bcjn). bcm
in bcr ®efd^äftßfät)igfcit befd&ränften ©Regatten baß Slnfcd^tungßrcc^t bcijulcgen
(ocrgl. prcufe. 31. 2. 91. U, 1 §§ 990, 972, 973, 994, 978—984, 999 ; code civü
3lrt. 182 ; bab. 2. 91. ©afe 182 rerb. mit bcm bab. ®cf. d. 9. Dejcmbcr 1875 § 2
lit. b; fäc^f. ®cf. t). 5. 9lot)ember 1875 §§ 5, 6). 3nßbefonbcre mürbe cß üom
©tanbpunfte beß ©ntwurfeß auß, mclc^cr bic Sc^anbtung beß 3Kangelß bcr ©l^c^
münbigfeit alß cineß öffcntlid^cn trenncnbcn ©^cl^inbcrniRcß abgclcl^nt §at,
mcil bic ©lieunmünbigfcit alß eine bcfonbcrc 3lrt befd^ränfter ©cfd^äftßfäl^igfcit
aufjufaifen fei (ocrgl. bie aRotit)c ju § 1259 unter 9lr. 4 oben ©. 79),
infonfequent fein, aud^ bem cf)cmänbigen ©Regatten baß Stnfcd^tungßrcd^t bei^
julcgcn. 3w>ö^ mürbe baburd^ bcm gegen bic öel^anblung bcr ©l)cunmünbigfeit
alß cineß bloßen 3lnfcd^tungßgrunbcß fid^ crlicbcnben Sebenfen entgegengetreten,
bafe bcr cl^emünbigc ©l)egattc in eine üble 2agc gerat^cn fann, wenn er
oicüeid^t längere Sa^rc l)inburd[i in bcr Ungemife^eit bleibt, ob bcr anbete
clicunmünbige Xt)t\l oon feinem 3lnfed^timgßrcd^tc ®ebraud^ mad^cn merbc;
allein anbercrfcitß mürbe burd^ eine fold^c 91cgclung bic ©^eunmünbigteit in
geroiffem Umfange bod^ bcn Saraftcr cineß abfoluten ©l)c^inbcmiffcß ermatten.
^\xö) auß bcm ®erid^tßpunftc beß ^rrti^umeß läfet fid^ üom ©tanbpunfte beß
©ntrourfcß auß, mcld^cr fidf) prinsipicll gegen eine ©rmcitcrung bcr 3lnfcd^tbarfeit
roegen 3rrtl)umcß über bic gälle beß § 1259 3lv. 2 I)inauö entfd^ieben ^at
(ocrgl. bic 3)lotiüc ^u § 1259 unter 9lr. 2 oben S. 76 ff.), ein 3lnfed&tungßrec^t
beß clicmünbigen ©Regatten nid^t rechtfertigen. SBciter fommt in 33etra(^t,
bafe in bcn meiftcn gälten, in meldten ein G^egattc jur 3cit bcr ©^cfd^licfeung
anfcc^tbarfeit. einPiig bcr 9lufIö]uno bcr S^e. § 1262. 87
noci^ cl>cunmünbig gcroefen ift, berfclbc bcm Slltcr bcr @t)cmünbigfeit fefir na^e
ftdicn wirb, für bcn anbcren ©Regatten ba^er erl^cbtid^c Ucbelftänbe an& ber
SBcrfagung beö Slnfccibtungdredötcö nid^t ju bcforgcn finb.
©ine anbcrc, im § 1265 cntfd^icbcnc unb bort ju erörtcmbe ^agc ift,
ob unb inioicrocit bic Slußübung bcö 3lnfed^tungßrc(|tcß in ben gällcn bcö
§ 1259 9ir. 3, 4 bcm anfcd^tungöbcrcd^tigten @f|cgattcn felbft ober im Slamen
bcö Ic^teren feinem gefefelidöen SScrtreter juftc^cn foU (oergt. bic SRotiüc ju § 1265).
§ 1262.
2)ie ^auptbebcutung beö § 1262 ift bic, bafe ba« änfcd^tungärcd&t mit «««w«*""9
bem S^obe beö anfec^tungöberec^tigten ©Regatten crlifd^t. ®d ift bied leine »(nfeo^tung:
pofitioe öeftimmung, f onbern alö eine ftonfequcni oDgemeiner ©runbfäje an^ ^^^b bes an*
jufe^en. ©ine SBcrcrbung bcß Slnfcd^timgörcd&teö fann nid^t ftattfinben, ba f«^*««««*
baö Untere mit SRüdEfid^t ouf bcn ©cgcnftanb ber Slnfcd^tung als ein t)od^ft «Ratten"
pcrfönlid^cö SRcc^t erf^eint. S^av ift bic in golgc ber Slnfed^tung ber ®^e
eintretenbe aSemid^tung ber legtercn aud^ von ücrmögcnöred^tlid^cn folgen be^
gleitet, unb ^at baß 3Infed&tungßred&t infofern für bcn Scrcd^tigten aud& ein
DermogcnÄrcd^tlidbeö 3ntereffc; allein biefcö 3ntereffe ift nur ein mittetbareö.
2)aß atnfcd^tungßrcd^t felbft ift nid^t Sluöftufe unb Sinne j Don SScrmögcnö^^
redeten, fonbcm eineö rein perf5nlid[)en 33erl)ältniffes. ©benforoenig wie baöfclbe
©egenftanb ber 33eräufeerung ober ber Sroangßoollftredung fein fann, fann e&
auf bie ©rben ate fold^c übergel^en (oergl. jjcbod^ ©ntfc^. b. 31. ®. in ©ioitf,
rx, 57). 3ln pd^ ift eß red^tlic^ jroar mögtid^, aud^ nad^ bem S^obe bcß an*
feddtungßbered&tigtcn ©Regatten britten ^erfonen, roetd^c ein lieroorragcnbeß
ucrmogenßrcd^tlid^cß Sntcreffe an bcr Ungültigfeit ber ©t)e ^aben, baß 5lcd[|t,
bie (Sf)t anjufcd[|ten, bcijulegen, ba ©egenftanb ber Slnfcc^tung, genau betrad^tet,
nid&t bic bcftefienbe ©^e, f onbern bcr mit bcm betreff cnben 3Hangel bel^aftctc
(g^cf^UcfeungßDcrtrag ift unb bie Sluflöfung be§^ perfönlid&en 9led[|tßt)cr^ältnif[eß
ber 6^c fid^ nur a(ß eine auß bcr Sefeitigung bcß ©^efdöUe^ungßoertrageß
folgenbc Äonfcqucnj barftcUt; allein ein folc^cß 3lnfe(^tungßred&t britter
?Pcrfonen erfdbcint nid|t alß ein auß bcr 5ßcrfon bcß ücrftorbenen anfed^tungß-
bered^tigten ©Regatten abgeleitetcß, fonbcm alß ein traft pofitioer 33orfd^rift
in ber 5ßcrfon beß ©ritten begrünbetcß neueß, fclbftänbigcß Siedet, meld^cß nic^t,
wie jeneß, einen perfönli(^cn, fonbcm einen rein T)crmögenßrcd&tlid^en Äarafter
^aben xoüvbt unb alß 2tnnej üon SScrmögenßrcdötcn in ©rmangelung einer
befonberen 33eftimmung aud^ ©egenftanb bcr 93eräufeemng, wie ber S^öngß-
ooDftrerfung fein fonnte. 9llß ©ubjefte biefeß 3lnfe^tungßrcd^tcß mürben, ba
bie ©^e biß jur erfolgten Slnfcc^tung alß gültig anjufc^en ift, bie Seerbung
bcß pcrftorbenen ©Regatten mitl^in junöd^ft fo ftattfinbct, mie menn bie ©f|c
gültig märe, ani) n\ä)t bie ©rben bcß anfcd&tungßbered^tigtcn ©Regatten,
fonbem bicienigen 5ßerfoncn ju bcäcid^ncn fein, mcld&e ©rben fein mürben, menn
bic G^c nie beftanben t)ätte. ®iefe 5ßerfoncn f önncn allcrbingß ein erl)cblid^eö
3nteref|e baran ^aben, aud^ nod^ nad^ bem S^obe bcß anfcd^tungßbcrcd^tigten ©^c*
gatten bic @^c alß ungültig anjufcd^tcn, um bic bem überlcbenben ©f)egattcn
auf ®mnb bcß c^elid^en ©ütcrred^tcß jugcfommcnen SBort^cile, inßbefonberc
88 Sinfecj&tbarfeit. ginfluß bcr 9tufröfunö ber g^e. § 1262.
baö ©rbrcd^t beöfelbcn gegenüber bem ücrftorbenen (Sfiegatten, ju bcfeitigen,
unb eö fragt fid^, ob nld^t überroicgenbc Orünbe bafür [prec^cn, jenen ?ßerfonen
roenigftenö bann ein fold^eö Slnfed^tungöred^t emjuräumen, wenn ber oerftorbcne
©l^egattc burd^ S)rol^ung, S3etrug ober Srrt^um jur ©Iiefd^Kefeung beftimmt
TOorben war, t)oraußge[e|t, bafe bem Ie|teren felbft baö Slnfed^tungöred&t jur
3eit feines Si^obeß noä) juftanb. ®ie beftel^enben SRed^te entfialten in ber l^icr
fraglid^en S3ejief)ung nur jum 2:fiei( ansbrüctlicl&e S3eftimmungcn. S)ie aitenb.
(Sfieorbn. t). 13. ajlai 1837 §§ 193, 267—270 (üergl. aud^ baß aitenb. ©rb^
folgegef. o. 6. 2lpri( 1841 §§ 74, 75) fd&reibt in Uebereinftimmung mit ben
allgemeinen ©runbfä^en üor, bafe (Srben in bm fällen, in roeld&en ein ©fiegattc
roegen 3wangeS, Betruges ober 3rrtl)umeö bic ^ßid^tigfeitöerflärung ber 6^e
ju verlangen befugt ift, bic 5Wid^tigfeit ber ®^e nid^t weiter rügen fonnen, xomn
bcr üerftorbene ®^egatte biefer^alb Älage ju erl^eben unterlaffen l)atte. 3lud^
md) bem fäd)f. (S. S. §§ 148, 2055 fonn baö Slnfed^tungöred^t nad^ bem
S^obe beö anfcd[)tungöbered)tigten ®f|egatten nid^t me^r gciteub gemad^t werben.
3luf bemfetben ©oben fielen, fot)ieI baö 6rbred)t beö Überlebenben ©^c^
gatten betrifft, baQ meining. ®ef. v. 6. 9lpril 1833 §§ 65—68 unb ba^ ©ef.
für. Sleufe i. S. t). 10. SDejember 1853 §§ 67, 68. 83on berfelben Siegel ge^t
baö preug. 91. £. 9t. II, 1 §§ 42—44 auö ; bod) mad^t lefetereö eine 9lus*
na^me, wenn auö einer angcblid^ erjroungenen 6^e !ein jilinb t)orf)anben ift.
Sn biefem galle f)aben bic ®rben beö unfd^utbigcn SC^eileö ein Siedet, auf bic
9iid&tigfeit ber ß^e ju flagen. S)cr (Sefefereoifor, ^cnf. XV ajiotioe S. 69 ff.,
l;at bic Sefeitigung biefer 9luöual)me üorgefd^lagen. 3loä) weiter, alö bo^
preufe. 91. 2. 91., gcl)t ber ^cff. ©ntro. II 9Irt. 50. ©erfclbe läfet nid)t nur
allgemein im galle beö 3^^öngeö, foubern audf) im gallc einer ^ßerfonem
ücrroed^fetung baö Älagercd^t beö verlegten ®l)egatten auf befjen 6rben über-
gelten, ©agegen wirb Don ber franj. 3"^iöprubenj auf ®runb beö 9lrt. 180
beö code civil, roeld^er in ben gcbadEjten gällen nur ben betreffenben ©begatten
für bered^tigt erftärt, bic ®^e anjufedEjten, ben 6rben beö Icfeteren baö 9lns
fed)tungöred&t ücrfagt. gür bie S^f^ffwng beö 9lnfed)tungörcd&teö wegen
3wangeö ober 3rrtl)umcö aud& nadE) bem S^obe beö aufed^tungöbered^tigtcn
®l)egatten fann man anfüljren, bafe in gällcn biefer 9lrt eine freie SBiUenö^
crflärung beö tegtcren, mit bem anberen X\)t\k eine ©Ije fd^licgen ju wollen,
nod^ gar nid^t üorgelcgeu l^abe, eine wir!lid^e Sfie bal)er überfiaupt nid^t ju
©tanbc gefommen fei, wenn ber anfcd^tungöbered^tigte ®l)egattc fterbe, beoor
er nad^ Seenbigung ber 3^ö"9öI^9c ober nad^ ©ntbedfung beö Srrt^umeö
bie (Sljc genel;migt l;abe. 9ludö wiberftreite eö bem 9led^tögefü^le, wenn ber
überlebenbe 6t)egattc, trofebcm üielleid6t üon biefem ber S^anQ auögegangen
ober ber 3^tt)um betrüglid)erwcife J^eroorgerufen fei, bennod^ auf Soften ber*
jenigen ^^icrfoncn, weld^e oljnc bic ©tjc bie ©rben beö t)erftorbenen ©begatten
geworben fein würben, bie burd) bic ®l)e ifjm crwad)fencn oermögcnöred^tlid^en
33ortl)eile bef)alten unb inöbcfonbere unter 9luöfdE)lu6 ober SSecinträd^tigung
beö 9led^tcö j[ener ^crfoneu ben oerftorbenen ©Ijcgattcn beerben, alfo bic
grüditc feiner red^tö* unb fittenwibrigen, oicUcid^t t)erbred^erifd)en §anblung
genießen folle (oergl. bie OJlotiüc jum beff. ©ntw. 11 9lrt. 50 @. 67 ff.). S)iefc
©egengrünbc fönnen inbcffen alö burdjfd^lagcnb nid^t crad^tet werben. SBenn
9[nfed&t6arfeit. 6inPu§ bcr Stuflöfung bcr SJe. § 1262. 89
aud^ bcr anfed^tungöbcred&tigtc ©^egattc bis ju feinem 3;obc unter bem ©in«
fluRe beö 3w>ange3 geftonben beiw. int Srrtl^ume befangen geraefen fein foDte,
10 Meibt cd boc^ immer jmeifel^aft, ob nid^t bic 6f|e bem SBißen beöfelben in
®irfli(^fcit cntfpri^t unb ob er nid)t naä) Seenbigung ber 3^i>tingßlQgc ober
ncKJ^ ©ntbecfiing befi Srrt^umeö bie ®f;e genehmigt f)aben mürbe (§ 1263).
3n no^ ^o^erem SKafee ift bieß bcr galt, rotnn fdjon üor bem SKobe bie
3roongöIage becnbigt bejm. ber 3rrt{|um entbedEt mar, ber anfed^tungöbered&tigte
ß^egatte aber, obne bie Slnfed^tungäMage erlioben ju i)aU\\, oor Slbtauf ber
STnfet^tungöfrift (§ 126^) geftorben ift. 3m S^^if^f ift es ober ridjtiger, bic
6bt aufrec^tjucrtialten, a(ß oieüeid^t gegen bie 9lbfid^t beö üerftorbenen 6^e*
gatten «nb gegen baö Sntereffe ber in ber 6{|c erjeugten fiinber (oergL
c. 11 X- qui filii sint leg. 4, n) lebiglid^ megen oermögenöred^tlid^er Sntereffen
dritter bie Slnfed&tung ber ®l)e ju geftatten, jumal nid)t roirftid^e 9led)te,
fonbem nur SKuöfic^ten dritter burd^ bie 3lufred^terl^altung bcr Gfje oereitelt
Toerbcn. £a5u fommt bie Sc^roierigfeit unb Unjuoerläffigfeit bcö öeroeifeö,
©enn bie Slnfcd&tung aud^ noc^ nad) bem S^obe bcö aufcd)tungßbered^tigten
Gbcgattcn jugclaRcn wirb, namentlid^ fooiel ben Raufa(}ufamment)ang unb bie
^ge betrifft, ob bic S'^^J^flöI^fle ^^i^- ^^^ Srrt^um biß jum S^obe fort-
gebaucrt ^at ober nicbt unb ob im le^teren galle bie ©f;e alß ftillfi^roeigenb
genc^igt anjufe^en ift.
atnbcrß liegt bie Sad&e, menn ber anfcd^tungßbcred^tigte ©(jegatte oor
feinem 2^obe bie 9lnfed^tungöflage erfioben l^attc, aber oor bereu ©riebigung
gcftütben mar. 3n bicfcm ^alle ift ^mar ber SWed^tßftreit über bie Slnfed^tungß::
Hage in ber ^auptfad^e olß ertcbigt anjufe^en (oergl. ben in bcr 9Inm. 1 ju
auc§ IV Sit. 1 §§ 1250 ff. unter II, 9 mitgctl^eilten § 581a ber 6. % D.),
bogcgen fann nad^ § 1260 9lbf. 2 bie Ungültigfeit ber 6f)c auf ®runb ber in
bcr ©r^ebung ber Slnfcd^tungßflage liegenben 9lnfed^tung (§ 1266 9lbf. 1)
nunmehr oon ^ebcm, roeldöer ein red)tlidöeß Sntereffe baran t)at, inöbefonbere
oon bem ©rben beß oerftorbencn ©tjegatten, incidenter geltenb gemad^t merben
(oergl. bic 3»otioe }u § 1260 oben ®. 85).
3ft bie anfed^tbare, nod) nid^t angefodötene G^e burd; ben 2^ob beß nid^t 2:0b
}ur STnfed^tung bered^tigten ©begatten aufgelöft, fo führen bie aUge^neinen |^^^t„,"g ^"^^^
®runbfä|e umgefc^rt babin, bie 9Infed)tung bcr ©^e axid) nad) ber 3fuflöfung berec^agten
ber festeren no^ iujulaffen. 3)ie Sefeitigung ber ©l)e, meldte in crfter Cinie ^^'^^""^"•
burd^ bic 9(nfed^tung bejroedEt wirb, ift allerbingß n\d)i md)v möglid;; allein,
wie oben 3. 87 bcreitß beroorgeboben mürbe, rid^tet fid^ bie 3lnfed)tung nid^t,
wie ber 2Intrag auf ©d^eibung, gegen bie beftebcnbe ©be, fonbern gegen ben
mit bem SRangel bebafteten ©J^efdölicfeungßocrtrag. S)ic ä[nfed)tung beß le^teren
ift aber au^ nac^ Sluflöfung ber ®^c nodb red^tlid^ möglid^. 3)em über*
lebenben anfcd^tungßbered^tigten ©Regatten nac^ bem 3:obe beß anberen ©be=:
gotten bur^ eine pofitiue Seftimmung baß 2lnfed^tungßred^t ju ücrfagen, fann
auc^ auß ©rünben praftifc^er Sroedmä^igfeit alß gered^tfertigt nid^t anerfannt
loerben. S^ar ift mit bcr Sluflöfung bcr ©l^e burd^ ben S^ob beß anberen
(S^aittn für ben Überlebenben anfc^tungßbered^tigtcn ©begatten baß ,§aupt^
intereffe an ber Stnfecbtung meggefallen. 3luc^ mu§ äugegeben merben, bafe
eß }u Sermidclungcn fübren fann, menn bic 9lnfed^tung üiellcid^t erft lange
90 Ujiflultiofcit bcr Sl&e. Oencljiuiöimö bc5 Slnfe^tunfl^Bcrei^tiöltu § 1263.
3cit naä) Sluflöfung bcr ®^c erfolgt, nad^bcm bic Dermogcnörcd^tlid^cn,
namentli^ bic erbrcd^tli(^cn SBcrJ^ältniRc, auf (Srunb bcr Oülligfcit bcr ®^c
georbnet ftnb, unb bafe mit bem SCobc bcö onbercn Sl^egatten bicjcnige ?ßerfon
^inroeggefaflen ift, tocld^e am bcftcn in bcr Sage fein mürbe, bic für bic Sluf:^
red^ter^attung ber ®^e fpred^cnbcn 2;^atfad^en oorjubringen. 9luf bcr anberen
Seite fommt aber entfdicibenb in Setrad^t, ba§ bic SSerfagung beö Slnfed^tungö*
red^teß für ben überlebcnbcn anfcd^tungsbere^tigten ©Regatten unter Umftänben
}u großen gärten fül^rcn fann, namcntlid^ in foI(^cn gällen, in melt^en er
mit bem anberen ©Regatten in ®ütergcmeinfd^aft gelebt ober mit bemfetbcn
einen @rbt)ertrag gefd^loffen l^at, in mel(^em non il^m ju Ounften dritter für
ben gall fcineft 2^obeö binbenbe SSerfügungen oon 2^obeöroegen getroffen ftnb
. (oergl. § 1377 3lbf. 2, §§ 1783, 1948, 1956, 1959, 1961). 5lud) t)om ibcalen
©efid^töpunfte aus fann berfclbe ein bead^tcndmert^eö 3ntereffe baran ^aben,
ha% bic SBirfungen ber ®l^e Dcrnid^tet merben unb er nid^t me^r ald ©begatte
bes anberen 2^^eiled gilt, j. 83. wenn bie überlcbenbe ®^efrau ben 9iamen bes
oerftorbenen ©l^cgatten nid^t me^r ju führen roünfd&t. 2)ic SSerfagung bcö
2lnfcd^tungöred^ted nad^ bem S^obe beß anberen ©Regatten ift befonberö be^
benfüd^ im c^inblidEe auf bie nid^t feltenen gäUe, in meldten ein S^egattc
buxi) S3etrug bcö anberen ©Regatten, namentlich burd^ 2^äufc^ung über bie
perfönlid^en 93erl)ättniffe bcö tejtcrcn, ju ber ®^efd6lie§ung beftimmt roorben
ift unb bcr 33ctrug erft nad^ bem S^obc bcö anberen ©Regatten entbccft wirb.
ber cbou?d) ^^^ allgemeinen ©runbfägcn mürbe aud^ im galle bcr Sluflofung ber
sc^cibunfl @^c burd^ ©d^eibung ober in golge Sobcöcrflärung (§ 1464). bie 3lnfec^tung
'^'Vobl°'°* bcr @^c nid^t auögcfd&loffen fein, inöbef onbere im gallc ber ©(Reibung baö
ernärunfl. rcc^töfröftigc 6d^cibungöurtl|cil einer fold^en 2lnfed[)tung nid^t cntgegenfte^cn,
ba in jenem Urtt)eilc über bie tcjtcrc nid^t cntfd&iebcn ift (ocrgl. § 293 ber
ß. 5ß. D., § 191 b. ©ntro.). ®a inbcffcn naä) 2luflöfung bcr ®l)c burd& ©d&eibung
ober in golge S^obeöcrflärung eine 9lnfcd[)tung ber ®l)c nur in ben feltenften
gäUcn in ?5^age fommen mirb, fo liegt ein Sebürfnife, in biefen gällen baö
9lnfcd[)tungörcd6t nad^ Stuflöfung bcr ®^c fortbauem ju laffcn, ni^t nor;
üielmcl^r ftnb l^icr bic gegen bie 3ulaf[ung bcr 9lnfed^tung nad^ Sluflofung ber
6f)c fprcd^cnbcn 3w>^*"^ä6i9f^itö9^önbe als übcrmicgenb anjufc^en (oergL
megen bc§ preug. dic6)M Urtf). b. di. ®. bei ©rud^ot XXXII ©. 114 ff.).
§ 1263.
öeite^miflunfl (^[^ ^öcftimmung bcö 3lbf. 1 Safe 1 cntfprid^t bem 5Bcfen bcr 2ln:=
""anmunQ^ fcc^tbarfcit unb ben allgemeinen (Srunbfäfecn bcö ©efefebud^cö (§ 113 Slbf. 3).
©reÄt" ®^^ ^*^^* ^"*' f^^^^^ junäd^ft bic gälle bcö § 1259 3lt. 1, 2 betrifft —
im (Scgenfa|e ju bem fanonifd^cn 9ted^tc, wcld^cö eine megen 3wangeö ober
3rrtf)umcö nid^tigc Sl)c nur burd^ (Srneucrung bcö Äonfcnfeö beiber (S^e^
gattcn jur ®ntftc^ung gelangen läfet — , mit bcr 3)tct)rjal)l bcr beftefjcnben
SRcd^te, inöbefonberc mit bem gemeinen protcftantifd^en ®^crcd)te, bem preu§.
31. S. 91. II, 1 § 41 unb bem fäd[)f. @. S. § 1625 (ücrgl. aud^ t)eff. ©ntm. II
3lrt. 49 nebft aJlotioen S. 67), im ^^Jrinäipc im ©inflangc, mcnngleid^ biefelben
Ungültiofcit bcr 6f?c. ®enc6miöunö bcß SlnfcdjtunööBcrcc^tiötcn. § 1263. 91
im ©njcincn, nomcntlid^ in ätnfe^ung bcr grage, inioicmcit aud) eine ftill-
f^iocigenbe ®cnet)migung genügt, audeinonbcrge^cn. 5DBöf)rcnb baö gemeine
proteftantif^c (g^ere^t unb baö föd^f. 0. S3. axiä) bie ftiUfd&roeigenbc ®c^
ne^migung für auöreid^enb erflören, ocrlongt baö preufe. 31. 2. SW. auöbrücf^
lic^e ©cncl^migung ober eine fed&ö 95Bod|en überfteigenbe gortfefeung bcr ®^e
no4 Hebung beö ^inberniRcö. S)er code civil airt. 181 befd^rönft fid^ auf
bie Scftimmung, bafe bie SUd^tigfeitöflage wegen 2)ro^ung ober 3rrtt)umeä
ouÄgef^lotfen ift, wenn Don ber Seenbigung bcr 3w)angölage bejn). oon bcr
feitbecfung beö 3rrtf|umeö an ein fed^ö ÜRonate t)inburd^ fortgefefeteö 33ei-
faimnenTOo{)nen ftattgefunben f)ot. 3)ie franj. 3uriäprubenj nimmt inbeffen
an, bag auc^ bie audbrüdFIid^e Genehmigung ber @^e in ienen ^öUen bie
Sttic^tigfeitöMogc befeitige. 3lnbere Oefeggebungen erroä^nen bie Ocnel&migung
alft Suf^ebungdgrunb bes älnfed^tunggrec^tcd ebenfattd nid^t unb enthalten nur
bie 93eftimmung, bafe bas 9lnfed^tungörcd^t nad) 3lb[auf einer furjen §rift feit
35cenbigung ber 3w>QngSlage ober ber ©ntbedfung beö Setrugeö ober 3trtt)umcö
ni(^t me^r geltenb gemod^t roerben fann (ücrgl. gott). ®^egef. v. 15. 9luguft 1831
§§ 117, 137; altenb. e^rbn. ü. 13. a»ai 1837 §§ 190, 191; fd^roeij. ab. ®cf.
0. 24. ajciember 1874 art. 50 3Ibf. 2). 9Iuf bem ©oben biefer lefeteren
©cfeftgebungen fte^en in 2lnfe^ung ber 3lnfcc^tbartcit bcr (S^e megen ß^c*
unmünbigfeit aud& baö preufe. 31. S. 3t. II, 1 §§ 990, 975, 976 unb baö fä^f.
@cf. 0. 5. SRooember 1875 § 5 (ücrgl. ferner code civil 3lrt. 185).
©in genügenber ®runb, baö ^^Jrinjip beö § 113 9lbf. 3 in einem bcr
galle beö § 1259 3lr. 1—3 ju burd^bred^en, liegt ni^t Dor. 3lud) fann cö
alö angemeffen ni^t erachtet werben, in Slbmcid^ung oon ber SHegcI beö § 72
bie ftiUf^ioeigenbe Genehmigung ganj auöjufc^Uc^en ober nur unter be^
fHimnten, gcfefelid^ näfier bejeid^neten Siorauöfefcungen ju berütffid&tigen. 2)ic
praftif^en Sebenfen, meldte gegen bie S^^öff^^Ö ^^^^^ ftillfd^roeigenbcn ©e-
nc^migung erhoben merben fonnen, mcrben burd^ bie SHüdEfic^t auf baö
3nterefle an ber 9lufred|terl^altung ber ©Ijc überroogen.
3)ic Scftimmungen beö § 1263 3lbf. 1 Sag 2, 3 red^tfertigen fid^ burd^ ^erjönuci^e
bie ^5d^ft perfönlid^e 3latur ber ®f|e unb bie ©rmägung, bafe eö fid^ in bcn neömiguna.^
^Uen beö § 1259 5lr. 1, 2 um bie 33efeitigung eincö SöiUenömangctö, in
bcm galle beö § 1259 3lx. 3 um bie 5Rad^l^o(ung ber jur ß^efc^Iicfeung er:^
forberlic^en perfonlid^en ©inroiltigung einer jur 3^it ^^ ®f)efd[)Iic6ung e^e*
unmünbigen 5ßerfon ^anbelt. 3Wit ber pcrfönlidtien 3latur bcr (Sf)t ift in
Snfe^ung ber ©enc^migung ber ®^e eine SSertretung fd^lec^t^in un-
vereinbar, äud^ barf auö biefem ©runbe, menn bcr genel)migenbe ®^cgatte
in bcr Oef^öftöfä^igteit bef^räntt ift, bie 5DBirffamfeit ber Genehmigung
(wrgl. § 65 3lbf. 3) nid^t üon bcr ©inmiUigung beö gefcfeUd^en SScrtretcrö
ab^ngig fein, um fo roeniger, alö nad& § 1265 aud^ baö 2lnfcd;tungöred)t
nicbt bur(^ ben gefefetic^cn Vertreter ausgeübt merben fann.
Die SSeftimmung beö § 1263 9lbf. 2 (ücrgt. ^cff. entm. II, 55) berut)t J^a^träoiic^e
ttuf ber ©rmägung, bafe, rotnn ber aWangel ber (S^cmünbigfcit burd^ nad^Mm Äa"urb«
Iräglicbc ©iöpenfation gcfjcilt ift, ein Grunb jur Slnfcd^tung tud)t mcl^r ^or- ^^^^^^|^Jj^' ^^.^
liegt, ba oorauögefegt werben barf, bafe bie Diöpenjation nur bann ert^eilt
werben wirb, wenn bieö bem Sntcrcffe beö cfjcunmünbigen ©Regatten entfprid^t.
92 UngüItiöWt bcr G6c. ©enc^miguitg be§ 9tnfc(]&tunö§Bcre(]^tigtcn. § 1263.
®eite^mü ®inc Sliiöual^mc von bcm ^rinjipc, bcfe baö ©cnclitnigungörcd^t burd^
^"ßltÄjn ^ bcn anfed^tungöbcrcdötigtcn ©Regatten [elbft, inöbcfonbcrc n\ä)t biird& ben gcfcfrs
«ertrcterö. u^cn 3Scrtretcr beäfclbcn, außäuübcn ift, mad^t bcr § 1263 9lbf. 3 für bcn
%aU bcö § 1259 3lv. 4. 3n bicfcm gallc fott, fo lange bcr anfed^tungö^
berc($tigte ©f)egotte in ber ©efd^äftöföl^igfeit bcfc^ränft ift, bie (Sf)c nur burd&
bie ®cnef)migung beö gcfe^Udöen 33crtrcterö unanfed^tbcr werben. ®ö entfprid^t
bicö ber ratio, auf roeld^er im g^Ue bcß § 1259 9lr. 4 bie Slnfec^tbarfeit ber
6l^e bcrul^t, unb fteljt mit bem allgemeinen Orunbfa^e beö § 65 3lbf. 3 im
(Sinftangc (ücrgl. code civil airt. 183; fäd&f. ®ef. v. 5. Siooember 1875 § 6).
2)cr Stanbpuntt beö preufe. 91. S. ?H. II, 1 §§ 999, 984, ba§, wtnn eine minber*
jährige ^crfon o^nc bie ®inn)illigung beö 93ormunbeß eine 6^e gefc^lojfen
})at, bie Ungiittigfeit bcr Icfeteren überhaupt nid^t burd^ bie ®cnet)migung beö
33ormunbeö bejm. beö 3}ormunbfd^aftögerid&teö geljeitt merben fann, fonbem
bem ©Regatten immer ba% 3ted&t t)orbet)alten bleibt, bie 6^c binnen fed&ö
3Konaten feit bcr ®rrei($ung ber 33olliäi)rigfcit alö ungültig onsufec^ten, ift
TOcber prinzipiell ju billigen nodj aud^ angcmeffen, meil baburd^ bie ®nt?
fdEicibung über bie Ungültigfeit ober ©ültigfcit ber ®f|e, ol)nc bafe bicö burd^
baö Sntcrcffc beö anfcd^tungöbered)tigten ©Regatten, meld)er fcinerfeitö per«
fonlid^ in bie ©Ijc eingemilligt l)atte, geboten crfd&cint, ju mcit l)inauö*
gefd^oben mirb.
Grfeuungbcr ®iu Scbürfulfe, uad^ Slimlogic bcr aSorfd^riften beö § 1232 Slbf. 2, 3
Se%SJ^nWni^ beö § 1238 3lbf. 4 aud) hier }u beftimmen, bafe bie ©enelimigung beö
«ertreterö. gefcgUd^cu SScrtrcterö nad) SKafegabe jener SSorfd^riftcn erfegt werben fönne
(ocrgl. fäd)f. ©ef. v. 5. Stoocmber 1875 § 6), liegt mä)i üor. Xa nad) § 1265
bcr gefc{;Iid&e 93ertretcr einer in ber ®cfdf)äftöfäljigfcit befd^ränften ^^>erfon aud&
im galle beö § 1259 32r. 4 baQ 2lnfcd)tungöred)t nid^t auöübcn fann, fo ift
eine berartige öcftimmung im Sntereffe beö in bcr ©cfd^äftöfäl^igfcit be*
fd^ränften ©tjcgatten ju bcm S^vcdt, um baö 9lnfcd^tungörcd^t beö gcfeglid^en
a[Jertretcrö ju bcfcitigcn, t)om Stanbpunfte beö ©ritraurfcö axiQ nid^t erforberlid^.
2)cr ®cfid)töpunft aber, bag bie l)icr in SWcbe ftef)cnbc Scftimmung infofern
aud^ üom ©tanbpunfte beö ©ntmurfcö auö nod) im Sntcrcfjc beö anfcd^tungö^
bcrcd^tigtcn G&egattcn liege, alö i^m baburd^ bie a)t5glid)fcit gemährt merbe,
bcm anberen Xi)cik möglid^ft balb bie Sidf)crf)eit ju ocrfdiaffcn, bafe bie 3ln*
fcd^tuug bcr 6^e übcrljaupt nid;t erfolgen mcrbc, fann nid^t alö auörcid^enb
angcfcljcn raerben, um baö ^riujip beö ©Itcrn- unb SBormunbfd^aftörcd^teö,
nad^ mcld^em ba^ aSormunbfd^aftögcrid)t bcn SBillcn beö gcfeglid;cn aSertreterö
nid)t JU crfcfecn, fonbem nur bei ^^flid^traibrigfcitcn bcöfclben einäufd^reiten unb
gecignetenfaHö einen anberen SScrtrcter ju beftcUcn befugt ift (rcrgl. §§ 1546,
1684, 1705 3lv. 1), ju burd^bred^cn,
®ene^miflung Xa^ au6) 'wx gallc bcö § 1259 3lv, 4 bcr anfcd^tungöbcrcdjtigte 6l)e*
evianuv mx* 9^^*^/ uacftbcm er bie unbcfd^ränftc ®cfd)äftöfä^igfeit erlangt ^at, felbft baö
befc^cöiifter ®cncl)migutigörcd)t auöjuübcn Ijat (§ 1263 9lbf. 3 Sag 1), cntfprid)t bem
Vwt^t' cillgcmcincn ®runbfagc bcö § 65 9lbf. 6. $^ai aber ber anfcd^tungöbered&tigte
®l)egattc baburd^, ba^ er bie unbcfd^ränfte ®cfd^äftöfäl)igfeit erlangt l^attc,
einmal baö Wene^migungörcd^t ermorben, ift mitl)in bie ®ültigfeit ober Um
gültigfeit ber S^e allein üon feinem SBillen abl^ängig, fo mufe il)m biefeö
Unßüaißfcit bcr eßc. 3tnfe*tun06frift. § 1264. 93
©ene^migungörcd^t, roic in bcn %&Um beä § 1259 9lr. 1—3, fo a\tä) in bem
gaflc bcö § 1259 9lr. 4 bleiben, roenngleid^ er fpätcr roieber in ber ©efd^äftö*
fö^igfeit bcfd^ränft roerben foltte. 3luf biefer ©rroägung beruht bic 39e*
jfonmung bcö § 1263 5ttbf. 3 ©afe 2; bic ©ntfc^eibung ber^grage, ob jene
(Seftc^tepunfte weiter ba^in fül^ren muffen, in bem gebadeten galle aud^ bie
Sorf(^ft beö § 1263 3Ibf. 1 ©afe 3 entfprcd^enb cnjuiüenben, ift in ©r-
mongelung eines 33ebürfniffeö, bicfe gragc im Oefeße befonberö ju entfdjeiben,
ber 3uriöpnibenj übcrlaffen.
3la^ bem fä^f. ®ef. o. 5. ^Rooember 1875 § G ift im gaHe beö § 1259
3lr. 4 bie 3tnfe(^tung überfioupt nid^t mel^r juläfftg, wenn ber ©Ijegattc,
»eld^er bcr ©inmiUigung beö gcfefelid^en SBertreterö beburfte, baö Üebenöiafir
öoHenbet E|at, mit bcffen SBolIenbung baö ©rforbcrnife bcr ©inroilligung nad)
§ 29 abf. 1 beö SR. ®ef. v. 6. gebruar 1875 mcgfäüt (oergl. auä) öfterr.
©.».§%; ^eff. entm. II, 53; fd^raeij. S3b. ®ef. ü. 24. Dejember 1874 3lrt. 53).
(Sne bcrartige Siegelung fann jebod^ oom 6tanbpun!tc beö ©ntrourfcö auö
einerfcitö im $>inblicfe auf bcn § 65 3lbf. 6, anbererfeitö mit SWücffid&t barauf,
bag noc^ bem § 1265 boö 9lnfed^tungöred[)t nid^t, mie bieö nad^ bem fäd^f.
Scfefte ber ^aU ift, bem gefe^Iic^en SBertreter äuftc^t, nidjt in grage fommen.
3)ic aSorfd^riftcn beö § 1263 bejie^en fid[i Icbiglid^ auf bcn gall, roenn (Bene^miflung
bic anfed^tbare (S^e nod^ nid^t angcf od[)ten ift. Sluö bem Segriffe ber Sin? "«nfe^tunr
fed^tung ergiebt fid^, bafe eine erft nad^ erfolgter Slnfed^tung erfolgcnbc ®e*
nc^migung ber ©^e unroirffam ift. 9iur bann, vocnn bie 9lnfed[)tung ber 6t)c
burc^ 6rl^ebung ber 3lnfed&tungöftage erfolgt ift, fann auönal^mörocife bie @t|c
nad^ § 1268 ©afc 2 trog ber erfolgten Slnfedjtung, biö bie ©Ije aufgeloft ober
für ungültig erflärt ift, nod^ oon bem anfed)tungöbered^tigten ©Regatten felbft,
ni<^t bagegen in bcn gällen beö § 1263 Slbf. 3 von bem gefcfcttdjen SBertreter
bcöfclben, roirffam gcnel^migt merben (oergr. bie 3Wotiüe ju § 1268).
§ 1264.
2)ie im § 1264 für bie Sluöübung beö Sltifcd^tungöred&teö beftimmte «"M^^weiuna
^räHufiDfrift ift einerfcitö, namcntlid^ im Sntcreffe beö nid^t jur Slnfcd^tung «nf«^tunÄ«*
beret^tigten ©Regatten, auö praftifc^cn 3lücffidötcn bringenb geboten, bomit 'Q^*/^*(,f"J^
nidSit bie Ungemife^eit über bcn gortbeftonb ber ®f)e ju lange bauert, anbcrers:
feitö aw^ vom ©tanbpunfte beö anfed^tungöbered^tigten ©Regatten auö un*
bebenfli^, ba in ben meiftcn gällen bem unbenufeten 9lblaufe ber grift eine
jKnfc^igenbe ©enel^migung ju Orunbc liegen wirb. S)ie grift beö § 1264
ift, wie in ben gällen beö § 104, eine ^röflufiüfrift. S)ie ©runbfäfec über
bie ajeriä^ng ftnb nid^t anroenbbor, ba ba^ 9lnfed^tungöre^t nid^t bie 9Jatur
einefi Änfpru^cö (§ 154) ^at unb, a\x6) abgefc^cn baoon, bic Slnrocnbung
ienec Orunbfäße, namentlich megen bcr Seftimmung beö § 182, nad^ roeld^er
bie SeriS^ng nur eine ©inrebe erjeugt, auf njcld&e oeriid^tet roerben fann,
JU einem mit bem SBcfcn ber ®^e nid&t oereinbaren 3lcfultate füfjren mürbe.
anbererfeitö ift bie Strenge ber 5ßräflufiofrift in einer baö 3ntcreffe beö am
ftt^tungöbercd^tigten ©Regatten angemeffen fd[|ü^enbcn aSeifc baburd^ gemilbert,
bofe ber § 1264 äbf. 2 bie »orfd^riften ber §§ 164, 166 für entfprc^enb an^
94 Unflülttöfcit brr Qh\ ^cv]bnl 9latur bcö 9tnfed)tiinö«re$te?. § 1265.
roenbbar crflärt. ®ö roürbe in ^ol^em ®rabc unbillig fein, bcn 9ScrIuft bcö
Slnfed^tungöred^teö burc^ 9lblauf bcr grift eintreten ju lajjen, obwohl ber
anfed^tungöbcreditigte Sl^egatte burc^ einen ©tiUftanb ber SRed^täpflege ober
burd& ®ef(i^äftsunfäf)igfcit an ber Sluöübung bejS S[nfecl^tungöred)teö üerl^inbert
TOurbe (üergl. aud^ § 171 9lbf. 5, § 1447 9lb[. 3, § 1473 3lbf. 2, % 1478
Derb, mit § 104 3lbf. 3, § 2030 2lbf. 3, § 2040 3lbf. 6, § 2046 STbf. 6,
§ 2100). SWit bein ^rinjipe beö § 1264 aibf. 1 ftimmcn bic neueren ®efe|^
gebungen, lüenngleid) biefelben im ©inselnen abmeidien, im 3BefentIid&en
überein (ücrgl. preufe. 21. S. 9J. II, 1 §§41, 990, 999, 984; fäd^f. ®. 95-
§ 1625 unb \ää)l ®cf. ü. 5. 9lot)ember 1875 §§ 5, 6; code civil 2lrt. 181,
183, 185; got^. ®t)egef. t). 15. aiuguft 1834 §§ 117, 137; altenb. ©fieorbn.
ü. 13. 3)lai 1837 §§ 190, 191 ; l;eR. ©ntn). II, 49, 53).
söeweiäittfi. ^Darüber, mie in ben göUen beö § 1264 bie aeroeiölaft [\ä) geftaltet,
entfd^eibcn bie allgemeinen Wrunbfäße unb bic 9Jatur ber ^^iräflufipfrift.
§ 1265.
!pcrfönii(^e S)ie ©eftimmungcu beö § 1265 Saß 1, 3, wel($e tfjcilö einen materiell^
'^b'er red^tlid^en, t^eilö, foroeit bie 3lnfed)tung burcb ®rl)ebung ber 3(nfed^tungöflage
anfec^tung«. crfolgcu mufe, ouc6 einen projejfualen Karafter l)abcn (§ 1266), entfpred^en
re*tc3. __ ^{^g^^^j^^^^ ^p^^ ^^^ c^jjQ^ jjgg g ^o-g sji,., 4 (pergt. § 1263 3lbf. 3) — ben
93eftimmungen beö § 1263 9lbf. 1 ©aß 2, 3 unb berul^en, roie biefe, auf ber
I)öd^ft per[5nlid)en 5Ratur ber G^c (pcrgl. aud^ Seuffert XXXI, 248; fäd^f.
@.33. §§ 101, 1910). aSon ber analogen, auf bie 3^id^tigfeitöflage fi^ bejiel^enben
ajorfdjrift beö § 1254 untcrfd^eibct fid) bie Scftimmung beö § 1265 ©oß 1
baburd), bafe baö 9lnfedE)tungörcd&t burdf) ben gefeßUd&en SSertreter aud^ bann
nic^t auögeübt werben fann, wenn ber anfedEitungöbered&tigtc ©begatte gefd^äftö^
unfäljig ift, bafe in biefem galle mitljin baö 9lnfcd)tungöred^t mäfirenb ber
2)auer ber ®efd)äftöunfäl^igfeit rul^t. 5Dicfer Unterf($ieb red^tfertigt fid& burd&
bie ©rroägung, ba^ eö fid^ bei ber 31id^tigfeitöflage um bie öefeitigung bcQ
Sd^eineö einer in SBirfUd)feit überl)aupt nid^t beftefienben 6^e, bei bcr Sin?
fed^tung bagegcn um bic Skfeitigung einer mirfüd^en 6F)e ^anbclt, foroie ba§
bie 9lidf)tigfcitöflage aud^ üom Staatöanmalte unb oon britten ^erfonen erhoben
merbcn fann (§ 1253), roäfirenb bei einer anfed^tbaren (S^e nur ber betreffenbc
(Sl^egatte jur 9Infed^tung bered)tigt (§ 1261), bie ©ntfd^eibung, ob bie @^c
fortbeftcben foH, mitfjin allein von feinem SBillen abf|ängig gemad^t ift (ocrgL
jebod^ entfd^. b. di. ®. in ßiüilf. IX, 58).
®in Sebflrfnife, üon bem ^riujipc bcö § 1265, bafe bie Slnfed^tung nid^t
burd^ ben gcfeßlid&cn 33crtreter beö anfed^tungöbered^tigten ©l^egattcn erfolgen
fann, für ben gall bcö § 1259 3lv. 3 eine 3luönaf|me ju maä)tn (oergl. preug.
91. 2. di. II, 1 §§ 990—992, 978, 979), fann nid&t anerfannt werben. 3mcife^
fiaft ift eö bagegcn, ob cö nid^t ben 93orjug üerbienen mürbe, im gälte beö
§ 1259 9]r. 4 infomelt, atö nac^ § 1262 9lbf. 3 bem gefeßlid^cn aSertreter beö
anfed^tungöbered^tigtcn ©Regatten an ©teile beö Icßteren ba& ©encfimigungö^
red^t juftc^t, bem gcfeßlid)en SSertreter aud^ bie 9luöübung beö 9lnfedötungfi^
red)teö ju übertragen (üergl. preufe. 91. 2. M. II, 1 §§ 994, 999, 978, 979 ;
Unflultigf dt ber (55e. Jcrin bcr 5Infe*h!nö. § 1266. 95
fäd^f. Ocf. D. 5. 5Roocmber 1875 § 6 ; l^c)t. entro. II, 53). 3)cr 3n)C(f ber
anfed^tbarfcit bcr (g^c im gallc bcs § 1259 9lr. 4 fc^cint eß mit fid& ju
bringen, bie (Jntfd&eibung barüber, ob bie gortbaiicr ber ®l^e im SntereRc beö
in ber ©eft^äftisfäl^igfcit befd^ränften ®f)egatten liege, in bie ^anb bc§ gefcfe^
Kd^ aSertreterö ju legen (ücrgl. § 65 3lbf. 3, 4). 3inbeffen fül^rt biefer ®c^
fit^tfipunft nicftt mit SZot^menbigfeit ju jener Stuönabme, ba cd fid^ ^ier nid^t
um baß Slufgeben einer üermogenßred&tli(^en 5ßofition, fonbern um bie Sluf-
löfung eines rein perfonlid^en SSerbältniReß bönbelt. 9lud^ baß 33ebenfen, ba^
rt bie Sage be« anberen 2;^ei(eß gefäbrbe, wenn bie 3lußübung beß Slnfed^tungß^
rct^tcß auc^ in bem bicr fraglid^en galle bem in ber (Sefd)äftßfä^igfeit bc«
fc^ränften ©Regatten felbft überlojjen werbe unb bemgemöfe bie für bie Sluß-
Übung beß Slnfe^tungßred&tcß beftimmte ^liräflufiofrift erft mit bem 3citputitte
ber erlangten unbef^ränften ®efd&äftßfäl)igfeit beginnen tonne, üermag eine
Jurcbbre^ung beß ^rinjipeß beß § 1265 für ben bejeidineten gall nid^t ju
rc^tfertigen. ©benfowenig empfieblt eß fid^, nacb bem SSorgange beß frans.
»fditcß (uergl. code civü ärt. 182; bab. S. !jH. Sa^ 182 unb bab. ®ef. t). 9. De-^
iiembcr 1875 § 2 lit. b) neben bem anfed^tungßbercd^tigten ©f)cgatten aud)
bem gefet^Iic^en Siertreter beß (enteren baß 9tnfed^tungßred|t ju geben, ©ine
berartige Seftimmung mürbe üom ©tanbpunfte beß ©ntrourfeß auß nid^t minber
olß eine 2fnomaIie fid^ barfteüen unb mit ber Söorfd&rift, ba§ ber in bcr ®c^
f(^ftßfä^igfcit bcfd^ränftc 6t)egattc in 9lnfel)ung ber Slnfed^tungßflagc projef^?
fä^ig fein foU, fd^roer 5U oereinigen fein.
Der srocite Safe beß § 1265 bcjmecft im «öinblidEe auf § 1266 9lbf. 1, ^^»eiuetung
boft SKi^oerftänbnife ju bcfcitigcn, alß ob burd& bie öeftimmung beß § 12(55 xnroäite.
2o| 1 au^ bie SBorfd^rift beß § 74 ber 6. % D. über bie 95ertrctung burd^
einen SnmaCt berührt werbe.
§ 126G.
2)ic Seftimmungen beß § 1266 über bie 9lrt unb 2Bcifc bcr 9lnfecbtung '^o"" ^^^
ber 6^ rocid^en oon ben allgemeinen ®runbfäfeen beß § 113 barin ab, bafe *"'^^'^*""^'
jie bie SBillenßerflärung, burd^ meldjc bie 2lnfed)tung erfolgt, formalifiren.
Sei ber großen SBid^tigfeit, meld)e ber 9lft ber 9lnfed^tung bcr ©^e aud^ im
Ser^ltnijfc ju 3)ritten ^at, empfiel|tt eß fid|, burd^ eine geeignete gorm bafür
}u forgen, bofe über bie ©rnftlid^feit ber SKnfcd^tung unb über ben 3citpunft
berfflben fein 3w^if^l obmaltet.
Da nad^ § 1260 3lbf. 1 eine anfed&tbare ©bc, aud) rocnn bie 9lnfcd^tung ^mfedjtungö.
erfolgt ift, fo lange alß gültig angefeben mirb, biß fie aufgclöft ober für ungültig ""^^
frftart ift, fo erf(^eint eß alß baß 9tngemeffenftc, bie 9lnfcd^tung ber ©tjc, fo
lange bie Icfttcrc nidbt aufgclöft ift, mit bcr Älagc, burd[) meldEic fcftgcftcllt
Hwben foU, ob bie Slnfed^tung eine begrünbete mar, in ber 9lrt ju Dcrbinbcn,
bofe bie atnfed^tung bur^ ©r^ebung ber 9lnfcd^tungßflagc erfolgen mufe (t)crgl.
wci § 1475 äbf. 1). 9luf bie boppelte Sebeutung, mcli^e .Ijicrnad) bie
fe^ebung ber Sfnfed&tungßflagc tfjcilß alß 9lnfed&tungßaft (§ 113), t^eilß olß
SeflftcBungßflagc ^at, ift bereitß in ben aWotiücn ju § 1260 oben S. 85 bi"'
gemiefen. SWit ber aSorfd^rift beß § 1266 2lbf. 1 ftimmen bcr ©ad&e nac^
aud^ baß tat^olif^e unb ha^ gemeine proteftantifd^e ©beredet, fomic bie neueren
96 UnoürtifiFeit ber gl&c. %m\\ bcr Slnfedjtuna. § 1266.
©cfcfcjjcbungcn übercin, iDcnnglcid^ bie lefetcrcn jum S^I;eil QUöbrüdflid^c unb
unjroeibcutigc Scftimmungcn in ber l^ier fraglii^cn Scjid^ung mäjt cntl^altcu
(oergL prcufe. 21. S. SR. U, 1 §§ 42, 973, 974, unb baiu Urtl). b. 31. ®.
bei ®vd6)0i XXX ©. 965 ff.; code civil 3lrt. 180—191; bab. S. SR. ©afe 180
biß 191 unb bob. ®ef. d. 9. 5Dejember 1875 § 2 ; fäd&f. ®. 93. §§ 1622—1626
unb fäd&f. ®ef. o. 5. 5Roo. 1875 §§ 4—6; ß. ^. D. § 592).
cSun ®^^ ®rünbe, auf roeld&en bie Seftimmung bcö § 1266 3lbf. 1 berul&t,
fl^cnübf? bofe, folangc bie 6f)c nid^t aufgeloft ift, bie 2lnfed)tung bcr lefeteren burt^
^^"^tf^Au^ ©r^ebung bcr Slnfed^tungsMage erfolgen mufe, treffen aber für bcn gall, xoznn
bie ®f|e burd) bcn 2^ob beß nidE|t anfed^tungöbered^tigten (Sf)egatten aufgeloft
ift (§ 1262), nid^t ju, ba in biefem galle mä) § 1260 3lbf. 2 bie 3lnfed[|tung
als fold^e, of)ne bag eö einer ridjterlid^cn UngültigfeitöerHärung bebarf, be*
wirft, ba^ bie ®^e als nid^t gefd^(ojfen ansufcl^en ift, in biefem galle mithin
ber S^^cd, eine ein^eitlid)e geftfteHung ju errcid^en, nid^t in groge fommt
(ücrgl. bie 2Rotit)e ju § 1260 oben ©. 85). (Sß fann in S^eif^I gejogen
werben, ob eö für biefen gall überfjaupt einer befonbercn 93eftimtnung bebarf
unb ob nid)t üielmel^r bie allgemeinen SBorfd^riften beß § 113 ^ier außreid^en,
Uebcrroiegenbe ®rünbe fpred^en inbeffen für bie 3lufnat)mc ber befonbercn
33eftimmung beß § 1266 3lbf. 2 (oergl. aud^ § 1475 Slbf. 2). Slbgefe^en batjon,
ia^ bie gormalifirung bcr Slnfed^tung wegen ber mit ber lefeteren ocrbunbenen
weitgreifcnben SBirlungcn im 3ntereffc ber Setl^eiligten liegt unb bafe bie
3rnfedf)tung l^icr juglcid^ ber Sai)t mä) bie ^[ußfd^tagung einer (Srbfd^aft
entf)ält, bie 3lußfc^(agung einer ©rbfd&aft aber fowie bie 9lnfed[)tung ber Sfn^
nat)me einer folc^en nad^ bcm ©ntwurfe (§ 2032, 2041) ebenfallß formaüfxrt ift,
fann bie Seftimmung beß § 1266 9lbf. 2 ©ag 1 namentlich um beßwillen
nidf)t wol^t cntbel)rt werben, weil eß ftd^ ^icr um bie 9lnfed^tung eincß perfön:^
lid^en 83erf)ältniffeß l^anbclt, in weld)eß bie ©rben beß anberen ©fiegatten nid&t
eintreten (§ 2051) unb bei müdjzm eß beß^alb nad^ bem J^obe beß arü)txen
6f)egatten an einem Slnfec^tungßgegner (§ 113 Slbf. 2) fe^tt. S)ie SBiltenö^
crflärung, burd^ weldfic in bem gallc beß § 1266 9lbf. 2 bie Slnfed^tung erfolgt,
mu^ gegenüber bcm 9Jad^Ia6gerid^te abgegeben werben ; fie fann, wie auß bem
3lußbrude „gegenüber" im ®egenfa6e ju bem Slußbrude „t)or" (oergl. j. S9.
§ 1403 5Rr. 5, § 1398) crtjcllt, aud[) fd^riftli^ erfolgen. 2)urc^ bie 9lus^
fd^liefeung bcr Sd^riftform würbe bie 3lußübung beß 3lnfed^tungßred^teß im
^inblirfe auf bie Unjuläffigfeit einer SBcrtretung (§ 1265) o^ne 5Rotf| ju fel>r
erfd^wert werben. 3)lit bem 3eitpunKe, in welchem bie 5BilIcnßerflärung nad^
aKafegabc beß § 1266 3lbf. 2 ©ag 1 abgegeben ift, tritt bie im § 1260 3Ibf. 2
bejeid^nete SBirfung ein. 5Die SJeftimmung beß § 1266 2lbf. 2 ©a| 2 (üergl.
§ 1475 3lbf. 2, § 1398 3Ibf. 1, § 1403 9lr. 5, § 2040 Slbf. 2 Safe 2) ^at nur
bie Sebeutung einer Drbnungßoorfd^rift, wetd&c mit SRüdfid^t barauf alß an«
gemeffen crad^tet ift, bafe bie bort bejeid^neten 5ßerfonen t)omel|mli(^ burd& bie
Slnfcd^tung berül^rt werben unb ein 3ntcrcffe baran f)aben, über il^r SRed^tß«
oerf)ältni6 in Slnfcf)ung ber ©rbfd^aft beß oerftorbenen ©Regatten nid^t lönger
in Ungewifel^eit ju bleiben. JBon felbft ocrftcl^t eß fid^ übrigenß, bafe baö
Dkd^tafegeri^t nur infoweit jur Säcnad^rid&tigung ücrpftid^tet ift, alß eine fol^c
93cnad^rid^tigung außfü^rbor erfd^eint.
«nfc(fttbarfcit bcc S^c. 5)roac§fä6iflfcit 2C., ÄlaGenicfnatinc. §§ 1267, 1268. 97
§ 1207.
Tic aSorfd^riftcn beä § 1267 ergeben fic^ t^ei(d aiiä bei* 9fnaIogic ^f^sef*
bcr ^Hd^tigfcitöMogc imb ber Slnfed^tungäflagc in iljrer ©igenfdjaft alö ocrtwums.
einer auf SeftftcUung beö 9Jid&tbeftef)enö ber ®öe gerid)tcten geftftellungö^ ^^rooiforif^e
Hage, tljeilö, fooiel bie entfprcd^eubc 9lnn)enbung beö § 1254 betrifft, and) an^ aKatrcgcin.
ben ©rünben, auf toeld^en i>a& ^rinäip beö § 1265 beruf)t, bafe bie 3(nfe^tung
mir burc^ ben anfec^tungöbcrec^tigten ©fiegatten felbft, nic^t burd) einen SJer-
treter, inöbcfonberc nid^t burd^ ben gefcglic^en SSertretcr, erfolgen fonn (uergt.
bie 3Wotiüc 5U § 1254 oben S. 61 imb su § 1265 oben 3. 94). OKit md^\i)t
barauf, ba% nai) bem § 1265 ba& 9tnfed)timgöreci^t burd^ ben gefe^Iid^en SBer^
treter fclbft bann nidjt ouögeübt merben fann, wenn ber anfc(l&tungöbered)tigte
(Si^eqaüt gefd^äftöunföf)ig ift (oergl. aWotioc ju § 1265 oben S. 94), erleibet
inbcffeu bie entfpred&enbe Slnmenbung beö § 1254 infofern eine SKobifitation,
ald bie 3(nfedötungöflage üon bem gefefelidjen SSertreter eincö gefd^äftönnfä^igen
G^cgottcn ni^i erhoben werben fann.
Sine befonbere JBorfd^rift, ba^ für ben Sled^töftreit, xoddjcv bie älm «erfahren.
fec^tung einer ®fje jum ©egenftonbc t)at , bie 58orfd^riften ber S. 5ß. D. über
ajccfttöftreitigfeiten gelten, weld^c bie Ungültigfeit ber 6l|e sum C3egenftanbc
baben, ift entbebriidj, ba onöroeiölid) ber 9lnm. 1 ju bem Unterabfd)nitte
„IV. Ungültigfeit ber ©b^" unter II bie Ijier in 39etrad)t fommenben S8or^
fc^riften ber 6. 5ß. D. burc^ baö Ginfüljningögefeß mit bem Sprod^gebraudje
beö bürgcrlid^en ©efeftbucbeö in ©inflang gebradjt werben foBen, inöbefonberc
bcr 9Iuöbni(f ber 6. 5ß. D. „Ungültigfcitöflage" mit bem 3luöbrurfc „9ln^
fctibtungöftage" Dcrtaufd^t locrben foU. SEBic jene 9lnmerfung ergiebt, werben
Qufecrbcm bie 95orf d^riften ber 6. 5ß. D. über 9ledf)töftreitigfeiten , meldte bie
Ungültigfcit (9lnfed)tung) ber ®be jum ©egcnftanbe \^(xbz\\, burd^ boö ®in=
fü^nmgögcfeg in ücrfd^iebenen JRid^tungen erganjt bejm. geänbert merben (t)ergf.
indbef. bie in ber ermahnten 9lnmerfung mitgetljeilten §§ 573 a, 575 a, 576,
577, 584 a ber 6. % D., unb, fooiel bie §§ 575 n, 576, 584 a betrifft, bie OWotiüc
3U i;i^ 1268, 1269 beö ©ntmurfcö).
§ 1268.
3Ja(^ aBgemeinen ©runbfägcn mürbe bie mit ber ©r^ebung ber gin^ Surüdna^me
fet&tungöfloge alfi ginfec^tungöaft (§ 1266 9lbf. 1) ücrbunbenc SBirfung, bafe tuna^Haot
t^, üorbc^oltli^ ber S3eftimmung beö § 1260 9lbf. 1, fo ansufefien ift, olö
ob bie e^e nid^t gcf^IoReu märe (§ 1260 9(bf. 2), bur^ bie ^urücfnabmc ber
Snfed^tungöffage nid^t miebcr befeitigt merben fonnen. 2)ie 3uriidEnal^me ber
9Cnfe(^tungdf(agc mürbe {mar bie folgen ber 9ied)töbängigfeit uad^ äßaggabc
bcÄ § 243 ber S. %. C bcfeitigen, nid^t aber ben in ber ©rl^ebung ber 9lm
fcd^tutiflöflagc nad& § 1266 9(bf. 1 5ugleid^ tiegenben red^tögefd^äftlid[)en 9lft
ber ainfec^tung (§ 113 Slbf. 1). 2:ro6 ber 3urürfnal[ime ber 9lnfed^tungöflagc
tonnte ber anfe^tungöberediitigte ©begatte mithin bie Ungültigfeit ber ©b^ i»^
aSege einer neuen Slnfed^tungöflagc alö geftftcBungöffage geltenb mad^en unb
tonnte, fobalb bie G^c aufgeloft ift, aud^ feber Sritte, meldjer ein red^tlid^eö
^tereffc baran ^at, auf bie Ungültigfcit bcr ©^c incidenter fid^ berufen
lUtiM |. bCrgerl. (8cfe|(itd^ IV. 7
93 UnGÜltig!cit bcc (S6c. Slnfed&tbarfcit. Äragerüäna^me. § 1268.
(§ 1260 3lbf. 2). S)ie ßl;egatten würben bal^cr, aud) rocun im Saufe beft
9led^töftreitcß eine SÄuöföfinung unter bcnfctben ftattfänbe, genötl^igt fein, eine
neue @fie einjugefien; fiberl^aupt würbe ber anfed)tungßbered^tigte ß^egotte
nid)t me^r in ber Sage fein, im Saufe bcö Sied^täftreiteö feinen ©ntfci^Iug mit
SBirIfamteit ju änbem. Um biefe a\i& ben aÖgemeinen ©nmbfägen fid^ er^
gebenben, meber bem Sntereffe ber SBet^eiligten, nod^ bem öffentlidjen S^tereffc
an ber 3lufrcc^terf|altung ber ®^cn entfpred)enben Äonfequenjen ju uermciben
imb ein fadigemäSeö 9iefuttat iu erjielen, greift ber Safe 1 in SBerbinbung
mit ben aSorfdiriften , wetd^c nad) ber 2lnm, 1 ju bem Unterabfd^nittc
,JV. Ungüttigfeit ber ef)c" unter II, 4, 5 als §§ 575 a, 576 ber 6. 5|}. D.
jur 2IufnaI)me in ba^ GinfüJ^nrngögefefe beftimmt [inb, pofitiü ein. SBä^renb
ber neue § 575a ber 6. % D. t)orfd)rcibt, baß bic Slnfeci^tungöftoge von bem
sBitfunfl: Slläger ju jeber 3^it aud) o^ne ©inroilligung beö S3ef(agten (oergl. § 243
*" *?]?""* 9tt^f- 1 ^^^ ®- ^- ^') äurüdgenommen werben tann, oerbinben ber Safe 1
sinfe(^tun88» lutb bcr ueue § 576 ber 6. ^. D. mit ber 3w^ücfnal^me ber Älage, ab*
«^»«^^ gefel)cn üon ben im § 243 ber 6. % D. beftimmten projeffualifd^en golgcn,
jugleid) bij materiellred&tlidjc SiBirhing, ba^ bic 3InfedEitung als nid^t erfolgt
anjufclien ift unb ba^ ber Ätäger, weldjer bie 3lnfed)tungöflage iurüdgenommcit
Ijai, auf 2:i)atfad^en, mcld&e er in bem früfjcren 9ied^tßftreite geltenb gemad^t
l)at ober mcld&e er in bem früheren 3ted)tßftreite I)ätte geltenb mad)cn fönncn,
baö 5Hed)t, bie ßljc anjufedjten, nid^t metir grünben fann. S)iefe lefeterc Sor*
fd&rift, meldte bie fd^on nad^ bem biöl^crigen § 576 ber 6. % O. mit bcr
9lbn)eifung ber «Silage für ben Äläger rerbunbenen SBirfungen auf bic SurücE^
(Ausnahmen;, nal)mc bcr Ä(age auöbcl^nt, foU icbod), wie aus 9lbf. 2 bcö neuen § 576
ber e. % D. fxä) ergiebt, auf fold&e S^^atfadien, n)eld)c nad) ben aSorfd^riftcn
beö § 1259 3lx. 3, 4 beö bürgerlid)en Oefefebud^eö bic 3lnfed^tbarfcit einer
©[)e begrünbcn, nur infomeit 3lnn)enbuna pnben, atö ber Slnfed^tungö^
beredE)tigte ju ber 3^^^, in metd^er er bic auf jene 2^()atfad^en fidi grunbenbc
3lnfed&tungßflagc jurüdgenommen l)at, im galle beö § 1259 3lx. 3 cl)emünbig
geworben war ober im galle beö § 1259 3lx. 4 bie unbefd^rönfte (Sefc^aftö-
fät)igfcit erlangt l^attc. S)a in biefen göHen bie anfedjtbarc ©^c oon bem an^
fed)tungöbered^tigten ©Regatten, beoor bcrfelbe el)cmänbig geworben ift bejw.
bie unbef darauf te (Sefd^äftöfä^igfeit erlangt l^at, nid)t wirffam genc^miflt
werben fann (§ 1263 Slbf. 1, 3), fo muß if|m aud^ bie SRöglid^feit cntjogcn
werben, in jenen gcillen burd) ©rf)ebung ber 3lnfed^tungöflage unb bie barauf
erfolgenbc 3"^ödnal^me berfetben bie SBirfung ber ©ene^migung bcr anfed^t*
baren Gl)t inbireft l^erbeifü^rcn. ©iefer ©efiditßpunft mufe aber fonfequcnt
weiter ba^in fül^ren, aud^ bic Slnwcnbbarfeit beö biöl^crigcn § 576 ber 6. % D.
infoweit auöäufd^Iiefeen, alö bie 3lnfcd)tung auö einem ber im § 1259 9lr. 3, 4
bejeidincten Oriinbe erfolgen fonntc, cö fei benn, bafe ber ftläger ju ber 3cit^
in weld&er jene ©rünbc in bem früf|crcn SRed^töftrcitc I)ätten geltenb gemocht
werben fönnen, im galle beö § 1259 9lr. 3 e^emünbig geworben war ober im
Salle bcö § 1259 5«r. 4 bie unbefd&ränfte ©efd^äftöffi^igteit erlangt I)atte. SBon
prattifd^er S3ebcutung ift bieö nid^t nur in bem gallc, wenn ber 3lnfe(|>tun9ö5
beredjtigte mit einer in anbcrcr STrt begrünbeten Slnfed^tungöMage, fonbern inö«
befonbcre awä) in bem J^alle, wenn er mit einer Sd^eibungöflage abgewiefen ift
Uitöürtiflfeit ber GSc. Stnfe^tBarfeit. ÄraGcrüdfna^me. § 1268. 99
SQBcrbcn bic SBirfuiiflen, wcld^e bcr biöl^crigc § 576 ber ß. 5ß. D, mit t« «nfe^wnu
ber 3fbroeifimg ber Stnfed^tungöttage in Slnfeljung bcö SRed^tcö beö Älflgerö, ^^^^^Jf*^*
We G^c auö einem anberen, in bcm früheren SHcd^töftreite nid^t geltenb ge- ®*"*>«nfl'
tnad^tcn ®nmbe anjiifed)ten, auf bie 3wrüctnal)me ber 3lnfed)tungöflagc auö-
flcbe^nt, fo bringt eö bic ftonfeqncns beö bcm § 576 ber 6. ^. D. }u Orunbc
liegenben ®eban!enö mit fid), im galle ber 3urücfna[)mc ber Slnfed^tungöftagc
bic aSorfd^riften beö § 576 ber 6. ^. D. aud^ infoweit für anmenbbar ju er-
florcn, alö mä) benfelbcn burd) bie Slbmeifung ber Slnfed^tungöflage baQ
Siedet bes ftlogcrö, bic ®d)eibung ju ücrlongcn, auögefd^Ioffen mirb, b. I). cö
mufe atid^ im gaUc ber 3"^**"^^)*^^ ^^^ 9lnfed)tungötfagc baö 9led)t beö
Älfigcrß, bie Sd^cibnng ju verlangen, infomeit auSgefd^loffen werben, als ba^^
felbe auf fold&e 2^^atfad^en fid) grünbet, lüeld^e in bcm SHed^töftreite über bie
Slnfec^tunflöflage l^ätten geltenb gemad^t merben fönnen. 9luf ber anberen auf wc
€eitc ift eö j[cbod) alfi bebenHid^ eradjtet, bie nad^ bcm bisl^erigcn § 576 »cuagte«*
A£a| 2 bcr 6. 5ß. O. mit bcr Slbroeifung ber 3lnfedE)tungö!lagc ober ©d^eibungö-
llage für ben SBeflagten Dcrbunbene präflufioc Sffiirfung aud^ auf ben %aü
öuöjubc^ncn, menn ber Älägcr bic 9lnfed)tungötlagc jurüdEgenommen l)at, ba
nacb bcm neuen § 575 a ber 6. % D. biefe 3urüdnobmc nid^t an bie ©in-
.roiUigung beö SBeflagten gebunben ift, ber Icgtere alfo genöt^igt fein würbe,
fofort mit bcm beginne feiner münblidjen 33erf|anblung jur ^auptfad^e bic
ISr^ebung bcr SBiberHage ju tjcrbinbcn, um nid)t burd^ eine plöfelid^c ein*
jcitige Swi^ö^nöl^mc ber Slnfed^tungöflagc von ©eiten bcß Älägerö fein Siedet,
iie ß^c anjufed^tcn ober bie ©d^eibung ju ücrlangen, ju verlieren.
ÜKit SRürffid^t barauf, bafe nad) bem bürgerlidE)en ©efefebud^e bic
Snfed^tuiifl bcr ©bc wnter Umft8nben aud) in anberer SBcife alö im 9Bege ber
Älagc erfolgt (§ 1266 3lbf. 2), ift in bem neuen § 576 bcr 6. 5ß. D. bic
9lußbnirfön)cifc beö biö^erigen § 576 ber 6. % D. „fatm S^^atfad^en
-üte felbftänbigcn Älagegrunb nid^t mebr geltenb mad^en", t)ermieben unb ftatt
ieöfelben bic SBenbung gebrandet „fann auf S^J^atfad^en ia& SRcd^t,
bic Sd)eibung ju uerlangcn ober bic 6^c anjufed^ten, nid^t mel^r grünbcn".
^cm burd^ bie biöl^erigc gaffung beö § 576 ber 6. 5ß. C jugleic^ jiim Stuö-
inrucfe gelangten ©ebanfen, bafe eine SCI^atfad^c, auf n)eld)e nad^ § 576 ber 6.^^.^.D.
icr Eintrag auf ©d^eibung nid)t mctir gegrünbet werben fann, glcid^wofit in
35erbinbung mit einer nod) nid^t auögefd&loffenen S^^atfad^e jur Segrünbung
.beö äntrageö auf ©d)eibung geltenb gemad^t werben barf, wirb burc^ bie
3}orf(ftrift beö § 1448 beö ©ntwurfeö 9led[inung getragen.
Cbwo^l bie bi^ in SRcbe fte^enben SSorfd^riften über bic SBirfung ber
3urü(fna^mc ber älnfed^tungöflagc auf ba& 9{ed^t beö SllSgerö, bie @l)e an*
jufec^ten, einen moteriellred[|tlid^en Äaratter böben, jumal nad^ bem ©ntwurfc
bie ßrbcbung bcr 3lnfcd}tungöflagc fid^ in erfter Sinic alö Slnfec^tungöaft
barfteUt, fo ift eö bod^ wegen beö engen 3wfcimmcnl)angcö, in weld)em
jene 93orfdEiriftcn, abgcfeljen Don ber SSorfdirift beö ©ag 1, mit ben äJor*
fdbriftcn beö biöbcrigai § 576 ber ß. ^. 0. ftet)en, unb wegen ber Stüdf*
.witfung, welche Jene SJorfd^riften auf biefe äufeern, fowie jur Sßcrmcibung
»on SSKcberl^olungen alö angemeffen erad^tet, bic in SRebe ftel^enben 93or*
fdbriften mit bcm § 576 ber 6. 5ß. D. ju Dcrbinbcn unb bem le^teren burd^ baö
7*
100 Ungültiofcit bcr 616c. ©cnc^mißunö bcr anöcfcd^tcnen S6c. §1268.
©infü^rungßgcfefe eine ttcuc, bic l^erüovgefjobencn 9lenberungcn unb ©rgänjungcii
bevücffid&tigenbe gaffung ju geben. 3^9'^^^ M"t bie, einen rein proäeffualcii
Äarafter an fid^ tvagenbe SJorfdörift, ba^ bie 2lnfed)tungstlagc von bcm
Äläger ju ieber 3^1* ^"^ ^^^^ ©inroilligung bes Seflagtcn jurüdEgenommeii
werben fann, als § 575 a Sa|5 1 ber 6. '^. D. bem Ginf ü^rungögefefee über*
lüiefen.
öcnc^miflunfl Stnlangcub ben sweiten Safe beö § 1268, fo enthält berfclbe eine 9Iuö-
im^fiaute^sttalime üon bcm ®runbfafee, bafe eine anfe^tbare G()e nac^ erfolgter Slnfed^tung
ftrct«8 ^^^rtf^"^ "^^* ^^^^^ genehmigt werben fann (t)ergl. äJiotiüe ju § 1263 oben.
3. 93). 3lnbererfeitö [teilt jene SSorfd^rift fi^ als eine fonfequente gorfc^
entroicfelung beö ®ebanfenß bar, iüeld)er ber 33orfd^rift ju Orunbc liegt, bafe
bie SBirfung ber burc^ Srfjebung ber 3(nfecbtungöf(agc erfolgten Slnfed^tung
burd) bie Sutüctna^me ber Slnfed^tungöflage loieber bcfeitigt werben fann; fic
fte^t jubem im ©inHange bamit, bajj bie im § 577 ber (5. 5ß. C bejcid^netcit
S?orf(^riften, inäbefonbere bie aSorfdiriften über bie SBirfung eines 3ln*
ertenntniffcö unb eineö gerici^tlicf)en ©eftänbniffeö nadj ber neuen gaffung,
n)eld)e ber § 577 ber 6. 5ß. D. burc^ bas Ginfü^rungögefcfe erl^altcn fott
(üergl. bie 3tnm. 1 ju bem Unterabfd^nitte „IV. Ungflltigfcit ber ©^e" unter II, 7)
in einem 9te(i[|t9ftreite, mcldier bie Slnfed^tung ber ©^e jum ©egenftanbc l;at,
nur in 9lnfcl^ung fotd^er 2:^atfad^cn feine 3lnroenbung finben foUen, meldte bie
5(nfed^tung ber G^c begrünben f ollen. Äann ber Äläger bic golgen ber
9tnfed^tung burd^ S^rüdfna^mc ber 9lnfed&tungöflagc ober baburd) befcitigeu,
bafe er bie unmafirc 33cf|auptung beö 83cflagtcn jugeftcljt, bic ©^c fei bereite
üor ber erfolgten 9lnfcd)tung genel^migt, fo feljlt eö an einem auörcid^enben
©runbe, bem Älöger bic Scfugnife ju uerfagen, im Saufe beö SHcd^töftrcitcft
bie ©Ije bireft ju gencfimigen, fo lange bicfclbe nid)t aufgclöft, ober für ungültig
crflört ift, jumal nad^ § 1260 bis ju biefem B^itpunfte bie ©^c als eine gültige
bedanbclt mirb. S)aö 9led^t, bic ©^e in bcm Ijier fraglid^en gallc trofe ber
erfolgten 3lnfed^tung no^ mirffam genehmigen 5u fönncn, foll j|ebod^ nur bcm
anfed^tungsbered^tigten ©Regatten fclbft juftcljen, fowcit berfclbe nad& aWafe*
gäbe beß § 1263 2lbf. 1, 3 eine anfed^tbare, aber nocb nic^t angefod^tcne 6^e
feinerfeitö ju gcnclimigen befugt ift. 2)agegcn foU bem gefe|lid&en Sßcrtrctct
beö anfeditungöbcred&tigten ©Regatten baö SHed^t, in ben gäUcn beö § 1259-
9]r. 4 bie angefod&tenc ©^c nod^ im Saufe beö SRcd&töftreiteö über bie
3lnfcd)tungöflage mi) äßafegabc beö § 1263 3lbf. 3 genehmigen ju tonnen,
nid&t beigelegt werben, .^at ber anfedl|tungöbered&tigte ©begatte bur^ bic
©r^ebung ber Slnfcd^tungöflagc feinen aSillcn, bie ©()e nid^t fortfefeen 5u
wollen, funbgegeben, fo barf er nid)t burd^ bic nad^träglid^e ®cnel^"ii9i^ng ber
©^c üon ©eiten beö gcfcfelic^cn SScrtrctcrö an ber gortfcgimg beö ^^Jrojcffcd.
geljinbert werben.
SBon fclbft ocrftel;t eß Rd) übrigenö, bafe, wenn bie ©^e red^töfräftig für
ungültig erftärt ift, eine üor ber 9lec^töfraft beö Urtl^eileß erfolgte ©enc^migung.
ber ©f|e aud^ bann nid^t mcl^r in S5ctrad)t fommt, wenn bicfclbe in bcm
SHed^töftrcite über bic Slnfcd^tungöftage ni(^t me^r geltenb gemacht werben
fonnte (ocrgl. in biefcr S3ejicl)ung bie OTotiüe ju §§ 1250, 1251 oben S. 51).
3lnfe*t6arfcitberßBe. aBWuiiG be§ UctBeilcö. ©iitcr ©laute. §§1269,1270. 101
§ 12(>9.
S)ic S3cftimmung bcö § 1269 cntfprid^t bcm ^^rinjipc bcö § 1256 Sa^ 1 subjeitiucr
unb beruht auf benfelbcu ©noägungen, welche ju bcr Icgtcrcn SBovfcfjrift gc^ "Ic^^fraft
fübrt \)ahm (ücrgl. bic 2Rotioc ju § 1256 oben S. 62 ff.; ferner §§ 1271, 1477, t^^« u"^^»«^-
1632). 3lud^ bem abroeifenben Urtfieile SBirfung für unb gegen 3inc bei-
julegcn, ift in bem I;ier fragUd^en gallc nm fo raeniger ju beanftanbcn, a(6
boö anfed)tungöred^t immer nur bem betreffenben ©l^cgatten jufteljt, üon einer
?SerteJung ber 9ied)te dritter mitliin l)ier fiberijaupt nid^t bic 9tebe fein fann.
3Jic a^nioenbunfl ber Siegel beö § 192 mürbe augerbem ju bem nnangemeffenen
9Jefultote führen, bafe ein dritter na6) 9lnflöfung ber Gi)c fid^ auf bie in ber
©rbebung ber Älage liegenbe Slnfed^tung unb bic baburd) ^erbeigefülirte Un-
gültigfeit ber ßl^e berufen fonntc (§ 1260), obn)ol;( gegenüber bem anfed)tungö5
berecJbtigten ©begatten bie Slnfed^tung als unbegrünbet erfannt morben ift.
Stirbt einer ber ©b^gcitten vox ber 9teci^töfraft beö Urtbeileö, fo ift ber dicdjtQ-
ftreit in 3lnfef|ung ber ^auptfad^c ate crlcbigt anjufcljen (»ergl. ben in ber
3rnm. 1 JU bem Unterabfd^nitte „IV. Ungültigfeit ber ©be" unter H, 0 mit=
gctbeUten, 5ur 9tufnal)me in ba^ ®infüf)rungögefe6 beftimmten § 584 a bcr
C. ^. D.) ; in einem folc^en galle tritt baficr bie im § 1269 bejei^nete SBir-
fung nicfjt ein (üergl. bie SKotiüc ju § 1256 oben S. 63).
§ 1270.
Xic Öcftimmungen beö § 1270, meldte fid) alö eine iDlobififation beö im «<^»»
§ 1260 Slbf. 2 auögefprod&enen ©runbfageö borftellen, red^tfertigen fid^ burd) ^"!|ru"icr'
bie ©rroägung, bafe eine anfed^tbarc unb angefod^tenc ©()e einer nid&tigen, aber
in gehöriger gorm gefcbloffenen (Sf)c fad^Iic^ gleic^ftefit. Slnlangenb inöbefonberc
bic Säorfc^riften beö § 1257, fo fpred^en bic Wrünbc, auf n)cld)en biefelben
berufen (ocrgl. bic a)totioc ju § 1257 oben 2. 63 ff.), bafür, in bcm bort
bejeid^nctcn Umfange britte gutgläubige 5ßcrfoncn aud^ gegen bic folgen einer
burt^ Snfcc^tung ungültig gemorbenen 6f)c ju fc^ügen. 35odö mu§, mie im
^Ue befi § 837 äbf. 2 (ücrgl. ferner § 2091), fo aud^ I)ier bie ftenntnife bcr
Snfcc^tbttrfcit bcr Äenntniß ber Slid^tigfeit glci^gcftcUt roerben (nergt. preuf^
% S. 9t. II, 1 §§ 974, 960, 961).
S)a britte 5ßerfoncn bie Ungültigfeit einer anfed^tbaren (S^c nic^t gcltcnb
moc^ fonnen, fo laffen fid^ ©rünbc ber 93illigfeit bafür anführen, ©ritte
no<^ STOoftgabc beö § 1257 in 3lnfel)ung fotd&er unter hcn § 1257 fallcnber
9Ic^tögcf4äfte, locl^c bie Sefricbigung beftc^enDcr 3lnfprüd^e bcärocden, fomic
in ainfe^ung ber unter ben § 1257 fallenbcn Urt^eilc über bcrartige Slnfprüdie
auc^ bann ju fc^üfeen, menn fic uon ber 3lnfed^tbarfeit ber Glje Äenntni^
Wtcn, fofcni nid&t bic Ungültigfeitöerfläning ber G^c fd^on t)or bem im
§ 1257 9lbf. 1 bcjm. 3lbf. 2 bejcid&neten 3fWpunftc erfolgt mar. ^^on
praftifdbcr 33cbcutung mürbe eine bcrartige 9)Jobififation ber ^^orfd^riften beö
§ 1257 }. JB. für fold^e golle fein, in meldten eine ber Gl;efrau gegen einen
Stritten 5iiftel)enbe, ju bem ©fiegute gc^örenbc gorberung burd^ ben ©ritten
102 nngültiöf. b. (SIjc. Srnfc^tBarfeit. ®d;ufe bcf^ ßuten ©lauBcnö. §1270.
auf Ocuub ber cfjclid^eu Slufeuicfeung an bcn ©bemann (§§ 1292, 1028)
ober eine (S^egutsocrbinblid^fcit burd^ bcn ©J^emann an ben dritten (§ 1318
5Rr. 1) ober eine ber Gl&efrau gegenüber bem ©ritten obliegenbe SBerbinblid^fcit
burd^ ben auf ®runb beftel;enber ®ütergemeinfd)aft perfönlid^ oerl^afteten Q^(>
mann (§ 1359 3lbf. 2) erfüUt locrbcn foU. SnbeRen fann ein SBebürfnife, bai^
5ßrinjip beö § 112 l^ier in einem fo weiten Umfange ju burd^bred)en, nici^t
anerfannt werben, jumaf bie in Setradit tommenben ^äUc feiten finb, bem
©ritten gecignetenfaDö aud^ baö ieintcrlegungörcdjt (§ 272 3lv. 2), baö SRed^t
ber Äonbiftionen (§ 745) unb nad^ Umftänben baö SRe^t ber Streitoerfünblguna
jur Seite ftel;t (§ 69 ber ß. % D.).
sinfprut^ be« ©egen bie entfpred^enbe 2lnn)cnbung beö § 1258 fann ber ©iniüanb
^ctefloften" crf|oben werben, bafe eö einen SEBiberfprud^ in fid& fdjliege, ix>tnn ber anfed}tungö=f
wMäubUn ^^^^^*^9*^ ©l^egatte, troßbem berfelbe fid& ba^in entfd^ieben l^abe, bie Qi)c ate
ungültig anjufed^tcn, bennod& nad^ SKafegabe beö § 1258 bie SBafjI l^aben
foBc, ob gegenüber bem anberen ©Regatten in üermögcnörcd^tlidier 33ejie^ung
eö bei ben auö ber Ungüftigfeit ber Gf)t ftd^ ergebcnben folgen ocrbfeibeii
ober baö SScrl^äftnife fo bcurt^eilt werben folle, wie wenn bie ©fie gefc^iebeu
unb ber anbere ©^egatte für ben fd^utbigen 2:^eil ertfärt wäre. Snbeffcn ber
§auptjwedE ber 9lnfedE)tung ift bod^, wcnigftenö bann, wenn bie Slnfed^tung.
bei Scbjeiten beiber ©Regatten erfolgt, ber, bie perföntid}en golgcn ber G^e^
fd^lie§ung ju befeitigen. S)ie SJefeitigung ber üermögenöred&tlid^en SBirfungen
ber ©^e ift nur eine Äonfequcnj ber ©efcitigung beö perfonlid^en 9led)tö*
üerl^ältniffeö ber ©f)e, eine Äonfequenj, we(d)e ber anfcd^tungöbcred^tigtc ©f)c*
gatte uicUeid^t gern uermeiben würbe, wenn er bie 3lbwcnbung ocrfelben ni^t
mit ber gortfefeung beö perfonlid^en SBer^öItniffeö erfaufen mü§te. 3h gälten
ber Slrt würbe eö unbillig fein, ben anfed^tungöbcred^tigtcn ©l^cgatten in bie
Sage ju tjerfefeen, entwcber bie ©^e, bercn gortfe^ung il)m nid^t jugcmutl^et
werben fann, fortfc|en ober auf bie biö baljin burd^ bie ©^e für if|n bc^^
grünbeten ocrmogenöred^tlic^cn SBirfungcn uersid^ten ju müjfen. 3ßit bem
©ntwurfe ftimmcn in ber f)ier fraglid^en 33ejie^ung baö gemeine Siedet unb
bie neueren ®efe|gebungen, foweit biefelben mit einer ^utatiocl^c überhaupt
SBBirfungen einer gültigen ©^e ucrbinben, überein (ocrgl. code civil 9lrt. 201,
202 Derb, mit 3lrt. 180 ff.; \ää)i. ®. 83. § 1628; ^eff. ©ntw. II 3lrt. 59—62
uerb, mit Slrt. 48 ff. ; fd^weij. a3b. ®cf. t). 24. ©ejember 1874 3lrt. 55 t)erb. mit
9trt. 50 ff.), ©aji in bem ^ier fraglidjen galle bie Äenntni§ ber Slnfed&tbarfeit
ber Äenntnife ber SRidjtigfeit glcid[|ftel^en foU, entfprid^t ber red&tlidijen 9latur
ber 9lnfed^tbarfeit, wcld)c, imnn bie SÄnfed^tung erfolgt, bie ©l^e rüdwörtöl^iu
oernid^tet (oergl. aud& § 837 Slbf. 2). ©ie weitere SBorfdjrift beö § 1270, bag
im galle ber Stnfcd^tung wegen ©ro^ung ber anfed^tungöberecfttigte ©begatte
bem ©l^egatten gteidiftel^t, weld^cr bie Slid^tigfeit ber ©f|e nid^t gefannt unb
beffcn Unfenntnife au^ nid^t auf grober ga^rläffigfeit berul^t l^at, ift mit ^M^
fid^t auf bie ^iorauöfegungeu erforbertid), Don weldjen ber § 1258 baö bort
beäeidinetc befonbere SRed^t abhängig mad)t.
©urd^ bie cntfpred^enbe Slnwenbung beö § 1258 wirb ein nad& bcn
allgemeinen ©runbfdöen über Sd^abcnöcrfafe auö unerlaubten ^anblungen bc^
grünbetcr 3tnfprudö auf £d)abenöerfa6 (§§ 704, 705) nid)t berührt.
llnguItiGfcit bcr G^c. gcftiMunfl^fraGC. § 1271. 103
§ 1271.
Xcr gntwurf beruht Quf bem ^^irinsipc, bofe eine Sliditigfcilötlaac im ^^^J^^^ '
Sinne bcr (S. % C. (§ 585 ff.) nur bann ftottfinbet, wenn eine fovmgülticje, bc«
aber materieU nit^tifle GI}e für nichtig ertfärt werben foU (§ 1253). 3u ^^tÄ''
anberen gäUen, in roeld^en cö ftreitig wirb, ob eine ©[)e, befielet ober nici&t be^ 1»»^!^)«« un
m, foU e« bei ber SeftfteflungöHage nac^ aKafeßabc beö § 231 bcr e. % 0. ^'"'''''"•
wrbteiben unb inöbefonbcre bie ©ntfci^eibunß ber ö^age, in weld)cn einjelnen
gölten eine Älage auf geftftcllung beö S3eftel)enö ober 3lic^tbefte^enä einer
6^ äwif^^n ^^^ ^^arteien julöffig ift, in ©rmangeümg eines Sebürfniffeö,
biefe grage im ©efefie befonberö ju entfd^eiben, an ber .^anb beö § 231 bcr
6. % D. ber SBifienf^aft unb 5ßrarid übcriaffen werben. Uebrigenö fann eö
einem 3tt><^ifcl nid^t wo^l unterliegen, bag eine fold^e Älagc iebenfallö bann
julöfftg ift, wenn eö f\ä) barum fjonbelt, fcftiufteUen, ob jwifd&cn bcn ^^Sarteien
md^ bem inlanbifd^en ober, wenn eine im 9luö(anbe gef^Ioffene 6^e in grage
ftc|t, md) bem auölänbifd^en Siedelte eine formgültigc ®I)e beftc^t (§§ 1245,
1248, 1250 3lr. 1), ober ob eine swifd^en i^nen gefd^Ioffene ©f)c wicber auf^
gehoben (§§ 1440, 1464), ober für ungültig erflfirt ift (g§ 1253, 1260). 3n
©mtüngelung einer entgegenfte^enben Seftimmung wirb aber aud& eine foldie
geftftellungöMage, welche bie geftftellung bejwedt, bafe bie ®f)e nid^t materiell
ttid^ig ift, nid^t ald auögefd&loffcn anjufelien fein, ba ber G^egattc, weldfier bie
wn bem anberen ©fiegatten beftritlene materielle (Sültigfeit ber Gl)e behauptet,
ein rechtliches 3nteref[e baran Ijaben fann, bafe bie materielle (Sülttgfeit ber
6^ burc^ richterliche ©ntfd^eibung alöbalb feftgeftellt werbe, unb eine anbere
Älage jur Grreic^ung biefeö 3^^^^^^ i^m ni^t ju ©ebote fte^t. 2lnbererfeitd
wirb eine Älage ouf geftfteUung, bafe bie @^e materiell nid)tig fei, neben ber
9li<^tigfeitdf(age nid^t ald julöfftg eradbtet werben fönnen. ®ie Unjulöffigfeit
einer fold^en, aud& burd^ ein Sebürfnife leineöwegs gebotenen Klage löfet fid^
baraus ableiten, bafe es wegen ber ÜÄoglid^feit, in biefem galle bie Jlid^tig:^
leitöflagc ju ergeben , an bem im § 231 ber 6. % O. t)orauögefe|ten Snter^
cflc fe^lt.
Gine anbere grage ift, weldje SJerfaljrenöoorfc^riften auf bie liier in ^mwcnbuno
Siebe fte^enben geftftellungöflagen anjuwenben finb. 3n ber Sad^e fann cd «oifcjriften
allerbings nid^t swcifelfiaft fein, bafe auf biefe Älagen bie befonbercn 93or^ !|^^^«^^^^^^^^^^
fd^iften ber 6. % D. über baö 93erfal^ren in Gljefad&en jur 9lnwenbung fat^en.
tommen muffen, ba baö 9led&töoerl(|ältni6 ber ©l)e flbcrliaupt ber "ißritjat^
bispofition ber Parteien entjogeu ift unb bei Slnwenbung bcr allgemeinen
SerfabrenÄoorfc^riften ber 3wedf befi für bie ©fiefad&en anerfannten Dffijiat-
prinjiped ooUig vereitelt werben fonnte. Gö fann fid) bafier nur fragen, ob
cfi notfiwenbig ift, bie Stnwenbbarfeit ber befonbercn für Gljcfad^en maß*
gebcnbcn 9Sorfd^riftcn ber S. % O. auf bie l)ier in 9lebe ftcl)enben 5*eft^
ftcUungfiflagen ausbrücfli(!^ auöjufpredien, ober ob bie Stnwenbbarfeit jener
Sorfcftriften nid^t fd[|on auö ben SSorfd^riften ber G. % D., inßbefonberc bcn
§§ 568, 592, abgeleitet werben fann. Se|tercö ift inbeffcn, wenigftcnö für
bicieitigen ^ölle, in weld&en eö fidd nid)t barum l^anbelt, ob bie G()c materiell
nic^t nid^lig fei, beftreitbar, unb empfietjlt eö fidj bcöt)alb, in bicfcr S^ejic^ung
104 SBirfimöen bcr GBc, ^crföiilidfeeö SScrWtnif^ bcr Sl^eöctttcn. § 1272.
bic 6. % D. buvd) geeignete, an bie SSorfd^riften über baö SScrfal^ren bei ber
Jlidjtigfeitöflage fid^ anteljnenbe 35orfd&riften im Ginfiil^ningögefeße ju ergänjen
(ücrgl. bie in ber 3lnm. ju bem Unterabfd^nitte „IV. Ungültigfeit ber G6e"
unter II mitgetl;eilten, jur 9hffnal)me in baö ©infül^rungögefeg beftimmtcn
3lenberungen unb Grgänsungen ber 6. ^. D., inöbefonbere § 568 9lbf. 1,
.§ 573 a, § 577 3lbf. 2, § 581 2Ibf. 2, §§ 584a, 591a ber G. % 0.)-
fäbrwt ®^^ SSorfc^riften beö § 1271 berufen auf ber 9lnaIogie swifdjen ber Ijier
sBi?hmg*bc« tu SHebe ftel)enben geftftellungöflage unb ber 9Jid)tigteitöMage.
Urt^clle«.
3tvciter Xitd.
^irftungen 6er @^c.
I* 9(Qgetnettte ältorfc^riftem
§ 1272.
SSK ^^^ ^ ^^'^« bcjiuecft, ben red)tlid)en S^f^alt beö burd) bic G^e unter
ber e^eflQtun beu G^egatteu begrünbeten perfönlid)en JHed)töoer^äUnifieö burd^ ein aUgemeineö
8u eiiwnber. s^tiujii) jutti 9luöbru(fe ju bringen. SBenngleid) bie auö bem SBefcn ber ©^c
^^rimij* ^^^ vcgelnben perfönlic^cn SRec^te unb ^flid)ten ber ©fiegatlen unter einanbcr
in erftcr üinie fittlid^cr 9}atur ftnb, fo i)aben biefclben bod^ aud) eine red^t*
lid)e Seite, ©ic bilben nid)t allein bie ©runblage beö 9lnfprud)eö auf ^er*
ftellung beö el)cUd)cn ifebenö (§§ 1276, 1443), fonbern iljre SBerlegung tann
imtcr Umftönben aud) baö 3led&t auf ©d)eibung begrünben (§§ 1443—1445).
S)en fittlid^en Orunbgcbanfen beö burd) bic Gf)e unter ' ben G^egattcn bc*
grünbeten perfönlid^en ä5erf)ältniffeö burd) einen leitenben ©runbfajj im
(Sefefc auöjufpred^en, empfiel)lt fi^ aber namentlid) aud) um bcöiüillen, mcil
baburd) bie über bie red^tlid)en 9Birhtngen ber ©[)e im Ginselnen gegebeneu
S8orfd)riften il^re ridl|tige 9}eleud)tung gcroinnen unb jum rcd)ttid&cn 9luöbru(fe
gebrad)t mirb, ba^, wie im DbligationenredE)te SE;reue unb ©lauben (§ 359),
fo im Gf)crec^te baö fittlid&e SBefen ber G()e bie önutblage bilbet, von welcher
bei ber 9Iuölegung beö ©efefeeö unb ber Scurtl^cilung aller 9ted)töoerI|ältniffc
ber G^egatten unter einanber auöjugcl^en ift. 3n ben neueren ©efc|gebungcn
finb bie gegenfeitigcn 9ied)tc unb ^piditcn ber Gl)egatten mciftenö auöfü^r-
lieber unb fpejicUer bejeid^net, alö im § 1272 gefd)el)en ift (oergl. preufe.
91.2.91. II, 1 §§ 174-183; fäd&f. &,^. % 1630; code civil 9lrt.212; öfterr.
(S. ^. §§ 44, 90). Ginc fold)e ©pesiatifirung ift inbeffen einerfeitö cntbel^rlic^,
ba bie in ben Oefefegebungen fpejiell l)eroorgel)obenen ^flid)ten (ju gegenfejtigcr
Streue, ju gegenfeitigem Sciftanbe, jum ^wfammenleben unb nur Üeiftung bcr
el)elid)en '*^>flid)t) fid) auö bem SJegriffc ber el)elid)en Sebcnögemeinfc^aft Don
felbft ergeben, anbererfeitö aud) nid)t ^lücdtmdfeig, meil baburcft ber fittlic^e
3nl)alt bcr Gl)e bod) nidjt crfd)öpfcnb bejcid)net mirb unb baö rid^tigc SScr-
SBirfungew bct (gje. ^crfönl. SteHimg be§ (SBcmanncS. § 1273. . 105
ftänbniB unb bic rid)tigc Scgrcnsung bcr I)cvöorgc]^obeneii cinjclncn ^flid)teu
hod^ nur bux6) ein !^\ixMQei)en auf bcu aUgemcincn Ojrunbfa^ bcö § 1272
flcwonnen werben fann. 9luö biefem ©runbfa^e folgt, baft bie ©Regatten 5u
einer fofc^en Scbenögemeinf^aft, aber awd) nur ju einer folcfjen bcrcd^tigt unb
xwrpflic^tet ftnb, wie fie bcm SBefcn ber ©Ije cntfprid)t unb role fic unter Sc-
rurffi(^tigung beß SBefenS ber ®^e nad^ ben obwaltcnbeu Umftänben für G()c?
gotten fid) gebiU)rt unb mit ber redeten e^elid)en Oefinnung ücreinbar ift.
§
1273.
2cr § 1273 beftimntt in Ucbcrcinftimmung .mit bcm gemeinen ^Med)tc stenung bea
unb ben neueren ®e)efegcbungcn (preufe. 91. ü. 9J. II, 1 § 184; codc civil ^er e^«iidjen
«rt. 213; fäd)f. ®.93. § 1631; often\ ®. S3. § 91) bie SteHung beö e^c^ ö«"«"'^*«^»-
mannet in ber el^elic^cn ©emeinfd^aft. ®§ entfprid&t ber natürlid^en Drbnung
bcß Ser^ältniffeö , baft bic ßnifd^eibung in allen baö gcmcinfd^aftlic^c clietid^e
Sebcn betreffenben 9lngclegenl|eiten bei aBeinungöoerfd^iebenl^eiten bem ©l)e^
manne jufte^t.
9Iuö jener Stellung beö ßl^emanneö * ergiebt fid) inöbcfonbere ba^ »cfiimmunö
Scc^t bcsfelben, ben SBo^nort, b. 1). ben t^atfäd&Uci^en aTufent^altsort, ^olnlm^
jomic bic SBo^nung ju beftimmcn. SJenngleid^ biefcr lc|tere, im 3lbf. 1 «n^*>«
Saft 2 ouöflcfproc^ene ©afe nur eine Äonfequens beö im 3tbf. 1 Sa^ 1 *^^"""®'
«uögefprot^enen ^ßrinjipeö ift, fo empficf)lt eö fid| bod), biefe Ronfequenj
Toegen i^rcr großen praftifd&en SBid^tigteit nad^ bem 3Sorgange ber neueren
Qefe^cbungen befonberö l^eroorjuljeben (uergl. preuji. 31. ii. 9i. II, 1 § 679;
eode civü 3Irt. 214; fäd^f. ®. 33. § 1633; öfterr. ®. 33. § 29). 3n 9fm
fe^ung beö SBo^nfigeö ift im ^inblidfe auf § 39 Ijier eine befonbere 33cftimmung
nic^t erforberlid^. ®egenübcr ben fategorifd^ lautenben 33eftimmungen beö
Sbf. i ent^Ätt bic 33eftimmung bcö 9lbf. 2 baö nöt^ige Stemperament,
inbem ftc im ßinf lange mit bem ^riniipe beö § 1272 baö ßntfd^eibungörcd)'t
bcö ßf^emanneö in^altlid^ nöfier bcgrenjt. S)ic neueren ©efetgebungcn ent^
galten jum 2:^eit mel^r ober minber auöfül^rlidbc 33eftimmungen barübcr, in
meieren Italien bie ©l;efrau bem G^emanne jn folgen nid^t ücrpflid^tet, inmiefern
biefclbe oon biefcr JBcrpflid^tmig namcntlid^ bann befreit ift, menn bic lefetcre
burc^ aScrtrag auögefd)Ioffen ift ober wenn ber ©Ijcmann feinen SBo^nfiß in
boö STuöIanb verlegt ober wegen begangener 93crbred)en fid& entfernt l^at. S)ic
Aufnahme berartigcr fpejieller 33cftimmungen in baö ®efefebud^ ift nad) bem
Sorgange beö code civil 9Irt. 214 unb beö l^eff. ©ntw. II 9lrt. 06 alö entbel^rlid)
unb ni(ftt alö angemcffcn erad^tet worbcn. stnlangenb inöbcfonbere bic, in ber »ertrage über
gemcinret^tlid^n 2:^eorie unb ?ßrariö allerbingö nid^t unbcftrittenc '^vac^c, ob §oifläni(^t
boö Skd^t beö ©^emanncö, ben SBoi^nort ju beftimmcn, burd^ SSertrag bcfdjrönft *>« eoetrau.
ober auögef^Ioffen werben fann, fo ift — abweid^cnb üon bem preufe. 3t. 2. ))i,
n, 1 § 682, bem got^. Gfiegef. § 89 5Wr. 1, ber altenb. Gf)eorbn. §§ 146,
175, bcm fc^warjb.4onberö^. Gf)efd|eibungögef. § 2 3ir. 5 unb, fouiel ben gall
ber Sluöwanbenmg in baö Sluölanb betrifft, aud) Don bem württcmb. @cf.
0. 15. 9luguft 1817 §§ 15, 16, aber in Ucbcrcinftimmung mit bcm Staube
punfte beö föc^f. ®. 33. § 1692 unb bcö franj. JRcd&teö (code civil 3(rt. 214,
106 SBirfunacn bcr SSc ?lamc bcr (S^cfrau. § 1274.
1388), foioic bcö ©cfcgrcDifouö (5ßcnf. XV, aKotiüc S. 317) — bauen quö^
gegangen, ba§ ein berartigcr SBcrtrag, mag bcrfelbc üor ober nad^ bcr Qf)(^
fdiüegung ge[d)Iofien fein, atö nid^tig anjufcl^en ift, ba baö SHed^t beö (S^c«
manncs, ben SBo^nort nad) ällafegabc beö § 1273 ju bcftintmen, auf bem
SBefcn ber Qi)c unb bcr natürlid[|cn Stellung beö ßl^emanncö in bcr (Sf)t
6crut)t unb bcöl^alb ein abfoluteö gied)t ift, baß aber biefer ©afe im i&inblicfc
auf ben § 100 (Dcrgl. aud^ § 344) eines befonberen 9luöbrudeö im Oefefee
«erieflunflbc? uic^t bcbarf. Die fragen ferner, ob unb inroieroeit bic ©(jcfrau bem ©§e*
btts stuöLbl manne ju folgen nid^t üerpfi[id)tet ift, menn ber legtere feinen SBoJ^npö in baö
3tuö[anb »erlegt ober roegcn begangener 5Berbredjen fid^ aus bem Sanbc entfernt
(jat (oergl. preufe. 31. 2. SR. II, 1 § 681; bai)r. S. S». I, 6 § 12 9lr. 2; gotl(|.
ef)egef. v. 15. 3luguft 1834 § 89 9lr. 2; a(tenb. eijcorbn. o. 13. üBai 1837
§§ 146, 216; fd^n)arjb.4onbersf). S^efdöcibungögef. d. 30. Sluguft 1845 § 2
5ir. 5), laffcn eine allgemeine gefeglid^e Gntfd^eibung nid^t ju, fonbern
fönnen nur an bcr $anb beö im Slbf. 2 auögcfprodjcncn 5ßrinjipeö unter
Serüdffid^tigung bcr Umftänbc beö fon!reten galleö angemcffen cntfc^icbcn
lücrbcn. Gin genügenber (Srunb, in ben l)ier fraglid^cn ^-äUen auö befonberen,
nid^t bem SBcfcn ber ©Ije entnommenen SRüdfid^ten, }. S3. auö ftrafpolitif^en
^Kiirffid^tcn , pofitit) elnjugrcifcn, fann nid)t anerfannt locrben (t)ergf. aud&
§ 39 3lbf. 2). ©benforoenig liegt ein Siebürfnife t)or, bie im föd^f. ®. 35.
§ 1636 bejeid^neten ^alle, in meldten bic G^efrau bem ©^manne ju folgen
nid^t üerppid)tet ift, befonberö fjerDorjuOeben, ba bie ri^tige ©ntfd^eibung
bicfcr mic anberer göHc fid() auö bem ^^Jrinjipc beö 3lbf. 2 oon fclbft
crgiebt.
§ 1274.
Familien* ßö ift ciuc uatürlid^c go(gc ber S^iuigtcit unb bcr baö ganjc Scben um«
namen, ^Qj^^^jit,^^ Scbcutung bcr ef)clid)en ©cmcinfdEiaft, bafe beibc ©Regatten bcnfclbcn
Familiennamen führen. 2)ic Stellung beö ©^cmanncö bringt eö mit fid), bofe
bic ©f)efrau ben Familiennamen beö ©licmanncö crl)ält (t)crgl. aud^ prcu§.
31. 2. di. II, 1 §§ 192, 193; fäd^f. ©. ». § 1632; öftcrr. ®. SB. § 92), unb
äioar ift bicfclbc biefen 3iamen ju führen ni(|t nur bered^tigt, fonbern, mie ft^
ciw^ bem ^rinjipe beö § 1272 crgiebt, aud^ ucrpflid^tct, fo bafe ber ©bemann,
mcnn bie ©f)efrau biefe 33erpflid)tung Dcrlc|en foUtc, gegen bie legtcrc ge*
cignctcnfallö auf öcrftcUung beö e[)elid^en öcbenö ju flagen bere^tigt ift.
2^aö Si^titut ber 3Jli6f)cirat^ ober bcr ©^e jur linfen $anb, bei n)eld)er bic
©Öefrau nic^t ben $Ramen beö Gl)cmanncö crl)ält (oergt. preufe. 31. S. dl. II, 1
§ 863), ift bem ©efe^buc^c unbefannt. 3)ic mit SiiidEfid^t auf bic lanbcS^
()crrlid)en gamilicn unb bie gamilien beö l^o^cn Slbclö in biefer SJcjic^ung
crforberlid)C 3luSna^mc ift bem ©infü^rungögefc^e oorbc^altcn. Uebcr bic
rccfttlidjc 3iatur beö 9ied)teö, einen beftimmten gamilicnamcn }u führen, t)crgl.
bic i^orbemerfung ju 3lbfd^n. II S^it. 8 unter Dir. 6.
etanb ^ic in neueren ©cfc^gcbungcn fid^ finbenbc mcitere 33eftimmung, baft
bei- e^cfrau. ^-^^ gfjefrau an bem Staube beö Gfjcmanneö STficil nc()mc (preufe. 31. S. 91. II, 1
§ 193; fädf)f. ®. S. § 1632), ift ni^t aufgenommen. 5Die 93eftimmungen über
SBirfuitöcn bcr ß^c i^erfcnlid&c StcttuiiG bcr Sl&cfrau. § 1275. 107
bell Griücrb bcö Stanbcö im publiäiftifddcn ©inuc, inöbcfonbcvc bcö aibclä-
ftonbcß, ge()örcu bcm offcntUd^cn SWcd^te an unb finb bcöf)a(b nid^t im bürgere
ücfjcn ©efepud^c ju treffen. Slnlangcub aber ben Stanb in fosialcm Sinne,
fo fanu jroar fad^lic^ nid^it in 3w)cifel gcjogen werben, bafe bic ®I)cfrau an
bcr foäio(en SebcnßftcHung bes ©ficmanneö 2:[)eil nimmt unb baft biefer Sab
auc^ iufoferu eine rcd^tlid^c Sebeutung ^at, alö fid) baxan miclf)tigc golgen,
nomentlid^ auf bem ©ebietc beö Sllimcntationöred^teö unb bcö ©(^cibungS-
rechtes (§§ 1280, 1444), fnüpfen; inbeffen ber bcfonbere Sluöfprud^ biefeö Sageö
ijl im .^inblicfc auf baö ^rinjip bcö § 1272 cntbe^rlid), anbcrcrfeitö infofern
anä) bd^cnflid^, alö er an bic na^ früherem Slcdjtc mit bcr 58crf4|icbenf)cit
bcr Stäube rcrbunbenc tjcrfd^icbcnc SRcd^tSfteUung erinnert unb ju bcm aWife?
wrftonbniffc 33cranlaf?ung geben fonntc, bafe I)icr unter bem Staube aud) ber
Stanb im publijiftifd^en Sinne ju uerfte^en fei.
§ 1275.
Jcr § 1275 be^anbclt bic Stellung ber ©fiefrau in bcr ^^^^^^^^^ mtUauV^^^
0cmcin|d^aft. SÄnlangenb bic Scftimmung beö 9lbf. 1, fo l)cbcn bic neueren ef^euc^en
Scfc^gebuugcn regelmäßig nur bic SScrpflici^tung ber ®fiefrau, bcm gemein^ ®*"**^"^*^^*-
f(^oftIi(^cn :&außmcfcn oorjuftelöcn, fieroor (oergl. preufe. 21. 2. 91. II, 1 § 194 ;
W ®. S. § 1631; öfterr. ®. S5. .§ 92). 2)ic ber beutfd^en aiuffajfung imb
Sitte entfprcd^cnbc Stellung ber beutfc^cn ^auöfrau mirb baburd^ inbcffcn nid^t
jutreffcnb bejcid^nct. S5ic legterc ift gegenüber bemßl^cmannc nid^t nur ücrpftid^tct, ^**| ^^^^^
fonbcm audb bered^tigt, bem gemcinfc^aftlidien .^außmefen oorsufteficn, fo bafe, .i^ausiefcn
loenn bcr G^cmann i^r bicfen »cruf burd^ einen SRifebraud^ bcö ifim nad^ »^JuWe«-
§ 1273 juftcl^cnbcn ©ntfd&cibungfired^teö ucrfümmcrt unb il)r bic iljr ate
ÖQuöfrau gcbüfircnbc Stellung entjiel)t, fic gegen ben G^cmann auf §erftcHung
bcö eöelic^en Scbcnö ju flagen bered^tigt ift (ücrgl. aud) § 1278 3lbf. 3).
Die S3cftimmung beö Stbf. 2, bag bic ©t)cfrau ju ^äuölid&en Slrbeitcn ;P«««($«
inforocit t)erpflid&tet ift , alö bic legtcrcn nad^ bem Staube bcö ©tjc* * ' *^ *"'
manncö für bic G§efrau üblid^ finb, folgt auö bcm SBBefen ber c^clid^cn Sebenö^
gcmcinf^aft unb auö bem ber ©Ijcfrau obliegcnbcn Berufe. 2ß)er aud^ baö
@cf(^äftö* unb Scruföteben mirb nad^ beutfc^cr 3luffaffung oon ber eljclidöcn «uifeieifiung
®emeinfd&aft mit ergriffen. Xic »eftimmung beö bic mirt^fc^aftlic^c Orunb^- ^"^ V^
löge bcr e^cli^cn Scbcnögcmcinfd^aft bilbcnben ©efd^aftß* unb Serufölebcnö, c^emanne«.
foroie bic Scitung unb bic ^auptt^ätigfeit in bem gemäl^lten Serufc liegt
nauirgcmä§ bcm ©liemannc ob. 3)er .Hauptberuf ber G^efrau bcjieljt fid^ auf
iöö 3nuerc bcö $aufcö unb wirb in ben mo^ll^abenbcn Älaffen ber S3euöl!erung
fi(& regelmäßig barauf bcfd^ränfen. Soweit aber bic .^ülfclciftung ber G^efrau
im (Sefd^äftc bcö Gficmanncö na^ bcm Staube beö le^tercn für bic G^efrau
fiblid^ ift, barf fic aud& fold^cn a3errid)tungen gegenüber bem SJerlangen beö
%manncö fi^ nic^t cntjie^cn (uergl. fäd^f. ®. Ö. § 1031 ; öfterr. ®. S3. § 92).
Ginc bcm preufe. 2t. 2. 9i. II, 1 § 195 (oergl. anä) airt. 7 beö !q. @. Ö.) eeibtianbiaer
cntfprcdienbc »eftimmung beö ^n^alteö, baß bic G^efrau ol;ne GiniüiUigung ® crmL^*
beö G^emanneö ein Grmcrbögcfdjäft nid^t felbftänbig betreiben barf, ift in ben 0«t<^«tte«.
ßntnjurf nid^t aufgenommen, meil eine bcrartigc Scftimmung in biefer
^
108 SBirfimgen ber SBc. Rlm auf |)er[tcauno bce^ c^cnd&en Scbeng. § 1276.
^lUgcmcinl^cit, namcntlid^ für fold^c gättc, in tücld^eu bie G^cgattcu faftif^
getrennt (eben, nid^t als rid&tig, foioeit fic aber rid)tig ift, wegen beö in ben
§§ 1272, 1273 auögefproi^cnen Orunbfaßcö als entbe^rtid) ansufel^en ift. Sie
befonbere Seftimmung beö 3lrt. 7 beo ^. ®. SJ. , roeld^e fid& allerbingö au(^
auf ben %aU bcjie^t, wenn bie Gljegatten in getrennten (Sütern leben nnb ber
33etrieb beö ^anbelögeroerbeö t)on ©eiten ber G^efrau beöEialb auf bie 9Ser?
ntögenöred)te beö Gl)emanneö ol^ne Ginftufe ift, bleibt felbftDcrftänblici^ unberührt.
3l(ö mafsgebenb für baö bürgerlid^c ©efefebud^ fann biefelbe inbeffen um fo
weniger angefel^en werben, alö bie ®en). 0. (§ 11) eine entfpred&enbe SSeftimmung
für anbere ©ewerbebetriebc nic&t aufgenommen l&at.
3SeId)C tjermogenöred^tlid^en ??olgcn fid) baran tnöpfen, wenn bie G[;c«
fran ein Grroerbögefd^öft, fei cö mit ober o^ne Ginroilligung beö G^emanneö,
fclbftänbig betreibt, fteljt ()ier, roo eö fic!^ nur um baö perfönlid&e SBcrIjältnift
unter ben Gf)egatten ()anbelt, au|er '^xaQC unb crgiebt fid^ auö ben ©eftim-
mungen beö el;elid)en ©üterrec^teö (oergl. inöbefonbere §§ 1289, 1307, 1311,
§ 1312 9h'. 1, §§ 1339, 1356, 1359, g 1562 9tr. 1, §§ 1414, 1417, § 1423
TiV. 3, § 1431).
§ 1276.
Äiafleauf4>cr. 2)ic S3eftimmungen beo § 1276 fe^en bie >^uläffigfeit einer Älagc auf
^^eSeu* ^crftellung beö el^elic^en Sebenö, b. l). auf GrfüUung ber auö bem perfonlidöcn
fielen». 33crf)ältnijfe ber Gljegatten fid^ ergebcnben ^plid^ten, uorauö. £)ic 3"I*fU9fcit
einer fold^en Ätage, meldje and) bie Älagc auf Sciftung ber nad) § 1272 bc*
grünbeten cbelid^en 5ßflid)t im engeren Sinne umf afet, ergiebt fxd) in Gr-
mangelung einer entgegenftefjenben 53eftimmung auö ben allgemeinen ©runb^
fäjjen üon felbft unb brandet beöljalb nid^t erft bcfonberö beftimmt h^i
werben. Sluf ber anberen ©eitc fel)It eö aber axi6) an einem genügeubcn
©runbe, in 9lbweid)nng Don ben allgemeinen ®runbfä^en unb bem in
großen 9led)tögebietcn, namenttid) in ben Gebieten beö gemeinen 9{ed)tco
unb beö fäd)f. ®. ^., fowie nad) ber uon ber Suriöprubenj üorroiegenb rer-
tretenen Slnfid^t aud) in bem ®ebiete beö franj. SRed^teö, geltenben 9ied)te,
eine Älagc auf ^crftellung beö cbelid)en fiebenö in bem beäcid&ncten Sinne
übcrl)aupt ju oerfagen unb nad^ bem SSorgange beö preufe. Mcd^teö (oergi.
preui 31. y. 91. II, 1 §§ 679, 680, 684—686 ; preuß. aSerorbn. v. 28. 3uui
1844 §§ 61-64; preufe. 9luöf. ®ef. jur G. 5ß. D. ü. 24. ajlärj 1879 § 5;
®efe^reo. ^jJenf. XV §§ 8 --14 b nebft aJtotiuen S, 211 ff.) bie bicv in
33etra(^t fommenben Streitigfeiten in baö ©c^eibungöüerfal)ren ju ücrweifcn
unb bieferl)alb nur interimiftifc^e, auf einfeitigen 91ntrag ju erlaRcnbc rid^tcr?
lid^e äJerfügungen jujulaffen. Saö orbentlid^c fontrabittorifc^e ^rojefeoerfaliren
bietet, aucb wenn bie Grjwingung ber Jßcrftellung beö el^elid)en Sebcnö, ju
weld)er ein Gl)egatte üerurtt)eilt ift, nid)t ftattfinbet, bod^ infofern im ^ntcreffe
ber gbrberung ber 3(ufred^terbaltung ber Ghtw immer nod^ größere Sßortbeile,
alö eö j^u einer näbcren Unterfud^ung ber Streitigfeit 33eranlaRung giebt mio
fd)on bie SJerurtbeilung nlö fold&e wegen il)reö moralifd^cn Ginfluffeö üon
nic^t 5u unterfdjäfeenbem SBertbe ift. 9Iud& fonnen bie Gbegatten ein 3nteref(c
SSWimflcn ber S^e. Älaßc auf ^^crftcHung bcö ef)clid&cn Scßeuß. § 1276. 109
baron ^Qbcn, ben unter ifincn befte^enbcn Streit im 3Begc ber geftfteUungö-
flöge (§ 231 ber 6. % D.) jum Stuötrage ju bringen, ©aju fommt, ba^
eine oorgängigc aSerurtljeilung jur JpcrftcUung beö cf)elid)en üebenö eine
fcfterc ©runblage für baö 3d^eibungßücrfal)ren (§§ 1443—1445) bilbet.
3Cuf ben Sled^töftrcit, weld^er bie c^erfteUung beS cf)cUc^en üebenö sum
©egcnftanbc (jat, finben bie befonbereu 33orfd)riften ber 6. % C über baö
ikrfo^rcn in ßl)efad)en nebft ben auö ber 3lnm. 1 ju bent Untcrabfdinitte
^IV. Ungültigfeit ber G^c" unter II fid^ ergebenben 2lcnberungen unb ©r^
gänjungcn ber 6. % D. (uergl. inöbefonbere bie §§ 573 a, ,584 a) 3lnn)cnbnng.
äuBcrbcm foU, n)ic auö ber Slnm. ju § 1276 fid^ ergiebt, im Ginfüljrungö- ««M^ueBunsj
gefc^c befiimmt roerben, bafe bie «orfd&rift beö § 774 2lbf. 1 im galle bert\ff,rÄ'
Scrurtl^eilung jur ^erftellung beö efieüd^cn Sebenö feine 2(nroenbung finbet,
eine Ci^roingung ber i&erfteUung beö e{)eUcben Sebenö im 3Eßegc ber ,3n)angö^
ooüftrecfung mithin auögefdjiofjen ift.
änfangenb bicfe Ie|tere 39eftimmung, roeldie gegenüber bem in ben ®e=
bieten beö gemeinen dltdfk^, beö fäc^f. ®. 33. unb wad) ber in ber Suriöprubenj
»orroiegcnb oertretenen Slnfic^t auä) in bm ©ebieten beö franj. 3led)teö geltenben
3ic(^tc (ocrgl. femer altcnb. Gt;eorbn. u. 13. aßai 1837 §§ 209—211; got^.
G^egef. o. 15. 2luguft 1834 §§ 91, 92, 111; ®ef. für 5Heufe ä. S. ü. 3. 2«ai
1^79 §§ 11^ 12) eine Steuerung entfjält, fo ift eö allerbingö moglid^, ba^ bie
Sniwnbunfl Don SiöangöüoUftrecfungömaferegeln in einjetncn gälten ju einer
bauemben ^erfteUung beö efielid^en Sebenö fü^rt; and) ift nid)t ju üerfennen^
bo§, loenn ber ^xoawQ auögefd)loffen mirb, bieö auf bie ®eftattung beö Sd^ei*
bungörec^tcö jurüdwirft, inbem bei fortbauernber l^artnäcfiger äJerroeigerung.
ber c^elid^en "^Jßflid^ten nur bie S^eibung alö ÜÄittel ber 3(b^ülfc übrig bleibt
i?§ 1443—1445). Snbeffen fmb bie gegen bie älnwenbung Don S'^cmgömaf^^^
regeln fpre(öenben ©rünbe olö überroiegenb aujufelien. 2)ie Slnroenbung von
;}a)angömtt6regeln jur J&erftellung beö e^elid^en Sebenö fmb mit bem SBefen
ber Gi^ alö cineö oorroiegenb fittUd&en, auf ber eljelid^en ®efinnung beruf)enben
?er^ltniReö nid^t vereinbar. Sie ©rfaljrung leiert, ba§ biefelben in ben meiften
SöBen aud^ o^ne praftifd&en ©rfolg finb unb nur baju beitragen, bie ©rbitterung
unter ben G^cgatten ju üermc^ren. Daju fommt, bafe nad^ § 774 9lbf. 2 ber
6. % C. bie SJnmenbung von 3rocingöma§regeln jum 3w)edEe ber ^erftellung bc&
cWi^en Sebenö fd^on iefit nur infomeit ftattl^aft ift, alö bie Sanbeögefefte bieö
füt äuläffifl erflärcn, unb bafe in bem großen ©ebiete beö preufe. 91. S. dl fold)e
äroangömafercgeln fd^on feit langer ^txt auögcfc^loffen finb, ha^ ferner aud)
bie Sanbeöflcfefegebungen anberer Staaten bei (Selegenbeit ber Sluöfüljrungö^
gcfejc ju bem 91. ®ef., betr. bie 33eurf unbung beö ^erfonenftanbeö u. f. lu.,
0. iy. gtbruar 1875 bejro. jur 6. % D. mel^rfad), namentlid^ in SBürttembcrg
unb in »oben (roürttemb. ®ef. t). 8. 9tuguft 1875 9lrt. 7 ; bab. ®ef. u. 3. mäv^
1«79 § 145 3lr. 1), bie burc^ § 774 Slbf. 2 ber 6. % D. unberührt gclaffenen
lanbeögefcftCid^t, bie ©rjroingung ber ^^erftellung beö e^elid^en Sebenö für ju-
löffig erftärenben Seftimmungen aufgehoben l^aben. 3» biefen, ben bei loeitem
flröBten 2^eil beö Sleid^cö bilbenben ©ebieten baö Si^^^ngöDerfa^ren in G^e-
lochen, Don be{fen Gntbelirlicbfeit unb Unämerfmäfeigfeit man ftd) bort überjeugt
l>at, micbcr cinjufü^ren, würbe ben größten SQSiberfprud) finben unb unburdd^
1 10 SSicfungeu b. ©Je. SScrpfli^tö. bcr Sßcfrau ju perfönl. Sciftunö. § 1277.
fü^rbar fein. Sie jii crftrcbenbc ©in^eit bcö SRed^teö fü^rt mitl^iu uotJ^wenbig
bal)in, icneö 3w)onößt)crfaI)rcn übcrl^aupt aiiöjufd&Uefeen, jumol baburd^, wie
oben bereits gejeiflt rouvbc, bie Ätoge auf ^erftcHimg bcö ef)elid&en Sebenö
feineäroegö alle S3ebeutung üerüert.
%^vo]t%mQ" ®ie S3orfd)rift beö § 1276 reditfcrtigt fid) tfieilö wegen beö engen 3"-
«ertwtunB. fammen^angcö ber Äfoge auf ^erftcttung beö el^elid^en Sebcnö mit bem Sdjci*
bungöoerfa^ren (t)erg[. §§ 1443, 1451), tl^eite im ^inblide barauf, bafe aud)
baö SRed^t auf ^erftellung beö cljelic^cn Sebcnö, menigftenö in ber grofeen aWebr-
iaf)l ber gälle, einen l^öd)ftperfonUc^en Starafter I)at unb eine Unterfd^eibung
i^mifd^en ben oerfd^iebenen fällen praftifd^ nid^t burd)fü^rbar, aud^ wegen bcr
fonft nött)ig merbcnbcn Äafuiftif nid)t angemeffen ift. Um fo unbebcnflid^cr
ift eö, audf) bem gefeglidien SBertretcr eineö gefd^äftöunfä^igen ©l^egatten bie
©rfiebung ber Älagc auf l^erftettung beö eljclidien Sebenö nid)t ju gcftatten,
alö einerfeitö nad^ bem neuen § 774 3lbf. 2 ber 6. % D. bie ©rjwingung bcr
^erfteßung beö eljelid^cn Sebenö im SBcgc ber 3w>ongöt)onftrecfung auögcfdE)lof|cn
fein foll, anbcrerfeitö bie ftlage auf ©eroä(;rung beö Unterl^alteö felbflüerftänb*
lid) t)on bem gcfefelid)en Sßertrctcr beö gefd^äftöunfä^igen ©Regatten gegen bcn
anberen, bie ^erftcHung bcö el)ctid)en Sebenö xicrmeigcrnben G^egattcn erl^obcn
roerbcn fann.
§ 1277.
«crptii(^tung Slbgcfe^cn üon bem preug. 91. S. 91., meldjcö in II, 1 § 19(5 beftimmt,
tu cfnerTiT bofe ol^nc bcö SRanncö ßimuilligung bie grau feine SBerbinbung cingeljen fann,
^crjon ju u> it)oburd6 bic 9tcdE)te auf ifire ^erfon gefränft werben, entl)alten bie beftcl&cnbcn
Tdftnnr SRcd^te feine befonberen Seftimmungen barüber, inwieweit bie ©^efrau burd^
9tedötögefd)äfte 5U einer in ^jjcrfon ju bewirfenben Seiftung fid^ tJerpPid^tcn fann.
Gö erflärt fid^ bieö jum ^^cil wol)I barauö, ba^ md) ben mciften 9led&tcn
bie G^cfrau alö foId}e ober fraft beö el^clic^en Oüterrec^teö in ber ©efd^äftö^
fSl^igteit bef^ränft ift unb bal^cr ol^ne GinwiUigung beö Gfjemanncö fid^ über-
Ijaupt nidjt burd^ ?ted)tögefd)äfte wirffam üerpfCid^ten fann. 9Inberö liegt bic
Ba^^ nadE) bem Gntwurfe. S)a berfetbe auf bem ^rinjipe berul(|t, bafe bic
Gf;efrau weber alö fold^e nod^ fraft beö efielid^en ©üterred^teö in ber ©cfd^fiftö-
f«i)igfcit befd)rftnft ift (üergl. § 1301), fo mufe auf anbere gßeife bafür gefovgt
werben, bafe bic G^efrau fic^ nid&t burd^ SHed^tögefd^äfte ber im 2lbf. 1
beäeid)netcn 9lrt il^ren an& ber e^elid)en ©emeinfd^aft fid^ ergcbenbcn 5Pflid^ten
entjieljc. ©ie obfolutc 9iatur bcr nad^ ben §§ 1272, 1273 bem G^emannc
gegenüber ber G^efrau juftefienben SHec^te reicht jum ©d^uße ber Icgteren gegen
bic l)ier fraglid^en SWed^tögefd&äftc ber Gf)cfrau nid^t auö.
Giner befonberen Siegelung bebarf übrigenö nur ber gall, wenn bic
Gljefrau nad^ ber G^efd^liefeung ftd^ ju Sciftungcn ber Ijier fraglid^en 9lrt oer-
pfliditct. $at bicfelbc bereitö t)or bcr G^efd^licfeung eine bcrartigc Sßerpflid&tung
übernommen, fo genügen bie allgemeinen ©runbfäge, namentlid^ baö 5|Jrin}ip
beö § 566 unb beö § 598 3lbf. 3. 2lud^ für ben gall, wenn ber G^emonn
fid^ bnx6) SWcd^tögefd^öfte ber l^ier fragli(i)en 2lrt, j. 83. burd^ bic Ueberna^me
von Sd^ifföbienften, ber clielid^en ©emeinfc^aft cntjiel^t, braud&t im ©efcgbud&c
bcfonbcre SSorforge nic^t getroffen ju werben.
SBirfimöen b. Gße. Scrpflidfetg. bcuSSefrau 511 perfonl. Seiftung. § 1277. 111
3ni ßinjclnen ift no6) golgcnbeö ju bemerfcn:
L 3lad) 9lbf. 1 ift ju iebcm SRec^tögefc^äf tc , burd) luclc^eß bic GIjcfrQu 9Joiiii»cubiö«
}u einer in ^Jerfon ju bcroirtenbcn Seiftung fid^ Derpflic^tet, ble ©iuroilligung roiaiguna ui
bcs Göemanneö erfotberlic^. 3m ^inblidfe auf bcn S^^^ ^^ö (Scfcßcs, bem ©bc^ e^cmanne«.
manne Sd^u^ gegen ®ntfrembnng ber C[)efrau burd^ bie Gingcl^nng fold^cr SRed^tö-
gcfc^Sfte JU geroäl^ren, welche mit bm na6) § 1272 nuö ber el^clid&en ®emeinfd)Qft
ft(^ crgebcnben perfönlid)en 5ßfli(i[|ten ber ©fjefrau gegenüber bem ©ftemannc nid}t
oereinbar finb, fann eö feinen Uuterfd^ieb mad)en, ob bie SSerpflid^tung ber
€6efwu auf einem 2)ienftucrtrage ober auf einem anberen SSertrage, 5. 33. auf
einem 38erf vertrage, einem 9luf trage ober ©efeüfdEiaftöDertrage, beruht. 9]ur
barauf fommt eö an, ba^ burd) hm SSertrag eine üon ber ©f)efrau in 5ßer)on
3U beroirtenbe Üeiftung übernommen wirb. 9luci^ baä fann einen Unterfd^ieb
nic^t mad^en, ob bie Semirfung ber Seiftung eine [fingere Qüi in 9lnfpru^
nimmt ober nid^t. Sin fid^ mürbe jmar barauf abjuftellen fein, ob bie ©r^
füttung beß SJcrtrageß nad^ ben fontreten Umftänben mit btn ber Göefrau
gegmüber bem ©bemanne obliegenben SSerpftid^tungen aus ber e^elid^en ®e^
meinfc^aft vereinbar ift ober nid^t. ©ine berartige Unterfd^eibung ift jeboc^,
ba eö au einem obiettioen aWagftabe fefilt, auö praftifd^en ®rünben nid)t ju
empfeblen,
2. 3" Grmangelung ber ©inmilligung beö ©t)emanneö foUen bic ^ier «nfcc^tunö«*
fragtit^en SRcd^tfigefd^äfte ber Slnfed^tung von Seiten beß ©^emanneö nad) ©".man^«.
aHofegabc beö 9lbf. 2, 3 unterliegen. 9tn ben SWanget ber ©inmilligung
bie 5ii^tigfeit beö JWecbtßgefdjfifteö ju fnüpfen, mürbe über ben 3^^* ^?ö
CNkfefeß ^inaußgeben. 2ln fic^ mürbe eß ber einfad[|ftc unb bem in ben meiftcn
3le(^tßgebictcn geftenben SRed^te am näd^ften fommcnbe SGBeg fein, bie Syor:=
)(^riften beß § 05 über bie SSerträge 2)linberiäbtiger für entfpred&enb an-
roenbbar jü erflören. föegcn bic ©infd)lagung bicfeß SBcgeß fprid)t inbefjcn,
büB berfclbe t)om Stanbpunfte beö ©ntrourfeß auß, meld^er bie unbefd)rfinftc
©efcbäftßfäbigfeit ber ©befrau alö fold^cr anerfennt, fid) alß Surd)bred)ung
cineö großen ^ßrinjipeß barftellt unb jubem über ben 3^^* ^^ö ©efefeeö infoferu
binoußflc^t, alß ber of|ne ©inmilligung beß ©I)emanneö gefd)Iofjenc SSertrag in
feiner ^irffamfeit von ber ©cnebmigung beß ©bemanneß abbangen unb burd)
bic ^erroeigerung ber ©enebmigung au^ für bie aSergangenbeit unroirffam
fein mürbe (§ 65 Sffbf. 3). ^Dagegen mirb burdb bie Siegelung beß ©ntmurfcö
bcn wrfdbiebenen in SSetra^t fommcnben Sntcreffen unb Slücffid^ten in einer
3iDerfentfpre(f|enbcn unb angemeffcnen SBcife Siedjnung getragen.
2)aß bem ©bemanne beigelegte 3lufed&tungöredbt meidet von ben all* sBirtung b«
gemeinen »cftimmtmgen über bie Slnfed&tbarfeit ber SRcd^tßgefd&äfte (§§ 112, ^"^'**""«-
113) namentlich infofem ab, alß bie Stnfed^tung in bem l^ier fraglid^en gallc
nur jur golge b^t i^öfe baß 9ted[|tßgefd^äft für bie 3iJfwi^ft aufgehoben mirb
unb für bie SBergangenbeit, abgefeben bavon, ba^ eine ber legteren angebörenbc,
wn ber ©^cfrau in 5ßerfon ju bcmirfenbe Seiftung nid^t mebr verlangt, fonberu
mir Scftabeußerfag geforbert merben fann, beftcben bleibt. S)iefe 2lbmeid^uug
rcd^tfertigt fid^ burc^ ben befd^rfinften 3i^^ct ber 9lnfed^tung unb ift um fo
weniger bebcnflicb, alß ber § 112 felbft barauf fiinmeift, ba^ burdb baß ©efefe
1 1 2 aSirf ungcn b. g^e. SScr^jflic^tö. ber ß^efrau i\x perfönL Seiftuuö. § 1277.
geringere aSirfungen ber 9liifccf)tuug bcftimmt werben fönnen. atnbcrer[eit&
loirb baburd^, baß baö SHedjtögcfd^äft, Porbc()altlici^ ber aus bem 3tb|. 3 fid^
ergebenben 33lobififation, für bie SSergangcn^eit unbcbingt aufredet er()altcn
werben, mithin bie UngiUtigfcit beö 9led)tßgefci^äfted, foweit baö leßtcre auf bie
3ufunft fid) besiegt, auf bie ©ültigteit beö bie SSergangentjeit betreffeubcix
2:^ei(eö beö 9ied)t3gefd^äfteö o()ne (Sinflufe fein foU (üergl. § 114), in angemeffenet
aSeife ben Streitigfeiten üorgebeugt, loeldie bur^ bie Slnroenbung ber SSoiid^rift
beö § 114 auf biefen %a\i Ijerüorgcrufen ju merbcn brotjen. ©iefc 9lrt bct
Siegelung erfdjeint aud) feineöwegö ungered&t gegen ben ©ritten, axid) bann
nid)t, lüenn bemfelben bie Gigenfd)aft ber (S{)efrau alö foIclj)er unbefannt gc^
blieben fein foUte, ba il)m, mie in 3lnfel)ung ber ®efd)äftöfä[)igfeit beö anberen
Kontrahenten, fo aud) in ber l)ier fraglidjen S3eäie[)ung bie ©rfunbigungöpflid^t
obliegt (üergl. ferner § 1305). Sollte er in biefer 93cjief)ung üon ber S^cfrau
gctäufd^t roorben fein, fo bleibt il)m ber Slnfprud^ auf Sd^abenöerfag nad>
ältafegabe ber allgemeinen (Srunbfäße über Sd^abenöerifaß ouö unerlaubten
§anblungen fetbftoerftänblid^ üorbebalten.
anMtimö«. S)a a\i^ ben allgemeinen SJeftimmungen beö § 113 für ben I)ier in Siebe
öcgncr. j*^et)enben gall bie ^erfon beö Stnfed^tungögegnerö, lüenigftcnö bireft, fid^ m(i)t
ergiebt, fo ift biefelbe jur SSermeibung üon 3^cifeln f)ier befonberö beftimmt
(9lbf. 2 Sag 3). aJHt md[x6)i barauf, baß bie 2lnfed)tung toefentlid) gegen
ben ©ritten fid) wenbet, entfpridjt eö ber Sad^ilage nni bem ^ntereffe beö ©ritten
am meiften, menn biefer alö ber 9lnfed)tungögegner bejeidjuet roirb.
sttnwfcnHt 3. fßon ber Siegel beö 9lbf. 1, baß bie Gt)efrau ju einem Sied^tö^
^^fbtvou' gefd^äfte ber l)ier fraglid)en 3lrt ber ©nroilligung beö ©t)emanneö bebarf, für
munbuiifl bes ^[^ c^ft[(e ^[^^^ STuöualjme äu madjen, in weld^en bie Gin[)otung ber GiniüiUigung
' wegen längerer 3tbn)efenl)eit ober 5iranf^eit beö ©^emainieö nidjt erfolgen fann
ober ber le^tere unter SSormunbfddaft ftet)t, ift nid^t alö erforberlid^ unb ald
angemeffen erad^tet. Qwav Iflßt fid) für biefe SÄuönatjme anführen, ba^ bie
junad)ft beut ß^emanne 5uftet)enbe unb obliegenbe Sorge für baö Sntercffe
ber etielid^en Oemeinfd^aft auf bie Cl)efrau übergel)en muffe, wenn ber G^c-
mann an bereu SBatirneljmung tljatfäd^lid^ üerfiinbert ift, bamit nid^t bie ©^c?
frau in bie Sage oerfegt werbe, Sled^tögefd)äftc ber l)ier fraglidjen 9lrt, weld&e
' für il)ren unb i^rer gamilie Unterl)alt üieUeidjt unerläßlid^ finb, in unanfe^t^
barer SBeife übertjaupt nid^t abfd^ließen ju fönnen. 3»^beffen finb biefe (Sefidjtö:*
punfte nid)t alö burdEifd^lagenb ju eradjten, um eine ©urdjbred^ung ber Siegel
5U red)tfertigen. ©aö 9tnfed)tungöred^t beö ©tiemanneö in ben gällen längerer
9lbwcfenl)eit ober Äranf^eit ganj wegfallen ju laffcn, ift namentlich um beö^
willen bebenMid), weil alöbann bie ßf)efrau fid^ aud^ für bie 3cit nac^ ber
Slücffe^r bejw. nad) ber 2öieberl)erftellung beö Gl)emanneö burd^ bie GrfüUunft
beö 93ertrageö unbefd^rönft i\n\) üielleid^t auf lange Qtit ber el^elic^cn ©cmein-
fd&aft würbe entjieljen fönnen. 9tnlangenb aber ben %aU, wenn ber ©fiemann
unter 33ormunbfdEiaft fteljt, fo ergiebt fid^ auö Slbf. 5, ba§ baö 3Infed&tungöred&t
rul)t, wenn ber Gljemann gefd^äftöunfäl^ig ift. 3ft aber ber ßfiemann in ber
®efd^äftöfäl)igfeit befdjränft, fo fe^lt eö an einem auöreidjenben Oninbe, \f)n
feiner auö ber e()elid)en (Semeinfd^aft fließenben Siedele für oerluftig 511 erflaren,
ia er biefe auöjuüben fäljig ift.
©itfungen ber ßfie. ©d&cnfungcn unter S^eflatten. (§§1272—1277.) 113
•L S)cm S^tdc cntfpred^cnb ftc^t baä ainfcd^tuugöred&t nur bcm ®f|c* crwf^en unb
manne afe folgern ju; boöfelbc erlifd^t batjer mit Sluftöfung bcr ®^e. 3lber «ÄnSl
au^ roä^rcnb bcr S^it, roä^rcnb rocld^cr bic [jäuälid^e ©emcinfd^aft, gleid^oicl "**^*'
ob ouß jurci(i(>cnbcn ©rünbcn ober nid^t, aufgetjoben ift, mufe bie 3luöübung
bcÄ änfcd^tungöred^teö rulien, ba roä^renb biefer S^it boö red^tU^e 3nterej|e
bcä ß^emonneö burd^ bie ©rfüDung bcö SScrtrageö nid&t üerlefet wirb. 3lnberö
liegt bogcgen felbftoerftänblid^ bie ©ad^c, xotnn bie S^efrau jum S^c^c ber
ßrfüHung bcö SSertrageö fi^ entfernt I^Qt.
5. Sie SBeftimmung beö § 1277 3Ibf. 5 red[)tfertigt fidfi burd& bie Ijöd^ft |^^f jj^'
pcrfönlid^e 3iatur bcö bem ®f|cmanne in 2lnfef)ung ber fiier fragtid^cn 3ltö)t&^ einwiui*
9ef(^fte ber ß^cfrau eingeräumten ®ntfdE|eibungöredE|te8, roeld^eö feine ©runb^^ ^l^^^]^
läge in ben Scftimmungen ber §§ 1272, 1273 i^ot (oergl. aud& § 1238 3lbf. 2,
§ 1263 äbf. h §§ 1265, 1474, 1614).
iu ben §§ 1272-1277.
Scftenfungen unter ®{)egattcn. 3nterjeffionen ber ©Ijefrau.
änbcrroeite befonbere bcfd^ränfenbe Seftimmungen in 3lnfel|ung ber von
einem ßl)cgotten abgef^loffenen 3led^tögefd)äfte, a(ä bie bcö § 1277, finb, ab-^
gefe^n üon ben aus bem elielid^en ©üterrcd^te fxä) ergebenben SSorfdjriftcn
(oergl. §§ 1300—1310, 1352—1359, 1362, 1417, 1423, 1431), in ben ©ntmurf
ni^t aufgenommen. Snßbefonbere finb befonbere Seftimmungen über ©d^em
fangen unter ben ©Regatten unb über 3ntcrjeffionen ber S^efrau nid&t für
crforberlid^ erachtet. 3n biefer Sejieliung ift golgenbeä ju bemerfen:
1. ?flad) rom. SRed^te finb ©d^enfungen unter ®l)egatten, T)orbel^aItlic^ ©(^enfungcn
geroiffer 3Iudnal^men, ungültig. Sie ©d^enfung font)aIeö}irt ober, menn ber (g^^atL.
©(genfer, ot>ne ba§ eine ©d^eibung ftattgefunbcn l)at, üor bem Sefd^enften
ftirbt, loobei freilid& \^f)x ftreitig ift, ob bicö aud^ für baö ©c^enfungöoerfpred&en
gilt. 2)ic Scftimmungen beö röm. SWcc^teö bilben aud^ l;eute nod^ baö gemeine ©citenbc«
3le4t unb fommen regelmäßig aud^ ba jur 3lnn)cnbung, roo baß el^elid^e ^^'^^'
©ütcrrec^t auf beutfd&red^tlid^er ©runblage berul^t. 3luf bem Soben beö
gemeinen ?flt^te& ftel)en im 2Befentlidöen baö fa(if. ®. ». §§ 1647—1649,
ferner infofern baö franj. SHed&t, als baö leßtere bie ©d^entungen unter ©lie^j
gotten für miberruftid^ erHärt (code civil 3lrt. 1096). S)aö preufe. 91. £. dl. II, 1
§§ 310 — 313 ^at bagegen ben gemeinred^tlid^en (Srunbfa^ aufgegeben unb bie
Sd^fungcn unter ©Regatten unter bie allgemeinen (Srunbfäfee über ©d^en^
hingen geftcOt (ocrgt. aud^ ©efefereo., ^enf. XV §§ 228 ff. ©. 192 ff. ; femer
öfterr. @. 33. § 1246). 2luf bemfelben ©tanbpunfte fte^en ber mürttemb.
6ntio. § 60, ber elirenbreitft. entro. § 27 unb ber breöb. (Sntn). 3lrt. 502,
le|tcrer jcbod^ oorbei^attlid^ anbermeiter lanbeögefefelid^er Scftimmungen.
3leuerbingö ^aben aud^ bic olbenb. ©efefee v. 24. 9Ipril 1873 3lrt. 37 unb
10. Sönuar 1879 3lrt. 35 baö SBerbot bcr ©d^enfungen unter ©Regatten auf*
gehoben, bie ©üUigfeit berfelben aber an bie öffentlid^e Seurfunbung gefnüpft.
Itetivc |. b&rgcrl. Sefe^bud^ lY. 8
1 14 Söirfungcn bcr @Bc. ©dfecnfuiiflcn unter gficßatten. (§§ 1272— 1277.)
(stanbpunit ^jj^f^^ 5^,^ ©rünbcu, tocld^c für eine Scfd^ränhing ber ©^cnhingen
etttiDurfc«. unter ©Regatten angcfüfirt werben (ocrgl. 1. 1, l. 3 pr. D. de don. inter vir.
et ux. 24, i), erfd^eint ate ber geroid^tigftc ber, ba§, wenn bie reci^tc e^elid^c
©ejtnnung unter ben ©Regatten l^crrfd^e, STOeö, rooö bcibe ©Regatten beft^cn,
ald gemeinfam gelte, eine ©d^en!ung unter ©fiegatten ba^er ol)nc Scbeutung
fei unb, n)enn fie trogbem angenommen merbe unb bie red&tlid^en Äonfequcnjcn
barauö gcjogen mürben, barin ein mit ber xtä)kn efielid^en ©cftnnung im
SBiberfprud&e ftel^enbcr ©igennug l^eroortrete. Äonfequcnt mürbe biefc STuf*
faffung jur allgemeinen ®ütcrgemeinf(i^aft führen, ©o mcnig inbeffen biefe
burd^ baö unter ben ©Regatten befte^enbc fittlid^c SSer^crltnife fid^ begrünbcn
läfet (oergl. bie Sßorbemerfung ju 3lbfd&n. I Sit. 2 „IL ©^eli^cö Oüterreci^t")/
ebcnforoenig läfet baß SSerbot ber ©d^enfungen unter ©(legatten fid^ burd^ baß*
fclbe red^tfcrtigcn. SMufe man anerfennen, bafe ein Sonbergut ber ©Negotien
mit bem SBefen ber ©^e vereinbar ift, fo fann audfi bie fd&enfroeife Üeber^:
tragung bcöfelben nid&t bamit in SBiberfprud& fte^en. aSielmc^r finb aScr«
^ältnifje bcr mannigfac^ften 3[rt bentbar, in meldten gcrabe bie 3nnigfcit beß
unter ben ©Regatten befte^enben aSerliältniffeß eine ©d&enfung burd^auß natür^
Ud^, unter Umftänben felbft alß fittlid^ geboten erfc^einen läfet. 3Iud^ baß
röm. SRedEit fiat bieß burd^ eine nid^t geringe 3^^! ^^on Slußna^men anertannt.
3)ie übrigen für baß 93erbot ber ©d^enhmgen imter ©Regatten angeführten
®rünbe, inßbefonbere ber ©efid&tßpunft, bafe barin ein Schüfe gegen bie
Sc^mäd^c beß einen unb gegen bie §abfud[|t beß anberen ©Regatten liege, foroic
bafe eß gegen ben ©d^ein beß ©igennu^eß unb gegen üblen SRuf fd^ü^e. Der*
bienen nod^ weniger Sead^tung. 2)ic ©rfa^rungcn in benienigen Säubern, in
meldten baß Sd&enfungßperbot fd^on gegcnmörtig nid&t mebr bcftel^t, beftätigen,
ba| barauß für baß SBerliältnife unter ben ©l)egatten teincriei nad^t^eiligc
folgen cntftanben finb unb fein Sebürfnife beftel)t, auß jenen 9lüdffi^ten
geroiffermafeen eine Sepormunbung ber ©Regatten in ber l)icr fraglichen
Slid^tung eintreten ju laffen.
©rfennt man bie ©ültigfeit ber ©d&enfungen unter ben ©Regatten an,
fo lägt eß [x(S) auä) nid^t redE)tfertigen, jum S^edEe ber S3cf5rberung eincß ben
e^elid^en 5ßflid&ten entfpred&cnben SSerl^altenß beß bcfd^enften ©l^egatten ben
SBiberruf ber ©d&enfungen unbebingt jujulajfen. ©ß ^ic§e bieß glcid&fam bei
©l^cgatten ben UnbanI präfumircn, mä^renb bei anberen 5ßerfonen ber SBiberruf
einer ©d^enhmg nur megen ermiefenen Unbanfeß juläffig ift (§ 449). •
©benfo fe^It eß an einem außreid&cnben ®runbe, bie ©c^enfungen unter
©Regatten an eine befonbere, von ber für ©d^enfungen überhaupt oorgefd^rie*
benen gorm (§§ 440, 441) abroeid^enbc gorm ju binben.
gür eine Sefd^ränhmg ber ©d^enfungen unter ©l^egatten wirb bißmeitcn
nod& bie Slürffic^t auf bie ©laubiger gettenb qtmaä)t. 3)icfe lann inbeffen
nur baf|in fül^ren, ben ©laubigem ein SBiberrufß* ober 9lnfed^tungßred^t ein*
juräumen. 3n biefer Sejicl^ung ift burd^ ben § 25 ber ftonf. D. unb ben
§ 3 9lr. 4 beß 31. ®ef. v. 21. Suli 1879 aSorforge getroffen. ÜJJan fann
perfd^iebener Slnfid&t barüber fein, ob bie Slnfed^tbarfeit oon Sd^enfungen unter
©Regatten nid^t nod^ weiter, alß in jenen ®efe|en gcfd^e^en, etma auf alle
roäfirenb ber ©l^e gemad^ten ©c^enfungen außjubel^nen fei. ®ie für unb gegen
iBIrfunflen bcr (Sk. Sntcrjcffioncn ber SBcfrau. (§§ 1272—1277.) 115
eine fold^e Sfudbci^nung fpre^cnbcn ©rünbe ftnb inbcjfen bei Scratl^ung bcr
Äonf. O. cingei^enb erwogen unb liegt beöl^olb feine SBeranlajfung t)or, baö
bama(6 gemonnene SlefuUat n)ieber in ^age ju [teilen^ jumal burd^ bie ^e^
ftimmungen bed el^e(id^en @äterred^ted in ber {)ier fraglidjen Sejicljung eine
Senberung ber Saä^laqt nic^t eingetreten ift.
2. 3m Dbligationenred[>te ift baoon auögegangeii, ba| Snterjefftonen, ^.r|jj'^7„%^
namentlid^ öürgfc^oftdoertroge, ber g-rauen formfrei fein foUen. ^ier l^anbelt c^cfrau au
c« ficiö nur um bie fpcjieUe grage, ob oom ©tanbpunfte beö gomilienred^teö |5"|J^„^
am ein Sebürfnife tjortiegt, Snterjeffionen einer ©l^efrau ju (Sunften i^red
ßftemonneö buvö) befonbere Scftimmungen ju befc^ranfen. 2)ie beftefienben
Stecfite ge^en in biefer i&infic^t Qui^einanber.
9lodö röm. unb gemeinem JRec^te ift bie Snterjeffion einer ß^efrau ju ««itenbe«
©unftcn i^reö G^emanneö, üorbe^oltlicö gemiffer, jum 2^t)eil nid)t unbeftrittener ^'^^*"
äuÄnoljmen, unbebingt nichtig, roä^renb im Uebrigen beu 3^auen gegen bie
fticr fraglichen Sicrbinblic^feiten ein ®c^u^ nur im SBege bcr ©inrebc gcmäljrt
wirb (oergl. Nov. 134 c. 8). I)ie neueren ©efe^gcbungen I)abcn bogcgen ben
Stttnbpunft beö röm. unb gemeinen 9lcd)ted in ber ^ier fraglichen 93ejief)ung
burd&Tocg aufgegeben. 3^"^ 2^^^il fteUen fic allcrbings im 3lnfd^(uffc an eine
gemeinred[>tlt^e ?ßrarid, meldte bie SBcUcianifcöc ©inrebe ocrfagt, wenn bie
^u nad^ vorausgegangener Sele^rung auf bie iE)r )ufte^enbe dieä)i^n>oiiU
ti^i fpciieU tjcrjid^tct iiai, bie ^nterjeffion einer grau überhaupt (ücrgl.
mecßenb.4^roer. SScrorbn. o. 16. äßai 1857; ®efc^c für SRcufe ä. S. o. 24. 3?e*
jcmber 1833, 27. 3uU 1844 unb 20. gebruar 1883 § 4; (^cf. für "Sltn^ \. ii.
0. 3. Dftober 1848; roürttemb. @ef. v. 21. a»ai 1828 2trt. 5—8) ober bod^
bie 3nterjcffion einer (S^efrau }u (fünften i^reö @f}emanned (oergl. fäd^f. 0. 33.
§§ 1650—1654 nebft bcr fäcj^if. aScrorbn. o. 9. 3anuor 1865 § 17; altenb.
@cf. 0. 15. 3fuguft 1849; fd^marjb.^rubolft. ®ef. o. 30. aWärj 1849; ^eff.
6nixo. IV, 2 SKrt. 590 9lbf. 2 nebft SDlotioen S. 227) balb mefir balb
weniger unter gormjmang. S)ie SKc^rja^I ber neueren Oefeggebungen f)at
bagegen in ber ^ier fraglichen 9lid^tung jebe Sefd^räntung ber grauen, ind^
befonbere au^ berßH^auen in3tnfcl|ung.ber 3nterjeffionen ju ©unften if)rer
Scanner, vorbehaltlich ber aM bem el)elid^en ©fiterrec^te unb ber familiem
rec^tlid^n Stellung ber ß^efrau überl^aupt pd^ ergebenben allgemeinen Se^
fc^ränfungen, gänjli^ befeitigt. 3^ ^^^^^ ©ruppc gefiören aufeer bem franj.
Siechte unb bem bab. 2. 9i. folgcnbe ®efe|e: bad für bie ganje preufeifd^e
aRonard^ie, unter Stuöfd^lufe bed SBejirfeö beö ehemaligen 3lppellationögerid)te3
}u Äoln, geltenbe preu|. ®ef. o. 1. JDcjembcr 1869, meining. ®ef. t). 14. X^
tauber 1869, got^. 0ef. o. 6. Stuguft 1869, Coburg. ®ef. o. 27. Slpril 1870,
olbenb. @ef. für bad gürftent^um fiübccf imb baö $erjogtf)um Dlbenburg
V. 15. ü»ari 1870, tübedr. ®ef. ü. 21. aWärj 1870, braunfd^ro. ®ef. o. 5. 2lpril
1870, brem. ®ef. v. 9. aRai 1870, ^amb. ®cf. o. 3. 3uni 1870, ®ef. für Sägern
rec^to beö JR^eind o. 14. 3ö"mö^ 1871, roeimar. ©ef. o. 20. 1)ejember 1871,
HHitbed. ®ef. o. 10. 3uni 1872, @ef. für ©d()aumburg*2ippc o. 20. 9Kärj 1873,
Wf. @cf. für bie ^rooinjen Starfenburg unb Dberf)effen o. 5. 2Äai 1875,
an^U. (Sef. o. 9. 3lpril 1878, fd^roarib.^fonberöl). ®ef. o. 16. S)eiember 1887.
2)ur<^ bad preu§. ©ef. o. 1. 1)ejember 1869 finb übrigens bie SBorfd}riftcn beö
8*
116 SBirfunöcn bec (S^e. Snteräeffionen bec Slfeefrau. (§§ 1272—1277.)
preu§. 31. S. % II, 1 §§ 198—201, nad^ mldjtn in allen %&ütn, in bencn bie (g^c^
frau bem ®f|cmannc ober ju beffcn 33ort^ci(e ju ctroaö, rooju bie ©cfeße fie nid&t
oerpflici&ten, üerbinbUd^ gemad^t werben foU, ber SBertrag ober bie SSer^anblung
gcrici^ttici& üoUjogen, au6) ein Seiftanb ber ®^efrau jugejogen werben foU, im
foroeit, alä c§ fid^ nid^t um eine Snterjeffion ber (Sfiefrau ju Ounften i^reft
©l^emanneß l^anbelt, unberütirt geblieben.
9ludE| ba, roo partifularred^tUdEi nod^ Sefd&räntungen ber ®^efrauen in
3tnfcl^ung ber Siiterjefftonen befielen, finben biefetben traft reid^ögefefetic^cr
S3eftimmungcn feine Stnroenbung auf ^anbefefrauen unb anberc Oemerbe*
frauen unb fold^e S^efrauen, roeldfie in eijie ®rn)erbs* ober SBirtfifd^aftögenoffem
fd^aft getreten fijib (ocrgl. 4 ®. S. 9lrt. 6 2lbf. 2; 31. ®em. 0. § 11; SR. ®cf.,
betr. bie priüatred^tUd&e Stellung ber Srroerbß* unb SBirt^fd^aftögenoffenfd^af ten,
V. 4. 3uti 1868 § 12 3lbf. 4).
stonbpuMtt 3luö bem elielidjen a3erl)ättnij|e lönnen ausreid^enbe ©rünbe, bie 3ntcr*
(httoSfcs. i^ffion einer S^efrau ju ©unften beö @l)emanneö befonberen Sefd^röntungen
ju unterwerfen, nid^t l^crgeleitet werben. Sßenngleid^ jujugeben ift, ba^ eine
(S^efrau pd) leidster bewegen laffen wirb, eine SSerbinblid^teit für i^ren (S^c^
mann, alö für einen gremben ju übernel^men, fo ift bod^ anbcrerfeitß ju
berütffid&tigen, bafe gerabe bie ®l^e alö ein auf gegenfeitige Siebe unb auf
gegenfcitigeö SSertrauen gegrünbeteö SSer^ftltnife bei normaler Oeftaltung bes
lefeteren ber ©fiefrau einen ©d^ug bagegen gewätirt, bafe ber Ehemann fein
Slnfel^cn unb feinen ®inffu6 baju mifebraudjcn roirb, auö eigennüfeigen, nid^t
bem gemeinfamcn Sebürfniffe unb Sntereffe entfpred^enben ^mtdcn bie Ehefrau
JU il^rem unb i^rer gamilie 3lad()t^eite jur Uebernal^me einer SJerbinblid^teit
für il^n }u ocrleiten. Um auönalimämeife Dortommenben 2)li6bräuc^en ju bc*
gegnen, ift eß nid^t geredfitfertigt, allgemeine, bie 3nterjeffion ber (Sfiefrauen
}u ®unften ifirer Seemänner befdfiränfenbe SSorfd^riften ju geben, jumal bie^
felben auf ber anberen ©eite aud^ mit Setäftigungen unb Jlad^t^eilen oer«
fd^iebencr Slrt nerbunben finb. SBie roenig baß 3Jli6trauen, meld^eß in
berartigen Seftimmungen ju S^age tritt, ben beutfd^en S^ftänbcn unb bem
beutfd^en SRed^tßbemufetfein entfprid^t, gel)t inöbefonbere barauß l^eroor, ba^
bie meiften beutfd^en e^elid&en ®ütcrred^tßft)fteme balb in größerem, balb
in geringerem Umfange bem ®^emanne ba& Siedet einräumen, über baß 93er*
mögen ber @f)efrau ju bißponiren, ol)ne i^n babei nur an bie ©inmilligung
ber le^teren ju binben ober, fomeit biefe ©inioilligung erforberlid^ ift, befonbere,
bie ®rtf)eilung biefer ©inmilligung erfd^merenbe Seftimmungen ju treffen.
®egcn bie Snterjefponßbefd^ränfungen fprid^t aber weiter ber Umftanb, ba^
biefelben, wie bie ©rfal^rung gegeigt l^at, il^ren ^votd bod& nid^t erreid^cn.
©ine 6l;efrau, wcld)e, il^rem Spanne t)ertrauenb, bereit ift, eine 3Berbinbtid^feit
für benfelben ju übernel^men, läfet fid^ non biefem ©ntfd^tuffe aud^ babur^
nidE)t abbringen, ba^ jur ®ültigfeit ber Snterjeffion bie aSornal^me vox ®erid&t
unb banebcn üiclleid^t eijie oorgängige 33elel)rung burdfi baß lefetere unb ein
außbrürflid^er 33erjid^t auf bie il^r jufte^enbe Slec^tßwol^ltl^at üorgefd&rieben
wirb, ©aju fommt, baß berartige gormoorfd^riften in golge ber SBed&fet«
fä^igfeit ber 6f)efrauen leid)t umgangen werben fönnen (oergl. ©ntfd^. b. SR. ®.
in 6ii)ilf. XI, 1). 3lad) bem SSorgange beö röm. SRed^teß aber im SBiberfprud^c
SSirfunöcn ber 65e. ©^lüffclöetualt bcc ©Befrau. § 1278. 117
mit ttHen neueren ®efe|flebungcn bie Snlerjeffion einer ®6efrau ju Ounften
i^reö ß^emanneö für unbebingt nid^tig ju erftärcn, roiberftreitet bem fittlid^en
SBefen ber &)t, TOeld^es t)evlangt, bafe bie ©i^efrau ben ©l^emann imterftüfet
unb ttud^ aSerbinblid^feiten für benfelben übernimmt, menn bicö ben Umftänben
tiad^ fittlid^e ^ßpid^t unb burdi ein gemeinfd^aftUd^eS Sebürfnife geboten ift.
3)cr Stanbpunft beö ©ntmurfeö ftel^t aud^ mit einem S3efd&[uRe beö pciten
beutfd^en Swnftentageö t)om 3afire 1861 im @inf lange.
3:^iefelben ©rroägungen, meldbe ber Sefeitigung ber ^nteneffionö* ucb«.
bcfd^rdnfungen baö SBort reben, fpred)en auö) bagegen, nad& bem 33 or gange »erpfiic^tuitg
bed preufe. 21. S. 3?. II, 1 §§ 198—201 SSerträge jroifd^en ben (Sliegatten, burd^ ^"^^^T"
roel^e bie ß^efrau ftd^ bem S^emanne ju etroad üerbinblid^ mad^t, rooäu bie ^
©efe^c ftc nid^t uerpflid^ten, an eine befonbere gorm ju binben. 2)ie SRüdE^
fi(^t auf bie befd^ränfte ®efd&äftöfäl)igfeit ber ®f)efrauen, mit meld^cr jene
Sorf(^riftcn beö preug. SRed^teö jufammenl^ängen, fann t)om Stanbpunfte beö
entiDurfeä axi^, meld^em eine S3efd)ränfung ber ®efd^äftöfät)igfeit ber (Sl^efrau
als fold&er ober fraft beö cfielid^en ©ütcrred^teö unbefannt ift, nid&t in 33etrad&t
fommen.
§ 1278.
Suö bem GJrunbfage beö § 1275 3Ibf. 1 folgt, ba§ bie ®^efrau baö e^mos
fM)i daben mufe, bie jur ©rfüllung il;reö Serufeö, bem gemcinfd^aftlid^en ^^cfJaM*'
^auöiocfen oorjuftel^en, erforberlid^en SSerfügungcn ju treffen wnb bie baju
not^ioenbigen 9ied()tögcf^äfte ab jufd^ tieften, unb jroar of)ne SRüdEfid^t auf bie
Irt beö e^clid^en (Süterftanbcö. SBäbrenb biefer Oebanfe in ben älteren
Redeten meiftenö in ber 2lrt jur 3lnertennung gelangt ift, baft bie ®f)efrau
für befugt erflärt wirb, biö ju einem gcmiffen ®elb^ ober 2Bertf|betrage über
i^r unb i^reö ©^emanneö 35ermogcn ju verfügen, wirb bagegen baö SSerljältnife
i>on ber neueren 2^l)eorie unb ^ßrajiö unb ben neueren ©efegen regelmäßig fo
öufS^föfet, ba§ bie uon ber ®l^efrau innerfialb il^reö fiäuölid^en aSBirfungötreifeö
getroffenen SSerfügungen unb eingegangenen aSerbinbUd^feiten für ben ®f|emann
binbenb finb (oergl. ©euffert V, 29, XIV, 98, XXXIX, 22 ; Urt^. b. SR. ®.
bei ©rud&ot XXVI ©. 1003; preui 21. S. SR. II, 1 §§ 321—324, 328, 389;
©efetreo., «ßenf. XV §§ 243 ff. nebft SRot. 6. 204 ff.; fäd&f. ®. 93. §§ 1645,
1699; olbenb. ®ef. v. 24. 2IpriI 1873 2lrt. 4). pr bieienigen SRed^tc, meiere
baoon auögel^en, bafe bie ©l^efrau regelmäßig in iljrer ®ef^äftöfät)igfeit
befc^anft ift unb o^ne ©inroilligung beö ©fiemanneö SRed)tögefd&äfte mirffam
nid^t abfd&Iicßen fann, begrünbet baö fiier fraglid^e SRe^t ber ®bcftau (fog.
S<!&IüffeIgeioaIt) eine 2luönal|me von jener SRegel, unb roirb baöfelbe bal^er
Wöweilcn aud^ in biefem Sufammenfiange be^anbelt. gür ben (Sntrourf fommt
bicfe 6eite ber ©od^e nid^t in 33etrad^t. SSom ©tanbpunfte beö ©ntrourfeö
auö Regt boö ©d^roergeroid^t beö SRed^tcö ber ©d^Iüffelgemalt in ber bamlt
wrbunbencn gefe|Iid()en SSertretungömac^t, fraft meld^er bie ®]^efrau, roeil nid^t ajertmung«*
fie, fonbern ber (Seemann bie efielid^en Saften ju tragen ^at, Innerl^alb it)reö *"''**•
^duöK^en SBRirfungötreifeö im 9tamen beö ®]^emanneö über beffen SScrmögen
JU Berfugen unb i^n burd^ 9ied^tögefd^äfte ju üerpffid^ten befiigt ift. 2luö
n
118 ©irfunoert fccc (S^c. ©(^lüffclgctrart bcr ß^efrau. § 1278.
bicfer aScrtrctungömod^t in aScrbinbung mit bem im ©cfefebuc^c anertanntcn
©runbfafee, ba§ in ©rmanflclung einer entgegenftel^enben Seftimmung ber
aSertrcter eines 9lnberen ate fol^er mit [xä) felbft fontrafjiren fonn (ocrgL
§ 45 ©a^ I, § 805 Slbf. 2, § 1651 S«r. 1), folgt weiter t)on felbft, bafe bie
©i^efrau als SBertreter bed ©^emanneö innerhalb i^reö l^auölid^en SBirfungd*
Jreifeö bie jur 33erfügung über ©l^egut crforberlid^c ®inroiUigung beö &)tf
manneö (§ 1300) fid^ felbft ju ertl^cilen bered^tigt ift. S)ie Seftimmung beö
2lbf. 1 geirä^rt aber ber ®f|cfrau nic^t nur baö SHed^t, innerhalb bcr
bejeid^neten (Srenjen bcn ®^emann ju vertreten, fonbern aud^ baö SRed^t,
innerhalb Jener ©renjen, wie ein 33eauftragter, bie Oefd^äfte beö ß^emonncs
für biefen ju besorgen (t)erg(. § 585). ©ic fann mit(;in geeignetenfoUd aud^
in eigenem Flamen für Sled^nung beö (S^emanneä l^anbeln, in ber 3lrt, bo§
nid^t ber (entere, fonbern fie felbft auö bem betreffenben Sied^tögefd^äfte bered&tigt
unb t)crpflid&tct wirb, fie aber üon bem ©bemanne verlangen tann, bafe er fie
üon ber SSerbinbUd^feit befreie. 6ö ift benfbar, baj3 ber dritte ein 3;nterejfe
boron Ijot, nid)t bem 6l;emanne, fonbern ber ©^efrau ju frebitircn, unb cd
fe^tt an einem QUöreid^cnbcn Orunbc, ber (S^efrau bie 2ÄögIidE|feit absufd^ncibcn,
in bcr bejeid&ncten 3lrt fid^ perfönlid^ ju t)erpflid^ten.
öebietbcr 2)er Ärciä, inncrfialb beffen bie (5()efrau bered^tigt fein foU, bie Oe*
^ßewiu! fd^öfte beö ©^cmanneö für biefen ju bcforgcn imb ben lefetercn ju oer-
treten, lä§t fid^ nur im SlUgemcinen , unb jmar in 9(nle^nung an bcn
©runbfag beö § 1275 3lbf. 1 am jutrcffenbften burdfi 33e5ugna^me auf bcn
^äuölidöcu Söirtungöfreiö ber (5l;efrau beftimmen. 2)ie in ben neueren ©efe^en
mciftcuö fid^ finbenbe Scjugnal^me auf t)m ^auö^alt fann alö oöKig jutreffenb
nid^t erad^tet roerben. 2)ie (St)efrau mu§ tmd^ bem Icitenben ©efid^töpunttc,
auf mclc^em baö 9led)t ber Sd^Iüffelgeiüalt berul)t, nid^t nur fold^e iWed^tö^
gefd^äfte, meldte fid) auf ben §auöl)aU bcäicl^en, fonbern oud^ anberc 5ur
S3eftreitung ber el^eüd^cn Saften bicncnbe 3?ed)tögcfd^äfte, j. 83. fold^e, meldte
bie 3lnfd&affung bcr notf)menbigen Kleibung für fid) unb bie Äinber unb bie
©rjiebung bcr Icgtercn betreffen, ju fd&Iiefecn befugt fein. 3I]ibercrfeitö ift fie
aber audfi nid^t alle SJed^tögefc^äfte bicfer 3lrt ju fd&Ucfecn bered&tigt. Xic
tegtcrcn muffen inner()alb beöicnigcn ftreifcö liegen, mcldjcr burdd bie fojialcn
SSer^ältniffc ber ©Regatten unb burd^ bie Sitte beftimmt mirb. ©egenüber bem
©ritten fann eö babei aber felbftuerftänblid^ nur barauf anfommen, ob baö
9icd)tögefdöäft innerf)alb bcö fo bcgrenjten Äreifcö liegt, nid^t aud^ barauf, ob
baöfclbe im einjelnen gaUc jur Scfricbigung cineö Sebürfniffcö notbroenbig
gemefen ift. 9luS ber Scjugna^me auf ben bäuölid^en SBirfungöfrciö in SBcrs^
binbung mit bcr ratio bcö ©cfcgcö mirb fid^ aud& üon felbft ergeben, inroiemcit
baö l)icr fraglid^c SHed^t ber ©b^f^au aud& bann juftcbt, rocnn bie b^wölic^c
©cmcinfdjaft ber ©begatten aufgcbobcn ift (ücrgl. fäd)f. ©. 33. § 1756). 3br
unter bicfer SJorauöfc^ung baö 3flcc^t allgemein ju nerfagen, mürbe namentli^
im ^inblicfe «auf fold^e ^älle bebcnflid^ fciji, in welchen bcr ©licmann fi^
entfernt bat.
«ittDcnbunvj 2a§ nad) 3lbf. 1 Sag 2 bie aSorfdfiriftcn ber §§ 591—595, 603 ouf
ft^riftcn Tiber ^^^ ^Bcrbättnife bcr ©begatten untcreinanber in bcr tjicr fraglidEjcn ^infi^t
«uftrafl. cntfpredjcnbc 9lnit)cnbung finbcn follcji, rcdjtfcrtigt fic^ burd) bie Slnalogic.
Sßirfunöcii bcr Sfc. sSiftlüffclöenjaft bcc Srjcfrau. § 1278. 119
Snlongcnb iiiöbcfoubcrc bie für entfprcd^cnb anroenbbar crflärte Scftimmung
bcÄ §591 ©06 2, [o toivb eö oon beu Umftänbcn beö einjelnen gallcö unb
bcr Sitte abi)&nqtn, ob unb inroicroeit bcr ©^emann üon ber ©^efrau bic
Segung einer 3le^nung im Sinne iener 93eftimmung verlangen fann. 2)aö
Sec^t beö ß^cmanncö auf SHed^nungßlegung gänjlic^ ju uemeiueu, ift nid&t
ate angeme{)en erad^tet.
S)ic meiften neueren ©cfc^e (oergl. oben S. 117) beftimmen fd^Ied^tl^in, «erct^tiflima
büft aus ben üon ber ©l^efrau auf ®runb i^rer Sd&Iüffelgeroalt gefd^lofjenen "ung bc^e&c*
Sec^tögefd^äften nid^t fie, fonbem nur ber Ehemann uerpflid^tet werbe. *""""**•
3nbeffen ge^t ber Sinn biefcr Seftimmungen rool^t nur bal^in, ba§ in ©r*
mongelung eine« anbermeiten, fei eö auöbrüdElid^ auögcfprocbenen ober aus ben
Umftänben ju entne^menben SBiUenä ber Äontra()enten angenommen werben
foü, bafe bie ^ier fraglid^en Sleci&tögefd^äfte t)on ber ©l^efrau nid^t in eigenem
Flamen, fonbem im Flamen beö ©i^emanneö abgefd^lofjen feien. 3)ie 3lufftcUung
einer fold&en, ben realen SBerl^äItnif[en in ben meiften g-ällen entfpred)enben
unb bie G^efrau gegen materiell ungered&te ober bod^ unbillige 9lnfprüd^e
fd^üfenben 3(uölegungöregcl (Slbf. 2) ift wegen i^rer großen praftifd&en
ffiic^tigfcit trog ber ^Borfd^rift beö § 116 3lbf. 1 ©afe 2 nid)t ju entbel^ren,
jumal eö gcrabc in ben ^ier fragüd^en gättcn regelmäßig an befonberen
Umftänben fel)lt, welche ergeben, bafe baö SMed^tögefd^äft nad) bem SSillcn ber
^nbelnben im 3Jamen beö @l)emanneö oorgenommen roerbcn follte.
Xa ba^ im Slbf. 1 bejcid^ncte -Hed&t ber ß^efrau in bem i^r burd) »cfc^rantunu
ben § 1275 3lbf. 1 beigelegten Siedete, bem gemeinfdfiaftlic^en ^auömefcn gntju^una
wrjuftc^en, feine ©runblage l^at, bicfeö tc^terc Sicd&t aber infofern ein be^ »>«' Gm\^cu
ft^ränfteö ift, alö bem ©bemanne bei 3)leinungöt)erfd^ieben^eiten bie ®nt? ^"^^^ '
fc^eibung nad^ SKafegabc beö § 1273 jufte^t, fo mu§ bem ©bemanne aud^ bie
öefugniß eingeräumt werben, baö im 9lbf. 1 bejeid^nete 3?edE|t ber ©tiefrau
}u befd^ränten, nad& Umftänben felbft eö it)r ooUftänbig 5U entjie^en.
Änbererfeitö ift eö jum Sd&u^e ber ©f)efrau gegen SBilltür beö ©bemanneö
geboten unb entfpric^t eö bem § 1275 3lbf. 1 in SSerbinbung mit bem § 1273
3bf. 2, ber ©^efrau bic Sefugnife oorjube^alten, bie ^erfteUung beö c^eticben
Öebenfi ju Derlangen, wenn bie 33efd&ränfung ober ©ntjieljung beö im 3lbf. 1
b^^neten Slec^teö fic^ alö ein äJligbraud^ beö 9ied)teö beö ©liemanneö
borfteüt. 3lad(> bem in ber 2(nm. ju § 1276 mitgeteilten neuen § 774 9lbf. 2
ber 6. % C gewährt biefe ©efugnife ber ©^efrau infofern allerbingö nur
einen unooUfommenen Sd^ufe gegen mifebräud&lidjc ©ntjiebujig ober S3e^
fc^ränfung i^reö SRed^teö, alö bie ^erfteltung beö etielid^en Sebenö nid)t er?
jiDungen werben fann unb ber ©(lefrau geeignetenfallö alö äufeerfteö lUittel nur
bttö 3led&t bcr Sd^eibung (§§ 1444, 1445) bleibt. %\id) ucrfagt bic Älage auf
©erftellung beö c^elid^en Sebenö in fold^en fällen, in weld^en ber gefefelidjc
Vertreter beö ©^emanneö baö Ijier fraglidje dicä)t ber ©l;efrau bcfd)räntt ober
entjogen l|ot, waö in ©rmangelung einer entgegenftcl^enben 33eftimmung im
Öinblirfe barauf, bafe eö fic^ ijkx wefentlid^ um ein T)ermögenörecetlidecö SBer-
Wtni§ Rubelt, alö juläffig ju erad^ten ift unb aud) im Snteretfe beö ©lie?
manneö burc^ pofitioe SBorfd^rift nid^t auögcfd^loffen werben barf. ^nbeffen
rei^ biefe Sebenfen nid^t auö, t)on bem '^rijiiipe beö neuen § 774 2lbf. 2
120 aBirfungen bcc (ä^e. Oeocnf. Sßertretimg ber (gj^eßatten. (§ 1278,)
ber S. ^. D. in bem liier fraglid^cn gaUc abjuroeid^en unb bcr ®f|cfrau bic
aRöglid^feit ju gcroäl^rcn, gegenüber bem ©fjcmanne baß im 9lbf. 1 bcö § 1278
beseid^nete 3?ed^t ju crjTOingen. 3m ©egentl^eil tft eine fold&e Siegelung megen
bcr bamit für ben ®f)emQnn ocrbunbenen Oefal^ren in l^ofiem Orabe bcbenHid^
unb um fo roentger angezeigt, als bcr (Stanbpunft beß ©ntourfcö, rocnigftenö
t)om)iegenb, bem geltenbcn SRcd^tc, inöbefonbere bem fäd^f. ®. 33. § 1645 unb
naä) ber in ber S)oftrin vertretenen Sluffaffung aud^ bem preufe. 91. S. SR. II, 1
§ 323 (t)ergL ferner olbenb. ®ef. v. 24. 9Ipril 1873 STrt. 4) entfpric^t. ®egen
mifebräud^lid^e S3efdE|ränfung ober ®ntjief)ung bcö ^icr fragttd^en Slcd^tcö üon
Seiten bcö gefcglic^en aSertretcrä beö ©^cmanncs mirb bic G^efrau burc^ bic
Seftimmungen bcö 3Sormunbfd^aftgred^teö über bic Scfugnife bcö SBormunb^
fc^aftögcricbteö, bei ^ßfüd^traibrigfciten bcö SSormunbeö einjufd^reiten (§§ 1684,
1705 3^r. 1), in genügenbcr SBeifc gefd^ü^t.
ec^u« bed 3)ic jum ©d|uge bcö guten ©laubenß dritter biencnbe Seftimmung
benr©rt«"r. ^^ö 9lbf, 4 berul)t auf äfinlid^en ©rmägungen, wie bicjenigcn, wcld^e ju
bcr Seftimmung bcö § 1336 geführt l^obcn (oergl. bic 3Rotit)c ju § 1336 ; femer
bic §§ 120, 121). 3tud^ bic neueren (Scfcfcgebungen (ncrgl. preug. 31. S. k. II, 1
§ 323; föd&f. ®. 93. § 1645; olbenb. ®cf. t). 24. 9lpri( 1873 9lrt. 4) fmb beftrebt,
ben guten ®lauben dritter jU fd^ügen, inbem fie 5ffentlid)e 95cfanntmad&ung
einer T)on bem ©liemannc auägel^enben ®ntjiel^ung ober Sefd^rönfung bcö
SRed^tcö ber ®f)efrQU üorfd^rcibcn bejro. beftimmcn bafe eine fold^e ©ntjiel^ung
ober 93ef(^ränfung gegenüber einem ©ritten nur bann ve6)Ü\6)t SBirfung l^at,
wenn fie bem Icgteren jur Qtxt ber 35ornal^me bcö Slcd^tsgefd^äfteö befannt
gcTOcfen ift.
9i n ^ a n i
m § 1278.
©egcnfcitige SSertretung ber ©ficgattcn in 93el^inberungöfällen.
S)er ©ntrourf entl^ält feine 33eftimmung, bafe bcr 6l;cmann bic ®\)e^
frau äu vertreten bered^tigt unb vcrpflid^tet fei (oergl. preufe. 31. S. dt. II, 1
§§ 188—191; ®efcferet)., 5ßcnf. XV § 135). ©afe ber (Seemann gegenüber
ber g^efrau bercd^tigt unb verpflid^tet ift, fie ju befd^ügen, ju oert^eibigen
unb il)r in allen Slngelegcnl^eitcn beijuftel^en, ergiebt fld^ auö bem ©runbfa^c
beö § 1272. 3)en ©l^cmann aber burd^ baö ®efe6 ju ermäd^tigen, bie ®^efrau
in bcren 3[ngelegenfieiten allgemein ju vertreten, mürbe fid& nur bann rcd^t^
fertigen laffen, xotnn bic ©licfrau in bcr ®efd^äftöfäl|igfeit bcfd^ränft märe.
Slbgefei^en von ben aus bem cl^elid^en ®üterred^te fid^ ergebenben befonbercn
Seftimmungen (vcrgl. §§ 1318, 1319, 1352, 1353, 1417, 1431), bebarf bal^er
ber ®l)emann, um im 3^amen ber (g^efrau roirffam fianbcln jU fönnen, einer
SSoHmad^t ber te^teren, mie anbererfeitö bic ß^efrau einer SBoUmad^t bcö ®l^e*
manncö bebarf, um biefen in feinen 9lngelcgcnl^citen vertreten ju fönnen. ®inc
Sluönal^mc von biefcm ®runbfa6e ift in bem ©ntmurfe auc^ für fotd^c göDe
nid^t gemadjt, in meldten einer bcr ©Regatten in golge von Äranf^eit ober
Slbmcfenl^eit aufeer ©tanbc ift, feine 3lngelegenf)citen fclbft mal^rjunel^mcn. 3)ie
befte^enben Slcc&te cntljalten allerbingö fiäufig im Slnfd&lujfc an baö i^nen ju
SBirfungm bcr SJe. Haftung tregen gal^rlaffigfeit. § 1279. 121
©runbe licgcnbc c^cHd&c ©üterred&t 33eftimmungcn, hwtä) rocld^c balb in
gr6§ercm, balb in geringerem Umfange bie Sefugnife ber ®l^efrau, bei 93es
^inbening be3 (S^emanned an beffen SteQe bie %em)altung bed SSermögend
}u übeme^en, anerfannt wirb, roä^renb in älnfe^ung bcö ©l^emanneö bie
bemfelben aud^ o^ne aSoraußfeftung einer Se^inberung bcr ©l^efrau fraft bcr
e^B(^en 98ormunbfd^aft ober bcö gefcfelid^cn Oüterrcd^teö juftel^enben SSer^^
waltungfired^tc al& gcnügenb erad&tet werben. Snöbefonbere gewährt auc^ baö
preufe. a. S. 91. II, 1 §§ 202—204, 326—328 ber ©l^efrau in geroiffem
Umfange boö SReci^t, bei Sel^inberung bt^i ©^emanneß bzn legieren in beffen
Sermogensongclegenl^eitcn ju oertreten. ®ö (äfet fid^ nid^t t)crfennen, bafe
biefen Scfttmmungcn ein natürtid^er, in bem burd^ bie ®öe begrünbeten per^
fonIi(!^en SSer^ältniffe unter ben ©l^cgatten rourjelnber (Sebanfe ju (Srunbe
liegt, ein ©ebonfe, TOctd&er, fonfcquent burdbgefül^rt, t)orbe^altlid^ ber Stuö^
geftaltung im (Siniclnen, ju ber allgemeinen Scftimmung fül(irt, ba% im galle
ber Se^inberung eincö ©i^cgatten burd& ftranf^eit ober Silbroefen^eit bcr anbere
(Statte, foroeit erforbertid^, für ben crfteren befjen Ocfd^äfte ju beforgen unb
i^n )u vertreten bered&tigt unb oerpflid^tet fei. 3nbeffen finb bie gegen bie
aufnähme einer folgen Seftimmung fpred^enben ©rünbe alö übenoiegenb
frontet. Site gefeglid^e Siegel ift bie S^nerfennung ber aSertretungöbefugnife
befi einen ober anberen ©^egotten, fei cß in größerem ober geringcrem Um?
föngc, für ben bel^inberten ®l^egatten gefä^rlid& unb in üielen gäUcn cl^er
Stoben a(ß 9lu|en ju bringen geeignet. 3lud& l^ingefc^en auf 3)ritte, giebt
eine berartige Seftimmung ju Sebenfen Slnlafe, ba bie SSoraußfeßungcn bcr
Sertretungöbefugnife ber 9latur ber ©ad^e nad^ unbeftimmt unb für 2)ritte
fc^Toer erfennbar ftnb. SBciter fommt in Setrad^t, ba^ in benjenigen Slcd^tß?
gebieten, in meldten berartige Seftimmungen gcgenmdrtig feilten, bcr SKangcl
berfelben ftd^ in ber ^ßrayiß nid^t fül^lbar gemad^t l^at. ®cm SebürfniRc mirb
bvxät bie »orfd^riftcn über bie Oefd^äftßfü^rung oline ätuftrag (§§ 749 ff.) unb
über bie ungered)tfertigte Sereid^erung (§§ 742—744, 748), foroie burd^ bie 33e*
ftimmungen bcß SSormunbfd^aftßred^teß über bie (Srünbe, auß bencn eine aSor^:
tnunbfi^ft ober eine 5ßflegf^aft eingeleitet merbcn lann (§§ 1633, 1726, 1727,
1737, 1738—1740), Tocnigftcnß für bie grofee 3Jlcf)rjal|l bcr gälle, in auß=^
reic^enber SQBcife SRedbnung getragen. 3m e^clid^e]i (Süterrcd&te (§§ 1306, 1358,
1417, 1431) ift ferner SSorforge getroffen, ba^ bie ß^efrau über il^r ®l)cgut
0^ ©inroiHigung beß (S^emanneß ju ucrfügcn bcjro. bei ber (Sütergcmcinfd^aft
in anfe^ung folc^er Slcd&tßgefd^äfte unb Slc^tßftreitigfeiten, meldte auf baß
<?cfammtgut fid^ begießen, ben ®^emann ju ücrtrcten berechtigt ift, wenn ber
e^ann megen Slbmefcnficit ober Äranf^eit bie ©inroilligung ju crtl^citen
bejn). bie baß (Scfammtgut betreffenbcn 9lngclegcnl^eitcn fclbft mal^rjunelimen
ou§er ©tanbe unb ©efal^r im SSerjuge ift.
§ 1279.
3)ic Seftimmungcn beß § 1279 (oergl. baju § 145) rcdjtfcrtigen fid^ ^öttung
bim^ bie befonbere S«atur beß el^elid&en SSerl^ältniffeß unb ber auf bem tcfeteren ""l^^^l
beru^nben T)ermögenßred^tli(§en Sejiel^ungen bcr (Sl^cgatten unter einanber;
}
122 Söirfimoen bcc ei&c. Untcr^altgpfli^t bcö ßfecmannct^ § 1280.
fie entfprcd^cn, fooiel indbcfonbcrc baß ÜJiafe bcr Haftung beö G^cmanncö bei
©rfüDung bcr il^m in golgc beö gcfcfcli^en Oütcrftanbc« bcr e^clid&cn 3iui^
niefeung unb SBcrwaltung (§ 1283) obliegcnben aSerpflid&tungcn betrifft, bcrjenigcn
Sluffafjung, roetd^e im 3lnf(i^luffc an bic Seftimmungcn beö röm. JRcci^tcö über
bic Jicftitution bcr dos aud^ für ba^ neuere beutfd^e e^cU^c (Sütcrred^t bic
j^crrfd^cnbc geworben ift, foroie bem fäd&f. ®. Ö. § 1655 unb bem olbenb. ®cf.
p. 24. Slpril 1873 3lrt. 13 (oergl. ferner roürttemb. (gntro. § 67). 6in genügcnber
Orunb, naö) bem Sßorgangc beö preufe. 2(. S. SR. II, 1 §§ 554, 555, 561, 595
tjcrb. mit I, 21 § 132 bic i^aftung beö ©fjemanneö je naä) ben ücrfd)iebenen
39cftanbtl)eilcn beö SSermögenö bcr ©t)cfrau pcrfd^icbcn ju beftimmcn unb nur
in Setreff bcr ilapitalien bic 5ßcrfönlic^fcit beö 6f)cmanncd ju berücfjid^tigen
ober mä) bem aSorgangc beö lübccf. ®ef. o. 10. gcbruar 1862 3lrt. 4 ben ß^c^^
mann nur für grobe ^ai^rläfftgfcit haften ju laffen, liegt nid^t üor. Slnberer«
feitd mufe bcr Oefic^töpunft, auf rocld^cm bic befc^ränftcre Haftung beö @f)^
manncö bei bem gefcfeUd^cn e^elid^en ®ütcrred&tc beruht, ba^in führen, eine glcid^c
Scfdjränfung bcr Haftung aud^ ju ©unften bcr ß^efrou, foroic t)orbe^aItIid&
bcr bei bcr ©ütcrgcmcinfd^aft rocgen bcr »Haftung beö ©bcntanncö geltenben be*
fonbcren 33cftimmungen bcr §§ 1364, 1417, 1431, in 2tnfe^ung bcr einem ®^e^
gatten in g-olge beö ©crtragömöfeigen cficlid^cn ©ütcrrcd^tcä ober auf (Srunb
beö § 1278 obliegcnben SScrpflid^tungcn eintreten ju laffen. ^Dagegen empfiehlt
cö [xä) nid^t, bic bcfdfiränftc »Haftpflicht bcr ®l)cgatten nad& ÜBafegabc beö § 145
in 3lnlcbnung an baß olbenb. ®cf. x>. 24. 3lpril 1873 ä[rt. 34 aud& auf anbere
nur in S?eronlaffung bcr ®l^c, inöbcfonbcrc burd^ 9luftrag ober ©efd^äftdfül^ruug
ol^ne ätuftrag, unter ben ©Regatten bcgrünbctc ocrmögcnörcc^tlid^e aSerbältniffc
außjubc^nen, ba eine Slußbcbnung bcr l^icr fraglid^cn ^aftpflid^t roegen bcr
bamit Dcrbunbencn Sd^roierigfeit, im cinjclncn gaUc fcft}uftelten, ob bcr 93er^
pflict)tctc biejenigc Sorgfalt angeroenbct f)at, meldte er in eigenen Slngclegcm
Ijcitcn an5umcnben pflegt, an fid) feine Segünftigung ücrbicnt unb aud^ ba^
gettcnbe 3?ed)t — abgefe^cn uon bem olbenb. ®cf. — )o locit nid&t gebt.
Sclbftoerftänblid) finbet übrigcnß bic $8orfd^rift beß § 1279 aud& ouf bic auö
§ 1340 fid) ergcbcnbcn aScrpPid^tungcn beß ®^cmanneö Slnmcnbung, ba eß fic§
im § 1340 um eine 33orfd^rift beß cl)clid^en ©ütcrrcd^tcß, unb jroor beß vex^
tragßmä6igen ®üterftanbeß bcr J^rennung bcr ®üter, ^anbclt. Slud^ nad&
gemeinem Siedete gelten in 3lnfcl)ung beß bem ©bemanne jur SScrroaltung
übcrlaffcncn ^>ßarap^ernalocrm5gcnß biefclbcn ®runb)ä6e megen bcr Haftung
beß @l)emanncß, mic bei bcr dos; cbenfo ftcHt baß preufe. 3t. 2. SR. ir, 1 § 547
in biefer ^infic^t baß oorbcbaltcne SJermogen bcr ®^cfrau bem cingebra^ten
SScrmögcn ber Icgtcrcn glcid^.
g
1280.
untcröaito. 2)cr § 1280 rcgclt bic Untert)altßpflid^t beß S^cmanneß gegenüber ber
Äanncö ©^^frau. Db unb iniüicmcit ber (Seemann auf ®runb bcr il^m gegenüber bcr
Gegenüber ber ©fjefrau obUcgcnbcn Untcr^attßpflid^t pon ©ritten unmittelbar in 3lnfprud&
*^*'^""' genommen roerben fann, rid^tet fid) nadfi ben allgemeinen ®runbfäfecn,
nomentlidj ben aSorfd^riften über bic ®cfd^äftöfül)rung o^ne Sluftrag (r»ergl.
SBIrfungcn bcr (Sfc. Hntcrl)altöpfli(fet beß (ätcmanneÄ. § 1280. 123
§§ 749 ffv indbef. § 755 ©afe 2) unb, foroeit ba& Siecht öffcntlid^er »e^Brbcn
unb Scrbonbc, bcn ß^cmonn unmittelbar in Slnfprud^ ju nehmen, in grage
fte^t, nacb bcn bctrcffenbcn Scftimmungcn bcö öffentlid&cn SRcd^tcö, tücld&e in
bicfcr öinjicbt unberülirt bleiben.
3)a6 ber g^emann gegenüber bcr ß^efrau tjcrpftid^tet ift, biefer ben feiner ®«^*^*J"«
SebenöfieUung, feinem SSermogcn unb feiner @rn)erböfäl)igteit entfpred^cnben gemeinen.
UntcrboU in bcr burd) bic etjelid^e Sebenögemeinfd^aft gebotenen SBeifc ju
gcioäbrcn, folgt aus bem Orunbfa^e, ba§ ber (Sf)emann bie elietid^en Saften
SU tragen ^ai, foroie auö bem SBcfen beö el^clidien S3crt)ältniffeä unb ftel)t ber
Sa^c mä) mit bem gemeinen SWed^te unb ben neueren ©efcfegebungen im
einöange (oergl. Scuffert XLII, 306; preug. 91. S. 91. II, 1 §§185, 186;
code civü art. 214; fäd^f. ®. 33. § 1634; olbenb. ®ef. t). 24. 3lpril 1873 3lrl. 3).
Son bcr gcfc|Ucl&cn Unterl)alt8pp[id&t ber aSerroanbtcn unterf^eibet bic Untcr^^
^ItöpfUcbt beö (Sficmanneö gegenüber bcr ®f)cfrau fidi junädift baburd), bafe
fte rMjt brtri) ine »ebürftigfcit ber efiefrau bebingt ift (§ 1481), meil fie nid)t
btöö auf bem unter ben G^egattcn beftcl)cubcn fittlid^en SSer^ältnifJc, fonbern
Donmcgcnb auf ber ^Pftid^t beö Gfiemanncö, bic et)elid^en Saften ju tragen,
berubt 6in rocitcrer Unterfd^ieb , meld^cr in bem SBefen bcö efielid^en SScr-
^Itnificö fid^ grünbet, befte()t barin, bafe bie Unterl)a(tßpftic^t ber iCerroanbten
luub § 1482, abgcfcl)en oon ber auö § 1482 9lbf. 2 fid^ crgcbenbcn aJlobifi^
fation, nur bann eintritt, rocnn unb foroeit berj[enige, gegen roeldjcn ber Unter:^
^tßanfpTird) geltenb gemad^t wirb, bei 33erüdEfid^ligung feiner anberrociten
Serpfli^tungcn im Staube ift, bcn Untcrfialt ol^ne S3eeinträdf)tigung fcineö
eigenen ftanbeömffßigen Uuterbaltcö jU geraälircn, möljrenb ber ß()cmann feinen
Unterbau für fic^ fclbft üorab ju nehmen nid^t bcrcd)tigt ift. ©eine SSer^
pf[i(^tung gebt jmar ebcnfallö nid^t loeiter, alö feine Seiftungöf ftf)igf eit ; aber,
roos er ^ot, mufe er, mag cö nun für ben beiberfcitigen ftanbeömäfeigcn ober
nur für bcn noti)bürftigcn Unterl^alt genügen ober fclbft für ben Icgteren nid^t
DöUig auöreid^en, mit bcr G^efrau tlieilen. älnbercrfcitö muß bie G^cfrau,
vDcm bcr G^cmann mie ein guter ^auöDater imb gamilicnt)ater, meld^er nid^t
Mos bcn 9lugcnbli(f, fonbern bie bauernbe Si^crung bcr ©fiftenj feiner
Jamilie im 9lugc fiat, l)anbclt unb ber ©f)efrau ben einem fold&en SSerfa^ren
entfprecbenben Unterhalt geroä^rf, fid^ bamit aud^ bann begnügen, menn biefer
Unterbalt l^intcr bem ftanbcömä^igcn jurüctbtcibt. 3)erfelbe ©ebanfc fd^eint
aud^ bcn Scftimmungen beö preufe. 31. S. $W. II, 1 §§ 185, 186 ju (Srunbe
\u liegen. 95olIftänbig entfpred^cn inbeffen biefe 93eftimmungen ber 3luffaffung
bfö ßntrourfcö infofern nic&t, alö nad^ bcr Icßtcren ber Q^tmann anä) jur
Senwbrung bcö notfjbürftigen Untcrfialteö nur md) SWafegabc feiner Seiftungö^
fö^igfeit pcrpfli^tet ift unb bie gleid^e 93ered)tiguug beö eigenen Unterl)alteö
bcö ßbnnanncö mit bem Unterhalte bcr ©fjcfrau in ben Seftimmungen bcö
Vtm^ 91, 2. 9{. feinen gcnügcnbcn 9tuöbrudE gefunben l)ai. Sei ber großen
Serfd&icbenbcit bcr cinjclncn l^ier in 39etrad&t fommenben gällc cmpficf)lt eö fid),
wn ieber ©pejialijtrung abjufcbcn unb nur bcn baö gaujc SSerbältnife bc^^
fterrfd^enbcn Orunbfog, mic bicö im 9lbf. 1 gefd^el)cn ift, jum 9tuöbrudEe
w bringen. S)ur(§ bzn ©runbfa^, ba^ bcr Untcrbalt in ber burdfi bic c^eUdje
8cben8gemcinf<^aft gebotenen SBcifc ju gcn)äf)rcn ift, beftimmt fic^ inöbefonbere
124 SÖirfunoen bcr (56e. UnterJaltSp^id&t beß (Seemannes. § 1280.
Qud^ bie 9lrt unb bie ^orm, in rotl6)tx bcr Unterl^alt gcroal^rt roerbcn muß,
fo bafe CS in bicfer ^injtd^t nö^crer SBeftimmungen nad^ SKafegabc bcö § 1488
9Ibf. 1, 2 imb beö § 1491 ni^t beborf. 3m ©injelncn ift nod^ %olitnt>e(i ju
bemcrf cn :
jiranf^eit». 1. 2)ag bct ®^cmann auf Orunb feiner Untcrl^altöpflid^t bie Äranf^eite^
unbjjurtoften. ^^^j^ flurfoftcn gcgcnüber ber ß^efrau nad^ SKafegabe beö 9lbf. 1 ju be^
ftreiten \)ai (nergl. preufe. 91. S. 5R. II, 1 § 187 ; fäd)f. (S. 93. § 1634), ift afe
felbftoerftänbUdi }u erod^ten unb brandet beäl^alb nid^t bcfonberö ^croorge^obcn
ju werben.
Unterst im 2. 2)00 fäd^f. @. ö. § 1680 bcftimmt, ba^ ber burd^ bcn Untcrfialt im
©eföngmife. Q^fä^g^j^g ^^\^ jjy^^ jjj^, SSertbeibigung ber ©bcfr^u ücrurfo^te Slufroanb in
©rmangelung eigenen SSermögenö bcrfelben ouö bem beö ©bcmonneä ju be^
jal^ten ift. 3laä) ber 2luffaf[ung beö ©ntrourfeö liegt ein genügenber ®runb,
in 5lnfe^ung ber S^ragung ber Jloften bes Unterbatteö ber ®^efrau in einem
®efängnif?e bie Unter^altungöpflid^t beö ®^emanneö gegenüber ber ©b^frau
pofitit) ju befdfiranfen, tiid;t nor. Snöbefonbere nermog ber ©efid^töpunft, bafe
cö in biefem golle auf einem SBerfd^utben ber ©befrau berubt, wenn ibr bcr
Unterl)alt nid)t innerbalb ber ^äuöUc^en (Semeinfd^oft gen)ä[)rt roerben tann,
unb ba^ eö unbillig gegen ben @f|emann fei, wenn berfelbe in biefem gatte
unbebingt jur (Seiüäbrung beö Unterfialteö an feine ©b^ftau -perpflic^tct fein
folte, jumal ibm bie 2)icnftleiftungen ber (S^i^t\van in feinem ^aufe urü> in
feinem ©efd)äftc (§ 1275 2Ibf. 2) entjogen feien, eine Sefd^ränfung ber Unter?
battöpflid^t beö @f)emanneö nid)t ju red^tfertigen. ba bie ©ad^lage in biefem
galle feine anbere ift, mt in fold^en fällen, in meldten bie ©b^frou [\ä) burd^
iör $?erfd&ulbcn eine Äranfbeit jugejogen Ijat, meldte i^re Sßerpflegung aufeet:^
balb ber bciuölid)en (SJemeinfd)Qft notlimenbig mad)t. 2)aö SBefen ber @f)t,
burcb meldje bie ©b^fl^tten fic^ für bie guten unb fd^led^ten 2^age miteinanber
ücrbunben babcn, unb bie Stellung beö ©b^ntanneö in ber el)eli(^en ©emein;?
fd^aft bringen eö mit fi^, bafe aud) in fold^en gällen bie Unterbaltöpftid^t beö
©tjemanneö gegenüber ber ©fjefrau feine 3lenbcrung erteibetT
»crt^cibu 3. 3lnbererfeitd feblt eö aber auc^ an auöreid^enben ©rünben, mit
flunflMofien. j^^^ ^»^j ^ ^ ^.^ Unterl^altöpflid^t beö ©fiemanneö babin ju crmeitern,
bafe berfelbe bie burd^ bie SSerti^eibigung ber ©b^f^^öu in einem Strafuerfal^ren
T)crurfad^tcji Äoftcn, ^u beren ©rftattung fie ücrpflid^tet ift, in ©rmangelung
eigenen 33ermögenö ber ©l)efrau auö eigenen ÜJlitteln bejal^lcn foH. 3" i^cn
Soften bcö Unter^alteö finb begrifflid^ jene Soften nid^t ju red^nen (pergl. bie
aWotioe ju § 1488). 2lud^ fonft fann eine 9tcc^töpflic^t beß ©^emanneö, in
einem gegen bie ©bcfrau eingeleiteten ©trafoerfa^ren für bie Seftellung cineö
85ertl)eibigerö auö eigenen Sßitteln, menn aud^ nur auöplföroeife, ju forgen,
nid^t anerfannt werben. Ob eine fold^e SBertbcibigung münfd^enömcrt^ ift,
läfet fid^ jubem objeftiü unb allgemein nid^t beftimmen; pielmebr wirb cö bem
©rmejfen beö ©l|cmanncö ju überlaffen fein, ob im einjclnen gaUc eine fittlid^e
^flidfit für if)n befielet, für bie 33ertl^eibigung ber ©^efrau auf eigene Äoftcn
Sorge ju tragen (oergl. aud^ § 140 ber Str. 5ß. D.). Gin Sebürfnife, bie
Unterl^altöpflid^t beö ©bemanneö in biefer ^infid^t pofitit) ju erroeitcm, ift
um fo roeniger t)orl)anben, alö, wenn bie Sßerttieibigung notl^menbig ift, ber
SBirfungen ber ©i^e. Unter^altßpflid&t bcö gfteiuanncÄ. § 1280. 125
Siöüt hux6) bic ScftcDung cincö aScrtficibigcrö für bicfelbe üon 3lmt§n)egen
forgt unb ber aCngcftogtc bic Äoftcn ber SBertl^eibigung in biefem galle nur,
loeim er t)erurt^eilt wirb, ju tragen l)at (§§ 140, 141, 150 ber ©tr. ^. D.).
Jiöfaüf^e JRücfjxd&ten , toelc^e eö oUerbingö lüünfd^cnöroertfi erfd^eiuen laffcu
tmdtn, bcm ©bemanne überhaupt bie Äoften eines ftrafrcd^ttici&en SSerfal^renö
gegen bie ©^efrau jur Saft ju legen (üergl. preufe. 31. S. dl. II, i § 191),
tonnen ^ier nid^t audfd^Iaggebenb fein.
4. 2lud& bie Äoften eines t)on ber 6l)efrau gefüt)rten ^rojeffeö red^net ber ^"ic^fopeit.
ßnliDurf ni^t ju ben von bem ®f|emanne auf ®runb feiner Unterl^altöpflid^t
SU beftreitenben Roften bcö Unter{|a(ted ber ©l^efrau. Segrifflid^ gcfjören fic
nic^t }u ben Äoften beS Unterfialted (uergl. bie 2ÄotiDe ju § 1488). ©benfotüenig
ijt in bem ©ntrourfe eine allgemeine Sered^tigung unb 83erpflid)tung bcö ®l)e^
raannes, bie @^efrau in il^ren 3lngelegenf)eiten ju nertreten (preu§. 31. 2. 91. II, 1
§ 188), anerfannt (oergl. oben bie aRotine ©. 120). 2)a bie ©Ijefrau projefjfäliig
ifl (§ 51 9lbf. 2 ber S. % D.) unb ber Seemann fic bafier an ber gül)rung
wn $rojcffen nid&t l)inbern fann, fo roürbe eine 93eftimmung, n)eld)c i^m bie
Verpflichtung auferlegte, bie Äoften eines t)on ber ©Ijefrau gefül^rten 9?ed^ts^
ftreiteß bicfer gegenüber ju tragen, ju einer großen ^örte gegen beti ®f)cmann
fü^en. 3)ie abroeic^enben , in i^rer 2;ragn)eite übrigens t)iclfad) beftrittenen
»orfd^riften bes preufe. 91. S. 91. n, 1 §§ 187—189 , meldte mit ben .Scftim*
mungen beö bamaligen ^rojefered&tes unb mit ben 95eftimmungeu über bic
bef^ränfte @cfd)äftsfä^igfeit ber S^efrau auf baö ®ngfte jufammenbängcn,
fonnen pom Stanbpunfte beS gegenroärtigen ^rojefercd^tcS aus nid)t mcf;r als
Sorbilb bienen.
3nroicrocit ber ®f)emann bie Soften ber SScrtlieibigung ber G^efrau in
einem gegen fie gerichteten ftrafred^tlid^en 33erfaf)ren unb bie fonftigen Soften
bes leftteren, fomie bie Soften eines von ber ®l)efrau gcfül^rten 9iedjtsftreites
auf ®runb bes c^elid^en ©üterred&tes aus eigenen aOlitteln ju beftreiten ober
bod& bie Sefricbigung mcgen j[ener Soften aus bem 9]crmögen ber ©^efrau ju
bulben üerpfri(i)tet ift, ergiebt fid^ aus ben befonberen 93cftimmungen bes zf)c^
li(^n ©üterre^tes (nergl. § 1297 5»r. 5, 6 unb 3lbf. 2, §§ 1311, 1312, 1316,
1321, 1322, 1359, 1362, 1366, 1367, 1417, 1418, 1423, 1426, 1431).
5. Die im W)\. 2 beS § 1280 bcftimmte cntfpredjenbe Slnraenbung ber «nTOeubuna
bic Unterfjoltspflid^t ber aSerroanbten betreff enbeu 33 orf Triften bes § 1488 «^^^"^"iiten
Äbf. 4 unb ber §§ 1492--1496 red&tfertigt fid^ bur^ bic Slnatogic. 3n allen über
biefen Scjie^ungen liegt fein ®runb üor, bic Unterljaltspflid^t bes (Seemannes "p^'cjjt«
flegenüber ber ®^efrau anbers als bic ber SSermanbtcn ju bcljanbcln. 3n «emanbtcn.
welchem aScr^ältniffc ber Unterl^altsanfprud^ ber Gl)efrau }u bcm Unterhalts*
önfprud^e ber aSerroanbtcn bes ®l^emannes ftel;t, ergiebt fid) aus § 1483 3lbf. 2.
Snroieroeit bic Unter^altSpfli^t bes ®l^emanncs ber Untcrljaltspfli^t ber SBcr^
roonbten ber (S^efrau t)orgcl)t, beftimmt ber § 1484.
8D8cgen ber SWobififationcn, meldte bie Unterlialtspflidöt bes £1;cmanneS
gegenüber ber ®^efrau erleibet, wenn auf S^rennung ber Gl;egatten üon Xi]ä)
unb SJett erfannt ift, oergl. § 1460.
126 Söirfungen bcr ®Be. UnterBattSpflid&t ber eßcfmu. § 1281.
§ 1281.
untcröoits. 2n Slnfc^ung ber UntcrJ^aUöpffid^t bcr 6^cfrau gegenüber bem ©|>c^
^^^fxm ntanne l^crrfd^t in ben beftel^enben Stcd&ten feine Uebereinftimmung. 3!)a«
^Tbcmannc"" röHi. Siedet enthält nur bie JBcftimmung, bafe bie grüd^te einer bem ©bemanne
beftellten dos auci^ bann, wenn bie Icfetere audna^mSroeifc fd^on roö^rcnb
beftel^enber 6l^e (bei 3nfoloenj beS Seemannes u. f. ro.) bcr (S^efrau aud^
geantoortet werben tnufe, jum Unterl^alte ber gamitic üerroenbet werben [oBcn
(1. 29 Cod. de jur. dot. 5, 12). 3n ber gemcinred^tlid^en 5ßrQjiö wirb allerbingö
biöroeilen eine TOcilcrgcbenbe fubfibiäre Untcrl^altöpjtic^t ber (S^efrau gegenüber
bem ©bemanne angenommen (oergl. ©cuffert XXVII, 267) unb oud^ in ber
2)oItrin beö beutfd^en 9lcd)tcö finbet biefe 3Injid^t fid^ vertreten. 3" ^iner
allgemeinen Slnerfennung ift bicfelbe inbeffen feineßrocgö gelangt (pergl. ©euffert
XLIir, 21). 9lud^ baa preufe. 31. £. SR. II, 1 § 262 befd^ränft fxä) auf bie »e^
ftimmung, bafe bie ®infünfte beö t)on bcr ®^efrau eingebrad^tcn, in golge beö
Äonfurfeö über baö SSermögen beö ®l^emanncs aber in bie SScrmattung ber (S^c-
frau jurüdEgcfaDenen aScrmögend, foroeit erforbcrlid^, jum Unterl^alte bed ®^e*
tnanueS unb ber gemeinfd^aftUd^en Äinbcr Dcrmenbet merben follen. 93ci ber
3let)ifton beö 31. 2. SR. rourbe aber bereits t)orgef^Iagen, bafe, wenn ber Seemann
ofinc feine Sd^ulb unoermögenb mürbe, fid^ unb feine gamilie ju ernähren, bie
e^efrau i^n aus ben bcreiteften SKittcIn unterftü^cn unb baju aDenfaDß anä) bie
©ubftanj il^eö aSermögenö angreifen müjfe (5|Jenf. XV § 142b ncbft SRotioen
S. 180 jf.). SRad^ bem code civil Slrt. 1448 ift bie ®^efrau, menn fte ©ütcr^^
trennung auögeroirft l^at, ju ben Soften ber |)ausl^altung unb bcr ©rjie^ung
ber Äinber einen T)eri)ältni6mä6igen 33eitrag aus il^rcm Sßermögen ju Iciften
unb jene Äoften aDcin ju beftreitcn t)erpflid^tet, xomn bem ©bemanne nid^tö
übrig bleibt. 5Daö fä^f. ®. 93. § 1637 unb baö olbenb. ®ef. t). 24. 3lpril 1873
3[rt. 33 erfennen bagegcn bie fubfibiäre Unter^altßpflid^t bcr ®^cfrau allgemein
an, unb jroar oline SRüdEftd^t barauf, ob bcr ©bemann ol^ne feine ©d[>ulb ober
burdö feine Sd&ulb unoermogenb geroorbcn ift (ücrgl. ferner baijr. S. 91. I, 6
§ 12 5Rr. 7).
3)er ©ntrourf f)at fid& im 5ßrinjipe ben julcgt bcjcid^ncten ©cfefegcbungen
angefd^loffen. Sie fubpbiöre Untcrl^altöpffi^t ber ©^cfrau entfpric^t bem
fittlid^en 2Bcfen ber'el^clid^en (Semeinfd&aft. SBennglcid^ junä^ft ber Seemann
eö ift, rocldöer bie cfielicbcn Saften ju tragen l^at, fo mufe bod^, menn er
feinerfeits bin erforbcrlid^en Unterfiatt für fid^ unb feine gamilie ju bef^affen
außer ©tanbc ift, bie natürliche SScrpPic^tung ber ©^cfrau, nad^ i^rcn fträftcn
JU ben el^clidöen Saften beijutragen, mirtfam merbcn. 3[u8 biefer Sluffaffung
ergiebt fid& weiter, bafe bie Unterl^altßpflid^t bcr ©tjcfrau nid^t nur bann citu
treten mu§, wenn ber ©i^emann oollig t)ermögenßloö unb crroerböunfäl^ig ift —
maß bcr t^^ffung nad^ oon ben oben angeführten Oefeggebungen ooraudgefc^t
}u merbcn fc^cint — , fonbern fd&on bann, menn er bei einer btn 5ßfli(§ten
eineö guten ^auöoatcrs unb ^amilienoaterß entfpred^enben Sßcrmcnbung feinet
aWittel nid^t im ©tanbc ift, pd^ fclbft unb feine gamilie in einer feiner
Scbenöftcllung cntfprcd^cnben SBcife ju unterhatten. ®ie ©^cfrau mufe l^ier
fo t)iel, als jur Sefc^affung bicfeö Unterl^attcö notlimcnbig ift, ä«f<ä&ie6en, wenn
SSirfimficn ber 6l&c. Praosumtio Muciaiia. § 1282. 127
unb fomeit fte naä) 9ßQ§gabe t^red Vermögens unb i^rer @rtDerbdfä{)igfett
bQju im ©tonbc tft, unb nöt^igenfallö, roeniflftcnö inforocit, a(ö jur Scfd^offung
bc8 not^bürftigcn Unterhalte« crforberlici^ ift, anä) bcn Stamm il^reö SScr^
mögend opfern^ in gleici^er 9Beife, mit bied na^ § 1280 ber (Sl^emann gegen?
über ber ß^frau ju t^un t)erpfltc^tct ift. Scitenb ift aud& in 5lnfel^ung ber
Unter^attöpflid^t ber @^efrau ber allgemeine ®runbfa|, ba^ ber Unterhalt in
brr burc^ bie e^elid^e 2ebendgemeinfc^aft gebotenen Sßeife ju gen)ä^ren ift.
£a| bie SSerpflic^tung ber @^efrau, rotnn biefelbe nid^t auf ben notfibürftigen
Unterhalt bed Seemannes 5efd^rönft n)irb^ t)on Seiten bed (Seemannes mig^
brautet werben fonnte, ift nid^t ju beforgen. S)ie im Slbf. 2 beftimmte
fnlfpre(<)enbe äntoenbung ber bort bejeid&neten SBorfd^riften über bie Unterhalt«*
pfßd^t ber SJerroanbten ifl burd[> bie Analogie gered^tfertigt (pergL aufeerbcm
§ 1483 abf. 2, § 1484, § 1460 Slbf. 1, 2).
§ 1282.
2)er § 1282 betrifft bie fog. praesumtio Muciana. S)as röm. Siecht Praeromtio
(wrgL J. 54 D. de doo. 1. v. et u. 24, i, 1. 6 Cod. de den. L v. et u. 5, i«) fteUt *^''"*'**-
bie Sermut^ung auf, bafe SlUeö, roaö bie ©i^efrau roä^renb beftc^enber ®^e ®ä^*
cnootben ffoi (nac^ einer anberen älnfic^t, n)aö fie überhaupt befigt), aus einer
6(^enhtng bed @i|emanned I)errül^re. 3)araud folgt, ba @c^enhingen unter
Statten naä) röm. Sted^te nid^tig finb, bag ber @^emann, rnenn er angeblid^
wn i^ ber 6^efrau gef^enfte ©egcnftänbe jurüdEforbert, entroeber unbcbingt
ober bo(^ bonn t)on ber äSeweidlaft befreit ift, menn feftftel^t, bag bie @f)efrau
jene ©egenfitänbe niö^renb ber ^auer ber @^e erworben ^at. 3n 2)eutfd^Ianb
ift inbeffen bie gemeinre^tlid^e $ra;id unter bem @inf{uf[e beutfd^red^tlid^er
e^lic^er ©üterred^töDeri^ältnifie oon {e^er geneigt geroefen, ber ^icr fraglidjen
Skrmut^ung eine fclbflänbigere unb audgebel)ntcre Sebeutung beijulegen,
einmal inf ofcm , ald man bie SSermut^ung häufig ganj allgemein bal^in ge* /^ -a
fttfet ^at, ba6 alle«, maö bie ©Regatten befifecn, biß jum Semeife bcö ©egern
t^le« ald ©igent^um beö (S^emanneö gelte, anbererfeitö in ber SRid^tung,
ba§, au(^ wenn feftfte^e, ba% bie G^cfrau bie betreffenben ©cgenftänbe roä^renb
ber S(ie Don anberen ^erfonen ato bem ©bemanne ermorben l^abe, bod^ bid
imn 33eioeife bed ©egent^eiled anjune^men fei, ba% bie ß^efrau biefen ©rmerb
aud ben 3Rttteln bed ©^emanned unb für ben legteren gemad^t ^abe unb bed-
balb bie betreffenben ©egenftänbe i^m gehörten.
3« ben neueren ©efejgebungcn ift bie ^ier fraglid^e aScrmutliung, foroeit
jie ttber^upt emmlint mirb, regelmäßig oon ber ©runblage abgelöft, auf
mclcier fie nad^ röm, «Redete berul)te. a)ad prcufe. ä. £. 31. II, 1 § 544 be*
iHmbelt fte bei ben 33eftimmungen über bie a^bfonberung bed Vermögend ber
€^gatten nac^ Sluflöfung ber ßl)e burd& ben 3;ob eined ber ©Regatten unb
f(ftteibt bort gonj allgemein Dor, bafe im jmeifelfiaften gaUc bem ©bemanne,
feinen ©rben unb ©ISubigem bie a5ermutl)ung ju ftatten fomme, ba§ bad
Sorbanbene ju feinem SSermögen gehöre. Dbroobl bie SSorfd^rift fid^ bem
ffiortlaute nod^ nur auf ben bejeid^neten gall ber SSermögendabfonberung be*
jieftt, fo wirb biefelbe bod^ in ber 5ßrajid in weiterem Umfange, namentlid^
128 SEÖirhingen ber ®6e. Praesumtio Muciana. § 1282.
; bei bcr SroangSooIIftrcdEung gegen ben ®^emann roä^renb befte^enber 6^e,
! angetDenbct. S)ic S3eftimmung beö fäd^f. ®. SB. § 1656 ift tnfofcrn enger, als
jte nur in 2lnfe^ung ber in ber SBol^nung bes ©^emanned befinblid^en bcTOcg^
lid^en Sad^en bie SSermull^ung aufftellt, bafe fte bem ©l^emanne eigent^ümlid^
gctfören, cö fei benn, bofe fie jur Seffeibung, jum ©c^mutfc ober fonft jum
©ebraud^e btoö für bie 5ßerfon ber 6f|efrau beftimmt finb.
gür ben gall beö Äonfurfeö über ba^ 5öermögen bes ©^emanncö f)ai
bie Äonf. D. ben (Släubigern beö tegteren gegenüber ber ß^efrau einen über
ben ©d^ug burd) bie praesumtio Muciana weit fjinaudgel^enben ©d^u§ gewährt,
inbem jie im § 37 beftimmt, bafe bie ©fiefrau bcö (Semeinfd^ulbnerß Oegem
ftänbe, roeld^e fie roä^renb ber ®^e erworben ^Qt, nur in Slnfprud^ nehmen
fann, wenn fie berocift, bafe biefetben nid^t mit SÄitteln beß 6f|emanne8 er*
roorben finb. ®iefe in i^rer S^rogroeite nad^ cerfd^iebenen 3Ud[)tungcn ^in
nid)t jroeifeKofe 33eftimmung bicnt einerfcitö jur ©rgänjung ber SSorfd^riften
ber §§ 24, 25 ber Äonf. D., inbem fte bie 9Iufbectung anfed)tbarer SRct^tö*
gefd^äfte erleichtert, anbererfeitö f|Qt fie eine nod^ barüber l^inQuögcl^enbe
felbftänbige Scbeutung. ®iefe festere berul^t t^eilö barin, bafe fie bie ®(äu*
biger gegen bie 3la(i)ti)txlt fd^üfet, meldte il^nen quo ber burd^ bie el^etid^e
Sebenögemeinfd^Qft regefmöfeig eintretenben, l^äufig aud^ oon bem ©Regatten
\ abfic^tlidö jum 3'^^*^ ber SBcrfürjung ber ©laubiger bcä ©^emanneö l^erbei«
. geführten tl^atfäi^Iid^en SBermifc^ung beö beiberfeitigen SSermögcnö ber ©Regatten
' brotien, tl^eitö barin, bafe fie ben ©laubigem beö Seemannes ein fefbftänbigeö
9lcd)t auf bie aus btn SÄittetn bes ©emeinfd^ulbners üon ber fö^efrau er-
roorbenen ©egcnftänbe beilegt. 3n erfterer SBejie^ung fann aüerbings bie
gaffung bes § 37 ju bem Si^^U^^ SBeronlaifung geben, ob nid^t ujenigftens
für ben gall, menn bie ®f|cfrau im Sefige ber Sad^en ift unb ber ÄonhirS*
ocnoalter gegen fie Hagt, bem lefeteren bcr 33emeis obliegt, ba^ bie (S^cfrau
bie Sad^en njötfrenb ber ®f)e erworben l^abe. Snfofern ift aud^ für ben gaU
bes Sonfurfes bie l^ier fraglid^e SBermutl^ung neben ber Seftimmung bes § 37
ber Äonf. D. als ©rgänjung berfelben nid^t ofine SBebeutung.
etQiibvunft 2)ic burd^ § 1282 im 3lnf(^luffe an bas in bem größten Xi)nk 2)eutf^*
öntJurfcs. lönbs geltenbe SHed^t ancriannle SSermut^ung ^at eine boppette ©eite. ©ie
Äararter bcr bieut eiuerfeits jum ©d^uge ber ©laubiger beS (Seemannes, anbererfeitö jum
»cnnot^una Q^^j^^ i)e§ legtereu felbft unb feiner ®rben. ^f)vt ^auptbebcutung ^at biefelbe
siagcnicinen. auf bem ©ebiete beö gefefelid^en el^elid^en ©üterred^tes unb bes oertragsmäfeigcn
©üterftanbes ber S^rennung ber ©üter. 3)ieS gilt insbefonbere in 2lnfe^ung
ber ©laubiger beS ©l^emannes, ba ber (Sntnjurf auf bem 5ßrinjipe berul&t, baß
— abgefel^en üon ben üerfd^iebenen ©üterftänben ber pertragsmäfeigcn ©fiter*
gcmeinfd^aft — bie S^efrau mit ber ©ubftanj il^reS SSermögenS für bie
©d^ulben beS ©l^emannes nid^t l^aftet unb and) mit il)rem 3lnfprud&e auf
SRcftitution i^res in bie SBerroaltung beö (Seemannes gelangten aSermogen«
bejro. auf ©rfafe für ben nid^t mel^r oorl^anbenen ober oerfd^led^tertcn 2;^eU
besfelben l^inter ben übrigen ©läubigern beS ©l^emaunes nid^t jurüdEtritt (t)ergl.
bie SKotioe ju §§ 1298, 1299). Snbeffen fann bie ^icr fragli(^c SBermut^ung
megen bes Söorbelialts* unb ©onbergutes (§§ 1347—1351, 1412—1416, 1431,
1432) aud^ bei ben t)erfd&iebenen 3lrten ber ©ütergemeinfd^aft praltifd^ »werben.
SBirfungcn bct (S6c. Praesumtio Muciana. § 1282. 129
namentlich qu^ ^}u ©unften ber ©(fiubioev bcd @(|entanned^ ba bic (S^efrau
au4 bei allgemeiner ober portifttlorer ©ütergcmcinfcfiaft ben ©laubigem bed
g^anneö ni^t perfonlid^ Reiftet, fonbem bie fetteren als fold^e ber ©^cfrau
gegenüber nur aus bem ©efammtgute i^rc S3cfriebigung ju oerlangen bereci(|tigt
finb (§§ 1359—1361, 1423 Sbf. 1, §§ 1424, 1431). Swar folgt fd^on auö
ben allgemeinen Scroeidgrunbfäfeen (§ 194 9lbf. 1) bcjro. aug ber Seftimmung
kcfi § 1421, ba§, wenn bic in ©ütergemeinfdiaft lebenbe 6f)efrau aScrmögenös
gegenftänbe gegenüber bem ©bemanne ober bef^en ©löubigern als i^r an^^
fd^liefelic^ ge^orenb in Slnfprud^ nimmt, fic junäd^ft btn 33en)eiä ju führen
fyd, bafe biefelbcn ni(^t ©efammtgut finb. ©te^t aber bie 9iic(|tjugel^5rigfeit
}um ©efammtgute feft, fo tritt aud^ ^ier ju ©unften bed @l^emanncd unb
feiner ©laubiger gegenüber ber ®^efrau bic 3Sermut^ung bc« § 1282 ein.
auf bicfen ©rmögungcn berul^t eö, menn bie S3eftimmungen beö § 1282 unter
bie allgemeinen, bei iebcm ©üterftanbe anrocnbbaren S3eftimmungen über bic
ffiirfungen ber ®^e aufgenommen finb.
SBie oben ©. 128 bereits f)ert)orgc^oben rourbe, ift nad^ bem gcgenmörtig ®<*u» b«?
geltcnben Siebte bie Sage ber ©laubiger bes 6f)emannes gegenüber ber ei)efrau ^«JemoTOe«**
baburd^, ba| bie ©eltung bes § 37 ber Äonf. D. fid^ nur auf ben gaü beö
ÄonfurfeS über bas Sßermogen bes ©ficmanncs bef^ränft, in biefem galle eine
er^blid^ günftigere, als aufeer^alb bcs ÄonfurfeS. ©S laf^en ftc^ geroid^tige «»Bet jKiib be«
©rünbe baffir anfül&rcn, biefe Unglcid^^cit in ber Slrt ju bcfeitigcn, bafe ben
©Mubigem beS @^emannes audd augerlialb beS ftonturfes ber meitergc^enbe
Sc^ul bes § 37 ber Äonf. O. in geeigneter 5lBeife gemährt unb baburd^ in
93eibtnbung mit einer SSerbeutlic^ung ber Raffung bes § 37 bic ^ier fraglid^c
35ermutl>ung, fo oiel baS aScrl^ältnife ber ©laubiger beS ß^cmanneö gegenüber
ber C^frau betrifft, überhaupt cntbel^rlidd gemalt wirb, gür bie 33cfeitigung
ber Ungleici^^eit fann namentlid^ geltenb gemad^t merben, bag bic legterc eine
äSerme^nmg ber Äonfurfc ^crbcijufü^rcn brol)e unb eine SBertürjung ber
©laubiger in benienigen ^Uen ju ^olge liabc, in meldten mcgen ©cring-
fflgigfeit ber üor^anbenen SKaffe bic Eröffnung bes ÄonfurfeS nic^t ocrlangt
«erben fann. Xvol^ biefcr gegen ben gegenwärtigen SRed^tSjuftanb fidE) ertiebcnbcn
Sebenfen ift oon einer äusbe^nung beS § 37 ber Äonf. O. 3(bftanb genommen.
S)er § 37 enthält ni(^t nur in projcffualif^er, fonbern aud^ in matcricllred^ts
li<l^ ^tnft^t eine tiefgrcifenbe 3tbn)cid^ung oon ben allgemeinen ©runbfögen.
O^ne ein bringcnbcft prattifd^cS ^ebürfnig ift besl)alb eine 9luSbcl)nung bes
§ 37 über ben gall bes ÄonfurfeS l^inauS nid^t gcred^tfertigt. 5DicS ergicbt
^c^ fd^on baraus, bag eine fold^e älusbc^nung bem geltcnben 9lccf)tc frcmb ift.
SBä^renb bie 9teid^Sgefeggcbung be}n). bic Sanbesgefc|gebungcn bic Seftim«
mungen ber Äonf. O. über bie Slnfcd^tung oon 9lc^tsl)anblungeu bcS ©emcin^
fc^lbnerS unb über bie ^angorbnung ber Äonfursglöubigcr auf bic 3$crl)ö(tniffe
au^^alb beS ÄonfurfeS ausgebc^nt t)aben, ift eine 3lusbe^nung bcs § 37
»eber oon 6eiten ber 9leid^sgefe6gebung no^ oon Seiten ber SanbcSgefeß*
gebungen erfolgt. SBefonbere S3cad)tung ocrbient in biefcr $infid)t ber 33or*
gang in ^reufeen, roo bie Scftimmungcn ber §§ 88—90 ber prcufe. Äonf. D.
0. 8. üBai 1855, meldte einen ä^nlicficn S^^cf mic ber § 37 ber beutfd^cn Äonf. D.
verfolgten, ebenfalls auf ben ÄonturSfaB befdiränft geblieben finb, o^ne bafe
130 SSirfunflen ber S^e. Praesumtio Muciana. § 1282.
in ber l^ier fraglidöen Scäie^ung aus bcr SScrfc^iebenl^eit bcö SHedjtcö für bcn
%aU beö Äonturfeß uub Qufeer^alb beä ftonfurfcö in bcr 5ßrajiß SDlifeftänbc
fid) ergeben ^aben. 3)icfe gcfeggcberifd^en SBorgänge bercd^tigcn p bcr 3ln*
na^mc, bafe aufecr^alb bcö Äonturfcft ben ©täubigern bcä (S^emanncö gegen
bic il^nen aus ber el^elid^en Scbcnögemeinfci^aft unb ber bamit ücrbunbenen
t^atfäd^Hci^en 9Sermifd)ung bcö belberfeitigen Sßcrmögenö ber ©fjcgatten burd^
bic oonpiegcnb in bem geltcnben SRed^te anerfannte praesumtio Muciana aus*
reid^cnber ©ci^u|; gewährt rairb. 3« ber SC^at liegen bic SSerljältniffc für ben
gall bes Äonfurfcö unb aufecrljalb bcö Äonfiirfeß au6) n\6)i nöllig gleic^.
gür ben %a\i bcö Äonturfeö ift namentfid^ mit 9lücffxci|t auf bic DorjugSroeife
in 33etraci^t lommenbcn faufmännifd^cn Äonfurfe, roel^c bic SKc^rja^I ber
Äonfurfe auömad^en, eine größere ©trenge gegenüber bcr (S^cfrau jum ©d^uftc
ber ©laubiger bcö ®^emanneö am 5ß(age. 9lud biefen ©rünben oerbicnt efi
ben SSorjug, oon einer Sluöbel^nung beß § 37 ber Äonf. D. abjufcl^en unb
ftatt beffcn bie praesumtio Muciana }u ©unften bcr ©laubiger bcö ®f)emanncö
in bem ©efegbud^c anjuerfennen. ©aburd^ wirb aud^ eine SBerbeut[i(^ung
beS § 37 in 3(nfc{|ung bcr 93cn)ciöfaft entbet)rlid^. S)ie in biefer |)inft4it ju
3roeifeln 91nlafe gebenbc Raffung bcß § 37 crflärt ftd6 barauß, bafe ber [entere,
wie bic SKotiüc bcr Äonf. D. ergeben, ooraußfe|t, bafe "öd^ bem bürgerlid^en
Siedete bic praesumtio Muciana befiele. Um aber bem praftifd^en 33ebürfniRe
ju genügen unb um ju t)erl)inbern, bafe ber 3^^* beß ©efcftcß Dcreitett
werbe, ift eß erforbcrlid^, bic in SRcbc ftcl^cnbe SBermut^ung nid^t mit bem
fäddf. ©. 33. auf bie in ber SBol^nung beß ß^emanneß befinbli^en benjeglid^en
©ad^en ju befd^ränfen, fonbcrn im SÄufd^Iuffc an bic 5ßrajiß beß preufe. SRed^tcö
in bem Umfange beß § 1282 3lbf. 1 anjuerfennen. Slufecr bcn ben ©ad^en
glcic^jufteUcnbcn 3inf)abcrpapicren unb bcn an Drbre lautcnben, mit einem
Stanfoinboffamente ncrfeficncn 5ßapieren fonncn anbere gorberungen unb
fonftige SRed^tc bcr 9iatur bcr Ba(i)c mä) nid&t in 93ctrad^t fommcn, meil
biefclben an eine beftimmte ^crfon gefnüpft finb unb nur oon biefer geltenb
gcmadfjt rocrben fönnen. 3n 3lnfc^ung bcr ©runbftücfe mirb bie ^räfumtion
üon fclbft infoiDcit gegcnftanbloß, alß auß bem ©runbbudde baß ©egent^eil
fidö ergiebt (§ 826). S)a§ bic »eftimmung beß erften Slbfa^cß beß § 1282
auf bie im § 1285 bcjei^ncten ©ad^cn feine Slnroenbung ^nbet, entfprid^t
bem § 1656 beß fäd&f. ©. S. unb re^tfertigt ft(^ baburd^, ba^ biefe ©ad&en
ncrmögc il^rer 33cfd^affenf)eit unb Scftimmung ol^nc SBcitercß junäd^ft olö
grauengut fid) barfteUen.
«ufntt^nic ©in Sebürfnife, nad^ bem aSorbilbc beß franj. Mcd^teß (nergl. ©ntfd^.
Bemörens- ^' ^' ®- "^ ^^^^'f- ^^'^' ^^) ^^"^ nerfd&icbencr auf bem ©i)fteme par*
rerie^niffe». tifulärcr ©ütergemeinfd)aft beru^enber beutfd^er SRcd^tc bcn ©läubigcrn beß
ß^cmanneß einen nod^ meitcrge^enben ©d)u6 burd^ eine SBorf^rift beß
Sn^alteß ju geroäl^ren, bafe bic ®^efrau bie im § 1282 ju ©unften bcr
©laubiger beß ©^emanneß anerfannte 33crmut^ung in 3lnfct)ung fold^cr
berocglid^en ©ad)cn, meldte fic in bic ®t)e cingebrad)t ober mätircnb ber ®t)e
burd^ Sd^cnfung, ©rbfolgc ober 93ermäd)tni§ crroorben fiat, nur bmi) ein
nad^ äRafegabc bcr §§ 993, 1042 mvb. mit § 1292 aufgenommeneß aSermögenß-
nerjeid^nife mibertegcn fönnc, fann bagcgcn nid)t ancrfannt mcrbcn, unb ftnb
SSirfungcn bcr 66c. Praesumtio Muciana. § 1282. 131
cud^ im Ucbrigen bic gegen bie Slufnol^me einer fold^en SSorfd^rift fpred^cnben
Sebenfen ate liberroiegenb onjufetien. ®ö löfet [id^ allerbingö nic^t oerfennen,
bag mit einer folgen SBorfd^rift große SSort^eile üerbunben finb, boburci^
nomenttid^ ben Dielen, l^äufig unbegrünbeten unb mit erl^cblid^en Äoften für
bic ©laubiger rerbunbenen 3tit^t)entionöf(agcn ber ©^efrau in loirffamer
Seife entgegengetreten wirb. 9luf ber anbercn Seite fällt inbeffen entfd^eibenb
ins ©emic^t, ba§ eine berartige SSorfd^rift bem geltenben SHed^te in ben meiften
Sec^tfigebieten nidfjt entfprid^t unb in bem größten 2^fjei(e ©eutfd^tanbö bie
€ittc, ein Stio^tar über ba& SSermögen ber ß^efrau aufjuncfimen, nid^t be^
fiebt, aud^ ni(ftt ju erwarten ift, baß burd^ eine gefefelid^e 33eftimmung ber
bqcic^neten 2lrt bie Silbung einer fotd^en ©itte fierbeigefül^rt werben wirb,
€ine fold^e Seftimmung mürbe bo^er im 555iberfprud^e mit ben ©runbfäfeen
bcs gefeglid^en el&eli^en ©üterred^teö beö ©ntrourfeö bie inbirette golge l^oben,
bog bie S^efrau mit il^rem in bie @^e eingebrad^ten ober mäl^renb ber @^e
burd^ S^entung, Erbfolge ober 85ermäd(|tnife erworbenen beroegli^en 33ermögen
ben ©laubigem beö ß^emanneö l^oftcte. yiad) franj, SRed^te liegt bie Baä)C
infofem oöüig anberö, als nad& bemfelben bie Haftung beö beme8lid}en SSer*
mogenö ber ©fjefrau für bie Sd^utben beö ©l^emanneö in golge ber bas ge*
fc^lic^e elielic^c ®ütcrredE|t bitbenben aKobiliorgemcinfd^aft bie gefeftlid&c SRegel ift.
SBie oben ©. 128 bereits angebeutet mürbe, bereitet bie auf einem neuen, • '^**{!
mebr roirt^d^aftlic^en unb im ©injelnen juriftifd^ nid^t weiter auögeftatteten
©ebanfen berufjcnbe 93eftimmung beö § 37 bcr Äonf. D. nad& cerfc^iebenen
Siebtungen I)in S^wierigfeitcn. Snöbefonbere giebt ber unbeftimmte 9luöbru(f :
^nid^t mit üRitteln beö ©emeinfd&ulbnerö" unb baö SBerliältnife beö § 37 ju
ben Seftimmungen ber Äonf. C über bic änfecfitung von SWed^tögefcdäften,
namentlich oon Sd)enfungen beö @t)emanneö an bie (g^efrau, ju 3roeifeln unb
Sebenfen Sfnlaß. 6ö fd^eint ba^er na\)c ju liegen, biefe Sd)wierigfeiten unb
Sebenfen bei ©clegenl^eit ber Robifitation beö gefammten bürgertid^en SWed^teö
in bicfem S^fß^ntcnliange tbunlid^ft j\u befeitigen. S^beffen ift eö bod^ alö
bebenf li(^ erad(|tet, ben § 37 ber Äonf. D., nac^bem berfelbe unter 33eirat^ von
€o4i>erftonbigen Tjerfd)iebener Sebcnöfreife nad^ rciflid^er ©rwägung unb trofc
ber gegen benfelben fpred^enben, fd^on bei (Gelegenheit feiner S3erat^ung er*
tannten unb geltenb gemachten 93ebcnfen bcfd^lofjen worben ift unb erft t)or
loenigen Saljrcn bie Suftimmung ber gaftoren ber SRcid^ögefefegebung gefunben
bot, jeftt ohne ben 93eiratl| fold^er Sod^oerftönbigen wieber ju änbern, jumal
boö öebürfniß einer fold^en 3lenberung, foDiel befannt, biö^er nid^t ficroor*
getreten ift. @ö fann barauf vertraut werben, baß SBiffenfdEiaft unb ^ßrajiö
ben bem § 37 ju Orunbe liegenben ©ebanfen rid^tig erfaffcn unb bie ©d)wierig*
feiten, welche er bietet, überwinben werben. 6t)entucll wirb bei einer Sieuifion
bcr Äonf. D. bie etwa erforberlid) werbenbe 9lenberung beö § 37 oor juncl^men fein.
2)ie Orünbe, auf weld^en bie Slnerfenmmg ber praesumtio Muciana ju eermut^uns
©unftcn ber ©laubiger beö ©iKn^anneö bcruf)t, nötl^igen an fid^ nic^t baju, f^^^l^l^^
jene Sermut^ung audti auf baö SJerfjältniß unter ben ©Regatten felbft ju er* c^euotten ju
ftrerfen, unb eö fann jwcifetliaft fein, ob biefe (SrftredEung unter ben heutigen **"""*'*^-
Scrbättniffen nod^ gered)tfertigt unb angemeffen ift. 2)ie Ojrünbe, weld^e baö
röm. 3te<!^t 5ur 3lufftellung ber 33ermut^ung ueranlaßt ^aben (evitandl turpis
132 aSirfunocn bcc (gifte. Praesumtio Muciana. § 1282.
quaestus gratia circa uxorem) finb icbenfoUd nid^t me^r iutreffenb. 9lud) bic^
jcnigcn Umftäubc, wd6}t in S)cutfd)Ianb bic ainnal)mc unb Sluöbcl^nung.
jener SBcrmutfiung ^ouptfäd^Iid^ beförbert l^abcn, oerlicren t)om Stanbpunfte bcö-
©ntrourfcö ans an ©eroid^t. 3laä) bem gefc^lidöen ej^clid^cn ©üterred^tc beö ®nfc
rourfcö erwirbt bic ®^cfrau, was fte burd^ il^re 3lrbeit, fofcrn biefc nid^t unter
bie aSorfc^rift beö § 1275 aibf. 2 fällt, ober burd^ bcn felbftänbigen ^Betrieb,
eines 6m)erbögefd^äfteß erroirbt, nid^t bem ®^emannc, fonbern fid^ felbft
(§ 1289). 3^r beroeglic^eö unb unbcioeglid^eö SSemtögen bleibt il^r ©igcnt^unt
unb ber (Seemann fann barüber — tjon uner^eblidden 9luöna^men abgefc^ca
(oergr. § 1292 oerb. mit § 1000, § 1294, § 1318 5Rr. 1, 2) — nur mit
©inroiUigung ber e^efrau unb als ü)x aSertrcter üerfügen, fo bafe olfo and)
ber erlös aus SRed^tögefd^äften i^r, nid^t bem ©bemanne juföUt (§§ 1318^
1319). SBeiter fommt in 33etrad;t, bafe nadf) einer in S)eutfd[)lQnb jiemlicfy
verbreiteten Sitte ein großer 2^^cU beö §auö^altöinoentared oon ber ß^cfrau
qIö Sluöfteucr in bie 6^c gebrad^t mirb unb ifir ©igent^um bleibt. Unter
biefen Umftänben fann eö in 3^^if^I fl^iogen werben, ob bie SSermutl)ung^
ba^ bie in ber Sn^abung beö ©^emanneö ober ber e^efrau ober beiber (B^e^
gatten befinblid^en Sad^en bem ©bemanne geljören, in biefer 9lUgemein^eit bea
t^atfäd^lid^en SJerpltniffen entfpred^e unb ob es beö^alb nid^t ben SSorjug vtt^
biene, t)on einer fold^en SSermut^ung ju (Sunften beö ß^emanneö unb feiner
@rben ganj ab jufe^cn, jumal ber ©^cmann für ben gall, bafe bie Sachen ia
feiner Snl^abung pdf) befinben, fd^on burc^ bie allgemeinen ^croeiögrunbfäge
gefc^üfet fei unb für anbere gälle baö ^rinjip ber freien Seroeiömürbigung.
auöreidde. 9lld burd^fc^lagenb fönnen inbejfen biefe Orünbe nid&t angefe^ca
werben. 3lud^ unter ben fjeutigen 5Berl^ciltniffen entfprid[)t bie Sluöbe^nung.
ber SSermut^ung auf baö SSerl^ältnife unter ben ©l^egatten felbft in ben mciftcn
gälten ber ®ad)lage. ^nöbefonbere gilt bieö t)on ben mäl)renb ber @^e er^
roorbenen ©egenftänben. S)a ber ©Ijemann bie e^elic^en Saften ju tragen f)at
unb ba^er bie ju biefem 3^^*^ erforberlid^en Slnfd^affungen mad^en muß, ba
i^m aufeer ben grüd^ten feineö eigenen SSermbgenö fraft ber el^elid^en dlufj^
niefeung (§ 1292) audf) bie grüdfite beö SBermögenö ber ©l^efrau jufallen unb
ber ©rroerb burd) älrbeit fiauptfädjlidf) auf ber 2:i)ätigfeit beö ©^emanneö be^
rul)t, fo fprid^t eine ftarfe t^atfäd^lid^e 5Bermut^ung bafür, bafe baö mä^rcnb
ber e^e ©rmorbcne oon bem ®§ema«ne erroorben ift. SBo ouönal^mömeife bie
5Bermut^ung beö § 1282 ber ©ad^lage nid^t entfpric^t, wirb bie e^efrau, ba
i^r ber ©egenbemeiö offen ftcl)t (§ 198), burd^ baö ^riujip ber freien ri^ter^
lid^en Seioeiöroürbigung genügenb gefd^ügt. Xagegen finb jum ©d^uge beö
®^emanneö gegen bie (Sefa^ren, meldte if|m aM ber mit ber el^elid^en Sebcnö*
gemeinfc^aft oerbunbenen tljatfäddlid^en SSermifd^ung beö beiberfeitigen SBcr^
mögenö bro^en, bie allgemeinen Scrociögrunbfäge nid^t alö auöreic^enb ju
eradjten, ba oft fd^mer ju entfd^eiben ift, ob ber ©l^emann Snl^aber ober fKit*
inl^aber ber Sadfje ift, ober ob bie le^tere fid^ in ber auöfd^lie^lidfien 3n^abung
ber 6t)efrau befinbet. S)aö S3cbärfni§, bie Sßcrmut^ung aud^ auf baö 2Jer*
f)ältnife unter ben (St)egatten felbft auöjube^nen, jeigt fid[) namcntlid^ in folc^en
gällen, in meli^en bie e^efrau unter ä)Utnal|me oon Sad^en auö ber gemeim
fc^aftlid^en SBo^nung t)on bem e^cmanne faftifdf) fid^ getrennt ^at, ober in
(SWi4e« @ütcrred&t. SmlfeeUIid^c gtcgelung. (§§ 1283 ff.) 133
welchen bicfelbc, j. S. in gofgc beö felbftänbigcn Sctricbcö eines ern)crbö==
gefc^äfted, befonbcrc, nidf)t ju bcr gemeinfä^oftlid^en 2Bof)nung ge^örcnbe SRäumc
innert. 3" bead^ten ift ferner, ba6 bie Slußbe^nung ber 33ermut^ung auf
t«ö gjer^ättnife unter ben ©Regatten felbft anci) ben Äinbern jum ©d^uge ge^
leic^t in ben im praftifd^en Seben nid^t feiten üorfommenben gäUen, in welchen
bie ß^efrau balb nod^ bem J^obe beö ®^emanneö roieber l^ciratl^et unb, burd^
i^Tcn neuen ©bemann beeinflußt unb baö Sntereffe ber Äinber erfter 6f)e
«ufeer 9Iugen fefeenb, bie Se^auptung auffteUt, bafe jum Slad^toffe beä ücr^
jitorbenen crftcn ©^emanncö ge^orenbe, nad^ bem Stöbe beöfelben in ifirer 3ns
babung oerbUebenc ober in t^re 3!nf|abung getaugte Sad^en il)r ©igent^um
feien. 25ic ©rbfd^aftöflage vermag ben Äinbern in fold^en gällen ni^t immer
ausreid^cnben Sd^ug ju gemö^ren, meil fie ben tjon ben Äinbern oft fdjioer
ju erbringcnben ^Rad^meiö »orauöfegt, ba§ ber ©rbfaffer bie betreffenben
Sotten äur ^txt feines S^obeö in feiner 3inl^abung ober aWitinl^abung gel)abt
^t foergL § 2081 9lr. 1). gerner fommt in ©etrad^t, ba^, menn man bie
?}ennut^ung nur ju ©unften ber ©laubiger be§ ©^emanneö, nid^t aber aud^
}u ®unften bes le^teren felbft anerfennt, aus einer fold^en JRelatioität praf-
tif(^ S(^n)ierigfeiten unb SBermidfelungen fid^ ergeben mürben. 2)ie Slrt unb
SBcife, roic bie praesumtio Muciana fid^ entmidelt l^at, unb bas geltcnbe 9ted^t
finb ein mid^tiges S^wgniß bafür, baß burd^ bie 9lnerfennung ber SBermut^ung
oü(J im SBer^ältniffe ber ©Regatten unter einanber in ber 2^^at einem prat
tifc^n Sebürfniffe Sted^nung getragen mirb. ©elbftTjerftönblid^ fommt bei
irr ©ütergcmeinfd^aft bie SBermut^ung beö § 1282 aud& im 98erl)ältniffe unter
ben g^cgottcn erft in Setrad^t, wenn feftftelit, ba^ bie betreffenben Sad^en
niäjit ©cfammigut finb. 3nöbefonbere gel)t bie SSermutl^ung bes § 1421 ber
bcs § 1282 aud^ ju Ounften ber S^efrau oor.
StuÄ allflcmeinen ©runbfäjen ergiebt fid^, baß bie SScrmut^ung beö ®eöen6e»ei«.
§ 1282 burd^ ben Siac^meiö roiberlegt wirb, baß bie ß^efrau bie betreffenbe
So(^e erworben l^at, fofern fte nid^t cixoa auöbriidElidd ober ftillfd&meigenb im
Flamen bc« G^emanneö ge^anbelt l)aben foUte (§ 116). Uebcr bie gälle bcj5
§ 1275 abf. 2 unb bes § 1278 2lbf. 2 I)inaus bie allgemeine Siegel aufju^
fteUen, bö§ bie ©^efrau bas t)on ibr ©rmorbenc im 3">^ifcl ini Flamen bes
C^iemanneS ober aud^ nur für bcffen 9led)nung crroorben fjaic, mürbe burd^
Mc tbatfäcbtic^cn SBerbältnijfc nid^t gered^tfertigt fein unb auä) bem gettcnbcn
Sc(^tc gegenüber fic^ als eine roefentlid^c Steuerung barftellen.
IL eiielidied «titemdit
©inleitung.
1. Sei ber Siegelung bes e^elid^en ©ütcrred^leS ift baoon ausgegangen, «n^eitiic^c
btti bas Untere für ganj ®eutfd)lanb cinljeitlic^ ju regeln ift unb bas ©ijftem *1Än '*
ber fog. aSenoaltungsgemcinfd^aft (®ütereinf)eit, ©üterocrbinbung) unter ben ®tt*err«<**e9.
wrfc^iebencn in ©eutfd^lanb geltenben ©üterrcd^tsf^ftemen fid^ am beften als
<8runblagc eines ein()eitlid^en gefejlid^en ©üterre^tes eignet. Sieben bem gcfcg*
lieben e^elid^cn ®üterrcd^tc fmb aber bie |)auptformen ber aufecrbem je^t in
134. eScIid&eS ®ütcrrc*t. einftcitli^c Sfteflclunö. (§§ 1283 ff.)
®eutfdf)fanb gcitcnben ©üterred^töftjftcmc afe oertragömöfeigcö cljctid^eö Oüter*
recJ^t gcorbnct.
2)ie grage, ob ha% cficUc^c ©üterred^t für ganj iScutfc^Ionb einheitlich
geregelt toerben foH, ift bereits mef)rfac^ ©egenftonb ber offentlid^en Sefpreddung
gctoefen unb ^at entgegengefe^te 33eantn)ortungen erfafirenO- 2)rci 2Bege [xnb
benfbar. 3Kan fann entroeber boö eJ^elid^e ©üterred^t aus bcm bürgerlichen
Oefegbud^e gänjüd^ auöfd^eiben unb bie SWegctung bcöfelben ber Sanbesgefeg^
gebung übcrtof^en, ober bie Siegelung erfolgt jroar burd^ ba^ bürgerlid^e ©efe^*
bud^, aber in ber 3lrt, ha^ im 2lnfdöluffe an bie ^auptgruppen be§ gegen*
roärtig in 2)eutfd^lanb geltenben SWed^teö mehrere ©t)fteme beö e^elid^en ®üter*
red&tcö in baö ©efegbnd^ aufgenommen werben unb bann entroeber buxd) bie
SReid^ögefefegebung ober bie Sanbeögefe|gebung beftimmt roirb, in roeld&cm
2;^eile ©eutfd^lanbö ba§ eine ober anbere biefer ©i)ftcme gelten foU (fog. SHe*
gionalfi)ftem), ober enbtid^ es wirb baö gefcfelid^e ebelic^e ©üterrec^t einheitlich
für ganj ©eutfd^lanb normirt. 3n bem tefeteren galle bleibt bann nod^ bie
grage ju entfc^eiben, ob unb inroieroeit burdd ^^^ ©efegbud^ bie <Srunbfä|e
feftgeftellt roerben follen, meldte für ben gall jur Slnroenbung fommen, roenn
bie ©Regatten fid^ t)ertragömä§ig einem anberen ©üterrec^te unterroerfen.
2)er erfte ber bejeid^neten SBege fiat bisher feinen 3}ertl;eibigcr gcfunbcn,
3)aö c\)ü\ä)t ©üterred^t ^ängt fo üielfad^ unb fo eng mit ben übrigen j^^eilcn
bed Sted^tes jufammen, bafe eine ein^eitlid^e S3e^anbtung beiber unerläBlid^ er*
fd^eint, roenn nidfjt bie größte SJerroirrung unb Unftdf|erl)eit beö Slcd^teä ein*
treten foU. 9iur roenn baö elielid^e ©üterred^t roie ba^ übrige S^ec^t oon ber
SReid^dgefeggebung feftgeftellt roirb, ift eine ©eroä^r bafür gegeben, bafe bie
t)erfd)icbenen Sied^töfä^e i^rem 3"^^^^/ ^i^ ^^^^^ iuriftifd^en Äonftruttion
na6) mit einanber im ©inflange fielen,
sbie^nung S)aö Slegionalf^ftem bejroetft, fooiet als tfiunli^, fid) bem beftcl^enben
. gjj^j^^ SRcddte anjufc^liefeen. S)ie auf ®runb amtlid^er SKittfieilungen ber ^Regierungen
f^perne«. jufammcngeftellten Ueberfid^ten ber cerfd^iebenen in S)eutfdf)lanb geltenben e^e*
lid^en @üterred)te unb ifireö ©eltungögebieteö (cergl. 9leubauer, baö in S)eutfd^
lanb geltcnbe e^elid^e ®ütcrredE)t) ergeben, roie bunt ber in I)eut)cötanb be*
fte^enbe Sie^töjuftanb ift. 9luf roeit über 100 belauft fid) bie ^a\)l ber gegen*
roärtig in 2)eutfd^lanb geltenben ti)diä)tn ©üterrec^te unb eö ^anbelt ftcd babei
nid^t um SDtobififationen eineö unb bcöfelben ®i)ftemeö, fonbern alle oerfd^icbcnen
©i)ftemc finb vertreten. S)ie ^auptgruppen bilbcn bie allgemeine ©ütergemein*
fcftaft, bie partifulöre ©ütergemeinfd^aft, bcutfd^red^tlid^e 3:rennung ber ®ütcr
(SBerroaltungögemeinfd^aft, @ütereinl)eit u. f. ro.) unb baö röm. Sotalrec^t.
Snnerfialb einer jebcn biefer ©ruppen fommen aber roieber bie größten 216*
1) aSerGl. inßBef. SSer^. be§ 11. bcutf db. 3uciftentaoe§ 93b. I ®. 46, S3b. H
®. 61 ; 93ec6. bc§ 12. beutfct\ SuriftcntageS 3Bb. I ©. 29, 9?b. U (S. 276, 285, Sb. m
©. 33; Sinbing, über bie ©runboeftaftunG be§ el^clic^cu ©ütecrec^teö, im SlrcSio für
ciüilift. ^rayig 5R. ^, S5b. 6 ©. 49 ff., »b. 7 ®. 109 ff. ; 3totf), ubcc llnififaHon
unb Äobififatiön, in ^aufer'6 3citf*r. für diüäi^^ unb 2anbcgrc*t, -iPb. I ©. 1 ff.,
unb in ber 3eilf*r. f. üergl. »t. Sß. 53b. I; d. ©erbcr, SabrB. für Sogmatif I ®. 239 ff.;
?)etcrfen in C)aufcc'ö 3eitf*r. für 9?eid&ö' unb Sanbeörec&t ÜI ®. 121 ff.
e^clit^c« ©ütcrred&t. ginl&eitli*e gtegeluno. (§§ 1283 ff.) 135
weid^ungcn t)or, unb iaf)lxt\ä)t Ucbcrgangöformen ftcE)cn auf bcn (Srcnjen ber
perfd^icbcnen Spftcmc. 2)ic 9Jot^n)ettbigfcit einer 5Bercinfad^ung biefeö SRed^tö*
äuftanbeö wirb von 5ßiemanbem oerfonnt.
S;ic aäcrtl)cibiger beö 9RegtonQlft)ftemed finb bcr Slnfid^t, ba§ bem
Sebürfnific burd^ eine 3ufammenfaRung bcr üerfdE)iebenen ®üterrccf)te mä) ilircn
^uptgruppcn ®enüge gefd(|cf)c unb bafe bic geftftellung eineö eint)eitlid^en
gefcjfid&en ®üterrec(|teö wegen ber großen prinjipiellen SSerfci|iebent)eit bcr
befle^enben SRed^tc untl^unlid^ fei. ©enügt werbe babei bem Sebürfniffe auf
bie angegebene 9lrt, weil bie SSerliättniffc, roelc^e buxd) boß ct)elid^e (Süterrcd^t
georbnct würben, ilirer 9latur nac^ auf einen engeren Äreiä fid^ befd^ränftcn.
S)er ^ouptjroed bcö e^clid^cn Oüterred^tcö fei bie Drbnung bcr tjennögens-
red^tlic^en SBer^oItniffc unter btn ©Regatten. 2)ie Ictteren l^ätten aber immer
benfclben 3Bo^nfi| unb fei ein ÄonfCitt t)erfd)iebener SHeddte in biefer .^infid^t
mithin nid|t benfbar. 2)aö SäerliäUnife ber ©Regatten nad^ aufecn fomme nur
in jrocitcr Sinie in 35etrad^t unb berühre in ber großen 3Kel^riaI)I ber gälle
au(^ nur bic nähere Umgebung, gür fol^e SScr^ältniffc fei bie ^erftcUung
eineö ein^citlidden JHed^teö in ganj Dcutfcfifanb o^ne bcfonbercn 5lBertf), unb
^be ein Sebürfnife in biefer 9lid^tung fid^ im SSoIfe felbft bur(^auö nid^t geltcnb
gemacht. 2)a}u fomme, bag nad^ bem in ^eutfdb(anb geltcnben unb icbcnfaKd
fqtju^altenben ?ßrinjipe bcr 35ertragöfrcif)eit ben ©Regatten baä Siedet juftcfie,
boö e^etic^c ©ütcrred^t, nad& meinem fie leben wollten, oertragömöfeig feft-
juftellcn, bafe alfo bie ©in^eit aud& bei geftftettung eines unb beöfelben gefe^^
U(^ ©üterrec^teö für ganj 2)eutfd)[anb bod^ nid^t erreiddt werbe. Sie
notürUd^e ftonfequenj fü^re bo^in, wie in erftcr Sinie ben ©Regatten felbft, fo
in jroeiter Sinie bem Sofak ober Sanbeöred^tc bie geftftcBung ber guter«
rc<^tU4|cn 33erf|ältniife ju übcriaffen. Unt^unli^ fei aber bie geftfteUung cineö
einheitlichen ©üterrcc^teö für ganj S)eutfd^lanb, weil eine fotd^c nur bann
mögli<^ unb, ^ingcfe^en auf ben Seruf beö ®efe|gcbcrö, Siedet ju finbcn, nid^t,
Äec^t }u mad^cn, nur bann juläffig fei, wenn ein cinlieitüc^eö e^elid^eö ®üterred(|t,
loenigjtcnd bem ©runbgebanfen nad^, bereits cjiftire ober bod^ in bcn ücr^
f(|iebenen Sled^tsgebictcn eine ftetige SntwidEetung in fonoergirenber SRid^tung
ftattgefunben, minbeftenö allcntlialben ba& Scbürfnife einer SIcnberung beö
bejte^enben SRed^teö, unb jwar gleichmäßig nad& bcrfelben SRic^tung l^in, fid^
gejcigt ^abe. Äeinc biefer aSorauöfcgungen liege aber jur 3^it oor.
2)iefc ©inwenbungen gegen bie einl^eitlid^e ©eftaltung beö ef)elid^en
©ütcrred^teö fönnen jcbod^ alö ftit^^altig nid^t anerfannt werben. ®ie SSer«
t^ibiflcr beö SRegionatfijftemeö unterfc^äßen iunäd)ft bie Ucbelftänbe, weld&e
mit ber aScrfc^ieben^eit beö in 3)eutfd)lanb geltenben cljelic^en ©üterred^tcö in
ber JC^at ücrbunben finb. @ö ift ein Uebetftanb unb wirb alö fotd^cr
empfunben, bafj je nad^ bem S^^föUc beö erften SBofinfigeö ber ©licgattcn batb
biefeö balb jeneß el)clic^e ®üterre4|t mit allen feinen tiefgreifenben "^olqzn
für bic gefammten Sebenöücrl^ältniffc ber ©Regatten jur 2lnwenbung gelangt,
foroie bafe in golge bcr 5Berfd^iebent)eit beö geltenben SRc^tcö bie fd^wicrige
unb beftrittcne grage, ob unb weld^en ©influfe ber SBcd^fel beö SBofinfigeö
bcr ©^cgotten auf baö unter i^nen gcltenbe ®ütcrrcdf|t Ijat, fo häufig praftifd^
wirb. 9Bie man aud^ bic Icgtere grage entfd^eiben mag, große Unjuträglid^*
136 etelid&cß ®ütcrre(i&t. ßlnfteitlicSe SRcöcIunfi. (§§ 1283 ff.)
feiten unb SSerroidEcIungen finb babci nid^t ju oermeiben. SSor 3lttem ift cft
aber baö SSerl^ältnife bcr @t)cgattcn nad^ aufeen, bcffcn ocrfddiebcnc gcfefelid^c
^Regelung fditoerc S'iac^tfieile mit fid^ bringt. 3)ic fragen, wie n)cit boö SScr«
fügungöred^t beö ©^emonneö über bod SBermögen bcr ©^efrau gcfit unb ob
unb inn)ien)eit ba& Söemtögen beä einen ©Regatten für bic ©d^ulben bcä
anberen ^aftct, finb nid&t nur für bcn großen ^anbeteuerlel^r, fonbern aud&
für ben SJcrfefir beö täglid^en Scbenö oon ber größten praftifdften Sebeutung;
i^re üerfc^iebenc Seantroortung in bcn nerfd^iebenen Oütcrrcd^tcn l&at eine für
ben SScrfe^r empfinblid^e Unfid^er^eit jur golge unb gicbt indbefonbere in bcn
©renjbejirfen, ju roeldicn bei ber großen OJlenge ber ocrfd&icbencn ©üterrcd^te
ein großer SC^eil ©eutfd^Ianbö gefiört, nid^t feiten }u SSerfürjungen unb
SCäufd&ungen 9lntaß. 6d ift jwar ber ©ebanfc aufgeroorfen, biefem Ucbelftanbc
baburd^ ju entgel)en, baß man jn)ifd^cn bem aSerfjältniffe ber ©Regatten unter
einanber unb i^rcm SBerljäUniffc nad) außen unterfd^eibe , ieneö n)ie biö^cr
bem Sanbeörec^te überlaffe, biefcä aber für ganj 2)eutfd^Ianb cintjcitlidd regele.
3nbeffen ftefit bas SSerfiältniß ber ©Regatten nac^ außen mit il^rem 33er^ältniffe
unter einanber in einem fo innigen 3i*fömmcn^angc unb ift bie SRüdEroirfung
jeber für baö eine 33erl)ä(tniß gegebenen öeftimmung auf baö anbere fo
unoermeiblid^, baß aSßiberfprüd^c unb Unflar^eiten nur bei einer Siegelung
beiber oermieben merben fönncn.
9lud^ bcr axi^ ber • SScrtragöfreificit ber ©Regatten ju Ounften beö
9legionaIfi)ftemeö hergeleitete ©cfid^töpunft ift nid^t ate iutreffcnb ju erachten.
2)er bemfelbcn ju ©runbe licgcnbc ©ebanfc, roeld^er in fonfequenter S)urd&?
fül^rung bofiin fül^ren mürbe, audd i^^ö ganje Sntcftatcrbrcd^t, überhaupt alle
biöpofitioen 9?cd^töfäfec oon ber cin^eitlid^en Siegelung auöjuf daließen, bcrul^t
auf einer SSerfennung beö eigentlid^cn Orunbcö, aus roeld^em baö Sebürfniß
cincö einl^eitlid&cn SRcc^teö entfpringt, unb f)ängt mit bem prinjipiellen ©tanb«
puntte jufammen, meldten nad^ Obigem bie SBcrt^cibigcr beö Slcgionalfpftcme«
JU ber grage ber Äobififation beö bürgerlid^en SRcd^tcö überl^aupt einnehmen.
3ener prinäipieUc Stanbpuntt ift nur ba rid(|tig, mo eö fid^ um bie
ftetige unb regetmäßige gortcntmidfelung beö SRed^tcö oon einer gegebenen ein^
I)eitlid^en ©runblagc auö I)anbclt. ,^ier fann unb muß ber ©efc^geber fid^
barauf bcf^ränfcn, baö bereitö im SBoIfc Icbcnbc Siedet jufammcnjufaffen, fo^
mie bie auö bcr Slenbcrung ber SBcr^ältnifJe cntfpringcnbcn neuen 93ebürfniffc
ju erforfdicn unb bie bemfelbcn cntfprcd&enbcn 9lenbcrungen beö biö^erigen
SRed^tcö oorjuneljmcn. 2lnbcrö liegt aber bie Sad^e, wo eö fid^, mic jegt in
3)eutfd)lanb, barum l^anbclt, nad^ einer 3löl^tl)unbcrte langen politifd^en 3^^^'
fptitterung unb einer berfclben cntfpredöcnbcn ocrfd^icbcnartigcn ©ntroidEclung
beö 3?cd^tcö in bcn ocrfd^iebcncn SC^cilcn 3)eutfcf|lanbö ein ein^eitlid^eö SRed^t
erft roiebersugcroinncn. |)icr fann ber ©efeggebcr fidd auf iene enge aufgäbe
nic^t bcfc^räntcn; benn ein cinbcitUd^eö Siecht, rocld&eö er nur in bie ent*
fpred^cnbc gorm ju bringen liättc, ift nod^ nic^t oor^anben unb bei bem
unleugbar oorbanbencn ©treben unb Sebürfniffe nod^ einheitlicher (Seftaltung
beö SHcd^teö ift man nur barübcr, ba^ übcrljaupt ein ein^citli^cö SRcdfet ^er-
geftcllt werben foll, nid^t aber über bcn fonfrctcn 3nl)alt beöfelbcn einig, ^ier
muß bcr öefcggeber in ber Xi)ai in gcroiffcm Sinne neucö Siedet fc^affen unb
ejeli^eS ®ütcrrc*t. einJcitlicSe SÜCöelunG. (§§ 1283 ff.) 137
bcn 3}crfuc^ roagcn, aM ber äSicIgeftalttgfeit bed beftef)enben Sfled^ted biejcnigen
9te|tö)ätc auÄjuTOä^Icti, rocl^c unter S3crücffid^tigung aller 9Serf)ättniffc am
meiften jur (Seltung in ganj S)cutfd^lanb geeignet erfd^cinen. 555as if)m Ijierju
bod Siecht giebt^ ift bte aus bem politifd^-nationa(en ^ebürfniffe bed beutf^en
Solted entfpringenbe ^orberung bcd [enteren nad^ (Sin^eit bed bürgerUdien
Äft^ted. 3>ad nationale Scben bcbarf }u fetner ooHen ©ntfattung bcö ein^
^eitUc^ ^tä)M faum minbcr alö ber cinl^eittic^en Sprad^e. ©bcnfo fann
bü« iMec^t fetbft nur auf biefer (Srunbtage jur ooBftcn unb rei^ften ®nt«
vrictelung gelangen, älllerblngd ift aud^ t)on biefem Stanbpuufte aud bem felb-
jtanbigen 6ingreifen ber ©efeggebung infofern eine ©c^ranfe gejogen, ald fie
einheitliche JRed^tönormen nur feftftellen fann unb barf, foroeit begrünbete
Sudjicbt oorbanben ift, bag biefe(ben über furj ober lang mirflid^ in bad
SWbtöberouStfein einbringen werben. SBenn unb foroeit ba^cr bie realen
Ser^ttniffe in 3)eutfd^tanb fo oerfddieben fein follten, bafe fic^ eine für 9lBe
Wlcnbe gemeinfamc 9ted^tdnorm nid^t finben tiefee, müfete auf bie ^erftellung
eine« gemeinfamen SRec^ted Derjid^tet roerben.
35on bem in bem Sid^erigen entroidPelten prinsipiellen ©tanbpuntte aud
ift QU(^ bie prin^ipieUe §rage, ob bad ebeüd^e @üterred^t einheitlich für ganj
2eutf(Jtanb georbnet roerben fann, ju beurtl^eiten. 3t|re Verneinung roürbe
von jenem Stanbpunfte aud ftd^ nur bann red^tfertigen taffen, roenn bie
Serfc^iebcn^eit ber jur ^ext geltenbcn Srifteme bed e^eli^en ®üterred^ted auf
einer folgen SSerfc^iebcn^eit ber tfiatfäd^üd^en SBerfjältnifje berufjte, ba& eine
für oUe paffenbe gemeinfame Siegel nid^t gefunben roerben f önnte. ®a bie 6^e
felbft in ganj 3)eutfc^lanb biefelbc ift, fo fonnte ein ®runb für eine oer*
fcftiebenortige Siegelung bed efiefic^en ©üterrec^ted benfbarerroeife nur in einer
?krf(6iebenbeit ber geiftigen ©igentt)ümlid^feit ber bcutfd^en 3SoIfdftämme ober
in riner SJerfd^iebcnbeit ber roirt^fd^aftUd^en SBer^ältniffe gefunben roerben,'
€in fold^er @runb ift aber niclft üor^anben.
SBSad 5unäc^ft bad romifd^e 2)ota[red^t anlangt, beffen @e(tungdgebiet
nur ein ocr^ältnifemäfeig Heined ift, fo fann ed feinem Sw'cifcf unterliegen,
boB beffen ^errfd^aft nid&t auf befonberen (Sigcntf)ümlid^feitcn berjenigen
©Äiete, in welchen cd ^errfcfit, beruht. 6d ift in benfelben mit ber all*
gemeinen Slejcption bed röm. Sled^ted jur ^errfc^aft gelangt, üerbanft tcbiglic^
biefer feine (Geltung unb fann ba^er feinen Slnfpruc^ auf befonbere Serücf*
fii^tigung wegen lofaler ©igent^ümlid^feiten feined ^errf^aftdbejirfed mad^en.
3iocifel^ofter fann bie grage bei ben el^eli^en ®üterrcdE|ten bcutfd^*
tet^tlid^en Urfprungeö fein. SlUen liegen jroar geroiffe gemeinfamc Slnfd^auungen
}u ®ruiibe. ^c ge^cn baoon aud^ bag unmittelbar fraft ©cfegcd burd) bie
Eingebung ber 6^e eine bem ^rocdt berfelbcn entfpredfjcnbe 33eränberung ber
wrmögcndrcd^tUd^en aSer^ältniffe ber ©Regatten eintritt. 3lUen liegt ferner ber
Qebonfe ju ©runbe, bafe bad SSermögen ber ©b^frau roö^renb ber Q\)c mit
bem bed ©bcmonned in beffen ^anb für bie Qvotdc ber ©t)c ocreinigt roirb,
boft bem e^cmanne bie SScrroaltung bcdfelben juftebt unb bad äSerfügungdred^t
ber e^frau in Snfe^ung biefcd 93erm5gcnd befd[)ränft unb regclmögig an bie
Ginnrilligung bed (S^emanned gcbunben ift, ba^ cnbiid^ bie ebelid^en Saften
junö^fl aud bem ©rtrage bed bciberfcitigcn SBermogend unb ber beiberfeitigen
138 e6cri(6e§ ©ütcrred&t. ©nßeitlid&e SRcöelung. (§§ 1283 ff.)
2Irbeit ju beftreiten finb. 33on bicfcn gcmcinfamcn ©runbtagen aus f)ai aber
eine ©ntiüictclung in cerfd^iebenen SHid^tungen ftattgef unben , inbent bie fßtt^
einigung beö beiberfcitigcn 5Bcrmögenö balb me^r balb weniger intenfto, baö
aSerroaltungdrcdöt beö ß^emanneö balb me^r balb rocniger umfangreidd fid^
geftaltet \)at unb eine 9iad^n)irtung ber 6^e nadd bem 2:obe balb in größerem
balb in geringerem Umfange anerfannt ift. SDarauö finb bie üerfd^icbenen
©r)fteme ber allgemeinen unb partifulären ©ütergemeinfd^aft, foroie ber fog.
SSerroattungögemeinfd^aft ((Süterein^cit, Oüteroerbinbung) mit i^ren rer*
fd^iebencn Unterarten fierüorgegangen. 2)iefe SSerfd^icben^eit ber ©ntroitfelung
berul^t icbod^, wie bie ®efci^id)te beö e^elid^cn ©üterred^teö nnb eine aScr*
gleid^ung ber jegigen tdatfäd^lid^en 35er^ältnijfe in ben (Settungögebieten ber
t)erfd^icbenen Siedete jeigt, nid^t auf eigent^ümlid^en 33ert)ältniffen in ben Der*
ft^iebencn ^^cilen 2)eutfdblanbö, inöbefonbere nid^t auf ber ©igenartigfeit bor
beutfd^en SSolföftämme ober ber SSerf(^ieben^eit ber roirtfifd^afttid^cn SSerööltniffe.
2)ie allgemeine ©ütergemeinfd^aft fommt bei ben ocrfddiebenftcn Stämmen
unb unter ben üerfd^iebenften roirtl^fdEiaftlidöen 93cr^öltniffen oor. 9Hd^t bie*
felbe ©tammeöeigcnt^ümliddfeit fann es fein, meldte in Oft* unb SBeftpreufeen,
wie in 5JBürjburg unb SBa^reut^, in ^ofen, toie in SBeftfalen, in Singen unb
äßeppen, wie in gulba unb Sambcrg, in S3rcmen unb Hamburg, n)ie in
9Iürnbcrg, bie allgemeine ©ütergemeinfd^aft crl^ält. 6ie ift rocber auf ben
©üben nod) auf ben 91orben, roeber auf ben Dften no^ auf ben SGßeftcn von
2)eutf(^tanb befd^ränft, aber ebenfomenig t)errfd^t fic ^ier ober bort ausfd^licfelid^.
©ic fommt ferner unkt ben ocrfd[)icbenften mirti^fd^aftli^en SBer^dltnijfen oor
unb unter ganj benfclben roirt^fd^aftlic^en 58crt)ältniffen finbet fid) neben ber
allgemeinen ©ütergemeinfd^aft bie ©rrungenfd^af tö? unb bie SBcrroaltungßgemein^
fd^aft. ©ic ift mebcr auf bie ©tobte nod^ auf baö Sanb bcfd^ränft unb ebenfo^
menig in jenen ober auf biefem auäfd)lie6lid& ^errfd^cnb. 3)cn großen ^anbclß^
ftöbtcn Hamburg unb 33remen mit allgemeiner ©ütergemeinfc^aft ftel^en Serlin
unb Scipjig mit aSerroaltungögemeinfdEiaft unb granffurt a. 3)1. mit ©rrungen*
fd^aftögemeinfd&aft gegenüber. 3n ät)nlidbcr SBeife läßt fic^ für alle benfbar
in Setrad^t fommenben roirt^fdiaftlidien SBcr^ältniffe nadEiroeifen, bofe in if)neti
n\ä)i ber Orunb für bie ^errfd^aft ober äluöfd^tiefeung ber ©ütergemeinf^aft
berul^t.
3u)eifctl|after fann eö auf ben erften SBlicf erfd^einen, ob nicfit bie
aKobiliargemeinfd^oft mit befonberen tJ^atfäd^lid^en SSer^ältniffen ilired ©eltungß*
gebietcd jufammcn^ängt. ©ie l^crrfc^t am ganjen tinfen JR^einufer unb in
33aben, aufecrbem nur »creinjett, j. 33. in ©d^leöroig auf ®runb beö jütifc^en
Soro. Snbeffcn aud^ in i^rem großen gcfd^loffenen ©eltungögebiete am M^ein
ift fie niddt burd^ eine auf ben befonberen SBer^ältniffen jener ©egcnb beru^enbe
©ntmidfelung jur §errfdf)aft gelangt; oietmel^r uerbanft fie ifire bortigc ©eltung
ber ®infül)rung beö code civil. 2)ie jefet bort allgemein ^errf^enbe SKobiliar^^
gemeinfd)aft beö franj. SRed^tcö ^at jroar, mie überhaupt baö franj. Stecht, fcfte
aSßurjel gefaxt. Db fic freilidf) üollftänbig ben S3ebürfttiffen unb Slnfc^auungen
ber SBcoölfcnmg entfpridfit, fann nad) ben omttid)cn äWitt^eilungen über bie
3a^l unb 9lid)tung ber ei^eoertröge mit ©runb bejroeifelt werben. SBenn
man aber fiieroon aud) abfieljt unb onnimmt, ha^ bie äßobiliargemeinfd&aft
eWtd&c8 ©üterrc^t. (gin6eitli*e {ReßelunG. (§§ 1283 ff.) 139
»
im ®anim für jtüerfmä^ig gcl^attcn tüirb unb burd^ (Scioo^nl^eit fid^ ein*
gebürgert l^ai, fo ftnb e« boä) nur biefe 3Komente, nid^t befonbcre tf|atfäcf)Iiciöc
Ser^ültnijfe, auf roeld^cn bie SlnJ^önglid^feit ber 93eoötferung berul^t. S^ne
ÜJlomente allein fonnen aber f)xtx fo wenig, wie in Setreff anbcrer 2;^eile bcd
franj. 9led&teö bic SReid^sgefe^gcbung üeranlaffcn, auf j[ebe 9lenberung ju t)er*
jidjten. SBaö bcl^ufä ^erfteUung ber SRed^töeinl^eit in granfrcicf) in ienen
(Segenben eingeführt worben ift, mufe, wenn eö fid^ nid^t eignet, in ganj
2)eutf(^lanb eingeführt ju werben, be^ufä J^^^ft^Dung ber 9ledE)töeinf)eit in
S)eutfc^Ianb audd roicber aufgehoben werben fönnen, unb man barf vertrauen,
bo6 ber ©influfe eines allgemeinen beutfd&en SRed^teö auf ©itte unb ®cn)oI)n*
^it nit^t fd^roäc^cr fein wirb, ate ber bcö franj. SRed^teö eö geroefen ift.
2)cr ^auptftfe ber reinen ©rrungenfdfiaf tögemeinfc^aft ift ©übbcutfd^fanb ;
jeboi^ fommt biefelbc aud^ in anberen S^l^eilen S)eutfd^Ianbß t)or, unb neben
i^r befte|t anbercrfeitö aud^ in ©übbcutfd^tanb in großen ©ebieten bic all*
gemeine ©ütcrgemeinfd^aft, in mehreren Heineren ©cbietcn aud^ getrenntes
e^Iit^eö Oüterred^t. S)ic ©rrungenfddaftögemeinfd^aft bed iegigen SRed^teö ift
übrigens feineswegs fel^r alten S)atumS. ©ie ift nid^t unmittelbar aus ber
(Srrungcnfdbaftsgemeinfc^aft bcS älteren SWeddtes ^enjorgegangen, fonbem berul^t
auf einer rücfläufigen ©ntwidPelung. 3n nic^t wenigen ©ebieten, in weld)en
jc|t ©rrungenfd^aftsgemeinfd^aft f^errfd^t, ^at früfier aWobiliargemeinfd^aft unb
3Jcrfangenfd^aftSred^t ober felbft allgemeine ©ütergemeinfd^aft gegolten; aber
bie mit biefen intenfioeren gormen ber Ocmeinfd^aft »erbunbenen $Rad&tf)ei(e
madjten itd^ mit ber S^it fo fül^lbor, bafe man fie wieber aufgab unb ju ber
loferen gorm ber 4Srrungenfd^aftSgemcinfd^aft jurütffefirte. 9lud^ fiier ift ein
entfdjeibenber 6influg befonberer ©tammeSeigentf|ümlid&!eit ober beftimmter
roirt^^aftlic^er SSerl^ältnijfe nic^t nad^weisbar.
©asfclbc gilt von ben jwifd^en ber SRobiliargcmeinfd^af t unb ber ©rrungem
fcJaftSgemeinfd^aft in ber aWitte liegcnben ©^ftemen, fowic von ben uerfd^iebenen
gormen beS getrennten ©üterred^teS.
2)ie gaftoren, wetd^c für btn ie|figen S^P^nb bes eficlid^en ©üterred^tcs
in S)eutf(^Ianb beftimmenb gewefen Tmb unb einer einl^eitlid&en Siegelung bes^*
felben entgegenfte^en, beftclien wefcntlidti in einer 93erfc^ieben^eit ber Slnfid^ten
über ben inneren 9Bert^ unb bie praftifd^en SBorjüge ber oerfd^iebenen ©i)fteme
unb in ber SWad^t ber ®ewoI)nl^eit. S)ie 93ebeutung biefer SKomcnte barf jwar
genri§ nid^t gering angcfd)[agcn werben, 2)aS e^eli^e ®üterred^t gehört ju
benjenigen 2^^eilen bes Slecfitcs, weld^e wegen ber Statur ber von xf)m be*
^errfc^ten JBer^ättntffe am tiefften in bas 3Jewufetfein bcS SSoIfeS einbringen
unb bei welchen ©ewo^n^eit unb ererbte Ueberlieferung eine 2lnl)äng{idö!eit
erjeugen, meiere oft felbft burdd bie ©rfenntnife ber UnjwcdEmäöigfeit nid^t
jerftört werben fann. 2»og audd bas l^ierauf jU legenbe ©ewid^t fiäufig über*
trieben unb eS immerl^in rid^tig fein, bafe bic aKef|rjaI)l ber 6f|egatten nidE)t
loei^, nac^ weld^em cl^cticdcn ©üterred^te fie [eben, fo würbe bod^ mit Siedet
brr Sorwurf beS Seid^tfinnes ben Oefcggebcr treffen, weld^er ofinc jwingenbe
©rünbc bas in einem ©ebiete burd^ Oewolinl^cit eingebürgerte cl)elid^e ®üter*
red&t burd^ ein anbercS, wenngleich prinjipicU riddtigcreö, erfegen wollte. SIbcr
ber ^o^eren gorberung ber nationalen 9ic^lSeinl)eit gegenüber fann bic 9ln*
140 (SfidiiltQ ®ütcrre*t. (gm^ritlid&c fRz^cirnQ. (§§ 1283 ff.)
I^ängli^fcit nn baö ^crgcbrad^te feine entfd^cibcnbc Sebeutung für fid^ in
Stnfprud^ nelimen, unb roenn aus fold^em ©runbe eine 5lcnbcrung erfolgt,
roirb ba^ nationale 93en)u6tfein unb baö (Seroic^t, rociddeä einem cinlcitlic^cn
nationalen SRed^te innennji^nt, baö älufgeben beö §ergebra(i^ten unb bie ®e^
roöfinung an baö 5Reue aufeerorbentlid^ crieid^tern. 2)ie großen ©eifpietc
granfreid&ö unb Defterreid^ö jeigen, ba§ man fid^ bort nid^t gefcl>eut ^at, ju
©unftcn ber ^erftettung ber SRcd^töeinl^cit aud^ in baö el^elidde ©üterrcc^t ein*
jugreifcn unb bie bort früher äl^ntic^ roie nod^ jefet in ©cutfc^lanb beftel^enbc
bunte 3)tannigfaltigfeit ber oerfd^iebenften SRed^te burd^ ein cin^citlid^cö e^e-
lidfjeö ©üterred^t ju erfe^en. SRag fid^ aud& barüber ftreitcn la^cn, ob bei ber
9luön)aI)I beö neu eingeführten einl^eittid^en 9led&teö baö 3li(^tige getroffen ift,
fo roirb bod^ ber grofee ©eroinn, roeld^er burd^ bie gewonnene ©infieitlid^fcit
bcö SRed^teö an fid^, ganj abgefc^en t)on feinem S^i^atte, erreid^t ift, in iencn
Säubern ganj allgemein anerfannt. 9lud& in 2)eutfd&[anb ^at man fidb ba,
mo ^ö^ere SRüdEftd^ten, inöbcfonbere bie ^erftellung territorialer ober proüinjieller
SRec^töeinl^eit, cö erforbcrten, nid&t gefreut, baö l^errfd&enbe el^elid^e Oüterred^t
burd& bie Oefeggebung umjugeftalten. @ö ift bieö nid^t nur l^äufig für fleincre
Oebicte gefd^efien, um baö SRcc^t berfelben mit bem cineö benad^borten Oebicteö
in ©inflang ju fefeen, fonbern aud) in größeren (Sebieten f|at bie ©efefegebung
nic^t feiten einfc^neibenb eingegriffen. 9luö älterer Qdi mag nur an bie
bax)x. ©efe^gebung unb inöbefonbere an bie erft nad^ mannigfad^em SBiber?
ftanbe burc^gcfcgte ©infül^ning beö mürttcmb. 2. 91., fomie an bt^cn fpötcre
Sluöbc^nung auf bie neu erworbenen roürttemb. Sanbeöt^cile ccinnai merben.
3n ^ßrcufeen mürbe menigftcnö bie ^erftellung proüinsieller SRec^töein^eit in
^Betreff beö e^elid^en ©üterred^teö allentljalben crftrebt unb jum größten 2:(jeilc
erreid)t. 3>n Oft* unb SEßeftpreufeen foroie in 5ßofen mürbe bie allgemeine
©ütergemeinfd^aft beö preufe. 91. S. 31. eingefül^rt. 3« SBcftfalen mürbe an
Stelle einer großen 3cif|l ^on fiofalred^ten burdd ©efeg oom 16. SÄprit 1860
ein ein^eitlic^cö ©ütcrgcmeinfcf)aftöred^t gefefet. §icr beruht baö neue 9icd&t
allerbingö auf ä^nlid^cn ©runblagcn, wie bie oufgeljobenen älteren JRed&te,
unb würbe baöfelbe in bcnjenigen 2^f)cilen ber 5ßrooinj, in meldten rom.
>Dotalrec^t galt, nidOt eingefüljrt; bagegen würben in ©d)lcfien burd^ baö
©cfe| ü. 11. 3uti 1845 mel^r alö fedfjöjig auf bcn oerfd^iebenften unb ent*
gegengefegteften ©runblagen beru()cnbe e^clid&e ©üterred^te befeitigt unb burd^
bie aSerwaltungögemcinfd^aft beö 91. S. 91. crfegt. 9luö neuefter ^t\t ift ferner
an baö 93cifpiel Sübccfö unb Dlbenburgö ju erinnern. 3n fiübedf würbe an
Stelle bcö alten lübifd^en 9led&teö burd^ ©efefc ü. 10. gebruar 1862 ein
©i)ftem ber reinen aSerwaltungögemcinfd^aft eingefüt)rt, unb in Dlbeuburg,
xod faft alle ©t)fteme beö cljeli^en ©üterre^teö in ben ücrfd&iebenen SofaU
redeten uertreten waren, würben bie lefcteren fämmtlid^ burc^ baö ®cfe$
V, 24. 9lpril 1873, welc^eö 1879 feinem wefentlid^en ^nljtilte nadf) aud& auf baö
§ürftentl|um Sübccf auögebe^nt würbe, aufgeljoben unb burd^ ein einljeitlid&eö,
auf bem Si)fteme ber SSerwaltungögemcinfdiaft beruljenbeö 9led^t erfe^t. 9lud&
ber l;eff. ©ntw., fowie ber im SDknuffripte Dorliegenbc bax)v. @ntw. eincö bürgcr«
lieben ©efefbud^eö beabficbtigten, an ©teile ber oielcn oerfd)iebcnen, in ben
betreffenben Sänbern geltcnben cl)clid)cn ©üterred^te ein einljeitlic^eö cbclid&cö
eWi*eß ©ütcrrcdjt. ScrtraggindBiöc ©utcrftänbe. (§§ 1283 ff.) 141
©ülerrfd^t ju fe^cn. SGBaö tiicmad^ bcl^ufö ^erftcUung territorialer ober
prooinjieller 9le(i^tÄcinl|eit mit gutent ©runbe für juläffig unb notfiiüenbig
erachtet loorben ift, wirb fidler mit nici|t weniger SHcd^t anä) bc^ufö ^erftellung .
btr nationalen 9Ied^tdeinl^eit gefd^e^en tonnen.
2Iud^ bic 58ert^cibiger bcö 9legionalfi)ftemd muffen fi(^ übrigens, um
einen einigermaßen brauchbaren 9iec^t§5uftanb f)er5ufteUen, baju oerftel^en, in
einer grofeen ^a1)l von ©ejirten ein dou bem ie|t bort gcltenbcn etielidben
©ülerrec^tc burd^auö abrocid^enbeö el^elid^eö ©ütcrred^t ciujufü^ren. ©ic »er?
fcnncn nic^t, bafe ber jegige 3iifto^^^ ^^ el^etid^en ©ütcrred^tcö in einem
grofeen 2:^cile 2)eutfc^lanbö an tiefen Sc^&ben leibet unb fein gortbefte^en,
no(J|bem im Uebrigen baö ^ßrojcfered^t mic baö bürgerli(i^e 31ed)t cinfieitlid^ gc-
orbnet ift, unerträglich fein mürbe. Slud^ fie moücn bal)er bie 93ilbung größerer
JJed^tögebiete, in meldten ein unb basfelbe ef|elici)e ®ükxxtä)t gelten foU.
S)ie« ift aber, mag man bie SRed^tögcbiete in ber einen ober anbcren 3lrt ein*
t^Uen, niemals ju erreichen, ol^ne in oieten Oebieten baö biöl)erige Oüterrec^t
üufjutiebcn unb burd) ein auf entgegengefc|ten ©runblagen berutienbes ju er*
feten. ©rächtet man aber ein Eingreifen ber ®efe|gebung in baö befteljenbe
c^lic^c ©üterrc^t für juläffig, um eine aus 3tt>c*^äfei9'^it^9^ö"i>^« fi^J |
empfe^lenbe 9Crronbirung ber SRed^tögebiete ju erjielen, fo muß ein folc^eö i
eingreifen ber ®efe|gebung um fo mefjr als julöffig erad^tet werben, wenn eß '
fi^ barum ^anbelt, ben großen, burd^ ein nationales Sebürfniß geforberten,
für bie ganjc ©ntroicfetung unferes nationalen Sebens cntfc^eibcnben 3^^^/
bie ^erftellung ber nationalen iRec^tSeinl^cit, ju errcid^cn.
SBenngleidb aus ben oorftc^enb bargelegten ©rünben in ber SSerfd^ieben^^ mMu «t'e*
^it bcs gegcnroärtig in S)eutfd&tanb geltenben el)elic^en (Süterred^tes fein ent* Tm^ m e^e.
fd^ibenbcs ^inberniß gegen bic ^erftcUung eines einl)citlid^en c^elid^en Oüter-^ "**"^J^*"'
re^tcs für ganj S)cutfd^lanb gefunben mcrbcn fann, fo wirb bod^ anbererfeits
jebe mit biefem S^tdc vereinbare Jiütffic^t auf bic faft allenttialben me^r ober
weniger berrfc^cnbc 3ln^änglid&fcit an baS beftetjcnbc 9ied}t genommen roerben
muffen. Gs ift bes^alb nit^t nur ber in faft allen beutfd^en 9tcdE)ten geltcnbe
©runbfaj f eft jutialten , baß bie ©Regatten ben gefeglidden ©ütcrftanb burd)
Sertrag ousfc^ließen ober änbern unb nadb SWaßgabc ber allgemeinen ©runb«
fo^e bes ©cfetjbuc^es einen anberen ©üterftanb vereinbaren fönncn, fonbem
es muß i^nen aucb bie SWbglid^feit, burd^ SSertrag einen, bem bisl^erigen JRed^tc
entfprec^enben ©üterftanb l^eriuftellen, baburdd erleichtert merbcn, baß bas
(Sefefibuc^ neben bem gefeglid^en e^elid^en ©ütcrrc^tc bie fonftigen liauptföd^lid^
ie|t in £eutfcl>lanb gcltenbcn gefellid^en ©üterftänbe als vertragsmäßige (Süter*
ftänbe regelt. @cgen eine fold^e Siegelung Ijat fid& 5mar bei ben aScr^anblungen
bcs beutfdb^n 3"riftentages ein lebtjaftcr SBiberfprud^ erl^oben. ®s ift bagcgen
insbefonbcrc gcltenb gemadit, baß, mcnn bas gefe^li^e (Süterrec^t in ätoecf*
mäßiger S38eifc gcorbnet merbe, fein Sebürfniß oorfianbcn fei, ben 3lbfc^luß
wn ß^epcrträgcn burd^ S3eftimmungen ber fraglichen 9Irt ju crleid^tcrn, unb
büß baburcf) bic J^erftcüung eines bem gefegtidöen ©ütcrredötc t^atfäd^tid^ cnt*
fprec^cnbcn cinfjeitlic^en Mec^tSiuftanbcS etfc^mert unb viellcid^t bauernb gc*
fö^rbet werbe, ®icfc Sluffaffung ^at jeboc^ in ber bctreffenben Slbtljeilung beS
3«riftentages bic üKcl)rt)eit nidit erlangt; es ift vielmcljr von berfelben ber
142 er)clid&e§ Oütcrrcd^t. aScrtraggmäBtge ©üterftanbe. (§§ 1283 ff.)
93cfd^Iu6 gefaxt: eö fei not^roenbig, in einem gcmeinfamen beutfd^en ©cfefe*
bud^c neben bem ©i)ftcme beä gefe|Iid)en @üterrcci|teö bie übrigen ^Qupt*
formen beö beutfd^en c^elid^en ©üterred^teö jur ©rgönjung genereller 6^es
ücrträge bispofitiD ju normiren (SBer^anbl. bcä 13. 3uriftentageö IT, 2 ©. 137).
9luf bemfelben 93oben fielet aud) ber ©ntrourf. ®ö ift jmar nic^t ju bejroeifcin,
ba^, menn bos Oefeß feine 93eftimmungen ber fraglid^en 3lrt giebt, ber 3lb^
frf)Iu6 t)on ß^eDertrftgen jum Qmtdt ber ^erftellung eineö il^ren bisherigen
9ted^tägen)o]^n^eiten entfpred^enben 3"ftönbeß ben 93et£)eiligten anfeerorbenttid^
crfd^roert wirb, SKand^c SSerfiältniJfe beö biöl)erigen SWed^teö lafjen ficf) in ©r*
tnangelung auöbrüdttidber gefeg(id)cr SBeftimmungen burd^ SBertrag überhaupt
nid^t l^erfteUen, j. 93. baö SBer^ößnife beö (Sefammtguteö bei ber Oütcr:?
gcmeinfd^oft unb baä bei fortgefe^ter Oütergemeinfd^aft eintretenbe SOcr^ältnife.
Unter allen Umftänbcn TOÜrbe eä aufeerorbentlid^ fc^roierig fein, ©^eoerträge
^u formuliren, burd^ roeld^e ein ben biöl)erigen SSerl^ättniffen aud^ nur in ben
^auptjügen unb im TOirt^fd^aftlid^en SHcfuItate entfpred^enber ^uftanb ^ergefteüt
mürbe. 3^cife( unb Unflarl^eiten aller 9Irt mürben bie unauöbleiblid^e golgc
fein. ®ie f)icrauö fid^ ergebenben 9iad^tl^eile ftnb fo bebeutenb, bafe ma^r*
fdfieinlidö üicle S3et^ei(igte fi(^ baburd^ t)on bem 3lbfd^Iuffe von (g^eoerträgen
öbfiatten laffen mürben. ®urd& fold^c 3ßitte[ aber auf bie SBerminberung ber
(g^eDertröge unb bie tl)atfäd^lid^e Unterroerfung unter baQ gefe^lic^e ©üterrec^t
einsuroirfen, fanu nid;t als gered^tfertigt erad^tet merbcn. 2)as 5ßrinjip ber
tBertragäfreil^eit ift für bas efielic^c ®üterredf|t in 2)cutfd^Ianb oon jc^er a\U
gemein anerfannt roorben. ®aö beutfdf)c SRed^töbemu^tfein »erlangt, ba% bie
^degatten innerfialb ber burd^ baö fittlid^e SBcfen ber @]^e gejogenen ©d^ran!en
ibre äufeeren SBerbättniffe frei nad^ il^rem ©rmeffen orbncn fonnen. 3)aö Sc«
bürfni^ einer fold&en grei^eit mirb burd^ bie @infüt)rung eines ein^eitlid&cn
gefcllid^en ©üterred^teö ni^t uerminbert, fonbern oergrö§ert, Dbne bie aSers^
tragöfreil^eit mürbe baö einl^eitlid^e gefe|lidE)c (Süterrec^t in oielen ^f)tiltn
®eutf(^Ianbö a(ö eine fd^mere 93cbrücfung empfunben mcrben. 3ene grci^cit
barf ba fier aud^ nidfjt inbireft baburd^ oerfümmert merbcn, bafe bie 9lufnof)me
fold^er gcfeft(idf|er Seftimmungen unterbleibt, burd^ meiere allein ben 93etl^eiUgten
bie a)l5gli(^feit gemalert mirb, in praftifd^ jmedfmöfeiger SBeife einen il^ren biö*
tierigen (Semobn^eiten unb Scbürfniffen entfpred^enben 3iiftöni> b^iufteUen,
35ou felbft t)erftei|t fid) übrigens, bafe bei ber Drbnung beö tjertragsmöfeigcn
cljeüd^cn ©üterred^ted nidf)t alle juriftifd^en ©igenttjümlid^fciten beö biöl^erigcn
IRed^teö ju berüdfftd^tigen finb, ba§ üielmebr bie juriftifd^e fionftruftion beö
ganjen c^elidben ©üterred^teö eine einfieittid^c fein unb baö ücrtragömäfeige
©ütcrred^t fid^ in biefer Scjicl^ung burc^auö an baö gefegUd^e ®üterred(|t an«
fd^liefeen mufe. 5Die biö^erige SKannigfaltigteit ber juriftifd^en gorm aufrecht
ju erl^alten, mirb burd^ ein praftifdfjeö Sebürfnife ni(^t geboten unb burd^ baö
SBefen cineö einl^eitlid^en (Scfe^buc^eö auögefcbloffen. Sßur barauf fommt cä
mi, ben 93etbei{igten bie Sßöglid^teit jU ertcid^tern, einen in feinem mirt^f^aft-
Ud^en SRefuItate bem biö^erigen Siedete entfpredfienben S^ft^nb I)erjufteUen.
©ntfprcd)cn bie über bie einjelnen ß^eoerträge aufjunefimenben S3eftimmungen
bicfem S^edt, fo ift bem Sebürfniffe Oenügc gefd^e^en. S)ie öctbeiligtcn
tonnen bann burdf) einfädle 93e5ugnal^me auf bie gefe^lic^en 33eftimmungen baö
®6eli*e§ ®ütcrrcd&t. (Softem bc§ Qt]d^l ® utcrred6te§. ginl. (§§ 1283 ff.) 143
Don i^ncn geroünfc^tc ®üterred&t inx ©eltung bringen, 2)aburc^ roirb jebcr
3roong auögcfc^loffen, unb bleibt eö ber natürlichen ©ntroicfelung überladen, bie
@eroo^nf)eit an baä bisherige JRed^t allmälig ju überroinben unb baä neue
flefc^ü^c (Süterre^t aud& tl^atfäd^Iid^ jur allgemeinen ©eltung ju bringen.
2. Sei ©ntfd^eibung bcr weiteren grage, raeld^eö Sijftem bcö e^elid^en e^embe«
®ütcrred|tcö fid^ am beften jur ®infü^rung in ganj 2)eutfc^Ianb eignet, finb @üt«re^tlk
folgenbc ©rioägungen ma^gebenb geroefen:
. anlangenb junod&ft baö röm. 3)otalred^t, fo liegt bcmfelben ber ©cbanfe »«s ^otau
lu ©runbc, ba% bie 6^c an unb für [xä) einen ©inftufe auf bie rermögcnös "***
re^tliii^en 93cr^ältnif[e ber ©l^egatten nid^t auöübt. 3tur wenn bem ©fiemannc
burd^ ein bef onbereg jted{it§fle{dbäft, bie Seftellung ber dos, ein 33eitrag ju ben
e^ti^en Saften gegeben wirb , fommen auf baö baburc^ begrünbete 9{cd)tös .
i>er^ltni§ bcfonberc SHed^täfäße jur Slnroenbung. 3m 9Befentlid|en auf bcm*
fetten »oben berufen bie Scftimmungen beö ofterr. ®. S. (§§ 1218—1266),
fonjie bed itaL ®. 33. (2lrt. 134, 135, 1378—1446). pr biefen ©tanbpunft
läßt fi(^ unter DoUer Slnerfennung ber ftttlid^en ^cbeutung ber ®l)c geltenb
matten, bafe cd nid^t bie 9lufgabe beö 9led&teö fei, bie fittlic^en gorberungen,
loelt^c )\ä) bei ber baö ganje Sebcn umfaffenben Sebeutung ber (S^e auö ber-
fetten allerbingö aud^ für bie ©eftaltung ber oermögenöredEitlid^en aSer^ältniffe
ergeben, in 9led^töfä|e umiuwanbeln, ba§ burd^ einen fold^en 93erfuc^ nielme^r
gerabc bem flttlid&en Äarafter ber ®^e ©intrag gefd&el^e. 3ludE| ift nid&t ju
tjcrfennen, bafe bie red^tlic^e Stellung ber ®f)cfrau bei feinem ©pfteme beö
c^etit^en ©ütcrrcd^teö eine fo felbftänbigc unb gefid&crte ift, alö bei bemjenigen,
loelt^eö im Slnfd^luffe an ben ©runbgebanfen beö röm. SRed^teß ber (SI)e eine
unmittelbare ©inroirlung auf baö SBermögen ber ©ftefrau t)erfagt. ^n einer
»on bem allgemeinen beutfc^en grauenpcrcine unb einer großen Slnjafil von
3weigoereincn beö lefeteren an ben beutfdl)en SReidfiötag gerid^teten ^Petition
©irb um Umgeftaltung beö befte^enben el&elid^cn ©ütcrred^teö auf biefer ©runb-
tage gebeten unb biefe gorberung unter ^inroeiö auf bie auö bem ic|igen
3ta^tdjuftanbc für bie grauen entfpringcnben ©efal^ren unb auf ben ©runbfa|,
bafe ben grauen biefelben SRed&te roie ben 3)Wnneni gebül^rten, ;iu redfitfcrtigen
»erfud^t (uerfll. baö Organ beö 9lllg. beutf dEien grauenoereinö : „?Jeue Salinen"
%:. 8, 11 unb „föinige beutfdEie ©efefeeöparagrapt)cn über bie Stellung ber
grauen", l^crauögeg. Dom 9lllg. beutfc^en grauenüerein, fieipjig, 1876). SBic
mon ober über bie prinjipielle Sered^tigung biefeö ©tanbpunfteö aud^ benfen
mag, fo wirb man bod^ onerfennen muffen, bafe ber gefdEiid^tlid&en ©nlmictclung
beö beutfd^cn Sled^teö eine anbere 9luffaffung ju ©runbe liegt. 3laä) biefer
foH burc^ bie ©inge^ung ber ©l^e unmittelbar fraft ©efefeeö eine bem 3^^^*^
ber g^e cntfpred^enbc ©eftaltung ber oermogenöred^tlid^en SSerl^ältniffe ber
6§egotten eintreten. S)iefc allen eljelid^en ©üterrec^ten beutfd^red(|tlid&cn
Urfprungcö ju ©runbc liegenbe SKuffaffung \)at bei ber SRejcption bcö röm.
Sec^teö eine fold^c SBiberftanböfraft beroö^rt, ba§ baö röm. Sotalred^t nur in
einem t)erl)ältni6mä6ig fleinen 2:{)eitc ©cutfd^lanbö jur t^atfnd^lid^cn ©eltung
M gelangen fönnen. S)aö beutfd^c SRedbtöbemufetfein tritt in biefem ©angc
ber gef(^id&tli^en ©ntmidfelung fo flar Ijeroor, bafe ber ©efe^gcbung bcr non
i^r cinjufd^lagenbe SSeg baburd) bcftimmt üorgcroiefcn ift unb für baö fubjcftioe
144 (S5eli(6e« Öütcrrec^t. ©pffcm bc« flcfe^I. ©üterrcdfetc«. Sint. (§§ 1283 ff.)
©nneffen über bcn SBorjug bcr einen ober anbeten 3luffaffung fein ©pielraum
mei^r bleibL %\xä) in benjenigen 3::^eilen S)cutfc^lanbd, in xodä^ baö rdm.
^otalrcd^t gilt^ ^at bad legiere übrigend mannigfache SKobififationen erfal^ren^
welche baöfelbe bem beutfd^cn SRed^te nä^er gebracht ^aben. 83on großer
praftifc^er 93ebeutung ift babei befonberö bie jiemlid^ allgemeine ©ittc, bafe bie
@()efrau t^atfäc^lic^ i^r ganjed SSermögen bem @^emanne jur SSermaltung
unb Siußung für bie 3wecfe ber ®^c überlädt gaftt man eine in fol(fter 9lrt
erfolgenbe Ueberlaffung bed grauenüermogenö als ftiUfd&roeigenbe ©efteUung
einer dos auf, fo ift im praftifd^en Slcfultate ber Unterfc^ieb pon ber beutfi*
rcd^tUd&en aScrroaltungögemeinfc^aft nur ein geringer. @ine Sßereinigung beft
röm. ©otalrcd^teö mit bem beutfd&en ©^fteme ber SBerroaltimgögemeinfc^oft
roirb ba^cr o^ne cr^eblid^e ©d^mierigfeiten ju erreid^en fein.
a)ic beutw* SCßeit größer finb bie (Segenfägc unter bzn Derfc^iebencn SRed^ten beutfd^^
eX^r ^^^Üiä)en Urfprungeö. 6d liegen i^nen jmor, mie oben bereits ^eroorge^oben
würbe, gcroiffc gemeinfame 9lnfd^auungen ju ©runbe, aber bie Sluöfü^rung
berfetben ift in ben ^auptgruppen ber allgemeinen ©ütergemeinfd&aft, bcr
SDlobiliar^j unb ©rrungenfd&aftögemeinfd^aft, ber reinen 6rrungenfd&aft««
gcmeinfd;aft unb ber aSermaltungögemeinfc^aft eine fo Derfd^iebene geroefen,
bafe eine oollftänbige SJereinigung berfelben nic^t möglich ift, man fic^ vkU
mc^r für baö eine ober anbere ©pftem entfd^eiben mufe. S^beö berfelben l^ot
feine eigent^ümlidEien Sßorjüge unb feine befonberen 9iad&tl^eile unb bie ge*
fd^ic^tlidie ©ntmicfelung giebt auf bie grage, meld^ed biefer üerfd&icbenen
©pfteme bcn 2lnfc^auungen beö beulfd)en SBolfed im ©anjen am meiften ent^
fpric^t, feine fo beftimmtc Stntroort, wie eine fold^e auß jener ©ntroicfelung
in betreff beö röm. S)otalred^teö entnommen merben fann. 3nöbcfonbere
fann barauf, bafe gegenüber bem urfprünglid^ in S)eutfd^lanb geltenben, nad^
ber t)errfd)cnbcn SKeinung auf bem ©^fteme ber ©ütertrennung berubenben
c^elic^en ©üterred^te im SKittelaltcr bie partifulärc unb allgemeine ©üter»^
gemcinfc^aft in großen ©ebietcn Dcutfd&lanbd fid& eutmicfett l)at, entfd^eibcnbeft
©eroic^t ju ©unften ber ©ütergemeinfc^aft nid&t gelegt werben; benn biefe
©ntroicfelung l^at feit bem SRittelatter nid&t nur feine rociteren gortfd^ritte
gemod^t, fonbcm es ^at feitbcm, inöbefonbere feit ber SRejeption beö rom»
SRed&teö, eljer eine ©ntmicfelung im entgegengefegten ©inne ftattgefunben. 3n
Dielen SClieilen Siorb- unb 9Hittelbcutfd^tanbö, in meldten im ÜKittelalter ©ütcr*^
gemeinfdEiaft in ber einen ober anbercn gorm gegolten, f)at bie legtcre feitbem
ber 53enDaltungdgemeinf(^aft meieren muffen, fo }. SB. in bcr aWarf Sranbcm
bürg, in mand^en ^^eilen üon @d[|lcfien, SC^üringen u. f. m. 3lodi in iüngftcr
3eit finb bie in einem S^^cile beö ©rofe^erjogtliumcö Dlbenburg geltenben x>tt^
fd^icDenen formen ber ©ütergemeinfd^aft burd) bie ©efege oon 1873 unb 187^
JU ©unften ber 93crroaltungögcmeinfd&aft befeitigt unb auf berfelben ©runblage
berul)t baö unter Sefeitignng beö alten lübifd^en JRedjteö burc^ baö ®efc| oon
1862 in ber Stabt Sübecf eingefüt)rtc el)elic^e ©üterred^t. Slud) in ©üb:^
beutfd)lanb l;at bie ©ntroicfelung, roeld)e biö jum SKittelalter einer intenfioercn
93creinigung beö 93ermögenö ber (S^egattcn juftrcbte unb t)on ber alten
2:rennung ber ©üter auf ücrfd^iebencn SBegen unb in Dcrfd^iebenen formen
burd& bie Grrungcnfd^aftögemeinfc^aft jur üWobiliargemeinfd^aft, jum ^Bcr*
(Sinfeitung. Seutf^rc^tfid^e ®v[tcnic. (§ 1283.) 145
fangcnfc^oftö' unb 2^I;ciIred)tc unb Diclfad^ äur aUgcmciiicn ©ütcrgcmeiufd^aft
geführt ^attc, feitbcm eine umgefe^rtc SKiditiing angenommen, unb ift in oer*
ft^iebenen S^^eilen Sübbetttfd)Ianbö an SteKe jener intenftüeren ^-orm ber
©fitcrgemeinfc^aft bic reine ßrrungenfd^aftögemeinfd^aft beä neueren JHeci^te&
getreten. Slud^ bic ©ntroürfe für Reffen unb SBürttemberg, fomic ber oben
crroa^nte ©ntrourf für bas .Hönigreirf) Öa^ern beftimmen alö gefefe[id)e&
©ütcrrc^t bic (Srntngenfdjaftägemeinfd^aft unb nur ber für ben Sejirf bcö t)or^
tnaligen SfppeUationögerid^tcö ßfircnbrcitftein ausgearbeitete ßntiourf beruht im
Änf(61ujtc an boö franj. rRed)t auf ben ®runbfa|en ber aRobiliargemeinfd^aft.
änlangenb ben gegenroörtigen Umfang ber (Seltungögebiete ber vcx-
?(^iebenen Snfteme be& el)elic^en öjüterred^teö in 2)eutfd)Ianb, fo Ijerrfd^t bic
aBgemeinc ©ütcrgemeinfdöaft in einem G5ebiete uon etwa 9 687 070 Cinmo^nern.
ter allgemeinen ®ätergemeinfd)aft finb fiierbei alle SRed)te jugeredjnet, meldjc
rcgelmöfeig bei 3luflofung ber 6f)e baö SScrmögen beiber C{)egatteu nid^t in
i^re nrfpriinglid^cn S3eftanbtf)eilc jerf allen laffen, fonbern alö eine gemeines
fAoftli^e üJlaffc bel^anbdn unb entmeber bem überlebenbcn ©fjegatten allein
^urocifen ober nad) Quoten tf)eilen laffen. 2luf bic pielfad^ beftrittene grage
ber ftonftruftion ift babei feine 3iücfftd|t genommen, ba nidit biefe, fonbern
ber roirt^fc^afttid^c 3roecf unb ©rfolg bcö Si)ftemeö für ben Äarafter beöfclben
in ber fjicr fraglichen 93esiel)ung entfc^cibenb fein mufe. 93on biefem Staube
punftc aud mirb bann aber aud) bas Geltungsgebiet beS lübifd)en äted^tes
unb ber pommerfd^en ^auernorbnung bem ©cbictc ber allgemeinen ©üter-
gcmcinfd^ft ^injujured^nen fein, meil aud) biefe 5Red)tc, fo bcftritten i^re
iuriftif^c Äonftruftion ift, für ben "gall einer beerbten (Sl)e mirt^fc^aftlidö auf
bem öobcn ber aHgemeinen ®ütergemeinfd^aft ftel^en unb für* ben Oefammt^
farttftcr eincö 9ted&teö, meld^eö bei beerbter unb bei unbeerbter 6^e eine uer=^
f(^iebcnc öe^anblung eintreten läftt, bic in bem crftgcbad)tcn galle eintretenbc
Öc^ttnblung als entfc^cibenb ju bctrad^ten ift. 3)aburd) ücrgrofecrt fidb baö
Geltungsgebiet ber allgemeinen ®ütergcmcinfd)aft um ctma 1 304 600 Cin^
loo^ncr, fo ba% basfelbc im ©anjcn faft 11 000 000 ©inmol^ner umfaßt.
auf bic aJlobiliargemeinfddaft beö franj. 5Red^teö fallen etma 7 157 750
(Jinroo^ncr, auf bic reine {Srrungenfd&aftögemeinfd^aft unb bic jroifdEien i^r unb
ber aRobiliar* nnb ßrrungenfd^aftdgemcinfd&aft in ber SDlittc ftel^enben Si)fteme
ctiDQ 6 931 090.
SDaö beutf^red^tlid&c getrennte ©üterred^t, b. l). bieienigen Si)fteme,
ioel<^e an ber Switänbigfcit beö SScrmögcnö ber ©Regatten burc^ bic (S[)c
roebcr roäljrenb berfelben nod& bei il)rer äluflöfung eine 9lenberung ein*
treten laffen, bem G^emannc aber mä^renb beftel^enber ®^c bic SBerroaltung
unb Jlugung beö SBcrmögcnö ber G^efrau überlaffen (33a:roaltungögemeinfd^aft,
©uterrin^cit, (Süteroerbinbung, Softem ber eljelid^cn 9iufenie6ung unb aSer*
Bwltung) umfafet ein ®ebiet üon etwa 13 986 942 einroolineni , baö rom.
^lalxcd^i cnblic^ ein ©ebiet t)on etwa 3 070 901 ©inmol^nern. 2)a baö röm.
totalrc<!^t, loie oben bereits l)eroorge^oben ujurbe, ber bcutfc^redbtlid^cn SBer*
»altungögemcinfc^aft fo na^e ftefit, bafe eine SScreinigung beiber St)fteme feine
crbcbliclcn ©d^roierigfeiten bietet, fo merben bic (Seltungögebiete biefer bciben
Jied^tc bei ber Seurtfjeilung ber ^rage, meld&eö ber ücrfd^iebenen in 93etrad)t
«otise V KtrficrL (Sefr^^u^. IV. 10
1
146 e6clif?e§ @uterre(j&t. ©i;ftcm bc§ öe[etific6cn @ütecrcd&te5.
fommcubcn (5i)ftcmc in bcm größeren 2:^cilc von ©cutfd^Ianb gilt, ote ein
(Sebict be^anbelt werben müflcn. ®onad& ergeben fid^ für boö ©eltungögebict
beö getrennten ©üterrec^teö im Oanjen mel^r als 17 000 000 Ginrool^ner.
Sem refatit) größeren Umfange, meldten I)iernad) baö Oeltungögebict
ber jutefet gebuchten ©nippe von SKec^ten f)at, mirb inbeffen, ba eö ftd& nid[>t
um ein fo bebeutenbeö Uebergeroid^t I)anbelt, bafe barauö ol^ne SBeitereö auf
bie SRid^tung beö SKed^töbemufetfeinö beö aSoIfeö im ©anjen gefd^Ioffen werben
fann, nur bann cntfd^cibenbe SBebeutung ju ©unften beö Si)ftemeö ber SBcr*
maltungögemeinfd^aft beigelegt werben fönnen, wtnn eö an anberen Sln^oto-
punften fe^It, wenn fic^ inöbcfonbere weber auö ber 9lrt unb SGBeife, in welcher
bie ef)egatten \\)xc üermbgenöred^tlid^en aSerljältniffe ju orbnen pflegen, nac^'
weifen läfet, bafe baö eine ober anbere Si)ftem üorwicgenb ben Slnfd&auungcn
unb SBcbürfniffen beö SBolfeö in ganj S)eutfd[)Ianb entfprid&t, noc^ wegen bcö
Snfialteö ber ju ©runbc tiegenben JRed^töföfee bem einen ober bem anberen
©ijfteme ber SBorjug gegeben werben mufe.
S)a faft nad) allen beutfd^en SHed^ten bie ©^egottcn befugt T^nb, i^rc
üermogenöred^tlid^en SBerl^ättniRe burd^ Söertrag in einer von bem gefefeltd&cn
©üterred)te abweid^enben 3lrt ju orbnen, unb ba bie ©efc^id^te beö ebelit^en
©üterred^tcö in ©eutfd^Ianb jcigt, bafe bie ©Iiegatten von biefer Scfugnife in
großem Umfange namentlid^ bann ©ebrauc^ gemad)t l)aben, wenn baö befte^cnbc
gefefeHd)e ®üterred)t ben berrfd^enben 3lnfd^auungen unb S3ebiirfniffen nid^t
üollftänbig entfprad^, fo ift ber SBerfud) gemadEit worbcn, burd^i ftatiftifd^c
©rl^ebungen über bie "^aU unb bie JRid^tung ber abgefd^Ioffenen (Slieüerträgc
3luffd^lufe barüber ju erl^alten, ob bie 33eoölfcrung in ben üerfd^iebenen ^^eilen
S)eutfd^Ianbö mit bem beftel;enben el^elid^en ©üterrec^te aufrieben ift ober ob
bie 3::cnben5 1;erüortritt, baöfelbe in ber einen ober anberen Stid^tung ju änbcm.
®aö ©efammtergebniß ber in biefer 33ejie]^ung gemad)ten amtlid^en Srmittelungen
ift inbeffen für bie Beantwortung ber üorliegenben grage oI)ne entfd&eibcnbe
Sebeutung. ^n einjetnen S^fjeilen beö ©eltungögebieteö fowof)! ber allgemeinen
©ütergcmeinfd^aft alö ber ©mnigenfd^aftögemcinfd^aft, wie ber SSerwaltungö^
gcmeinfdjaft jeigt fidEi allerbingö bie 5ieigung, baö gefeglid&e ©üterredfit »ertragö^
mäfeig burd^ ein anbereö ju crfe^en. 3n bem weitauö größten S^^eilc beö
©eltungögebieteö ber bejeid^neten ©i)ftemc beutet iebod) nic^tö barauf ^in, bafe
biefelben ben Slnfd^auungen unb Sebürfnifjen ber Seüölferung nid^t entfpred^cn.
yiwx in bem ©eltungögcbiete beö franj. 3ied&teö fdficint jiemlid^ allgemein bie
Steigung verbreitet, bie 9)lobiliargemeinfd)aft ab}ufd)wäc^en unb bie ©befrou
burc^ Ginful^rung ber Gnrungenfd^aftögemeinfd^aft uor ber Haftung für bie
Sd&ulben beö ßbemanneö ju fd^ü^en. ßinc in ganj S)eutf(^lanb übereinftim*
menbc 9lid)tung ber ©l;euerträge 5U ©unften beö einen ober anberen guter-
red^tlid^en St)ftemeö finbet bagegen offenbar nid^t ftatt, unb nur bann, wenn
eine fold^e fi^ nadEiwcifen ließe, würbe barauö ein entfd^eibenbeö SKoment für
bie 33eantwortung ber Dorliegenben gragc entnommen werben fönnen.
6ö ift babcr weiter 5U unterfu(^cn, ob baö eine ober anbere ber l)ier in
Setrad;t fommenben Si)fteme beö eljcttd^en ©üterred^teö fid^ a\i^ inneren
©rünben porjugöweife baju eignet, alö gefe^lic^cö ©üterre^t in ganj S>eutfcl^*
lanb eingeffll^rt ju werben.
ginleitunö. gHIöemeine ®üteröemein[4aft. (§ 1283.) 147
3[m größten ift bev Ginflu& bcr^^e auf bic SBcrmoßenöocrliättniije bcr a>ie aogcm.
S^gattcn nod^ bcm ®i)ftemc ber aKgemeinen ©ütergetncinfd^aft, bnvä) roeld^cS ^^"iS'a^^*"'
büd beibcrfcttigc Vermögen ber ©l^egatten ju einem untrennbaren gcmcinfd^aft'
ticken 35ennögen (Oefammtgute) vereinigt unb grunbfäfiUci^ eine Haftung bcö
einen ©Regatten fiir bie Sd^ulben beö anberen begrünbet wirb. S^ö'^i^ ift
bem ®^manne balb in größerem, halb in geringerem Umfange bas Stecht ber
Senooltung beö Oefammtguteö, inöbefonbcre baö JRed^t, einfeitig über baöfelbc
ju verfügen, beigelegt. Siamentlid) l^at baö unabrocißbare 33ebürfnife beö
proftifddcn ficbcnö aDent^alben bal&in gefüf)rt, baö ©efammtgut regelmäßig
für bic Don bem ®^emanne einfeitig fontraljirten ©d^ulben Ijaften ju laffen.
Suf ber anberen ©eite ift nad^ allen 9iedE)ten — mit Sluönafime beö münfter.
Scd^teö — bcr ©Ijefrau, abgefel^en t)on bem JRed^tc ber fog. ©d^Iüffef-
gcwQlt, rcgclmofeig iebe ©iöpofition über baö (Sefammtgut cntjogen. Saö
Softem ber oHgcmeinen ©ütcrgemeinfd^aft wirb t)on SSielen alö bie ibealfte
Jorm beö e^elid^en ©üterrec^teö betrad&tet. S5aö ftttUd&c SBefen ber 6f|e bringe
CS mit fid^, bog bie burd^ bic ®^c begrünbete DoIIe Sebenögemeinfdjaft ber
S^egottcn aud^ in Dcrmögenöred^tlid^er 93ejie^ung }um Sluöbrudc gelange, bag
ba^ jcbcr (Segenfag ücrmogenöred^tlid^er 3ntereffen unter bcn ©Regatten
t^untic^ft befcitigt unb baö ©d^idfal, roeld^eö ben einen ®l)egatten in Der-
mögcnöred^tlidder Sejicl;ung treffe, in gleidjer SBeifc aud^ üon bem anberen
ßliegatten mitgetragen merbe. ®ine fo intenfiüc Sßereinigung beö beibcrfeitigcn
Sermogenö ber ©Regatten auf gemeinfamen ©ebeif) unb Söerberb fann jebod)
alö eine auö bcm fittUc^cn SBefen ber ®^c notl^menbig folgenbe Slonfequenj
nic^t betrad^tct werben, ©emife lonncn im einjelnen galle bic Umftänbc fo
liefen, bafe icbcr (S^cgatle fein ganjeö SBermögen bem anberen ©Regatten ju
opfern bereit fein muß, aber ebenfo geroife ift eö, bafe bieö nid^t atö auö*
ttoi^mölofc ?ßf{id^t fjingefteDt merben fann, bie Umftänbc pielme^r fo Hegen
tonnen, bafe ein fold^eö Opfer pom fittlic^en ©tanbpunfte auö nid&t geforbert,
JQ wegen foBibircnbcr anberer ^ftid^ten nid^t einmal alö ftatt^aft angefel)cn
werben fonn. ©obalb man aber bic in biefer Sejie^ung auö bcm SBefen ber
C^ fid) ergebenbcn fxttlidjcn 5ßf[i(ftten in SRed&töpflid&ten ummanbclt, prt nad^
ber Slatur beö Sied^teö bic SHoglid&teit einer 83crücffid^tigung beö einjelnen
gaUcö auf, unb ia^ ©ijftcm bcr Oütcrgemcinfdjaft muß bal^er bei bem Sßcr*
fu(^e, ein bcm jtttlid^cn SBefen bcr 6^c oollftänbig entfpred^cnbeö 5led)t ficr-
juftellen, ju 9led&töfä|en gelangen, beren 2lnn)enbung im einjcinen %aüt bem
fittUt^en aSefcn ber 6^c fcineöiucgö entfprid^t. ®egen baö ©^ftcm ber Güter«
gemeinf(|aft fprid^t aber oor 9lBem bic fd^roerc Ocfäl^rbung ber bered)tigteu
3ntercf[en ber ß^efrau, meldte mit jenem ©i)ftcme untrennbar pcrbunben ift,
loenn bem (Spanne bie für baö praftifd^c SBcbürfnife uncrläfeUd^e freie Sc*
»egung gelaffcn, namentlich in Uebereinftimmung mit bem gcltenben SRed)tc
bie Haftung beö oefammtguteö für bic pon bem ©Ijemanne einfeitig f ontral)irten
Sd^ulben anerfannt mirb. 2)aburd^ mirb baö ^ermiJgcn ber Ehefrau, aud^
loenn im Uebrigen ber e^emann in ber SJerfügung über baö ©efammtgut
mel^r ober roeniger burd^ baö 5ßrin5lp ber gefammten §anb befc^ränft wirb,
roenigflenö mittelbar ber cinfeitigen SJJcrfügung beö 6f)emanncö unterworfen unb
beni fieid^tfinne unb ber ©iifeoermaltung beöfelben preiögegeben. 2)iefc ©c*
10 •
148 ßl^clicficö ®ütcrrcd?t. ©vftcm be§ ocfefeli^cn ©üterrcdfetct^
fäbrbung bcr 6()cfvau i)at QUcntl^oIbcii in fotc^cm ÜDJa^c fic^ füljlbar flciuad^t,
ba^ bic mciftcn ?flc6)tt bcii SUcrfud) gemadjt f)aht\\, SJcftimmungen ju finbcn,
burc^ rocldjc biefelbc oerringert loerbcn foll. ^nöbcfonbcrc ift bcr ei)efrau
l)äufig unter gcroifjcn SJorauöfc^ungcn bic Scfugnife beigelegt, n)egen fd^Ied^tcr
Sßirtl^fd^aft bcä ©fiematincd auf (Süterfonbcrung anjutragen. Slbgcfe^en jebod)
baüon, ba% bic Slnroenbung fo(d)er aRittel foft immer einen tiefen unb oft unl^ciU
baren SÄife in baä fittlidje 83er{)ältnif} bcr ©l^egatten mit fid^ bringt, wirb burd>
biefelben in ber großen ajlcl^rsal^l bcr gällc bcm 33ebürfniffe nid^t abgcl^olfen,
bo, tocnn bie aSorauöfegungcn oorliegen, unter meldjen bic 3lnmcnbung iencr
aiJittel juläfrig ift, bic ^ülfc regelmäßig ju fpät fommt. Sluf bcr anbercn
Seite läfet fid^ allerbingö nid^t ücrfennen, baß gerabe in ber an^ ber allgemeinen
©ütergcmeinfd&aft folgenben Haftung beö einen (g^egatten für bie Sd)iilbcn
bcö anbercn, inöbefonbere in ber Haftung bcr ß^cfrau für bic ©d^ulbcn be^
etiemanncß, ein $auptgrunb liegt, axi& meld^em bie allgemeine (Sütergcmcin*
fd)aft in oieten Oegenben fefte SBurjcl gefaßt l;at. S)ic baburd^ l^erbcigefü^rte
(Sinfad^^eit beö SBer^ältniffcö nad^ außen, bie (5rl[|ö^ung bcö Ärebiteö beö e^c-
manneö unb bie größere ©idEierfieit feiner (Slöubiger mürben alö fo große
iüort^eitc betrad^tet, baß bic ®efä^rbung ber e^efrau bagegen jurürftrat.
Sic 93ebeutung biefer 33ort^cilc ift aud) fcineörocgö gering anjufd^lagen. Sie
mcrben, roie bic SBcr^anblungen unb SBcfd^tüjfc bcö 12. beutfd^en 3urifteutagcö
ergeben, von Dielen Seiten für fo er^eblid^ erachtet, baß man, um fic 5u
eiTcid)en, eine Haftung ber 6l)efrau für bie Sd;ulben bcö Sljcmanneö minbcftenö
infomeit, atö cö fid^ um baö in bcr $anb bcö ß^cmanneö befinblid&e, alö
Gigent^um bcr ©Ijefrau äußcrlid) ni^t erfennbarc 93ermögcn berfelbcn unb
bic mädrenb ber ei)c entftanbenen S^ulbcn beö ©t)emanncö l^anbclt, fclbft
mit bem S^ftemc bcr SBermattungögemeinfd^aft ju ücrbinben geneigt ift. 3taä)
bcr Sluffajfung beö entrourfeß ift jebod) bic auö ber Haftung ber ©befrau für
bie Sd^ulbcn beö ©^emanneö entfpringenbe ®efäl)rbung bcr ©^efrau atö ein ju
f)o^er 5ßreiö für bie bamit oerbunbencn 33ort(;eile ju erad^ten unb bie große 3al)t
bcr ®l|coerträgc, burd) meldte bie ©ütergemcinfd^aft in (Gebieten, in bencn fie
baö gefeglid^e ®üterredE|t bilbet, auögefd)lo5fen ober befi^ränft roirb, f^eint
cntfd^ieben bafür ju fprcd^en, baß biefe 3luffaffung Jcftt in großen Äreifen bcr
SBcoölfcrung gett)eilt wirb.
Unleugbare SSortl&eile bietet baö SDftem bcr allgemeinen ®ütergcmein^
fdjaft bei 9lufl6fung ber ß^c. ©in S^^f^ff^i^ ^^^ bu^d& i>ic ©tje ju einem ®e*
fammtgute oercinigten SBermögenö beiber ©Regatten in feine urfprünglid^en
Scftanbtfieilc ift mit bem 5ßrinjipe ber ©ütergcmeinfd^aft, bcr baburd^
gcforberten ocrmögenöred^tlid^en ©inl^cit beiber ©Regatten unb ber 83efeittgung
bcö ©cgenfatfcö ücrmögcnöredjtlid^er 3ntereffen, unoerträglid^. S)aö burd^ bic
G^c JU einer untrennbaren ©inl^eit ücrfd&moljcne Sßermögen muß bal^er bei
Stuflöfung bcr ©^e entmeber bem Überlebenben ©Regatten allein jufallcn ober
äioifd^en bem Icfttercn unb ben ©rben beö juerft Dcrftorbenen ©Regatten nac^
Ouoten get^cilt werben. Sinb Äinber auö bcr ®f)c Dor^anben, fo tritt
mciftenö fortgefefetc ©ütcrgemeinfd^aft unb erft nad^ 83eenbigung berfelbcn,
inöbefonbcrc bei Sd^licßung einer jmcitcn ©^c, Jl;eilung ein. 35ic ©infac^^eit,
in meld&er baö 35erf)öltniß fid) Ijier loft, bic aSermeibung icber Untcrfud^ung
ginleitunö. Siaßemchic @utcr0eincinf(6aft. (§ 1283.) 149
fccö urfprüttglid^cn SJennögenöbcftQnbcß iinb jcbei* Slbrcd^rtung, foiüie bic dlU
maligc nnb fd^oncnbe Ucbcrleitung burd^ ^ic fortgcfe^tc ©ütcrgcmciufdjaft
fmb gewife nid^t gering nnjufi^tagenbc SSorjügc. 9Ibcr cö fragt fid^, ob fic
nicftt ho6) jli tf)ciier crfauft fiub, ob nid^t in ber Cuotent{)cilung bcö beibcr^
fcitigen SScrmögcnö unter Umftänben eine .^örte unb Ungered^tigfeit gegen ben
übcrlebenben ©Regatten liegt, xodä)t burd^ ba& SBcfen ber 6{)e nid)i geforbert
wirb, fonbcrn mit iör in SBiberfprud) fteljt. SBenn ber eine ©öegatte bei
€inge^ung ber Gf)e reid), ber anberc arm war, fo oerliert, toenn ber (entere
Mi) oieUeid^t ganj fiirjer 3^it ftirbt, ber erfterc mit bem Gbegatten juglcid^
fein ^albed Vermögen. S)ie gro§c in biefer Äönfequcns ber allgemeinen
f^ütcrgemeinfd^aft jiegcnbe ^ärte fonn 5Wiemanb perfennen, unb bafe )ie alö
folt^e gefüllt ift, bemeift ber in Derfd&iebenen 9led)ten gemad^tc Sßerfud^, ibr
bunö bcfonbcre Seftimmungen entgcgenjuroirfcn. 33ei unbeerbter ©be fann
bicfi baburdd gcfd^efjcn, ba^ ber iibcrlebenbe (Sl)egatte baö ganse ©efammtgut
erbölt, ein 3Iuöw)eg, ber inbcffen anbererfeitö imt bediüillen nid)t unbcbenflid)
ift, weil baburdö baß ©rbred&t ber SSeriüanbten, felbft ber Gltern unb OJc^
f^roifter, befcitigt wirb, 3n bcm regelmäßigen galle aber, xotwn Äinber auö
ber 6(>c uor^anben fxnb, ift, ol^ne bie SBorjügc ber (Sütergemeinfd^aft aufö
Spiel ju feßen ober ungered^t gegen bie ßinber ju werben, eine 5lbbülfe über-
baupt nic^t moglid). SBenn j. 89. einige JRed&te, um jene .^ärtc ju ücrmeibcn,
fttttt nac^ Quoten tbeilcn ju laffen, auf baö urfprünglid^e SSermogen beö juerft
Derftorbencn ©Regatten iuriirfgreifen ober bod^ bem iibcrlebenben @f)egatten baß
3ltdfi geben, bie Äinber ftatt uon bem ©efammtgute nur uon bem 93ermögen
befi juerft Derftorbenen ®l)egatten abjufinben, fo mirb baburd^ ber ganjc oben
^orgebobenc SJortbetl ber Oütcrgcmeinfd^aft miebcr geopfert. SBenn anberc
Siechte bagegen in ber Slrt ju I)clfen fuc^en, bafe fie bem übcrtebenben Gbe^
gotten baf^ ganje 33crm5gen unbef c^ränft überrocifen, fo muffen fie ibn bod),
um We 3ntereffen ber .Siinber nidbt ju gefä^rben, minbeftenö bei Gingel^ung
ber ^rocitcn e^e nötl)igen, mit btn Äinbern ju fd^id&ten, 3)ic nur Dcrcinjelt
T)or!ommenbe 33eftimmung aber, nad^ roeldber felbft biefe 5ßftid^t erlaffen mirb
(Bremen) ober nad) meld^er fraft Oefefeeö ©infinbfd^aft eintritt (gutba), gc-
föbrbet bic Äinber in foldier 9trt, ba^ fic fd^rocrlic^ 9tad)al)mung oerbient.
SBeitcr fommt in 83etrad)t, bafe baö ^nftitut ber fortgefe^ten ©ütergcmeinfcbaft,
roelcied, wenn bie allgemeine ®fttcrgcmcinfd)aft als gcfc^lidbcö ©ütcrrcd)t
beftimmt mürbe, im 3ntereffc beö überlebenbcn ©Oegatten nod) meniger, alö
bei bem uertragömöfeigen ©ütcrftanbc ber allgemeinen ©ütcrgemeinfc^aft,
entbebrt werben fSnnte, unleugbar mit erbeblid^cn 9Jadbtljcilen ücrbunben
ift unb große Sd&mierigfeiten unb SBermirfelungcn mit fic^ bringt.
Gin fernereö SUebenfen gegen bic allgemeine ©ütergcmcinfd&aft liegt
barin, ba^ burd& bicfelbc bie 2'l;eilung beö ©runbbefi^eö unb ber Uebergang
beßfelben Don einer ^'^n^ili^ i^ bie anberc beförbert wirb. Xiefc 5Jac^tl)eilc
ftfteinen allerbingö in manchen ©cgenben, in mcldien (Sütergemeinfc^aft fd)on
lange gilt unb aucb von ben Wrunbbefi^ern burdb ©bcücrtrag nid^t au6=
gnd^loffen ju werben pflegt, wie 5. S3. in äBeftfalen, yingen, ü)leppen u. f. w.
nid^t alö foldbc gefüllt ju werben. Saö 3lnerbcnrcd)t, welcbcö in bicfen
Wegenben früljer bcftanben f)ai unb bort ncuerbingö in anbercr Oicftalt wicbcr
150 Stelicficß @üterred6t, gpffcm fcc^ Qc\c^üijtn ©üterrec&tcö.
cingefül)rt ift, unb bic aud^ mä) 3luf{)cbung bcö friUjcrcn Slncrbenrcd^teö gc^
bliebctic Sitte bcr ©utöübcrgabc an eines ber Äinber f)aben üermutblid^
wcfentlicf) ba ju mitgejoirft, bie gebad)tcn nad^t^eiligcn gofgeti nid^t bcfonbcrö
^cruortreteii 5u laffen. 3u auberen (Segenben aber entjieljt ft(jE) minbcftenö
ber größere ©runbbcfil regelmäßig bur^ ©fieüertrag ber ©ütergemeinfd^aft,
ober ift er fd&on froft beä @efe|eö baüon ausgenommen. 3ebenfatt8 unters?
liegt bie neue ©nfü^rung beö ®i)ftemeö ber ©ütcrgcmeinfd)aft in ©egenben,
in roeld^cn ein gefd^loftener großer ober bäuerlid^er ©runbbefi^ beftetjt unb
Sitte unb @en)ol^nf)eit nid)t über bie gebadeten Uebelftcinbe f)inn)egl^elfen, ben
crnfteften ^ebenten, unb würbe bicfelbc bort üorauöfid^tlid^ auf großen
aCßibcrftanb ftoßen.
3llö ein befonberer 33orjug ber allgemeinen ©ütergemeinfd^aft mirb cß bis?
weiten l^ingcftellt, boß baburd^ bcm Überlebenben ©Regatten, insbefonberc bcr
Überlebenben ©Ijefrau, eine angemeffene SSerforgung gefid^crt werbe. S)ics ift
ieboc^ nur fel^r bebingt richtig. S)ie §älftc bes ©cfammtgutes fann, wenn
baö ganjc SSermögcn pon bem Überlebenben ®l^egatten ^errü^rte, piel ju locnig,
fic fann im entgegengefeßten galle bei Äonfurrcns mit Äinbern ju picl fein.
SaS für alle gällc rid^tige 2ßaß fann bei getrenntem ©üterrcd^te fieserer unb
jutreffenber burc^ SBeftimmungcn gefunben werben, weld)e bem Überlebenben
6l)egatten ein nad^ ber 9iäl)e ber SSerwanbten bcs ©rbloffers, mit weld^en er
fonfurrirt, abgeftuftes, mel^r ober weniger ausgebelintcs Srbred^t ober SRießbraud&s*
red)t an bem SBermögen bes SBerftorbenen einräumen.
©ine 3tbwägung ber mit ber allgemeinen ©ütergemeinfd^aft oerbunbeneu
3Sortf|eile unb Slac^t^eile ergicbt ^iernad^ ein Uebergewidjt ber lefeteren.
«leaHobiiiar» <^cx allgemeinen ©ütergemeinfd^aft am näd^ftcn ftel^t bie äJiobiliar^
gememic^aft. g^^^gj^^^j^Q^j^ gj^» j^j {„ '^^j^ ^y.^^^^ dit6)tc JU ciuem feft abgefc^tojfeneu, im
©anjcn flaren unb einfad^en Si)ftemc ausgebilbct worbcn. Sic liegt aud>
bem für ben S3ejirf bcs üorm. 3lppellationSgcrid()tcs ju ©^renbreitftein aus*
gearbeiteten ©ntwurfe ju ©runbc, weld^cr in ben Sauren 1865, 1866 bem
prcuß. Sanbtagc uorgelcgt unb Don bcm lc|tcren im 8GBefentlid)cn gebilligt
würbe, wegen ber injwifc^en eingetretenen politifd^en aSeränberungen aber unb
bcs baburd^ angeregten S^cifels, ob nid^t eine gemeinfame Äobififation für bie
ganjc ^rooinj $effen*9iaffau uorjujiefien fei, nid)t ©efeg geworben ift.
©S ift nid^t 5u Dcrfennen, ia^ mand)c SRa^tljeile ber allgemeinen ©üter*
gemeinfd)aft bei ber äßobiliargemeinfd^aft ücrmieben ober bod^ uerringert werben.
Soweit bas SBermögcn ber Gl^efrau in ©runbbefiß beftcl;t, wirb ber Icgterc,
ba er jum Sonbergute gel^ort, gegen bie aSerfügungen unb ©d^ulben beS
©l)emanneS gefid^ert. 3ebem ©Regatten bleibt bei Stuflofung ber ®^e fein in
bie ©f)c eingebrad^ter ober burd) ©rbfolge erworbener ©runbbefig ungefd^mälcrt
erhalten, unb wirb alfo bie ©cfa^r einer 3^^plitte^wng bcSfelben unb bcs
Uebcrgangeö besfctben in eine anbere gamilie oollftänbig uermieben. SKnbcrer*
fcitö bleiben bod) wefentlid^c SSorjüge bcr allgemeinen ©ütergemeinfd&aft
erljalten, insbefonberc ift baS SBcr^ältniß nac^ außen wäl^renb ber ©l^c einfad^
unb flar, unb finb bic ©täubiger bes ©IjcmanneS, ha fic fic^ an bas aWobiliar*
ücrmögcn bcibcr ©Ijegatten l;alten fönnen, gegen ^äufd^ungen gefd^ü^t. I)ic
SluSeinanberfe^ung bei 9luflöfung bcr ©f)c ift jwar nid}t ganj fo einfad^, wie
ßinfeitunö. SWoBiliaröcmcinfd&aft. SrcuuGcnJcfeaft^Jöemcinfd^aft. (§ 1283.) 151
bei bet allgemeinen ®ütcrgcmcin[c^oft, ba eine Sluöfd^eibiuig beö unbeiueglid^en
3Scrmogenß unb eine gcgenfeitigc Sered^nuug wegen SScriDcnbungcn , Sonbcr-
fd^ulben u. f. lu. ftattfinbcn muß. 3nuncr()in aber luivb biefc SKuöeinanbcr-
feßung, ia fid) boö S^nmobiliarüermögen leid)t ermitteln läfet, üerljättnifemäfeig
einfoc^ fein unb feine großen Sd^roicrigfeiten bieten.
©ntfd^cibcnb gegen baö gonje Softem ber a)iobiIiargemcinfd^aft fprid^t
ober bic t)5Uige ^rinjiplofigteit beö 3)k6ftabeö, mä) lüetd^em ber Umfang
bedienigen, roaS unter ben ßficgotten gemcinfam fein foll, beftimmt luirb. 6ö
laRen fic^ ©rfinbe bafür anführen, bcm Untcrfdiicbe äwifdöen bcn)cglid;em unb
unbcmeglid^em aSermogen einen ßinflufe auf ha^ a3erf)ältni6 ber ®f)egatten nad^
außen einjuräumen unb baö erftere, loeil bei bemfelben regelmäßig eine fold)c
SJenncngung eintritt, baß Sritte nid^t mc^r unterfd^ciben fönnen, loaö bem
einen ober bem anberen ©Regatten gef)ört, untcrfd^iebötos ber SBerfügung beö
Seemannes ju unterwerfen unb ben ©laubigem ^aften äu laffen. Seilen rein
äußeren unb 5ufäDigen Umftanb aber für baö 33erl)ältniß unter ben ©fiegatten
felbft als entfd^eibenb l^injuftellen unb uon i^m ben Umfang beö gcmeinfamcn
SJermögenö abt)ängig iu mad)en, fet)It eö an jebem inneren ©ninbe. S)aö
Softem fü^rt bal)in, baß, mcnn ber eine 6f)egatte nur unbeioeglic^cö, ber
anbere nur beroeglid^eö SBermogen befi^t, uon bem crfteren nidjtö, baö legtcre
bagegen ganj in bie Oemeinfd^aft fällt unb, wenn bie ©()c aufgelöft wirb, ber
eine ß^egatte fein ganscö SBermögcn behält unb baö Ijalbc Vermögen beö
anberen ©Regatten noci) baju bcfommt, wä^renb biefer fein Ijalbeö SSermögen
verliert, o^ne etwaö bafür wieber ju erbalten. 2)ie auö biefer ^rinjiplofigteit
entfprtngenbe ungteid^c unb ungcred&tc Sebanblung ber ©begatten mod^te fid)
in früfiereu 3citcn, alö baö beweglidje SSermögen nocb Don oerfiältnißmäßig
geringer 93ebeutung war, weniger fübibar mad^en. 93ei ber großen S3ebeutung
aber, weld^e baöfelbe fegt erlangt i^ai, würbe bie Ginfübrung eineö fold^en
Si)ftemeö in ©cgenben, in weld^en baöfetbc biö^er nidjt gegolten bat unb wo
bie altbergebrai^te Oewofmbeit unb bie Sitte ber (S^eoerträgc nid^t über bie
^rte beö S^ftemeö ^inwcgbilft, im ^Sc^ften ®rabe bebenttidö fein unb auf
emftlidjen SGßiberftanb ftoßcn. S)ic atntlid^en ä)Jittbeilungeii über Qa\)l unb
3nl|alt ber im ©ebiete beö franj. SHecbteö abgefd)loffenen (Si^eDtttväc^c beweifen
jubem, ba% bie aWobiliargemeinfd^aft aud^ in biefem (Gebiete in großen Greifen
ber Seoölferung nic^t alö bie jwecfmäßigfte gorm beö efielid^en ®üterred&teö
onerfannt wirb.
3lnlangenb baö Softem ber reinen ©rrungcnfd&aftögemeinfd^aft, fo wirb s^te er-
ttocb biefem Sijfteme an fic^ burd) bic Gingcbung ber (S^e an ber 3"ftäiibigfeit 7S\tit^
beö beiberfcitigen SBermögenö nid^tö gcänbcrt; aber bie Scbenögemeinfc^aft, in
n)eld)e bic ©begatten burc^ bie ©bc getreten finb, foU aud& in uermogenöred^t^
lid&cr Scjie^ung baburd^ fid^ betbätigen, baß 9lüeö, waö fie mit ibren pb^fifc^^c"/
gciftigen unb SJermögenöMften erwerben, gemcinfam wirb, gemcinfam aber
oud) bie ebelid^cn Saften getragen werben. 9ieid)t ber cbelid^e ©rwerb jur
©cftreitung ber ebelid^en Saften nic^t auö, fo muß baö gcblenbc grunbfäfeUd^
oon beibcn ©licgatten }ugefd)oRen werben-; bleibt nad) ber 9luflöfung ber ©b^
ein Ueberfd^uß, fo gebort bcrfelbc beibcn ©f)cgatten gemcinfam, unb äwar, ba
cö fi(b nidjt um. eine ©rwcrbö^ fonbern um eine fittlid)c Sebcnögcmcinfd^aft
152 ®r}elid6c§ Oütcrrcd^t. ©vftem bc» öe[e^Iid?en ®üterre$tc3.
t;anbelt, iebem ©Ijcgattcn ju 9leid)en ^(;eilcii, ofjue bafe toeitcr imterfud^t wirb,
ob öoii bem einen meljr, von bem anberen locniger ju bem ©rwcrbc bei-
getragen ift.
So einfad) unb natürlid) bie bicfem (5i)ftcmc jn Ornnbe licgenben Qk^
banten cr|d)einen nnb [o anfpred^cnb fte für baö Oemüt^ fmb, fo [teilen fic^
ifjrcr inriftifd^cn 9iuöfü(jrung boc^ fel^r erljcbfid)e Sd^roierigfeitcn unb S3ebcnfen
entgegen. SBic bei ber allgemeinen ©ütergemeinfd^aft, wirb aud) bei biefem
£i)ftcttic bie übenoiegenbe Stellung beö ©l^cmanneö allgemein aner!annt. 3l)m
ftetit, wenn aud) bei mid)tigercn ©cfd)öften nad) bem 5ßrinjipe ber gefammten
$anb bie ©inroilligung ber 6l)efrau gcforbert wirb, bod) allentl)alben in mel^r
ober weniger auögebelintem SDJa^e, um ben 9tnforbcrungcn beö pra!tifd)en
^ebcnö gerecht ju werben, bie SSerroaltung foroo^t ber @rrungenfd^aft, atö axiä)
beö ©onberguteö ber ©l^efrau ju, unb er aflein l;at traft feineö ljauöf)errlid)en,
Don ber ©cltüng eines bcftimmten Si)ftemeö beö elielid^en ©iiterrec^teö um
abl^ängigcn Sled^tcö bie entfd&eibenbe Stimme ü6er bie 9lrt beö gemeinfamcn
el^elidjen Sebcnö, fowie über bie 9lrt unb baö 3)iaB ber für baöfelbe ju
madienben Slufmenbungcn. 9luö biefen S3efugniffen ergiebt fi(^ aber, bafe cö
fd)lie6lidS) in ber ^anb beö ®()emanneQ liegt, ob ber ©rtrag beö beiberfcitigen
93ermögenö unb ber beiberfeitigen 9lrbeit 5ur SBeftreitung ber eljelic^en Saften
auörei^t ober nid^t, ob ein Ueberfd^ufe perbleibt ober äugefcfet werben mufe.
3n bem leßteren galle mufj bie ®^efrau nad^ bem ^ßrinjipe ber ®rrungenfd)aftö'
gemeinfd)aft i^ren 9lntl^cil an ber (Sinbufec tragen, unb jwar in bcmfelben
3)ia6e, wie fie an bem Ueber)d)ufie S^^cil nimmt, alfo ju gleichen 3;^cilcn mit
bem ®f)emanne. ä)littelbar ift baljer auc^ bei biefem Sgfteme in faum ge-
ringerem aWafee, wie bei ber allgemeinen Oütergcmeinfd&aft, batt ganjc 5ßer*
mögen ber ©^efrau bem yeidjtfmne unb ber aWifjDerwaltung beö ©bemanne©
^reiö gegeben, ja, bao SRefultat fann l)ier, weil baö bem ©Regatten bei ©im
geljung ber ©l;e j)ufte^enbe aSermögcn ni^t gemcinfam wirb, in nod) größeren
|>ärten gegen bie S^efrau füt)ren, alö bei ber allgemeinen ©ütcrgemeinfc^oft.
SBenn ber Cl)emann bei 6ingcl)ung ber ©^e ein SBermogen oon 100 OOO 3)Jarf,
bie ©l;efrau t)on 10 (KK) SRarf befifet unb bei 9luflöfung ber ei;c fid) jeigt,
baß ber ©rtrag beö beiberfeitigen SJermbgcnö unb ber beiberfeitigen 9lrbeit
aur Sicftreitung ber eljclid)en Saften nid&t auögereid)t Ijat, xnelmeljr 20 000 ü)iarf
jugefefet finb, fo muß jeber ©begatte jur Hälfte baju beitragen; bie ©tiefrau
verliert alfo ilir ganjeö SBermögen, wäl)renb ber ©bemann nur einen tjer*
Ijättnifemäfeigcn a:f)eil beö feinigen einbüßt unb 90 000 3)lar! behält. 3» i>cr
^Dlöglid)feit fold^er JHcfultate liegt ein fd^werer Uebetftanb, wcld^er auc^ in bem
■©eltungögebiete ber ©rrungenfd^aftögemeinfd)aft alö fold^cr em'pfunben wirb.
Um bemfelben abjul)elfen, genügt nid^t bie 9tuffteUung beö ©runbfafeeö, ba6
ber ©bemann für feine ikrwaltung ücrantwortlid^ ift unb übermäfjigc 9luf*
wenbungen, aud^ wenn fie für baö gemcinfame e^elid^c Scben gemalt fmb,
von bem ©bemanne allein getragen werben foUen. Sie Unbeftimmtljeit, weld^e
in bem abgriffe beö Uebermäfeigen feiner Statur nad^ liegt, unb bie praftifc^c
Unmogtid)fcit, nad) 9luflöfung ber ©l)c auf 3al)rc unb Sa^rjelintc lang rürf*
ioärtöl;in ju unterfud)en, ob bie einseinen 9tuögaben übermäßig gewcfeu finb
x)ber nid)t, madjcn ben burd) jenen ©runbfag gefud)ten Sd^ug ber ©l;efrau
Sinicitung. ©rrunöenf^afUöcmeinfc^aft. (§ 1283.) 153
i»öllig iüuforif^. SBielc auf bcm 5ßriiijipc ber ernmgcnfd^aftößemein)d^aft bc*
ru^nbc Siechte fmb bal^cr weiter gegangen unb i)abcn bic ©^efrau bireft ober
inbireft von ber SC^eUnaljme an ber ©inbwfee befreit, fo insbcfonberc in Äur^
^len, ferner in SBürltemberg, wo ba^ Snftitut ber wcibltd&en greil^eiten oljnc
gcfcjlid^en Sln^alt in bcm Sanbred&te lebiglid^ burd) (Sen)ol^n^citörcd)t fid)
«itroicfelt i)ai, foroie nad^ bem franj. Siebte unb bem eljrenbreitft. Gnt*
würfe. 3n grofeen ©ebicten ber errnngenfd)aftögemeinfd)aft ^at man fid)
alfo genöt^igt gefe^en, eine roefentUdöc Äonfequens bcs i^r ju ©runbc
licgenbcn ^rinjipeö aufjugcben. S)ic ©efäl^rbung ber ß^efrau ift baburd^
befeitigt, aber eö frogt fx6), ob mit einer fotdjcn iDIobififation ba§ ^knnsip
felbft no6) l^altbar, ob eö gere(iE)t ift, bie (Sljefrau an bem Ueberfc^ufjc bes
f()eK(^en (Srroerbeö S:^eil nebmen ju lafjen, von ber S;ragung ber einbujje
ober ju befreien.
Gin meitercö Sebeiifen gegen bie ©rrungcufd^aftögemeinfc^aft liegt barin,
kß bas ^l^erpItniS ber ©[jegatten nad^ aufeen febr fompUjirt wirb, ©ö mirb
unterfd^ieben jmifd^en ©onbcrfc^ulben, b. f). fold^en Sd^ulben, roüijt im auö^^
f^lieBlicften 3ntereffe eines G^egatten, unb Gtiefc^ulben, b. 1^. fold&en Sd)nlben,
mld^t im gemeinfamen 3ntereife beiber ©Regatten, inöbefonbere beljufö 23c^
ftrcitung ber eficlid^en üaften ober 5um SBcften beö gemeinfamen SSermögenö,
fontrü^irt finb. Gö liegt auf ber §anb, bafe biefe Unterfd^eibung, obtooljl
prinjipieD richtig, bod^ wegen ber natütlid^en Unbeftimmt^eit ber \i)v 5U
<?ninbe liegenbcn 83egriffe für bie praftifti^e |)anbl;abung mit grofeen Sd^wierig^
feiten oerbuuben fein muft. Unb bod^ ift fte ^äufig nid^t nur für baö ajerbältni^
ber G^cgallen unter cinanber, fonbcrn aud^ für il^r aSerpltnife nad) au^en
oon entfc^eibcnbcr 93ebeutung. 3m Ginjelncn gelten bie ©eftimmungen barüber
freilidj febr auöeinanber. gür bie Sonberfd^utben bctftet regelmäßig. nur ber
behreffcnbc ©begatte mit feinem ©onbcrgute, bisweilen aud^ mit feinem 2ln^
t^Ue an ber Grrungenfd^aft ; bod^ fommt aud) folibarifdE)e Haftung ber Gr-
nmgttif^iaft balb unbebingt, batb fubfibiär, balb in Sietreff ber Sd)ulben
bciba G^cgattcn, bolb nur in 33etreff ber Sd^ulben beö G^emanneö oor. gur
bie ß^eft^ulbcn haftet immer bie ganjc Grrungenfd^aft. £b unb inwieweit
bie ßbegattcn an^ mit iljrem ©onbergute bafür baften, ift wieber fef;r üer^
ft^ieben faeftimmt. ^öufig wirb ^ier nod^ wieber unterfd^ieben, ob bie ©d)utben
von beibeu G^cgatten ober nur Don bem Gfjcmanne fontral^irt finb. gür
erftere baften bcibe G^egatten balb folibarifd^, balb pro rata anäi mit il^^^em
Sonbergute. 3n Setreff ber leftteren fdjliefeen bagegen biejenigen 9led)te,
roel(^e bic ®l|cfrau oon ber a^^citna^mc an ber Ginbufec befreien, aud) bie
^ftung bcrfclbcn mit ibrem Sonbergutc an^, wölirenb bie übrigen 9icd)tc fic
für biefe Sd&ulben balb folibarifd&, balb pro rata baften laffen. S)aö Si)ftem
ber Grrungcnfd&aftögcmeinfc^aft fte^t aud^ ^icr wieber t)or ber 3llternatit)c,
entioeber baö SBermogen ber Gfjcfrau 5u gefälirben ober ju ©unften ber legteren
ungerecht ju werben. SBic lebbaft baö Sebcnlen biefer Sllternatiüc in ben
Sonberu ber Grrungenfc^aftögemeinfdöaft gefüblt wirb, tritt beutlid^ in ben
SBotioen bcö wiirttemb. Gntwurfeö über baö ebelid^e ©ütcrrcd^t von 1840
bcTDor. S5ic oielfad^en gegen baö S^ftitut ber weiblid)cn greifieitcn crf)obenen
ßinroenbungcn unb bie jur 3lbbülfe bcrfelben üorgcf^tagenen SBcge werben
154 Slteli^cö ®üterrcd6t. e^pftcm beö flcfe^Iic^eu ®üterrcd}tc§.
barin cingcfjeub cvraogcn unb, obwo(;I jene ©iniücnbungcit alö bcgrüiibct a\\^
erfoimt lücrbcn, bic üorgcfdjlagcucn 3lbl^ülfcmittcl bo(iE) ald noä) größeren 3Jo
bcnfcn iintcrlicgcnb jurücfgenjicfcn. 2)cr gebadete ©ntrourf fclbft fd^Ifigt fd^licfelid^
Dor, bcr ©fjcfrau jiDav baö SRcd|t ju bctaffcn, bie tüciblid^cu SBol^It^atcn am
äunifcn, boöfctbe aber an bic 83ebinguug ju Eniipfcn, bafe fie bie §älfte i^reö
93cvmogcnö bcit Oläubigcrn opfere. Sine fold^c rein äufeerlid^c SSermittelung
bciocift am bcftcn, bafe in 9Birflid)fcit I)ier eine SBermittelung nid^t möglid^ ift
Gntfd^Iiefet man fid^ ju ber 9Uternatiöe, bic Äonfcquenj beö ^^rinjipeö bcr ®r^
rungenfdjaftsgemeinfdjaft ju (Sunften ber ß^efrau ju opfern, fo fann attcr^
bingä eine SBereinfad&ung ber Sad^c baburd) erjielt werben, ba^ man nad^ bcm
33orbiIbe beä franj. 9icd)teö unb beö c^renbreitft. ©ntnjurfeö bic Unterfc^eibung
jn)iid)en ß^cfc^utben unb ©onberfd)ulbcn mit allen fidE) baran fnüpfcnben
3n)eifcfn für baö 3Sert|ältni6 ber G^egatten nad) auften gänjlid^ aufgiebt unb
bie ©rrungenfd^aft für alle SdE)ulbcn entroeber beiber @()egatten ober bod) beö
ß^emanncö, im Uebrigen aber ieben ©Regatten für bie in feiner 5ßerfon ent^
ftanbencn ©d^ulben nad) allgemeinen ©runbfägen l^aften W§t,
Jlid^t minbere Sebenten, wie auö bem SBerl^ältniffe nac^ aufeen, ergeben
fid^ aM bem aScrliältniffc bcr Grrungcnfd&aft ju ben ©onbergütern. Um feft-
juftcHcn, ob eine ®n'ungenfd)aft Dorljanben ift unb worin biefclbe befielt, miife
eine 9lu3einanberfe|uttg unb 33ered)nung unter ben ©Regatten ftattfinbcn, weld^c
mit fold^cn ©dE|Wierig!eiten uerbunben ift, bafe barin oon jel^er bie größte unb
bebcnflid()fte Sc^attcnfeite ber ßrrungenfd^ftßgemeinfdöaft gefunbcn ift. Seljufö
ber Slüöcinanberfegung muffen nid^t nur baö üon ber ©Ijefrau in bie ©f|e eiiv^
gebrad&te unb wä^renb bcr lefetercn burd^ ©c^enfung ober ©rbfolge erworbene
SJcrmögcn ber ®f;efrau, fowie ba^ urfprünglid^e SBermögen beö (g^emanneö feft*
geftellt, fonbcrn aud; atte 93erwcnbungcn, wcld^e wäl;renb ber ®auer bcr ®^c
von einer bcr beiben SBaffen auf bic anbere ober auf bie gemeinfame ©rrungem
fd^aft ober umgefel^rt uon biefcr auf jene gemad^t finb, ermittelt unb crfe|t,
inßbefonbcre aDc auö bem ©onbergute eineö Sficgatten jur S3cftreitung ber
efietic^en Saften gemad^ten 3lufwenbungcn, anbererfeitö aber aud^ bie auö bem
®rtrage beö bcibcrfcitigcn 3Sermögcnö ober burd^ bic bciberfeitigc 2lrbeit, alfo
auö ben SUittcIn bcr gcmeinfamcn (Srrungenfdjaft, auf baö ©onbergut eineö
©Regatten gemachten SSerbefferungen oergütct werben. S)abei wirb bann aud^
bie Unterfdjcibung iwifc^cn 6I)efd)uIben unb Sonberfd^ulben, mag man bic*
felbe aud^ für baö 33erl^ältni6 ber ©(jcgatten nad^ aufeen aufgeben, üon großer
praftifd&cr 33ebeutung. ©ine bem SRcd^te entfpred&cnbe Sluöeinanberfeöung ifl
l)iernad^ in ber 3:i;at nid^t anberö möglid^, alö wenn bie 2luögaben unb Gin^:
nal)mcn fowotjl bcr bcibcrfcitigcn Sonbcrgüter alö ber gcmeinfamcn ©rrungen^
fd^iaftömajfe burd^ bie ganje ®^e oerfolgt unb fcftgeftcBt werben. 3^* ^^^
©nbc würbe bic 2lufna^mc eineö genauen unb oollftänbigen Siioentarcö beö
bcibcrfcitigcn SSermögenö bei 6ingcf|ung bcr ®^e unb eine fortlaufcnbc
aied^nungöfüfirung wäl^rcnb bcr ®^c nid)t ju entbehren fein unb, fclbft wenn
biefe 93cbingungcn erfüllt wären, würbe bie natürli^c Unbeftimmtl^eit beö 33c»
griffcö bcr cl^clid)en Saften unb bcr (5^cfd)ufben nod) immer reid^cn ©toff 5u
3weifctn unb Streitigfeiten bieten. SUiö bcr 5^rariö bcr Sanber, in weld^en
bie ©rrungcnfdjaftögemeinf^aft gilt, wirb nun jwar bc5cugt, bafe bic Sad^c
Sinlcituiiö. SrnmQcnf4aflÖöcnicinfc6aft. ©emifd&te S^fteme. (§ 1283.) 155
in SBirflic^fcit fid^ Diel cinfad&cr geftoltc. 2)cr ©runb bafür liegt aber
Icbiglic^ barin, bafe man nac^ alt^ergebrad^ter ©itte unter aäerjid^tlciftung auf
eine bem SRct^tc entfprcd^enbe SluSeinanberfegung ftd) regelmäßig auf bie 93er*
glcic^ung bcö bei ©ingel^ung unb bei Sluftofung bor ©f)c t)orl)anbenen SScr^
mogcnöbcftanbeö befdirfinft unb auf (Srunb berfelben, ol)nc in bie ®in5cll)eiten
cinjuge^n, baS aScr^ältnig oergleid&öroeife ju orbncn pflegt. 3n üielen (Sc*
bieten ber ©rrungenf^aftögemeinfd^aft ift es jubem feftfteöenbe ©itte, ba% bei
Gingeliung ber 6^c ein ^noentar aufgenommen wirb, unb, roo bieö nid^t ber
gaU ift, ^ilft fd^Iiefelid^ bie SSermutfiung, bag alles t)orf|anbcne aScrmögen
6rrungcnfd)aft fei. SBenn aber and) regelmäßig bie Sluöeinanberfefeung in
©fite erfolgen mag, fo liegt barin bod) fein SSerociö für bie S^Jectmäßigfcit
beö Si)ftemeö, fonbeni man ift im ®egentl)eil barauö, baß eine fold^e gütlid^e
Sudcinanberfeßung erfolgen muß, um bie oermicEeltftcn unb unerträglid^ften
Unterfud&ungen ju uermeiben, auf eineti fd^rocven 3Rangel beö Spftemeö ju
[(fließen bcred^tigt. 9Bie üermirfelt unb fd^mierig bie SKuöeinanberfefeungen
loerben, wenn im cinjelnen ^alle ©trcit cntftel^t, geljt jur ®enüge aus bcn
in folc^en ©trcitigfeitcn ergangenen Urt^eilen l)croor. 93efonberö belel^renb ift
in biefer Sejie^ung aud^ ber mürltemb. ©ntro. ü. 1840, auß beffen rcid^er
ftafuiftif man bcutlid^ bie große SRengc bei* Streit- unb S^^^if^löpunfte
crfcnnt, njeld^e, wenn eine gütlid&c Sluäeinanberfefeung nid)t erfolgt, ju ben
öcrroirfeltften unb peinlid^ften ^ßrojejfen 9lnlaß geben miif^cn. SBo ba& Softem
ber ©minflenfd&aftögemcinfd&aft uon Sllterö ^er gilt, mögen Sitte unb OeiuoJ&n-
^it üba- bie Sc^roierigfeiten ber äudeinanbcrfefeung Ijinmeg^elfen. Sei Sin*
fü^rung biefcö Spftemeö aber in Ocbietcn, in meldten eö bisher unbefannt
gcroefen ift, mürben jene Sd)n)ierigfeiten auf baö Sc^roerfte empfunben merbcn.
2ic unertäßlid^e SBcbingung für ein in ganj 5Deutfd^lanb einjufülirenbcö e^e*
li(^ (Sütcrrec^t ift, baß eö etnfad^, ftar unb praftifc^ leidet ju l^anb^aben ift.
2od ober gerabc ift eö, maß bem S^fteme ber ©niingenfd^aftßgemcinfc^aft
fc^lt; ber bemfelbcn ju ©runbe liegenbe, an fid) rid^tige Oebanfe läßt eine
unmittelbare 3(ußfül^rung ntc^t ju, ol^ne jugleid^ bie l)eroorgel[|obenen praflifc^en
Uebelftänbc ^erbeijufüliren, unb feine iuriftifd&c S^ec^nif mirb im Staube fein,
bcnfelben abju^elfen. gaßt man ben l^auptfäd&lid^en 3mecf jcneß (Sebanfenß
inö äuge, mic er unß in ber erften gefd;id&tlid^en ßntfte^ung ber ©rrungen*
fd^ftßgemcinf^aft entgegentritt, ben S'^ecf. nämlid&, ber (S^efrau burc^ ®e*
roa^ng cineß 9lntl)eileß an bem mä^renb ber G^c ermorbcnen 93ermögcn
eine ongcmeffene SSerforgung nad) 3luflofung ber (Sl)e ju fid^eni, fo läßt biefer
3roed fic^, mie weiter unten gejeigt werben foU, auf bem Soben ber 9Ser*
rooltungßgemeinf^aft in einfad^er SIBeife burdEi Oewäl^rung eineß außgebe^nten
&rb* ober Sließbraud^rec^teß ber ©Regatten erreid^cn.
Slnlangenb bie gemifd()ten jwifd^en ber 3)lobiliargemeinfd^aft unb ®r* «cmif(^te
rungenfd^aftßgemeinfdjaft in ber SWitte fte^enben Si)fteme, fo muß anerfannt ®'^*""^
loerben, baß in ber ©leid^ftellung berjenigen 33eftanbtl|eile beß aJiobiliar*
oermogenß mit ben 3»nnio6itten, weldEie nac§ ben iegigen wirt^fd^aftlid^en 9Ser*
^Itniifen in ä^nlid^er ärt wie biefc bie Sebeutung beß probuftiüen Äapitaleß
^üben unb äußerlid^ alß aSermögen ber ß^efrau crfennbar finb ober erfennbar
flcmo(^t werben fonnen, eine bem 3n)edEc unb bem (SJciftc ber ajlobiliargemeinfc^aft
156 GfecKc&ey @uterred&t. ©jpftem beö gefc^lid?cn ®ütcrce$tc3.
cntfprcd^cnbe gortcntroicfclung ber Icfetcrcu liegt iinb baburd^ bie 9iad)tf)cilc
bcrfelbcn gemilbert werben. 9lud) loerben burd^ bie 9luäbef)nung ber Grrungen-
fd^aftögcmcinfci&aft auf ben ber oorerwäfinteti Äategorie üou ©cgcnftänben n\d)t
ongel^örcnbcrt Sfjeil bcs 3)iobiIiQn)crmögenö - bie bei ber Sluöeinanberfeßimg
naä) 3luflöfung ber 6()e entftefienben ©d)roierigfeiten ueiTingert. Srogbeni
ftel^en ber ©infiil^rung eineö auf folc^en (Srunblagen beru^enbcn, in bem üom
^^JrofeRor ©d^röber für bie Äommiffion im ^aljre 1875 erftattcten ®utad)tcn
bcfünüorteten unb in einem bem legtcren beigefügten ©ntrourfe nä^er auo«
geftattcten ©^ftemeä in gauj ©eutf^Ianb bie ernfteften S3ebcnfen entgpgen.
^iefe 33ebenten fallen im 9BcfentlidE)en mit benjenigen S3cbcnfen jufammen,
welche oben gegen bie 3Robiliargemcinfd^aft unb bie ©rrungenfd^aftögemeinf^aft
crljobcn finb. SBerbcn auc§ bie Slad^tljeite biefcr Si)fteme burd^ baö gemifd^te
©riftem gemilbert, fo treffen bodfi anbererfeitß bei bem leßteren bie 9iad)tljcilc
jener beibcn ©ijfteme jufammen. Saju tritt nod^ baä weitere 93ebenfcn, mie
cö bei bem gemifd&ten Si)fteme, bei meld&em ein 2:t)eil beö 3)iobilian)erm5genö
in bie ©emcinfd^aft fällt, ein anbcrer nid&t, mit ben ooreljclid^en Sd&ulbcn gc«
galten werben foll. ©ie ganj t)on ber Oemeinfd^aft auöjufi^liegen, ift un-
geredet gegen bie (Stäubiger, wie gegen bie ©Regatten ; fte ganj in bie ® cmeim
fd^aft fallen ju laffen, würbe jwar für bie ©laubiger Dortlfieil^aft fein, fonntc
aber ben ®{|egatten gegenüber nid^t minbcr ju einer Ungcred)tigfeit führen,
wie bie DoUftänbige Sluöfdjticfeung. ©in jutreffenbcr unb fefter 3Hafeftab für
bie Sßcrt^ellung ber Sd^ulben würbe nur in bem 83erl|ältniffc i^reö SJetragcö
ju bem Setrage beö in baö ©efammtgut fallenben unb beö baDon auögefd^loffcnen
SSermögenö ju finben fein, alfo eine ^ered^nung unb ©c^äfeung üorauöfe^en,
weld^e baö ©i)ftem nod) tompliäirter unb für bie leidste praftifd^e ^anbl)abung
unbraud^bar mad^en würbe.
s)ic «er* Sie SSerwaltuugögemeinfdjaft berul|t wie bie 6n:ungenfd&aftögemcinfd[)aft
fllmc\*nw!ft. ^wf bem ®eban!cn, bafe bie ^wftänbigfeit beö bciberfeitigen aSermögenö burd)
1^ bie 6f)e nid^t geonbert, ha^ ober ber ©rtrag beö beiberfeitigen SBermögenö unb
ber beiberfeitigen 3lrbeit jur 33eftrcitung ber e()elid^en Saften üerwenbet unb
■ ju bicfem 3wedEe baö SSermogen ber S^efrau mit bem SBcrmogen beö ©^e=
manneö in ber ^anb beö legtercn alö beö ^äuö^errn imb ^auptcö ber 6f>c
vereinigt werben foll. 2)ie weitere Stuöfü^rung biefeö ©ebanfenö erfolgt aber
bei ber SSerwaltungögemeinfd^aft — abweid)enb Don ber 6rrungcnfdbaftö=
gcmeinfd^aft — in ber 9lrt, bafe ber ©rtrag beö beiberfeitigen SBcrmögenö unb
ber beiberfeitigen 9lrbeit, Dorbel^altlid^ ber bei bem felbftänbigcn ©rrocrbe
ber ©^efrau burd^ i^re 9lrbeit eintretenben 3)lobififationen , bem ©bemanne
alö beRen alleinigcö ©igentljum überlaffen, anbererfeitö aber ber ©Ijemann uer:^
pftid)tet wirb, bie cl^elid&cn Saften allein ju tragen. S)urd^ biefe 9(rt ber ©c^
ftaltung wirb bie 9totf)wenbigfcit, eine befonbcre ©rrungenfc^aftömaffe ju bilbcn,
mit allen fid) baran fnüpfenben Uebelftänben üermiebcn unb baö 83erl)ältnift
unter ba\ ©l)egatten fo einfadj geftaltet, wie bieö bei geft^altung beö ®runb>
fageö, bafj an ber S^ftänbigfeit beö beiberfeitigen SBermogenö nidjtö gcänbert
wirb, nur mogtid) ift. 9lber aud) gegen bie @ered)tigfcit biefeö SBegeö laffen fic^
begrünbete ©inwcnbungcn nid)t erl)eben. 2)em 6f)emanne fteljt bie Verwaltung
beö beiberfeitigen Sermögenö ju, er ift aud) unter ben iet5igen wirt^fd)aftli(^en
einirituno. aScm>aItun(jööentcinMaft. (§1283.) 157
Scr^ltniffcn regelmäßig no^ bcr IjouptfödjUc^ crroerbcnbe 2^I;ci(, n)oI)renb bie
ß^efrau \f)n babei mciftenö nur burci) if)rc ^ülfc im §aufc unb im ©efd^äftc
unterftüftt 33on i^m (jSngt alfo Dorroicgeub ber betrag bcr ©inna^mc ab.
8nbercrfcitö aber i)at er, wie oben bereits ^erüorge^obcn roiirbc, fraft fcincö
^QUö^errlic^en Sted^tes bie 3lrt bed gemeinfc^aftlid^en Sebens unb bas äßag
ber bafur ju mad^enben 9[ufn)cnbungen ju beftimmen. 93on i^m aQein ^ängt
Qlfo ber öetrag ber cl^eHd^n Sluägaben ab. Sei fold&er ©ac^Iagc fann cö-
nur a(o natürlich unb als geredet erad^tet votxbcn, luenn i^m allein aud) bie
Serontwortung bafür auferlegt mirb, ba% bie efjelic^en 3ludgabcn burd) bie
cWic^en (Tmna^mcn gebecft werben, unb roenn er allein bad etroairfc S)cfijit .
lU Mtcn oerpflidötet ift. Sind benfelbcn ©rünben muß it)m bann aber aiid^
bcr ctnwigc Ueberfd^ufe jufaUcn. ®r allein trägt bie ®efa^r, il)m allein qq^
bü^rt ba^er aud^ ber Oeroihn.
S)ic gragc, in roeld^em SWafee bem ®l)emannc ein Serfügungörcd^t über
tKi^ feiner Sßenoaltung unterworfene SSermögen ber ß^efrau cinjuräumen ift,
wirb bei bem ©gfteme ber SSerroaltungögemeinfd^aft im SBefentlid^cn nad) bcn^^
felbeu 9Jürffid&ten ju entfc^eiben fein, wie bei ber ®rrungenfd()aft3gcmcinfd)aft.
Ttan fyii für bie ©ntfd^eibung biefcr ^rage Ijicr infofern freiere J^anb, mie
bei bem ©tjfteme ber allgemeinen ©ütcrgemeinfd^aft, als ber Seemann über
frin eigenes SSermögen iebenfallö frei verfügen fann, eine SBefc^ränfung feineiS
Snrfugungdrec^tefi über bod 93ermogen ber @^efrau l^icr alfo meit weniger
bebenfU^ ift, ato bei ber allgemeinen ®ütergcmeinfdE)aft, ba bei ber Icfttcreii
«ne folc^e 9cfd&ränfung fonfequenter SBeife immer aiid^ bad mit bem SBcr^
mögen ber @^frau 5U einer ungetrennten SDlaRc Dereinigte aScrmögen bcft
e^anned ergreifen, bie freie Senuftung bcöfelben alfo in imgleid^ größerem
9la6e becinträd^tigen mu§. Ungcbunbcn burc^ bcrartige Slücffid^ten fann bei
bem €i)flcme bcr SBerwaltungdgemeinfc^aft iaQ 93erfiigungdred)t bcd ©Ijc-
niönne« fo georbnet werben, wie cö unter 3lbwägung bcr SWüdfic^t auf bie
ctc^r^t bcr (S^efrau einerfeitd unb bie Stellung bed Seemannes, fowie bie
Bidfcti^lt bed ^te^reS anbererfeitd am iwedhnäßigften erfd)eint.
Cb unb in welkem SRaßc be^ufd Sid^erung ber 9tedE)te bc3 @l)emannc&
Me ©cfc^ftöfä^igfeit ober Sispofitionöbefugniß ber ei^efrau ju befd^ränfcn^
ift eine ^age, weld^e bei allen Sqftemen bed e^elid^en ©üterred^tcö im
Scfhrtlic^en in gleicher 2lrt ju cntfdijeibcn fein wirb unb beren Söfung bei
bem 2i)ftemc ber JJerwaltungftgemeinfd^aft minbeftenö feinen größeren Sd^wicrig-
fetten begegnet, Qlö bei anberen Spftemen.
9ln(angenb bie Sd^ulben ber ©Regatten, fo finb bie auö bem ^rinjipe
ber Serroaltungdgemeinfd^aft fic^ ergebenben @runbfäge einfach unb flar. @ia
Untetfc^icb jwifd^en (g^efd^ulben unb ©onberfd&ulbcn finbct nid&t ftatt. 3cbcr
©Kgattc ^ftet na<^ allgemeinen ®runbfä|en für bie in feiner ^^Jcrfon ent^^
ttottbenen ©Bulben unb nur fiir bicfc. Snöbefonberc läßt fic^ eine Haftung
bcr "ff^frdirtiir hie Sd)ulben beö ©demanneö auö bem Si)ftcme ber 93cr^
0Qltung6gcmeinf(^aft nid^t ableiten. Unoereinbar mit bem legteren würbe eine
fold^c burdft pofitioc 3Sorfd&rift in größerem ober geringerem Umfange beftimmte
Öttftung inbcffen nid^t fein, imb wirb bie grage, ob eine fold&e SBorfc^rift mit
Südfi^t auf bcfi SJcr^ältniß ber ©Regatten nad^ außen imb bie Sid)cr^cit
158 65ctici6c§ ®ütcrrcd&t. (Softem be§ QcU^liiicn ®ütcrreifitc0.
bcö aScrfcfireß fid^ cmpfict^It, bei (Sclcgenl^cit ber 33cgrünbun9 bcr cüijcfncn
Söeftimmungen bcö entiourfefi bcfonbcrö erörtert werben (oergl. bie 2)iotioc ju
§§ 1298, 1299). §ier genügt cö, barauf l^insurocifen, bafe au^ in biefcr §im
fid&t baö @i)ftem ber SSem)altungögcmeinfd;aft freie ^anb fäfet, baö aSer^ältnife
in ber ben üerfd^iebenen SRücffid^ten am beften entfpred&enben SBeifc jü orbncn.
©ine unleugbare Sd^attenfeite beS ©i)ftemcö ber a3enoaltungögemcinfc||Qft
liegt barin, ba^ bei Sluflöfung ber G^e bie Sluöfonberung beö SBermögenö ber
^l;cfrau aus bem beö ©öemanneö unb bie geftftellung etwaiger ©rfafeanfprücöc
wegen nid^t mel^r Dor^anbener ober üerfc^fe^terter aSermogenöftfirfe einerfeitö
unb wegen aSerwenbungen anbererfeitö notl^wenbig wirb. Sic Slot^wenbigfctt
einer fold^en Sluöfonberung unb JReftitution beö aSermögenö ber ß^efrau ftc^t
jwar mit bem SBefen ber G^e nid&t in SBiberfpru^, ba fie, abgegeben von
Befonberen Sludnaf)mefäUen, erft na^ 3luf(öfung ber 6^e erfolgt. Slu^ ift bie
3luöeinanbcrfegung l^ier ungleid^ einfa^er, wie bei ber ©mmgenfd&oftö-
gemeinfd^aft, bei welcher lefeteren bie ^auptf^wierigfeit barauö entftebt, ba^
eine 2lbred^nung unter ben SJermogenömaJfcn erfolgen mu§. Smmer^in fönncn
aber aud& bei bem Si)fteme ber Säerwaltungsgemeinf^aft bie 5um ^rotäc bcr
3lußeinanberfe^ung notöwenbig wcrbenben (Srmittctungen unter Umftänben mit
©d^wierigteiten tjerbunben fein unb fann baö ganje SSerfal^ren für ben über-
lebenben ©liegatten etwas ^jjeinli^eö l^aben unb fein @efül;l oertegen. 2)iefcr
Uebelftanb wirb inbeffen burc|| bie erbrec^tli^en Seftimmungen beö ©ntwurfeö^
ttieilö burdi ben bem überlebenben ©begatten traft ©cfegeö juftel^enben Süorauö
an gewiffen jum 9Ja^taffc beö oerftorbenen 6l)egatten geprenben ©egcm
ftänben, namenttid^ an bem jum SRad&laffe gcl^orenben ^auö^altöiuoentare^
weld)eö bie ©l^egatten im gewöljnlidjen Gebraute gehabt l^aben, tlieilö burd^
baö bem überlebenben ©l)egatten in weitem Umfange einjuräumenbe SÄDeins
crbred^t, für oiete gällc wefentli^ gemilbert (oergl. § 1971). SBoUftänbig
befeitigen lä§t jener Uebelftanb fid^ freili^ nidjt; benn ben einsigen baju
geeigneten ajiitteln, cntwcber bei bem SE:obe eineö ©Regatten eine ®ütcr=
gemeinfd^aft t)on S^obeöwegen eintreten ju laffen ober ber ©^efrau bcjw. bevcn
©rben ftatt beö Slnfprudieö auf Sleftitution beö ^rauenoermögenö einen Sln^
fprud) auf einen Inbegriff beftimmter ©ad^en ober Seiftungen (Oerabc ober
Seibjud^t) ober auf eine Quote beö beiberfeitigen SBermögenö ju geben, ftel}cn
fo crbeblid^e Sebenfen entgegen, bafe ber babur^ errei^te ©ewinn alö ju
treuer erfauft crfdieint (oergl. barüber bie SWotioc in § 1327).
Unabhängig oon bem 3tnfpru^c bcr ©dcfrau auf SRcftitution i^reö Jßcr-
mögcnö mufe aber bcr ©^efrau unb ebenfo bem ©bemanne ein angcmcfiener
crbrcd)tlic^cr 9lnfpruc^ an bem 5Rad;laf)e beö jucrft oerftorbenen ©l;egattcn cim
geräumt werben, .^icrin liegt eine uncrläfelid^e ©rgönJÖhg beö ©^ftcmcö bcr
aSenoaltungögemeinfc^aft. S)ie aRe^rjabl ber barauf berubenbcn Sichte gcwäbrt
aud| in ber 2:t)at bem überlebenben Gtjegattcn ein melir ober weniger ou^s
flcbc^ntcö ©rbred^t. ©a^ bieö Dom röm. 9tcd)te nur in oöUig ungenügcnbcr
3lrt gcfd^c^en, ift woljt einer bcr ^auptgrünbc, auö welchen bie 83eftimmuugcu
iencö Sflcd^teö in ber ^ier fraglid^en 33e5icl^ung nur in einem oer^öltnilmäfeig
fo flcinen Xi)c\k oon 2)cut)d)lanb l^aben 2Bur5cl faffen fönncn. Saö ©rbrecftt
bcö überlebenben ©[}cgatten mu^ fo bcmeffen fein, ba^ barin bie 9?ad)wirhing
einlcitunö. aSemaltuno^öemcinfdjaft. (§1283.) 159
bcr burd) bic ß^c begrünbeten Scbenögemeinjci^aft fid) offenbart xinb ber über?
lebenbe ß^egattc, foroeit bieö mä) Sage ber $8erf)ältni?fe möglicb, baburd) in
ben Stanb gefegt wirb, in ä^nlid^cr SBeifc fortiufeben, wie er roä^renb beftebenbcr
G^ gelebt ^ot (oergf. § 1971). 3m ©injelnen wirb in biefer Sejie^ung
auf bie üRotioe ju ben betreffenben erbred^tUd)en öeftimmungen terroiefen.
©ntfc^eibenb für bic oorliegenbe grage ift, bafe iebcm auö bem SBefen ber
% entfpringenben Sebürfniffe in Setreff ber SBerforgung beö übericbenben
©Regatten burd^ erbred^tUd^e SBeftimmungen in bcr oollftänbigften unb jn*
trcffcnbftcn Srt Ocnüge ge|d)el)en fann.
2)Q6 feinen ©runbsügen nad) int S3iöt)erigen farafterifirte Si)ftem ber
Scrrooltungögemeinfcbaft bat im SBcrgleid^e mit bem ibealcn 3"g<^/ roeld^er in
bcr allgemeinen (Sütergemeinfd^aft f)crt) ortritt, mie im 9SergIeid)e mit bem baö
Öemütö anfprcc^enben ©ebanfen, beffen a5ern)irfüd)nng bie Grrungenfc^aftö^
gcmeinfc^oft erftrebt, ctroaö fübl SSerftänbigeö unb praftifd^ 9lüd^terneö. 2?ie SBer-
einigung beö SSermogenö ber ©begatten ift eine rein äu6erlid)e unb bient tebiglid)
bem3rocdc, bem ©b^ntanne, roeldjem bieSeitung beö gemeinfamen ebeti^en Scbenö
jufteljl, auc§ bie Verfügung über bie ju biefem Qrotdc erforberlid^en äußeren
3Riltd JU fidlem. 3n biefer SBefd^ränfung auf ben burd^ baö unmittelbare
praftifd^e 95cbärfni§ gebotenen Umfang ift aber gerabe ein mefenttid^er ^orjug
bcö Spftemeö ber S3em)attungögemcinfd)aft }u finben. Gs uermeibet baburd)
bic fd^roeren Uebelftänbe, n)cld)c jeber ääerfud), in meiterge^enber SBeife ben
jtttlidien ©ebalt ber ©bc burd^ Sied^töfägc jum 2tuöbrudEc ju bringen, nad)
ft(^ jieöen mufe, unb ift bod& auf ber anberen ©eite biegfam genug, um iebe
ffiobififation, welche burd) baö praftifd^e Sebürfnife geforbert wirb, ju geftatten.
SKit bem Si)ftcme ber ©rrungenfc^aftögemeinfc^aft ftebt eö in feinem tieferen
prinjipieBen ©cgenfage. Gegenüber jenem ©i)fteme boubelt eö fid^ im SBefent-
U^ um eine äroedfmäfeigfeitöfrage. S^if^^^^ i>^" beiben ^auptformen ber
(Srrungenfc^aftögemeinfdfiaft, uon n)cld)en bie eine bie (Sf)tfva\i nur an bem
nacb Seftrcitung ber ebclid^en Öaften t)erbfeibenben Ueberfd^uffc beö Grtrageö
bcs beiberfeitigen SSermögenö unb ber beiberfeitigen Slrbeit, bie anbere aud)
an ber ©inbufee 2:beil nehmen läfet, ftcf)t baö ©ijftem bcr SScrmaltungö*
gemeinfc^aft gleid^fam in ber aKitte, inbem eö bie ©^cfrau roeber an bem
Ueberfd^ujfe nod) an ber ©inbu^e Xijtil nebmen läfet, fonbern Seibcö bem
(Spanne aBein überiöeift. 6ö liegt bierin eine billige unb jrocdEmäfeige ^ßer-
mittclung, unb eö fann beö^alb barauf vertraut merben, bafe, ba ben gered)ten
tlnfprucben bcr ©b^ftöw ^^^^ i>ic erbrcd^tlid)en Seftimmungen ©cnüge gefd)iebt,
bcr Ucbcrgang ju bem Spftcmc ber aSermattungögemeinfdjaft für bic ®ebiete
bcr ©mingenf4aftögcmeinfd)aft ein oerböltniBmäfeig leichter fein wirb. S)cr
cntfcbeibenbe SSorjug ber SBermaltungögemein|d)aft vor ber ©rrungcufd^aftö-
gcmeinfcbaft liegt aber in ber größeren ©infadö^eit unb Seid^tigfeit bcr praf?
tif(ben ^nbbabung, meldte ber ©rrungenfd^aftög^meinfd^aft in fold^cm SJiafec
feblt, boß baran ieber SJerfuc^, fie in ganj S)cutfd)lanb einjufübren, fd^eitcrn muß.
©rö§er ift bie Sifferenj jmifd^en ber SSerroaltungögemcinfd^aft unb ber
aDgemeinen ®ütergemeinf^aft ^ier beftel^t in ber Xi)at ein prinjipieller
©^enfttfe. Der ibeale ©runbgebanfe ber allgemeinen ©ütergcmcinfd^aft läßt
^i^ icbocb praftifdö o^ne fd^mere ©cfä^rbung ber ©f)efrau nid^t burd^fübren.
160 eScIid&cÖ Oütcrrcdjt. g^flcm bc§ gefetliÄcn ©ütcrred^tcS.
Slud^ bringt bic praftifd^c 2)urd)fü^rung bicfcö ©pftcmcö unter Umftäubcn große
.gärten für bcn übcricbcnben ©Regatten mit fid). Dicfc Ucbclftänbc wiegen
fd^tt)crcr, alö bic auö bem ^ßrinjipc bcr oUgemeincn Oütergenteinfdjoft ftd^
crgcbenbe ©infod^l^eit ber ©nmbfä^c über bie Haftung für bic Sdiulben unb
über bie Sluöeinanberfefiung bei 9luflöfung ber ®l^e. ©aju fommt, bafe in bcn
wid^tigften Sejie^ungen, inöbefonberc in Slnfcl^ung ber Sidjerung ber Olöu:?
biger, foroic in Slnfe^ung ber ©eroäfinntg eines angemeffcnen 3lntl^cifeS an
bem SBermögen bcö jnerft nerftorbenen (Sfiegotten an ben überfebenben &\)c^
gatten, ba^ unmittelbare praftifd^e Sebürfniß, roenngleid; in roeniger einfad^er
9Bcife, burd^ befonbere Seftimmungen aud| bei bcr SSernjaltungßgcmcinfdiaft
. Rdö bcfriebigicn löfet.
Gntfd^cibcnb bei Slbmägung ber SBorjügc unb Jlad^t^citc ber oerfdfiiebcncn
©r)ftemc fommt enblicb ber Oefid^fspunlft in 39ctrad&t, boß cß im ^i^cifel oor^
fid)tiger unb rid^tiger erfd^cint, bic fraft ©efcfceö mit ber ©^efd^lie^ung cim
tretenbe 9lenberung in ben üermögensrec^tlid^en aScrl^ältniflcn bcr ©Regatten
auf baö geringere SKafe ju befd^ränfen unb ben SBet^eiligten bie ®rn)citerung
burd) SJertrag ju überlaffen, alö umgefd^rt" ju Dcrfafircn. @ä ift für bie (S^c*
gatten felbft weit leidster, bei gcfcfelid^ beftcl^enbcr SSerroaltungögemeinfdjaft
burd) (Sdcücrtrag allgemeine ober partifulärc ®ütcrgemeinfd)aft cinjufüljren^
wenn fie bieö als ifjrcn SBerbättniffen entfpre^enber erachten, als umgcfe^rt
bei gefeglidi bcftel^enber ©ütergemcinfd^aft bic tegtere aufjul^ebcn ober cin^^
N äufd^ränfen. 5!Bäf|renb Sfieocrträgc ber erftcren ^vt in Slnfel^ung beö "^cx^
^ättniffcö nad^ au^en nöUig unbebenfUd^ crfd^einen, jtnb ©^coerträge bcr
tcgtercn 3lrt in bol^cm ®rabe geeignet, bie ©id^erf)cit beö SScrlc^rcö ju gcfäl^rbcn
unb JU 2^äuf^ungen ber ©laubiger Slnlafe ju geben. S)aö ^rinjip ber 9}er*
tragöfrei^eit unter ben (Sl^egatten unterliegt bei gcfeglid^ befte^enber allgemeiner
(Sütergcmeinfd^aft in ber 2^l|at fel^r ernften Sebenfcn. SBcnn baö ©cfcfe bem
©täubiger baö SRe^t giebt, fid^ an baö SSermogen bcibcr ©Regatten ju Ratten,,
blefen aber jugleid^ bic Sefugnife aufteilt, biird^ SBereinbarung cineö anberen
©üterftanbeö unter fid^ ba^ gcfeglid^c SWed^t beö ©läubigcrö auösufd^lie^cn, fo
ucrlcitet cö baburc^ ben ©laubiger ju einem Vertrauen, weldieö ju täufd()cn
cö ben ©Regatten geftattet. Um biefem SBibcrfpru^e ju cntgcfien, merbcit ba^cr
93eftimmungen notlirocnbig, meld&e bic 2Bir!ung bcr bic ©ütergemcinfdjaft aus*
fd^liefecnbcn ®^eoerträgc gegenüber 2)ritten, tnöbefonberc ben ©löubigern, an
fold^c S3ebingungcn fnüpfcn, ba§ baö allgemeine SSefanntroerben bcr ß^cocr*
trftge torauögcfcfet merben fann. Slbfd^lu^ in beftimmtcr gorm unb offentlidje
93etanntmad(|ung ober Eintragung in gcmiifc Siegiftcr Tinb ba^cr faft aüentliatbcn
üorgefd^rieben. Slbcr bic ©rfal^rung beroeift, bafe alle SSorfc^riften folc^er ärt
bod^ nid^t Dor 2:äufdöungen ju ftd^ern oermogcn, unb cinjelnc SRcd^te, n)ie
j. S. baö ^amb. äied^t, l)oben fid^ bcöljalb ncranlafet gefeiten, bic Söirffamfeit
fold&er ß^eoerträge gegenüber ©ritten, üon einjelnen beftimmten Slnöna^mcs-
fällen abgejel)en, gänjlid^ auöstifd^lie^en (uergl. aud| .bic 5Bcr^anblungen bcö»
13. beutfd^en 3»tiftentageö 93b. 2). ®ine berartige Seftimmung bcfc^rönft
aber fidötbar inbireft bie SScrtragöfrcitjeit felbft in ^ol^em ©rabc unb mürbe '
bei einfü^rung bcr ©ütergemeinfd^aft in ©egenben, in meldten biefc biö^cr
nid^t gegolten ^at, unerlröglid) crfd)einen. Sllan müfete fid) ba^cr mit ben
e^egitt u. Sorbel&altögut. @H Sflu^megung u. SScncaltung. § 1283. 161
mDQ^ten Seftimtnungen über bie SlotJ^toenbigfctt ber SSeröffentltd^ung begnügen
unli fu^ betoL bfbenffir^. flonfecnienjen gefallen (äffen. ^Ucd biefed witb oer^
mieben, loenn baö gefegüc^e ©üterred^t auf bad ^riniip ber ^erroaltungS:'
gemeinf^aft gegrfinbet xoxvb.
Sud ben oorfte^enben ©runben ergtebt ft^, ba^, Dom praftifd)en Stanb-
punfte auft betrad^tet bie ^erfteQung eined ein^ettlid^en ef)e(id^en ©ütcrred^teö
für gan) 3)eutf(i^(anb fid^ iebenfaUö am (cid)teften auf bem ^oben bes am
wniflflen tief eingreifenben ©gftemeö ber SSerroaltungögemeinfd^af t bcroerf ftelligen
läit. Xud) ber 12. beutfd^e ^uriftentag (3b. 3 @. 80) i)at ftd^ für biefed
Sqfifm ate ©runblage bed gefetflid^en ©üterred^tcd ausgefprod^en.
1. @l^egut unb äSorbe^attdgut.
§ 1283.
Der § 1283 bringt ba« bem ©ntrourfc ju Orunbe Hegcnbe 5ßrinjip befi vrmxv m
^fe^Ki^n e^elt^ien ©üterred^te« im 9lUgemcinen jum äluöbrude. 2)ie ©rünbc, ^eteiiJSJn"
vdifc beftimmenb geioefen Bnb^ ^^ e^clid^e ©üterrec^t ein^eitUd^ ju regeln Güterrechte«.
unb auf bäd ^rinjip ber fog. SSenoaltungdgemeinfd^aft ju grünben^ ftnb bereits
oben @. 133 ff. in ber (Stnleitung bargelegt. 3^^^ ^ejeic^nung bes Sqftemed
ift gegenwärtig ber 3luÄbruct „Sßerroattungögemeinfdiaft" am meiften ge*
bniu^lid^. 3n bem ©efegbu^e ift iebod^ biefer äludbrucf^ mie au^ ber uon
onberen Seiten uorgefdftlagene äuftbrucf „®ütereinl^eit" ober ,,®üterpereinigung"
ober v®uterDerbinbung'' uermieben, weil feiner biefer Sluöbrücfe baö SSer^ältni^
ooQig {utreffenb bejeid^net unb jur allgemeinen 9lnerfennung gelangt ift. 3nd«
bcfonbere ^at au(|| ber SluÄbrucf .^SBenoaltungögemeinfd^aft" in neuerer 3cit
oon oeifc^iebenen Seiten lebhafte 9lnfe(||tung crfaliren. 3m älnfd^luffe an
äftdii^c Raffungen neuerer^ auf bem ^oben beö ^ier fraglichen ©üterred^td»
fpftcmeft fte^cnber ©efeftgebungen (uergl. preufe. 31. S. 91. II, 2 §§ 205, 212, 231 ;
tö*f. ®. 33. § 1655; olbenb. ®ef. ü. 24. Slpril 1873 2lrt, 5) bejeid)net bor
Sntnmrf bod ©efammtrec^tdper^öltnig, in n)eld)ed bas Vermögen ber @^efrau^
unb {QKir foiDO^l bo^ienige, n^eld^ed fic üur 3<^i^ ^^^ Sd)liegung ber @^e ^at,
aU au(^ badienige, n)eld)€ft fie möl^renb ber @f)c enoirbt, fraft bed ©efefted
gegenfiber bem ©bemanne tritt, alö ^^Jlufeniefeung unb SBenualtung bcß (5{;c*
manne«''. 33urd^ biefe Sejeid^nung wirb ber ^nf^alt bed burdi bie Gf)c in
Infe^^ng beö 3}ermögend ber ©^efrau unter ben ©Regatten begrünbeten ^led^tö«
wtiiältniffeÄ, toie Ie|tereÄ jum Qtotdt ber ©ur^fü^rung be« bem £i)fteme ber
SenooUungftgemeinfd^aft ju ©runbe liegcnben mirtljfd^aftlid^en ©ebanfcnö in
ben auf bem SSoben biefefi ©#eme« fte^enben neueren SReci^ten fid^ geftaltct
kü, in feinen roefentlid^en ©runbiügcn farafteriftrt. 9Ud Sluöftufe jencö
®efammtre4|tftoerl^ltniffe« fte^t bem ©bemanne einerfeits bie e^eüd^e ?tu^^
n«6ung JU, meiere i^m ein eigenes, bem Slic^brau^e analoge« JKe^t auf bie
%itimBm be« grauenoermögenö gemährt (§§ 1292 ff.), anbererfeitö in enger
Serbinbung mit ber e^elid^en Slufcniefeung, aber innejli^^baüoiL-fiüiüebcn,
bie e^licj^e genDaltung, uermoge bereu er bere(!^tigt, aber aud^ uerpflidjtct ift,
ltotiM|.Mh^L«clc|bu4. IV. ^^
162 ei^eflut u. aSorBeßaltgßut. g^cL Jlutnicgung u. ScrtoaltuitG. § 1233.
für l^ie^jrbnunQgma^igc ^erroaltung berSubftgns bc8 33crmogen^ bcrGt)efrau
?iu_foraen (D?rc[L§§ 1317 ff. nebft^cn aÜgcmcihen uitoUDcn ju §§ T517 ff.)-
Öbroo^ie SBorfi^riftcn bcö ®efcfebud|cd über ben SRicfebraud^ (§§ 980 ff.)
audb bcn gcfeßtid^cn 9itc§braud^ mitumfaffen unb im ^inbücfc barauf bic crft*
gcbac^tc ©citc beö cf)cmännti^cn SRed^teö au^ alö ,,3lie6braud&" jutrcffenb
bcäci^uct werben fönnte (ücrgl. prcufe. 31. S. SR. II, 2 § 231; fäd)f. ®. ».
§ 1655; olbcnb. ®ef. ü. 24. aiprit 1873 3lrt. 5), fo ift eö bod^ roeflcn bcr
eigent^ümlid^feiten bcö bem e^emanne an bcm SSermögcn bcr e^efrau
jufte^enben^ Siiefebraud^eö (§§ 1292 ff., § 1311) alö angemeffencr crod^tct, für
baö in gragc fte^enbe 3lcd&töi)er^ältni6 eine befonberc Sescid^nung cim
jufül^ren, rocld^e barauf ^inrocift, bafe cö ftd^ l^ier nic^t um ben gemo^nfic^cn
3liefebraud| I;anbclt.
«erminoioflie. 2)aö ber Siugnicfeung unb SSerroaltung beö (Seemannes traft bcö
«^eflut. Qg^gg^g unterliegenbe 3Sermögcn ber ß^efrau bejeid^net baö ®efe^bud|, roic
fid^ auö ber ßinflammerung im § 1283 ergiebt, tcrminologifd^ atö ,,C6egut",
©ine furjc Sejeid^nung für baö gebac^tc SSermögen ber (Sl)cfrau ift auö icd^
nifc^en ©rünben nid)t in entbehren. 3"^^^^ ift es bic SRcgcI, bafe allcö SJer-
mögen bcr Sf)efrau bcr cl)cUd)en ^Ru^nieftung unb SScrroaltung unterliegt,
unb cö fd^cint ba^cr na^c ju liegen, fid^ auf einen befonberen Sluöbrudf für
bic 3lusnaf)mcfäUe ju befd^ränfen, foiocit aber biefc nidöt in gragc fommen,
oon bcm 93crmögen bcr ßf)cfrau fd^Icdöt^in ju reben. 3!n bicfcr 9lrt ocrfäftrt
}. 33. ba^ fäc^f. 0. ». (oergl. §§ 1640, 1681, 1693). Gd liegt barin inbe^lcn
eine Ungenauigfeit beö Sluöbnidfcö, ba bie SSorfd^riften, rocidjc fd)cinbar für
baö ganje SSermbgcn ber G^efrau gegeben mcrbcn, in bcr 2'f)at nid^t für baö
oorbc^altenc 3Sermögcn gelten fotten. ©anj oermeibcn läfet ftd& jubem eine
befonberc Scjcidömmg beö nid^t Dorbcbattcncn SSermögenö für fold^c gaüc
nid^t, in meldten bie befonberen SSorfd^riftcn für bie eine unb bic anbcrc airt
beö 93crm5gcuö einanber gegcnübergcfteUt werben muffen. |)icr bleibt bann
in Grmangclung cineö befonberen SluöbrudEcö nur übrig, ben bcr cf^cUd^en
^lufenicfeung unb 33crioattung untcrlicgenben S^^eil beö SScrmogcnö negatit)
alö nid^t oorbc^altcncö ober atö baö übrige SScrmögen bcr Gftcfrau ju be-
jeid^ncn (ücrgf. fäc^f. GJ. 95. § 1681). 2)aö prcufe. k. S. fR. II, 2 §§ 210,
231 bejcid^nct baö bcr 5Rugnic§ung unb SBcrroaltung beö G^cmannö unter-
liegenbe aScrmögcn bcr G^cfrau alö „Gingcbrad^teö" ober „cingcbrad)teö SSer-
mögen". SScrfd^icbcnc ©cfe^c unb Gntmürfe f)aben fid& biefcm SBorgangc
angcfdjioffcn (oergl. }. S. olbcnb. 0cf. ü. 24. 3lpril 1873 3lrt. 5, 6); aud^
bat biefc Söejcic^nung im ficben roie in bcr SBiffcnfd^aft eine meitc SSer^
breitung gefunben. Wegen biefen Sluöbrudf erbebt fid) jcbod^ baö 33cbcnfen,
baß in bcm 3Bortc „cingcbrad)t" bic .^inroeifung auf eine befonberc ^ätig^
feit ber G^cfrau, auf einen Sted^töaft, burd) iocId)cn baö SBcrmögcn bcr (S^c^
frau bem Gbcmannc cingcbra^t loirb, liegt, n)äl)rcnb bod^ bic cbclid^c 9lu^
nic^ung unb 9Scrioattung o^nc einen foldjcn 9lcd^töaft unb obnc ba% eine
obtigatorifd)c a^crpflid^tung bcrGt)cfrau ^u bcmfclbcn bcftet)t, h*aft bcöQefe^eö
eintritt. Gö finb in bcr 2^l)at a\iQ bicfcr Sebcutung beö SBortcö ^in unb
micber S^ci^^l unb unridbtige 9luffa?fungcn cntftanbcn (ocrgl. Gntfd^. b. 31. (^.
bei @rud)ot XXV o. 752) unb ift co ba^cr ratbfamcr, jenen Sluöbrucf burd^
ßtcgut u. ScrBcWtögut. ei^cl. 9tut^nie§un9 u. aSertoaltunö. § 1283. 163
finen anbcrcn ju crfcgen. 2)er oou bem ©ntrourfe geroäfiltc 9luöbrucf
^©^egut" cntfiält ottcrbingö eine 9Jeucrung unb ift aud^ infofern nid^t üöUig
finioanbdfrci, alö er o^nc weiteren 3wfö6 ^^^^^ ^^if ^^^ gemeinfd)aftUd^e SJer-
mögen ber ©Regatten bei ber ©ütergemeinfd^aft ^injuroeifen fd^eint. 9luf ber
<mberen Seite brüdft er aber badjenige, worauf eö l^ier anfommt, baß nämtidö
baö betreffenbe SBermogen in ein burd^ bie ®f)e beftimmteö 9tc(^töt)er{^ttnift
getreten ift, unmittelbar aus. S)em fieroorgel^obenen Sebcnfen fönnte burd^
kn 3ufög ,,bcr grau" abgefjolfen werben. 3inbeffen wirb baburd^ bie ftürje
bcs äuöbrucfcö jw f^^tr beeintrad^tigt. 9lud& ift ein SKifeDerftänbnife nid^t ju
ieforgen.
3)aB alled Sßermögcn ber (S^efrau bis jum SSeroeife beö Oegentl^eileö
öte (S^egut gilt, bebarf fcineö befonberen SKußbrudEeö, ba bieö bereits auö
ungemeinen ®runbfä|cn (§ 194 Slbf. 1) ft^ ergiebt.
2)er 9lu|nie6ung unb SBerroaltung beö (g^emanneß in Slnfel^ung beß ®^«i»*«
%guted ftel^t anbererfeitß naö) bem ©pfteme ber aSermoItungögcmeinfd^aft
bie Verpflichtung beö 6l^emanneö gegenüber, bie eljeUc^en Saften allein ju
tragen. 3)ie leßtcren begreifen nad^ ber bcutfd^en 9luffaffung ber ®^e afe
eincd bie DoHe Scbcnögemeinf^aft unter ben ©l^egatten begrünbenben SSerl^ält^
iriifed aUe biefe Sebenögemeinfc^aft betreffenben unb iljren ^mäcn bienenben
ausgaben, ©ie umfoffen bal)er forool^I ben für ben Unterhalt beiber ®f)e'
gaitcn wie ben für ben Unterlialt ber gemeinfd^aftlid^en 3tbfommUnge erforber^^
liefen atufroanb (oergL § 1339 9lbf. 1). SBerf^ieben baoon fmb biejenigen \
Saften, roeld^c als Sluftflufe ber ei^elid^en ^lufenie^ung unb SBerroaltung bem 1
€6emannc in ^fnfel^ung beß ß^eguteö gegenüber ber 6f)efrau obliegen (§ 1297). !
®n Sebürfnife, ben S3egriff ber el^elid^en Saften im ©efefee genauer ju be*
fHmmen, liegt md)t vor. ©elbft ber ©runbfag, bafe ber ®t)emann bie etielid^en
Saften ju tragen ^at, ift in bem ©ntmurfe ni^t außbrüdlid^ audgefprod^en.
3n biefcr ^nigcmein^eit ift jener ©runbfag jur aufnähme in baö ©efcfebucö
f(^on beö^alb nid^t geeignet, meit ber eigene Unterl^alt bed (Sl^emanned einen
wfcntlid&cn ©eftanbtl^eil ber el^elid^en Saften bilbet, eine gefegli^e Seftimmung
ober, ba^ ber ©bemann feinen eigenen Unterl^alt ju beftreiten oerpfli^tet fei,
feinen ©inn ^aben mürbe. 3)ad Oefefe mufe fid^ uietme^r barauf bef^rönfen,
biejemgcn Äonfequensen jeneö (Srunbfagefi auöjufpre^en, meldte eine gefefelid&e
Seftimmung julaffen (oergl. § 1328 9lr. 2). knö) biefe Jlonfcquenjen gepren
inbeffen nicftt fämmtlid& in ba« elietid^e ©üterred^t (oergl. inöbefonbere §§ 1278,
1280, 1480, 1485). SJlit bicfer 93e^anblungöroeife ftimmen audi bie meiften
neueren Oefefee überein (oergl. preufe. 21. S. 9?. II, 1 §§ 185 ff.; fäd()f. ®. 33.
§§ 1634, 1635; code civil Slrt. 214; l)eff. ©ntm. I 3lrt. 66). 3l\xx baö olbenb.
®ef. 0. 24. april 1873 Slrt. 3 ftellt ben allgemeinen ®runbfa| auf, bafe ber
Seemann bie Saften beö el^eli^en Sebenö ju beftreiten Iiabe.
3n biefem 3wfömmen^ange mag übrigen« nod^ t)eroorge^oben werben, Äoftcn ber
bofe ber entrourf bie Soften ber (gbefd^liefeung nid^t ju ben c^elic^en Saften «^^^<^"^«"«8-
red^nct, ba fie bur^l einen 9led&t«att oeranlafet fmb, burd& meldten bad 93er*
^Itniß erft begrünbet mirb, meldte« ben ©bemann jur 2^ragung ber el^etid^en
Saften oerpfliditet. 2)iefe Äoften [xnb tjietmeljr nac^ § 320 oon jebem 2^f}eile
m feölfte }u tragen (»ergl, aud^ preufe. 31. S. SR. II, 1 § 171).
11*
164 eßcöut unb aScrBeJaltÖflut. einfhüeilioc Ofitcrtrciuiunfl. § 1284.
oKiItung.
§ 1284.
Guftpenfion S)ic Scftimtttung bc« § 1284, rocld^e {td& an eine o^nlid^e, ieboc^ nod^
^gSiÄnl weitcrge^enbc SBorfd&rift be« preufe. ^. 2. 5R. (II, 1 §§ 978, 980, 981, 983^
Hü.^.?!!' ^*^^^) anfd^Ucfet, bejroerft, in bem im § 1284 tJorouÄgefefcten gaUe bie e^efrau
gegen bie il^r aud bem (Eintritte bed gefeglid^en ©üterfianbed ber e^elid^ea
Slufenicfeung unb SBenoaftung unb ber mit biefem ©üterftanbc tjerbunbcnea
Siedete bed @l^emanned bro{)enben ©efa^ren in angemeffener SBeife ju fd^älen.
83on praltifdfier Sebeutung ift bie SBorfd)rift beö § 1284, no^ welker biö ju
bem bort 6e}ei(i^neten 3^itpun{te bad SSermogen ber @^efrau oon bem gefegt
lid&en SSertreter penoaltet wirb, nomentlid) für fol^c gäBe, in rocld^en ber
Seemann aus eigcnnfi^igen äßotioen mit 9{ä({ft^t auf ba^ SSermogen ber
(S^efrau bie @^e gefd^Ioffen ^at, bie in ber ©efd^öftdfö^igfcit befc^rfinfte @^e^
frau aber, meil fte unter bem @inf[u{fe bed @^emanned fte^t unb i^r bie
nöt^ige SBiberftanbdfraft unb @inftd^t fe^It, bie @^e jur ^cxi nid^t anfed)tea
(§ 1259 3lt. 4, §§ 1261, 1265), anbererfeitö ber gefefiü^c SSertreter ber ©ftc*
frau bie &)c n)egen ber ^rfönßd^feit bed @^emanned unb ber barauft ber
@l^efrau unb i^rem SSermögen brol^enben ©efa^ren nid^t genehmigen mill
(§ 1263 3lbf. 3). Sie gortbauer ber elterlid)en ©croalt bcjm, ber SBormunb«^
fc^aft über bie @^efrau (§§ 1509, 1536, 1655) gen)ä^rt ber (enteren feinett
genfigenbcn @c^u^ gegen jjene ©efa^ren, ba in Ermangelung einer befonberea
SBeftimmung ber @^emann fraft ber e^eli^en Stufeniegung (§§ 1292, 984) bie
Verausgabe bed SSermögcnd ber @^efrau verlangen fann, mithin in ber Sage
ift, tl^atfäd^Ud^ über bad Vermögen berfelben ju feinem 93ort^ei(e ju verfügen.
3)cr ©d^u^, meldten ber § 1284 ber ©l^cfrau ju geroäl^ren bejroedft, ift um fo
me^r am ^^(age, ate na^ bem ©ntmurfe (§ 1265) ber gefe^lid^e iJSertreter
aud) in bem I)ier fragtid)en ^alle nid^t bered^tigt ift, bie @^e anjufed^ten.
3[uf ber anbcren Seite mürbe ed über bad ^ebürfnig ^inaudge^en unb, ^in^
gefe^en namentüd^ auf ben ^auptfaQ, menn bie @^e nad^trägUd^ bur^ ©e^
ne^migung unanfed^tbar gemorben ift (§ 1263), ju einem unangemeffenen
Slefuttate führen, menn man unter ben SSoraudfe^ungen bed § 1284 bie e^elid^e
!ßugnie6ung unb SBermaltung überhaupt, nid^t blöd 6iö ju bem im § 1284
bejeid^neten 3^itpun!te, audfd^Iiegen moUte.
S)arauö, bag bid 5u ienem S^Uput^^^te Trennung ber ©üter nad^ 3Ra6^
gäbe ber 93orfdiriften bed § 1339 ftattfinben, bie e^eUd)e Stugniegung unb
aSermaltung erft oon jenem ^citpunfte an, ol^ne SRüdEtoirfung auf bie 3«it ber
©fiefd^Iiefeung, eintreten foll, fiub praftifd^c Unjuträglic^feiten für bie SRegelfäUe
nid^t }u beforgen. Sluf bie feltenen gälle, in meieren ber SUlangel ber ©im
rotUigung bed gefeftlid^n Sßatretcrd erft fpäter entbedft wirb unb ber @^emana
injroifd^en baö SRe^t ber e^clid^en Slu^niefeung unb SBermaltung in golge
feined ^rrt^umcd t()atföd()Ud^ ausgeübt ^at, braud)t {eine Stüdftd^t genommen
JU werben. SBoUte man, nad^bem ber gefeftUd^e SBertreter bie &f)t genehmigt
ober bie ©fiefrau bie unbefd^ränftc ©efc^äfiöfä^igfeit erlangt l&at, bie Siuft«
niefeung unb SBermaltung bed ß^emanned rüdmärts l^in üon ber 3eit ber 6^
fd^Uefeung an eintreten laRen, fo mürben, namentlid^ im ^inblide auf bie
ßj^egut unb Borbcjolttöut. einftttJcUigc ©ütertrcnnung. § 1284. 165
tnjioifc^ Don bcm gcfcftU^cn S3crtrctcr bcr ®f|cfrau über baö SScrmöflcn bcr
lejtercn getroffenen SBerfugungen, nur nod^ größere prafttfd^c Sd^wicrigteitcn
{t^ ergeben.
S)a oud& bei bcr ouf ®runb beö § 1284 eintretcnben S^rennung ber
@üter bie ß^efrau na^ SKafegabe beö § 1339 »crpfli^tet ift, bem ©bemanne
oufi ben (Sinfünftcn i^rcö 93enn5genö einen angemcffenen Seitrag jur Se-
ftreitung bcr ei&efid^en Saften ju Iciften, fo ift eine befonbere Seftimmung,
iDcIc^e in bem ^ier fraglid^en galle bem ©bemanne einen Slnfprud^ auf bie
€infünfte befi SBermSgcnö ber ®^efrau ob^r boc^ auf einen 2:^eil biefer ©in^
fünfte beilegt (oergl. preufe. ä. fi. SR. II, 1 § 983), entbc^rlid}.
S)ag in bem ^alle bed § 1284 jum Sc^u^e beö guten ©(aubend S)ritter «nioenbuna
üu(^ bie bei ber Dcrtragömöfeigen 2:rennung ber ©üter geltenben §§ 1336, 1^^^^^^^
1337 cntfprec^enbe Slnmenbung finben foUen, red&tfertigt pdi burc^ bie 3lnalogie »ertrag«*
ber Serl^ältniffe. 35agegen muffen bie ©rünbe, auf roef^en bie ^^^'Slf^nT'
fümmung bed § 1284 bcrul^t, ba^in führen, in bem ^alle bcd § 1284 t)on
tiner entfprcd^enben Stnmcnbung bed § 1340 abiufel^en. Sic Uebertragung
Iw § 1340 auf ben gall beö § 1284 mürbe um fo mißlicher fein, alö fie ben
Snft^in crmcrfcn fonntc, bafe bie in ber ®efd)äftöfä^igfeit befd;ränKe (S^efrau
bcm (Spanne bie ^ermaltung itires SSermögend ober etned S^eited bedfelben
nad^ SRaggabe beö § 1340 o^ne ©inmiUigung ilired gefegUd^en SSertreterö foUe
übcrloffen fonnen. Slnbcrerfcitö ift ju bead^ten, bafe, metm bie SSermaltung
bcft Vermögend ber S^efrau ober eineö S^eilcd bedfelben bem ©bemanne von
bem gefe|[i(^cn SSertreter ber @^efrau ober na^ erlangter unbefd)röntter
<Sff(Wftdffi^igteit ber ©l^efrau Don ber lefeteren felbft überladen fein foBte,
bttrin — ron fem Uegenben gällen, insbefonbere üon bcm galle abgefct)en,
in mld^tm bie Sorge für bie ^erfon ber ß^efrau unb bie ©orge für ba&
^krmögen berfelben in ben ^änben tjcrf^iebener gefe|fid&er SBertreter ruijt —
regelmäßig iug(eic^ bie ©enel^migung ber @()e (§ 1263) liegen mirb.
Sbgefcl^en Don bcr S3eftimmung beö § 1284 roerbcn bie SRcd^te beö ®^c:j mm t«*
monne« an bcm SBcrmögcn ber Ehefrau burd^ bie 3Rinberiäf;rigfeit ober cim^^^^^^
öuf anbcren ©rünben bcru^enbe Scfd^rönfung bcr ©efd&äftöfäf)igfeit ber (S^c^wt ber^e^
frau nic^t berührt, ©omeit jcbod^ ber (Seemann bei Sluöübung feiner SRed&tc
<m bie SKitmirfung ber ß^efrau gcbunben ift, finben in SKnfel&ung ber SBer«
trrtung bcr festeren bie attgemeincn ©runbfäfte ber ettcrlid^en ©eroalt unb
bfö Sormunbf^iaftörcd^tcö (§§ 1509, 1655, 1728, 1743) 3lnrocnbung. ©in
genügenbcr ©runb, für ben gall, roenn bie e^efrau in ber ©efd^äftöföljigfcit
bcfd&rfinft ift, jum ©(^uge berfelben bie cl^elic^e ?lu|nie6ung unb SBerroaltung,
iDenn aud^ nid^t auöjufd^liegen ober ju fuöpenbiren, bod^ in ber einen ober
cnberen JRid&tung ju befc^ränlcn (pcrgl. preufe. 31. 2. 91. H, 18 §§ 737 ff.,
beren fortbauernbe ©eltung ieboc^ im ^inblidfc auf ben § 102 ber preufe.
^dxm.0. V. 5. 3uli 1875 beftritten ift; femer fä^f. ©. SB. § 1930), liegt
nid^t oor.
SSSegcn beö ©nfluffeö, meldten eine ©efd&ränfung beö ß^manncö in ber be«
®ef*rftÄffi^g!eit auf bie e^clic^e 3lu6nie6ung unb SScrroaltung äufeert, oergl. «^«"««"*«-
§§ 1326, 1328 9flr. 4.
168 (S^cgut u. SSorBc^altögut. SSorbcl&altööut. 3uwenb. 35ritter. §1287.
bem SBcrmögcn bcr ß^cfrou gcl^orcnber ©cgenftfinbc audjufd&Uc§en, xotnn fic
bieg nad^ ben fonfreten Umftänben a(d in intern 3ntere{fe, namentlid^
als im 3ntcreffc bcr @^cfrau licgcitb, crad^tcn, fttmmt im ^rinjipe foroo^l
mit bcm gemeinen Äe^te als mit ben neueren Oefefegebungen fibereirt
(üergt. preufe. 31. S. 91. II, 1 §§ 208, 209; fä# ®. 33. §§ 1693, 1694;
olbenb. ®ef. v. 24. STprit 1873 äri 16). 3)a6 bie oertragömäfeige ^t^
grünbung oon SSorbeJ&attögut nur burd^ (g^eüertrag, mithin nur in bcr
im § 1335 Slbf. 1 i)orgefd)Iagenen gorm, erfolgen fann, rcd^tfertigt [xü^
baburd^, bog barin eine 3(enberung beö gefe^ßd^en ©üterftanbed liegt, bie
SBereinborung einer fotd^en ä[enberung aber, aud^ menn fic ftd& nur auf
SBermögcnötl^cilc ober cinjctne SBermögenögcgenftänbe bejietit, unter ben
Segriff bcd (gfjcoertragcd nac^ aßafegabe beö § 1333 fällt. SBon bem ^ier
fraglid^en @l^et)crtrage unterfd()cibct fid^ ber auf 2:rennung bcr ®üter gerid&tete
ß^cocrtrag beö § 1338 babur^, bci^ burd^ im lefetcrcn na^ ber Stbft^t
ber Set^ciUgten bad Softem ber c^etid)cn Sflugnicgung unb SSermattung über^
l^aupt audgefd^loffcn n)crben foQ. @d !ann nid^t jmcifell^aft fein, bag xn^
bcfonbcre ber gall, in rocld^cm bie ®t)efrau fid& itir ganjeö gcgenroörtigeö unb
julünftigcd 93crmogen oorbel^altcn i)ai, l^icr audfd^eibet, ba in einem fo(d^en
^alle ber SBcrtrag ba^in audjufegen ift (ocrgl. § 73), ba^ Trennung ber
@üter ftattfinben foD. ©in Sebürfnife, biefen ^all burd^ eine bcfonbcre gcfefe»
lid^e SBorfd^rift ju cntfc^cibcn, liegt nid^t üor.
«orflengabe. ®ie SBorfd^rift bcd prcufe. 21, fi. SR. II, 1 § 207, bafe bie oon bem (S^t^
manne bei ©^licfeung ber ®f)c Dcrfpro^cnc aRorgcngabc SBorbc^altögut roerben
foU, l^at feine Slufnatimc gcfunben, weil bcr ©ntrourf bie SKorgcngabe aü
bcfonbcrcö JRcc^tftinftitut überhaupt nid&t fennt. ©ine folc^c SKorgcngabc wirb
gegenroärtig nur nod^ äu^crft feiten oorfommcn. S^^cm fann i^r Swecf, o^ne
ha^ cö biefertialb befonbcrcr SBeftimmungen bcbarf, burd& ©^cnfung crreid&t
roerbcn. ©oU bcr ©cgcnftanb einer fold^cn 3wn)enbung S3orbel^alt«gut merben,
fo bcbarf eö allerbingß bcr gorm beö ®bcoertragcfi. 3n biefer ^infid^t eine
Sludnal^mc von ber Siegel beö § 1286 jujulaffcn, fann um fo weniger a(d
angcmcffcn erad&tet mcrbcn, ate babur^ bie Umgebung bcr SSorfd^riftcn über
Ummanblung t)on ß^egut in SBorbc^altdgut crlcid^tcrt loerbcn mürbe.
§ 1287.
»orbe^ait«- 2)er § 1287, roclc^cr im 5ßrinjipe fomo^l mit bcm gemeinen Sted^tc
*"*"ile®'™"*' (ocrgl. ©cuffert V, 186, XXIII, 37) ate mit ben neueren ©cfcfegcbungcn überein*
8tt»«nbung ftimmt (ocrgl. prcufe. 3f. S. SR. II, 1 § 214; fädij. ®. S3. § 1693; olbenb. ®ef.
®'**^'' 0. 24. aipril 1873 3lrt. 17 § 2 lit. c), bcjioecft, ©ritten, meld)e bcr ®^cfrau
ctmaö l^interlaffcn ober unter Sebenbcn jurocnbcn moUcn, bie üHögUd^feit ju
gcmä^ren, bad ^intcrlaffcnc ober S^fl^n^^w^^tc burd^ cinfcitigc 99cftimmung
ol^ne unb felbft gegen ben SBiUcn beö ß^emanncö bcr cl^elid&en Siufcniefeung
unb aScrioaltung ju cntjief)cn. 2)ic ®croä^rung biefer 2Rögfid^fcit ift nament*
fid^ oom ©tanbpunftc bc« 3ntercffefi ber (g^efrau au« geboten. 2)ic Ser*
^ältniffc liegen nic^t feiten fo, bafe cd ©ritten, rocld^c ber @^cfrau etroaö
lintcrlaffen ober unter Sebenbcn jurocnbcn rooUcn, inöbefonbere ben Sltem
g^egut tt. Sor6c6aIt8flut. aSorbe]6aItööut. Suwcnb. ©rittet. §1287. 169
ober fonftigcn SSenoQnbtcn bcr (g^efrau, mit SRüdEjid^t auf bic biddcrigc 93cr*
OKiItung bed (S^manned ober bad unter ben ©Regatten befte^enbe perfönU^e
SSer^Itnife bringenb roünfd^endroert^ erfd^emen mu^, im 3nteref[e ber (g^efrau
unb bereit Srben jebe @inn)irfung beö @()emanned auf bad ber @^efrau ^inter^
laffene ober unter fiebenben QixQtxocnbttt oufisuf^liefecn.
Son bcr Siegel, bafe ber ©rbfoifer ben oon il^m ber 6§efrau l^interlaffenen fjfi^tt^eu.
(Segenftänben burc^ feine SBeftimmung bie @igenfd^aft ald 93orbel)altögut bei^
Icjen fann, maö^i ba« olbenb. ®cf. v, 24. Slpril 1873 Slrt. 17 § 2 lit. c
infoioeit eine Sudna^me^ a(d bad Qn^crottibtit einen ber @§efrau gebül^renben
$f[i(^tt^i( audmadit, n)ö^renb bad preug. 9[. S. 91. unb bad föd^f. @. ^. in biefer
Sejiie^ng einer befonbercn 93eftimmung fid^ enthalten. @in audreid^enber
<9ninb, bem ©ritten in Slnfel^ung bed ber @^efrau gebü^renben $f{id^tt^ei(ed bad
^ier fragliche Stecht ber SBeftimmung ju Derfagen, ift nid^t Dori)anben; vielmehr
trifft bic ratio, auf rocld^er bie SBorfd^rift bed § 1287 berul^t, im gBefentlid&en
auc^ für biefen ^aQ ju. ©a bie 99eftimmung bed ©ritten Icbiglid^ bejmectt, htn
9efe((id^en Eintritt ber e^elid^en 9lu^niegung unb SSerroaltung aud)ufd^Uegen,
ber S^frau aber DöUige ^*ei^eit (ägt^ mit bem ald ^fiid^tt^eil ^inter^
lajjenen ju t^un, toad fie mill, fo fann in einer fotd^en 33eftimmung eine
SWoftung ober Sefd^ränfung bed ?ßflid^ttl;eiled nid^t gefunben werben. Slnberd
liegt bie @Qd^e aüerbingd bann, menn bie fragliche Seftimmung ald mirttid^e
Sebingung ober Sluflage getroffen ift (ücrgl. §§ 1981, 1982). ©benfomenig
W ftd^ bie äludna^me bt& olbenb. ©efe^cd in älnfe^ung bed ber @l;efrau
gc^örenben ^|Jpi4itt^ei[ed aud bem ©eftditdpunfte eined bem ©l^emanne ju*
fte^nben Slcd^ted auf bie e^elid^e ^lugniegung unb SSermaltung an bem ber
S^efrau gebfi^nben ^flid^tt^eile ableiten, ba ber (Seemann in @rmangelung
einer befonbercn S3eftimmung gegenüber bem ©ritten fein fctbftänbigcd SRed^t
borauf ^at, bafe ber ß^efrau ber 5ßflid&ttt)eil ald 6I|cgut l^interlaifen merbe.
3)em G^cmanne aber ein fold^ed Siecht burdf) pofitipe Seftimmung bcijulegen,
ift burc^^ ben 3mecf ber e^efid^en Slugnie^ung unb SBerroaltung nid^t geboten
unb um fo bebenf lieber, ald bad Sntereffc ber (gl^efrau baburd^ unter Um^
ftonben fd^wer gefä^rbet werben fonntc.
Xnlangenb ben ©rroerb ber ©l^efrau burd& S^^^^^i^u^Ö ^^^^^ ©ritten auwenbungen
unter fiebenben, fo befd&rfinfen bad preufe. 21. 2. 9*. II, 1 § 214 unb bad ^^^^^
olbenb. ®ef. v. 24. Slpril 1873 3lrt. 17 § 2 üt. c bad ^ier fragli^e S3e^
jKmmungdred&t bed ©ritten auf ben burd^ ©d^enhmg gemad^tcn ©rroerb ber
Cdefrau, tofi^enb bad fäc^f. ®. S3. § 1693 allgemein oon 3un)cnbungen rebet.
S)iefer lefttercn Sludbrucfdroeifc ^at au^ ber ©ntmurf jtc^ angefdfilojfen, jcbod^
in bem ©inne, bafe unter ,,3wn)enbung" nur uncntgcltlid^cr ®rw)erb ju Der-
ftc^ ift 3m galle eined entgeltlidien (grrocrbed ber ß^cfrau fann — abgcfel^en
wn fog. gemif(||ten ®efd()öftcn, metd&c in bcr l;ier fragtid^en Se5iel|ung unter
Umftänben bem unentgeltlid^en ©rmerbe glcid^jufteUcn fein werben — Don einer
,p3uwenbung" eined ©ritten nid^t bie SRcbe fein; tjielmel^r l^at l^ier bie 93c*
ftimmung bed ©ritten, ba§ ber ©rroerb ber ®^efrau SSorbel^altdgut fein foUc,
ben Äarafter einer von ber ®f|efrau audbebungcnen ©cgcnlciftung. 2ludE) in
biefen gfiDftt bcr 93eftimmung bed ©ritten bie SBirfung bcijulegen, bafe ber
Grrocrb bcr S^efrau SSorbedaltdaut wirb, mürbe mit bem ^rinjipc, bafe bie
170 (SBcöut u. aSorBcJaltSgut. SorScBaltgout. SRe^tßgcfd&dftL Qttoeih. §1288.
®f)cfrau i^r ^Scrmögcn nid^t cinfcitig ju aSorbctiattögut mad^cn tann, nid^t
vereinbar fein unb mit bem gciteubcn $Red)tc nid)t im ©inflonge fielen.
fSform. giii 3tnfe^ung fold^cr oon einem Dritten ^errü^rcnben ©egcnftänbc,
xotl6)t bie ß^efrau bur^ ©rbfolge ober bur4) SSermäc^tnife ober alö ^^pid^t-
tl^cil ermirbt, mu§ bic 33cftimmung beä ©ritten, ba^ bie ©egcnftänbc 33or*
bcf)attägut fein foUen, um red^tögültig 5U fein, burd^ leßtroillige Scrfügung, in
3lnfef)ung fol^er (Segcnftänbe, roeld^e bie ß^cfrau burc^ Sui^^^^^^^B cineö
Dritten unter Sebenben erroirbt, bur^ eine mit ber S^roenbung felbft p vcv^
binbenbe SBillenöerflärung erfolgen. Die im 9Bege legtmiUiger aSerfügung
erfolgenbc Seftimmung l)at t)ierna^ einen fclbftönbigen fiaraftcr. Sic fegt
nid)t legtroillige 3un)enbung im eigentlid)en Sinne oorauß, ift t)ielmel)r auc^
bann mirffam, wenn ber Dritte in 9lnfe^ung ber oon i^m l^errü^renben 33cr^
mögenögegenftänbe eö bei ben ®runbfä&en beö 3nteftaterbred^teö belaffen ober
bie ß^efrau auf ben ^f(id)tt^eil befd^ränft t)at. Dagegen i)at bei S^xocxu
bungen unter Sebenben bie 33eftimmung, bafe bie jugemenbeten ®egenftänbc
aSorbe^aftögut fein foUen, bic 9iatur einer 3lebenbcftimmung.
3in 3tnfcl^ung ber ©rrid^tung, 3lnfed^tbarfeit unb 2(uf Hebung ber l)icr
fragli4)en legtroilligen SSerfügungen finben bie allgemeinen SSorfd^riften bcö
erbrcd^teö Slnrocnbung (t)ergl. §§ 1753, 1780—1787, 1955, 2021). Durd^
bie S^luferoorte beö § 1784 Safi 1 („ober ein JRed^t erlangt ^abcn mürbe")
ift SSorforge getroffen, ba^ inöbefonbere aud^ legtroillige aSerfügungen
ber f)ier fraglid^en 9Irt gecignetenfallö t)on bem ®f)emanne angcfod&ten roerbcn
fönn.en. SBäl^rcnb in 3lnfe^ung fold^er Ocgenftänbe, meiere bie ©fiefrau oon
S^obeömegen erwirbt, bie Seftimmung, ba§ bie ©egenftänbe aSorbef)aItdgut
fein fotten, ber für legtmiUige SSerfügungen oorgcfc^riebencn gormen bebarf, ift
für bic bei einer 3uwenbung unter Sebenben erfolgenbc Jicbcnbeftimmung, bag
bie jugcioenbetcn aSermögcnßgegenftänbe SSorbc^altögut fein foUen, bie öe^
oba^tung einer befonbercn gorm nid;t oorgefd^rieben, meil ein 33ebürfni§
boju ntd^t oorliegt. Daju fommt, bafe burd^ eine in Slnfe^ung ber Jiebciu
beftimmung oorgefc^riebene befonbere gorm bie guroenbung jum SRac^t^eilc ber
®^efrau erfc^roert unb im gallc ber 3lid()tbcobad)tung ber gorm naö) ben
®runbfä|en über tf^eilmeife Jlid^tigfeit eines 9ied)tögcfd^äftes (§ lU) unter
Umftönben nid^tig fein mürbe.
§ 1288.
(Srwcrb ber Dcr Sutmurf bcrul^t auf bem ^ßrin^ipc, bafe bie S^efrau mcber alft
^^S^'^^fölc^e nod) traft beö efieUdicn ®üterred)teö in ber ®ef(^äft3fäl)igfeit befd)räntt
8ef(^äfte unter ift (ocrgl. bic allgemeinen 3Kotioe ju §§ 1300—1310), bafe pc bal)er,
Sebenben. jj{,gg|g|jg^ ^jq^ ^^j^ '^j^ § ^300 bcjeid&nctcn bingüd^cu Stcd^tögcfd^äftcn über
g^cgutörec^tc, anberc 9ted)tögefdöäfte unter Sebenben ol)ne ©inroilligung bcö
(Seemannes mirffam oorne^men fann, jcbod) mit ber auö bem § 1301 fid^
ergcbcnbcn 3)lobififation, baß ein 3fted)tögcfd|ftft unter Sebenben, burc^ meld)eß
bie @t)efrau ju einer Seiftung oerpflid()tct mirb, in 3lnfe^ung bcä ß^eguteö
gegenüber bem ©tjcmannc nur bann mirffam ift, rocnn ber Ehemann in bic
aSornat)mc beö 3ted)tögcfc^äftcö eingcroilligt t)at ober baöfelbe genehmigt. Dicfe
e^cgut u. SorbeMtöflut. SSorbel&artÖöut. JRcc^t8oef4aftr. SrtoecB. §1288. 171
ungemeinen Orunbfögc in SScrbinbung mit bor SWcgel beö § 1283 würben in
gmangelung befonbercr 93eftimmungcn baf)in füfiren, bafe ber (Srroerb ber
g^frau auö Sied^tögefdiäftcn unter Sebcnben in allen gälten bcm ß^egutc ju-
fide, bafe aber ber anberc Kontrahent wegen ber auö bem Jled^tögcfd^äftc für
bic ß^efrou entftanbenen 58erbinbli^feit in ©rmangelung ber ©inroiÜigung
ober ©cne^mignng beö Seemannes nad& bcm § 1311 »erb. mit § 1312 3lv. 1
Sefriebigung auö bem (g^egute nur foweit, alö ba^ S^egut burd^ ba^ dttä)t^^
gefcläft bercid^crt ift, mürbe oertangen fönnen. ®ö fann iroeifell^aft fein, ob
es nic^t bcn SJorjug oerbienen mürbe, eö in ber i^m fraglid^en 93ejie^ung
iii<Öt nur in 9lnfel)ung ber im § 1288 Slbf. 2 bejeid^neten, fonbern in Sln^
fe^ung aller 3leci^tSgefc^äfte ber ©fiefrau unter Sebenben bei bcn allgemeinen
©runbfäftcn berocnben ju laffen. gür biefen ©tanbpuntt fann man a^ifüfiren,
bog auf b.iefc SBeife ber immer mit geroiffen Uebelftänben oerbunbenc Sd^mebe*
juftQnb »ennieben roirb, melc^er nad^ § 1288 3lbf. 1 eintritt, biö ber (Seemann
bie (Sene^migung ju bem SHed^tögefc^aiftc ertfieilt ober üerroeigert l}at, bafe
ferner bcrortigc o^nc ©inroilligung beö Ehemannes mit dritten abgefc^loffenc
3ie(^tögefdöäftc ber ©fiefrau feine 93egünftigung oerbienen xinb jubem bie
^icr in 9tebc fte^enben gälle in ber ^ßrajis nid&t oon grofeer Sebeutung,
er^eWid^c proftifd()e Ucbclftänbc batier auö ber Slnroenbung ber allgemeinen
©ninbfäfcc nid^t ju beforgen finb. 3nbeffen fmb bie für bie SBeftimmung
beö 3tbf. 1 fpred^enben ©rünbe ber 33iUigfeit als übcrmiegenb anjufeljen.
3n§bcfonberc fommt in S3ctrad^t, bafe eö fomol^l im 3lntereffe ber 6l)efrau
ol§ beö ©ritten liegt, SHec^t unb 33erbinblid^feit ber 9latur beö gegenfeitigcn
Sc^tögefc^oftcß entfpred&enb nid^t auöeinanberfallen ju laf[en. 2^agegen fe^lt
eö in Slnfc^ung ber im 9lbf. 2 bejeidineten Stc^tögefd^äfte, bei meldten icner
®e|i(^töpunft n\ä)i jutrifft, an einem auörei^enbcn ®runbc, oon ben all^
gemeinen ©runbfäßen objuroeic^en. ^voav fann gegen bie SBorfd&rift beö
3ttf. 2 geltenb gemad^t mcrben, bafe, aud^ wenn in ben gällen beö 3lbf. 2
materiell nur ein ©rmerb in grage fte^e, eö bcm ®f)emanne bod) megen ber
Slrt ober beö ®egen[tanbcö beö oon ber ®^efrau gemad^ten ©rmerbeö unter
Umftönben ermünfd&t fein fonne, baö ©rmorbene oon bem ®^egute auöju*
f(^lic§en. 3nbeffen mcrben berartigc gällc fcl^r feiten fein, unb fann, aud^
obflefe^en baoon, ein beö gefefelid^en ©d^ugeö bebürfenbeö red^tlid&eö ^ntcreffc
beö ß^emanneö infomeit nic^t anerfannt merben. 3uöbefonbere fann au^ ber
©efic^töpunft, bafe in ben gällcn beö 3lbf. 2 jebenfallö bie aSerroaltungö^
Pflicht beö ß^emanneö oi^ne fein 3^*^)"^^ erf)5t|t merbe, atö burd^fd^lagenb nid^t
erachtet merben gegenüber ber ©rmägung, ba§ bie ß^e für ben ®f)emann
aud^ ^flid^ten gegenüber ber ß^efrau erjeugt unb bem ©bemanne ni^t ju naf)c
getreten wirb, menn bei unentgeltlid^em ©rmerbe ber 6l)efrau feine SÖerroat
tungöpflic^t aud^ ol^ne feine ©inmilligung eintritt, jumat eö nic^t in ber ^anb
ber G^frau liegt, nad& belieben uncntgeltlidien ©rmerb ju mad^en. 3" ^i"^"^
tt^nlic^en Slefultate, roie bem beö § 1288, menn aud) auf einem anberen SBegc,
führen biejenigen ©efeßgebungen, meiere, mie baö preu^. 31. S. % unb baö fäd^f.
®. 33., bic ©^efrau in ber ®efd()äftöfo^igfeit befdjränfen (uergl. preufe. 31. 2. 91.
II, 1 § 320; fäd^f. @. 93. S. 1638). 3rud^ mit bemjenigen, maö alö ge^
meines Jted&t — ^ier allerbingö meiftenö nur unter bcm ©efid^töpunfte cincö
172 e&egut IL S8orBc6aIt§öut. SorBe^altögut. JRed^tßßcfd&aftl. ©rncrb. § 1288.
SBerjid^ted bed 6i)emanncd — gelehrt lüirb unb iPQd bad olbenb. ®ef. v.
24. aCprif 1873 3lrt. 17 § 2 lit. b auöbrüdnd^ bcftimmt> ftc^t bcr entmurf,
abgcfcficn baoon, ha% nad^ bicfen Sleti^tcn niti^t jroifti^cn bcn im § 1288
2lbf. 1, 2 bcjcid&nctcn Gnocrbcn untcrfdbicl^cn wirb, im SBcfcntlid^cn im
©inflange.
e^mtbts ggjie oben bereits ^eroorgeboben würbe, befielt nod^ SÄbf. 1, fo lanßc
*" ""^ ber Gbcmonn feine Oencbmigung ju bem Sted^tögef^äfte ber G^cfrau nid^t
oerroeigert i^ai, ein Sd^roebejuftanb, in bem ed ungemife ift, ob ber oon ber
@^efrau gemachte (Srroerb bem Gb^flute ober bem SSorbe^altdgute ^ufäUt.
2^ritt bie ©ntf^eibung bemnäd)ft nad^ ber einen ober ber anberen Seite ein,
fo ijat biefelbe rücfmirfenbe Sroft, b. b- e§ roirb baö SBer^altni^ ie|t fo be^
l^anbett, a(g ob baö Srmorbene Don Einfang an @^egut bejm. Sßorbe^altdgut
geroefen märe. 2)iefe Slrt ber 93cbonbIung entfpricbt prinsipiell ber ratio,
auf meld^er bie 93eftimmung beö 3fbf. 1 berubt, unb fid^crt por ben 9Ser*
midfclungen unb Äonfliften, roel^e eintreten würben, wenn man bad 93er?
bältnig in ber Slrt geftalten wollte, baß bad ©rworbcne fraft beö ©efcfteö
©f|cgut würbe, burd) bie SSerweigerung ber ®encbmigung oon Seiten beö
G^emanneö aber obnc SRüdwirfung aufborte, Gbegut ju fein, unb SSorbebattdgut
würbe. 2)er (Sebanfe beö Gntwurfeö ift burd) bie g^ffung im ©ingange beö
5lbf. 1: „SSorbebaltögut finb" (nid^t: „werben") in genügenber Sßeifc jum
StuöbrudEe gelangt.
«ttfforberung Um bie mit bem Scbwebesuftanbe oerbunbcnen Uebelftänbe tbuntid^ft ju
«rflitoinfl. wili^^ni unb bcn 3iif*ö^^^ ^^^ Ungewifebcit abjufürjen, ift nac^ 3[naIogie beö
§ 65 3lbf. 5 unb beö § 123 9Ibf. 3 (oergl. auc^ §§ 315, 1300) burd^ bie
Seftimmung beö 3lbf. 1 Sa^ 2 ber ©befrau bie 93efugni6 eingeräumt, an
ben ©b^niann eine 9Iufforbcrung ju erlaffen, fid& binnen einer grift von
jwei 28odf)en über bie ©enebmigung ober beren Sßerwcigerung ju erHären,
unb jwar in ber 9lrt, ba6 bie (Senebmigung, fowie beren 95crweigerung nad^
93eginn ber grift nur gegenüber ber ©b^ftau erflärt werben fann. 2)iefe leitete
9lbweid)ung oon ber Siegel beö § 127 9lbf. 1 red^tfertigt pd^, wie im J^^Ue
beö § 123 9lbf. 3, burcb ben 3we(f bcr grift. Sa im gälte beö § 1288 äbf. i
Saß 2 nid^t, wie im gallc beö § 123 9lbf. 3, bcr anberc SSertragfc^Iieftenbe,
fonbern bie ©befrau ber 9Iufforbernbe ift, fo mu§ bie ©rflärung in bem ^icr
in SHcbe ftebenbcn gälte gegenüber ber ©befrau erfolgen.
«noerb bcr ÜJcr § 1288 bcjicbt t\d) uur ouf ben ©rwcrb bcr ©befrau burd^ Stec^tö^
«obSS^«" 9^)^^f*^ ^^^^ Scbenbcn. 3n 3lnfe^ung beö ©rwerbeö bcr ©befrau oon 3:obeö^
wegen foU cö — abwcid^cnb oon bem gemeinen Siedete unb bem olbcnb. ®ef,
ü. 24. Slpril 1873 9lrt. 17 § 2 lit. b, welche swifc^en bem ©rwerbe Don 7obeö«
wegen unb burd) 9lcc^tögefd)äfte unter äcbcnbcn in bcr bicr fraglichen ^inftc^l
ni^t unterfdieiben — bei ben allgemeinen ©runbfägen beö ©ntwurfcö ocr«
bleiben, ^lad) bicfen allgemeinen ©runbfägen ift bie ©inwilligung beö ©b^'
manncö jur 9lnnabme einer bcr ©befrau angefallenen ©rbfd^aft mä)t erforberlidb
(§ 1308 'Jlr. 1), worauö weiter folgt, ba§ bie ©rbfd^aft mit allen 9lftioen unb
^affioen bem ©f)cgute jufällt (§§ 1283, 1311, § 1312 3h:. 1); bod) ift bur^
bie »orfdfiriftcn beö ©rbred^tcö über baö Snoentarred^t (§ 2148 5lr. 4) 95or?
forgc getroffen, bafe bcr ©l)emann, unabbängig x>on bem SBillen ber ©befrau.
e^aut u. SurBcjaltl^gut. SorBe^oIt^out. grtocrb bur^ arBcit. § 1289. 173
bunj^ ©dtcnbrnod^ung bcö 3nDcntarrcd^tcö baö ©fiegut gegen eine Ucbcr:'
fc^utbung \M aBnc^tftfff64t^fi|gn famt. .^n^cbürfnife, in ^fc^ung bed ®r^
iDerbeö ber @^efrau burc^ ©rbfolge oon ben attgemcincn Orunbfäfeen ab^
juweic^en unb axid) in biefer ^infid^t burc^ eine befonbere bem 2lbf. 1
Sa^ 1 cntfpred^cnbc SSorf^rift SSorforgc ju treffen, fonn nidit anerfQnnt
iDerben. S)ad Snoentarred^t gcn>ä^rt bem ©bemanne auöreid^enben Sd^ug.
Xie Snoagung, bafe baburd^ bem ©bemanne Saft unb Slrbeit aufgcbürbet wirb,
unb Quc^ ber ^noentarerbe immer ©efa^ren audgefegt bleibt, ift nid^t ah
burc^fc^lagenb }U erad^ten. 6d ift bie ^flic^t beg ©()emanned, bei lufratioen
Cnoerben ber ©^efrau baö 3ntercffe ber legteren ma^rjune^men unb bie mit
bem ©noerbe oerbunbene Saft ber SBenoaltung für biefclbe ju übernehmen.
le^nltc^ ©noogungen muffen ba^in führen, aud^ in Slnfetjung beg ©rmerbeö
ber ©^efrau burd^ SSermä^tni^, felbft wenn baö Untere mit einer 93erpPid()tung
be(Qftet ift, ed bei ben aUgemeinen ®runbfä|en ju be(affen. 9lud) infotveit
ift ber ©bemann burc^ bie erbrc^tlic^en 38orfd^riften (§ 1881) gegen Senad^?
ti^iligungen audreic^enb gefdififet (oergl. §§ 1283, 1308 3lx. 1, §§ 1311, 1312
Shr. 1). ©bcnforoenig bebarf eö in Slnfel^ung beöicnigen, roaö bie ©fjefrau als
?fli(ftttftcil erwirbt, 5um Sd^uge bcö ©fjemanned befonberer Seftimmungen,
ba no4i ben SSorfc^riften bed ©rbre^tcö (§ 1976) bad ^flid^tf)eUöred(|t lebiglid^
Steckte, nömUc^ ben 2[nfprud& auf eine ©elbleiftung, begrünbet. 3ft ciber bie
(9dtenbmQc^ung beö $f[id^tt^ei(8anfpru^ed von ber 9(udfd[}(agung einer ^n^
iDcnbung abtjöngig unb mac^t bie ©^efrau oon biefcm ^}[udfc^(agungdrec^te
feinen ©ebrauc^ (§§ 1980—1982), fo fommen bie oorerroä^nten allgemeinen
@runbfä|e über ben ©noerb ber ©l^efrau burd^ Grbfolgc bejro. SBermä^tnife
}ur Xnmenbung.
§ 1289.
!Der Orunbgebonfc bed Si)ftemed ber 33enoaItungögemcinfc^aft, nad^ arwtrb ber
mrlcfiem bie e^elic^en Saften jmar oon bem ©fiemannc allein getragen merben ^^arbe^ll"^
foüen, i^m bafür aber ber ©rtrag beö beiberfeitigcn SScrmögenö unb ber »«*"«& «*«««
beiberfeitigen 9lrbcit übenoiefen wirb, )ä)tint auf ben crften Slicf baf|in füt)ren gewtte«.
|u muffen, ben burc^ bie Arbeit unb ben gleife ber ©^cfrau gemalten ©rroerb
unterfc^iebdloft bem ©bemanne jujuroeifen. 3n ber 2:^at ift bieö auc^ ber
Stonbpunft bed 9tec^ted bed Sad^fenfpiegelö. ^n6) für bad l^eutige gemeine munu^
beutfc^e Stecht wirb, menigftenö alö Siegel, angenommen, bafe bie ©befrau 9llleö, ^***-
vm fie in fofdfjer 9Crt enoirbt, bem ©bemanne erwirbt; boc^ mirb aud^ bie
3lnfi(^t oertreten, ba^ biefer ®runbfa|f fid^ auf ben fclbftänbigen, fog. arti?
fqiellen, ©noerb ber ©fiefrau nid^t bejiel^c. ®anj allgemein ftellt baö olbenb.
Qef. 0. 24. Slpril 1873 3lrt. 2 ben ©runbfag auf, bafe baö roä^renb ber ©^e
burc^ "gleife unb Slrbeit ßrroorbene ju bem 33ermögen beö ©^cmanneö ge^re.
Ittf bemfelben »oben fte^t and^ baö lüb. ®ef. o. 15. gebruar 1862 § 2,
jrbod) mit ber äßobififation, bog bas oon ber ©^efrau in einem oon i^r felb^
ftänbig ald ^nbetefrau betriebenen @efd^afte ©rmorbene ju il^rem SBcrmogen
^red^net werbe. 3loi) weiter, als bie angefül^rtcn 3led^te, fd^eint baö preufe.
S. 2. 91. II, 1 § 211 JU ge^en, inbem eö beftimmt, bafe bie ©^efrau, was fic
174 ei&egut u. SSorbcJalt^öut. SSorBcJalteflut. gnrerb burd6 9lrbeit. § 1-289.
in ftef)cnber @t)e ermirbt, in bcr Siegel bcm SWannc cnoirbt. Stuß bcr am
Sc^tuffe jenes § 211 fid^ finbenbcn SSerroeif ung anf bie §§219, 220 unb ouö
ber entfte^ungögcfc^idötc biefer 33eftimmungen fd^eint fid^ iebod^ ju ergeben,
ba^ bie 9lbfic^t nur bal^in gegangen ift, benjcnigen ßrroerb ber ©ftcfrau bem
6f)emanne äiijufpred^en, meldten fie burd^ il)rc Slrbcit im §aufe unb im
®efdöäfte beö Seemannes maä)i, bafe bagcgen bcr (Srroerb ber 6^efrau burd^
eine felbftänbige erroerbenbe S^ätigfeit bcr ©fiefrau gehören unb in 35ejiet)ung
barauf nur eine ©infdjränf ung beö 3lücfforberungdred^teä infofern ftattfinbeu foU^
atö bie ß^efrau bei Sluflöfung ber ©öe oon jenem ©rroerbe nur baöjcnige foU
in 9lnfpruc^ nef)men fönnen, was in ilapitalien ober ©runbftüdEen auf ibren
9Jamen belegt ift. S)iefe 9luffaffung ift aud^ in ber ^rafiö bie bcrrfcbenbc
geroorben unb bei ber Sieuifton beö preufe. 2t. S. 5K. jur Oeltung gelangt
(oergl. ^enf. XV, 3Äotiüe S. 140). 3m Sffiefentlidien benfelben Stanbpunft
tt}eilt baö fäd)f. ®. SB. § 1668, inbem baöfelbe beftimmt, bafe baö jenige, roaö
bie (Sf)efrau burd^ Sienfte erroirbt, roetd^c roeber auf baß §außroefen nodi auf
baß ©eioerbe beö ©bemanneö 93ejug l^aben, ifjr ßigentbum roerbe, ba^ ftc
aber nicbt jurüdff orbern fönne, roaß fie oon biefem ©rroerbc bcm Gij^xnannt
jur SSerroenbung in ber SBirtf)fd^aft überlaffen b^^^e ober felbft in biefelbe
Dcrroenbe.
etanbpunft S)er ©ntmurf bctt fi^, foDiel junädift bie Hauptfrage betrifft, inroicroctt
entwürfe«. ^^^ ®^cmanne materiell ein 9lecbt auf ben oon ber ©fiefrau burd& ibre Strbcit
unb ibren glei^ gemad^ten Grroerb juftel;en foU, prinjipiell bem preufe. JRed^te,
roic baöfclbe oon bcr Orariß aufgefaßt roirb, unb bem fäc^f. ®. 83. angefd^Ioffen.
2)ic ©bcfrau ift üerpflid^tet, bem ^außmefen oorjufteben unb bäuölid^e 3trbeitcn
xinb Hülfe im (Sefd^äfte beö G^cmanneß inforoeit 5u Iciften, alß fol^c 93cr^
rid)tungen nad) bcm Staube beö (S^emanncß für bie 6l)efrau üblid) fxnb
(§ 1275). SBaß burd^ bicfe 2:f)ätigfeit erworben wirb, fällt bem ©bemanne in
bcrfelben 9lrt unb nad^ benfelben ©runbfäfeen 5u, roie i^m ba^ uon anbcren
in feinem H^ufc ober ©cfd^äfte uerroenbeten (Sc^ülfen ©rroorbenc jufällt. 3"^
Seit beß ©adjfenfpicgelß bcfdi)ränftc bie S^b^tiglcit ber ©b^frau fid) mo^l faft
außnaf)mßloß auf SIrbeit unb ©rroerb ber bejeid^netcn 9lrt. gür bie bamaligcn
SBcrl^ältniffe mar baber bcr Sa|, bafe ber ©rtrag bcr 9lrbeit roie bcß SSer^
mogenß ber Gl)efrau bem ©bemanne sufalle, burd^auß gered|tfcrtigt. 5Äud&
gegenmärtig bilbct bie SBcfd^ränfung ber S^bätigfeit ber ©befrau auf 9lrbcit ber
bcjcid&netcn Strt in ben mobl^abenben ©täuben nod& bie Siegel; bod& fommt
aud^ bei biefen bcr Setrieb eineö felbftänbigen ©rroerböjroeigeß oon ©eitcn bcr
©befrau in mannigfad^ Dcrfd^icbcncn formen, alß H^ubelßfrau, Scbrerin,
9lngcftellte im ^oft^ 3;elcgrapl)en:= ober ^ßrioatbienfte, alß ©d^aufpielerin,
©ängerin u. f. ro., biörocilen cor. Sei ben fog. arbeitenben Älafjen ift aber
eine felbftänbig erroerbenbc 2^bÄtigfcit ber ©^efrau fet)r l^äufig unb nid^t feiten
für bie ©rbaltung ber gamilie unentbel^rlidf). gür SBcrbältniffc biefer Slrt
füf)rt ber Orunbfaß, ba^ ber ©rtrag ber 9lrbeit bcr ©^efrau unterfd^iebölofi
bem ©l^cmannc jufällt, ju ungered^ter ober bod& unbilliger Scnad^tbciligung
bcr ©^efrau. S)ic Unbilligfcit liegt nid^t fomol^l barin, bafe baö oon ber 6^e*
frau in ber fraglid^en 9trt ©rroorbene jur Seftreitung ber ebclid^cn Saften üer*
lücnbct mirb — benn regelmäßig roirb bie ©^cfrau nur bcßbalb einen felb*
j
ejcgut u. aSörBcßaltögut. SorBel&altgßut. Qtmvh bur* 3lrBeit. § 1289. 175
ftönbigcn ©nocrböäiocig betreiben, um ben ®rtrag bcöfelben für bic c{|c[id^en
Saflcn ju oerroenben, -unb biefc SBcrroenbung bal)er anä) ot)ne befonbere red^t«
Ii(^c SBerpflid^tung eintreten laRen — , alß üielmefir barin, bafe, obroof)! bie
G^efrou ilber i^rc rcd^tlid^e SSerpfli^tung ^inauö arbeitet unb fe(bftänbig
fnoirbt, boä) nid)t i^r SBiDe, fonbern ber beö ©b^nianncö über bie SBcrroenbung
bc6 ©rroorbenen entf^eiben foH. S)icfer ©cft^töpunft mufe aber fonfequent
weiter ba^in fuhren, ben @rtrag jeber felbftänbig erroerbenben 2;i)ätigfeit ber
€f|cfrau über baö fäd^f. unb baß preug. JRed^t ^inauö, nad) roeld^en jener
Grlrog — abgefefien oon ber im preu&. 21. S. 91. II, 1 § 220 entf)a(tcnen
Sfndnaf^me — bcm ©^egute jufällt unb ba^er ber ^ßußniefeung unb 5Bcrroa[tung
bcfi G^emanncö unterliegt, für SSorbe^altögut ju erflären, weil nur auf biefcm
fficgc ber G^efrau bie aWögtid^feit eröffnet roirb, über bie Sßerroenbung jeneß
Cnoerbeß na^ if)rem freien, üon ber SWitmirtung beö (S^emanneö unabl)ängigen
ßrmeffen ju entfd^eiben. Um fo meftr entfpri^t eß ber SiUigfeit, ber (5f)efrau
in Änfc^ung beß (Srioerbeß burd^ ifire 2lrbeit eine felbftänbigere Stellung 5u
geben, olß biefefbc burd^ bie neuere ©efeggcbung in Slnfe^ung ber Sid^er-
ftcüung i^reß SBermögenß ungünftiger gefteUt roorben ift. ®egen ben ©tanb^
punft bcß foc^f. unb preufe. 9?ed^teß, meldte ben ^ier froglid^en ©rroerb ber
^lufniefeunfl unb aSenüoItung beß (gl^emanneß unterwerfen, fprid)t jubem bie
€noagung, ba§ ber ^ier fraglid&e ©rroerb feiner SWatur nad) laufenbcß ®in^
tommen ift, roeld^eß a(ß fol^eß bie Seftimmung I)at, ju ben laufenben Sluß^
geben perroenbet, nid^t aber, mie bieß beim ©Ijegute ber ^aH ift, alß Äapital
üufgefpart ju toerben. @ß ift jroar nid^t ju oerfenneu, bafe burd^ bic 93e^
tanbhmg beß ^ier fraglid^en Grroerbeß ber 6f)efrau a(ß Sßorbelialtßgut gegenüber
bem geltcnben Weckte baß SBorbe^attßgut eine erl^eblid^e 9Iußbel^nung erfährt
unb ba| Quß biefer Slußbc^nung beö Sßorbeljaltöguteß wegen ber mit bem S3c*
ftt^en oon SBorbe^altßgut immer oerbunbenen Sd^roierigf eiten unb SBerroidfelungen
Scbenfen gegen bic Siegelung beß (Sntmurfcß fiergcfcitet werben fönnen. ^n^
bqlcn fann ouf biefe Sebenfen gegenüber ben für bie 33eftimmung beß § 1289
fprcc^enben ©rünbcn entfd^eibenbcß ®m\ä)t nid^t gelegt roerbcn, jumal baß
beutf^ie SRed^t ber ©b^^frau inforoeit, alß bicfelbe ein faufmännifd^eß ober
fonftigeß ©emerbe betreibt, oon jel)er baß SWcd&t freier 93erfügung über il^r
Vermögen, wie ibr ein fold^eß in 2lnfef)ung beß Sßorbebaltßgutcß juftel^t, ein*
gerduml Ijat, oon biefem ©eficfttßpunfte auß betrad)tet bie Siegelung beß @nt*
rourfeß ftc^ mitl)in nur atß eine gortentmidfelung bcß bcm geltcnben JRcd&te
JU (Sninbe liegenbcn ©ebanfenß barftellt. (Segen bie Siegelung beß (Sntmurfeß
fonn audf ni^t mit ®runb ber ©inmanb erl^oben roerben, ba§ babur^ bem
C^emanne, welcher allein bie el)clid)en Saften 5u tragen böbe, ju naije getreten
werbe; bcnn ba bie ©b^^frau o^ne bie Ginwilligung bcß 6f)emanncß fid& ju
petfönlic^en Sienftleiftungen wirffam nid^t ocrpflid)ten fann (§ 1277) unb ein
Grwerbßgef^äft nid^t betreiben barf, wenn ber ^Betrieb eineß fold&en mit
ben ibr auf ®nmb ber cl^eli^en ©emeinfd^aft gegenüber bem ©bemanne
oMiegenbcn ^flid^ten nid^t ocreinbar ift (oergl. § 1273, üJfotioc ju § 1275
oben S. 108), fo f)at ber ©fjemann cß in ber Siegel in ber ,§anb, ben
eigenen ©rwerb ber ©befrau burcb ibre 3lrbeit ju ocrbinbcrn bcjw. feine
Ginwilligung baoon abljöngig ju mad)en, bafe ber ©rwerb ber Gbefrau
174 e^eöut u. SSorkfialtööut. SSorlJcßaltßöut. ertrerb biird& Arbeit. §1289.
in ftcl^ciibcr Gi)t erwirbt, in ber Sieget bem SKannc erroirbt. 3luö bcr am
Sd)(uffc jencö § 211 fi^ finbenbcn SScrroeifung auf bie §§ 219, 220 unb auö
bcr ®ntftef|ungögef^id)tc biefer Seftimmungcn f^eint ftd^ jcbod^ ju ergeben,
bafe bie Slbfidjt nur botjin gegangen ift, bcnjenigen ©rroerb ber ®öcfrau bcm
(S^emannc jujufpred^cn, welchen fie burd^ i^re 9lrbcit im J^aufe unb im
Oefd^äfte beö ®^emanneö mad^t, ba§ bagegen bcr ©rroerb ber G^efrau burd^
eine fclbftänbige erroerbenbe 2^f)ätigfeit bcr ®^efrau gehören unb in 93e}icl|ung
barauf nur eine ©infd^ränfung bc§ Stücfforberungöred^teö infofern ftottfinben f oU,
als bie 6I)efrau bei 9Iuflöfung ber ®öe oon jenem ©rroerbe nur basjenige fott
in 9lnfprud) nehmen fönnen, xoa§> in iiapitalien ober (Srunbftüdfen auf i^rcn
Slamcn belegt ift. 3)icfe Sluffaffung ift auö) in ber ^rajiö bie ^errfc^cnbe
geioorben unb bei ber SHeoifion beö preufe. 9r. 2. 9i. jur (Settung gelangt
(oergr. ^cnf. XV, Motm S. 140). 3m SBcfcntlid^cn benfelben Stanbpunft
t^eilt baö fäd)f. 03. 33. § 1668, inbem baöfefbe beftimmt, bog baöienigc, roaö
bie ßf)cfrau burd^ ©ienfte erroirbt, roel^e roeber auf baö ^auöroefen nod^ auf
baö ©eroerbe beö G^emanncö Sejug f)aben, i^r ©igent^um roerbe, bo§ ftc
aber nid^t jurüdEf orbern fönne, loaö fie oon biefem ©rroerbc bcm 6f)emannc
jur SJerroenbung in ber SBirt^fd^aft überlaffen [)abe ober felbft in biefelbc
Dcrroenbe.
etanbpunft 2)er ©ntrourf ^at fic^, fooiel junäd^ft bie Hauptfrage betrifft, iumicrocit
entwürfe«. ^^^ ©ticmannc materiell ein SRed^t auf ben üon ber ©liefrau burd& iljre 9lrbett
unb il;ren gleife gemalten ©rroerb jufte^en foU, prinjipicll bem preufe. Siedete,
roie baöfclbe oon bcr ^rariö aufgefaßt wirb, unb bem fäd&f. ®. 93. angefd[)loffen.
Sic ß^efrau ift oerpflid^tet, bcm ^auöroefen üorjufte^en imb löftuölid^c 2(rbeitcn
unb ^iilfc im (Sefdjäftc beö ©licmanneö inforoeit ju leiftcn, atö fold^e SScr*
rid^tungen nad& bcm Staube beö ©^cmanneö für bie ©^efrau flblid) ftnb
(§ 1275). SBaö burdö bicfe a:l)ätigfeit enoorben wirb, fällt bem ©fiemannc in
bcrfclben 9lrt unb na^ benfelben ®runbfä|en ju, wie i^m baß t)on anbcrcn
in feinem ^aufc ober ©efd&äftc ocriocnbetcn ©e^ülfcn ©rroorbene jufaClt. 3^^
3cit beö ©adjfcnfpicgetö befci)ränfte bie S^^ätigfeit bcr ©^efrau ftd) roo^l faft
auönatimöloö auf Slrbeit unb ©rroerb ber bcjcid^netcn 9lrt. gür bie bamaligcn
aSeri)ältniffe mar ba^cr ber Sag, bafe ber ©rtrag ber 3lrbeit mie beö SScr-
mögenö bcr ©t)efrau bem ©bemanne jufaUe, burd&auö gerecl)tfertigt. Su^
gegenmärtig bilbct bie 93efcl)ränfung ber il)ätigfeit ber ©^cfrau auf arbeit bcr
beseid&neten 2lrt in ben mo^tl^abenben Stäuben nod^ bie SRcgel; bo^ lommt
aud) bei biefen ber SBetrieb eineö felbftänbigen ©rrocrböjmeigeö oon Seiten ber
©defrau in mannigfa^ oerfd^iebenen formen, alö ^anbelöfrau, Scl^rcrin,
9lngcftclltc im ^ßoft-, 2^elegrapl^ens ober ^rioatbienfte, alö Sc^aufpielerin,
Sängerin u. f. ro., biöiocilen oor. 93ei ben fog. arbeitenbcn Älajfen ift aber
eine fclbftänbig cnocrbcnbc S^^ätigfeit bcr ©fjefrau fel)r l^äufig unb nic^t feiten
für bie ©r^altung bcr ^amilic unentbefirli^. gür Sßer^ältniffe bicfcr Slrt
fül)rt ber ©runbfag, bafe ber ©rtrag ber 3lrbeit bcr Gficfrau untcrfd^icböloft
bcm ©Ijcmanne jufällt, ju ungered^ter ober bod^ unbilliger S3enad^t^eiligung
bcr ©^cfrau. 2)ie Unbilligfeit liegt nicl)t foroo^l barin, baß baö oon ber ©^c*
frau in bcr fraglid&en 9lrt ©rioorbcnc jur SBcftrcitung ber efjelid^en Saften oer*
locnbet loirb — bcnn regelmäßig mirb bie ©Ijefrau nur bcöl)alb einen fclb^
g^egut u. SSöiBcHtößut. S8otBe5aIt§0ut. ertwctB bur* SlrBcit. §1289. 175
flönbigen ©riücrböäiocig betreiben, um ben ©rtrag beöfelben für bie c{|clid^en
Saften ju oenoenbcn, itnb biefc SSerroenbung bolier anä) ofine befonbere rcd^t*
lic^c 3}erpflid^tung eintreten lajfen — , olö t)ielmef)r barin, bafe, obrool^I bie
C^efrou iibcr i^re red^tlid^e 88erpflid)tung fiinouö arbeitet unb felbftänbig
erwirbt, bod^ nid^t if)r äBiUe, fonbern ber beö ®ftemannes über bie SSerroenbung
bc§ ßrroorbcnen entfd^eiben foD. S)iefer ©efid^töpunft mufe aber fonfequent
iDeiter bal)in fül^ren, ben ©rtrag jeber felbftönbig erroerbenben 2;f)ätigfeit ber
6(icfrau über baö fäd^f. unb baft preu§. Siedet ^inauß, nad) roel^en jener
Grtrag — abgefefien oon ber im preu§. 31. S. SW. II, 1 § 220 entbaltenen
3fiiönaf|mc — bcm Gtiegute 5ufällt unb baf)er ber Slufenicfeung unb SBcrroaltung
bcfl (Seemannes unterliegt, für 93orbe^altögut ju erflären, weil nur auf biefcm
SBege ber ©bcfrau bie aWBglid&feit eröffnet roirb, über bie 33enüenbung jeneö
ßnoerbes na^ ibrem freien, üon ber SDUtwirtung beö (S^emanneö unabbängigen
Crme^fen ju cntfd^eiben. Um fo mebr entfprid^t eö ber SiUigfeit, ber ©Ijefrau
in SSnfe^ung beö Grroerbcö burd^ i^rc 9Irbeit eine felbftönbigere Stellung ju
geben, ote biefefbc burd^ bie neuere ©efe^gebung in Slnfebung ber ©i^er^
fteüung ibrcö SSermogenö ungünftiger gefteUt roorben ift. ®egen ben ©tanb^
punft beö fäc^f. unb preu§. Sled^teö, meldte ben l)ier froglid^en ©rroerb ber
Slutnie^ung unb 93enoaItung beö Gfiemanneö unterwerfen, fprid^t jubem bie
Snoögung, ba§ ber ^ier fraglid^e ßrroerb feiner 3Jatur nad^ laufenbcö (Sin*
tommen ift, mefd^eö olö fofdE)eö bie Seftimmung l^at, ju ben laufenben 9Iuö^
gaben Benoenbet, nid^t aber, mic bieö beim ©Ijegute ber ^aH ift, alö Kapital
üufgefpart ju werben. @ö ift jroar nid)t ju oerfennen, bafe burd^ bie 93e*
bonblung beö ^icr fraglid^en Crroerbeö ber ©b^f^^ö" ö(ö aSorbebaltögut gegenüber
bem geltenben Siedete baö SBorbe^altögut eine erl^eblid^e 2luöbe^nung erfäl^rt
unb ba% auö biefer Sluöbc^nung beö SSorbel^altöguteö wegen ber mit bem S3e*
ftc^en oon SBorbe^altögut immer oerbunbenen Sd^mierigfeiten unbSBermidfelungen
Sebenfcn gegen bie Siegelung beö ©ntwurfeö hergeleitet werben fönnen. 3n^
befjen fann auf biefe Sebenfen gegenüber ben für bie 33eftimmung beö § 1289
fprcd^enben ©rünben entfd&eibenbeö ®ewid^t nid&t gelegt werben, jumal baö
beutf^ic gied^t ber ©befrau infoweit, alö biefelbe ein faufmännifd&eö ober
fonftigeö (Sewerbc betreibt, oon jcljer baö Siecht freier 35erfügung über i^r
SJermögen, wie i^r ein fold^eö in 2lnfef)ung beö SBorbe^altöguteö 5uftel)t, ein-
geräumt bot, oon bicfem ©eftcbtöpunfte auö betrad)tet bie Siegelung beö ©nt*
iDurfeö ftd^ mithin nur atö eine gortentwidfelung beö bem geltenben Siedete
}u (Srunbc liegcnben ©cbontenö borftellt. (Segen bie Siegelung beö (Sntwurfeö
fttnn andf nid)t mit ®runb ber 6inwanb erl)oben werben, ba§ baburd^ bem
C^emonnc, welker allein bie el^clid^en Saften ju tragen bctbe, ju na^e getreten
werbe; bcnn bo bie 6b<^frau oI)ne bie ©inwilligung beö ©bemanneö ftd^ ju
Verfönlid)cn 2)ienftleiftungen wirffam nid&t ocrpflid)ten fann (§ 1277) unb ein
Grroerbögefc^äft nid&t betreiben barf, wenn ber Setrieb cineö fold^en mit
ben ibr auf ®runb ber e^eli^en Oemeinfd^oft gegenüber bem ©bemanne
obliegenben ?ßflid^ten nid^t oereinbar ift (oergl. § 1273, SJlotioc ju § 1275
oben S. 108), fo i)at ber ©fiemann eö in ber Siegel in ber .^anb, ben
eigenen Grroerb ber ©befrou burcb ii)vc 9lrbeit ju oer^inbern bejw. feine
Ginroilligung baoon abbSngig ju mad)en, bafe ber ©rwerb ber (S^efrau
176 Sl&cöut u. aSorbel&altSflut. SSorbcl^altSöut. (SnucrB burd6 SlrBdt §1289.
bjdvä^ if^xc 3Erbcit qani ober jum S^^etl il^m aber bem S^eguie jufaUe.
3ubcm toidx hei normalen 93er^&Untf[en t^atfad^id^^ im £eben bie @^efrau
o^nel^in ben ©rroerb bcr ^ier fragtid^cn Slrt regelmäfeiß entwcber felbft in bic
^öudltd^e SBirt^fc^aft oermenben ober )u biefem S^tdt bem @^emanne über^
(äffen. 2)Qg in bem einen mie in bem anberen %aUt ein Srfaganfpru^ ber
@^efrQu gegenüber bem S^emanne audgefd)(o{fen ift^ f)ai allerbingd ber @nt«
murf aud ben in ben 3ßotioen )u § 1340 entn)id(e[ten ©rünben nid^t^ mie
bieg im fäd^f. ®. 93. § 1668 gef^c^en (üergt. au^ olbenb. ®ef. t>. 24. 2Cpril
1873 Slrt. 33 § 1; preufe. 31. fi. 91. II, 1 §§ 218—220), auöbrüdlid^ beftimmt;
inbeffen werben bic allgemeinen ©runbfäfee regelmäßig ju bemfelben Sie^
fultate führen.
2)er § 1289 unterfd&eibet ni^t, je nod&bem bie ©^efrau gcmerbamäfeig
ein befonbereö ©ef^öft betreibt ober nur in einjelnen gälten il^re 2lrbeit }U
felbftänbigem (griücrbc ücrroenbet. 6ine [old^e Unter[d^eibung mürbe, ba cfi
ftd^ in bem einen wie in bem onbcrcn ^aUt um einen ©rmerb ber S^efrau
burd^ falc^e älrbcit -^anbcU, ju n)el4ier bie ^^efrau gegenüber bem @^emanne
red^tlid^ nid&t ucrpflid&tct mar, priniipieB nid^t gered^tfertigt, aufeerbem praftifd^f
unjmechnQgig fein, ha fid^ ^äuftg faum unterfd^eiben (offen mirb, ob ed ftd^
nur um einjetne arbeiten ober um ben 93etrieb eined felbftänbigen @rmerbd^
gefd|)äfted ^anbeiL SlQerbingd mac^t bie Siegelung beö Sntmurfed bei bem
©rmerbe ber S^efrau burd& eine nid^t gemerbömäfeige 2^^ötigfeit bic anbere Untere
fd^eibung not^mcnbig, ob ber ©rroerb unter bie Seftimmung beß § 1275 9lbf. 2
föBt ober nid&t; inbeffen fmb bie mit bicfer Unterfd^eibung üerbunbenen prafc
tifd&en ©dömierigfciten geringer anjufd)(agcn, mie bieienigen, roc{d&e bie erft^
gebadete Unterfd^eibung mit ftd^ bringen mürbe,
«eberioffuiifl Säcfoubcrc Scftimmungen für ben gaB, menn bcr ©bemann S^egutö^
aThVt^l gegenftänbe jum Sroecfe bcfi fe(bftänbigcn Setriebeö eineö ermerbögcfc^äftcÄ
trau gum bcr ©^cfrau für eigene SHcd^nung übertäßt, o^ne ba% bie SSorauöfefeungen bcft
tiSS!?' § 1286 üortiegen, l)at bcr ©ntmurf niddt aufgenommen. 3nöbefonbcre fanit
ein Sebürfnife, — in Slbrocid^ung oon bem geltcnbcn Siedete unb oon bem ^rinttpe
bcd § 1286, nac^ meld^em o^nc bic fd^ügenben formen bed @^et)ertragci^
(§ 1335) &^cgut burd^ bie ©Regatten nic^t in SBorbe^altdgut foB oer^
monbett locrbcn fönncn — mit einer berartigen Ueber(af|ung ald fold&en bie
gBir!ung ju ocrbinbcn, ba§ bie übcrlaffenen e^egutögegenftänbc 33orbe^altögut
merben, nic^t oncrfonnt merben. Ucberlägt ber Seemann bcr @^efrau @^e^
gutögegenftänbc in bcr bejcic^nctcn 3lrt, fo liegt barin bic ©inmiBigung beil
®()emanncd, bafe bic ®^efrau über bic i^r übcrlaffenen Oegcnftänbc jum
3mc(fe beö geftatteten ©efc^äftßbctricbcfi oerfügen fönne (t)ergl. §§ 1300, 1307).
®urd^ bic 5Bcrfügung über bic bctreffenben ©cgcnftänbc fd^eiben bic (egtercn
aud bem S^egutc auö (§ 1293); bcr @rtöd aud ben Umfaggefd^äften fällt
aber nod^ § 1289 ni^t in ba^ S^egut, fonbern mirb SBorbcl^altögut. S)aburc^,.
bafe bic bcr ®^cfrau jum ^roedc beö Sctricbeö eines ©rrocrbögcfd^äftc« über*
(affencn ©egcnftänbc ©l)egut b(cibcn, biß bic ©Ijcfrau barüber oerfügt l^at,
mirb bcr Setrieb beß ©rrocrbagcfc^äftcß nic^t gel^inbcrt. ^toax fonn ber ®^e*
mann froft bcr i^m in Slnfc^ung bcr überioffenen ©cgcnftänbc T}crb(cibcnbcn
cl)clid&cn 9lu6nicfeung unb 33crn)a(tung eingreifen unb babur^ bic S)ißpofitioncn
g^rgut unb »crbclfeamflut. aSorbcWt^flut. ©uricöotion § 1290. 177
ber (^cfrQu inforocit auöf fließen; allein göllc bcr 9li*t locrbcu, fo lange ber
ß^mann mit bcm betriebe beö ©rroerbögef^äftcö überfiaupt einoerftanben ift,
nic^t leicht TJortommen. (Segen eine folc^c SRegcIung, nad^ weiter bic über-
lajienen ß^egutegcgenftänbe 33orbe^aftögut würben, fprid^t ferner, bafe eä an
einem genügcnben ©runbc fe^[t, bie ber fö^efrau überlajjenen Oegenftönbc
baucmb, ou^ für bie S^t nad^ 9luf^ören beö ©rmerbögcf^äftcö, bem ß^egutc
}u entjie^cn. Db unb inroieroeit bic (g^efrau nad^ bem Sluftioren beö ©rmerbä-
gqd^fted gegenüber bem ©bemanne T)crpflid^tet ift, an ©teile ber nid^t mef)r
oor^nbenen @^egutdgegenftönbe einen entfprec^enben S^Ejeil itjred Siorbe^alts^
gut« in 6^egut umjuroanbeln, bejio. ben fö^emann wegen ber il^m in Sin-
fe^ung bcr überladenen ©l^cgutdgegenftänbc entge^enben Jlußung ju cntf^äbigen,
iäftt )\^ allgemein nid^t beftimmen, fonbern fann nur im aBcge ber Slußlegung
unter 33erürffidf)tigung ber Umftänbc beö cinjelnen galleö entfdbieben roerbcn.
Ic^nlid&c j^agcn fonnen auc^ bei bem gcmoi^nUdöcn 9Jie§braud^e fxä) ert;eben,
iDcnn ber ^Jiefebraud^er bem ©igcnt^ümer einen S^^cil ber bem Jüe^braud^c
unteriiegenben (Scgenftänbe jum 3^^*^ beö 33etriebeä eines ©rmerbägefd^äfteö
überlajfen ^at. I)iefelben Orünbe, roeld&e ben ©ntrourf beftimmt ^aben, t)on
ber bcfottberen Siegelung beö rcd&tögefd^äftli^en 3lie6braud^cö an einem ermerbö-
gefd^fte abjufe^en, fpred^en im SBefentli^eu au^ bagegen, baß l^ier in SRebe
fte^enbe Serl^iältnig burd^ älufftcDung bidpofttiper Tted^tönormen befonberö
ju regeln,
§ 1290.
Sud bem S^tdz beö SBorbc^altöguteö crgiebt ficö, ba§ 3llleö, maö bic «orbc^ou«-
6§efrau auf @runb unb in golge ber il^r jufte^enben Siu^ung unb SBer^^ eurrSJation.
iwitung beöfclben enoirbt, SBorbe^altögut werben mufe (ücrgl. preufe. Sl. 2. SR.
11, 1 §§ 217, 218; ©efefircü. ^enf. XV §§ 164—166 nebft 3»otiüen S. 149; fäd^f.
6. S. § 1693 ; olbcnb. ®ef. v. 24. äpril 1873 Slrt. 17 § 2 lit. a). Unter ben ^eroor^
gehobenen ©efid^töpunft fäUt gunöd^ft aQer ©rmerb, meld^er ber (S^efrau auf
®runb eines ju bem SSorbel^altögutc ge^örenben SRed^teö, fei eö unmittelbar
früft ®efe|eö ober burc^ Sßermittelung eineö ben Snfialt beö SRed^teö oer^
wirRi(^nben Sle^tögef^äfteö, jufäHt, femer baöicnige, roaö fie als ©rfa§ für
bie 3<^t5rung, 99efd^äbigung ober ©ntiicl^ung eines jum SSorbe^altsgute gc-
^orenben ©egenftanbcS enoirbt. 2)a bie grage, inroieroeit in ben beibcn
^orge^obenen Slid^tungen bas ©urrogationöprinjip reid^t, oorjugömeifc auf
bem ©ebiete ber partitulären (Sütergcmeinf^aft, bei melier in 3lnfel^ung beö
Sonbergutcß im SDSefentlidden biefctbe grage ju entfd^eiben ift, ©egenftanb ber
ßrörterung unb beö Streites geworben ift, fo wirb in biefer S3eäie^ung auf
bie OTotioe ju § 1414 oerwicfen. ©ine britte §auptflaffe, weldE)c unter ben
im gingange l^eroorge^obenen ©efi^töpuntt fällt, bilbet ber Grwerb burd^
[oU^c Slec^tögef^fifte, weld^e auf 33orbef>altögut fid^ bejie^en. I)aö SSorbc^altö^
gut fte^t ^ier ni(^t re^tlic^, fonbern nur wirt^fd^aftlid^ mit bem ©rwerbe im
Sufammen^angc. 3)iefer ^ufammcn^ang brandet au^ nic^t barin ju beftel^en,
ba| ber erwerb, wie bics bei Umfafegefd^öften bcr S^tt ift, fi^ wirtfif^aftlic^
I ttto bun^ bas SBorbe^altsgut gemacht barftellt, fonbern es genügt fdjon, wenn
i fittioe I. UigcrL ecfc«bii4 IV. 12
178 ei&cöut imb aSorbcHtßflut. SSorkbaltcöut. ©urroßation. §1290.
baß SRcd^tögcfd^äft fubicftb mit SBcjic^ung ouf boö Sßorbc^atogut gcfd)Ioffcu
ift unb obicftb mit bcmfclbcn in Swftt^^cti^ang gebraut roerben fann, j. S.
TOcnn Snüentaricnftüdc für ein jum SSorbcl^altßgutc gel^rcnbcö ©runbftürf
ongcfd^afft werben ober ein S)icnftoertrag über Slrbeiten gcfd^Ioffcn wirb, mcläfc
obieftio auf ©egenftänbc beö SBorbel^altdgutes ftd^ bejie^en. j)a6 ber ©rrocrb
auß S^ec^tögefd^äften ber bejcic^nctcn Slrt bem SSorbe^aCtögutc jufallen foU,
rechtfertigt f\ä) baburtfi, ba§ bie orbnungömäfeige SScrroaltung unb ©r^altung
eines SSermögenö ol^ne fold^c Ste^tögefd^öftc auf bie S)aucr unmögCid^ ift. S)cr
®^efrau foH ober bie SSerroaltung unb ©rf^altung beß Sßorbcl^altflguleft üoU*
ftänbig gefid^ert werben. ®ß müRen i^r beß{|atb aud^ bie jur ©rreitftung bicfcö
3mec!eß unentbe^rUd)en ÜRittel geroöl^rt werben. 3luf ber anbcren Seite mürbe
eß aber ju weit gelten, bcn ®rmerb ber ®^efrou auß Sied^tßgcfd&äften, mefd&c
fte fubjeftio unter Sejugnal^me auf il^r Sßorbel^attßgut gefd^ [offen l^at, aud^
bann für aSorbctiaftßgut ju erßören, wenn ba& SRed^tßgef^äft objeftio mit bem
5Borbei|aItßgute ni^t in Sufömmenl^ang gebrad^t werben fann, bie ©fiefrau jur
3eit ber 3Sornaf>mc beg Sled^tßgefd^äfteß SSorbcfialtßgut oielleid&t überhaupt
nid^t befcf[cn Ijat. ©ine fold&e SÄußbcl^nung würbe aud& mit bem ^rinjipc,
ba^ bie ®l^efrau fid^ nid^t cinfeitig beliebig Sßorbel^altögut uerfd^affcn fann,
unnereinbar fein.
2)aß preufe. 91. S. 9t. II, 1 § 218 (t)ergC. aud& ®efe|ret). 5ßenf. XV § 165)
mad^t bie Seftimmimg, bafe baßjenige, waß bie ®l^efrau dou ben ©infünftcn beö
oorbefialtencn Söermögenß erfpart, bicfem SBcrmögen juwöd^ft, T)on ber SSoranö^
fegung abl^ängig, bafe biefe ©rfparni^ jur 3cit ber 3tbfonberung beß 83er-
mögenß beiber ©fiegatten auf ben 9lamen ber ®l|cfrau gefd^rieben ift ober
fonft flar erfieUt, bafe fie ben 33efi6 ber erfparten ©a^en ober ©eiber nod^
ni^t aufgegeben ^at. ®ine berartige pofitiDe SSorf^rift ift iebodd burd^ ein
Sebürfnife nid^t geboten, ©afe ber ®^efräu, wenn fte il^re @rfparniffe jur 33e-
ftreitung beß el)e[id[)en Slufwanbeß ocrwenbet ober bem ©bemanne ju fold^em
3wedfe überlaffen ^at, regelmäßig fein 3lnfprud^ auf @rfa^ aufteilt, folgt, wie in
ben aWotioen ju § 1340 (ocrgl. aud^ bie 2Rotit)e ju § 1289 oben S. 176) auö^
gefül^rt ift, auß allgemeinen ®runbfä|en.
Qxmxb ber S)urd[i bie Seftimmungen ber §§ 1286—1290 finb bie göDe erfd)5pft,
mä^renMcit. ^^ rüdd)en ber Entwurf aSorbe^altßgut juläfet. 2)aß olbcnb. ®ef. v. 24. Stpril
weiuger 1873 5Ärt. 18 enthält nod6 bie weitere, ben übrigen beftel^enben SWccftten
ii^Sunbiett! M^ibefannte 33orfd^rift, ba§ baßjenige, waß bie (Sfiefrau wäl^renb einer jeit^
weiUgen ©d^eibung t)on SCifd^ unb S3ett biß jur SBiebercereinigung ber ®^c*
leute anbcrß als burd^ (SrbfaH ober ©d&enfung auf ben 3:;obeßfaU erwirbt,
für biefe 3^it JU \i)vem oorbelialtenen SBermögen geljört. ^n bem gebadeten
^alle liegt aUerbingß ein Slußna^meoerl^ältnife Dor, bei welkem nad^ ber Slatur
beßfclben ber ®l)efrau bicicnige greil^eit ber ^Bewegung gewäl^rt werben muft,
wel^e not[)wenbig ift, bamit fie felbft für il^ren Unterl^alt forgen fann. 3nbeffen
fmb in biefer 33ejiel)ung bie allgemeinen ©runbfäfe in SBerbinbung mit beu
93eftimmungen ber §§ 1287, 1289, 1290 alß außreid^enb ju erad^ten. 3nö^
befonbere reid^en bie allgemeinen ©runbfäftc auß, um ber ©[)efrau bie
Sßerwenbung beß il;r t)on bem ®l^emannc ober britten ^crfonen ju il^rem
Untcrfialtc (Segebenen ju biefem 3wedfe 5U fiebern.
Sfccflut u. SSorBcfialtöflut SSorbcJatt^öut. ©d&u^ gut. ©faubenö k. §1291. 179
§ 1291.
®o6, rotm bafi SBorbcl^altögut burd^ ©J^coertrag für SSorbc[;altögut cv^ ^^^f *^JJJ^,^
Bfirl ift (§ 1286), auf basfclbe bic §§ 1336, 1337 Slnmcnbung pnbcn, cvgicbt ®iaHbc««!
^ f(^on unmittelbar au8 bcn §§ 1336, 1337 in 93crbinbung mit § 1333
(wrgL bic SWotioc ju § 1336). S)ic gtcid^en ©rünbe, meldte für bicfcn gall
}u bcn Scftimmungcn bcr §§ 1336, 1337 gefül^rt l^abcn, muffen aber weiter
bo^in führen, biefelben auf baö 33orbcl^altögut aud& bann für cntfprcd^cnb
araoenbbar ju erftären, wenn baöfelbe ouf ben SSorfd^riften ber §§ 1287 biß
1290 beruht
©bcnfo red^tfcrtigt fid^ bie burd& bzn § 1291 beftimmte entfpred^cnbe »«vioauuna
änioenbung bed § 1340 auf ba& 93orbe{)altdgut burd^ bie älnalogie ber ä^er^^ bemann.
^Kniffe.
^aqtq^n ift eö ate beben! lid& unb nidbt als angemeffen eradbtct worben, »«*'«« »>«
bie »eftimmungen beö § 1339, na« meieren bei t)ertragömä6iger a;rennung 'S«'"
bcr ®üter bie (S^efrau üerpflid&tct ift, bem ©bemanne aus ben ©infünften i^reö ^"^*"'-
Vermögend unb bem ©rtrage eines von it|r felbftänbig betriebenen ©rwerbö-
jfft^äfteö jur Seftreitung bes Unterhaltes beibcr ©Regatten fomic ber gemein-
fc^ftlid^en äbtommlinge einen angemeffenen 33eitrag ju feiften, auf bafi SBor^
bf^Itdgut audjube^nen. SBenngleid^ bas S3orbe^a(tsgut, namentlid^ nad^ ben
Scftimmungen beö ©ntrourfeö, unter Umftänben eine erl^eblid^e 9luöbe^nung
dabcn fann unb bem @f>emannc infomeit bie Siußungen oon bem SSermögen
ber S^efrau ate ^Beitrag ber (enteren )u ben von bem ©bemanne ju tragenben
e^Kd^n Saften entgegen unb es bes^alb natür[id[i unb billig gu fein fc^eint,
bag bie Safran bem ©bemanne t)on bem ißorbe^altsgute in anberer ^orm
mä^ SRciggabe beS § 1339 einen angemeffenen Beitrag ju bcn clielid^cn Saften
flfnmljrt, fo crgiebt bod^ eine naivere Setrad^tung, bag ber l^ier in SRebe ftcl^enbc
^U Dou bem ber ©ütertrennung wefentlid) ücrfdjieben ift. 93eru^t bic 93ors
bc^ottseigenfd&aft auf ©J^cücrtrag (§ 1286), fo liegt es im ©inne biefcS aSer*
tragcö, bafe bie (S^efrau bas üorbeljaltene Sßermogeu nid^t allein felbftänbig
wrnwltcn, fonbcrn aud^ über bic 9tu|ungen bes le^tercn frei Dcrfügen will,
lic Slnerfennung einer gefcfclidjjcn SeitragSpflid^t bcr ©l^cfrau, rocld^c and)
im Sinne beS § 1339 einen abfoluten Äarafter nid^t ^at, mürbe baljcr mit
bem ©inne bes G^coertrageS in SBiberfprud^ treten. 3Ict)nlid) liegt ber gall,
wenn bie Sorbe^altsgutseigcnfd^aft auf ber Seftimmung eines ©ritten bcruljt
(§ 1287), wobei in Setrad&t fommt, bafe ber (Seemann ein Siedjt auf bic ^n^
waibung pon ©eiten beS 3)ritteu nic^t t|at. 9Jod) meniger ift bie Slnerfennung
einer SeitragSpflid^t ber ß^efrau in bem galle bes § 1288 gerccl)tfertigt, xocnn
bcr 6^mann es abgelehnt fiat, ben ©rroerb bcr (Sl;efrau aus einem SHed^ts^
flef(6äftc unter Sebenben in bas ©fiegut aufjune^mcn. 9lnber6 liegt baS "iicv^
Wtnife aUerbingS in ben fällen bes § 1289. 3nbeffen ift oxid) für biefc gällc
ein Sebürfnife, burd) bas ©efefe ^ürforgc ju treffen, nidjt anjuerfenneu, ba,
»ie in ben aWotloen ju § 1289, oben ©. 175 ff., bereits t)crt)orgel^obcn lourbc,
bcr Sb^mann es in ber ^anb l;at, feine ©inroilligung ju bcr Uebernal^me
perfonlit^cr S)ienft[eiftungcn Don ©eiten ber (Slicfrau ober ju bem ^Jetriebc
eines felbftänbigen @rmerbsgefd^äftcs bur« bie le|tevc baoon ab()ängig ju
12*
180 9lu^nie§unfl beö eSeflutcö. Sorf^riftcn üBcr gflicfebrau*. § 1292.
mad^en, bofe bie 6f|cfrau fid^ i^m gegenüber jur Setftung eine« Seitragcfi ju
bcn efielid^en Soften t)erpPid)tet. Um fo bebenfltd^cr ift e«, bic SBorfd^rlft beö
§ 1339, tt)eld^e wegen ber Unbeftimmtt)eit beft für bie Semeffung beö Seitragcö
im einjelnen galle anjulegcnben ÜHafeftabeö in i^rer praftifd^cn Slnroenbung
immerl^in mit geroiffcn ©d^roierigfeiten unb Unjuträgti^fciten t)erbunbcn ift,
ol^ne bringenbe ©rünbe auf baö SBorbel&attögut auöjube^nen, alö eine berortige
33eftimmung — obgefel^en oon bem otbcnb. @ef. t). 24. Stpril 1873 5lrt. 33
§ 1 — bem geltenben JRec^tc fremb ift. Snöbefonbere ift aud^ im franj. JRcd^tc
(code civil 3Irt. 1448, 1537) eine Sßerpflid^tung ber @f)efrQu, ju ben Saften bcr
6f|e beizutragen, nur für bic gälle bcr gcrid^tlid^ erfannten ©üterabfonberung
unb ber auf ®{)eüertrag berufienben ©ütertrennung anerfannt
3i«^tii*e 2)ie neueren ©efegbüd^er enthalten jum 2:^eil nod^ naivere Scftimmungcn
(s^fvm i" über bic rec^tlid^e ©tettung ber ®^efrau gegenüber bem iBorbe^altßgute, namcnt*
^wÄ«** ^^^ ^" ^^^ Slid^tung, bafe bie ©fjefrau, f oroeit nidjt ein 2[nbereö bcftlmmt fei,
flutcs. über bas aSorbebaltsgut ol^ne aWitroirfung bes ©bemanne« T)erfügen, bosfclbe
oerroalten, beffen ^^ugungen für fid^ jiefien unb biefe für fid^ ücnoenben lönnc,
ferner barübcr, inmiemcit fie baö aSorbe^altögut mirffam mit ©d^ulben bcfaften
fönnc (ücrgl. preufe. 31. S. 9i. II, 1 §§ 221—223, 225—227, 229,- 230, 318,
319, 619, 620 — baju Urt^cU b. 91. ®. bei ©rud&ot XXXI @. 976 — ;
fäd^f. ®. 33. §§ 1640,1693). Die 9lufna^mc berartiger Seftimmungen in boö
©efefebud^ ift, rocil bie red)tlid&e ©tcBung ber ©l^efrau ju bem SBorbel^altö^^
gute fld^ auä bem 33egriffc beß Icfetcrcn (oergl. § 1286) in SSerbinbung mit
bem ©runbfafee beö ©ntmurfeö, bafe bic (gl^efrau afs folc^e ober froft beö gcfe^
lid^en e^elid^cn ©üterred^teö in ber Oefd^äftöfä^igfeit nid^t bcfd^ränft ift, oon
felbft ergiebt, alö entbel^rlid^, überbieö wegen ber Kafuiftif alö bebenHid^ er*
ad^tct. 9lnbererfcitö fcl^lt eö an einem genügenben ©runbc, baö auö ben aü?
gemeinen ©runbfäfeen fid^ ergebcnbe freie 35erfügungöred^t ber ß^efrau über
baö 9SorbeI)altögut in Slnfel^ung gcroiffer baju ge^orenbcr ©egcnftänbc burc^
porttiüc »orfd&rift (ocrgt. preufe. 31. 2. !M. II, 1 § 223) einjufd&ränfen.
2. 9lufeniegung beö ®f|cgutcö.
§ 1292.
«nroenbun« Daö bcm ß^cmaunc juftel^cnbe JHed&t ber Shigniefeung beö ©l^eguteö, bic
ft^riuerü'bcr ^¥^^^^ SRufenicfeung, bilbct bic eine ©citc beö burc^ bic ©^c in Slnfc^ung beö
ben «ie|. SBcrmögcnö ber ©fiefrau unter bcn ©l^egatten begrünbeten ©efammtred^tö^
^''""^' Dcrl^ältniffeö (§ 1283). S)ie etjelid^e Sfiu^niefeung bejroedft, bem ©bemanne bic
mirttifd^aftlid^e aWat^t ju geben, bie 5ßufeungen beö ©^egutcö jur ©eftrcitung
ber cJielid^en Saften ju üerroeuben. S)er ©ntrourf gemährt bem ©^emonnc
biefe SKad^t in ber red^tlid^en ^orm beö 9iie&braud&eö. 3)aburd^ erlangt bcr
6f)emann ein cigencö Siedet auf bie Shifeungen beö ©l^egutcö. ©ine Siegelung,
mel^e fid^ auf bic unmittelbar unb bireft auö bcm roirt^fd^aftll^en 3roerfc
beö ©i)ftemeö folgenben Äonfequenjen befd^ränfen unb bcm ©bemanne, o^nc
Slncrfcnnung cineö eigenen SRcd^tcö auf bie SHu^ungen, nur bic 9efugni§
beilegen wollte, über bic im Uebrigen im ©igcntl)ume ber ©l^efrau Dcrblcibenbcn
9ltt^ic§unfl beö ß6egute«. SJotrtriften über 9He|6rau4 §129-2. 181
grüßte ie& S^eguted )um ^roedt ber Seftreitung ber ef^elid^en Saften ju t)er$
fügen^ nmrbe für baö praftifd^e fieben im ^inbücfe auf bie babur^, mentgftend
unter Umftänben^ not^tpenbig n)erbenbe 9ludeinanberfegung unb 3lbred^nung
loegen ber gezogenen ^^te tinb ber baraud beftrittenen el^eUd)en Saften nid^t
brauchbar ^ überbied für bad SSerJ^&Itnig nod^ äugen um bedmillen bebenfUd^
fein, meil babur^ Unflar^eit unb Unftd^er^eit barüber entfte^t, mad ju bem
Vermögen be« 6^emanneö gebort unb ba^er t)on feinen ©laubigem angegriffen
loeAenJann^ unb iDad anbererfeitd äte ^^rü^te bed @^eguted nod) im @igentt)ume
ber ß^efrau verblieben ift. S)ie ^raftifabilität bed 3lcd^teö erforbcrt ^ier eine
feftere unb leidster ertcnnbarc %jialtun2^ber Steckte beö ®l^emanneö, unb bieö
finirnur baburdl^ erreid^t röcrben, ba§ i^m, wie er einerfeitö üerp^id^tet wirb,
bie e^li(^en Saften allein ju tragen^, anbererfeitö bad Sted^t, bad 93ermogen ber
6^Qu iu nu^n, old ein eigenes 9le^t eingeräumt roirb. ^ud^ im Uebrigen,
fooiel ben ^ni)aii unb ben Umfang ber mit ber e^elid^en 92ugniegung ju
ocrbinbenben Siedete unb ^^id^ten bed (S^emanned anlangt^ finb bie im Sßefent«
lidfta benfelbcn roirt^fd^aftlid^en 3^^^ ocrfofgenben SSorf^riften über ben
9Iie§braud^, fomeit biefelben nid^t lebiglid^ auf ben red^tdgef^äftU^en 3lxt^^
brauch bered^net finb, — vorbe^aUli^ indbefonbere ber aud ben befonberen 9e^
jtimmungen über bie Haftung bed @^eguteö für bie 93erbtnb(id[|feiten ber
S^efrau (§§ 1311 ff.) unb aud ber mit ber e^elid^en ^ugniegung verbunbenen
d)Aväim Serroaltung (§§ 1317 ff.) fid& ergebenben äWobififationen — im ©rofeen
unb ®anytn auf bad bem (S^emanne jufte^enbe 9led^t ber Stu^niegung an^
ocnbbar. äSenn aud^ uerfd^iebene älbmeid^ungen not^menbig finb, um ein
bem allgemeinen ©ebanten bed @Qftemed ber 93ern)altungdgemeinfd^aft ent^
fptec^eft »er^ättnife fierjuftellen (§§ 1293—1299), fo ift cö bodd für bie
S^et^nit bed Sled^ted oort^eil^after, an bie fefte, burd^ ä^^eorie unb ^ra^id
au^ebilbete unb in bem ©efegbud^e jubem jugleic^ mit Stürffi^t auf bie ^äUe*
beft gefegli^en 9{iegbraud^ed georbnete Kategorie beö 92iegbraud^ed auiufnüpfen,
oift eine ganj fetbftänbige S^^eorie ber e^elid^en 9lugniegung aufiufteÜen,
melc^ jubem im SBefentlid^en boc^ nur ju einer SSieberl^olung ber für i>cn
^iießbrauc^ geltenben Orunbfäfee führen mürbe. Sebenfen gegen bie Stnroen^
bung ber Sßorfd^riften über ben ?lic|braud^ auf bie el^elid^e Siugniegung
fonnen au^ baraud nid^t l^ergeleitet merben, bag baburc^ bad Sted^t bed
S^anned auf bie Slugniegung bed Sf^eguted einen binglid^en ^(arafter
qewinnt, fofern nur bancben bie allerbingö roefentlic^e unb unerläfelid^c 9Wobi*
Sfation onerfannt wirb, bag bie e^eli^e 3^lu6niegung immer nur boö icrociligc
C^gut ergreift (§ 1293). 3)ie binglid^e Statur beö eJ^emännlid^en Sted^teö
bereitet inöbefonbere aud^ in fold^en fällen, in meldten ein jum @^egute gc«
börenber ©egenftanb befd^äbigt, }erftört ober fonft ber S^efrau entzogen mirb
unb bie grage entfielet, inmiemeit ber @t|efrau unb iniDiemeit bem @^emanne
bicfer^Ib @rfag ju teiften ift, leine befonberen Sc^mierigfeiten ; oielmc^r
führen bie allgemeinen ®runbfä|e über @^abenderfag in SSerbinbuug mit
bem ©runbfa|e, bag bie e^eli^e 9!u^niegung aud^ baöienige ä^ermögen ber
G^au ergreift, roeld^efi fie möl^renb ber ®^e erwirbt (§ 1283), oon felbft,
o^ne bag eft in biefer Seiiel^ung einer befonberen gefegUd^en @ntfd^eibung
bebttrf, ju einer ongemeffenen Söfung jener grage. 3luf ber anberen Seite ift
182 9luönie§imo bcö (Sßeflutc«. Sorfd&riften ü6er 5ftic§braud&. § 1292.
tnit bem binglid^cn Äaraftcr bcö cJ^emännlid^cn SRcd^tcÄ, abgcfe^cn uon anbcrcn
SSorti^cUcn (Dcrgl. § 899), inöbefonbcre bcr SSort^eil ücrbunbcn, bofe baß (Scfeg,
Yüctl bie binglic^e Statur iened 9^ed^ted bem (S^emanne bte änögKc^feit geioä^rt,
baä fe|terc ol^nc SKitroirfung bcr ß^cfrau gegen 3ebcn ju T)erfo[gen (ucrgl.
§ 1017), freiere ^anb bei ber ©ntfc^eibung ber grage erhält, ob bem ®^e*
manne ein t)on ber SKitroirhing ber ß^efrau unabhängiges 3led^t, bie ber
@t|efrau }uftc^enben @^eguterec^te gerid^tlid) geltenb }u mad^en, einjuräumen
ift ober nid^t (oergl. SDlotiDe ju § 1322). 9Mit bem ©tanbpunfte be« &nU
rourfeö, bofe auf bie bem ©bemanne an bem ®^egute iuftel^enbe SRugniefeung
bie aSorfd^riften über ben 9iiefebraudö Slnmenbung finben foHen, foroeit nid^t
aus bem ®efe|e ein Slnbereö ftdd ergiebl, ftimmen bie neueren Oefe^gebungcn
(ocrgl. preufe. 31. 2. di. II, 1 § 231; (SefefcreD. 5ßenf. XV § 178 nebft ÜJlotiücn
S. 156 ; fäd^f. ®. 33. § 1655 ; otbenb. ®ef . o. 24. Slpril 1873 3trt. 5) unb, fooiel
loenigftenö bie Slnerfennung beö e^emännli^en SRed^tcö auf bie 9lu|ungen bed
grauenoermogcnö als eine« eigenen JRed^teö anfangt, übermiegenb anö) bie
S^^eorie unb ^rajiö beö gemeinen bcutfd^en Siebtes überein. Sle^nlic^ ift baö
3}erl)ältnife md) allen benjenigen Med^tcn, roeldde auf bem ©gfteme ber ©r^
rungcnfd^aftös ober ÜRobiliargemeinfc^aft berul^en, fclbftoerftanblic^ jebod^ mit
bem Unterf triebe, bafe l^ler bie 9lu|ungen ni^t bem ®^emanne perfonlid^,
fonbern bem ©efammtgute juf allen.
3m ©injelnen ift ju § 1292 nod^ golgenbeö J^erooriu^eben :
a)irefte 3cn* 1. änlaugenb bie gajfung, fo erKärt ber § 1292 bie SSorf^riften über
»wfdjdft«" ^^" ^liefebraud^ mit SRüdtfid&t barauf , ha^ bie tefeteren and^ ben gefefelidöen
"T**u4 5liePraud[) mit umfajfen, für bireft anroenbbar. SBon einer entfpred^cnbcn 9ln*
wenbung barf um fo rocniger^gefprod^cn werben, als eine berartige 3luöbrucfd'
meife ju ber unrid)tigen 9lu9lcgung 83cranlaf{ung geben fönnte, bafe au^ bie
fpejiell für ben red^tögcfd^öftlic^en Jliefebraudö gegebenen 33cftimmungcn_auf
bie ti)diä)t ^lufenicfeung anmenbbar fein foUten. ©in Sebürfnife, ausbriidfUd^
barauf l)injun)eifen, bafe bie Slnroenbbarfeit ber SBorfd^riften über ben 9lic§braud^
fid) nid^t auf bas ®efammtred|)tsoer^ältnig, fonbern auf bas burd) bas (entere
in 2tnfel)ung ber cinjelncn bemfelben unterliegenben Oegenftänbe begrünbetc
9ied)töDer^öltni6 bejiel;t. Hegt nid^t uor. Surd^ bie Raffung beß § 1292 loirb
ferner in auörei^cnbcr SBeife jum 9luöbrudEc gcbrad^t, bafe bie 9[Jorf(^riften
über ben Jliefebrauc^ nid^t nur für bie Stexi^te, fonbern aud& für bie ^l^^id^ten
beö Seemannes ma^gebenb finb.
^^rüfuufl ber 2. ©iuc uäljcre ^^Jrüfung, ob unb inroicmeit bie eiujelncn 83orfd)riften
fdtTrehu »^^^ ^^^^ 5iie6braud^ auf bie el)elid()c ^Jugniefeuug als aumcnbbar ober nid^t
seinen vov* a(g anu)eubbar ju crad^ten finb unb ob unb inioieiueit eö n6tl)ig ift, bie nid^t
^^'' ^'"' anroenbbaren 33eftimmimgen ausbrüdflid^ üon bcr Slnmenbbarfeit ausjufcftlie6en,
fü^rt JU bem Stcfultate, bafe, abgcfe^en oon ben Seftimmungen ber §§ 1293
bis 1299, ein Sebürfni^, nod^ anbere einjelnc SJorfd^riften über ben 9iie§braud)
fpejiell oon ber 9lnmcnbbar!eit ausjufd)lie^en , nid)t t)orl)anbcu ift. ^m (Sixu
jcinen crgicbt iene ^^irüfung golgenbcö:
a) 3)ie Säorfdjriften ber §§ 980, 981, 984, 985, 987, 988, 989, bcfi
{^ 990 Safe 1, bcr §§ 991, 994 bis 1002, 1004, 1007, 1010, 1017, 1028,
1024, 1026, 1027 fiiib, oorbcl)alttidö bcr aus anbcren fpejiellcn )öeftimmuugen
X
Jhitnieöung bcö ©teöutc«. gSorfc^riftcn über gflicfebrauc^. § 1292. 183
W crybenbcn aJlobififationcn (ucrflC. inöbef. §§ 1293, 1296, 1300, 1305, 1311,
1317—1325), aniDctiibor, o^nc bafe cö in Slnfc^ung jener SSorfd^riftcn weiterer
3Robiftfationen ober Qn^äiit bebarf.
2Iu§ ben angeführten SBorfd^riften über ben ^liefebraud^ (t^erfif. §§ 984/ »"tßc«nfls«
991, 1007 perb. mit §§ 1279, 1292) erßiebt fid^ inöbefonbere, bofe ber e^e^ eljemlnne^
mann fraft ber e^eli^en Slufeniefeung jroar bereditigt ift, bie ®l)egutöfa(f)en
inncju^oben unb für fid^ ju nuficn, bafe i^m aber ein SRecfit, bie ©ubftanj
bed e^egute« o^ne ©rfafiüerbinbtid^feit für bie ^voedt ber 6^e ju üerroenben,
nic^t iufte^l. 6s entfprid^t bieö — im (Segenfage ju bem SWed^te bed ©ad^fen:^
ipiegete — ber ®nlroicfelung beö neueren Sfied^teö (oergf. preu^. 91. 2. 9i. II, 1
§§232, 247 Derb, mit II, 1 § 561; fäd^f. ®. 89. §§ 1655, 1673—1675,
1688, 614; olbenb. ®ef. ü. 24. 3lpril 1873 5lrt. 5, 7). Ueber^oupt ift aber
nadi bem Entwürfe ber Seemann fraft ber e^etid^en 9{u|niegung, abgefel^en
oon geroiffen 3lufinal&men, inöbefonbere ben gällen ber §§ 999, 1000, 1294
unb ben unten noä) befonberö ju berüctfidötigenben SBorfd^riften über ben Sliefe-
brauch an ^orberungen (§§ 1028 ff.), über bie Subftanj bed @E)eguted )u Der-
fugen nic^t befugt. (Sine anbere, im 3iif<^^>n^>i^^)^9<^ ^it ^^)t SSorf^riften
über bie e^eli^ SSenoaltung (ucrgl. bie äJlotioe ju § 1318) ju crörternbe,
oon ben neueren ©efet^en oerfd^ieben beantmortete ^rage ift ed bagegen, ob
ton (£l>emanue traft feineö SSermaltungöred^teö in gemiffem Umfange ein 93er==
fügungdred^t über S^egutdfad^en eingeräumt merben foU.
S)urd^ ben § 1292 in »crbinbung mit §§ 1007, 1279 wirb ferner bie ^^^^^^f
Srage, ob bem S^emanne in 9(nfel^ung ber burd) gen)a^nlid)e 9lbnu$ung oI)ne
frin ^rfc^ulben oerfc^Ied^terten ®f)egutdfad)en eine @rfaftpf(id^t gegenüber ber
(SlKfrau auferlegt merben foll, grunbfätlid^, corbefialtlid^ geiüiffer 9tuönaf)men
(wrgl. § 1000), ju ©unfteu beö ß^emanneä entfd^iebcn. gür eine fold^e
Sriatpjlif^t taffen fid^ allerbingö gemi^tige ©rünbe anführen, tiamentU^ im
Öinblidc borauf, bafe bie ©fiefrau nad^ bem Orunbgebanfen beö ©gftemeö ber
Senoaltungögemeinfd^aft nur mit ben 3!u6ungen, nid^t mit bem Stamme i^reö
Vermögens, ju ben e^elid)cn Saften beitragen foU, ba^ aber bei einer länger
boueniben G^e, fofern baö ganje a^ermögen ber 6f)efrau, mie f)äufig ber ^all
ift, nur in einer 3iaturalauöfteuer befteljt, bie ganje ©ubftanj itireö iiev^
mögend nic^t feiten burd^ bie gemä{)n(id^e Slbmi^ttng verloren ge^en ober bod)
mebr ober weniger mert^Ioö merben mirb. 2luf ber anberen Seite ift inbeffen
.iu bcrürffid^tigcn, baß ber ©runbfafe ber unbcbingten ©rfa^pffid^t für bie ge^
roöbniidje Stbnuftung, meldten ber ®ntrourf nid^t einmal für baö Oefellfd^aftö^
rct^t anerfannt l)at (oergt. § 656), nod) roenigei für baö auf fittlid)er
(SrunDlage beru^enbe äJer^ältniß unter ben ßfjegatten paßt, bag baöfelbe jubem
not^roenbig 5U oerroidelten unb ffeinlid^en Slbred^nungen unb oft ju einer
großen ^firte für ben Seemann fü^rt, namentlid^ menn bemfelben, wie bicö
nacb bem ©ntrourfe ber gall ift, baö Sted^t, o^ne ©inmiUigung ber et)efrau
lwocglid)c G^egutöfac^en ju ueräufeern, gänjlid) üerfagt ift. 3(nbererfcitö mirb
Mc .feärtc, meldte unter Umftönben für bie (S^efrau barin liegen fann, ba§
iie für bie ^Ibnu^ung ber 5um ß^egute gef)örenben ©ad)en ©rfafe uidjit erl)ält,
roenigftenö für ben gaU ber Scenbiguug ber el^elid^en Shi^nießung unb äJer-
Bwltung buxdf ben 3:ob eineö ©Regatten, burd^ bie Seftimmung beö § 1971
184 SRu^niegung beß e^cöutcö. Socfd&riften über SflteßBcauc^. § 1292.
über ben SOorouS bes überCcbcnben ©Regatten einigermaßen gcmilbert. 6nfe
fd^eibcnb fommt ferner in Setrad^t, bafe — abgcfcl^en von bem otbenb. ®cf,
ü. 24. 3lpril*1873 3lrt. 13 § 3 — bem gcltenben Sleci^te füergl. preufe.
31. S. SR. II, 1 § 561; fä# ®. 93. §§ 1655, 1688, 614; lübed ®c[. D.
10. gebruar 1862 SIrt. 6) eine erfaftpflid&t für bic geroö^nliddc Slbnufeung
fremb ift. ^uä) bie im preufe. ä. 2. SR. n, 1 § 560 entl^altene ÜKobi^
fifotion beö Sßrinjipeö, mä) roefc^cm ber 6§emann für ni^t mel^r vot^
l^onbcnc ei)egutöfad^en nur im gallc eineö il^m jur 2aft faBenben SSct^
fd^ulbenö oerantmorttid^ ift, fann in Uebereinftimmung mit ber Oefe^cö^
reüifion (^enf. XV 3Kotit)e ©. 257) roeber quo praftif^en Oefid^töpunften,
no6) l^ingefe^en auf ben mut^mafeUci^en SBillen beö ®^emanneö ate geredet*
fertigt ancrfannt werben.
Seit Sßon befonberer SBid^tigfeit im 3ntereffe ber ©id&erung ber @^cfrau ift
mli^unXl Wc Slnmcnbung beö § 1004 auf bie e^eli^e SRufeniefeung. äuö biefer 9tnmcn^
gefleitfeiHgen buug ergicbt jtd), bafe bic (g^efrau bie i^r auf ®runb ber e^eli^en Sluftniefeung
«nfprüc^e. ^^^^^ ^^^ (g^emauu, namentUd^ wegen SBerleftung ber bem lefeteren fraft ber
e^elid^cn Sluftniefeung obliegenben Sßerpflid&tungen, juftel^cnben Slnfprüd^e, fomeit
ber ®f)emann nid)t auf ®runb befonberer Scftimmungen (Dcrgl. §§ 1294—1296)
wegen ber c^eüd^en SRuftniefeung unb SBerrooltung erft nac^ bercn Seenbigung
jur (Srfüllung üerpflidötet ift, fd^on roäl^renb ber S)auer ber el^clitften SRug*
niefeung unb SBerroaltung gegen ben (Seemann gcitenb mad^en fann unb bcm^
gemäfe bie ©rfüHung biefer Slnfprü^e Don ©eilen beö ©bemanne« ber Slm
fed^tung burd^ bie ®läubiger beö lefctcren auf ®runb beö § 25 5Rr. 2 ber
Äonf. D. unb beö § 3 $Rr. 4 beö SR. ®ef. t. 21. Suli 1879 nid^t unterliegt.
3n 5lnfel^ung ber ber (g^efrau auf ®runb ber el^elid^en SBerroaltung gegen ben
©bemann jufte^enben 9lnfprüd^e enthält ber § 1324 SCbf. 2 eine bem § 1004
üerb. mit § 1292 entfprcddenbe 33cftimmung. S)ie auf bem »oben ber partim
fulören ®ütcrgemeinf^aft ftcl^enben SRed^te nel^men prinjipieB regelmäßig ben
entgegcngefefeten ©tanbpunft ein, nämlid) ben ©tanbpunft, bafe mö^rcnb beö
Scfte^enö ber ®cmeinfd^aft bie ®eltcnbmadöung aller a[nfprüd[|c ber ©^egatten^
foroeit fie ju il^rem ber gemeinfc^aftti^en SBerroaltung unterworfenen SSermögcn
gehören, unftatt^aft ift (Dcrgl. inöbefonbere in 3lnfc^ung beö franj. äted^teö
©ntfd^. b. SR. ®. in ©ioilf. XIV, 84). ®ie auf bem SBoben ber SBerwaltungö^
gemcinfd&aft ftel^cnben SRcc^te entl^aiten eine auöbrüdElid^e Scftimmung in ber
N l^icr fraglidfien Scjiel^ung regelmäßig nid)t. ®em ®ebanfen ber SBcrwaltungd»
i gemeinfd^aft entfprid^t eö aber, ber ©^cfrau bie ©ubftanj i^rcö SBcrmögenö
t^unli^ft ju erhalten unb, foweit bicö mit bem 3ntercf[e ber ® laubiger beö
©^cmanneö vereinbar ift, ju fid&ern. S)arauf berul^t eö, wenn ber ©ntrourf
eincrfeitö, bem S^Qt ber neueren Ste^töentwidfelung folgenb, ber ©^efrau
wegen i^reö ©^eguteö, qb^cfe^en üon.bem galle beö § 1005^(t)ergL unten
lit. c), ein SRed^t auf 'öicbcrt)eitö(eiftung gegen ben Seemann n\ä)i bcUggt.
(§§ 1294, 1295)," no(^ aud^ einen 2;itel ju einem ^fanbred^te gcwäl^rt
(nergl. oben ©. 183), anbererfcitö bem ©bemanne baö SRed&t, ©^egutö*
fa^en ol^ne ©inwilligung ber ©^efrau in tcräußern, gninbfäftUd^ oerfagt
(§§ 1318, 1319), bie Slnwenbbarteit ber 93orf^riften über ben 9Hc§braud^
an üerbraud^baren ©ad^cn im SBefentli^en auöfd^tießt (§ 1294) unb boö
w,
Jlufemegunfl be8 eitegutc«. aSorfi^riftcn fiberSfHeßbrau^. § 1292. 1 85
Stecht beö @^emanncd^ über bie }um @|egute gel^örenben ^orberungen }u
wrfügcn, ttiffbliö) cmfd[iränft (§ 1292 t)erb. mit §§ 1028, 1033—1036,
1318 3h:. 2, § 1323). Der 3toec! bicfer im antcre^c ' bcr ©id^crung bcr
&ft\xa\i getroffenen Seftimmungcn fönnte uoBig Dcrcitelt werben, wenn
bcr e^efrau bad äted^t üerfagt n)firbe, bie i^r aud ber 93er(egung ber
bem ß^cmanne fraft ber e^elid^en SRufeniefeung ober froft ber efielic^en SBer^
miltung obUegenben SSerpflid^tungen enoad^fenen älnfprü^e gegen ben &)c^
mann fd^on oor 93eenbigung ber e^etid^en 9}u|niegung unb SSenoaltung geltenb
}u rmäjinu
b) änwenbbor auf bie el^eUd^e Siufcniefeung finb femer bie 58orfd&riften ®"**jj^^"^*
ber §§ 992, 993, 1042. 3ndbef onbere fann ein Sebfirfnig, bie Sierpflid^tung ba« a^'e^ut.
btd S^emanned, nad^ aRaggabe bed § 993 ber (S^efrau ein 93er}eid^nig ber
eiitjelnen (S^eguti&gegenftänbe mitjutl^eilen, ton einem oorgängigen SSerlangen
ber 6^au abl(|fingig ju madEien, nid^t anertannt n)erben. 2)ad geltenbe
9t«l^t, toet^ed ed in ä(nfel^ung ber 3nt)entarifationdpf(id|)t ebenfalls bei ben
allgemeinen ©ninbffi^en über btn 9liegbraud^ bemenben (ägt (oergt. preug.
a. 2. m. II, 1 § 231 Derb, mit I, 21 §§ 21 ff.; fäd^f. ®. S3. § 1655 oerb. mit
§ 632), ffot in biefer Sejie^ung }u praftifd^en Uebelftänben nid^t geführt,
ffio bie Sufnal^e eined SSerseid^niffed burd^ ben Seemann biöl^er ni^t übtid^
gewefen ift, wirb fte aud^ fünftig unterbleiben, fo longe fie nidfit oon ber ß^e*
frou oerlangt voith. ©teilt bie le^tere ein fold^ed 93er(angen an ben @()emann
nid^t, fo giebt fte baburd^ ju erfennen, bag fie auf bie SRitt^eilung eined
fo((^ Sei^ei^niffed feinen SBert^ legt, unb fann fte bed^alb ben @^e^
mann iDegcn 9lid^terfüUung ber ^ier fraglid^en SBerbinbUd^feit nid^t oerant:"
mortlic^ mod^en.
c) 3luc^ ber Slnroenbbarfeit ber §§ 1005, 1006 ftel^en gegrünbete Se* st^erung ber
benfen nic^t entgegen (oergl. in 2[nfe^ung be« gemeinen beutfdjien 9Jec^te« (gntfd^. y^^)'"? ;
b. ». ®. in Cioilf. vn, 35 r ferner preufe. Sl. £. 31. II, 1 § 255; föd^f. y\ '
®.S. §§ 1669, 1684; olbenb. ®ef. o. 24. äpril 1873 Slrt. 11). Snöbefonberc ^"\ ;/ '
mirb boö 3wtereffe ber ©laubiger befi ©^cmanneö babur^, ba§ ber G^cfrau nod^ ' 4 .: \\ .
Mo|gabe^be«^§J.005 ein 9lcdf|t auf ©id^er^eitdleiftung beigelegt wirb unb bem'^"' *
gemäg eitte ouf ®runb biefer Seftimmung il;r Don bem ©bemanne beftcUtc ;'; '• ; ' ' .'
£i<^^t ber 9(nfe'$iiing oon Seiten ber ©laubiger beö (Sl^emanne« auf ®runb . ''
be« § 25 91r. 2 ber ftonf. D. unb bed § 3 3lr. 4 beö 9i. ®ef. o. 21. 3uli 1879 /^ • •
ni^^üilt|erliegt, nic^t gefä^rbet, ba nadf) bem mit bem § 1004 in engem ^wfö.mmen^
^nge ftefeiiSeh § 1005 ber @igent^ämer oon bem 31iegbraud^er nid^t ziwa megen
SermogendperfaUed bc« le|teren, fonbern nur bann ©id^er^eitßleiftung ju oer- *
langen bered^tgt ift, wenn bie Seforgni^ ber SJerlc^ung bcr 3lcd^te bcö ©igen*
t^ümerfi in änfebung ber einjclnen bem JJicfebrauc^e untcriiegenbcn ^aä)m
begriinbel tfi. 6d l^anbelt fid^ in bem galle bed § 1005, äi)nlicS) mie in bem
JaHe bed § 775 »bf. 3 ber ß. 5ß. D., nur um bie »cftellung einer Sid^erlieit
für ben .burd^, femerefl j^uioibertLanbeln cntftel;enben fünftigen Sd^abcn. S)ie
Smocftbbarteit ber §§ 1005, 1006 gemährt anbererfeitö ben großen 93ortl^eil,
bofe bie e^efrau, rotnn ber (Seemann i^re SRe^te ucrle^t, nidfit immer ju bem
öufeerften, tief eingreif enbcn unb bcö^ialb möglid^ft ju uermeibenben ©cbrittc
gebrangt wirb, auf ®runb beö . § 1328 3}r. 1 bie gänjlid^e Slufbebung ber
1 86 9flufeme§un0 beö (Sfeeßuteß. Surf griffen über 5mc66raud&. § 1292.
xMm e^cUiJcn ?lu|nic6unö unb SBcrtoattung ju verlangen. SBcrfdfiicbenc neuere
'^** * * (icfefce gcjoä^rcn ber ß^cfrau ium ©d^ufee tfirer Siedete aufeerbem o^ne diüd^
fid^t barouf, ob ber ß^cmonn burd^ [ein SBer^alten bic SBeforgnife einer SBcr*
iefeung ber SRed^te ber G^efrau bcgrünbet ^at, an ©teile ber burc^ altere
Siechte, inöbefonbere burc^ bie fäd^f. ^Prajiö, mit ben übrigen ©otalprioilegicn
beö röm. Slcd^teß auf bic SD^ten ber ß^efrau übertragenen gefcfelic^en ^rjpotöct
(Dcrgl. au^ code civil 3lrt. 2121, 2135, 2136) einen gcfeglid^en a:itel ouf Sc*
ftcBung einer ^Xjpot^d an ben ©runbftüden beö ©tiemanneö (üergl. inöbef.
preufe. Stt. 2. % II, 1 § 254 unb preufe. 2luöf. ®ef. jur beutf^en Äont D.
l.\ C<^ '/y.t). 6. 9Wärj 1879 § 4; föd&f. ®. ». § 390; olbenb. ®ef. v. 24. äpril 1873
^iiyi^.6 "m%xi. 14). 3n ber a3erpflid[|tung bcö ©l^entanncö jur SeftcHung einer fold^eii
i^-T;'^ . ^ppot^ef fann jcbod^ eine fc^roere Söcnad^t^ciligung ber roirt^fc^aftlid^en 83er==
^^^^r* ')*'*^^ff^ ^^* ®^cmanncö liegen. Sic ift um fo gröfeer, wenn bie ^gpot^ef
^rUh^J^TL nic^t bloß für ben Slnfprud^ auf ®rfafe be« SBert^eö ber bcm ©bemanne nod^
(f^9ii ben ©runbfäjcn über ben 9iie§braud& wx ücrbrauc^baren ©a^en alö ©igem
t^um übcrlaffencn S^egutögcgenftänbe (ücrgl. § 1295 nebft SRotiücn), fonbcm
audf) für fold^e 9lnfprüc^c bcftellt merben foU, rocld^e nod^ gar nid^t entftanben
finb, fonbern mogliddcrmeifc auö einer SBcrlefeung ber bcm ©bemanne auf
®runb ber el^cli^en 9iu|niegung unb SBernialtung obliegenben ^erpflid|)tungen
entfielen fönnen. ®ie ®efal|r, roeld^c für ben ©bemann in ber Icbiglid^ oon
ber äSiillfür ber ©^efrau ab^öngcnben ®eltenbmac^ung eined folc^en Steci^ted
liegt, wirb jroar erl^ebli^ oerringert, wenn baö 3le^t ber Ehefrau, wie bicd
na^ bcm preufe. ®cf. o. 6. SDlärj 1879 unb bem olbenb. ®ef. t). 24. 9lprit 1873
ber gall ift, auf baö erfte 3al^r nad& ©ingcljung ber ©^c bcfd&ränft mirb. 3n
bemfelbcn SJlafec fd^roinbct aber burd) eine fold^c Sefc^ränfung ber mit ber
fraglid&en Seftimmung für bic ©^efrau ucrbunbcnc 9lufeen. 35er natfirlid^e
®ang ber gefd[|icöttid&en ©ntroidfetung bröngt ba^in, aud[i biefen legten, ber
©^efrau roenig nügcnbcn SWeft ber ©olatprioilegien ju befcitigen, jumat bie
unbcbingtc ®cit)äl)rung bcö 3led^tcö auf SefteUung einer ^i)potl^ef aud^ bie
®läubigcr bcö ©^emanneö ju gefä^rben geeignet unb mit ber S^cnbcni ber
9ieid^sgefc|gcbung, inöbcfonbcrc ber Äonfuröorbnung, bic ©^efrau nic^t oor
anberen ®läubigern beö ©^emanncö ju begünftigen, nid[|t Dcreinbar ift. Um
fo unbebenflid^er ift es, ber ©^cfrau iencö SRec^t ju Dcrfagen, als bic ®efal^ren,
iucld)en bad ©l^cgut in ^olgc ber bcm ©bemanne baran suftc^enben Sted^te
ausgefegt ift, burd^ bic Scftimmungcn bcö ©ittwurfeö über bic Scgrcnjung
biefer 9led()tc unb bie 9luöbel)nung ber Sefugniffe ber ©Ijefrau (ücrgl. inöbcf.
§§ 1004, 1824 3lbf. 2, §§ 1033—1036 Derb, mit § 1292, ferner §§ 1294,
1318—1320), wenn aud^ nidöt oöUig befeitigt, fo bod^ im 5ßerglei^c mit bcm
beftet)enben Siedete ert)cblic^ ücrringcrt finb.
»ennietöutifl j) Slnlaugcnb ben § 1008, fo tann bic 2lnmcnbbarfcit biefer Scftimmung
vüAtmi/üon auf bic cl)cli^c Jlugnicfeung feinem ^^^if^' unterliegen unb nur bic grage
runbpden öufgcmorfcn roerben, ob cö fidj nid&t empfietitt, bcm ©bemanne jum 3iüecfc ber
©id)erung eines angcmcffcncn ©rtrageö ber eticlid^cn 9iufenic|ung auf bcm
Üßege ber 33crmictl)ung ober äJcrpad)tung oon ©l;egnutbftudfcn rocitergcl^enbc
^Med^tc, alö fid^ aud bem § 1008 ergeben, beijulegcn unb ju bem ©nbc fein
SSerroaltungörcd^t (§§ 1317—1319) in ber einen ober anberen 9lrt ju ermciteru
3lu$nie§unö bcö S^eaute«. Sorf^riften über 5ftic§braud&. § 1292. 187
(oergL, fooiel bic portihitäre ©ütcrgemcinfd^aft betrifft, code civil 9lrt. 1429,
1430; bttb. S. SR. Bai 1430 a; ^eff. entto. IV, 2 3lrt. 452; tüürttemb. ©ntw.
§ 119). Scn auf bem 33oben bcr aSerTüQltunflöflcmeinfd^aft fte^enben SRcd^ten
^ icboc^ bcrartige, baö 3lc6)t beö @^emanneö über bie (Srunbfäfec beß Jliefe«
broud^cd ^inoud errocitcrnbe SBcftimmungen frcmb (t)crgl. prcufe. 91. 2. 9t. II, 1
§ 231 ocrb. mit I, 21 §§ 388, 389; fäc^f. ®. 33. § 1655 Derb, mit
§§ 1222—1226), o^nc bafe in bcr ^ßrayiö ba« %tf)ltn folcfier Seftimmungen
ab ein SKangel empfunben ift. ©ine 9lenberung beö befte^cnben SRed^teö in
ber ^ier fraglid^en 9iic^tung ift um fo bebenfUd^er, ate burd^ eine fo(d^e (Sv^
iDeiterung bed SSenoaltungdred^ted beö @t|emanned auf ber onberen @eite baö
3ntercRe bcr (Sl^efrau in l^ol^cm SRafee gefäl^rbct werben fann. ©ntfpri^t bcr
Sbfd^Iug bed Sniettf^ ober $ad)tpertragcö unb ber 2^\f)alt beöfclbcn bem
3ntereffe bcr (g^cfrau, fo wirb bicfclbc uon felbft il^rc (ginroiUigung baju geben.
3ür bic fcltenen §öUc, in metd^cn bic @()cfrau i^rc (Sinmilligung auö bofem
SBiücn Dcrfagt, braud^t bcfonbcrc SBorforge im ©cfcfcc ni^t getroffen ju merben.
SSJcilcr fommt in Sctrad^t, bafe eö audd mit großen ©c^roierigfeitcn Dcrbunben
ift, bic Sormiöfcgungcn, von rod6)cn bod erweiterte 9tcd)t bed Seemannes ah
Wngig fein foU, in einer angemcffencn, allen 3nteref[en SRed^nung tragcnbcn
äSBcifc }u bcftimmcn.
e) 3la(i) ben ©runbfoftcn oom SWic^braud^c ftcfjt beim 93cginne beö Siiefe^^ ««i«* *>«i'
brau(^s bem (gigcnt^ümcr in Slnfel[iung bcr Soften, meldte er auf bie ^eroor^^ ^t^en^^*
bringung bcr bei S3cginn beö SHefebraud^eö nod^ nid^t getrennten, bem 3lie§*
brauc^r jufallenbcn t^d&te, mcnn aud^ innerfialb ber Orenicn n)irt^fd^aftlid)en
Scrfa^rcnö, Dcnocnbet ^at, fraft ©cfefecö ein ©rftattungsanfprudi) nid^t ju,
wtt^renb umgcfc^rt für ben gall bcr ©ecnbigung beö 9Uefebrau^eö bcr § 1009
bem 9Ucgbtaud^cr gegen ben @igentf)ümcr einen fold^en (Srftattungöanfprud^
(jciöä^rt. 3)ic a^nrocnbbarfcit beö § 1009 auf bic c^eUd[ie Jlnfenicfeung fann
feinen Änftanb finben. 2)agcgcn ift cö nid^t ol;nc S^eifcl, ob eö fid^ nid^t
empficf|It, in crftcrer 93ejie^ung für bic el^clid^e Jlufenie^ung bic ©runbfäge
über ben ^licfebrauc^ ju mobifijiren. 2)ic SilligfcitörüdEfid^t, rocld^c ju bcr
33c|timmung beö § 1009 gcfülirt f>at, fd)cint bafür ju fprec^en, bei ber c^c?
lid^n 9Ju|mc6ung bcr 6f|cfrau in fold)cn %&Ua\, in meldten roäl)reub beftc^enber
. 6|fc }um SBcrmogen bcr ®^cfrau gc^orcnbc ©cgcnftänbc fraft beö (Sefc^eö ober
auf ©runb beö § 1331 bcr e^clid)cn 9lu|nie§ung unterroorfen merben, einen
gleid^cn 6rfa|anfpru(^ gegen ben ©bemann ju geben. 3nbcRcn fönncn blefe
8illigfeilörücffid^tcn nic^t alö burd^fd^Iagcnb crad^tct roerben, um eine Slbmcid^ung
oon ben allgemeinen SSorfd^riften über ben SUefebraud) in bcr Ijicr fraglid)cn
Mit^tung JU re^tfertigen, jumal bie einjcincn l^icr in 33etrad^t fommenbcn gcillc
wrf^iiebcn liegen. Suöbcfonbcrc fe[)lt cö an einem genügenbeu ®runbe, bem ®^e*
manne in folc^cn göUen bic aScrpflid^tung jum ©rfage ber Äoften, welche auf bic
.fecroorbringung bcr bei bem 33cginnc bcr c[)elid()cn Shignicftung nodd nid^t
getrennten grüßte aufgcmcnbct ftnb, naä) älla^gabc beö § 1009 aufjucrlegeu,
in welchen bic (g^efrau mä^rcnb ber 6f|e burdt) ein läftigeö Sted^tögef^öft
unter Sebenben, j. S. bur^ iaufd), ober in roefd^cn fie burd^ Sd()cnfung einen
in baö e^cgut fallenbcn ©egenftanb erioivbt. 3n fallen ber erftercn 9trt ift
bie ®>efrau in bcr Sage, fid) ben ©rfa^ bcr fraglidt)en ftoftcn burdji eine SSer*
188 9lufemc§uno bce S^egutcg. 93orf d&rif ten üBer 9lie§brau(j&. § 1292.
clnbarung mit bem ©ficmonnc t)or bcm ©rroerbc p ftd^crn; in bcn gfiUcn her
leiteten 9lrt fommt ed auf bie älbfid^t bed ©d^enlerd an. älud^ in ätnfe^ung
bed ©rmerbcd bcr (g^cfrau burd^ ©rbfolge ober SScrmöc^tnife ift ein SBebürfnlfe,
t)on bcn allgemeinen Orunbfäfeen abjuweid^en, nid^t onjuertenncn, um fo weniger,
ald bie @^efrau felbft bie fraglid^en 5loften l^ier nid^t aufgemenbet l^at. älnberö
Hegen bie SJerl^äitnlffe atterbingö in bem gaUe bcö § 1331; inbeRen empfiehlt
eö ftd^ nid^t, für biefen befonberen gall eine baö ©efeft f ompUjirenbe fafuiftlfd^e
SSorfd^rift ju geben. 3lld ein ongemeffener 3ludn)eg fann ed audEi ni^t ettoa
zxacS)iü n)erben, für bie etieli^e 92ugnie^ung bad befonbere ^rin^ip aufjufteDen,
bafe, fofern ber @^emann auf Orunb bed § 1009 t)on ber (Stiefrau ©rfafe
forbert, anbererfeite aud^ ber (enteren ein entfpred^enber @rfoganfprudE| }ufte^en
foll, inbem eine berortige Seftimmung — abgefel^en t)on ben gegen eine SSb«
toeid^ung ton ben allgemeinen SSorfd^riften über ben 92iegbraud^ bereits ^eroor«
gehobenen öebenfen — ju großen praftifd^en ©d^roierigfeiten fül^ren fann,
n)enn eine äludgleid^ung megen ber beiberfeitigen 5loften DieUeidEft erft. nadEi
langen So^l^cn erfolgen foll.
üfftiidift «ut* f) Sluc^ bie aSorfd^riften über ben SWiefebraud^ an ^orberungcn (§§ 1028
^orbewngw. l^i« 1087) ftnb — abgefet)cn t)on ben befonberen SBeftimmungen beö § 1029
Stbf. 3 unb beö § 1030 über ben 3lie§braud& an gorberungen auf fieiftung
Dcrbraud^barer Baä^m (oergl. § 1294 nebft 9Kotit)en), foroie abgefe^en t)on bem
§ 1032, beffen Unanmenbbarfeit auö bem ^rinjipe bed § 1293 (oergl. Tlotiot
baju), unb abgefe^en t)on bem § 1037, beffen Unanmenbbarleit aud bem § 1283
pd^ crgiebt — jur Slnroenbung auf bie elielid^e Sßufenie^ung geeignet.
S>en bei Siegelung bed äSerfügungöred^ted bed @^emanneö in Slnfel^ung
ber jum ®^egute ge^brenben gorberungen in 93etradt|t f ommenben t)erfd^iebenen
JHüdEfidtiten, nämlid^ einerfeitö ber SRürfftd^t, bem ©bemanne bie nötl^ige freie
93eioegung ju geftatten unb eine angemeffene 9lu|ung bed @l^eguted, foioeit
badfelbe in gorberungen beftel^t, ju ermogtid^cn, anbererfeitd ber SWirffid^t auf
bie ©id^erung ' ber ®^efrau, wirb burd^ bie SBorfd^riften über ben Sliefebraud^
an gorberungen in SSerbinbung mit ben bie e^elid^e aSerroaltung betrcffenben
33orfc^riften ber §§ 1317, 1323 in angemeffener 2Beife SRed^nung getrogen.
Sndbefonbere fe^lt ed an genügenben ©rünben, bad nadEi § 1028 (t)ergl. aud^
§ 1035) bem 9iiegbraudE|er einer nid^t auf 3i^f^^ audftel^enben ^orberung
juftel^enbe SRed^t, bie gorberung felbftänbig einjugiel^en, bei ber eJ^elid^en 9iu|^
niefeung etwa in ber einen ober anberen 9lrt ju befd&ränfcn. 'iS)a& im fäd^f.
®. S9. § 1677 unb in ben ©efcgen tjerfd^iebener t^üring. ©taaten (oergl. j. S.
altenb. (g^eorbn. t). 1. ÜJJai 1837 § 138) für bie ©rl^ebung unb ©inHagung
ber jum @^egute ge^örenben gorberungen Don ©eiten bed ®§emanned ganj
allgemein Dorgefc^riebene Srforbemig bcr @inn)illigung ber (S^efrau vermag
ber lefeteren reale ©id^erl^eit bod& nid^t üu gema^rcn, ba ber ©bemann fraft
feiner 9{u|niegung unb 93ermaltung ein Siedet barauf l^at, ba^ ber ©egenftanb
bcr J^orbcrung, indbefonbere bie ju er^cbcnben (Selber, in feine $änbe gelangen
(uergl. § 1292 oerb. mit § 984). S)ad ©rforbemife ber ©inrollligung bcr
6f)efrau gemährt bcr leßteren aUerbingd ben SBort^eil, bafe fie fidler ift, von
ber ©rl^ebung ber gorberung ftenntnig )u crl^alten, unb baburd^ in bcn
©tanb gefegt mirb, 5u überroad^cn, bag ber ©bemann mit bem erl^obenen
9ht^nteBun0 be« Sl^eguted. äSorf Triften über 9tie&Brau(g. § 1 292. 1 89
©fflcnftanbe, nomcntlid^ mit bcn crlf^obencn ©elbbcträgen, mä) SWofegabc ber
«efrimnmngett über bic c^clid&e »crroaltung (§§ 1317, 1323) pPid^tmäfeifl
oerifd^rt, unb nSt^igenfaKd il^re 9led|te gegen ben ©(lemann gerid^tlid^ ge(tenb
ju machen (§ 1292 oerb. mit § 1004, § 1324). liefern SBort^eile, roeld^ec ftd^
übrigend oud^ bireft baburd^ erreid^en liege, bog baö ©injie^ungöred^t bed
Slftmannt^ von einer Dorgöngigen 9ßitt(|eilung über bie beuorftel^enbe ©in^
iie^ung an bie S^efrau abl^öngig gemad^t mürbe, fte^t inbeffen ber 9tad^^
tbeil gegenüber^ bog burd^ bod @rforbernig ber @inmiDigung ber Sl^efrau }ur
Sin^ie^ung ber ^orberungen ober burd^ baö (^rforbernig einer oorgängigen
9Ritt(|ttIung, aud) menn man baö eine ober anbere Srforbernig auf ©elb^
forberungen befdtfränfen moUte, ber ©l^emann in feiner freien S3emegung ju
fe^ ge^mt mirb, unb biefer ^{ad^tl^eil ift iebenfaDd bei nid^t oerjindlid^en
Sorbtrungen, bei meldten eö fid^, roenigftcnd in ber SRegel, um geringere
betrage ^nbelt, bie nid^t ju einer Kapitalanlage beftimmt finb, fonbern ben
3ioe(fen ber laufenben 93ermaltung bienen, ald übermiegenb anjufe^en. ^ciin
fommt, bofe in bem größten S^^eile beö ber SSermaltungögemeinfd&aft an*
ge^orenben Stedbtftgebieted, indbefonbere nad^ bem gemeinen beutfd^en 9{ed^te, bem
mvi%. «. S. dt. II, 1 §§ 233 ff. unb bem olbenb. ®ef. x>. 24. Slpril 1873 9lrt. 7
lit^ b^ ber (Seemann in ber @in)iel^ung uon forberungen ber l^ier fraglid^en
9rt nid^t befd^rfintt, bemfelben oielmel^r in älnfe^ung fold^er forberungen
über^upt baö SRed^t freier SSerfügung eingeräumt ift. S)aö prcufe. ST. 2. 91.
unb bod olbenb. ®ef. unterfd^eiben in biefer 93eiiel^ung allerbingd nid^t, toie
ber entnmrf, jwifd&en üerjindUd^en unb nid&t oerjindlid^en gorberungen, fonbern
}iDif(^ jlopitatien bejm. üerbrieften gorbenmgen einerfeitd unb fonftigen
^berungeit anbererfeitd unb räumen nur in Slnfel^ung biefer lefeteren gorbe:!
nuigen bem (S^emanne bad freie Serfügungdred^t ein. 3m ©rogen unb
(Sanken fällt aber biefe (entere Unterfd^eibung, meldte ber @ntmurf aud praftifc^en
©rünben abgelehnt l^at, mit ber bem ©ntrourfe ju ©runbe liegenben Unter*
f4ieibung jufammen, ba in ber großen SKe^rja^I ber gäUe nid^t auf ^in^tn
audfle^enbe forberungen mirt^fd^aftlid^ nid^t ben jlarafter von Jtapitalien ober
verbrieften forberungen ^aben. gel^It ed l^iemad^ an einem audreid^enben
(Sninbe, in Xbmeid^ung t)on bem § 1028 baö @iniiel^ungdred^t bed @^emanneö
in 9nfe§ttng nid^t auf S^^f^n audftel^enber forberungen ju befc^ränlen, fo
tonn anbererfeitd ein 93ebürfni6, bad 93erfügungdred^t bed (S^emanned in
Snfe^ung foldber forberungen über bie Seftimmungen bed § 1028 l^inaud, fei
ed fraft ber e^elii^en 9iu^niegung ober fcaft ber c()elic^en ^ermaltung, ju
moritern, abgefel^en t)on ber SBorfd^rift bed § 1318 3lx, 2, nid^t anerfannt unb
im Sntereffe ber ©id&er^eit ber @^efrau auc^ nid^t ald angemeffen erad&tet
loenien.
Sioeifel^aftcr fann ed fein, ob nid^t burd^ bie 3lnn)enbung ber §§ 1033, ^^'^^.^jI"^^^^^^
I0B4 (oergl. audt| § 1035) über ben Sliegbraud^ an einer auf 3infeu aiiö- ^"rbcvunflcn
fte^enben ^orberung auf bie e^elid^e 92u|niegung bie Siedete bed @^emanned
\a fe^r eingefc^räntt merben, unb ob ed jum Sd^uge ber @(|efrau nid^t genügen
mürbe, loenn bie ^ftimmungen bed § 1033 nur infomeit, a(d fie auf bie
itünbtgung ftd^ bqiel^en, für anmenbbor erflärt mürben, jlann bie Jlünbigung
nur xKm beiben ©Regatten gcmeinfdjaftlid^ erfolgen, fo ift bie ©fiefrau gegen
190 ?lujinie§unö beö efteßuteö. Sorf^riften über 9Hc6braud&. § 1292.
eine cinfeitige Stenberung in her Slnlagc i^reö aSermogcnö burd^ Äünbigung
t)on ©eiten bcd @l|emanncö geftd&crt. Stud^ crl^ält bie 6f)efrau, wenn nur
beibe ©Regatten gemeinfd^oftlid^ fünbigen fönnen unb beiben ©Regatten gemein*
fd^aftlid^ ju fünbigen ift, bie ©id^erfieit , oon bcr beoorfte^cnben S^Wwng
überhaupt Kenntnis }u erlangen, ©ie wirb boburd^ in bie Soge t)erfe|t, übers
road^en ju fönnen, ob bie 3oi&Iung bcntnädtift erfolgt unb ber ©f)emann bcn
erl^obenen S3etrag nod^ SKafegobe bed § 1323 oerrocnbet, jumal fie nod^ § 1324
STbf. 1 Derb, mit § 591 von bem ©bemanne über bie SJcrroaltung beö (S^eguteö
jeberjeit ^[uöfunft ©erlangen fann. ®egen bie Slnroenbung ber fonftigen auö
ben §§ 1033, 1034 fid& ergebenben, über bie S3eftimmungen bcö § 1028 l^in*
auöge^enben Scfd^ränfungen auf bie el)d\(^e 5ftufenie&ung fann baß Sebenfen
geltenb gemad^t werben, bafe biefelbcn auf einem SRifetrauen gegenüber bem
5Rie6braud&er bcrul^en, ein fold&eft SRifetrauen aber bem jmifd&en ben ©^e^
gatten beftel^enben SSertrauenöoerl^ältniffc nid^t entfprid^t. 3^effen oerlicrt
biefeö S3ebenfen an ©eroid^t burc^ bie ©rmägimg, bafe bie in Siebe ftel^cnbcn
SBorfd^riften nid&t fpejiett für bie ef)elid^c SRufeniefeung beftimmt finb, fonbcru
baß cd pc6 nur um bie 3lnn)enbung ber für ben SRiefebraud^ überl^oupt geltcnben
SSorfd^riften auf bie e^elid^e 5Rufenie6ung ^anbelt. Sei biefer ©ad^Iage ift Wc
grage ba^in ju ftellen, ob überroiegenbe ®rünbe bafür fpred^en, oon bem
^^Jrinjipe, bie efielid&e SRufenieftung nad& ben ©runbfaften t)om 9lie|braud^c ju
geftaltcn, in ber ^ier fraglid&en 93ejiel)ung eine 9luönal[)mc ju mad^cn. ®icfi
ift aber ju Derncinen. 5!Benn bie beftel^enben Siedete, inöbcfonbere aud^ bie
neueren P55cfeftgcbungen, in bcr 33efd&ränfung bcö ©^emanncö in 3lnfe^ung bcr
aSerfügung über bie l;icr fraglid^en ^orberungen nid^t fo meit ge^en, mie bie«
bei ber Slnroeubung ber §§ 1033, 1034 ber gaU ift, inbem fte bie Serfügung
beö ©^emanncö nur an bie ©inroilligimg ber S^efrau binben unb, abgefc^en
t)on bem olbcnb. Oefege, bie gcrid)tlic^e ©rgänjung biefer ©inroilligung, rocnigftenfi
unter gcmiffeu SSorauöfc^uugen, julajfen (ocrgl. preufe. 91. S. 91. II, 1
§§ 233 239; fäd)f. ®. ». §§ 1677, 1657), fo barf nid&t unbcrüdfrtd&tigt gc*
laffen werben, cina^feitö, bafe biefelbcn aud^ bem 5Rie§braud|cr in 9lnfet|ung
bcr l^icr fraglid^en gorbcrungcn im SlBgemcincn eine freiere ©teUung einräumen,
anbercrfcitö , ba^ biefelbcn baä SBermögeu ber ©l^efrau burc^ anbere 3Rttte(
(©inröumung eines ^fanbrcd^tötitcte, SRcd^t auf ©id^erl^eitöleiftung u. f. xo.)
fidöeräuftcllcn beftrebt ftnb, bicfe 9lrt bcr ©idöcrftcDung bcr ©dcfrau obn:
üon bem ©ntwurfe mit SHüctfid^t auf baö 3ntcref[c bcr (Gläubiger — obgefe^cn
von bem ^allc bcö § 1005 — grunbfäfelid^ abgcleljnt ift (ocrgL oben ©. 185 ff.).
3mar gicbt bcr ©ntmurf, mcnn ber ©bemann bie i^m in 9lnfel(iung bcr e^elid^en
^lufeniefeung unb SScrmattung obliegenben äJcrpfltd&tungen Dcrteftt, nad^ näherer
Seftimmung beö § 1006 ocrb. mit § 1292 unb bcö § 1328 dlv. 1 bcr ©^efrau
ba^ JWcdfit, bie ©cqucftration bcö ©ticgutcö bcju). bie gänjlid&c Slufl^ebung bcr
cl)clid[|cn 9lu^nic6ung unb i^rroaltung ju ocriangcn; allein bie ,^ütfc auf
biefcm aScgc fommt oft ^u fpät, unb ift cö im ^ntercffe ber ©^e überhaupt
angcmcffcncr, baö löcrl^ältni^ ber cf|clid)cn ^Jufenicfnmg unb aSermaltung t^un*
üc^ft t)on Tjontl^ercin fo ju geftaltcn, bafe bie ©fiefrau, mcun fie ®runb l^at,
ifirem ©ficmanuc 5u mißtrauen, uirf)t gen5tf)igt wirb, fofort ju ienen tief*
cingrcifcnbcn aWittctn il;rc 3wP"<^t S^i ncl^mcn. ©inen angemeffenen 9(uöioeg
SHu^nifgung beö @(eGuted. SScrf^nften über 9}i#rau(^. §1292. 191
in biffcr Scjicl^ung bieten bic SSorfd^riftcn ber §§ 1033, 1034. ©le geroä^reit
einen jroedfmafeigen 6rfa| für fonftigc mit bem Sntereffe bcr ©täubiger bcö
S^anneö nld^t vereinbare Sid^er^eitdmagregeln unb fmb ein eintrieb für
ben Sämann, bei ber SSermaltung beö @^eguted Sdled ju Dermeiben, roas ber
S^efrau gu SÜigtrauen älnlag geben fönnte. "S^ann n)irb bei normalen @^en
baft Ser^ä(tmg ftdg oon felbft ba^in geftalten, bag bie @^efrau bem @f)emanne
bic erforberlid&en SSoUmadöten ju einer uneingcfc^rftnften aSerroaltung bed ®{|c=
gutes aud^ in Änfe^ung ber l^icr fraglid^en gorberungen ertl^eilt. 3n einjelnen
Sejie^ngen loerbcn übrigens bie SBorfd^riften ber §§ 1033, 1034 in if)tcv
Änroenbung auf bie e^elid^e SRufeniefeung burd^ bie SBorfd^riften über bic cl^elid^c
»ermaUung (Dcrgl. §§ 1317, 1318 SRr. 2, 1323) mobifijirt. gnmieroeit bicö
ber ^0, braucht iebodi l^ier ebenforoenig, n)ie in anberen ^öUen, gefegUd^
bcfonberö beftimml ju werben, fonbem fann unbebenflid^ ber SBijfenfd^aft
unb $rajid überladen werben. Sle^nlid^e ©rroägungen, roie biejenigen, meldte .^n^abcr.
ber anioenbbarfcit bcr §§ 1033, 1034 baö SBort reben, fprcd^en bafür, audb '"""''"
bie befonbcren öcftimmungen beö § 1036 über ben 9lie§braud^ an einer ©döulb:^
pctfd^reibung auf Snl^aber ober an einer Äftie auf bie el^clid^c SRufcniefeimg
uneingefc^ränlt an}un)enben. ^em geltenben Sted^te, inöbefonbere aud^ ben
neueren ®efe|flebungen (oergl. prcufe. SÄ. 2. SR. II, 1 §§ 231, 233, 247 ; fäd^f.
®.8. §§ 1677, 628; olbenb. Oef. t). 24. 3lpril 1873 STrt. 5, 7 lit. b), finb
berartige, bod Stcd^t bed @^cmanned auf bie auöfd^lieglid^e ^in^abung ber i)ier
froflli^en Rapiere befd^ränfcnbc Seftimmungen aDerbingö fremb. Oegen bie
Smoenbung iener ^orfd^riften auf bie e^elid^e SRugnielung Iö|t ftd^ ferner
erinnern, bag biefelben mit bcr Stellung beö @^emanned in ber @^e unb bem
)oif(|en bett Sl^egatten bcftel^enben %ertrauenöt)erl(|ä(tniffe, weld^cd bie natür«
lüft ®runb(age bed el^cnd^en ©üterred^tcö bi(be, nid^t vereinbar feien unb,
loenigftend in ben weitauö meiften gfiDen, aud^ ber tl^atfäd^Iid^cn ©eftaltimg
im Seben nid^t geredet rofirben, ba% jene SBorfd^riften aufeerbem bic SBermaltung
bei S^anned nid^t unerbcblid^ }u erfc^meren unb ju Dcrt^euern brofiten,
iumal biefelben audb ^uf bie Stalonö, jlupond unb ©eroinnant^eilfc^eine fid)
bejie^en. 3)iefe ©e^d^töpunfte fönnert jcbod^ gegenüber ber Slüctrtc^t auf bic
Sid^er^it ber S^efrau auö ä^nlid^cn ©rünben, wie bieienigen, weld^c für
bie Snroenbbarfeit ber §§ 1033, 1034 oben ©. 189 ff. gcitenb gemad&t finb, alö
bur(^f(^logenb nid^t erad^tet werben, ©cgenüber bem beftel^enben JRed^tc inö*
befonberc ift ju bead&tcn, bafe bie ^nl^aberpapiere ate gorm ber 93ermogend-
onloge in neuerer 'S^xt eine weit größere 93ebeutung erlangt b^ben, ate bicö
\A\fcc ber %aU geroefen ift. SebenfaHö fönnen bie ben)orgcbobcnen Sebenfen,
wenn man an ber änmcnbbarfcit ber §§ 1033, 1034 auf bic cbcUddc 9lug^
niefeung feft^alten roiU, nid&t bal^in fül^ren, bic SBorfd^riften bed § 1036 üon
ber 9nn)enbbarfeit auf bic cl^clid^c SRufeniefeung überhaupt auö^uf d^lielcn ; bcnn,
bo ber e^emonn nad5 ben §§ 1034, 1323 tjcrb. mit § 1664 cd in bcr .^anb
bot, bie @^gutdgetber aud^ in ben im § 1664 bejci^nctcn 3nf)aberpapiercn
onjulegen, fo fonnte auf bicfcm 2Begc o^nc bic ätnmcnbbarfcit bes § 1036 ber
intd ber §§ 1033, 1034, ber (g^efrau in 3(nfef)ung beö liier fraglid^en
2Vt(eA l^eö aSermögenö eine größere ©id^erung gegenüber bem (&l)tmanm nu
gewd^ren, ooüftänbig oereitelt werben.
192 9lutnic§unö bc^ ei&eöutc9. SSoif Triften übet SlIegBcau*. § 1292.
©onfiigesor. g) «ßi^t aniüeubbat auf bic e^elid^e Slufentcgung finb — außer bcn
Wrifu« Über j^^^^. ^^ ^^^^ j.^ ^ ^^^^^ g ^^^ aiigefü^ttcn §§ 1032, 1037 — bic SBor*
9iieibrau<^. fd^tlfteu bct §§ 982, 983, 986, bcs § 990 ©a| 2 utib bcö § 1022. 3nbeffen
ift es nid^t nöt^ig, bic Uuanmenbbarfeit biefcr ^eftimmungen befonberd aui^
jufpred^en, ba biefclbe t^eilö aus bor Scftimmung bcfi § 1283, ba§ bic cJ^clid^c
Jlufenicfeung fraft ®efe|eö entfielt unb aud^ baö fünftigc SSermögcn ber ®^c*
frou ergreift, tl^cife aus bcr SSorfd^rift beö § 1293 fid^ r>on felbft ergiebt (»crgl.
bic aWotiüc ju § 1305).
«cräu^criic^. ],) (gbenfoiDenig braud^en bie §§ 1003, 1011—1013 auäbrüdEIi^ aufi*
gefc^loffeu ju roerben, ba biefelbeii burd& bic Seftimmungen bcr §§ 1297 bi«
1299 crfe^t finb (tjergf. bie äßotioe ju §§ 1297-1299).
»ccnbiflunij. i) 3)er § 1014 ftimmt inforoeit, als er an bcn Xob bed Sered^tigten bie
Secnbigung beö ^Riefebraud^cö fnüpft, mit bem § 1327 3lv. 1 überein; im
Uebrigcn ift berfelbe für bie etjclid^e Slufeniefeung gegenftanböloö.
nmt. k) atutangenb bic §§ 1015, 1016, 1025, fo folgt bic Unanioenbbarfcit
bed § 1015 fd^ott barauö, bag bic cE)cIic^c 92u|;meguug in bad ©runbbuc^
nxd)t eingetragen wirb (ücrgl. ÜDlotiüc ju § 1305), ein einfeitiger SSerjid^t beö
©^cmanncö auf bic elieUc^e Jhi^nicfeung an einjelnen ©runbftürfcn nad^ ""Ma^-
gäbe beö § 1015 baiftx fd^on wegen Unannjcnbbarfeit ber oorgefd^riebenen
gorm nid^t auöfül^rbar ift. Ob im Uebrigcn auf Orunb beö § 1292 »erb.
mit § 1016 STbf. 2 unb § 1025 ein einfeitiger SSerjic^t beö ß^emanneö auf
bic e^elid^c 9lugnie|ung an einjelnen (S^egutöfad^eu ober an einjelnen @(|egutö'
rechten im ©egenfagc ju bem einfeitigen äSerjid^tc auf bic cljcUd^c 92u^ntegung
unb SBcnoaltung im ©aujen (ocrgl. bie illotiDe ju § 1327) alö juläffig ober
umgcfct)rt im ^inblicfe barauf, bag eine älcnbcrung beö gefcglid^en ©üterred^ted
nad^ § 1333 einen ß^coertrag erforbert, alö unjuläffig anjufe^en ift, bebarf
bei ber geringen praftifc^en SBid^tigfeit ber ^ragc feiner bcfonbcren gefc^lid^en
©ntfd^cibung. 3Iuctj in 3lnfel^ung bcö § 1016 3lbf. 1 ift eine befouberc Sc*
ftimmung nic^t crforbcrlid^. 3)er erfte ©afe bcö § 1016 SHbf. 1 entfpri^t bem
@runbfa|fc beö § 1293, bcr jmcitc ®a^ ift roegcu bcr bcfonbcren SScftimmung
beö § 1298 gegcnftanböloö.
»erbrauc^. 1) S^ic UnanTOcubbarfcit bcr §§ 1018—1020, bcö § 1029 Slbf. 3 unb
b«re eac^eiL ^^^ g ^Qg^ -^^ j^ g ^294 auöbrüdfUd^ auögcfprod^cn (t)crgl. bic ÜRotipc
5U § 1294).
ä«oif(^riftcu m) 9lud) in 3litfc^ung ber älnioenbbarfcit bcr auf bcn JUefebraud^ an
vjj^braud) einem gansen 5Bcrmögen fidd bcjiel)cubcn 33orf(^riften bcr §§ 1038—1041,
ort einem 1043 (mcgcn bcö § 1042 t)crgl. oben Ht. b ©. 185) finb fpcjieUc aSor*
«crm en. j^j^^^j^j^^ ^jj^. ^j^ cl)clid^e SRugnicfeung nid^t crforbcrlid^. S)ie SKnroenbbarfcit
bcö § 1038 ift nid^t ju bcauftanbcn ; anbererfeitö fann cö nid^t irocifclliaft fein,
baß bic §§ 1039, 1040, 1043 auf bic el)clid&c Slu^nicßung feine ^nmenbung
ftnbcn fönncn, rocil fic bic öegrünbung beö ^Ueftbraud^cö an einem ganjen
SBcrmögcn burd) 3^ed^tögcfd^äft betreffen, bie c^elid^c Jlufenicfeung aber nod^
§ 1283 fraft bcö ©efefecö eintritt. ®ic Unanrocnbbarfcit bcö § 1040 ergiebt
fid& aufterbem auö ber bcfonbcren Scftimmung beö § 1293, nad^ rocld^cr nur
baö iemcitige äJermögcn ber 6l)cfrau ber cl)elid^en 9lu^nie§ung unterliegt, in
58erbiubung mit beu bcfonbcren Scftimmungcn über bie Haftung bcö ©^cgutcö
^luimieBunö bcg ßteöutc«. Oegenfianb : baö ictretlige ei&eöiit. §1*293. 193
für bie ScrbinbUc^feiten ber e^efrau (§§ 1311 ff.) imb über bic e^elic^e aSer^
rooltung (§§ 1317, 1318, 1323). ainlangcnb tnbl\6) ben § 1041, fo ift berfclbe
on fic^ nic^t unanrocnbbar, er roirb aber burd) bie befonberen Scftimmimgea
bc9 § 1297 crfefet beju). crgänjt.
§ 1293.
3Bic in ben aWotiocn ju § 1292 (oben ©. 181 ff.) bereite l^erüorgcl^oben ®cflenfianb
würbe, fo(gt aus bem § 1292, bafe bem (g^emanne an ben cinjelncn ber ef)e? tl^^nq
liefen Sijufenielung unterliegenbcn ®egenftänben ein bingtid^eö ditä)t nad^ *><»Me»eiiige
iDlQBgobc ber öeftimmungen über btn 3l\^^bxani) juftef)t. 3)ie binglid^e *^'""*'
3latur bcö bem ©bemanne an ben einjetnen (Sfiegutögegenftänben juftel^enbcn
Äe^teß würbe cd an ftc^ mit fxä) bringen, bafe, wenn baö SHed^t einmal ent^
ftanben, feine gortbauer nnabtiängig batjon ift, ob bie ®egenftänbe^.jp£ld^ eö
ergriffen tiat, auS~6em SJermögen Ber~®5efrau"auöf($efi)en ober ob baß 9led)t
ber lc|tcrcir in irgenb lürtcSicr fonfligen 3Irt mobifijirt roirb (üergL axid)
§ 1038). ©ine fold&e ©eftaltung beö e^emännücfien SflußniefeungöredEiteö als
eines Don bem SSermogen ber ©l^efrou gönjlid^ abgelöften, fetbftfinbig ge*
iDorbenen SSermögenöred^te« roürbe iebod^ mit bem Orunbgebonfen ber SSer^^
rooltungögemcinf^aft, ba^ bie (S^efrau mit 9lDem, roaö fie l^at, aber and) nur
mit bem, roaö fie ^at, in ber gorm ber el^elid^en ^luftniefeung unb SSerroaltung
iftren Seitrog jur S3eftreitung ber el^elid&en Saften geroö^ren foU, nid&t im
ßinflange fte^en; oielme^r ift eö eine not^roenbige Ronfequenj jeneä (Sebanfenö
unb beß 3w>€(feß beö e^emännlid^en Sßußniefeungßredjtcß, bafe baßfetbe, alß
Sußflul beß unter btn (gl^egatten befte^enben familienred^tlid^cn 95erf)ältniffcß,
öfcnlid^ wie ber SKimentationßanfprud^ ber SSerroanbten (oergl. bie allgemeinen
aRotiw ju §§ 1480—1496 unter 2), fid) jeben 2lugenb(i(f erneuernb, immer nur
boö jeroeifu^e (St)egut ergreift. ®ie mit biefem Orunbfafee für ben Seftanb beß
e^emShnlic^cn JRed^teß an unb für fic& Derbunbenen (Sefa^ren roerben burd^ v
bie Seftimmungcn über bie Sefd^ränfung beß SSerfügungßrec^teß ber @{)cfrau ]
(§§ 1300 ff.) roefentlid^ geminbert. 2)en bejeid^neten Orunbfaß befonberß jum '
Sußbrucfc 5U bringen, ift ber ^rotd beß § 1293. 9Cuß ber gaffung beß
§ 1293 erbeut mit genügenber 2)eutlid&feit, bafe inßbefonbere aud^ eine roäljrenb
beß Scfte^enß ber e^e(id^en Jlufeniefeung erfolgte Setaftung pon ©^egutß^
gegenftänben bem burd^ bie ctielid^c Sßufeniefeung begrünbeten SRec^tc beß 6l)e:^
manneß üorge^t. SBenngleid^ bie neueren (Sefegbüd^er eine außbrüdEUd{)e, bem
§ 1293 entfpred^cnbe SBorfd^rift nic^t entfialten, fo ift bod^ bie 2lufnaf)me einer
fo[(^ a(ß rat^fam erad^tet, ba in berfelben ein roefentlidier Unterfdjieb von
bem geroö^nlid^en ^licfebraudde Ijertjortritt unb eine 3lei[)e roid^tiger, im (Sefegc
ni^t befonberß ^erDorgel^obener Äonfecjuenjen barauß fi^ ergiebt. ^n legtercr
Öejie^ung rourbc namentlich in ben aJlotipen ju § 1292 (oben @. 188) bereitß
ftcTDorge^oben, ba% auß bem ©runbfage beß § 1293 bie Unanroenbbarfeit beß
§ 1032 auf bie e^cUd^e SRugniefeung fid^ t)on felbft ergebe. 3Jlit bem ©runb^
gcbanfen beß § 1293 ift bie im § 1032 für ben %aU ber SBercinigung von
Jorberung unb SBerbinblid^feit in ber ^erfon beß gorberungßbercd^tigtcu bc*
IHmmte relatiüe gortbauer ber gorberung ju ©unften beß 3iic6braud|crö nicbt
|. kfirgorL Oefc%6u4. IV. 13
194 9lu^nie§unö bcß ß^cßutcS. S3er6rau$6arc Sad^cn. § 1294.
tjcrcinbor, üiclmel^r ücrbicibt c8 in bcm bejeid^nctcn Solle, fooicl bic c^clid^c
SRufcnicfeung betrifft, roegen bcr SBorfd^rift be« § 1293 bei ber SRegef beö § 291,
ba^ bwvä) bie SSercinigung t)on gorberung unb Serbinblid^Ieit in ber 5ßerfon
ber S^efrou ha& Sd^ulbüer^ättnig erlifc^t unb bed^alb auö) bad burd^ bie
efielid^e 9lu6nie|ung begrünbete SRedit beö S^emonneö on ber ^^egutdforbe^
rung, torbeJ^altlici^ eineö unter Umftänben nad^ § 1316 Slbf. 3 begrünbeten
SluÄgleid&ungöQnfprud^eö gegenüber bem SSorbe^altögute ber ®^efrau, erlifd^t.
5!Begen anberer auö bem ©runbfafee beö § 1293 pd^ ergebenber, im ©efeße
nid^t befonberö auögefproc^ener Äonfequenjen Dergl. bie SBotioe ju §§ 1302, 1303.
§ 1294.
6^i(^9iu«« SDoö 5ßrinjip beö § 1294, bog auf bie el^elid^e Slufeniefeung an t)er^
"»«Ä" brauchbaren Sachen (§ 780) bie SBorfc^riften über ben SRiefebrauc^ an t)er^
^««" ^*««- braud^baren ©ad^en (§§ 1018—1020) — entgegen bem ©runbfafee beö
§ 1292 — feine SÄnroenbung finben follen, bcr (Sl^efrau mitl^in baö ©igent^um
ber Derbraud^baren (S^egutöfad^en verbleibt unb ber (Sl^emann, abgefel^en von
ber im Safe 2 beftimmten 5Kuöna^me, aud^ nic&t bered^tigt [ein foH, in
eigenem Sßamen über jene ©ad^en mit ber 3Birfung ju verfügen, bai
er ber (Sl^efrau nad^ ^eenbigung ber e^elid^en 92ufeniegung unb SSerroaltung
ben SBert^ ber ©ad&en ju erfefeen l^at, entfiält gegenüber bem geltenben Sied&te
eine roefentfid^e Steuerung. 3laäf gemeinem beutfd^en SRed^te wirb, menigftenö
ba, mo ba& ©tiftem beö efiemännlid&en SRiefebrau^eö fid^ entroirfclt l^at, üor«
miegenb angenommen, bag bie )um ®^egute gel^5renben verbraud^baren ©ad^en,
inöbefonbere aud^ ba^ baare ©elb, in baö @igentl^um beö @l^emanneö über^
ge^en mit ber SJerbinblic^feit beö lefeteren, biefelben bei Seenbigung feineö
Sled^teö in gleid&er 3Kenge ober bem SBertlie nad^ jurüSjuerftatten. SKuf bem«
felben 33oben ftel[)en baö fäd^f. ®. 33. §§ 1655, 1674, 1675, 1677 Dcrb. mit
§§ 623, 625 unb, mie in ©rmangelung einer befonberen S3eftimmung on*
junel^men ift, baö olbenb. ®ef. v. 24. Slpril 1873 (vergl. Slrt. 5, 7 üt b);
ob unb inroierocit aud^ baö preufe. 31. 2. SR. benfelben ©tanbpunft einnimmt,
ift nid^t }n)eifeIloö; bod^ ftel^t bem @^emanne iebenfaHö baö 9ted^t freier S3er^
fügung über bie l^ier fraglid^en ©aci^en jiu (oergl. n, 1 § 231 Derb, mit I, 21
§ 173 unb I, 2 §§ 120, 121, ferner II, 1 §§ 238, 548, 550—552, 247). SBenn*
gleid^ bie SRüdtfic^t auf ba& befte^enbe Siedet gegenüber bem von bem (Sntmurfe
angenommenen ^rinjipe fd^mer inö ©eroid^t fällt unb roenngleidd iujugeben
ift, ba§ baö SSerl^öItnife fid^ einfad^er geftaltet unb ©ci^mierigfeiten »ermieben
werben, menn man bie @runbfä|e über ben Stiefebraud^ an verbraud&baren
\ ©ad^en aud^ auf bie verbraud^baren @^egutöfac^en anmenbet, fo ftnb bod^ bie
'• gegen bie ©infd^Iagung biefcö SBegeö fpred^cnben ©rünbe alö übermiegenb an?
jufel)en. aWit ber Stenbenj ber 9leic^ögefefegebung, inöbefonbere bcr Slonf. D.,
bie ®^efrau wegen ber il^r auf ©runb beö el&elic^en ©ütcrred&teö juftel^enben
Stnfprüd^e vor ben ©laubigem beö (S^emanneö nid^t ju begünftigen, n)üri)c
' eö nid&t vereinbar fein, menn man ber ß^efrau megen i^reö 2[nfprud^cö
auf Slürfgcraäl^r beö nad& ben ©runbföfeen über ben 9lie§brauc^ an ver*
brau^bareu ©ad^en auf ben Seemann übergegangenen (g^egutcö nac^ ÜRoS*
9fhit;nie6ung beö ß6cöutc3. SccBraud^Barc ®a$cit. § 1294. 195
%aht beö § 1020 ein Sted^t auf ©id^erl^eitöleiftung beilegen unb bamit bcn
©laubigem bed @^entanneö bad Mt(S)t, eine auf ©runb bed § 1020 von bem
lejteren beftellte ©id^er^eit nad^ SRafegabe beß § 25 $Rr. 2 bcr Äonf. D. unb "
IW § 3 3lr. 4 beö SR. ®ef. o. 21. 3uli 1879 aniufed^ten, tjcrfogen wollte
(oergL § 1295 nebft SKotioen). Sluf ber anberen ©citc geftattet efi aber bie
«uf bad SntereRe unb bie ©id^erung ber (gl^efrau }u nel^menbe SRüdffici^t nid^t,
bie @runbfd|e über ben 3iie6braud& an t)erbraud^baren ©ad&en unter 3Iuö«
f4(u6 beö § 1020 auf bad oerbraud^bare @^egut fd^Ied^t^in jur älnmenbung
ju bringen, ^a bem @^emanne in ^nfe^ung bed @()eguted neben ber e^elid^en
^lugniegung jugleid^ ba^ 93ern)altungöred^t jufte^t^ fo liegt aud^ ein ^mingenbed
^ürfnife, fraft ber el^elid&en Slufeniefeung bad ©igent^um ber Derbraud&baren
C^utdfac^n auf ben ©bemann übergel&en ju laffen, um bemfelben eine
jioerfentfpred^enbe Srtuftung biefer ©ac^en ju ermöglid&en, nid^t t)or, inbem ber
Seemann aud^ o^ne biefen ©igentl^umdübergang fraft feined SSermaltungd^s
ret^led in ber Sage ift, bie Derbrauc^baren ©ad^en fid^ nufebar mad^en ju
fonnen (oergL §§ 1317, 1319, 1323). @ine anbere grage ift, ob eö fid^ nid^t,
um ben ätnforberungen beö fiebenß geredet ju werben unb fid^ von bem
geltenbcn Siedete nid^t ju mcit ju entfernen, empfehlen würbe, einen üßittelweg
einjufc^Iagcn, nämlid^ ben, jmar bie Slnmcnbbarfeit ber Orunbfä^e über ben
Stiegbrau^ an Derbraud^baren ©ac^en auf bie oerbraud^baren (Sl^egutöfad^en
aud}uf(^(iegen, bem ©l^emanne aber bad 9ted^t beizulegen, über biefelben t^at^
iodjilxäf ober red^tlid^ für fid^ mit ber SCBirfung ju verfügen, bafe er ber 6f|e*
frau nadEi Seenbigung ber el^elid^en Stugniegung unb Verwaltung ben SSert^
JU erfeften t)erpflid^tet wirb, weld^en bie ©ad^en jur 3cit ber SBerfügung l^atten.
3n 9n)e^ung berjenigen oerbraud^baren ©ad^en, welche burd^ Verbrauch genügt
ju werben pflegen, unterliegt biefe 9lrt ber Siegelung auc^ T)om ©tanbpunfte
bcd 3ntcrencö ber ©l^efrau aud feinem SBcbenfen (§ 1294 ©ag 2, 3 »erb. mit
§ 1295 Soft 1). dagegen fpred^en gegen bie Sludbel^nung biefer ^Regelung
auf bie üerbraud^baren ©ad^en im weiteren ©inne, alfo auf biejenigen be*
mgf}j^tn ©adtfen, weld&e burd^ SBeräußerung genügt ju werben pflegen, ind^^
befonbere bad }um (S^egute ge^örenbe ®elb, fowie auf bieienigen beweglidC)en
©a(^n, welche ju einem ©a^inbegriffc geboren, beffen beftimmungdmäfeigc
9luftung in ber SJeräufeerung ber einjelnen ©ad^en befte^t, indbefonbere auf
bie {u einem SBaarenlager gel^orenben ©ad^en (oergl. § 780), im SBefentlid^en
biefelben Srwägungen, weld^e ben Entwurf beftimmt l^aben, bie älnwenbbarfeit
ber Orunbfdfte über ben Sßiefebraud^ an Derbraud&baren ©ad(ien auf bie jum
€begute ge^örenben Derbrauc^baren ©ad^en audjufd^liegen. Sie Sage ber
G^efrau ift bei jener SRcgelung jwar infofem eine günftigcre, ald bie ß^efrau
bid ba^in, bag ber (Sliemann über bie fraglid^en ©ad^en Derfügt ^at, ©igen^
t^ümerin ber (enteren bleibt unb bed^alb bad älnfed^tungdred^t ber ©laubiger
bed ß^emanncd audgefd^loffen ift, wenn ber lefetere j. 85. bad jum ß^egute
fie^orenbe ©eO), ftatt über badfetbe für fid^ }u t)erfügen, für bie ©^efrau belegt.
Sllein, fobalb ber ©bemann von feinem SRe^te, über bie ©ad^en für fid^ 5u tjcr*
fügen, ©ebraud^ gemad^t l^at, ift bie ©ad^lage. biefelbe unb ift bie ©fiefrau in
bemfelben SRage, wie bei ber Slnwenbung ber ©runbfäge über ben Sliefebraud^
an oerbraud^baren ©ad^en, gefäl^rbet, falld man i^r, wad aud bem oben ©. 194
13*
196 fJlu^iüefeuno beö (S^cöuteö. SJerBraud^bare ©acfien. § 1294.
bargelcgtcn ©rünbcn, ni^t ju tjcrmcibcn ift, boö SRed^t auf ©id^er^eitöteiftung
nad) SJJafegabe beö § 1020 Dcrfagt. 2)ic mit ber Sluöbci^nung bcö im
Saß 2 bcjcid^ncten 93crfügungöre(j^tcö bcö Seemannes auf ücrbraud^barc @I^C'
gutöfad^cn im roeitcren ©innc für bic ®^cfrau tjcrbunbcncn ®cfal;rcn roürbcn,
fot)ie( baö praftifdö l^auplfä(i^U^ in Setrad^t fommenbc (Selb betrifft, smar
einigermaßen oerminbert werben, fofern man etwa in 3lnnä^erung an bie
Seftimmungen bcö preufe. 21. S. 9t. II, 1 §§ 233—238 bie aSorfd&riftcn ber
§§ 1033, 1034 auf fold^c gorbcrungen, meldte mit einer $i)pot^cf tjcrbunbcn
ftnb, foroie auf ©runbfd&ulbcn unb ©igenti^ümcr^ppot^efen auc^ bann für
anroenbbar crKärte, rotnn biefetben nid^t tjcrjinölic^ finb (ücrgl. § 1035). 3n^
beffcn befeitigt werben baburd^ bie ber 6f)cfrau bro^enben ©efa^ren nic^t;
benn eineöt^cilö mürbe bem (Sficmanne baö 33erfügungöred^t über bieienigen
®e(ber bleiben, meldte er nad^ 3Jla6gabe bcd § 1028 auf ®runb nid^t Dcr^
jinölid^cr unb nid^t burd^ §9potl[)ef gefidfierter J^ot^berungen erl^oben ^ättc.
2)cr Setrag fold^er gorberungen fann aber unter Umftänben, j. S3. bei gorbc*
rungen auf rüdfftänbigc Äaufgelber, auö ©d{)cnfungen unb SSermdd^tninen, auö
SBcd^feln unb anberen Drbrepapieren, ein fel[)r crl^eblid^er fein. 9lnbererfeitö
finb bie gälle nid^t feiten, in meldten überhaupt nid^t burd^ ©injici^ung von
gorbcrungen, fonbern auf anbcrc 9Beife, j. 33. burd^ bie ber (gfiefrau mit«
gegebene 9luöfteuer, burd^ ©d^cnfung ober ©rbfolge, baarcö ®elb Seftanbt^eil
bcö (S^egutcö wirb, ©in Sebürfniß, bem (S^emanne baö Sled&t, über baö jum
®l)egute ge^örenbc ®e(b innerlialb gemiffer ®renjen für ftc§ ju oerfügen, um
beöroillcn einjuräumen, weil man fonft ben 9lnforberungen be& Scbcnö nidbt
geredet roerbe unb bie ©tcDung bcö ß^emanncö alö bcö ^auptcö ber cJ^cIid^en
®emeinfd^aft ju erfd^üttern brol[ie, fann um fo mcntgcr ancrfannt werben, alö
ber § 1335 3lbf. 2 ben ®f)egatten bie aRöglidifeit giebt, burd^ formlofen 93cr^
trag aud& in Slnfefiung ber ß^cgutögclber ein ben öeftimmungen bcö § 1294
©aß 2, 3 cntfpredEienbcö S3cr^ältni| l^crjuftcllen, unb alö in mdtn gfiUen, in
roefd^en ber (Seemann über Heinere jum @l)egute gef)5rcnbc ®elbbcträge für
fid) oerfügt, nad^ Sage ber ©ad^e eine ftillfdöroeigenbe ©inroilligung ber 6^^^
frau angenommen roerbcn fann, bafe ber (Seemann jene Beträge für [lä) »er*
roenbe unb erft nad^ Seenbigung ber cl[ie(id^en ^iußniefeung unb SSermoUung
reftituire.
^forberunflen Sie Sluöfdilicfeung bcr aSorfd^riften über ben 3lie6braud^ an Derbraud^
"wt^raSS"^ baren ©ad^en oon ber älnroenbung auf bie jum ©l^cgute ge^brenben oerbraud^«
barer Baä^n. j)axen ©ad^cu mufe fonfcqucnt ba^in fül&ren, aud) bie SBorfc^riften bcö § 1029
2lbf. 3 unb bcö § 1030 über ben fRiefebraud^ an gorbcrungen auf Seiftung
tjcrbraud^barer <Ba(i)tn von ber Slnroenbung auf bic el^elid^e Jlußnicgung an
bcrartigen gorberungen auöiufddUeBen.
e^i<^e 9imj* 3[n Ucbereinftimmung mit ben neueren Äobififationcn ftnb befonberc 93es
"'**ncm"" ftimmungen über bie ®cftaltung ber e^clid^en SRußniefeung für ben gall, wenn
9twvH> JU bem ber eficlid^cn Jlußniefeung untcriicgenben aSermögen ber ®l;efrau ein
** ^^' ©rmerbögefd^öft gel)ört, met^cö nid^t für Slcd^nung ber 6f)cfrau fortgefcßt
werben foB (ücrgf. § 1289), auö äl^ntic^cn ®rünben nid^t aufgenommen, loic
biejcnigcn, wefdde ben ©ntwurf beftimmt ^aben, von befonberen SSeftimmungen
über ben Jlicfebraud^ an einem (Srwerbögefddäfte abjufel^en.
9lu^nic§un3 bcß (S^egute». ©id&crl&eitülelftung. § 1295. 197
§ 1295.
3)aB bic ©^galten bic Onmbfäfte über bcn Slicfebraud^ an ryexbva\i6)^ «ertrag«*^
baren ©ad^en burc^ ©^cocrtrag, unb jioar ol^nc an bie fonft für ©l^cocrträge "^meSunfl"*'
im § 1335 9lbf. 1 Dorgefd^ricbcnc gorm gcbunbcn ju fein, auf bie ^^^^^^H^^nBa^n
Shijniefeung an pcrbraucbbaren ©ad(ien in bcr 2lrt jur Slnroenbung bringen
fonncn, bog bie @^efrau bem (S^emanne baö @igentl^um Derbraud^barer
S^gutöfad^en unter ^eobad^tung ber für bie (Sigentldumdübertrogung an
foltftcn ©ad^en Dorgcfd^riebenen SJoraudfefeungen gegen bie SSerpfli^tung
übertragt, il^r ben 9Berll(| berfelben nod) Seenbigung ber e^elidien Sßufenielung *
unb Senoaltung ju erfeßen (oergf. § 1018), ergiebt fi(^ aud ben §§ 1333,
1335 (oergL bie aßotioe ju § 1335).
3n berfelben 3lrt, wie in 9lnfe^ung oerbraudjbarer ß^egutögegenftänbe, "" "^**
fönnen bie St^egatten aud^ in ^Infe^ung nx^t Derbrauc^barcr @f)egutsgegen« baren sa<^.
jtänbc bie @runbföge über ben Tliegbraudd an uerbraud^baren Sad^en burd^
ß^eoertrag jur 9tnroenbung bringen, jebod^ mit bem UnterfdE|iebe, bag ein
foid^cr Scrtrog bcr im § 1335 Slbf. 1 für ©l^eoerträge allgemein tjorgcfd&riebenen
gorm bcborf (oergl. §§ 1333, 1335 ; aßotioe ju § 1335). 3Serfd^iebene neuere
©ffe^c enthalten nähere 83eftimmungen barüber, roeld^e Sebeutung eö l^at,
wenn bem (g^cmonne nid^t ocrbroud^bare ß^egutßgegenftänbe unter Slngabe ®«rt§-
eines beftimmtcn SBertl^eß jugebrad^t Tinb, ob unb inroiemcit in einem fold^en ""^'*^"^*
ivaüe inßbcfonberc Uebcrgang bcd ©igenttjumeö auf bcn ß^emann mit bcr
Scrp^id^tung, nadd S3ecnbigung ber el^elidden SRufenielung unb SScrroaltung
ben angegebenen SBert^ ju erftattcn, anjunel^mcn ift (oergL fäd^f. ®. 33.
§§1672, 1673; lübecf. ®ef. t). 10. gebruar 1862 9lrt. 7; preufe. 31. S. 3*.
II, 1 §§ 563, 564, 571, 581). 3n ben ©ntmurf finb berartige Seftimmungen
nic^t aufgenommen, ba eö fxd) um eine Sluölegungöfrage ^anbelt, meldte nur
unter S3erücfft(§tigung ber Umftänbe befi einjelnen galleö beantwortet merben
fann unb fidb beö^alb ju einer gefefelid^cn ®ntfdE|cibung nid^t eignet, bie 9luf^
flellung pofitiüer SBorfd^riften aber ju ©unften ber ©liefrau, mie fold^e im
preufe. a. 2. 31. II, 1 §§ 564, 581 ftd& finben, burd^ auörcid()enbe ©rünbe fx6)
nic^t re^tfertigen lägt.
änlangenb bcn § 1295, fo befc^ranft bcrfelbe feinem unmittelbaren ©ic^«5eia.
3nlKiItc nad^ ftd| auf bie Sled^tönorm, ba^ bcr (Seemann in ben bort Safe 1 ^^'^*""^'
bejeit^neten bciben gfiHen ber 6f)efrau, aud& romn bie 33orauöfefeungen beß
§ 1020 vorliegen, ©id^cr^eit nid^t ju Iciften Ijai unb aud^ im galle beö § 988
Sbf. 2 üon ber SSerpffid^tung jur Sid^erficitöleiftung befreit ift. S)a6 bcr
ßl^au büß 9led6t auf ©id^er^citölciftung in biefen gällcn ücrfagt mirb, redfit^
fertigt jid^ auö bcn in ben aWotioen ju § 1294 (oben ©. 194) bereits bar^
gelegten ©rünben burd^ bie SRüdEficbt auf baö 3ntereife bcr (Släubiger bcö ©fie^
mannes unb entfprid^t bei bem unter ben ©Regatten beftc^enben aSertraucnö-
wr^ltnijfc unb im ^inbticfe barauf, ba§ bie (Sf)cfrau bic 3Jlöglid^fcit Ijat,
bie e^eüd^c ^lufenicfeung unb aScrmaltung burdd Cf)coertrag auöjulc^tiefecn,
bcr präfumtioen «bfid^t ber (S^egatten (oergl. audd föd&f. ®. S3. § 1669;
onbererfeitd preufe. 21. 2. S«. II, 1 § 255; olbenb. ®ef. t). 24. 9lpril 1873
Srt. 11). Die auöbrüdflid^c 9lufnaf)me jener Seftimmung ift, fooiel bcn gall
198 §Wutinie§unö bc§ (S^cfluteS. ©ofortige ©rfa^pfliit bcö ei&emanne«. § 1296.
bcö § 988 äbf. 2 betrifft, wegen ber Sflegel beö § 1292, foDicl aber bic im
§ 1295 ©a| 1 bejeid^neten gälte betrifft, um beßroiHen notl^ig, weil cö pc^ in
biefen gällen fad^li^ um einen SRiefebraud) an t)erbrau(^baren ©ad^en im
©inne beö § 1018 l)anbelt, in ©rmangelung einer entgegenftel^enben SBe^
ftimmung ba^er ber § 1020 Slnmenbung finben mürbe, yixä^t befonber^
berüctfid^tigt im § 1295 ift ber gall, wenn bic ß^efrau bem ©fiemannc ha^
®igentl)um nid^t t)erbraud^barer ®t)egutßgegenftänbc mit ber SBerpftid^tung
übertragen ^at, bm 85Bert^ berfclben nad^ Seenbigung ber el^elid^en SRuftnie^ung
unb SSermaltung ju erfefcen, ba gfillc ber 3lrt feiten ftnb unb beöl^alb einer
befoubcrcn 93erürfRd^tigung nic^t bebürfen. SBegen ber Orünbe, auö meldten
ber ©ntrourf ber @{|efrau aud) baö in ben neueren ©efefeen t^eite unbefc^rönft^
tf)eite nur unter geroiffen Sefd^ränfungen onerfannte älec^t auf einen S^itcl
jur §^potf|ef an ben ©runbftüdfen beö ß^emanncö tjerfagt f)at, roirb auf bic
üßotioc ju § 1292 oben ©. 185 ff. ücrroicfen.
«nfe<^tbartcit ®inc Dou bcm ß^emanuc bemirftc ©idierftellung ober ©rfüHung bcö ber
^2iunfl^t. to! ®f|efrau in ben gäHen bcö § 1295 jufteficnbcn ©rfa^anfprud&cö unterliegt ju
(Sunften ber ©laubiger beö et)emanneö ber Slnfcd^tung nac^ SKa^gabc bcö
§ 25 3lt. 2 ber Äonf. D. unb beö § 3 5Rr. 4 beö SR. @cf. t). 21. 3uli 1879
in aSerb. mit ben §§ 1296, 1327, 1328 b. (Sntm. $Rad^ bem ganjen ©inne unb
3n)edfc jener öeftimmungen ift bieö nici^t ju bejmcifcln. 3^^if^l^öft fann cö
bagcgen fein, ob nid^t bic Slnfcd^tung ber ©id&erftellung auf ®runb iener
Seftimmungen bann auögefd^loffen ift, menn ber Seemann ftd^ Dor ober bei
^ 6ntftef)ung beö ©rfafianfprud^eö jur ©id^erl^eitölciftung t)erpflid|tct ^atte. @inc
2)eflaration in bicfer SRid^tung fällt jcbocb nid^t in ben SBcreicb bcö bürgcrtid^cn
®efe6bud)eö. Ueber^aupt ift bic (gntfd^cibung ber grage, ob unb meiere Slenbc^
rungcn ober aSerbcutlic^ungcn be& § 25 $Rr. 2 ber Äonf. D. unb bcö § 3 9lr. 4
beö SR. ©cf. V. 21. 3uli 1879 in golge ber über bic c^elid^e SRugnic^ung unb
SScrroaltung getroffenen S3cftimmungcn beö ©ntmurfcö, namenttid& in ber ^icr
fraglichen SRid&tung, ctroa erforbcrlid^ merben, roegen bcö 3wfömmcnl[)ongcö
jener Seftimmungen mit aubcren Scftimmungcn ber bc5cid^netcn ©efege einer
SRcoifion ber Icgtcrcn Dorbefialtcn.
§ 1296.
eiiatjppic^t Snroicfcm bie ß^egutögläubigcr in bcm gallc, roenn ber Gt)emann jur
mannet^Dor ©^üllung ciucr gcgcuübcr ber ®f|efrau i^m oblicgenbcn 3}crbinblid)feit roegen
»ecnbiflung bcr eljclidöen SRußniefeung unb aScrroaltung erft nad^ beren 93ecnbigung ücr*
sRu^nieWö- Pffi^^t ift (ücrgl. §§ 1294, 1295), be^ufö i^rer S3efriebigung t)on bem G^emannc
fdbon vov Scenbigung bcr c^elidS)cn Sfuftniefeung unb SBerroaltung bic ©rfüUung
bcr ^icr fraglichen Söcrbinblid^fcitcn t)crlangen fönnen, ergiebt fid^ auö § 1311
(oergt. bic SKotioe ju § 1311). 2)cr § 1296 regelt in bcr ^ier fraglicljcn Sc*
jicbung nur ha^ Säcrliältnife unter ben ©Regatten fclbft. 3)ic in btn beftel)cnbcn
5Hccl)tcn niddt bcfonbcrö oorgcfcljcnc SBcftimmung bcö § 1296, meldte fic^ alö
eine Slbtocic^ung uon bem § 1294 ©aß 3 unb t)on ben SBorfd^riften beö
§ 1018 über ben 9iic6braud^ an t)crbraudf)baren ©adjcn, foroeit bicfclbcn burd^
Gljcoertrag auf C^cgutögcgcnftänbc für aniocnbbar crKärt ftnb (Dcrgl. §§ 1295^
9lu^nieBunfl beS ej^egute«. Saften. § 1297. 199
1333, 1335), barftcUt, rechtfertigt [x6) burd^ bie (Srroägung, baß bic e^clid)c
^higniciung i^rcr 9latur unb i^rem 3"^^^^ "^^ ^^ ^^^ ^^^ S^emanne in
änfe^ung beö ßtjeguteö jugleic^ obliegcnbcn SSerroattungßpflid&t (§§ 1317 ff.)
i^re Bd)xank finbet unb burc^ erfterc bie orbnungömäfeige SSerrcattung bcö
g^utcä ni<^t beeinträd^tigt werben barf. SSon biefem bem OnmbgebQnfcn
ber SBerroaltungögcmeinfd^oft entfpreci^enben Oefic^tspunfte aus bctroditet, fann
in bcr SSeftimmung bcS § 1296 eine 83er(egung ber SRed^te beö ß^emanncö
nic^t gefunben werben. SÄuf ber onberen ©eitc fönnten ber S^efrou aus bcr
unbebingten SBerfagung beö SHediteö, bie fofortige ©rfüllung ber ^icr fraglid^eu
Serbinblid^feiten beö ß^emanneö beim SSorl^anbenfein anbcrroeiten ©^eguteö 511
oerlangen, unter Umftänben gro§e 9kd^tf)ei(e erroac^fen.
ÜJeben ber allgemeinen 85eftimmung beö § 1296 ift eine bcfonbere, ben
Jon beö § 988 Slbf. 2 oerb. mit § 1292 betreffenbe SJorfdirift nid^t erforberlii^,
öa biefer gall, fomeit berfetbe wegen ber SBorfc^rift beö § 988 3lbf. 2 Safe 2
^cr über^oupt in Setrad^t fommen fann, von ber SSorauöfefeung im ©ingange
bfö § 1296 mit umfafet wirb.
§ 1297.
!Eic Seftimmungen beö § 1297, burc^ meldte bie für bcn Sflicfebraud^ ^tS^Ä'^
geltcnben SBorfc^riften beö § 1003 erfcfet unb ergänjt werben, regeln bic nteßung.
3rage, inwieweit ber 6f)emann auf @runb ber e^clic^en ^ftufeniefeung unb
Serrooltuug flegeniiber bcr G^efrau üerpftid^tet ift, für bie 3cit ber cf)elid&cn
Äufniefeung unb 33crwaltung bie Saften bcö ©fieguteö unb bie Äoften bcr ßr*
Haltung beö le|teren ju tragen. 2^ie auö bem § 1297 gegenüber bem § 1003
ni) crgebenben 2lbweid^ungen unb ßrgänjungen berul)cn tfieitö barauf, bafe bic
eWic^e Slufenicßung unb SSerwattung nid^t nur baöientge SSermögcn bcr
G^frau, welc^eö fie jur 3^it bcr ©(icfd^Ucfeung f)at, fonbern aud& baöjcnigc
ergreift, weld^eö fie wäfjrenb ber Gf|e erwirbt, t^eilö auf bem ©cfid^töpunfte,
bo6 ber e^cmann fraft feiner c^cIidEien SRufeniefeung alle ?lufeungcn bcö ®l)c^
guteö bejie^t unb i^m überbieö regelmäfeifl oud^ bie 3lrbeitöh:aft bcr (Stjcfrau
SU ©Ute fommt, inbcm bie lefetere i^re 3lrbeitöfraft junä^ft für baö 6auö
unb boö (Sefd^äft beö ©l^emanneö ju Dcrwenben ücrpflid^tct unb nur auöna^mö?
weife ju einem felbftänbigen ©rwcrbe ju ocrwcnben im ©tanbc ift (ücrgl.
§§ 1273, 1275 äbf. 2, § 1289). 2)a bie G^efrau biernad^ laufenbe ein^^ßeitenberöe.
naf)men regelmagi^ nid^t l)at, fo cntfprid^t eö auf ber anbercn Seite bcr
9iIIigTH!7 wenn ber ©bemann grunbfäfeti^ bieienigen 33crbinbli(^tciten bcr
CffefroW/ wetd&eö lefetere bei orbnungömöfeiger SBirt^fd^aft fonft auö i^rcn
lonfhitar ßinna^men beftreiten würbe, gegenüber ber ©^cfrau ju tragen ücr^
pfli<^tet ift. 2)iefer ©runbfafe fann iebo^ nur atö Icitcnbcö Icgiölatorifdficö
aRotiö in ajetrac^t fommen (oergt. § 1297 9lr. 4 a. 6.). 2llö angemeincr Sicd^tö-
(aj ift bcrfelbc jur 2(ufna^me in baö ©cfcfebud^ nidfit geeignet, tfjcilö, weil er
in feiner aTnwenbung ju Dietfad^en 3"J^if^I^^ Slnlafe geben, tf)cilö, weit er
o^nc ©nfc^ränfung mit anbercn nad^ § 1292 auf bic cljclid^c Jiufeniefjunft
für anwenbbar crflärten SSeftimmungen über bcn Jlicfebrauc^, namcntlidi mit
bem Sa|e, bafe ber @^emann bie mit bem orbnungömäfeigcn ©cbraudje bcö
200 5nu^mc§img be§ ß^eflutc^. Saften. § 1297.
ßlicguteö Derbunbenc SKbnulimg regelmäßig nid^t ju trogen ocrpflid&tet fem
foll (uergl. bte äRotbe ju § 1292 oben ©. 183 ff.), in Sßiberfprudd treten würbe.
3lm ©injelnen ift ju § 1297 golgenbeö ju bemerfcn:
€r5a[tung8* 1. 2)aß ber Gf)cmann für bie 3^^* ber el^elid^en Siufeniefeung unb 3Ser^
'*^^*"' roaltung bie bem fRiefebraud^er jur Soft faDenben Grl^oltungöfoften (§ 997,
§ 998 3lbf. 1, § 1000) JU tragen oerpflid&tet ift, folgt an p^ ^ä)on aus bem
5ßrinjipe bc§ § 1292. Sä ift jeboc^ a(ö angemeffen erad^tet, im Gingange beft
§ 1297 auöbrüdlic!^ barauf iiinjuroeifen, weil ol^ne biefen ^inroeiö bie gaRung
bcö § 1297 ben 3tt)eifel erregen fönnte, ob nid&t im § 1297 eine üoUftänbige
9Iufjä^lung ber ben ßt)emann fraft ber el^elid^en SRu^niefeung imb SBerroaltung
trcffenbcn Saften beabfid^tigt, ba^er bie SSerpftid^tung jur 2:ragung ber bem
9lic6braud)cr obliegcnbcn Grfialtungßfoften auftgefd^foffen fei.
9i6gaben «nb 2. Sie S3eftimmungen beö 3tbf. 1 unter 3lr. 1—3 entfprcd{)cn ben
^^^^l 33orfd[)riftcn bcs § 1003 9ir. 1, 2, 4, jebod^ mit ber auö bem § 1293 fid^
rungweitrfiflc ergebcnben SWobififation, bafe ber G^emann bie im § 1003 ?lr. 2 errocifinten
iiaftcn unb 9lbgaben auä^ bann ju tragen I)at, wenn bie jum G^egute
gcijörenben (Segenftänbe erft nad| 93eginn ber cl)elic§en ^higniefeung mit ben-
fclbcn belaftet finb.
3Bie in ben SWotiüen ju.§ 1285 bereits f)crt)orge^oben rourbe unb auö
ber gaffung ber 3lr. 1—3 beö § 1297 („jum Gf)egute gel^örenbe ©egenftänbe")
in aSerbinbung mit § 1285 a. G. ftar erljellt, bejie^en bie Seftimmungen ber
3h-. 1—3 beö § 1297 fid^ aud^ auf bie im § 1285 be^eid^neten Sadjen, ob-
n5ot)I bie (enteren ber eljetid^en ^iujniefeung nid^t unterliegen. Die Sfm
gemefjen^eit biefcr mit bem preug. 91. 2. dt, II, 1 § 228 im ^^rinjipe überein-
ftimmcnben Siegelung fann im §inbUdc barauf, ba^ ber Gf)efrau wegen ber
a\\ i()rem fonftigen aSermögen regelmäßig bem Gfiemanne jufteljenben Siu^-
nicßung fonft bie 3)Iittel jur Seftreitung ber l^ier fraglid^cn Saften u. f. ro.
fel)len würben, nid^t in Bw^^if^I gcjogen werben.
Si"Ten. 3. S)ie Seftimmung beö 9lbf. 1 9lr. 4, baß ber Gfjemann, oor*
bel)alttic]^ ber am 9lbf. 2 fid^ ergebenben Ginfd)ränfung, nad^ SJcr*
I)ältniß ber 3^iÜ)auer ber ef)eli(^en ^lu^nießung unb SJerwaltung bie 3i"fcn
aller G^egutöücrbinbUd^feiten (oergl. § 1311, 1312), weldie im SBerliältniffc
ber Gf)egatten ju cinanber nid)t bem aSorbel^altögute jur Saft fallen (ocrgl.
§ 1316), JU tragen oerpflid^tet ift, oljue Unterfd^ieb jwifd^en ben nor ober
naä) Gintritt ber cf|clid;en 3lu^nießung unb Sßerwaltung entftanbcnen G^e^
gutöoerbinblid)feiten, red^tfertigt fid^ einerfeitö baburd), baß bie cfielid^e
3hit5nießung auf ein ganjeö aSermögen unb jwar aud^ auf baöjenige 3Jer*
mögen ber Gfiefrau pd) bejiclit, wetd^eö biefelbe erft wäfirenb ber Gl)e erwirbt,
anbererfeitö burd^ bie Grwägung, baß bie 3^"^" ^on ajerbinblid&feiten bei
orbnungömäßigcr aBirtl)fd;aft auö ben Ginfünften beö SBcrmögenö beftritten
JU werben pflegen. aSon ben aiorfd;riften über ben 9ließbraud) f§ 1003 9ir. 3,
§ 1041) unterfc^cibet fid^ bie 9ir. 4 beö § 1297 namentlid^ audb infofern, alö
nad) bem § 1003 Ter. 3 ber Sacßbraud^er bie 3infen einer auf bem 9iieß^
braudjögegenftanbe l)aftenben (af,^efforifd)en) .^^polfjef of)ne 9lüdfid^t barauf ju
tragen ^at, ob bie gorberung, für weld)e bie ,^i)potl}ef l)aftet, mit bem Ocgen-
«nu^nieBima beS ßJefluteS. Saften, § 1-297. 201
jianbc bcd SlieBbraud^cö im 3wfömmcnf|angc ftcl)t Tt)äl)rcnb nad) bcni § 1297
3lr. 4 Qllcin bie ©igcnfd^aft bcr S3crbinblid)fcit, loegcn weld^cr bie .^ppottief
icftellt ift, cntfd^cibct, bcr e^cmann mitl^in bic S^riicn einer SBorbelialtögutöDer-
binbU(lj)feit ober einer fold^cn ©^egutöpcrbinblid^feit, wddjt im 33erl)ältniffe bcr
ßbegatten ju cinanber nad^ § 1316 bem aSorbe^attögutc jur Saft fällt, and)
bann ni^t ju tragen ^at, wenn ein ©fjegutßgrunbftüdE für biefelben als
öppot^ef bittet. S)ie änroenbung beö § 1003 3lx. 3 in ber ^ier fraglichen
Sejiebung würbe, namentlid^ für fold^e gälle, in roelcben nad& beginn bcr
eWitb^n ^lugniefeung für eine aSerbinblicbfeit ber juleßt gebadeten 9lrt eine
Öqpotbef an einem ßb^gutögrunbftücfe beftellt wirb, ju einem angemejfenen,
bcr abfid&t ber Set^ciligtcn entfpred&cnben SRcfultate nid^t führen, inbem nicbt
angenommen mcrben fann, bafe ber ©bemann burd^ bie SeftcHung ber |)i)P0'
tfytt für eine fold^c SSerbinbUd^feit ber Qijt^xau bie S^n^^^, meldte, bingefe^en
ouf bie pcrfönlid^e Sdbulb, im aSerbättniffe ber ©b^flötten ju cinanber bem
??orbcbaItögute jur Saft fallen, gegenüber ber ©bcfrau alö eine neue Saft b^be
übernebmen moUcn.
3)ie Olcid^ftellung anbcrcr roieberfebrcnber Sciftungcn mit ben Qin^tw s(nbcre
bcr ©b^^Owteocrbinblid^fciten, fofern bie SJcrbinblicbfcit ju fold}cn Seiftungen J^J'^'n^c
im Scrbäftniifc bcr ®f)tiaikn ju cinanber nld^t bem aSorbebaltögutc 5ur Saft seiftungcn.
föllt unb ein orbenttid^cr .^auöüater biefelben aus bcn ©intünften feines aSer^
mögcnß ju bcftreitcn pflegt, berubt auf äbnlid^cn ©rroägungcn, mic bieienigen,
iwl(bc JU bcr bie 3^"^^^ betrcffcnbcn aSorfcbrift bcö § 1297 9ir. 4 gefübrt
babcn, iinb entfprid^t bem § 1041 Slbf. 2. 3)a6 ju bcn micberfebrenben
Seiftungen nit^t aud^ 3lu§gabcn jum Qvocdc ber 9lnfd^affung fold^er (Segens
ftänbc geboren, loclci^e lebiglid) jum ©rfage ber burd) bcn gcmöbnlid&en ©e^
hxü\xä) abgenufeten Stüdfc biencn (ücrgl. oben ©. 199 ff. unb SOlotioc ju § 1292,
oben S. 183 ff.), fann roegcn bcö Sluöbrurfeö „Seiftungen" unb im ^inblidfc
auf bic §§ 1007, 1038 in aSerbinbung mit § 1292 nid^t jrocifctbaft fein.
dagegen ftnb — maö roegen ber bct^öorragenbeu 2Bid)tigfeit ber satmen*
bctrcffenbcn gallc in SJlr. 4 bcfonberö lieroorge^obcn ift — ju bcn mieber^ leVCgt«.
fcbrcnbcn Sciftungcn im ©inne ber ^ir. 4 biejenigcn Sciftungcn ju rcd^ncn,
njclcbe üon bcr ©bcfrau auf Orunb ibrer gcfcglid^en aScrpflid^tung jur (Sc?
löäbrung bcö Unterbalteö an ©ritte ju entrid^ten ftnb, Dorauögcfc^t aud^
^icr, bafe bic SScrbinblidjfcit ju fold^cn Seiftungen im äJerbältniffe ber ©bc-
flotten JU einanbcr nid^t bem aSorbcbaltögute jur Saft fällt unb ein orbcnt^
lieber fiauöoater biefelben aus ben ©infünften feines SJcrmögcnö ju bcftreitcn
pflegt ©S geboren babin inöbefonbere fold^e Seiftungen, n)cld)c bic ©bcfrau
auf ®runb ber §§ 1480 ff. Derb, mit § 1313 an aScrmanbtc ober auf ©runb
bcö § 1454 an ben gefcbicbenen ©tiegatten ober alö ©rbe eines auf Orunb
bcr §§ 1571—1575 jur (Semäbrung bes UnterbalteS an ein unc^elid)e6 Äinb
wrpflitbtcten unebclidöen SSaterS an bas unebclidöc Äinb jum ^^cdfc bes
UnterbalteS ju cntrid^ten l)at, forocit ber ©bcfrau biefc SJcrpflicbtungcn nid^t
mit 3lü(ffic^t auf ibr SJorbebaltSgut obliegen. Someit bagcgcn jene SJer::
pflitbtungcn mit SRürffic^t auf bas SSorbcbaltsgut überbaupt crft bcgrünbet
ober in ibrem Umfange oergröfeert merben unb bcsljalb § 1316 9tbf. 2
3ir. 2 anroeitbbar mirb (Dcrgl. bie 3)Uim ju § 1310 unter 3lx. 2), ift bie
202 SflufnieBuitö bcä e^egutcS. 8aften. § 1297.
SBerbinbUd^feit bcß ©^cmanncö jur 2^ragung bcv l[)ier fraglici^cn Sciftungcn
mä) aWafegabc bcö § 1297 9}r. 4 Quögefdöloffen.
^roae^foften. 4. 2)ic ©rüitbe, Tücldöc bcn ©ntrourf bcftimmt ^abcn, bcm ©bemanne
als folgern, fei cö aus bcm Ocfid^töpunftc bcr Unter^altöpflic^t ober bcr
'^flid^t, bie ©^cfrau ju fci^ügcn unb ju r)crtt)cibigcn , bic aScrpffid^tung juc
S^vagung bcr Äoftcn cincd üon bcr ©^cfrau gcfülirtcn SRcdötSftrcited nic^t auf*
jucrlcgcn, finb in bcn SWotiocn ju § 1280 (S. 125) bargcicgt. §icr l^anbelt cö
\iä) um bic entfd^cibung bcr bort oorbc^altcncn ^agc, ob unb inroicmcit jene
33crpf[id^tung bcn ©Ijcmann auf ®runb bcö c^cUd^cn ©ütcrrcd^tcö traft bcr
cf)cli(jcn SRufenicfeung unb SBcrmaltung treffen foU. Ocmcinrcd^tlid^ braucht
bcr SRicfebrau^er bic Äoftcn eines JRcd^tSftrcitcS, rocici&cn bcr ©igent^ümer eines
bcm SUiefebraud^c unterworfenen SSermögenS über bie ©ubftanj bcs leßtcrcn
ober über SBcrbinblid^fcitcn, für rocld^e basfelbc Iiaftct, füfirt, nic^t ju tragen.
3U6) preufe. St. S. 9t. I, 21 §§ 82—86 muß er biefc Soften unter geroiSfcn
SBorauSfcfeungcn üorfd^iefecn. S)ie Sc^anblung biefer grage bei bcr c^clic^cn
SJußniciung ift foroo^l gcmcinrcd&tlid^ als na^ preufe. Siedete bcftrittcn. dlad)
bcm fä^f. ®. 33. § 1682 ftnb bie Soften eines SRed^tSftreiteS, mcldicn bic ©^c*
frau ober mit bercn ©inroilligung bcr Seemann über ben ©tamm beS c^c^
wciblid&en SSermögenS mit einem ©ritten fü^rt, aus bcm Stamme biefcs SBcr^
mogciis }u tragen.
Sei bcr SWcgelung bcs SlicfebraudicS ift baüon ausgegangen, bafe bcr
9Jie6brauc]^er nid^t oerpftid^tet ift, bie Äoften eines 9ied&tsftrcitcS ganj ober
tt)eiln)cifc ju tragen, roeld^er t)on bcm Sigent^ümer über bic Subftanj bcd
bcm 5ßic6braud^c untermorfcnen SBcrmögcnS ober über eine SBcrbinbli^feit,
für roelc^c Icßtcrcs ^aftct, gcfül^rt ift. ®ic für biefc SKrt bcr Siegelung mafe*
gcbcnb gcmefcncn ©rünbc treffen icbod^ bei bcr e^clicben 5Ru6nic|ung nid^t ju;
üic[mcf)r mufe f)icr bcr oben S. 199 bereits ^croorgcfiobcne ©cfid^tspunft, bafe
bic ©infünfte beS 33crmogcns bcr ©ficfrau unb bcr ©rtrag bcr 9lrbeitSfroft
bcrfclbcn regelmäßig bcm ©bemanne jufallcn, eS bcr ©^cfrau mithin regcU
mdfeig an alten laufcnbcn ©inna^men fef)(t, in SScrbinbung mit bcr ©rroägung,
ba§ — t)on au§crgcn)öl)nüd^cn göUen abgefe^cn — bic ^ßrojefefoften roirtfy^
fd)aftlid^ bic Statur tjon aSerroaltungsfoftcn l^abcn, rocid&c, mic anbcre jur
Sicherung unb ©r^altung bcS SBcrmögcnS aufgcroenbetc Äoften, ein orbentti^er
.^auSt)atcr aus bcn taufenben ©inna^men ju beftreiten pftegt, fonfequent ju
bcr S3eftimmung bcs § 1297 3lv. 5 füf)rcn, ia^, üorbcJ^altlid^ bcr aus bcm
3lbf. 2 fid^ crgebcnbcn ©infd&ränfung, bcr ©ficmann gegenüber bcr ©^cfrau
bie Äoften eines icben von bcr ©ficfrau gcfül;rtcn Jtcd^tSftrcitcS ju tragen
ocrpflid^tct ift, fofcrn bie SJcrbinblid^feit bcr ©^cfrau jur Prägung bcr Äoften
eine ©f)cgutSt)erbinblid&feit ift unb im 3Scr^äItniffe bcr ©f)cgattcn ju cinanber
nic^t bcm 33orbcl)aItsgutc jur Saft fällt. SBie eine SBcrglcid^ung bcr §§ 1312,
1316 crgicbt, fallen bcm ©bemanne l)iernad^ jur Saft bic Äoften eines von
bcr ©f)cfrau gcfül)rtcn, bas ©^cgut bctreffcnbcn Slftioprojcffes, fofcrn bcr ©be-
mann in bic güf)rung bcs 9lcd{)tsftreitcö cingcmiUigt l|at ober bicfclbc gc«
ncl)migt (§ 1302) ober fofcrn nad6 §§ 1306, 1309 9tr. 1, 3 bie ©iniDilligung bcs
©IjemanncS in bie güf)rung beS 9?cdötöftreiteS nid|t crforberlid^ mar, ferner
bic Äoftcn eines gegen bic ©l)efrau megen einer ©l)egutSocrbinblidj>fcit wenn
?lu^nic§un0 be§ (SfeeguteS. Saften. § 1297.
203
011(6 o^tt« Sinroilligung ober ®cnct|miflung bcs ®{|emanncö (ücrgl. § 1303 mit
§ 1312 9Jr. 1 a. ©.), gefül)rtcn 3lc(]&töftrctteß, fofcrn bic Sßcrbinblic^fcit
fcer 6§efraii jur STrttgung bcr Roflcn im 93erf)ältniffc ber ©Regatten ju ein*
onber na^ § 1316 äbf. 2 5Rr. 3, 4 nid^t bcm Sßorbefialtögutc jur Saft
ffittt, enblid^ auä) bie Äoften eines von ber ©ficfrau gefüiirten , \i)xt perfcn*
lid^ SSer^ältniffe betrcffcnben SRed^töftreitcö, fofern eö fid^ niciit um einen
Äe^^tdftreit jroifd^cn ben ©Regatten felbft, fonbcrn jmifd^en ber (SJ^efrou unb
rinem 3)rittcn ^onbelt unb ber ©bemann in bie güiirung biefeö ?Hcö)i&'
ftteitcö eingewilligt f^ai ober biefelbe gcnel^migt (oergL § 1312 3lx. 1 mit
§ 1303 unb § 1316 3lbf. 2 Sßr. 4). S)er einwiUigung bcö ei^emonncö in bie
Stt^ning beft Sled^tßftrciteö ober bcr (Senelimigung in biefelbe l)at ber ©ntmurf
ben gall, romn ber (Seemann feine ©inroiüigung ju ertlieilen üerpflid^tet mar
(§§ 1320—1322), ni^t gleid&geftellt, oielmefir bie ©ntfd^eibung ber grage, ob
unb inroicroeit in einem fold^en gallc ber ©bemann bie Äoften beö pon bcr
©W^öu oI)ne feine ©inmiHigung ober ©enefimigung geführten SRed^täftreiteö nad)
SWafegabe beö § 1297 gegenüber ber ©fiefrau ju tragen I)at, ber 93eurt^eifung
an ber ^onb ber allgemeinen (Srunbföfce überladen. @ö fe^It an einem
genügenben (Srunbe, in biefer S3ejiel()ung burd^ eine pofttiüe SSorfc^rift bie
ßiniwnbungen beö ©^emanneö, namentlid^ fooicl ben Umfang ber entftanbencn
^rojcfefoften betrifft, ju befd^ränfen. 3m Uebrigen wirb wegen bcr JRiicf-
icirfung bcr Scftimmungcn bcö § 1316 auf bie S3eftimmung beö 3lbf. 1
3lr. 5 auf bie SKotiüc ju § 1316 S3ejug genommen.
5. Slnlangcnb bie Äoften ber SBcrt^eibigung ber ®t)efrau in einem gegen
fie gerichteten ©trafücrfa^ren (9lr. 6), fo f)ai bcr ©ntrourf bie Prägung
biefer Äoften bcm ©bemanne alö fold)em aus ben in ben SKotioen ju § 1280
3. 124 bargefegten ©rünben nid^t auferlegt. S)a aber jene Äoften, mie bie
Äoften cinefi bie perfonli^en SSerfjältniffc ber ©^efrau betreffenben Slcd^täftreitcö,
ate eine Slufroenbung jum [©^uge unb jur Sid&erung perfönüd^cr 9icdf)tc,
vxlä^ ein orbentlid^er ^auönater aus feinen laufenben ©innafimen ju beftreitcn
pflegt, onjufe^en ftnb, fo muffen ä^nlid^e ©rmägungen, mie biejenigcn, auf
twf^n bie S3eftimmung ber ?ir. 5 beruf)t, bal)in führen, bcm ©l^emanne
gegenüber ber ©^efrau, uorbe^aftlid^ bcr auö 3lbf. 2 fid& crgcbenben ©in-
fc^ronfung, aud^ biefe Äoften jur Saft }u legen, fofcrn er ju bcr aScrt^eibi*
gung feine ©inmiUigung ober ©enel^migung ertfieilt l^at. 9Jadf) §§ 1321,
1322 ift er aber feine ©inmiUigung ju crtljeilcn ocrpflid^tct, mcnn bie 3luf*
wenbung ber SSert^eibigungöfoften fid) ben Umftänben nad^ alä eine jur
orbnungömäfeigen Seforgung ber pcrfönlid^en 9lngclegenf)citen bcr ©t)cfrau
erforberlid^c aWaferegel barftcHt. 2Iud) fjicr, wie in ben gällcn ber 3lv. 5,
fehlt e$ an einem genügenben ©runbe, ben ^all, in meld^em ber ©tiemaiut
feine ©inrotUigung ju ber SOertfieibigung 'ju [crttjcifen oerpfIid)tet mar, bcm
%(i\lt, in roclc^em ber ©Eiemann feine ©inmiüigung ober Ocnefimigung
wirflid^ ertl)eilt l^atte, burd^ eine pofitioe Sßorfc^rift jum 3laä)ii)c\k bcö ©()c?
manneö gteic^juftenen. Safe bie SBertI)eibigungöfoften, aud^ menn bcr 6t)emann
5u ber 3Jertf|eibigung feine ©iniriilligung ertljeilt f)attc, bcm ©f)cmanne bann
nie^t jur Saft fallen follcn, menn bie ©^efrau in bcm gegen fie gerichteten
ftrofrec^tli^en JBerfa^ren tjerurt^eilt ift, folgt barauö, ba§ in einem folgen
aSert^eibt«
gungSfoften.
204 9lu^nic§unö bc§ CkguteS. Saften. § 1-297.
gallc jene Äoftcn alß mittelbare golgc ber von bcr ß^efrau begangenen um
erlaubten §anblung, wegen bercn fie üemrtl^eilt ift, fid) barfteHen unb beö^alb
ebenfo n)ic bic Äoften eines Sled^töftreiteö über eine SSerbinblid^feit ber ®^efrou
aus einer t)on i^r begangenen unerlaubten ^anblung be^anbelt werben muffen
(§ 1316 2lbf. 2 9lr. 1, 3). S)a aber in bem 3^itpunfte, in roeld^em bie Scr-
tljcibigung erfolgt, fid) nod^ nid^t üorl^erfel^en lägt, ob bie (S^efrau üerurt^cilt
iö:rben mirb ober nid^t, fo mufe eine Seftimmung barüber getroffen merben, njcr
biö ju bcr ©ntfd^eibung bic Äoften ju tragen f)at. ®ie 5Watur beö SSer«
l)attniffcö roie bic SiHigfeit fprid^t bafür, bie SSerpflid^tung bem ©bemanne
aufäucriegen.
»cf(^räntunö 6. S)ie im 3lbf. 2 beftimmte SJefd^rönfung ber SSerpffid&tung beö ©^e-
»erp^^bc4 n^^nnes jur S^ragung ber im 3lbf. 1 unter 9]r. 4—6 bejeid^neten 3^^^^"/
e^cmanncä Sciftungcu unb Äoften gegenüber ber Gfiefrau entfpridit bem allgemeinen
bCT iSftTb^r ®ninbgebanf en , auf meinem bie 33eftimmungen ber 9lr. 4 — 6 berul^en.
sRu^niefeung. gcj [ß^eu [\ä) attcrbingö praftifdic (Srünbe bafür anfüljren, bem ©fiemannc
bic bejeid^nete 3SerpfIid^tung ofine Slüdffid&t barauf aufjuertegcn, ob icnc
3infcn, Seiftungen unb Soften ben Setrag ber auö bem ©fjegute gejogencn
ober JU jiel)cn gerocfenen 9lugungen überjleigcn, inöbefonbere ber ©efid&töpuntt,
baß baburd^ fonft notbroenbig mcrbenbe SÄbrec^nungen unter ben ©Regatten
uermieben werben, foroie ber ä'^^if^l barüber, was unter ben gcjogenen unb
JU jicl)en gcmcfcnen ^lu^ungcn ju pcrfteben, ob inöbefonbere aud^ bcr SSortl^cil
auö bem Ocbraudje bcr 6l)cgutäfad^cn bafjin ju rcd&nen fei (ücrgl. § 793).
Siibcffcn fann auf biefe Scbcnfen gegenüber ber Grwägung entfd&eibenbcö
®cn)id^t nid)t gelegt werben, baß bie uneingefd^ränfte SJcrpflic^tung bcö ©^e«
manncö jur S^ragung ber f)ier fraglid^cn 3ii^f^"/ Seiftungen unb Äoften unter
Umftänbcn grofee gärten für ben Gfiemann mit fi(^ bringen unb mittelbar
ba^in fül^rcn fönnte, bafe bic ©laubiger bcr ©ficfrau auö bem pcrfönlid^en
3?crmögcn beö ©b^nianneö 53efricbigung ücrlangen fönnten. Sie Unbilligtcit
jcigt fi^ namentfid^ in foldjcn fallen, in weld&en t)orel)clid&e ücrjinölid^c
£d)utbcn, üon bcnen bcr ß[)emann feine Äcnntnife l)attc, üor^anben finb, bic
Gf)efrau aber 3Iftiüt)ermögcn nid)t befigt ober baö 9Iftiüücrmögcn berfclbcn
9i Übungen nid^t abwirft ober wä^rcnb bcr ©^e ücrlorcn gcl)t. Um fo weniger
ift bie im 3lbf. 2 beftimmte 33cf(^ränfung ju cntbct)rcn, alö bem ©bemanne
nad& bem ©ntrourfc auö ben in ben 3Rotit)cn ju § 1327 nä^er angeführten
ßJrünben baö SRcd^t, bie 33ccnbigung bcr cl)elid^en 9iuftnie§ung unb SSerwaltung
burd^ einfcitigcn SiJerjid^t l)crbeiäufüt)rcn, ücrfagt ift, berfclbe fid) alfo t)on bcr
l)ier fraglid^cn 3]crpflid)tung aud) nid&t einmal für bic 3^ifw^ift cinfeitig bc*
freien fann. Sluc^ bic 3iiläffigfcit beö 33crjic^teö würbe übrigenö bic .^ärte
nid^t befeitigen, bafe bcr ©Ijcmaun otinc bic Sefd^ränfung beö Slbf. 2 in bic
Sage fommen fönnte, iebcnfallö bie 3i"f<^^^ ouö bcr 3cit t)or bem SJcrjid^tc
jalilcn JU muffen,
öinfiufebcs 7. 3)ie grage, inwieweit in bem gallc, wenn Äonturö über ba^ 3Jer^
uv'^^cl^L. "liegen i^cr ©bcfrau eröffnet unb ba^ ©l)egut jur Äonfurömafje gejogen ift,
bcr ©l)cmann trogbem mit -Rüdffid^t barauf, bafj bic cljetid^c 9iu|nie6ung unb
Sßerwaltung burd^ ben Slonfurö nicbt bcenbigt wirb unb inöbcfonberc baö nad^
ber ©r Öffnung beö Sonfurfcö erworbene 3}crmögcn bcr ©^cfrau ergreift, bic im
5iu{;nteBun0 bcö Stcöutc^. aScrau§crUd&feit, ?)fänb6arfcit. §§ 1298, 1299. 205
§ 1297 bcjcic^netcn Saften ju tragen I)at unb inroieroeit biefelben anbercrfcitö
wn ber Äonfurßmaffe jU tragen finb, ift burd& ba^ ®efe^ nid)t befonbcrö
cntft^ieben, ba bcr (Sntrourf oud^ im Uebrigen befonbcrc Scftimmungen
über boö 33erl^ältni§ beö (Sfiegutcö im galle beö Äonfurfcö über ba^ 33cr*
mögen ber @^efrau^ rocil in ben Sereid^ ber Äonf. D. fallenb, nid^t aufs
genommen ^^at
8. 2)ie Seftimmungen bcö § 1297 begrünben nur eine 3Scrpf[id^tung ««f*««^« ^««
beä Seemannes gegenüber ber ©(jefrau. ^en ©löubigern ber Ie|tcrcn, fomeit gegenüber bcn
jie gegenüber berfelben einen 9Infprud& auf ©rfüllung bcr im § 1297 beäcid)netcn ®fÄ^
Serbinblic^feiten fjaben, nad^ Analogie ber 33eftimmungen über SSerträge ju
(Sanften dritter (§ 412) einen unmittelbaren Slnfprud^ gegen ben (gfiemann
eiujuräumen, ift im ^inblide auf bie im 9lbf. 2 beftimmte Sefc^ränfung
ber SSerpflid&tung beö ß^emanncä gegenüber ber Cfiefrau aM praftifd^en ^lüdf-
fi^ien niddt afd angemeffen erad^tet. ©elbftücrftänblid& ift inbcffcn nid^t auö^
9ef(Ö(ojfen, bafe bie ©laubiger bcr ©fiefrau fidö ben ^ier fragüdfien Stnfprud^
bcr Ic^teren im SBege ber SnjangöüoUftredung überroeifen Iaf|cn.
§§ 1298, 1299.
1. S)cr Sd^roerpuntt bcr §§ 1298, 1299 liegt in bcnjcnigen S3c^ IuöSm
ftimmungen, meldte bad S3crt|ältnig bcr ©laubiger bed @^emanncd gegenüber e^eflutes für
bem e^egute betreffen. (Sd tianbelt ftc^ bei bcr Slegelimg biefeä SBcrfiältniffcö ^t? «"j!^'"
}unäd^ft um bie ^age, ob unb inmiemeit bie Haftung bcr Subftanj bcd @lje^ manne«.
gute« für bie ©d&ulben bcö g^emanneö anerfannt merben foH.
Ob nod& älterem 9?ed)te, inßbefonbere nad^ bem ?icd^te beö Sad^fcn* ©eitenbe«
fpiegetö, bie ®^efrau mit i^rem (Singebra^ten für bie ©d^ulben bcö ©fie^ ^^^^
manneö haftete, ift beftritten. ©cgenroörtig ift in ben ©ebieten ber SBcr^
QNiltungögemeinfd^aft eine fold^e @d^ulbcnl)aftung balb in größerem, balb in gc^
ringerem Umfange nur in wenigen fleineren SRed&tögebieten, fo auf ©runb
älterer Statuten inöbefonbere in ber ©tabt ©tabe, in einjelnen Sejirlen üon
Sommern, ^olftein, Reffen unb in bcr ©tabt 9?oftodf, auf ©runb neuerer
©efeje für bie ©tabt Sübedf unb für bie ©tabt SBiömar anerfannt. 3n
Subecf, wo naä) bem älteren SRed^tc baö SBermogen ber ®l)efrau nur bei
beerbter &ft für bie ©d^ulben bcö ©fiemanneö haftete, ift burd^ ®ef. o.
26. Cftober 1863 SKrt. 1, 2 beftimmt roorbcn, bafe eine ©fiefrau, mag fie in
beerbter ober unbeerbter @^e leben, mit bem i^rem ®l)emanne jugebrad&tcn
Sermöflcn, b. f). fomol^l mit bem SSermBgen, roeld^eö bei ©ingcfiung ber (gt)e
boö il^rige gemefen ift, alö auc^ mit bemienigen, roeldicö fte roä^renb ber (g^e burd^
Ccbfc^aft ober irgenbroie fonft crmorben \)at, für bie aSerbinblidEjfeiten bcö ®f)e==
monneö haftet, fomeit fie nid^t mit lefetercm, ganj ober tt)eiln)eife, in getrennten
©ütern lebt. 3Ilö in getrennten ©ütern tebenb, mirb eine ß^efrau bann betradf)tct,
menn jte entroeber vov i^rer 83erl^ciratl)ung ober aber mäbrenb ber @^e t)or bcr
juftänbigcn Sc^örbe bie ©rflärung abgegeben f)at, ba^ fie für bie aScrbinblid)-
Wtcn i^eö ß^emanneö überall nid^t l^aften ober ba% fie einen beftimmten 2:t;cil
i^efi bcmfclben jujuhringenben SBermögenä t)on bcr Haftung für jene SBcr^
206 5Ru^nic§ung bcg ®6e0utcö. aSeraugcrli^feit, ?)fdnbBarfeit. §§ 1298, 1299.
binblid&fcitcn auönel^mcn roollc. ®inc fold^c ®rflärung ^at brittcn ^crfoncn
gegenüber icbod& erft t)om 2^age ber öffentlid^en Sefanntma^ung an red^tUd^e
SBirfung. 3lel^nUd^e Scftimmungen entf)olten für ben %aU beerbter e^c bie
§§ 4, 5 bcö neuen ©tatuteö von SBiömar x>. 9. ©ejember 1875.
3laä) gemeinem beutfd^en SRed^te finbct eine Haftung ber ®^frau für bie
©d^ulben beö ®l)emanncö mit ber ©ubftanj beö E^egutcs nic^t ftatt. 2)er
©(jemonn fonn jroar naä) ber l^errfd^enben SÄeinung bie fa^renbe §abe ber
S^efrou oI)ne beren ©inroiUigung üeräufeern, aber biefeö auf bem pd^ft per^
fönlid&en ajerroaltungöred^tc beö ß^emanncö berul^enbc unb jubem mit ber
SSerpPid^tung jum SEertlicrfafee nad^ Sluflöfung ber ©^c üerbunbene S)id*
pofitionßred^t unterliegt nid^t ber 3w)<irtgöüoUftredEung von ©eiten ber ©laubiger
beö Seemannes. 3laä) 3lufföfung ber E^e wie im Äonfurfe über bas SSer^
mögen beö ©^emanneö Dinbijirt bie ©^efrau bie il^r ge^örenben ©ad^en unb
mac^t ir^rc ßrfafeanfprüc^e wegen ber eingebrad^ten fungibelen ©ad^en unbebingt,
mcgen ber übrigen infomeit geftcnb, alö fxe in golge eineö von bem ©bemanne
ju üertretcnben SScrfc^uIbenö ober einer von i^m vorgenommenen Sßeräufecrung
nid^t me^r t)or^anben ober t)crfd&red)tert finb.
Sluf bem Söoben beö gemeinen SRed^teö ftetien il^m im SBefentlid^en in
ber l^ier fraglid^cn S9ejiet)ung aud^ baö preug. SK. S. SR. (II, 1 §§ 257—260),
baö fäd^f. ®. 93. (oergl. §§ 1678, 1685) unb ba& olbenb. ®ef. t). 24. 3lpri[
1873. Sluf bem ©cbiete beö preufe. % S. SR. ift eö jmar lange ftreitig gc?
mefen, ob baö bem ©bemanne nadj 91. fi. SR. II, l § 247 juftelienbe SRed&t, über
bie aWobiticn ber ©^efrau frei }u verfügen, ni^t aud^ ben ©laubigem beö
©fiemanneö ju ©ute fomme unb bie Snteroention ber ©^efrau gegen eine im
SBcge ber 3w)angöooUftredEung erfolgte ^ßfänbung auöfd^liefee. 2)ur^ boö
preug. @ef. v. 7. STprif 1838 ift biefe Streitfrage inbeffen ju ©unften ber
©{)efrau entfc^ieben. 2lud& bie prcufe. Äonf. D. v. 8. 3Rai 1855, obrool^f i^re
unoerfennbare S^enbenj bal^in gel^t, bie ©laubiger beö ©^emanneö gegenüber
ber ©^efrau günftiger, mie biöl^er, ju fteUen (vergl. inöbef. bie §§ 88 ff.),
erfennt prinjipiell ba^ 33inbifationöred^t ber ©tiefrau an unb betöfet i^r, menn*
gteid) an lej^ter ©teile, alö legten SReft ber von ber gemeinred)tli^en ^rajiö
auf bie SBermaltungögemeinfd^aft übertragenen ©otalprioilegien beö rom.
SRed^teö, nod^ ein 33orjugöred^t megen i^rer ©rfafeforberung.
3n neuerer ^tii l^aben ft^ von verfd^iebenen ©eiten Stimmen bafür
erf)obcn, bei ber SSerivaltungögemeinf^aft, roenigftenö in geiviffem Umfange,
eine Haftung ber ©tiefrau für bie ©d^ulben beö ©^emanneö mit ber ©ubftans
beö ©^eguteö eintreten ju laffen. 3nöbefonbere ^at bie erfte Slbti^eifung beö
12. beutfd^en 3uriftentageö ftd^ ba^xn auögefprod^en, bafe eine Haftung beö
SSermögenö ber ©^efrau für bie ©d^ulben beö ©^emanneö inforoeit anjuerfennen
fei, alö baöfelbe nid^t auf beren 5Ramen angelegt fei unb beftänbig angelegt
bleibe (vergl. bie a3erf)anblungen beö 12. beutfd^en Suriftentageö SBb. 3 3. 33 ff.,
80). ©ine fold^e Haftung ift in verfd^iebenen gormen unh in verf^iebenem
©rabe bentbar unb vorgefd^tagen morben. ©ie fann entroeber alö eine per*
fönfid^e Haftung ber ©^efrau gegenüber btn ©laubigem beö ©Iiemanneö in
ber SSlrt gebadet fein, ba& bie Haftung, äfinlid^ mie bie beö Snventarerben, auf
bm 93etrag beö ©^eguteö befd^ränft ift, ober eö finbet nur eine Haftung beö
SJu^nicBung b^5 SJeguteS. SSeraufecrKd^feit, ^fanbBarfcit. §§ 1293, 1299. 207
SBermögcnö bcr ©l^cfrau unb nur tnittclbttr infofcm ftott, als i>a& bcm Q\)c^
manne in änfe^ung bcr ©ubftanj beö @{|egutcö jufte^cnbe SScräufecrungörcd^t
gegenüber bcn ©läubigern ate ein SSermogcnöre^t aufgefaßt wirb unb ba^^
fclbe ba^cr, roic onbere SBcrmogcnöred^te bed ß^emanneö, einen ©cgcnftanb
ber Sroangöoollftreching bilbet. S)iefc Ie|tere gorm ber Haftung ber ß^efrau
ift ittbeRen nur ba burd^fü^rbar, voo bem ©l^emanne auä) gegenüber ber @^e-
frau bic SSefugnig, ®^cgut ol^ne ©inroiUigung berfelben ju Deräufecrn, in auö-
gebe^ntem SIRafec jufle^t. 3w)if^c^ bk^cn beibcn gomten ber fioftung liegt
rine britte, roeld^c möglid^enoeife auä) mit ber jroeiten t)erbunbcn werben
fonn. Sie befielet barin, ba6 bic ß^efrau ben Slnfprud^ auf SRücfcrftattung
bedienigen S^^eileö il^rc« ©l&cguteö, weld^cr in baö ©igentl^um beö ß^emanneß
übergegangen ift, foroie bcr il^r wegen ber aSerroaltung beö ©l^egutcö etwa
lufte^enben 6rfa|anfprüd^c crft nad^ ber Scfriebigung aller ©laubiger beß
G^anneö geltcnb ntad^en fann, ben lejteren alfo im Äonfurfe über baß
Vermögen bed ß^emanneß nad^fte()t.
^rinjipicK Iä§t fi(5 auf bem 93obcn bcr SScrroaltungßgemeinfd^aft eine 0tanbp«n!t
^oftung ber e^cfrau für bic ©d^ulben beö (g^emanneß mit ber Subftanj beß «ntwurfc«.
%9uteß, wenn aud^ nur in ber Sefd^ränfung auf baßienigc SBcrmögen ber
©Wrau, roel^eß äufecrlid^ alß baß irrige nid^t erfennbar ift, mebcr auß bcr
S^atfac^e, ba§ baß SBermogen bcr ß^efrau mit bem beß ß^emanneß äußerlid^
in ber ^anb beß lefeteren nercinigt ift, noc^ fonft auß bem befonberen S8er*
kniffe, in mcld^em bic ß^egatten ju einanber ftcl^cn, rcd^tfertigen. ®ie
S^tfaibc, bafe ein unb bicfelbc ^Jerfon neben i^rem eigenen SBermögen nod)
baß SBermSgcn cincß 2lnbercn in ^änben l^at unb ücrroaltet, unb ba^ in golgc
bcRen S)ritte o^nc naivere ßrfunbigungcn nid^t ju unterfd^eiben vermögen; mcrd&e
DOtt ben in ber ^anb beß ©d&ulbnerß nercinigtcn SBcrmögcnßgegenftänben biefem
geboren unb meldte er nur ncrroaltet, fommt aufeer bei ber ßf)c aud^ nod^ in
man^n anberen Scbcnßücrf^ältniffcn nor, o^ne bafe baran gebadet wirb, ben
©laubiger um beßroiUen, mcil er in bcm ©tauben geroefen ift, bafe baQ SScr-
mögen, roeld^eß er in ber ^anb feineß ©d^ulbnerß gefeiten l^ai, bem Icgtcrcn
allein gebore unb Sritten ein Slnfprud^ auf SReftitution beim, auf ßrfafe nid^t
üuftebe, in ber SIrt ju fd^üßen, |ba6 il^m baß ganje aSermögen für nerfiaftet
crHdrt unb il^m gegenüber bcr SReftitutionß:: bcsro. ßrfaganfprud^ beß ©ritten
als nid^t oor^anben angcfel^en mirb. Slud^ baß befonberc aSerpttnife, in
ioel(^em bie ß^cgattcn unter einanber ftcl^cn, gemährt feinen prinjipicllen
Sn^ltßpunft für bie ^ier in Siebe ftcl^cnbc Haftung ber ß^efrau. 3nß^
befimberc fann roeber auß ber fubfibiären Untcrl^attßpflidit bcr ßl^cfrau gegen-
über bem ©bemanne (§ 1281) nod^ ouß bem bem ßl)cmannc, nid)t in bcffen
eittfcitigem Sntcrcffc, fonbern im SJitetcffe ber el^clid^en ©emeinfd^aft, ein^
geräumten aSermaltungß* unb aScrfügungßred^tC; mag baß lefeterc auc^ nod^ fo
üußgebe^nt fein, eine Haftung bcr ß^efrau mit ber Subftans beß ß^eguteß
für oHe Sd^ulben beß ß^emanneß gefolgert roerben, namentlich nid^t für bic*
jenigcn, rocld^e fid& formell unb materiell Icbiglid) alß eigene Sd^ulbcn beß
Icfteren barftcDen, SSom Stanbpunfte beß ßntrourfcß auß Dcrmag baß aSer*
roottungö« unb aSerfügungßrcd^t beß ßl^emanncß um fo mcnigcr ju einer
fol(!^en ^oftung ju führen, alß nad) bcm ßntmurfc bcr ßl;cmann bei bcr
208 Sfhif lücöuua bcö (Er?cöut^5. 3Scrdu§erIi*fcit, g)fänb6arfeit. §§ 1298, 1-299.
SluSübung jcncö dic(^k& in roeitcm Umfange an bic aWitroirfung bcr ©^cfrau
gcbunben ift (§§ 1319, 1320). ®ß fann ftdb bal^er nur fragen, ob übcrroicgenbe
©rünbe ber Silligfeit unb Sroetfmäfeigteit, foroic baö im $8oIfe lebcnbe 9lcd^td?
bcroufetfcin bafür fpred)en, bic Sonfequenjen bcö ®t)ftemcö ber SBernJoltungö-
gcmeinfd^aft ju ©unftcn ber ©laubiger beß ©ficmanneö ju burciibrcd&en. 9lu(^
biefc gragc ift iebo^ ju t)erneinen. S^^jugebcn ift, ba§ burd^ bie Haftung ber
@t)cfrau mit ber Subftanj beö S^eguteö für bie Sd^ulben beß ß^emanncö bic
Sage ber ©laubiger beä tegteren er^eblid^ üerbeffert n)irb, biefelben inöbcfonbere
gegen S^äufc^ungen unb gegen bie SRad^tf^eilc , roeldie mit ben rielfod^ un-
begrünbeten 3ntert)entionöMagen ber ©fiefrauen für fic üerbunben finb, gefd&üßt
rocrben. Snbcjfen, wenn baö ©efeg bie SBcrroaltungsgcmeinf^aft als gcfefelid^eö
cl)elicf|es ©ütcrred&t fiinfteHt, fo miffen bie ©laubiger beö ©^emanneö unb
muffen fie loijfen, baß ber ©l^cmann bie e^cli^en Saften allein ju tragen l^at
unb baö SSermögen ber ©^efrau nur ju nußen unb ju t)ern)alten bcred^tigt ift.
SBcnn fie bal^er hcn 5lrebit, roeldf)cn fie bem ©bemanne geben, o^ne nähere
©rfunbigung nad^ bem äußerlid^ in ber §anb beö ©^emanncö ücreinigtcn
SSermögen bcmeffen unb baburd^ in SJad^t^eile gerat^en, fo l^aben fie biefelben
[\6) felbft äujufd^rciben. Daju fommt, bafe bie bejeidf)neten Sflad^t^eilc burc^
bie äcftimmungen beö § 1282 bcö ©ntmurfcö unb bcö § 37 ber Äonf. D.
mcfentlidf) geminbert merben. ©ntfd^eibenb fällt aber — ganj abgefc^cn Don
ben ©d&roierigfeiten, meiere ficii ber praftifd^en S)urd&fül|rung beö ^ßrinjipcö ber
©cbulbcnfiaftung ber ©fiefrau auf ber ^icr fraglid^en ©runblagc entgegen«
ftellen, unb abgcfe^en üon bem 93ebenfen, baß mit ber gefcglid&en 9(nerfcnnung
einer fold^cn Haftung bic Sluöfc^Ueßung berfetben bur($ ©^epertrag faum
vereinbar fein mürbe (t)ergl. oben ®. 160) — inö ©emi($t bic Ungcred^tigfcit
unb bie Unbilligfeit gegen bie ßf)cfrau, meld&e oom Stanbpuntte ber aScr^
maltungögemeinfc^aft am in ber Haftung ber ©^efrau mit ber Subftanj ilircö
©f)egutcö liegt. 2)ic ©^cfrau l^at feinen 9lntt)eil an bem SBermogen beö ®^e«
manneö ober an bcr ©rrungenfcbaft, bcr @l)cmann l^aftct au^ in feiner äßcifc
für bic Sd^ulbcn ber ©fiefrau. ^aö glcid^c aWaß für beibe 2:^eile forbcrt,
baß bic®l^efrau, wie fxc am ©erainne nid^tS^lieil nimmt, fo aud^ bie ®cfa^
beö SBcrluftcö ni^t trägt. SKan fann l)iergegen aud^ nid&t einroenben, baß
ber cigentlicbc Stamm beö aScrmogenö ber ©fjcfrau oon ber Haftung un*
berührt bleibe, wenn nur bcr äußerlicb atö Sßermogen ber ©^efrau nid^t
erfennbar gebliebene 2^l^eil biefer «Haftung unterliege. S3ei ber 3Ket|rjal^l bcr
©t)en beftel^t baö ganjc Vermögen ber 6t)efrau nur in baarem ©clbc ober in
bcroeglid^cn unb baber alö ©igentfium ber ©fiefrau nid^t ertennbaren ©ad^cn.
S)ic ©^efrau mit biefem S^bcilc i^rcö SBcrmogcnö fiaften ju laffcn, ^eißt atfo
bei bcr 3)lcf|rjaf)l ber ©^en, bic ©f)efrau mit il^rem SSermogcn unbcfcbrönft
l^aften laffcn. 3lnjucrfennen ift allcrbingö, baß bic ©^efrau, aud^ wenn
fie feinen Slntl^cil an bcr ©rrungcnfd^aft Ijat, mittelbar an ieber SBcrbcffcrung
ber 5Bcrmögenölage bcö ©^emanncö Xi)til nimmt, inbem nad& beffen 93cr*
mögenölagc fid^ baö 3)Iaß bcö cl^clid^cn Slufroanbcö rid^tet unb bei 5Kuftofung
bcr ©f)c burd) ben ^ob beö ©f)cmanncö bic ©^efrau il)ren Slntl^cil an bcr SJcr^
befferung burd^ baö il)r juftc^cnbc ©rbrec^t crbält. Slllein bic SKuöglcid^ung
bicfcr 83ortl)eile erfolgt bei bem ©t)ftcmc bcr SSermaltungögcmcinf^aft baburd^.
Siu^nieBimfl b. ejc^ut. Seraiigcili^fcit. edSuIbcnfeaftung. §§ 1298, 1299. 209
bo§ bcm (g^cmannc oUcin bic Ülugungcii bcö bciberfcitigcn aSermöjjcnö ju*
füllen unb regelmäßig ttuti^ bcr ©rhag ber 9lrbcitötraft ber (S^efrau ju ®utc
fotnntt.
SJie gef^icf|tlid^e ©iitroidclung unb bic ©eftaltung bcö gcitcnbcn SHcd)tcft
fpre^cn ferner entfddiebcn bofür, baß c« bem 3lecl^tdbeiüu6tfein beö $ßoIfc*
ni(^t enlfpred^en würbe, mit bem S^ftcme ber SBcrioaltungögemcinfd^aft eine
^ftung ber ß^efrau für bie Sd^ulben befi ß^emannee ju ocrbinbeu. 3)Ht
wr^tnifemäfeig wenig 3luSnQfimen ^at üon je^cr bei allen et)eli^cn ®üter^
rechten bie Haftung ber ®l^cfrau für bie ©Bulben beö ß^emanneö einer Xf)c\U
na^mc ber ©^efrau an bem SBermögen ober bod^ an bem ©rroerbc bcö Gf|e*
mcnncd cntfproc^en. ©oroeit bei ben urfprünglid) auf bcm ©oben ber 5Bcr^
loaUungfigemeinfd^aft fte^enben 9ted^ten bie Haftung ber @f|efrau für bic Sc^ulbcn
bed C^cmanneö ©ingang fanb, ift bamit regelmäßig eine Umgcftaltung beö
gonjen S^ftcmeö in ber 3lrt ücrbunben gcmefen, baß baöfelbe minbeftenä^
wirlöfd^oftlic^ nid^t mef)r ber aSerroaltungögemeinfd^aft, fonbern ber (Süler-
gcmeinfc^aft juiujä^lcn ift. Xa& l)ierin ftd^ abfpiegetnbc SRe^tögefüfil tritt mit
befonberer S^ärfe in benfenigen SRcc^teu l)ert)or, meldte, roic baö ältere lübifd^c
3(e(^t, ^alb auf bem ^oben bcö einen, liatb auf bcm SSoben bcd anbereti
Spficmeö fte^en. Someit bicfe SRe^te bei beerbter ©()c bic Sd&utbcnf)aftung.
bcr ©liefrau ongenommen l)abeit, ^aben fte anbeierfeitö auti^ baö aScrmogen
beiber (S^gatten ju einer 9Rajfc ücrfd^moljen, unb laffen fie bei 2luflöfung ber
6^c bejro. bei SBecnbigung ber fortgcfefcten Oütergemeinf^aft bcm übcrlcbcnben
Spotten eine Quote bcö ©anjen jufallcn. Soweit bicfe ©cmeinfd^aft
bcu aftioen '3Jermogend aber nid^t ftattfinbct, nämlid^ bei unbeerbter G^e,
finbet aud^ feine Haftung ber Gficfrau für bie Sd^ulben bcö ©^emanncö ftatt.
*u<^ bic ©ntroicfelung, meldte bie ©rrungenf^aftögcmcinf^aft in einem großen
J^Ic i^rcö ©eltungögebictcö genommen \)ai, bietet einen gingcrjcig für bic
Jiic^tung, welker baö im 93olfe lebenbe dted^tögefü^t fid^ juneigt. SBic oben
c. 153 bereitö l)erDorget)obcn mürbe, ift in einem großen J^öcilc bcö SWed^tö-
gcbictcö ber ©rrungenfd^aftögemeinfddaft ber ©l)cfrau baö 9lcd)t beigelegt, fid)
burtft SSei^id^t auf bie Grrungenfdjaft von ber 2^ragung bcr ©inbuße unb von
ber Haftung für bie ©d^ulben, fomeit fie biefclbcn nid^t perfonlid^ übernommen
^t, JU befreien, obrool^l ber Grrungcnfd&aftögemcinfd)aft prinjipicU bie ©emein*
fcftoft ber ©inbußc cntfprid)t. 2)ie Gl)efrau ftaftet alfo ^icr in 8Birflid)fcit für
bic Sc^ulben beö G^emanneö, aud) wenn biefclbcn jum SBcftcn bcr ©^e gemad^t
finb, nur mit itjrem Slnt^cilc an ber ©rrungcnfd)aft, nic^t mit it)rcm übrigen
Vermögen, obroof)l baöfelbc ebenfo roic bei ber SScrroaltungögemcinfd^aft bem
Jluftungö- unb aSenoaltimgöred&tc bcö ©f)cmanueö unterliegt, ©aöfclbc gilt
bei ber SMobitiargemeinfc^aft beö franj. 9iec^teö in 3tnfcl)ung beö oon ber &o
meinfdiaft auögefd^loffencn, glcid^roofil aber bcm 3iu^ungö* unb SBcrroaltungö^
redete bcö ©^emanncö unterlicgenbcn Sßcrmogcnö bcr 6()cfrau. ®ö roirb alfo auf
bie Sicherung ber ©l^cfrau großercö ®croid)t gelegt, afö auf bie Sid^crung bcr
©laubiger beö G^emanneö. 3)icfe J:cnbenj tritt aud) barin f|crt)or, baß, roic
ouö bcn amtlid|>en 3)iitt^cilungcn über bie ©tjcocrträgc [x6) crgiebt, fclbft in
monc^icn berienigcn SHccfttögebictc, in rocld^cn bic .^aftung bcr ©fjcfrau auf
%unb bcö gefel^üd^en ©iitcrrcc^tcö in mcf)r ober rocnigcr auögcbcfintcm OÄaße
Sotise ). burserl. 0c|et0u(^. IV. 1^
^
210 5nutuie6utt0 b. ßf e0ut. Serdu^crli*! eit. S^uIbcnKiftuitö. §§ 1298, 1299.
bcftel)t, I)äufi9 yoId)c ©(jcocrträgc, tüeld^c bcn Slußfd^Iufj bcr Sd^ulbenljaftung
bejwedfcn, üorfommcn.
2Baö bem Slcc^iöbcroufetfeiu bcö SBoIfcö loiberftrcbt, ift nid^t bic Slid^fc
Ijoftung bcr ©tjcfuQU für bie S^ulbcn bcö GI)cmanncö, fonbcrn bic S3c5
günftigung bcr ®l^cfrau üor anbcrcn ©läubigcrn bcs ß^cmanncö. 3ii biefer
^infic^t ift inbcffcn bereite burd) bic neuere ©cfe^gcbung bcn früher twr« ,
Ijanbcncn Ucbelftänbcn im SBcfentlid^en abgcl;oIfcn. ®as aus bem rom. Siedete
ftammcnbe gcfc^üd)e ^^ifßnbrec^t bcr (S^\)C^va\x ift f(^on faft allcntfjalbcn ouf*
geI;obcn, i^r 58orjug3rcd)t im Konfurfc über bas SBcrmögcn bcfi (S^cmanncfi
burd& bic beutfd^e Äonf. D. (ücrgl. § 54) • befeitigt. 3la6) bem ©ntwnrfc foDeu
ferner boö di^ä)i bcr Gl;cfrau auf Scftellung einer §i)pot^ef, foroie — ab*
gefeljcn Don bem golle bcö § 1005 ücrb. mit § 1292 — baö 9ted)t auf
Sidberbcitöleiftung gegenüber bem (5[)cmQnnc megfaHcn (Dcrgt. bie ä)lotiuc ju
§§ 1292, 1295 oben ©. 185 ff., 197 ff.), ebenfo bie Sefd&ränfungen bcr grauen,
inöbefonberc auti^ ber ©befraucn, in bcr Ucbcrnol^mc frember SScrbinblicbtcitcn
(ücrgl. oben S. 115 ff.). Stufeerbcm ift burd& bcn § 1282 bcö ©ntmurfeß in 93er*
binbung mit bcn Seftimmungen bcr ftont. D. § 24 3lx. 2, § 25 9ir. 2, § 37 iinb
bcö 9?. ©ef. t). 21. 3nli 1879, betr. bie 9lnfed&tung von 9ted&tßl^anblungcn eine«
Sd^ulbnerö anfecrl^alb bcö Äonhiröt)erfal)renö, § 3 9lr. 2, 4 bcn (Släubigern
bcö ©fiemanneö gegen bie il^nen axi^ bcr t^atfä^Iid^en SSermifd^ung bcö SBer*
mögenö ber (Sr^egatten unb auö ber iJcid&tigfeit betrügerifc^er' ©efd^äfte ber
festeren bro[;enben ©cfal^ren in weitem Umfange Sd^ug gemährt. Surd^
biefe 3lrt bcr ©cftaltung bcö 35crbftltniffcö ber ©laubiger bcö ©bcmanncö
gegenüber bcr ®^cfrau mirb bcn bercdf)tigten 3ntercffcn ber ©laubiger in auö*
reid&enbem 3)laJ3e Sicdinnng getragen unb bem Slcd^töbemufetfein beö aSoItcö
im Girofeen unb ©anjen beffer genügt, alö b\xx6) eine aufÄoften ber Gbefrau
erfolgenbe 93euorjugung ber ©laubiger bcö ®f|emanneö.
2^cr Stanbpunft beö ©ntmurfcö, bafe bie G^efrau für bie Sd(|ulben beö
Gfiemanncö nid^t mit ber Subftanj bcö G^egutcö Ijaften foll, ftc^t auc^
mit bcr bcn fonftigen 93cftimmungen beö el[)end&cn ©üterred&tcö ju ©runbe
Uegenben S^enbens im Ginflange, ber Gbefrau bie Grl^altung ber ©ubftauj bcö
G^eguteö tbunli^ft 5U fidjern. 9luf biefem Seftreben beruljen namentUd^ bie
Seftimmungen ber §§ 1033—1036 ücrb. mit § 1292 über bie e^elidbe Slufe*
niefeung an ücrsinölic^en gorbcnmgen unb 3n{)aberpapiercn (»ergt. äWotioe 511
§ 1292 S. 189 ff.), bie Sruöfd^lie&ung ber Srnrocnbbarfcit ber aSorfd^riftcn über
bcn Stiefebraud^ an t)erbraud)barcn Sad^en auf bie el^elidde Shifenicfeung an oer*
brau^baren Gl)egutöfad&en (ücrgl. § 1294 nebft Ü)lotiPen ©. 194 ff.), bie SWid^t*
anerfennung beö SRed^teö beö Gbemanncö, traft feineö 93erroaltungörcd|>tcö über
bie bcmeglid^cn Gl;egutöfad^cn oI)nc Ginroilligung bcr Gficfrau ju verfügen (t>ergL
§§ 1318, 1319 nebft Sllotiücn), foroic baö dk^i ber Gljcfrau, bie if)r flcgen
bcn G[)emann roegen SScrlc^ung bcr tlim fraft ber ebclid^en Slufeniefeung ober
fraft bcr cljclid^en SNcriüaltung obüegcnben SUerbinblicbfeiten juftel^cnbcn Sin*
fprüd^c fd^on t)or Seenbigung ber efielid^cn Jhifenicfeung unb SBcrrooltung
gcltcnb ju mad^cn (§ 1004 uerb. mit § 1292, § 1324 Stbf. 2; aJiotioe ju
§ 1292 S. 184). SBcnnglcicb bic Slncrfcnnung ber Haftung bcr GH^au für
bic Sddulben bcö G()emanncö mit bcr Subftanj beö Gfjeguteö mit ben on*
5Ru6nic§unö fc. SBeöut. Serau6ern<6feit. S^ulben^aftuno. §§ 1298, 1299. 211
flcfü^rlm Scfrimmunöen infofern, olö biefctbcn ber Gficfvou junödjft gegcn^
Tiber bcm Gbcmonnc gd^uft ju gewähren bejroerfcn, nid^t unbcbingt unücreinbar
fein mürbe, fo ^ötte bod^ bei 3lnerfcnnung jener .^aftung ber G^emann cö
in ber §anb, inbireft bcn S^^ l^^^^ Sicftimmungen aud& in ber bejcid&neten
Stiftung u5Qig ju vereiteln.
2. 3n ber Softrin beö gemeinen beutfd^en SRed^teö ift eö beftritten, ob »erauieriic^*
unb inwieweit bie ©runbfofee beö gemeinen SWed&teö, nadf) n)eld)en ber Sliefe^ «p/änlbarteit
hxan^ ber Stuöübung nad^ auf einen 9lnbcren mit binglid)er SBirfung übcr^^ «eitenb««
tragen unb beft^otb axiij üerpfänbet unb t)on btn ©laubigem bes (g^emanncö ^^^
im SBege ber 3wangöT)oUftredEung gepfänbet werben fann, aud& auf bie ef;e:=
lic^c Jlufiniefeung anjuroenben feien. SSon ber einen Seite loirb biefe 2rnn)eub*
borfeit unbebingt bejabt, von anberer Seite wirb bagegen be{)auptet, bafe bie
tff^liift SBuftniefeung il^rem Orunbe unb S^edfc nad^ ein f)öd^ft perfönlidjeö
SMt fei unb bedljalb einen Oegenftanb ber ä^^Q^flöPoIIftredfung für bie
Gläubiger beö ©b^manneö nic^t bilben fönne. Db bie Sßert^eibiger biefer
9uffaffung auc^ bie Uebertrogung ber burd^ bie el^elid^e 9hi|niegung bc-
flrünbcten Siedete auf einen 3lnberen ber 3luöübung nad) mit bingnd)er Sßirfung
«fe unjuläffig eradjtcn, ift aus ben betreffenben ßrörterungen, votli)t fid) regel-
mäßig nur auf bie Unjulöffigfeit ber 3w)<^J^9öoolIftrecfung befd^rönfen, mit
€id)a^cit nid^t 5Ü erfe^en. ©ine britte, jroifdjen ben beiben voriger enoö^ntcn
^fw^ten in ber aWittc ftel)enbc Sluffaffung menbet jioar im 3lllgemeinen bie
%unbfo|e über bie Uebertragbarfeit beö 9lieprau($eö and) auf bie ebelid)c
3JuJnic6ung an, fte^t aber bie SBerpftid&tung beö G^emanneö jur S3eftreitung
ber ibm in golge ber e^elid^en 9iu|nie§ung oblicgenben Saften foroic ber
ebeli^en Saften, inebefonberc beö ftanbeömäfeigen Unterf^altcö für bie GIjc?
frau unb bie ftinber, alö in foId()er Sfrt mit bem JRedjte beö G^emanneö
Dcrbunben an, ba§ bie 3wangöt)oUftredCung in baö lefetere nur inforocit 5U^
fldajfen wirb, alö baburc^ ber ©rfüHung jener S8erpflid)tungen fein Gintrag
flcfc^ie^t.
3[uf bem 33oben biefer lefeteren Sluffaffung ftefjt im 8Befentnd{)en baö
preufe. 3f. S. dt. Sieben bem aUgemeinen 5|Jrinjipe, ba| in Slnfe^ung beö ein-
flcbrod^ten SJermogenö ber Gfiemann bie 9led)te unb 5ßf[id^ten beö Sliefebraudjerö,
mithin, wie ber leßtere, anä) baö 9?ed)t l^at, bie einjelnen 9iu6ungöred)te ber •
3fu6ubung nad) ju übertrogen (II, 1 § 233 uerb. mit I, 21 § 110), entFjält
baö a, 2. 9t. bie befonbere 33eftimmung, bafe bie ©laubiger beö Gf;emanneö fid)
an ben bem Unteren an bem eingebrad&ten SBermogen ber G^efrau äufteljenben
^iefebrau^ galten tonnen, bie @[)efrau aber, wenn ber Gfjcmann bie ibm nad^
II, 1 § 256 obliegenbe a3erpflid)tung jur ©ewälinmg beö ftanbeömöfeigcn
Utüer^lteö an bie G^efrau unb bie ftinber ju erfüllen n\ä)t me^r oermögenb
ift, ibr 6ingebrad^teö j\urüdforbern unb allenfallö auf bie ©röffnung beö Slom
furfeö über baö SBcrmogen beö G^emanneö antragen fann (II, 1 §§ 257, 258).
3n ber ^rariö b^ben biefe Seftimmungen in SBerbinbung mit bcm § 93 ber
»rcu|. ftonf. D. v. 8. SWai 1855 iu mand^eu 3weifeln unb Streitigfeiten SlntoB
flegeben. 2)ie in ber 5ßrariö Dor^errfd^enbe 3Iuffaffung gel^t babin, bafe,
»enn bie ©laubiger beö G^emanneö bie 3roangöuollftre(fung in bie bcm Gbe-
«lonne jnftel^enben Slu^ungöred^te an bem Gingebrad^ten ber Gf)efrau erwirft
14*
21 2 SRu^mcBunö b. SJ^cöut. SScraufecrli^f cit. ©d&uIbcnl&aftiinG. §§ 1^298, 1299.
fiabcn, bic lefeterc oud^ i()ncn gegenüber beii Slad^rociö beö Unoermogenö bc0
ß^emanncö jur ©rfiillung feiner Untcrl^aUungspfl:id)t ju erbringen l^at, ba&
ober bei gefifteHung biejcr ^^^agc anä) bie ©infünftc beö ©Ingebrod&ten mit in
SWed^nung ju äie{)cn fmb unb bic G^cfrau bal^er, fofern boß SBcrmögen bcö
e^emanncö, einfc^üefeUci^ jener ©infünfte, jur ®rfüHung feiner Unterljaltöpflic^t
ttiiöreid)enb ift, nid^t boä Singcbrad^te felbft iurüdfforbern unb bie gänilid&e
SKuf^ebung ber 5ßfänbung bcanfprud&en, fonbcrn nur t)crlangen fann, ba% i^r,
foroeit nBtf|ig, ttuö ben ©infünften beö eingebrachten ber für i^ren unb ber
Äinbcr Unterfjatt crforberfi^e 93etrag gewährt wirb, loofirenb ber banad^ Dcr^^
bicibenbe SReft von ben ©laubigem beft (S^emanncö jum Qxücde i^rer 93o
fricbigung in Slnfprud^ genommen werben fann (oergl. Gntfd^. b. SR. D. ^. ®.
XVI, 90; entfd^. b. SR. ®. bei ®rud&ot XXIV S. 1023, XXV S. 891,
XXX S. 969 ff. ; ©ntfd^. b. SR. ®, in ßiüilf. I, 55). 9luf bic eingebrachten
üJlobilicn ber (Stjefrau finbet iibrigenö nad^ bem § 3 beä preufe. ®ef. t). 7. Slpril
1838 baö SRed^t ber ®Iäubiger beö (Seemannes, fi^ an ben bem Ie|tcrcn in
9tnfel)ung beö 6ingebrad)ten iuftel^enben SRiefebrauc^ ju l^alten, überall feine
Slnroenbuug. ®ic üorftel^enben Seftimmungen gelten aud& im gallc beö Äon^s
furfeö über ba^ SSermögen beö ©f|emanne§. Soweit banaä) bie ®f|efraii
megcn Unücrmögenö beö -e^emanncö jur ©rfüllung feiner Unterf|altöpp[id)t
baö ßjngebrad^tc jurüdjuf orbern bered^tigt ift, fällt bic SSenuattung unb
Jlu^ung beö auö bem Äonfurfe geretteten ©ingebrad&ten an bie (S^efrau jurudE;
bod) mufe fic auö ben ®infünften bcöfelben bem ©bemanne unb ben Äinbern
ben nBtf)igen Unterhalt gemäfjren (91. S. SR. II, 1 §§ 261, 262; ©ntfd^. b.
dl D. §. ®. XVI, 90).
2lud) baö fäd&f. ®. 33. I[)at bie gragc, ob bie für ben 9Ue6braud^ geltcnbe
9}orfd)rift, ba^ berfelbe ber 3luöübung nad^ auf einen Slnbcren lUcrtragen werben
fann (§ 600), in ®emä6l^eit beö allgemeinen ^ßriujipeö ber §§ 660, 1655 aiiä)
auf ben ef)emännlid&en 9Uefebraud& Änmenbung finbet, uid^t fpcjiell entfd&iebcn.
3n 2lnfel)ung beö 5ßfänbungörec^teö ber ®läubiger beö 6f|cmanneö enthalt aber
ber § 1683 beö fäc^f. ®. 93. bic befonbere 93eftimmung, baß bie ®läubiger
beö ©^emanneö bic grüc^tc beö bem SRiefebrauc^e beö legteren untermorfencn aSer-
mögenö ber ß^efrau nur infomeit in 9lnfprud& nehmen fönnen, alö nid^t bie
Äoftcn ber Griialtung beö ®egenftanbeö beö SRiefebraud^eö unb ber Unterhalt bc»
©fiemanneö unb ber gamilienglicber, in beren Untcrfjalt ber ©bemann gefe|li(§
ücrpflidötct ift, baoon iu beftrciten finb. 2)ic gaffung biefer S3eftimmung fd^cint
barauf f)injubeuten, bafe nur bie bem ©fiemanne auf ®runb fcineö S)Ue6braud^c&
crmorbenen grüd^te, nid)t baö SRiefebraud^öred^t felbft, ber Sluöübung nad^ ben
®egenftanb ber 3rocingöüollftredfung foll bilben fönnen. 3m gaUe beö Äonfurfeft
fann bie ©f)efrau if)r ®ingebrad)teö auö ber Ronfurömaffc jurücfforbem; boc^
befte^t baö SRed^t beö ©^emanneö an bemfetben fort (§ 1685).
Unbebingt auögefd^loffen wirb bie Si^onflö^oUftredung in bm el)emänn^
Itd^en 9Ue6braud& burd^ baö olbenb. ®ef. t). 24. 3lpril 1873 3Irt. 10. 3n
bem Äonfurfe über baö SBermögen* beö ©^cmanneö forbert nad^ 3lrt. 15 bie
Gf)cfrau il^r ©ingebrad^teö fclbftänbig jurücf, bod^ werben burd^ ben Äonfurft
alö fold^en bie SRed^tc beö ©fjcmanneö an bem ©ingebrad&ten nic^t berührt.
S)icfe lefctcre 93eftimmung ift inbcffen mit SRücfftdjt auf ben § 1 3tbf. 2 ber
9}u^me6unöb.e]6eöut. SSeraugcrlici^fcit. ©^ulbeit^aftung. §§ 1298, 1299. 213
beulfc^en Äonf. D. burd^ bcn § 52 beö olbenb. Ginf. ©ef, ju bcn beutfd)cn
Suftijflcfcßcn D. 10. 3lpril 1879 ba^in mobifiiirt, bog bcr eljemännlid^c Slicfe-
brou^ mit bcr ©voffnung bcö Äouturfeö über boö SJermögcn bcö ßljcmanucö
duf^oren foH (tjcrgl. aud) 2lrt. 35 beö olbenb. ®ef. für bci& §ürftcntl)uin ÖübedE
D. 2. aprit 1879).
9la^ franj. Siedete ift bie ^nrage, ob bie SKuöübuiig beö bcm G[)cmanne
bcjro. bcr ©cmeiufci^aft an bem ©onbcrgutc bcr ©f)cfran 5uftef)cnben SRu^ungö^
rechtes unter bie Sieget beö Slrt. 1166 beö code civil fäHt nnb bcöljalb üon
ben ©laubigem bcö Gfiemonncö nid^t in Slnfprud) genommen werben fann
unb in roclcftent 93crf)o[tniffe baju boö ben ©laubigem in 9InfeI)ung bcr grüc^te
unjmeifclfiaft 5ulommenbc SRed&t ftel^t, beftritten.
2)ie bcutfd^e ftonf. D. § 1 Srbf. 2 get)t baüon a\\&, baß ber gefe^tid&c
^liefebraud) beö Gf|emanneö an bem aSermögen ber Gfiefrau nid&t alö ein bcr
äußübung nad& an bie ?ßcrfon beö @I)emanneö gebunbcneö SRedjt }u bctrad^tcn
fei, unb folgert baranö, bafe er ber S^^^^wß^^oHftrerfnng unterHcgc nnb bem^
gemoB, fo lange er mafjrenb beö Sonfurfeö beftef)e, aud) jur Sonfurömaffc
gebore (oergl. Sßotioc jur Äonf. D. ©. 22 ; ^rot. ber 9leid^ötagöfommiffion
t>. 11. 3iooembcr 1875). 2)aneben mirb aber anerfannt, bafi auö bem ©rtragc
beö Jliefebrau^cö junäd^ft ber angemeffene Unterl)alt beö ©emeinfd^ulbncrö
JU bcftrciten unb bie i{)m gefcftlid) obliegenbc SSerpflidjtung jum Unterhalte
feiner G^efrau unb feiner Slinber ju erfüllen fei. 5Durd{) bie Seftimmung beö
§ 1 3lbf. 2 ber Äonl. D. ^at übrigenö, mie bie 33eratf)ungcn unb bie 3)lotiüe
ber ftonf. C ergeben, über bie grage, ob bcr e^emännlic^c Siießbraud^ n)äl)renb
beö Äonfurfcö fortbauere ober burd^ ben lefttcren aufgef)obcn merbc, niddt ent==
fd^ieben merben follen, ba biefe grage bem bürgerfid^en 9led}tc angcljörc.
Gö läfet fid^ nid)t pcrfennen, ba^ erl)eblid)c ©rünbc bafür geltenb gemadjt ^»«j^««**
loerbcn fonnen, in Sonfequenj beö im § 1292 aufgeftellten ^rinjipeö imb im Gntwurfe«.
^nf^luffe an baö in ben meiften Sied^tögcbicten geltcnbc Siedet bie SSorfd^riften
beö § 1011, ba% bcr 9lic6brau($ oeräufeert unb belaftet merben fann, awd) auf
bie burdö bie eljelid&c Siu^niefeung an ben einjelncn ©l)eguiögegenftänbcn bc^
grönbetcn 9lu6ungöred)te anjuroenben unb bemgemclfe aud) baö ^fänbungöred)t
bcr ©laubiger beö ©bcmanneö an juerf ennen , baö lefeterc iebod^ nur unter
ö^nlii^en 93efd)ränfungen, mie bicienigen, meldte im § 1299 in Slnfc^ung ber
l^änbung ber auf ©runb ber c\)d\6)t\x Siu^nießung oon bem ©fiemannc er-
worbenen grüd&tc beftimmt finb, unb nad) bem SSorgange beö preufe. Sled^tcö
unter 9luöfd)lu6 bcr 5|Jfänbung ber burd^ bie el)elid^c Siufeniefeung an bcn
bewegli(!^en ©löegutöfad)en begrünbeten Siedete, forocit jene Sad^cn nid^t 3"-
be^Sr oon ©mnbftücfcn ober bcr ^fänbung unterlicgcnbcn SRcd)tcn finb. Sn-
bejfeit fmb bie für bcn im § 1298 5um Sluöbmdtc gelangten entgegengefe^tcn
Stanbpunft bcö Gntrourfcö fpred^enben ©rünbc alö überroiegenb ju crad)tcn.
Sie burd^ Wc ©ftc begrünbetr familienre^tlid^ ©cmalt beö 6l)emanneö, rocld)c
bcmfelben baö 9led()t gcmäl)rt, baö ©ficgut mie ein SliePraud^er ju nugen, ift
ibrcm ©nmbe mie ibrem S^edfc nad^ an bie 5ßcrfon beö G^cmanncö gcbunbcn.
3hir bcm ©b^mctnnc mill- bie G^cfrau nad^ bcm bcm cljcUd^en ©ütcrrcd^tc 5U
©ninbe licgcnbcn ©cbanfen bie 5Jufeung ibreö aScrmögcnö flbertaffen unb nur
ben 3n>cdfcn ber ©l)c' alö 33citrag jur 33cftrcitung bcr ctjclid^cn Saften foll
/
2 14 5Ru^nic§un3 b. S^eöut. Seraugcrlid^f cit. ©^ultcnßaftimö. §§ 1298, 1299.
bicfc Slutjnicfeung bicncn. 3^^ ^^^^ ©fjcmannc foU unb fami bic ©^cfrau ba^
35crtrQiicn l)abtw, bafe er fein dicäft nur in ber bem 3njecfe bcäfelbcn cnt*
fpredöcnbcn SBcife ousüben nnb bic uon i^nv übernommenen 58erpPic^tuiKjcn
üoBftänbiß crfüKcn merbe. 2)iefe in ber ^^crfon bcö ©^emanneö ticgcnbe
©arontic fällt weg, lücnn bie Jhifcungörcd^tc bcö Gljemanncö ocräußcrt merbcit
fönnen wnb inöbefonberc bie ^lugung beö ß^egutcö bem ©()emQnnc t)on feinca
©laubigem entjogen werben fann. 35aö (Sljegut bient bann nid)t mef)r bcni
SwJcdFe, für roeldjen eö beftimmt ift, fonbern einem biefer Seftimmung frcmbca
3it>ccfe. ©benfo fällt febe (Semäfir weg, ba6 bic 9lrt ber S^ugung nid)t im
; cinfeitigen Sntercffc bcö ©ficmannes bejn). ber dritten, fonbern im Sntcrcffc
I beä gcmeinfd&aftlic^en Sebenö erfolge. ®em (Sljemaimc fann jroar bic Sefugniß^
' Seftanbtl^cite bcö ©l^cgutcö burd^ 3Scrmietf)ung ober SBcrpad^tung ju nu^cn^
nid;t ücrfagt werben; oUein cinerfcitd liegt, menn bic barauf gcrid^tctcn Ver-
fügungen t)om Sficmannc felbft auögcl^en, eben barin bie erforbertid^c ©arantic^
bafe biefe 9lrt ber 9iu§ung bem Sntcreffe ber Gt)c entfprid^t, anbcra-fcitö ift
bicfc 2lrt ber 9?u|;ung eine normale, roäl^renb eine 9hi|uug bcö G^cgutc*
burd) SScräufecning ber 9lugungörcd^tc oon Seiten bcö ©f)cmanncö eine burc^aui^
ungett)o]^nli(^c ift, burd^ meld&c, namcnttid^ im §inblidEc auf bic SSorfc^riftcn bc&
§ 1013, baö natürlid^c SBcrl^ättnife üollftänbig nerfd^oben merbcn mürbe, ganj
abgefef)cn t)on ben SBcrroidfelungcn unb Sd^micrigfeiten, meld)c barauö in 9(n-
fcljung ber Haftung für bic mit ber clöclid&en ^lufcnicfeung nad^ § 1297 im
©anjen ücrbunbcnen Saften cntftcl^cn fönnen, mcnn bic burd^ bic cljcUd^e
Slugniefeung begrünbeten Siedete nur an einem JCtjeilc ber ju bem (S^egutc gc-
Ijorcnben ©cgenftänbe ober an ucrfd^icbcnc britte ^ßcrfoncn übertragen mcrbciu
35ie Seforgnife, ba^ eö alö eine JBcrlcfeung bcö 5ted&tögefü^lcö cmpfunbcit
werben fSnntc, mcnn }mar bic auf (Srunb ber cl)clid;cn Jlugnicfeung oon bem
©f|cmanne ermorbenen grüd)te, nid^t aber bic burd) bic cl)elid^e Stufeniclunj
begrünbeten Siedete an ben 5um ®f)egute gcl^örcnbcn ©egenftönben ber ^fäm'
bung üon Seiten ber ©laubiger bcö ß^emanneö nad) aKa§gabc bcö § 129^
unterliegen, ben Icfttcren mitl^in bic 3Köglid^fcit ücrfagt wirb, ben Ueberfd^ug,.
meld^er nad^ 9lb5ug bcö ^ur Scftrcitung ber Scbürfniffe beö e^clidljeii
Sebenö unb ber fonft mit ber ctjclid^en 9lu6nie§ung ücrbunbencn 35erpfli($tungcn
crforbcrlid^cn 2^f|citcö ber Slugungcn t)crblcibt, fidf) im SBcgc ber ^fänbung ber
9hifeungörcd^tc ju fidlem, fann nid^t getljcilt werben. 2)a§ unübertragbare
ui\b ber ^fänbung nid^t untcrliegenbc Sledjtc bic Quelle beö ©nücrbcö über*
; tragbarer unb ber ^fänbung unterlicgenber 83ennögenöredf)tc bilbcn, fommt im
j'Jicd^tc t)iclfadj oor, o^nc bafe barin ein baö 'Jled^tögcfü^t pcrlcfcenber SBiber*
■fprud) gcfunbcn wirb. ®d}u fommt, bafe bic burd^ bic e^elid)e ^lufenicfeimg.
begrünbeten Siedete bcö ®ljemanneö immer nur eine fel^r unfid^cre unb roirtl^*
fd^aftlid) faum ju billigcnbc Ärcbitbafiö bilbcn würben. 3cne SRcd&tc unb mit
if)ncn baö burd^ ^fänbung begrünbctc 3?ec^t ber ©täubiger bcö (S^cmannc^
fallen nidjt allein weg, wenn bic el^elid^c Jlufcnicfeung unb Skrwaltuug aus.
einem ber in ben §§ 1327, 1328 bescidjnctcn ©rünbc becnbigt wirb, fonbern
nad) bem § 1293 and) bann, wenn unb foweit ein jum ©Ijegutc gel|örcnber
©cgcnftanb auö bem ßljcgutc auöfd)cibct. 2)icö ift inöbcfonbcrc ber gall,.
wenn bie ©t)efrau btn gepfänbetcn @f)egutögcgcnftaub mit ©inwilligung be&
SRu^nieBuiiG beö (Sl&cöute^. ^Mänbung bcr grüdfete. § 1299. 215
ß^aniicö ocräufecrt. S^icfeö ©inroilligungörcd^t bcö ©fjcmauncö in gotflc bcr
^fänbung 511 uiUcrbinbcn unb feiner pcrfonlid^en 9latur äunjibcr bcr SJluöübnng
mi^ Quf bic (Släubiger bcö ®£)emannes übergefjcn ju laffen, fönntc baö
Sittcreffe ber ©^efrau auf baö Sd^rocrfte gefoljrbcn. 3luf ber anbcren Seite
würben bie ©laubiger beö ©^emonncö boburd^ gegen bie if)nen aus bem § 1293
bro^enben (Scfa^ren auä) nid^t t)oIIftänbig gefd^ügt, ba nadf) §§ 1293, 1311
bafi burc^ eine ^ißfänbung t)on Seiten ber 6f)egutögläubiger begrünbete 3icd)t
bcr {cjtercn bem SRcd^tc bcr (Slöubigcr beö S^emanneö üorgeI)en würbe, ber
6^Qnn aber es in feiner §anb ^at, febc SOerbinblid^feit ber ©fjcfrau burd)
feine CinroiUigung ju einer ©fiegutöücrbinblid^fcit ju niad)en (§§ 1301, 1311,
1312 3lx. 1). »ei biefer Unrtd)erf)eit ber Ärebitbariä entfprid^t eö felbft bem
Sntcrcffe ber ©laubiger beö ®[}cmanneö mc{}r, bie l^ier fraglid^en 3ied)tc für
unpfänbbar ju erflären, a(ö burd^ bie 3^iläffigfeit ber ^^fänbung ben Sdjein
einer ftrebitbafxö ^crDorjurufcn, roetd^c jene SHcd^te in SBirttid^feit ju gcu)äl)ren
nid^t im Starü)^ finb.
Xafe bic im § 1298 bcäcidönetcn Sicd&tc aud) nid^t belaftet werben tonnen,
braucht im ^inblicfe auf bic §§ 1022, 1207 nid^t befonberö I)eroorgeI)obcn ju
ioeri)en. 2)agcgcn mu6 mit SRüdEfi^t barauf, bafe bcr (S()emann nid^t gc^^
^inbcrt ift, bie 9luöübung bcr ^ier fraglid^cn Siedete einem SInberen, inö*
bcfonbcrc burd^ SScrmict^ung unb SScrpa^tung, ju übcrlaffen, angcfid^tö
ber «orfd^rift bcö § 312 bie Unjuläffigtcit ^ber ^^Jfänbung auöbrüdli^
bcftimmt mcrbcn.
Xk ©rünbc, weld&e beftimmenb geroefen fmb, bic ^:ßfänbung bcr butc^ *|S^""VT
bie e^elic^e 3iiitnie§ung begrünbeten Siedete gänjticö auöäufd^Iiefecn, treffen ine^ciic^cnDiuu-
Snfe^ung bcr auf (Snmb ber e^clid^cn ^iufeniefeung t)on bem ®f)emanne er* "icftuna.
toorbenen grüd^te uic^t 5U. ®ö fann fogar jmcifclfiaft fein, ob eine 93e?
f(|ranfung ber ^[änbuna. iencr .grüd|tc gerechtfertigt ift. S)ic ©efeße, wcld^e
flcioijfc gorberungen jum S^^cil auö äfinlid^en ©rünben für unübertragbar
irnb unpfänbbar crKaren, mie biejcnigcn, meldte für bie Unübertragbarfeit
unb Unpffinbbarfeit bcr burdj bic c^clic^c ^Ru^niefeung begrünbeten 3lcd&te
Odtcnb gcmoddt fmb, begnügen fid^ regelmäßig l^iermit unb bcfd)ränfen bic
^fonbung ni^t aud) in Setreff beö auf ©runb einer fold^en gorberung pou
bem ©laubiger cnüorbencn ©egenftanbeö (ncrgl. §§ 296, 724 3lbf. 3, § 727
bcö ßntrourfcö; § 749 ber 6. % O. in Säerbinbung mit ben in ben a}lotiüen 5U
§ 1285 oben S. 167 3lnm. angeführten ©cfcftcn). 3Jur in 2lnfel)ung bcr
Cffijierc, Seamten u. f. ip. enthält § 715 9lr. 7 bcr 6. % D. infofern eine
bem aufifc^lujfe ber ^^Jfänbung beö änfprud^eö auf ba§t Sienfteinfommcn (§ 749
3h:. 6, 8 ber 6. ^. C.) fid^ anfd)Iie§enbc Seftimmung, alö banad) aud) ein
bem bctrcffenben 2)icnficin!ommcn cntfprcdicnber ©elbbctrag bcr ^^Jfänbung
ttui^t untcrroorfcn ift. Gö ift inbeffen 5U berüdffid^tigen , bafe bie beseid^netcn
Jötberungcn rcgctmäfeig nur auf öeiftung Don ©elb gel)en unb bafe cö bem
flercd^tigtcn eincrfeitö regelmäßig ot)nc Sd^micrigfcit möglid^ fein wirb, baö
i^m bcja^ttc ©elb, aud^ rocnn baöfelbe gefcglidf) ber ^ßfänbung nic^t cntjogen
ijl, bodSi t^atfäd^li^ bcrfelben ju cntsicfjcn unb für bieienigen 3^^*^ 5^^ ^^^'^
wnbcn, um bcrcn willen bie i^fänbung ber ö-orberung auögcfd^lovfen ift, baß
über onbcrcrfeitö bie Unterfd^eibung beö auf ©runb bcr üon ber '^Jfänbung bc^
216
9lu^ttie§unö be§ (SBcöuteS. ^fanbung bcr grüite. § 1299.
freiten gorbcrung gejaljften (Scibcö von anberem ©efbc na6) ber Sktiir bcd
©elbeö mit arofecn Sc^roierigfeitcii ücrbunbcn unb IjSufig ganj unburc^fü^rbar
ilX rocö^afb bcnn aud^ in bcn gällen bcö § 715 91r. 7, in tDcld^cn aus Siürf*
fi(^t ouf baö öffenilid)c 3ntercf|e ein befonberer ®d)Ug erforbcrlid^ crfd^icn^
t)on bem Slodjroeife ber 3bentität beö Dor^anbencn Oelbeö mit bem auf (Srunb
beö (Scljaltöanfpnid^eß gesatiUen ®elbe gänjlid) abge|c{|en ift. Sei ber el)eHd^eii
9hi6nie6ung l^anbclt eö fid) aber ni^t bloß um ©clbforberungen, fonbern ju^
nädjft um bie natürlid&en grüd^te beö ß^eguteö, inöbefonbere um bie grüd^tc
bcr ßfjegrunbftücfe. ®ic 5ßfänbung biefer grüd^tc üou Seiten ber Otäubigcr
bcö ß^cmanncö unterliegt t^atfäd^ti^ feinen Sdjroicrigfeiten. ©er (Seemann
\i toürbc bafier, wenn biefelbe unbef darauf t juläffig wäre, baburd^ aufeer Staub
gefegt merben fonnen, fie bem 3 werfe bcr cl^elid^en Slufenicfeung entfprcc^eixb
jur 93eftreitung ber eJ^eli^en Saften ju Dcrmenben. 3luf bicfen ©rroäguugcn
, in Sßcrbinbung mit bcr Siüdfidjt auf baö Sntcreffe bcr ®^efrau, ba§ bie
' grüd^te ber cfjclid^cn SJujjniefeung il)rem 3"^^^^ erfialtcn merben unb bcr fHM^
fid^t auf baö geltenbe 5led)t, beruht im ^ßrinsipc bie im § 1299 9tbf. 1 bc^^
i ftimmtc Sefd&räntung ber ^ßfänbung bcr l^ier fraglid^en grüd^te üon Seiten
. bcr ©laubiger bcö G(;emanncö. ©in ä^n(id)cr ©cbanfe liegt bem § 749 9lr. 3
bcr e. % D. ju ©runbc.
3m ®injclncn geben bie Seftimmungcn beö § 1299 nod^ ju folgcnben
Scmcrfungcn Slnlag:
«ef^rfinfung a) 2)cr ^xütd bcr I)icr fragli^cn Söcftimmung ift, bem ß^cmannc bie
***' ^^^*"^""^' SScrrocnbung ber auf ©runb bcr el;clid^cn 9lufenic6ung von if)m crmorbcncn
grüd&te änr ®rfüKung bcr mit ber e^elid&cn SRufenicfeung ücrbunbenen SJer^
pp[id)tungcn unb jur 33eftreitung ber el)elicöen Saften gegcniiber feinen ©lau*
bigern infomeit }u ftdbern, alö bie einfünftc bcö ©^emanncö jur Scftrcitung
jener Stuögaben nid^t genügen mürben, xotnn bie grüd&tc bcr c^elid^en 9lu|s
nicfeung bem ©bemanne cntjogen roerbcn (ucrgl. § 1299 3lbf. 1, 3). 3)ie mit
bcr codieren Sßugnicgung Dcrbunbcncn SBerpflidötungcn beö 6[)emanneö ergeben
ft^ auö § 1297. S)agegcn ift ber S3egriff ber c^elid^en Saften in bem ©nt*
murfc nid&t allgemein aufgefteUt (ücrgl. SOiotiüc ju § 1283 oben S. 103) unb
mufe ba[)cr baöjenigc, maö barunter fällt, fowcit eö bei bcr tjier fraglid^en
Scftimmung in S3etrad^t fommt, fpejieU angegeben roerbcn. 6ö geboren ba^in
icbcnfallö bie UntcrljaltöPcrpfKc^tungen, roeld&e bem ©bemanne gegenüber feiner
©öcfrau unb ben gemeinfd^aftlidden ftinbcrn gefeftlid) obliegen, foroic bcr
ftanbcömäfeigc (ocrgl. § 1488 W)l 2) Untcrbalt bcö e^cmanneö fclbft. SJa^
gegen gct)ören an fid^ nid^t bafjin bicienigen Untert)altöt)erpPid^tungen, me(d^e
bem ®l}emanne gegenüber ben einfeitigen 2lb!ömmlingcn unb anberen SSer-
roanbten bcöfelben gefcglid& obliegen, ba bcr ©bemann jur ©rfüUung biefer
SJcrpflic^tungcn gegenüber bcr ©l)cfrau nid^t ücrpftid^tct ift, bie Scrücffic^tigung
biefer S5erpp[id()timgen bei Scfd^rönfung bcr ^^fänbung mitfiin unmittelbar nur
jenen SBcrroanbten ju ©ute tommt unb i^ncn gegenüber anberen ©laubigem
bcö ©liemanneö ein SJorjugöred^t geroäbrt, auf roclc^eö fic einen begrünbeten
ilnfprud^ nic^t l)abcn. 9)littelbar l)at inbejfcn aud^ bie ©fiefrau ein Sntercjfe
baran, baf] rocnigftcnö ber für ben Untcrl)alt bej^ minbcriäftrigcn einfeitigen
Äinbcr bcö Gl)cmanncö crforbcrlic^c 93ctrag von bcr ^^Jfänbung frei bleibt
3hifemc§unö be§ ß^eguteS. 9)fanbun0 ber grüßte. § 1299. 217
©cgcnübcr biefcn ftinbeni ift bcr ©Oemnun naä) § 1482 9lbf. 2 bcn Unterfjalt
inforocit ju gcn}ät)rcn t)crpflid}tct, afe er bcn legieren bei SSerädtfid^tiguufl
feiner anberrociten SSerpflid^tunflen für fid) imb bie Äinba jiifommen ju be-
ftreUen im ©tonbc ift, unb mö) % 1483 Sfbf. 2 ftet)t ber Unterfialtdanfpruci^
biefer Äinbcr bem Uutcrl^altöanfpruc^e bcr ©^efrau unb ber flemcinfd^aftlid{)en
minberja^riflett Äinbcr gtcid). SBenn bal^er bie grüd)tc ber cficlid^cn SJufe-
nießung nur infoweit t)on bcr ^^Sfänbung frei bleiben, als für ben Unterhalt
bcö ß^emonncfi, feiner g^efrau unb ber gemeinfd^aftlid^en Srbfömmüngc
erforbcrli(i^ ift, fo würbe ber (Seemann bie i^m baburd^ }u Oebotc geftelltcn
SKittel bod^ nid^t außfd^Iiefelid^ für biefen S^edE pcrmenben fönncn, fonbcrn
awi) für ben Untcrl^alt bcr einfeitigen winberjafirigen Äinbcr mit Pcrmcnbcn
muffen. Slnbercn aScrroanbtcn gegenüber ift allcrbingß ber 6t|cmann rcd^tfid^
nur infomcit jur ©emä^nmg bcö Unterl^olteö ücrpflid^tet, ate er bei Serücf-
fid^tiflung feiner nnbcrroeitcn 33erpf(id&tungcn im Staube ift, ben UnterI)oIt
o^nc ^ceintröd^tigung feincd eigenen ftanbedmägigen Unter{)Q(tcö }u gen)ä()ren
{§ 1482 3lbf. 1), unb gebt ber Untcr{|altöanfprud^ bcv ß^efrau unb ber
minberiä^rigen ftinber bcm Untert)altöanfprud)c iener aSermanbten Dor (§ 1483
3Ibf. 2). 2:f|atfäd^Iicö mirb inbeffcn bcr ©bemann geneigt fein, lieber bcn
ftonbcömäfeigen Unter^olt für ftd^ unb ben t)on i{)m bcr 6I)efrau unb ben
gemeinfcboftfi^cn 3lbfömmlingen gcfcglid) ju gemäbrenben Unterl)alt cin^
jufd^ränfen, ald feinen anbcren bcö Unterboltcö bebürftigen SBermonbtcn, inö*
befonbere feinen einfeitigen t)oniäl)rigen Äinbern f omie feinen ©nfcln unb ©Itcrn,
bell Unterhalt üoUftänbig 5u ücrfagcn. @ö mürben ba{|er aud^ in biefer SBc^
jie^ung bie @^efrau unb bie gemeinfd^afttic^en ^Ibfömmlinge mittelbar baruntcr
JU leiben ^abcn, menn nid^t bie für ben Unterhalt aller gegenüber bem Göe*
manne unteröaltöbered^tigtcn aScrmanbten bcö festeren erforbcriidjicn 99UttcI
iJon bcr ^ßfänbung frei blieben. 3luö biefen (Srünben cmpfie[)lt eö fid^, nad()
bem SBorgangc bcö fäd^f. ®. 35. § 1G83 (ücrgl. aud^, fooiel bie einfeitigen
fiinbcr beö e^cmanncö betrifft, § 1 äbf. 2 ber Äonf. D.), bie ^^Jfänbung
allgemein infomcit auöjufd^Iiefeen, alö ber ßl)emann ber grüd^ite bebarf, um
biejcnigen Unterbaltönerpflid&tungcn }u erfüllen, n)eld)c i^m feinen SBcrmanbtcn
gegenüber gefeftlid^ obliegen (§§ 1480 ff.). ®urd^ biefe Seftimmung mirb
jebo(^ ber Untcr^altöanfpnic^ ber SBermanbten, fomeit bei Scurt^eitung ber
Seiftungöfä^igfeit bcö @l)emanneö bie anbermeitcn SBerpfli^tungcn bcöfelben ju
beriicffu|)tigen [\nb (oergt. § 1482), gegenüber bem ©bemanne rcd)tlid) ni^t
erweitert, ba ber ß^emann gegenüber jenen SBermanbtcn von bem Siedete bcö
§ 1299 Öebraudö ju mad^en nid[)t oerpflic^tet ift (oergl. SOiotiüc ju § 1328 Sir. 2).
9tuö ber Raffung bcö § 1299 ergiebt fid^ übrigenö mit genügenber
1)eutlid)feit, baß roegen fold^er 9luögaben, melcfie bei orbnungömäfeigcr SBirtb*
fc^Qft crft auö bcn in bcr S^Junft ju jicl^enben grüßten ju beftreiten fmb unb
nü(b bcn Umftfinben bcö galleö oorauöfidbttid^ a\i& biefen grüddten beftritten
werben fönnen, SBiberfpni^ gegen bie ^ßfcinbung nid&t erl^oben mcrbeu fann.
älnbercrfeitö ift cö mit 9lütffid)t auf bcn 3n)crf bcr aSorfd&riftcn beö § 121)9
«nb auö praftifdben 9iüctfid^ten alö bcbenfli^ cradjtet, bie ^cfd)rSntung bcr
^fönbung infomcit, alö cö fid) imi rücfftänbige Sciftungcn bcr l)ier fraglid^cn
ärt l^anbclt, unbebingt auöjufc^lic^cn.
I
218
Slu^nicgitno fccS Sfceßuteß. 5^fanbunö bei: grüd&tc. § 1299.
Segriff bec
ertoorbenen
9ic^t befi
Siber«
fpruc^e«
b) SBanii bic grüd^tc bcr cf)cü<j^en ?luguic§ung (ocrgl. §§ 792, 989,
1027) alä erroorben anäufcfien fmb unb bcsfjalb naä) ^Wafegabc bcä § 1299
9l6f. 1 bcr 5ßfönbung unterliegen, rid^tct [\ä) mä) bcn allgemeinen ©runb*
fäfeen (oergl. §§ 794, 899, 1026). Db unb iniuieroeit inöbcfonberc bic «atür*
li^eu grüd&te, beoor ftc oom ^Soben getrennt, beoor fie olfo nad^ § 899
©igent^um bcö (g^emonneö geworben finb, gepftinbet werben fönnen, ift nadf
§ 714 ber 6. 5ß. D. ju bcurt{)cilen. 3)ie bort beseid^ueten grüd&te finb, fooiel
bie Suläffiafeit ber 5ßfftnbung betrifft, bereits alö crroorbenc grüd^tc onjufcljcn.
9[ud) barüber ift eine befonbcrc gefegUd^e ©ntfd&eibung nid^t erforbcrlid), ob
unb inioieweit gorberungen, lueld^e nad^ § 1292 Derb, mit §§ 1027, 792
3lv. 2 ju bcn grüd^ten ber e^clid)en J^ugniefeung gepren, j. 93. bie auf Orunb
eines üon ber ©Ijcfrau oor SBeginn ber eljclid^cn Sßugniefeung unb SScrrooItung
gef^loffenen ^ad^t^ ober 3ßictfjoertrageö bem ©bemanne jufallenben '^ad)U ober
3)lietf)ge[ber, fd}on uor ber gälligfeit gepffinbet werben fönnen. 6ö l^ängt bieS
oon ber Sluölegung bcö § 1026 in 33erbinbung mit § 794 3ir. 2 ab. Soweit
iamd) bic betreffenben, ju bcn Siu^ungen gel^örenbcu SÄnfprüd^c fd^on oor bcr
gäUigfeit, wenn aud^ nur afe bebingte ober betagte, bem (S^emannc erworben
finb, !önncn biefelben nad^ § 743 ber ©. % D. (oergl. au^ § 733 baf.) qc^
pfönbet werben. §atte ber Seemann fclbft auf ®runb ber el^elid^en Siuß^
nicJ3ung ©[jegutögegcnftSnbc ocrmiet^ct ober ücrpad^tct, fo ift bic ^^fänbung
ber i()m auf ©runb bcö Üßictlj- ober ^ßad^toertrages suftcljcnbcn 3Äiet^^ ober
^45ad}tgclber aud^ fd&on Dor beren gältigfeit nad^ § 743 ber ß. % D. icbcnfaUö
als julöffig ju crad)ten.
c) S)a§ aufeer bem ©Ijcmannc nadf) § 1299 9lbf. 2 aud^ ber e^efrou
baö 9te^t juftcficn foH, gegen bie ^fänbung ber g-rüd^tc nad^ 3Bo&gabc bcö
§ 1299 9lbf. 1 SBiberfprucb ju ergeben, red&tfertigt ]xä) burd) bic (Srwfigung,
baß ein fotd[)eß SBibcrfprud^örcd^t ber g^efrau, wcnngleid^ baöfelbc wegen be«
bem ©(jemanne an bcn grüßten juftcl^cnben ®igent||umöred^teö einen pofitiüen
Äaratter an ficb trägt, bodt) bcr ^rariä beö geltcnbcn SWed^ted in großen
9led)tßgebieten cntfprid^t (ocrgf. för ba^ preufe. 91. S. SR. ®ntfd&. b. 31. ®. bei
(5)ruc^ot XXV S. 891; anbererfeitö § 1 9lbf. 2 bcr ftonf. D.) unb bag auf
biefe 2Bcife bic S^efrau gegenüber bem e^emanne felbftänbigcr geftcllt unb cö
ücrmieben wirb, ha^, wenn ber Icfiterc uon feinem 2Bibcrfprud&dred)tc feinen
©cbrau^ mad}t unb bic mit bcr cfielidticn ^tufetticfeung für i^n oerbunbencn
93crpflid)tungcn unb feine Untcr^altöpflid^t gegenüber bcr Gfiefrau unb bcn ^
gemeinfd^aftüdden 9lbfömmüngcn ucrtefet, bic ©ficfrau fofort jii^em äu^erftcn_
ütittcl greift, bie 9luff|ebung bcr c^c(id)en Jiufenicfeung unb aScrwattungnad^
aiJaTsgabc bes § 1328 3ir. 1, 2 ju ücrtangcn. aSon praftifd)cr Sicbeutung ift
ba^ fctbftänbigc SBibcrfprud^örc^t ber ®^efrau namentüd) in fold&en gäUcn,
in wcld)cn, wenn nid^t bcr ^wcdE bcr Scftimmung bcö § 1299 9lbf. 1 ücreitclt
werben foU, fd)nelle ^ütfe erforbcrlid^ ift, j. 33. wenn bcr (Seemann abwcfenb
ift ober ficb gegenüber bcn 3ntcrc}fcu bcr ß[)efrau glcidigültig ober gar boö*
willig i)crl)alt. S)ie Seftimmung, bafe bic Sljcfrau it|r aSiberfpruc^drc^t im
äßcgc ber ^tlagc nad^ SKafegabc bcö § 600 bcr 6. % D. geltenb ju mad^en
r^at (§ 1290 9rbf. 2), entfprid)t bem £i)fteme bcr 6. ^. D. 3n 9tnfc^ung bcr
9rrt unb SBcifc, wie bcr G(;emann Sßibcrfprud^ 5u ergeben ^at, bebarf cd
»cfd&ranf . b. SScrfÜQunöör. t. Sfecfrau. ® ef cfiamf a^iöfcit. (§§ 1300-1310.) 21 9
feiner befonbcrcn Scftimmung ; in bicfcr Einfiel)! ftnb bic 93ovfd)i*iftcu bcö
§ 685 bcr ß. % D. niofegcbenb.
a) 2cr bic Scrociöloft regctnbe brittc Slbfag bcö § 1299 f onntc üictteid^t »cmciMaft
im ^inbücfc auf bie aUgcmciucu ©niubfä^c ctfö felbftDcrftänbtidö cntbcf)rt .
lOfrbcn (Dcvgl. §§ 193, 194). ^ic Slufna^mc beöfelbcn ift {cbod^ bei bcr
proftifd^cn SBid&tigfcit bcr grage, um bic 3^^cifcl ju befeitigcn, tocIc^c in
bicfcr ^iufi^t in bcr ^^raris ficft crljobcn l)ttbcn (ucrgl. Urtlj. b. 9t. (S. bei
®ru(^ot XXX S. 969 ff.), a(ö ratl^fam crad^tct.
2ic Scfrtmmungcn bcr §§ 1298, 1299 loirfcn, wie fid^ am § 1 3lbf. 1 ^rxuxihiA
bcr Äonf. C crgiebt, aud^ auf ben gaU bcö ÄonfurfcS iibcr baö SBcrmögcu ^'""""'^ *
bcfl (S^anntA jurüdE; bicfclbcn finb jcbodf) im ^inbttctc auf bic 93cftimmung
bcö § 1327 9lr. 3, nad^ loclc^cr mit bcr 9lcd)tsfraft bcö öcfd&luReö, burd^
©cl^n bcr Äonfurö über baö 33crmögcn bcö G^emanneö eröffnet wirb, bic
c^efi(^ ^hiftnicßung unb SlJcrroaltung cnbigt, für bicfen gall nur oon geringer
irrattifdicr Scbcutung. 3laä) ben §§ 1298, 1299 beö ©ntrourfcö in aScrbin^
bung mit § 1 2lbf. 1 bcr Äonf. D. fallen nur bic von bcm ©ficmannc jur
3cit bcr ßroffnung bcö Äonfurfcö auf ®runb bcr e^cUd)cn 9tugnic6ung
bereits crnjorbcncn grüc^tc mit bcr auö § 1299 fid^ crgcbcnbcn Scf^ränhmg
in bic Äonfurömoffc.
3. Scf^ränfung beö SJcrfügungörcc^tcö bcr ®I)efrau.
§§ 1300-1310.
2?cr entiourf bcruf)t auf bcm (Srunbfafec, baß bie ß^efrau n)cbcr ate ,^^['^^^1**^*^
\9^U ^' ^- ^^"^ 9tädEjtd)t auf baö unter ben ©Regatten ßeftefienbc (Sutcrrc(5r e^efrau.^^
ummUelbQrJn gqlflc bcr ®§cjclbft, nod^ .mittelbar Jn golge beö.cl)clid5cn ©utcv-
rn^tcö in bcr_©cf(^äftöfä()igfcit befd&ranJLiS. dagegen läfet ber ©ntrourf jum ®^i^J^^"^'""»
Sd^uge Der 5cm ß^cmannc auf ©runb ber c^cUd^cn ^hifenicfeung unb S?cr* «crtügunfl«.
loaüung sufte^cnbcn SHcd^tc nad^ näherer 33cftimmung bcr §§ 1300—1310 eine "^*'^-
SJefd^ronfung beö 33erfügungörcd^tcö bcr G^efrau in 2lnfcl)ung beö ß^cgutcö
eintreten.
Xer Stanbpunft bcö bcftc^cnbcn SHcd^tcö in bcr ^ier fraglichen 33ejie^ung ®^"^*^^*
ift ein oerfc^icbener.
3lod^ fronj. Steckte unb bcm bab. S. 9t. ift bic ß^cfrau alö fold)c in ber
©cfc^öftöfäl^igfeit bcfd^ranft. Sic bcbarf, oljnc SRürffi^t auf ba^ bcftcl^cnbc
e^li^c ©ütcrrcd^t, jur ^ßrojcfefüfirung, foroic ju allen 9lcd&tögcfd(|äften, audt)
bcnienigcn, bur^ tocld^c ftc Icbiglic^ erwirbt, bcr ©rmöd^tigung bcö ß^cmanncö
ober bcr ©rgänjung bcrfclbcn burd) baö ®erid)t. 3n ©rmangctung einer
folgen (Srmddf)tigung ift bic Sicd^tö^anblung bcr Gljcfrau nid^tig; bod^ fanu
biete 9lid^tigfcit nur uon bcm G^emannc, bcr ®^efrau unb bereu ®rbcn, nid^t
oon brittcn '^Jerfoncn, gcUcnb gcmad^t toerben (code civil 9lrt. 215— 225; bab.
2.91, Sag 215—225; ©nifd^. b. 9t. ®. in 6it)ilf. VI, 123 S. 396, XIV, 85).
2)iefer (Srunbfag mirb inbeffen — abgefc^cn von einigen prinjipieU ni(^t in
Setrad^t fommenbcn STuöna^mcn in Setreff ber .^anbclöfraucn, bcr ^rojeffc
unter ben G^cgottcn u. f. xo. — b\xx6) baö c{)clicf)c ®ütciTcd)t infofern mobi^
220 Sei 4ranf. b. Serf üflungör. b. ekfrau. ©ef ^aftSfalngfeit. (§§ 130(>-1310.)
fijirt, als bcr G^cfrau im goUc bcr gcrid^tüci&en SSermögcnöabfonbcnmg baö
9?e(f)t juftdjt, i^r ^Jcrmögcn ol^nc ü)Utn)irfun9 bcö @f)cmanneö ju ücrioaltcn,
unb ate i^r a\x6) burd) ©Ijcücrtroö ein fol^eö SBcrroaltungörcd^t in größerem
ober geringerem Umfange eingeräumt werben faun (oergl. code civil Strt. 1449,
1534, 1536, 1576 ; bab. ü. % ©afe 1449, 1534, 1536, 1576). 5Daö 3lec^t ber
(S^efrau bleibt aber immer ein befd)ränlteö. ^nöbefonbcre tann fie o^nc 6r*
möd^tigung beö 6l)emanneß meber oor ©erid^t [teilen, nod) il&re Siegenfd^often
üeräufjern. SBie meit im Uebrigen in ben bejcid^neten gällen bas SBerwaltungö--
red^t ber e^efrau gel^t, inöbefonbere in roeld^em Umfonge fie baburd^ bercd&tigt
wirb, o^ne ßrmäd^tigung bes G^emanneö 9JerbinbUd^feiten einjuge^cn, ift in
melirfad^er §infid&t beftritten (oergf. ©ntfd^. b. 9t. @. in eit)ilf. IV 3. 350 ff.).
5Dem franj. Siedete fd}lie6t im gBefentlid^en bcr ^cff. ©ntn). I, 2 9lrt. 65—75,
IV, 2 3lrt. 453, 501, 532 ff. fid& an.
3n ben beutfd^en JRed^tcn ftelien bie öeftimmungen, meldte bic ©efc^äftßs
fäl)igfeit ber ®^efrau betreffen, mcnn fie aud^ biöweilen äufeerüc^ felk
ftänbig neben bem e{)elid&en @ütcrredf)tc 5U hefteten fd^einen, mit bem legteren
bod) burd^roeg in innigem 3wfammenl)ange unb finbcn in bemfelben iljrc Qr-
Wuterung unb ©rgäujung (ocrgl. Gntfd^. b. 9t. ®. in ßiüilf. VII, 51, XVI, 32).
^id)t von allen 9led^ten wirb aber iiberl^aupt eine Sefd^rfintung ber ©efd^äftß*
fäljigfeit ber G^efrau angenommen, öietmeljr begnügt ein 3:^eil berfelben fic^
bamit, bog ajerjügunggred&t ber ßljefrau in 2lnfe^img beö_beLJJ&di«6(?ifc:Stti*
nie^ung unb SBernjaltung' unteWegenben IBefmögenö ?;uim ©d&ube ber 9te(^tc
beö Gf;emanneö me^r ober menigcrju ftefö^ötfifetU Snöbefonberc gel^t, fooicl
bäö gegenwärtige gemeine beutfd&e 9{ed)t betrifft, bie in ber 3)o!trin fierrfd^enbc
3luffaffung bal^in, baß baö betreffenbe 9ied^tögefd^äft ber G^efrau gültig ift,
aber inforoeit, als baburd^ bie Siedete beö Gliemonneö an bem ber ebelid^cn
^luftniefeung unb SBermaitung unterliegenben SBermögen ber GH'^au gefränft
werben mürben, nid^t geltenb gemadf^t werben fann. Sie« ift j. S. aud^ ber
©tanbpunft befi märt, ^rooiniiatred^teö (oergl. Gntfd^. b. 9t. ®. bei Orud^ot XXV
©. 1020 ff.), beö 9ted)tcö ber etabt Stürnberg (oergt. Gntfdd. b. 9t. 0. in 6it)Uf.
i; 37) unb bcs in giaffau geltenben 9ted&teö (Gntfd^. b. 9t. ®. in Gimlf. VI, 123
S. 396). 9luf bemfelben ©oben fte^t im ^ßrinjipe bas olbenb. @cf. v.
24. Slpril 1873; bod& fmb nad^ 3lrt. 8 § 1 baf. Sßerfügungen unter Sebcnben,
wcldje bie ®l[)efrau über ®egenftänbe beö eingebrad^ten SScrmögenö obnc
3uftimmung beö G^emanneö unb in nid^t gered^tfertigter SJertretung beöfclben
trifft, nid)tig.
3n ben raeiften OJebieten beö bcutfdjen 9led^teö gilt bagegen ber ©runb*
fa^, baJ3 regelmäßig' alle öon ber"Gt)efrau oljue Ginwilligun^ ififiJS^emauneö
eingegangenen 9led)tögefd^äfte unter Scbenben, burd^ weld^e fie nid^t lebiglicb
9led)te erwirbt, nid^tig finb be^w. ia% bie SGBirffamfeit biefer 9led(|tögefc^äfte oon
ber ©enetjmigung beö G^cmanueö abl[)ängt, fo in bem größten J'^eilc beö
©ebieteö bcö gemeinen fädjf. 9te(§teö, wo biefer ©runbfafe mcl^rfad^ aud& burd(>
Sanbeögefcgc auöbrüdflic^ anertannt ift (Dcrgl. j. S. altcnb. G^corbn. t). 13. 3)M
1837 § 143), im Äonigreid) Sac^fen nad^ bem fäc^f. 0. ». §§ 1638, 1641,
Ijier iebod) mit ber S3efdbränfung, ha^ bie Gl)efrau, wenn fie ein ol)ne Gin«
wiUigung beö G^emanneö abgefd)loffcneö 9tcdjtögefd^äft erfüllt bat, baö 0c*
Scfcferänf . b. ScFfüfluno^r. t. ßMrau. ©cfc^aMä^iof cit. (§§ 1300-1310.) 221
leijtrtc nid^t jurücfforbern fann, ferner in tjcrfd^icbcncn 2^^cUen )iBai)crnö wad)
älteren Statuten, im ©ebictc beö roürttcmb. 2. SR. nad^ fonftonter ^jJroriö
(öcrgl. Seuffert m, 179; loürttcmb. ®ntn). §§ 133—146), [oroic im ®cbietc
bfS pmi§. a. 2. SR. II, 1 §§ 168, 189, 320 ((Sntfd^. b. 91. ®. in Sioilf. III,
70 S. 252, IV, 67 ©. 241, XIII, 70 3. 295, XV, 58 ©. 255, XVI, 32;
entf4 b. 91. ®. bei ©rud^ot XXIV S. 490, XXVU S. 450; üergl.
idoci anif prcufe. ®ef. über baö ©taatöfd^ulbbud^ v. 20. 3uU 1883 § 9). auf
bemfclben Stanbpunftc, wie bic ongcfülirten Siedete, ftel^t anä} ber eljrenbrcitft.
entw. § 18.
ane angcfül&rten 9led)te lajfcn inbeffen t)on ber 9legcl, bafe bie von ber
6^Qu o^ne @inn)inigung bei^ Seemannes Dorgenommenen 9{ed^tdgefd6äftc
ttnflfiltia Rnb, flewiffe Stusna^men i\iu Siefe bejiel^en fid^ tljeilö auf bie
^©ift^n bcn G^egatten felbft abgefc^loRenen 9lc^tögefd^äfte (üergL preufe.
S.8. 91. II, 1 § 198; fäd^f. 0. ». § 1638, 1647 ff.), t^eilö betrejffen fie fold&e
5Ie^gefd^fifte, weld^c bic 6t|efrau inncr^ciJS Jl^res puölid^cn SBirfungsfreifeft
ober bei Se^inberung bed (S^emanned in Vertretung beöfelben ober inncrljafb
cincd Don i^r mit ©enel^migung beö G^emanned felbftänbig betriebenen ©rmerbd^
9(1(fldftefi abgefd^toffen Ijat (tjergl. preufe. 31. S. 91. II, 1 §§ 321 ff., §§ 202-204,
:m,336; fäd^f. ®. »; § 1645). Sie ©efefee ftimmcn barin überein, ba^ bie
Jled^tögefc^äftc ber Ie|tercn 2[rt gültig finb unb bafe burd^ bie unter bie erft-
gebohlten ^ategorieen fallenbcn 9Ied^tdgefd^äfte ber Seemann, burd^ bie anberen bie
6Wwu ücrpflid^tet wirb. 2)iefe STuönol^men berül^ren inbeffen boö ^ßrinjip nid^t,
bo eine Verpflid^tung nur in fold^en gäUcn ancrfannt wirb, in roeld^en n)enigften&
inbircft eine (^el^igung beö S^emanneö vorliegt, unb anbererfeitö, foroeit bie
^krpjCidlitung ber (g^efrau onerfannt wirb, au^ baö eingebrad^te SSermogen ber
Icjteren bafür ^aftet. SBon prin5ipiellcr ^ebeutung ift bagegen bie üon allen ,
öngefü^rtcn 9ltä)ttn anerfannte auönoljmc in^. Slnleöung . beö vorbe^altcucu,
Scrmoggffö bti gpüfrau. "^i~iiln|e^ung bicfcö SSermögcuö \)at bie S^cfraii
bie freie Serroaltung unb fann oljue 3i*ji^^w"9 ^^ ©Ijemanneö barüber
verfügen. ^u6) i{l bic ^ö^igteit ber @^efrau, baö norbel^altene äSermögen
o^ne Ginn)tlligung beö ß^ematmeö mit Sd^ulben ju belaften, ancrfannt; bod>
maxien cinjclne ^rtifularred^tc bie ©ültigfeit ber SSerbinblid^feit baoon ab^
^ngig, ba§ bie S^efrau biefelbe mit SBejie^ung auf xf)v Vorbel^altögut eingebt
(wtgL fod^f. ®. S3. § 1640) ober bafe bie aSerbinblidifeit burd^ SBerpfänbung
wn ®cge]tftänben beö aSorbel^attöguteö binglid^ Dcrfid^crt ift (uergl. preuß.
a. Ü. 31. U, 1 §§ 318, 319). Stud^ barin gel[)en bie 9Jed^te unb bie 3lnfid)tcn
auöeinanber, ob unb inwieweit bie ßfiefrau nad^ Sluflöfung bcv @f)c wegen
ber ^icr fraglichen SSerbinbUd&fciten nid^t nur mit bem porbel^oltenen, fonbern
oudf mit i^em übrigen SBermögen l^aftct (ücrgl. preufe. 31. S. 91. II, 1 §§ 619,
«20; fod^f. ®. ». § 1640).
£ur^ ©^ertrag fann ferner nad^ allen angefül^rtcn 9led^ten baö 9lcd^t
beö (S^anneö in Slnfe^'ung beö SBermogenö ber (Sl[)efrau auögefd}löffcn
iDcrben unb bie lefeterc baburd^ in Dcrmögenöred^tlidöer Segiefiimg DoUftftnbig
bic Stellung einer unoer^cirat^eten grau erlangen.
3m (Segenfafee 5U ben auf bem 33oben beö franj. unb beö beutfd^en 9le(^teö
ftcbenbcn Wcii^ten fennt baö rom. SJotalredjt meber eine S3efd^rfinfiuig ber
222 a3cl4iauf. b. Secfügunflör. b. (SMrau. ®ef*äft3fa]&iöfeit. (§§ 1300-1310.)
©cfd^äftöfäi^igfcU noci^ an6) bcfonberc Scftimmungen über bic 93e)d^räntung
bcö SScrfügungörcti^tcö bcr ß^efrau. Gä bcbarf fold^cr Scftimmungen nid^t,
ba bev (Seemann nur bieicnigen 9tcd)tc crroirbt, tocIcI&c i^m bie ß^cfrau burd^
Sotalüertrag einräumt, bicfe SWcd^te aber üollftänbig in fein SBermogcn
übergeben.
3n neuerer ^dt fmb bie partifularred^tUd^en S3eftimmungen über bie
Sefd^räntung ber ©efd^äftöfci^igfeit ber ß^efrou naö) t)erfd)iebenen 9iid^tungcn
Ijin burci^ bie SReid)8gefe|gebung burd^bro^en. SBon SBebcutung fmb in biefer
Sejicl^ung befonberß bie Seftimmungen beö §. ®. 93. 9lrt. 7—9 über bic
^anbetefrauen, bie SBorfd^riften ber (Sero. D. § 11 über bie ®^efrauen, welche
fefbftänbig ein Oeroerbe betreiben, unb bcfl § 51 SDbf. 2 bcr 6. ^.jD. über bie
^ßrojefefäl^igfeit ber ©l^efrou. 9JamentUd^ biefe Icgtere^ in ifircF^ragiDeite
unb SRüdtoirfung auf ba§ ebelid^e ©ütcrred^t oHerbingö fel^r beftrittene Seftim«
mung entpft für bie auf bem ^oben ber S3e[d)ränhing ber ©efdJoH&Täl^c^fcit
ber Gfjefrau ftebenben 9ledf)te eine tief einfd^ncibeube ^urd^bred^ung befi ^rinjipeä.
©tanbpuntt ^ ©er iu jcnen reidtiSgefefeUd^en 93eftimmungen Ocroortretcnben ^^entJfnj/
«ntrourfe«. ^'^^' ©efdf^äftsfäl^igfcit ber ©i^efrauen üon bem ©inffuffe ber 6^c x\nb bes
ef)elid)en Oüterred^teö unabl^ängig ju mad^en, ift aud^ ber ©ntrourf gefolgt.
3)cr bem franj. Siedete ju Orunbe liegenbe Oefic^töpunft, bafe aud& bei oöllig
getrennten Oütern baß SBermögcn ber ®^efrau einen lüefenttic^en roirt^fc^aft-
lxö)m gaftor beö gemeinfd^aftKd^en e^elid)en 2ebenß bilbe unb biefeö bur{§
einfeitig oon ber ß^efrau Dorgenommcne 9lenberungen i^rcö SBermSgcnä
gcfäljrbet unb geftört werben fönne unb bafe baber ber ©bemann alö baö
^aupt ber 6^e unb im ^inblidfe auf ben aucb bei getrennten ©üteru i^m
gegenüber bcr &)t^xau juftebenben 2lnfprud) auf einen Seitrag jur 3:ragung
ber cl^elid^cn Saften (ücrgl. code civil 3Irt. 1.537 ; § 1339 bcs ©ntrourfeö) ein
3intcref|e baxan Ijabc, bafe baö Söermögen ber ß(}efrau crl^alten bleibe, üaTitog
eine SJefd^ränfung ber ®efd^äftöfäl^igfeit ber ©^efrau nid^t ju red^tfertigcn.
2)ie efielii^e ©emeinfd^oft, in wefd^er bie ef)egatten leben, legt i^ncn allcrbingö
bie SSerpPid^tung auf, bei allen i^ren nermögenöredf)tlid&en ^anblungen baö
3nteref|e ber e^elidjcn @emeinfd[)aft im 3tuge ju bebalten. Mein biefe SJer*
pflid^tung ift roefentlid^ fittlii^er 9iatur. ^\)xt (Erfüllung auf ©eiten ber
©Ijcfrau burd^ eine 33ef darauf ung ber ®efd^äftdfäf)igfeit ju fiebern, ift burdb
ein praftifd^eö Sebürfnife nidE)t geboten unb mürbe jubem ungered&t gegen bic
©^efrau fein. 3» bcn beutf^en SHed^ten ift baö ^rinjip ber aSertragöfreil^cit
ber ©Ijegatten immer babin aufgefaßt, ba^ bnxö) ©fieoertrag iebe ©inmirhmg
beö ©bcmanneö auf bie t)ermögenöred()tlid&e ©pbäre ber ®^efrau auÄgefd^Ioffen
merben tonne. Unb felbft ber code civil nnb bie il^m oerioanbten Steckte
fel[)en fid^, obmol)l pc prinjipieU bie 93efd(|ränfung ber ©efd^äftöfäl^igteit bcr
ßljefrau afe eine golgc ber ©be an fic^, ni^t alö golge eines befonbcrcti
cljclicbcn ®üterred)teö betroc^ten, bod& burd^ baö SScbürfnife beö Sebenö unb
bcö SJcrfeljreö genöttiigt, ber ©^efrau bei eintretenber ©üterfonberung bic
(Sefd^äftöfäfiigteit im SBefentlid^en mieberjugeben.
©ebr oiel 5meifelf)after ift bie grage, ob nid^t eine Sefdjränhmg bcr
®cfd^aftöfäf)igfeit ber ©f)efrau alö golge beö gefe^lid&en eljelid&en ©üterredbtcö"
fi(5 empfefilcn mürbe. Sie bem ©bemanne auf ®nmb ber eJ^efid^en Sflufc«
ac!*ränf. b. 3>erfüflunfl§c. b. ßtefcau. ©ef^aftöfafHöfcit. (§§ 1300—1310,) 223
nieSung unb SBerioaltung 5uftel;cnbcn 9icd^tc bcbürfen trofe il^rcö binglidicn
Horofterfi, namentlich im ^inblirfe auf bic SBeftimmnngcn ber §§ 1293, 1311,
foiöo^I gegenüber ber G^efrau als gegenüber ©ritten eines bcfonbcren ©d&iifeeö.
liefer 3^5* wirb am cinfadbften errei(f)t, wenn man bic GT)efrau in 9rnfel)ung
Dermoflen6red6tlt(^er'?Rerfit6pefd&äfte imtcr 2c6enbcn, unb jiüar ol^ne Untcrfd)icb
jipifd^n btnflüd^en ujtb obliciatorifd&en SütedStSflcfd&äften, fon)ic jnjifcfjen obli^
gotorif^cn^ro^^^^
nac^ 3(na(ogie ber fiir. Me SiirjitS^efd^fäftc äKüihprjfti^rigcr im § 65 gegebenen
Mfc^nftnr-in ber ©efd&äftafäbiafeit bcfdiränft. ©ine berartige ©eftaftung
1%' ferner infofern aud) im 3nteref[c ber ©I;efrau felbft, als fic baburd)
gegen bic Öefal^ren gef^üftt wirb, welche i^r aus ber unbefd^ränften Oefd^äftß*
fä^igfeit in äSerbinbung mit einer SBerfügungöbefd)ränfung in STnfeljung bcö
edeguteö in fold^en Stallen brol^en^ in meldten bie @()efrau bie Slbfid^t gehabt
l)ai, bas SRec^tsgefc^äft nur unter 93orbe^alt ber ©enel^migung bes @[)emanncs
iu fc^IieBen, biefc äbfid^t aber nic^t genügenb 5u erfcnnen gegeben I)at ober
in rotli^tn fie auS Unad^tfamfeit ober aus Unfenntnig ber ©efe^e überl)aupt
nic^t baran gebadet l^at, bag ftc bas Sted^tsgef^äft mit Sßirffamfeit für ba^
%gut nur mit 6inn)inigung beS G()emannes fdE)(iegcn lönne^ in n)e(c^en fic
über, tüenn fie baran gebadet l^ätte, bas 9led^tsgefd(|äft überliaupt nid^t ab*
gff<i^loifen ^abcn würbe. 3wjugeben ift ferner, ba6 bie a]erpffid)tungsfät)igfeit
brr ß^frau, namentlid^ in fold^en gällen, in meld&en ber ©laubiger erft SluS-
ficftt ^at, nad^ Stuflofung ber ei;e befriebigt ju roerben, ju mud^rtid^er 9tuß-
iegtung ber ei^efrou_33eranIaffung geben unb ba^ bie mirtt)fd&aftiid)e ©runblage
bed bi^erigen ^ausfianbes jerftört werben fann, wmn nad) 9Iuflöfung ber ©I)c
ober nadb anbermciter SBeenbigung ber el^elid^en ^ingnie^ung unb SScr-
©oltung bic ©laubiger ber ©tjcfrau bas SBermögen ber festeren wegen ber
o^ne ©inwilligung bcö ß^emannes eingegangenen aSerbinbßd^feiten angreifen
fönncn. 3)iefe ©rroägungen fönncn inbeffen als burd^fd^Iagenb nid^t cr^
q^tet werben, um bas große ^Prinjip, baß bie ©^efrau als fo[d)c in ber
<8efc^äftsfäf)igfcit nid^t bcfdiränft ift, ju burd)bred&cn unb bem praftifcben
^cfultatc nad^ bie Siegel umjuftofeen. Gin bringenbes praftifd)eS öebürfniß,
bie an fic^ gefd^ftofS^igc GI)efrau mit 3iüd'fid^t auf bic bcfonbcren
SJer^Ilnitlc bcö eliefid^en ©üterrcdjteS gegen bie aus ber 3lnerfennung
i^rer SSerpflid^tungSföl^igfeit f\ä) ergebenben ©efal)ren ju fd^üfeen, fann nid&t
anerfonnt tucrbcn. 2)ie bcfonbcren SScr^ältniffc Tes' gefefefidöcn e^clid^en ©üter-
ret^tcs oeriangen nur einen ©d^uft ber Siedete bes Gt)emannes gegen bie ©c-
fa^rni, loclc^ i^m cnnad&fcn würben, wenn bie G^cfrau oline feine Gin-
oüligung über baS G^egut bireft ober inbireft Dcrfügen fönnte. tiefem
3ntcreife bes G^annegjtn Gr^altung feiner i^m an bem Göcflute jufte^cnben
3ic^e fann aber m ausreic^cnbcr Sßeife fd&on baburd^ SHed)nung getragen
werbenV ba| bas %rfä(junosrec^t bei- GJ^efrau in SKnfe^una bes Gtieguteö bc- .
t^ntt wirb. 3nsbcfonbere fann bem ©efid^tspunfte, bafe eine wcitergeljcnbe
dcf(j^änfung ber SBerpflid^tungSfä^igfeit ber G^efrau bcsl^alb im Sntcreffe bes
©^emanneS liege, weil berfetbe burd^ bie SHücffid&t auf feine Gfjcfrau unb
bttr^i bie SRüdEfit^t auf fein Grbred&t m bem SSennögen ber G^efrau fid) ge-
iwungcn fe^cn werbe, bie Don ber Gl&cfrau aud^ ol)ne feine Ginwilligung ein-
224 »ef^ränf. b. aScrfüßunö^r. b. (Sl&cfrau. ©cfd&dMaßiöifeit (§§ 1300-1310.)
gegangenen aSevbinblid&feiten an^ bcm Gfjegute bod^ ju erfüllen, um bic mit
bcr 9li(i^terfüUung eintretcnben roeitercn nad^t^ciligen golgen ju t)ermeibcii,
für bie ^ier oorliegenbc Srage, ob eö mit Jtüdfid^t auf bie bcfonbcren SSer-
llältnifle beä cl^elid)en ©ütcrred^tcß geboten ift, bic ß^efrau in ber ©ef^äftß^
fä^igfeit ju bef d&ränf en , fein ©emid&t beigelegt werben. Slud^ roenn bic oon
ber ©Ijcfrau eingegangenen 33erbinblid^feiten für unmirffam crflärt werben,
würbe in üielcn gällen bcr (S^emonn fid) burc^ bic Slücflid^t auf bcn 9luf
feiner (S^cfrau boc^ moralifd^ gejroungen fcfien, bic SJcrbinbtic^fciten ju cr:=
füllen. 3)afe ber ©tanbpunft bcö Gntwurfcö gegenüber bem in bcm weitaus
größten 2^^'cÜe^cutfc^ianbö geltenben 9lcJ)tc eine 5Reucrung cnt^ftif, fällt allere
JjlDflö fciöwcr ins (^jcwid^t; allein bcr 3ug ber mobernen ^dt ge^t unücrfennbar
ba^in, bic ©fjefrau auf bem ©ebietc bcö 5|5rioatrc^tcd fclbftänbigcr ju ftcUen.
SnöbefonberF niufe, ba bic 5ßrojc6fal|igfeit nur eine Seite ber (Scfd^dftftfdf/igfcit
ift, bic Slncrfennung ber 5ßrojcfefäf|igtcit ber ©l)cfrau burd^ bic 6. 5ß. D. fom
fcqucnt bat)in fülircn, bic G^efrau auci^ ouf bcm (Sebictc bcß 5ßrit)atrcdötcs
für unbcfd^ränft gefd)aftgfal)ig ju crflärcn, wft^rcnb umgcfe^rt~ wenn Dad
bürgcrlicl)c ibeKßljucl) mti Dem ct)elid^cn ©üterrcd^tc eine Sefd^ronfung bcr
(Scfd)äftöfäf)igfeit bcr ®l)cfrau uerbinbcn wollte, bic ilonfcqucnj bat)in führen
müfetc, bcr (S^t)t^xaxi infoweit au^ bic ^ßrojcfefä^igfcit 5u cntjie^cn, bamit bic
\ Gtjcfrau nid^t im SBcgc bcö ^rojeffeö bod^ ol)ne Ginwilligung beö GbcmanneS
jwirffam Sd^ulbcn mad&en fonnte. Ginc äenbcrung ber 6. ?ß. D. in bcr l)ier
fraglid&cn SBcjictjung ift aber um fo mifelid^cr, alö baburd^ eine 9}ei^c fonftigcr
bcn ©runbfä^cn ber G. 5ß. D. nid^t cntfpred^enbcr 93eftimmungcn notljwcnbig
werben würbe.
Gntfd^cibcnb fommt cnblid^ in 33ctradf)t, ba%, wenn bic SwISffiQfcit üon
SBorbci^altdgut, namcntlid) in bcm Umfange bcö Gntwurfeö, ancrfannt wirb, baö
^Prinjip bcr Sefd^ränfung ber (Sefc^fiftöfft^igfeit bod^ nid^t burd^gcfü^rt werben
f ann, f onbern ju ©unftcn ber auf bas SSorbcljaltsgut pd^ bcjicl^enben pbligatorif d^cii
SRc^tögcfd^äftc burdf)broc^en werben mufe, um bcr G^efrau eine orbnungömäfeige
aScrwaltung bcs G^egütcö 5U ermogli^cn (oergl. § 1291 ncbft aJlotiücn ®. i79).
3)aburd& wirb aber, abgcfeljcn uon bcr barin licgcnbcn ^rinjipwibrigfcit, bic
Grrcidjung bcr S^oetfc, wcld^c man über bcn 3wcdE bcr SBefd^rönfung be*
aScrfügungörcd&tcö bcr G^efrau ^inauö mit bcr 93cfd^rän!ung ber ®efc^äftfi*
fSl)igfeit bcrfctbcn öcrfotgt, wenigftcnö in großem Umfange bod^ ocrcitclt, fofcni
man fidf) nid)t baju t)crftcl|t, bic ©cfd^äftöfä^igfcit bcr G^efrau anä) in 3lm
fcl)ung bcö 5Borbebaltdgutcs nad^ bcm SBorbitbc bcö preufe. ä. S. 91. II, 1
§§ 319, 619 ober bod) in bcr 3trt ju bcfc^ränfcn, ba| bic G^efrau auc^ ixai^
Sccnbigung bcr Gbc wegen bcr t)on \f)x oljnc Ginwilligung ober ©cncl^migung
bcd Gt)cmanned eingegangenen 93crbinblid){citcn nur fowctt l}aftct, ate bad jur
3cit bcr Secnbigung bcr Gljc nod) Dor^anbenc SBorbcbaltsgut jurcid^t. Ginc
bcrartigc SJcfd^ranfung fü^rt aber nid^t nur ju großen praftifd^en Sd()wicrig»
feiten, fonbern ift aud) mit einer iwccfmäfeigen, bcm ^ntcrcffc bcr Gljcfrau
unb bcr 3id^erl)cit bcö 93crfct)rcs cntfprcdjcnbcn 3Serwoltung bcd SBorbcljaltS^
gutcö nid)t Dcrcinbar.
3uriftifc^c 2^a cö fic^ um eine Sc^dörünfung bcö 9Scrfügungörcd^tcö Icbiglidb jum
^fÄmf*^' Sdju^c bcr ^ntcrcffcn bcö G()emanncö (jonbelt, fo liegt cö nal)c, foüicf bic'
Ccfifiranfiniö fceS SBcrfüflungt^rc^tc« bcr ß^efrau. (§§ 1300—1310.) 225
juriftif^c Jtonftruftion beö S8crl[)ältniffeö betrifft, fid^ an bcn § 107 l^icr am ,t»c«
äuftöliefeen. ßinc fold^c ©cftaltung cmpfiel)lt fid^ inbeffcii ni^t, lüeil hanaä^ *c2te«"b?r'
bic oon bcr ©tjcfrou ol^nc ©intoilligung beö ©^etnanncö getroffene Sßerfiigung «^«t^««-
überßftegutSred^tc nur bcm (S^emonnc gegenüber unrotrffam fein würbe. Ginc
folcftc iWelatuJttöt Deöl5erf)äItniffeÄ ftel)t mit ^iiiTcm ©nttburfe ju (Srunbc
(iegcnben @ebanfen, bog boö Siedet beö @I|emanned ntemal3 n)eitcr gelten
tonn, a(d bod bcr ß^efrau (ucrgl. § 1293), nid^t im ©inflangc unb mufe
bcdt^olb mögUd^ft üermieben n)erben. älugerbcm niürbe bie ^eftimmung bc&
§ 107 Sbf. 3, nod& rocld^em ein aSeräufecrungÄoerbot bcr fraglid^en 3lrt in
bcm Honfurfc über baß SBcrmögen bedienigen, rocld^cr bcm SSerbote unterliegt,
bier alfo im Äonfurfc über boö SSennögen bcr 6{)cfrou, gegenüber ben Äonturö^
gföubigcm feine gSirlfamfeit ocrlicrt, mit bcm Qtoedc ber in JHebe ftctienben,
^um 8(bu|e ber Jlcd^tc beö ß^emanneö bienenben SBcftimmung unDcrträglid^ fein.
£er ^wed wirb nur bann üoUftänbig eneid^t, wenn bic S33ir!famfeit cinc>
Sct^tögcft^oftcö ber ©fjefrau unter Sebcnbcn, burd^ wcldjcö"^ über ein 6^e*
gutörcc^t ocrfügt, nicbt nur gegenüber bcm ßljcmannc, fonbern gegenüber
3ebfm, axiS^ ju ©unften ber ß()cfrau, von ber Suiiiiillifluiifl beö G^cmanncö
itrggfiliiger 1S^ ' nbl^gngig gemQ^'rt)irb, roie bie SiBirffamfeit beö Stcd^tö^
gef^Sftcö eincö 3)IinberiQl)rigen nod6 § G5 oon ber ®inn)illigung beö gcfeljlicften
Sertretcrö (§ 1300), mfi^rcnbln Wnfcl^ung fofc^cr SRed^tögefd^äftc ber ei;cfrau,
bur(^ nnrldbe fie ju einer üeiftung oerpflidi^tct wirb, jum Sdiufec beö el^c*
männlid^n Slcc^tcö bic Seftimmung genügt, bafe fol(^c SRcd^tögcfd^äftc ber
C^cfrou in STnfcfiung beö G^egutcö gegenüber bcm ©fjemanne nur bann
©irffam finb, wenn bcr festere in bic 93ornal[)mc bcrfelben cingcmilligt f)at
ober biefclbcn genel^migt {§ 1301 t)erb. mit §§ 1311, 1312 5Rr. 1). 3ludj in
HtcTcr 93eite^ng b^^nbelt eö ftd^ aber nid^t, mc bei ben ^Ißinber]ö()rigen, um
eine tbeitoeife S3ef(^ränfung ber ®efd&äftöfat|igfeit, ba ber ®runb ber ^c^
fd^ränfung beö SBerfügungöredt)teö ber @f)efrau Icbiglid^ in bcm Siedete bcö
G^onneö liegt, n)fi^rcnb bic Scfd^röntung bcr ©efd^fiftöfä^igfeit immer in
einem 'JRangel ber in bcr ©efd^öftöfö^igfcit befdf)ränften 5ßerfon felbft fidfj
grünbet unb baö Srforbemig ber Sinmilligung ober ©ene^mtgung beö gefegt
lic|en Sertreterd nit^t Äuöflug eincö eigenen SHcd^tcö beöfelben, fonbern nur
Jolge jcneö 3Hongctö unb baö SJHttet jur Sefeitigung beöfelben ift (oergl. bie
§§ 65, 70, 71). S)ie »efd&ränfung beö SBcrfügungörcd^teö ber ei^cfrau fteHt
ft4 Diclme^r alö STuöfltug beö burd^ bic e^elid^c 9iugniegung unb SScrmaltung
begrunSeTen cigent^umlid^en bingTid^cn SRcd&tcö beö Gf)cmanncö bar. Sie
?latur beö bmgtid&en Üled^teö bringt eö mit fid), bafe baöfelbe gegen fdt^
cinträc^tigung burdd einfeitige SSerfügungen bcöicnigen, beffcn SRcd^t belaftct
ift/ flcfid^rt werben mu§. 3"^ ©rreid^ung biefcö ^[dc& ift bei gemöl^nlid^cn
binglid^en Siechten eine Sefd^rönfung beö SBcrfügungörcdjtcö beö 93claftetcn in
bcr Sirt, bafe er o^üc'^nmilTigung beö Scrcd^tigtcn über baö bclaftetc SRcdjt
uberbaupt nid^t pcrglgei!" l^nu, nid^l erforberUd^. @ö genügt, ba^ bcr 93c* ■
rcci^figft " f^Ui Siedet .flegen jcbcnJIDrittcn ocrfolgcn fann. ^ei ber cf)eüdE|en
92u(nie6un(i unb SSermattung ift " bagegen bie Sad^tagc im ^inblicfe auf bie
SciHmmungcn ber §§ 1293, 1311 eine befonbere. §icr bringt bie binglic^c
Satur beö e^männlid&en SRcd^tcö, alö eincö Don bcr Verfügung beö 93elaftetcn
MeiiM |. UrscrX. Oefct^tul^ IV. 15
226 Scfd&ränfung b. SSerfügunö^r. b. e^efrau. 8tc*Ugcf*afte. §§ 1300, 1301.
unabhängigen SHc^tcs, eö mit fic^, ba& ber Gfiefmu ba^ SHcd^t cntjogcn
werben tnu^, of)nc (SinTOilligung beß G^emanneö bireft ober inbireft" über
ß^egut ju oerfügen, roeif fonft baß Siedet bcß (S^cmanneö burd) i^re STcr^
fügungen beeinträchtigt werben fonnte (t)a*gf. a\i6) § 1901). 3n ä^nlid^er
gBeife ift im gaDe beß § 1024 bie »efd^ränfung beß SBerfügungßred&teß bcß
^orberungßberec^tigten ein 3lußf(u§ beß an ber gorberung beftel^enben SHicfe^
braud^ßred^teß (»ergl. and) §§ 960, 965, 977, 1016, 1061, 1189, 1213). 2)aß
SSerl^ältnife ift in bcn I)ier fraglid^cn fällen feiner 3Birfung nac^ ein ä^nlid^eß,
roie baßjenige, lüeld&eß bei einem mehreren ^erfonen gemeinfd&aftlid& jufte^enbcn,
roeber reell nod^ nad^ Quoten get^eilten Siedete befteljt. SBie im galle einer
fold^en ©emcinfc^aftlid^feit beß SRed&teß bie Uebertragung beß Icfetcren nur burd^
alle 93cred(|tigte gemeinfd^aftlid^ erfolgen fann, fo fann aud^ bie SScrfugung
über ©begutßred&te nur burd) beibc G^egatten gemeinfd&aftlid^ erfolgen. Gin
Untcrfd)ieb fiegt nur infofern uor, a(ß in Jenem gaHe ia& 3led&t aller SÄit-
beredf)tigten auf ben Grroerber übergel^t, i^ier aber immer nur über ba^ Siedet
ber ©Ijefrau uerfügt wirb. S)ie SUitroirfung beß @l)emanneß l)at nid(|t bie
aSebeutung, bafe baburdd fein eigeneß SRed^t auf ben ©rroerber übertragen,
fonbcrn bafe burd^ feine Ginroilligung ber Uebergang beß SRed&teß ber G^efrau
ermöglicht wirb. ®cr Gl[)emann fd^liefet baber bie binglid^en SRed^tögefd^äfte
nid)t alß aWittontra^ent ab, fonbem feine GinroiDigung fteÜt ftdö atß ein ein*
feitigeß ju Jenen 9led^tßgefd)äften Iiinjutretenbeß Sled^tßgefd^äft bor, morouft
folgt, bafe er auß jenen 9ied)tßgefd&äften perfönlid^ nicbt l^aftet. Gbenfomenig
ift feine Ginroilligung ober ©enetjmigung an bie für baß betreffenbc Slec^tö^
gefdfiäft felbft oorgcfd^riebene gorm gebunben, üiclmel;r pnb in biefer ^infid^t,
mie aud^ im Uebrigen, bie allgemeinen SBorfd^riften beß § 127 maftgebenb.
SBegen ber Slußgeftaltung ber Sefd^ränfung beß SSerfügungßrec^teß ber G^efrau
im Ginjelnen auf ber bejeic^neten ©runblagc wirb auf bie SKotioe ju ben
cinjelnen ^ßaragrapben »enmefcn.
§§ 1300, 1301.
Ä«^»- Sie allgemeinen ©efid[)tßpunfte, auf meldten bie Seftimmungen ber
bcJ'cTef^au. §§ ^3^' l^^l berulien, fomie bie Juriftifd)e 9ktur ber öef^ränfung beß »er»
fügungßred^teß ber Gbefrau finb bereitß in ber Söorbemerfung ju bcn §§ 1300 biö
1310, oben ®. 222 ff., bargelcgt. 3m Ginjelnen ift ju ben §§ 1300, 1301 nod^
golgenbeß ju bemerfen:
s)inflii(«c 1. ®er § 1300 regelt bie 33cfd^ränfung beß SJerfügungßred&teß ber
fl^wte ^^^^^^^^ ^^ SKnfe^ung bingli^cr SHed&tßgefdjäfte über Gliegutßred&te. gur SSc*
übere^eautö^jeidEinung ber betreff enben 9ied)tßgefd&äfte fd^liefet ber § 1300 fi^ an bie Raffung
«*^^- beß § 107 an (oergl. SOJotioe ju § 107 S3b. I ©. 213).
3m Uebrigen liaben ben a3eftimmungeu beß § 1300 tl^eilß bie aSor»
fd&rifteu beß § 65, tbcilß bie SBorfd&riften ber §§ 310, 830, 876 jum ajorbilbc
gebient. 3nßbefonbere leljnt bie aSorfd&rift beß § 1300, bafe bie S38irffam«
feit einfeitiger 9led&tßgefd)äfte ber ^ier fraglidjen 3lrt pon ber Ginroißigung beft
G^emanneß abhängig ift, biefelben mitbin burd^ bie 03enel[)migung bcß leiteten
feine SBirffamfeit erlangen fönnen, fid^ an bie SlJorfd&rift beß § 65 3lbf. 3 an.
gcfcfiränfung b. ScifüßungSr. b. Sßefwu. JRcc^tSöef cfeäfte. §§ 13 00, 1301. 227
Snbcrcrfcitö red^tfertiflt fid^ bie SBorfd)rift bcö § 1300, bafe, wenn baj5 SRedjtö^
flcfd^ft ein ajertrag ift, boöfelbc ^burd^ bie ©cne^migung bcö ©fjcmanncß
©irffam wirb, burd^ bie Slnalogic ber §§ 310, 830, 876.
9lel^nUd|e ©imgungen, toic bicjenigen, auf roeld&en bie 93cftimmungen »i»^"««-
bc« § 65 3lbf. 4, 5 berufen, f|oben fenier botiin gefül)rt, auf ben gaU, wenn
bie 6(|efrau einen SSertrag ber ^ier fvagUd)en airt ol^ne bie erforbertid)e (Sin?
»illigung bed G^emanned ge)c^(o{fen {)at, fene Seftimmungen für entfpred)enb
oinoenbbar ju ertlären. SBenngleid^ bie ®^efrau nicftt, wie ber aRinberjöfirige,
in ber ©eft^oftöfäl^igfcit befd&ränft ift, fo Dorf berfelben bodf) im ^inblide auf
bie Sef^ränfung i^reö SBerfügungöred^teö Aber ©tiegutöred^te nid&t geftattet
werben, bie burd^ einen, roenngleid) of)ne bie erforberiid)e ßinroilligung beö
€^emanneö, oon il^r gefc^Ioffenen Sßertrag in golge ber ®ebunbent|eit bcö
cnberen SBertrogfc^liefeenben fiir boö ©^egut begrunbete SRed^töpofition ol^ne
bie ßinwilliflung bcS G[)emQnneö auf jugeben. 9luf ber anberen Seite erforbcrt »«fforberung
f« ober bie SRöcffid^t auf bm burd) ben SSertrag gebunbencn anberen SSertrag? crt*änmj.
fc^Iiegenben, biefein bad 9ted^t ju geben, naci^ äßaggabe bed § 65 9lbf. 5 ben
©iiemonn iu einer Grfifirung über feine ©ene^migung ober bereu SSenueigerung
oufjuforbem, unb jroar in ber 9lrt, baf3, nad^bem ber Sauf ber im § 65 9lbf. 5
befrimmten grift begonnen ^at, bie (Genehmigung ober bereu SBerrocigerung
— übioeid^enb Don ber Siegel bcö § 127 3lbf. 1, aber im Ginf fange mit ber SSor-
Wrift bcö § 123 3ttf. 3 (oergl. aud& § 315 2lbf. 2, § 1288 3lbf. 1) — nur
gegenüber bcm anberen SBertragfd^liefeenben erflärt loerben fann. dagegen
ftBin oor bem ^Beginne icucr ^m bie ©enef)migung ober bereu SSerioeigeruug
in ©emäß^it ber Siegel bcö § 127 9lbf. 1 aud^ gegenüber ber (Sl)efrau mirtfam
ertlört werben. 3)ie befonberen ©riinbe, aM n)eld)en im galle bcö § 65 9(bf. 3
bie @enef|miflung ober bereu SSenueigerung uou bem gefefelid)en SBertreter
immer nur gegenüber bem anberen SSertragfd^tieftenben foll erflärt werben
fonnen, treffen ^ier nic^t }u.
3laä) bem § 65 9lbf. 6 tritt, iDcnn ber aJlinberiäl)rige, roeld^er oftne bie ^^"'''Jj*^^"^
erforberlicfte ©nroiUigung beö gcfefelid&en SBcrtreterö einen SSertrag gefd)toffcn "ber t^i^
katit, bie unbefd^ränfte ©efd&fiftöfä^igfeit erlangt l|at, feine ®enel)migung an 5^«*"!^^"»^^
bie Stelle ber Genehmigung bcö gefefelid^en SSertreterö. S)er 9lnalogie biefer »cnoaitung.
Stimmung toürbe eö an fic^ entfpred^en, in bem l)ier in Siebe ftel^enben §alle,
iDenn bie Gfieftau ol^ne bie erforberlid^e (Sinmilliguug beö @l|cmanneö einen
unter bie JBorfd^riften bcö § 1300 fallcnben SBcrtrag gefd^loffen l^at, na^ SBegfall
ber e^elic^cn Slufeniefeung unb SSermaltung bie ®enel;migung ber ®t)efrau an
Stelle ber ©cne^migung beö 6^emanneö treten ju laffen. Snbeffen ift bie
So^loge ^ier infofem eine anbere, alö fd^on ber SBcgfall ber e^clid^en Slug*
iiie|ung unb SSermaltung alö fold^er bie jtonoalcöienj ber binglid^en Verfügung
ber G^efrau bewirft, mithin für eine erft in 'golgc ber ©eneljmigung ber
(S^iefraii einiretenbiT AouDaleöieu} in bem uorliegenben ^alle fein 9iaum ift.
Siefe SHrfung beö Segfalleö ber el^elid^en Slu^niegung unb SSermaltung
^ebt fid^ auö ben ein aUgemeineö Sled^töprinjip f unbgebenben SSorfd^riften ber
§§ 310, 830, 876 in SBerbinbung mit ber ©rroägung, bafe ber gall, in n)cld)cm
bie ß^rau über ein SHcd^t t>erfügt t)at, über mcld^eö fie roegen bcö toiu
hirrirenben bingli^cn Slec^tcö bcö ©^emanncö mirffam nidE|t ucrfügcn fonntc,
15»
228 33ef4ronfiino b. SScrfilounöC^r. b. e^efra«. JRct^tßöcfd&aftc. §§ 1300, 1301.
bcn in bcti §§ 310, 830, 876 üorcjcfc[)encn fallen bcr bingtid^cu SScrfügung
oon Seiten eines 3lid)tbercd)tigten analog ift unb fogar als baö minus gegenüber
bem majus fid^ betrad^ten lä^t. S^^^^ ^^'^^^ ^^^^ ^'^^ 3Sorfci^riften ber §§ 310,
830, S76 ber ^ier ebenfalls in 8etrad)t fommenbc ©rlafeüertrag (§ 290) nid^t
unmittelbar getroffen. 3"beffen fann ein praftifd^eö Sebürfniß, Icbigtid^ mit
iHücffid^t auf biefen gall ben § 65 9lbf. 6 für entfpred^cnb annjcnbbar ju cr^
flären, um fo weniger anerfannt werben, als barauf Dertraut werben barf,
bofe SBijfenfd^aft unb 5ßrajid oon felbft ba^in gelangen werben, jene ^ox^
fd)riften im SBege ber Slnalogic aud^ auf ben ©rlafeocrtrag anjuwenben.
»ibcmifm. agic in ber SlJorbemerfung ju bcn §§ 1300—1310 S. 226 bereits Ijcr*
einwimgiuig. ^o^g<?l)oben würbe (oergl. aud) oben ©. 227), finben auf bie Ginwifligung
unb (Senel^migung beS ß^emannes in ©rmangelung einer entgegenfte^cnben
SBeftimmung uon felbft bic allgemeinen 9Sorfd)riften beS § 127 3lnwenbung.
S^ieS gilt insbefonbcrc aud& Don bcr aSorfd)rift beS § 127 Slbf. 3 über bic
2ßiberruflid|feit ber ©inwiUigung. Qwax ift in anberen fallen, in weisen
ber Snl^abcr eines Mcd^tcS über basfelbc Dcrfügt, bas fonfurrircnbe binglid&c
9tedjt eines ©ritten aber bie Einwilligung bcs legteren ju ber SSerfügunj
erforberlid) mad&t (oergl. §§ 960, 965, 977, 1016, 1024, 1061, 1189, 1213),
in bcm ©efegbuc^c bic crt^eiltc Ginwilligung ftets ausbrürflid^ für mu
wiberrufli^ crflärt unb liegt es bes^alb na^e, aud^ bic l;icr fraglid&c 6in:^
wiltigung beS ©f)cmannes für unwiberruflid) ju erflärcn, ba nad) bcni
prinjipiellen ©tanbpunftc bcS Entwurfes bie 33erfügtuig6befd^rfinhing ber ©Ije^
fvau fidd als 3luSflu& eines eigentl^ümlid^en binglid^cn SRedf)teS beS G^emanncft
barftellt. Snbejfcn ift ber 3luSfd&lu6 ber SBiberruflid^feit ber (SinwiBigung in
Tyällen bcr l)icr fragtid&en 3trt ni^t eine aus ber 9Mtur bcs bem ©ritten ju«
ftc^enben binglid&cn SRed^teS fi^ crgcbcnbc logifd^c SiotlMOcnbigfcit, unb liegt
im uorlicgcnben ^allc mit SlüdEfid^t auf baS umfajfcnbe, wirt^fc^aftli(b bcm
aKiteigentt|umc gleid&ftebcnbc SRcd&t beS CficmanneS bic 3lnalogic bericnigcn
gäUe näl)er, in weld)en bic SBirtfamteit ber Verfügung eines 3lid&tbered^tigtcn
oon bcr (Einwilligung bcS Scrcd^tigtcn ab^öngt (oergl. §§ 310, 830, 876 oerb.
mit § 127 9rbf. 3). 3ebenfalls fpre^cn praftifd^c SJüdfri^tcn bafür, bcn
.SBiberruf ber ©in willigung bes Gbemannes na^ aJlafegabc beS § 127 8lbf, a
• ■ yijiilQiicn^"" ' * '■
anbete 2. ^Icbcu bcu im § 1300 bcjeid&neten binglid^cn Stcd^tSgcfd^äftcn bcr
cÄ*tc. ®fK^^" fommen nur nod^ fold^c binglid^c ober obligatorifd^c SHcd^tsgcf^Äfte
berfelben in ^rage, burd) weld)c fic lebiglid^ Siedete erwirbt ober oon SBcr^
binblid|fciten befreit wirb, fowic fold^e SRed^tsgcfd^aftc berfelben, burd& welche
fic }u einer Seiftung ocrpflid^tct wirb." SiTÜTnfc'^uiiß ber"1cr|tcn Kategorie ooli
9Jcd}tsgefd(|äften bcbarf es Ijlcr einer befonberen 33cftimmung nid&t, ba aus bcr
unbcfd)ränften ©cfdööftsfäbigtcit ber ©^rau unb bcn SBcftimmungcn bcr
§§ 1283, 1288 fid^ ergicbt, bafe bcr Grwerb aus fold^cn 9led^tsgefc^äften bcm
ei;egt!te jufällt (oergl. bic aWotioc ju § 1288, oben S. 171). dagegen ifl ia
»crvfiidjtuuo 3rnfel)ung ber ^weiten Rategoric oon SRcditsgcfd&äften mit SlüdEfid^t auf bcit
uifJu^fl! (Svunbfaß bes § 1293 unb beS § 1311 jum ^d)\\^c ber cbclid&cn Slu^nicfeung
unb Verwaltung eine befonberc Scftimmung erforberlidj. ©er § 1301 bcftimmt
besf)alb, bafe iene Slcdötsgefd^cifte, wenngleid^ bic G^efrau bur^ bicfclben o^ne
Sef^ranfunö b. SSerffiöungSr. b. (SSefrau. 3Ie$t§0C|$äfte. §§ 1300, 1301. 229
Äücffid^t borauf, ob bie Ginwilligunfl ober ®encl)migung beö ®()cmaiincö 511
bcnfdbcu crtöcilt ift ober nid^t, ucrpflid^tet wirb, bod) in 9tn)e[;ung beä G()c=
jutefi gegenüber bcm ©()emnnnc nur bann roirffam finb, wenn ber ©bemann
in bie 3Sorna^me beö Sled^tögefd^äfteö eingewilligt i}ai ober biefelbc genel)migt
(oergL auc^ §§ 1311, 1312 9Jr. 1). ©ö ift äujugcben, ba^ auö biefcr 3(rt ber
©eftoltung, roeldbc niirJflQLG^entannc, nid^t and) ber Gf)j?frau baö 9ied)t giebt,
fi^ auf bm 3)iangefbere^emännli4cn ©iniDÜtigung ober ©eneljmigung ju
Berufen, furTie G^cfrau unter Umftänben ©efafiren crioai^fcn tonnen (uergl.
bie ijorbemerfung ju §§ 1300—1310 oben ©. 223). Um bie e()efrau gegen
bicfc ©efa^ren ju fc^ii^en unb fid^ im praftifd)en Slefultate bem uorroiegenb
auf bem Soben ber bcfc^rönften Oefd&ftftöfäljigfeit ber et^efrau ftel;enben,
gcttenben Siechte mel^r jn näl^ern, fönntc man bem § 1301 ben ^ufc^l beifügen,
boB, wenn ein SWed^tßgefd&äft ber im § 1301 bejeid^neten 9trt Dorgenommen
roirb unb baöfelbe f\ä) nidf)t auf SSorbel^altögut bejieljt (§ 1290), im S^i^ciKl
ongenommcn werben foHe, bafe baö 9ied|tögefdt)äft in ber auöbrüctiidj ober
ftiÜfc^roeigcnb crflärten SSorauöfegung ber (Senel^migung beö Gt^emanneö Dor-
genommen fei (oergl. § 742). Snbefjen würbe eine berartige Seftlmmung mit
bcm ^rinjipc ber unbcfd&ranften ©efdE)äftöfäl;igfeit ber (S^efrau nid^t im Gin-
flange fielen unb fann ein Sebürfnife, biefeö ^rinjip jum ©d&u^e ber G^cfrau
in ber bejeid^neten 2frt abiufddwSd^en, aud^ für bicjenigcn (Scbiete, in wcld)en
bie C^efrau nad^ bem geltenbcn 9ted)tc in ber ®efd^ftftöfäl)igfcit befdircinft ift,
tti^t onerfannt werben. 3^^^^"^ ift ^^'^ 9lnnal^me, bafe eine berartige ^ntcr-
pretationöregel regelmäßig bcn Intentionen ber ^^iarteien entfpred^en werbe,
au<^ für jene ©ebietc, wenigftenö nad^ ®infül)nmg beö 5ßrinjipcö ber un^
bcf^ränften ®ef(^aftöfSl)igfeit ber G^efrau, bebenflid); inöbefonbere paßt eine
berartige Mcgcl nid&t für biejenigen ©ebiete, in weld)en biöl^er S)otalred^t
gegolten f)aL Gö Dcrbient bal)er bcn SJorjug, bie Gntfd&eibung ber grage,
awö bie 2lbfx^t ber ^Parteien gewefen ift, ber J^eurtfieilung beö fonfreten galleö
JU überlaffcn.
Ginc 9luönal;mc üon bem ^rinsipc beö § 1301 ift and) nid&t für fotd)c oBngatorifc^c
Skc^tögefc^äftc ber Gtiefrau für erforberlid^ erad)tct, burd) weld&e fie jur SBor^ au^mmg«.
iw^me eines bcr_im §_1300_bejeid^tiete2t binglid}cn 9ledE|tögef|$äfte. ocrpflidjtct ß^*^'^«^"-
wirb. Gin burd[)fd)fagcnber OriiiÄ, auf fold^e oBTigatorildjc äSeräufeerungö-
gef(^äftc nic^t ba& ^ßrinjip beö § 1301, fonbern ba§f beö § 1300 anjuwenben,
biefelbm mithin in Grmangelung ber Ginwilligung unb ©enelimigung beö
G(^anneö ote abfolut unwirffam, aud^ gegenüber ber Gljefrau unb bem
Sorbe^altögutc berfelben, ju bel)anbeln, ift nid^t anjuerfennen. S)urd) baö
Snterejfc beft Gl^emanneö wirb eine fold^e 3luönat)me nid)t geforbert, ba feine
Sed^tc burd& baö ^rinjip beö § 1301 uoUftänbig gefd)üfet werben. Gbenfowcnig
ififet eine berartige 3luönal^me fidli auö bem ®efid)töpunfte reditfertigen, baJ3
Sec^tftgefd^fte ber ^ier fraglidjen 2lrt bem Snterefje ber Gbe felbft, alfo einem
Sjfentlid^n 3"tcrejfe, wiberftreiten, baß fie axi^ einer mit bem 3"^^*^' i^"^
bem SKcfen ber G^c nid&t vereinbaren ©efinnung Ijeroorge^en unb beöl^alb alö
gegen bie guten Sitten verftofeenb ju betrad^ten finb. 93on einem 3)Iangel
ber rechten e[;elid|en ©efinnung unb t)on einem SSerftoge gegen bie guten
©itten fann feineöwegö in alten gällen bie Siebe fein, in weld)en bie Gfjcfrau
230 Scfd^ranfmiö b. aScrfüownße-r. b. ejcfraii. ^rcscptruiiQ. §§ 1302, 1303.
SRcd^tögcfd^äftc bcr Ijier fraglidjcn 9lrt ofjuc ©innjiBigung bcö G^ctnanucö ab
fc^liefet (üergl. § 348), j. ». ni^t in fold^cu gfiUcn, in n)cld)cn bic e^efrau
baö SRcd)t, über n)efd)cö jn ücrfiigcn fie ftd^ uerpffid^tct tiat, für SSorbci^altögut
Ijält ober in n)cld)cn ftc irrtl^ümlidj annimmt, bag ber ß^emann i^r gcgcm
über feine ©inmillignng ju ber SSerfügung ert^eilt l^obc, ober in xocldycn fie
nur unter SBorbel^alt bcr ©enetimigung bcö ß^cmanneö fid^ ju ücrpffid^tcn
beQbrid)tigt, biefen SSorbe^aft aber nid^t genügenb erflört ^at (oergl. § 742).
Somcit aber nod^ ben befonberen Umftänben beö gallcd in ber Xi)at ein
93erfto§ gegen bic guten Sitten anjunef^mcn fein foUte, fül&ren bic aUgemcinen
©runbfäfee nid^t baf|in, bafe bic aSirffamfeit bes 9ied}tßgefd^äftcg üon ber
Oencfimigung beö ©fiemonnes obl^ängig, fonbcrn baß bafifelbe nidjtig ift
(§§ 106, 344). ©bcnfomenig fann ein »on bcr G^efrau o^ne ©inmiDigung
bcö ©{jcmanneö abgefd^Ioffeneß 9ied^tögefd|äft bcr l)icr fraglid^en Slrt ate ein
ocrbotöroibrigcö im ©inne beö § 344 ober beö § 105 ongefe^en werben. 2)aft
®efc6 räumt bcm ©bemanne bic e^elid^e ^lußniefeung unb SSerroaltung jroar
nid^t in feinem auöfd^Ucglidöcn perfönlid^en ^ntcrcffe, fonbcrn im Sntercffc ber
6^e ein. 35ie baö e^emännlid)e $Red[)t betreffenben 93eftimmungen pnb aber
nid^t in bcm Sinne alö im öffcntlid^en Sntercffc gegeben ju bctrad^ten, bafe
jcbeö bagegen ocrftofeenbc SRcd^tögcfdjöft alö ein ocrbotömibrigeö ju be^anbeln
märe. 2)aö Oegent^cit ergicbt pd^ unirocifelfiaft barauö, bafe baö Siecht beö
e^emanneö burd^ ©^eocrtrag (§ 1333) beliebig befd^ränft unb ganj aufgehoben
mcrben fattn. 2)ic 3luffajfung beö 9?ed^tögefd)ciftcö alö cincö oerbotöroibrigen
mürbe auc^ fonfequent bafjin fiU)rcn muffen, baöfelbc — abmcid&cnb oon bem
^<ßrinjipc beö § 1300 — für fd^lcd^t^in nid^tig ju crflärcn, bic ftonoalcösenj
burdi ©cncljmigung bcö G^emanncö mit{)in auöjufdjlicfeen. 2Bo fic^ in ben
©cfcgcn eine Seflimmung beö Snl^altcö pnbet, ba^ düc ober gcmiffc obtigo^
torifc|c 9lcd^tögefd)äfte bcr ©fjcfrau in ©rmangclung bcr ©inroiBigung ober
Ocncfimigung beö ©^emanneö aud) für fie fclbft nid)t binbenb finb, liegt
immer ber oon bem ©ntrourfe prinjipiell abgelehnte Ocbanfc ju ©runbe, ba&
bic ©(jcfrau felbft cineö befonberen Sd}ufecö bcbürfc unb bcö^alb in größerem
ober geringerem Umfange in bcr ®cfd)äftöfä^igfeit befd)ränft roerben muffe.
§§ 1302, 1303.
^m^ 3» ben 5|SartifuIarred^tcn ift entfpred^enb ben SBcftimmungcn über bic
bcfÄ«. »cfc^ränfung ber ©cfc^äftöfei^igfeit bcr ©Ijcfrau oiclfac^ anä) baö Siedet ber
©^efrau jur 5i'ifl^w"9 ^on ^^ßrojeffcn, je nad^bem bic Scfd)ranfung bcr ©e^
(s«uenbc3 fd^aftöfS^igfeit alö unmittelbare golge ber ©Ijc ober mittelbar alö golgc bcÄ
^*'^^* et}elid^cn Oütcrred^tcö gebadet ift, balb in größerem balb in geringerem Um^
fange auöbrüdlid^ befd^ränft unb ftatt bcr ©^efrau bcm ©fiemannc traft feiner
efielid&en ©croalt bejio. alö Sluöflu^ feineö burd^ baö cl|clid^e ©ütcrred&t bc*
grnnbetcn aSerroaltungöred&tcö bie Scfugnife beigelegt, bic ©jcfrau in ben i^r
aScrmögen betreffenben ^ßrojcffen, fei eö oljne 3uäict)ung ober unter S^S^c^tHtg
bcrfelbcn, jn ocrtrctcn, mobei cö jcbod) nid^t immer jwcifelloö ift, ob unb in*
micmcit ber ©l;cmann bei biefer ^ßrojcfeffl^rung in eigenem Flamen ober ald
33crtrctcr b:r ©jcfrau in bcrcn 3Jamcn ^anbclt (ocrgl. code civil 9Irt. 215^
S3ef (j&ränhwö b. ScrfüßunfiSr. b. (g^cf rau. |)rosc§f ü^runö. §§ 1302, 1303. 23 1
218, 1428; prcu§. 91. S. 91. II, 1 §§ 188, 230, 239, 245, 246 ücrb. mit
a. ®. D. 1, 1 §§ 19 ff.). 2Daö fäd^f. ®. 33. enthält in bcn ^icr fragUdjcn »c^
jie^unflen bireftc Scftitnmungcn nid)t. 3luö bcn §§ 1638, 1682, 1693 icncä
©efcgbudjeö ift inbcRcn ju entnehmen, eincrfeitö, ba^ bic ß^efrau in 3lnfc^ung
bcd ©fKflutcfi ofinc ©innjiüigung bcö ß^cmanneö ^roscffc ju füf)ren ntd^t bo
Tcd^tigt, aiibcrctfcitö bcr ®f)cmonn 5Projcffe über bic ©ubftanj bcö ß^cguteö
nur mit (Sinmilligung bcr e^efrou ju führen befugt ift. Sagcgcn ftc^t nai)
bcm olbenb. ®cf. d. 24. 3lpri( 1873, mie [\ä) aus 3lrt. 5, 7 crgicbt, bcm etie^
manne fraft feines SScrroaltungöred^tcö bic SBefu^nife ju, o^nc 3wjict|ung bcr
C^frou in 2Cnfc^ung ber ©nbftonj beö (S^egutcö ?ßrojeffc jii fülircn, o^nc
te& onbercrfeitö auöbrücflid^ bcftimmt ift, bafe bic ®ljefrau infomcit bie
Scfugnife jur ^rojcfefü^rung nid}t f)ai. Sn ber S^oftrin bes gemeinen beutfd^en
9tecl^tcö geljen bie Slnjid^ten borüber ouöeinanber, inroiemcit ber ®{)emann bafi
feinem Siebte untertiegenbe SlJermogen ber ©^cfrau unter Sluäfc^lufe bcrfclben
im ^rojcffe ju ücrtreten bered^tigt fei, unb cö ift oft fd^roer ju er!cnnen, mic
babei bie Stellung beö (S^emanncd gebadet ift.
es fann nit^t jmeifet^aft fein, bafe burdj bic Slncrfennung bcr ^ßrojefe*
gljj^it bcr^|Sf|efrau mä) äRofegabc beö § 51 Stbf. 2 ber 6. 5p. D. bicicnigcn
portifuforrc^tli^n öeftimmungen befeitigt finb, meldte, wie baö franj. 9lcd)t,
bic Sefc^nfung bcr @efd)äftäfa^igfeit unb bcmjufolge aud^ bie Sefd)ränfung
bcr g^c'^au in bcm 9ied)tc bcr 5)Jroje§fü^rung unmittelbar als golgc bcr ®^c
eintreten loffen. S)agcgcn ift eö smcifcl^aft unb fef)r beftritten, ob unb in-
mierocit burdb bcn § 51 3lbf. 2 bcr 6. % D. aud^ bieienigen partifularred^t»
Ii<i^n SefKmmungcn berührt ftnb, meldte ba^ 9tcd)t bcr ®f)efrau jur ^rojefe^^
fü^rung in atnfe^ung bes S^gflutcS in golge beö bcm ©fiemanne jufte^enben
8crTOaItun9örcd)te4 ' 'Bctd)ranten, iejm! alö Sluspufe biefcö SRed)tcö bcm ©^c^
manne inforocit baö 9lc^t bcr ^ßroicfefütirung mit SBirfung gegen bic ß^efrau
bcilcflcn (pcrgl. ©ntf^. b. 31. ®. in ßiüilf. IV, 103, XIII, 70 ©. 294, 295 ;
Urtfieil b. 9t. ®. bei ®rud^ot XXXI S. 976, 1159).
3n ftonfequcnj beö bcm ©ntrourfc ju ®runbe Uegenbcn ^rinjipeö ctanbpuuw
bcr unbefd^rönften ®efd^äftöfä&i^it bcr Qf)^xan ift batjon ausgegangen, entwürfe«.
bafe bic g^efrau nad^ aWafegabc beö § 51 3lbf. 2 bcr 6. % D. aud& in
ber ^rojcfefä^igfeit in feiner SBeife bcf darauf t ift. S^arauö in SBcrbinbung
mit 5cf ghbägung, bafe bic ^ßrojcgfülirung" nur a(ö ein SJcrmaltungöaft,
ni^t^olö eine unter bcn § 1300 fallcnbc SBcrfügung ^anjufeficn ift, fomic
in Serbinbung mit bcm ®run5fafee beö § 1293, baß bie 9led)tc bcö ®^c:*
monneö om 93ermogcn ber g^efrau nid)t mcitcr gc^cn, alö bic ber Unteren
felbft, mürbe in grmangclung einer befonbercn Scftimmung folgen, nid^t nur,
bo§ bie g^cfrau einen 9|lcd^ßrcit^_burdö._mc(d^cn ein G^cgutöred^t geltenb
gemacht mirb^ojnc 6inroiKifliin(i_bcö gtjcmgnucö cvl)cbcn fönnte, fonbern aud)
bo6 ber (elftere trofe feiner c|cüd^cii Shi^nicßung unb 93crroaltung baö gegen
bie g^efrgu^mcnn_jm^^^ bcrfelbcu, ergangene Urtl)cil olinc
9Iürffid^t borauf, ob^erin bicl^ü^rung bcö ^)lcd)töftrcitcä cingcroiHigt Ijat ober
biejeife gcnelitiitlflt^ Ijcäcn ndi gelten (afjcn müßte (oergl. imtcn 3lx. 5J.
£icfcö aus bcn aUgemcinen ®runbfäfecn fid) regclnbc Stcfultat mürbe iebod) \
bic 3lc(f|tdfteDung bcö g^emanncö ju fcfjr gcfftfirbcn. SBcnnglcic^ bic ^ßrojcfe^ '
L
232 33efd&ränfuno b. SSerfügunöSc b. ejcfiau. ^roicSfütrunß. §§ 1302, 1303.
fülirung an fid) nur alö ein ^cnpaltungöaft anjufcl^cn ift, fo fann bicfclbc
hod) lüegcn bcr SBirfungcn bcß rec^töfräftigcn Uutljcilcö biefclbcn SBirhmgcn
fjerü orbringen, wie eine SBerfügung, unb ift cö bcöl^alb im 3ntereRe beö e^e*
ntQnneö geboten, if)m gegenüber njenigftcnö bic SBirtung beö Urtfieilcö aus-
jufc^liefeen, wenn ber ^rojefe of)nc [eine ©inroilligung ober ©cnel)migung üon
«ftioproieffc bcr ®{)efrQu gefüfirt roorbcn ift. Um iebod), cntfpred)enb bem ©runbgebanfen
*^^"f^!r*' ^^ö § 1293, möglid)ft bic entftcl;ung eines relatioen 5ßer^äHniRe« ju ücrmciben
unb eine einl^eitlid)e geftftellung beibcn G^egotten gegenüber ju erreichen, ift
ber Gntwurf nod^ einen ©djritt weiter gegangen, inbcm er, wie bie SBirffam*
feit ber im § 1300 bcjeid)netcn 9fled)tögc)d&äfte, fo ba§ 9ted^t^ber_®f|€frau, einen
?Recbtöftrcit ju crl^ebcn, in meldjcm ein G^egutßrcdjt ijeltcnb jjemad)t wirb, an
bie Einwilligung ober ©enci)migunäJbcö Gliemonneö fnüpft. 2)ie ©l^efrau iil
hixnad) in 9lnfct)ung bcr Grljcbung cineö fo(d)cn 9ied}töftreiteö ol)nc ©im
willigung ober ©cnebmignng beö ®f)emanneß, wenngleich proje§fäf|ig, boc^ jur
Sad^c nid&t legitimirt, woraus folgt, bafe eine von il)r oljne ©inwiUigung ober
(53enel)migung bes ßt)emanues erhobene Klage bcr ^ier fraglid^en 9lrt oon
3tmtöwegcn abjuweifcn ift. Sollte aber biefc 3lbweifung ausnai^msweifc, fei
CS in golge eines 3vrtl)umeö, fei es in gotgc einer ÄoUufion ber Parteien,
.unterblieben fein, fo ift bas in biefem 9led)tsftreite ergangene Urt^cil jwor
gültig, aber nad& § 1302 Sag 2, fowcit esjum 9laci^tl)eilc bcr (S^^an aus*
gefallen ift, in 9lnfef|ung bes ©l[)egutcö gegenüber bcm Gf)emannc uhwirffam
0)crgl. and) §§ 1311, 1312 9Jr. 1). 3"^^^* Tann auf bicfe SBeife ein bcm
Oebanten bes § 1293 nid)t cntfpred^enbes retatiocS ä}crl)ältni6 cntftcöen; in?
bcjfen lä^t fid) bies nid)t DoUftänbig vermeiben, wenn man cinerfeitö an bcr
^roieBfäl)igfcit ber G^cfrau feftl)ält, anbererfeits ben ß^emann gegen bie
^^olgen einer o^ne feine Ginwilligung erfolgten ^^irojefefü^rung ber ©fiefrou
fd^ügcn wiH. 2)iefer Icfetcrc 3wect wirb aber burd) bic Seflimmung beS § 1302
Sag 2 oollftänbig crrcid)t. 9lud) wenn ber Srittc ein ficgrcidjcS Urtl^cil gegen
bie ©Ijcfrau erftritten ^aben folltc, fann ber ©öemann, wie fi^ aus § 1292
ücrb. mit § 1017 mit genügenber Seutlid)feit ergicbt, bic i^m fraft ber cl)clic^en
9lugniefiung juftel)enben 9lecbte mittels ber actio confessoria gegen bcn ©ritten
fclbftänbig ucrfolgcn, ol)ne bafe il)m aus bcr ^^Jcrfou ber G^efrau bic Ginrcbc
ber rcd)tsfräftig cntfd)icbcnen Sa^c wirffam entgegcngclialtcn loerbcn fönntc
(oergl. § 192). Slud) bann ücrfagt bicfe Ginrcbc, wenn bie Gljcfrau fpätcr
mit Ginwilligimg beö G^emanneö bas bctreffcnbc Gt)cgut8rccftt in einem neuen
^^Srojeffc gegen ben ©ritten gcltenb mad)t unb ber G^cmann als Sntcroenicnt
biefem -^^rojeffe beitritt, ha baoon auSjugcljcn fein wirb, bafe in einem fold^cn
galle bas Slcd^tsoerljältnife gegenüber beibcn ©Regatten nur cinl^eitUd^ fcft«
geftcHt werben fann (ucrgt. barübcr unten 9ir. 5).
Slnbcrcrfeits ergicbt fid^ arg. e contr. aus bem § 1302 Sag 2, fowic
aus bcm Orunbfagc bes § 1293 oon felbft, baß, wenn bcr Gl^emann in bie
Gr^ebung beS SRedjtsftrcitcs eingewilligt l;at ober biefelbc genehmigt, baS in
bem 9tcd()tsftreite jum 9}ad^tl|eile ber Gficfrau crlaf[ene Urt^eil awd) gegenüber
bcm Gljcmanne in 9lnfel)ung beS Gl)cgutcs wirffam ift.
wrtr>'- Gin relatiücs ajcr^nltniß läfet fid) auc^ für bieienigen gäHe ni^t Der*
vroicfic. j^^pijjj.^^ jjj ,|;,eld}cn gegen bic Gljcfrau ein 9icd)töftreit erf^oben wirb. Sic
Scf d^ränf unö b. S5crf ügunggr. b. Slfecf rau. i>roäe§f ü^nwö. §§ 1302, 1303. 23 1
218, 1428; prcufe. 31. S. SR. II, 1 §§ 188, 230, 239, 245, 246 ücrb. mit
31. ©. C. 1, 1 §§ 19 ff.). 2)aä fäc^f. ®. 93. cntf)ält in bcn I)icr fraglid&cu Sc:=
jie^ungcn bireftc 93cftimmungcn nid)t. 3luö bcn §§ 1638, 1682, 1693 jcncö
@€fc6bud6eß ift inbcffcn ju cntncl^mcn, cincrfcitö, bafe bie ©^cfrau in 2lnfc^ung
beö ßfKÖWteö o^nc ®inn)iUtgung beö 6f|enianncö ^rojcffc ju füfircn nid)t bc*
tc^tigt, anbercrfcitö bcr Seemann ^rojcffc über bic Subftanj bcö 6{)cgutcS
nur mit ©inmiUigung bcr G^efrau ju führen befugt ift. 2)agcgcn ftc^t naä)
bcm olbenb. ®cf. d. 24. 3lpri( 1873, loie fid^ auö 9lrt. 5, 7 crgicbt, bcm G^c^
mamie froft feines SBcrroaltungäred^teö bic ^cfugni^ ju, ol^nc S^^ii^^^ng bcr
S^cfrau in 9lnfcf|ung ber ©ubftanj beö S^eguteö ^rojcffe ju führen, of)nc
bo6 anbercrfcitö auöbrücHic^ beftimmt ift, bafe bic ©Ijcfrau infomeit bic
Scfugnife jur ^ßrojcfefül^rung nidjt ^at. 3n bcr S)oftrin beö gemeinen bcutfdden
Slec^teö ge^en bic S^nftd^ten barüber auöcinanber, inmieroeit bcr Seemann baö
feinem Siedete untcriicgenbc SSermögcn bcr ©l)cfrau unter Sluöfd^luß bcrfelben
im ^JroscRe ju vertreten bcred^tigt fei, unb cö ift oft fd&mcr ju erfennen, mic
babei bie Stellung beö ß^emanncö gcbad&t ift.
6ö fann nid^t ämeifell^aft fein, ha^ burdj bic 9(ncrfcnnung bcr ^rojefe^^
gjigfcit bcr ß^efrau nü6) äRafegabc beö § 51 3lbf. 2 ber 6. % D. bicienigen
PQrtifutQrred)tlidjcn öeftimmungen befeitigt finb, meldte, mic baö franj. 9lcd)t,
bic 8ci(^änfung bcr ®efd)äftöfa^igfcit unb bemjufolge auc^ bic Sefdf)ränfung
bcr ©{jcfrau in bcm Siedete bcr ^rojcSfüfirung unmittelbar alö golgc bcr ®{)c
eintreten laffen, ©agcgen ift cö jrocifcl^aft unb fefjr beftritten, ob unb in=:
toicnjcit ivivd) bcn § 51 9lbf. 2 bcr S. $. D. aud^ bicienigen partifularrcddt*
fi^en Seftimmungen berührt finb, meldte baö SHed)t ber G^efrau jur ^rojefe*
fü^rung in 3[nfel)unQ beö Gbeciutcö, in golgc beö bcm ©Iicmanne jufte^cnbcn
$crn)Qltuügörcci)teÄ ' De)cl)ränten, tcjrol alö Sluöflufe biefcö SRedEiteö bcm ®t)c*
manne inforoeit baö SRcc^t ber ^rojcfefül^rung mit SBirfung gegen bic ®f)cfrau
Wiegen (oergl. @ntfd&. b. SR. ®. in ßioilf. IV, 103, Xlli, 70 ©. 294, 295 ;
Urteil b. di. ®. bei ©rud^ot XXXI S. 976, 1159).
3n Äonfequenj beö bcm ©ntmurfc ju ®runbc licgcnben ^JJrinjipcö etanbpunft
to unbefdiränftcn ©cfd^äftöfäl&iflteit bcr ßl)cfrau ift baoon auögegangen, cntrourfe«.
H bic (S;t)t^va\i mä) Wla^^abc beö § 51 3lbf. 2 ber ß. ^. D. aud& in
1^« ^voscfefa^igfcit injeiner 2Beife befd&ränft ift. 25arauö in aSerbinbung
mit 5cr" Igrmägung , ba§ bic ^rojcfefü^rung' nur alö ein SScrmaltungöaft,
m^t o(s eine unter bcn § 1300 fallenbe SSerfügung ^ansufc^en ift, foroic
in SSerbinbung" mit bcm ©runbTdfec bcö § 1293, bafe'bic SRcdjtc beö ®f)c^
Wönncä am SSermogen bcr ©l^cfrau nid)t meiter gc^cn, alö bie ber tefeteren
Wbft, würbe in ©rmangclung einer befonberen Scftimmung folgen, nid)t nur,
H bie ©Ijcfrau einen 9ited)töftrcit ^ ^burdj mclcljen ein ß^cgutöred)t gcltenb
9cmod|t^rb^ojne (SinroiTngüna bcö ^Öemanncö cvöcbcu fijnnte, fonbcrn aud)
SoSTcr Ic^terc trofe feiner cl)cUdj[cn SJugnicfeung unb aScrroaltung ba& gegen
i^^c %frair7 mcmi jui^ ^um 9?ad^tt)cilc bcrfelben, ergangene Urtt)eil ofinc
^ ^ötfRd|^arau^ ob er in bic gü^rung bcö ^)ted)töftreitcö cingcroilligt l;at ober
. Neibc genclutilai. gegen fid) gelten taffcn müfetc (ocrgl. unten 3lr. 5). \
; S^iqcs QUO bcn altgemcinen ©runbfägcn fid) rcgclnbc iRcfultat mürbe iebod) i
kic Sc^löftcBung bcö G^emanncö 5u fet)r gefäfirbcn. gBcimgleid) bie ^rojcfe* 1
234 S9cf(]&ranfun9 b. gSerfüßumjC^r. b. eWrau. ^rojcfefü^runö. §§ 1302, 1303.
B^epfteaungs. rctotlücn aScrpItniffcö ju ucrmciben, fallen a\i6) Älagcn bcr ©tiefrau auf gcft*
""^'' ftcUung eines ©(legutäred^tcö unter jene »eftimmung (oergl. übrigens ©ntfd^.
b. gt. ®. in etüilf. IV, 103). 2lnbercrfeitö ift bie G^efrau burd& iene »e^
ftimmung tiid^t gcl)inbcrt, jum ^mdc bcr 58ert^eibigung im ^rojeffc e^cgutß^
redete geltenb ju mad^en, foioeit barin nicj^t, mie j. 33. in bcr Slufrei^nung
einer e^cgutßforberung (§ 282), eine rcdjtögefd^äftlidlie, unter bie 93orfd&riftcn
bca § 1300 fallenbe SSerf iigung Hegt, ©agegen fann fie im SBcge bcr SGBiber^
Wage ol^ne ©inroilligung bcä e^emanneä e^egutörcd^te nid^t geltenb mad&en.
2. 2)er § 1302 bejieljt fxd) ferner auf iebe 3lrt ber Erhebung eines
3led&täftreites, burdE) toeld^en ein ®^cgutöred)t geltenb gemaddt wirb, j. S. Quc^
auf bie gerid&tlid^c ®eltenbmad)ung eines ef)egutsred^tes im SBege bcS SRa^m
oerfa^rens.
ffliberruf 3. ,^at bcr ©Iiemann feine ßintoilligung ju ber ©rl^ebung bes Wcc^ts*
©inwfaißimfl. ft^^ites crtl^cilt unb ift bcr legtere rcd^töliängig geroörbcn, fo fann ber etjcmann
feine ©inroilligung nid)t mel^r roiberrufen. ©s ergicbt fid^ bies fd^on aus bcr
gaffung bcs § 1302. Snsbcfonbcrc ftc^t aud^ bie Seftimmung bcö § 127 3lbf. 3
nid^t entgegen, ba audEi nadi biefcr S3eftimmung bie ©inroilligung nid^t mel^r
lüibcrrufcn werben fann, fobalb burd^ ben 2lft, ju weldEiem bie GimoiUtgung
crforbertic^ ift, in golge ber crtl^citten Ginroilligung redEitlid^c SBirfungcn bo?
grflnbet finb.
oc 4. S)a6 bcr SRangcl ber (ginmilligung bcs ß^emanues nic^t mc^r foll
ne^miflun* gcrügt wcrbcu fonnen, wenn bcr (entere bie ^rojcgfiil^rung genel^migt, re^t*
fertigt [xö) aus ©rünbcn praftifd)cr 3^öedEmä6igfeit unb burc^ bie 3lnalogic
bcs § 513 91r. 5 unb bcs § 542 3lx. 4 ber 6. % D.
«eben* 5. 2)a nad& § 1302 bas in bcm SRcd^tsftrcite gegen bie ©ficfrau crloffcnc
intciT>cntion ü^i^eil aud^ gegen ben ef)cmann wirft, tocuu er in bie ^ßrojefefül^rung cin^
G^emannc«. gcioilligt l^at obcr biefetbe gcncfimigt, fo ücrftclit es fid^ uon felbft, ha^ bcr
ß^emann bcm JWed^tSftrcitc ber 6f)cfrau, roclc^cr mit feino: ©inroilllgung ober
Oenc^migung gefüf)rt mirb, nad^ § 61 ber 6. 5ß. D. als 9icbcnintcrt)cnicnt
beitreten fann unb bafe er in einem foldden gallc nad& SKafegabc bcs § 66 bcr
6. 5ß. D. als Streitgenoffe gilt. 2)aburd^ ift bcm ß^cmanne aud^ nad) er^
t^cittcr Ginroilligung ober ®encf)migung fein ßinffufe auf bie Ocftaltung bcs
^^JrojcjfcS unb bie einjelncn ^rojcfel^anblungcn gegenüber bcr ©l^efrau unb
bcm ©cgner gcfid^ert (t)crgl. §§ 58, 434 bcr 6. 5ß. D.). ©ine befonberc gcfc^
lidjc ßntfd&cibung bcr grage, ob in einem foldden gallc, fomie in bcm ^Bc,
menn bcibe ©Regatten, bie ß^efrau auf ®runb i^rcs ß^cgutsrcd^tes, bcr G^c*
mann auf ©runb feiner cl)clid)en Slufcnicfeung (§§ 1292, 1017), als Streit^
genoffen gemcinfdEiaftlidd f lagen (§ 57 bcr 6. 5ß. C), bas ftreitige Sicc^ts^
Dcrl)ältniB gegenüber bciben ®f|cgattcn nur eintjeitlidd feftgeftcUt mcrben fanu
(ucrgl. § 59 bcr G. % C), ift nid^t crforbcrlid), ba bie rid)tige Gntfc^cibung
ficö aus ben allgemeinen ®runbfät5en in SSerbinbung mit bcm 5ßrinjipe bcö
§ 1293 oon felbft ergicbt.
233cgcn ber grage, ob ein Scbürfuife üor^anben ift, bcm ©^cmonne
neben feiner Sefugnife, bie iljm auf (Srunb bcr c^cliddcn Slu^niefeung su*
ftcldcnbcn 9led)te felbftcinbig gcrid^tlid) 5u t)erfolgcn (§§ 1293, 1017), nod^
bie mcitcre Scfugnifj bcijulegcn, fraft feines SScrroaltungSrcddtcS, fei cS in
S5cf(5ranfunö b. SScrf ügunößr. 2C. (Sinfeit. 3ic(J6tSocf *oftc dritter. § 1304. 235
cigaicm Flamen, aber mit SBirfiing für unb qcgcu bic Gf)cfrau, ober im
?lQmcn ber ©f)cfrau als beren SSertreter felbftänbig ^roseffc über bie ©ubftanj
fccö Gbcgutcö ju führen, wirb auf bic 3Jlotioc gu § 1322 93ejug genommen.
§ 1304.
einfcitigc ^cd^tßgefd^äfte 2;rillcr, bereu SBirffamfcit baüou abl)ängt, ba^ (Unm^t
fic bem 35et^eiUgten gegenüber vorgenommen werben, fönncn bas SBermögen Qcmn^
ber g^cfrau in feinem aftiüen ober in feinem pafftocn S3eftanbe betreffen; fic ^'^*"**^*
Rnncn aber aud& oon ber 2lrt fein, bafe baburd) ba^ 33ermogen ber Cfjefrau
Sugleic^ in feinem aftioen unb feinem paffioen Seftanbe eine Slcnberung cr=*
leibet ober bod^ ericiben fann. 3^ feinem aftiuen 33eftanbc loirb baö 58ermögcn
ber e^efrau j. 8. berührt burc^ bic STufed^tung eineö Sle^tögefd^äfteö (§ 113),
burc^ bie Äünbigung einer ber ®l^efrau juftel)enben ©arlel^enöforberung oon
Seiten bc« Sc^ulbnerä (§ 457), bur(^ bie Grflärung ber 2Ba^I bei einer alter*
ntttioen Obligation, xocmi bic ßfiefrau bic ©läubigerin unb ber ©d^ulbner
BW^Ibcred^tigt ift (§ 208), in feinem pafftuen Seftanbc burd^ bie Jlünbigung
ber einem ©ritten gegen bic G^efrau juftel^cnben 2)arIe^cnöforberung oon
Seiten beft ©läubigerd (§ 457), burd^ bie SKafjuung oon Seiten eineö ®Iäu*
bigerö ber G^efrau (§ 245), burc^ bic oon bem ajertäufer abgegebene ©r^^
flärung, bo6 er bad i^m sufte^enbc 2Biebcrfauföred)t, fomie burc^ bic oon
bem SSorfauföbered^tigten abgegebene ©rflärung, bafe er fein S8orfaufdred)t auö^s
übe (§§ 477, 482). 3u ben einfeitigen SHedjtögefd^äftcn S)ritter, metd^c baö
Sermogen ber Gtjcfrau in feinem aftioen unb jugteid^ in feinem paffioen Sc-
ftttnbe berühren ober bodEi berühren fonnen, gepren j. 33. bic Slufrcd^nungö?
tdlöxnnq (§ 282), bic Grflärung beö JRüdEtritteö oom »ertrage (§§ 426, 427
Sbf. 1), baö anbieten ber öeiftung oon Seiten beö Sd)ulbuerö (§§ 254,
255 ocrb. mit §§ 257—261), bic Äünbigung bei gegenfeitigen aSerträgeu unb
bie änfed^tungfierflärung bei gegenfeitigen SSerträgeu (§ 113).
2)ie beftcl^enben SRed^tc enthalten in ber Ijler fraglid)cn 93ejiel^ung feine
befonberen 93eftimmungen. Safe einfeitigc SWedjtögefd^äfte ber I)ier fraglid^en
Srt, wenn fie lebiglid^ baö SBorbel^altögut betreffen, gegenüber ber Gf)cfrau
Dorgcnommcn werben muffen, fann uid^t jn)eifc(f)aft fein. 3n Grmangelung
einer befonberen Seftimmung mürbe eö aber aud) in 3lnfrf|ung fold^er ciiu
feüigen Äed&tögefd^afte, meldte fid) auf ba^ G^cgut in feinem aftiucn ober
pofjiucn 93cftanbe bejiel^en, ba bic G^efrau in ber ©efc^äftöfäl)igfeit nid^t be^
fcbränft ift (wrgl. § 66) unb eö [i6) nid)t um $Red)tögefd^äfte ber G^efrau
(§§ 1300, 1301) fianbelt, bei ber Siegel uerblciben, bafe berartige 3led&tögcfd)äftc
gegenüber ber G^efrau üorgenommcn werben fonnen unb muffen, fofcm nid^t
auö ben Seftimmungen über bie ebclid^c 9lu§nie§uug fid) ergiebt, bafe fic cnt^^
TOcbcr gegenüber bem G^cmanne aBein ober gegenüber biefcm unb ber Gf)efrau
flcmeinfcftaftncft oorjune{)mcn ftnb (oergl. §§ 1028, 1033). 2)iefeö auö ben
aKgcmeinen (Srunbfäßen jid) ergebenbc SRcfuttat wirb jcbod) ben 9lnforbcruugen
bcö prattifd)en Sebenö unb einer smedmäfeigen, bem Sutercffe beö Gfjcmaimcö
wie ba: G^au entfprcd^enbeu SBcrmaltung bcö Göcgutcö nidEit gcred)t. 2)a
ber G^eniann fraft ber ef)elidjen Jhifeniefeung uub äJerwaltung bnö SSermogen
236 .öcfd&ranf. b. SSei-füßunoör. fc. S^efrau. ©irffamfeit geg. ©ritte. § 1305.
bcr (S'öcfvau in i&änbcn I)at imb, wie bie Gcfaftrung Icljrt, er, roeim nid)t an^^
fd^licfelicl), fo bod) uorjugörocifc um bie SSerroaltund bcö SBcrmögenö ficft bc-
tiimmert unb mit ber 2adf)Iage bcfonnt ift, fo Hegt cö am nadEiften unb ift cö
am sweimäöigftcn, mcnn bie Ijier fraglid)en 9lcd)tögefd)äfte, fofern fie auf
6I)egiitöred)te fid) bcjicl)cu, PorbeI)aftHd) ber im § 1307 9lb|. 1 beftimmten
9luötial)me, nur gegenüber bem G()emanne wirffam oorgenommen roerbcn
fonnen. S)er entgegengefe^tc ©tanbpuntt fann unter Umftänben ju einer er-
t)eblid)en ©efäl)rbung ber $Hed)tc bcö Gfjemanueö fü[)ren, wenn bie @f|efrau cö
imterlÄfet, ifjn von ber il)r gegenüber erfolgten SJorna^mc ber l^icr fragUd^cn
9Jed)tögefd)äftc jcitig in Äenntnife ju fefeen. Sie SBorfdirif ten über bie c^eüd)c
Diuftnieftung gcn)ä{)ren bem Gfjcmanue feinen auöreid)enben Sdju^, ba burc^
biefelben praftifc^ widjtigc ^äUc, j. SJ. roenn eö fid) um bie Äimbigung cincö
von ber Gtjefrau vox i^rer SSer^ciratl^ung gefc^loffcnen SJUetl^ ober ^acftt^
Dertrageö ober um bie 3lnfed)tung cincö 9led^tögefd)äfteö fianbelt, nic^t gebccft
werben, 9luf ber anbercn Seite ift nid^t ju beforgen, ba^ bcv ©tanbpimft
beö Cntmurfeä grofje ®cfa()ren für ©ritte mit fid) bringen wirb, ba ben
lefeteren bie ©igenfd^aft ber alß 33etl&eiligte i^nen gcgenüberftcl)enben ^xa\x
als einer ©^efrau regelmäßig befannt fein unb, forocit bieö auöna^mSiDcifc
nid)t bcr gall fein foUte, il)re Unfenntniß regelmäßig auf il)rer eigenen Siad^«
läffigfeit bcrul^en wirb (oergL § 1305 nebft 3Kotit)en). S)ic SBorfc^rift, bafe
bie I)ier fraglid)en 9Jed)tögcfc6äfte, wenn fie auf G^egutöred&te fid) bcjie^en,
nur gegenüber bem Gdemannc roirffam oorgenommen werben fonnen, muji,
iinbef^abet ber im Sntereffe ber ©id^erl^eit ber Gljcfrau auf bie e^elid)c 9hi6^
niefeung fiir anroenbbar erflärten SSorfdiriften über bcn Jliefebraudd (§ 1292
»erb. mit. §§ 1033, 1035, 1036), auf alle Sled^tögefc^äftc ber ^ier fraglid^cn
9trt, iüeld)e auf Gl)egutöred)tc fid) bejie^en, 9lnioenbung finben, oftne Unter-
fddieb, ob baburdö nur ber aftipe Seftanb ober jugteid^ ber paffioe ^eftanb
beö G^egutefi berührt wirb. SBoUte man Dorfd)reiben , baß in bem tc^tcreu
§aUe bao 9ledötdgefd)äft, roenn es gegenüber ber Gl)efrau Tjorgenommcn ift^
nur in 3lnfe^ung beö G^eguteö gegenüber bem @f)emaime feine SBirtfamtcit
f)abe, fo mürben an^ einer fold^en JHelatioität bie größten SSerwirfcIungen cnt*
ftef)en. Stnbererfeitö muß bie Slnalogie beö § 1301 bat)in führen, in 2(nfc^ung
f olddcr einfeitigen $HedötSgefd)äfte, meld)e auf ©^egutöoerbinblidEifeiten fid^ bejicbcn,
jene cRelatioität jujulaffen, jumal barauö praftifd)c Sd^mierigfeiten F)ier cbenfo«
wenig, wie im galle beö § 1301 fi^ ergeben fonnen unb baö 3ntereRe dritter,
weld)e ber G^efrou üiclleidöt gerabe mit Dlürffidöt auf baö 93orbeI)altögut ber*
felben Ärebit gewäf)rt I)aben unb weld^en oieUeid)t gar ni^t befannt geworben
ift, baß ber G^emann feine GinwiDigung 5u bem ©efd^äfte gegenüber bcr Gtic-
frau erflärt I)atte (oergl. § 127 3tbf. 1), bringenb erl)eifd^t, baß baö gegenüber
ber Gbefrau oorgenommene cinfeitige 9lcd)tögefdöäft in 5lnfcf)ung bcö SSor-
bef)aItögutoö wirffam ift.
§ 1305.
tiBtrifamfeit ®ie bcm Gutwurfc ju Wrunbe liegenbc, in ber ajorbcmerfung ju bcn
aegcnajritte. §§ 1300^1310, obcu S. 225, nä()er bargelegte 9luffa|fung ber S3efdf)ränfung
beö SJerfügungörec^tcö ber Gl)efrau atö 9luöftuß eineö bem Gl)emanue in ^n*
fflcfc^rän!. b. SScrfügunfllr. b. S^efrau. SBu!famfcit ßcfl. ©ritte. § 1305. 237^
fc^ung bcfl ßficgutcö juftci&ciibcii ci9cnt^ümrid)cn bingtidjen 9icc&tcs müfetc an-
fiel tonfcqucttt bo^irt führen, bic SSorfddriftcn ju ©unftcn berienigen, lücld^c
Ätt^tc oon einem 9lid^tbcrec^tigten ^rlcitcn ober foitft mit einem Jiid^tbered)^
tigten auf Slc^tögcfd&äftc fid& eintaffcn (oergt. §§ 303—305, 837, 838, 877,
878, 939, 1083, 1090, 1114, 1116, 1136, 1144), mi^ in benienigctt
göUen jur SInrocnbung ju bringen, in roeldien ber ©rioerb ober bic aienberung
eine« g^egutörc(^teS auö einer Don ber ßljefrau oljne ©inroilligung ober ©c^
nc^migung beß Gtiemanneö getroffenen SSerfügung (§ 1300) abgeleitet wirb,
bo ber Gnocrb ober bic 9lenberung beß Gl^egutörediteö in biefen gällcn mir
bed^alb nic^t eintritt, meil bcm 33erfägenben, ber ß^efrau, baß bie cinfeitige
Serfügung ^inbembc binglid^e JRcd^t eineß 3lnberen, beß ßl^cmanncß, entgegen^
fianb. 9JamcntIid^ tonnte nad) ber 9led&tßfonfcquenä im ©mnbbud^Dcrfcl^rc bie
8ef(5ränfung beß 33crfügungßrc(^teß ber G^cfrau, wenn biefe Scfd&ränfung in
bas ©runbbud^ nid^t eingetragen märe, nac^ aWafegabe ber §§ 837, 838 gegcu:^
über einem gutgläubigen ^Dritten ebenfomcnig in Sctraci^t fommen, wie eine
fonftigc jum Sc^ufec ber 3nterc?fen einer bcftimmtcn ^erfon biird^ baß ®efe^
begrünbctc, aber nid)t eingetragene aSerfügiingßbefd^ränfung (oergl. awi) § 107
Sbf. 1). ^n einer praftifd^ fo n)id)tigen grage, wie ber rorliegenben, fann
inbejfcn nid^t bie 9lcd^tßfonfequenj, fonbern nur baß Sebürfnife beß praftifd^en
üebcnß entfd^cibenb fein, ©egen baß geftl)alten an jener 9icd^tßfonfcquen5.
fprit^t fd^on t)on üoml^ercin ber fd)merroiegenbe Umftanb, bafe ha^ barauß fid^
crgebenbc Slcfultat betn, allerbingß Dormicgenb auf bem 33obcn ber Scfd^ränfung
ber ©efd^ftßfä^igfcit ber (S^efrau ftcfjenben, geltcnben SRed&tc nidE)t cntfpridfit,.
roel(^ß, foDicI namentlid^ ben ©nmbbud^oerfe^r betrifft, bauon außgel)t, baft
Scft^ronfungcn beß aScrfügungßredfiteß, meldte au^ ber befd)ränften ©cfdjäftß:^-
fä^igfeit beß 33ercdE)tigten fliegen, ber Gintragung nid^t bcbürfcn, um gegenüber
dritten roirifam ju fein (ucrgL fSd^f. aScrorbn. ü. 9, Januar 1865 §§ 114, 121 ; ^ ^
irrcuB. ®ef. ü. 5. üHai 1872 § 11). Gß ift in Ijo^em ©rabe bcbenflidi, in <?iner ' ''
10 wichtigen SHaterie o^nc bic jroingenbften praftifdEien ©rünbc uon bem
geltcnben Siechte ab5uwcid)en. ©old^e ©rünbe liegen aber nid)t oor; im
©egent^ilc fprcc^cn übenoiegenbe ©rünbe bafür, in ber \)kx fraglid)en Sc-
jie^ung — roenngleidö gegen bic Sled^tßfonfequeuj — an bem beftcl^enbeu
Äeii^tc feftju^alten linb bemgemöfe ju beftimmen, bag bie SBorf^riften ber
§§ 1300—1304 über bic SSefd&ränfung beß Sßerfügungßrec^teß ber Gfiefrau
gegen einen ©ritten aud^ bann Slnmenbung finbcn, menn biefer bie auß ienen
Sorfd^riften ftcft crgcbenben S3efd)ränfungen ber G^efrau nid)t gefatmt Ijat.
3m praftifd^en fieben finb bic gSUe, in^^tDcId^en bcm ©ritten, loeld^cr mit
einer ^rau 9ied&tßgefdE|äfte fd^Iicfet, bic Gigenfd)aft berfelben alß einer Gf)efrau
unbefännt geblieben ift, feiten. Sttuß ber Seftimmung beß § 1305 faun baf)er
«ne jjrofec ©efal^r für bic ©id^crl&eit beß SJcrfe^reß nid^t crn)ad)fen. 5Dem
tritfen bie Grfnnbigungßpflidit aufjuerlegen, fanü um fo roeniger alß eine
unbillige §ärtc angefe^en merben, alß berfclbc regelmäßig o^ne große 9Wü^c
nd^ über bic in Setrad&t fommenben ajerl^fitttüffc ©cmißl^cit uerfd^affen fanu
unb bic e^efrau im galle einer abfidEitlid^en STäufd^ung beß ©ritten bem
lettenn für (Sd^abenßerfdl l)aftet (§§ 705, 704). 3lud^ läßt ftd) eine geroiffc
Analogie smifc^cn bem ^ier fragtid^eu galle unb ben fällen ber ©efd^äftö^
238 Scfd&ranf. b. SSerf ügungSr. b. (SMrau. SBirffamfeit geg. Dritte. § 1305.
unfäl^igfeit unb ber bcfc^rönften ©efd^äftöfäl^igfeit nid^t ücrfenncn, nomentUcft
tücnn man bie gälle bcr Gntmünbigung wegen SBerfd^roenbung ober wegen geujificr
©eifteöfranflÖ^itcn inö Slugc fafet, in rodijtn bie 2;^Qt[ad^e, t)on roeld^er bic
<Sefd&äftöunfäF)igfeit ober bie S3efd(|ränfung ber ©efd^äftöfo^igfeit ob\)änQt,
cbenfallö rcgetmäfeig aufeerlid^ nid^t ericnnbar ift. ®in weitercö erl^eblid^eö
93ebenfen gegen ba& geft^atten an ber SRec^töfonfequenj in ber l^ier fraglid^en
Sejiel^ung ergicbt fid) barauß, bafe babur^ bie SRcd^te bcö ©bemanne«, nament*
üä) in bm gällen ber §§ 837, 838, 303—305, in roeldjen bem 83ered&tigtcn
ber Seroeiö ber mala fides beö ©ritten obliegt, in l^o^em äRafec gcffil^rbet
werben würben. S)er Siüdfid^t auf bie ©id^cr^eit dritter ftel^t bie Slücfftc^t
auf bie Sicherung ber Siedete beö ß^emanncö unb auf bie ©urddfül^rung bcr
3wecfc ber eljielidjen 9lugniefeung unb Sßerwaltung gleic^wertl^ig gegenüber.
®ie Orunbfägc über ben ©d^uß beß guten ®Iaubenö finb fetbft nur eine
3luönaf)me Don einem anberen 5ßrinjipc unb in bem ©efefebud^e aud& feines-
wcgä für alle gälle, j. S3. nid^t bei ber Uebertragung pon gorberungen, jur
Slnerfennung gelangt, ©ntfd^eibenb föllt enbtid^ ins ©ewid^t, bafe bic Sin-
wenbung ber ©runbfäfee über ben Qd^nii bcß guten ©laubcnß auf ben ^ier in
SRebc ftel^enben gall ju einer Ueberlaftung ber ©runbbüc^er mit ©intragungcn
ber Sefd^ränfung beö SSerfügungsred^teß ber (S^efrau unb inßbefonbere ouc^
mit S5fd)ungcn ju fül^ren brol^t, ba ©ritte, folange nid&t bie SBerfügungß*
befdf)ränfung bcjw. bie S^^atfad^e, üon weld^er biefelbe abl^ängt — bie ©igen-
fdjaft beß S3ere(^tigten atß einer ©f)efrau — , gelöfc^t ift, fid^ auf Sicd^tß-
gefc^äfte mit ber ©liefrau uor bem ©runbbud&e au^ bann nid^t einlafjen
werben, wenn bie ©^efrau auf anbcre SBeife ben SBcgfall ber SJcrfügungß^
befd^ränfung nad^juweifen bereit fein foDte. S)a6 aber eine Ueberlaftung ber
©runbbüdjer mit ©intragungen alß ein großer praftifd^er Ucbelftanb anjufc^en
ift — gans abgefel^cn uon im mit ben ©intragungen unb Söfc^iungcn für ben
©bemann oerbunbenen Äoften — , läßt fid^ nic^t tjcrtenncn. 3Jluß l^ierna^ bic
9lnwenbung ber ©runbfä^e über ben ©d^ufe beß guten ©laubcuß für ben
©runbbudE|uerfel)r icbcufallß außgcfd^loffen werben, fo fann eß nic^t alß an^
gcmeffen erad^tet werben, für ben minber wid^tigen gall beß üßobtliaroerfel^reö
unb beß SSerfel^reß mit nid^t ^npotl^cfarifdf) geft^crten gorberungen bem cnt-
gegengefcfeten ^rinjipe ju folgen, felbft wenn man bic fonftigcn gegen bicfeö
^^Jrinjip oben geltenb gemachten SSebcnfen für fid^ allein alß bur^fd^lagcnb
nid^t crad^ten wollte.
®ti?T ^*^" ^^^ aSorfd^rift beß § 1305 ift eine 83eftimmung beß Snijalteß, ba§
ajr^bbu<^. bie ©intragung in ba^ ©runbbud^ jur Segrünbung bcr clielid&cn Slufeniefeung
unb aSerwaltung unb jur SBirffamteit ber bamit Dcrbunbenen Scfd^ränfung
beß SBcrfügungßred^teß ber ©^efrau in Slufe^ung beß ©^eguteß weber erforbcrlic^
nod) juläf fig fein foll (ücrgl. fäd)f. ©. S3. § 1670), cntbcl)rlid^. Sluß anberen »c*
ftimmungen erlieUt mit gcnügenbcr ©cutlt^feit, bafe bie e^elid^c 9iu6nic§ung
unb aScrwaltung fraft beß ©efcfeeß mit ©ingel^ung ber ©^e begrünbct wirb
(§ 1292 t)erb. mit § 1283). Slnlangenb aber bic cbenfaUß mit bcr ©bc*
fd^licßung fraft beß ©efcfecß cintretenbc aScrfügungßbefä^rönfung ber ©^efrau,
fo läßt bic 33cftimmung bcß § 1305 in aSerbinbung mit bem S^ccfc bcr im
§ 837 Dorgcfd^ricbcncn ©intragung einer aScrfügungßbcfd^ränfung feinen S'^fi^l
fflcfd&ränfunö bc§ SerfügunöSrcdStcö bcr (S^efrau. 9lu§na6men. § 1306. 239
Iwrüber auffommcn, ba& Sritte fid^ auf ben SOJangel beö (Sintragcö bcr S3c'
f^ränfung bed 93erfugung&rcd)ted ber @l^efrau mö) ^Jla^^aht bes § 837 nid)t
berufen fonnen. S)a§ aber anbererfeitö bic ©intragung ber e^elid^en 9iu^s
nic^ung unb 9}ern)a[tuug unb ber ^erfügungdbefd^rönfung in bad ©runbbud)
nid^t iulafftg ift folgt aud bem ©nmbfage bcd @runbbuc{)red^ted^ bag bic
3uIfifHflfcit einer ©intragung immer befonberß beftimmt werben muß unb
Äbcr^oupt Eintragungen^ an wel^e fid^ eine redE)tIid^e SBirfung nid^t fnüpft^
unjuläffig finb. 3)ie in ber ©runbbuc^orbnung ju trcffenben S3eftimmungen
werben barüber feinen 3^^cifel (äffen.
§ 130G.
aSBennglcic^ bie SBorf^rift beö § 1306, bereu Sinn, mic fid^ axi& % 1310 ®^Jg«"J*^f '
be« 9la^en ergiebt, bat)in ge^t, bag in ben gSUen bed § 1306 bad uon ber «bioefen^tt
eWrou oorgenommene 9led^tsgefd^aft (§§ 1300, 1301), foroie baö in bem ^^o" .°j?f ,,^"gL
i^ geführten ähio^ ober ^afftüprosefie erlaffene Urtftcil (§§ 1302, 1303) trofe ' mannea, '
bcft SRangete ber Einwilligung ober ©ene^migung bed ß^emanned audf) in
Snfe^uug bed G^egutcd gegenüber bem @^emanne mirffam ift, wegen bcr uid^t
p Dermeibcnben Unbeftimmtl^eit ber SSorauöfegungen, unter welken bie in ben
§§ 1300—1303 bejeid&nete ©inwilligung beö ©^emanncö nid^t erforberlid^ fein
foH, in bjer ^ßrajis ju ©d^wierigfeiten unb ju Streitigfeiten SSeranlaffung
flebcn fann, au(^ ein iDHfebraud) üon Seiten ber ei)efrau nic^t Döllig auö-
gefcftloffen fein mag, fo trägt bie SBorfdEirift boc^ anbcrcrfeitö einem praftifd^cn
Sebürfniffe SRec^nung, ba gällc ber im § 1306 DorauSgefefeten 2(rt fid^ nidjt
feiten ereignen, bie SBorfd&riften beö SSormunbfd^aftöred^teö über bie SKnorbnung
einer aSormunbfi^aft ober ^flegfd&aft aber (§§ 1727, 1739, 1740) unb bie
«orfc^riftcn über bie ©efd&äftöfü^rung oljue aiuftrag (§§ 749 ff.) in folgen
gdüen ni^t ausreichen, um bie ßfiefrau Dor Sd^abeu ju bewahren. ®a6 ein
fold^eö prattifd)ed 99ebürfnig beftef)t, gcl^t audj^ baraud [)ert)or, bag in ben
meiften SHec^ten ä^nlid^c SSorfc^riften fi^ pnben (oergl. Scuffert XIX, 99,
XXXVm, 135; preui 21. S. SR. II, 1 §§ 202—204, 324—328; fäd^f. («. 83.
§§ 1643, 1679). S)ie l|ier fragtid^e SBeftimmung ftef)t aud^ nid^t in aSiberfprud)
mit ben ©rünben, weld^c ben ©ntwurf (pergl. S. 120 ff.) beftimmt ^aben, baoon
abjufe^n, ber G^efrau baß Diel weitergetjcnbe unb ben ©^cmann in weit I)öl)ercm
^Q^e geffi^rbenbe Siedet beijulegen, unter ben 93oraudfegungen beö § 1306
ben C^ann in bcffen eigenen SBermögenfiangelegcn^eiten ju Tjertreten, ba cö
jt^ im nur um bie eigenen älngelegen^eiten ber @^efrau l^anbelt. Obwot)!
bie e^frau in ben fallen beö § 1303 aud^ o^ne Sinwitligung beö @()emanncö
OR ber ^^rung beö 9ied^töftreiteö felbft niemalö gel)inbert ift, fo fonnen bod)
bie Sorauöfegungen beö § 1306 unter Umftönben aud^ im ^aQe beö § 1303
itttreffen, namentUd^ bann, wenn bie @i)efrau wegen einer iweifell^afteii (Stje-
gulöoerbinbßd^feit oerflagt ift unb fie jur SSermeibung fonft fte t^iclleid^t
treffenber 9lad^t^ei(e ein ^ntereffe baran l^at, ba^ bie SSerbinblid^feit na^
erfolgter aSerurt^dlung auö bem e^egute (oergl. § 1316) fofort erfüßt wirb.
Sttö biefem Orunbc ift aud& ber § 1303 im § 1306 mitallegirt.
240 S3cf(6ranfimö bc9 SJerfüflunößrc^teS fccr gßcfrau. 9luf najmcit. § 1307.
^Ta im § 1306 immer ®cfaf)r im SSerjuge ijorauögcfe^t loirb, bicfc
SSorauöfcgung ober, roenigftenö in bcr Siegel, nur bann üorliegcn wirb, wenn
bcr C()cmann, fallä er nid^t bel)inbert gcrocfcn märe, bie ©inroilligung l)ättc
crt^cilen miiRen (§§ 1320—1322), fo ift jum ©d^ufee bcö ©l^emanneö eine
Seftimmung beß Snl^alteö, ba^ bie (S^efrau in bcn gälten beö § 1306 gegen*
über bem ©Ijemanne üerpflid^tet fein foll, fofd^e i^anblungen ju nntcrlaffen,
n)eld)c jur orbnungömä^igen SSermaltung beö (S^cguteö nid^t erforbcrlid^ finb,
nid^t für nötljig erQd)tct. (Sine fold^c 93eftimmung mürbe non um fo geringerer
prattifd^cr Sebcutung fein, als bie in ber ©runbbud^orbnung ju Ireffenben
a?orfc^riften über bie Segitimation jn SScrfügungen üor bem (Srunbbud^amtc
bie Seftimmung beö § 1306 für ben ©runbbuc^Derfe^r üorauöftc^tlid^ überhaupt
unpraftifd^ modden mcrbcn.
tnncr^oib beft 3J»^^crf)aIb beö Ijäuölid^en äBirtungöfreifeö ber ©^efrau werben nur feiten
ffiirfimfl«! Stcd^töl^anblungen in grage fommen, meIdE)c bie SSermaltung beö ®I)eguteö
(reife§. betreffen. Gö liegt beöljalb fein Sebürfnife t)or, mn bem in ben §§ 1300—1303
bejeidjneten ©rforberuiffc ber ßinmilligung beö G^emanneö aud^ in fold^en
fällen Qbjufel^en, in meldten bie S^efrau nad& § 1278 ben Gljcmann ju Der*
treten bcred^tigt ift. S)iefe gälte bebürfen um fo roeniger einer befonberen
Serücffid^tigung, alö bie SSorfdjrift beö § 1278 in SBerbinbimg mit bem von
bem ©efefcbuc^e anerfannten ©runbfafee, bo^ in ©rmangelung einer entgegen*
ftelienben Seftimmung ber 33ertreter cineö 3lnberen alö fold^er mit fid^ fclbft
fontral)iren fann (oergl. § 45 ea| 1, § 805 5lbf. 2, § 1651 5Rr. i), auö^
reid^t, um ber ©Ijefrau innerl)alb if)reö puölid^en SBirhingöfrcifcö bie S8er^
fügung über ©^egut, j. ^. über unbraud^bar geworbene Sad&en ber im
§ 1285 bejeid&neten 3lrt, ol|nc befonberc ©inmilligung beö ©IJiemanneö 5u
ermöglidfien, inbem fie infomeit alö SSertreter beö ß^emanneö fic^ felbft bie
©inroilligung ju ertl^eilen in bcr Sage ift.
SBegen beö gallcö, wenn bie ©fiefrau felbft 5um SSormunbe ifireö ©^o
manneö beftcllt ift, wirb auf § 1326 3lbf. 2 unb bie SKotiüe baju oevmicfen.
§ laOT.
»ctricb cincÄ 2}ic freiere Stellung ber gemerbetreibenben @l)efrauen, iuöbefoubcrc ber
ßefTäto. -&anbclöfx'auen, ift in bem beutfd^en etjelid^en (Süterred^tc T)on je^er ancrfannt
unb burd) bie tteueren ©efcge beftätigt (oergl. preufe. 91. S. 91. II, 1 §§ a35 ff. ;
olbenb. ®ef. o. 24. 3rpriri873 3lrt. 8 § 2 unb ärt. 9 lit. b; !q. (9. 93.
9lrt. 7—9; Ocm. D. § 11). 2)aö ^. ®. 93. unb bie ®ero. O. mußten fxd^ auf
bie ©egenftänbe, meldte burd) fie georbnet mcrbcn foUten, alfo auf öanbet
unb ©cmcrbebetrieb bcfd^ränfen. 5Bom Stanbpunfte beö ©efefebu^eö ax\^
liegt 3Seranlaffung ju einer fold^cn 93cfdöränfung nic^t üor, !Dic ®nmbe,
n)cld)c baffir fprcd^cn, bcr ®f)efrau, wenn fie mit Ginmilligung beö ©^emanned
§anbel ober ©emerbc betreibt, eine felbftänbigc Stellung ju geben, treffen in
bcmfelben ^tDlaj^e aud^ bei icbem anbercn oon ber ®^efrau betriebenen (Srmcrbö^
gcfd^äftc }u, j. S. bei einem fünftlerifd^en ober miffenfc^afllid^cn Scmfe^
mefd^cr juglcidj alö ©riücrböämcig betrieben wirb. 3m 9lnfd)Iuffc an bad
olbcnb. ®cf. P. 24. 9lpril 1873 9lrt. 8 § 2 fpridjt beöljalb ber § 1307
S3ef(6rän!uno beg SSerfügunößrc^tcS ber S^efrau. 3lu5na6men. § 1307. 241
oBgemein oon bem fclbftänbigen betriebe eines ©rtocrbögefd^äfteö (ucrgl. aud^
§ 1289).
®ic re^tlid^e Scbeutung bcö § 1307 liegt pom ©tanbpunftc bcö QnU »ebeutung;
nmrfefi aus, nad^ roeld^cm bic ß^efrau in i^rer SSeqjflid^tungöfä^igfcit nid^t
bef(|ronft ift, roefcntli^ barin, ba^, obrool^I nad^ § 1289 ber ©rroerb axi^ bem
fflbftänbigen Seiriebe beö (Snoerbdgefc^äfteö SBorbe^altßgut ift bie SBerbinblid^*
feiten ber ß^efrau aud ben im § 1307 9lbf. 1 bejeic^neten 9?ed^tögcfd&äftcn
ß^egutdoerbinblid^fciten unb bic in ^rojcffen ber im § 1307 äbf. 1 bejeid^netcn
Srt gegen bie 6^cfrau erlaffenen Urt^eitc audd in älnfel^ung beö ©i^eguteö
gegenüber bem (S^emonne roirffam pnb, fofem ber ß^emonn feine ©inroilligung
iu bem felbftänbigen SBctriebe be« ©rroerbögefd^äfteö ertl^eilt l^at (pcrgl.
§§ 1310, 1311, 1312 3lx. 1). ©iefcr bem $. @. S3. 3lrt. 8, 9 entfprec^enbe
Stanbpunft beö ©ntrourfed mirb gleid^mä^ig burd& bie 9lütfftd&t auf ben
Ärebit ber S^cfrau mie burd^ bie SRüdEfic^t auf bie ©idf)erf)eit beö SBerfel^reö
gered^tfertigt, o|ne anbererfeitö bie ^ntereffen beö 6t|cmanneö, ba bejfen ®\r\f
©illigung ju bem betriebe beö ©rroerbögefd^äfteö Dorauögefefet roirb, ju ücr^^
Ie|en. 9li^t erforberlid^ ift übrigenö, ba^ ber (Seemann bei ber ©rt^eilung
ber ©inroillißung ber red^tlid^en S^lg^n berfelben fic^ beraubt gemefen ift.
SBeiter crgiebt fid& auö § 1307, bafe bie g^efrau, wenn fie mit ©inmiUigung
beö g^emonneö ein felbftänbigeö @rn)erbögefd^5ft mit @^egut betreibt, fomeit
ber geftattete ©ef^äftöbetrieb eö mit ftd^ bringt, audd ^^^ i^ § 1300
be}ei(^fnctcn Sle^tögefd^äfte in Slnfe^ung ber ju bem ©rroerbögefc^äfte ge^
^örenben e^egutögegenftänbe mirffam t)ome^mcn fann unb jur geridfitlid^en
©eltenbmo^ung ber betreffenben ©l^egutöred^te (§ 1302) legitimirt ift, ba§ bie in
einem folc^en Mec^töftrcite ergangenen Urt^eile ba^er ebenfaUö audd i^ 3ln*
fe^ung bcd @i|^guteö gegenüber bem @d^manne mirffam unb bie auö folddcn
Urteilen entftanbenen ^erbinbliddfeiten ®degutöüerbinbliddfeiten ftnb (üergt.
§§ 1310, 1311, 1312 3ir. 1). 5Die felbftänbige ©teUung ber ©l^efrau unb bie
Sücffic^t auf bie 2age dritter bringt cö femer notlimenbig mit ft^, bafe bie
im § 1304 bejeiddncten Sleddtögefddäfte, fomeit ftc auf baö ©rroerbögefddäft fidd
bcjie^en, um roirffam ju fein, ftetö gegenüber ber ß^efrau vorgenommen
werben muffen unb anbererfeitö aud; nur if)r gegenüber vorgenommen ju
iDerben brauddcn.
2)en Ärciö berienigen cinjctnen SReddtögefdiaftc unb SRed^töftreitigfeiten, nrnfong.
ju loeldden unter ber im ©ingangc beö § 1307 beftimmtcn SSorauöfe^ung bie
einroittigunfl beö (g^emanneö nid^t erforberlidd ift, begrenjt ber § 1307 Slbf. 1
im Xnf^Iuffe an bie Sluöbrudöroeifc beö § 67 ba^in, bafe barauf abgeftellt
wirb, ob ber geftattete Oefd^äftöbctrieb bie betreffenben 9ledf)tögefd[|äftc ober
Se^öftreitiflfeiten mit fidd bringt ©enauer läfet fidd ber Äreiö ni^t n)of|I
beftimmen. 3luc^ bie neueren Oefefie brüden ftdd vielfadd äF)n(idd mie ber
entrourf auö (mgl. §. 0.93. 3lrt. 273, 47; ®ero. D. § 11; olbenb. (Scf.
0. 24. 3lpril 1873 Srt. 8 § 2). 2)aö preufe. 21. S. SÄ. II, 1 § 335 gef|t aUer*
bingö bem 3BortIaute nadd weiter, inbem eö, menn eine ©d^frau, meldte ein
©croerbc betreibt, roeld^eö feiner Sefd^affendeit nac^ Ärebit unb aSerlag
rrforbert, bie Sinmilligung beö (S^emanneö fdd^^c^tdin für alle @ddu(ben ber
ßbefrott für nid^t erforberlidt) erf lärt. 6ine berartige 3luöbednung TOürbe aber
StotiM i. MrgcrL ecfe|te4' IV. 16
242 S5cf$rdnfung beg aSerfüöun9örc(6tc8 ber (S^efrau. ausnahmen. § 1308.
über bcn SrocdE ^inauögcl^cn unb bas S'itcrcffc bcö ®^cmannefi ju fc^r gcffi^rbcn
(Dcrgt. awä) ©cfcftrco. 5Pcnf. XV § 257).
mt' ' 2)ic aSorfcfirift bcö § 1307 3lbf. 2 ft^Ucfet peil bcm 3lrt. 7 2lbf. 2 bcö
"*Mra\'$. ®. 93. an. ©ie toirb burc^ bic SRücfftc^t auf bic ©ic^er^eit bcö 95erfc^rcö
Seemannes, erfotbcrt utib Dcttcfet baö JRcd^t bcö e^cmanncö nid^t, rocil bic Untcrtaffung
bcö SBibcrfpruddeö cntrocber wirflic^ in ber Mfxd)i ber einroiHigung erfolgt
ober eine Jlad^föfftgfcit cntl^ätt, bcrcn golgen nid^t bic ®(äubigcr ber ®^efrau^
fonbern il)n treffen muffen.
@*u* 2)ie «Beftimmung bcö § 1307 3lbf. 3 ift cbenfallö burd& bic fUficfrid^t auf
- öiouS * bic ©ic^er^eit bcö SBerfel^reö geboten unb red^tfertigt jtdEi im einjctncn bur(ft
bic Stnalogie jroifc^en bem ^icr in Siebe ftc^enben galle unb benjcnigcn gäUen,
auf rocid&e bic für cntfpred^cnb anroenbbar crflärten SSorfdEiriftcn ber §§ 1336^
1337 pd^ bcjie^cn (oergl. im Uebrigen bic üRotiuc ju §§ 1336, 1337 in SScrbinbung
mit bcn aKotioen ju § 1257 oben ©. 63 ff. unb ju § 1309 unter gir. 1 a. ©.).
9lebcn ber S^rüdna^me ber ©inroiUigung ermähnt ber ©ntrourf im § 1307
9lbf. 3 nid^t aud^ bcn gall, in njcld^cm ber ©bemann feine ©inroilligung ju
bem Seiriebe bcö (Srroerbögefd&äfteö nur in befd&ränftcr SBeife crt^eitt t^at.
©clbftücrftänblid^ fann ber Seemann bei ber ©rt^cilung feiner ©inroilligung
bie 3lrt bcö ©rroerbögcfd^öflcö, beffcn felbftänbigen SSctrieb er ber (S^efrau
geftatten roill, näfier begrenjen, nid^t aber innerhalb bcö geftatteten ®rmerbft«
gefc^ofteö bcn Jlreiö ber im § 1307 9lbf. 1 bejcid^nelen ^leddtögcfd&Sfte «nb
Sled^töftreitigfeiten mit SBirfung gegen S)rittc bcfd^ränfcn.
§ 1308.
*etli«"* ^' ®^^ ©tünbc, roeldEie cö unbcbenflic^ erfd^einen laffen, bie 9lnna^mc
Qrbmtzc, einer ©rbfd^aft ober eineö SSennäc^tnijfcö (ücrgl. §§ 1873, 2029) Don Seiten
ber ß^efrau nidE|t an bic ©inroiHigung bcö e^cmanneö ju binben, finb bereitö
in bcn SKotiücn ju § 1288 oben ©. 172 ff. bargelegt. @ö fann ameifel^aft fein,
ob bicö eineö befonbercn gcfe|lid^en SKuöbnicfcö überfjaupt bcbarf. ®ö lä%t
ftdd bie Sluffaffung pertreten, bafe, wenngleich bie Slnna^me einer ©rbf^aft
ober eineö SBcrmäddtniffcö, foroeit biefclbe auf SßillenöerMärung berul^t, fid^ ald
ein SWe^tägefd^aft barftcUt (ücrgl. §§ 1873, 2029), bod^ mit SRütfltc&t barauf,
bafe nac^ bem ©ntrourfe ber ©rmerb einer ®rbfdf)aft ober eineö SSermfid^tniffeö
fraft bcö Oefe^cö erfolgt, bie in golge eineö fold^en ©rrocrbeö bie ©^cfrau
treffenben SBerbinblic^fcitcn für bic Icßtcre nidEit erft burd^ bic STnna^mc
ber ßrbfc^aft ober beö aSermäd^tniffcö begrünbet merben unb beöl)alb nid&t ate
SBcrbinblid&feiten auö einem JRcd^tögcfd^äflc ber ©f)efrau im ©inne beö § 1301
anjufel^en fmb. Snbcjfen unterliegt biefe Sttuffaffung — ^ingefefjen auf bic
maleriellc ©eite ber ©acftc — bod^ er^cblid^en S3ebenfen unb ift cö beöl|a[b jur
aSermcibung dou 3roeifeln unb im Sntereffe ber ©urd^fid^tigfeit bcö (Sefeged
ratfifam, ben ^ier fraglidEien ©afe auöbrüdflic^ auöjufpred^en.
«u9« 9lnlangenb bie 3luöfd^Iagung einer ©rbfd^aft ober eineö SScrmäcbtniffcö^
fAiagung; j^ jj-^ ^^ ^^^ gcmciucm SRcc^tc nic^t unbcftritten, ob ber S^efrau allein bod
SWed^t ber (Sntfd^cibung in bicfer ^infidfit juftebt; bod) roirb bie grage vox^
miegcnb bejafit (ücrgl. ©cuffcrt II, 191, IX, 301, XXI, 130; aWotiüc su
Sefd^ränfung beS SSerfügungdred^teS ber (S^efcau. 3(u§na]&men. § 1308. 243
§ 143 be« roürttcmb. ©ntto.; audEi aWotioe jur Ronf. D. S. 21 ff., 116 ff.).
^ie neueren ©efefee enthalten in ber ^icr fraglid^en Sejte^ung meiftenö feine
fluöbrüctlic^en Seftimmungen. SSon ber ©oftrin beö preufe. SRcd^tcö wirb auf
%unb bed ä. S. SR. I, 9 § 389 t)erb. mit II, 1 § 205 angenommen, ba^
iic ©ftefrau eine i^r (ipso jure) angefallene (grbfd^aft o^ne bie ©inmilligung
brt g^anneö ni^t ausfd^Iagen fönne. 5Kuf bemfetben ©tanbpunftc fte^t ber
e^tenbreitft. entro. § 34.
33om Stanbpunfte bed formeQen Sied^ted aud fteQt bie 9ludfd^(agung
einer ©rbfc^aft, mtnn biefelbe, wie bieö nad^ bem ©ntmurfe ber gaU ift, fraft
ie« ©efefeeö erworben wirb, fid^ allerbingß als baß aufgeben eineö bereite
eriDorbenen SRec^teß unb beöl^alb, fofem nid^t bie ®rbfdEiaft na^ § 1287
^orbe^altöflut geworben ift, alö ein unter ben § 1300 faUenbeö SRed^tögefd^äft
bor. Sie^t man jeboc^ auf baö SBefen ber ©adEie, fo ^at ber ©rroerb ber
(hbft^oft fraft bed ©cfcfteß, fo lange ba^ SRedEit ber Slußfc^tagung noc^ nid^t
weggefallen ift (§§ 2028 ff.), nur eine formelle 93ebeutung, inbem bie Sluö::
f(^lagung bewirft, ba^ eö fo angefe^en wirb, wie wenn ber Sluöfd^tagcnbc
niemate 6rbe geworben wäre (§ 2042). aßatcrlcll l^at bie 2lußfdE|lagung l^icr
alfo biefelbe Sebeutung, wie nad^ benjenigen Siedeten, nad^ wetd^en bie ®rb«
fc^ft burd^ Slntretung erworben wirb, b. ^. materiell betrad^tet, farafteriftrt fic
fidSi nid^t als baß SKufgeben eineß bercitß erworbenen, fonbem alß bie 3l\ä)U
onnülime eineß angetragenen SRed^teß. ®icfe 9luffaffung, weld^e audEi bem
§ 439 Slbf. 3 ju ©runbe liegt, mufe haf)\n führen, ber ®^efrau baß JRe^t ber
9ußf(^(agung alß ein ^öd^ft perfönlic^eß Siedet ol^ne Stüdtfi^t auf bie @in$
iDilligung beß @^emanneß beizulegen. @ß fte^t bieß auc^ mit bem 3^^cfe beß
e^^errlic^en 9lcd^teß beß 6I)emanneß nic^t in SBiberfprud^. ©iefeß foB il^n
gegen wittfürtid^e SSeränberungen ber wirtfifd^aftlic^en ©runblage beß eticlid^cn
2cbenß pon ©citen ber ß^efrau fc^üfeen. S)ie wirt^fd)aftlid^e ©runblage bilbet
ober nur baß ber ®^efrau jufte^enbe SBermogen, nid^t eine gel^offte (Srbfdiaft.
S^lägt bie ®I|efrau bie legtere auß, fo wirb baß ®^egut nic^t oerminbert,
fonbem nur nic^t Dermc^rt. SBermag bie ®^efrau o^ne ©inwiUigung beß ©{jc^^
tnanneß felbft eine angefallene ©rbfd^aft außjuf dalagen, fo bebarf eß fetbft=^ (ftr5üerji<^t.
terlianbli^ ber (SinwiDigung beß 6l)emanneß nod^ weniger ju einem ®rb^
'CTiic^te, jumal eine nod^ nid^t angefallene @rbfd)aft jum ®^egute überhaupt
ni^t . gebort unb ein SBerjid^t in biefcr SRid^tung bal^er gar nidEit unter bie
Siegel beß § 1300 fäUt
9[ef|nlid^, wie in 3lnfe^ung ber Slußfd^lagung einer ®rbfdf)aft, liegt bie
€o(^e bei ber SKußfd^lagung eineß SSermäd^tniffcß.
Wogegen fann eß iweifell^aft fein, ob ber 6l)efrau o^nc ©inwilligung »«fif^t out
beß e^emanneß aud^ ber SBerjid&t auf einen ^jjftid^tt^eilßanfprud^ geftattet werben ^fii^üTeiw-
foü, ba ber 5ßflic^tt^cilßanfpruc^ nad^ ber ben SBeftimmungen beß ©rbre^teß «»»fp™*-
(§ 1976) 5U ©runbe liegenben Äonftruftion bie Statur einer auf bem ©efefee
beru^enben, mit bem ©intritte beß ©rbfallcß bem ^jjffid^ttl&cilßbcrcd&tigtcn
erworbenen eigent^ümlid&cn SRad^lafeforberung l^at unb im ©rbred^tc an
ben Äonfequenjen biefer Sluffaffung namentlich auc^ in ber Slid^tung fcft«
gehalten ift, ba§ ber Sered^tigte nidE|t burd^ einfcitige ©rflärung ben ®rwerb
mit rürfwirfenber Äraft wieber aufljeben fann. Snbeffen l^inbert biefc 9luf^
16*
244 Sefc^rän fung bcö Serfüöimoßred6tee ber S^efrau. StitSnaJmcn. § 1308.
faffung n\6)i, im 33er^fi(tniRe unter bcn ®f|egattcn in bcr ^icr fraglid^en Se«^
jic^ung bcn SJcrsid^t auf bcn ^flid&ttf|citeanfprud(| ber 2Iuöf^Iagung einer
(Srbfdf)aft ober eines 5Bermä(^tniffe6 gleic^juftellen. 2)iefc ©lei^ftellung, roeld^e
auf bie materielle ©ad^Iage, auf ben Äarafter bcö ^ßflid^tt^eiteanfprud^eö alä-
eines erbrec^tlic^cn, an ©teile bes ©rbrcddteö tretenbeu 3lnfprud^eß baö ent*
fd^eibenbe ©eroid^ legt, red&tfertigt fid^ burd^ baö befonberc SSerl^ältnife ber
©Regatten unter cinanber. liefern SBerpltniffe entfprid^t es, bafe ber (S^c^
mann ber ß^efrau bie ©ntfd^eibung barübcr überlädt, ob fie i^rcn ^flic^tt^eife
anfprud^ gcitcnb mad^en ober ob fic es bei ben SBerfügungen beS GrblajferS.
betaffen mill, meiere biefer oicUeiddt aus befonbercn 3lücfrid^ten im SSertrauca
barauf getroffen l^at, ba^ bie ef)efrau in 2lnertennung biefer Slücffid&ten ben.
i^r gefe^Ii^ jufte^enben ^f(idf)tt^eiteanfprud) nid&t gcltenb madf)en werbe. 3^
fotd^en gäUen bem ©fjcmanne bas JRe^t beijulegen, gegen ben SBillen ber
6f)efrau bie ©eltenbmaddung bes ^flidE|ttt)eiISanfpruc^eS burd&jufegen, !ann a(&
angemejfen nid^t erachtet werben. SRod^ weniger mürbe eö gerechtfertigt fein^
in fold^en gällen, in meldten bie Oeltenbmac^ung beö ^^JflidEittlieifsanfprucöe*
pon ber SStuSfc^Iagung einer bcr ß^cfrau oon bem ©rblaffcr gemachten 3^
menbung abhängig ift (§§ 1980—1982), bie ©l^efrau in bcr grei^eit iftrcr
entfd^licfeung ju befd^ränfcn (oergl. auc^ ©euffcrt II, 191, XXI, 130). S)iefca
©rroögungen gegenüber fann auf bas Sebenten cntfd)cibenbes ©emic^t nid^t
gelegt werben, ba^ im praftifd&en Sebcn ber 5ßf(id^tt^eiteanfpru(^ ber ©fiefrau,.
weil regetmäfeig unent jie^bar , fd^on bei ©ingel^ung ber ®^e oon bem (Sf)tf^
manne als wirtl^fdfiaftlidje ©runbtage ber ®^e mit in 3fle^nung gejogen
werbe unb es bes^alb eine unbillige J^ärtc gegen ben (Seemann fei, wenn bie
ß^efrau o^ne feine (Einwilligung willfurlid^ auf ben ^flic^tt^eilsanfprud^ oetf
jid^tcn bejw. bie ©cltcnbmadEiung beS lefeteren burdEi 9lnnat)me ber Sww^ nbung
ocrciteln fönne. 2)ic Äonfcqucnj biefer 3luffaffung würbe jubem ba^in führen.
muffen, entgegen bem ©tanbpunfte beS § 1287, aud) bie 9lusf^lic§ung bcr
el^elid&en ^Rußnicfeung unb Verwaltung burdö 33eftimmung bcs ©rblafferö in^
foweit, als bcr ^flidE|ttt)eil ber e{)cfrau rcid^t, nid&t jU gcftattcn (oergl. bie
aiiotioe ju § 1287 oben S. 169) unb bie 3lusfc^lagung einer auf ®runb cind*
®rbcinfc|ungSoertragcS bcr ®l)efrau angefallenen ©rbfd^aft ober eines auf
einem aScrmäd^tnifeoertragc bcru^enbcn aScrmäd^tniffcs ebenfalls an bie ©in^
willigung bcS ef)emanneS ju binben. Uebrigcns ift auc^ im ©rbrec^tc ben.
pcrfönlid^cn SWücffid^ten, weld^e bei ber ©eltenbmaddung bcs ^ffid&tt^eil&f
anfprud^es in Setrad^t tommcn, infofern SRcdfinung getragen, als bcrfelbe iiad^
§ 1992 bcr ^fänbung im aOBcgc ber 3i^ongöoollftrccfung unb ber SlrreftootU
jicl^ung gegen bcn ^^fliddtt^eilsbercc^tigten nur bann unterworfen ift, wenn ber
Ic^tcre benfelbcn gerichtlich ober aufecrgerid^ttic^ gcitcnb gcmad&t l^at.
«bie^nung 2. ©ic Scftimmuug bcs § 1308 3lx. 2 beruht auf äl)nli^en Gwägungcn^
»«^?0«* wie bie beS § 1308 3lv. 1. 2)ie burdd ben SßertragSantrag für bie e^efrau
antrogc». bcgrünbctc unb wegen bcr ©ebunbcnl)cit beS 2Intragenben (§ 80 ff.) rcd^tlid^
gcfid^crtc aWoglic^fcit, ein 9tedf)t ju erwerben, ift eine ^od&ft perfönlic^e Sefug^
nife, unb mufe beslialb über bie 3lblcl^nung ber SBille bcr S^efrau allein enfc-
fd^cibcn. S)icfe 3lrt bcr Sclianblung ftel)t aud) — abgefe^cn oon bem
e^renbrcitft. ©ntw. § 34 — mit bcr Stuffaffung bcr meiften ©cfefte im Sin*-
S5c|(^ränfun0 be3 Serfügung^rcc^tcö ber (gl&efrau. SluSna^men. § 1309. 245
floiige. Tai bie (Sbcfrau jcbcn 33crtraß§antrag, fofern nid^t bcr aSertrag unter
bfn § 1300 fällt o^m ©inroilligung bcö (S^cmanncö roirtfam annehmen fann,
ergicbt fic^ aus i^rcr ©efd^öftöfö^igfcit üon fclbft. ®ie ©inroittigung beö
€bemanncö ift ^ier nur für bic gragc oou S3cbcutung, ob bic burc^ bcu aScr?
trog begrünbeten SRcd^tc unb ^flid&tcn r\ai) aSafegabe ber §§ 1288, 1301 bem
S^egute ober bem aSorbefialtögute iufallen.
3. 2)o6 bie 6inu)iUigung beö @^emanneö ju SRed^tögefd^öften, roeld^c bie I^^\^^
€^ou mit bem ©liemanne felbft fd^liegt, in folgen §äUen niddt erforbcrtid^ unb mt^l
i)l, in iDcId&en ber ®f)emann in ^crfon ober ftatt beöfetben beffen gefeglid&er ^^^^^^
Satrcter ^anbelt, ift als felbftoerftönblid^ betrad)tct (nergl. § 1326). dagegen '^""**
^ängt bie Gntfd&eibung ber grage, ob bie ©inroilligung beß @t)emanncö anä)
in einem folc^cn golle nid^t crforberlid^ ift, in meld&em bie ©fiefrau mit einem
SeDoHmät^tigten beö @f)emanncö fontral^irt, Don ber ßntfd^eibung ber grage
ab, ob in ber (Srt^eihmg ber SSoUmad^t Don ©eiten beö ©fiemanneö jugleid^
<nxä^ bie ©rtl^eilung ber Ginroilligung beö lefetcren ju 9iedf)tögefd^äften ?|ioifd}en
bem SetJoHmö^tigten unb ber ß^efrou liegt, gür biefen goU poptiü ju be*
ftimmen, ba^ bie Ginmilligung beö @f)emanneö nid^t crforbcrlid^ fei (oergt.
ffi^f. ®. 33. 8 1638 ,,mit ©ritten"), fnnn alö angemefjen nid)t erad^tct
loerben, oielme^r üerbient eö ben 9Sor5ug, bie ©ntfd^eibung ber 93eurt^eilung
beö einjelnen galleö ju übcrloffen. dagegen ift eö unbebenfüd^ unb entfprid^t
eß bem § 1309 9Jr. 2, von ber Siegel beö § 1300 im Sntercffe ber e^efrau
wegen beö foHibirenben Sntereffeö beö ß^emanneö unb jur SSereinfad^ung bcr
Bad)t (DergL § 1320) bie 3luöna^me ju mod^en, boß bie ©inmilligung beö
€(iemonneö nid^t erforberlid^ ift ju einem SRed^tögefd^äfte, meld^eö oon bcr dfjt^
fron <|egenüber bem ©bemanne üorgenommen mirb.
4. ©ine oUgemeine Seftimmung, ba& bie ©inroilligung beö ®f|cmanneö ®i*ening
mä^t erforberlid^ fein foH 5u fold&en ^anblungen, meldte lebiglid^ bie ©rf)altung SS? c'^u«!
unb Sicherung bcö ©^egutcö betreffen, mürbe jroar an fic^ feinem Sebenfen
unterliegen, ba ein bem 3"tereRe ber ß^efrau miberftieitenbcö red^ttidjcö
3ntereRe beöG^emanneö l^ier faum benfbar ift. Sie ift iebod^ alö entbc^rli^
erod^tet, ba für ben roidötigften, f)ier in grage fommenben galt, nämlic^ in
Snfe^ung berjenigen i^anblungen, roetdde bie ©r^altung unb ®ur^füt|rung
bcö 3nocntarred^teö in Sejiel^ung auf eine bem ©l^egute angefallene ©rbfd^aft
beperfen, im ©rbred^te (§ 2148 3lx. 4) befonberö $5orforge getroffen ift.
SBeld^e red^tli^ie'SSebcutung eö ^at, bafe in ben gällcn bcö § 1308 bie
ßinioiniflung beö ©tjemanncö nic^t erforberlid^ ift, ergiebt fidb auö bcr aU^
gemeinen SSorfc^rift bcö § 1310.
§ 1309.
1. 3)er im § 1309 3lx. 1 üorgefe^ene gall ift, fooict junädjft bie 3Iftio^ «ortfe^ung
projeffe ber ©^efrau betrifft, bem galle ganj analog, menn rofifirenb 93efte^enö 'Xul***
ber eMid^cn Sfhifeniefeung unb SBermaltung ber ©bemann feine ©inmiUigung
§u bem ^rojeffe ert^eilt ^atte unb leftterer red^tö{)ängig gcroorben ift. 9Bie in
einem fold&en galle (oergl. § 1301 nebft aKotinen oben S. 234), fo mufe au^
in bem ^icr in 9lcbe fte^enben galle bie gortbaucr bcr jur Seit bcr 9lcd)tö*
^ngigfeit einmal oorlianben gemefenen 2lftit)Icgitimation bcr ©fjcfrau Don bem
246 Scf(??rdnfunG be« aJerfüßunöSre^teß bcr SJcfrau. ausnahmen. § 1309.
SBiDcn bcs @^cmanncö unabhängig unb baä' in bcm ^rojeffc crgel^cnbc Urt^cit
auä) in 3lnfc^ung beö ©fiegutca gegenüber bem (S^cmannc wirffam fein (oergl.
§§ 1310, 1311, 1312 5Rr. 1), 2)iefe Regelung ift nad^ ^Analogie beö § 236
ber 6. 5ß. D. inöbefonbere aud^ mit Slücffid^t auf bie Sage beö ^rojefegegner^
ber ®^efrau geboten. SBie bcr ©bemann bie auf einem Dor ©intritt ber el|c*
Iid)en Sluftniefeung unb SBerroaltung vorgenommenen SRed&tögefc^äfte ber (St|e*
frau berul^enben, menngleid) erft nad^ jenem S^itpunfte eintretenbcn red^tlid&en
SBirfungen ftc^ gefallen laffen mu§, fo auc^ bie redfitlid^en folgen eines bereit*
Dor jenem S^itpunfte anl^ängig geworbenen ^rojeffeö. S)iefer ©eft^töpunft
mu§ aber fonfequent ba^in führen, and) bem in einem bei ©intritt ber e^e^
lid^cn SRufeniefeung unb Sßerroaltung bereits red^tö^ängigen ^ßaffiüprojeffe gegen
bie ®f)efrau ergefienben Urt^eile in 2lnfe^ung beö ß^eguteS gegenüber bcm
©{jemanne SBirffamfeit beijuregen (ocrgl. §§ 1310, 1311, 1312 5Rr. 1). ©ine
fold^e SBeftimmung ift ebenfalls im ^ntereffe bcs ^rojcfegegners bcr ©^cfrau
burd^ bie öiKigfeit geboten, ba ber tegterc ben ©l^cmann nid)t jroingcn fann,
bem ^rojeffe beijutreten, berfelbe mitl^in ol^ne jene S3eftimmung genötfiigt fein
mürbe, gegen ben ©l^emann bemnäd^ft Don 3leuem ju Hagen (oergt. § 1314),
SInbererfeitö fann ber ©bemann gegen eine nad^läffige ^ßroje^füfirung bcr ®^c?
frau in allen gällen fic^ baburd^ fd^ügen, ba% er bem ^rojcjfe als 9iebcm
interoenient beitritt, in meld^cm galle mit JRürffxd&t auf § 1310 beS ©ntmurfcs
ber § 66 ber ©. % D. Slnrocnbung finbet.
®a6 bie SSorausfegungcn, unter meieren bie ©inmitligung beS Seemannes
jur gü^rung eines 9lcd^tSftrcites ber ©^efrau an fi^ crforberlid) ift, erft nodb
ber JHed^tS^ängigfeit beS le^tcren eintreten, fann, abgcfcl^cn üon bem gallc bcs
§ 1309 3lv. 1, aud^ nod) in anberen gällen Dortommen, nämlid^ bann, wenn
ber @t;emann feine ©inroilligung ju bem felbftdnbigcn betriebe eines ©rmcrbs«
gefd^äftes üon ©eiten ber ©f)efrau nad) ©intritt ber 9led^tsf|ängigfeit eines bas
©rn)erbsgcfdf)äft betreffenben SReddtsftrcitcS jurüdEnimmt ober mcnn bie ©^cfrau
auf ©runb bes § 1306 of)ne ©inroilligung bcs ©^cmanneS einen Slcd&tsftrcit
fübrt unb nad^ ©intritt ber SRcd^tsliängigfeit bie ^Borausfcgungcn bcs § 1306
mcgfallen. ©in Sebürfnife, mit SRücffid^t auf biefe gölle bie SSorfd^rift bcs
§ 1309 3ir. 1 }u crroeilcrn, liegt jcbod) nid)t üor, ba einerfeits aus bcm jener
3Sorfd^rift ju ©runbe liegenben ^rin5ipe, anbererfeits aus bem § 1310 ocrb.
mit ben §§ 1306, 1307 ficb crgicbt, bafe aucb ^^ ben bcjeid^neten gälten bie
©inmilligung bcS ©^emanucs jur gortfegung bes Stcd^tsftreitcs bcr ©^cfrau
nid^t crforberlid^ ift. 3lnbererfeits mürbe burd) eine aud^ iene gälle umfaffenbc ©r*
meiterung bcr gaffung beS § 1309 9Jr. 1 bas ©efeg an ©urdbfid&tigfeit ocrlicrcn.
öcitenb. 2. Sie im § 1309 9tr. 2 bcftimmte 9lusnal^me ift eine not^mcnbigc
""e^l^SwT* S^ffl^ ^^ ^ön bcm ©ntiourfe angenommenen ©runbfafteS, bafe bie gcrid^tlic^e
rw^tcfl: ©eltcnbmad^ung oon ®f)egutsanfprüd)cn bcr ©^cfrau gegen ben 6f(cmann aud)
ermann! fdf)ou mä^rcub bcftcl)enbcr cl)clid^er Slugnicfeuug unb SBcrmaltung .wläffig ift
(oergl. § 1292 ucrb. mit § 1004, ferner § 1324 Slbf. 2 unb 9)lotioc ju
§ 1292 oben S. 184).
ctSelF^nö«* ^' ®'^ 93eftimmung beS § 1309 3lx. 3 umfafet fomofil ben gall, in
Doufticdung TOclc^cm bic 3roangSt)ollftrecIung gegen bie ©l}efrau fclbft ouf Orunb eines
Xgut* gegen fic üoUftredbaren SCitclS ftattfinbet, als au^ ben anberen goH, in
S3cf(J6ranfung bc5 aScrfuguno§rcc&tcg ber (SMrau. 9lußnal&men. §1309. 247
melc^cnt Seftanbtl^cile beö ®f|cguteö bei einet gegen 2)ritte gerid^tetcn 3n>on9ß=*
ooQftrecfung gepffinbct werben. 3n bem erftercn goUe foB bic ®f)efrau bie
bem Sc^ulbncr bei einer gegen i^n gerid^teten 3n)angöDoHftrecfung juftcl^cnben
Scd^lc felbftönbig wa^rne^men, in bem anberen galle auf ®runb il^rcö bie
SSeröufeerung ^inbemben 9led&ted in ©emäfe^eit bes § 690 ber 6. % D. SBiber-
fpnw^ ergeben fönncn. S)er § 1309 SRr. 3 mod^t ferner feinen Unterfd^ieb, ob
cd fid^ um eine SroangöDoIIftredEung in baß ß^egut wegen einer ©elbforberung
ober um bie ajoDftrerfung eineö auf bie aSeräufeerung einer (g^egutefad^e
gerichteten Urti^eiled ^anbelt. 3n aKcn ^ier in grage fommenben gällcn ift
regelmäßig ®efa^r im 33erjuge, unb ^at ber ©l^emann ni^t feiten ein bem
Sntercffe ber ß^efrau entgegcnftcl^enbeö Sntereffe, n)eöl;a(b nid^t immer barauf
ju red^nen ift, baß er freiwillig feine ©inroilligung ju ben F)ier fraglid&en
Met^tdftreiti'gfeiten na^ ajlafegabe ber §§ 1319, 1322 ertl^ieiten wirb, aiuf ber
onberen Seite ^at ber Ehemann fein red&tlid& ju bead^tenbcö Sntereffc, bic
Qeltenbmaci^ung eineö ß^cgutörcd^teS burd^ bie ©^efrau in bem ^ier fraglichen
goDe ju ^inbem, jumal er gegen eine fd^tcd^te 5Proje§fül)rung ber ®^efrau
fi4i boburdb fd^flfccn fann, bafe er bem ^ßrojeffe als SRcbeninteroenient beitritt, in
mli^m galle er nad^ § 66 ber 6. % D. Derb, mit § 1310 b. Qniro. als
£treitgenoffe gilt.
4. 25ie aSorfd^rift bcs § 1309 9lr. 4 entfpri^t ben ©rünbcn, aus weld^en »tbcrfpru^
ber g^efrou bas im § 1299 äbf. 2 beftimmte felbftänbigc 3Biberfprud&Srcd)t ^,^^^^t^
beigelegt ift, fowie ber änatogie bcö § 1309 3lx. 3, ba baS SBiberfpru^sred^t *^*"^"ö^^
bie materiellen S^edt beS ©Iiegutes ju fiesem beftimmt ift. 2:ic fad^lidf)e
SJebeutung ber 9lr. 4 ift bie, bafe baburd) bic jum 3wede ber ^ier fraglid^en
Äec^tSperfoIgung t)on ber Ehefrau eingegangenen ober bie lefetere in golge ber
$roje§fü^ning treffcnben ajcrbinblid^feiten ben Äarafter t)on ©l^egutsoerbinblid^*
feiten erlangen (oergl. §§ 1310, 1312 SWr. 1, § 1297 ?lr. 5). SJafe bie e^e*
frou ouc^ ofine ©inwilligung bcß ef)emanncs jur Sr^ebung beS SBiberfprud^es
im SBcge ber Älage fac^lid) legitimirt ift, ergiebt fidEi fd^on aus ben §§ 1302,
1303, ba ber ©bemann ®igentf|ümer ber grüd^te ift, bie (Sliefrau baljcr ein
ß^egutdrcd^t im 6innc bcS § 1302 nic^t geltenb madf)t.
5. ©in Sebürfnife, ber Ehefrau nod^ in anberen gällen, als ben in ben »inbifotion
§§ 1306, 1307, 1309 bcjeid^neten, bie geric^tli^e ®eltcnbmad&ung oon ©^eguts^ »etäu'JaJJr
redeten o^ne ©inwilligung bcs Ehemannes ju gcftattcn, insbefonbcrc bann, ^f^^^'
»enn ber Seemann rcc^tswibrig über 6f)egutsgegenftänbe üerfüg't \)at, liegt
nid^t oor. 93om ©tanbpuntte bcs Entwurfes aus fann cS nid^t zweifelhaft
fein, bafe bic ®^efrau in gällcn ber julegt gcbaddten 9lrt bie i^r gegen S)ritte
jufle^enben ß^egutßanfprüc^c fc^on walirenb befte^enber c^elid^er SRufeniefeung
«nb Scrroaltung geltenb mad^en, insbefonbcrc bie üon bem ©bemanne red^ts^^
töibrig ücräufeertcn ß^egutsfad^en ron bem brittcn Sefiger mnbijircn fann
(oergl. fäc^f. O. ö. § 1675). Sine anberc gragc ift cö aber, ob ilir in bicfen
§ällen bie 33efugni6 jur felbftänbigen gerid&tlic^en ©eltenbmad^ung ber be-
treffenben ©^egutsre^te eingeräumt werben foll. I)er ®cfid)töpunft, bafe aud^
in gfiUen biefer 9lrt bas 3ntcrcffe bcs ©liemanncs mit bem ber ®l)efrau
foUibire unb eS im Sntereffe beS cl^elic^en griebenö tl)unlid^ft ju oermeiben
fei, bie Gl^efrau auf ben SBeg ber Älage gegen ben (Seemann ju perweifen,.
248 Scfd&r. b. Scrfügunoßr. b. g^cfrau. ©ebeutuitg ber Stue^na^mcn. § 1310.
um bcffcn ©intüinigung jur gcrid^tUd^cn ©cltcnbmac^ung bcr bctrcffcnben 6^c^
gutöre^tc 5u crjnjingcn (ocrgl. §§ 1320, 1322 b. ®ntro. ocrb. mit § 779 bcr
6. 5}J. O.)/ fcmn nid^t alö burd)fd^lQgcnb crad^tet mcrbcn, um eine 3)ur^6red&ung
bcr SRcgcI bcö § 1302 ju rcd^tfcrtigcn. 9lu(^ ift in ben güDen ber ^ier frag^
lid^en 9lrt regelmäßig Oefal^r im SScrjuge nid^t oorl^anben. 6ß ^anbett fid^
nid^l, mic im galle beß § 1309 5Rr. 3, um bic Slbwenbung eines brol^enben
SSerlufteö, fonbem um bie SBiebererlangung eines bereits verforenen Seftgcö.
gubem f|ängt bie Segitimation ber ©^efrou in ben l;ier fraglid^en gällcn nic^t,
mie in bem gallc bes § 1309 3lv. 3, bloS boDon ab, ob bie ©odEie jum (S^e*
gute ge{)ort, fonbern oon ber t)ielIeidE|t beftrittenen unb jmeifel^often groge, ob
bic Verfügung mit ober of|ne ©inroilligung ber ©^efrau erfolgt ift, ober ob
oiclleid^t überall feine red&tsmibrige 93erfügung beö ©^emanncs in §rage fielet,
fonbem ber S)ritte bie ©ac^e auf Orunb eines SRcd^tsgefd^äftcS bes ©^emanncs,
JU beffen SSornal^mc berfclbe t)ermoge feiner e^etid^cn Siugnießung befugt mar,
j. 33. auf (Srunb einer SBcrpad^tung, erlangt l^at. 2)oS SScr^ältnife fann fo
liegen, ba§ bcr (Seemann ein bringenbes ^ntereffe baran ^at, bie ©r^ebung
ber Elage ju ^inbern, of|ne bafe unter ber ^inausfd^iebung bcrfelbcn baS
3ntereffe ber ©fiefrau leibet. SDasu f ommt, bofe eine fd^arfe ^JJräjifirung ber ^ier
fraglid(ien 9luSnal^mc t)on ber SRcgcl beS § 1302 fd^mierig ift, eine fol^e äuö^
na^me ba^er aSeranlaffung ju Streitigfeiten unb ^rojeffen ju geben bro^t.
5)as 3lntcrcjfe ber ©liefrau ift — abgefc^cn baoon, bafe fie gceignctenfaUs gegen
izn (Seemann auf ©rt^eitung feiner ©inmilligung ju bem ^rojeffe Magen
fann — - baburdEi genügenb gefd^üfet, baß ilir, menn ben ©bemann ein SJer«
fd^ulben trifft, ein ©rfa^anfprudEi gegen benfclben äufte^t, meldten fie ol)ne feine
©inmilligung fofort geltenb ju mad^en bered[|tigt ift (oergl. § 1292 oerb. mit
§ 1004, ferner § 1324 9rbf. 2, § 1309 9lr. 2), unb baß fie im äußerften
galle nad^ SRaßgabc bes § 1328 9lr. 1 bie 2lufl|ebung ber e^elid^en Slufenießung
unb SSerroaltung ücrtangcn fann.
^roie^r 6^ 2)ie rcd^tlic^e 33ebeutung ber im § 1309 beftimmten SluSna^mcn ift
nid^t nur bic, baß in bm gSUcn bes § 1309 bie ©^efrau jur gerit^tli^en
©eltcubmad^ung ber bctreffenben ©^egutsrec^tc ol^nc ©inroilligung beS @^e^
manncs aftio legitimirt unb bas in einem 9led^tsftrcite ber fragli^en ärt
erlaffene Urt^cil auc^ in 3lnfe^ung bes ©^egutes gegenüber bem ©bemanne
mirtfam ift (§ 1310), fonbern aud^ bie, baß bic oon ber ©t)efrau behufs jmed^
entfpret^enber SRed^tSoerfolgung eingegangenen ober fie in golge bcr ^rojeß*
fü^rung fraft bes ©efefecs treffenben 3Jerbinblid[|fcitcn, fei eS gegenüber i^rem
5ßroießgegncr ober gegenüber it)rem Slnroaltc ober i^rem ©crid^tSooUjie^er ober
gegenüber bem (Scric^te, ol^ne SRüdEfid^t auf bic ©inmiDigung bes ©bemanne«
als ©^egutSücrbinblic^feiten {oergl. §§ 1311, 1312 3lx. 1) ju betrauten finb.
§ 1310.
»ebeutung 3)er § 1310 bcjmedEt, bie rec^ttid^c 33cbeutung ber S3eftimmung, bafe
«ujna\men. iu bcu gäUcu bcr §§ 1306—1309 utib bcS § 2148 5Rr. 4 bic ©inmiDigung
beS ©^emannes nid^t erforbertic^ ift, in pofitioer SBcifc jum ftarcn ^lusbrucfe
JU bringen. 9lus § 1310 in SSerbinbung mit § 1312 5Rr. 1 ergiebt fi^
SetfcinbUd&fcitcn ber ß^efrau. e^egut^berbinbli^fcitcn. §§ 1311 , 1312. 249
nomcntlu^, bofe, foweit mö) bcn aSorfd^riftcn ber §§ 1306—1309' unb bcö
§ 2148 3h:. 4 ju einem SRed^tögcfd^äfte ober einem SRec^töftreite ber S^efrau
bie ßimoilKgung bcö ©fiemonneö nirf)t erforberlic^ ift, bie barauö entftonbcncn
SfrtinWic^feiten ef^egutdoerbinblic^feiten ftnb (§ 1311). 3m Uebrigen mirb
jur 9lc4itfertigung ber im § 1310 entgoltenen SSorfdirift auf bie äHotioe ju
Jen §§ 1306—1309 93ejug genommen.
4. SSerbinblidjfeiten ber ©l^efrou.
§§ 1311, 1312.
I. 2)em ©runbgebanfen ber el)cttd^cn Slufeniefeung unb SJermaltung, ©teaung ber
inäbefonberc bem im § 1293 jum Stuöbrude gelangten 5ßrinjipe, bafe nur baö ®^«J,efTau*^''
jeweilige Vermögen ber ß^efrau ber el^elid^en SRufeniefeung unb a3ern)altungfl«flenttberbem
unterliegt, entfprid^t ber ®runbfa§, bafe bie ©laubiger ber fö^efrau, fomeit ^^2Tat
nid^t bafi ©efcß ein 3lnbered beftimmt (§ 1312), megen aller SSerbinblid^feiten
ber ß^efrau bie Scfriebigung aud^ auö bem S^egute o^ne SHüdfic^t auf bie
eWi^« Slugniefeung unb SScrmaltung t)erlangen fönnen (§ 1311). ®ö gilt
Med namcntüd^ von allen r[px ©intritt ber e^elic^cn 9lu|niefeung unb SScr*
TOcltung entftanbenen SBerbinblic^feiten ber ®^efrau, fomie von ben nod^
eintritt ber e^elic^cn 9luftnic6ung unb Sßermattung entftanbenen SBerbinblid^"
leäen berfelben auö SRed^tögefc^öften unb Urt^eilen, menn ber ®l;emann in
l>if äSoma^me befi 9led^tögefd[|äfteS ober in bie gü^rung beö SHed^tdftrcited
ringeroilRgt ^at ober bie eine ober anbere genehmigt (oergl. §§ 1301—1303,
1311, 1312 9lr. 1). 2)iefen SBerbinblic^feiten ftelien gteid^ bie aSerbinblid^teiten
ber 6^au auö SHed^tögefd^äften unb Urt^eitcn in fotd^cn gcillcn, in meieren
cufina^Srocife bie ©nmilligung beä ©^emanneö nid^t crforberlic^ mar (oergl.
§§ 130^—1311, 1312 SWr. 1). 3nfomeit finbet ber ©ntmurf ftc^ im ^rinjipe
mit allen bcfte^enben 3?ed&ten im ©inf lange (oergl. preufe. 21. 2. 9J. II, 1 §§ 320,
335, 336, 338; fä(^f. ®. 33. § 1679; olbenb. ®ef. o. 24. 2lpril 1873 Sttrt. 9).
3n>eifet^ft unb nic()t unbeftritten ift bagegen bie S^age, ob unb inmieroeit ©«f«»««^«
nod^ ben befte^enben Siedeten anbere nadfi ©intritt ber c^elid^en ^lugniefeung rluenVnb
unb SeriDoUung entfianbene SSerbinblid^teitcn ber (S^efrau, inöbefonbere bie ^^^^
unmittelbar burd^ ©efefe bcgrimbeten ober auö unerlaubten i^anblungen Ijer«
rü^miben SScrbinblid^fciten berfelben, ß^egutßoerbinblidifeiten im ©inne bcö
§ 1311 finb. gür baö gemeine SRed^t'mirb bie Haftung bcö ©f)cguteö für ©citcnbc«
©c^lben biefcr Sfrt balb bejolit, balb oemcint (oergl. in 9lnfe^ung ber i&aftung *****
brft ©efammtguteö für bie 35eliftöfd(iulbcm auf bem ©ebietc ber ©ütergemein*
f(|oft entfd^. b. SR. ©. in ßioilf. VII, 51). ®aö preufe. 91. S. % entljält in
Wefer SSejic^ung feine auöbrücflid^e Seftimmung, unb ift cö in ^otgc beffen
namentüi^ ftreitig, ob bie ©löuhiger ber ©bcfrau megen ©eliftöfd^ulben fid^
wä^renb ber 6^c an baö ©Ijegut lialten fonnen. S)ie neuere ©oftrin fd^cint
icboc^ oortoiegenb anjunetjmen,' bafe ber § 320 II, 1 91. £. 9t. ftd) nur auf
Dertragömögige 3Serbinblid^feiten ber ß^efrau bcäief)c unb bcöl)alb bie Haftung
beöSbeguted für gcfcftlic^e SSerppid^tungen ber @^efrau ju bejatien fei (oergl. aud^
©cfeftreo. ?ßenf. XY § 242 nebft aKotioen @. 204). S)aö fddjf. ®. 35. § 1679 cr^
250 SScrBinblid&feiten bet (S^cfrau. S6eoutet?erbinbIi$fcitcn. §§1311,1312.
fennt ganj allgemein bie Haftung bed e^eiDeiblid^en 93enn5geng für aUt oor ober
TOä^rcnb bcr ®^e red^tögültig entftonbcnen SBcrbinblid^fciten ber ß^efrau an
unb befc^rSnft biefc Haftung rürffid^tlid^ bcr ©d[|ulbcn auö unerlaubten ^anb?
lungen in § 1680 nur infofern, ate fie nur in ©rmangelung oon SBorbeJ^attdgut
eintreten foU. Saß olbenb. ®ef. o. 24. Äpril 1873 Slrt. 9 läfet baft eingcbrad^tc
SSermögen ber ®^efrau oufeer für bie oore^clid^en unb für bie roä^renb bcr
®^c mit ©ene^migung beö Seemannes ober in einem oon bcr S^efrau
felbftänbig betriebenen ©rioerbdgefd^äftc eingegangenen SSerbinbli^fciten bcr
@^efrau aud^ für bcren Sd^ulben aud unerlaubten ^anblungen ^aften^ eriDä^nt
aber im Ucbrigcn bie gcfefelid^cn SSerbinbUd^fciten ber S^efrau nic^t.
etanbpunft 2)cr ©utiourf ge^t baoon aus, bafe cö racber burd^ bie Seftimmung bcö
«ntmurfeft. ©(^cgutcd uod^ burd^ bie bem @^cmanne in 3lnfe^ung bed legtercn gebfi^renbe
Stellung, weld^c i^m nic^t um feiner felbft, fonbern um bcr e^elid^cn (Scmcin*
1 fd^aft millen eingeräumt roirb, -geboten ift, ben o^ne ben 3BiUen bcr (S^cfrau
\ eintretenben SBcrönbcrungcn beß ®^cguteö i^rc rcgclmäfeige SBirfung ju ocr*
I fagen. ^icß gilt, oorbclialtlic^ ber auß § 1312 fid^ ergebenben älußna^men,
in gleidjer SBeife üon htn SSerönberungen beß 5(JaffiDbeftanbeß mie beß Slftio*
beftanbeß beß ©^cguteß. @ine von bem SBillen ber @^efrau unab^öngige
SKenbcrung ber crfteren 9lrt liegt aber in ber ©ntficl^ung oon 93erbinbli(^teitcn
ber (S^cfrau auß unerlaubten ^anblungcn unb auß 3wftänbcn, mit meldten
baß ®cfe§ biefc SBirfung oerbinbet. Daß 6l|egut oon ber Haftung für SBcr«
binblid^feiten biefer ^Irt ju befreien, mürbe nid^tß Sttnbereß bebeutcn, aü bcr
ß^efrau ju ®unftcn beß S^emanncß ha& ^rioilcgium ju crt^eilcn, bie ^ier
fraglid^en ©Bulben, fomeit fie fein SBorbetjaltßgut l|at, mä^renb ber ©^e ni^t
; beja^len }u brauchen. @in fold^eß bie 9led^te 2)ritter bcnac^tl^ciligcnbcd ^ri^
' oitegium barf bcrfelben nid^t beigelegt mcrbcn. 2)ie ©ad^lage in SKnfcl^ung bcr
l^ier fraglichen SSerbinblirfitciten ift auc^ feineßmegß bie glcid^e, wie in ^nfe^ung
ber aScrbinblid^teitcn ber ©Ijcfrau auß SHcd^tßgcfd^äftcn, meldte bie Icfetctc
olinc bie crforberlid^c ©inroilligung beß ©(lemanncß oorgenommen l)ai; bcnn
einerfeitß Ijanbclt eß fid^ in bem Ic^tercn gaüe um 93crbinbUd^feitcn, melcfK
burdEi ben SBitten bcr 6f|efrau bcgrünbct finb, anbererfeitß mußten bie ©lau-
biger, bcren Slnfpruc^ auf einem SHcdEitögefd^äftc bcr ß^cfrau beruht, bafe biefc
für bie Sauer bcr ®^c oljne ©inroiUigung bc^ ßfjcmanneß baß @^egut ni^t
oerpfIicl)tcn fonntc.
binbiijwten ^^ ""^ inmicmcit eine aSerbinbtic^feit ber ®t)cfrau alß eine gefcfelic^c
aus Sßerbinblidöteit anjufc^cn ift, ridjtct fid^ nad) ben aUgemcinen ©runbfä^cn.
furruÄ'ne ®'^^ 9^^^ iußbcfonbcrc anä) von bcr aScrbinblidSifcit bcr S^efrau auß einer oon
auftroö. i^r oorgcnommcnen ®cfd)äftßfül)rung obnc 9luftrag (§§ 749, 750). 3ici bcr
Seltcntieit beö l)icr in Siebe ftcl^cnbcn gallcö fann ein praftifd^cß Sebürfnife^
fei cß im Sntereffe beß ©ritten, weil bcrfclbe eine ©cfd^äftßfü^rung bcr ©öe*
frau ol^ne 3luftrag nid^t ju ^inbern oermag, fei cß jum Stufte bcr Steckte
beß ®l)cmanncö, in bcr einen ober anbcrcn 91id[|tung jum Sn^^^^c bcr ißcr*
meibung oon Streitfragen burd) eine bcfonbcrc gefc&licftc Seftimmung ein*
jugreifcn, nic^t anertannt, fonbern bie ööfung ber J-rage, ob eine bcrartige
Sßcrbinblic^feit bcr ©öefrau alß eine auf ©cfc^ beru^enbc SBcrpflicfttung unb
bcöl)alb nac^ §§ 1311, 1312 immer alß ©(jcgutßocrbinblid^tcit anjufcl^cn ober
SerBhiMid&friten bcr ®6cfrau. (SJegutgücrBinbli^fciten. §§ 1311, 1312. 251
nQ(^ Snalogic bcr auf einem SReci^tögcfc^äfte bcr ®l^cfrau bcrufienben SBerbinb*
li^feit (§ 1301) ju beurtl^eUen ift, unbebenflidji ber 5JBifjcnf(^aft unb ^ßrajiä
fibcrfaffen »erben, um fo mc^r, alß bcr ©ntmurif gmubfägUd^ bie (gnlfd^cibung
ber ^age, ob unb inroierocit bie SSorfd^rifteii über 9?ed[|tögefd^äftc fid^ jur
analogen änroenbung auf SHed&tö^anblungen anberer Slrt eignen, bcr SBiffem
f(^fl unb ^ra;iö überlaffcn l^at.
IL SBa^enb bieienigen SSerbinblid^fcitcn ber ®^efrau, roelc^e bereits oor ausntt^men.
eintritt ber e^elid^en Slufeniefeung unb SSenoaltung entftanben maren, auö^
na^ftlo& @(^egutdoerbinb(i(i^feiten ftnb (t)erg[. iebod^ bie 3notit)e }u § 1312
fix. 3, unten S. 254), erfennt bcr ©ntmurf in Slnfcl^ung ber nadE) jenem QdU
punftc entftanbenen SBerbinblit^feiten ber ®^efrau oon bcm ©runbfage beö
§ 1311 im § 1312 t)erfci^iebenc Stuöna^men an.
1. ®a6 aSerbinbli^teiten ber ®^efrau auö Slec^tßgefci^äften unb Urt^eilen, ^^^^^^^^^
welche nad^ ben 93eftimmungen ber §§ 1300—1310 in 9lnfef|ung beö ©(legutefi sfie(^tfi.
gegenüber bem ©bemanne unmirffam finb, ni^t bie ©igenfc^aft von ®h^QVit^*^^l^^l^^^^^
oerbinblic^feiten ^aben (§ 1312 3lx. 1), entfprid^t ben §§ 1301—1303 unb ift
bereits in ben SWotioen ju biefen 5ßaragrap^en gered^tfertigt roorben. ©afe
infibcfonbere aud^ bie SSerbinbUd^feit ber (S^efrau iur ä^ragung bcr gerid&tlic^en
Äojlen eines 3le(^tSfireitcS infomcit, oIS bas in bem 3^ed^tsftreitc erlaufene
Urt^eil in 9(nfe^ung beS (S^eguteS gegenüber bem ©bemanne unn)irffam ift,
ni<^t als ®^egutSoerbinblirf)feit ancrfannt mirb, ift eine Äonfequenj ber (^x^
TOogungen, auf meldEicn bie 33eftimmungen ber §§ 1303, 1304 berufen, unb
bcs afjefforif(^en ÄarafterS jener Sßerbinblid^fcit. gisfalifd^e SRüdEfid^ten
genügen ni^t, um jum 9{a(^tt|ei(e bes (Seemannes eine ^bn)eid^ung von
ber ftonfcquenj ju red^tfertigen. Sad^c bcs Staates ift es, fid^ gegenüber ben
jrrojeöfü^renben Parteien, foroeit fie nid^t bas 3lrmenred()t I)aben, megcn bcr
6cri(^tsfoften }u ftc^ern. S)a bie SSerbinblic^fcit bcr ®^efrau jur Prägung
ber ^ier fraglid&en Äoften p^ nid^t als eine SSerbinblid^fcit aus bem Urt^eile '
bürjlent, fo mug iene aSerbinbIid)feit im § 1312 3lx. 1 befonbcrö Ijcroorgc^obcn
werben. 2)agegen bebarf es feiner befonbcrcn (Srroä^nung bcr ®crid^tsoolIjief)cr^
lojlen, ba bie (enteren, fomeit bie SBcrbinblidEifeit ber ß^efrau jur 3<^^lwng
berfelben nid^t auf einem SRec^tsgefc^äftc (3luftrage) beruht, ju hcn (Seric^ts-
tofien }u rennen finb.
3Jon ber aus § 1312 3lx. 1 )\6) ergebenöcn SRcgcI, bafe bie aScrbinbft^fcit Wo-
ber C^frau wegen ber Soften, noeld^c fie aus einem oon i^r gcfü()rten SRcc^ts*
ftrette ber im § 1312 3Jr. 1 bejcid^nctcn 9Irt bcm (Scgncr ju crfefeen f)at, feine
e^egiitSoerbinblid^feit ift, mad^t ber § 1312 9ir. 1 für ben gall eine 9luSnaf)me,
wenn bie S^efrau bie Seflagte mar unb bcr 9?edötsftreit eine ©ficgutspcrbinbs
lii^feit betraf. SJiefe StuSna^mc red^tfertigt fid^ burd) bie ©rroägung, bafe bcr
Snfprudö öuf (Srfaft ber bcm fttäflcr crroadbfencn ^ro^jcfifoftcn als ein bcm
fecuptonfpruc^e bini^utretcnbcr ?ff^benanfprud) _crfd^cint unb nad& ben ©runbföfecu
bc« ßnttourfes (§ 1314) bie 6t)egutsgläubiger, um fid^ Scfricbigung aus bem ■
C^gute }u t)erf(^affcn, genot^igt ftnb, immer aud) gegen bie (Sf)cfrau ju ffagcn
unb gegen biefc ein Urt^cil ju erroirfen. S)ie 3luSnaf)mc mirb auc^ nid)t im
^inWicfc borauf entbehrlich, baß bcr S)ritte bie ®f)egattcn gcmeinfdöaftlid) afs
Streitgenofjen oertlagen fann (§57 ber ß. ^^D.)/ '^^ ^^^ '^i^t fd^Icd)tf)in
V
n
252 SScrBinblicfifcitcn bct (Sf)cU(i\i. e^egutöDctBinblt^feitcn. §§ 1311, 1312,
behaupten Iä§t, bafe baö iti ciucm fold^en 5{Jrojcffc gegen bie Ehefrau ergc^cnbc
Urt^eil aud^ in 3lnfcl^ung beö (S^cguteö gegenüber bem ©bemanne roirfforn ift
unb bcstjalb in einem folc^en galle bie SSorfd^rift beö § 1312 9lr. 1 fd^on von
fclbft feine Slnmenbung finbet. 2)ie am Sc^Iuffe bcr 3lx. X beö § 1312 be-
ftimmte 9luftnal^mc üon bcr Siegel ber 3lv. 1 bejie^t fic() übrigens nur Quf bie
93crbinblid^feit ber ®^efrau jur 2^ragung ber ^(Jrojefefoftcn bcnt (Segner gcgciig
über. (Sin genügenber ®runb, bicfe Sttuönal^me aud[i auf bieT)ic S^cfrau in
einem fold^en gälte treffenbcn ©eric^tafoftcn unb bie Roften i^reg 3lnmaltcd
außjubelinen , liegt nic^t oor. Snöbefonbere fann barauö, bafe biö ß^efrau
proje^fätiig ift, bafe fie in Slnmaltöprojcffcn fraft gefe^tic^er SSorfc^rift eine«
Slnroalteö bebarf unb ber Staat bie 5|Jroje§fü^rung bcr ®^efrau ni^t ablehnen
fann, ein burd^fc^tagenber ®runb ni6)t Ijcrgeleitet werben, um jum ?lad^t^cile
beö ®^emanneß aud^ bie bcjcic^netcn SSerbinblid^fciten ber @^cfrau nad& Änaloflic
ber 33orfd)riften über bie gefcglidjien SBcrbinblid^feiten bcr eiiefrau immer ald
©^egutöücrbinblid^feitcn ju be^anbeln.
sßtiDproiefle. S^^^if^lflöf^ ^^^^ ^^ bogegcu fein, ob nic^t ju ®unftcn beö ^Proicfegcgncrö
ber ß^efrau in Slnfel^ung ber 33erbinblic^feit ber (enteren jur S^ragung bcr
^ßrojefefoften von bcr Sieget beö § 1312 3lx. 1 eine roeiterc Stuöna^mc für bcn
^aD JU mad^cn ift, mcnn ber ^ßrojefe von bcr ©Ijcfrau erhoben mar. S)urd^
bie ©r^ebung beö ^rojef^cö notl&igt bie @t)cfrou hcn S5ef tagten, ftd) gegen bie
Älagc JU «ert^eibigen , unb falten bie bemfetbcn baburc^ Dcranlafetcn Soften,
menn bie (S^efrau in bem ^rojeffe imtcrticgt unb bem ©cgner jum ©rfaße
ber Soften Dcrpflid^tct ift, materiell unter bcn ®efic()töpunft cineö i^m miber
feinen SGBitten burcf) eine miltfürlid^e ^anblung ber ®t|cfrau jugcfügten
©djabcnö. Sic SBilligfeit unb bie 9lnalogie ber Haftung beö ©^egutcö für bie
2)etiftöld^kn -bcr^ Gfjefrau fc^eint I)iernad[i ber gcbac()ten SStuöna^mc baö
SBort JU reben. Stuf ber anbercn Seite fommt inbcffcn in Setrad^t, bafe in
ber Haftung beö ©f)eguteö für bcn ©rfag bcr ^ßrojefefoftcn in bem l^icr frag^
|1 ticken gälte eine grofee §ärte für bcn ®f|cmann liegen fann, roenn bie ®öcfrau
frioolc ^rojcfjc fü^rt, meldte ju f)inbem bcr Seemann nirf)t im Staube ift.
3n ©rmangclung überroiegenber ©cgcngrünbc oerbient eö bat)er bcn SBorjug,
cö in bcr ^icr fragtid^cn SSejic^ung bei bcr 3icget beö § 1312 9ir. 1 bemcnben
JU taffen.
»eretc^ening ©iuc 3Kobififation crlcibct aber bie 9tegel beö § 1312 9lr.l burd& ben
«^e^ute«. ^" ^^^ ^^*- 1 beigefügten S\x\a^, ba^, fomeit boö @f)cgut bereichert ift, bie im
©ingangc bcjeid^nctcn 93crbinbtid&teiten alö ®t)cgutöücrbinbli(^tciten gelten unb
bie SBcftimmungcn beö § 748 9lbf. 3 cntfpred^enbc 9lnroenbung finben foUen.
3)a bie ®^cfrau in ber ®efd)äftöfä^igfcit ni(^t bcf darauf t, in ben im § 1312
9Ir. 1 bcjcid^nctcn gälten baö Jtcc^tögefc^äft bcr ®f^cfrau mithin gültig unb
boö auf ®runb beö Icfetercn üon bem ©ritten bcr S^efrau ©eleiftctc fraft
feineö rcc^tögfittigcn SBiltcnö in baö 93crmögen bcr ®ljcfrau gelangt ift^
anbercrfcitö bcr baburd^ bem ®[)cmanne ouf ®runb feiner cljctid^cn Jlugnicfeung
jugefommene 93'ort^cil fid) nur alö bie mittelbare golgc cineö gültigen Slec^td*
gefd^äftcö ber ®f)efrau barftcllt, fo ift md) bcn allgemeinen ®runbfä6cn über
Sc^utboer^ättniffe an^ 33crcid)crung, inöbefonbere nad) § 748, ein Serei^c*
rungöanfprudf) meber gegen bie G^cfrau nod; gegen hcn ©tjcmann bcgrünbet.
Scr6inbIi*fcltcnbcr®Mrau. gJeöutetJcrBinbli^rettcn. §§1311,1312. 253
^tm ©eiftc beö § 748 in SScrbinbung mit bcm ©cfid^töpunfte, bafe in ben in
9lcbc fte^enbcn gäUen baö JHed^tögefd^äft ber e^cfrau, rocnnglci^ gültig, bo6)
in änfc^ung bcd ß^cguteö gegenüber bem ®f|emannc unroirffam ift, cntfpri^t
cd icboc^^ bte auf bem betreffenben 9ted^tdgefd[i&fte ber S^efrau berutienbe
Serbinblid^fett ber (enteren bid jum ^Belaufe ber 93ereicf)erung bed @^eguted
Qld G{|egutdüerbinb(id[|feit anjuerfennen. 9luf bicfem 28ege mirb ein luirt^-
f(^ftad& aud^ bem geltenben JRe^te (t)ergL preufe. 31. S. 3t. II, 1 § 334; fäd^if.
®. 9. § 1641) cntfpred^enbed SÄefuItat errei^t, menngleid^i mit SRücffic^t borauf,
boB bic ©fjefrau nad& ben meiften auf bem S3oben ber aSerroaltungßgemeim
ft^aft ftcl^enben ©cfeftgebungen in ber ®cfd)äftdfäl)ig!eit befdiränft ift, oom
Stanbpunfte biefer ©efeggebungen aus bie @ad^e j[uriftifd^ anberg liegt unb
ber ©cbanfc beö^alb in onbcrer SBcife burc^gefülirt mirb.
2. Sie im § 1312 3ir. 2 beftimmtc Sluöna^me beruht auf ber ©rmägung, Ber5in«i<^.
bo| in ben Dorauögefefetcn gätten bem S^emannc an betp Slfti^ermerbe feinerlei §o?flc ViTer
3k(6tc juftel^en (§§ 1286, 1287) unb beö^alb mit ben Slftiüen audEi bie bamit «'*^*«^ *^'
oerbunbenen ^fftüen (ebiglic^ bem 93orbel^a(tdgute jufaQen muffen. SBie aud
ber gttffung ,,ald SJorbe^altßgut" ficroorge^t, fällt unter bie 92r. 2 übrigens
ni(bt audb ber galt, wenn bie ©rbfd^aft ober baö aSermäd^tnife in ©emöfel^cit
ber Siegel bcö § 1283 juno^ft (S^cgut (»ergl. bic SRotioc ju § 1288 oben
©. 172 ff.) unb erft fpöter bur^ (S^eoertrag aSorbc^altögut geworben ift.
3. SBcnngleid^ bic in ber 9lr. 3 bed § 1312 oon bem ©runbfagc beö »« S^i««
§ 1311 auftgcnommenen SBcrbinblid&feiten ni(^t unmittelbar aus Sled^ts* ^orbt^m*
^»iblungen ber ß^efrau l)errü^rcn, meldte fie mit Dcrbinblid^er Sraft für bas «"*« » aJ*"'
ß^egut ntci^t tjornc^men fonnte, fo fmb biefelben bod), mcil fie bic ®f|efrau u. f. ».*
nur in golge eines ju bem 93orbef|altSgute gcf)örcnben 9tec()teS ober besSc*
fites einer ju bem ^orbe^altsgute ge^örenben Sad^e treffen, als untrennbar
mit bem 5Borbcl|altSgutc Dcrbunben ju bebanbeln. äßittelbar finb jubem
wenigflens bieienigen SBerbinblid^feiten ber f)ier fraglidfien Slrt, meiere mit
folc^n Sorie^altSgegenftönben im 3wfönitnent)angc flehen, beren aSorbelialts«
eigcnfd^aft nidbt auf ß^eoertrag beruht (§§ 1287 ff.), golgc bcSjenigen SBillens*
oftes ber (g^efrau, bux6) meieren bie betreffenben ©cgenftönbe SSorbefialtSgut
würben. ®ine Haftung bes ©b^ßwtes für bie in Siebe ftc^cnben 93erbinblic^*
teilen mürbe bal)er mittelbar bas 9{ed)t beS &\)tmanm& Don ber SSillfür ber
C^au abhängig mad&en. ^u ben l^icr fraglid^en SSerbinblid^feiten geboren
namentlich bie SSerbinblicbfeit jur ä9e}ablung ber auf bem ^orbelialtsgute
ru^nben SRealtaften unb ber baoon ju entrid^tenbcn ©teuem, ferner bie SSer«
binblic^feiten megen 93ereid^erung beS ^orbe^altsgutes, fomie jur Erfüllung
ber auf ©cgenftönbe besfelben gcrid^teten binglic^en SKufprüd^e aller 3lrt. 2)ie
in 9hr. 3 beS § 1312 befummle 93efd^ränfung ber Haftung beS etjcgutcs wegen
SSerbinbli^feiten biefer 9lrt ift um fo unbcbenKid^er, als na^ ber 3fJatur imb
bem 3n^olte ber betreffenben SKnfprüt^e eine ©efäfirbung ber ©laubiger nic^t
iu bcforgen ift. 3la6) ber Sd^lufebeftimmung ber 3lv. 3 foU es inbcffen aud^
in 9nfe^ung ber bort beseic^neten 93erbinblid^feiten bann bei ber dtcgel beS
§ 1311 oerbteiben, menn baS betreffenbe Siedet ober bie betreffenbe Sad^e ju
einem ®nüerbsgefc()äfte gehört, meld^es bie ©fiefrau mit (Sinroilligung bes
©Cannes felbftänbig betteibt. S)iefc 2lusna^me Don ber S3eftimmung bes
254 aSetBinblid&feitcn bcr gfecfrau. eifeegutöücrbinbli^fcltcn. §§ 1311, 1312.
§ 1312 3lx. 3 ift buvd^ bicfclbcn Orünbc gcrcd^tfcrtigt, auf bencn bic SBorf^rift
bcß § 1307 bcrul^t, um fo mc^r, als bic auf 9lec||tögcfd&aft unb auf ©cfcfe
berufjcnbcn SScrbinbüd^fcitcn oft in cinanbcr übergeben, eine oerfd^iebcne Se^
^anbfung berfelben in bem ^icr in Siebe ftc^cnbcn gallc ba^er aud& ju
praftifd^en Unjuträglic^fcitcn ju fül^ren brol^t. 2BcnngIcid[i bic 3lv. 3, wie auft
bem Eingänge beö § 1312 fxd; crgiebt, bem SBortlautc nad^ nur biejenigen
aSerbinblid^feitcn ber in bcr 9ir. 3 bcicid^nctcn Slrt trifft, rocid&c erft na^
©intritt bcr c^elid^en Sßu^nicfeung unb SScrmaltung cntftanbcn finb, fo fann
eö bo(§ nicfit in)cifclf)aft fein, bafe bic in bcr 3ir. 3 bcjcid^netcn SSerbinbUd^^
feiten bcr 6f)efrau auc^ inforoeit, ate bicfclbcn uor icnem 3^itpunftc bereits
Cntftanbcn ftnb, bann nid^t ben Äaraftcr t)on ®f|cgutöDcrbinbU^fciten ^oben,
wenn bic gortbauer berfelben oon bcr gortbauer beö Sted^tcö ober beö Scfiftcö,
in golgc beffcn ftc cntftanbcn ftnb, abhängig ift. 2)a bic l^icr fragli^cn 91m
fprüd^c i^rcr 5Ratur nad^ gegen baö aSorbctialtögut, ju roeld^em baö bctrcffenbe
JRcd^t ober ber SBcpg bcr betreff cnbeu ©adjie geprt, fid^ rid^ten, fo fönnen
aud^ bie entfprcd^cnbcn aScrbinblid^fcitcn feine ß^cgutöocrbinblic^fcitcn, b. ^.
33crbinblid^fciten fein, wegen bercn aus bem ©öegute SBcfricbigung pcrlangt
werben fann.
»erbinbiic^* 4. ©ag bic im § 1312 unter 5Rr. 1—3 beftimmtcn Slußna^men Don
'tau gegenr bcr SlcgcI bc& §1311 auf 93erbinb[i(^fcitcn bcr 6f|cfrau gegen ben ®^c*
ebemanne ^^^^^ ^^^"^ Slnwcnbung finben, bafe biefc SScrbinblid^feitcn pielmc^r immer
©ficgutßocrbinblid&tcitcn fmb, aud^ wenn bicfclbcn ilircr @ntftel)ung unb i^rem
Snl^altc nadE) an fid^ eine Haftung beä ®{|egutcö nid[|t begrünbeu würben, ocr?
ftc^t fid^ oon felbft. 6d folgt bieß barauö, bafe bic Sefc^ränfung bcr Haftung nur
eine gotge beö cntgcgenftc^cnbcn SRcc^tcö beö ß^emanncö ift, biefc Sefd^ränfung
baficr gegenüber ben eigenen Slnfprüd^cn beö Icgtcrcn wegfallen mufe.
örfa«pfiid,t ni. 9iuö bem ©runbfage beö § 1311, bafe bie e^cgutdgläiibiger aud^
inonne«*»or ouö bcm ®f|cgutc oljuc SRürfftd^t ouf bic c^clid^c ^lufenicfeung unb SBcrwaltung
9h»ÄX ^^'^^^9""9 ocriangcn fonnen, crgiebt ficfi oon fclBft bie ftonfcquenj, ba§,
* wenn einem 6f)egutög(äubigcr im SBcgc bcr S^ongöooIIftredung eine gorbe»
rung ber ®{|cfrau gegen ben ®f|cmann überwiefcn wirb, ju bcren ©rfüHung
ber Seemann gegenüber ber 6()cfrau wegen bcr cficli^cn Slufenicfeung unb
aScrwaltung erft narf) 93cenbigung ber Icfetcrcn ocrpfIid[|tct ift (oergl. §§ 1294,
1295), bic ^inauöfd^iebung bcr gälligfcit gegenüber bcm ©töubigcr aufecr
Setrad^t bleibt, biefer t)ielmel^r bie fofortige ®rfüUung ber 93crbinblid6fcit Der*
langen fann. S)ie Slufnal^me einer fpcjicUen, biefc Äonfcquenj jum 9luöbructe
bringenben Seftimmung ift um fo mel^r alß entbcl^rU^ era^tet, ate bicfctbe
einerfeitö im §inblidEe auf ben § 1294, anbererfeitö im ^inblidEe auf bie SSor«
fc^rift beö § 1292 t)erb. mit § 1004, fowie auf bie SBorfd^rift beö § 1324
9lbf. 2, nad^ wcld^cn bie ®^efrau bic if)r gegen ben ®^cmann juftef)cnben 3Ln^
fprüd^c wegen SSerlcJung ber i^m auf Orurtb ber cl^clic^cn ^Rufeniefeung unb
SSerroattung oblicgenbcn SJerpjIid^tungen fd^on t)or SBccnbigung ber c^elic^en
Jln^nieSung unb Säcrwaftung gcitenb mad)cn fann, nur eine geringe praftifd^e
SBcbcutung liat.
billlicjwt' ^^ • ®'^ ©igcnf^aft einer SScrbinblid^feit ber e^efrau ate einer e^cgutd*
»cbeutung. tjcrbinblid^fcit ift nur gegenüber bem G^emanne, nid^t aud) gegenüber bcr
SerBlnbli^f. b. Sfecfrau. Unterßalttpflid&t öcßcnüb. Scnraiibten. § 131 3. 255
ß^efrQu, Don SSebeiitung, inbcm bic Icfttcrc fein SRcd^t ^ot, bcr Scfrtcbigung
tined Sorbe^Qltsgutegläubigerd auö bcm @^egute ju tDiberfpred^en. ©egenüber
bcm Spanne bcftcl)t bic Scbcutung aber Icbiglid^ borin, ba§ er bic Sc^
friebigung bcr @^egutdg[äubiger aud bem @^cgute ol^nc 9lädE{td^t auf bie e^e«
iit^ Jlutniefeung unb SSerroaltung ju butben pcrpflid^tct ift. ®inc perfonlid^ vcrfdniic^e
^ftung beö ß^ctnanncö für bic Sc^ulbcn bcr ©^cfrau n)irb burd^ bie ©igcm cSemSnc«.
fd|oft bcrfdbcn als (S^cgutöPcrbinbUc^fcitcn nid^t bcgrünbct, fclbft bann nid)t,
locnn biffe ©igenfd^aft barin fic^ grünbct, bafe bcr ©f|cmann ju bem bc*
treffenben JRc^tÄgcfd^äftc ober SRcc^töftrcitc bcr ß^cfrau feine ©inroilligung ober
(Scne^migung crtf|cUt l^at. 2)ic bem gemeinen beutfd^en Steckte, n)cnigftenö
mäf bcr ^crrfd^cnbcn anfid^t, foroie bcm föd^f. ®. 85. (§§ 1639, 1678) unb
bem olbcnb. @cf. o. 24. Äpril 1873 unbefanntc S3eftimmung bcd preufe.
S. 2. 31. II, 1 §§ 329 ff., bafe bcr Seemann für bie von feiner S^efrau mit
feiner ßintoilligung eingegangenen aScrbinblic^fcitcn perfonli^ I)aftet, menn er
fi(^ gegen biefe Haftung nid^t audbrüdlid^ vcrroatirt ober bie @^cfrau ein
Unterpfanb für bic @d^utb bcftcDt ^at, lägt fti^ aud aDgemeinen ©runbfägcn nid^t
ra^tfertigcn. 9ln fiä) liegt bie Slbftc^t perfonlid^er Haftung in bcr ©rt^eifung bcr
Simoilligung ober ©enc^migung nid^t auögcbrüdft unb geben aud^ bie ^er«
^(tniffe beö Sebend feinen genügenben äTnl^altdpunft für bie älufftcUung einer
bü^in gclienben SSermut^ung. SInbercrfeitö fc^It cö aber auc^ an einem ge*
nügenben ®runbe, ju ©unftcn bcr ©laubiger bcr ®l|cfrau eine - berartigc
SuÄna^mebefitimmung ju treffen, gür fofc^ic gällc, in meldten bic (g^efrau
wirtli^ moteriell ©cfc^äfte beö ©bemanne« fül)rt, geroä^ren bic altgemeinen
©runbfäte über bie ©cfd^öftöfül^rung ol^ne SÄuftrag (§§ 753, 758), foroic bic
bcfwiberen Seftimmungen beö § 1278 ben ©löubigcrn bcr ®^cfrau aud&
gegenüber bem 6f|emannc auörcidE)enbcn ©d^ufe. @d liegt allcrbingö na^c,
bann jum ©d^ufcc bcr ©laubiger bcr 6f)cfrau eine pcrfbnlid^c Haftung beö
S^onnca eintreten ju lajfcn, wenn bie ß^efrau mit ©inroiUigung beß ©fics
manne« fclbftonbig ein ©rmerbögefc^äft betreibt unb bcr Ertrag beä Icjtcrcn
bem e^emannc juf äUt (ücrgf . preufe. 31. S. SR. II, 1 § 337 ; §. ©. 83. 3Crt, 8
Dcrt. mit bem prcufe. ©inf. ®cf. o. 24. 3uni 1861 9lrt. 19, 39, bcm ©inf. ©ef.
für S^lcdioig*$)olftein t). 5. 3uli 1867 § 9, für SaHcnburg v. 21. Dftober
1868 § 9, bem ^cff. ©inf. ©ef. für 9ifiein^effen v. 1. 3luguft 1862 Sttrt. 26,
bem bab. (ginf. ©ef. v. 6. Sluguft 1862 ärt. 5, bcm lüberf. ©inf. ©ef. v. 26. Z)h
tober 1863 Art. 2 § 1). SSom ©tanbpunfte beö ©ntmurfcö auö fann in*
beffen biefer ©erw^töpunft m6)t in 83ctrad)t fommeu, ba nad& § 1289 bcr
€noerb bcr ©t^efrau burd^ ben felbftänbigcn 83ctricb eineö ©rrocrbögcfcftäftcö
SSorbc^oItfigut wirb, bic oon bcr ©tjcfrau in einem fold^en 85ctricbe gc-
fd^Iofiencn 9ledl)t«gcfcöäftc alfo benfclben Äaraftcr l^abcn, wie anberc ben Umfafe
bc« SBorbc^altöguteö bctreffcnbc 9lcd&tögcfd[|äftc berfelben.
§ 1313.
SBä^renb bic §§ 1311, 1312 bic grage regeln, inroiemcit megen einer '^p^J"^**'
na^ allgemeinen ©runbfäßcn in bcr ^crfon bcr ©l^efrau entftanbencn 58cr* c^cfrau
Knbli(^feit bic »cfriebigung auc^ am bem ©^egute o^nc SRürffid^t auf bic »JSl
256 S3ccHnbIi4f. b. gßcfrau. UntertaltSpflicfit gcgenüb. aSemanbteit. § 1313.
c^didEic ^Jugniefeung uiib SScrroaltung ocrtangt rocrbcn fann, betrifft bcr § 1313
bie anberc gragc, ob unb inmierocit bic c^clidEie Stuftnicfeung imb SBcrroaltung
bic @ntftet)ung fold^cr SScrbinblic^fciten in bcr 5ßcrfon bcr ®f|cfrau ^inbcrt,
bcrcn ©ntftc^ung ober Umfang von bcr Seiftungöfft^igfcit bcö in Slnfprud^
Oenommencn abfängt, ©ö fommt in biefcr ^inftd^t oorjugörocifc bie gefcßlid^e
S3crpf(ici^tung bcr @i)efrau jur ®emäf)x\inq bed Unterhaltet an ^enoanbte in
Sctrad^t (§§ 1480, 1482), aufeerbem bic gcfcftlid^e SSerpffic^tung bcr früher
gcfd^icbcnen, allein für ben fd[iulbigen ^Ocil crflärtcn ®^efrau jur OeroS^rung
bcö Unterhaltes an ben unfc^ulbig gefd)icbenen ©Regatten (§ 1454 oerb. mit
§ 1482 3lbf. 1). 2)cr § 1313 bejic^t fid^ nur auf bic gcfcfelid^e aSerpffid^tung
bcr ß^efrau jur (Scroätirung bcä Unterhaltes an einen 3Sern)anbtcn; burd^ ben
§ 1454 5lbf. 2 tft inbeffen bic »eftimmung bes § 1313 aud[i auf ben anbercn
bejcid^inctcn gall auSgcbe^nt.
S)a nad& bcr ben Seftimmungcn beS ©ntnjurfcS über bie gefcllid^e
Unterhaltspflicht ber ajcrroanbtcn unb bcS gefd^iebcnen, allein für ben fc^ulbigen
2:^eil crftärten ©Regatten ju (Srunbe liegenben 3luffaffung in ben gebac^ten
göUen bic Untcr^altSpflidEit, obwohl bicfctbe in bem aScrroanbtfd&aftsocr^ältnifle
bcjro, in bem Sd^eibungsurt^eile, burd) roclt^cs ber eine @f)cgattc allein für
ben fc()ulbigcn J:t)cil crflärt ift, i^re Orunblagc \)at, glcid&wo^l erft beim
aSorl)anbenfcin bcr in ben §§ 1481, 1482 beju). im § 1454 3lbf. 1 beftimmtcn
SSorausfegungen als eine fort unb fort fic^ cmcucrnbc aScrbinblid^fcit jur
©ntftc^ung gelangt unb oor^er auc|i als bebingte SSerbinblid^tcit nid^t beftc^t
(oergl. bie 93orbcmcrfung ju §§ 1480—1496), fo fann bcr ©aft, bafe bei bcr
Scurt^cilung, ob uub inroicroeit bic in ben §§ 1482, 1454 Slbf. 1 beftimmte
SSorauSfegung bcr Sciftungsfö^igfeit in ber ^erfon ber 'S^cfrau oor^anben ift,
bic c^clic^e ^lufenicfeung unb SSerroaltung nid^t in Setrad^t fommt (§§ 1313,
1454 5lbf. 2), aus allgemeinen ©rnubfä^en, insbcfonbcre aus bcr Seftimmung
bcS § 1311, nic^t abgeleitet merben. Xer ®cfid(|tspunft, ba§ bie gcfcllid^e
Untcrl;altspflid[|t bcr @()cfrau gegenüber i^ren SJcnoanbtcn ftd^ als 3[usf[u§
eines bereits uor bcr ©^cfd^licgung begrünbeten familienrcd^tlicöen S8er*
l|öltni{fcs barftcllc unb eben beS^alb burd) bas Siedet beS Seemannes eine
93ef darauf ung nid^t crlciben fönnc, trifft jubem für bicienigen gäUc nidft ju,
in meldten bas ^crmanbtfd^aftSDcrl^ältnig, }. 9. hnxä) bie (Seburt eines ©nfelft
bcr fö^cfrau, erft nad& ber S^cfd^liefeung bcgrünbet wirb, ©cm Oninb^
gebanfen bcr e^elid^cn 92ugniegung unb S3ern)altung, naä) mcld^cm bie Siedete
bcS @l)cmanncs an bem @l)egutc nid|t meiter ge^cn f ollen, als bie
bcr @^cfrau felbft, menn bie cl)clicbe 3tu^nie§ung unb S3ern)altung nid^t
bcftänbe, fomie ber 93illigteit unb ben fojialcn 3lnfc^auungen cntfpridbt c*
inbeffen, bafe bei bcr 33eurtt|cilung, ob unb inroiemeit bic 6l|cfrau i^rcti
ajcrroanbtcn bcjro. bem früheren gefd^iebenen ©Regatten ben Unterhalt ju ge^
mäliren im Staube ift, bie c^clid^c ^lufenicfeung unb $8erioaltung nic^t in
Sctra^t fommt. 9lnbcrcrfeits roirb baburd^ bem Sliemannc um fo meniger
JU nat)c getreten, als bcrfclbc bei ©inge^ung ber ©^c bie SSermanbten ber
©^cfrau, n)eldE)cn bic Ic^terc bcmnäd^ft mögli^crroeife Unterhalt ju gemö^ren
ocrpflid^tct ift, regelmäßig gefannt ^at bejm. i^m ber Umftanb, bafe feine
©Ijcfrau früher gefd^ieben unb in bem Sd^cibungSurt^cile für ben allein
aSccbinbli^feitcn bcr Slfefrau. S^cmöötJoUftrcdfunö. § 1314. 257
f(|ulbicjcn 'Sfftxl crKört ift, regelmäßig ni^t unbefonnt geblieben fein mirb.
2)cr f|ier fragUd^ie im § 1313 anerfannte ©runbfag fteljt jubem mit bem
gcitcnben Siebte, inöbcfonberc mit her preug. unb fäd^f. ^ßrajiö (üergl.
Striet^orft XUV ©. 283, XLV S. 48, XLVII ©. 372 ; fä^f. ®. SB. § 1679)
im ßinflange.
3roeifel^aft fann eö jebodji fein, ob nid^t ber ©runbfafe bcä § 1313 ba^in
]u mobifisircn ift, baß bem ©bemanne in bem SHeinertrage bcr efielid^en Jiug'
nieBung unb Söerroaltung ein ben SBerJ^ältniRcn entfpredienber S3eitrag su feinem,
feiner C(}efrau unb ber gcmeinfd^oftüdien Slbfömmtingc Unter^olte oerbicibcn
muß. gür eine folc^e äßobififotion läßt fid^ geltenb mad^en, baß burd^ bic
Eingebung bcr ©^e für bic ©l^cfrau materiell bie SBcrpflid^tung begrimbet
nwAc, bem ©bemanne einen angemcffenen Seitrag jur Scftreitung ber e^elid^cn
Sofien gu gemfi^ren, unb bie e^etii^e Jlugnicßung unb SBermaltung nur bie
gorm fei, in roeld&er bei bem gefeglid^en e^elid^en ©üterre^te bie ©()efrau
jenen Seitrag bem ©bemanne fcifte, boß inöbcfonberc bei ber auf SSertrag bc*
ru^enben ooBftänbigcn ©ütertrennung eine fold^e S3eitrogßpflid)t ber ©Ijcfrau
httd) bie »cftimmung bcs § 1339 auöbrücKit^ anerfannt fei, bei biefem ©fiter^^
flanbe bal^er j[cnc Scitragöpffic&t bcr .©^efrau, wie j[ebe anbere SSerpPidjtung
berfelben, in Slnfc^ung ber grage, ob fic nac|i SWaßgabc ber §§ 1482,
HW abf. 1 jur ©emäl^rung bcö Unterfialteö im ©tanbe fei, berüdfftc^tigt
©erben müffc. Ucberroicgenbe Orünbe fpred^en inbeffen bagegen, bem gefeglid^en
e^lic^en ©üterrcd^tc ju Ounften beö' ©l^emanneö unb jum 9lad^tl)eile ber
unter^altöberec^tigten Scrroanbten bcjro. beö unfd^ulbig gefd&iebencn früfjcrcn
©Ratten ber ©^efrau einen fold^ien ©inffuß auf bie gcfeglid&e Untcrtjaltö*
wrpjli(^tunfl ber Ie|teren einjuräumen. 3nß6efonbere fällt entfd^eibenb ins
®emi(^t, baß bie in SHcbc ftclicnbc 9Jlobifitation bem gcitcnben SRe^te frcmb
ift, bie ©infad^^eit unb S)ur(^fid[|tigfeit beö Ocfcfteö ftört unb bie praftifc^e
änroenbung beöfclben erfd^mert.
Dbroodt bic »eftimmung beö § 1313 alö eine SJiobififation beö § 1482,
wm fi>ftematif d^en ©tanbpunfte auö betrad^tet, in ben Slbfd^nitt über bic gc*
fejUc^c UntcrljaltöpPid^t ber SBcrroanbten gef)ören mürbe, fo empfiehlt eö fid^
hoii, wegen beö 3wfömmenf|angcö ber Seftimmung mit bem Sffiefen ber cl^c^^
litten Slußnießung unb SScrmaltung, bicfelbe an biefer ©teile ju betaRen.
SBcgen ber grage, inmiemeit ber ©I)cmann gegenüber ber ©fjcfrau bic
^er fraglid^en, nad^ bett allgemeinen ©runbfflgcn in Serbinbung mit ben
§§ 1313, 1454 Slbf. 2 if|r jur Saft fallcnbcn Unter^altöfoften auf (Srunb ber
e^ic^en Sflußnießung unb Sermaltung ju tragen pcrpftiditct ift, t)ergl. § 1297
Sbf. 1 3h. 3 unb Slbf. 2 nebft aKotitJcn oben ©. 201.
§ 1314.
Sie 3roöngöt)oUftrccfung gegen baö ©Ijegut rid^tet fidf) tfieilö gegen bic swangö.
e^au, t^eilö gegen b^n ©Ijcmann, gegen bic erftere infofern, alö cö il)r ''g"gl'„'tl"a^
Sermögcn ift, auö mclc^cm bic Sefriebigung ücrlangt mirb, gegen ben legieren e^»^«»*-
infofcm, alö bic Sefriebigung auö bem ®f)egutc ol)ne 9iüdEfid)t auf bic cljclid^e
Slu^nicßung unb SSerroaltung erfolgen foU. 2)arauö in aScrbinbung mit bem
Sl0ti9c |. bflrgerL Ocfeibu^. lY. 17
258 gScrBlnblid&fcitcn bcr ß^efrau. 3»ang8üottftr:c(fun0. § 1314.
örunbfafec bcö ©ntrourfcö, bo§ bcr ©bemann an6) in Slnfc^ung bcö ®^cgutcfi
bic ß^cfrau im ^rojcffc ju t)crtrctcn ni6)t Icgitimirt ift (tJcrgl. §§ 1303, 1319,
1322), anbcrcrfcitö in SScrbinbung mit bcn S3cftimmungen bcr §§ 662, 671
bcr 6. % D., nad) meldten bic 3w5ongäDoBftrcdtung auf Orunb einer mit ber
SBoUftrcdungöMaufel ücrfel^cncn Sluöfcrtigung bcö Urtl^eilcä erfolgt unb nur
beginnen barf, rotnn bic ^erfonen, gegen meldte fie ftattfinbcn foll, in bem
Urt^eile ober ber bemfelben beigefügten SBoUftretfungöftoufel namcntlid^ be-
}ei(^net ftnb, folgt, bafe eine Sw^^ngö^^ottfirecfung gegen baö. ®^egut nur bann
julöffig ift, wenn bic ®^efrau ju ber bcn ©egenftanb ber Sw^i'tgö^oUftrerfung
bilbenben Seiftung, ber (Seemann ju ber Oeftattung ber 3roangöoolIftrcdEung
gegen baß ®f|egut (§ 1311) tJcnirtl^cUt ift ober ein anberer ooUftrecf barer
S^itel gegen bic @()efrau bejm. gegen bcn @§emann in bcn bejeid()neten Sflic^^
tungen oorliegt. 2)abei mad^t eö feinen Unterfc^ieb, ob bic SBcrurtl^eilung in
einem gemeinf^aftlic^ gegen beibe ©Regatten ate ©treitgenoffen (§ 57 ber
6. 5ß. O.) erhobenen ^ßrojeffe, ober in gefonberten 5|Jrojef[en erfolgt ift (ocrgl.
aud^ § 1904; ©ntfdE). b. 91. ®. in ßi^ilf. X, IS^I^cmQkidi biefer im § 1314
2lbf . 1, 2 auögefprod^iene Saß als felbftoerftönblidg angefe^cn rocrben tann unb
aud^ in ben befte^enbcn Oefcftgcbungen nid^t befonberö ^croorgcl^oben wirb,
fo ift eö hoä) bei ber SBid^tigfeit bcr grage als angemejfen eröd^tet, bcn*
felben auöbrüdPlic^ auöjufprci^cn, um namenttid^ ber 9luffaffung entgegen*
jutreten, bafe bie SBerurtfieilung ht& ©l^emanncö genüge, ober bafe, wenn etroa
lebiglid^ auf ®runb eines gegen bie ©^efrau erroirften Urtl^eites bie 3w>ö"3^
üoUftredung gegen bas ©l^cgut eingeleitet )eln follte unb ber ©^cmannn auf
©runb ber el^elid^en ^lugniefeung unb aSerroaltung in (Semöfel^eit beS § 690
ber 6. ^. D. SBiberfprud) gegen bie 3wangöoollftrcdEung crl^ebt, ber ©laubiger
in biefem SBerfal^ren eine ©inrebe barauf grünben fönne. ba§ bie SBcrbinblidö*
!eit, megen meld^ier bie 3w'0"gööönftredEung ftattfinbe, eine ©l^egutsperbinblic^s
^ feit (§ 1311) fei. 9lnbererfeits fann bie ©ntfd^eibung bcr fpejicHen grage, ob
es aud^ in bem galle, rocnn bemeglic^e ©^egutsfad^en gepfänbet rocrben foBen
unb ber ©^emann, o^ne bafe bie SBorauSfefeungen bcö § 1314 Slbf. 3 uorliegen,
fid^ jur Verausgabe Jener ©ad^en bereit erftärt l^at, jur 2Birffamfeit ber
3n)angSt)ollftrecfung, namcntlid^ gegenüber anberen ©läubigern ber ©^efrau,
eines üoUftredEbaren S^itcls gegen bm ©l^emann bebarf ober ob in einem fold&cn
galle bic 3TOongSoollftredung trog beS SßangclS eines pollftredEbaren 2:itelö
gegen ben ©bemann als roirffam anjufclicn ift (oergl. § 713 ber ß. % D.).
unbebcnfli^ ber SBiffcnfc^aft unb 5ßrayis überlaufen roer^n. ^ Sßon jelbft
^ ücrfte^t^cs fid& ^übrigens, bafe roegcn einer aScrbinbtid&feit ber ©fefrau gcgtn»
/., ' ',.^'. über bem ©bemanne bie 3w'ön9St)onpredfung gegen baS ©l^egut allein auf
' ©runb eines gegen bie ®l)cfrau üoUftrcrfbaren 2:itets erfolgt, ba ber ©runb,
aus roeld^em anbere ©löubijcr ber ©t;efrau einen ooUftrcdEbaren Äitel auc^
gegen ben 6l;cmann ernnr!en"müifen, lebiglid^ in bem burd^ bie e^elii^e Stufe*
nicgung unb aSertoaltung begrünbeten Siedete beS ©^emannes liegt
sjonfirecf- Sie bem ©t)ftemc bcr 6. ^. D. unb bem 9lbf. 2 beS § 1314 fid^ aiu
fd&liefeenbc 33eftimmung bcs § 1314 2lbf. 3 bc5roedEt einerfcits, ben 3n>cifcl ju
befeitigen, ob bcr § 702 TiX. 5 ber ß. 5ß. D. fid^ aud) auf ben %aü bejic^t, in
roetc^em bcr G^emann roegen einer ber G^efrflii obliegenben SScrbinblid&fcit ber
6arer ZiteL
ScrBinbIi(5!citcnbere6efrau. SoIIftr.?lu8fctt.öC8.l>.@6cmann. §1315. 259
im § 702 9lr. 5 bcr ®. 5ß. D. bcjcid^ncten 9IrVbic SBoUftred ung gegen \^^fi ®f)e=j
9ut Beroilligt; anbererfcitö giebt |tc barübcr l^inauö bem § 702 9lr. 5 bcr 6. 5ß. D.
eine Sudbc^nung, tocidjie forool^t im Sntcreffe beö ß^emanncö alö bcS 2)ritten
bie gej^^gerfotflung crleid^tert unb inöbcfonbere benfelben bic Äoften eincö
^fojejtSlrfpQrt (oergt. § 89 bcr 6. % D.).
Scfottberc SBcfttmmungcn barübcr, in roefd^cr 9lrt auf Orunb beö gegen »erfahren.
bic ß^cfrau unb gegen ben ß^emonn crroirftcn oollftrecfbaren Titels bie aSoB*
ftrcdungsHau[cI ju crt^cilcn unb in njcli^cr Slrt bie 3w)angöt)olIftredPung gegen
bie bciben ©fjegatten gcmcinfd^afttici^ burd^jufü^ren \\\, ftnb cntbc^rlid^, ba in
biefcn Sejic^ungen bie allgemeinen aSorfd^riften bcr ß. % D. ausreichen.
3ndbcfonberc fe^It eö oxi einem Sebürfniffe, bie grage, ob bei bcr 3w)ang&*
TODftrcctung gegen baö ©l^egut aud^ bcr (Seemann xi^is SKafegabc bcr §§ 711,
780—784 bcr 6. 5ß. D. jur Slblciftung beö SKanifcftationöcibcö angcl^altcn
©erben fann, burd& baö ©cfcg fpcjicB ju cntfd[|ciben. 2)a6 bei bcm Sw^öngö-
üollftredungöücrfafiren iebcr bcr ©Regatten bic bem ©c^ulbncr in bicfer §in«
|i<^t pfte^enben 5RcdE)tc fctbftänbig mal^rjunefimen befugt ift, crgiebt ftd^ für
bic ß^efrau auÄ § 1309 9lr. 3, für ben (Seemann aber aus ben il^m fraft
bcr e^li^en Slugnicfeung unb Sßcrmaltung iuftcl^cnben SRedEitcn.
• Ucbcr ben ©influfe bcr e^cUd^en Sßugnicfeung unb SSerroaltung auf \^^^ «ontur« über
«erführen itn gaUe beö Äonfurfcö über baö aScrmögen bcr e^efrau ^at bcr ""^^^l
feitamrf in Ucbcreinftimmung mit bcm gcltcnbcn SRed^tc befonbere Seftim^^
TOungen nic^t aufgenommen. SBom ©tanbpunfte beö ©ntmurfcö auö ift bic
So^lagc gegenüber bcm geltcnben Siedete aUerbingö infofern eine anbere, alö
ber Entwurf bic unbef^ränfte ©cfd^äftöfä^igfcit bcr ®^efrau anerfennt unb
in rocitcrem Umfange SSorbc^altögut juläfet, bie göllc bal^er fünftig häufiger
uorfommen tocrbcn, in meldten ©laubiger ber (S^cfrau ni^t ß^cgutögläubigcr
Rnb unb bcS^alb SBcfricbigung auö bem ©l^cgute ol^nc 9lüdEfxd)t auf bic e^c:^
U(ie 9luftnic§ung unb SScrmaltung nic^t pcrlangcn fönnen (oergL § 1311). ^
©ercbe biefc Solle ftnb cö aber, mcldöc für baö Ronfuröocrfal^ren befonbere
S^fiöierigfeitcn bereiten. SBcnnglcid^ eö Ijicmad^ nal^c ju liegen fd^cint, bie
auö bem SDBcfcn ber el[|cUd^en ^lufenicfeung unb SBcrmaltung in SScrbinbung
mit ben Scftimmungcn ber ftonf. D. fi^ crgebcnben S^^^f^f i"^ S^f^^^^^cn-
^nge mit bem c^cli^cn ©ütcrrec()tc ju löfen, fo ift eö bod^ alö rat^fam
trottet, bie grage, ob unb mcIdEic 2lcnberungen bcr ßonf. D. in golge ber in
bcm bürgerlichen ©cfcfcbud&c über bic döelic^c S^ufeniefeung unb SSerroaltung
jctroffcncn Seftimmungen crforbcrlid^ mcrben, bcr Sleoifion bcr Äonf. D. üor-
iubc^alten, ba jcbc Slrt ber Siegelung mefir ober roenigcr eine 2)ctIaration
bcjm. cinr aknbcrung bcr Äonf. O. mit fid& bringen* mürbe, bic a;ragn)cite
eincö folc^en ©ingriffeö in bie Slonf. D. aber, inöbcfonbere bie SRüdEmirfung
bcöfdbcn auf anbere äfinlid^ licgenbc gälte, olinc eine umfajfcnbc Seratl^ung
bcr Äonf. D. fid^ nid&t überfeinen läfet.
§ 1315.
2)ie SScfttmmung beö ©afe 1, meldte bejmcdEt, bem ©ritten, meltiner gsoüftrcÄare
ein ooflftredEbareö Urt^cil ober eine anbere tJoUftrccfbarc entfd&cibung (oergt. ^"^J'^Jen""«
§ 702 ^x. 3, 4 bcr 6. 5ß. 0.) gegen bie ®l)cfrau crmirtt fjat, in ben ^cn c^emann.
17 ♦
L
260 SBcrBinbl. b. ©Mr. Srxigöfei^uncj atr. eßeßiit u. SScrbcItallgout. § 1316.
im ©ingangc bes § 1315 bcicid^neten gällen eine neue Älagc gejjcn bcn ©fic^
mann unb bic bamit ocrbunbcncn SBcitcrungen unb Äoftcit ju crfparcn, xei)U
fertigt fi^ burd^ bie 9lüdftd|t auf ben dritten unb bie 2lnaIogie ber §§ 236^
665 ber ©. % D. 9lte fclbftoerftänblic^ fonn biefelbe n\6)i erachtet werben,
bo aus bem § 1309 9lr. 1 unb ben §§ 1311, 1312 3lv. 1 nur bic gBirffam*
feit ber f)ier froglid^en (Sntfc^eibungen aui) in 3lnfel)ung beö e^eguteö gegen*
über bem ©bemanne, nid^t aber auf bie SSoDftrecfbarfeit berfelben gegen ben
©fiemann fic^ ergiebt, Sle^nlidie ©rmägungen, wie biejenigen, auf meldten bic
Seftimmung beö § 1315 ©aß 1 berufjt, fü^iren bafiin, ben bort gebeerten
©ntfd^eibungen bie im § 702 3lx. 1, 2, 5 ber 6. ^. D. bejeid^neten üollftred^
baren 3::itel gleid^äufteüen, fofern bie (enteren jur 3^'* ^^^ (Sintritteö ber e^c*
lid^en Sßuftniefeung unb Sßenoaltung bereits t)or^anben marcn. Dt;nc bicfe
©leid^fteUung würbe ber prattifrfie SBertfj ber l^ier fraglid^en 3:itel für ben
©ritten burc^ bie ©inge^ung ber 6^e von ©eiten ber ß^efrau er^eblid^ be*
einträc^tigt merben.
®ur(^ bie auöbrüdffid^e S3e5ugna^me auf ben § 703 ber S. % D. wirb
Jebcr B^cif^f barüber gel^oben, ba^ auf bie SroangöooUftrecfung am ben ooB*
ftrecfbaren Titeln bcö §; 702 ber 6. % 0- neben bcn §§ 665—668, 671 bie
befonberen aSorfd^riften ber §§ 704, 705 ber ß. % D. entfprcd^enbe ^[n*
iDcnbung finbcn.
§ 1316.
9iu58iei(^un8 . SBcuu bic ß^cfrau neben bem ©^egute SSorbel^altögut l^at, fo l^aftct
fl^ÄsttM^ft^^^f^änblid^ and) baö legtere bcn ©^egutßgläubigern, unb jwar l^abcn biefe
be^aitsQut nad& bem ©ntrourfe bic unbcfd^ränftc SBa^I, ob fie i^re Sefricbigung auö bem
®^egutc ober auö bem Sßorbetialtsgute fud^cn wollen. ' ©ine anbere grage ifl,
inroiemeit bie ©l^egutöoerbinblid^feiten im aScrpItniffe ber ©Regatten ju ein-
anber bem ©^egute ober bem SSorbc^altögute jur Saft fallen foHcn unb eine
35erbinblid^feit ber ©Regatten unter einanbcr jur 9luöglcid^ung bcö ©^cguteft
unb bcß 93orbef|aIt8guteö anjuerfcnnen ift. SDa regelmäßig aUes SBermogea
ber ©l^efrau ©l^egut ift, fo entfpri(f)t cö ber ©ad^tage, oon ber SHegcl an^
jugef)cn, baß bie ©ficgutöocrbinblid^feiten aud[i im SSerfiättnine ber ©^egatteti
JU einanbcr bem ©^cgute jur Saft fallen (ücrgl. aud^ olbenb. ®cf. ü. 24. 3lpril
1873 3rrt. 19 § 2). aSon biefer SRcgel (§ 1316 Slbf. l) pnb aber im § 131^
9tbf. 2 einjetne 2luönal)m§fäUe anerfannt, in wetdEien Gf)cgutäDerbinbtid^!eiten
im aSerliältniffc ber ©l^cgattcn ju einanbcr bem aSorbctjaltögutc jur Saft foDen
foUen. Sic red^tlid^c 33cbcutung jener Siegel unb ber 3luSnal)me ift, mie fic^
aus § 1316 9lbf. 3 bcö 9ltil)crcn crgicbt, bic, ha^, wenn eine ©^egutö:*
ucrbinblid^fcit, mcl^c im SBcrl^öltniffc ber ©f)cgattcn ju einanbcr bem ©^egutc
jur Saft füllt, auö bem aSorbe^altögutc, ober eine anbere ©f)cgutßoerbinb*
lid&fcit anQ bem ©Ijcgutc getilgt ift, im erftcn ^aUc ju bem 58orbc^altögutc
auö bem ®l)egute, im jwcitcn gallc ju bem ©l)cgute an^ bem SSorbc^altögutc
inforocit ©rfaß ju Iciftcn ift, alö Ijierju ba^ S^crmögcn auörcid^t, an& mclc^cm
ber ©rfafe ju teiften ift. ©ö befteljt alfo feine gen)Bl}ntid^e ©rfagücrbinbli^teit,
fonbern nur eine aScrbinblidjtcit jur Sluögleid^ung ber bciben jum SBcrmögca
SftbtnbLb. e^cfr. 3tu8flleid&ung stp. (Sßcflut u. aiorBcl&altgöut. §1316. 261
bcr g^cfrou gc^örenbcn SMoflen. S)a6 bic bcm ©bemanne gegenüber ber ®^e=^
frau obliegciibc 85crpflid||tung^ bie G^cgutöperbinblid^feitcn, toeld^c im $8er^
^tniffe ber ©Regatten ju einanber bem @^egute jur Saft fallen, auö biefem
ju erfüllen, burd^ baö SSor^anbenfein oon ®^cgut bebingt unb barauf befd^ränft
ift, oerflcdt fid^ pon felbft. daneben bleibt bie befonbcre SBerbinblidfifcit beö
€^anncd gegenüber ber @^efrau, S^egutöoerbinbUc^feiten nac^ äHaggabe
bcfi § 1297 aud feinem eigenen SScrmögcn ju erfüllen, fcIbftoerftänbtidE) un-
berührt, aber oud^ auf ©eiten ber ß^efrou mufe bic SScrpffid^tung, bie im
§ 1316 9U)f. 2 bejcid^neten S^egutdoerbinblic^feiten auf bad SJorbel^altdgut ju
übernehmen, barauf befdjiränft werben, ba§ fie baö (S^egut, foroeit jene SBer^
binblic^feitcn aud biefem getilgt ftnb, aud bem 93orbel^altdgute, fofern unb
foioeit ein fold^eö Dor^anbcn, ju ergänjen verpflichtet ift. 2)ic SluffpRung,
bog bie S^efrau bem ^^emanne megen ber burd^ bie @rfüUung ber fragti^cn
Serbinblid^feiten aM bem (S^egute eingetretenen SSerminberung bed @^eguted
unb folgeioeife anä) bcr el^eti^en 9{ugnicgung perfönlid^ mit ii)ttm SSermogen
verontmortlid^ fei, würbe mit bcm ©runbgebanfen ber e^elid^en 9lu^niegung
unb Senoattung, ba§ bie (egtere bad äiermögen bcr @^efrau nur infomeit
irnb fo lange ergreift, ate cö baö SBermögen bcr (S^efrau ift (§§ 1293, 1311),
nid^t im SinHange fte^cn unb eine groge UnbiQigfeit gegen bie @()efrau mit
jidi bringen. ®ie gcfegli^e 9lncrlcnnung einer S8erbinblid)fcit bcr ®f|cfrau
ate cina @^cgutöDcrbinbUd^feit barf für bie @^efrau nic^t bie So(ge ^abcn,
ba| i^e SJcrbinblid^feit cr^ö^t mirb, ba§ fic aufecr bcr urfprünglid^en SBer^
binbli(^feit au^ nod^ gegenüber bem @^emanne jum S^abenöerfage t)erpf(id^tet
imrb. 38on einer anbcrcn 5Äuffaffung fönntc man möglid^ermeife bei fold^en für
bie ^vKdt bed SSorbe^Itöguteö eingegangenen ^erbinblid^feiten ber @(|efrau
aittge^, meldte bie (Sigenf(^aft einer (S^egutöoerbinbUd^feit nur bur^ bie
<SinDiIIigung ober Genehmigung beö @^emanneö erlangt ^aben. äßan fönnte
in biefer ©inmiDigung ober ©ene^migung eine ®cfd[iaftöfü^rung beö ®f)Q^
manneö für bod 93orbet)a(tögut erbliden unb auö bcm ©efid^töpunfte eineö
}tt biefem ^roedt gemalten Slufmanbeö bem (S^emanne einen unbefd^rönften
SnfpnK^ auf @rfag für bie i^m bei Erfüllung ber betreffenben SSerbinblid^feit
auö bem Gl^egute cntgel^enbe e^elid^e ^u(nie§ung einräumen. @ine fo(d[)e
Sluffoffung würbe inbeffen ber ocrmutf|lid^en Slbfic^t ber ©Regatten nic^t ent^
fprecben. S)urd^ bie 5ßatur ber l^ier fragli^cn SBerbinblid&fcit ber ©Regatten
alö einer blogen 93erpf(i(^tung }ur äluögleid^ung beö @^cgutcö unb beö 93or«
be^ialtögutcö ift übrigenö felbftoerftanbüd^ ni^t auögcf^loffcn, bag, wenn einer
bcr Sbcgötten biefe SBerbinblid&feit , fowcit biefclbc nad^ 3lbf. 3 begrünbct
ift/ burc^ fein SSerfc^uIbcn ni^t erfüllt, er bem anberen ©Regatten nad^ SWaß?
flobe bcr allgemeinen ®runbfä|e über bie folgen bcr Slid^tlciftung unb über
bie gülgen beö SScrjugeö jum ©d^abenöerfafec ücrpflid^tet ift.
SBenngleidö ber Slbf. 3 unmittelbar nur auf fol^c ^öUe fid^ bejicljt, Bereinigung
in welchen bur^j bie 2:ilgung einer ß^egutöoerbinblic^fcit baö S^egut auf beranr«nb
Äoftcn be« SSorbe^altögutcö ober baö lefetere auf Äoften beö erftcren bc^ ««*
rci^Krt ift, fo fann cö bod^ nid)t 5weifcll)aft fein, bafe bie 93eftimmung ^*"^^*'^'"'*
brt Slbf. 3 analog aud& auf fold^e gällc 9lnwenbung finbcn mug, in
»eld^ burcb bie 53ereinigung ber ß^cgutSücrbinblid^fcit unb bcr berfclbcn
262 gSerBinbl. b. (Söefr. 21uöfllei(]&unö jt». S^egut u. SorBel&altöflut. § 1316. ,
cntfpred^cnben gorberung in bcr ^ißcrfon bcr ß^cfrau (§ 291) baö SSorbc^Qltö-
gut auf Äoftcn bcö ©f|cgutcö ober umgefel^rt bicfcß auf Äoftcn icncß bercid^crt
ift (Sine fold^c Bereicherung bcö SSorbe^altöguteö auf ftoften beö ©fiegutö^
fann j. 35. eintreten, wenn bic S^efrau, n)eld[ier eine ©^egutöforberung jufte^t^
bcn ©d^ulbncr beerbt, bie ©rbfc^aft aber nod) § 1287 bem SSorbcfialtögutc
äufänt. Umgefel^rt ift ba& ©l^egut auf Soften beö SBorbe^attöguteS bereicherte
wenn bie gorberung ju bem tefeteren geljBrte, ber ^lad&Iafe beö ©d^ulbnerd
aber 6f)egut geworben ift.
^[nlangenb bie einjelnen 9Iuönal^men von bcr Dlcgef bcö SKbf. 1, fo ift in
biefer Scjiel^ung golgenbeö ju bemcrfcn:
cerbtnbiic^. 1. 2)ie im 9lbf. 2 3lx. 1 beftimmte 9luönaf)me rc^tfertigt fid^ burc^
^l^mbun ^i^ ©rroägung, bafe es unbillig fein würbe, wenn in bem 9Ser()äItniffe bcr
^onWunBcn: ®()egatten JU einanber baß SRcdEit bcö 6f)emanncö unter bcn t)on ber (S^efrau
begangenen unerlaubten ^anblungen leiben follte. 3^ ^^^ 33erbinbfidöfcitett
ber 6f)efrau aus bem burc^ eine unerfaubte ^anblung berfelbcn herbeigeführten
©trafoerfal^rcn geprt, ol^ne bafe bicS eineß befonberen 9lußbrucfeö bebarf, aucj^
bie SScrbinbliddfcit ber ®£|efrau jur ä^ragung bcr Äoften einer in einem folgen
aSerfa^ren mit ®inn)iUigung beß (Sfiemanneß erfolgten aSert^eibigung ber ©^c*
frau, xotm bie Icßtcre ücrurt^eilt ift (oergl. §§ 1321, 1301, 1311, 1312 9lr. 1,
§ 1297 5Rr..6), 2luf bemfelben ©tanbpuntte, wie bie 9lr. 1 bcß 3lbf. 2^
ftel)t ba» fäd)f.®.a3. § 1680; baßfetbe wirb aud[i für bqß preufe. 31. S. 9t. na<^
5lnalogie beß § 203 II, 2 an^iune^men fein, fofcm nac^ preu§. 21. 2. 9?. übcr=
^aupt eine Haftung bcß ß^egutcß für bie aSerbinblid^teitcn bcr ®l|efrau aud
einer von ber Icfetercn begangenen unerlaubten ^anblung anjuerfennen ift
(ocrgl. aJlotioe ju §§ 1311, 1312 oben ©. 249). 2)ie beibcn angefütjrteii
©cfcfegcbungen gc^cn infofern nod^ weiter, wie bcr ©ntwurf, alß' fie aud^
gegenüber bcn ©laubigem bcr ß^efrau eine Haftung beß ©ficgutcß für bic
^ier fraglid^en aScrbinblidEifeitcn nur außl^ülfßroeife für bcn ^all ancrifenncn,
bafe ba» aSorbel^altßgut ju il^rer Sefriebigung nid^t l^inreic^t. (Sine fold^e ®c*
fd&ränfung bcß Slec^tcß ber ©laubiger ift iebod^ nid^t gerechtfertigt. 3^rc
Sefriebigung fann baburd^ unter Umftänben er^eblic^ t)cr5ogert werben unb
fönnen i^nen barauß unnüfee Soften erwad^fen. 3)lit bem ©ntwurfe ftimmt
in biefer ^inpc^t baß olbenb. ®ef. v. 24. Slpril 1873 STrt. 19 § 1 überein.
ou« einem 2. S)a bcm (S^cmauuc an bem aSorbel^altßgutc bcr ®^efrau fcincrici
»ÄlL 9*^** i^f^^^^t fo ^mi eß in ber 9latur bcr ©ad^e unb cntfprid&t es ber
gut fi<^ 6e* a3illigfcit, fowie bcr oermutl^lid&cn SÄbfid^t ber et)egattcn, bafe fol^e SierbinbUdb-
*«StS'" '^^^^^ ^^^ ©t)efrau, wctd&e an& einem auf baß SSorbc^altßgut ftd^ bcjie^cnbcn
oer^itniffe, JRcrfitßocr^ältniffc cntftanbcn fxnb, fowcit biefelben übcrliaupt e^egutßocrbinblid^^
feiten finb, im aScrl^ältniffe ber (S^egattcn ju einanber bem SSorbcIialtßgutc jur
Saft fatten (§ 1316 9lbf. 2 3lx. 2). ®ine übereinftimmenbe aSorfd^irift entl^ält
baß olbenb. ®ef. t). 24. aipril 1873 Sürt. 19 § 1, wä^renb in bcn anbeten
©cfcftgcbungcn biefer gall nid^t befonberß entfd^ieben wirb. 3« ^^^ unter
bie 3lv. 2 bcß 3lbf. 2 fallenbcn 9Serbinblic||feiten gehören namentlid^ bic
33erbinblid^fciten ber ©i^cfrau auß Sted^ißgefc^äften, wcld)e fi(^ auf baö ^or*
be^altßgut bcjiclien (§ 1290), wenn bcr ©l^cmann feine ©inwilligung ober
©enclimigung baju crt^eilt ^atte (§§ 1301, 1311, 1312 5Wr. 1). 3n ber (hr^
SScrBinW. b. Sl^efr. 9tugoleid&iin0 sto. (gßcßutu. SorBc^altSflut. §1316. 263
t^eilung her ©inroilligung ober ©enefimigung liegt an fid^, fofcrn nidf)t ein
Snbereö oeraftrebet ift ober aus ben Umftänben erliellt, feine Uebernaf)mc ber
3Sorbe^aItögutsoerbinbUd&Ieit ate einer (S^egutöfaft gegenüber ber ®^efrau. 9]ur
ben ©laubigem gegenüber foB baburd^ bie ©igenfc^aft ber ^Berbinbtid^feit ate
einer ß^egutöoerbinblid^feit anejfannt werben. 3m SSer^ältniffe ber 6I)egatten
ju einanber entf^eibet bagegen nac^ wie t)or ber materielle ^rozd, für meldten
bie Serbinblid&feit eingegangen mürbe, barüber, ob fie bem 6l|egute ober bcm
8or6e^altsgutc jur Soft fällt. 95ori befonbers praftifd^er SBic^tigfeit ift bie
im § 1316 abf. 1 9lr. 2 beftimmte 9luönaf|me in 9lnfefiung ber SBerbinblid^*
feiten ber ©fjefroii aus bem felbftönbigcn Setriebe eines ©rroerbögefd^äftcö,
wenn ber (S^emonn ju biefem Setriebe feine (SinmiHigung ert^eilt Ijat (§§ 1307,
1310, 1311, 1312 $«r. 1, 3). Unter bie 3lx. 2 beö 9lbf. 2 fättt aber ferner unteri&aits.
ou(^ bie gefcfeUd^e SSerppid^tung ber ß^efrau jur ©eroäl^rung beö Unter- ^*^feurn!*^'
Mt^ an i^re 33erroanbten ober an ben unfd^ulbig gefd^iebenen früheren ef)e=^
gotten b^r 6^frau (§§ 1480 ff., 1454), fomeit bicfe SBerpftic^tung lebiglic^
bur(^ ben Scfig von SBorbel^altögut begrünbet ober baburc^ oergröfeert ift
(»ergL §§ 1482, 1454 Slbf. 2). SBenngleic^ praftifd^e ©rünbe gegen eine foldie
oer^Itnifemäfeige SSertfieitung ber l^ier fraglichen Unterl^altungSpftid&t auf ba^
C^gut unb bas SBorbefjaltögut ft^ geltenb mad&en taffen unb, l^ingefetien auf
ben perfönli^en Äarafter ber ^ier fraglichen 33erbinblid&feit, eine gemiffe
SiHigfeit bafür ju fpred&en fd^eint, biefe SBerbinblic^feit im Serl^ältniffe ber
C^gotten ju einanber ftet* unb im oollen Umfange bem SSorbel^altögute jur
Soft ju legen — j[ebod& oorbe^altlid^ ber SBerppic^tung beö ß^emanneß gegenüber
ber 6(iefrau, bie t|ier fraglichen Unter^altungöfoften, fofem ein orbentlid^er
6au§ooter bicfelben aus ben ©infünften feineö Vermögens ju bcftreiten pflegt,
nac^ 9Wa§gobc be« § 1297 3lbf. 1 9?r. 4 unb 3lbf. 2 aus ben 5Rufeungen ber cfier:
lid^ ^luftniefeung unb aSermaltung ju beftreiten — , f o tonnen jene ©rünbe bod^
niddt als burd^fd^lagenb crad^tet roerben, um jum $flac^t^eile ber ®f)efrau oon
bem ©runbfafie abjumeic^en, bafe eine SSerbinblid^feit, meldte bie ®£|efrau lebiglic^
wegen i^rcö E^eguteö trifft, au^ bem legteren jur Saft fallen mu§. 5Dad Se-
bürfnife einer 3luöna^me in biefer SRic^tung lann aud^ nid^t etwa in 9lnfel|ung
ber Unter^altungöoerpflid^ung ber S^efrau gegenüber iljrem une^etid^en, im
ß^bruc^e erjeugten Äinbe anerfannt roerben. ^rvax fc^eint eö nalie ju liegen,
in biefem galle bie UnterfialtungöpflidE|t nad& 9lnalogie ber 3lv. 1 beö § 1316
Slbf. 2 wie eine SSerbinblid^feit ber ©^efrau auö einer üon i^r begangenen
unerlaubten §anblung ju be^anbeln. S^tbeffen empfiehlt eö fi^ nidE|t, einen
fo fpejietten ^U bur^ eine fafuiftifd^e 33orfd^rift befonberö ju berütffic^tigen,
jumol ber ß^emann, roenn er will, in einem fold^en galle bie ©c^eibung Der«
langen lann. Snwieroeit ber ©l^emann benjenigen S^lieil ber Unterf|altöpflid)t
ber g^frau, roeld^er bem SSorftel^enben nad^ bem ®f|egute im S8erl)ältniffe ber
Chatten ju einanber jur Saft fällt, gegenüber ber ®f)efrau perfönlid^ aus
feinem Vermögen ju erfüllen t)erpflid&tet ift, ergiebt fid^ auö § 1297 3lbf. 1
»r. 4 unb «bf . 2.
3la^ ber SRr. 2 beö 2lbf. 2 fallen, wie bie S^ffung ergiebt, bie 33er*
binblid^feiten ber e^efrau auö einem auf baö 58orbel^attögut fid^ bejlel^enben
Wec^töüer^ältniffe au<^ bann bem SBorbel^altögute jur Saft, roenn biefelben oor
264 aScrBinbl. b.e^cfr. 9tußölei(]6ung m (S^cöutu. aSorBcl&altÖöut. §1316.
bcm Sintritte ber c^clid)cn Slu^nicfeung unb aScrroaltung ober oor bcm QtxU
punftc, in tocld^cm baö ®ut SSorbcJ^attögut gctoorbcn ift, cntftanbcn finb,
j. 33. bic bcvcitö x)or jenem S^itpunfte föHig geworbenen Seiftungcn auf
©riinb einer 9leül(aft, njeld^e auf einem ju bem 58orbel^attögute geborenben
(Srunbftüde rul)t, ober bie auf ein foldieö ©runbftücf ftd^ bejieljenbcn oor?
cbelid^en Smmobiliarfdjulben ber ©bcfrau. 6ß entfprid^t bieö ber materiellen
^ugcbörigfeit biefer 33erbii\blid^feiten jum aSorbefialtögute unb ber oermutb-
licl;cn Slbfid^t ber Set^eiligtcn (oergl. au^ code civil 3lrt. 1409).
«erBinbiic^* 3. ©aß bie unter 3lx. 3 be§ 9lbf. 2 bejeid^neten aScrbinbUd^fciten,
^'m^T i»öbcfouberc bie SSerbinblic^feit iur (grftattung ber Soften eincö Slec^töftreiteß,
fireitigfciten, loeldjcr Über eine ber unter SRr. 1, 2 beö 9lbf. 2 bejeid^netcn aSerbinblid^^
feiten oon ber ßb^froii gcfül^rt ift (oergf. § 1312 91r. 1), im SSer^ältnijfe
ber ©Jiegatten ju einanber bcm 33orbef)aItögute jur Saft fallen, red^tfertigt fid^
burd) bie materielle 3wflcprigfeit jener SSerbinbtid^feiten ju ben unter 9ir. 1, 2
bejeid)neten SSerbinblic^feitcn bcjio. burc^ bie ©rroägung, ba^ eine SScrbinblicb'
feit baburd^, bafe fie burd^ Urtfjeil feftgeftellt ift, i^ren materiellen Äaraftcr
nidjt änbert.
SInlangcnb bie SBerbinblic^feiten ber Gficfrau auö anberen Sled^tßfjtrcitig*
feiten alö ben unter 3lx. 3 bc§ 3lbf. 2 gebadeten, fo fommen, ba bic SJer^^
binblic^feit ber ®^efrau aus einem of)nc (Sinroilligung ober ©cnebmigung
beö Seemannes oon ibr gegen einen Sritten erhobenen, menn au^ baö ©b^gut
betreff enben SRed&töftreite, überhaupt feine ®bcgutöoerbinbIi^feit ift (ocrgl.
§§ 1302, 1311, 1312 3lx. 1; aJcotioe ju §§ 1311, 1312 oben ©.252), nur
nod) biejenigen gälle in 93etrad^t, in meldten bic ©befrau mit ©inroiUigung
ober ©enel^migung beö @()emanneö ober, obne. bag cö einer f o(d^cn ©inmiUigung
bcbarf, einen baö (S^egut aud) im 33erbaltniffc ber ©b^flötten unter cinonber
bctrcffcubcn 3fled)töftreit gefübrt liat (ocrgt. §§ 1302, 1306, 1309—1311,
§ 1312 3lr. 1) ober in n)eld)cn bie ®f)efrau megen einer ©^egutöoerbinbUd&fcit,
rocidje im aSerbältniffe ber ©f)egatten ju einanbct bem ©^cgute jur Saft fällt,
ücrffagt loorbcn ift, obnc ba^ ber ©bemann ju bem Sled^töftreite feine ®in*
TOittigung ober ©enebmigung ertl^eilt bat (§§ 1303, 1311, 1312 3lv. 1). S)a&
bic $5crbinblid)feitcn ber ©^efrau auö einem boö ©l^cgut aud^ im aScrbältnifjc
ber ©begatten ju einanber betrcffenben SRed^töftreite bann bem ©^egute jur
Saft foUen muffen, wenn ber ©fjcmann in bie gül;rung beö Slec^töftrcitcö cim
gebilligt I;at ober biefelbc genel^migt, fann nad^ bem ^rinjipe beö § 1.316
nid)t jioeifel^aft fein, ©aöfelbe gilt oon ben 33erbinblid^fciten auö einem ber-
artigen, obnc ©inroilligung ober @encl)migung beö ©^emanneö gefübrten
SHcdjtöftrcite in ben göUen beö § 1306 unb beö § 1309 9ir. 1, ba in bicfen
gällen baö 9ScrI)äItni6 ganj fo ju bcurtbcilen ift, wie wenn ber ©bemann
feine ©inroilligung ert^eilt b^tte unb bem le|teren aud^ feincömegö ju nabc
getreten wirb, wenn bie ftoften eincö fold^cn Sted^töftreiteö ber Siegel beö 9lbf. l
gemäß aud) im S[5er^ältnifjc ber ©Regatten ju einanber bcm ©^egutc jur Saft
fallen. 9lber audj für ben- gall beö § 1309 Str. 3 fcf)lt cö an einem auö^
reid)cnben ©runbc, oon bem ^^Srin^ipe beö § 1316 abjumeid&en. S)er 3w>ccf
ber 9luöna[)mebcftimmung beö § 1309 9lr. 3 erforbert cö allcrbingö nid^t um
bebingt, baß bie SSerbinblic^teit ber ©befrau jur ©rftattung ber ^^irojefefoftcn
ScrBtnbr. b. Sbcfr. au&fllcicj&unö i». ß^eout u. aSorBd&altöQut. §1316. 265
in einem fofd&cn galle auä) im 3Scrf|ältniffe ber Sficcjattcn ju einanber bcm
f^eflutc ifix Saft fallen unb in Äonfcquenj baoon ber (Seemann bicfc Äoften
no4 aHafegobc beS § 1297 SÄbf. 1 3lx. 5 unb 5ttbf. 2 gegenüber ber Gfjefrau
pcrfönlicft aus ben 9iu|ungen beö Gfieguteä ju tragen l)at. Snbeffen fpre^en
bo4 überwicgcnbe Orünbc ber Säilligfcit bafür, bic ©fiefrau, rocnn fic jum
S4u^ bcß ß^cgutes gegenüber einer Stt^^wflöooIIftrecfung \\ä) genöt[)igt fiel)t,
einen ^rojcfe ju ergeben, weil ber ©bemann DicUeid^t bie SBat)rnef)mung i^res
3nicrejfc« wegen feines entgegengefe|ten 3nterefjeß üernac^Iäffigt, nidjt ber
©cfo^r oufijufe|en, bie Äoften beö 5ßrojef|eö auö i^rem 9Sorbcf)aItögute bejn).
Uli« i^rem g^egutc tragen ju muffen, ©er 3wedE beö § 1309 9Jr. 3 njürbe
babur(^, wenn aud& nid&t t)ereitelt, bo^ infofern üerfümmert werben, alö jene
@efQör bie ©(jefrau auc^ t)on ber ©rl&ebung eineö an [xä) gerechtfertigten
^rojeffeö jurud jufd^reden geeignet fein fönnte. 2lnbererfeitfl liegt bic Seforgnife
fem, bag bic ©fiefrau frioolc 5ßrojcffe ber ^ier fraglid^en 3lrt ju füfiren oer*
onlagt werbe, wenn bic Äoften eineö folc^en ^ßrojeffeö au^ im 83ert)ältniffe ber
Cftcgottcn ju einanber bcm (S^egute jur Saft fallen unb ba^er ber ©fiemann
biffetbcn na^ SKafegabc beö § 1297 9(6f. 1 3lx. 5 unb 3Ibf. 2 gegenüber ber
G^efrou pcrfönlid^ ju tragen Dcrpflid^tct ift. 3^fif^W)öft<^^tr fann cö fein,
ob nicjt für ben gaU eine Sluöna^me oon ber SReget beö 9lbf. 1 geredet-
fertigt fein würbe, wenn bic ßl)efrau, ol)ne bie ©inwiltigung beö ©^emanneö
cinjii^olen (§§ 1320, 1322), ^xi) auf einen von einem ©ritten gegen fic er::
ftobencn 9led)töftreit wegen einer, wenn auc^ im 93erl)ältniffc bcv Gl)egatten
^u cinonber bcm (5l)egutc jur Saft fallenbcn, ß^egutöüerbinblid^feit eingelaffen
hat (§§ 1303, 1312 9lr. 1). 3nbeffcn ift anä) im S3erf)ättnifie ber ©Regatten
JU einanber ber ©eftc^töpunft alö entfdjeibenb gu erad^ten, bafe bie SSerbinb^:
li(^feit jur ©rftattung ber ftoften beö 9led)töflreiteö gegenüber ber ben ©cgen-
fmnb beö legieren bilbenben ^auptDcrbinbtic^feit einen afjefforifd)en Äaratter '
ftat Xaju fommt, bafe eö in Dielen fällen ju einer nid)t ju red)tfertigenbcn
Unbilligfeit flcgen bie ®l|efrau fütircn würbe, wenn man bie ^ier fraglidic
SerbinbUd^fcü ber ©^efrau im aSer^ättniffc ber G^egatten ju einanber all-
gemein alö eine bem SSorbe^altögutc }ur Saft fallenbe unb beöljalb aud^ nic^t
unter bic Scftimmung beö § 1297 91r. 5 fallenbe 33erbinblic^fcit betianbeln wollte,
namentlich in einem fold^en galle, in weld^cm bie 6l)cfrau ein SSerfäumnife?
urtbeil gegen fid^ ergeben läfet, ba infoweit non einer frioolen ^^rojefefü^rung
ber (S^efrau iiic^t bie SRcbc fein unb ber ®l)efrau nid^t entgegengel)altcn werben
fomi, bafe fic nad^ aWafegobc ber §§ 1320, 1322 fidE) ber ßinwilligung beö
Cftemonneö ju ber güfjrung beö 9led^töftreiteö ^ättc ücrgcwifiern follen.
9lnberö liegt bagcgcn bie Sad)e in 9lnfe^ung berjenigcn SSerbinblic^* in«bef. au«
feiten ber ©^efrau, welche auö einem SRed^töftreite jwifd)en ber Ic^tcren jRctJwfttcitc
unb bem ©tjemanne in Stnfc^ung ber ftoften beö 9led)töftreiteö entftanben ^^l^^^^^^j^^^^^
finb, fei eö, bai eö fid^ um bie gerichtliche ©cltenbmadjung eineö Gt)e*
guiöre^teö von Seiten ber ß^cfrau gegen ben Gtjemann (§ 1309 9ir. 2),
ober um ben galt ^anbelt, wenn ber G^cmann bie Gf)efrau wegen einer
6f)egutöoerbinblic^fcit oerttagt l)at. 3n biefen gällen fpredjen allerbingö über?
»iegenbe ©rünbc ber »illigfeit bafür, bie in 3Jr. 4 beö § 1316 3lbf. 2 bc^
jeic^neten SBcrbinblid^fciten im SBer^ältniffc ber Gt)egatten ju einanber alö
266 SerBinbl. b. e^efr. 9tug0lei*unö ito. ei^cout u. SorBcßartößiit. § 1316.
SSorbe^altSgutöüerbinbUc^fcitcn ju bcfianbeln, fo bafe bcr (Seemann biefelbcn
naä) § 1297 9lr. 5 anä) nid^t auö bcn Jlugungen beö ©^cgutes gegenüber
bcr Ehefrau ju tragen t)erpf(i(^tet ift. 3^ ^c" W^ fraglichen SSerbinblid^fcitcn
gel^oren nid)t nur bie 93erbinblid^feit jur S^ragung ber ^rojefefoften gegenüber
bcnt ©bemanne, fonbern auc^ bie 33erbinblicf|feit roegen ber Oerid^töfoften unb
bcr Äoftcn gegenüber bem 9lnn)olte unb bem ©erid^töoonjiefier, foroeit bie
SSerbinbtid^fcit roegen . bief er leßteren Soften überhaupt ß^egutöoerbinbli^teit
ift (DcrgL aßotloe ju § 1309 oben ©. 248 unb § 1312 31r. 1 g. (5.). S)o6
bie Scftintmung beö § 1316 9lr. 4 auf bcn gaU feine Sänroenbung finbet,
xocnn ber ©^emann in bie Soften rerurtlieiU, bie ©fiefrau aber gegenüber
bem ©erid^te bejn). i^rcm Slnroalte unb ©cric^töoolljiefier jur 3öf|Iung Tjon
Soften üerpffid^tet ift, t)erfte{)t fxd) üon fetbft unb bcbarf feines befonbcrcn
9luöbrucles.
»crbinwic^. 4. SSon bcr SRegcI bcö 9lbf. 1 nodj roeitere 2luänaf)mcn anjuerfennen,
e^^efwu 9^cn ^lä blc im 9lbf, 2 unter Sftr. 1—4 beftimmten, ift burd^ ein S3cbürfniB
ben e^emann. ni^t gcbotcu. ^fnöbcfonbcrc bcbarf cö einer befonbcrcn 3[ufina^mc nic^t in
9Infc^ung fofd&cr ©^cgutöocrbinblidbfeitcn, rocld^e biefe ©igenfd^aft Icbiglic^ bcö-
^alb f)abcn, njcil ber ®f|emann ber ©(äubiger ift (oergl. SRotioe ju §§ 1311,
1312 oben ©. 254). S)ic nteiften unb roid^tigftcn bcr l^icr in grage fommenben
SScrbinbUd^feitcn fallen o^net|in unter bie 5lr. 2 beö Slbf. 2; in SBfnfel^ung
bcr nod^ übrig bicibenbcn fcitencn gällc fcf)It cö aber an einem auörcicfienbcn
Orunbc, bie SRegel bcö 3lbf. 1 ju burc^brc^cn.
«ertraß über 5. 3l(ö fcIbfttJcrftänbUc^ ift CÖ fcmcr ju erachten, bafe bie ®^efrau gegen?
qmunl ü^^^ ^^^ ©bemanne burd^ SBcrtrag ©ficgutöücrbinblic^feitcn auf baö SJor*
bc^altögut übernehmen fann. Db ein fold^cr 93ertrag alö ein ©[)ei)ertrag auf?
jufaffcn ift unb beö^alb bcr für ©()ct)crträgc üorgefc^riebenen gorm bebarf
(§ 1335), ift nad^ bcn SBcftimmungen bcö § 1333 5U beurtfjcilen. ©in S3e?
bürfni^, biefe ^rage burd^ eine fpcjicUe SSorfd^rift ju entfd&eiben, bejto. fofern
bicfctbe nac^ § 1333 ju beja[)cn fein foUte, für bcn ^icr in SRebe fte^cnben
gall eine 9luönaf)me üon bcr im § 1335 für 6f)cr)erträge üorgefd^riebeuen
gorm ju beftimmen, liegt nid^t Dor.
ccr^cim. 6. S)aö prcug. 31. 2. 9t. IE, 1 §§ 339, 340 entl)ä[t nod^ bie befonbcrcn
'^tÄc^ Seftimmungcn, ba^ ber (Sf)cmann a\\^ bem SSorbcIialtögutc foH Grfa^ forbern
st^uibcn. fonncu, wenn baö cingebrad^tc SBcrmögcn burc^ Dorcfjelid^e ©c^ulbcn ber ©^es
frau, rocldje bie legtcrc bem S^cmannc ücrfd&roicgcn ^at, ücrminbert wirb ober
8Biffcntit*e« bic ©^cfrau bem ©bemanne frcmbe Sad^en lüiffcntlid^ atö i^re eigenen ein?
^frembeT" gcbrad|t ^at unb bcr Icfetcre biefe fpätcr f|at l^erauögcbcn muffen, derartige
Sachen. Seftimmungcn finb nic^t atö gcrcd&tfcrtigt anjufe^en. ©ine obligatorif^c
aScrpfJi^tung bcr ß^efrau, bem ©{)emanne i^r SBcrmögcn einsubringen, befte^t
nic^t. Sraft beö (Sefcfecö wirb baö 33crmögen ber ©^efrau mit ber ©^e^
fd^Iicfeung fo, wie cö in bicfcm SlugcnblidEc beftcl^t, ber eJ^cUdöcn Slu^nicfeung
unb SScrroattung untcrroorfen. 58on einer JJcrpflid^tung bcr ©^efrau jur ©c?
n)ät)rlciftung (§§ 370 ff.) fann bafjcr feine 3lebc fein. Snmiefcm [aber bic
G^efrau in bcn bcjeic^neten gällcn üxoa auö bem ©efid&töpunftc beö dolus
i^um ©rfage ücrpPic^tet ift, rietet ftd^ nadf) bcn allgemeinen ®nmbfä^en
über ©c^abcnöcrfag auö unerlaubten ^anbtungcn (§§ 704, 705).
ober
ajcrtoaltunö bc8 eßeguteö. SorBcmcrfung. (§§ 1317—1320, 1322.) 267
7. 2)ic im 3lbf. 3 bcftimmte äluöglctc^ungdocrbmblid^feit bejieljt ftdö ««"»««*>«"«
nur auf bic %ä\ie, in rocld^cn eine 6f)egutSDcrbinbUd)feit auö bcm ®f)C' '««1*««!*
gute bcjiD, bem SBorbefialtegutc getilgt ift, nid^t aber and) auf fol^e gälle, in ^c^oi»«"*
loel^ien bcr 6f|cmann eine 5Rid^tel^egutöt)erbinblic^feit auö bem ©fiegute getilgt
ober fonft ß^egut jum 33eften bcs 33orbe^aItßguteö Derroenbet ober in roetdicn
umgcfe^rt bic G^efrau 3Sorbef)aItögut jum SBeften beö (Stjeguteö perroenbct, „„g^j^^jt
insbefonbere eine ju fotc^em 3^^^^ ^on il^r eingegangene SSorbcl^altögutö^
oerbinblid^Ieit bemnöc^ft aus bem 3iorbeI)altsgute beja^itt {)at. @d liegt in
gdllen biefer 2lrt fein bem el^clid&cn ©üterred^te eigent^ümlid&cö SSerl&ältnife
Dor, unb mufe bcö^alb bic ?5^age, ob unb inmieioeit in folc^cn fällen ein
6rfa|anfprud^ begrunbet ift, unter Serüdtfid^tigung beö unter ben ©Regatten
bejte^enbcn befonberen SJer^ältniffeö unb ber Umftänbc beö einjelnen galleö
naäf bcn allgemeinen ®runbfä|en über bic 0efrf)äftöfüf)rung o^ne Sluftrag
unb fibcr 33ercid^erung beurt^eilt werben.
5. SSerroaltung beö ©Ijegutcä.
§§ 1317-1320, 1322.
3lad) allen auf bcm S3oben ber SSerroaltungögemeinfd^aft ftcf)cnbcn «e<*tbc«
Stt^tcn ift bcm @^cmannc ein über bic Siechte beö Jliefebrauc^eö Ijinauögcljenbeö iw%Z
Sct^t bct SBcrroaltung in 2lnfe^ung beö ß^egutcö beigelegt. 2)er Umfang ""^""3*^^*
biefcö SBcncaltungörec^teö unb bic 3lrt ber 3lusübung beöfetben ift ieboc^ in
ben cinjctnen Siedeten oerfc^ieben beftimmt unb nidit immer auö ben betrcffenben
gefejlic^cn SJeftimmungen mit Sic^erlieit ju ertennen. ^nöbefonbcre er=
geben fidj nad^ ber 3lid|tung \)i\\ 3w)eife(, wie baö SBerroattungöred^t gebadet
ift, ob alö ein potenjirteö Sliefebraud&öred^ in ber 3lrt, bafe ber (Seemann,
loic bic in bem Siebte beö 9lie6braud&eö liegenben ^anblungen, fo md) bic
bttrüber f)inouögef|enbcn, bel^ufö SSerroaltung beö (S^eguteö erforbcrlid^cu
^onblungen innerhalb ber ©renjen feineö 33crroattungörcdE|tcö für eigene
Sec^nung unb in eigenem Flamen oorjunclimen bered)tigt ift — jcboc^ unter
SJcranlroortüc^feit gegenüber ber ®^efrau für ben bei 3luöübung beö SBcr^
Äwltungörcd^tcö burc^ fein 58erfd^ulben ober feine SBerfügungcn bcr ®f)efrau
jugefügten S(6abcn — , ober alö ein oon bem Siedete bcr ef)elic^en S^ugniefeung
wrfd^icbcncö, nid^t alö 2luöflu§ ber festeren anjufcfienbcö 9lcdE|t, roeld^eö bem
(S^cmannc bic Scfugnife gcroäl^rt, bic nid^t in bem 9?cd)tc beö 9iiefebraud^cö
üegcnbcn, be^ufö SSerroaltung beö Gl&egutcö erforberlid&en ^anbtungen inner-
^alb ber ©rcnjcn feineö SBerroaltungöre^teö für 9ied&nung unb im 5Ramen
ber ©^efrau oorsunclimen. Slnlangenb inöbcfonbere baö preufe. 91. S. %, fo ©ertenbe«
enthält baöfelbc neben ber allgemeinen S3cftimmung, baß bcm Gt)emanne bic ^^^^
SJenoattung beö eingebrachten SScrmögenö ber 6f)efrau juftelit unb berfelbc
in 31nfe^ung beö leßtcrcn alle SRed^tc unb ^flirf)ten beö ^liefebraud^erö f)at
(11/ 1 §§ 205, 231), nur noc^ befonbere Seftimmungen barüber, inroieroeit ber
(S^ann über bic jum eingebrachten 58ermögen ber (Sf)efrau geljörenben Orunb^
ftücte, ©ercd^tigfcitcn, Kapitalien unb SWobilicn ju Dcrfügcn unb ^rojeffe über
bie Subftanj beö ©ingcbrad^ten ju führen begro. jum 3"^^*^ ^^^ 33erfügung
2G8 Scnualtuno bc§ ei&cöutcß. aSorbcmerfung. (§§ 1317—1320, 1322.)
ober bcr ^rojcfefül^ning bic ©iniüilligung ber (S^cfrou ju crjroingeu berechtigt
ift (2r. S. 3i. II, 1 §§ 232—247; 31. ©. D. I, 1 §§ 19 ff.). SBö^renb ber
©bemann bei 3Jerfügungen imb ^rojcffcn über OrunbftüdEc, ©eredfftigfcitcn
imb Sapitaticn an bie, in gen)if[cit näl^cr bcftimmtcn göUen aHcrbingö Cr-
jiüingbarc, ©inroiUigung ber (S^efrau gebunben ift, fte^t il)m in Slnfe^ung bcr
cingebrodE)ten Sßobißen baß 9led|t freier SSerfügung unb ^rojefefül^rung ju
(3t. S. 91. II, 1 §§ 247, 561; 31. ®. D. I, 1 §§ 19, 22; Urtl)ci[ b. SR. ®. bei
Oru^ot XXXI ©. 976). Ob biefeö betn ß^cmonne in afnfcl^ung bcr ein*
gcbrod&ten ÜBobilien jufte^enbe 93erfügiingörcd^t afe 3luöf[u6 bes bcm ©bemanne
äiiftel^enben SJerroaltungöred^teö aufiufaffen fei unb beö^alb feinen ©egenftanb
ber äroöngßüoUftrcdung für bie ©laubiger beö ß^emanneö bilbe, ift im ®e«
biete beß preufe. 31. 2. 9t. lauge ftreitig geroefen, biß biefer ©trcit burd^ 93er*
orbnung v. 7. 3lpril 1838 in bem üorftel^cnb bejcid^netcn ©innc entfd^icben
worbcn ift. 35iefe (Sntfdjeibung (äfet freitid^ immer no6) ben 3rocifel befte^en,
ob ber Seemann bei SSerfügungen über eingebrachte 3)iobilien im 9lamen ber
©fiefrau ober in eigenem 9lomen ju l^anbeln l&at, ob mitl^in auß bem SSer«
äufeeningßgefc^äfte bie (S^efrau gegenüber bem ©ritten bcrcdjtigt unb ocr^
pPic^tet ober ber ©bemann Sd^ulbner bcr ©liefrau wegen beß erlöften ^rcifeß
ober beß SBcrtbeß ber ocräufeerten Sad^c wirb (oergl. j[ebod^ 31. S. 9i. II, 1
§§ 240, 241, 560, 561). 3le^nlid^e 3rocifel, iuroiemeit bcr ©^cmann in
eigenem 9lamen ober a[ß SSertreter ber S^efrau ju l^anbcln l)ai, beftc^cn an^
in 3lnfef|ung bcr ^ßrojefefül^rung beß ©^emanncß über bic Subftauj beß 6in^
gebrad^teu. 3lu(i^ m6) bcm fädEif. 0. 93. § 1657 ftel^t jmar bem ©bemanne
neben bem 9Jcc^tc beß ^licfebrauddcß baß 9led)t bcr Sßerroaltung beß 3Scrmögciiö
ber ©^cfrau ju; baßfetbe geroäljrt ifjm aber, roic auß ben §§ 1657, 1674 ff.,
1682, 1688, 1690 unb bcm ganjcn 3ufammcnf)ange beß betreffenben Slbfd^nittcö
l^croorgebt, nid^t bie 93cfugniJ3, in eigenem 9Jamcn über bie ©ubftanj beß
SSermögenß ber ©^cfrau ju oerfügen ober .bie legtcrc ol|nc bereu 93oUma^t
ober ©inroiUigung bei bem Stbfc^Iuffc oon 9led&tßgefd^äften xmb bcr §ü^rung
üon 5ßrojcflen ju oertreten, fonbcrn bcr pofitioc Snl^att beß aSerroaltungßrcdjtcß
befd^räntt fid^, abgefefjcn oicUcidjt oon tl^atfäd^lidjcn 93erfügungen über bic
©ubftanj beß aSermögenß bcr ©()cfrau, ju meieren ber ©^emann auf ®runb
feineß 9?ie6braud^ßred&tcß allein nidE|t befugt fein mürbe, auf baß 9led^t, bic
rid^terlidfie ©rgäujung ber SWitroirfung ju oerlangen, menn biefc i^re 3)lxU
mirfung ju fold^en ^anblungcn, meldte bcr ©bemann ol^nc biefelbe nic^t uor*
uel^men tann, auß unjureidjenbcn ©rünben rerroeigert. 3lbmeic^enb oon bcm
fei^f. ©. 93. legt bagegen baß olbenb. @ef. u. 24. 3lpril 1873 3Irt. 5, 7 bcm
©bemanne neben bcm 9lcd&te beß 9lie6braud)eß ein umfajfenbcß 9icc^t bcr
aScrroaltung beß eingcbrad^ten SScrmögcnß in bcm ©innc bei, bafe er grunb-
fäfetid) befugt ift, oline äJoUmadjt ober ©inmilligung bcr ©^cfrau bic jur
3>ern)attung beß eingebrachten aSermögenß erforbcrlid^cn 9ledötßgcfd^äfte oor*
junclimen unb bie bei jener SScrmaltung oorfommenbcn ^rojeffe über boß ein*
gcbrad^te aSermögen ju füfircn. 9lur ju bcftimmtcn, im 3lrt. 7 nS^cr be-
jcid^neten 9ted^tögefd^äften (ju SBerfügungen über ©runbbcftfe, ©runbgered^tig^
feiten unb bie bew ©runbftüdfen gleidEigcftcUtcn ©d^iffe ober ©(^iffßant^cile,
über SSermäd^tnifie unb ©rbfd)aften, foroic über Perbrief tc gorberungcn unb
aScmxiItuno tc3 ß^cnwteS. Scrkmcrfitng. (§§ 1317—1320, 1322.) 269
SBert^papicre, rodele auf bcn 9lamcn ber G^cfrau ober if;rcr SRcdötSDorgöngcr
lauten, ju SSerglcic^cn über bie Dorftel^enb bejicic^ncten aScrm5genöbcftanbt()eilc,
foroie jum ©rroerbc üon ©ritnbbcfig für bie ©l;efrau), nid^t and) ju ^rojeifen,
bebarf ber ß^emonn ber aSoUrnad^t ober ber Ginmittigung ber ©^efrou, ofiric
bo§ in jenen gällen eine geric^tlid&c ©rgänjung ber Ginroilligung für jufäffig
ertlärt ift. ^roax nid)t ausbrücllic^ auögefprod^en, aber nad) bem .3wfommcn'
^ange ber üerfc^iebenen S3eftimmungcn faum ju bejrocifeln ift, bafe ber ©fjo^
monn in 9ln«übung feines aSerroaltungÄrcd&tcä nic^t in eigenem 92amen,
fonbem ai^ SSertreter ber ß^efrou in bcren Flamen ju Ijanbcin fjQt, fo bafe
Mcfc QU3 ben von bem ß^emonne innerfjalb ber ®renjen feiner 3iiftcinbigfeit
in itirem 9?amcn Dorgenommenen Oefd^äften foroo^I berechtigt, a(ö anä) oer*
pfli^itet wirb. Cb unb inroietoeit ber (Seemann fraft feines SBernjaltungSrediteö
folc^c t^atfoc^Iic^en 3Seränberungen mit ber SubftQnj beS ©fiegutes Dornel^men
bürf, JU roeld&eu er nad) ben ©runbfägen über ben Siicfebraud^ nid)t berc^tigt
fein würbe, ift in ben angefüfirten (Sefefcen auöbrüdfüd& nid^t beftimmt.
3n Uebereinftimmung mit bem geltenben SRed&te räumt auc^ ber ©ntmurf @tanbpunft
bem ß^emonne neben bem dleijic ber ef)elid^en SRugniefeung bas SRcc^t ber GnJttfrte«.
Serroallung bes ©^egutes ein, unb jraar bal^in, bafe er für bie orbnungsmägige
Senoaltung bes ef)eguteS Sorge jn tragen bered)tigt ift (§ 1317). ©in fold^es
über bie Siedete beS 9liefebraud^erS l)inausgcf)enbes aSertoaltungsrcd^t ift im
3ntereffc beS ©fiemanneö unb f)ingefet)cn auf ben 3«^^ bes 6t)egutes praftifd^
nic^t ju entbehren, um bem ©bemanne eine angemeffenc unb jroedfentfpred^enbe
roirtlifd^afllic^c 93enugung bes ©fiegutes ju ermöglid^en. 3)as Siedet ber efietid^en
JluftnieBung gemährt für fid) allein bem ©bemanne nidjt bie baju erforber(id)cn
Sffugniffe, namentUd^ n\6)i oom ©tanbpunfte beö ©ntrourfeS aus, nad^ mefc^cm
öuf bie efjcli^e 9iu|nie6ung an Derbrauc^baren Sad^en unb an gorbenmgcn
öuf Seiftuiig oerbraud^barer Sad&en bie Orunbfäge bes gen)öf)n[id)en SWicft=
braudjes feine Slnmenbung finben unb ber ©fiemann fraft ber e^elidicn SRu^s
niffeung über t)erbraud^bare ©fiegutsfac^en nur in fef)r befd^ränftcm Umfange
jn oerfügen berechtigt ift (§ 1294). 2)er ©ntiourf ^at aber bas SBermaltungs^ Äörafterunb
red^t beS ©^cmannes nic^t als ein potenjirtes SRedfit ber e^elidEien ^lufeniefeung ^emouungt
, unb oIs 9lusflu§ ber (enteren geftaltet, fonbem als ein, menn audE) mit jenem '^«^t««-
9Ie^te im S^fammen^ange ftetienbes unb jur ©rgänjung besfelben biencnbcs,
bod) innerlich üerfc^iebenes Siedet, welches if^m in 9lnfe^ung ber 58erroaltung
ber Subftanj bes ©^egutes bie Stellung bes SSermalters eines fremben SSer^
mogens giebt, fo bafe er bei 9(uSübung feines SSerroaltungSred^teS mic ein
Seauftrogler für 9tedE|nung ber ©fiefrau unb nad^ außen f)in, innerlialb ber
in biefer .^infld^t feinem SSerraaltungSred^te gejogenen ©d^ranfen (oergL
§§ 1318, 1319, 1322), als SSertretcr ber ©^efrau in bercn Siamen l^anbclt.
Siefe 2rt ber S3et|onbIung bes 58crn)aItungSredf)teS erfc^eint ats bie natürlid)ftc «ertrctungs-
unb bie bem unter ben ©(jegatten bcftefienben S8er{)ättnif[e entfpredEienbfte. "^°'^'"
diejenige gorm beS SSermaltungörcd^tes, nad) welcher ber ©^emann immer
nur in eigenem 3?amen ju ^anbetn beredjtigt ift, fo baß bie ©^efrau aus btn
tJon bem Gf^emanne über SSeftanbtfieile bcS Gfjegutes. abgefd)(offencn SRed)tS:=
gefc^öften obligotorifdb nid)t uerpflicfitet wirb, fonbem nur bie wirflid) erfolgte
33eräu&erung als mirffam anerfenncn muß, bagegcn anberer[eits fraft beö
. 270 SScriualtung be« ®]&«flute«. SorBcmcrfimQ. (§§ 1317—1320, 1322.)
Oefcgcß bog von bem ©bemanne burd^ ba^ betrcffcnbc SRcd^tögcfci&äft ©rroorbcnc
ober einen ©rfaganfpru^ gegen ben ©bemann erroirbt, bietet jroar, roenigftenö
bann, wenn jugleic^ baö ^ßrinjip ber ©urrogation für bie Dcräufeerten ©egem
ftänbe anerfannt wirb, bcn SSortl^eil, bafe bie ®l^efrau baburd^ in geringerem
SKafee gcfälirbet wirb, roeil ber ©öemann nid^t in ber Sage ift, bie ß^efrau
baburc^, bafe er ate 58ertreter berfelben in i()rent Flomen ^anbelt, gegenüber
©ritten obtigatorifd^ ju rerpflid^ten. 9luf ber anberen ©eite liegt aber in bem
Slußeinanberreifeen beö obtigatorifdjen 9led^tögefc^äfteö unb ber jur aSoHjie^ung
beöfclben getroffenen Verfügung ein innerer 3Biberfprud^. ©oU ber (Seemann
baö SRed^t ^abtn, über Seftanbtl^eile bed ©l^eguteö ju oerfügen, fo mu§ er,
wenn ber 3^^* biefeö 3led^tcö nid^t beeinträd^tigt werben foH, aud^ bas auf
bie 33erfügung gerid&tet^ obligatorifc^e SRed^tögefc^äft in einer für bie ß^efrou
binbenben SBcife abfc^Iiefeen fönncn; mit ber 9lner!ennung einer fold^en S3in*
bung fällt aber ber l^eroorgcJiobcne SBortl^eil ber anberen gorm bes SBerroattungö*
rcd^teö meg. (Segen biefe gorm fpridEit aber weiter, bafe baburc^ baö SSer*
l^ältnife forool^I unter ben ©l^egatten, als gegenüber ©ritten ein unp^ereö unb
unftarcö wirb. S)ie ©renje jroifd^en bem ß^egutc unb bem eigenen SSermogcn
beö ß^emanneö wirb üerroifc^t. 9iad^ aufeen l^in crfd^eint baö SWed&t beö ©^c*
manncö, über baö ß^egut ju verfügen, burc^auö alö ein eigenes SJermögenö?
rcc^t beöfelben, unb boc^ foU eö ein fold^cö nid^t fein, fonbern bem ©bemanne
nur ate SSenoalter beö ©fiegutcö jufte^en unb beöl^atb aud^ ber 3^angö:s
rollftredfung t)on ©citen ber ©laubiger beö ©l^emanneö nic^t unterliegen. SBaö
ber ©bemann burd^ ein 3lec^tögcfd&äft ber fraglid^en 9lrt erworben l&ot, ift
nac^ ber äufeeren ©rf^einung beö von il^m in eigenem SJamen abgefd^toffencn
Sled^tögefc^äfteö fein ©igentl|um geworben; aber fraft ©efefecö foU eß, foroeit
baö ©urcogationöprinjip anerfannt wirb, bo^ nic^t i^m, fonbern ber ©^efrau
erworben unb folgeweife ber 3n>öngöt)oIIftrectung von ©eiten ber ©laubiger
beö ©^emanneö entjogcn fein, ©iebt man aber ber ©l^efrau nur einen ®rfa|^
anfprudE) gegen ben ©l^cmann, fo wirb baö Sntereffe ber ©l^efrau gcfä^rbet,
ba bie in ben 5PartifuIarred^ten ber ©fiefrau burd^ SSorred^te im Äonfurfe,
burdf) baö 9ied&t ber ©ic^erfjeitöteiftung , burc^ bie ©ewal^rung cineö ?ßfanbs
red^tötitelö u. f. w. gewährten ©Id^cr^eitöred^te, - foweit fie nid^t fd^on burt^
bie SWeid^ögefeggebung befcitigt finb, naä) bem ©ntwurfe in aSegfall fommen
(oergl. motxvt ju § 1292 oben ©. 185 ff.), ©aju fommt, bafe auc^ bei am
crfeimung beö ©urrogationöprinjipcö bie ©fiefrau gegenüber bem ©bemanne
f)äufig nid)t in ber Sage fein wirb, feftjuftellen, wcld^e S8crmögenötl)cite nou
i^m an SteKe ber reräufeerten @()cgutögcgcnftänbe getreten finb. S)er ©efatir,
weld^e für bie ©fiefrau barin liegt, bafe fie burd& bie t)on bem' ©bemanne in
ifirem Flamen abgefrfitoffencn SRed&tägcfd^äftc obligatorifdb gegenüber ©ritten
oerpflid^tct wirb, fann in auöreidjcnbem aJIa^e unb ot)nc ba^ ber C^e^
mann in feiner freien Bewegung ju fcfir bccinträd^tigt wirb, baburd) bc^
gegnet werben, bafe fein SRcdjt, ofinc ^oUmad^t ber ©^efrau in bereu 9tamen
^^^'^^^^^^' ^c6)i^c\(i)ä^ic ju f daliegen, eingeengt, iljm aber bie Sefugnife beigelegt wirb,
ber c^'efrou. wcuu ciu SRcc^tögefdbäft ober ein SWec^töftreit jum Qrotdt ber orbnungömöfeigen
33erwaltung beö ©ficguteö erforberfic^ wirb, üon ber ©tjefrau ju Derlangeii^
bafe biefe baö ©efd^äft mit feiner ©inwilligung rornel^me, fofern fic ifjm nid&t
SScnraltung bc3 eßeguieS. SSorBemcrfung. (§§ 1317—1320, 1322.) 271
jumSiwcfc ber 33oma^me beö ©cfd^äftcö ^oUma6)i crt^cilcn lüill (§§ 1318, 1319,
1322). gür baö c^cHd^c Oütcrrcd^t t)crbient biefc Slrt ber SRcgctung im ^inblicfc
barouf, bofe bie ©Regatten jufammcnicbcn unb ber ©^cmann baf)cr ol)nc
Sc^ioicrigteiten unb SScrjogcrungen ieberjcit in ber Sage ift, fxd^ an bie
©dcfrott mcnben ju fonnen, rotnn ein SRcc^lögefd^äft ober ein Sled^töftreit jum
3rowrc ber orbnungömfifeigcn SBerroaltung bcö ®^egutcö erforberlid^ wirb,
icbenfallfi ben SSorjug por einer fold^en Oeftaltung, rocld^e bem ©fiemanne baö
Siecht gemol^ren n)ürbe, bie @^efrau and) o^ne SSoQmad)! naä) äugen l^in
»irtfam jU oertreten, fofern baö betrcffenbe SRecJ^tögefc^äft obieftio jum Swede
ber orbnungömöfeigen SBerroaltung beö ®^eguteö erforberlid^ ift. ©ine berartige
Oeftaltung, rocl^e bie SBirffamfeit beö SRed^tögefci^äfteö aud^ im 3Serf)äftniife
}u dritten von einer fo unbeftimmten Sßorauöfe^ung abhängig mad^t, ift,
foroeit fie nid^t burc^ befonbere 95erl|ältnif[e geboten ift, um bem. Sered^tigtcn
eine freiere Semegung ju ermoglid^en,. im Sntereffe ber SHcdf|töfic^er^eit moglid^ft
iu oermeibcn. 9lu^ würbe eine folc^e objeftioc ©d^ranfc beö SBertretungö^
rct^teö beö G^cmanneö bie (S^efrau nid^t in bem SWaße fd^üfecn, mie bicö nad^
bem ^riniipc beö ©ntrourfeö ber gall ift, nad& roeld^em ber (Seemann, abgefel^cn
oon ben im § 1318 beftimmten 3luönal^men, ein SRed^tögefd^äft im 5Jamen ber
6^au nur auf ©runb einer SSoDmadöt berfclben nornefimen unb aud^ einen
Sft^töftreit für biefelbe nur auf ©runb einer SBoümadjt ber legieren fül^ren
fann (§§ 1319, 1322).
2)agegen ift ber ©fiemann fraft beö in bem SScrroattungöred&te Uegcnben eanbein für
gefefelid^en Sluftrogeö befugt, nidbt nur alle jur orbnungömäfeigen SSerroaltung *^2?"^Su*'*'^
beö ß^eguteö erforberlic^ merbenben tf|atfädf)Ud^en SSerfügungen für SHcd^nung
ber ß^efrau uorjune^men, fonbern audf) foId)e jur orbnungömägig^n SSer*
woltung beö G^egutcö erforberlid^ merbenben SKed^tögefc^äfte, meldje eine 93er-
fügung über baö ß^egut nid^t entfialten, für SRed^nung ber (Sfiefrau im eigenen
Samen ju fd^Iicfeen unb fobann non ber ®^efrau nad) ÜKafegabc beö § 1324
Sbf. 1 »erb. mit § 595 feine Befreiung Don ber eingegangenen SBerbinbtid^feit
bqro. ßrfag feiner Suölagcn ju verlangen, ober ftd^ megen biefeö SKnfprud^cö auf
®runb beö § 1318 31r. 1 auö ben 6f|egutögelbern bejal^It }u ma(^en, fomeit
niiibt bie Sufroenbungen auf Orunb ber el^etid^en ^Rugniefeung (§ 1297) if|m
felbft }ur Saft fallen. 2)iefc 9luöbet|nung beö 3Sern)aItungöred()teö im JJer-
^Ilnijfe ber ©tjegatten unter einanber ift cinerfeitö unbebenflid^, ba bie ©l^efrau
bie ^onblungen beö (S^emanneö nur infomeit anjuerf ennen brandet, alö bie^
felben — roaö bem ©bemanne nod^juroeifen obliegt — jur orbnungömägigen
Senoaftung beö ©fjeguteö erforberlid^ waren, anbererfeitö um beöroillen an-
gcmeffen, meil baburc^ baö ©efefe an 6infad&f)eit unb Kfarljeit gewinnt unb
befonbere fofuiftifd&e Seftimmungen entbefirlid^ werben.
3)em Siedete beö ®^cmanneö jur orbnungömäfeigcn SBerwaltung beö ^fiic^t m
e^eguteö entf priest bie aSerpPid^tung beöfelben, für bie orbnungömäfeige 9Ser* ^^'^^^^^'^
loaltung beö ß^eguteö ©orge ju tragen (§ 1317). S)iefe 33crwaltungöpf(id)t »erroaitunfl.
umfoBt ni^t nur bie SSerpflid^tung, baö 6f)egut ju erl^altcn, fonbern aud^ bie
Serpfllid^tung, fold^e burd^ eine orbnungömägige Sßerwaltung gebotenen ^anb^^
lungen, wetd^c bie SScrbefferung beö 6f|eguteö bejwedfen, fowie bie jur orbnungö^
mäßigen 93erroaltung beö ®f)eguteö crforberlid^en SRed^tögefdjäfte t)orjunef|men
272 SScrtualtuno bc§ gj^cgutcg. SRct^tltcftcr Äaraftcr. § 1317.
bejiü., forocit ber ©Ijemaun oI)iic S^ii^^ung ber 6[)cfrau baju nid&t bcrcdjtigt
ift, bic [entere von ber 3lotf)n)enbigfcit beö bctreffenbcn SRcd^tögefc^äftcd ober
beö 5U fü^renben Slcd^töftreitcö in Äcnntni^ ju fc|cn unb auf aScrlangcn ber
Gf)cfraii cntroebcr in bic 93orna()me bcä SKed^tögcfd^äfted ober bcö 9lcd^töftreitcfi
burdj fie fclbft einjuroilligcn ober fic babei als SBeüoUmäc^tigtcr ju oertretcn
(§ 1319 3Ibf. 2, §§ 1320, 1322). Gine foldie, über bie Werten bcö Stiefel
brauc^erö (uergf. §§ 991, 996, 1000, 1028, 1033, 1034, 1035) rocit ^inaufi*
gcf)enbe SBerroaltungöpffid^t beö ©^emanneö ift in bicfer 9luäbc^nung unb
9lIIgemein^cit im gcitcnbcn SRec^tc allcrbingd nicf|t anerfannt (oergL preu§.
21.2.91. II, 1 §§ 205^, 231; preufe. 91. ®. D. I, 19 § 21; födif. ©.95.
§§ 1644, 1655; olbenb. @ef. ü. 24. 3lprif 1873 STrt. 5). 2)ie 3lncrfennung
einer fold^en aSerrooItungöpflic^t bcö (Seemannes rcd^tfcrtigt fic^ aber bur^ bie
natürlid^c ©tellung be§ (enteren gegenüber ber ®f|efrau, burd) ben 3"^^* ^
el)elid^en ^iugnicfeung unb Sßerroaltung, roeldje nic^t (ebiglid^ bcm Sntereffe
bcö ©fiemanneö, fonbern ber efielic^en ©cmeinfd^aft ju bicnen bcftimmt ift,
unb burd) bic roeitere Grmägung, bafe fraft ber efielid^en 9tufenie§ung imb
33erroaltung baö Cfjegut [xd) in ben §änbcn beö @[)cmanneö befinbct unb bie
ß^efrau in ber SSerfügung über baö @[)cgut bcfc^ränft ift. Gine fold^e 3luö^
bef)nung ber SSenualtungöpffid^t ift üom ©tanbpunftc beö Gntrourfeö ouö um
fo weniger ju entbef)ren, alö nad) § 1304 cinfeitigc SRcc^tögefc^äftc 3)ritter,
bcren SBirffamfeit baoon abfängt, bag fic gegenüber bem Setfjcüigten üor«
genommen werben, wenn biefelben auf ©fiegutöred^te ftdj bcjiefien, gegenüber
bem ©fjemannc üorjunetjmen finb. Sßon ben bem G^emanne fraft ber c^elic^en
9}ugnic6ung obliegenben 5ßf(ici^ten unterfd)eibct fxd^ bie 33crn)a(tungöpflicöt
beöfelben rcc^tlic^ mefentlic^ baburd), baß ber G^emann bei GrfüIIung berfelben
bie Stellung eineö gefeglid) Beauftragten l^at unb baf)er bic Äoftcn, meiere
i^m barauö ermadjfcn, bem Gfiegutc jur Saft fallen (§ 1324 3lbf. 1, § 595),
roätircnb er baöienige, maö il)m auf ©runb ber c^etidEien ^lufeniefeung obliegt,
auf eigene Soften ju tfjun oerpflic^tct ift.
3m Uebrtgen mirb jur Segrünbung ber §§ 1317—1320, 1322 auf bic
bcfonberen SMotioc ju ben einjelncn Paragraphen oerroiefen.
§ 1317.
we<^t SBcgcn ber Segrünbung ber Scftimmung beö § 1317 ©aft 1 roirb auf
unb jjii(^t ^j^ allgemeinen 9)Jotioc ju §§ 1317 ff. oben S. 269 ff. »cjug genommen.
e^cmanne« 5Dcr ämcitc Sa^ beö § 1317 bejmecft, bem bei ber S^ffw^S ^ crften
aagemeinen. Sagcö fouft nid)t auögefdf)Ioffcncn SDUfeücrftöubniffe ju begegnen, alö ob ber
Sluöbrucf „orbnungömöfeig" fon)of)I in 33c}icf)ung auf baö SSerroaltungörec^t
alö in S3ejicl)ung auf bie aSermaltungöpflidit beö G^cmanneö biefclbe Se?
beutung t)abe, mitt)in nid^t nur bei ber 33eftimmung beö Umfangcö beö SSer*
maltungöred^tcö, fonbern auc^ bei ber Gntfdf)eibung ber gragc, ob ber G^cmonn
feine SScnoaltungöpPid^t erfüllt t)abe, fd)(cd)t^in ber objeftioe üKa^fiab ber
§anblungön)eifc eincö orbcntlid)cn ."öö^^^^ötcrö, nid^t bie Scftimmung beö
§ 1279 JU (Srunbc ju legen fei.
SSmDaltunö be3 Sl&cöuteö. Sertretungöma^t bcS ei&emanne^. § 1318. 273
§ 1318.
SJer entrourf gcl^t auö bcn in bcn aUßemeincn üRottocn ju §§ 1317 ff. ^'^^^^''2h
oben ©. 269 ff. näi^cr bargcicgtcn Orünbcn von bcm ^rlnjipc auä, ba^ bcr »«trctungs*
C^emonn, t)orbc^aItli(]^ beö i^m fraft ber cl^cUd^cn 3?ufenie6ung juftcl^cnbcn ^^^l^^
Sc(Ötefi, über gcroiffc ©i^egutögegcnftänbc in eigenem 9tamen ju ocrfügen (üergl.
§ 1292 ücrb. mit §§ 1000, 1028, 1035, ferner § 1294), früft feines SSer^
woItungöre^tcÄ mebcr im eigenen Flamen nod^ im Flamen ber Cdefrau über
ß^utegegenftänbe ju t)erfügen ober fonft im 3lamcn ber ©^efrau SRed^tö*
gef(^afte oorjunel^men bered^tigt ift, fonbern, um ein JRec^tßgefc^äft im Skmen
bcr g^cfrau uorjunel^men, bcren SBolImad^t bebarf. S)aj} ber G^emünn fraft
feine« SScnoaltungfircd^teö im eigenen 9lamen über ®f)cgut ju verfügen nid^t
bete^tigt ift, crgiebt fi^ in ©rmangelung einer cntgegenftel^enben SBeftimmung
QUO bcn oDgemeinen ©runbfägen unb bem Segriffc bcr SSerroaltung von felbft.
3}o6 if|m fraft feines SBermattungöred^teö grunbfäßüdE) aud^ nid^t baö Jle^t
lufte^t, o^ne SBoHmad^t bcr ©fiefrau in bcren 9iamcn ein SHcd^tögcfd)äft vox^
lunc^men, ift im § 1319 Slbf. 1 beftimmt. ©er § 1318 enthält bie Shiöna^mc
pon biefer Siegel. 3n biefer ^infic^t ift golgenbeö ju bemcrfen:
1. SGBo^rcnb unbcrocglid^e ©ad^en foroo^I nad^ bcm älteren Siechte (ab* «eipegiic&c
gefe^ von bem galle cd(|ter 9lotl^) als nad^ allen neueren ©cfefeen (oergl. faX«.
oben 6. 267 ff. bie allgemeinen aJlotioc ju §§ 1317 ff.) bem einfeitigen SBcr*
fügungörec^tc bed @^emanned cntgogen finb, ift bagegen im 9lnfd^Iuf[c an bad
ältere Siedet unb bie SJoftrin beö gemeinen bcutfd&cn SRcd&tcö in großen 5Rcd()tö:= mttn\>ci
gebieten bcr aSermaltungögemeinfd^aft aud^ burdj neuere Oefege baö freie 5Ber* ^*'^*"
fügungflred^t bcö ©l^emanncä in 2lnfel)ung bcr cingebrad^ten SJlobilicn unbebingt
anerfannt (t)ergl. inöbef. preufe. Sl. 2. 91. IT, 1 § 247 ; otbenb. ©cf. v. 24. 2lpril
1873 Srt 5, 7). Sluf bcm entgegcngefcfeten ©tanbpunfte ftcf)t von bcn neueren
©efeftgebungen nur bQ& fäd^f. @. S., roeld^cö, abgefel)cn t)on bcn nad) bcn
®runbfä|en beö quasi-ususfructus in baö ©igcntlium bc& G^cmanncö über^
ge^enben oerbraud^baren ©l^egutöfac^cn (§§ 623, 660, 1655), ben G^cmann
ttu(^ bei ber aSeräufecrung bcroeglidöer Sadjen an bie GinmiHigung bcr ©Ijcfrau
Mnbet (§§ 1674, 1675). äud^ bei ber SlcDifion bcö prcufe. 31. S. 31. würbe
pwn Steoifor Dorgefd^lagen, ben 6t|cmann bei ber SSeräufecrung unb 58crpfän*
bung von SRobilien an bie ©inmilligung ber ©Ijcfrou ju binben C^enf. XV
§ 199, aWotioe ©. 167). 3n ben auf bem »oben ber partifutaren ®ütcr*
gemeinfd^aft ftc^enben SRed^ten unb Gntroürfen ift baö Siedet bcö G^cmanncö,
o^ne ßinTDiBigung ber ©i^efrau bcren ©onbergut ju t)eräu6crn, balb anerfannt,
bolb befd^ränft, balb entjogen (oergl. bie 3Jlotioe ju § 1417 unter 31t. 8).
3)cr (gntrourf l^at in ber l|ier fraglid^en 93eäie^ung fid^ bem Stanbpunfte stoubpunft
be« fä(^f. ®. 35. angefd^loffen. 3)ur(^ bie SHücffi^t auf bie ©idE)crl)eit beö 93cr* entrourfc«.
fc^efl ifl baö freie SSerfügungöred^t bcö G^cmanncö in Slnfe^ung bcr bemeg:^
i\ä^ e^egutfifad^en ni^t geboten. SBeräufecrt ber ®l)emann foldic ©ad^cn im
eigenen 92amen, fo fxnb gutgläubige ©ritte fd^on burd^ bie allgemeinen ®runb:^
f^ (§§ 877—879, 1182) auöreid&enb gefd^ü^t. aSeräufecrt aber bcr ©Ijcmanti
im Flamen ber (g^cfrau, iebod^ o^ne aSoDma^t berfelbcn, fo fann, mcnn baö ^
©efeft i^ eine fold^e SBefugnife ni^t beilegt, oon einer unoerfd^ulbeten S^äufc^ung
274 aScnraltung beS Sljeöuteß, a8ertrctu»o5J«a(i&t beö Sfeemanneß. § 1318.
S)rittcr, toeld^c oI)ne 5ßrüfung ber Scgitimotion fid& mit einem nid^t mit S3er*
trctungömad^t perfclienen SBcrtretcr eingeladen l^aben, ni^t bic ditbt fein. §ür
bie ©laubiger bcö Seemannes ift ferner bad freie 33erfügungörcd^t beö lefetercn
o^ne Sebeutung, wenn biefeö JRedöt, feiner pcrfonlid^en 5Ratur cntfprec^enb, ote
Sluöffufe bcö SJerroaltungöred^teö bel^anbelt unb, wie bieö im (Scbiete beö preufe.
91. S. SR. mä) ber SBerorbn. ü. 7. 3lpril 1838 ber gatt ift, ber SioanflöooUs
ftredung t)on Seiten ber ©laubiger befi S^emonneö entjogen wirb. Sfber auc^
im Sntercffe einer bem ^xotdt beö S^eguteö cntfpred^enben SSenooItung lann
eö nidöt als erforberlid^ erad^tct werben, bem ©bemanne baft SRed^t freier SSer*
fügung über bic beroegltd^en ©J^egutöfad^en einjuräumen. 3n ber gro§cn
3)lef)rjal^t aller gäDe finb bie jum S^egute gel^örenben beweglichen ©aci^en
übcriiaupt nic^t jum Umfafee, fonbem jum bauernben ©ebraud^e beftimmt.
3n ben 5[uönal)mefällen aber, in meldten eine SBcräufeerung berfelben burc^
bie el^elid^e SBirtlfifd^aft geboten ift, genügt baß bem ©bemanne na^ § 1319
STbf. 2 juftclEienbe Siedet, oon ber ©liefrau bie ©inroiHigung ju ber SSeräufecrung
ju üerlangen. S)aju fommt, ba§ für bie @l)efrau unter Umftänbcn eine grofec
^ärte unb fclbft ®efal)r barin liegen fann, wenn bie oft non inbiDibuellen
Slnfd^auungcn abliöngige ©ntfd^eibung, ob eö im 3ntereffc ber elielid^en SSirtlfes
fd&aft angemeffen ift, bafe biefe ober jene ©ad^e neräufeert werbe, allein bem
©bemanne überlaffen wirb. ®ö ift unoerfennbar eine große §örte für bic
6l(iefrau, wenn fic eö bulbcn muß, bafe ber 6l|emann fold^e ©ad^en, weld^c
für fie einen befonberen 3lffeftionöwertf| liaben, ober 9luöfteuergegenftänbc Der*
äußert, weil biefelben feinen ©rtrag bringen unb er biefelben für unnüfeen
Sujuö ober in biefem Umfange für entbel^rlid^ l^ält. ©efäl^rlic^ ift aber baö
freie 93erfügungöred^t beö @l)emanneö für bic ®l^efrau, weil baburd^ bic bciDeg-
liefen ef)cgutöfad^eu, welche jubem in ber OWd^rjal^l aller 6^en ben ^oiipt-
beftanbtlieil beö ©l^eguteö auömad&en, oline iebe ©id^erl^eit in bie §anb bcö
®^emanneö gegeben werben unb bei iieid&tftnn beö Ic^teren ober bei geftortem
e^elid^en 33erl)ältniffe bie ®l|cfrau bal^cr ®efal)r läuft, ilir ganjeö S^egut )u
oerlieren. S)ie $Rid(|tanerfennung beö l^ier fraglid^en 33erfügungöred&tcd beö
S^emanncö ftc^t aud^ im ®inflange mit ber .ganjen SRid^tung ber neueren
SRed&töentwidfelung, welche fid^tbar ba^in ge^t, ber ©liefrau, wie fte einerfeitd
an ber ©id^erung il^rer SRed^tc ©inbuße erleibet, anbererfeitö eine felbftänbigerc
Stellung einjuräumen.
aerbrQU(^. 3lud^ iu Slufc^ung ber jum ®t)egute gel^orenben üerbraud^boren Sod^eu
6arc €o(^cn. j^^^^ ^^^ ^ebürfuife, bcm (Sl)emanne baö SRed^t, im 9tamcn ber ®^efrau barüber
JU ücrfügen, von bem ©efid^töpunfte auö beijulegen, weil fonft ber 6^-
mann in ber 58erwaltung beö ©fieguteö ju fel^r beengt unb man ben Stm
forberungen beö praftifc^en Sebenö nic^t geredet werbe, nid&t ancrfanut
werben. I)a ber ©bemann nad^ § 1294 über folc^e pcrbraud^bare Sad^en,
welche burd^ SBerbraud^ genügt ju werben pflegen, fraft ber ei^elid^cn 9lu6=
niefeung in eigenem 9Jamcn ju ücrfügen beret^tigt ift, fo fommcn ^icr nur folc^e
Sad^cn in Sietrad^t, weldEie burd^ SSeräußerung gemifet ju werben pflegen, alfo
namcntlid) baö baare ®elb, fowic folc^e ©ad^cn, welche ju einem Sad^inbcßriffe
geboren, bef[en beftimmungömäßige 5Ru6ung in ber SBeräufeerung ber cinjcinen
©adfien befielet (§ 780). Gin SE:^eil ber oben gegen bie 3lnerfennung eine«
SSertualtuitfl beö SJ&egutcö. S€rtretung6ma(i6t beS ®5eniamteg. § 1318. 275
freien SScrfügungöreti^teö bcs ©J^emanncö über bic beroeglid^en ©{jegutöfod^en
ongefü^rten ©rünbc trifft allerbingö in 3lnfcl)ung ber bcieid^neten ocrbraud^*
boren Sadjicn ni^t ju. ©ntfd^eibcnb ift aber aud^ ^ier bic 5Rüdf)l^t auf bic
Si^crl^eit ber ©l^efrau. Snöbefonberc würbe büö freie aSerfügungßred^t beö ^^^f^^^'
©demanneß über ba& jum ®^cgute ge^örenbc baare ®e[b, axiä) roenn bcm
bemanne nur baö SRc^t, im Slamen ber ®l|efrau barüber ju verfügen, ein^
geräumt roürbc, bie (S^efrau in l^o^ent ©rabc geföl^rbcn fönnen, inbem ber
S^onn nid^t ge^inbert wäre, über bic (Selber in ber 9lrt ju feinem eigenen
Shi^en JU t)erfügcn, ba^ er j. S. im $Rümen ber ß^efrau mit ben ®c(bern
betfclben feine ©d^ulben bejal^lte. 3)ie mit einem folc^en S3erfügung§red)te beö
e^emanncÄ für bie ß^efrau ücrbunbcnen ®efaf)rcn mürben auä) bann, menn
man eß, fooicl bie Verfügung über folc^e (Selber betrifft, metd^e auf (Srunb
einer ouf S^n\tn auöfte^enben gorberung ober eines 3nl^aberpapiereö ein=:
gejogen finb, bei bcn burd^ § 1292 für anroenbbar erftärten befonberen 93c-
^mmungcn ber §§ 1033—1036 beroenben laffen mollte, feineömegö befeitigt
©erben, ba ber Sctrog eingciogener unoerjinöli^er gorberungcn ein felir erl^eb^j
li^cr fein unb oud^ ouf anberc SBcife baareö ®elb Seftanbt^eil beö ®l)cguteö
werben fann (ücrgL bie SWotipc ju § 1292 oben ©. 189 ff.). Smeifelfiaft fann
cö bogegen fein, ob nid&t bem ©bemanne im 3ntereffe einer freieren Sc^
roegung roenigftcnfi ju gcftatten fei, ©l^egutägelber jum 3^^*e ber Seftreitung
ber für bic orbnungömäfeige SSerroattung notl^igen 9luögaben ju ücrmcnbcn
unb nad^ SKa^gabe ber für bic Belegung t)on aÄünbelgelbcrn gcltenben SSor^
fünften (§§ 1664, 1665) auf ben Flamen ber ®^efrau ober burd^ 9lnfauf pon
3n^bcrpapieren »crjinölic^ §u belegen (§ 1323). 3n erfterer .^infic^t fommt
inbefien in Setrad^t, ba&, wenn bem ©l^emanne baö SRcd^t nid^t }uftel)t, fraft
feinoJ aSerroaltimgöred^tcö im $Ramen ber (S^efrau jum 3n)edEc ber 93eftreitung
ber bejei(|ncten Sluögabcn eine 33erbinblid&fcit einjugef)en, ifim auc^, oorbe^att^
li^ ber Seftimmung beö § 1318 9Jr. 1,^ nidf)t bic Sefugnife beigelegt werben
borf, unmittelbar über bie (S^egutögelber ju ienem ^xoeät ju verfügen, ©in
9ebürfni§, über bie ^älle beö § 1318 3lx. 1 Ijinauö bem ©bemanne bie SSer-
wenbung oon ©^gutögclbcrn §u gcftatten, liegt um fo weniger Dor, alö ber
ß^nonn bic geroö^nlid&cn Stuöbcffcrungö^ unb SBicbcrfjcrftellungöfoften auf
C^nmb ber etjelid^cn ^lugniefeung auö eigenen ajfitteln ju beftreitcn liat (§§ 1292,
I2iü im ©ing., ücrb. mit §§ 997, 998) unb alö cö bemfetbcn, foweit bic orb==
muigömäfeigc SBcrwaltung beö ©l^eguteö fonftigc 9luögabcn nötl)ig madfit, auf
Qrunb bc5 § 1317 unbenommen bleibt, junäd^ft in eigenem Flamen für Slec^*
nung ber ©^cfrau bie jur 93eftreitung jener 9luögaben erforbertid^cu SSerbinblic^^^
feiten einjuge^en unb ftdd fobann wegen beö if|m nad^ § 1324 9Ibf. 1 in 93er::
binbung mit § 595 sufte^enben Slnfprudjeö auf ©rfafe feiner 93crwcnbungcu
öuf ®runb beö § 1318 9lr. 1 auö bcn @f)cgutögelbern bcjal^It ju mad^en.
Sniangenb ober bic einfeitige Sefugnife jur ücrjinölid^eu 9lnlcgung ber ©be-
flutdgriber, fo würbe jwor ber ©^emonn, wenn er bic ©fiegutsgelber nid^t nad)
3Ra6gobc ber für bic 9ln(cgung üon äHünbelgelbern gcltenben a3orfd[)riften an^
gelegt ^oben foUte, ber ©H^au noc^ ben Sßorf^riften ber §§ 1317, 1279, 1323
perantroortli(^ fein unb bic ©^cfrau noc^ § 1324 9lbf. 2 fdE)on wäl^renb bc^
fte^nber e^elid^er 9lu|nie6ung unb Söerwaltung dou bem ©^cmannc bic 3l\\&^
18»
276 aSerttjaltung beg Sl&eöHteö. SScrtrctunoSmad&t bcS ®]&emajmcö. § 1318.
gängigmad^ung einer fold^cn bem § 1323 nid&t entfpred^cnben SBelegung ocr*
langen f onnen ; allein gegen bie Slnerfennung jener Sefugnife fällt, auc^ tocnn
bancbcn bie bcfonbercn SSorfd^riften ber §§ 1033—1036 unbcrül^rt bleiben,
bod^ entfd^eibenb ins Oeroic^t, bafe bie ©(lefrau injroifd&en bie ©efa^r einer
in anberer Slrt erfolgten ^Belegung ju tragen l^ätte, wenn man nid^t — toad
icbod) mit ber S8erte^röfid&erf|cit nic^t vereinbar fein mürbe — bie Oültigfeit
ber Belegung au^ gegenüber ©ritten von ber S3eobad^tung ber S3eftimmung
beö § 1323 obl)ängig mad^cn wollte. SSom ©tanbpunite beö ©ntnmrfcfi au»
finb bie befonberen Seftimmungen bcö preufe. 21. S. 91. II, 1 §§ 550—552 unb
beö olbenb. ®ef. v. 24. 2lpril 1873 3lrt. 13 § 2, meldte ber ®^efrau na^
2lufl5fung ber @f|e bie SBal|l laffen, ob fte ein obne il^re ©inroilligung auö^
gelicbenes Kapital übernel^men ober baare 9{üct}al^lung verlangen milt, ent^
be^rlic^.
«nbere Slnlangenb biejenigen ju bem (S^egute gel^orenben üerbraud^baren Qa^tn,
^"^eal^^"^^ meldte JU einem ©ad)inbcgriffe geboren, beffen bcftimmungömSfeige öenufeung
in ber SSeräufeerung ber einzelnen Qad)m beftel)t (§ 780 3lbf. 2), fo fann ein
Sebürfniß, in Slnfel^ung biefer ©ac^en baö SRed^t beS 6f)emanneö, über bie?
felben im 9kmen ber ß^efrau einfeitig ju Derfügcn, um fo weniger anerfannt
werben, alö in biefer ^infid^t Ijowptfö^K^ tiur bie ju einem 3Baarenlager
gebörenben ©acben in Sctrad)t fommcn, ein ber ©l^efrau gcl[|örenbed SBaaren^
lager aber nad^ §§ 1289, 1290 regelmäßig S3cftanbt^eil beö aSorbeJ^altöguted
fein wirb.
«öcflut«. 3m SBefentlid^en biefelben Orünbe, meiere ben ©ntrourf beftimmt i^aben,
forbcnmgcn. ^^^ ©^emannc baö 3lcd^t freier SBerfügung über bie 5um ©l^egute ge^orenben
Sad^cn ju t)erfagen, muffen ba^in führen, bemfelben aud^ in Stnfebung ber
JU bem (Si)cgute gcl^örenben gorberungcn, Dorbebaltlidö ber i^m in biefer
^infidfit fraft ber e^elid^cn SJufeniefeung juftebenben SWed^te (§§ 1028, 1035
üerb. mit § 1292) unb abgcfei)cn von ben im § 1318 3lx. 1, 2 bcftimmten
9luönaf)men, baö Sted^t freier SBerfügung nic^t einjurfiumen. S)ie Slnerfennung
eineö fold^en SKec^tcö mürbe aucb, fooicl inöbefonbere bie auf 3^"^*^ ^uö?
fte^enben gorberungen unb bie 3nf|aberpapiere betrifft, mit bem S^edEc ber
burd) § 1292 aud) auf bie ebe(id()e Jlnftniefeung für anroenbbar erflärten, bie
©id&erung ber @l)efrau bejmcdEcnben befonberen Seftimmungen ber §§ 1033—1035
nid)t üercinbar fein (oergt. im Uebrigen in 9lnfel^ung ber jum @§cgutc ge-
fjörenben gorberungen bie aWotioe ju § 1292 oben ©. 188 ff.).
(srfünung 2. 9Son bem ©runbfafee, bafe ber ©bemann ol^ne aSoUmad^t ber S^efrau
gutTrcrHnL i" ^^^^u SRomeu Über ®t)egutögegenftänbe ju verfügen nid(|t bere^tigt ift, fann
ric^feit; aber unbebcnflid^ bie im § 1318 5Rr. 1 beftimmte 2luönal|mc gemalt roerbciu
6ö entfpric^t einer orbnungömöfeigen SSermattung unb liegt im Sntereffe
beiber Gt)egatten, inöbefonbere aud& ber ©l^efrau, rotnn ber ©b^Q^^ i" b^t
Sage ift, ©l)egutöoerbinblid)feiten tbunlidE)ft obne SBerjug auö bem S^egute }u
erfüllen. 3lnbercrfcilö wirb bie ©befrau burc^ biefc Sluönal^me nid&t gefä^rbet,
ba bie Icgtere bem ©bemanne nur bie birefte ©rfüllung ber ©begutöoerbinblld^s
feit ax\& bem ©Ijegute, eiufdKiefelid^ ber einer fold^en ©rfüllung gleid^fte^enben
Hinterlegung (§ 272 9lbf. 2), geflattet, nid&t bagegen bie Eingabe an S^blungd^
ftatt ober bie SSeröugerung t)on ©l^egut, um auö bem ©rlöfe bie äSerbinblic^^
SSertooItung beS Q^egitted. 3Sertretung§ma(]6t be§ (SBemcmneg. §1318. 277
feiten }u erfüllen, unb ba aufeeitem bie 2Birffamfeit ber SSerfügung gegeii^
über ber @^efrau baoon abl^ängig ift, ia^ bie aSerbinblirfifeit, unb jroar mit
biefera ^nffalte, bcgrünbet loar. 3m Uebrigen bejiel^t fic^ bie im § 1318 5ßr. 1
anerfonntc ausnähme auf alle 9lrten Don 6f)egutäüerbinblid)fciten, tnöbefonbcre
and) auf fol(]&e, welche bie Sßerfügung über (Sl^egutöforberungcn jum ©cgen«
ftanbe tiobcn, e« fei bcnn, bafe übe,r ein SRed^t an einem Orunbftücte ober über
ein SHe^t an einem foldden SRcd^te ju verfügen ift. 5Diefc legtere (Sinfc^ränfung
ijl im ^inblidc auf bie Seftimmungen beö ©runbbud^red^teö über bie Segitimation
ju SScrfügungen t)or bem (Srunbbud^amte iebcnfalld für folc^e gölte, in rocld^cn
eine Eintragung in baö (3runbbud& iur ©ültigfcit bcö ©rfüüungögcfc^äftes er«
forbcrlic^ ift (oergt. inöbefonberc § 828), geboten; fte empficfjlt fic^ aber bar*
über hinaus aud^ für folti^e gälte, in wetzen im 9(nfc^Iuffe an bie erfolgte
GrfüBung ©intragungen in baß ©runbbud^ unb bie Segitimation ju fotd)en
in Stoge !ommen fönnen (j. S3. 9lbtretung einer 8rieff)i)potl)ef, Uebcrtragung
einer gorberung, für mctc&e ein in ia^ Orunbbud^ eingetragenes Siedet als
?fonb haftet; t)ergl. §§ 1112—1115; 9lnm. 1 ju § 1208), unb jroar t^eilö
burc^ bie 9lucffid&t auf bie SBid^tigfeit biefer gälte, tjorne^mti^ aber burd)
Süflid^tcn proftifd^er Bwecfmäfeigfeit, meil jum 3roecfe ber bemnädift erforberlic^
loerbenben ©intragungen bie Segitimation beö 6t)emanncö bodf) urhmbUd^ nad^*
gewiefen werben mufe. 3« l>cn befteljenben Oefegen finbet fi^ ber im § 1318
S?r. 1 t)orgefe^ene galt nid^t fpejiell ermäfint; baö SBerfügungöred^t beö ©fie*
manne« in ber ^ier fragtid^en SRid^tung ergiebt fic^ inbeffcn meiftenS a\i^ ben
übrigen Seftimmungen fener Oefefte, insbefonbcrc aus bem bem ©l;emonne
eingeräumten generellen SSerfügungöredite über beracglidfie ©ad)en.
3. a[ud^ bie im § 1318 31r. 2 beftimmte 3luönal)me fann mit SRüdEfid^t 3t"frec^nung.
auf bie Säorauöfeßungen unb bie unmittelbare SBirfung ber 9lufrcd)nung
(§§ 281—283) einem S3cbenfen nid^t unterliegen, obmofil bem ®l)cmannc
babur^ ein über bie mit ber e^elic^en ^lugniefeung üerbunbencn 3icd)te
J^nouÄge^enbeö SRed^t infofem gcroäl^rt wirb, alö er aud^ mit einer auf 3infen
ttuöfte^ben ß^egutöforberung ot)ne ©inmiltigung ber ©t)cfrau aufred)neu
lann, wä^renb i^m nad^ § 1292 t)erb. mit § 1033 baö SRedjt ber ©iujietiuug
einer folc^en gorberung nur gemeinfc^aftlic^ mit ber ©Ijefrau juftc^t. ©elbft^
wrftänbU^ müRen aber alte übrigen gefegtidjen SBorauöfe^ungen ber 9lufs
rec^nung t)orliegen, inöbefonbere mufe alfo bie ß^egutäoerbiublidjfeit fältig
fein. 2)ie SJcftimmung beö § 1318 3lx. 2 geftattet bem e^emanne nur, eine
ß^egutöforberung gegen eine ®^egutöoerbinblidE)feit aufjured)nen, nid)t aud)
gegen eine SBorbel^altögutöüerbiublic^Ieit ber e^efrau. ©ine 3luöbcl)nung bcö
Jleil&ted beö ©^emanneö auf SBerbinbti^feiten ber tefetcren 9trt mürbe nid)t ge*
te<i^tfertigt fein, ba bie silitgung einer fold)cu 5Bcrbinbtid)!eit burd^ Jlom==
nenfation mit einer ©^egutöforberung fein jum Qmd^ ber orbnungömäßigcn
Serroaltung beö ©^eguteö erforberlic^er 9th ift unb cö aud) nid)t alö an-^
gemeffen erad^tet werben fann, bem ©bemanne auf biefe 2ßeife einen ©ingriff
in bie ber ©^efrau iuftelienbe SBermattung bcö aSorbc^atlsgutcö ju gcftattcn.
4. 3)urc^ bie im § 1318 3lx. 3 beftimmte 2tusnal)me wirb baö fd)arfe Qvwtxm
$rin}tp beö ©ntrourfeö, bafe ber ©tjemann bie ©f)efrau aucö in 9tnfel)ung bcö eic^eTJn'g b«
©fieguteö o^ne bereu SBoItmad^t nid^t Dertretcn fann, in einer angemejfcnen ^^m^-
L
278 aScrtüattunö beS ei&eöute§. SRed&tßgcfcfiafte. § 1319.
SBeife abcjcfd^iDäd^t. Sion praftifd^er Sebcutung ift bic Slußna^mc, ab9cfct)e!i
üori bcn im § 2148 9lr. 4 befonbcrö oorgcfcf|cnen ^anblungcn, toclc^c bie (Sr-
tjaltung unb 2)urd^fü^ruug beö Snocntarrcd^teö bejüglid^ einer bem ©^egute
ougcfallencn ®rbfd)aft betreffen, namentlid^ auä) in foId)en gäUen, in loeld^cn
eö fid^ um bie ©rroirfung eineä 3lrrefteö, einer einftroeiligen SBerfügung ober
bcr ©intragung einer 33ormerfung in baö ©runbbuc^ (§§ 844, 845, 1085)
ober um bie 3lnnaf)me eineö ^fonbeö ober eines Sürgen fianbelt.
Annahme 5. gjn ben aßotioen ju. § 1308 oben ©. 242 ff. finb bie ©rünbe bargelcflt,
KuM^i^ung auö benen bie ©inroiUigung beö ß^emanneö nic^t erforberIid& fein foU ju ber Sin-
^mt^c' no^me ober ber Sluöfd^tagung einer ©rbfd^aft ober eined SSermäd^tnii^eö üon
©eilen ber ©tiefrau ober ju ber Slble^nung eines ber Ie|teren gemad^tcn
aSertragäontrageS , inöbefonbere einer ©c^entung (§ 1308 9lr. 1, 2). a»it
jenen ©rünben mürbe eö nid^t vereinbar fein, menn man in biefen SSeiie^ungeu
jugleidE) ein SHed^t beö ß^emanneö, bie ®f|efrau ol^ne SBoUmoc^t ju vertreten,
anerfennen rooUte, weil baburd^ ber eigenen @ntfd^lie§ung ber ©tjcfrau in
biefen perfönlidEien 3lngelegen^eiten präjubijirt werben mürbe.
9)uet^. unb ß. 2Begen ber ©rünbe, meldte ma§gebenb geroefen finb, bem @t)cmannc
uatrTflf. höft feines SBerroaltungSred^teS nic()t au^ bas 9led^t beizulegen, im 3tamen
bcr eijefrau o^ne beren SBoIImad^t äWiet^^ unb ^ad^toerträge abiufd^Uc§eu,
wirb ouf bic äRotiüc ju § 1292 oben ©. 186 ff. Scjug genommen.
eintcitigc 7. SBegcn ber SJertretungsmad^t bes Seemannes in 2lnfel^ung cinfeitigcr
Qcmt^ ^){cd^tsgefd^äfte ©ritter, beren SBirtfamfeit booon ob^ängt, ba§ fie gegenüber
2)rittcr. 5,,^ ®[)efrau vorgenommen roerben, oergl. §§ 1304, 1307 9tbf. 1 Sag 2,
§ 1310 ncbft bcn ÜKotioen ju § 1304 oben ©. 235 ff.
Äoutrai)ircn 8. ^u ßrmangelung einer entgegenfte^enben Seftimmung finbet bcr
mit fit^ fcidft. ^^^^ bem ©ntrourfe anerfannte allgemeine ©runbfa^, bafe ber SSertretcr
eines 9lnberen als fold^er mit fid^ felbft fontral)iren fann, fofern nur fein
barauf gcrid^tcter SöiHe nad^ au&cn l^erDortritt, aud^ auf bic im § 1318
bejeid^neten gälle 3lnmenbung. (Sin 93ebürfni6, für biefe gälte jum ©cftugc
bcr ©^efvau Jenen ©runbfag ju burd^bre^cn, liegt nid^t üor. 3" bem
gallc bes § 1318 3ir. 1 ift bie 9lncrfennung jenes ®runbfa|es einerfcits eine
IHnforberung bes praftifd^en Sebeus, anbererfeits oom ©tanbpuntte bes 3ntcr*
cffes ber S^efrau Döllig unbebenfli^ (ocrgl. auc^ § 45 Sag 1, § 1651 5ir. l,
§ 1503 9lbf. 1). 3n bem galle bes § 1318 3lx. 2 liegen bie SBcrljältniffe im
ißcfentlid^cn ebenfo, mie im galle bes § 1318 3lx. 1. 3ebenfallß ift eine er*
l)cblid)e @cfä[)rbung ber Sutercffcn ber ©tjcfrau in jenem galle, meld^er 511?
bem pvaftifd) Don geringer Scbeutung ift, Don ber 3lnii)enbung bcr allgemeinen
förunbfäge nidjt ju bcfovgcn (oergt. aud^ § 1304). ©benfomenig fann in ben
?vällcn bcö § 1318 9fr. 3 nac^ bcr "JJatur ber unter biefe 9Jummer fallenben
i^anbtuugcu bie 9lnu)cnbuug ber allgemeinen ©ninbfögc eine ®efäl|rbung bcr
(S1)efrau mit fid) bringen; im ©egcutt)cil gereift biefelbe il)r in biefen gallen
nur 5um Ä^ortl)eitc.
§ 1319.
sncuoamii(^ti* '^xix Sted^tfei'tigung beS im § 1319 anerfannten 5ßrinjipeS mirb auf
ö^emaitne«. bic allgemeinen 9Kotiuc ju §§ 1317 ff. oben S. 270 ff. unb auf bie ajiotioc
aScnualtunfl be§ Sfeeöutcö. gted&tSflefd&afte. § 1319.
279
iu § 1318 unter Str. 1, 5, 6 oben ©. 273 ff., 278 Sejug genommen. 3m @in^
jflnen ifl }u § 1319 no^ ^olgenbed ^eroorju^eben :
1. SBon ben bcfte^enben ©efefeen voxvb bie erforberlid^e 3Jlitn)irfung ber
S^efrau ju benjenigen SRed^tegefd^äften, weld^e ber ©fiemonn allein oor^
june^men ni^t bered^tigt ift, meiftenö alö (Sinroilligung ober ÜJlitroirfung
bejcidlinet (oergl. prcufe. 5L fi. 5R. n, 1 §§ 232, 233, 239, 243, 244; fäd^f.
©.». §§ 1657, 1674—1677). S)aö olbenb. ®ef. ü. 24. 9lpril 1873 3lrt. 7
[orbert äSoUma^t ober @inn)iUtgung, ber n)ürttem6. (Bntm. § 129 äSoUmac^t
ober Genehmigung ber @^efrau. ^er § 1319 bebient fid^ bed äludbruded
^SoKmo^lt", roeit biefer ha& beabpd^tigte 9te^tät)erl^ältni§, bafe ber 6f)emann
bad Stec^tögefc^fift im Flamen ber S^efrau oorjunelimen \)at unb bat)er bie
(e^ere m^ ^aggabe bed § 116 aus bem 9led^tggefd^äfte beg @f)emanned
berechtigt unb oerpflid^tet mirb, am f^arfften jum 3ludbrudEe bringt, ^at ber
ß^mann o^ne SSoUma^t im 9lamen ber @^efrau als beren SBertreter ge^anbelt,
fo finben bie §§ 123—127 Slnroenbung.
2, aSirb ein ni^t unter ben § 1318 fallenbeö 9led^tögefc()äft jum anaeißeppit^t
Swetfe ber orbnungdmäfeigen SBerroaltung beö (g^eguteö erforberlid^, fo \)at ber (g^em^ncs.
e^onn feiner SBermaltungöpPic^t (§ 1317) junäc^ft genügt, rotnn er bie
ßWrau ^ieroon in Äenntni§ gefegt ^at, unb fann abwarten, ob bie (g^e^
frQu oon bem i^r burc^ § 1320 beigelegten Siedete ©ebraud^ ma^t. 2)er »Htroirfuitfl«.
e^ann fann aber oermoge beö i^m iufte^enben S8ermaltungdrec||teö aud^ '«^rau^''
jcincrfeits Don ber 6f)efrau oerlangen, bafe biefe baö Oefd^äft mit feiner (gin^
Billigung (§§ 1300, 1301) oornel^me, unb, mie fid6 in (Srmangelung befonbercr
8eftimmuugen oon felbft oerfte^t, bie ®t)efrau, vocnn fie fid^ beffeii meigert,
auf öornafime beö ©efd^äfteä oerflagen. 2)em ef)elidE|en SBer^öltniffe unb ber
Stellung bed @^emanned entfprid^t ed ieboc^, ber ©l^efrau, mmn fte felbft bad
(^'(^ft nid^t oomef)men miD, bie Sefugnife ju geben, if)rerfeitö in einem
fo((^n §aUe Don bem ©bemanne ju Derlangen, ba§ biefer als i^r Se*
wKmäc^tigter fid) ber SBornaljme beö ©efd^äfteö unterjiefie. 3[5on biefer
Sefugnig fann bie (S^efrau auc^ bann nod^ @ebraud^ mac()en, loenn fte bereitiä
rec^tdfräftig uenirtfieilt ift, baö ©efd^äft felbft mit ©inroilligung beö ©fjemanneö
oorjune^men. 2)iefe 9lrt ber ©eftaltung oerbient oor einer foldjen Siegelung,
wcldfc bem ©bemanne einen alternativen 9lnfprud& bal)in giebt, ba^ bie (gtjefrau
entroebcr i^m bie erforberlid)e SBoUmad^t ert^eile ober felbft ba& Oefd^öft mit
feiner ©inroiüigung r)ornel)me, ben 33orjug, weil bei jener ©eftaltung bie
Xurdjfübrung beö gegen bie ß^efrau ergangenen red^töfräftigen Urtf)eilcö fid;
einfacher erlcbigt, 33on ben neueren ®efefeen, fomeit bicfelben überl)aupt eine
crjioingbare ^^erpflid^tung ber 6l)efrau jur äWitroirfung anerfennen (ocrgl. bie
ttUg. aJtotioe ju §§ 1317 ff. oben ©. 268 ff.), roeidEit ber ©ntrourf in ber ^ier
froglit^en Säcjie^ung oUcrbingö infofern ab, alö jene bem ©Ijemannc ein Siedet
barauf geben, bafe bie ßfjefrau ju bem oon il|m oorjunelimenben (Sefd^äfte il)re
CinroiUigung erttfeile. 3)a eö fid^ jebod) in crfter Sinie um Slngelegenfieiten ber
©befrau bonbelt, fo fonn bie le|tere billigermeife nic()t genotfjigt werben, burd)
einen 9lnberen für f\6) Ijanbeln ju laffen, wenn fie felbft ju l)aubetn bereit ift.
2)ad prcufe. 9C. S. SR. 11, 1 § 239 überroeift bie ®ntfc()eibung ber grage, vit^teruc^e
ob bie (S^efrau i^re ©inroiüigung ju einem oon bem (St}emaune beabfid)tigteu '^^ "^""^'
280 25erh). b. g^efluteS. 9{ed&t0öef$äfte. SScrtrenb. f. b. ®Mrau. §§ 1320, 1321.
9led)tögefdjäftc ju crtfieKen üerpfttd)tct ift, bcm SSormunbf^aftögcrid^tc. SBcnm
gleidj fic^ lüdjt t)erfenncn läßt, ba§ bas SSormuubfd^aftöocrici^t [einem ganjen
Sßirfungöfvcife r\a6) 5ur ©ntf^eibung ber grage, ob ein ©cfd^äft jur orbnimgö*
mäßigen SBcriüQltung eineö 33ermögen§ crforberli^ ift ober uid^t, befonberd
geeignet erfdjeint, bn§ ferner auf biefem SBege bie ©ntfd^eibung regelmofeig
rafd^er erfolgen wirb, als auf bem SBege beö orbentlid^en 5ßro}cReS, tinb ba%
bie 9lnnifung beö SBormunbfdjaftsgerid^teö jur ©ntfd^cibung einer unter ben
6I)egatten beftefienben ©treitigfeit bem el^elid^en SBer^ältnijfe mcl)r entfprid^t,
alö bie erljebung eines ^rojeffeö, unb ben grieben weniger, roie biefe, gefä^rbet,
fo ift bod^ ia^ ®eroid^t biefer ©rünbe nid^t ausreid^enb, um eine Slußna^me
t)on bem orbentlid^en Sled^tämege ju red^tfertigen. 2)er l^ier in SRebe ftel^enbe
©treit unter ben et)egatten betrifft oerm5gensrcd&tIid()e SJerl^ältnijfc berfelben.
Seibe ®[)egatten finb gefd)äftöfät)ig. ©er bcm früfieren el^elid^en (Süterrcd^te
unb jum SEfjeil aud^ nod^ bem preug. 91. S. 9t. ju ©runbe Uegenbe ©ebanfc
einer et)elid)en aSormunbfd^aft ift t)on bem ßntmurfe t)öUig aufgegeben. S)ie
^ereinjieljung beö 33ormunbfd)aftägerid)teö würbe fid& alfo als bie ©infefeung
eines 3lusnaf)megerid&te§ barftellen, weld^e um fo weniger gered^tfertigt fein
mürbe, alö baö 9SerfaI)ren im ^rojef^mege mit größeren Oarantteen um^
geben ift.
§ 1320.
9«ttttnrfimfle* 5)ie 83eftimmung bc§ § 1320, meldte aud^ ber S^efrau baß SWcd&t bei-
eÄ^ne«. f^9t/ if)v*crfeitö bie Snitiatiüe ju ergreifen, wenn ein ^led^tögefd^äft, mag baö=
felbe unter ben § 1318 fallen ober nid^t, jum ^mtät ber orbnungsmäfeigen
aSenüaltung erforberlid^ wirb, ift eine Äonfequenj ber im § 1317 anerfanntcn
Syerwaltungöpfiid^t beö G{)emanneS (üergl. bie allg. SWotiue 5u §§ 1317 ff.)
unb entfprid^t, foüiel bie ©eftaltung beß 9lnfprud)eß ber ©tiefrau im (Sin-
jelncn betrifft, bem § 1319 9lbf. 2 ©afe 2 (i?ergl. bie aÄotiue ju § 1319 unter
9ir. 2 oben S. 279). 2)a6, wenn bie ©inwilligung beß ef)emanneß jur 9Sor=
na^mc beß betreffenben Oefdjäfteß felbft burd) red^tßfröftigeß Urt^eil erfcfet ift
(§ 779 ber 6. % C), ber Gljemann bie einmilligung nid&t mefir nad^ § 127
3fbf. 3 miberrufcn fann, ergiebt fid) auß bem SBefen beß red&tßfräftigen Urt^cileö
t)on felbft.
§ 1321.
serrocnbrniö ^\c im § 1321 auerfaunte, über bie nad^ § 1317 bem Gfiemannc ob^
fih"bfc^vc"! li^Ö^^i^^ 93erpftid^tung, für bie orbnungßmägige SBermaltung beß ®f)egutcö ju
ibniic^cn «n* f orgen, Ijinaußgcl^enbc 3}erpflid)tung red^tfertigt fid^ burd^ bie ©rroägung, ba%
bcvTiKfVau" baß 33erm5gen ber ®()efrau burd) bie ßf)e feiner natürtid^en Seftimmung,
aud) für bie Sefriebigung ber burd; bie perfönlid^en 9lngelegen^eiten ber
Ctjefrau I)crt)orgerufenen 33ebürfniffc ju bienen, nid^t entjogen werben barf
(üergl. and) fäd)f. (9. 33. § 1644). ^ür bie perfönlid^en 93ebürfnif[c ber ®I>c*
frau Ijat 5Wor, fowcit bicfelben unter ben Segriff beß Unterl^alteö fallen
(§ 1488), ber ®f)emann auß eigenen äHitteln 5U forgen (§ 1280). ©ß ftnb
aber nod^ anbere bie ^^erfon ber ©fiefrau betreffenbe ^Angelegenheiten benfbor.
SJcttealtung bcö e^egute«. JRed^tgfirritigleiten. § 1322. 281
©clc^e Dermogcnöred&tfid^c Slufrocnbungcn crforbcru. Xaf)\n gefioren ins^
iefonbcrc 5ßrojeffe, rocld^c bic perfonlid^cn SBcrl^ältniffc bcr ß^efrau betreffen,
foiöie ein gegen fie eingeleitetes ©trafüerfal^ren. 3lbroeid)enb üon bem § 1320
legt ober ber § 1331?- bem ®f|emanne nur bie SSerpflid^tung auf, ju bcn
bftreffenben ^onblungen ber ß^efrau feine ©inroilligung ju ert^eilen. ®cm
(Spanne in biefen gällcn burd^ boö ©efefe attgemcin Qud& bie aSerpflid^tung
aufjuerlegen, fid) auf SSerlangen ber S^efrau alö beren S3et)olfmäd^tigter bcr
8oma^me ber betreffenben ^anblungen ju unterjieljcn, ift bebenflid^; an-
gemejfener ift eß, in biefen gällen bem ©rmeffen bcS ®()cmanneö bic ®nt^
fc^ibung barüber ju überlajfen, ob im einjelnen galle eine fitttid^e ^flid^t
für i^n bcft^t, bie SBcrtretung ber ©fiefrau in ben Ijier fraglidjen 9lngelegen*
^ten berfclben ju übernehmen.
Snroiemeit ber ®f|cmann bie burd^ bie perfonlid&en Slngelegenl^eiten bcr
©Wtou erforberlid^ roerbenben 9luögaben fraft bcr el^clid^en SRufeniefeung
gegenüber ber ß^efrau aus eigenen 3»itteln ju tragen ocrpflid^tet ift, ergiebt
lä^ aud § 1297.
§ 1322.
3n ben §§ 1302, 1303, 1306, 1307, 1309 ift beftimmt, inroicweit bie »et^t«.
e§efrau SRe(^tfiftreitigf elten , meiere baö ©fiegut betreffen, ju führen berechtigt SrcfÄ
iii. Sine baoon uerfc^iebene ^rage ift cd, ob unb inmiemeit bem @l^emanne
fraft feines SBerroaltungßred^teß baö SRed^t jur felbftänbigen §ü^rung fold&er
Äcijitfiftreitigfeiten, fei eö in eigenem Flamen, aber mit SBirhmg gegen bie
6^au, ober im SRamen ber lefeteren als beren SBertreter, beigelegt merbcn
fol aSie au^ ber in ben aRotiücn ju §§ 1302, 1303 mitget^eilten Ueberfid&t
beö befte^enben SRe^teö (ücrgl. aud^ bie allgemeinen SKotioe ju §§ 1317 ff.
oben S. 267 ff.) fi^ ergiebt, ift ein folcfieö SRecfit bes 6l)emanneß in Dcrfd^iebencn
Äeti&tdgebieten balb in größerem balb in geringerem Umfange in bcr einen
ober anbereu gorm, namcntlid^ infomeit anerfannt, alß bcr ©^emann über bie
betreffenben ß^egutßred^te aud^ frei ju Dcrfügcn befugt ift; eß ift {ebod^ nid)t
unbefhritten, inmieroeit biefe 93efugni6 beö 6|iemanncß jur felbftänbigen ^^Jrojefe*
fü^ng burd^ bie im § 51 ber ß. ^. D. anerlannte ^ßroie^fä^igteit ber ^\)C'
freu eine SCenberung erfahren fiat. ®er (Sntrourf gel[)t baoon auß, bafe ber
S^ann, oorbel^altUd^ ber auß § 1318 3lx. 3 ftd^ ergebenben Slußna^men
(wrgL bie aMotioe ju § 1318 unter 9ir. 4 ©. 277 ff.), fraft feineß SBemjaltungß^-
ret^teß §ur felbftänbigen gü^nmg ber ^icr in Siebe ftclicnben SRed^tßftreitig*
leiten nic^t befugt fein foU, fonbern bie Seftimmungen bcr §§ 1319—1321 auf
Me gü^ng eineß SRed^tßftreitcß entfpred^enbe Slnroenbung finbcn foUcn. SScnn-
gWi^ bie ^roje|fü^rung nad^ ber 9luf faffung beß ©ntmurfcß an fic^ nld^t als eine
Serfügung, fonbern alß ein ber @rl()altung beß SBcrmögenß bienenber 33cr*
nwltungßaft anjufel^en ift, fo fann blcfelbe bod& megen ber ©runbfä|e über bie
Sirfung beß red^tßfröftigen Urt^eileß (§ 191) mittelbar in i^ren golgcn einer
Serfügung me^r ober weniger gleid^fommen. Saju fommt, bafe, menn bem
(Spanne baß Siedet eingeräumt wirb, ß^egutsred^tc im Flamen bcr ®l;efrau
o^ne SoDmac^t berfclben geri^tlid^ geltcnb ju mad^en, bie ®^efrau ber ©cfaljr
282 aSertvaltunö beg Sl&eöuteS. SJnIcouno bon ©cfbern. § 1323.
Qußgefelt ift, bei Scid^tfinn unb Strcitfud^t beö ß^emonncö mit bcr oft [c^roer
briicfcnbcn SJerpfllc^tung jur S^ragung ber 5ßrojcfefoftcn bcloftct ju locrbcn,
foroeit bcr ®f)cmann nid&t m6) aWafegabe beö § 1297 3lbf. 1 $Rr. 5 unb Slbf. 2
biefe Äoftcn gegenüber ber (S^efrau jn tragen oerpPid^tet ift. 3luf bcr anbcrcn
Seite ift cd auä) t)om Stanbpunfte bcS S^tcreffed bed ®^emanned aud nid^t
burd^ ein 93cbürfni6 geboten, bemfclben bic Sefugnife jur felbftänbigen geric^t^
ticken SBerfolgung oon ß^egutöred^ten beijulcgen. 2)em 3ntereffe beö ß^c*
manned ift genügt einerfeitö hnxä) bie im § 1322 beftimmte entfprec^enbc
Slnrocnbbarfcit beö § 1319 Slbf. 2, anbcrcrfeitö baburc^, bafe er bie i^m ocr^
möge ber c^clid^en ^iufcniefeung felbftänbig äufte^enbcn Sflcd^te an bcm ß^egute
auf Orunb beö § 1292 Derb, mit § 1017 auc^ o^nc aWitroirfung bcr ß^cfrau
gegen ©ritte gcitcnb ju mad^en berechtigt ift. gür bcn ©ritten fann aus
bicfcr Slrt bcr ©eftaltung, ba ba& in bcm ^ßrojcffc beö (5t)cmanncö gegen bcn«
fclben crtaffenc Urtl^eil nid^t aud^ gegen bic @t|cfrau mirft (§ 192), frcili^ bic
Unbcqucmlic()fcit cntftcl^cn^ über eine unb bicfclbe gragc möglic^crroeife jnoci
^rojcffc führen ju muffen, juerft mit bem ©bemanne unb bann mit bcr ß^c*
frau. 9lufi bicfcr Unbcqucmlid^teit, meldte bei icbem ^licfebrau^öücr^ältniffc
eintritt, fann inbeffen ein cntfd&cibcnber Ocgengrunb um fo weniger abgeleitet
lücrbcn, afe bicfclbe bei bcr Statur ber l^icr obroaltcnbcn SScr^ältniffc praftifc^
nur fcl^r feiten eintreten wirb.
§ 1323.
3(nicflunö oon SBcnnglcidE) bie SBcftimmung beft § 1323 gegenüber bcr SRegel bed § 1317,
fldbe"n.' ^^6 ^^^' (Sficmann jur orbnungömäfeigcn SScrmaltung beö ®^cgutcö bered^tigt
unb nur ju einer fold^cu SBcrmaltung, unbefd^abet ber SBorf^rift beö § 1279,
ücrpflid^tct ift (ocrgl. aud& § 1319 Slbf. 2, § 1320), ^\ä) alö eine 9Ibfd&n)ä*ung
feines SBenoattungdrcd^tcö unb als eine rocfentlic^c SScrfd^örfung feiner SScr?
luattungöpflid^t barftcUt unb gegenüber bcm gcitenbeu JRcd^tc eine Steuerung
entf|ätt, TOcnngtcic^ ferner gegen jene Seftimmung baö Sebenten fic^ crl^ebcn
lögt, bag bie älnlcgung von 6()cgutögclbcrn nad^ bcn für bic Slntcgung oon
tütünbclgclbcni gcltcnbcn SSorfd^riftcn (§§ 1664, 1665) megen bcr mit einer
)otd)en 3lrt bcr ^Anlegung regelmäßig Dcrbunbcnen geringeren Slugungscrtrögc im
§inblidEc auf bie Sebürfniffe ber gamilie unb bcn Umfang bcr üon bcm ©ficmanne
JU tragenben c^clid^cn Saften nid^t immer angemeffcn fein merbe, fo empfiehlt fic^
bic in Siebe ftc^cnbc, eine aubermeite SScreinbarung unter ben ©Regatten nic^t auÄ*
fdjlicfeenbe Seftimmung bod) um bcöroiUcn, rocil fic fid^ an bic burd^ § 1292
aud^ auf bic c^elid^c Sluftnicgung für anrocnbbar erftärtcn 58orfd>riftcn bcr
g§ 1033- -1035 über bic 3lulegung bcr in golge ber (Siujic^ung t)crjindUd[)cr
J^orberungen eingegangenen (Selber auf daliegt unb cß an einem außrcid^cnbeu
(S3runbc felilt, in 3lnfcl)ung ber fonft jum ®^cgutc ge^örcnbcn (Selber ctnwö
9lnbcrcs ju bcftimmen unb baburd() baö ®cfefe ju fompUjircn. 5)aju fommt,
bafe bic Söcftimmung beö § 1323 geeignet ift, Strcitigtcitcn unter bcn ©f)e=
gattcn über bic Srage, mann eine 3lulcgung als eine orbnungömägigc anjufc^eu,
abjufd^ncibcn.
2)ic Seftimmung beö § 1323 bejicfjt fid^ übrigens nur auf ®^egutögelbcr.
©cm (Sljcmannc ober bcr (5l)cfrau baö JHcc^t beijulcgen, aud^ in Slnfe^ung
ißmraltung beg ei^cQuieö. SJorfd&riftcn ü6er 3luftraö. § 1324. 283
Qudftc^enber Äapitalien, rocld^c unter aJlitroirfung bcibcr ©Regatten QxdtxQ an*
gelegt ober t)on ber ©^efrau in bic 6^e gebrad^t ober fpäter burd^ ®rb*
f^aft u, f. ro. Seftonbt^eil beö 6f|egutcö geworben finb, eine anbcnoeite Sln^
(cgung naä) SDloggabe beö § 1034 }u verlangen, obn)ol^[ bie (Sinjie^ung biefer
Äapitalien auö anbcren (Srünben im Sntereffe einer orbnungömäfeigen 9Ser?
rooltung nid^t erforberli^ ift, fann TOeber als angemeffen nod^ aud; im ^inblidEe
ouf bie »efrtmmung beö § 1033 3Ibf. 3 oerb. mit § 1292 unb bie 58e^
ilimmungen ber §§ 1317, 1319 SKbf. 2 unb beö § 1320 alö burd^ ein Sebürfnife
geboten erachtet n)erben.
§ 1324.
1. 2)ie Seftimmung beö § 1324 3lbf. 1 cntfprid^t ber ©tellung beö «niuenbutta
6^emonneö olö SSerroalterö eines fremben SBermogenö unb ber i^m mä) § 1317 «orfXiften
in Slnfe^ung beö ß^eguteö obliegenben aSerroaltungöpflic^t. 3(m ©injelnen ift ^^^ «»ftra«.
in biefer ^infid^t no^ gotgenbeö ^eroor ju^eben :
1. äuö bem burc^ 3lbf. 1 für entfpred^enb onrocnbbar erflärten § 591 «ciociäian
in Serbinbung mit ben allgemeinen SBeroeiögrunbfägen (oergl. ©euffert anTpriw'eiVer
XIX, 163, XXVI, 189, XX\ai, 124) ergiebt fi^, bofe, wenn im gaUc beö «^^^^««
Untergongeö ober ber SSerf^lec^terung t)on 33eftanbtl^eilen beö 6t)eguteö bie
iS^au oon bem ©l^emanne @rfafe forbert, fei eö nad^ Seenbigung ber ef|e*
lijj^n Sfluftniefeung unb SBermaltung ober roöfirenb beö Sefte^enö ber lefeteren
(wrgl. § 1292 oerb. mit § 1004, ferner § 1324 3lbf. 2), bem ef)emonne ber
Seioeiö obliegt, bafe ber Untergang ober bie S8erfd)led)terung nic^t bur^ ein
oon i^m nac^ §§ 1279, 1317 ju oertretenbeö 3Serfd^ulben fierbeigefü^rt ift
(oagl. au(^ §§ 777, 1292, 1007, 1324 Slbf. 1, § 592 nerb. mit §§ 193, 239).
'iliift ju oertennen ift, bafe biefe ^Regelung ber Semciölaft unter Umftänben ju
flroften gärten für ben ©bemann fii^ren fann. 6ö lä§t fid^ bagegen ein*
roenben, ba§ eine foldje Oeftattung mit bem unter ben ßfiegattcn beftefienben
Sertrauenöoer^ältnifle nic^t ju oereinigen fei unb ber bem ©bemanne auf*
gebürbete SSemeiö bei längerer 2)auer ber Gt)e oon il)m n\ö}i toerbe gefüljrt
»erben fonnen, unb iwar um fo weniger. Je inniger ia^ unter ben ®f)egatten
bcftebenbe SSer^ältnife gerocfen fei, weil unter folgen Umftänben ber ©(jemann gqr
nic^it baran gebadet ^abe, fid^ bei eingetretenen 35eränbcrungen beö ©I)eguteö bie
erforbcrlic^en Scroeiömittet ju fxd^ern. 3luf ber anberen Seite ift jebod^ ju
berücffic^tigen, bafe bie ©^efrau nod) weniger alö ber ©^emann im Staube ift,
boft @(^t(ffa( ber einjelnen 33eftanbtl)eile beö ©l^eguteö ju oa-folgen unb bar*
julegen, ba nicfjt fie, fonbern ber ©f)emann ha^ ©begut in öänben l)at unb
wnoaltet. 2)aö uon bem in biefer Sejie^ung auf bem eutgegengefegten Staub*
puntte fte^enben lübecf. ®ef. v. 10. Februar 1862 9lrt. 4, 12 im 3lnfc()luffe an
bttö ältere lüb. 9le^t ergriffene SBluöfunftömittel, und) weld)cm, wenn eine ©l)c
SiDüiiiifl 3at)rc ober länger gebauert ^at, in ©rmangetung anberer SBeweiö*
mittel ber 6ib beö Überlebenben ©Regatten genügen foU, um gegenüber ben
Grben beö ooroerftorbenen ©Regatten bie 5Hidj)tig!eit feiner Slngaben über baö oon
ber ©bffrou bem ©bemanne äufl^brad^te barjutliun, ift, abgefel^en oon anberen
bagegen fprec^enben Sebenten, mit ben SJorfd^rifteu ber 6. % D. nic^t oer*
284 aScrtoaltutiQ beö (S^egutee. Sorfd&rtftcn über Sfuftrag. § 1324.
einbar. S)aö ^ßrinjip bcr freien Setüciöroürbigung wirb regelmäßig genügen^
um ben ©tiemann gegen unbillige S^niwt^ungcn iu fd^ügen, unb mirb in
oielen fällen von fclbft ba^iu fiifiren, bem ß^emonnc, mtnn beRen angaben
über bie ©rfüUung feiner aSermatlungöpflid^t. nac^ feiner ^ßerfönli^feit unb
hm fonftigen Umftänben beö galleö fid& alö glaubfiaft barfteUcn, nad^ ^a%^
gäbe beö § 435 ber 6. ^. D. einen (Sib aufjuerlegen. 5lbgefe^en üon bem lübccL
@ef. ü. 10. gebruar 1862 entljalten bie übrigen (Sefeftgebungen in änfel^ung
ber S3en)ciölaft in %ä\itix ber I)ier in Siebe ftel^enbcn 9lrt feine befonbere S3c?
ftimmung, Diclmel^r laffen biefelben cd in biefer IScjie^ung bei ben allgemeinen
©ruubfäßcn über bie SBerpflii^tung jur Sleftitution beim ^lie^raud^e bemenben
(Dergl. preufe. 91. S. % II, 1 §§ 231, 548—617 Derb, mit I, 21 §§ 111 ff-,
132 ff. ; fäd)f. ®. 33. §§ 1688, 614; olbenb. ®cf. t). 24. 9lpril 1873 STrt. 5, 13).
©ine fpejicUe Seftimmung enthält in biefer Mid^tung iebodj baö preug.
91. S. 91. II, 1 § 561 für ben galt, menn bie ©fiefrau t)on bem ©bemanne
ober beffen ©rben megen nid^t mef)r por^anbcner ober am SBert^e verringerter
cingebrad^ter äJlobilien ©rfafe Derlangt. ©in f old^er ©rfafeanfprud^ foll bcr Ehefrau
nur infofern juftel^en, ald bie SSemid^tung, 93eräu§erung ober SSerringerung burd^
Söorfafe ober grobeö SBerfel^en beö ©^emanneö erfolgt ift. S)ic 9lbrid&t biefer
S3eftimmung ge^t, mie aus bem ganjcn 3wföni^fi^^öJi9^ f^d^ ergiebt, fid^tbar
ba^in, inforoeit bie ©fiefrau für beroeiöpflid^tig ju erflären. gür eine berartige
Seftimmung läßt fxd^ geltenb mad^en, baß nad^ ber 9latur ber bei Sa^en ber
l^icr fraglidicn 9lrt obmaltenben 33erl^ältnijfe ber ©bemann in Dielen ^Den
aUcrbingö Dollig außer ©tanbe fein wirb, über bie 9lrt, wie fold^e Sad^en
abfianben gcfommen ober Dcrfd^led^tcrt fmb, 9luöfunft ju ertl^eilen, unb eine
große SBa^rfdjeinlid^feit bafür fprid^t, baß ber SSerluft ober bie S3erfd[|led^tcrung
in golge ber geroö^nlid&en 9lbnu6ung eingetreten ift. 3nbeffen fonncn bod^,
namentlid^ bei einer ©^e Don furjer Sauer, bie gälle aud^ umgcfelirt liegen;
außerbem gemalert baö ^rinjip bcr freien Seroeiömürbigung bem ©bemanne
auöreidjcnben ©d^ufe, fo baß cö bcbenflid^ ift, bur^ eine befonbere SBeftimmung
t)ier in bie allgemeinen Seroeiögrunbfäfee cinjugreifen.
»eflinn bcr ©iuc aubcrc, mit ber oorfte^enb erörterten ^xaq^ im S^f^mmenl^ange
*pSt"b"f ' ftcfl^"^^ S^öge ift bie, Don meldten SSorauöfefeungen bcr ©intritt bcr bem e^c*
Gijcmannc«. ntanuc oblicgcnbcu SBermaltungöpflid^t, beren ©rfüllung ber ©l()cmann nad^
Dbigem bemeifen muß, abl()ängt, ob inöbefonbere in biefer Sejiel^ung ber ®^e*
frau ber S3cn)ciö obliegt, baß fie bem ©bemanne \\)x SSermögen übergeben, ober
ob ber äSeroeiö genügt, ha^ unb meld^eö SSermogcn fie bei ©ingebung ber (S^e
gel^abt fiabe. ®ie neueren ®efe§c enthalten aud^ in biefer ^In^d^t fpe^ieUe
^eftimmungen nid)t. Sic preußifd^e ^ra^iö \)at ieboc^, tocnngleid^ nic^t o^ne
erl;eblid^en SBiberfprud^, am ber Sßorfd^rift beö preuß. 91. S. SR. II, 1 § 205
bie gcfcfclid^c SBcrmutt)ung abgeleitet, ba^ ber ©^cmann allcö üon bcr ©^efrau
bei ©ingeliung ber ©^e befcffene unb mä^rcnb berfelbcn mit feinem SBiffen
erioorbcne 33crmögcn bcr ©liefrau in feine SBcrmaltung überfommen l[)abe
(ocrgl. aud^ ©ntfd^. b. 9t. @. bei ®nid!)Ot XXV ©. 752). Sa no^ § 1283
bie eljclid^c 9tufenicßung unb SBermaltung mit ©d^ließung ber ©^e traft beö
©cfc^cö bcgrünbct mirb, fo folgt barauö, ba^ mit biefem 3eitpunfte auc^ bie bem
©t;cmannc nad^ § 1317 obliegcnbc aSerroaltungöpflic^t fröft beö Ocfegcö ein«
SßcttDaltung beö ej&egutc«. aSorf^riftcn üBcr Auftrag. § 1324. 285
tritt, ol^nc ba% t& eines bcfonbcrcn Slfteö ber 3ttation von ©eitert ber ©^cfrau
Jcborf. Auf ber anberen ©eite oerfte^t eö fi6) ober von felbft, bafe in 9ln^
ft^ung ber jum S^egute gefiörenben ©ac^en eine S3erantn)ortli(l)feit beö Gf)c^
monncd nur bona begrünbet ift, wenn er bie 3nt|abung jener ©ad()cn erlangt
^t ober loenn eö il^m jur ©d^ulb anjurec^nen ift, bafe er bie 3nl^abung ber^
fetten nid^t erlangt §at. ©otonge bal^er bie ©ad&en in ber 3n^abung ber
ß^efrau fid^ befinben, fann oon einer S3erantn)ortIi(i()feit beö ©tjemanncö feine
Sehe fein, ba bie ß^efrau bem ©l^emonne barauö, bafe ber Icfetere il^r bie 3n*
^bung uberlajfen \)at, niemals einen SBorrourf ma^cn fann. SBcnn ba^cr
bie g^efrau von bem ©bemanne bie 3urii(fgabe oon ©l^egutöfad^en ober ©rfa^
fflr ben Untergang ober bie SSerfd^lcd^terung berfelben forbcrt, fo mu§, ba in
Srmangelung befonberer Umftänbe baoon ansjtigel^en ift, bag bie @^egutsfad^en
|ur 3^it ber Ginge^ung ber ©^e fid^ in ber 3nf|abung ber ß^efrau befunbcn
^ben, unb ba bie 3ti^abung nid^t fraft ©efefces auf ben 6f)cmann übergefjt,
bie ß^efrau nad&roeifcn, baß bie ©ad^en in bie Sn^abung bcS ®f;cmanneö ge«
langt ober in ben ^änben britter ^ßerfonen geroefen finb, roäfirenb aföbann
bem S^manne nac^ ben oben bargelegten ©runbfä^en ber SBeroeis obliegt,
ba| ber 95erlufi ober bie SBerfd^led^terung ber betreffenben ©ad^en nid^t in einer
fd^ulbooDen Slic^terfüUung feiner SSerroaltungSpflid^t fid& grünbet. 3^ (Sunftcn
ber ß^ou bie gefefelic^e SSermutfiung auf juftellen, bafe bie ©^egutöfad^en in
bie 3n^bung bes Seemannes gelangt finb, ift im ^inblide auf bas ^rinjip
ber freien Semeismürbigung meber burd^ ein Sebürfnife geboten, nod^ audj bei
ber SSerfd^ieben^eit ber in Setrad^t fommenben SBer^ältniffe angcmeffcn.
2, S^^if^l^öft fann es fein, ob es fid^ empfiehlt, aud^ ben jrocitcn ©afc *^^*' ^^
bfS § 591 auf bie el^elid^e SBerroaltung für entfpred^enb anroenbbar ju er* ^'JJjr*
Hören, (Ss lofet ftd^ bagegcn geltenb ma^en, bafe bie im § 591 ©a^ 2 aufi^ ^^^^^f
flefprod^ne SBerpflid^tung, eine bie georbnete 3ufömmenftellung ber ®iunaf)men
unb SfuSfloben ent^altenbe unb mit 33elegen ücrf eigene SRed^nung ju legen, ben
C^ann ju ^art treffe unb bem lefeteren bie Erfüllung bicfer SBerpflid^tung
praftifc^ nic^t möglich fein werbe. Snbeffcn fpred^en äl^nlid^e ©rünbe, mie
btejenigen, meldte bal^in geführt f)abtn, bie liier fraglid^e Seftimmung aud^ in
bem goUe bcS § 1278 äbf. 1 für cntfpred^enb anmenbbar ju erflären (oergl.
bie SBotiDC ju § 1278 oben ©. 119), bafür, aud^ liier biefetbe für cntfpred^enb
onioenbbar ju erflären, jumal bie IJieroorgel^obenen praftifd^en Sebenfen ba-
burd^ an ©eroid^t üerlieren, bafe bie l^ier fraglid&e 3Serpflid[)tung Dermöge ber
bem ß^emanne juftel^enben elielid^en 9lufenie§ung fxä) nur auf bie SSerraaltung
ber ©ubftanj beS S^eguteS erftredCt.
3. 5Durc^ bie entfpred^enbe änroenbbarfeit beö § 595 wirb ber Slnfprud^ ^^^^ »">"
beö ß^annes auf (grfafe feiner auf baö ßl^egut gemad^ten SBermenbungen bungcnTuf
über bie in biefer JBejie^ung für ben SRiefebrau^ geltenben unb burd^ § 1292 ^^^ ^^*ö«t.
tttt^ auf bie e^elic^e ^lufeniefeung für anroenbbar erflärten SBorfd^riften beö
§ 1010 l&inauS erl^eblid^ erweitert. ®ö ift bieö eine Äonfequenj ber STrt unb
Seife, loie nad^ bem ßntrourfe (§ 1317) baö aSerroaltungöred^t unb bie 93er*
mltung^pflid^t beö @l|emanneö geftaltet ift (oergl. bie allgemeinen Sßotioe }u
§§ 1317 ff. oben 6. 271). ©aß bie meiften beftel^enben Siedete nid^t fo weit
9^, fonbem eö in Slnfel^ung beö 3(nfprud^eö beö ß^emanneö auf (^rfag
286 aSertoalt. b. eßcguteß. aSorBeJalt tocgen b. ejcltdö. 9lu^nie6un0, § 1325.
feiner SSerroenbungen im aSefcntUc^en bei ben ©runbfäfeen oom ^licfebraud^e
bemenbcn Idffen, ^ängt mel^r ober n)eniger mit ber ätuffaffung hed "SitttoaltunQ^^
red^tcö ate cincö potenjirten ^liefebraud^sre^ted jufammcn (üergl. inöbef. preufe.
31. S. 9t. II, 1 §§ 231, 586 ff. ocrb. mit I, 21 §§ 56, 75 ff., 124 ff., 1, 13 §§ 228,
234 ff., 238 ff., 258 ff., 262 ff.). 3)aö olbenb. ®ef. o. 24 3Ipril 1873 enthält
überf)aupt feine befonberen Seftimmungen über SBcrroenbungen ; eö werben
bal)er in biefer Sejietjung nad) Wct 5 bie ©runbfäge über ben 9ttegbrau(^
ate mafegebenb anjufe^en fein. 2)aö (überf. ®ef. o. 10. gebruar 1862 3lrt. 6, 8, 9
fd()lie§t jeben Slnfprti^ auf ©rfa^ für aSerbefferungen beroegli^er ©ac^en au« unb
gemährt nur einen 3lnfprud^ auf (grfafc für bie bejaf|lten üorefielici^en ©d^ulbcn
ber (Sl^efrau unb für bie beim SCobe ber Ie|teren erroelölic^ noä) Dorl^anbcnen
$erbef[erungen unbemegli^er @ad^en. dagegen ^at ba& fod^f. ®. 99., obmo^t
na(^ bemfelben bad 9ted^t bed @f|emanned an bem eingebrachten SSermögen
ber (Sl^efrau im 9lUgcmeinen nad^ ben Orunbfäfeen üom ^ie§brau^e beurt^cilt
mirb (§§ 660, 1655), biefe ©runbfäfce bod^ infofern mobifijirt, ate ber ®^e*
monn nad& § 1690 für SSerroenbungen, meldte er auf bie jurüdEjugcbcnben
©egenftänbe gemad&t ^at, {e nad^bem bieö mit Sluftrag ober o^ne Sluftrag ber
®(;efrau gefd^eEjen ift, nad^ ben über bie Oefd^äftsfü^rung mit ober o^ne S^uf-
trag geltenbcn ©runbföfeen (§§ 1314, 1352) ©rfafc forbem fann.
Seit ber u. ägegeu ber »egrünbung befi § 1324 9lbf. 2 wirb auf bie aRotioe
iiut(^un9 ber ju § 1292 obeu ©. 184 ff. Se}ug genommen.
Vnfprfl<l^e.
§ 1325.
©er^äitnii 2Rit JRüdEfid^t barauf, ba^ in bem (Sefefebuc^c bie JJorfd^riften über bie
9iIÄ?nT ^W^^^ ^lufcniefeung unb bie 58orfd^riftcn über bie e^elid^e aSermaltung getrennt
8ur e^eii<^en gehalten fiub, ift eö jur Sßermeibung oon aJlifeoerftänbniffcn für rat^fam er-
ad^tet, burdE) eine befonbere SBeftimmung barauf J^injumeifen, ba§ bie burd^
§ 1292 auf bie e^elid^c ^IJu^niefeung für anmcnbbar crflärten SSorfd^riften
über ben 9lie§braud& in t)erfd^iebenen SJid^tungen burd^ baö SSerroaltungöred^t
unb bie 93ermaltungöpflic()t beß ©bemanneö nad) SKafegabe ber §§ 1317—1.324
mobifiiirt merben unb bei einer ÄoUifion bie legteren SBorfd^riften üorgc^en.
3nn)ien)cit biefe SSorfd^riften mobifijirenb eingreifen, lägt fi^ of)ne grofee
.ttafuiftif bur^ baö ©efeft im ©injelnen nicf)t entfc^eiben unb !ann unbebcnHid^
ber 2BifIenfd()aft unb 'ijjrafiß überlaffen mcrben (ücrgl. inöbef. §§ 991, 994 mit
§ 1317; § 1002 3[bf. 2, § 1034 mit §g 1317, 1318 ')lx. 1, 2 unb §§ 1319—1.321 ;
§ 1010 mit S 1324 9lbf. l unb § 595).
(). Sluöübung ber cIjclidEicn üJiu^nicfeung unb SiJcrmaltunfl burc^
ben gefefelid^en 'Vertreter beä ßljemanneö.
§ i:i2().
oeitenbed ^\q gcmeinred)tUd^e '^^rapiö nimmt ati, ha^ baö mit ber cl^eUd()en iBor^
^^"^^ munbfd)aft oerbunbene gefefelid^e 9iiePrauc|ö^ unb SSenDaltungßred^t beö S^e-
manueö mit bem 3^itpunfte aufhört, in meld^em ber (Sl^emonn, fei eß burd^
Slbroefen^eit, ©cifteöfranf^eit ober baburd^, bafe er megen SBcrfd^roenbung cnt»
«ugüBung b. cK SRufenieiunö u. Scrtoalt. bur* ßef cftl. Scrtret. § 1 3-26, 287
münbigt ift witfä^iß wirb, feinen ©efd^öften oorjuflel^en, weil jeneö Siedet ein
Sudjlufe ber nic^t übertragbaren el^elid^en SJormnnbfd^aft fei (oergl. ©enffert
XIX, 99, XXIV, 246, XXXVU, 125, XXXVIII, 135). auf biefem ©tanb^
puntte fte^t aud^ baö olbenb. ®ef. v. 24. 9lpril 1873 3lrt. 12. ©agegen
beftimmt baö fä^f. ®. 39. § 1927, bafe, wenn bem Pflegebefohlenen ate ®^c=
monn bie 33erroaltung unb ber 9lie§braud& am SBcrmögen feiner ß^efrau
auflegt, ber SSormunb auc^ biefeö SßermBgen ju üermalten f)at 3)cn ©tanb«
punh bcö fä^f. ®. 33. t^eilt in ber ^ier fraglid^en 33e}ie^ung, wie in
Crmangetung einer cntgegenfte^cnben Seftimmung unb mit Slürffid^t auf bcn
rrd^tlid^en Äaraftcr bes e^emfinnlid^en JRed^teö nad^ preufe. 3led^te anjuneömcn
ift, oud^ bad preug. 91. fi. 31.
2)a nad^ bem @ntn)urfe in ben im § 1326 älbf. 1 Doraudgefe|ten gälten etonbpunft
bie c^üd^e ^lufeniefeung unb SBermaltung ni^t fraft ©efefeeä becnbigt wirb ^„t^uy^^g.
(wTflL § 1328 9lr. 3, 4), fo muffen in \tntn gällen bie bem "gfiemanne in
Snfe^ung bed @^eguteö {uftel^enben Siedete unb obliegenben ^erpflid^tungen
tro| i^red perfonlic^en Starafterd oon bem gefeglid^en SSertreter bed @^emanned
ttufigeübt werben. S)ie bagegen ju crl^ebenben Sebenten Derlieren i^re 336=^
beutung boburc^, ba^ in ben mid&tigften ber im § 1326 oorauögefefcten gälte
ber g^efrau bofi SRe^t juftel^t, jeberjeit nad) bcn SBorfd^riften beä § 1328
9lr. 3, 4 bie äuf^cbung tier e^elid^en Sluftniefeung unb SBermaltung ju
oetlangen.
3)ic 33eftimmung beö § 1326 3lbf. 2 bejmedft, ber S^efrau, menn ftc Hümxm^
fclbft ium aSormunbe il^reö (g^cmanneö beftcDt ift (§ 1729 9lbf. 4), bie a»bg^ ^m^umi^
lid^feit {u gemäl^ren, bie jur SBorna^me i^rer SRed^tögefd^äftc unb jur ^l^rung rechte« butd^
i^er »ed^töftreittgfeitcn erforberlid&e ©inroiUigung beö S^emanncö (§§ 1300 «1^^^.
M* 1303) ate aSertreter bed Unteren fid) felbft ertl^eilen ju fönnen unb baburd)
bie in ©rmangelung einer befonberen SSorfd^rift nad^ ben SSorfd^riften beö
§ 1651 9lr. 1 unb beö § 1728 in »erbinbung mit bem § 1738 Sftf. 1 ©afe 1
^um ^vsKdc ber ©rt^eitung ber ©inroittigung für ieben einjelnen galt not^^
oenbig roerbenbe 33efteUung eines ^ftegerö entbetirlid^ ju mad^en. 3n bem
wmiuögcfe^ten §aUe oon bem ©rforberniffe ber ©inroiUigung beö 6()emanncö
ganj abjufel^cn, empfiefilt fid^ nid^t. 3ebenfaHö mürbe bei biefem SBegc bie
3}efugni| ber (S^cfrau, ofine bie fonft erforberlid^e ©inmiUigung beö ©^emanneö
Jled^tögcfd^äftc ooi^unefimcn unb SRed^töftreitigfeiten ju füfircn, jum ©d&u|c
ber Siechte beö (S^emanneö auf fold^e 3lcd^tögefd^äfte unb SRed^töftrcitigfeiteu
bcfd^itft werben muffen, meldEie bie JJcrmaltung beö ®f)eguteö betreffen, unb
würbe überbieö bur^ eine weitere 39eftimmung ber ßl^efrau bie 3Serpflidj)tung
oufericgt werben muffen, fold^e SRed^tögefc^äftc unb 9ledt)töftrcitigfeiten ju
unterlaffen, wetd^e jur orbnungömägigen SSermaltung beö (S^eguteö nidi)t
crforberlid^ finb. Söei bem Dom ©ntwurfc eingefd^lagenen 5IBege ergiebt fid)
bagegen, wenn bie 6^efrau alö gefeftlid^er Sßertreter beö ®f)emanneö bie 6im
iDiDigung ert^eilt, i^re SSerantwortlid^feit gegenüber bem (g^emanne uon felbft
QUO ben gjeftimmungcn beö Sßormunbfd&aftöred^teö (§ 1696). W\t StüdEfid^t
auf biefe SSerantwortlid^leit ift eö aud^ unbebenfUd), bie l^icr fraglid^e aSor-
fd^rift ni^t auf folc^ Med^tögefd^äfte unb Sled^töftreitigfeiten ber ©^efrau 511
befc^onfen, wel^e bie SBerwaltung beö ®l)eguteö betreffen, fonbern auf alle
288 SBcenblöung bcc eMici&cn 5ftu6nie§un0 unb SScnüaltuno. § 1327.
SRed^tögcfd^oftc unb SRcc^töftrcitigfcitcn bcrfelbcn, oud^ auf fold^c, tocld^c bic
aSerroallung i^res aSorbc^altegutefi betreffen, auäjubc^nen. S)iefc Sluöbe^nung
empfiehlt pc^ um fo mc^r, als baburd^ bie bie ©i^er^cit bcö SBerfe^rcß ge*
fä^rbcnbe Untcrfd^eibung in)ifd)en fold^en SRcc^ttgef^äftcn unb Sied^töftecittg*
feiten, roeld^e auf bie aSeriüaltung beö ©^cguteö fid^ bejie^en, unb anbcrcn
SRcd^tögcfd^äftcn unb Sled^töftreitigfeiten ber ©l^efrau entbe^rlid^ roirb.
cinroiuiflunß Uutcr bie Scftimmuug beö § 1326 3lbf. 2 ffillt, o^nc ba§ e« in bicfer
*"*"eine« ^ '^^infxd^t einer befonberen SBorfc^rift bebarf (cergl. olbenb. ®cf. 0.24. Slpril 1873
fl^äM ^^* ^^ ^ ^^' ^"^ ^^^ ^^ ^ ^^^^ gebeerte ©inroilligung bed (S^emanncfi ju
bem felbftänbigen Setriebe eines ©rrocrbßgefc^äftes oon Seiten ber @^efrau.
SBennglei^ ber Eintritt ber an biefe ©inroiUigung fxd^ fnüpfenben red^tlicften
SBirfungen für bad @^.egut nic^t baoon abklängt, bag ber Seemann ftc^ biefer
SQSirfungen als folgen feiner ©inroiHigung bewußt geroefcn ift (oergL SRotioe
}u § 1307 oben ©. 241), fo ift bie fragtid^e (ginroiUigung bod^ infofern, ab
fie jum Qxotät beö ®intrittcd jener SBirfungen ertl^eilt wirb, ate ein Sled^tft^
gefd^öft ober bod^ ate eine analog ju beurtl^eilenbe SRed^tdl^anblung t)erm5gend«
red^tlid^er 9latur anjufelien. ©elbftüerftänblic^ roirb jebod^ baburd^, bafe bie
(S^efrau alö gefefelid^cr SBertreter beö ®^emanneö fid& felbft bie l^ier fraglid^c
©inroilligung ert^eilt IJiat, baö IJiod^ft perfönlid&e, eine SSertretung nid^t ju«
laffenbe SRe^t beö ß^emanneö, auf @runb beö if|m nad& § 1273 juftel^enbcn
©ntfd&eibungöred^teö ber ß^efrau bcn felbftänbigen Setrieb beö ®rn)erbö*
gefd^äfteö ju untcrfagen, wenn ber Ie|tere mit i^ren auö ber el^ielid^en ©emein«
fd&aft gegenüber bem ©bemanne entfpringenben perfonlid^en 5ßflld^tcn uuDcreinbar
ift (oergl. bie aßotiüe ju § 1275 oben S. 107 ff.), nic^t berührt.
«nrocnbunfl sjuö bcm ^riujipe beö § 1743 ergiebt fid), bafe baöjcnige, roas ber
^Äaft § 1326 für ben gaU, wenn ber Seemann unter SBormunbf^aft fte^t, bcjro.
für ben gaU, rocnn bic ©Ijcfrau jum SSormunbe beö ®^emanneö befteUt ift,
beftimmt, aud& auf bie 5ßf[egfd^aft, inöbefonbere aud& auf bie in ben §§ 1739,
1740 bejeid^neten ^ßflegfd^aften, entfpred^cnbe 3lnn)enbung finbct.
7. Seenbigung ber eljieüd^en Slufeniefeung unb JBerroaltungi).
§ 1327.
«cenbißungs* ©cr § 1327 beftimmt bie Scenbigungögrünbc ber e^elid^ien Slufeniegung
«''"''• unb aSerroaltung.
«ufiöfun« ber I, 2)a§ bie cl^elid^e ^lu^niefeung unb SBcrroaltung mit ber 9[uf(öfung
®^'" ber Gf)e beenbigt mirb, folgt auö bem Sroedfe berfelben (t)ergl. prcufe. »• S. 9*.
II, 1 §§ 614, 732, 743 ff.; fäd[)f. 0. 83. § 1687). SBegen ber SBermögcnÄ*
auöcinanberfe^ung im galle ber ©d&eibung üergl. bie aJlotioe ju § 1452.
a3erfd)iebene SRed^te entl^alten für ben gall ber Seenbigung ber eJ&elic^n
gflufeniefeung unb SBermaltung burd^ bcn SCob eincö ber ©Regatten wegen ber
3luöcinanbcrfcfeung beö beiberfeitigen SJcrmogenö befonbere »eftimmungen.
1) SBegen ber ber UeBcrfd?rift im SEc^te Betöefügtcn Slnm. üergT. bie SWoHoc }um
§ 1295 @. 198.
iBecnbtgunö bcr el&el. Slu^nicguitfl unb aSertoaltuiuj. § 1327. 289
1. 3n cin5clnen SRed^tögcbieten tritt beim Si^obe eineö bcr (Sfiegattcn, ®?t«*
nomcntUd^ im gallc beerbter 6f)e, eine fog. Oütergemeinfd^aft von SCobcöroegcn "^on^xlt"!'
ein in bcr 9lrt, ba% bic überlebcnbe SBittroc ober bcr übericbenbc Gtjegattc "'•^sc«.
überhaupt eine Quote beö beiberfeitigcn SSermBgenö alö 9lbfinbung für fein
'Scrmögen erhalt. SJcrartige Orunbfä^e gelten insbefonberc in bcr ficR. ®mfs
fdiaft ©c^aumburg unb nod^ bem SRed^te ber Stabt Dttcrnborf ju ©unften
ber fiberlebenben SBittroe im goUe ber beerbten ßf)e. 3fad^ onberen 9ied)tcn
M bcr übericbenbc ©fjegatte bie SBal^l, ob er fein SßermBgen jurücfncfimcn
ober eine Quote bed beiberfeitigcn 35crm5genä beanfpru^cn roill, fö namcntlid)
nod^ märf. ^ßrooinjialrccl^te unb bem 9tcd>te oon ©d^aucnburgs^olftein. 3lad)
bcm märf. ^ßroüinjialrec^te ift baö 2Bal)lrec^t in ber 9lrt mit bem (Srbrcd)tc
bcö überlebcnben 6(|egattcn ücrbunben, bafe ber lefetcrc als Grbe beö uerftorbencn
f^gotlcn jur ^älfte berufen mirb, falls er aber für bic 9lnnal^mc bcr
Grbfc^oft ftc^ crHärt, auf SJerlangcn bqr äWiterben fein eigencö SJermogen in
bic &:6fd&aftömaffe einjuroerfcn t)crpflic()tct ift. 2)a nad^ ben Scftimmungcn
beö ßntiourfcd (§ 1971) baö ßrbrcd^t beö überlebcnben ©Regatten nicl)t baoon
abhängig ift, bafe er fein eigenes 33crmögen in bie Grbfd^aftsmaffe cinrairft,
fo fonn nur in ?yrage fommen, ob bei 9luflBfung ber ®^e burd) ben 2:ob eines
bcr (S^egatten an ©tcHe bes ©fjegutes eine Quote bes beiberfeitigcn 33crmögeus
treten unb reftituirt merben foU. %iiv eine bcrartigc 33cftimmung läfet [\ä)
anfügen, ba§ baburd^ bic oft fd^roierige unb peinlidbc SluScinanbcrfcßung
rwgen beS G^egutcö oermieben unb einer bcr SSorjüge ber ©ütergemeinfd^aft
erreicht wirb. 2)ie entgegenftef)enben Orünbc fiub icbod) als cntfd^iebcn über-
löiegenb ju erac()tcn. Sei ber 58erfd^iebenf)eit ber Oröge bcs Gf)cgutcS unb
bes 3Serf)äUniffeS beö Icfctcren ju bem SSermögen beS G^emannes mirb eine
Cuote beö beiberfeitigcn SSermogens, roie man bicfclbe aud^ beftimmen mag,
in bem einen gälte }u groß, in bem anbcren gaUe ju gering fein, um als
angemeRener Grfafe für baS G^egut ju crfdöcincn. 2)ic bamit möglid^crroeife
wrbunbenc 93enad^tf)eiligung beö überlebcnben G^egatten wirb allcrbingö oer^
mieben, ©cnn man ii)m bie 9Ba^l einräumt, ob er fein aSermögen jurücfnefimen
ober ftatt beffen eine Quote beö beiberfeitigcn Vermögens bcanfprudlien mill.
3Ji(^t oermieben wirb baburd^ aber bie mit einer fold[)en Ocftaltung unter
llmftanben ücrbunbcne fd^merc S3enad^tl^eiligung ber Grben beS oerftorbenen
e^egatten. SRed^tfertigen liefec fid^ eine fog. OütcrgcmcinfdEiaft üon S^obesrocgcn
bo^ nur burd^ biefelben Orünbe, meldte fid^ für bie allgemeine (Sütergemein^
fc^oft onfü^ren laffcn. S)iefe Orünbe fül)rcn aber n?citer. Gr!ennt man biefelben
ato burd^fcijlagenb an, fo ift es eine ^albl^cit, bie ®ütergcmeinfd)aft nur beim
Jobe eines ber G^cgatten unb nid^t fd^on bei Scbjeiten bcrfclben eintreten ju
löffen. Segen bas ©pftem ber ©ütergemcinfd^aft üon S^obcSiocgcn fpri^t aud^
Me gefc^ic^tlid^e Gntmidfelung. OTen neueren auf bem SBobcn ber SScrroaltungS*
gemeinfc^aft fteldenben Siedeten, insbefonbcrc bem prcufe. 91. 2. 9?., bem fäd^f.
®. ©., ben meiften tl^üring. Grbfolgegcfc^en, bem olbcnb. ©cf. o. 24. 9tpril
1873 unb bcm lüb. ®ef. v. 10. gebruar 1862, ift basfelbe unbcfannt. uebema^me
2. 3lad) bem prcufe. 91. ß. SR. II, 1 §§ 570 ff. ftcl)t bcm überlebcnben ®t)c* Xattm
monne bic 3&af)l ju, ob er bie eingebrad^ten ©runbftürfc unb ©cred^tigfeiten in ®^""*'^5!n*
5latur jururfgeben ober beren SBcrt^ erfefeen roill. Gs lä^t fid^ nid^t oerfennen, Q^mann.
m&üat i. Mkcfirt Ocfe|ta<9. IV. 19
290 Seenbiöung bcr ejel. 5ßujjnlcBimg unb aSenDaltung. § 1327.
ba§ mit einer fold&en SBorfd^rift nid^t gering anjufd^Iogcnbe SBortl^eife ocrbunbcn
ftnb. 2)ie terroidfelten unb foftfpieligen ©treitigfeiten, roeld^e ni^t fetten über
bie SSerbefferung ober SSerfc^Ied^terung ber eingebrad^tcn (Srunbftücfe unb ben
bafür ju leiftenben (grfafe entftel^en, werben baburd^, xotnn nid^t abgefc^nitten,
fo hoä) Derminbert. SBenn ber ß^emonn feine ganje Äraft ber Seroirt^«
fd^aftung unb SSerbefferung ber cingebrad^ten ©runbftüdEc geroibmet unb barin
feinen Sebenöberuf gefunben \)at, fo fann eö für benfelben I)art fein, rocnn er
burd^ ben S^ob ber ®I)efrau in bie Siotfiroenbigfeit oerfefet wirb, ben ©egen?
ftanb feiner S^Iiötigfeit unb feineö Serufeö aufjugeben unb fic^ mit einem
unfidEieren unb fdEiroer ju erroeifcnben Slnfprud^e auf 6rfa| ber gemod^ten SSer-
befferungen ju begnügen. ®r wirb bei einer fold&en 9luöfid&t naturgcmöi
einen oiel geringeren Slntrieb l^aben, bie (Srunbftürfc in gutem ©tanbc ju
erfialten unb }u Dcrbeffern, als wenn er bie Oeioi^^eit I)at, fie bebalten ju
fönnen. 3KitteIbar bient ba^er eine Seftimmung, wie bie bed preu^. 91. S. 91.,
nid&t nur bem 3ntereffe beö @f)emanneß, fonbern aucf) bem Sntereffe einer
guten Sanbesfultur. 3lUen biefen ©rroägungen ftel)t inbeffen baö redjtlid^c
Sntereffe ber (S^efrau, il^re ©runbftüdte i^rer gamilie jU erhalten, forocit bicö
mit ben erbred^tlid&en Orunbfä^en vereinbar ift, entfd&eibenb gegenüber. ®ine
Sd^mälerung ber 5Re.£l)te ber ©fjefrau auf bie jum ©fiegute gel)örenben (Srunb*
ftüdfe fraft ©efefeeä eintreten ju laffen, ift um fo bebenflid^er, alö gerabc beim
(Srunbeigentl)ume bie S^enbenj, baöfelbe in bcr gamilie ju ert)altcn, minbcftenö
in ben WnblidEien Rreifen, weit verbreitet unb tief eingerourjett ift.
Stimntt ber 3. 9lbn)eidE)enb t)on bem röm. SledEftc, nad) meld^em ber G^emann
h^^^^^^iM^^Q^^^^ ^^^ unförperlid^e 2)otaIgcgenftänbe erft ein ^äf)x md) 93ecnbigung
ber e^e ber ®^efrau ^erauöäugeben oerpflid^tet ift, aber in Ucbereinftimmung
mit ben auf bem 33oben ber ^Jermaltungögemeinfd^aft ftef)enben neueren ®efe|en
(oergt. preufe. 91. S. 91. II, 1 §§ 548 ff., 559 ff., 570 ff., 614 ff.; föd&f. ©. ».
§ 1688; olbenb. @ef. ü. 24. 9lpril 1873 9lrt. 12; lüb. Oef, o. 10. gebruar 1862
9lrt. 2, 11) geEjt ber ®ntn)urf baoon auö, ba^ bie 3wrüdEgabe beö ©^eguted
fofort naä) ber Seenbigung ber ß^e ju erfolgen ^at (üergl. § 1292 mit § 1007,
§ 1324 9lbf. 1 mit § 592). ©ine 9luönal^me von biefem Orunbfafee \)at ber
©ntrourf aud^ infomeit nidEit gemad^t, alß ber (Sficmann jur ©rfüUung einer
gegenüber ber ©^cfrau i{)m obliegenben SBerbinblid^feit wegen bcr e^elidben
^lugniefeung unb SSermaltung erft nad^ bereu Seenbigung oerpflid^tet ift (ücrgl.
§§ 1294, 1295). es laffen [xä) aUerbingö Silligleitögrünbc bafür anführen,
bie SBerpPid^tung jur Erfüllung berartiger SBerbinblid^feiten für ben fsaJi,
menn bie el;elid&e 9Ju|nie6ung unb SJermaltung burd^ htn Si^ob eined e^e^
gatten beenbigt mirb, erft na^ 9lblauf einer beftimmten grift feit bem 2:obe
eintreten ju laffen, bem ®^emanne ober beffen ©rben aber in einem fold^cn
galle bie 33erpf[ic^tung aufjuerlegen, ben fd^ulbigen Setrag oom S^agc bcö
S^obeö an }u oerjinfen. ©iS fann eine ^ärte barin liegen, menn ber ©bemann
fofort mä) bem 2^obe feiner @f)efrau, alfo mit bem ©intrittc eines (Srcigniffe^,
meld^eö üorauöjufcl^en er t)ieUeid^t üöUig au^er ©taube mar, bie (Selber,
meldte er in feinem ©cfd^äfte angelegt ober fonft für fid& Dermenbet ^at, fofort
flüffig ä« mad^en unb ben ©rben bcr ©Ijefrau ausjujaf)len üerpffidEitct ift.
9le^ulidj) liegt bie ©ad^e, rocnn ber ©Iiemann juerft t)erftirbt, in 9[nfebung feiner
Scenbißung ber ejcl. Stutintcßunfl «nb SSertoaltung. § 1327.
291
©rben. Auf ©rroägungcn biefer 9lrt wirb anä) bic befonberc 33cftimmung beö
preuft. 3[, S, 31. n, 1 § 549 bcruljen, ba^ bic ®^efrau ober bereu ©rbeu bic
Serjinfuug uur nad^ äblauf be§ieuigcu Quartalcö forbcru föuucu, iu rocld^cm
bie Jrenuuug ber G^c bur^ beu ^ob erfolgt ift. 2)ie l^eri)orgef)o6cueu
SiDigfciiörüdfjid^tcu fiub iubcffeu n\d)t alö auörcid^eub }U crad^teu, um in ber
^ier fraglichen Slic^tung iu ©unften beö ®^eniQnneö ober bcffcn ßrben eine
Sbioeid^ung oon ber 3legcl ju red^tfertigen, jumol eine berartige S3cgünftigung
auf ber anberen ©eitc unter Umflänbcn für bie (gficfrau brücfenb fein fann.
IL 3la6) bem SBorgange ber meiften ©cfefee geftel^t ber ©ntrourf einer
Trennung ber G^egatten oon 2;ifd^ unb 83ett einen ©influfe auf bie efjelid^e
3Iu|nie§ung unb SSerroattung nid^t ju (ocrgl. §§ 1444, 1459—1461). ®en
®runben ber SiUigfeit gegen bic (S^efrau, roeld^c für bie entgegengefcfetc Sc*
flitnmung beö olbenb. ®ef. t). 24. 3lpri[ 1873 9lrt. 11 geltenb gemacht roerben
fonnen, fte^en eben fo geroici^tige ©rünbe ber Silligfcit gegen bcn ©f^cmann gegen-
über. 3"^^"^ würbe ber prot)iforifd&e Äaralter, roeld^cn bie 2^rennung oon
Jifc^l unb 23ett i^rem S^cd^ naä) behalten mufe, beeinträchtigt werben, wenn
loic^tige uermogcnöred^tlid^e golgen baran gefnüpft roürben. 6in 93ebürfni§
ift pom Stanbpunfte beö ©ntrourfeö aus in biefer Slid^tung um fo meniger
öor^anben, als nad^ § 1289 ber t)on ber ®^efrau burd^ eine felbftänbigc
2^tigfeit gemad^te @rmerb bem ^orbe^altdgute pfällt.
III. Unter bcn Seenbigungögrünben ber e^clid^cn 9lu6nie§ung unb
?5erroaltung ift bie Ungültigfeitöerflärung einer nid^tigen ober anfed^tbaren
6^ ni^t mit aufgeführt, ba burd^ eine fold&e Ungültigfcitöcrflärung bie e^e^
Kdje SJuftitiefeung unb 33em)altung nid^t beenbigt, fonbern feftgeftcDt wirb,
baj bie ®^e unb mitfjin aud& bie e^elid^e 3iugnie6ung unb SBerroaltung nie
beflanben f)at (§§ 1252, 1260). gür bie SScrmögenöauöeinanbcrfefeung finb
in bicfem galle neben bcn befonberen SBeftimmungen ber §§ 1258, 1270 bie
ollgemeinen ©runbfäge über bie SBinbifation unb bic Äonbiftionen, foroie über
bcn Auftrag unb bie ®cfd&äftöfüf)rung ofine Sluftrog mafegebcnb. 9luf bem*
fetten »oben fte^t im ^ringipe aud^ baö preufe. 31. ß. SR. H, 1 § 952. »e*
fonbere Scftimmungen, mie fie banebcn im 31. S. 5R. II, 1 §§ 953—959 p^
finben, ftnb burd^ ein Sebürfnig nid^t geboten. ®ie übrigen neueren Oefcg*
gebungen enthalten in ber ^ier fraglid^cn Sejie{)ung ebenfalls feine Slbroeid^ungcn
Don ben auö ben allgemeinen ©nmbfäfccn fid^ ergebenben Eonfepucnjen.
IV. aSkgen ber SBegrünbung beö § 1327 3lx. 2 mirb auf bic SWotiüc
JU § 1328 Sejug genommen.
V. SEBelc^en ©influfe naä) bcn befte^enben Siedeten bie ©roffnung beö
Äonfurfeö über baö SBcrmögcn beö ®f)emanneö auf bie cl^elid&c 3Jufenic§ung
«nb Serroaltung I|at, ift beö 3ufammenf)angeö roegen bercitö bei Octegenl^cit
ber »egrünbung beö § 1298 bargelcgt roorben (ücrgl. bic SWotiDC ju §§ 1298, 1299
oben ©. 211 ff.). ®a nad^ bem § 1298 bie Siedete, meldte burd) bic c^elid^c
Suftniefeung an ben ju bem ©Ijegutc gePrenben ®egcnftänben für ben ®^e*
mann begrünbet finb, ber ^fänbung nid^t unterliegen, fo mürben jene 9ted^tc
nebji ben auf Orunb ber eficlid&cn Slufenicfeung crft nad& ber ©röffnung beö
Äonhirfcö von bem 6f|emanne ermorbcnen grüdjtcn, aud^ mcnn bie c^clid^e
^lu^niefeung unb SBcrmaltung burd^ bie Gröffnung beö Äon!urfcö über baö
19 •
3eitn>e{Iige
Trennung oon
Ungültig«
fettAerUSrung
ber fifft.
aufdebung
bun^
Urt^eil.
JtonturB be§
G^emannei).
N
292 Seenbifluufl ber cl^cl. 5yiu^nie§un0 unb Scnualtung. § 13*27.
SScrmögen beö ®^cmanncö \üä)t beenbißt tücrbcu roürbc, nid&t Scftanbt^cit bcc
Äonfurömoffe rocrbcn (ücrgl. § 1 9lbf. 1 bcr Ronl D.). ^ingcfe^cn auf bic
©laubiger bcö ©()emanncs würbe boljer ber ®f)efrau aus ber gortbauer bcr
cf)elid5en ^lufeniegung unb SScriüaltung eine ©efäljrbung nic^t bro^en, jumal
fic nad^ § 1309 9ir. 3 aud^ im Konfurfe über bas aSermögen beö e^emanneft
iljre e^egutöred^lc felbftänbig geltenb 5u mad^en bered^tigt fein TOÜrbe. ©nt;'
f(^eibenb für ben Stanbpunft beö ßntrourfeö, \>a^ bie el)elid^e Stu^nicfeung
unb SSerroaltung burd^ bie Gröffnung beö Äonfurfeö üler baö 5Bermogen bcd
ef)emanned beenbigt werben foU (§ 1327 3Jr. 3), ift bagegen bie ticfeingrcifenbe
SBcrönberung in ber roirtlrfd^aftUd^eu üage beö ©f)emanneä, welche bur^ bie
gröffnung beö Äonfurfeö über fein 3Sermögcn I)erbeigefül^rt wirb. üMit StücE-
fid^t barauf fann cö bcr G^efrau nid^t jugemutt)et werben, ein in fold^cm
SKaf^c auf perföntid^eö SScrtrauen gegrünbeteö 9Serl)äItni6, wie baö ber e^clidEien
Shifeniefeung unb 93crwattuug, gegen i[)rcn SBillen fortbefteficn ju Iaf|cn. ^n
ber großen 3Kel}räaI)t bcr göHe würbe bie Gbefrau, wenn fie bei Gingcfjung
ber Gl)e ben Gintritt beö Äonfurfeö über baö SJermogen beö G^emanneö
üorauögefefjen I)ätte, bic 9luöfdE)Iie6ung beö gcfe^Iid^en ©üterred^teö burd^ Gbe«
Dcrtrag (§ 1333) auöbcbungen l^aben. 3^r bie greibeit ber Gntfc^liegung
wicberiugeben, wenn ber Äonfurö wirflid^ eintritt, ift eine gorberung ber
SSilligfeit unb entfprid[)t aud^ burd^auö ben allgenieinen ©runbfägen, rocid&e
bie SBirfung beö Honlurfeö auf aScrbältniffe bcftimmen, bie in ä^nlid^er
9lrt, wie baö SSerböItnife bcr ef)efid^cn Sliu^nicfeung unb SBerwaltung, mit
SRüdfid^t auf pcrföntid^cö SSertraucn unb bie ganje wirtl^fd)aftlid^e Sage ber
93ctl)ciligtcn, wie j. S. ®efcllfd^aftöüerl)ältniffe (§ 653), eingegangen fmb. 3Iuf
ber anberen ©citc fann barin aucf) eine unbillige S8cnad)t[)eiligung beö G^e*
manncö felbft bann nid^t gefunben werben, xomn ber Äonfurö fein ooix ibm
rerfd^ulbctcr ift, jumat if)m bie G^efrau nad^ Seenbigung ber e^elid^cn 3ln^
niefeung nad^ SKafegabe beö § 1339 einen angemeRenen Seitrag jur Seftreitung
ber eljclid^en Saften ju gewä[)ren oerpftid^tet ift (oergl. § 1330). aJlit bcm
Gntwurfe ftimmcn, fooiel ben I)ier fraglid^en 93eenbigungögrunb betrifft, bic
olbcnb. ®cfe|c o. 2. 9lpril 1879 9lrt. 35 unb ü. 10. Sttpril 1879 Slrt. 52
überein unb a\x6) bie Seftimmungen beö preufe. 31. ii. 91. II, 1 §§ 258,
261- -263 füf)rcn in bcr 2RcI)rjal)l ber gälle praftifd^ im gOSefentUc^cn ju
bemfelbcn 5WcfuItate.
SBäbrcnb nad^ ben angefübrten 93eftimmungen beö preufe. 21. S, 91, bic
ebelid^e ^lufeniefeung unb SBerwaltung burd& bie Gröffnung beö Äonfurfeö über
baö Vermögen beö Gbemanncö an fid& nic^t berührt unb tjon bcm ^onfurö^
Verwalter auögeübt wirb, fo lange nid^t bie Gbefrau nad^ ÜKafegabc bcft
§ 258 II, 1 üon bem Siedete, ba^ eingebrad^te aSermögen äurüdfjuforbcm,
©ebraud^ mad^t, tritt nad& bem Gntwurfe (§ 1327 9lr. 3) in Uebereinftimmung
mit ben olbenb. ©efc^en bie 93eenbigung ber el)etid^en Jlufcniefeung unb aScr*
waltung in bem f)icr fraglid^en galle von SWcd&töwegen ein. Gö bient bicft
}ur SJcreinfa^ung ber äScrbältniffe unb erfpart ber Gl)efrau bie Äoften, roeld^
ein befonbcreö SJcrfafircn über bie Scenbigung ber ef|elid()en Jluftniefeung unb
3Serwaltung auf 9Intrag ber Gbefrau oeranlaffen würbe. 9lürffid&ten praftifd^er
Swccfmäfeigfcit fprcd^cn aber bafür, bie Seenbigung erft mit ber Med&töfraft
SBeenbigung bcr c5cl. 9lu^mc§un0 unb Senraltuiig. § 1 327. 293
beä Sefdfttuffe«, burc^ rocld^en bcr Äonfurö über boö SBcrmögcn bcö 6()emQnncö
eröffnet wirb, eintreten ju laffen. Gö werben babiird^ bic Uebclftänbe imb
Öcfo^ren üermicben, rocld^e [x6) ergeben, wenn bie Seenbigung fd^on an ben
Groffnungöbefd^tufe jelbft gefnüpft, fpäter aber ber Icftterc raieber aufge!)oben
wirb, ainbererfeits fonnen aus ber ^ortbauer ber el)elid^en ^lufeniefeung unb
Smoaltung biö jur Sled^töfraft beö Groffnungöbefd^Iiiffeö, iroßbcm mit ber
erlQjfung beö Icfttercn bie SBßirfungen bes Äonfurfeö eintreten, praftifc^e
S<6n)ierigfcitcn nic^t cntfte^en, ba nad) § 1298 beß Gniro. Derb, mit § 1 9lbf. 1
ber Äonf. D. bie Siedete, TOcIc^e burd^ bie el^elic^e ^luftniefeung an ben jum
ff^ute gc^örenben (Segenftänbcn begrünbct finb, nebft ben auf Orunb- jener
Sollte von bcm ©bemanne nad^ ber ©röffnung beö Äonfurfeö erworbenen
3rii(^ten nic^t jur Äonfurömaffc geprcn.
VI. Ucber bie SBirfungen ber 2^obeöerHärung auf bie el)elirf)e 5Ju^ xobc«*
nic§ung unb SSerroaltung ent[)altcn bie neueren ©efe^gcbungen feine befonberen ^^"*™"<*
Sejlimmungcn.
Jür ben gaU, ba§ bic @l)efrau für tobt erflört ift, liegt baß Sebürfnife
befonbercr öeftimmungeti in ber l)ier fraglichen SRid^tung iebenfallö nid^t t)or.
6ö genügen inforoeit bie aflgemcincn ©runbfäfee, inöbefonberc ber Orunbfag
bcö § 21 9[bf. 1. 3w^if^IÖöft fann ed fein, ob nid^t bie allgemeinen ©runb-
föje and) für ben galt, bafe ber @{)emann für tobt erffärt ift, auöreid^en be«
würben. iDlan fann fic^ bafür auf baö geltenbc 3led)t berufen unb weiter c^'J"^»«««"*»-
gcltenb moc^cn, eß fönne, foüicl ben ©d^u^ gutgläubiger dritter betrifft,
rotli^ fic^ im SSertrauen auf bie burd) bic ^^obeßerflärung bcgrüubcte SJer*
mmbting auf Sted^tögefd^äfte mit ber G^cfrau in Slnfefiung beö Gljcgutcö ein*
gclcfien fjaben, barauf vertraut werben, bafe SBiffeufd^aft unb 5ßraf iö baö bem
§ 2090 }u ®runbe Uegenbe ^^Jrinjip im SBegc ber Slnalogie aucb auf ben
hier fraglichen gall anmcnben roerbe. 3luf ber anbercn ©eite fommt jebod^
in 8ctrad)t, t>a% ben Ijier in 9lebe ftetienben fragen immerl)in eine geroiffe
?raftif(^e 2Bic^tigfeit nid^t absufpred)en ift, bafe ferner bie analoge 2(nn)cnb=
borfeit beö § 2090 auf ben t)ier fraglid^en ^all ftd) bcftreiten täfet, aber aud),
obflcfcl)en baüon, auö bcr SKnmenbung ber allgemeinen (Srunbfä^e über bie
Sirfung bcr S^obcöerflärung üielfad^e SScrroidfelungcn ftd) ergeben, wenn ber
für tobt erflärtc Gl)cmann bemnäd^ft äurüdfelirt ober nad^geroiefen wirb, ba^
er erft nad^ ber 2'obcöcrflärung geftorben ift. S)iefer le^tere ®efic^töpunft
\pt'uifi bafür, fic^ nid^t bloö auf eine 33eftimmung jum Sd^ufee bcö guten
(^loubcnö Xrittcr ju befd^rönfen, meldte nad^ ber 2:obcßerflärung fxd^ mit ber
Sbefrau auf 9led^tögefd^äftc unb 9led)töftreitigfeitcn cingetaffen l)aben, Jonbern
mit bcr ©rtaflung bcö Urtöciteö, burc^ meld)e6 ber ©bemann für tobt crflärt
ifk, bic Sccnbigung bcr c^ctid^cn SJugniefeung unb SJermattung eintreten ju
lüjfcn. Sicfc 9(bmcic^ung t)on bcr SRcgct beö § 21 9lbf. l läfet fic^ aber aud)
prinjipicH ©on bcm ©cfic^töpunfte auö re^tfertigen, ba§ bie el)elid)e 9iufe:j
nicjung unb 93crwaltung ein Äorrelat bcr bem ®l)emanne obliegenben ^flid)ten
bilbet, roclt^c er im galle ber Sßerfc^ollcnficit nid^t erfüllt. 9luf älinlid)en Gr-
wägungen beruht bic Scftimmung bcö § 1328 9tr. 3, ba^ bie G()cfrau bie
lufbcbung ber cbctid^cn 3?u^nic6ung unb aSerroaltung fogar fd)on bann ju
iwrUmgcn berechtigt fein foH, wenn ein Slbroefcnlicitöpflcger für ben Gt^emann
294 Secnbiflung bcr e^cl. SRufemcßung unb SScrtoaltung. § 1327.
bc)Mt unb eine 9luöftd^t auf botbigc 3luf^cbung bcr 5ßPegfd^aft ni^t Dor^anfacn
ift. I)em Sntereffe beß ß^emanneö roirb in Quärcid^enbcm SKafec boburd^
9led()nung getragen, bafe er, roenn er jurüdffel^rt unb bic ®^c nid^t etwa in
anberer 5Krt, fei eö burd^ ®ingcl^ung einer anberen (Sf|e von (Seiten ber (S^cfrau
(§ 1464) ober burd^ ben ^ob ber legieren, aufgelöft ift, nad^ aKofegabe bcr
§§ 1331, 1332 bie 8BieberI)crfteflung ber ef)eHc^en 9lu|niefeung unb aSerroaltung
ju ücrlangen bered^tigt ift. 3luf biefem SGBege wirb baö l^ier in SRcbe fte^cnbe
SBerl^ältnife in einer einfa^en 3lrt unb für bie meiften gäfle ol^ne jebc ^örte
geregelt. 2)icfe 9lrt ber Siegelung bietet inöbefonbcre aud^ ben nid^t ju untere
fd^äfecnben aSortl^eil, bafe für ben ©runbbud^ücrfe^r eine Marc gefeglic^e SBor*
fd^rift geroonnen wirb unb fonft etwa nötl^ig racrbenbe tünftttd^e SSorf^riftcn
ber ©runbbuddorbnung entbe]^rlid[) roerben, burd^ TOcIdie ber ß^efrau grunbbud^
mäßige. SBerfügungen ermöglid^t roerben müßten.
anfec^tuufl ©ine befonbere gefeglid^e (Sntfd^eibung ber groge, roeld^en ®influ§ c8
^«Sutfl.' ö^f ^i^ efielid^e ^ßugniefeung unb SSerroaltung f)at, wenn bie S^obcöerflörung
in golge einer Slnfed^tungfillage aufgehoben roirb, ift bei ber großen ©cltcn^cit
beö galleö nid^t als geboten ju erad^ten, fonbern !ann an bcr §anb bcr
allgemeinen ©runbfäte, inöbefonbere beö § 22, füglid& bcr 3uriäprubcnä über«
laffcn werben.
"e"T^* ®benfon)enig ift ein Sebürfnife oor^anben, ben gaU befonberä ju bcrüct
urfunbe. fiditigen, wenn ber auf ©runb einer falfd^en, b. i). materiell unrid^tigcn
©terbeurfunbc für tobt gel^altenc (Seemann nod^ lebt ober ju einer fpätcren
3cit, als ber angenommenen, ücrftorben ift, ba gällc bcr Slrt feiten jinb.
®ine ©leic^ftellung biefes gaUefi mit bem bcr 2:obcöcrfIärung mürbe aud^
fd^on aus bem (Srunbe m6)i angängig fein, mcU bic Eintragung in baä
©tcrbercgifter bejro. bie aiuöftcHung beS Sterbeattefteö nid)t mit ä^nlid^en
Äautelen umgeben ift, mic bie gerid&tlid^e SCobcäcrKörung im Sntcrcffc beö
aSerfd^oUenen.
Beenbiguna VII. 2)ic S^föffigfcit ciucr 93eenbigung ber el&clid&en Slufeniefeung unb
*^ »ertror SScrroaltuug h\ix6) ©lieocrtrag (§. 1327 9ir. 4) ergiebt fid& aus bem im § 1333
ancrfannten (Srunbfafee bcr aScrtragSfreil&eit ber ©Regatten. 2)ic ©rünbc, aus
meldten ber ©ntmurf oon biefem ©runbfafee aud^ mä^rcnb bcfteljenbcr 6^e
feine 2luSnaf)me mad^t, fxnb in ben aWotiücn ju § 1333 bargelegt, ©in fotd^cr bic
Seenbigung ber c{)clid^en JJugniefeung unb Jierroaltung bcftimmenber ©^cocrtrag
unterliegt ju Ounften ber ©Idubigcr bcs ©l^emannes bcr 3lnfcc^tung nad^ 9Ka§gabc
bes § 25 3lx. 2 bcr Äonf. D. unb bcs § 3 5ßr. 4 bcs SR. ®cf. v. 21. 3uU 1879.
S)ieS gilt nid^t nur in 9lnfel)ung bcr auf ©runb eines fold^cn ©^CDcrtragcö
erfolgten ©rfüUung bericnigen SBcrbinblid^feiten, meldte ber ©Ijemann toegen
bcr c^elid^cn ^Rugniefeung unb SJcrmaltung crft nad^ bcrcn Secnbigung ju er^
füHcn ücrpflid^tct ift (ücrgl. §§ 1294, 1295 nebft aWotiDcn ju § 1295 oben
@. 198), fonbern aud& in 9lnfel)ung bcr auf ®runb beö ©^coertrageS erfolgten
9Jaturalrcftitution beö ®t)egutes roegen ber üon ber ©tjefrau feit bcr 9tü(fgcn)ä^r
aus bem 6l)cgutc bcjogcncn grüd^te.
(jinfeittgcr vill. S)ie Sccnbigung ber el^elidden Slugniefeung unb aSermaltung burd>
öjemonne«! cinfcitigcu SScvjid&t beö ß[)emanneS wirb nad) gemeinem beutfd^cn 9ic(§tc nid^t
' für juläffig gcljalten. 9luf bemfelbcn »oben ftcljt baö fäd&f. ®. 33. § 1686,
3?cenbigun0 ber cjcl. 9flutinic§unö k. auf SJcrIangen bcr (S6cfrau. § 1328. 295
S5ic übrigen neueren ©efefegcbungen, inöbcfonberc aud^ baä preufe. 31. S. SH.,
enthalten in bcr ^ier froglid^en ^inftd^t feine auöbrüdflidden 33eftimmungen
(wrgL jebocö 21. S. fft. n, 1 §§ 208, 251). 3) er ©ntrourf [erliefet fi^ ber 2luf:=
M«n9 i>«ö fä<ä&f. ®. S. ön. 2)ie (Srünbe, auf roeld^en bie Suläffigfeit eines
emfcitigen äerjid^teß auf ben Sliefebraud^ beruht (§§ 1015, 1016), treffen
W ber elieüc^en Slußniefeung unb SSenoaltung nid&t ju, ha bie legtere nid^t
lebiglic^ im cinfeitigen Sntereffe beö @£)cmQnneö, fonbeni im 3ntereffe ber
e^Iid^en ©emeinfc^aft t)on bem Oefegc beftimmt ift, unb batier Qud^ bie
C^frou, namentlid^ roegen ber mit ber ef|elid&en Sluftnie^ung cerbunbenen
Scnoaltungöpflic^t beö 6f)emanncö, ein SRe^t auf bie gortbauer beö burd^ bie
c^elid^e 9lu|nie6ung unb SBerroaltung begrünbeten gegenfeitigen 9lecötdT)erf)äIt^
niffeö \)at gür ben Seemann fann auö ber Unjuläffigfeit eineö einfeitigen
SSerji(|teS, ^ingefe^en auf bie nad^ § 1297 mit ber e^eli^en Stugniefeung unb
Serroaltung für i^n pcrbunbenen Sierpflidbtungen, eine unbillige ^ärte nic^t
entftföen, ba er nad& § 1297 2ftf. 2 bie bafelbft im 3lbf. 1 unter 3lx. 4—6
bejeid^netcn 3^"^"/ ßciftungen unb Äoften nur inforoeit ju tragen I|at, als
bicfelbcn ben SSetrag ber Slufeungen nic^t überfteigen, meldfie er auö bem (Sf|e^
gute gejogcn i)at ober bei beffen orbnungfimä^iger SBerroaltung tjättc jie^en
ßnnen. S)ic Sonfequenj ber 3wlöffw"9 ^^"^S einfeitigen aSerjidited beö ®t}e:=
manneö würbe jubem bal|in führen muffen, bem @f)emanne aud& fd^on bei
Singe^ung ber ®^e bie Sluöfd^liegung ber e^elid^en ^tugniegung unb 93er^
iwltung burd^ einfeitige SBiflenöerflänmg ju geftatten, maö mit bem ®runb*
principe beö ©ntmurfeö, bofe bie Sluöfc^liefeung beö gefcglid^en ©üterftanbeö
einen g^eoertrag erforbert (§ 1333), nid^t im (Sinflange fteljen mürbe.
IX. 3)ic Seftimmung beö 3[bf. 2 red^tfertigt fid) im ^inblidfe auf bie ^lac^roirtung.
bem ©bemanne nad^ § 1317 jugeroiefene Stellung beö SBcrmalterö eineö fremben
Sermögenö burd^ bie Slnalogie ber SSerl^ättniffe.
§ 1328.
1. SSSenn ber (Seemann bie i^m in Sttnfel^ung ber e^elid^en SJuftniefeung »«rieftuna b«
unb aSermaltung obliegcnben SSerpflid^tungen oerle^t l^at unb eine erl^eblid^e manneobüe.
©efä^rbung ber SRed&te ber e^efrau für bie 3ufunft begrünbet ift, fo ^at fx6) l'^^^^J^;
bie Sorauöf egung , unter n)eld[)er i^m baö SSermögen ber ®l)efrau überlaffen
ift, nic^t bewährt. Sein eigencö SSer^alten l^at beroiefen, ba§ baö in i^n gc*
fefle 35crtrauen nid^t begrünbet mar. 2)ie ®f)efrau mufe bal^cr in biejenige
Sage jurüctoerfe^t merben, in metd^er fie fidd befanb, atö fie if)m in ber ge?
bockten SSorauöfeßung ibr SSermogen alö ®^egut überlaffen ^at. 2)icfc lieber-
toffung beruhte jmar nid&t auf SRec^tögefd^äft, fonbern bie c^elid^e Jiufeniefeung
unb Serroaltung trat mit ber ©ö^fc^licfeung fraft beö (Sefcgeö ein; allein bie
gefejlic^c Seftimmung felbft beruht auf jener aSorauöfe|ung (ocrgl. aud^
olbenb. ®cf. v. 24. Slpril 1873 3lrt. 11). 3tt)ar ift nad^ § 1292 oerb. mit
§§ 1005, 1006 bie ß^efrau in gällen ber f)ier fraglid^en 9(rt bered^tigt, von
bem ©bemanne ©id^er^citöleiftung ju ncrlangen ober ju beanfpruc^en, bafe
bem ©bemanne bie Sfuöübung ber ef)etid&en Siufeniegung entjogcn unb für
Äed^nung beö ©^emanneö einem von bem ©erid^te ju beftellenben aScrroalter
296 ^eenbißunö bec ebd. Stu^ntcgunG jc. auf ScrlanQen bei* (gj&efrau. § 1328.
übertragen roerbe. SlDcin ein fold^eö 5Red)t auf ©idjer^citöleiftung, auf loelt^cö
bic ei)efrau na(^ prcufe. 91. £. SR. II, 1 § 255 für ^ällc ber [)lcr in JRebc
ftel)cnbcn 9lrt befd^ränft ift, giebt feine ®cn)ä^r gegen fünftige 33efd^äbigung
beö GI)cguteö, fonbcrn nur für ben ©rfa| bcö baburd^ Deranlafeten ©d^abcnö.
S)er ©tjefrau fann aber nic^t jugemut^et werben, ftd^ mit biefcm ju begnügen
(üergl. and) ®efe|rct)., ^enf. XV §§ 206 ff. nebft 3Jiotit)en ©. 172).
Gbenforoenig fann if)v bie Sltternatiüe jugemutt)ct werben, entmeber bcm (S^e*
manne bie eljeli^e SRu^nicfeung unb 33erroaltung femer ju belaffen, ob^
iüol)l baö perfönlid^e SBertrauen auf eine bem ©efege cntfpred^enbc SluSübung
ber e^elid^en SJugniefeung von Seiten beß G[)emanneö burd& beffen c^anblungdi^
meife jerftört ift, ober bic gcrid^tlidje ©equeftration nad^ SKafegabe bcö § 1006
ju beantragen, roeld^e fie nötfjigt, bie 3luöübung ber cbelid^en Siugniefeung
bur^l eine il)r frembe ^erfon bulben ju muffen. STud^ ber SKuöroeg beö fäc^f.
05. 33. § 1684, loeld&eä ber GI)cfrau, falls ber Gbctnann il)r 58crmögen burdd
unorbentUd^e 2Birtl)fd()aft in (Sefatjr bringt, baö 5Rec^t beilegt, bem dl)cmannc
bie SScrmaltung ju entjieljen, ben 3UePraud^ aber unocränbcrt fortbeftef)en
Icifet, empfiel)It fid^ nid^t, felbft menn man — maö iebenfallö notlimcnbig fein
würbe - - in einem fold^en galle ben 5Hie6braud^ baljin mobifijirt, ba^ ber
Icgtere bcm Göemanne nur einen ainfprud[) auf ben ^Reinertrag beö Gf)egutcö
gcn)ä()rt, ba eine berartige ^Regelung fünftlidje unb ücrroictcUc SScrftältniRc
mit fid^ bringt, xütnn einerfeitö baö SRed^t beö ßl)emanneö nid^t ilfuforifd^,
aubcrcrfeitö ber Gf^efrau bie nöttiige freie SSeroegung in ber SBerwaltung gc«
\ml)xt werben foU. Um fo unbcbenflidder ift cö, ber Gljcfrau unter ben 93or*
auöfefeungen beö § 1328 3Jr. 1 baö SRed|t einjuröumen, bie 9hif Hebung ber
cöelid^en ^Jufeniefeung unb SBcrwdltung ju verlangen, alö bie Gf)cfrau nac^
erfolgter 3lufl)ebung auf Orunb beö § 1330 bcm Gljemanne nacb SDlafegabe
beö § 1339 einen Seitrag jur S3eftreitung ber el)e[id|en Saften ju gcwäljren
üerpflidE)tet ift. 9lud& üom ©tanbpunfte ber ©laubiger beö G[)emanneö auö
fann in ber 93eftimmung beö § 1328 9Jr. 1 feine unbillige, ber S^enbeni beö
§ 25 5Rr. 2 ber Äonf. D. unb beö § 3 3h. 4 beö SRcid^ögcfcleö t)om 21. 3uU
1879 wiberfpredfienbe 33enad()tI)eiUgung berfelben gefunbcn werben.
3ln[angenb bie S^^ffw^Ö ^^^ § 1^28 3tr. 1, fo wirb biefelbc trog be«
©ebrauc^eö beö "ißluraleö „SScrpflid^tungen" feinen 3tt>^ifcl barüber auff.ommcn
laffen, bafe fdjon bic 3ScrIefeung einer ber in SRebe ftel)cnben SBcrpflid^tungcn
unter Umftänben baö SRcd^t ber Gl)efrau, bie 9lufl)cbung ber e^elid^en 'ilup
niefeung unb SSerwaltung ju »erlangen, begrünben fann; anbererfeitö roeifl
ber ^ISlural barauf I)in, bafe jeneö SRed^t ber Gtjcfrau and) burd^ baö 3^-
fammentreffen mef)rerer ^^iflidf)tDerle|ungen begrünbet werben fann, üon benen
— für fid^ allein betrad^tet — feine baö SRec^t ber G^efrau ju begrünben
geeignet fein würbe. 2)urc^ ben 3luöbrudE „verlegt t)at" wirb femer nad^
bem Sprad^gebraud^e beö Gntwurfeö (ocrgf. §§ 56, 710—712, 734—736, 1006)
^um flaren 9luöbrudEe gcbrad^t, i>a% bie ^^Sflid^tüerlefeung auf einem SSerfd^ulben
beö Gt)emanneö berufen mu§.
«ermbflens. 2. Scr Umftaub, bafe ber G^emann fein eigencö 35ermbgen fc^Ied^t Der»
Qfy^mannll woltct obcr iu SJcrmögenöDcrfall gerätfi unb baburd) bic GrfüUung berjenigen
58crbinblid)feiten gegenüber ber G^efrau gefä^rbet, wefd)c er wegen ber eljelid^
Scenbiflung bcr e^cl. Sflut^nidgunö 2c. auf Verlangen bcc SJcfrau. § 1328. 297
^lulnicfeung unb aSerioaltung erft nad^ bcren Seenbigung ju erfüllen ijer-
pflichtet ift (§§ 1294, 1295), foU ebenforoenig, wie ein ditd)i ber ®I)efrau
ouf Si^er^eitöleiftung (§ 1295), ein SRed^t berfelben auf Sluf^ebung ber
c^elid^n 9lu|nie6ung unb 3Sem)aItung begrünben. SBenngleid^, l)ingefel^en.
lebiglic^ auf baß 3Sert|äItnife bcr ©Regatten unter einanber,.S3iIIigfeitsgrünbc
büfür fprcd^en, ber ß^efrau ein fold^eö Siedet beijulegen (üergl. olbenb.
®cf. 0. 24. april 1873 ärt. 11; au^ prcufe. 91. 2. SR. II, 1 § 255), fo
würbe bod^ eine fold^e 93eftimmung t)om Stonbpunfte beö Sntercffeö ber
Gläubiger bcö ©Ijemanneö aud mit ber ^enbcnj beö § 25 Sir. 2 bcr Stont D.
unb beö § 3 3tr. 4 beä dt. (Sef. ü. 21. 3uli 1879 unücreinbar fein unb ber
C^frau auf inbirettem SBege tJ^atfäd^lid^ ein SSorred^t geben, roeld^eö iljr von
bnr Äonf. C. red^tlid^ ücrfagt ift. 5Äuf benfelben ©rroägungcn beruljt bic 33e*
ftimmung beö § 1295, ba§ in ben bort bejeid^neten gälten bie 6f)efrau oud)
bann fein SRec^t auf Sid^crfieitölciftung Ijaben foU, wenn bie SSorauöfegungen
beß § 1020 vorliegen.
3. 25ic Seftimmung beö § 1328 3ir. 2 rcd^tfertigt fid) burd^ bcn StoccE ^Jeiie^ung bei-
ber c^clid^cn Siu^niefeung unb aSerroaltung, bem ©bemanne auö beni 33ennögen eöemTnne
ber G^efrau einen Seitrag jur Seftreitung ber e[)elid)en Saften 5U geioä^ren. Jj^jX^g"
2)ic natürlid^e 2luffaffung biefed SSerljältniffeö fül)rt baf)in, ben S^m^ ber pfitc^t.
UcbcrloRung beö G^egutes an ben ©l^emann mit biefer Uebcvlaffung in bcr
Slrt in 33erbinbung ju fegen, ba%, menn ber 3^^* ^i^t erreid^t roirb, aud^
bic Ucberlaffung beö ©^eguteö mcgfällt. ©ö roürbe unbiUig fein, bie ©t)cfrau,
roenn ber ©bemann iljr unb ha\ gemeinfd^aftlid^en Slbtömmlingcn ben er?
forberli^en Unterhalt ni^t gcmäl}rt unb eine crl^cblidde ©efä^rbung beö 9ied)teö
ber ©^efrau ober ber 3Ibfömmlinge auf @en)ät)rung beö Unter^alteö für bie
3ufunft ju beforgcn ift, barauf ju ücrrocifcn, bafe fic bcäro. bie 9lbfömm(ingc
gegen ben ©bemann auf @en)ät)ning beö Unteröalteö flagcn fönnen, obwohl
iftr eigenes in ber ^anb beö ©^emanncö befinblidfic SSermögen il^r bie 35tittcl
JU biefem Unterhalte o^nc Sdöroierigfeiten bieten mürbe. S)ie ©f)cfrau mürbe,
icenn fie einen fold^cn galt oorauögefel)en l)ätte, fifl^ burc^ oertragömäfeige
8uöf(^üc6ting ber el)elid^en Slugniefeung unb SSerroaltung bagegen gefiltert
büben. 2Iuf benfelben Stanbpunft mufe fid^ baö Oefcg ftellen unb bie ©r?
füllung ber bem ©{)emanne oblicgenben 5Berpftid^tung jur (Scmäl^rung beö
Unter^altcö an bie ©^cfrau unb bie gemcinfc^aftUdEien 3lbfömmlinge unter
gcwiffen ©nfd&ränfungen atö 3Sorauöfegung beö gortbeftanbeö feincö 5Rcd()teö
bc^nbefn. SDerfelbe Oebanfc liegt bem preufe. 31. S. SR. II, 1 §§ 256, 258
}u Orunbc (üergl. ©ntfd^. b. SR. @. in ©iüilf. I, 55, Urt^. b. SR. ©.--bei
®ru*ot XXX e. 969 ff.). 2Bä{)renb iebod) ba^ preufe. 91. 2. SR. baö SRcd^t ber
S^frou, i^r ©ingebrad^teö jurüdiuforbern, Don ber 2;^atfad^e abhängig mad)t,
boB ber ©bemann feiner SBerbinblid^feit, ber ©^efrau unb ben mit i^r erjeugten
Äinbem ben nad^ 33erl)öltnife itjreö Stanbeö notl^igen Untcrfialt ju gcroäliren,
ni<^ me^r ju erfüllen ücrmögcnb ift, fnüpft ber ©ntmurf ba^ SRed^t bcr ©£)e?
fwu, bie äuf^ebung ber e^elid^en ^lugniefeung unb SSermaltung ju Dcrlangcn,
an bic SSorotiöfeftung, bafe ber Seemann bie 93erpftid^tung, ber Gl)efrau unb
ben gcmcinfd^aftlid^en 9lbfömmlingen ben Untertjalt ju geroäljren (§§ 1280,
1481, 1482), perlest l|at unb eine erl^ebtid^ ®efät|rbung beö SRcdE)teö bcr ©f)e*=
298 93ecnbiGnnö bcr eW- SKu^nicgunö 2C. auf Serlangcn ber S^^fw". § 1328.
fi-au ober bcr Slbfömmlingc auf ©eroä^rung bed Untcrl^afteö für bic 3^h**ift
ju bcforgcn ift. 2)a na6) bcn §§ 1280, 1482 lüeber bic ©Ijcfrau mä) bie Slfr»
fömmlinge ein unbebingtcä SRed^t auf ®cn)äl^rung bcö ftanbcömöfeigen Untere
l^alteß gegenüber bcm ®f|cmanne l^abcn, fo fann bcr gortbcftanb bcö el^emänn^
lid&cn 9tcc^teö nid^t batjon abfjängig gcmad^t werben, bofe ber ®f|emann il^ncn
ftanbesmä§igcn Unterl^alt ju geroäl^rcn Dcrmögenb ift. ®aö Oegent^cU toürbc
bal^in füliren, bafe bic ©fjcfrau bie SKuf^cbung bcr efjclid^cn Slugniefeung
unb SScrroaltung aud^ bann TOürbe verlangen fonncn, wenn bie SKittel bcö
®l)cmanncä einfddliefelidö bcö ©rtragcö ber c^clid^cn Slugniefeung o^nc fein
aSerfc^ulben nid^t auöreidien, ber ©ticfrau unb bcn SJlbfommlingcn ben
ftanbcömäfeigen Unterl^alt ju gcroäl)rcn. 2)ieä würbe nid^t nur eine um
gereddtfertigte §ärte gegen bcn ®f)cmann fein, fonbern oud^ bcr ©ftefrau
nid)tö nügen, ba fie bei bem üorauögcfcgtcn Unt)crmögcn nun il^rerfeitö ocr*
pflidjtet fein würbe, ben gonjen ©rtrag bcr c^clic^cn Shitnicfeung ju ibrem,
il)reö ®{)cmanncö unb bcr 2lbfommlinge Untcrl)alt ju Dcrroenben (§§ 1281,
1485). 3lnbcrcrfcits barf aber bcr @f|efrau, auc^ xotnn ber Seemann ihr unb
bcn 3lbfommIingen ftanbcömäfeigcn Untcrl)alt ju gcroäl^rcn ücrmogcnb ift, bad
Siedet, bie äluffjcbung bcr c^elid^en Siufeniefeung unb Sßcrroaltung ju Dcrlangen,
aus ben oben l^cröorgctiobenen ©cfid^töpunftcn nic^t Dcrfagt werben, wenn bic
SJorauöfcfeungen bcö § 1328 9lr. 2 Dortiegen. SKad^t man mit bcm ©ntwurfc
ba^ dic6)t ber ®^efrau, bie 2luf^cbung bcr e^elid^en 3lugniefeung unb SSer*
waltung ju verlangen, batJon abtjängig, baß ber ®f|cmann bic gegenüber bcr
6f)efrau unb bcn gemeinfd&aftlid^en aibfommlingen ii)m oblicgcnbe Untcr^altfi^
pflid^t in bem Umfange, wie fie ifjm nad^ bcn allgemeinen ©runbfägcn obliegt,
nid^t erfüllt, fo. bebarf es in einer Sejic^ung für bcn f)ier in SRcbc ftc^enben
gall einer aWobififation bcr Untcr^altöpffid^t. 9iad6 bcn §§ 1280, 1482 liegt
eine SScrlcgung bcr bcm ©ficmannc oblicgcnbcn Untcrfialtöpflic^t infoweit
nic^t üor, ate er wegen Unoermögenö ben Untcrljatt übcrl)aupt ober bod^ bcn
ftanbcögcmöfeen Untcrfialt ju gcmäfircn nid^t im Staube ift, unb jwar au^
bann nirf)t, wenn bcr ©rtrag bcr cl^clidEicn 5Rufenicfeung an fid^ jur ©cwä^rung
icneö Unterf)altcd genügen würbe, ber ©bemann ober, tnbem er bcn ®rtrag
in anbcrcr SBcifc für ^lö) oerwenbet, burd& .eigene ©d&ulb fid^ au^cr ©tanb
gefegt f)at, bcn Unterhalt jU gcwäl)rcn, ober fo Diele Sd^utben gemad^t fyit,
bafe nadfi 9lbjug bcrfclbcn jur ®ewäf)rung bcö Unterhaltes nid^tö übrig bleibt,
3war giebt il^m bcr § 1299 baß SRcd^t, ber 5ßfänbung ber auf ©runb ber el^c*
lid^en Shignicfeung Don il^m erworbenen grüd^te dou ©citen feiner (Stäubiger
JU wiberfprcd^cn, unb bamit bic Üßöglid^feit, jene grüc^te für bcn Unterhalt
bcr Gfjcfrau unb ber älbfömmlingc ju Dcrwcnbcn. 9lud) bcr 6I|cfrau felbft
ftcf)t nadEi § 1299 icneö SBibcrfprud^öred^t ju ; allein eine rct^tlid^c 33erpflid&tung
gegenüber bcr 6t)cfrau, bic, wenn aurf) tjon ber 5ßfänbung befreiten, grüd^te
bcr cl^clidöcn JJugniefeung für icncn Untcrfialt ju ocrwcnbcn, befte^t für ben
®l)emann nid&t, unb bei S3curtf)cilung bcr S^age, ob unb in weld^em Umfange
er jur (9ewäl)rung bcö ftanbcömäßigcn Unterfjalteö ocrpflid^tet ift, fonn er
nad) bcn §§ 1280, 1482 bic Scrüdffid)tigung feiner Sd^ulbcn oerlangen. 3ladt
bcm ^rocdc bcr cl)clid^cn SJuftniefjung mu^ aber bafür geforgt werben, baß
bcr Gljcfrau bic SScrwcnbung bcö bei orbnungömäfeigcr SBcrwaltung unb
Secnbtgunß bcr efecl. 9lu^nic§ung 2C. auf SScrlangcn bcr (Sfeefrau. § 1328 299
?lu|fung beö ß^cgutcö \iä) crgebenbcn SReincrtrageS ber c^clid)en Siufeiücfeung
ju i^rem eigenen Unter^oltc, foroie jum Unterhalte ifireö ©fjemanneö unb ber
gemeinftloftlid&en 3lbfömmlingc geftd^ert wirb. 2)icö gefd^iel)t aber in an--
gemeffener SBeife burd^ bie Sufafebeftimmung im § 1328 3lr. 2, ba^ bei ber
Seurt^eilung, ob unb inroieroeit ber @{)emann jur ©eroäfirung beö Unterhaltes
im Stanbe ift, iener ^Reinertrag alö ein jur (SrfüUung anberroeiter 3Ser?
pffi^tungen beö ß^emanneö nid&t ju oerroenbenbeß ©infommen beö legtercu
angcfe^en wirb. S)arauö ergiebt fid^, bafe, fonjeit jener Sleincrtrag reid^t,
feine Unter^altöpflid&t gegenüber ber @^efrau unb ben 9lbf5mmlingen nad)
KüBgabc ber §§ 1280, 1482, 1483 in ber ^ier fraglichen Sejieliung alö
begrünbct gilt unb er biefe Unter^altöpflid|t im ©innc beö § 1328 9ir. 2
gegenüber ber ß^cfrau üerle^t, roenn er i{)r unb ben 9(bfömmlingen a\i^ bem
Äeinerlroge bcr e^elid^en ^lugniefeung ben Unterfialt nac^ 9)?a6gabe jener 93e^
fhmmungen fd^ulbDoDer SBeife nid^t geroäfjrt. 2Bie im gaUe beö § 1328
Sr. 1, fann aud^ in bem f)icr fraglid^en galle in bem Siebte ber ßfiefran,
unter ben 33orauöfefeungen beö § 1328 9Jr. 2 bie 3luff)ebung ber efjeli.d^en
?lujnie§ung unb 3[}erroaltung ju verlangen, eine unbillige, mit ber 2^enbenj
beö § 25 9ir. 2 ber Äonf. D. unb beö § 3 9ir. 4 beö SR. ®ef. ü. 21. Suli
1879 im aBiberfprud^e fte^enbe Seuac^tfieiligung ber ©täubiger beö ß^emanneö
ni(|t gefunben werben. 3m SBefentlid^en auf bemfelben ©tanbpunfte, wie ber
(Sntrourf, fte^t bao olbenb. ®ef. ü. 24. Slpril 1873 3lrt. 11, roelc^eö baö liier
in Sebe ftel^cnbc SRed^t ber (Sl)efrau baoon obl|ängig mad^t, bafe ber ®t|emann
bie Scftrcitung ber eljclicjcn Saften oernadfjläfftgt. 2)arin meid&t jebod) ber
6ntnmrf, loic im galle beö § 1328 9ir. 1, fo aud^ ^ier üon bem olbenb. (Sefe^c
ßb, ba§ er eö nic^t bem ©rmeflen beö ©erid^teö überläBt, ob ftatt ber 9luf^
Wung bcr e^elid^en Jlu^niefeung unb aienoaltung im einjelnen galle eine
weniger cinfd^ncibenbe ©idöcrt)eitöma§regel ergriffen werben foU. ©rfolgt auf
Serlangen bcr (S^efrau bie 9luft)ebung ber etjelid&en ^Rufeniefeung unb SSer^
Bwltung, fo ift fie nac^ § 1330 aud^ in biefem galle bem ®l)emanne einen
angemeffcnen Seitrag jur 2:ragung ber e^elid^en Saften m6) ÜJlafegabe beö
§ 1339, iebo(§ mit ber auö § 1339 2lbf. 4 fid^ ergebenben SRobififation, ju
kiften ocrppic^tet
4. 3Bie in ben aRotioen ju § 1326 bereitö ^eroorgeljoben mürbe, nimmt abroefen^eitä:
bie gemeinrcd^tlic^e 5ßrof iö an, bafe baö e^emännlid^e SRed^t mit bem 3eitpunfte SünU
ouf^ort, in mcld^cm ber ©bemann burd^ 3lbmefenl)eit ober burd^ ©ntmünbigung j;!"^^^^®"'^^'^
wegen ©eiftcöfranf^eit ober Sßerfc^roenbung unfäl)ig geroorbcn ift, feine SRed&te c^cmaime«.
in Snfe^ung beö ©l^eguteö auöjuüben. SKuf bemfelben S3oben fte^t aud^ baö
olbenb. ®cf. o. 24. 3(pril 1873 STrt. 12 für fold^e gälte, in meieren über bie
?erfon beö ©Ijemonneö eine Äuratcl perliängt mirb. Slufeerbcm fönnen nad)
äirt 11 jencö ©efefteö, menn eine längere 2lbn)efenl)eit beö ®l)emanneö eö
nfotbcrlid^ erf(^cinen läfet, auf 9tntrag ber ©liefrau gerid^tlidje IRa^regeln
jur Sic^erftellung beö cingebrad^ten SBermogenö ober ber SSermenbung ber 9luf^
fünfte beöfclbcn für bie ct)elid^en Saften angeorbnet unb nott)igenfanö ju biefem
öe^ufe bem ©f)cmanne bie SRed^te am SSermögen ber Gf)efrau entjogen merben.
Sog^en finb nac^ bem fäd^f. ®. 93. (oergl. §§ 1642, 1927) unb bem preuft.
S. S. 91. jene Umftanbe auf ben gortbeftanb ber eljclid^en Siu^niefeung unb
300 Secnbiöuno bcr cl)cl. ?ftutmie6ung k. auf aSerlangcn bcr (SJefrau. § 1328.
SSertüQltung of)nc ©inftufe. 2)cr Gntiüurf fd^Iiefet fid^ bem ©cbonfen bcö ge*
meinen 5Reci^teS unb bcö olbcnb. ©cfe^cs im ^ßrinjipc an (§ 1328 91r. 3, 4).
3n ber 5ßerfönlid^fcit beö Gficmanneö unb bem perfönlic^en SBerl^ältnine bcr
(g^cgottcn liegt ber entfd^eibenbe ®runb, aus roeld^cm baö 33crmogcn bcr &)e^
frau bem 6l)emanne jur 9hi6ting unb Sßerroaltung übertoffen wirb. 3ft bcr
©t)cmann nid^t mef)r im Stanbc, bie SßermögcnSocrroaltung ju fülircn, fo
fällt bie SBorauöfe^ung meg, oon meld^cr baä ©efefe, entfprcd^enb bem ücr?
mutl^Iid^en Sißillen ber (Sliefrau unb bem perfönlid^en SSer^ältniffc unter- facn
Gt)egatten, bei ber Siegelung bed el^clid^en ©üterrec^teö ausging. 25er ß^cfröu
fann nid^t 5ugemutl)et werben, ftatt bes G^emanneS felbft fidd beffen gefeglid^cn
S3ertreter als 93erroalter i^res 93ermögenö gegen i{)ren SBiUen aufnot^igen ju
(offen; fic mufe baljcr in fotd^en gättcn bcrcd^tigt fein, bie äuf^ebung bcr
eljclid^en 9Ju|nie^ung unb SSerroaltung ju oerfangen. ®ie 93eenbigung bcr
et)e{icl)en Stu^niefeung unb 33enpaltung unter ben SSorauSfeftungen beS § 1328
9Jr. 3, 4 fvaft bes ©cfeßeö eintreten ju laffen, empfiefilt fid^ m6)t, ba, ob^
gefeben bat)on, bafe bie 33orauäfe|ungen im gaHe beö § 1328 3lx, 3 mc^r
ober weniger unbeftimmt finb, bie 33erl)ältnific fo liegen fonnen, bafe bie 9Iufs
fjebung ber el)elid[)en Siu^niefeung unb SJerroaltung unb bie boburd^ notJ^mcnbig
merbenbe üermögensrcd()tlidi)e 9luSeinanberfe^ung unter ben G^egatten bem
SBillen ber Gliefrau nid^t entfprid^t, namentli^ wenn fie felbft jum äJormunbc
ober 9lbn)efenf)eitöpfleger bes Gf)emanneS befteflt ift (§ 1729 9lbf. 4, § 1743).
3in ein5clnen gällen fonn bie 9luf^ebung ber cbelid^en Slu^nie^ung unb SScr^
waltung unter ben SJorauöfe^ungen bes § 1328 3lv: 3, 4 allerbings eine ^ärte
gegen ben G^emann enthalten. Gntfd^eibenbeS Oeroid^t fann barauf inbcffcn
nid^t gelegt werben, wenn man ben ®runb unb S^J^öE ber ef)elid&cn 3lnp
niefeung unb SJerwaltung ins 3lugc fafet, weld^e nid)t lebiglid^ bem einfeitigcn
Sntereffe bes G^emanneS, fonbern bem Sntereffe ber et)elid&en ©emeinfd^aft ju
bienen beftimmt ift. Gine unbillige S3enad^tl)eiligung bes Gl)emanneS wirb
l)ier, wie in ben anberen Rollen beS § 1327 9^r. 2—4, babiird^ üermieben, ba§
bie Gl)efrau einen angemeffenen Seitrag jur S3eftreitung ber eljelid^en Saften
bem G^emonne ju leiften Derpflid^tet ift (§§ 1330, 1339) unb ber Gl^emann
unter ben SSorausfe^ungen bes g 1331 bie 2Bieberl)erftellung ber c^eüd^cn
S^u^niefeung unb SSerwoltung oerlangen fonn. 9(ud^ gegenüber ben ©laubigem
bes Gl)emonncs enthält bos dk^i ber Gl)efrou, in ben göUen beS § 1328
9Jr. 3, 4 bie 9lufl)ebung ber elielid^cn SJu^niefeung unb SSerwoltung oerlongcn
JU fönnen, l)ier fo wenig, wie in ben gällen bes § 1328 9lr. 1, 2, eine Um
billigfeit.
25ie ratio ber Seftimmung bes § 1328 9ir. 3 fd^eint ba\)\n ju führen,
ber G^efrou bos Siedet, bie 9luf()ebung ber e^elid^en ^lugniefeung unb ^tr^
woltung JU üerlongen, oud^ bann beijulegen, romn bcr G^emann feit längerer
3eit obwefenb ift, bie SSorouSfegungen einer 9lbwefenl)eitspflegfd6aft ober bcö«
l^olb nid^t uorliegen, weil er jur Sieforgung feiner SJermögensangelegen^eitcn,
unb insbefonbere jur 9lusübung ber elieli^cn ^^ugniefeung unb SSerwoltung,
einen Seoollmäd^tigten beftellt ^ot (§ 1740). Gine fold^e 9luSbe^nung bcß
l-Xed^tes ber G^efrou würbe jebod^ in üielen gällen eine unbillige ^firtc gegen
btn G^emann fein. Sie Seftimmung beS § 1328 3ir. 3 in ber i^r gegebenen
SSccnbißung bcr c^cl. SKu^nicBuno 2C. auf aScrlanßcn bcr ©ßefraii. § 1328. 301
Segrenjung ift um bcöroiDen weit roeniger gefätjrlid) für bcn (5l)emann, rocK
bie SSorauöfefungen bcrfclbcu, nomUciö bic 9lnorbnung einer generellen, bas
ganje XJermogcn bcö G^cmanneö bctrcffcnben 2lbn)efenl^citdpflegfd)aft unb bic
8uöft(^tStofigfcit einer bolbigen 3lüdE?et)r bcä 6{)emanncö, regelmäßig nur
bann üorlicgcn merbcn, xotnn ber (entere perfd)oUcn ift. 6in 3Jebürfni§, bie
3lr. 1 bed § 1328 in bcr angegebenen SBeife ju ermeitern, liegt um fo weniger
vox, als, TOenn bcr ßfiemann in gofge längerer 2l6n)efenl|eil fd^ulb^aftcr aSeife
bic in 9Jr. 3 bcö § 1328 bejcid^nctcn, i^m oblicgenben SSerpftid^tungen Derlc^t,
bie g^efrau ouf ©runb beö § 1328 9Jr. 1 bie Sluf^ebung ber cl)elid)cn ^hiß-
niefeung unb 'Sermottung uerlangen, bicfelbe geeignetenfalld oud^ Sd^eibung
loegcn böslicher 5Ser(aJfung (§ 1443) beantragen fann.
2)a§ ber G^efrau baö SRec^t, bie 3luf{)ebung ber efiefid^cn 9iu|nie6ung
unb SJcnoaltung ju perfongen, nic^t aud) in bem gallc beigelegt ift, in roeld^em
auf (Srunb bcö § 1737 eine norfäufige i^ormunbfd^aft über ben ©bemann an*
georbnet roorbcn, entfpridjt bem prooiforifc^en Äarafter biefer 33ormunbfd}aft.
ßbenfo fanu eö ate angemcffen nid|t eradjtet roerben, in benjenigen gälten ber
e^cfrau ein fold^eö SRedbt einjuräumen, in meldten ber ©tiemann auf ©runb
bcö § 1739 einen 5ßfleger erl)atten f)ai, ha eine fold)e ^flegfd^aft l;äufig nur
einen oorübergel^enben Äarafter f)at unb jubem von bem SSormunbfd^aftS^
geriefte roicbcr aufjubeben ift, wenn ber ^ftegebefol)lene eö beantragt (§ 1748
äbf. 2 Safe 3).
Sniongenb bic Sdilufebeftimmung in ber 9ir. 4 beö § 1328, fo bejTOccft jinfe^tuixß
biqelbc, bic ^örten unb Unsuträgtic^fciten t^unlid^ft ju ücrmeiben, meldte fid) „^Jj^tifllmö«.
im^inbticfc auf bicSeftimmungen bcö § 1331 ergeben, wenn ber (Sntmünbigungö- tcwum-
bef(fflu|, weiter nad^ ben §§ 603, 623 ber 6. % C. bereitö mit ber ^JKit*
t^eilung an bic SSormunbfc^aftöbcl^örbe, bejro. mit ber S^ftellung an ben
Gntmünbigten in SBirffamfeit tritt, im SBege ber 3lnfed)tungöflage aufgehoben
mrb, nac^bcm auf ©runb jcneö 93efd^lu5feö bic 3luf^ebung ber e^elid^en 3lup
nie§ung unb «crmaltung erfolgt ift (§§ 613, 624 ber ß. % D.). 2)ie SSorf^rift
bcö § 139 bcr 6. ?ß. D. rcid^t, abgefe^cn baoon, bag bie ^ilnmcnbbarteit ber*
fetten auf ben porliegenben gaU in gmeifcl gejogen rocrben fann, um bcämillcn
nic^t auö, meil bicfelbe nur beftimmt, ba§ unter ben SSorauöfefeungen bcö
§ 139 baö ©erid^t bie Sluöfcfeimg anorbnen fann. 9ln fid) fd)eint cö allerbingö
bie einfad^ftc Söfung bcr fid^ barbietenben ©d^roierigfeiten ju fein, wenn bcr
C^frou baö SRcc^t, bic 9luf^cbung bcr c^clidien ^hifeniefeung unb SSermattung
ttuf ©runb bcr ©ntmünbigung beö ß^cmanncö ju verlangen, erft bann gegeben
müri)e, TOcnn bic grift jur SKnfcd^tung beö Gntmünbigungöbefd^luffeö im SBcgc
ber anfed^tungöftogc (§§ 605, 624 ber 6. ^. D.) unbenufet abgelaufen ober
bic erhobene 2tnfcd&tungöflagc rcd&töfräftig abgeroiefen ift. 2)ic Cinfd^lagung
bicfcö 35Bcgeö ift icbod& bcbcnflid^, mcil baburd^ baö in SRcbc ftctjcnbe Siedet ber
(^cfrou für ben gaU bcr ©ntmünbigung beö ©^emanncö rocgen ©ciftcöfranfl)eit
im ^inbüdc auf bic Seftimmung beö § 605 bcr ß. % D., bafe in biefem J^altc
We grift jur (Sr^ebung bcr Slnfcd^tungöflagc für ben ©ntmünbigten erft mit
bem a^age beginnt, an rocld^em er von ber ©ntmünbigung Äenntniß erlangt
bat, ouf ungcmiffe 3fit ^inauögcfd^obcn mirb, unb mcil eö mit ber S^cnbcnj
iener ©eftimmung, ben ©ntmünbigten gegen bic an?> ber 3Kittl^cilung bcö
302 ffieenb. bcr eM. S^ufinlcfeunö 2C. 5Rüdfflctt5a6r. iTrennunG b. ®ütcr. §§1329,1330.
Gntmünbigungöbcfd^Iuffcd an i^n feinem ©ciftcöjuftanbe brol^cnben ©cfa^ren
ju fd^ü|en, nid^t im ®inflange [teilen roürbe, bie (Sl^efrau, um bcn Slblouf bcr
grift fjcrbcijufüljren unb baburd^ boS SRed^t auf 9luff)cbung bcr e^clid^en ^luft^
tiie^ung unb SSerrooItung ju erlangen, bal)in ju brängen, ben cntmünbigten
Gf)emann oon ber erfolgten ©ntmünbigung in Slenntnife 5u fegen.
Äonftitutiwer 5. ^laä) § 1327 31y. 2 tritt in ben fällen beö § 1328, wenn nicbt ber
urt^lue«!^* ß^emann bem bered^tigten SUerlangen ber ©f)efrau baburd^ entfpri^t, bafe er
mit ber (S^efrau einen bie 3luf^ebung ber el^elid^en ^lufeniefeung unb SJep
roaltung beftimmenben 6[)et)ertrag fd^tiefet, bie Seenbigung ber elielic^cn ^luj-
nie§ung unb SSerroattung mit ber Sied&töfraft beö Urt^eifeö ein, burd^ mcldbeö
bie SÄufbebung beftimmt mirb. 2)aö Urtl^cil bat in biefcn '^&]ic\\ anöna^mö«
meife einen fonftitutioen Äarafter. 2)iefc 9lrt ber SRegelung mürbe im ^in--
blicfe auf bcn § 779 3lbf. 1 ber (£. % D. an fid^ nidf)t unbebingt nottiig fein,
fofern man nur in bcn ?^ällen beö § 1328 ber ©^efrau einen 9lnfpru^ auf
9lufbebung bcr cficlid^en 5lugnie§ung unb 3?ern)a[tung im SBege cineö ©^e*
ücrtragcö geben mürbe. ,3nbeffen ift bcr von bem ©ntmurfc cingcfcblagcne
Sßeg nid^t allein einfad^er, fonbcrn im .^inblidfc auf bie 9lnatogie bed
Sd)eibungöurtbeite§ aud) als angemcffencr ju crad)tcn.
§ 1329.
^fitpimft für S)ic einen pofitiücn Maraftcr an fid^ tragenbc, bas obligatorifd^e Ser-
gcwä?r«n*0 bältui^ uutcr bcu ©begatten betreffenbe Seftimmtmg beö § 1329 besmecft, bie
bc« e^cgutcö. gfjefrau gegen böfen SBillen beö @l)cmanncö unb gegen bie 9Zad&t^eile ju
fdf)ügcn, meldte xf)x auö ber SScrjögcrung brof)cn, wenn ber (Stiemann fidft in
bcn fällen beö § 1328 bcr Dcrtragömäfeigen 3lufbebung bcr ebelid^cn 3lu6*
niegung unb SScrmaltung miberfcgt unb baburd^ bie (S()efrau notbigt/ ihren
bcred()tigten 9Infpru(^ im SBcgc ber AUagc burd&jufegcn.
§ 1330.
b^2*'nn"n ^^^ Sccnbiguug ber ebetid^en ^Jinfeniegung unb SSermaltung in ben
ber 0üte"r"" S^Uci^ ^^ö § 1327 3lx,2—^ bat uotbmcnbig jur golgc, ba^ für bie S^lfw^f*
unter ben ©fiegatten !Ircnnung bcr Öüter eintritt, fofern nid^t burc^ 6b^
ucrtrag ctroaö 3lnbereä beftimmt ift. 2)a6 für biefcn Giütcrftanb bie SJor-
fdjriften ber §§ 1339, 1340 mafegebenb fein unb aud^ bie SBeftimmungen ber
§§ 1336, 1337 entfpred^enbe 9lnmcnbung finben foHcn (oergl. in biefer ^infid^t,
fooicl bcn gaU bes § 1327 9ir. 4 betrifft, bie aJlotioc ju § 1436), red^tfertigt
ficj burd^ bie 9lnatogie ber SScrbältniffe. 3)urdE| bie Slnroenbbarfeit beö § 1339
inöbefonbere merben bie .gärten gemitbert, meldte unter Umftänbcn bie 9luf*
tiebung ber cbelic^en Siufeniegung unb SSerroaltung in ben gäUen beö § 1327
3lr. 2—4 mit fid^ bringen fann. ©in »ebürfnife, für bie gäflc beö § 1327
9Jr. 3, 4 Don ber in ben §§ 1336, 1337 gebadeten aSeröffenttid^ung beö (Sim
tritteö ber (Gütertrennung mit 3iücffid&t barauf abjufef)en, bafe bie öffent(i(|c
33efanntmad^ung ber Jlonfuröeröffnung bejm. bie ber S^obeöerttärung oorauö*
ge^enben öffentlid^en 9lufrufe einen ^inreid&enben (Srfag für jene aSeroffent-
lic^ung bieten, liegt nid^t oor.
»eenbifluno b. cK Sfluftmcgung :c. SBieberJöecfteUuno. §§ 1331, 1332. 303
§ 1331.
S)ad bcm ß^cmonnc im § 1331 9lbf. 1 beigelegte ditd^i, unter beu bort ©icber^er-
bqeic^neten Sßorouöfefeungen bic SBieberlierftenung ber el}elid)cn ^lufenicfeungeJeUd^eSiRui.
unb SSerroaltung ju Dertongen, red^tfertigt fid& burd^ bie ©rroägung, bofe unter Jj^JjJJfjy""*"
jenen SSorauöfegungen bie ©rünbc für bie 9tuff)ebung ber e^elid^en SJu^niefeung
unb Senoaltung für bic 3wfunft oollftonbig roeggcfaflen fmb, bie e]^eUd)c
JJnJniefeung unb Sßcrroaltung ober t)om ©tanbpunKe beS ®efe§eä ax\^ bic bem
cbcü(!^cn Sßerftältnifie am meiftcn cntfpred^enbe Ocftaltung beö e^cüd^en (Süter^
rct^tc« ift. 3)urd^ bie 2lnerfcnnung jeneä 9tec&tcd beö ©fiemanneö werben
Duftcrbent bie gärten, n)eld)e unter Umftänben mit ber 9lufl)cbung ber efielid^en
3hi|nicBung unb SBerroaltung in ben goUen beä § 1328 3lx. 3, 4 oerbunbcn
fein fönnen, n)efentlic& gemilbert (oergl. aud) olbenb. ®ef. o. 24. 3lpril 1873
Srt. 11 § 2, 3Irt. 12). 2)ie Sefugnife, bie gDSiebertjerfteUung ber efjelic^en
9}u|niefeung unb SSerroaltung ju verlangen, bem ®I)emanne auä) no6) in
anbeten %aUtn, etwa im gaUc bcs § 1327 9k. 3 bann einjuröumen, menn er
naä^ Secnbigung beö Äonfuröoerfaljrcnö roicbcr ju beffcren SSermögenöumftänben
gelangt ift (oergf. preufe. 31. S. SR. II, 1 §§ 264, 265), ift bagegen als bebend
li4 erad^tct, ha fid^ in biefen anberen gällcn nid^t mit Sid^erl^cit fcftftellen
läßt, ob bie ©rünbc ber 2tuf^ebung ber et)elic^en 9lu|nie6ung unb SJerrooItung
in ber X\)ai oollftänbig meggefoUcn finb.
3)oö 9Hed|t bcß ®I)emanneß auf SBieberfierftellung ber el)clid)cn 9hi6- *"^*"«r»i'fTip.
nie^ung unb SSerroaltung an eine ^räflufiofrift ju binben, um bie ©cftaltung
beö flüterrcd^tüd^cn SBer^ältniffeö nid^t auf unbeftimmte ^dt üon ber ÜBillfür
be« g^emonneö abhängig ju mad^en, empfiehlt fid^ nid|t. ©ine fold^c ^räffufin^
frift t)ertragt fic^ nid^t mit bem ©eftd^töpunfte, ba^ baö l^ier fraglid)e 9{ed^t
beö ß^emanncö bem (Srunbgebanfen beö gefe^Iid^en e^elid)en Oütcrredjteö ent^^
fpricjt; biefetbe ift auc^ burd^ ein praftifd^cö Sebürfni^ nic^t geboten, überbieö
für foi(|e göHe bebcnflid^, in TOcfd^cn jroar bie ©ntmünbigung ober SJormunb^
f(^ft roieber aufgel^oben, bie ©efunbl^eit beö G^emanneö aber nod) nid^t in bem
9Ra§e roiebcrlicrgefteflt ift, bafe er üor Slblauf ber ^röHufiofrift bie orbnungö:^
mSfeige SSerroaltung beö 33ermögenö ber ß^efrau mieber übernehmen fann.
Somit bie ®^efrau im galle ber SBiebcrl^erftenung ber ef)eli(^en 9lu6' «orbe^ait«.
nifjung unb 58crroaltung nid^t fd^Icd&ter geftellt mirb, atö menn bic (entere ^"' fwu.
niemalö aufgehoben morben märe, beftimmt ber § 1331 3Cbf. 1 ©ag 2, bafe
im gaDe ber SBieberlierftenung berjenige 2:^eil beö 93ermögenö ber ®^cfrau
SJorbe^altögut mirb, mcld^er, menn bie efielid^e 9Ju^nie6ung unb aScrroaltung
nii^t aufgehoben roorben märe, SBorbel)aItögut geblieben ober geroorben fein
würbe. S)icfe golge ber SSBicber^erfteUung ber e^elic^en Jlufeniefeung unb aSer:^
wUung tritt mit ber SBicberlö^rfteUung fraft beö Ocfeßeö ein. Siefe dlc-^
flelung oerbient bcn SSorjug üor einer folt^en ©eftaltung, meldte ber ß^efrau
nur einen entfprecftcnben SKnfprud^ giebt. S)icfer [entere 2Beg mürbe ben auf
Sicber^erftcIIung ber e^elid^en SJutiniefeung unb SSerroaftung gerid^teten ^rose^
tomplijiren, ba er bie S^cfrau nötl^igen mürbe, in jenem ^rojeffe ifiren
Snfpru^ Im SGBegc ber Sinrebe geltenb ju mad&cn unb ju fubftantiiren, fallö
bctfelbe nicftt ouögefc^toffen werben foU. aSon felbft oerftel&t eö fic^ übrigenö.
304
(Sl&cüerträge. fflcflriff. Sulafilgfcit. § 1333.
3citpunft bc«:i
SBicbexi
eintrittee .
Zäfüti
beä guten
(glaubend
u. f. n).
bafe bie von ber ®[)cfrau bis jur aBiebcrijerftcUung bcr ef)cUd)cu Siufeniefeung
iinb 33crroaltung injmifdjcn eingegangenen 33crbinblid)feiten mä) ben §§ 1311,
1312 unterfd^iebsloß e^egutöoerbinbUd^feiten ftnb, Dorbc^altli^ bcr SKuögleid^ung
unter ben ©tjegotten felbft nad& aJlafegabc bed § 1331 9lbf. 1 ©aß 2 in SSer:^
binbung mit § 1316, [oraie Dorbefialtiid^ bcö aus § 1331 3lbf. 2 unb § 1329
etwa fid) ergebenben 9lnfprud&eö bes ß^emanncö gegen bie ßfiefrau.
9lad& aibf. 2 tritt bie aBiebertjerftellung ber efjend^en Slußniefeung unb
aSerroaltung , fofern fte nid^t burc^ (g^eoertrag erfolgt, mit bcr SRed^töfraft
beö bie 2BieberöerfteIIuijg beftimmenben Urt^cileS ein. ©infaci^cr mürbe cö
allerbingö fein, ju beftimmcn, bafe bie 9BieberI)crftcIIung bnrd^ eine in bcr
gorm einer gerid)tUd^en ober notariellen Urfunbe gegenüber ber.@f)efrau ab-
jugebenbe ©rflärung beö ©Ijemanneä erfolgt. Snbeffen ift biefe 9lrt ber Siegelung
um beämiHen bebentUd), meil bie 3ßieber()erftenung ber e^cUd^en ^flußnießung
unb SBcrmaltung nid)t lebiglid^ üon bcr barauf geri^teten SBiDcnöcrffärung
beö ©fiemanncd, fonbern jiigleidj üon anbercn, üon ber @[)efrau DieUeid&t be^
ftrittenen SSorauöfefeungen abl)ängt. ^nöbcfonbcrc fann ber (g^efrau bem Slm
fprud&e beö ©^emanneö gegenüber bie (Sinrebe jufte£)en, bafe fic auö einem
anberen (SJrunbe, als bemjenigen, roeld^er ju bcr ©ütertrennung gefül)rt [)at, bie
befinitioe Oütertrennung oertangen fönne, fei es, ba^ biefer 3lnfpriid) fd&on 5ur
3eit ber erfolgten ©ütertrennung t)or[)anben gcmefen (ücrgl. 5. 3J. § 1328
9lr. 1) ober erft fpätcr eingetreten ift (oergl. § 1327 9lr. 3).
2)aB im galle ber aBieberI)crfteIIung bie 33eftimmungen ber §§ 1329,
1336, 1337 cnifprcc^enbe ainroenbung finben foUen (§ 1331 9lbf. 2 606 2),
rcditfertigt fid^ burd) bie älnalogie ber 3Serl)ältniffe.
§ 1332.
2)ie Seftimmung beS § 1332 beruht auf äfinlic^en Grroägungen, roit
imiaärbcr bicicnigcn, meldte ju ben Seftimmungen beö § 1331 geführt I)abcn (oergl. bie
lobe«*
ertlärung.
^teber^er
fteHung
ajlotioe JU § 1331 unb ju § 1327 ©. 293 ff.).
©crtraß*^
frci^eit.
SDritter Xitel.
L ungemeine Sorfd^ rif ten.
§ 1383.
3n Uebereinftimmung mit bem gemeinen SHcdEite (ücrgl. ®ntfd&. b. 91. 0.
in ßiüilf. XVI, 27) unb ben neueren 2anbeöred)ten txtmwt ber § 1333 auö
ben in ber (Einleitung ju bem el^elidöen (Süterred^te oben S. 171 ff. bereits
bargclegten Orünben aud^ auf bem ©cbiete beö el)elid)en Oüterred^teö in STn*
fel)ung ber Drbnung ber oermögenöred^tlid^cn SJerljältniffe unter ben ßl^egattcn
e^cmtraflc. aSeßriff; Suläffigfeit. §1333. 305
ben Orunbfaft ber aSertraflöfrcl^cit an, unb ätoar bol^in, bofe bic ©Regatten »e«rtff u%
ni(^t nur ben flefcllid^cn ©üterftonb ber c^ici^en Siufenicfeung unb gjcr^ ®^'*'^^^**-
©dtunfl mobiftjiren ober no^cr beftimmen, fonbcrn an6) benfelben gänjlid)
Qiisf(^fie6en unb bie güterred^tlid^en aSerfjältniffe burd^ SBertrog fclbftänbig
regeln bejro. ben gcfeglid&en ©üterftanb mö) erfolgter Sttenberung ober Slußs
Wliefeung roieber^erftellen unb ben burd^ aScrtrag begrünbeten ©üterftanb
wieber änbem fönnen. 5file SSerträgc biefer 2(rt, auä) bieienigen, burc^ loetd^e
ker gefeftlicfte ober ber oertragdmäfeig unter ben S^egotten bcfte^cnbe ©üterftanb,
loenn au^ nur in einjelnen Scjie^ungen, namentlid^ in SSejiel^ung auf ein*
idne SBermögenöftücfe ober SBermogenöt^eilc (oergl. §§ 1286, 1335 2lbf. 2,
§§ 1346, 1351 SRr. 1, §§ 1413, 1416), mobifiairt wirb, faUen na^ § 1333 unter
ben Segriff beö ß^eDertrogeö unb unterliegen ba^er, t)orbe^altli<3^ ber im
§ 1335 äbf. 2 bcftimmten SluSno^me, ber im § 1335 9lbf. 1 Dorgefd^riebenen
Jorm. ©elbftDerftänblic^ fönnen inbcffen burd^ ß^eocrtrag fold^e 93eftimmungen
ni^t getroffen werben, meldte entioebcr nac^ ben allgemeinen ©runbfögen beö
®efetbu<^eö (»ergl. indbefonbere §§ 105, 106, 344) ober nac^ ben befonberen
Sorfc^riften über ß^eoerträge (oergl. § 1334) auögef(^loffen finb füergl. code civil
Art 1387; ©euffert XIX, 100, XXX, 38). ^nöbefonbere t)crftel|t e« fid^ von
felbft, ba6 gefeglid^e 33orfd^riften, burd^ meldte bie SGBirfungen ber 6^e für
bas 9lec^tÄocr^äItni& britter 5ßerfonen ju ben ß^gatten ofinc SRüdffid&t ouf
ein beflimmteö e^elid^es ©üteroerl^öltnife geregelt fmb (oergl, j. 83. § 1282),
burcö ©^ewrtrog nid^t gednbert, foroie bafe bie burd^ baö ©cfeg unter geroiffcn
t^QtfQ(|Iid^cn 38orauöfe|ungen, insbcfonberc unter ber a3orouöfc|ung eines
bejtünmten unter ben ©Regatten beftetienben ©flterred^töoertiältniffeö, britten
?crfonen eingeräumten 9led^te (oergl. j. 83. §§ 1311, 1359 3lbf. 2) beim
Sor^onbenfein jener SBorousfeftungen burd^ ©tjcocrtrag nid^t beeinträchtigt
neri^ fönnen.
3n Uebcreinftimmung mit bem gemeinen Siedete unb ben meiften Sanbeö^ c^eoertrÄ««
rechten, inöbefonbere aud^ — oon gemiffen auf bie ©ütergemeinfd^aft fid^ be^^ 9?^"i?nfb^
jie^enben ©pejialitäten abgefetien — in Uebereinftimmung mit bem preufe. «^«•
Staate (oergl. preufe. ä. S. 91. II, 1 §§ 215, 251, 252, 354, 355, 412 ff.;
baijr. S. «R. I, 6 § 29; mürttcmb. S. SR. III, 8 §§ 2, 3; fäd^f. ®. 83. §§ 1691,
1694; olbenb. ®ef. o. 24. äprit 1873 3lrt. 21), fann nad& § 1333 9lbf. 2 ein
(S^eoertrag fomo^l oor als nad) ©inge^ung ber (Sl|e gcfd)loffen rocrben.
2^er abroei^enbe ©tanbpunK anberer SRed^te, inöbefonberc bcö franj.
»e^ted unb bed bab. 2. 91. (code civü 5lrt. 1394, 1395 ; bab. lö. di. Sag 1394,
1395; oergl. au^ ^eff. ©ntn). IV, 2 Slrt. 437), meldte ben aibfd^lufe oon (gfie*
Verträgen roä^renb befte^enber 6^e für unjuläffig erflären, läfet [\d) burd) bie
befonbere Slotur beö unter ben ©Iiegatten felbft beftef)enben 93ert|ältniffed nid^t
xed^tfertigen. 3^ inniger bie burd^ bie 6^e begrünbete SebenSgemeinfd^aft ift,
um fo tiftt ift ed möglid^, ba|3 bie ©Regatten erft mälirenb ber @l)e ju ber
Snjid^t gelangen, bag eine anbere Drbnung ber S3ermögendoer^ältnif[e , als
bie gefe|(id^e ober als bie oor @inge{)ung ber @l|e oon ifjncn oereinbarte, für
fie ifoedtnägiger fei. 3[ud^ äußere 83erf|ältnif{e fönnen eintreten, roetdje eine
9eiü)ening munfd^enötoert^ erfd^einen laffen. S)iefen ©rroägungen gegenüber
fann auf bie SKoglid^feit eines ÜJliPraud^eö ber e^elic^en Sörtlid^feit ober be&
Srilter;
306 ©öeoerträge. »egriff; Sußfrtöfeit. § 1333.
Ucbergeroid^tcs beö ©^emanncö — ©efic^töpunfte, auf rodeten bie Scftimmung
bcö preufe. 31.2.31. II, 1 §§ 854, 355 ju berufen fd^eint, bafe bic ©ütcr-
gcmcinfd^aft rcgclmäfeig nur oor ®ingef|ung ber @^e Dcrabrcbct werben fann —
entfd^eibenbeg ®emid^t ntc^t gelegt n)erben, ^umol ber @ntn)urf and) bie be^
fd^ranfenben 93eftimmungen über bie Sürgfd^aftcn ber (S^efrauen unb boß
SBcrbot ber ©d^enfungen unter ©Regatten befeitigt ^at (oergt. bie aBotioe oben
©. 113 ff.).
^m.V ^^^ ^^^ nteiften JRec^te, n)e(d^e ben Slbfd^Iuß oon ®f)eoerträgen roä^renb
befte^enber @^c nidfit julaffen, ift oud^ weniger bie Stüdffid^t auf bie ©Regatten,
als bie SRücffid^t auf bic Sntereffen dritter ma^gcbenb gcroefen. ®iefe tegtere
SRürffic^t ^at t)erfd^iebenc onbere SRed^te, roel^e fein entfd^eibenbeö ©eroid^t
barauf legen, bag baö 33er^ättni§ unter ben ®f|egatten mit bem SSer^ältniffe
nad^ äugen übcreinftimmt, bo^in geführt, ftatt ben Slbfditufe von ß^eoertrogen
TOä^renb befte^enber ®^e auäjufc^riegen, benfclben nur bie rec^tUt^e SBirffamfcit
gegenüber ©ritten inforaeit ju entjie^en, alö pe auf eine bie Snterejfen S)rtttcr
berü^renbe Stenberung beö gcfeglic^en ©üterred^teö gerid&tct ftnb (oergL e^rcm
breitft. ©ntto. § 85). 2)ad l)amb. SRed^t ge^t in biefer SRid^tung nod^ einen
©d^ritt weiter unb entjie^t aflen, anä) ben oor 6ingel[|ung ber G^e ge?
fc^Ioffenen e^eocrträgcn ber fragtid^en Slrt bie red^tlid^e SBirffamfeit gegenüber
©ritten, ©ine berartige Se^anblung ber ©ac^e ift oud^ bei ben SBer^anblungen
bcö 13. beutfd&cn 3uriftentageö lebhaft oertlöeibigt worben (tJcrgl. S3b. U jener
SSer^. ©. 65 ff.). S)ie aJlcl^rja^t ber ^ier in SRcbc ftc^enben «Redete ge^t ieboc^
nid^t fo weit, fonbcrn befc^ränft ftd^ barauf, bic SBirffamfeit ber g^cüertragc
gegenüber ©ritten tjon einer öffentlid^cn Seifanntmad^ung abpngig ju mad^cn.
9luf bicfcm ©tanbpuntte fte^t aud^ ber non ber 1. unb 2. ^[btfieilung be«
13. beutfd^cn 3uriftcntaged gefaßte Scfd^Iug (S3b. II ©. 137).
gür bic ©ntfd^cibung, ob es jum ©d^u|e ber Sntercffcn ©ritter in ben
l)ier fraglid^en SRid^tungen befonberer Sßorfd^riften beborf, ift ber 3n^alt bc«
gefefetid^cn e^elid^cn ©üterrcd^teö oon entfd^eibenber »ebeutung. 3^ no<% ber
Ocftaltung be& Ie|tcrcn ift bic Slüdfroirfung, roeld^c baöfc(be mittelbar auf bic
SRcd^te ©ritter ^at, eine größere ober geringere, ©ie ift fcl^r cr^eblid^ bei ber
allgemeinen ©ütcrgemcinfdiaft wegen ber Seftimmungen über baö SSerfügungös
red^t in 3lnfel^ung beß ©cfammtgutcö unb über bic Haftung beö Icgtercn
für ber beiberfcitigcn ©d^ulbcn ber ©Regatten. 3lcl)nlic^ liegt bic ©ad^e
bei ber aKobiliargemeinfc^aft beö franj. SRc^tcö. SBcnigcr crJ^cblid^ ift ber
©influß bcö gcfc|Ii(^cn ©ütcrrcd^tcö auf baö SSer^ältniß ju ©ritten bei ber
©rrungenfd^aftögcmcinfd^aft, obwol^I auc^ l^ier. Je nadd ber Sluöbilbung, roclt^e
biefcö ©pftcm im ©inicincn gefunben ^at, bic SlüdEwirfung bcöfclbcn auf baö
SBcrl^ältniß ju ©ritten eine red^t bcbeutcnbc fein fann. 5Rur no^ in einjcincn
»ejic^ungen tritt eine berartige SRüctwirfung bei bem ©pftcmc ber e^clld^cn 3bip
nießung unb SSerwaltung ein unb fic fallt ganj weg, wo tjollftanbigc ®üter*
trennung ober ©otatred^t bcftefjt. ©cm entfprcd^enb finbcn fid& SSorfd^riften, lüelt^e
ben Slbfd^lufe oon ©^cocrträgcn wäl^rcnb bcftc^cnbcr ©^c auöf daließen ober i^nen
bic rcd^tlid^c SBßirffamfcit gegenüber ©ritten oerfagen ober bic Icfttcre oon einer
bffentlid[)cn Sc!anntmad)ung abhängig machen, oorsugöwcifc unb am ton*
fequcntcften ouögcbilbct in ben SRcc^tögcbictcn ber allgemeinen ©ütergcmcinfc^aft
e^cöertrogc. Segriff; Suläfftöfeit. §1333. 307
iinb bcr SKobiliorflemcinfd^aft bcö fronj. SReci^tedi). 35ie übrigen Siedete ber
^ifulären ©ütergemcinfd^aft ^aben pm S^eit berartigc SSorfdiriften auf^
jmommen, jum S^cil lüeggetoffcn. 3n ben auf bem SBoben ber SSerroaltungd^
jemeinfd^aft unb ber ©ütertrennung fte^cnben SRed^ten festen fie meiftenö t)olI^
jifabig, ober efi fotnmen bod^ nur fpejicHe Scftintmungcn für einjelne SScr^altniffe
iHnr. 3m 9[nf(i^lu{fe an biefe ©eftattung unb @ntn)itfe(ung bed beftetienben 9ted^ted
^t aud^ ber Gntourf^ ba bad gefeglid^e ©üterred^t bedfe(ben auf bem @i)fteme
te e^Iid^en Slufeniefeung unb SBerroaltung berul^t, bef onbere Seftimmungen, burc^
loelc^e bie S^läffigfeit Don @^et)erträgen mfil^renb beftel^enber @^e audgefd^Ioffen
ober benfelbcn blc red^tltd^e aBirffamfeit gegen 35ritte Dcrfogt ober bie legtere
janj aDgemein Don einer öffentlit^en S9efanntmad^ung abl^ängig gemad^t mtrb,
iiit^t für erf orberlid^ erachtet, f onbcm fid^ jum Sd^ufte ber 3ntereffen 35ritter auf
We »orfd&riften ber §§ 1336, 1337 befd^ränft (üergt. bie SKotbe ju §§ 1336,
1337). 3w&bef onbere fe^U eÄ nom ©tanbpunfte beö ©ntrourfeö aufi an einem ^^{^^^^
Sebfirfnifie, jum ©d^ufte ber (Staubiger ber Sl^egatten bie SBirffamfeit ber ^**'
C^ewrrträge in ber einen ober anberen 9lrt weiter ju befc^ränfen. 35ie bc^
fonbere SSeftimmung befi ,olbenb. ®ef. v. 24. Slpril 1873 3[rt. 20, bag, wenn
oorbe^Itened Vermögen in eingebrad^ted vtwoanbtlt n)irb, badfelbe aud^
naäfytt für alle früheren SBerbinblic^feiten ber S^efrau in STnfprud^ genommen
werten fann, üerbient feine SiUigung. Sie äfnalogie ber §§ 1311, 1312,
luu^ loelc^en bie ©laubiger ber @^efrau megen aller Dor Eintritt ber el)e-
lii^en Slufinieftung unb SBenoaltung entftanbenen aSerbinblid^Jeiten ber 6^e*
frau bie SBefriebigung au(^ aud bem @l^egute o^ne Stüdffid^t auf bie el^eli^e
5tu(niegung unb äSenoaltung verlangen fbnnen, trifft bei ber Umn)anb(ung
finjelner 93eftanbt^eUe bed SBorbel^aHdguted in @^egut nid^t ju. ®ad 33ep
^(tni§ tft in biefem ^alle fein anbercd, a(d n)enn bie S^efrau bad @igem
^um an einjetnen 39eftanbt^ei(en beö SSorbelialtdguted auf i^ren @l^emann
«ber einen 5Dritten übertrögt ober einen gemötinlic^en 92ie|3braud^ an fold^en
iSegenftänben befteüt. ^aju lommt, bag jene Seftimmung bed o(benb.
iSefe^eft o^e weitere bef onbere Seftimmungen in il^rer 2)ur(^f ü^rung ju praf*
tifi^en Sd^roierigfeiten führen mufe. 3n einem äl^nlid&en ©inne, wie bie
gebückte Seftimmung beö olbenb. ©efejefi, ift l^in unb wieber aud^ bie SSor^^
fcjrift be« preufe. St. S. 3i. II, 1 § 252 aufgelegt roorbcn. ©o oerftanben,
würbe biefelbe über bad olbenb. ©efe^ ^inau$ ba^in führen, bag anbererfeitd
ixaif eine üertragömäfeige Sluf^ebung ber e^elid^ien Slufeniefeung unb SSer-
Twttung gegenüber ben frül^eren ©laubigem beö ®l^emanneö atö nid^t erfolgt
') »ergl. inrtefonbere preui «.8. St. 11, 1 §§ 412, 413, 419, 422 ff. netft
^ preu^ ©ef. o. 30. aJlärj 1837; Brem. S^epaftenorbn. ». 19. ©cjcmbec 1833
S§ 3-5, 7 unb brem. ®ef. ». 25. 3uni 1879 § 22; olbenb. ®ef. u. 24. 3tpril 1873
«It. 39 § 1 , art. 31 §§ 2 , 3 ; f otoic in 3tnfe6utig ber ßteöcrträge bcr ftaufleutc bie
oerf((iebenen Ginf. ©efc^c jum i>. ®. S5. ; ferner über bie Beftrittenc, aber in neuerer 3eit
öon ber |>ra;i8 oorwiegenb uemcintc grage, oB na^ gemeinem Sleci^te bie öffcntlidfee
Sefanntna^ung jur Sßirffamfeit ber bie gefe^Iid^e allgemeine ©i'ttergemeinlc^aft aud'
fdftlieBenben ober aufBebenben Verträge gegen ©ritte erforbcrlid^ ift, ©euffert IX, 170,
171, XX, 47, 61, XXVn, 237, XXXI, 338; ßntf*. b. 9t.®. in ©iuilf. VI,
-62, IX, 19.
20*
308 .(Stcmtrdöc. SBcgriff; Sulaffiofcit. §1333.
aniufcl^cn iDare, bicfelben [xä) mithin an bic Slugungen bed umgemanbelleit
SScrmögeud nod^ in bcm gleid^en Umfange galten fönnten, ato iDenn bodfelbe-
nod^ cingebroc^tcö SBemiögcn wäre. ®inc bcrartigc Scftimmung ift inbcffca
cbcnforocnifl gercd^tfertigt, roic bic gcboc^tc 93eftimmung beö olbcnb. ©cfcftefi^
2)ie e^clid^c 92u^niegung unb SBern)a[tung ift tüic ftd^ namentlid^ aud bea
SJcftimmungcn ber §§ 1298, 1299 ergicbt, nid^t baju bcftimmt, ben ©laubigem
bcd @^emanneö a(0 ^rebitbaftd ju bienett. 2ßie anbete 93eftanbtl^ei(e bed-
SSermögend bcd ©^emanned, rotnn fle aud biefem Vermögen audgefc^^ieben
finb, ben ©laubigem beö S^emanneö nid^t metir l^aften, fo unterliegen aud^
bie 9{ugungen bed S^eguted biefer Haftung nid^t me^r, fomeit bie e^elid^e
9iugnie|ung unb SScrroaltung n)eggefaQen ift. ©egen bie ©efa^ren, rotUStt
ben ©laubigem bed @^emanned aud ber ätuf^ebung ber el^elid^en 92u|nie§ung.
unb 93em)altung burd^ @l^et)ertrag n)al^renb beftel^enbcr @^e im ^inblidEe auf
bie 9tugungen bed @^egutcd, indbefonbere aber im ^inblidte auf bie Erfüllung,
fold^er SSerbinblid^feiten bed @^emanned gegenfiber ber @l|efrau em>ad^fea
fönnen, n)eld^e ber @^emann n)egen ber el^elid^en 9{u|niegung unb äSermoltung
erft nac^ beren ^enbigung ju erfüllen Derpflid^tet ift, ftnb bie ©laubiger bed-
e()emanned burd^ bie SBorfd^riften bed § 25 Sir. 2 ber Äonf. D. unb bed § 3-
3lr. 4 bed 51. ©ef. v. 21. 3uli 1879 audreic^enb gcfd^ü^t.
«uf^ebutifl 3tt>^if^l^öf^ fönn ed fein, ob ed fi^ ni^t jum Sd^uße ber 3nteref|m
*wn**bT ©bitter empfehlen würbe, oon ber SHegel bed § 1333 3lbf. 2, ba^ ein ©(^
«üterflemcin- vertrag aud^ nac^ @ingct|ung ber 6^e gefd^loffen werben fann, für fok^
Slcoertl*o* ß^eoerträge eine äudnal^me ju mad^en, meiere auf bie 3luf^ebung ober
9tenbemng ber allgemeinen ©ütergemeinfd^aft ober ber ©rrnngenf^ioftfis^
gcmeinfd&aft ober ber ©emeinfd^aft bc& beroeglid^en SSermogend unb ber
©rrungenfd^aft gerid^tet fmb. ©egen eine fold^e Sludnal^me fann aller*
bingd bei einer praftifd^ fo roid^tigen grage, wie ber tjorliegenbm, auf bea
©efi(^tdpun{t, bag ed ftd^ oom Stanbpunfte bed ©ntmurfed aud ni(^t um
bie SKuffiebung einer auf ©efeft, fonbem um bie 2luf Hebung einer auf
aSertrag beml^enben ©ütergemeinfd^aft ^anbelt unb für biefen %aU au4i boÄ-
beftel^enbe äted^t übermiegenb bie Sluf^ebung ber ©ütergemeinfd^aft mö^renb
bcftel^cnbcr 6^e burd^ (S^etjertrag juläSt (oergl. indbefonbere preufe. Sl. S. 91.
II, 1 § 419; olbenb. ©ef. o. 24. 9lpril 1873 ^xi. 27 § 1, 3lrt. 31 § 3), für
ftd^ allein entfd^eibenbed ©emid^t nid^t gelegt werben, jumal bie dSorfd^riften
bed ©efe^bud^ed über bie nertragdmögige ©ütergemeinfc^aft l^erDorragenb boju
beftimmt finb, in benienigen ©ebietcn, in meldten gegenwärtig ©ütergemein*
fd^aft fraft bed ©cfeged beftel)t, bie lefetere moglid^ft ju erfe|en, nad) bem jur
3eit in grofeen SRed^tdgebielen geltenben SHed^te aber, indbefonbere nac^ fran}.
JRec^te unb — wenigftend für bie Siegel — aud^ nad^ bem preufe. 91. 2, 9L
(t)ergl. code civil 3lrt. 1394, 1395 ; preufe. 31. S. di. II, 1 §§ 412 ff.) bie gcfcfr^
lid^e ©ütcrgemcinfd^aft wä^renb bed Sefte^end ber 6^e burd^ ß^eoertrag mc|i
audgcfdjloffcn werben fann. ©ntfd^cibcnb ift aber bie Grwägung, bafe aud ben.
oben ©. 305 ff. bargelegten ©rünben bad Sntereffe ber ©Regatten bie Swläffifl*
feit ber 3luf^ebung ber ©ütergemcinfd^aft briiigenb er^eifd&t. 2)iefem 3^tcref|e
ber 6f)egatten mufe bic Siüdffic^t auf bie SSerfetjrßfK^er^eit, indbefonbere Me
9<ücffid)t auf bie ©laubiger bed ©l^emanned, nad^fte^en. 3)em 3ntereftc SJrtüer-
ejcuertrage. SuIafriöfcU; »cfc^rdnfuno. §1334. 309
wirb au^ in bcr ^kr fratjlid&en Scjic^ung burd^ bic SSorfd^riften bcr §§ 1336,
1337 in gcnügcnber SBcifc Stecftnung gdragcn. SBcgcn bcr fpcjieUcn gragc,
t* irnb inroicrocit ein S3cbürfnl§ anjucrfennen ift roenigftenß in bcm gallc,
TDtnn bcr ücrtragömäfeigc ©üterftanb bcr ©ütergemeinfd^aft naä) SRafegabc bcr
«orfc^riftcn bcr'§§ 1435—1437 ocroffcntlid^t war, ju ©unften bcr ©fäubigcr
irt einen ober anbercn ß^cgotten einen über bic SBorfd^riften beä § 1336
^iiunidge^enbcn Sd^ufe eintreten ju laffcn, wirb auf bie ÜRotiüc ju § 1336
9()ug genommen.
3m 3[nf(ftlu{fe an bafi prcufe. 91. 2. SR. — obroeid^enb üom code civil «ertTäae ber
«rt. 1388 nnb bem fäd&f. ®. S3. § 1692 — fmb in ben (Sntiüurf bef onbcrc üb«?^rl*IIIr-
Sejitimmungcn über aScrträge ber ©Regatten, roeld^e bercn perfonlid^e 33crf)ä(t' ^*""J^« ®*^
Tiific unter einanber regeln, nid&t aufgenommen. ®d genügen in biefer S3e«
iif^ung bic ollgemeinen Orunbföße bcö ©efegbud&cß, inöbefonberc bie 35orfd)rift
befi § 106 in aScrbinbung mit ber ©rroägung, bofe baö Snftitut ber S^c ein
3«ftitut bcr 5ffent[id&cn Drbnung ift. 3)arauö ergiebt fic^ oon fclbft, bafe
jebe 35frtragdbeftimmung, meldte nad& bcm ganjcn Sinne unb 3wccfc beö
6efe|cd gegen baö familienre4)tlic^c SBcr^ältnife bcr ®f)e imb bamit gegen bie
öffenllid^ Crbnung oerftofet, nac^ SKofegabc bcö § 106 nid^tig ift.
Saß in benienigen gdllen, in meldten eine anfcd^tbare ®^c alö nid&t umoirffom*
flefc^Ioffen onjufe^en ift (§ 1260 aibf. 2), aud^ ber ©tjCDcrtrag unroirffam ift, »ertr^^Mm
wil bcrfelbe boö »cftefien einer (gf|e uorauöfcfet (fäd^f. ®. 93. § 1706), öerftel)t ^^^^ ^JJ
^ r>on felbft. 6d finbcn in einem fotc^cn galle, fooiel bie gofgen ber Un« e^c
wirifamfät beö (gfieocrtrageö betrifft, oorbefiattlid^ bcr S3cftimmungcn bcö
§ 1270 ücrb. mit ben §§ 1257, 1258, bie allgemeinen ©runbfögc über bie
^inbifation, über bic Äonbiftion, über ben aiuftrag unb bic Ocfd&äftßfüfirung
o|nc Auftrag STnroenbung. S)aöfelbe gilt, wenn bic ®^e nid)tig ift (§§ 1252,
1257, 1258). 3iuä) bic bcftcf|cnbcn JRcd^te entfjaltcn in bicfcr ^infid^t bc-
fonbcrc Scftimmungcn nic^t. SGBirb bagegen bie ®^e gefd^ieben, fo bcfjält bcr
S^cöcrlrog in ©cmdfe^cit allgemeiner ©runbfäfec bie SBirffamtcit, meldte er
biß jur ©d^eibung ^atte, in ooUem Umfange unb l^ört bic SBirffomfeit beß-
felbcn mit bcr Slcc^tßfraft bcß Urt^eifcö nur für bic Bufunft auf (§§ 1452,
1371 3lr. 1, § 1429 atbf. 1, § 1431 9lbf. 1). S)ic ©rünbc, rocid&c ben ©nttourf
be^mt öobcn, cö in biefer ^inpd^t oud^ bcjüglid^ bcß ©ütcrgcmcinfdjaftö*
Dertrage« — abrocic^cnb uon einem SC^cilc bcß beftcfjcnbcn 9lcc^tcß — bei ben
allgemeinen ©ninbfä^en bcmenben ju (offen, finb in ben SRotiocn ju § 1452
bargelegt.
§ 1334.
®ie an ö^nlid^e SSorfd^riften bcö code civil 9lrt. 1390 unb ber olbcnb. »««ttana^me
«efc|e V. 24. 3lpril 1873 9lrt. 23 imb o. 10. Januar 1879 9lrt. 22 fid^ on^ ÄVt«-
f4tie§enbe »eftimmung bcß § 1334 2(bf. 1, ba^ ber cficadjc ©ütcrftonb in »>«• o«f«»-
bem S^ertrage nid^t burd^ Scjugno^mc auf ein nid^t mc^r geltenbeß ©efe^
befttmmt werben fonn (nergl. oud^ l)eff. ©ntio. IV, 2 9trt. 438, cfircnbreitft.
ftttw. § 84), bcjmccft, im Sntcrcffe ber 9led&tßfid&cr^eit ben großen Uebet
ftönben entgcgcnjutrctcn, roe(d)c o^nc jene 33cftimnuing ouö bcm ©runbfajjc
310 SßcDerträoc. Suläfftöfeit; »cWränfung. § 1334.
ber SBcrtragöfrci^cit bcr ©Regatten ouf bcm Ocbictc bcfi c^clic^en ®ütcrrc(||tc*
ju entfielen brol^cn. D^nc eine fotd^c Scftimmung tDürbe ju bcforgen fein,
bag bie ä(nt)öng(i(i^teit an bad bid^erige Siedet unb bie Sßad^t ber ©eroo^n^eit
l^äupg JU ®^et)erträgen führen würbe, in roeld^en ber cl^eUd>e ©üterftonb ein*
fad& burd& Sejugna^me Quf baß bisl^crige SRec^t beftimmt wirb. ®ine folc^e
SBeftimmung n)ürbe (läufig fd^on bedl^alb \x6) al% ungültig barftellen, loeil in
bem bifitierigen SRed&te Sled^töformen oorfommen, meld&e na6) ben allgemeinen
Orunbfägen beö ©efeftbud^eö burä) SBertrag unter ben ©Regatten überhaupt
nid^t l^ergeftellt werben fonnen. aber aud& abgcfe^en batjon würbe bur^ bie
3uläffigfeit ber SSejugna^me auf ein nid^t mel^r geltcnbeß ©efeß bie ie|t
befte^enbe SSerfd^iebenl^eit unb Unfid^er^eit beß e^elid[)en (Süterred&teß in einer
anberen gorm erl^alten unb bie Unfid&er^eit um fo größer werben^ je me^r
mit bem 3nfrafttreten beö neuen ©efefteß bie praftifc^e ^anbl^abung unb
Äenntnife beß biß^erigen SRed^tcß unb bie baß lefetere ^äupg ergänjcnbe ©itte
unb ©erool^n^eit fd^minbet.
fBegugna^me S^cifeli^after fauu eß fein, ob aud^ bie weitere SBorfd^rift beö § 1331
^mm^' f^^ empfiefilt, weld^e bie oertragßmfifeige Seftimmung beß el^etid^en ®üter^
•efe». ftanbeß burd^ Sejugna^me auf ein außlänbifd^eß ®efe| verbietet. ®cgen biefe
Slußbe^nung beß SSerboteß fann namentlid^ eingewenbet werben, bafe baburc&
ben bered^tigten ^ntereffen ber Slußtänber, weld^c im 3nlanbe i^ren SBo^nfiJ
i^aben, ju nalie getreten werbe. 3nbeffen ift bicfeß Sebcnfen bo^ nur bann
begrünbet, wenn man oon ber SSorauöfeJung außge^t, ba^ nad) ben ®runb*
fäfeen beß internationalen ^ßrioatred^teß 9lußlänber, weld^c im S^tanbe i^ren
SBo^nfife ^aben, nid^t bem e^elid^en ©üterred&tc beßjenigen ©taateß, wetd^em
fie angehören, fonbern bem ef^elic^en ©ütcrred^te ilireß SBol^nfileß unterworfen
ftnb. Slnbererfcitß läfet fid& nid)t oerfenncn, ba§ biejenigen Sebenfen, welche
oben gegen bie S^fäffigfeit ber Sejugna^me auf ein nid^t melir geltenbeß
©efeft crlioben worben finb, jum ^l)eil aud^ gegen bie S^läffigfeit einer
SBejugna^me auf ein außlönbifc^eß ©efeg fpred^en. 3^^^"^ tonnte o^ne bie
l^ier fraglidfie S3eftimmung in benjenigen 2:^eilen 3)cutfc^tanbß, in welchen jejt
franj. Siedet gilt, baß SSerbot ber Sejugna^me auf ein nid^t me^r geltenbeß
©efeg umgangen werben, ©elbftoerftftnblid^ ift eß übrigcnß ben ©Regatten
burd& ben § 1334 9lbf. 1 nid^t oerwefjrt, i^ren ©üterftanb nac§ 2Wa§gabe beß
materiellen 3nf)alteß eineß fremben Sted^teß burd& (S^euertrag ju regeln, foroeit
bieß mit ben allgemeinen ©runbfft^en beß ©efegbud^eß vereinbar ift. Slur bie
allgemeine Sejugna^me auf ein außlänbifc^eß ©cfej in (S^eoerträgen ift burci^
ben § 1334 3lbf. 1 außgefdfjloffen.
«usna^me »u SSou ber 9tegel beß § 1334 Slbf. 1 mad^t jebod^ ber jweite Sttfafe iu
beSS«"m ©unften beutfd^er (5f)cgatten für ben gall eine Slußnal^me, ba^ bcr ©gewann
b*nb^""ffiL *^^ -3^^* ^^^ ©d&liefeung beß (S^eocrtrageß ober, wenn ber ®^eoertrag oor 6in«
* *flot^n. get)ung bcr 6t)e gefd^loffen wirb, jur Qtii ber Singe^ung ber ®^e feinen SBo^nfift
im Slußlanbe f)at. 2)a bie ©tiegattcn in folgen gällen i^re SSerfe^rß*
bejie^ungen bauernb im älußlanbc ()aben, fo ift eß burd^ bie Slüdfid^t auf baß
Sntereffe ber ©Regatten geboten, benfetbcn bie SJloglid^fcit ju gewähren, einen
burd^ baß an ifirem SQBo^nfißc geltenbe außlänbifdbc ©cfeg geregelten e^elid^en
©üterftanb burd& S3ejugna^me auf biefeß ©efc^ alß ocrtragßmöfeigen c^cli(^en
S]6ewrträfle. gorm. §1335. 311
(Suterjianb roirffam ju bcftimmcn. Um bcn beabfid^tiflten 3roe(f ju crrcid^cn,
genügt c8 inbcRen nid^t, nur bic Slntocnbung ber Söorfd^rift bcö § 1334 2lbf. 1
in bcn in JRebc ftcl^cnben gällcn auöiuf^lHcfecn, oiclmclir mufe man — in Slb^
lodd^ung von ber n)eiteren 9tegel^ bag in Ermangelung einer befonberen 93 or^
fd^rift aud^ bur^i (S^eoertrag nic^tö vereinbart merben fann^ maö nid^t nad^
Ko^gobc ber allgemeinen ©runbfäfte burd& 33ertrag beftimmt werben fann, —
bcn e^egotten geftatten^ bad an i^rem SBol^nfi^e geltenbe audlänbifd^e e^etid^e
©üterre^it in feinem oollcn Umfange, aud^ in Slnfc^ung fold^er einen Seftanb-
t^il jenefi SRec^ted bitbenben SSorfd^riften, meldte mit jmingenben 33orfc§riften
bed beutf^en Jied^teö in SGBiberfpru^ ftel^en, burd^ ©fieoertrag als oertragfi^
mo^igeö @üterred^t }u vereinbaren. SBenngteid^ bie SBorfd^rift bed § 1334
S6f. 2 i^re ^ttptbcbeutung unter ber SBoraudfe^ung \)at, bag bad e^etid^e
@üterrec(|t ft^ nad^ ben ©cfegen bed ^iaatt^ beftimmt, meld^em ber Seemann
{ur 3rit ber S^efd^liegung angehört, fo fann biefelbe boc^ oud^ bann, menn
man bad Siedet bed SBo^nfi^eö alö maggebenb aufteilt, in gemiffen fällen fid^
ald ptattxid^ enoeifen, namentlich in folgen Rollen, in meldten baS auölänbifc^e,
om ffio^n^ge ber beutfc^en ©Regatten geltenbe Siedet Dorfd^reibt, ba^ bad
c^lic^e ©üterred^t ft^ nad^ btn ©efegen bed Staated richtet, meld^em ber
Seemann angehört.
§ 1335.
äbtoeid&enb vom gemeinen SHcd^te, bem roürttcmb. SHcc^te, bcm föd^f. @. S3. ?form ber
(pergL iebod^ §§ 1704, 1705 baf.) unb x>on ben in verfd^iebenen Heineren SRec^td* ^^^^^^^
gebieten geltenben fianbedred^ten ift in ben meiftcn 9{ed^tdgebieten für bie
Sbf^liegung von (S^eoertragen tl^eild allgemein, t^eild für gemiffe (S^eoertröge,
nomentlit^ für fotd^e, burd^ mcld&e bic ©ütergcmeinfd^aft eingeführt ober ber
gefe|ti^ ©utcrftanb ber ©ütcrgcmcinfd^aft audgcfd&loffen merben foU, bie
Seobad^tung einer bcftimmten gorm oorgefdöricbcn, mie bie 3"äi^^w"9 ^^n
3eugen, fd^rifttic^e ©rric^tung, gerid&tlid&c ober notarielle gorm ober gerid^tlid&c
8cftätigung. ©erid&tlic^c bejro. notarielle gorm ober bic eine ober anbere ift
namentlich erforbertid^ nad^ bem bai)r. S. 9i. I, 6 § 29 verb. mit bem bat)r.
3lotariotdgcf. v. 10. Sloocmber 1861, nad^ bem preu^. SReddte (oergl. preu^.
I. 2. 91. II, 1 §§ 209, 215, 82 ff., 198 ff., 356, 419, ®ef. V. 20. aWärj 1837
§§ 1—4, ®cf. ü. 1. SWörj 1869), na^ fronj. Siechte unb bem bab. S. SR. (code
övü art 1394, 1395, bab. S. SR. Sa^ 1394, 1395), fomic nac^ ben olbenb.
©efeten v. 24. Slprit 1873 2trt. 21 unb v. 10. Januar 1879 3lrt. 20 (oergl.
aud^ ben e^renbreitft. @ntn). § 86).
S)ic im § 1335 9lbf. 1 jur (Sültigfeit bed e^eoertraged oorgcfd^riebene
gerid^tüc^e ober notarielle gorm red^tfertigt fid& im 3ntereffe ber öffentlid^cn
9ie(^tdfi(^^eit unb burd^ bie groge ^id^tigfeit ber l^ier in Sctrad^t fommenbcn
Scttroge, n)el(§e auf lange Qtxi bered^net unb nid^it nur für ba& SSer^ältnife
ber e^egatlen unter einanber, fonbern in ber Siegel aud^ für ba^ SScr^öltnife
berfelben ju 2)ritten oon ticfeingreifenber SBebcutung finb (oergl. aud& § 350
Sbf. 2). 3laä) bem ©prad&gcbraud^c bed ©efe^bud^ed l^at übrigend bie gerid)tlid&e
ober notarielle gorm im ©egenfafte }u einer folc^en Sßorfc^rift, meldte ben
312 eöcüertrdöc. gorm. § 1335.
Slbfd^lufe eines SBertrageö „t)or ©erid^t ober Slotar" beftitnmt, nid^t ben ©inn,
bafe bie SOBillcnöcrHärung ber ©Regatten bei gleid&jeitiger SlniDcfcit^cit berfelben
oor Ocrid^t ober 3lotax münbfid^ abgegeben werben muß (ocrgL §§ 868, 1616);
oielme^r ifann jebcr ber @^cgattcn feine SBiUcnäerMärung für ftc^ üor Ocric^t
ober SRotar abgeben unb ein Sludtaufd^ biefer einfcitig erfolgten SDSillend^
erflärungen ol^ne eine ÜJlitroirfung beft ©crid^teö ober 9lotareö jur gültigen
©d^liefeung beß SBertrageä nad^ ben allgemeinen ®runbfäfeen über ba^ 2n\iar\i^
fommen ber Sßerträgc auöreid^en. 3)en 5Äbfd^tu6 ber ß^eoerträgc burd^ bie
SSorfd&rift, bafe biefelben uor ®erid^t ober 5lotar gefd^toffen werben muffen, ju
erfc^roeren, ift burd^ ein Sebürfnife nid&t geboten.
dagegen fann eö jroeifel^aft fein, ob eö nid&t mit JRücffid^t auf bicjenigcn
SC^eile S)eutfd^lanbfi, in roeld^en gegenroörtig einer ber im ©efegbu^c fpejieH
geregelten oertragömäfeigcn ©üterftänbe baö gefefeli^e ©üterred^t bilbct, unb
im ^inblicfe auf ben B^^edf, loeld^en boö ©cfeßbud^ burd^ bie Siegelung jener
©üterftänbe l^auptfäd&Iid^ anftrebt, angcmejfen fein mürbe, bie äbfc^liefeung
fold^er @^et)erträge, burd^ meldte einer ber in bcm ®efe|bud^e geregelten
üertragömäfeigen ©üterftänbe vereinbart mirb, in ber Srt ju erlci^tern, ba§
jene ©^eoertröge bei ber ©fiefd^liefeung aud^ vox bem bei ber lefeteren mife
roirfenben ©tanbeöbeamten gefd^toffen merben fönnen. ©ie gegen eine fold^
SSeftimmung fpred&enben ©rünbe ftnb iebod^ alö übermiegcnb ju crad^ten. ®ö
l^anbelt fid^ ^ier gerabe um bie roid^tigften unb bie einfd^neibenbften 6^e?
vertrage, bei meldten bie SSertragfd^liefeenben am mciftcn ber Sete^rung unb
33erat^ung burd& baö ©erid^t ober ben 9lotar bebürfen. 2)ie ©tanbeöbeamten
fönnen gemö^nlid^ unb in ben meiften ©ebieten vermöge i^rcr Äenntniffe unb
©rfa^rung fold^e Sele^rung nid^t erttieilen. S)aju fommt, ba^ eine Scftimmung
ber fraglid^en 9lrt bem gettenben Siedete gegenüber fxd& als eine mefentlid^e
Steuerung barftellen unb inöbefonbere für fold^e ©ebiete, in meldten gegenroSrtig
bie SSermaltungßgemeinfd^oft baö gcfefelidfie ©ütened^t bilbet, ^ingefe^en
namentlid^ auf bzn ß^eoertrag, burd) meldten bie aud^ mit mid^tigen erbrecht?
lid&en SBirfungen oerbunbene allgemeine ©ütergemeinfc^aft eingefül^rt wirb
(vergl. §§ 1384 ff.), in ^o^em ©rabe bebenflid^ fein mürbe. Slud^ ^at bie
6rfol)rung nid&t gejcigt, bafe in benjenigen ©ebieten, in meldten gegenwärtig
gerid)tlid&e ober notarielle gorm erforberlid^ ift, biefe gormoorfd^rift ben
SJlbfd^lufe von ©^eocrträgen in nad^^altiger SBeifc l^emmt ober minbert.
sutsna^me S)cr § 1335 2lbf. 2 beftimmt für ben bort bejeid^netcn fpejiellen SBertrag
To^rJ^ritr eine aiuöna^me von ber im 3lbf. 1 bcß § 1335 entfialtcnen gormvorf^rift
2)iefe Slußna^me ift burd^ ein bringenbeö prattif^cs Sebürfnife geboten, ©old&e
SSerträge werben, namentlid^ im ipinblicfe auf bie Seftimmung beö § 1294
Sag 1, au^ f ünftig bäufig vorfommen, vielleid^t fogar bie Siegel bilbcn, o^ne
ba6 bie ©l^egatten an bie S3eobad)tung ber im § 1335 Slbf. 1 oorgefd^riebenen
gorm benfen. Unterwirft man biefe 93erträge ber gorm, fo liegt bie ©efa^r
na\)t, bafe bicfelben in vielen gällcn> weil formlos abgefc^loffen, nid^tig finb
unb beöfialb bie ®f)efrau baö »Eingegebene von bem ©bemanne j[eber§eit fofort
JU fonbijiren berechtigt, mitl)in baö 9lnfed^tungöred&t ber ©laubiger beö ®^c*
manneö nad& SÄafegabc beö § 25 5Rr. 2 ber Äonf. D. unb be« § 3 %:. 4 beö
31. ©ef. V. 21. 3uli 1879 auögefd^lojfen ift. 2)ie »eftimmung beö § 1335
ejetjerträge. g^orm. §1335. 313
Ä6f. 2 fonii anä^ nid^t etwa oon bcm ©efid^töpunftc aus atö cntbc^rtid^ er?
oc^tft locrbcn, bog ein SBertrag bcr ^icr fragüd^cn 3lrt überi)Qupt \\\ä)i bcn
Äorafter eines (g^cüertrogeö im ©inne bcö § 1333, fonbcrn eines gcroo^nlid^en
iwift^en bcn ©f^egatten gefdötoffenen SSertrogeS I)abc ; benn biird^ ben im § 1335
Sbf. 2 bcjcic^ncten SSertrog wirb nid&t, mie bnv6) einen gcmo^nlid^en SSer*
äufeerungSüa-trag, nur bcr ©cgcnftanb ber c^elid&en Slugnicfeung unb 35er«
nwltung naä) SWofegabc bes gefcftUd^en etjetid^cn Oüterrcd&tes (§ 1293) geönbert,
fonbem c« werben baburd^ bic mit bcr efielid^en Slugmefeung unb SSermaltung
frttft beS ©efefteS oerbunbenen SRed&te beS ©fiemanncs in einer oon ben biSi=
pofitioen 95orfd&riften bes gefeftlid^en c^elit^en ©üterrcd^tes abmeid^enben Slrt
uittfleftoltet, unb fnüpfen fid^ an einen fold^cn SSertrag befonbere gütcrred&tlid^e
gofgen (oergf. §§ 1294—1296). 3la6) bem § 1333 fallen aber unter ben
Segriff beS e^coertrages auc^ fold&e SBerträge, burd^ roeld^e bas gefefelid&c e^e^
lütt ©üterrcd^t nur in einjelnen S3ejief)ungen geänbcrt roirb.
ein Sebürfnife, bie 3(usna^me beS § 1335 Slbf. 2 aud& auf foldde SSer*
träge ber bort bejcid^neten STrt ausjubcfincn, meiere nxäft ocrbraud^barc 6t)eguts^
foijen }iim ©egenftonbe l^aben, liegt bagegen nid^t oor. SSerträge ber 3lrt
finb feiten, wenn fic aber Dorfommcn, jumal wenn ©runbftüdfe in S^age ftefien,
oon befonberer 33ebeutung. 3lu(^ entfte^t in fold^en göDen fiäufig ber Sweifd,
ob loirtlit^ ein SSertrag ber ^ier fraglid^en 3Irt ober nur ein SBert^anfdfilag
mit Äüdfi^t ouf eine etwaige ®rfafepflid^t bcS ß^cmannes beabfid^tigt ift. ®s
ifl ein (Seroinn, wenn blcfe grage bei ®clegenl|cit bcS SSertragsabfd^IuffeS
unter SRitmirfung bes ©erid&tes ober 9lotareS ttargeftellt wirb.
9Bic ous ber gaffung bes 9lbf. 2 mit genügenber Äfarfieit erfiellt, be*
}ie^ fi(i berfelbe übrigens nid^t aud& auf einen fold&en SSertrag, burd^ meldten
bie ®runbfa^c über bcn Sliefebroud^ an oerbrauc^baren Saä)en auf bie efielid^c
Sutniefeung an ben jum G^cgute gcf)örcnbcn ober fünftig in basfetbc faüenbcn
wrbrau(Jbaren Sad^en generell in ber ärt für anroenbbar crKört werben, bafe
ttuf ®runb eines fotd^en 35ertragcS bas ©igcnt^um bcr oerbraud^barcn ©ac^en
öuf ben g^mann o^nc Uebergabc in berfelben 3Beifc übergef)cn foU, wie wenn
Me ©ninbfäfec über ben 9liefebraud& an oerbraud^baren ©adrett fraft beS ©e*
fejes mafegebenb wären. Db unb inwieweit ein berortiger 35ertrag in ©r*
mttngelung befonberer SBeftimmungen überhaupt rcd&tlid^ moglid^ ift, fann
MingefteUt bleiben. S^benfallS liegt fein Sebürfnife cor, benfelben oon ber
?ormoorf(^rift bcS § 1335 2tbf. 1 ju entbinbcn. 3m ©egent^eil würbe bie
3«Iöffung eines fold&cn SSertrages of)ne bie fd&üfeenbc gorm bes § 1335 2lbf. 1
öom Stanbpunftc beS Sntercffcs ber ß^efrau aus, welche bur^) bie im § 1294
MKmmtc Slusf^Iicfeung ber 33orfd^riften über ben SWicfebraud) an oerbraud^*
Soren Sachen Don ber 5Änmenbung ouf bie efielid^c S^u^nicfeung gefd&ü^t werben
foB, bebenfüc^ fein.
Suf ben Äbfd^Iufe oon @I|eoertrÄgcn burdfi SBertretcr, insbefonbere gefegt em^unQ
üfy Vertreter, finbcn, oorbe^altlid^ ber befonberen S3cftimmungcn bcS § 1341 ^^^^^'
Sttf. 2 unb bcS § 1431 5Äbf. 2, bie aKgemcinen ©runbfäfec STnwcnbung. ®urd^^ Ber"r*er
fcWogcnbe ©rünbc, bie legtcrcn, in 2lbweid&ung uon bem gcitenbcn Siedete,
rtma nac^ ber Slid^tung I|in ju burd^brcd&en, bafe ben gefegüd^cn 9Sertrctern
in Snfcljung ber S^liefeung eines ©fieocrtragcs bic SßcrtrctungSmad)t ent5ogen
314 e^ewertrSge. SBirffamfcit flCflcn ©ritte. § 1336.
würbe, liegen nid^t t)or, ha cö fxd^ bei @^et)ertrdgen in crfter Sinie unb in
bcr ^auptfad^e nur um ocrmöflcnöred^tlid^c Sejiefjungen .^onbelt, in Stnfe^ung
beren aud^ fonft bem gcfefelid^en Vertreter bie aSertretungömod^t jufte^t (uergL
§§ 1649, 1728, 1743, 1503). Slnlangenb inöbefonbcre bieienigen in bic SBcr^
l^altniffc ber ®l^egatten allerbingS tief einfd&neibcnben ®^ct)erträge, burd^ meiere
ber ©fiterftcmb ber oBgemetnen ©ütergcmeinfc^oft ober ber ©emeinfd^oft bcd
beroeglid^en SBemtogenö unb ber ©rrungenfd^aft uereinborfroirb, fo ift infoiocit
burd^ bie Söeftimmungen beö § 1341 Slbf. 2 unb bcö § 1431 3ffif. 2 für baß
3ntereffe ber unter elterlid&er ©eroalt ober unter SSormunbfd^aft ftel^enben ^cr»
fönen genügenb geforgt. ©benforoenig ift ein Sebürfnife anjuerfennen, ab^
roei(^enb oon ber Siegel beö § 127 Slbf. 2, bie jur SBirffamfeit eines ©l^eoertraged
erforberlid^e 6inroiltigung ober Oene^migung beö gefeglid^en SSertreterfi (§ 65
2lbf. 3) an bie im § 1335 2lbf. 1 oorgefc^ricbene gorm ju binben.
§ 1336.
®*«»ke« 3n bm aßotioen ju § 1333 finb bereit« bie ©rünbc bargelegt, auö
mmZti roeld&en ber ®ntrourf eine allgemeine Seftimmung, rocld&c bie SBirffamfcit
*«|J^«; eines ß^coertrageö gegenüber dritten überhaupt oon ber öffentlichen ^ttannU
^* *"' mad^ung abfjängig mac^t, nid^t aufgenommen f|at. dagegen finb befonbere
93eftimmungen, burd^ roeld^e nad^ bem äSorbilbe bed § 1257 ^bf. 1 gutgläubige
S)ritte, bie ein SRec^tdgefd^äft mit einem ber ©Regatten gefd&loffen ober biefem
gegenüber vorgenommen liaben ober benen gegenüber einer ber ©Regatten ein
ätec^tsgefc^öft t)orgenommen l^at, in älnfel^ung ber SBirffamfeit eines folc^en
9led^tSgefd^äfteS gegen bie ^ol^m roenigftenS geroiffer S^eoertr&ge gefd^ügt
roerben nid^t }u entbeliren.
im 9aae ber @incn berartigeu ©d^uß uerlei^f ber § 1336 junäd^ft gegen einen
^hla^^t^t \^i^^^ ®^eoertrag, burd^ rodeten ber gefeftlid&e ©üterftanb ausgefd^lofjcn
«üterfionb««, oi)er geöubert roirb. 2)al^in gehören inöbefonbere bie gälte, wenn an (SteQe
bes gefefcli^en ©üterftanbes Trennung ber ®üter vereinbart (§ 1338) ober
in Slnfe^ung einjelner jum SSermögen ber ©fiefrau ge^örenber ©egenftänbc
bie e^elic^e SHußniefeung unb aSerroaltung ausgcfilofjcn wirb (§ 1286).
SBer im 93er trauen auf bie gefefetid^c Siegel, ba& bem ©bemanne an bem
93ermögen ber ®^efrau bie el^elid^e SHuSniefeung unb SSerroaltung 5ufte^e^
fid^ mit bem ©bemanne auf fold^e Slec^tsgefd^äfte über ^eftanbt^eile biefes
aSermögenö einlädt, welche xmter ber aSorausfeJung beö 93efte^ens ber c^e^
liefen 9lu^niegung unb äSerroaltung an jenen ©egenftänben für bie @^efrau
binbenb fein mürben (oergl. j. 33. § 1292 ocrb. mit §§ 1026—1028, 1035,
1008, 1318), barf in biefem SSertraucn in 9lnfe^ung ber SBirffamfeit folc^er
3led&tSgefd^äfte nid^t getäufdbt werben, eö fei benn, bafe bie Stuöfd^liefeung ober
älenberung }ur 3^it ber ^orna^me beö 9ied^tögefd^äfteö nad^ äßaggabe ber 93or-
fd&riften ber §§ 1435—1437 oeroffentlid^t mar ober bem ©ritten befannt fein
mufete. 3« ^^^ Äategoric berjenigen 6t)eoerträge, burd^ meldte ber gefegUc^e
©üteiftanb auögcfc^loften roirb, gehören ferner fold^e S^eoerträge, burd^ meiere
einer ber oerfd^iebenen ©üterftänbe ber ©ütergemeinfd^aft (§§ 1341 ff., 1410 ff.,
1431 ff.) oercinbart morbcn ift, fei eö, bafe berfelbe unmittelbar an bie Stelle
Stebertraflc. SBirFfamfeit öcgcn Dritte. § 1336. 315
it& gefeilteren Oüterftonbeö ober an bie Stelle cincö anbeten ocrtragömäfeigcn,
ober nic^t oeröffcntUcidten ©ütcrftanbefi tritt ©in ©d&uft dritter gegen fold&e
g^ewrtrögc ift jroar nid&t von bem ©efid&töpuntte auö erforberlid^, bafe bie^
fe(6en unter einer oertragdmägigen 3ludf(^[iegung ober 3ßinberung ber bem
(Joanne an bem SBcrmögcn ber ®^efrau fraft beö (Sefe^eö juftefjenben SHed^te
in Snfe^ng ber SSirffam!eit ber im § 1336 bejeid^neten 9ie(i^tdgefci^fte ni^t
leiben bürfen; benn im SSergleid^e }u bem gcfeglid^en ©fiterrec^tc werben burd^
bie oerfc^iebencn ©üterftänbe ber ©ütergemeinfd^oft bie SRecfite beö @^emanned
cn bem 35erm5gen ber ®^cfrau nid&t geminbert, fonbern me^r ober weniger
enoeitert. 2)agegen bebarf cd bei fold^en ©^eperträgen eined Sd^uged gut^
gUmbiger dritter im ^inblide auf bie nid^t unerf)eb(id^en 93erfugungö^
befc^rfintungen^ meieren ber ©l^emann im SSergleid^e ju bem gefeglid^en ©üter^
rechte bei ben oerfd&iebenen gormen ber (Sütergemeinfc^aft in Slnfel^ung fold^er
©egenftfinbe, meldte nad^ bem gefefcUcfien Oüterred^te ju feinem SSermögen
gehören mürben, nicfjt nur in binglicficr, fonbern aud& in obligatorifd^er 93e*
Jie^ng, unterliegt (oergl. §§ 1353, 1417, 1431 2tbf. 1). 3um ©d&uße ber
Serfc^rftfr^er^eit reichen ^ier bie allgemeinen ©runbfäße über ben Sd^ufe beö
guten ©laubend nie^t aud, ba biefelben einerfeitd fic^ nic^t auf bie Slbtretung
^^pot^farifd& nid^t gefxd^erter gorbcrungen erftrcdfen, anbererfeitö nur baö
Mnglid^e, ni^t ouc^ baß obligatorifd&e SRed&tögefd^äft fd&üften (pergl. §§ 837,
877-879, 1033, 1114 üerb. mit § 1343). 3lud& bie allgemeinen ©runbfäfee
über ScJabenöerfaJ auö unerlaubten ^anbtungcn (§§ 704, 705) mad&en in
ber ^ier fraglid&en 93ejief|ung bie befonbercn Scftimmungen beö § 1336 jum
S^u^e gutgläubiger S)ritter nid&t entbehrlich. 2)ie Seforgnife, bafe eine 9luö?
be^ung beö § 1336 auf folc^e ©^eoerträge, burd^ meldte an Stelle beö gcfeg^^
lic^n ©üterftanbcö einer ber ©üterftänbe ber ®ütergemeinfd)aft vereinbart
loirb, in benjenigen ©ebieten, in meieren bie ©ütergemeinfd&aft in ber einen
ober ttnberen gorm gegenwärtig ber gefcftlid^e ©üterftanb ift, ju fet)r erf^weren
©erbe, weil fte bie ©Regatten ju ber mit Soften unb SBeitläufigfeitcn öer-
bunbenen SBeroffentli^lung ber ©f|et)erträge bränge, beren ^nl^alt jubem für
bas ^ublifum ni^it immer beregnet fei, fann alö bcgrünbct nid^t anerfannt
Toerben, ba bie SSeroffentlid^ung nad^ § 1437 nid^t oon Slmtöwegen, fonbern
nur auf Antrag erfolgt, bie @I)egatten aber bei normalen 93erl)ältniffen wegen
beö gegenfeitigen SSertrauenö, auf wetd&em bie ©cmcinfd^aft bcrut)t, oon einer
Seroffentlic^ung ber ©^eoe.rträgc überhaupt Slbftanb ncljmcn werben.
SBic auf ben burd^ bie Siegel beö ©efegcö feftgeftcUten c^elid^en ©ütcr^ etne« »eröff.
flonb, muffen gutgläubige ©ritte jxd^ aud^ barauf oerlaffen fönnen, bafe ein '^aitgen
Deröffentlii^ler üertragömäfeiger ©üterftanb, fo lange bie 9lenberung beöfelben «üterfianbe«.
ni<^t ©eröffentlid^t ift, noc^ fortbeftel^e. 8Bar ber gcfefelid^e ©üterftanb burc^
Sercinborung ber ©ütertrcnnung (§ 1338) auögefd^toffen ober burd^ oertragö-
möBigc Seftimmung oon aSorbe^attögut geänbert unb bicfe Sluöfd^liefeung ober
Senberung üeröffentli'^t, fo muffen gutgläubige 3)ritte in 9lnfel^ung ber SBirf^
famfeit oon dted^tögefc^äften, welche fic mit ber ©l)efrau fd)liegeu, nad^ 9)lag^
gäbe beö § 1336 fo gefci|ü^t werben, alö ob bie 9(uf Hebung ober SIenberung
beö veröffentlichten 6t)eoertrageö nid^t erfolgt wäre. ®ieö fü^rt batjin, bafe
nic^t nur bie von ber ©^efrau getroffenen 3[}erfügungen über baö nac^ SRafe*
316 e^eücrträttC. SSäirffamfeit gegen ©ritte. § 1336.
gobc bcs ocroffcntlid^tcn (SI)et)ertragc6 bcr c^cli^en Jlujniefeung unb Serioaltimg
nid^t unterUegenbe SSermögcn auä) o^ne @tntt)il(igunc{ beö (S^emanned old
tüirffam anjufefien, fonbcrn aud&, fofem ber ©ütcrftanb bcr ©ütertrcnnung vcv-
einbart unb ücröffentlid^t war, bic von bcr @^cfrau eingegangenen SScrbinb-
lid)feiten alä oor ©intritt beö neuen ücrtrogömäfeigen (Sütcrftonbeö, fei cd bcr
e^elid^en ^Wufiniefeung unb SBerroaltung ober ber ®ütergcmein[d&aft, entftanbciv
b. I;. als ©l^egutös bcju). olfi (Sefammtgutöoerbinbüdfifeiten ju bc^anbeln finb
(nergt. §§ 1311, 1312, 1359, 1362, 1417, 1423, 1431 3lbf. 1). 2(ber auä) für
bcn %aU ber 3luff|cbung bcö ocröffentlid^ten oertragämäfeigen ©üterftanbcö
ber Oütergemcinfd&aft, ber allgemeinen, wie ber portifulären, burc!^ ®^eücrtracj,
ift ber Sd^uft beö guten (Slaubenö mi) SWafegabe be« § 1336 mit 9lü(ffi4|t
borauf geboten, bofe mit ber SÄuflöfung ber (Sütcrgemcinf^oft an ©teile bcö
einfcitigen SBerfügungßred&teß beö ß^emonneö über baö (Scfammtgut (§§ 1352,
1417, 1431 3lbf. 1) baö 5ßrinsi|) ber gefammten ^onb tritt (§§ 1373, 1429
aibf. 1, § 1431 9(bf. 1) unb au6) bie e^cfrau baö Siedet oerliert, in bcn
gällen beö § 1356 vcrh. mit § 1307 unb beö § 1358 (ücrgl. ferner §§ 1417,
1431 2lbf. 1) cinfeitig über ©efammtgut ju nerfügen (oergf. auc^ prcufe.
31. 2. 91. II, 1 § 419, 422 ff. ; olbenb. ®ef. o. 24. 9IpriI 1873 Slrt. 31 §§ 2, 3).
©ic SRücffid^t auf bie S8erfc^röfxd)er^cit verlangt iebod^ nur für ben gall einen
bcfonbercn ©d^ug bcö guten ©laubenö, mcnn ein oeroffentlid^tcr Dcrtragfi-
mäßiger (Süterftanb fpäter geänbert inirb. 35er jufällige Umftanb, bafe ber
Dritte ben Sttbf^Iufe beö nic^t peröffentlic^ten ©fieücrtrageö auf anbere SOBeifc
erfahren Ijat, fann bcmfclben fein Slnrcd^t geben, bafe i^m gegenüber ber ©^e-
ücrtrag nad) SRafegabc bcö § 1336 alö nod^ befte^enb angefe^cn wirb. SBiel^
mcljr ift eö feine Sad^e, fic^ banac^ ju erfunbigen, ob ber (Sfieoertrag nod^
bcftefit. 3Iud^ in anberen ä^nüd^ liegenben göllen, inöbcfonberc bei ben 93e«
ftimmungen über bie SSoUmad&t (§§ 120, 121) ift ber Entwurf jum ©^u^c
beö guten ®Iaubenö nic^t fo weit gegangen. Gin Scbürfnife, fo roeit 5u ge^en,
fann, fooiel fpejieU fold^c ©^cücrträge betrifft, burd^ n)e[d)c bcr nid^t ocr-
öffcntlid^tc tJcrtragömcißige ©üterftanb bcr Oütergemcinfd^aft aufgehoben wirb,
inöbcfonberc aud^ mit SHücffiddt auf bicjcnigcn ©ebietc nic^t anerfannt werben,
in meieren bic ©ütcrgcmeinfd)aft in ber einen ober anbcrcn gorm gegcnroärttg
bcr gcfcfetid&c Oüterftanb ift unb fünftig üicUeid^t bie cntfpred&enbc ocrtragö^
mäfeige ©ütcrgcmeinfd^aft beö ©efc^bud&cö bic Siegel bilben wirb, jumQ! in
mand&cn gftllen bem gutgläubigen ©ritten bie allgemeinen ©runbfäße, xn^
befonberc bie Seftimmungcn über ben Scliabcuöerfaß auö unerlaubten ^mtb-
hingen (§§ 704, 705), fdjüßcttb iur ©eite ftel)cn merbcn. SBcld&c SBirfungcn
eö l;at, menn bie (Stiegattcn ober einer bcrfclben bcm 35rittht bcn nid|t tjer^:
öffcntlid)ten oertragömäfeigen ©üterftanb angcjcigt, bic Slnjcigc bcr fpätercn
Stcnbcrung aber untcrlafjcn l^abcn, ift an bcr ^anb ber allgemeinen ®runb:=
fäfee JU bcurttjcilen.
S)ic 93eröffcntlid)ung bcö ocrtragömäfeigcn ©ütcrftanbcö fd^ügt übrigens
ben Dritten nad) SDlafegabc bcö § 1336 nur unter bcr SBorauöfcgung, bafe ber
oeröffentlid&tc ocrtragömäfeige ©ütcrflanb in 2Birflid)feit burd) einen gültigen
®f)CDertrag uercinbart ift. Der 33er5ffentlid)ung alö fold)cr aud) in ©r*
mangclung jener SSorauöfc^ung bic im § 1336 bcjcidjneten SBirfungen bei*
e^cücrträflc. SBicffamfcit öCßen Dritte. §1336. 317
iulcgcn, mithin baß cl^crcd^tlid&c SWcgiftcr in 9lnfe^unfl bcr publica fides mit
bem ©runbbuei^c (§ 837) auf eine fiinie ju ftellen, würbe ju n)cit ge^en.
Sielmc^r fonn in bicfer Sejie^ung boö e^ere^itlic^c SRcgifter nur als bem
^onbeldregifter gleid^fte^enb be^anbelt merben.
Der ©c&ug, melden ber § 1336 2)rittcn ju gcroöl^ren bejmectt, ift aus* «««««'
8cf(^IoRcn, wenn bie burd^ ®^eoertrag erfolgte Sttufifci&Uefeung, ^[uf^ebung ober '^"gXn*'**
»cnberung befi betreffcnbcn ©ütcrftanbcß na^ SKafegabc ber §§ 1435—1437 «'««^en«.
»croffentlüt war ober bem ©ritten bcfannt war ober befannt fein mufete.
^ic gaffung beö § 1336 läfet feinen B^eifel barübcr auffommen, bafe, um
bic änroenbbarfeit ber barin jum ©d&u^e beö guten (Slaubenö getroffenen
bcfonberen SSorfi^riftcn außsufd^üefeen, erforbcrlid^ ift, bafe biejenigcn Seftim«
mimgen beö 6()eüertrageö, loelcftc gerabe für bie SBirffamfcit bes fonfreten
9le(^tdgcfcftäfted non SBebeutung finb, jur Qüt ber 33orna^me beö lefeteren nad^
ÜRofegabc bcr §§ 1435—1437 Deröffentlid^t waren ober bem ©ritten befannt
waren ober befannt fein mußten.
3)ie Slrt bcr ^Regelung ber Seroeiölaft entfprid&t bem § 1257 3lbf. 1, »«>ei««f*.
bie ©leidöftcUung beö Rennenmüffenö mit bem Äcnneu ber Slnalogic ber 58e?
ftimmungen beö § 120 3lbf. 2 unb beö § 121 3Ibf. 4.
Eer § 1336 fd&üfet ©ritte nur in 3lnfe^ung ber SBirffamfcit ber bort «wf««« *>««
bcjeic^ncten SRed^tögef^öfte. aSßcnn ba^er ein ©ritter, welcher nad^ 9luf^ebung **"****
ober Slcnbcrung beö oeroffentUd)ten ©üterftanbeö ber ®ütcrgemeinfc^aft, aber
Bor bcr SBcroffentlid^ung biefer Sluf^ebung ober Slenberung in bem guten
©laubcn, bafe bie ®ütergemeinfd)aft nad) aWafegabe bcr früheren SSeröffcnt*
li(tiung no(^ unneränbert fortbeftel)e, gegen einen ber ©Regatten burd^ ein 9ied)tö$
gcfc^aft ber im § 1336 bejcic^neten 2lrt einen älnfprud^ erroirbt, fo ift ju
@unften biefeö ©ritten baö SScr^öItnig nid^t etma allgemein fo ju beurt^eilen,
olö wenn bie ©ütcrgemcinf^aft }ur 3<^it ber SSornaljme beö Sted^tögefd^äftcö
noc^ nic^t aufgel)oben gemcfcn wäre, fo bafe ber ©ritte aud& auö benj[enigen
©cflcnftänbcn, weldbc ber eine ober anbere ©Ijcgattc in ber 3^'* ^^^ ^^^ ^luf^^
Hebung bcr (Sütergemcinfd^aft biö jur 93ornaf)mc beö JRec^tögefcöäftcö erworben
liat, unter ber SSorouöfcgung, bafe biefelbcn beim gortbcfte^cn ber (Süter*
gcmcinfd^aft ©cfammtgut geworben wären, nad^ SHafegabc ber Sßorfd^riften über
bic bctrcffenbc ©ütcrgcmeinfd&aft feine 93efriebigung oerlangen fönntc. 93iet
me^r crgicbt f\d) auö § 1336 für bcn in 9icbc ftcfjcnben gaU nur fo oiel,
bag, fofern beim gortbeftel^en ber betreffcnbcn ©ütcrgemcinfc^aft nad^ bcn SSor^
fd^riften ber leßtcrcn bie SBerbinblid&feit ©efammtgutöocrbinblidbfcit fein würbe
(§§ 1359, 1362, 1423, 1431 3lbf. 1), ber ©laubiger ben ß^cmann perfönlid^
in Snfprud^ nehmen unb, foweit bie 3luöeinanberfe|ung no^ uic^t erfolgt fein
foDtc, 33efriebigung auö bem nocf) t)or[)anbenen ©cfammtgute ücrlangen fann
(§§ 1359, 1373, 1374, 1423 3lbf. 1, § 1429 3lbf. 1, § 1431 3lbf. 1). 3ft
baö ©efammtgut aber bercitö gct^eilt, fo fann nur in gragc fommen, ob ber
©laubiger beö einen ßl^egatten auö ber $erfon beö legteren gegen bcn anberen
Ctiegattcn etwa einen ^Infprud^ auf 3lücfgabe gcltenb mad^cn fann, wenn unb
foweit unter Serüdfi^tigung bcr ^ier fraglichen, im SBcrfiältnijfe jwifdjcn bem
©laubiger unb bcn (Stiegatten alö ©cfammtgutöDcrbinblid^fcit ju be^anbelnben
SäcrbiiÄlic^feit -bcr anbere ß^egatte bei ber Stuöeinanbcrfegung über ba^
318 ei&coerträGe. SBirffamfeit geflen ©ritte. § 1336.
*
Oefammtflut ju üicl erhalten l^at (§§ 1377, 1380, 1429 Slbf. 1, § 1431
9lbf. 1). ®in SJcbürfnife, über biefe ouö bcm § 1336 fx6) ergebcnbcn Ron^
fecfuenjen jum ©d&uftc ber ©laubiger fjinaußjuge^cn, ift nid^t anjuerfennen.
5Dod preufe. 31. fi. SR. II, 1 §§ 419, 431 gefjt für ben gaH ber Äuftebung ber
©ütcrgemeinfci^aft jum ©d^ufte ber ©laubiger aUcrbingö nod^ weiter, fofern
man, entgegen ber in neuerer ^zxi bei bem Steic^ögeric^te jur Slncrlcnnung
getaugten Slnfid^t, berjenigen Sluffaffung folgt, roefd^e bie Scftimmung be«
§ 431 II, 1 31. ß. SR. in ber preufe. ^ßrafiö, ber Ste^tfpred^ung beö SR. D. §. ®.
unb ttucö iti einem früheren Urt^eile beö SReid^ögeri^teö gcfunben l^ot (oergL
®ntfd^. b. gt. O. $. ©. X, 98, XIX, 13; entfd^. b. SR. ®. in Sioilf. V, 74,
XIV, 76). 9lad^ jener Stuffaffung werben bie roätirenb ber ©ütergemeinf^aft
entftnnbcnen gorberungen gegen bie ßfjegotten oon ber 3(uf^ebung ber ©üter«
gemeinfd&aft überall nid&t berührt, fonbcm eö wirb bcjügtic^ berfelbcn bie
©ütergemeinfd&aft alö fortbefte^enb betrad^tet, fo bafe jeber ©noerb, weisen
einer ber S^egatten nad^ Sluf^ebung ber ©ütergemeinfc^aft w&l^renb Sefte^end
ber ®^e mac^t, ben ©laubigem, beren gorberungen oor ber 3luf^ebung cnt?
ftanben finb, cbenfo ^aftet, wie er benfelben haften würbe, wenn bie ©üter*
gemeinfd^aft nid^t aufgehoben wäre, ^adfclbc gilt auf ber ©runblage jener
SluffaRunq 5u ©unften berjenigen ©laubiger, weld^e in ber 3">ifcÖ^»iü^i*
jwifd&en ber 3luf^ebung ber ©ütergemeinfc^oft unb bem Slblaufe beö jur offent^
lidben Sefanntmad&ung bcftimmten S^itraume« bejw. ber fpäteren offcntUd^en
SBefanntmad&ung Slnfprüd&c gegen einen ber ©Regatten erworben ^aben. ©egen
eine berartige pofitioe SRegclung fpred^en aber — abgcfe^en baoon, bafe bei ber oei>
tragdmäfeigen ©ütergemcinfd^aft ber S^edf, ben ©laubigem eine größere ©i(^er«
^cit ju gewägten, überhaupt me^r in ben ^intergrunb tritt unb oon biefem
©tanbpuntte aus ben ©laubigem burd^ ben § 1336 unb bie SSorfc^riften ber
Äonf. D. unb beö SR. ©ef. v. 21. 3uli 1879 über bie 3lnfed&tung ber »lec^tfi^
l)anblungen eine« ©c^ulbnerö auSreicftenber ©d&ufc gewährt wirb — bie praf«
tifd^en ©d&wierigfeiten unb SSerwidtelungen, welche fic^ aus ber giftion beö
gortbeftc^enö ber ©ütergemeinfd^aft im S8erf)ältnijfe ju ben ©laubigem
namentlid^ bann ergeben, wenn bie nad& 3luf Hebung ber ©ütergemeinfc^oft
üon bem einen ober anberen ©liegatten erworbenen, im SBerbältniffe ju ben
©laubigem jum ©efammtgute ge^örcnben ©egenftänbe üon biefem ®f>egattcn
einfcitig Deräufeert finb ober fonft eine ©urrogotion ftattgefunben ^at. äuö
biefcn ©rünben empfiehlt eö fid& aud^ nid^t, für ben gall ber Sluf^ebung ber
©ütergemeinfd^aft bie SBorfd^riften beö § 1336 ju ©unften fold&er ©laubiger,
weld^c in ber ^^^ifc^cnseit jwifd^en ber Sluf^ebung unb ber SBeröffentlic^ung
ber lefiteren in bem guten ©lauben, ba^ bie ©ütergemeinfd^aft noc^ fortbefte^e,
gegen ben einen ober ben anberen @t)egatten 3lnfprüd^e erworben ^oben, in ber
3lrt JU erweitern, ba§ fie fid^ jum Qm^dt i^rer Scfriebigung aud^ an ben*
jenigen in jener Sw^'f^cnjeit gemad&ten ©rwerb ber ©Regatten galten fonnen,
weld&er otjne bie 3lufl|ebung ber ©ütergemeinfd^aft bem ©efammtgute ju«
gefallen unb Dbjcft i^rcr S3efriebigung geworben wäre.
»er^ÄitniB Slulaugeub bie %taQt, wie bie allgemeinen Söorfd^riften über ben ©d&u^
«orwrifun beö guteu ©laubenö, inöbefonbere bie beöfallfigen Sßorfd[)riften beö ©runbbud^*
fifter ben te^tcö, uac^ weld&eu ber gute ©laube nur bann auögefd&loifen ift, wenn ber
e^eöerträge. SBirtfamfcit gegen ajritte. § 1336. 319
5)rittc jur ^dt bcö ftd^ oolljie^enben (Srtoerbcd bcß 3led)te3 bic 5Rid&tüberein^ 64u* be<
fHmtnung bcö (Srunbbud^eÄ mit bcr roirffid^cn SRcd^tötagc gcfannt 6at (t)ergl. ©laub««
§§ 837, 838, 1083, 1114, 877—879), ju bcr 33cftimmung bc« § 1336 ftc^
Der^alten, nac^ toeld^er ber gute ®(aube bed Stritten fdbon bann ald nid^t
oor^onben angcfe^en wirb, rocnn bie Sfcnberung beö G^coertrogeö jur 3^^^
ber Sornafime bcß SRe^itögcfd^äfteö naä) SWafegabc bcr §§ 1435—1437 t)er^
offentlid^t loor ober bem dritten befannt fein mufetc, fo bebarf cd in biefcr
^infi^t feiner befonberen gefeftUcfeen Seftimmung. ©8 fann nid^t jroeifel^aft
fein, bo§, ou(^ wenn ber S^coertrag Quf ©runb bes § 1336 bem ©ritten
gegenüber ate untoirlfam nid^t ansufe^en ift, bie äBirffamfeit bed Sled^td^
gefc^äfted bed Dritten mithin auf biefe 93eftimmung nid^t geftfigt werben fann,
bo(^ ni^t audgef(!^loffen ift, bag bad in ^olge bed StieDcrtraged an ft^
nnroirffomc SRe^tögefd^äft nad& SRafegabe ber allgemeinen aSorfd^riften über ben
@4u| bed guten (glaubend ald mirtfam fid^ barftellt.
S)ad prcufe, ?r. S. 31. n, 1 § 216 cntfjält jum Sd&ufic ber 3ted^te ^JJ'SuT
Dritter bie befonbere SBeftimmung, ba^, menn ©runbftüde ober Kapitalien, fc^uffeftber
welt^e nac^ gefegtid^er 83eftimmung jum ©ingebrad^ten geboren, bnrd^ ®^^ nteju^wUT
oertrag bie (Sigenfd^aft bed SBorbel^altdguted aud^ in SSejicI^ung auf einen eenooitunfl.
bitten erlangen foUen, biefelben ald SSorbel^altdgut auf ben 9{amen ber
6^au gefd^rieben werben muffen. Sßom ©tanbpunfte bed ©ntrourfcd aud ift
eine fold^e Eintragung ber iBorbe^ltdgutdeigenfd^aft bed gebuchten Sied^ted ber
e^efrou in bcr Siegel für ©ritte ofine 3ntcreffe, ba ber ®f)emann fraft ber
c^lid^n !Ru|nie6ung unb SBerwaltung o^ne^in über gebuchte 3lcd^te ber @^e:=
frau o^ne bcren aSollmad^t ju oerfügcn regelmäßig nid^t bered^tigt ift (oergl.
§ 1292 ocrb. mit § 980 Slbf. 1, §§ 984, 1033—1036, ferner §§ 1318, 1319).
eine Suöna^mc finbet in biefer ^infic^t nur ftatt bei ni^t oerjindlid^en
6?pot^farif^ gefiederten gorberungen, ©runbfd&ulben unb ®igcntf|ümer*
^iipot^efen (§ 1292 ocrb. mit §§ 1028, 1033, 1035), foroie bei ben fraft ber
eWiiften Sluftniefeung erworbenen Slnfprüd&en auf bic 3^^^^^ ^^^ SRufeungen
gebildeter Weckte (§§ 1026, 1027). S)iefe le^tercn Slnfprüd^c fommen {ebod^
für bie üorliegenbe grage nic^t in 93etrad^t, ba fic rüdfftänbigc Seiftungen jum
©egenftanbc ^abcn unb bcd^alb überhaupt nid&t unter bem ©d&ugc bed offent*
liefen (glaubend bed @runbbud{)ed fteljcn (ocrgt. § 1090 SÄbf. 2, §§ 1108, 1121,
1136, 1141, 1060). Slnlangcnb aber bie übrigen gebud)tcn Stellte, über welche
ber ©^emonn burd^ ®eltenbmad&ung ber betreffenben Slnfprüd^c ju verfügen
beret^tigt ift, fo mürbe ein Sebürfnife, bm Sludf^lufe ber et)elid&cn SRu^nicfeung
Hnb SSerwaltung in Scjic^ung auf jene 9ledt|te, abgefe^en von ber Sßorf^rift
bed § 1336, aud& burdd ©intragung in bad ©runbbud^ befannt ju mad&cn, im
^nblidfe ouf bic ©runbfafec bed ®runbbud&redE)tcd nur bann anjuerfennen fein,
iDcnn bic e^elit^c Slüfenicfeung unb SSerwaltung fctbft in bad ©runbbud^ ein*
getragen wäre. S)a bied aber weber erforberlid^ nod^ juläffig ift (ocrgl.
§§ 1283, 1305 unb bie üJlotioe ju § 1305 oben ©. 238 ff.), fo muß aucft in
Sejie^ung auf iene gebud&tcn Slct^tc bie SBorfd&rift bed § 1336 genügen,
ffiirb bie c^elid&e 9lu|nic6ung unb SBcrwaltung nid^t eingetragen, fo vertraut
berjenige, weld^er bem ©bemanne fraft bcr c^clid^cn ^lugnicfeung auf ®runb
ber ^icr fraglid&en gebud^ten JRcd&te Iciftet, in SBirflid^fcit nic^t bem Orunb*
320 e^cöerträge. 23irffomfcit gegen ©ritte. § 1337.
bud^e (§ 838), fonbern ber g^f^fel^cn SRcgct, bafe bcm ©bemanne in änfcl^ung
jener Siedete bic cfielid^c ^lufenie^ung iinb SBcrronltung juftel^e. ©icfeö aSer*
trauen ift aber waä^ § 1336 ein unbcred^tigtcft, wenn bic Sluöfd&Ucfeung bcr
e^elic^cn Sßufenicfeung unb aSerroaltung in Slnfc^ung jener Siebte nn^i SWafe^
gäbe ber SSorfd^riften ber §§ 1435—1437 veröffentlicht war. Slnberö liegt Die
©ad^e bei 9luft)ebung ber ©ütergemeinfc^aft, fofem bie ©ütergemeinfd^aft in
baö ©runbbuc^ eingetragen roorben ift (oerg(. §§ 1343, 1417, 1431 3lbf. 1 ©erb.
mit §§ 837, 838, 1083, 1114).
§ 1337.
€*«» 2)er § 1337 bejroedft, benjenigen ©d^ufe, weld&cn ber § 1336 ©ritten in
öiSlbSinei Slnfe^iing ber bort bejeid^neten SRe^itSgefd^äfte geroäl^rt, auä ben gleid^en
«^«•^ Orünben unb im Slnfd^Iuffe an § 1257 2lbf. 2 aud^ in SÄnfebung eine« red^ts^
iifi tcn. j^g^-gg^ Urtbeiteö ju geroä^rcn, roeld^eö in einem jroifc^en einem ©ritten unb
einem ber ©Regatten anl)ängig geworbenen SRec^töftreite ergangen ift (ocrgL
bie aWotiüe ju § 1257 Slbf. 2 oben ©. 65 ff. unb ju § 1336). SBon praftifd&er
SBebcutung ift bicfe 9lu«be^nung namcntUd^ für fold&e gälle, in welchen bcr
Dcroffcntli^ite ucrtragömäfeigc Oüterftanb ber (Sütertrennung ober ber ©ütcr-
gemeinfd^aft burcli (Stieoertrag geänbert wirb, im ^inbüdEc auf bie 93orf(§riftcn
ber §§ 1302, 1303 bejro. ber §§ 1352, 1358, 1417, 1431 3lbf. 1. ©ic ®rünbc,
meldte ben ©ntrourf beftimmt Ijabcn, im § 1337 alö ben cntfd^cibenbcn S^tpunft
für bie 33eröffentlid^ung bejro. ba& Kennen ober Äennenmüffen beö ©ritten bie^
jenige 3^it fjinjuftenen, in roeld&er bie ®eltenbmad^ung ber burd^ S^coertrag er^
folgten Sludfc^licfeung, aiuffjcbung ober ätenberung beö bidljcrigcn ©ütcrftanbcÄ
in bcm SRed^täftreite l^ättc geltenb gemad^t werben fönnen, finb biefelben, wie
biejcnigen, auf weld^cn bie cntfprec^enbe SSorfc^rift beö § 304 Slbf. 2 berul|t.
^othtmtttnn%
iu ben §§ 1338—1434.
5Die Im ®cfe»- ©ic §§ 1338—1434 regeln bie üertragömäfeigen ©ütcrftänbe ber®üter*
rÄ^m. trennung (§§ 1338-1340), ber aUgemeinen ©ütergemeinfd^aft (§§ 1341—1409),
trofl«mäBi8en bcr ©rrungenfd^aftögcmcinfd^aft (§§ 1410—1430) unb bcr ©cmcinfd^aft bei^
üterfiänbe. j^^j^^^i^^^^^ SScrmögcnö unb ber ®rrungenfd&oft (§§ 1431—1434). ©ic ©rünbc,
auö welchen cö für not^wenbig erad^tet ift, neben bcm auf bcm SBoben ber
äScrwaltungögemeinfd^aft berubenben gcfegücben ©üterred^tc auc^ bic i^aupU
fäd[)lid^ften anberen biö^cr in ©cutfd^tanb üblid^ gewcfenen gormen beö cl^ctid^ca
©üterrcd&tcö in ber 9lrt ju orbnen, bafe bie barübcr getroffenen SeftimmungcR
bann jur 3(nwenbung fommen, wenn bie ©Regatten burd^ Sl^eocrtrag einen
jener ©üterftänbc oerabrcbet l^aben, finb bcreitö oben ©. 141 ff. in ber @in*
Icitung }um c^elid^cn ©ütcrrccbtc bargelegt, älnlangenb inöbefonbere ben
(Sütcrftanb ber Oütcrtrcnnung, fo mufe berfclbc fd^on bcö^alb geregelt weri)en,
weil bie ^eftimmungen bcöfelben in oerfd^iebenen ^äQen aud^ fraft beö ©efc^eft
bejw. auf cinfeitigcn Slntrag bcr S^efrau eintreten (oergt. §§ 1284, 1330, 1372,
1381, 1429 9lbf. 1, 3, § 1431 3lbf. 1). (Sin SBcbürfnife, nac^ bcm Vorgänge
Srcnnuno bcr ©fiter. SBcfcn bcß Oütcrftanbeß. § 1338. 321
bed Code civil S^rt. 1497 ff. no^l Qnbcrc Scftimmungcn über cinjelnc SBcrtragö*
ffoufefn Qufjune^men^ tann bagegen nid^t anerfannt tDcrben.
Sei ber Siegelung ber einjetncn ücrtragömäfeigen ©üterftänbe, inß* «nflcm«ne
iefonbcre bcd ©üterftanbeö ber allgemeinen Oütergemeinfd^aft unb beö ®üter^ puntte bet iev
ftanbed ber Grrungcnfd^aftögemcinfd^Qft, fonn aber felbftocrftänbüd^ bcr grofecn ^"^l^^^
Serfc^iebcn^cit bes geftenben SRed^teö in ben einjelnen 9ied)tögebieten, namcntUd^
ber Serfc^icben^cit ber auf bem Soben ber allgemeinen ©ütcrgemeinf d)aft bcjro.
bcr Gmingenfd^aftögemeinfc^aft ftel^enben beutfc^en Siedete, welche nid)t nur in
untergeorbncten fünften, fonbem aud^ in grunblegenben fragen von einanbcr
übiDei(^en, nic^t in ber 3lrt Sled^nung getragen werben, bafe üerf^iebcne Sriftcme
bfft betreffcnben (Süterftanbcö in bem Oefegbud^e neben einanber geregelt
»erben unb ben 33et^eiligtcn bie SBal^l bcö einen ober anberen ©r)ftemcö über-
lajfen wirb. Gine folc^e Siegelung würbe, abgefel^en von ben ©d^roicrigfeiten,
iDelc^c bic Sluöma^l unb bie Slbgrcnjung ber ju berüdffid&tigenben eiujelnen
Siiflemc mit fid^ bringt, ju btn größten praftifc^en Unjuträglid^feiten, ins«
befonbcre ju einer ©eföl^rbung ber 93erfet)röfid^erl^eit, fül^ren. 6ö bleibt bal^cr
nur übrig, ft(f| auf bie Siegelung cincö Spftemeä bcö betreffcnben ®üterftanbe&
}u befc^ränfcn unb bei biefer Siegelung barauf Sebac^t ju nel^men, ba§ bic*
jclbe bem materiellen ®runbgebanfcn ieneö (Süterftanbcö, ben SlüdEfic^tcn
proftifc^er S^Jecfmöfeigfeit unb ben roid^tigeren Siedeten t^unlid^ft geredet mirb.
II. ZttnnmiQ bet &äter*
§ 1338.
Das aSefen beß oertragfimäfeigcn ©üterftanbeö ber (Gütertrennung beftel)t ®«fc" ^c«
kann, bafe bie e^elid^e Slufcnicfeung unb 93erroaltung ot)ne ©rfaft bur^ einen ®"*^'^^*'"'''*'-
anberen ücrtragsmäfeigen ©ütcrftanb auögefd^loffcn ift. (S§ fallen mitliin bic
Sirfungen, meldte fonft bie ®^e fraft beö ®e)efees nad) SHafegabc bcr §§ 1283
bis 1332 auf baö 3Sermögen ber ß^efrau ausübt, weg. S)ic (S^cfrau l^at in
Snfe^ung i^rcö SSermogenö bie Stellung einer unt)er^ciratf)ctcn grau. 2)ie
39cfrimmung bcö code civil ^xt 217 ff., 1538 (ocrgl. aud) ^cff. ©ntm. 9lrt. 534),
noc^ ipet^er aud^ bei ooUftänbiger ©ütertrennung jur ^i5cräu§erung t)on Siegen-
fc^ften bcr @t|efrau bic (Sinroilligung beö ß^emanneö crforbcrlid^ ift, ftel)t
fbenfo wie boö für ben gall ber ©ütertrennung üom code civil 3lrt. 215 feft-
Hc^oltenc (Srforbemife ber ®inn)illigung bcö (5l)cmanncö ju 5ßrojeffen bcr ß^c*
frau mit ber Dom ßntmurfe grunbfäfclid^ ancrfannten unbefd^ränftcn ®efdf)äftö*
fö^igfeit ber ß^efrau in 5EBiberfprud^ (t)ergl. bie SSorbemerfung ju ben §§ 1300
Hö 1310 oben S. 222 ff.). Slid^t berül^rt rocrben bagegcn burd^ ben ©ütcrftanb
ber ©ütertrennung bie allgemeinen SBcftimmungcn über bic SBirfungen ber
e§e (§§ 1272—1282), inöbefonbere nid^t bie Seftimmung beö § 1280 über bie
Unter^ültöpflid^t beö ®^emanneö gegenüber ber (Sljcfrau. S)iefe UntcrJ^altö^
Pflicht befte^t felbftänbig neben ber e^elid^en Slugnicfeung unb 33crn)attung unb
beru^ auf ber Stellung, meldte ber Gfjemann in ber Gl)e cinnctimcn foll.
SU ^aupt ber c^clid^cn (Semeinfd^aft f)ai er baö gemeinfd^aftlid^e 2eben in
allen äußeren SBejiel^ungen ju leiten unb ju beftimmen (§ 1273). S)icfcm
«etfw %, ftOiQrri. Oefcltei^ IV. 21
322 Srennimg ber ®üter. SSeitraöÖpflidbt ber SBefrau. § 1339.
SScd^tc cntfprid^t bic 5ßfli(i^t jur Scftrcitung bcö e^cU^cn Slufroanbcö. aSScber
auf biefed SRct^t nod^ auf bicfc 5ßpid&t fann, weil bicfclben auf bcm SBcfcn
ber (Bf)t unb bcsl^alb auf ber offcntlid^cu Drbnung bcrul^cn, burc^ e^eocrtrag
tjerjid^tct werben (ocrgl. §§ 106, 1280 Slbf. 2 ocrb. mit § 1495 unb 3ÄotiDc
}U § 1333 oben ©. 309).
§ 1339.
»eitrag«* 2)ie Seftimmung bcö § 1339, nad^ roeld^cr im galle beö ©ütcrftanbcd
(i^J^aum ^^^ ©ütcrtrennung bie S^cfrau gteid&roo^I bcm ®l^emanne einen angcmeffenen
«epreitung SBcitrag 5ur Scftreitung ber e^elid^cn Saften aufi. ben ©infünftcn i^rc« Skr-
^^'sJftcn*^" mögens unb bem ©rtrage eineö von i^r felbftänbig betriebenen ©rroerbfi^
gefd^äfteö ju leiften oerpflid&tet ift, berul^t auf ber 2lnnal^me, bafe ber ^n^
beö ß^eoertrageö, burd& n)elrf)en ol^ne Söeftimmung eines anberen Oütcrftanbefl
bie e^elid&e Jiufeniefeung unb SSerroaltung aufigefd^loffcn wirb, regelmäßig nur
ba^in ge^t, ber ß^cfrau bie felbftänbige SBerioaltung i^reö aSermögcnö ju
fidlem, nid^t aber ba^in, fxc von ber natürftd^en ^ßffid^t, bie el^clic^cn Saften
mitjutragen, überl^aupt 5u cntbinben. 3cne 33eftimmung enthält allerbings
für große JRe^ltögebictc, insbcfonbcrc für bie (Sebiete beö preufe. 91. S. 91. unb
beö fäd^f. ®. 33., eine nid&t unroefcntUd^e ?leuerung. Sie entfpric^t aber mit
StüdEftd^t barauf, ba^ bie t)ier in Jlebc ftcl)cnbe 93eitragöpflid&t ber ®^cfrau in
bcm natürlid^en SBerfiättniffe ber ©Regatten begrünbct liegt unb bic c^eli^e
Stugnießung unb 58erroaltung nur alö bie regelmäßige §orm erfc^cint, in weither
bic ©^efrau fraft beö ©efefieö itircn Beitrag jur SSeftreitung ber e^clid&en
Saften bem ©fiemanne leiftet, bem pcrmutl^lid^en SCBiUen ber ©Regatten unb
fte^t übcrbieö im ©inftange mit bem in anberen großen SHcc^tögcbietcn ©cutftö-
ianbö geltenben Siedete, inöbefonbcre mit bcm franj. Siedle unb bcm bob. S. 31.
(ücrgl. Code civil 2lrt. 1537; bab. S. 9i. ©afe 1537; ferner olbcnb. ®ef. o.
24. Slpril 1873 3lrt. 33 § 1 ; l^cff. entro, Slrt. 539). 2)ic Orünbc, roel^c
ben ©ntrourf bcftimmt tiaben, eine fold&e 33eitragöpflid)t ber ß^efrau ouö ben
©infünften bcö SSorbctiattögutcö nid^t anjuerfenncn, treffen fiter nid^t ju
(Dcrgt. bie ÜÄotioc ju § 1291 oben ©. 179 ff.), aiuö ber ücrfd^iebcnen Srt ber
33ef)anblung, je na^bem bie ctjclid^c SRufenicßung unb SScrroaltung burd^ 6fie*
t)crtrag gänjlid^ auögefd^toffen ober nur befd^räntt ift, finb praftifc^e ©d^roierig'
feiten über bie Orenjen ber Slnrocnbbarfcit beö § 1339 nid^t ju beforgen, ba
ber Untcrfd&icb jroifc^en icnen fallen nid^t nur tt)eoretifd&, fonbem aud^ im
praftifc^en Sehen leidet ju finben ift. Um fo mefir emppcfilt fid& ber fiier
fraglid&e ©tanbpunft bcö ©ntmurfcö, alö bie Seftimmung bcö § 1339 aui
in benienigen gällcn cntfprec^cnbc Slnrocnbung finbct, in meieren S^rcnnung
ber Oütcr unmittelbar fraft beö ©efegeö ober auf einfeitigen 2lntrag ber 6b^
frau eintritt (ocrgl. §§ 1284, 1330, 1372, 1381, 1429 9lbf. 1—3, § 1431 3rbf. 1).
3)a in ocrfd^icbencn bicfcr gälte bic 93crt|ältniffc fo liegen fonncn, baß ben
©tjcmann irgenb ein SBerfd^ulbcn nid^t trifft, fo mürbe cö unter Umftänben
eine große ^ärtc gegen ben ®f|cmann fein, menn eö ber SBiltfür ber (S^cfrau
übcrlaffen bliebe, ob fic einen S3eitrag ju ben eljclid^cn Saften Iciftcn mill,
xoenn ber ©bemann mithin auf ben fubfibiären Untertialtöanfprud^ nad^ ÜRaß--
Srcnnuno ber (guter. S3eitraö§pfli(6t ber eijefraii. § 1339. 323
gäbe bcö § 1281 bcfd^ränft würbe. 3" ©rmangclung ber SBorfd&rift beä
§ 1339 roürbc bo^er für jene gäHe burd^ fetbftönbige Seftimmungen 33orforge
getroffen toerben muffen.
5Die ^ier fraglid^e SeitrogöpPld^t ber ©l^efrau ift übrigens nid^t afe «evjic^t auf
eine fol^c mit bem e^eli(|en SBer^ältniffe oerbunbene golge anjufefien, roeld^e ^^^ *^'*^**fl-
hvcä) bQ& SBcfen ber ^^e abfolut geforbert wirb; oielmel^r ge^t ber ©ntrourf
bttoon aus, ba% auf jene SBeitragöpflid^t roirffam t)eräid^tet werben fann. 3)ie
Icgtere enthält oUerbingfi geroiffcrmafeen eine ®rgänjung ber Seftimmungen
aber bie Unter^altöpflicj&t ber ©l^efrau, inbem baburd^ eine bem natürlid^en
Ser^ottniffe ber ©b^flötten cntfpred^enbe ©eftoltung ber fubfibiären Unterhalts*
pjliclit ber 6befrau (§ 1281) infofern errcid^t wirb, als bie @l)efrau in bem
gaKe bes § 1339 baö üon ibr ju Seiftenbe nid^t bireft ju il^rem, ifireö ©b^
manncö unb ber gemeinfd^aftlid^en Slbfömmlinge Unterhalt üerroenbet, fonbem
eö an ben ©b^^^^" ^(^ ^^^ ^<tupt ber @()e abliefert unb biefer aldbann
fdnerfeits für eine jiuecfentfpred&enbe Sßerroenbung ju forgen ^at. S)arauö
folgt ober nid&t, ba§ bie im § 1339 bcftimmte 93eitragöpflid^t ber gefefelic^en
SUmentationöpflid^t Dollig g(eid^}uftenen unb eine DertragSmägige ^uö*
ft^Iiefeung, mie ber lefeteren (§ 1281 9lbf. 2, § 1495), fo aud^ ber erfteren ju
»erbieten ift. (Sine foId[)c Siegelung mürbe ju meit geben unb inöbefonberc
im ^inblide auf biejenigen 9led^tögebiete, meldten eine bem § 1339 ent^^
fpret^nbc 35orfd^rift gegenwärtig fremb ift, bebenflid^ fein.
3m ©injelnen ift nod^ golgenbeä ju bemerten;
1. Sie Sefd^rönfung ber 93eitragSpfIid&t ber ®^efrau in ber 9lrt, bafe »careujung,
fie ni<|t auS bem ©tamme, fonbem nur aus ben ©infünften i^red Sßermögenö
ben Seitrag ju Iciftcn bot, entfprid^t ber 3lnaIogie ber ebelid^en ^Jugniefeung
unb SSerroattung. 3)a ber ©rtrag eineö felbftänbig betriebenen ©rroerbö*
geftbäfteö JU ben laufenben ©innabmen gebort, fo ift berfelbe l^ier ben ©in-
fiinften bcö 95ermögenö gleid&juftellen (oergl. code civil 9lrt, 1537 ; olbenb. ®ef.
B. 24. april 1873 9lrt 33 § 1). S)ie geftftettung ber ^5be beö Beitrages fann
im Streitfälle unbebenflid^ bem SRid^ter überlaffen werben. 5Der Slbf. 1 be*
ft^ronft fic^ baber auf bie Seftimmung, ba^ bie ©l)efrau ju bem bejeid^neten
3medfe einen angemeffenen Seitrag ju leiften ^abe (üergl. aud& olbenb. ®ef.
V. 24. aipril 1873 SKrt. 33 § 1). 3)iefe 2lrt ber Siegelung ift einer gefefeli^en
^rung beft Seitrageö nad^ bem SSorbilbe beö code civil SKrt. 1537 t)orjujiel)en,
locil eine fold^e gijirung in oielen gfillen ju Ungered^tigfeiten führen fann.
Stoauö, ba§ ein angemeffener SBeitrog ju leiften ift, ergiebt fid^ tjon felbft,
btt§ bei Semcffung ber $o^e beö Beitrages ber ftanbeömäfeige Ünterlialt ber
Statten roie ber Slbfommlinge in Setrad^t gejogen werben mug, ber tefeteren
ieboift nur infoweit, als ber ©^emann ben 9lbf5mmlingen nad^ SWafegabe ber
Sotfc^riften über bie Unter^altdppHd^t ftanbeömäfeigen, nid^t bloö notlibürftigen,
Unterbau ju leiflen ^at. Ueberlägt man bie ^eftfegung bes Beitrages bem
Stifter, fo werben aud^ weitere fpegielle SSorfd^riften über bie 3lrt unb bie
3cit bcö JU leiftenben Seitrageö u. f. w. entbel^rlld^ (§§ 1488, 1491).
2. 3)ie Seftimmung beö Slbf. 2, weldbe bem Oebanfen beö auf bie Gntfte^unß
Uttttr^ttepPid^t fxä) bejie^enben § 1492 entfprid^t, bejwecft, ben aßife^ ^^^ ®f^"«**
fiättben, inftbefonbere ben ja^treid^en Streitigfeiten unter ben ©begatten unb
21*
324 Sfrcnnuno bcr ®ütcr. SScnvattung be8 Gl^emanneg. § 1340.
beu UnbiUigf eilen ju begegnen, njcld&e o^nc jene 93eftimmung fid^ ergeben
tonnten. Ol^ne bie legterc roürire ber ©l^emann, wenn er ial^rclang ben e^e«
liefen 9lufn)anb allein beftritten unb bie ©l^efrau bie ©infünfte i^reö SSer*
mögend ober ben ®rtrag beß oon il^r felbftänbig betriebenen ©noerbögefd^öfteß
für onbere Sw^ccfc oenoenbet ^ätte, bered^tigt fein, noc^träglici^ bie üeiftung
beö Seitrageö für bie ganje SBergangenl^eit ju forbern. S)em ^rs)tdt bed
Beitrages unb ber notürUd^en 9luffaffung bes SJer^ältniReö entfprid^t ober
ein folc^eö SRefuItat tüd^t, 5umal bie 3Serl^ältniffe nid^t feiten fo liegen werben,
bofe bie ©fiefrou i^re ©infünfte ftillfd^roeigenb für ben gemcinfd^afttid^cn ^ufts
l^alt ocrroenbct l^ot, ol^ne bafe i^r biefcrl^alb ein ©rfaftanfprud^ juftänbe.
uebemoflbar» 3. j)ic Seftimmung beS 9lbf. 3 red^tfertigt fid^ burdd ben 3rocdE bcÄ
?»fanb&wfeit t)on ber ®f)efrau ju leiftenben Seitragcö unb bie änologie ber el^elic^cn 3hitf*
anf^ruA«« niefeung unb SSerroaltung, boren aiequioalent bie 33eitragöpflic^t ber ©^efrau
au'freSIiunfl. bübet (oergl. §§ 1298, 1299). 3m 3interejfe ber ©^cfrou muB SSorforge gc*
troffen werben, ba| ber Seitrag bem 3^^*/ meld^em er ju biencn beftimmt
ift, nid^t burd^ Uebertragung, 33elaftung, 5ßfänbung unb Slufred&nung entjogcn
werben fann (oergl. aud) §§ 288, 724 9lbf. 3). 3)ie Unjuläfftgfeit ber ^fänbung
unb ber 33elaftung brandet jcbod^ im §inblide.auf bie SSorfc^riften beö § 296
atbf. 2 unb ber §§ 1022, 1207 ^ier nid^t befonberö beftimmt ju werben. 2)a
bie '^öfie beö Beitrages ftd& nad& bemjenigen rid^tet, was jum Unterl^alte
beiber ©l^egatten fowie ber gemeinfd^aftlid^en 2lbfömmlingc erforberlid^ ift, fo
entfpri^t ed ber im § 1299 für bie ^fänbung ber auf ®runb ber e^elidffen
9iugnie§ung oom ©bemanne erworbenen grüd^te beftimmten 33efd&ränfung,
wenn bie ^fänbung bcö Ijier fraglichen 33eitrageö gönjUd^ auögcfd&loffcn wirb.
9luö praftifdjen Slüdffid^ten ift babei fein Unterfd^icb gemad^t, ob bcr Seitrog
rüdfftänbig war ober nid^t.
3uiüd. 4. j)cr SBorfd^rift beö 3tbf. 4 liegt berfelbc ©cbanfe ju (Srunbe, auf
^«^ri'«* welchem bie Seftimmung beö § 1328 9Jr. 2 berul^t. ©ine bem Sd^lufefafte ber
Gfjefrau. gj|.^ 2 bcö § 1328 eulfpred^eube SBeftimmung ift an biefer Stelle nid&t auf*
genommen, ba bie Sinologie, foweit nöt^ig, oon fetbft jur 9lnwenbung bcr
SBorfrfirift beö § 1328 3Jr. 2 ©afe 2 führen wirb. 5Durd& bie gaffung bcö
9lbf. 4 wirb übrigens jum Maren ä[uöbru(fe gebrad^t, bog bie ©öefrou in bem
galle beö 3lbf. 4 oon ber Seitragöpftid^t nur infoweit befreit wirb, alfi fic ben
SBeitrag ju bem im 9tbf. 1 bcjcic^neten ^rozdt wirflid^ oerwenbet l^at.
5. 5Dic SSeftimmung beö 9lbf. 5 rerf)tfertigt ftd^ burd& biefelben (Srünbe,
wetd^c für bie Seftimmungen beö § 1328 ülx. 3, 4 mafegebenb gewefcn fuib.
3n ben betreffenben gätlen barf bie ©tjefrau in Stnfcl^ung ber ^Serrocnbung
beö Seitrageö nirf)t an baö ©rmeffen beö gefeftlidben SSertretcrö bcö ©^cmanneö
gebunbcn werben (oergl. 5Rotit)c ju § 1328 @. 299 ff.).
§ 1340.
'^ber««"^^ I'ic ön äl)nlirf)e Seftimmungen beö code civil Slrt. 1539 unb bc« ^1.
cbH^r' u*buv4 ®"^"^' 9lrt. 526 (uergl. and) 1. 11 Cod. de pact conv. 5, u; ©euffert X\TII,
ben cCrnrnn. 123^ XXTX, 145, XLH, 38; öfterr. ©. 33. §§ 1238 ff.) fid& aufd^ücfeenbc
Srciuiung ber Oütcv. SSertüaltuno bc§ Sfcmanncö. § 1340. 325
»eftimmung bc^ § 1340, rocldbc axiä) in bcn gälten bcr §§ 1291, 1330, 1381
ab). 2, § 1417 (ocrgl. ferner § 1429 9Ibf. 1—3, § 1431 äbf. 1) entfprc^enbe
SniDenbiing pnbct, bcjrocdft, ein ^äuftg üorFommenbeö, beim äßangcl einer bc-
ftimmt audgcfprodienen Slbfid^t unftareö unb unfid^ereö 3Serl)ältni& jur 55er^
meibung fonft fpäter Ieid)t barauö ftd^ ergebenber Streitigfeiten burd^ eine
biöpofttioc Seftimmung in ber 3lrt jii regeln, wie bie Parteien, rotnn fte boran
gtboj^t Rotten, baöfclbe üoraudfid^tlic^ geregelt ^aben rofli'bcn unb wie eä bie
ßtrei^ung jene« Qm^de^ mit fid^ bringt. 35on biefcm legieren (Seficl)töpunfte
aus genügt eß nomentlidi nid[)t, bem G^emanne in bem üorauögefefitcn galle
nur bie Scfugniß cinjuräumen, bie Ginfünfte beö ilim jur SSermoltung über^
lojfenen SSermögenö ber ©fjefrou ju (Sf)ejnjec!en 5U wrmenben (oergl. 1. 11 Cod.
de pact conv. 5, u: „circa se et uxorem"), unb baueben bie 33ermutl)ung
oufjuftcllen, bafe ber Seemann bie ©intünfte ju itntn 3n)edEen t)ern)enbet liabe;
wlme^r muß, wenn ber angeftrebte 3"^^*/ fpötere Streitigfeiten abjufd^neiben,
fTTfic^t TOcrben foll, bem G^emanne innerhalb ber im § 1340 bejeid^neten
©renjen boö JRedit beigelegt merben, bie Ginfünfte beö if)m überladenen 3Ser*
mögens naif feinem Grmeffen ju üermcnben. 9luö biefem SWed^te in SJerbinbung
mit ber JJcftimmung in § 1340 2lbf. 2 gellt mit ausreid&cnber ©eutlid^feit
dctcor, bafe ber Gtiemann — abgefetien üon bem gälte, menn er bie auf bem
Scnnögcn bcr G^efrau rul^enben Saften nid^t ober nid)t üoUftänbig beftrittcn
lioben foDte - ju einer Siec^nungölcgung mö) SKafegabc bcö § 591 nid^t üer-
pfli(^tct ift, fonbcrn feine 33erpfli^tung lebiglic^ auf bie »Verausgabe bcrjcnigen
©ntünfte fic^ befd^ränft, meldte ju ber 3cit, in roefc^cr bie Gljefrau biefelbcn in
Snfpru(6 nimmt, nod^ bei bem Gt)emanne Dorl^anben finb. ©emgemöfe liegt
mi(^ bcr G^cfrau ber SBemeiö ob, bafe unb meldte Ginfünfte ftd) 5U jener 3cit
no(J in bcn ^önbcn beö G^emanneö befunben Ijaben.
9leid^en bie Ginfünfte bcö bem G^emanne jur SSerroaltung überfafjencn
Vermögens ber Gl^efrau aus, um bcn nad& § 1339 üon 'ü)v 5U leiftenben Sei-
♦rog jur Scftrcitung ber e^clic^en Saften ju bccfcn, fo üerftc^t eß fid) t)on
fetbft, bog ber G^cmann bie Ginfünfte beö i^m jur ^ermaltung überlaffenen
SVmögcnö junädift aud^ jur GrfüUung biefer auf bem 3Sermögen ber G^cfrau
ni^enben SUcrpftic^tung ju Dcrmenbcn ücrpflid()tet ift unb unter jener SJorauö-
fc^ung oon einer Seitragöpflid^t nad) SWa^gabe beö § 1339 nid^t bie SHebe
fein fann, inbem bie G^cfrou burd^ bie Ucberlaffung ilireö Sßermögenö an bcn
G6cmonn jum 3w)ec!c bcr aSermaltung nod^ SWafegabe bcö § 1340 il)rer Sei^
twgöpflid&t auf bie cinfad[)fte SBcife genügt.
S)urd^ bcn 3^if^^"f^6 „foroeit nid^t bie Gtjcfrau ein 3lnbereö bcftimmt
N^, wirb bie biöporttiüc 9latur beö t)ier fraglidjen Jkditöfagcö unb loeiter
florgcftcDt, baß bie G^efrau nid^t bloö bei Ueberlaffung ber SSermaltung i^reö
Sennogcnö an bcn G^emann, fonbcrn iebcrjeit eine anberc 33cftimmung über
ben Umfang bcr bem G^cmanne eingeräumten S8efugnif[e treffen unb inö-
befonbcrc auc^ bie JJermenbung ber gerabc tjor^anbenen grüd^te ju einem be*
ftimmten 3^^^^ verlangen fann. Safe bcr Gf)emann audj im gälte beö
§ laio na(^ ÜHafegabc bcö § 1279 nur jur Slnmcnbung berienigen Sorgfalt
xtpftid^tct ift, n)cld^c er in eigenen 9lngclegenl)citen anjumenben pflegt, er=
giebt ^ auö § 1279 (tJcrgl. bie aWotioc ju § 1279 oben S. 122).
326 SlDgemciue ®ütcröemeinf(J6aft. SSorBcmerfung. (§§ 1341-1409.)
»erroen. ^fn üerfd^icbcticn ©cfetgebungcn finbcn fid^ nod^ 93cftimmungen barübcc,
o^au für ob unb inroicrocit bcr Seemann gegenüber ber ©fiefrau jum ©rfafte oerpflid^tct
baft ^au«* ift, njenn bic Icfetere, ol^nc baju ocrpflid^tet ju fein, aus bem ©rtragc i^rer
Slrbeit ober ben ©infünften i^reö ber e^elid^cn Jtugniefeung unb SBerroaltung
nid^t unterliegenben SBermogenß SBerrocnbungen für bas gemeinfd^aftlid^e ^a\x^
roefen ober fonft jur Scftreitung ber el^elid^en Saften gemad^t ober ju einem
foI(|en 3n)cde bem ®^emonne jenen ®rtrag ober jene ©infünftc übertaffen ^at
3)ie 2^enbcnj jener S3eftimmungen gel^t bo^in, in fo(d)en gällen ben ®rfa^
anfpmd^ ber ©^efrau überliaupt ausjiifd^liefeen ober boc^ an crfd^roerenbe
aSorauöfeftungen ju fnüpfen. 3m ©injelnen gelten inbeffen bic ocrfd^iebenen
©efe^e, foüiel bie JBoraußfegungen unb ben 3n^alt ber JRed&tönorm betrifft,
auöeinanber (oergl. fäd^f. ®. 33. § 1668; olbenb. ®ef. o. 24. 2lpril 1873
2lrt. 33; preui 31. S. 91. II, 1 §§ 218—220).
3)er ©ntrourf I|at berartige pofitiDc Seftimmungen nid^t aufgenommen,
ba biefelben einerfeitö im ^inblidfe auf bic allgemeinen ©runbfäfee, inöbefonbere
auf bie SSeftimmungen über bie SBorauöfegungen eines ©rftattungöanfprud^cÄ
auf ©runb einer (Scfd^äftöfül^rung obne SÄuftrag ober ber ©ereid^erung (§§ 753,
754, 758, 748) in 33erbinbung mit ben allgemeinen ©runbfäften über bie 33e*
meislaft unb bem 5ßrinjipe bcr freien öeroeiömürbigung burd& ein SScbfirfnife
nid^t geboten, anbererfeitö um beßmillen im ^o^cn ®rabe bcbentlic^ finb, tocU
aus einer berartigen Scftimmung, mie man aud^ i^re SSorauöfegungen faff^n
mag, für anberc äfinlidf) liegenbe gällc ein argumentum e contrario ju ©unftcu
eines ©rfafeanfprud^eä ber ©^efrau gegen ben ©bemann entnommen merben
fönnte. 3n ber grofeen SWelirjal^l berjenigen gälle, meldte bie angeführten
©efe^c t)or Slugen l^aben, merben bie aÖgemeinen ©runbfäge oon felbft ba^in
füfiren, bafe ein ©rfaftanfpruc^ ber ©fiefrau nid&t bcgrünbet ift. Soweit aber
im cinjclnen gälte baö ©egentl^cil ftd^ ergeben foBte, liegt fein ©runb cor,
ber ©fiefrau btn if)r nad^ ben allgemeinen ©runbfäfeen jufte^cnben 3lnfpru^
burd^ eine pofitinc 93eftimmung gänjUd^ abjufd&neiben.
drunb«
gebanfen.
III. »Ogemeine »ätergemeinfdfiaft')«
SBorbemcrfung
äu ben §§ 1341—1409.
8»«ruub 2)ie Qwcdt, meldte bie allgemeine ©ütergcmeinfd^aft nerfolgt, finb im
Slllgemcinen bereits in ber ©inleitung ju bem gefetUd^cn e^elidf)cn ©üterrec^te
oben ©. 147 ff. bargelegt. Sie finb tfjcils fittlid^ ibealer, tfjcite prattif(|
tt)irtl)fd^aftlic^er 3latur. 5Die tjotlftänbige Sebensgemeinfd^aft, meldte bie 6^e
unter htn ®f)egatten bcgrünbet, foU auc^ in oermogensreddtlid^cr Sejie^ung
jum 3luSbrudEc gelangen unb ber ©cgenfag, ja felbft bic SSerfc^iebcn^eit wt»
mögcnsrcd^tlirf)cr ^ntcreffcn unter ben ©fjcgattcu aufgehoben werben. SJeibe
1) SBeöen beö öcltcnbeii SRc^teg oeröl. inöBefonbere SHeubaucr, baß in 3)eutf(J^t
lanb öcltcnbe ekli^c ©ütcicec^t unter 33enu^ung amtlid&er SDlaterialien, 1879.
attöcmcinc ©ütergemeinfiaft. 93orbemcrfunö. (§§ 1341—1409.) 327
S^gatten foUen nur ein SSemtogen ^oben^ n)el(|eö fon)oI)[ bte $un!ttonen bed
Sermögend beö einen ald bed anbeten ©Regatten t)er|ie^t. ^urd^ biefe ^tt^
finigung bed beiberfeitigen 93ermögend auf gemeinfamen ©ebeit) unb ^erberb^
mlä^ in bem SBerpttniffe ber ©fiegatten unter cinanber bem flttUd^cn SGBefen
ber 6^e gerecht ju werben ftrebt, foU aber juglei^ eine 93ercinfa^ung bed
Ser^öitniffed ber ©Regatten nad^ äugen, foroie bie @rf)ö{)ung il^reg 5lrebited
unb eine größere Sid^er^eit i^rer ©laubiger erreici^t werben.
3Jie iur 3^it i*i ©eltung beftnbli^en, auf bem S3oben ber allgemeinen
©ütergcmeinfd^aft ftefienben SRed&te fmb iebod^ weit entfernt, bie aus bem
ininjipiellen ©runbgebanfen ber allgemeinen ©ütergemeinfd^aft fid^ ergebenben
fionfequeuien nad^ allen Seiten l)in ju jiel^en. ^oUftänbig burd^gefü^rt
finben fie fid^ in feinem SRed^te, meil eine fold^e üottftänbigc Surd^fül^rung
l^roftifc^ nic^t möglid^ ift, unb t)ie(e 9ted^te jeigen fo groge älbmeid^ungen, bag
mon jioeifeln fann, ob fie übertiaupt nod^ auf bem Soben ber allgemeinen
6fitergemcinf^aft fte^en. äuö ber, mefentUd^ auf ber SSerfd^ieben^eit ber
^orifc^en ©ninbtage unb @ntn)idelung berul)enben, bunten äRannigfaltigfeit
ber (Sütergemeinfd^aftöred^te ^eben jtc^ bie fotgenben ©ä^e ^eroor, mcld&e,
loenn fie auc^ nid^t audnatimßloö t)on allen SRed^ten anerfannt unb burd^gefül^rt
jinb, bod^ fo übermiegenbe Slnerfennung gefunben liaben unb oon fo ent*
fd^enber Sebeutung für ben ganjen 23au bed ©qftemeö ftnb, bog man fie
oIä ti)pif(^ für baöfelbe bejeid^nen fann unb als ©runblage für ben ©ntrourf
unbebingt feft^alten mug.
1. 3)afi Sßermögen, roetd^eö ber Seemann, unb \>a^ SBermögen, metd^eö
W< ß^efrau jur 3eit bed ©intritted ber allgemeinen ©ütergemeinfd^aft bat ober
»o^renb berfelben erwirbt, wirb ju einer ungetrennten SWaffe üereinigt, in
wifyx bie ben einjelnen ©Regatten juftebenben S8erm5gendrcd&te Dollftänbig
nsfge^
2. 2tud biefem gemeinf^afttid^en SBcrmogen fönnen alle ©laubiger bed
S^anned i^re Sefriebigung oertangen.
3. 3)em Q\)^mannt ftebt bad SRed^t ber SBerroattung bed gemctufd^aftlid^en
Sermogend ju ; babei ift er nur innerbatb geroiffer ©rengen an bie SWitroirfung
ber ©^efrau gebunben, roä^renb bie le|tere nur mit (Sinroilligung bed ©Ije?
motmed ober innerbatb eined oon il^r mit Einwilligung bed ®f)cmanned felbftänbig
betriebenen ©rwerbdgefd^äfted ober innerfialb bcdjenigen befd^ränften Äreifed,
innerhalb beffen fie ben Seemann ju vertreten befugt ift (f)äudlidf)er SBirfungd-
frrid, Se^inberung bed ß^emanned), über bad gemcinfiiaftlid^e SBermögen oer^^
fügen fonn.
4. Gine Haftung bed ß^emanned gegenüber ber Ehefrau wegen ber
Senoattung bed gemeinfddaftlidben JJermögend finbet nicbt ftatt.
5. Xie (S^efrau fann ein oon bem gemeinfrfiaftlid^en SSermögen ab=
gefonbcrtcd felbftänbiged SSermögen ^aben, an weld^cm bem 6l)cmanne ald
folc^m feine ober nur befd^ränfte. JRed^te jufte{)cn. 3n Solge bejfen finb Sin-
fprütfte unb SSerbinblid^feiten ber ß^efrau möglidl), welrfie bad gemeinfdfiaftlid^e
Sermogen nic^t berühren, unb jwar felbft jwifcben ber ©^cfrau unb bem gc-
meinfd^aftlid^en SSermögen.
328 SlUflemcine ©ütcrgemeinfd&aft. aSoiBemcrfuiiG; (§§ 1341—1409.)
6. S3ci 9luf(öfung bcr allgemeinen Oütergemeinfd^aft fällt baö gemein^
fd)aftKrf)e SJermögen mit bm barauf ^aftenben ©d^ulben entroebcr bcm über?
lebenben ©Regatten allein ju ober eö mirb unter ben ©Regatten bejro. bercn
©rben nad^ 3[nt^eilen get^eitt. ©ine ©onberung nad^ ben urfprünglid^cn SJn-
t^eilcn finbct nid^t ftatt; aber nid^t fetten werben geroiffc Äategorieen Don
©d^ulben (j. 93. bie SBcrbinblid^feiten auß unerlaubten ^anblungen) als Sonbcr?
Derbinblid^feiten beö betreffenbcn ©l^egattcn bel^anbelt.
7. ©ine 23crpflid)tung ber ©^efrau, über ben 33eftanb beö gemcinfd^aft-
l\ä)tn 93ermögenj3 l^inauö für fold^e ©d^utbcn ju l^aften, für meldte fie mii
allgemeinen Orunbfägen nid^t perfönlid^ iSlöftet, ift entroeber überhaupt ober
boä) bann auögefc^loffen, menn fie von ben i^r ju biefem ^xocde ju ©ebote
geftellten SKed^töbe^elfen (9luöfrf)lagung beö ®ef ammtguteö ; Snoentarred^t) ©e-
braud^ madE)t.
3n allen anberen Sejieljungen finben [id^ tiefgreifenbe 3Serfd^ieben^citen,
inöbefonbere in 9lnfe^ung ber fragen, inmiemeit ber ©bemann bei ^Serfügungen
über baö gemeinfd^aftlid^e SJermögen, namentUd^ bei entgeltlidjjen SSerfügungcn,
an bie SRitroirfung ber ©^efrau gebunben ift, für meiere Sd^ulben ber ©öe?
frau baß gemeinfc^aftlid^e 33ermögen haftet, ob namentlid^ für bie unmittelbar
Iraft beö Oefeges ober auö unerlaubten ^anblungen ber ©^efrau entftanbencn
SSerbinbli^feiten, ferner ob unb meldte 9iad^mirfung bie allgemeine Öüter*
gcmeinf^aft bei ber 9Iuftöfung bcr ©l)e burrf) ben 2^ob cineö ©Regatten, inä--
bcfonberc bei beerbter ©^c, bat.
SSergleid^t man ben ^^P^nb beö gegenroörtig befte^cnben 5Medbtcö mit
ben aus bem prinjipicllen ©nmbgebanfen ber allgemeinen ©ütergemeinf^aft
fid^ ergebcnbcn äufeerften Äonfequenjen, fo jeigt fid^, bafe biefe Äonfequcnjcn
in ben befteljcnbcn Siedeten überroiegenb für ben ©licmann feftgel^alten fmb,
b. {). bafe baö gemcinfc^aftUd^e 33ermögen im SDßefentlirfien alle gunftioncn
beö SSermögcnö beö ©fiemanneö f)at, mäl^renb rüdffid^tlid^ ber ©^efrau große
9lbroeid)ungen unb Sd^manfungen üorfommen, eine 9Iuögleirf)ung für ibrc
geringeren 3icrf)tc aber in einer aJtinbcrung il^rcr 3Serantroortlid^feit für bie
Sdtiulben gefud^t mirb, baß ferner bei 3Iuflöfung ber ©^e burd^ ben Xoh bcm
übertebenbcn ©t)egattcn, obmof)l anä) i)kx nid^t feiten unter Seoorjugung beS
©^emanneö, üon faft allen luid^tigcren SRed^tcn — mit 9luönal&mc beö prcufe.
91. S. SR. , nac^ roelc^cm baö gemcinf d^afttid^e 3Scrm5gen jroifdben bem über?
lebenben ©Regatten unb ben Äinbern nad) Hälften getl^eilt roirb — auögcbe^nte,
über baö gefeftlid^e ©rbred^t ^inauöge^enbe Dled^te an bem ©efammtgutc bei*
gelegt roerben unb babei bie 5Rid)tung üor^errfd^t, bem überlebenben ©Regatten
bei beerbter ©t)e an bem ©efammtgute äl^nlidie 9ied)te beijulegen, wie fol^e
mä^renb befte^enber ©^e bem ©bemanne juftelien.
i'citcnbcoe. 3n bcm ©utTOurfc ift bei ber Oeftaltung ber allgemeinen Oütergemein-
^IfclTe"'*'^ fc^aft im ©injelncn baDon auögegangen, bafe ber oben ©. 326 bejeicbnctc
wegciung bes ibcalc ©mubgcbanfc unb bie barauö fid^ ergebenben Slonfequenjen alö teitenbe
entwürfe«, (sjefit^töpunftc bienen muffen, ©ine Dottftänbige S)urd)fübrung biefer «on?
fequenjcn ift aber nid)t möglid). 3[l)r ftel^t junäd^ft bie gefd&id)tlic§e Gnt*
roicfetung, rocl^e bie (Sütergemcinfcbaft in ©eutfc^lanb gefunbcn l^at, unb bie
Sniflemcinc ®ütcr0ememf$aft. ajorBetncrfunö. (§§1341-1409.) 329
borouf bcru^enbc ©cftaltung bcö gcgcnroärtigcn Sled^tejuftanbeö entgegen.
Soiocit ft^ ^ierauö ergicbt, bafe einjelnc Jlonfequenjen bcö tbealen Otunb*
gebanfcnö in bcnicnigcn SRed^tögebleten, in roeld^en bie allgemeine ©iiter?
gcmcinfci^aft bafi gefe6nd[)e ©üterred^t bilbct, von ber ^errf^enben Sluffaffung
jurüdfgeroicfen finb, bürfen biefelben auc^ in bem ©ntwurfe feine Slufna^me
finbcn; oielme^r muffen an ©teile berfclben biejenigen Seftimmungen treten,
njcld^e bcn bcftel^enben Slediten unb, foraeit biefc in il^ren pofitioen S3eftim'
mungen oon cinonber abmeieren, ben fonftigen (Srunbfäften beö Cntrourfeö
unb ben STnforbcrungen bcr Swcdmöfeigfeit unb ©infad^^eit am meiften ent*
fprcd^en. ©obann mufe bei ber äusgeftaltung im ©injetnen immer im 3luge
bellten werben, ba| bie allgemeine ©ütergemeinfd^aft nad) bem ßntmurfe
nk^t bad gcfc^Ud^e ©üterred^t bilbet, fonbern nur auf ©runb eines @^e^
pertragefi eintritt S)aö SSer^ättnife ber allgemeinen ©ütergemcinfd^aft na6)
auBcn wirb baburd^ ein loefentlid^ anbereö. 2)ie üon i^r mitoerfolgten Qwzdc,
bie wrmögenöred^tlid&en SBerljältniffcL bcr G^cgatten in einer bem öffentlid&en
i^ntereffe möglidjft cntfpred^enben SBeife ju geftalten, ben Rrebit ber ßf)egatten
ju ^ben unb i^ren (Gläubigern eine größere ©id^erljeit ju gcmä^ren, S^Jccfe,
iDcId^e bei ber gefc^id^tlid^en (Sntmidelung ber allgemeinen ©ütergcmeinfd^aft
eine grofee JRoUc gefpielt ^aben, laffen fid^ in üollem Umfange nur ba er^
rcid^n, mo bie allgemeine (Sütergemeinfd^aft baö gefeglid^e ©ütcrrcd^t bilbet.
Sei ber oertragömäßigen allgemeinen (Sütergemeinfdiaft treten jene 3"^^*^/
au^ rocnn biefelben, namentlid^ üon bem ©efid^töpunfte aus, baß bie S3cftim«
raimgen bcö (Sntrourfes über bie Dertragsmäßige allgemeine (Sütergemeinfrfiaft
bcroorragcnb baju bcftimmt finb, in benjenigen (Sebieten, in meldten bie all?
gemeine (Sütergemeinfd^aft gegenwärtig ben gcfefelid^en (Süterftanb bilbet, ben
Iffteren ju erfefeen, nid^t gänjlid^ unberüdEftd^tigt gelaffen werben bürfen, bod^
gegenüber ber Slüdffid^t auf bas Sntcreffc bcr 6f)egatten unb bas 93erl)ältni6 ber
legteren unter einanber mei^r in ben .^^intergrunb, unb cS tann fid^ in biefer
Sejie^ung bei ber DcrtragSmäßigen ©ütergemeinfd^aft im SBcfentlic^en nur
barum ^onbeln, biefelbe fo ju regeln, baß bas aSer^ältnife nad) außen ein
JÄögü^fft einfa^es wirb unb bie ^Hed)te ©rittcr, insbefonbcrc ber ©laubiger,
büburd^ nic^t in ^ö^erem aJlaße gefä^rbet werben, als wenn bas gefefelidfie
®üterred^t 2(nwcnbung fänbe. 2)er ücrtragsmäßige Äarafter ber ®üter?
gemeinfd^oft legt bem (Entwürfe ferner infofern gewiffe ©d^ranfcn auf, als mand)c
Sotgen, roeld^e unbebenflid^ mit i^r oerbunben werben fönnen, wenn fic bas
gefeftlic^e ©üterred^t bilbet, als golge eines t)ertragsmäfeigen )öcrt)ältnifieS fid^
ni<5t me^r rechtfertigen taffen unb als an bie ganjc ©cftaltung beS S3er^
Wltniffeö in weit b&^erem aWafee, als wenn cS fic^ um ein felbftänbiges Si}ftcm
bcs gefe^lid^en ©üterrec^tcs l^anbelte, ber 9lnfprud^ gemad^t werben muß, baß
fic fid^ an bie fonftigen Seftimmimgen beS (Entwurfes anf erließt imb fein
frembortigeS Clement in benfelben bineinträgt.
93on wefentlid^er SSebeutung für bcn ganjen S8au bes ©i)ftemes ift ferner ^^"»jf^i^i«
Mc entfd^ibung ber grage, ob unb weld^e beftimmte juriftifd^e Konftruftion^""^*' "'"''"■
ber oUgemeinen ©ütergemeinfd^aft jum ©runbe gelegt werben foll. 2Ingefid^ts
bes in Doftrin unb ^rajis fd^on feit langer 3eit befte^enben unb auc^ gegen-
»artig noc^ nic^t ausgetragenen ©treites über bie Juriftifd^e 9ktur bcr aH^
330 aUgemcine ©ütcroemcinfdfeaft. gSorBemerfung. (§§ 1341—1409.)
gemeinen ©ütergemcinfd^aft unb über baß Sled&töüerl^ältnife ber ©Regatten ju
bem gcmeinfamcn aSermögen unb im ^inblidfe auf bie 5B8id^tigfeit bcr l^icr
froglid^en 3Rateric ift eö als bcbcnfUd& crad^tct, bei ber Siegelung ber all*
gemeinen Oütergemeinfd^aft von einer beftimmten iuriftifd^en fionftruttion
überl^aupt gänjlid) abjufel^en unb bie einjctnen 5ßunfte fo ju regeln, ba§ feiner
ber ücrfd^iebenen Äonftruftionen präiubijirt, fonbern ber SBiffcnfd^aft unb
^rajiß in biefer Sejie^ung üöttig freie $anb getaffen mirb, ©ine fold&e 9lrt
ber Siegelung fül^rt jur Äafuiftif, unb werben trofebem 3^^^f^l ^^ ©trcitig«
feiten in 21nfel(iung ber im ©efeje nici^t befonberö entfd^iebenen 5ßunfte nid&t
ausbleiben, ba laum ju erwarten ift, bafe S)oftrin unb ^ßrajiö fünftig ju einer
einl^eitlid^en 9luffaffung ber allgemeinen ©ütergemeinfd^aft gelangen werben.
2luö biefen ©rünben empfiel^lt eä fid&, bei ber Siegelung ber le|teren nid^t nur
von einer beftimmten juriftifd^en Äonftruftion auöjugeljen, fonbern biefclbc im
©efeßc in ber einen ober anbcren 9lrt aud^ jum beutlid^en Sttuöbrurfe ju
bringen, fo bafe eö für bie im ®efe|e nid&t fpejiell entfci^iebenen 5ßunftc an
einer ftaren 9Jorm nid^t felilt.
aSon ben oerfd^iebenen in S)oftrin unb 5ßrajiß vertretenen 2;^coricen
f onnen, namentlid^ wenn man bie ®runbfä|e beö ©efegbud^eö über ben Segriff
beö 6igentl)umcö (§ 848), über bie juriftif^en ^ßerfonen (§§ 41 ff.) unb über
bie ©ojictfit (§§ 629 ff., inöbef. § 645) berüdffirf)tigt, bie SC^eorieen beö con-
dominium plurium in solidum, ber juriftifd^en 5|Jerfon unb ber ©ojietät nid^t
in grage fommen. dagegen bietet fonjof)l bie Äategorie beö beutfd^rec^tlid^cn
SRitcigent^umeö — b. \). eines SRiteigentl^umeö, bei meld^em im ©egenfage ju
bem auf bem 5|Jrinjipe ber greil^eit ber einzelnen S^i^eill^aber beru^cnben
römifd^cn aWiteigent^ume bie 2lntl^eite ber einjelnen J^^eil^aber mä^renb ber
S)auer ber ©emeinfc^aft burd^ bie 'S^tdt ber legteren gebunben finb unb befi*
l^alb als felbftänbige SJermogenöred^te nid&t geltenb gemad^t werben fönncn,
fonbern erft mit ber 2luflöfung ber ©emeinfd^aft praftifc^ hervortreten — , als
aud^ bie Äonftruttion beö 9llleincigent^umeö bes ©l^emanneS, weld&e jwar im
aSerl^ältnijfe ber ©l^egatten unter einanber an bem ©emeinfd^aftßoerl^ältniffe
feft^ält, nac^ aufeen ^in aber als ben alleinigen 2^räger aller red^tlidien 33c«
jie^ungen bes ©efammtguteö ben Seemann be^anbelt, für bie ©rreic^ung ber
3wedfc ber allgemeinen ©ütergemeinfd^aft unb für bie ©eftaltung ber Icgteren
im ©injelnen eine geeignete ©runblage. SBenngleid^ bie julefct gebadete Äon-
ftruftion, l^ingefel^en namentlid^ auf bas beftel^enbe SRed^t, nur wenig Slnl^ängcr
gefunben l^at, fo ift bod& nid^t ju verfennen, bafe bie Äonftruftion ber all*
gemeinen ©ütergemeinfd^aft auf biefer ©runblage oom Icgiölativen ©tanbpunitc
aus entfd^iebene aSortl)eile gewälirt. 33ci biefer Äonftruftion, für weld^e auf
bem f)anbelsredötlid^en ©ebiete bie ftille ©efellfd^aft eine 3lnalogie bietet, ift
bas ©efammtgut aSermögen beS (Seemannes unb wirb er allein ben ©emcim
frfiaftsgläubigern perfönlidf) verhaftet. 33efonbere 93eftimmungen, um bie ©infieit
beS aSermogenS unb bas 9ie^t ber ©laubiger, fid^ an basfelbe }u l^alten, jum
SluSbrudEc JU bringen, bebarf es babei nid)t. 9ln bie ©teile bes ©runbfafecö,
bafe bas aSermögen beiber ©liegatten ©cmeinfd^aftsoermögen unb ber von il^nen
wäfirenb befte^enber ©emeinfrfiaft gemadbte ©rwerb fraft 9?ed^tenß gemeim
fd^aftlid^ wirb, tritt ber ©runbfag, bafe baS aSermögen ber ©liefrau auf ben
SUgcincine @fitcröetiieinfd6aft. SBorBcmerfunö. (§§ 1341—1409.) 331
S^ann überge(|t unb ber t)on i^r iDäi^renb beftel^enber ©emetnfci^aft gemachte
ßnoerb bem ©^cmonnc iufällt; ftatt bcr 33cftimmung, ba^ für alle als
®emdnf(^aftöfd^ulbcn anjucrfcnncnbc ©d^ulbcn bcö ©fiemanncö, roic bcr ß^c^^
frou beibe ©^cgottcn gemeinf^iaftlici^, minbcftenö mit bem ©efammtgute,
^ften, braucht nur beftimmt ju merben, ba^ ber 6§emann für bieiettigen
Si^ulbcn bcr ©Ijcfrau, roctd^en icne ©igcnfd^aft jufommt, perfönlid^ liaftet.
2to aSer^altnife unter bcn ©Regatten felbft bleibt bagegen materiell baöfelbc,
loie bei bcr Äonftruftion auf ber Orunblage beutfd^red^tlid^cn SWiteigentl^umeS,
nur bofe bie SRed^te ber ©fiefrau feinen binglic^en Karafter \)abcn, fonbern i^r
Icbiglic^ einen perfönlid^en ätnfpruc^ gegen ben ®^emann geroä^ren. 6in auf biefer
©runblage aufgebautes Softem ber allgemeinen ©ütergcmeinfrfiaft jcid^net fi^
ni^t aUcin burd& ©infad^^eit unb Älarlieit, fonbern inöbefonberc aud^ baburc^
aus, baB es ftd^ ben allgemeinen ©ruribfäfeen bes ©efefebud^es uollftönbig an-
fd^liefet, roä^renb man bei bcr Äonftruftion auf ber Orunblage beS beutfrf)^
retötlid^en 9Miteigent^umeS mit einem, in bem ©efegbud^e jroar audö fonft
als möglich onerfanntcn, aber nidbt fpejicll geregelten SRiteigent^umc unb
®emeinf(^aftSoer^ältniffe (üergl. §§ 762, 946, 659, 827; 3lnm. 1 ju § 827)
}u rechnen ^at, bef[en aSermcrtlibarfeit für bie Äonftruftion ber ©üter*
gemeinft^aft eine 9lci^c befonberer Scftimmungen erforberlid^ marf)t (ücrgl.
inSbef. bie §§ 1344, 1345, 1352, 1353, 1359 3lbf. 1, §§ 1360, 1361, 1373
bis 1375). Xroft jener mit ber Sonftruftion ber ©ütergemeinfd^aft auf ber
©runblagc beS SUlcincigentliumes beS (Seemannes unoerfcnnbar uerbunbencn
Sotjüge ift es [cbod^ als bebenflid^ erachtet, biefe Äonftruftion bem ©ntrourfe ju
@tunbe ju legen, aiuf bas pnäd^ft ftd& aufbrängenbe Sebenfen, bafe cö einen
SBibcrfpn«^ ju entl^alten fd^eint, nod^ t)on ©ütergcmeinfd&aft gu reben, xoenn ber
6§cmann SSUeineigent^ümer bes ganjen SßermögenS beiber ©tiegatten ift unb bcr
6^au nur ein perfonlid^er 9lnfprud^ auf 2^l^eilung nad^ Sluflofung ber ®c*
mcinfc^aft jufte^t, unb auf bie ©rmägung, bafe eine ©iffercnj jroifd^en ber ©e^^
flttttung bcs ©cmetnfd^aftSücrl^ältniffeS nad^ innen unb nad& aufecn l|in an fid^
ni^t loünfddensmertl^ ift, fann jmar burd&fc^lagenbes ©emicftt nid^t gelegt
loerben. 3lucö bas Sebcnfen, bafe bie Äonfequenj jener Äonftruftion ju einem un^
bcft^ränften SScrfügungsrcd^tc bes (Seemannes über bas gemeinfame SBcrmögen
fü^, ift nid&t Don entf^cibcnbcr 33ebeutung, ba, fomcit im Sntereffe ber
Sicherung ber (S^efrau eine ©infd^ränfung bes 33erfügungSredöteö bes ©^c-
numncs fid^ als notl^mcnbig erroeift, bies aud^ bei jener Äonftruftion oline
9ta§c Sd^mierigfeiten burd^ geeignete 33orfd&riften fid^ erreid^en lie|e. SBid^tiger
ift bagegen ber gegen jene Äonftruftion fid^ erl^ebenbe ©inmanb, bafe bie ©l^e^
fnm, roenn bcrfelben nac^ Sttuflöfung ber ©emcinfrfiaft nur ein perfönlid^er
2^lungöanfprud^ gegen ben ©bemann juftclit, für fol^e gfillc nid^t aus^
rdd^enb gefi^ert ift, in meldten ber ©bemann nad^ Sttuflöfung bcr ©emein-
fc^ft unb por erfolgter 2^^eilung bcS gcmcinfd^aftlid&en SSermögens cinfeitig
Sd^ulbcn mad^t ober in meldten ber SSetrag ber aus ber 3cit bcr ©cmein^^
f^aft ^crrü^renben, im 33erl)ältniffe ber ©l)cgattcn ju cinanber allein bem
(^emanne jur Soft fallcnben ©cfammtgutsocrbinblid^fciten bes lefetcrcn, inö=
befonbcre aus unerlaubten ^anblungcn, ein erf)cblid^er ift (ücrgl. § 1367
Sbf. 2, §§ 1373—1377). 3mar crlebigt ftd^ bas Scbcnfcn gegen ben nur
332 Sniöeincmc ©üterflemcinfd&aft. aSocbeinerfung. (§§ 1341—1409.)
pcrfonlid^en Äaraftcr bcr Siedete ber Gl^cfrau in benjcnigcn fallen, in roelc^en
bic ©cmeinfd^Qft burd^ ben Xob bc§ G^cmanneö aufgclöft unb bic übcrtebcnbc
G[)cfrau bcr alleinige Grbe beö leiteten njirb (üergl. §§ 1383, 1384 vtxb. mit
§ 1971). Snbeffen bleibt jeneö Scbentcn für alle bicjenigen gölle, in roeld^en
bic (Semcinfd)aft n)äf)renb bcftelienber G^e, tnöbefonbcre burd^ G^efd^eibung,
gcloft TOirb ober in welken bie Gf^efrau bic gütergcmelnfd^afttic^e Grbfolge
tDcgcn bcr Uebcrfd^ulbung beö 5Rad^taffeö in golge fotd^er ©cfammtgutö«
ücrbinblid^feitcn beö Gl)cmanneö duöfc^tägt, roeld^e im 33erl^ältniifc ber G^c*
gatten unter einanber bem Gf)cmanne jur Saft fallen (§§ 1371, 1372, 1386).
SBitl man aber aud^ biefeö Sebenten alö auöfd&laggebenb nid^t anfe^n, weit
auf ber anberen ©eite nid&t ju überfelien ift, ha^ burd^ ben binglid&cn Äaraftcr
bcr 5Rcrf)tc ber Göcfrau baö 9Scr^ältni| gegenüber itn ©laubigem ein Der*
midcltcrcö unb inöbcfonberc bie Sage ber oben bejcid^neten ©efammtgiitö*
gläubiger beö Gfjcmanncö eine roeniger günftigere mirb, fo fällt bod^ gegen
bie Sionftruftion ber ©ütergcmcinf^aft auf ber (Srunblage beS 3llleineigent^ume§
beö G^cmannes cntfd[)eibenb ins ®eroid&t, ba^ biefelbe bem geltenben 9te(^te
unb ber in ®oftrin unb ^raj iö t)oräugörocife ucrtretcnen ^luffajfung über bie
juriftifrfic 9latur ber Wütergcmeinfd^aft nid^t cntfprid&t unb auö biefem ©runbe
äu bcforgen ift, ba§ fie auf SBibcrftanb ftoßen unb eine auf bcr ©runb*
läge bicfcr Äonftruftion geregelte ©ütcrgemeinld^aft, mcil fie btn l^ergebra^ten
3lnfd&auungen ber S3et^eiligten feine SRcdfjuung trägt, im Sehen feinen Gingong
finben, mitbin ber 3^^^* ^^^ Jlobififation ber allgemeinen ©ütergcmcinfd^oft
im ©efegbud^c nid^t crrcidjt wirb. S)iefe SSeforgni^ liegt um fo näf|er, otö
cö fid) nid^t um bic Siegelung einer gefegli^en, fonbeni einer ncrtragömä^igcn
allgemeinen ©ütcrgcmcinfd^aft Ijanbclt. 3Jur bann ift ju erroarten, bafe biefeö
3nftitut fein tobter S3udf)ftabe bleiben, fonbern in bcnienigcn ©cbieten, in
lüclc^cn bie allgemeine ©ütcrgcmcinfrfiaft gegenioärtig bao gcfcglidfic e^elid^c
(^3ütcrred6t ift, fic^ einbürgern wirb, wenn biefelbe nid^t nur matcrieU ben
Wrunbgebanfen ber allgemeinen ©ütcrgemeinfdfiaft in fid^ aufnimmt, fonbern
audj formell ben l)crgcbrac^ten 3Infc^auungen unb bem ücrmutl^lid^cn 2)ur(§'
fd^nittömillen in ben bct^ciligtcn Greifen fid^ anfd&liefet. 93on biefem (Scfid^tö^
punfte auö Dcrbicnt cö ben 33orjug, bie allgemeine ©tttergemeinfd^aft auf ber
©runblagc beo bcutfiircd^tlidicn ■rWitcigentbumeö in bem oben S. 330 be*
jcid^netcn Sinne ju regeln, ba biefe Slrt ber Siegelung, menn aud^ bic 9lm
fid^ten über bic red^tlid^e 9latur ber bei biefem ©ütcrftanbc unter ben ©^e«
gatten bcftel)cnben Gigcnt^umögemcinfdfiaft, namentlidf) barüber, ob biefelbe atö
ein bcutfdbred^ttid^ mobifijirtcö röm. 3)iitcigent^um ober al6 ein felbftänbiger
bcutfrfircd^tlid^cr ©emcinfd^aftöbcgriff (©emcinfd^aft jur gefammten §anb) auf-
5ufaffen ift, üielfadi auöcinanbergcl^cn, im praftifd^en SHcfultatc bod^ bem
geltenben Siedete, inöbcfonberc bem preug. unb bem franj. Siechte, foroie ber
neueren ©oftrin unb 5ßrariö oorroicgcnb cntfprid^t (ücrgl. ©cuffert XVIII, 146,
XXI, 131; Gntfd^. b. Si. ©. in Gioilf. I, 140; Urtlj. b. di. ©. bei ©rud^ot XX\q
£. 972 ff., 1005 ff.; Gntfc^. b. 3i. ©. in Straff. IV, 31, X, 06, XII, 113) unb
ein mit ben l^crgcbrac^tcn Slnfd&auungen im Ginflangc fte^enbeö S3ilb bcr all=
gemeinen ©ütergemeinfd&aft gemäbrt.
Ällöcmeinc ©üterflcmemfd&aft. 2ScreinBaruno. § 1341. 333
1. 33creinbarung bcr ©ütergcmcinfd^Qft.
§ 1341.
35cr crfte Slbfafe bcö § 1341 beftimmt bur^ bic aSerrocifung üuf bic ®«KftH4er
Sorfd^riftcn ber §§ 1342—1409 bcn gcfefelidden Sn^alt beö C^eücrtragcö, ^Tmn'^
bur^ meldten tjcrcinbart ift, ba§ unter bcn ©Regatten allgemeine e^elidje s*"*^*"^*"^*^'
©ütergemcinfd^oft befielen foD. S)ie Orünbe, wzlä)c bm Gntrourf beftimmt
liobcn, ben ^n^alt biefcfi ©^cocrtrageö gefc|lid^ t)oUftänbig ju regeln, finb in
ker ©inlcitung ju bem gefeglici^en efielic^en ©üterred^tc oben S. 141 ff. bc^
reilß borgelcgt. 3luö § 1333 Slbf. 2 ergiebt fid^, bafe ein fold^cr, bie allgemeine
©ülergemcinfc^aft einfü^renber ©^eüertrag aud^ n)äl)renb beö 93eftel^enö ber
% gefc^loffen werben fann (oergl. bie aWotiüe ju § 1333 oben S. 305 ff.).
3lad) ben aUgcmeinen (Srunbfäfcen beö ®efefebud)eö fann ber auf ©i^^- ^^^^"^^^^^^^^
fü|rung ber allgemeinen ©ütergemeinfd^aft gcrid^tetc ©(jeücrtrag, wenn einer
ber SBcrtroflfd&Iiefeenben in ber ®efdf)äftöfäf)igfeit bcfc^rmift ift, üon bcm
ktteren mit ©inroilligung ober ©enel^migung feineö gefe^Iidjen SBertreterä ober
burd^ biefcn im 9?amen beö SJertreterß mirffam abgefrf)loffen roorben. Se^tercß
gilt auc^ bann, menn einer ber Sßertragfc^Iicfeeuben gefdjäftßunfätjig ift (üergt.
§ 65 9rbf. 3, §§ 1649, 1728, 1503 Slbf. 1). 5Die ©rünbe, auö roeld^en ber
Sntrourf in 3lnfe^ung ber G^eoerträge eine Vertretung burd) gefe6Hd)e aSer-
treter niä^t überl^aupt ausgefd^loffen l^at, finb in ben SWatitjen ju § 1335 oben
S. 313 ff. bargelegt. 3)urd^fd^Iagenbe ©rünbe, in biefer ^infid^t für bcnt)ierin
Kebe fte^nbcn G^eüertrag allgemein eine 3lu8naf)me ju mad^cn ober nod)
weiter ju gcf|cn unb bie oertragömäfeigc Gingefjung ber allgemeinen ©üter^
gemeinfc^aft für ^^Jerfonen, meldte in ber ®efd^äftöfäl)igfeit befd^ränft fmb, ooU*
fWnbig ouSjuf (fließen, finb nid^t ansuerfennen. 3Jad^ bem preufe. 9(. S. dt
U, 2 §§ 415, 780 ff. fon allerbingö bie gefefelid^e ©ütergemeinfd^aft, fallö bie
e^frau minberiä^rig ift (ob aud& bei aKinberjä^rigfeit beö G^emanneö, ift be^:
fhritten), ntd^t f ofort, fonbern erft bann eintreten, roenn fie nic^t binnen beftimmter
Jrift na4 erreichter aSottiö^rigfeit ber Gfiefrau auf beren 93crlangen auß-
flef^loffen wirb, es fei benn, bafe ber SSormunb ber Gficfrau für bie legterc
auf biefc SBo^lt^at oeriic||tet. S)ie me^rfad& üert^eibigte, von anberen Seiten
bagegen beftrittene 3lnfid^t, bafe jene Seftimmung burd^ ben § 102 ber preufe.
Sormunbf(^. C. t). 5. 3uli 1875 als befeitigt ausuferen fei, ift üom 5ieic^ö=:
flm(|tc nit^t gebiUigt (Dergl. Gntfd^. b. SR. ®. in ßioilf. V, 59). 2lel;nlicöc
8cfttmmungen finben ftd^ inbeffen in anberen ®ebieten, in weld^en bie aU>
flemcine ©ütergemcinfd^aft ben gefe^lid^en ®üterftanb bilbet, nic^t. ^r biefc
©ebide mürbe ba^cr bie Unmöglid^feit, bei ber Serlicirat^ung einer minbcr*
io^rigcn grou bie allgemeine ®ütergemeinfc^aft einjufülircn, bic Unmoglid^feit
in fi^ f^Uefeen, bcn gewohnten SRed^töjuftanb burd^ ®f)et)ertrag ju ermatten.
Sur eine Seftimmung bcr oben bejeid^neten 9Irt läfet fid& jroar inöbefonbere
geltenb machen, ba^ md) bem ©ntmurfe (§ 1385) unter geroiffen aSorauö-
f<|ungen mit ber ocrtragömäfeigen allgemeinen ©ütergemcinfd&aft bie SBirfungcn
eines erbeinfefeungßüertrageö ücrbunbcn finb unb nad^ ben crbred^tlid^en ^t^
jttmmungen (§§ 1941, 1942) ein ®rbeinfe|ungßt)ertrag t)on 5ßerfonen, meldte
gcfci^ftßunfä^ig ober in bcr ®cfc||äftßfäl)igfeit befd^räntt finb, aud^ nid^t burd^
334 5llIocmrfne ©ütcröcmelnfd&aff. SBeretnBarung. § 1341.
bercn gcfc^Hd^c SBcrtretcr ober mit ©inroilligung bcr festeren gefd^loffen
tocrbcn fann. 3nbcffcn treffen bic prinjipiellen ©riinbc, auf roeld^en biefe
S3eftimmungen berufen, bei bem (Sütergemcinfc^aftßtJertragc nici^t ju, ba ber
3n)ecf beö lefttcren nic^t in bcr ®inräumung eines ©rbred^teö beftc^t, fonbern
ber SBertrag nur mittelbar unter geroiffen SSorauöfefiungen fraft be« ©efejeß
©ene^miguna bflg gütergcmcinfc^aftlid^e ©rbrcci^t begrünbet. 9Kit 9iücffid&t auf bie aufeep
munbwan«. geroö^nlid^en unb tiefgrcifenbcn SBirfungen aber, welche bic allgemeine ©üter^
flcri<^teo. gemeinfd^aft auf bie Ser^ältniffe ber ©Regatten äußert, beftimmt ber % IUI
3tbf. 2, baß, roenu einer ber SBertragfcä^ticfeenbcn unter clterlid^er ©croatt ober
SSormunbfd^aft ftel^t, ju bem auf ©infü^rung biefer ©ütergemeinfd^aft gc^
rld^teten SSertrage bie Oenc^migung bed SSonnunbfd&aftögerid^tcö crforbcrli^
fein unb biefe Oencljmigung nur ert^eilt roerben foU, roenn ber unter elterlid^er
Oeroalt ober unter 93ormunbfd^aft ftef)cnbe SBertragfd^liefecnbe gel^ort ift unb
mit bem (S^eücrtragc fid^ cinücrftanben erttärt f)al. äuö biefer Icgtcrcn Se^
fd^ränfung ergiebt fid^ iuglcid^, ha^ für eine gefrf)äftöunfä^ige ^crfon ein
©tieoerlrag ber ^ier fraglirf)cn 9lrt überl^aupt nid^t gefd^loffen werben foH,
locnngleid^ bcrfelbc, fallö bics bodf) gefd^eljcn fein unb baö SSormunbfd^aftögerici^t
bie (Senel)migung baju ert^citt tiaben foUte, aus praftifd^cn ©rünben ni(^t
alö ungültig bel^anbelt wirb. 2}a| bur^ bie Scftimmungen befi 2lbf. 2
in benienigen ©ebieten, in meldten biöljcr bic allgemeine (Sütergemeinfd^aft alfi
gcfegli^cö e^elirfies (Süterrerf)t beftanben Ijat, ber Slbfc^lufe eines auf ©infü^
rung ber allgemeinen Oütergemeinfd^aft gerid^tetcn (S^cücrtrageß ju fe^r er-
fd[)njert merbe, ift nid^t ju beforgen; in ienen Oebietcn wirb ber SBormunb^
fd)aftärid^ter aud^ Kinftig tein Sebenfen tragen, einen fold^en ß^eoertrag reget
mäfeig ju genehmigen, unb nur in foldien gällen, in meldten bic allgemeine
Oütcrgemcinfd^aft jum mirflid^en 5Had&tl)eile beö betreffenbcn ©Ijegattcn auö*
fd^lagen mürbe, bie ®enef)migiing ücrfagcn.
2)ie rcd^tlid^e SBirffamfeit eines o^nc bic nad& 3lbf. 2 Safe 1 erforber^
lic^e ©ene^migung bcs 93ormunbfd^aftSgerid&teS gefd^lof[enen (g^cocrtrogcß
beurtl^eilt ftd^ na^ ben Sßorf^riften ber §§ 1514, 1681, 1728, 1737 Slbf. 4.
3)ie 93eftimmung bes 3lbf. 2 ©afe 2 ^at bagegen, mic bie ?5a|fung ergiebt,
in Uebereinftimmung mit ber entfpre^enbcn SSorfd^rift beS § 1680, nur ben
Äarafter einer DrbnungSüorfc^rift. Um bas SSormunbfc^aftSgeridbt barauf
Ijinjuroeifcn, ba§ es ftd^ nid^t einfad^ mit ber ©ntgegenna^mc bcr ©rftörung
beS SScrtragfd^licfeenben begnügen foll, ift ausbrüdflic^ beftimmt, baß ber SBertrag«
fd^ließenbc t)pr ®rtl^cilung ber ©enc^migung aud^ gehört rocrben foll.
3luö bem ^ßrinjipe bes § 1743 folgt, baß bic Scftimmungen be«
9Ibf. 2 aud^ auf bie 5ßflegfd^aft cntfpred[)enbc 3lnn)enbung finben; bod^ ift in
foldien gälten, in meldten ber ^Pflegebefohlene in bcr ©efc||äftöfälöigfeit nic^t
befd^ränft ift (§§ 1739, 1740), bic ©cne^migung beS aSormunbfd^aftögeric^tefi
fetbftoerftänblid^ bann nid^t erforberlid^, menn bcr 5ßfIcgcbcfol&tene fclbft, ni^t
ber ^Pcgcr, ben ©l^etJcrtrag fd&licßt (oergl. aWotioe ju § 1743).
SBcitcrc bcfonbcre Seftimmungen jum Sd&ufec bcr 6^cfrau gegen bie
il^r aus ber vertragsmäßigen ©inge^ung bcr allgemeinen ©ütcrgemeinfc^aft
möglid&crroeife ermad^fenben $Rad^t^eilc, rote ftc j. S3. im preuß. 91. 2, 31. IT, 1
§§ 357, 358 fid& finben, ftnb nid^t für erforberlid^ gel^olten.
Slffgemcinc ®üteröemeinf(6aft. ?)riniip. ©cfammtgut. § 1342. 335
2. 9Scr^ättni6 roS^rcnb bcftc^enbcr Oütergemeinfd^aft.
§ 1342.
3)ic Scftimtnunfl bcö § 1342 brinflt cincrfcitfi bcn im SBcfen ber all- ^"«5^^
jcmcinen Oütctflcmcinfc^aft begrünbeten ©cbanfcn jum 3luöbrudEe, bofe burc^
bU aDgemeine ©ütergemeinfd^aft baö SBermögen, roeld&eö ber (Sfiemann, unb
bod SJcrmogen, roeld^eö bic ©l^efrau jur 3^it bcß ©intritteö ber allgemeinen
©ülcrgemeinfc^oft f)at ober mäl^renb berfelben erwirbt, ju einer neuen
ungetrennten 9)laffe vereinigt wirb, in roeld&er bie ben einzelnen (Sl^egatten
jufte^enben SSermogenörec^le aufgefien, anbererfeitd, bofe baö fo ju einem
©anjen pereinigte 33ermögen gemeinfdbaftUdbeö 93ermogen beiber ©Regatten
(®efommtgut) mirb, beibe @tiegatten mitl^in ©ubiefte bcö Oefammtguteö
finb (ocrgl. preufe. ST. S. 5R. II, 1 §§ 363, 370, 372; fäd)f. ®. 93. § 1695).
2ic naivere Äarafterifirung biefeö ©efammtguteö als eineö beutf(|red^tli(|en ««wft« ^
SRitetgentl^umcö, b. ^. eines 9Kiteigentt|umeö, bei meld&em bie 3lnt^eile ber %um^^
©Regatten roö^renb ber 5Dauer ber Oemeinfd^aft afe felbftänbige SSermögenS*
rechte nid^t geltenb gemad^t werben fönnen, fonbern erft nad^ 9luf(öfimg ber
Qemeinfd^aft Sonberreci^te bn: ©fiegatten an ber gemeinfd^aftlid&en SJlaffe fier*
oortreten (oergl. ®ntfd&. b. SR. ®. in eiüil^ I, 140 ©. 396), ergiebt ftd^ mit
gcnfigenber 3)eutli^feit auö ben Späteren einzelnen SBorfd^riften (üergl, inöbef.
§§ 1344, 1345, 1373, 1376—1378, 1382 3lbf. 1). ®ie ©rünbe, mlä)C ben
(Sntrourf bcftimmt l^aben, bei ber Siegelung ber allgemeinen ©ütergemeinfd^aft
büÄ ^rinjip beö beutfd^red^tlid^en SKiteigentl^umeö in bem bejeid^neten Sinne
JU ®ninbe ju legen, ftnb bereits in ber SBorbemerfung ju ben Seftimmungen
über bie allgemeine ©ütergemeinfd^aft oben 6. 326 ff. bargelegt morben.
3ur te(^nifd&en SBejeid^nung bes beiben ©Regatten gemeinfd&aftlid^ ge^ s-eiminoiogte.
^örenben 98erm5gens ^at ber ©ntmurf ftatt beS in ber SQßiffenfd&aft allerbings
gebrouc^Ii^en Stusbrudfes „©ommtgut" ben SluSbrudf „®efammtgut" gemälilt,
ba ber festere Slusbrud fid^ bem bei bem ©efammtfd^ulbtjer^öltniffe befolgten
Sprod^ebrauci^e (§§ 321 ff.) anfd^liefet.
Sbioeic^enb t)on ber ^^Rwng bes § 1283, ift im § 1342 auf bie 3lu8* Äu«na^men
RO^efdUe, in melden geroiffe SBermögenSftüdfe bes einen ober anbercn ®l^c? JdniU)T.
gatten ni^t in bie ©emeihfd^aft fallen (§§ 1346—1349, 1351), abftd&tlid^ ni^t
^ingennefen. 6in fol^er ^inmeis ift einerfeits megen ber barauf bejüglic^en,
«nmittelbor fici^ anfd^liefeenben fpejiellen 33orfc^iften für entbeJ^rlid^ , anberer^«
fetts bes^alb für nid&t angemef[en eradbtet, meil burd& einen berartigen S^f^ft
bie ©c^ärfe beS im § 1342 ausgefproc^cnen ^ßrinjipes, ba^ alles 33erm5gen
ber Statten gemcinfc^aftliciö mirb, ju fe^r abgefd^mäd^t merben mürbe. 2)er
§ 1283 fann tnfomeU nici^t als SBorbilb bienen, ba bei bem gcfefeli^en elie^
B(^en ©üterrec^te, namenttid^ wegen ber 83eftimmung bes § 1289, 9lusna^men
»an ber Siegel weit l^äufigcr fein werben, als bei ber allgemeinen Ofitergemein^^
fc^ft Sag alles por^anbene SSermogen ber ©Regatten bis jum 93cweife bes
Qegcnt^IeS als ©efommtgut gilt, ergiebt fid& aus ben altgemeinen ©runb-
fäljen über bie S3erocislaft pon felbft (oergl. § 194 9lbf. 1) unb brandet beslialb
^€t ebenforoenifl, wie in bem anologen galle bes § 1283, befonbers beftimmt
}u werben.
336 Stfföemciuc @üteröemcinfd)aft. ©cfammtout. Gntfie^ung. § 1343.
§ 1343.
%1\ammu ^'^ SJorfd^tift bcö ©ofe 1 ift für bie errei^ung bcr 3n)edc bcr qD^
ßuteeiflcm gemeinen ©ütergemeinfc^aft fo toefentlid^, bafe ftc auä) bei ber Dertragömäfeigcn
mn. allgemeinen Oütergemeinf^aft nid^t cntbel)rt werben fann, menn man btn 6^e^
galten bie SWöglidöteit gewöfiren miH, burd^ ©^eoertrag ein bem SRed^tösuftanbe in
ben biöl)erigen ©cbieten ber aDgemeincn (Sütergemeinfd^aft cntfpred^enbeö SScr*:
tjältnife Ijerjuftellen. S)icö ift auc^ ber Stanbpunft aller 9icd^te, meldte bie
©ütergemeinfd&aft jmar nid^t afe gefefclic^eö ©üterred^t ancrfennen, aber als
t)ertragömä§igen ©üterftanb julaffen unb orbncn (ücrgl. inöbefonbere preufe.
31.2. ?H. II, 1 §§ 361 ff.; fäcöf. ®. 33. § 1695; code civil SÄrt. 1528).
SBenngleidf) baä ^^rinjip bes § 1343 fd^on auä ber Seftimmung beö § 1342
abgeleitet werben fann, fo ift es bei bcr SBid^tigfeit ber ©ad|c bod^ alö rattiforn
erachtet, baöfelbe im (Sefefte befonberö auöjufpred^en. Ucbereinftimmenb mit
IteA?/' ^^^ P^^"&- '^^**^ ^^' ^' ^' ^^' ^ §§ 365—367 ; preug. @cf. über ben eigene
tl)umdem). u. f. m. o. 5. aKai 1872 § 5 nebft bcr Orunbb. 0. § 50) — ob^
roeid^ent) von bem fä^f. ®. 33. § 1695 - gilt bie JRegcl beö § 1343 Sa| 1
narf) ©ag 2 aud^ in Sttnfel^ung fold^er JRed^te, ju beren Ucbertragung bm'^
Sic^tögefd^äft ßinlragung in baö ®runbbud& crforberlid^ ift. Gs enthält
biefc 33eftimmung allcrbingö eine S)urc^brerf)ung bcr ^rinjipicn beö (Snnib^
bud^rec^teö, ha eö fic^ bei ber ücrtragömäfeigen ©ütergcmcinfd^aft um einen
burdb SRed^tögefd^äft oermittclten SBcrmögcnöübergang fianbelt unb bcöbalb jur
Ucbertragung ber I)ier fraglid^en Siebte nac^ SWafegabe ber 33eftimmungen beö
©runbbudtired^teö (ocrgl. inöbef. §§ 828, 868) an fid^ bie Cintragung in baö
®runbbud& crforbcrlidö fein mürbe. 9lud^ läfet ftd^ nidbt oerfcnnen, ba^ burd^
bie I)ier fragli^e 33cftimmung beö ©utmurfeö bie ^al)l ber gölte, in meieren
ber 3nf)alt beö ©runbbud&eö ber mirflirfien SRcd^tölage nid^t entfpric^t,
namcntlid^ in fold^eu ©ebieten, in welchen ©ütergemeiufd^aft [)ergcbrad^\ ift,
fid^ cr[)eblid^ Dcrmc^ren mirb, ba bie ©Regatten cö £)aufig unterlajfen merbcn,
für bie 33erid^tigung beö ©runbbud^eö ©orge ju tragen, unb ba^ eine fol^
Differenj jmif^en bem ©runbbud^e unb ber mirflid^en SRcd^tölage immer alö
ein Uebclftanb fid^ barftellt unb bcöl^atb tl)unlidöft ju oermciben ift. 3ni>^^
finb bie für ben ©tanbpunft beö 6ntmurfeö fpred^cnbeu Orünbe alö über«
miegenb anäufet)en. 5Der entgegengefegte ©tanbpuntt fann im Sßiberfprud^e
mit bem Oebanfen bcr ®ütcrgemeinfdf)aft, bafe bie einem ieben bcr ©Regatten
mirftid^ iuftel)enben SHcd^tc gemeinfd^aftlid^ merben foUcn,' batiin führen, ba§
ein eingetragencö 9icd^t bcr ^ier fraglid^en 9lrt, aud^ menn baöfelbe bem alö
33eredf)tigten eingetragenen ©Regatten nic^t juftcf)t, trogbem unter Umftänben
nad^ aSafegabe ber ©runbfäfec über ben öffentlichen ©laubcn beö Orunbbud^eö
(§§ 837, 1083, 1116) 33eftanbt{)eil beö (Scfammtguteö merben fönnte. 2)iefer
Umftanb fann jmar für fid^ allein entfd)eibenb nid^t in Setrac^t fommcn
(t)ergl. §§ 839, 1359). ©ntfd&eibenb fällt aber inö ©emid&t, ia'^ o^nc baö
^rinjip beö ©ntmurfcö eine gebeil^li^e ©ntmitfelung bcr oertragömäfeigen
©ütergemeinfd&aft in benicnigen ©ebieten, in mclrf)cn biefelbe gegenmärtig ben
gefeßlid^en cl)elidöen ©üterftanb bilbct, tüd^t ju ermarten, fonbem ju beforgen
ift, bafe 3[al)re ücrftrcid^en fönnen, e^c in 9lnfet)ung ber mid^tigften ju bctn
angcm. @ütcrgcmclnf(6aft. OefammtQut. Äaratter. §§ 1344, 1345. 337
äJermogcn her ©l^egattcn gcl^orcnbcn ©cgcnftänbe eine roirtlid^c ©üter*
gemeinfd&aft eintritt. Sluf ber anbeten ©cite fommt in S3etrarf)t, bafe boö
^ringip beö ©ntrourfcÄ rocgen ber publica fides bcö ©runbbud^eö (tjergl.
§§ 837, 838, 1083, 1116) Oefa^ren für bie S8ertef)röfid^erf)cit nid&t mit
fid^ bringt.
6ine befonbere Seftimmung, bofe ieber ber ©Regatten befugt ift, ju t)er* «intJ^«««n8
fangen, bofe bie ©efommtgutöeigenfd^aft ber f|ier fraglid^en SRed^te in boß fammtsguts'
@runbbu(§ eingetragen werbe (oergl. preuß. ©runbb. 0. § 50), ift entbe^rlid^, tSrÄJr
ba in golge ber mit bem ®intritte ber Oütergcmeinfd^aft traft ®efe|eö üer^ bu<^.
hmbenen 3led^tfionberung baö ©runbbud^ unrid^tig wirb unb beö^alb ber
§ MS STnTOenbung finbct. Um ieboci^ in biefer SRid^tung feinen 3w^if^l ^^f-
bmmen ju Iaf[en, ift bie Slnroenbbarfeit beö § 843 auf biefen gall im § 1343
oudbrücffic^ audgcfprod^en. Slnlangenb bie 2lrt unb SGBeife, in roeld^er bei
befte^enber ©ütergcmeinfd&aft bie Serid^tigung beö ®runb6udf)eö ju erfolgen
^t, fo ift in biefer ^infid^t bie für bie ©runbbud^orbnung oorbefialtenc Se-
ftimmung mafegebenb, ba§, menn ein SRed^t ate metireren ^ßerfonen gemein-
fcftaftlid^ jufte^enb eingetragen mirb unb ©emeinfc^aft nad^ Sruc^t^eilcn nic^t
befte^t, aus bem Snl^cilte ber (Eintragung baö bie Slbmeid^ung von ber SRegel
ergebenbc SRed^teoerl^ältniß ^eroorge^en mufe (oergl. 2lnm. ju § 827).
§§ 1344, 1345.
2)ie Seftimmungen ber §§ 1344, 1345 fmb Äonfeguenjen beö ^ßrinsipcS m^tRaxat»
beö bcutfd&red^tU^en SHiteigentl^umeö, roefd^eö ber ©ntmurf bei ber Siegelung **®5omm^*
ber oBgemeinen (Sütergemeinfd^aft jum Sludgangöpunfte genommen ^at (oergl. ß"*««-
Mc SBorbemerfung jur allg. ®ütergemeinfd^aft oben S. 330). ©ie bringen
bie ©ebunben^eit ber hm ©Regatten an bem ©efammtgute juftel)enben 9lntljeilc
bur(ft ben 3*^* ^^ ©efammtguteö, roeld^eö möfirenb ber 3)auer ber ©emein-
fc^ft nid&t ben ©onberintereffen ber ©Regatten, fonbern bem 3nterefjc ber
^lid^m ©cmeinfd^aft ju bienen beftimmt ift, jum Sluäbrudfe xinb faratterifircn
ba^ nä^er bie 9latur ber nad^ § 1342 begrünbeten Sied^tögemeinfd^aft (oergl.
au^ entfdb. b. 91. ®. in ©ioilf. I, 140; Urt^. b. 51. ®. bei ®ru^ot XXVI
S. 1006). Snöbef onbere bejroedft bie SBorfd&rift bcö § 1344 Safe 1, nad) roclc^er ««nc »ru<^-
bie JU bem ©cfammtgute getiörcnben ®egenftänbe ben ©Regatten nic^t nad& ^xn6)^ *^cin8e?nen^"
teilen jufte^cn, bie Slnmenbbarfeit ber mit bem ^rozdt ber ©ütergemcinfd^af t ^««««f*'^"^«"-
unvereinbaren Seftimmungen über bas gcrool&nlid^c 9Jliteigentt|um unb bie ge^^
»ö^nli(^e JRe^tögemeinfd^aft (§§ 947—951, 762—773) ausjuf d&liefeen ; ferner
fon bie aUorf^rift beö § 1344 ©afe 2 flarftellen, bag bie ju bem ®efammtgutcnnfleti^eiit^eit
gc^örenben gorberungen ben ©Regatten nid^t get^eilt }uftel)en (§§ 320, 339, 341), ^orbcrSnßc«.
anbererfeitö bie ©emeinfd^aft in 9lnfe^ung biefer gorberungen unter ben ©Ije-
gatten ni^t etwa ein ®efammtfd^ulboer^ältni6 f)er|tellt (§§ 321—323, 325—337).
»ic^t für «nanroenbbar erflärt fmb bie §§ 324, 338, 340, roeil fidl) bicfelben
lebigli^ ouf ben ^ier nid^t in Setrad^t fommenben gall bejiel)en, wenn bem
einen ober anberen ©Regatten alö bem ®läubiger mel)rcre ©efammtfd^ulbner
gegenüberfte^en.
«otbe }. UfarfltrL Okf e^iu^. IT. ^
338 Mq. ®ütergcmeinfci6aft SSorBc^alt^ut u. ©onbcrflut. (§§ 1346-1351.)
unoeräuicr* Um Quf ber (Srutiblagc bcö Sßiteigentljumeö bcv ©Regatten an bcm
bcr«nt\eue. ©cfQtntntgutc bic ^xücdt btv Oütetgcmcinfd&aft ju crreid&en, genügen aber
bic S3eftimmungcn beö § 1344 nodj nid^t. 6ö mu§ rocitcr beftimmt iDerbcn,
ba^ ber 9lntf)eil eines ©Regatten an bent ©efammtgute unb an ben cinjcincn
SU biefem geprenben ©egenftänben, aud^ foweit ber Slnt^eil nid^t in einer
Quote befte{)t, ber 93erfügung biefeß ©Regatten entjogen unb ber B^öngS^
öoUftredEung nid^t unterroorfcn ift, bamtt nid^t baö ©cfammtgut feinem 3^^^/
ber el^elid)en (Scmeinfd^aft ju bienen, cntfrembet werben fann (§ 1345 9fbf. 1).
iDa ber in Siebe ftel)cnbe 9lntbei[ aud^ ben 9lnt^ei[ an ben 5U bem ©efammtgute
ge^örenben ©ad^en begreift, allgemeine SBorfd^riftcn aber, meldte bcm § 296
5lbf. 2 unb ben §§ 1022, 1207 entfpred^en, für unDcräufeerlid^e <Sad^en nid^t ge^
geben [inb, fo ift cö erforbcrlid^, im § 1345 9lbf. 1 neben ber Unüeräugerlid^*
feit aud^ bie 3lid^tbelaftbarfeit unb 5lid^tpfänbborfeit befonberö ju ermähnen.
«uöfc^iufe ber 3)ic S3eftimmung bcö § 1345 9lbf. 2 fönnte an [\ä) entbcbrt werben,
x^ctiung«* jj^ i)icfelbe inforocit, als jxe ben SE:i|eilungöanfprud^ in 9lnfc^ung ber ju bem
©efammtgutc gel^örenben einjelnen ©egenftänbe betrifft, ftd^ nur olö eine
.Honfequenj bcö § 1344 barfteüt, infoiDcit aber, afö fie ben 2:i^ei{ung9anfprud^
in 9lnfef|ung bes ©cfammtguteö uerneint, fd^on barauö abgeleitet roerbcn fann,
bafe ber (Sntrourf nur einen 2^bcil"tigöanfprucb in Slnfel^ung einjelncr gemein*
fd^aftlid&er Oegcnftänbe, nid&t aber in 9lnfel)ung eines gcmeinfd^aftlic^en aSer*
mögenöganjen fcnnt (oergl. § 767). S)ie auöbrüdflid^e ^erDor^ebung ber im
§ 1345 2lbf. 2 enthaltenen Seftimmung ift jeboc^ bei ber grofecn Sebeutung
berfclben als ratlifam cradjtet.
»ruc^t^eiic Db roälirenb ber S)auer ber (Semcinfd&aft latente S3rud&tl|eile an bcm
[armt^utc. Wcfammtgute ~ im (^5cgenfage ju ben einjelnen baju gebörenben ®cgcn^
ftänben — anjunebmen finb ober nid^t, ift in bem ©ntrourfe nid^t befonbcrß
cntfd&ieben, ba es neben ben Seftimmungen beS § 1345 im ^inblide barauf,
ba§ bie allgemeinen 'Borfd^riften beS ®ntrourfes über bie ©emeinfd^aft
(§§ 762 ff., 946 ff.) [id^ nur auf bie ©emeinfd^aft in 3lnfe^ung einjclner
®egenftänbe bejieben, einer befonberen gefefelid^en (Sntfd^cibung jener groge
nid^t bebarf. 9Bas im Uebrigen aus ber nad^ § 1342 begrünbeten Oemcin*
fd^jaftlid^feit bes ©efammtgutes folgt unb mie insbefonbere bas SScrbältnife
nad^ Sluflöfung ber ©emeinfd&aft fid^ geftaltct, ergiebt fid& aus ben fpatcrcn
fpejicDen Seftimmungen (ücrgl. insbefonbere §§ 1373—1377, 1382 Slbf. 1).
§§ 1346-1351.
«omöe. 3)ic §§1346—1351 betreffen bic 9luSnal)mef alle, in meldten geroiffe, bcm
fammtflutc ^^^^^^ ^^^^ anbcrcu ©begatten gebörenbe ©cgenftänbe von bem ©cfammtgute
flcwioffenc ausgefcbloffcn finb. aHit bem S3cgriffe ber allgemeinen Oütergcmcinfd^aft ift
eeflenftänbe. ^^.^ gu((jjj^,^g fold^cr 3luSnabmcn nid^t unocrtröglid^. 5)cr rcd^tlid^c Äaraftct
ber ©ütergemeinfd^aft als einer allgemeinen mirb baburd^ nid^t geänbcrt. S)cr
33egriff ber aillgemeinl^eit brauddt niddt not^menbig ba^in gefaxt ju werben,
bafe unbcbingt alles aSermögen ber (glicgattcn gcmcinfd^aftli^ roirb. (SA
genügt, bafe bie ©cmeinfd^aftlid&teit bie Siegel bilbet. 3)iefe SRegcI rcd^tfertigt
bic befonberen 5IBirfungen, mcldjc mit ber allgemeinen ©ütergemeinf^aft —
aOg. ©ütcrgemeinf^aft. aSorBeWt^flut u. ©onbcrottt. (§§ 1 346—1351.) 339
im Oegcnfoge }u her partifulärcn ©ütcrgcmcinfd^aft — namentlid^ in 2lnfcf|ung
bcr «Haftung lücgcn her ©d^ulbcn unb bcr ^Jod^roirfungcn bcr ©ütergctncinfci^aft
naäj äuflöfung berfclben burd& bcn SCob eines ©(;egatten üerbunbcn finb.
6s ift jroor nid^t ju tjertcnncn, baß burd^ bie Swföffiing t)on ©onbergütem im
»eiteren ©iiine bei ber allgenteinen ©ütergemeinf^aft baß SSer^ältnife an @in*
fat^^eit oeriicrt; inbeffen laffen ftd^ biefclben, wie bei ben einjelnen gälten näfier
ncd^geroiefen werben wirb, mit SRüdEfidit auf baö bcftel^enbe 9led)t, ba§ praftifd^c
9ebürfni6 unb bcn ücrtragömöfeigen Äarafter ber allgemeinen (Sütergemein-
fc^aft bes ©ntrourfeö nid^t üermeiben.
S>aä üon bem ©efammtgute auögefd^lojfene (Sut jerfftDt in jmei Älafjen, untcrjt^ei.
in SSorbcfialtögut (§§ 1346—1350) unb in ©onbergut im engeren Bxmt^^^^^a^!^
(§1351). aSö^renb baö SSorbelialtögut tjon bem ©efammtgute t)oIIftänbig ^^^^^l^
aii8gef(^loRen ift in ber 9lrt, bafe baöfelbe aud^ nid^t für Sied^nung beö ^" ^'^^"^*
®efammtgute§ rcrrooltet mirb, bie 9lugungen unb Saften bcöfelben batier nidE)t
bem ©efammtgutc juf allen (rergl. §§ 1346, 1351 aibf. 1, § 1411 2lbf. 2), ift
bas Sonbcrgut ber SSerroattimg für SJec^nung beö ©efammtgutcö in ber
8rt unterworfen, bafe bie 9lu^ungcn beöfelben ju bem ©efammtgute in bem-
felben Umfange gel^oren, in mcldjem bei bem gefefelid^en el^elidE)en ©üterred^te
bie Jlujungen beö ß^eguteö bem ©bemanne gel)ören, unb bafe anbererfeits bie
©r^attungöfoften unb Saften beö Sonbergutcö bem ©efammtgute nad^ SMaggabe
bcö § 1297 3lbf. 1 iur Saft fallen (tjergl. §§ 1351, 1411 3l6f. 2, § 1418).
Sür bie ß^efrau l^at bie Unterfdfieibung jroifdöen Sßorbe^altögut unb ©onbergut
no(^ bie bcfonbere Sebeutung, bafe baö erftere, wie bei bem gcfefelid^en efielid^en
©uterftanbe, ieber ©inroirfung beö ©liemanneö entjogcn ift, möfircnb baö
Sonbergut ber Gf^efrau bem ß^egute bei bem gefe|tidöen (Süterftanbe gleid^fteljt *
(wrgl. § 1351 9lbf. 2, § 1417). S)a bem ©liemannc nidEjt nur über fein
Sonbergut, fonbcrn, obgefel^en von ben im § 1353 beftimmten Sluönaljmen,
au(^ über ba§ (Sefammtgut, ol^ne bieferlialb ber @l)efrau tjerantmortlid^ ju
frin, bie freie 93erfügung juftcl^t (§§ 1352, 1364), anbererfeitö berfelbe für bie*
jcnigen SSerbinblid^feiten ber ©fiefrau, meldte ©efammtgutöDerbinblid^feiten finb,
perfönlid^ ^oftct (§ 1359 ^Ibf. 2), fo ^at eö für ben ©fiemann nur ein rep
^Itnifemäfeig geringeö praftifd^eö Sntereffe, neben bem ©onbcrgute aud^ nod^
Sorbe^altögut beöfelben im ®efe|je befonberö jU berüdffi^tigen. Snbeffen
fonn eö bod^ unter Umftänben für if|n t)on Sntereffe fein, aud^ bie SJiu^ungen
gewifier Oegenftfinbe von bem ©efammtgute auöäufc{)lie§en, um bie 9Ser*
iDcnbung biefcr 9lufeungcn feiner unbefdiränften SBerfügung (oergl. § 1353
Ibf. 2) üorjubel^alten unb anbererfeitö biefelben bem SSerfügungöred^te ber
&j^a\i in bcn Sluönal^mefällen, in meldten bie legtere über ©efammtgut ju
t)erffigen befugt ift, ju entjicl^cn (§§ 1356, 1358; Dergl. aud& § 1366). ©in
genügcnber ©runb, nur auf Seiten ber ©fiefrau 3[}orbe^altögut neben bem
Sonbergute ju berüdEftd)tigen, liegt bafier nic^t nor.
Cine anberc gragc ift, ob umgefelirt ein Sebürfnife anjuerfennen unb
«fi olö ongemeffcn ju eradEjten ift, bei ber allgemeinen ©ütergcmeinfc^aft neben
bem Sorbc^altögutc cineö ©Regatten oucf) nod^ ©onbcrgut im engeren ©innc
jujulQffen. 3)ie ©rünbe, meld&e für ben ©ntrourf beftimmenb geroefcn finb,
biefe groge ju bejahen, fmb in ben Spejialmotioen ju § 1351 nälier bargelegt.
22*
340 Stttocmeinc ©ütcrflemcinfioft. SorbcSaltößut. § 1346.
§ 1346.
«or5^üi«* 3)er üoUftänblgc Sluöfd&Iufe gcroiffer Oegcnftonbc cincö ©Regatten oon
^einrt e?t" bcm Ocfammtgutc bnxä) ©i^eocrtrag wirb von bcn bcftcl^enben Siechten mit
pcrtrogea. wenigen ausnahmen (j. 95. bcö ^omb. SHcd^tcä) fclbft für bic gcfefeUciöc Oütcr*
^«Sr* 9^^^i^f^öft jugclajfcn. SRur njü^renb bcfte^cnbcr 6^c toirb er ^äupg für um
juläffig crflärt ober bie SBirfung bcö 3luöf(i^[uffcö ©ritten gegenüber t)on be^
fonberen SOorauöfefeungen, inöbefonbere gc^riger SBcröffentUc^ung, abl^fingig
gemad^t (t)crgf. bie Sßotioe ju § 1333 oben ©. 305 ff.), änlangenb inöbcf onbere
baö preufe. 91. S. SR., fo entJ^ält baöfelbc in ber l^ier frogtid^en 33ejie]&ung feine
befonberen S3eftimmungen. ®ie 3uriöprubenj nimmt jeboc^ an, bafe infoioeit,
als bie ©ütergemeinfd^aft burd& ß^eoertrag überl^aupt ouögcfd&Ioffen werben
fann (t)ergl. SRotioe ju § 1333 oben ©. 305, 308), anäf bie üollftönbige aus*
fd^Uc^ung einjelner Oegenftänbe von ber Outergemeinfd^aft burd^ (S^eoertrag ate
juläffig JU eraci^ten fei (oergl. aud^ fäd^f. 0. 33. § 1703) ; boc^ ge^en bie 9lnfid^ten
barüber ouäeinanber, ob, fooiel bie SBirfung eines folc^en ß^eoertrageö gegen?
über 2)ritten betrifft, offentlid^e öefonntmod^ung mie bei bm SBerträgen über
bie aiuöfd^Iiefeung ber (Sütergemeinfd^oft (preufe. 31. S. JR. n, 1 §§ 422 ff.) er?
forberlid^ ober bie Sttnalogic berjenigen 33eftimmungen mofegebenb fei, meldte
gelten, wenn burd^ Seftimmung eines 2)ritten bei einer IcItmiBigen 3^*
menbung ober einer ©d^entung einjelne Oegenftänbe von ber Oemeinfd^aft
ausgefd^lojfen finb (preufe. 51. 2. SR. II, 1 §§ 374—376). 5Rod^ bem olbcnb.
®ef. V. 24. äpril 1873 SIrt. 30 § 1, SIrt. 31 § 2 fann SSorbel^altögut burc^
®l^et)ertrag nur in bem auf ©infül^rung ber ollgemeinen ©ütergemeinfd^aft gc*
rid^teten ©l^etertrage ausbebungen werben, unb ift bie red^tUc^e SBirffomfcit
einer fofd^cn Vereinbarung gegenüber ©ritten von Dorfd&riftsmäfeiger offent?
lid^er Sefonntmac^ung abfjängig gemad^t, obrool^I ber ©ütergemcinfd^aftsoertrag
felbft einer fold^jen S3efanntmac^ung nid^t bebarf unb bie Oütergemeinfd&aft
felbft audE) mäl^renb befte^enber @^e aufgel^oben werben fann unb nur jur
aßirffamfeit biefer 2luft)ebung ©ritten gegenüber bie öffentUd^e 93efanntmad&ung
erforberlic^ ift (oergl. airt. 27 § 1, 3lrt. 31 §§ 1, 3).
etanbpuiitt 3m 9lnfd(|IuJfe an bie grofee aJlet)rja^I ber befte^enben SRcd^tc gel^t aud&
«ntowfe«. ^^^ ©ntmurf baoon aus, ba% es burd^j ein bringcnbes praftifd&es öebürfnife
geboten ift, ben eijegatten ju geftatten, burc^ ®^et)ertrag and^ mit SBirfung
gegen ©ritte, rorbe^oltlid^ ber jum Sd^ufec ber lefeteren bienenben Sc?
ftimmungen ber §§ 1336, 1337, beftimmte ©egenftänbe von bem ©efammtgute
DoIIftänbig auSjufdilic^en. ©ic aSerI)ältnif[c fönnen fo liegen, ba§ bie ®^e*
gattcn jmar im Slllgemeinen bem Oütcrftanbe ber (Sütcrgemeinfd^aft ben 38orjug
geben, bie SRüdEfic^t ouf bic Sid)erung ber ß^cfrau aber bcn Slusfc^tufe ein*
jcluer ©egenftänbe t)on bem ©efammtgute erforbert. ©as Snterejfe ber ®^cs
frau an einem fold^cn 9luöfd^Iuffe ift bei ber allgemeinen ©ütergcmcinfd^aft im
^inblirfc auf bas faft unbefd)ränfte SSerfügungSrcd^t bes ©^emannes über ba^
©efammtgut (§§ 1352, 1353), auf bie Haftung bes ©efammtgutes für atte
©ddulbcn bes (Sljcmanncs (§ 1359 3lbf. 1, § 1361) unb auf bie erbred^tlid^cn
SBirtungcn ber altgemeinen ©ütergemcinfd^aft (§§ 1384 ff., 1395), nod[| bei
weitem größer, als bas ^ntereffe ber ©tjefrau an bem oertragsmäfeigen 9luö?
aUgemeinc ©üterflemctnfd&aft. SSorBe^altgöuh §§ 1347, 1348. 341
f^luffc cinjciner ©cgcnftänbc tjon bcr cl^elid&cn Jlufcniefeunö unb SScmjalhtng
(§ 1286). 9lud^ bcr (Seemann tann, mt bereite in ben oUgemeinen SRotiDen
ju §§ 1346—1351 oben ©. 339 J^eroorgetjoben würbe, nid^t nur wegen ber
erbrcd^tlid^en golgcn ber ©ütergemeinfd^aft, fonbem auä) in anberen dixä)^
hingen ein bead^tenöroertfied 3ntercffe boran l^aben, bafe beftimmte ©egenftänbe
imöf 6^et)ertrag für SBorbel^allßgut erftärt werben. Um fo mel^r ift ein 33e^
bürfnife für bic Seftimmung bes § 1346 anjuerfennen, als in benjenigen Oe^
bieten, in wefd^en bie allgemeine ©ütergemeinfc^aft gegenwärtig ber gefcglid^e
©üterftonb ift, jene ooraußfic^tlic^ auf Orunb ber l^ergebrad^ten ©itte aud^ in
fold^en göEen bie Siegel bilben wirb, in weld^en il^r nac^ ber ^ßerfönlid^feit
unb ben SSermogenöDerl^öItniffen ber ©fiegatten emfte SBebenfcn entgegenftel^cn
unb in welchen eö bal^er bringenb wünfd&enöwertl) fein fann, biefelben burd^
bic Sulajfung üertrogßmäfeigen S3orbcI)altöguteö ju üerringcrn.
3Begen ber Orünbe^ aus wetd^en ber (Sntwurf aud^ wäl)renb beftel^enber
e^ e^etjerträgc ber ^ier fraglid^en Sttrt julftfet (§ 1333 9lbf. 2), wirb auf bic
aRotiöc gu § 1333 oben ©. 305 ff. Scjug genommen.
©in genügenbcr Orunb, ron ber -Siegel, bafe burd& SBereinbarung bcr
ß^gatten 3Sorbef|alt§gut nur in bcr gorm beS (S^coertragcö begrünbet werben
fann, für Sd^cntungen eineö ©fjcgatten an ben anberen aus bem SSorbel^altö*
pte bcö erftcren eine Sluöna^mc ju mad^en (oergl. I^eff. @ntw. IV, 2 3lrt. 444
9lr. 2), liegt ni^t ror.
§ 1347.
5Die Seftimmung bcö § 1347 fte^t im 2BefentlidE)en mit ber aWel^r jol^l «»^«[J'"«««'
ber bcftefienbcn 5led&te (oergl. inöbef. preufe. 31. 2. 91. II, 1 §§ 373—376; code '''
civü art. 1401 ; olbcnb. ®cf. t). 24. 3lpril 1873 3lrt. 17 § 2 üt. c vtxh. mit
an 31 § 2; württemb. ©ntw. § 246 3lx. 3; J^ejf. ®ntto. IV, 2 Slrt. 444 5Rr. 1;
e^renbreitft. (Sntw. § 8 3lx. 1) im ©inftange unb berul^t auf äfinlid^en ®r^
»Sgungen wie bic Seftimmungen ber §§ 1346, 1287 (oergl. bie 3Kotioc ju
§ 1287 oben ©. 168 ff. unb ju § 1346). aiuö bem Dcrtragömäfeigcn Äarafter
ber allgemeinen Oütergcmcinfd^aft fann ein entfd^eibenbcr (Srunb gegen bic
Seftimmung beö § 1347 nid^t l^ergeleitet werben; oielmcl^r ift bie 3lnna^me
bcred^tigt, ba^ bie ©l^egatten burd^ bic ©infül^rung ber allgemeinen Oüter*
gemeinf^aft nid&t beabpd^tigt l^aben, bie 2lnnal&me einer mit ber im § 1347
bejric^neten Seftimmung gcmad^ten 3w^^^^^w"9 nnmogli^ ober t)on ber
SBiUfür beö anberen ©Regatten abhängig }u mad^en.
2)cm 3ntereffe ©ritter wirb burd^ bic allgemeinen ©runbfägc über ben
Sd^u6 i^cö fluten ©laubenö unb bic befonberen Seftimmungen ber §§ 1336,
1337, welche burc^ § 1350 aud^j auf ben oorlicgcnben gall für entfpred^cnb
önmenbbor erflärt finb, in außreid&cnber SBcifc SRcd^nung getragen.
§ 1348.
2)ie SBorfd^rift beö § 1348 entfprid^t bem für baö gefefetid^c cl^elid^c »orbe^ait«.
©üterred^t in ber l^icr fraglid^en 93cjiel^ung mafegebenben § 1288. S)ic |J^
®runbc, welche ju bcr SBorfd&rift bes § 1288 geführt l^abcn, namentlid^ bic
342 Sinöcmcine ®ütcrGememfd5aft. SSorbcl&aUöflut. § 1349.
«noerb burt^ JHiidpci^t ttuf bic ©rittcu, treffen and) l^ier }u (oergl. bic Sßotioe ju § 1288
gefÄuntcr oben S. 170 ff.). ®ic 33iUtgfeit fprid^t für eine glcid^e Sel^anblung l^ier um fo
aebenben, tncl^r, alö in ©rmongelung ber SSorfd^rift beö § 1348 bcr ©rroerb aud bem
ol^nc ©inroiUigung beß ß^cmanneö vorgenommenen SRcd^tögcfd^äfte ber ß^efrau
ber Icfeteren nod^ § 1342 nur ju einem 3lnt^eile jufallen, bie Oegenleiftung
ober nod^ § 1362 5Rr. 1 il^r allein obliegen würbe. 2)ic befte^enben Siedete
entl^Qltcn in ber l^ier froglid^en 33ejie]^ung meiftcnö feine befonberen Se^^
ftimmungcn. ©oroeit nad& bcnfelben bie ®I;efrau in ber ©efc^äftäfä^igfcit
bcfd^ränft ift, wie nad& bem preufe. 31. S. SR. II, 1 § 389, fül&ren biefelben
infofem ju einem äl^nlid^en SRefuItate, roie ber § 1348, als bcr unentgeltlid&e
(Srmerb anä) of|ne ©inroiUigung beö ®^cmonned bem ©efammtgutc jufäUt
(prcufe. 21. S. SR. n, 1 § 372; fäd^f. ©. 33. §§ 1638, 1641; obroeid^enb
Code civil 9lrt. 934), bie SEBirffamfeit eineß bie ®^efrau jugleid) üerpfiid&tenben
SRed^tögefd^äftcß aber t)on ber ©inmilligung beö ß^emonneö abhängig ift. 3"^
SDScfentUd^cn auf bemfelben ©tanbpunfte, mie ber ©ntrourf, ftef)t baö olbcnb.
@ef. t)om 24. 9lpril 1873 3lrt. 17 § 2 9lr. 6 Derb, mit Sttrt. 30 § 2; boc^
weift baöfelbe jeben von ber ©l^efrau unter 3Biberfprud& beö ß^emanneö gc*
mad^ten ©rmerb bem aSorbel^altögute ber ©fiefrau ju.
von «obe§* 3lnlangcnb biejenigen Oegenftänbe, welche bic ®^efrau burd^ Erbfolge,
"***"' 3Scrmäd^tni6 ober als ^flid^tttieil erwirbt, fo bleibt cd, foweit nid^t biefelben
na^ §§ 1346, 1347, 1351 3ir. 1, 3 auönal^möweife SSorbetjaltögut bejro.
©onbcrgut ber ©l^efrau werben, bei bcr SRegel beö § 1342, bafe biefelben bem
©efammtgute anfallen, obwol^l nad^ § 1355 bie ©ntfd^eibung über bic 9ln^
nafimc einer ©rbfd^aft ober eineö 33ermäc^tniffcö allein ber (S^efrau jufte^t
(ücrgt. einerfeitö preufe. 31. S. SR. II, 1 § 372 ; anbererfeitö code civil 3lrt. 776).
S)ie (Srünbe für biefe 3Irt ber Scl^anblung finb biefelben, weld&c für bas
gefcfelid^e cl^clic^c ©üterred^t ju einer gteid^en SRegelung gefüt)rt l^abcn (oergl.
bie SRotioe ju § 1288 oben ©. 172).
unb^^^itb ®benfo oerbleibt eö in Slnfel^ung beöienigcn, waö bie ßliefrau burd^ i^re
eine« 3lrbeit ober burd^ ein mit ©inwilligung beö ß^emanneö fetbftänbig t)on i^r
J^Sm. ictriebencö ©rwerbögcfd^öft, mag baö lefetere jum ©cfammtgute ober jum
©onbergutc bcr ß^efrau gel^ören (oergl. § 1351 9Jr. 4 mit § 1414), erwirbt,
bei ber SRcgcl beö § 1342. S)ie 33cftimmung beö § 1289 ift nad& bem 3wedc
ber ©ütergemcinfdjaft bei bcr Ic^teren nidt)t anwcnbbar. 3lnberö liegt bagegen
bie ©ad^e, wenn bie ©l^cfrau ol^nc ©inwilligung beö ß^emanncö ein ©rwerbß^
gefd^äft betreibt. 3n biefem galle finben auf ben (Srwerb ber ß^efrau quo
ben einsclncn SRed^tögcfd^äftcn bie S3orfc^riften beö § 1348 Slnwcnbung.
©cl)ört aber baö ©rwcrbögcfdjöft jum SSorbclialtögute ber ß^cfrau, fo werben
bic oon i^r burdE) ben Setrieb beö ®rwcrbögcfdE)äfteö erworbenen ©cgcnftanbc
nad^ 9)la6gabe beö § 1349 aSorbc^altögut.
§ 1349.
»orbc^ait«* 5[)cr § 1349 ift bem § 1290 nad^gcbilbct. SBic bei bem gefefelid^cn
surroflattoii. e^clid^cn ©ütcrred^tc, bringt and) bei ber allgemeinen ©ütergemeinfd^aft bcr
3wedE beö SSorbci^altögutcß eö mit fid), ba% baöfelbe ol^ne SRürffid^t borauf^
J
aagcmeine @üterflemeinfd?aft. aSorbeJaltöQut. § 1350. 343
ob cd im Saufe bcr Qüi eine onbere red^tUd^e unb roirt^fdjaftlid^e gorm annimmt,
in feiner ©igenfc^aft olö SBcrmögen erl^alten bleibt (oergl. 3KotiT)e ju § 1290
oben S. 177 ff.). ®ie auf bem Soben ber allgemeinen ©ütergcmeinfd^aft
flc^enben Siedete entgolten in ber ^ier fraglid&en 93ejiel}ung regetmäfeig feine
audbrüdEIi(^en 93eftimmungen. 3luf bem Oebiete ber partifulören Oüter^^
9cmeinf(^aft loeid&en bagegcn in 9lnfe^ung ber ©urrogation bei ben Sonbergüteru
bie SBorfd)riften ber Siedete fel^r üon einanber ab, unb befteljen barüber t)ielc
Streitfragen. 3Sßie in ben Sßotiüen ju § 1414 nä\)cx bargetegt ift, fjängen bie
Bon bem ^ßrinjipc be§ § 1349 unb beö § 1414 abroeid&enben 93eftimmungen
irieler auf bem Soben ber partifulören ©ütergemeinfd^aft ftel)enben SHed^^te
mit ber befonbcren SHatur ber Sonbergüter im engeren ©inne jufammen,
welche, roenn fte aud^ t)on bem ©cfammtgute auögefd^toffen fmb, bod) infofern mit
bemfelben in SSerbinbung fielen, alö fie für SRed^nung beö (Sefammtguteö rer^
weitet werben. S^rofebem t|at ber ©ntrourf aud^ für bie ©onbergüter im
engeren ©innc bei ber partifulören, wie bei ber allgemeinen ©ütergemeinfd&aft,
ttuö ben in ben äBotioen ju § 1414 entroidfelten Orünben baö ^^Jrinjip bcö
§ 1349 anerfannt (oergl. §§ 1414, 1351 2lbf. 2, § 1431 äbf. 1). Um fo
weniger fonn efi Sebenfen ^abcn, bei bem 23orbef)altögute baö ^ßrinjip beö
§ 1349 onjuerfcnnen, alß bicfeö tjon bem ©efammtgute ooHftönbig awQ^
gefd^lojfen ift, aud^ bie SSermaltung beöfelben nid^t für 9iedE)nung bcö
©efommtguteö ftattfinbet.
§ 1350.
Der § 1350 ftimmt, fooiel ba^ SBorbc^altögut ber ®^efrau betrifft, mit «4«* be«
hem § 1291 überein unb beruht auf ä^nlid^en ©rraägungen, mie biefer (Dergl. ^S^hm.
bie aWotiüe ju § 1291 oben @. 179).
2)o6 bcr ß^emann in 9lnfe^ung feines 3[Jorbe^altöguteö biefelbe red^ttic^e «erwaitung.
Stellung ^at, mie wenn er nid^t oerlieiratl^et märe, t)erftcl)t fid^ naä) bem Äk^^
griffe beä SBorbe^altöguteö (§ 1286) von fetbft. 3luß ben aSorfd^riften ber
§§ 1336, 1337 ergiebt \ii) ferner, bafe, fomeit baö SSorbe^altögut beö ei)e^
manneß auf ©^et)ertrag berul^t, jene 93orfd^riften birefte 9lnmenbung finben.
3)er § 1350 be^nt biefelben aud^ auf bicjenigen gälle auö, in roeldEjen baö
Sorbe^altögut befi ©^emanneö nid^t burd^ etieoertrag für SJorbe^altägut erftört
tft (oergl. aud^ in Slnfel^ung beö ©onberguteö beö (St)emanneö § 1351 9lbf. 2).
2)ie änmenbung ber SSorfd^riften bcr §§ 1336, 1337 auf baö 93orbel^altögut
bcd ß^emanneö jum ©d&ufie beß guten ©laubenö 2)rittcr ift allcrbingö nur t)on
geringer praftifd^er 93ebeutung ; fie f ommt nur für bie feltenen gölle in 93etrac^t,
in meieren bie 6f)efrau oußnalimßmeife über ©efammtgut roirffam oerfügen
twn (§§ 1356, 1358), biefelbe aber in 2Birftid&feit über fold^e ©egenftänbc,
weld^c jum 93orbet|oltßgute beö ß^emanneö gcl)ören, alö jum Cöcfammtgutc
gc^lörenb perfügt l^at unb ber ©ritte in biefer ^infid^t in gutem ©lauben mar.
Swbejfen fel^lt eö an einem auöreidienben ®runbe, bie l)ier fragtid^en ^ällc,
ie no(^bem bas SSorbe^altßgut beö 6l)emanneö auf Gljeoertrag berutjt ober nidE)t,
oerf^ieben ju be^anbeln.
344 äHflcmcinc @ütcr0cmcinfc6aft. ©onbcrgut. § 1351.
§ 1351.
wt*«onb«r* ^^ ^^^ ^^^ ^^^ S3obcn bct allgemeinen ©ütcrgemeinfd^Qft ftc^enben
gut 'SHed&ten werben ©onbergüter im engeren Sinne, im ©inne ber partifulären
(Seitenbed ©ütergemeinf d^aft , nid^t berüdfid^tigt. ©in äJ^nlid^eö SBerJ^ältnife befielet nur
'****■ in 3lnfel)ung fold^er (Segenftönbe, meldte ber freien SSeraufecmng ber ©Regatten
nid^t unterliegen, infofern, qIö biefelben ber ©ubftanj nod^ tjon ber ®emein?
fd^oft außgefd^lojfen finb, bie Jlußungen berfelben aber ber festeren juf allen
(f 0 ba& gemeine SRed&t — ©ntfd^. b. SR. ®. in ®it)ilf. VIII, 32 — ; oergl. ferner
preufe. 31. 2. 51. II, 1 §§ 363, 370; tipp. SBerorbn. v. 1786 § 7; Iieff. entro. IV, 2
3lrt. 441, 442 ; roürttemb. @ntro. § 244 ; el^renbreitft. entro. § 8 3lbf. 2). 9tad&
einjelnen Statuten fallen überl^aupt, foroeit nid^t baö ©egcnt^eil audgemad&t
ift, bie SJufeungen ber t)on ber ©emeinfd^oft auögenommenen ©egenftänbe in
bie ©emeinfc^oft (oergf. j^ejf. (Sntn). IV, 2 9lrt. 442).
etanbpunft 9BenngIeid^ ber S^f^ff^^J^O ^on Sonbergut bei ber allgemeinen ©üter^
«ntwfrfe«. gcmeinfdE)aft ein prinjipielleö 33ebenfen ebenf omenig entgegenftel^t, mie ber
3ulaffung von SBorbe^altögut (üergl. bie allgemeinen SRotiDe }u ben §§ 1346
bis 1351 oben S. 338 ff.), fo tann eö bod^ nomentlid^ angefic^tö beö beftc^enben
?Htä)U^ jmeifel^aft fein, ob eö burc^ ein 33ebürfni§ geboten unb au(^ nur
angemeffcn ift, bei ber allgemeinen ©ütergemeinfd^aft ©onbergüter im engeren
Sinne, namentUd^ auf ©runb red^tögefd^äftlidE^er Seftimmung, jujufaffen. ®d
läfet fid^ nic^t t)er!ennen, ba§ burd^ bie S^^^öR^^fl ^^^ Sonbergut im engeren
Sinne megen ber baburd^ l^eroorgerufenen SSerbinbung ber Sonbergüter
mit bem ©efammtgute, unb ber befonberen Stellung beö ß^emanneö ju
bcm Sonbergute ber ©fiefrau bie 5Berl^ältniffc bei ber allgemeinen ©iitcr^
gemeinfd^oft fomplijirt werben unb im einzelnen galle, fofern bas Sonber?
gut burd^ ©^eoertrag beftimmt ift, namenttid^ wenn ber Umfang ber
Sonbergüter ein erl^eblidfier ift, 3^^ifrf barübcr entfte^en fSnnen, ob
eine allgemeine ©ütergemcinfd^aft mit ben befonberen SBirfungen berfelben
atö non ben Parteien überl^aupt nod^ gewollt anjufeljen ift. Sluf ber anbcren
Seite ift eö jebod^ bebenflid^, ben ©Jiegatten ober ©ritten, meiere ben 6^e*
gattcn eine Sumenbung madfien wollen, bie aJlöglid^feit, burc^ red&tögefd^äft*
lid^e 93eftimmung gewiffe ©egenftänbe als Sonbergut im engeren Sinne
t)on bem ©efammtgute auöjufd&Iiefeen, bei ber allgemeinen ©ütergemein*
fd^aft gänjtid) abjufd&neiben, jumal gegenüber ber 3ulaffung tjon SSorbel^altö*
gut bie 3ulof[u"g üon Sonbergut im engeren Sinne als baö minus erfd^eint,
ba baö le^tere für 9lcd^nung beö ©efammtguteö rentaltet unb genügt
wirb. 3)ie 3wfaf}ung t)on Sonbergut im engeren Sinne ift namentUd^ für
fold^e gälte ron SEBid^tigfeit, in weld^en eö ber ©l^efrau wcfcntlid^ nur
barauf anfommt, fid^ in Slnfe^ung gewiffcr 3SermBgenögegenftänbe gegen ba&
weitge^cnbe SSerfügungöred&t beö ©^emanneö über baö ©efammtgut {§ 1352)
}u fid^ern, ober in welchen ber 6t)cmann fid^ nur in 9lnfe^ung ber Subftanj
gewiffer aSermögenögegenftänbe bie unbefd^^ränfte SSerfügung (§ 1353) ))orju?
behalten wünfd^t. Sobann fommt in Setrad^t, ba§ in Slnfe^ung fotd^er
©egenftänbe, weldje burd& $Red^tögefdöäfte nic^t übertragen werben f5nncn
Stüflemcine ©ütergemeinfiaft. (Sonberflut. § 1351. 345
(2e^, ©tamm*, gibcifornmifegütcr, fleroiffc Bauerngüter, l^öd^ftperfönttd^e
JU(^tc — Dergl. §§ 295, 486, 954, 1047, 1050, 1059), boö SBer^ältnife eine
ongcmcffenerc ©eftaltung crfäl^rt, tüenn jene ©egenftänbe auöbrücfUd^ als
Sonbergut im engeren ©inne bel^anbelt werben. Qroax ergiebt jxd^ an ber
^nb ber oUgemeinen ®ninbfä|e von felbft, ba^ bie l^ier fraglichen ©cgen-
ftönbe ber ©ubftanj nod^ nid^t Seftanbtl^eil beß ®efammtguteö werben, bafe
bogegen bie Slugungen ouf ®runb beö § 1342 in ha^ ©efammtgut fallen.
Ste felbflDerftänblid^ fönnte cö aud& bctrad&tet werben, baß, wenn bem ©efammt^
gute bie Slußungen jener Oegenftänbe ju @ute fommen, bemfelben anbererfeitö
Qud^ bie Saften unb bie Soften ber orbnungömäfeigen ©rl&altung berfefben jur
2aft foBen. Wogegen würbe ftd^ beim Sd^ »eigen beö ©efefeeö fadjlid) einmal
ber Unterfd^icb ergeben, bafe ber 6f|efrau bie SBerwaltung ber l^ier fraglid&en,
i^ ge^orenben Oegenftänbe verbliebe, fobonn, ia^ naä) ber Siegel beö § 1342
Me Surrogate ber ^ier fraglid^en Oegenftänbe bem Oefammtgute jufielen,
»ä^rcnb, wenn man biefe ©egenftönbe alö ©onbergut im engeren ©innc
bc^nbelt, in 3Infe^ung jener Oegenftänbe bem ®l)cmanne bie SSerwaltung nac^
äRo^gabe ber beim gefeglid^en el^elid^en Oüterred^te für baö @^egut geltenben
äJejKmmungen juftel^t wnb bie ©urrogate ©onbergut ^nb (t)ergl. §§ 1414, 1417
mit § 1351 9lbf. 1 5Rr. 4 unb 3[bf. 2). 3n beiben »ejiel^ungen nerbient aber
bie le|tere Oeftaltung ben SSorjug, namcnttid^, fooiel baö Siedet ber aSerwaltung
in Infe^ung ber Ijier fraglid^en Oegenftänbe betrifft, ba eö bem eJ^clid^en 9Ser=:
^Itniffe unb ber Stellung beö (S^emanneö am meiften entfprid^t, wenn eö in
Ermangelung cineö entgegenftel)cnben ß^eoertrageö in biefcr ^infid^t bei ben
SefHmmungen beö gefeftlic^en e^elid^en Oüterred^teö verbleibt. Sw'^if^f^ofter
tonn eö allerbingö fein, ob aud^ bei ben l^icr fraglid^en Ocgenftänben baö
Surrogationöprinjip beö § 1414 fid^ empficl^lt, ob eö nid^t üielmelir oon bem
©efi^töpuntte auö, bafe ber Orunb ber ©onbergutöeigenfd^oft bei biefen ©egem
Äonben lebiglid^ in i^rer Unübertragbarfeit liege, rid^tiger fein würbe, mit
bem SBegfaltc biefcö Unteren ^inbemiffeö aud^ jene 6igcnfd)aft wegfallen ju
'offen, Snbeffen vom ©tanbpunfte einer oertragömäfeigen allgemeinen Oüter?
gemeinf^ft auö Hegt bod^ bie 9lnna^me naiver, ba§ jene Oegenftänbe, wenn
ne einmal oon ber ©ütergemeinfd&aft auögefc^loffen finb, aud^ baucrnb auö*
gefc^loffen unb ein felbftönbigeö SSermögen beö betreffenben ©Regatten bleiben
foDciu Säfet man aber einmal für biefen gall ©onbergut im engeren ©inne
}u, fo würbe eö um fo weniger gered^tfertigt fein, bie 3utQffung t)on ©onber*
gut im engeren ©inne auf Orunb red^tögefd^äftlidicr 93eftimmung ber ©l)egatten
ober cineö 2)ritten, weld^er benfelben eine 3uw)enbung mad^t, bei ber allgemeinen
©ütergemeinfd^aft gänjUd^ abjufc^neiben. 3lud^ bei ber ber allgemeinen Oüter^
gemeinfc^aft fe^r nafit fte^enben SKobiliorgemeinfd^aft beö franj. SHed^teö, bei
Vfdfyx regelmäßig nur bie 3mmobilien von ber Oemeinfd&aft auögefd^loffen
finb, tonnen auf Orunb red^tögefd^äftlid^er Seftimmung ber ©Regatten ober
IWtter, weld^e ben festeren eine 3unjenbimg mad^en, SRobilien für ©onbergut
erflärt werben (t)ergl. code dvü 3lrt. 1401, 1500). 5Da naä) § 1431 3lbf. 1
ber § 1351 auf bie ©emeinfd&aft beö beweglid^en SSermögenö unb ber ©rrungen*
f^t entfprec^nbe Slnwenbung finbet, fo ftimmt in 2lnfel^ung biefer Oemein*
fdHtft ber ßntmurf mit bem franj. Siedete üollftänbig überein.
344 ^Dgemetne ©ütergemeinfc&aft. ©onbergut. § 1351.
§ 1351.
»w «onbcr. ^" ^^" ^"^ ^^^ S3oben ber allgemeinen Oütergemeinfd^oft ftc^enben
gut. SHcd&ten werben Sonbergüter im engeren ©inne, im ©inne ber partifulören
(Seitenbe« ©ütergemeinfd^aft, nid^t berüctfidEitigt. ©in äJ^nlid^eö SBcrJ^ältnife befte^t nur
****■ in Slnfel^ung fold^er ©egenftänbe, meldte ber freien SSeröufecrung ber ©Regatten
nid^t unterliegen, infofern, alö biefelben ber ©ubftanj noc^ Don ber ©emein?
fd^aft auögefd^Ioffen ftnb, bie 9lu^ungen berfelben ober ber festeren jufatten
(f 0 ba^ gemeine Siedet — ©ntf d^j. b. 91. 0. in ®it)ilf. VIII, 32 — ; t)ergl. ferner
preufe. 31. 2. 91. II, 1 §§ 363, 370; lipp. SBerorbn. v. 1786 § 7; l^eff. (gntm. IV, 2
3lrt. 441, 442; mürttemb. ©ntn). § 244; e^renbreitft. ©ntm. § 8 3lbf. 2). 3laii
einjelnen Statuten fallen überfiaupt, fomeit nid^t baö ©egenti^eil auögemadSit
ift, bie SJugungcn ber von ber Oemeinfd^aft aufgenommenen ©egenftänbe in
bie ©emeinfd^aft (ocrgf. liejf. (Sntn). IV, 2 9lrt. 442).
etanbpunft SBcungleid^ ber S^^Iöffung von ©onbergut bei ber allgemeinen ®üter^
«ntwurfe«. gcweiufd^aft ein prinjipielleö Sebenfen ebenf omenig entgegenftcEit, mie ber
3ulaffung oon SBorbe^altögut (ücrgl. bie allgemeinen SRotioe ju ben §§ 1346
bis 1351 oben ©. 338 ff.), fo fann eö bod^ namentlich angcfic^tö be0 befte^cnben
9lcd^teö jroeifcl^aft fein, ob eö burd^ ein 33ebürfni§ geboten unb aud^ nur
angemeffen ift, bei ber altgemeinen ©ütergemeinfd^aft ©onbergüter im engeren
©inne, namenttid^ auf ®runb red^tögefd^äftlic^er Seftimmung, iujulajfen. 6ö
läfet fid^ nid^t Derfennen, ba§ burd^ bie 3^^ö{fung t)on ©onbergut im engeren
©inne mcgcn ber baburd^ hervorgerufenen SBerbinbung ber ©onbergüter
mit bem ©efammtgute, unb ber befonberen ©teUung beö ®^emanncö ju
bem ©onbergute ber ©l^efrau bie 5ßerf|ältniffe bei ber allgemeinen ©iiter^
gemeinfd^aft fompliäirt merben unb im einzelnen galle, fofern baß ©onber^
gut burd^ ©l^eoertrag beftimmt ift, namentlid^ wenn ber Umfang ber
©onbergüter ein cr^eblid^er ift, Smeifel barüber entftelien fönnen, ob
eine allgemeine ©ütergemeinfd^aft mit ben befonberen aBir!ungen berfelben
als t)on ben Parteien überfiaupt nod^ gcroollt anjufel^en ift. 9luf ber anberen
©eite ift eß jebod^ bcbenflid^, ben ©liegatten ober ©ritten, meiere ben ®^e^
gatten eine Sumenbung mad&en mollcn, bie aJlBglid^feit , burd^ rcd^tögefc^öft?
lid^e SUeftimmung gemiffe ©egenftänbe als ©onbergut im engeren ©inne
oon bem ©efammtgute auöjufd^liefeen , bei ber allgemeinen ©ütcrgemein^
fd^aft gänjlid) abjuf dEjneiben , jumal gegenüber ber 3i*lQffung üon S3orbe^altd*
gut bie 3ulof[ung t)on ©onbergut im engeren ©inne als boö minus erfc^eint,
ba baö Ic^tere für 9icd^nung beß ©efammtguteß vermaltet unb genujt
mirb. 2)ie 3ulaf[ung Don ©onbergut im engeren ©inne ift namentlid^ für
fold^e gälle tjon 9Bid^tigfeit, in meldten eß ber ©ficfrau mefentlid^ nur
barauf anfommt, fid^ in 9lnfel|ung geroijfer SBermögenögegenftänbe gegen ia^
roeitgelienbe SBcrfügungßreddt beö e^emanneß über baß ©efammtgut {§ 1352)
iu fidlem, ober in meldten ber ©f)emann fid^ nur in 9lnfe^ung ber ©ubftonj
gemijfer aSermögenögegenftänbe bie unbefd^ränfte SBerfügung (§ 1353) ooi^u«
bel^alten münfd^t. ©obann fommt in SBetrad^t, ba§ in 9lnfe^ung fold^er
©egenftänbe, metd)e burd^ 9led^tßgefd^äfte nid^t übertragen werben fönnen
SOgenietne ©ütergetneinf^aft. (Sonbergut. § 1351. 345
(£e^n?, ©lamtn:^, gibcifornmifegütcr, gcmffc 93aucm9Ütcr, l^od^ftperfönlid^c
Setzte — ocrgl. §§ 295, 486, 954, 1047, 1050, 1059) , baö SSer^ältnife eine
ongemcffmcre ©cftaltung crfäl^rt, wenn jene ©cgenftänbc auöbriidfUcI ald
Sonbcrgut im engeren ©innc bcl^anbelt werben, ^wax crgiebt fid^ an ber
$anb ber oUgemeincn ©runbfägc von felbft, bofe bie l^ier fraglid^en Oegcn^
^be ber Subftanj na6) nid&t Seftanbtl^eii beö Oefommtguteö werben, bafe
bügegen bie 9?ufeungen auf ®runb beö § 1342 in i>a& ©efommtgut faUcn.
8te felbftoerftänblid^ fönnte ed au6) betrad^tet werben, bofe, wenn bem Oefammfe
gute bie SJuftungen Jener ®egenftänbe ju ®ute fommen, bemfclben onbererfeits
au(5 bie Soften unb bie Soften ber orbnungSmäßigen ®rf|altung berfelben jur
2aft fallen, ©agegen mürbe fxä) beim ©d^ioeigen beö ©cfe^cö fod^lid) einmal
ber Unterfd^ieb ergeben, bafe ber ®^efrau bie SSermaltung ber liier fraglid^en,
i^ ge^orenben ©egenftänbe Derbliebe, fobann, ba% naä) ber Siegel beö § 1342
bie Surrogate ber l^ier fraglichen ©egenftänbe bem ®efammtgute jufieten,
awllrcnb, toenn man biefe ©egenftänbe alö ©onbergut im engeren Sinne
belianbeft, in STnfeliung jener ©egenftänbe bem ©liemanne bie SBerrooltung nac^
3Ra6flabe ber beim gefeglic^en el^eli^en ©üterred^te für baö ©l^egut geltenben
Sejiimmungen jufte^t unb bie Surrogate Sonbergut finb (Dergl. §§ 1414, 1417
mit § 1351 aibf. 1 5Rr. 4 unb 9lbf. 2). 3n beiben Sejiel^ungen Derbient aber
bie [entere ©eftaltung ben SSorjug, namenttid^, fooiel baQ Siedet ber SJerwaltung
in Snfc^ung ber l^ier fraglichen (Segenftänbe betrifft, ha eö bem e^elidE)en SSer=:
ffätaijfe unb ber Stellung beö (S^emanneö am meiften entfprid^t, roznn eö in
Ermangelung eineö entgegenftelienben ©^eüertrageö in biefer ^infid^t bei ben
Sejiimmungen beö gefeglidfien elielid^en Oüterred^^teö Derbleibt. 'S^t\^di)a^kx
fönn eö allerbingö fein, ob aud^ bei ben tjier fraglid^en ®egenftänben baö
Surrogotiondprinjip beö § 1414 fid^ empfiel^lt, ob eö nid^t Dielmelir Don bem
©eji^töpunftc quo, bafe ber Orunb ber Sonbergutöeigenfd^oft bei biefen ®egen*
itanben lebigli^ in tl^rer Unübertragbarfeit liege, rid^tiger fein mürbe, mit
itott SSBegfalle biefeö le|teren ^inbemiffcö aud^ jene ©igenfd^aft megfallcn ju
Nen, 3nbeffen Dom Stanbpunfte einer Dertragömö^igen allgemeinen ©üter*
gnnrinfd^aft ouö liegt boc^ bie 9lnnal^me naiver, bafe jene ©egenftänbe, menn
Se einmal Don ber ©ütergemeinfd^aft auögefc^loffen finb, aud^ baucrnb auö-
geft^lojfcn unb ein felbftänbigeö 33ermögen beö betreffenben @f|egatten bleiben
foHen. 2ä%i man aber einmal für biefen ^all Sonbergut im engeren Sinne
}«, fo mürbe cd um fo meniger gered^tfertigt fein, bie 3utaffung Don Sonber*
gut im engeren Sinne auf ©runb rec^tögefd^äftlic^ier 93eftimmung ber (Sficgatten
ober eineö 3)ritten, meld&er benfelben eine 3umenbung mad^t, bei ber allgemeinen
®fitcrgemeinfcj^aft gäujlid^ abjufc^neiben. 2lud^ bei ber ber allgemeinen ©üter*
gnneinfi^aft fe^r na\)z fte^enben SKobiliargemeinfd^aft beö franj. SJed^teö, bei
loetd^ regelmäßig nur bie Sfmmobilicn Don ber ®emeinfd&aft auögefdE)toffen
finb, tonnen auf ©runb red^tögefd^öftlic^cr Seftimmung ber ®l)egatten ober
3)ritter, meldte ben lefeteren eine gu^enbung machen, SRobilien für Sonbergut
erfldrt werben (nergl. code civU Sttrt. 1401, 1500). S)a nad^ § 1431 2lbf. 1
ber § 1351 auf bie ©emeinfc^aft beö bemeglid^en SSermögenö unb ber Srrungen*
fd^ft entfpred^enbe Slnmenbung finbet, fo ftimmt in 9lnfe^ung biefer ©emein*
f^ ber ©ntrourf mit bem franj. Siedete Dollftänbig überein.
346 SHtgenteme ©üterflcmeinfcftaft. ©onberflut. § 1351.
art ber 33ci bcr Siegelung bcö JÄed^töoerfiältniffeö ber ©onbcrgüter im ©injclncn
»cge ung. ^^^ ^^^ gnttüurf iu bcm 9lbfc§nittc über bie ©ütergemeinfd^aft fid^ im SBcfent^
lid^cn barauf befci^ränft, bie cinsctncn gällc ju beftimmen, in meldten ©onber^
guter anerfannt werben follen, bagegen im Ucbrigcn bie SSorfd&riften über baä
3lcd)tst)crf)ältni§ ber ©onberguter, inßbefonbere ju bem ©cfammtgute, bem
Slbfdjnitte über bie ©rrungenfcbaftögemeinfd^aft vorbehalten unb bie bort ge*
gcbenen SSorfd^riften, foroeit fie anö) für bie allgemeine Oütergemeinfd&aft
paffen, im § 1351 auf bie ©onbergüter bei ber le^teren für entfpred^enb on? *
menbbar erftort. S)a ©onbergüter im engeren Sinne bei ber allgemeinen
Oütergemeinfd^aft nur bie 3lußnal|me, bei ber ©rrungenfd^aftögemeinfc^aft ha*
gegen bie Siegel unb bie (Srunblage bes ganjen 3nftituteö bilben, fo ift bie
©rrungcnfd&aftSgemeinfd^aft ber eigentlid^e Sife jener SSorfd^riften, unb jtnb
baljer bie legieren am äroedEmäfeigften im 3ufammenl^ange mit jener gorm ber
©ütcrgemeinfc^af t unb im Sichte berfelben ju geben. 3lud^ geroinnen burd&
biefe 9lrt ber Siegelung fon)ol)l bie Seftimmungen über bie allgemeine ®ütcr*
gemcinfd^aft alö bie 33eftimmungen über bie ßrrungenfd&aftßgemeinfc^aft on
©urd&fid&tigteit.
Ä** **SieIir 3lnlangenb bie einjelnen gälle, in meldten nad^ § 1351 3lbf. 1 ©onber*
^^^' gut im engeren ©inne bei ber allgemeinen ©ütergemeinfd^aft ancrtannt
ift, fo entfprec^en bie gälle unter Sir. 1, 3 btn §§ 1346, 1347 (oergl,
aud^ §§ 1412, 1413), ber galt beö § 1351 3lbf. 1 Sir. 2 bem eingange
beö § 1415 unb ber gall unter Sir. 4 ben §§ 1349, 1414. SBegcn bcr
33egrünbung bes im § 1351 9lbf. 1 Sir. 4 anerkannten ©urrogationöprinjipeß,
roeld^cö, jum 2;i)eil abmeid^enb Dom franj. Sled&te unb bem e^renbrcitft. 6nt«
murfe, nad^ § 1431 3lbf, 1 auc^ auf bie ©emeinfd^aft bcß beroeglid&en SSer-
mögenö unb ber ©rrungenfd^aft Slnmenbung finbet, mirb auf bie Sßotioe $u
§ 1414 üerroiefen.
@in auöreid^cnber ©runb, nad^ bem SBorbilbe ber errungenfd^aftagemcin?
fd&aft (§ 1415) außer bcnjenigen Siedeten, meldte burd) Sled^tögefc^äft nic^t
übertragen werben fönnen, audj biejenigen Don einem ber ©Regatten cnoorbcnen
Siedete, roeld&e mit bem 2^obe beö Sered^tigten erlöfc^en ober burd^ bcn 2^ob
eineö ©Regatten bebingt finb, o^ne Slüdffid^t auf bie Ucbertragbarfeit berfelben
bei ber allgemeinen ©ütergemeinfd^aft unb nad^ § 1431 Slbf. 1 folgemcifc au^
bei ber (Semeinfd^aft beö beroeglid^en 33ermögenö unb ber (Srrungenfc^aft als
©onbergut ju bef)anbeln, liegt nid^t t)or. 2)ie mirtJ^fd^aftlid^c Slatur jener
Siedete jroingt nid^t baju, in Slnfe^ung berfelben baö ^^Jrinjip ber §§ 1342,
1431 3lbf. 1 JU burd^bred^en. Sei ber ©rrungenfd^aftögemeinfdfiaft liegt baö
5ßerl)ältni6 infofern anberö, alö bei biefer ©onbergüter bie Siegel bilben, bei
ber allgemeinen (Sütergemeinfd&aft bagegen bie 3luönal)me. S)ie oben ©. 344 ff.
ern)ät)nten, gegen bie S^l^ffung t)on ©onbergütern bei ber allgemeinen (Süter*
gemeinfd&aft übcrt)aupt fpredtienben 33eben!en müjfen bal^in füliren, bie SäUe, in
meld&en bei ber allgemeinen ©ütergemeinfd^aft ©onbergüter im engeren Sinne
beftcl)cn, nic^t o^ne Slotl; 5U t)ermel)rcn. ©aöfelbe gilt tjon ber ber allgemeinen
©ütcrgemcinfd)aft nal)eftel)enben Oemeinfd^aft beö beroeglid^en SSermogenö unb
ber ©rrungenfdfiaft. 2)ieö entfpric^t aud^ bem ©tonbpunfte ber auf bem Soben
biefer beiben formen ber ©ütergemeinf^aft ftel)enben geltenben Slecfete.
SHlöcincinc OütcrgcmclnfdDaft. ©onbergut. § 1351. 347
Jiic^t offne 3w'cifcl ift cö bagegcn, ob eö nid^t ongemcffen fein roürbc, nad) ^^^^^^^^^
km Sorbilbc ber für baä gefe^Ud^c c^elid^c ©üterred^t getroffenen Seftimmung c^efrau 6eft.
bes § 1285 auc^ fold^e Oegcnftanbe ber ®öefrau für Sonbcrgiit im engeren ®***^*^
Sinne ju erflören, welche auöfd^lic^lid) jum perfönlid)en ©cbraud)e ber ©Oe-
fron, inßbefonberc jur flieibung ober jum ©d^mucfe, beftimmt fmb. S)er
Sahir jener Oegenftänbe fd^eint eö ju roiberfpred^cn, wenn ber 6f)emann über
ücfclben als Seftonbt^eile beö ©efammtguteS nad^ ÜKa^gabe ber §§ 1352,
1353 unter Stuöfd^Iufe ber 6f)efrau nid^t nur red^tUdj, fonbern aud) tljatfäd&fidö
uerfügen fann (oergL foc^f. ®. 33. §§ 1671, 1699). änbeffen (legen bic 58cr:=
|a(tniffe bei ber allgemeinen (Sütergemcinfd^aft in biefer §infid^t bod^ rocfenttic^
onbcrö, old bei bem gcfcglid^en e^elid^en Oüterred^te. aJtit bem SBefen ber
Allgemeinen ©ütergemeinfd^aft ift eö nid^t oereinbar, bie in SWebe ftef)enben
Oegcnftanbe ber G^efrau, welche unter Umftänben einen \)oi)c\\ SBertI) ^aben
fonnen, oon bem ©efammtgute auöjufd^Iie^en. ©ine foldje SluöfdjHefeung ent-
Wt nid^t nur eine imbillige Segünftigung ber ©fiefrau gegenüber bem QI)q^
manne, fonbern gefälirbet aud& bie SSerfcfiröfid^er^eit, inbem baburd) jene ©egen^^
ftanbc,forocit bcren ^fänbung na^ § 715 3lx, 1 ber 6. % D. sulaffig ift, j. 33. bie
3unjelen ber ©fjefrau, ber ^fänbung r>on Seiten ber ©laubiger bcö 6()emanncö
(§§ 1359—1361) entjogen werben mürben. 3Iuf baö bem ®t|emannc in 3lnfet)ung
bes ©efammtguteö jufte^enbc SSerfügungöred^t fonn um fo roeniger ©eroid&t ge*
legt roerben, alö baöfelbe ouf roeit mid^tigere ©egenftänbe, atö bie f)ier frag^
lidien, fic^ erftrecfen tann. 3lad) bem SSorbilbe beö preufe. ST. S. 91. il, l § 364
(oergl. oud^ ^eff. ©ntro. IV, 2 3lrt. 444 9Jr. 4) etwa bie notl^menbigen Ä(eibungö^
ftütfe ber G^efrau auöjunel^men, l^at im ^inbUdfc auf bie Unterljaltöpfli^t beö
e^emanneö (§ 1280) unb auf bie Seftimmung im § 715 3ir. 1 ber ©. 5ß. D.,
noi^ ©eld^r bic ftleibungöftücfe, foroeit biefelben für ben Sd^ulbner unb feine
jjamilie unentbcj^rlid) finb, ni(^t gepfänbet werben fönnen, feinen SBertt). Sem
perfonlid&en S^tei^^ffc ber ©Regatten in älnfe^ung ber I)ier fragtid^cn ©cgem
ftonbe wirb burc^ bie auf bie il}eilung beö ©cfammtguteö fid^ bejiefienbc 9Sor^
f^rift bcö § 1.378 in auöreid^enber SEBeife 3led^nung getragen.
änlangenb btn § 1351 Slbf. 2, fo rechtfertigt fidE) bie entfpred)enbe Sttn- ®*«* ^*
wenbung ber §§ 1336, 1337 auf baö Sonbergut, aud) rocnn baöfelbe nid^t ©lauben«.
inrc^ ß^eoertrag für Sonbergut erflärt ift, burd^ bie Siüdtfid^t auf bie SSer^
tc^öfid^er^eit (pergL aud) §§ 1291, 1350), bie entfpredE^enbe 3lnn)enbung ber «e*ts-
§§ 1417, 1418, 1420—1422 unb beö § 1429 3lbf. 4 burd^ bie 9lna(ogic beö ©ontlS'Juu«-
Sec^töoer^ältniffcö ber Sonbergüter bei ber ©rrungenfd^aftögemeinfdiaft.
!3n ©rmangelung einer cntgcgenftefienben SSorfd^rift wirb bie nad) § 1351 »«»^Wflung.
Sbf. 2 oerb. mit ben §§ 1417, 1283 bem (Sf)emanne an bem Sonbergute ber
©Htöu iuftei^cnbe DJulniefeung unb aSerroaltung bei ber allgemeinen ©üter*
9^einf4)aft foroie nadd § 1431 Slbf. 1 aud) bei ber ©emeinfc&aft beö bemeglid^en
Semögens unb ber ©rrungenfd&aft nur mit 9luf(ofung ber ©ütergemcinfdEjaft
bcenbigt. Gin Sebürfnife, ber ©fjefrau im 3nteref[e ber Sid)erung ifireö
Sonbergutcfi bic SKoglid^feit ju gcroä^ren, auc^ fd^on t)or 3tufföfung ber ©üter^
9«neinf(^aft in benjenigen gälten, in meldfien bie eljelid^e Shigniefeung unb 93er*
loahung bejro. bie ©rrungenf^aftögemeinfd&aft beenbigt wirb (oergl. §§ 1327,
1328, 1429), inöbefonbere im gälte beö Äonfurfeö über baö $Bermogen beö
348 MQcm. ®ütcrgcmeinf*aft. ©cfammtgut. Sertoaltung. §§ 1352, 1353.
(gfjcmanncö, bie Secnbtgung bcr ^lufenicfeung unb SSerroaltung bcö 6^cmanncö
an t^rcm ©onbergutc Iicrbcijufü^rcn, liegt nid&t oor, 5umoI baö Sefte^cn Don
Sonbergut bei ber allgemeinen Oütergemeinfd^oft feiten ift unb bei ber ©emeim
fc^aft beß beroeglid^en 33ermögenö unb ber ©rrungenfc^aft fraft beß ©efcftcft
nur bie Smmobifien ©onbergut finb, in Snfel^ung ber 3niw^obiIien aber eine
©efäfirbung ber ®^efrou am menigften ju besorgen ift.
§§ 1352, 1353.
«erroaitung i. "^aö) ber grofeen Sftel^rjal^l bcr auf bem S3oben ber allgemeinen, toic
^'* Julr""*' ^cr partifulären (Sütergemeinfd&aft ftefienben SRed^te ift baß »ermaltungß^
(seitenbed ted^t iu 2(nfef)ung beß ©efammtguteß — rorbcfiattlid^ geroiffcr SÄußno^mefäDe,
9«e<^t. iji mcld&cn aud^ bie 6t)cfrau über baß lefetere ju verfügen bered&tigt ift ober
in meldten eß il^rcr SJlitmirfung bebarf -— allein bem ©bemanne unter Sluß-
fd)tu6 ber ß^cfrau beigelegt, ©ine 3lußnal^me mad^t in biefer Se^ie^ung nur
auf ber einen ©cite baß münft. Siedet, roeld^eß ber ef)efrau baß JRed^t ein-
fettiger SBcrfügung über baß Oefammtgut in bemfelben Umfange einräumt,
n)ie bem ©bemanne, onbererfeitß baß nürnb. Siedet, nad^ meld^em bie G^
gattcn alle S3ertröge über baß gemeinfd^aftUd^c SSermögen gemeinfd^aftlidb
fd)lie§en muffen. 3n Setreff ber Orenjen beß bem ©^emonne juftc^enbcn
SBerroaltungßred^teß madEien fid^ aber in ben übrigen Siedeten jmei entgegen-
gefegte SRid^tungcn geltenb. 9ladf| ber einen ift bem ©bemanne, abgefel^en tjier
junäd&ft t)on 6cbenfungen unb ben biefen gteid^äuftellenben (Sefd^äftcn, inß^
bcfonbere ben fog. Ucbertragßoerträgcn, bie Sefugnife, über baß ©efammtgut
ju tjerfügen imb in 83ejief|ung auf baßfelbe SMed^tßgefd^öfte aller 5Srt qIm
Sufd^Iiefeen, fomie bie auf baßfelbe fidE) bejieljenben SRec^tßftreitigfeiten ju führen,
otine jebe 33efd&ränhmg beigelegt. 9tad^ ber anberen ift ber ©bemann auf
©runb beß ^ßrinjipcß ber gefammten .^anb bei ber Slußübung beß SScr-
mattungßred^teß in größerem ober geringerem Umfange an bie ÜWitmirfung
bcr ©^cfrau gebunben. 3^ ber erftcn ©ruppe t)on 9?ed&ten, bei meldten baß
•prinäip ber ©liCDogtei beß Gl^emanneß jur außfd^ließtic^en ©eltung gefommen
ift, gehören inßbefonbere bie ©ütergcmeinfd^aftßred^te meftfälifdden Urfprunged, fo
bie meiften ber in ber ^rooinj ^annoocr gettenben ©ütergemeinfc^aftßret^te,
bie SHcd^te t)on Sremen unb Hamburg unb baß meftfäl. ®ef. t). 16. Äpril
1860 § 3 (Dergt. jebodö baju, fooiel Sßerfügungcn beß ©^emanneß über ben
Inbegriff beß ©cfammtguteß ober einen aliquoten S^eil beßfelben betrifft,
Gntf^. b. 3?. ®. in Gioilf. I, 140). ©ß gef|oren ferner batjin bie meiften
fc^leßm. I^olftein. Siedete, ücrfd^iebenc haxjv. Statuten, foroie baß franj. 9{ed^t
(code civil 3lrt. 1409 9lr. 2, 3lrt. 1421; üergl. aud& eljrenbreitft. ©ntm. § 30;
oßnabr. ©ntro. § 6).
93on ben auf bem Soben beß 5ßrinjipeß ber gefammten ^anb fte^cnben
Siedeten binbet ein S^cil ben ©bemann nur bei ben SBerfügimgen über ©runb?
ftütfe an bie aJlitmirfung ber ©^efrau, anbere 9fled)te ftellen btn ©runbftucfim
in biefer 93ejie^ung ©ered^tigfeiten unb bie auf ben Flamen ber ©^efrau ober
beiber ©Regatten belegten Äapitalien gleid^ ober forbern ju geroiffen anberen
SRcd^tßgefc^äften, mie ju ber Ueberna^me t)on Sürgfd^aften, bie ©inn)iDigung
attgem. ©ütergemeinfiaft ©cfammtgut. aScrtüaltunfl. §§1352,1353. 349
Iw g^cfrau. 3^ öi^f^ ©ruppc t>on SRcd^tcn gcl^örcn namentUd) Qufecr ein-
jrfncn in bcr 5ßrooinj ^onnoocr gcitcnbcn Steckten, tjcrfd^icbcncn bai)r.
Statuten unb bcm (üb. Mcd^tc (ob nur in 9lnfc{)ung ber t)on ber Ehefrau
ober ouc^ ber oom ®I|cmanne l^errü^rcnben (SrunbftüdEe, ift ftrcitig), baö preu^.
1 2. 31. n, 1 §§ 377—380, ferner, fooicl bie Dcrtragömäfeige ©ütergemeiU'
f(jQft betrifft, baö • fäd^f. ®. 58. §§ 1697, 1698 unb baf^ olbenb. ®ef. v.
24 Spril 1873 art. 25 (t)ergl. an6) fieff. entro. IV, 2 3lrt. 447 ; roürttemb.
feit». § 254). Slnlangenb infibefonbere boö preug. 9t. 2. 91., fo bcbarf bcr
C^ann jur SBerpfanbung ober SBcräufeerung von ©runbftücfen unb ©ercc^tig^^
feiten, fomie jur fiünbigung unb ©injic^ung üon Ä^apitalicn, roeld^c ouf bcn
Jlflmen ber (S^efrau, i^rcö ©rbloffcrö ober ©cfd^enfgebcrö ober auf bcn 9iamcn
kiber ß^cgotten gefd^riebcn finb, bcr ©inroiUigung bcr (Sl)efrQU. Snforocit ift
ber Seemann allein anä) nid^t jur ^^Jrojefefütjrung legitim irt (91. (S. D. I, 1
§ 23). äufecrbem fann aber bic ß^efrau gegen jcbc oon bcm ©bemanne bc^'
oWit^tigtc SBerfügung gegenüber bem ©ritten, mit melct)em bic 3[Jerfügung
MUjogen werben foll, mit bcr SBirfung SBibcrfprud^ ergeben, bafe bie ©r-
gönjung i^rer ©inroiDigung burd^ baö SSormunbf^iaftögcriciöt abgewartet werben
au6 (pteufe. 2r. 2. 91. II, 1 §§ 387, 388). ©in öf)nad&cö Söiberfpruc^örcc^t
itmfyci ber ©^efrau bie lippc^bctm. SBerorbn. d. 1786 § 9. 3lad) ücr^
f(4iebenen baijr. Mcc^ten, nämlid^ bcr fränfifdjen 2. ©. D., bcn 9icd)ten üon
S^Jwinfurt unb ßaftcU unb in befd^ränftcrem Umfange aud^ nad^ bem bamb.
i %, fonn unter geioiffen SSorauöfcgungen bie ©^cfrau binnen einer bc^
ittmmten grift auf bie Sluf^cbung beö einfeitig oom ©f)emanne vorgenommenen
Qefcjäfted flogen (fog. reclamatio uxoria). ®emeinredE)tIid^ roirb jroar allgemein
onrrfannt, bafe bas SBcrroaltungörcd^t in 9lnfe{)ung beö (Scfammtguteö auö*
fcdlieftlic^ bem ©bemanne jufte^t (oergt. Seuffert I, 72, 248, XXXIV, 309 ;
fntfi b. 3t. ©. in ©iüilf. VII, 51); boä) gefien bie ginfid^ten barüber auö==
eiiumber, ob ber ©bemann bei SSerfügungen über Smmobilicn ber ©inwiUigung
fc eWrau bcbarf (oergl. ©cuffert I, 71, 248, 351, XVI, 227, XVIII, 147,
XIX, 156, XXXI, 147).
8ufi bem bem ©ntrourfe ju Orunbe liegcnben 5ßrinjipc beö beutfdd* etantpuntt
tt(^tli(^ aWiteiflcntfiumefi bcr ©fjcgattcn an bem Oefammtgute (§§ 1342, 1341/ ^ntiSU«.
l'M5) folgt an fid&, bafe bie SBcrroaltung in 9lnfet)ung beö lefetcren beibcn
fbcgotten gcmeinfc^aftlid^ }uftc{)en müfetc. ©ine fol^e ©eftoltung, roefd^e ba^
&in führen mürbe, bafe ber ©bemann bei allen auf baö ©cfammtgut fid^ bc-
jie^enben ©efc^äften ber ©inmiUigung ber ©tjefrau bebürfte, ift aber prattif^
w4t bur(6füf)rbar unb mit ber ©tellung beö ©f)cmanncö nid^t vereinbar.
ßienfoiDenig fonn cö in grage fommen, uadE) bem aSorbilbc beö münft.
Secjtefi iebcm ber ©Regatten baß SRcc^t einfeitigcr SBerfügung unb Jflcloftung
in änfe^ung beö ©efammtguteß bcijulcgcn. 2)er SScrroaltung cineö aSermögenö
ift regelmäßig am heften gcbient, wenn fie einf|citHd^ unb burd^j einen SBillcn bc*
fttmmtroirb. 2)icfe Scftimmung fann bei ber el^elid&cn Oenoffenfc^aftim^inblitfc *"*/*"*^'
öuf bie Stellung beö ©^emanneö alö beö ^auptcö ber ©t)e nur bcm Ic^tercn über== »erroaituna«.
trogen werben. Saß bei ber allgemeinen Oütcrgcmcinfd&aft bcr ©fjcmann in 9ln* /^^^man^«.
fe^ung ber SSermaltung beö ©efammtgutcö — im ©egcnfafte ju bcm bei bcm gefc^^
Bdfen e^elic^n ©üterred^te bem ©bemanne juftcl^cnbcn Siedete bcr SSerwaltung beö
348 SHTgetn. @üteröcmeinfd&aft. ©cfammtgut. SScrtoaltung. §§ 1352, 1353.
6(jctnanne§, bie SBccnbtgung ber Jlugnicfeung unb SBerrooltung bcs 6^cmonncS
an il^rcm ©onbcrgutc ticrbcijufü^rcn, liegt niä)i cor, jumal baö Seftclien üon
©onbcrgut bei ber allgemeinen ©ütergemeinfd^aft feiten ift unb bei ber ®emeim
fd^aft bes bcroeglid&cn 3Sermögenö unb ber ©rrungenfc^oft traft beö ©cfegcft
nur bie Smmobilien ©onbergut pnb, in Slnfeliung ber 3mmobiIien aber eine
(Sefäfirbung ber ß^efrau am menigften ju beforgen ift.
§§ 1352, 1353.
«ertoaitung I. 3l(iä) ber grofectt aJlel^rjafil ber auf bcm SSoben ber allgemeinen, toic
*"** JSeT"'*' ber partifulären ©ütergemeinfdiaft fte^enben SRed^tc ift baö SSerroaltungs^
mttnhti red^t in 3(nfel^ung bcö Oefommtgutes — norbeJ^altlid^ geroiffer Sluöna^mefäHe,
9*e<^*- in ujclc^en aud^ bie (Stjefrau über baö legtere ju t)crfügen bered^tigt ift ober
in meieren eö ilirer 9Jlitn)ir!ung bebarf — allein bem (g^emanne unter äuS-
fdjiufe ber (S^cfrau beigelegt. Gine Sluöna^me mad&t in biefer 33eiief|ung nur
ouf ber einen ©eite baö münft. Siedet, meld^eö ber ß^efrau baö 3led^t ein«
fcitiger SJcrfügung über baö Oefammtgut in bemfelbcn Umfange einrfiumt^
mie bem ©bemanne, anbererfeitö baö nürnb. JÄed^t, nad^ roeld^em bie (S^
gatten alle SSertröge über boö gemeinfd^aftlid^e SBermogen gemeinfd^aftlidb
fd)fie6en muffen. 3n ^Betreff ber Orenjen beö bem ®t)emanne juftc^enben
aScrmaltungöred^teö mad^en fid) aber in ben übrigen SRed^ten jroei entgegen-
gefegte 9iid()tungcn geltenb. 3laä) ber einen ift bem ©bemanne, abgefe^en hier
äunädöft Don Sd^enfungen unb ben biefen gleid^jufteUenben ©efd^äftcn, ins-
befonbere ben fog. Uebcrtragöoerträgen, bie Sefugnife, über baö (Sefammtgut
ju rerfügcn unb in 33ejief)ung auf baöfelbe SRed^tögefd^öfte aDer 3lrt ob«
Sufd^liefeen, f oroie bie auf baöfelbe fid^ besieljenben JRec^töftreitigfeiten ju führen,
oljne jebe SBefd^ränfung beigelegt. 9lad& ber anbercn ift ber ©^emann auf
©runb beö 5ßrinjipeö ber gefammten §anb bei ber 3luöübung beö aScr*
maltungöred&teö in größerem ober geringerem Umfange an bie aWitroirtung
ber ©fjefrau gebunben. 3" ^^^ ^^f*^^ ©ruppe von Siedeten, bei meldten baö
^^rinjip ber ©fieoogtei beö ©^emanneö jur auöfd^Ueßlid&en ©eltung gcfommen
ift, gcfiören iuöbefonberc bie ©ütergemeinfd^aftöred&te meftf älifd&en Urfprungcö, fo
bie meiften ber in ber ^roüinj ^annooer gcitenben ©ütergemeinfd^aftörcc^te,
bie Siechte von Sremen unb Hamburg unb baö meftfäl. ©ef. ü. 16. 3fpril
1860 § 3 (Dergt. jebodö baju, fooiel SSerfügungcn beö ©l^emanneö über ben
Inbegriff beö ©efammtguteö ober einen aliquoten Xi)til beöfelben betrifft,
©ntfdf). b. 3?. ©. in Giüitf. I, 140). ©ö gel^ören ferner ba{)in bie meiften
fd^Ieöro. I^olftein. Siedete, üerfd^iebenc bai)r. Statuten, fomie baö franj. 9led^t
(code civil Sttrt. 1409 9lr, 2, Slrt. 1421 ; oergl. aud^ el)renbreitft. Gntm. § 30;
oönabr. ©ntro. § 6).
93on ben auf bem Soben beö ^ßrinjipeö ber gefammten ^anb fte^cnben
Siedeten binbet ein Xijtil ben ©bemann nur bei ben SSerfügungen über ©runb*
ftüdfe an bie ajlitroirfung ber G^efrau, anbere Siedete ftellcn ben ©runbftüdfen
in biefer SSejiel^ung ©ered^tigfeiten unb bie auf ben 9Jamen ber ©^efrau ober
beiber ©Regatten belegten Kapitalien gleidEi ober forbern ju gemiffen anberen
5Red^tögefd^äften, toie ju ber Uebernal^me tjon S3ürgfd^aften, bie ©inroiBigung
angeni. ©ütergemcinfd&aft ©cfammtgut. SSenraltung. §§ 1352, 1353. 349
bct g^efrau. 3" ^i^fcr ©ruppc von SRed^ten gcprcn namentlid^ aufecr ein:=
jdncn in ber 5ßrooinj ^annoocr geltenbcn Siedeten, Dcrfd^icbcncn bai)r.
Statuten unb bcm lüb. SRed^tc (ob nur in Slnfel^ung ber üon ber ®^efrau
ober au^ ber t)om ©bemanne fierrü^renbcn Orunbftücfe, ift ftreitig), baö preu^.
S. 8. % II, 1 §§ 377—380, ferner, foDicl bic oertragämäfeigc ©ütergemein^
f(iaft betrifft, ba^ \a6)l ®. 83. §§ 1697, 1698 unb baö olbenb. ©ef. v.
2L 3[pril 1873 «rt. 25 (oergl. aud^ f|eff. gntn). IV, 2 Slrt. 447; roürttemb.
ftitio. § 254). SÄnlangenb inöbefonbere baö prcug. 91. S. 31., fo bebarf ber
6^nn jur SScrpfänbung ober Sßeräufeerung oon ©runbftüdfen unb Oered^tig^
feiten, foroie jur Sünbigung unb ©injicl^ung oon Kapitalien, roeld^e auf ben
Samen ber ß^efrau, i^reö ©rblaffcrö ober ©efd^enf geberö ober auf ben Flamen
kiber ©Regatten gefd^riebcn finb, ber ©inroiüigung ber ß^efrau. Snforoeit ift
ier gdemann allein aud& nid^t jur ^rojegfütjrung legitimirt (SS. 0. D. I, 1
§ 23). Äufeerbem fann aber bie ®§efrau gegen iebc üon bem ©bemanne be^
oifiditigte SBcrfügung gegenüber bcm dritten, mit n)eld)em bic aScrfügung
wttjogen werben foU, mit ber Söirfung SBiberfpru^ crf)ebcn, ba^ bic ®r*
Jö^^jung i^rer ©inroiUigung burd^ baö 33ormunbf^aftögcrid&t abgeroartet njerbcn
mu§ (prcufe. a. 2. SR. II, 1 §§ 387, 388). ©in ä^nlid^cö aQBibcrfpruc^örec^t
poSifci ber ß^cfrau bie lippe^betm. SBerorbn. v. 1786 § 9. 3lad) ücr?
fc^iebencn bapr. Sfied^ten, nomlid^ ber fräntifd^en S. ©. D., ben SRcdjtcn üon
S(^ioeinfurt unb ßafteU unb in befd^ränfterem Umfange aud^ nad^ bem bamb.
2. S., fonn unter geroijfen SSorauöfcfeungen bie ß^efrau binnen einer be^
jttmmten grift auf bic 5liif^ebung beö cinfcitig t)om ©bemanne üorgenommcnen
8ef(^ftcö flagen (fog. redamatio uxoria). Oemeinred^tlid^ roirb jroar allgemein
anertannt, bafe baö 9Scrn)attungöred)t in 9lnfe^ung beö ©efammtgutcö auö^
i4lic6li(^ bem ßfiemannc sufte^t (oergl. ©euff ert I, 72, 248, XXXIV, 309 ;
(Jntf^. b. m. ®. in eioitf. VII, 51); bod& gelien bic ainfid^ten barüber auö*
cinanber, ob ber ©bemann bei Verfügungen über 3«imobilien ber ©inroilligung
6r g^efrau bebarf (oergl. ©euffert I, 71, 248, 351, XVI, 227, XVIII, 147,
XIX, 156, XXXI, 147).
Sus bem bem ©ntrourfe ju ©runbe licgenben ^rinjipc beö beutfd^* ©tonbpuntt
ret^tli^ aWiteigcntliumcö ber ©Regatten an bcm ©cfammtgute (§§ 1342, 134^/ (g„ti„%«.
1345) folgt on fid^, ba^ bie SSerroaltung in 9lnfel)ung beö lejtcrcn beibcn
Blatten gcmeinfd^aftlidb juftc^cn mü^te. ©ine fol^c ©eftaltung, meldte ba*
Wn führen würbe, bafe ber ®f)emann bei allen auf baö (Scfammtgut fid^ be^
ji^enben ©efd^äften ber ©inmilligung ber ©^efrau bebürfte, ift aber praftifd^
^ burc^fü^rbar unb mit ber Stellung beö ©t)cmanncö nid^t vereinbar.
CienfoiDenig fann eö in grage fommen, nad^ bem 33orbilbe beö münft.
Äc^teö iebem ber ©ticgatten baö SRcd^t einfcitiger SBcrfügung unb 33elaftung
in Snfe^ung beö ©efammtgutcö bcijulegcn. S)cr SSermaltung cineö Sßcrmögcnö
[it regelmäßig ßm heften gebient, xotnn fic einl)citlid^ unb burd^ einen SBillcn be^
ftimmttoirb. 3)iefe Seftimmung fann bei ber el^clid&en ©cnoffenf^aft im^inblicte ^"*/*"*^'
öuf bie Stellung beö ©Ijcmanncö alö beö ipaupteö ber ©I)c nur bcm legtcrcn über- »enpaiöwg««
ttttgni werben. Safe bei ber allgcmeineu ®ütcrgemcinfd&aft ber ©l)cmann in 2ln* (^^man^.
fe^ng ber 38enoaltung beö ©efammtgutcö — im ©cgcnfaftc ju bcm bei bcm gefegt
lidN eljelid^en ©üterrec^tc bem ©tjcmannc juftc^cnbcn Siedete ber aSerroaltung beö
350 aUrtcm. ®ütcrflcmctnf*aft. ©efamtntout. agenraftung. §§1352, 1353.
Göccjutcä (§§ 1318, 1319) — gninbfätad& ni^t an bic aRitroirfung ber e^e^
frau gcbunbcn wirb, ift um fo uotörocnbigcr, als boö ©cfammtgut regelmäßig
mä) baö ganjc 33ermogen beö ©fjcmannes umfaßt. 2ßie bic obige UcberTid^t
ergiebt, ift bicö anä) faft burd)n)eg ber ©tanbpunft beö geltcnbcn SRe^tcd.
S)ic 3lbfd^n)äd)ung, melcbe ber (Srunbfa^, ba^ bcm ß^cmonne baö unbefd^ränfte
SScrroaltungörcdfit in 2lnfcl)ung beö ©efammtguteö 5uftcl^t, naä) ciuäelnen
"^cö^im, inöbcfonbere nad^ bcm preuß. 21. S. 91., babur^ erfahren ^at, ba§ ber
©fjcfrau allgemein ober bod) in größerem Umfange ein SBiberfprud&örcdit gegen
bic aSerfügungen beö Gf)emanncß eingeräumt ift (ücrgl. oben ©. 249), Dcrbient
aus ben üorftetjcnb bargelegten ©rünben feine Billigung. 33ielme^r !ann nur
in grage fommcn, ben Gtjcmann bei einjelnen befonbers mid^tigen Sled^tö^
gefd^äften an bie GinioiÜigung bor Gt)efrau ju binben.
Ättrttfterbe« giu tücitcrcr mcfentlid&er Untcrfd)ieb sroif^en bem bem G^emanne in
* «äu«"^*' 3lnfel)ung beö ©efammtgutcö unb bem iljm bei bem gefe6lid)en el^elid^en ©üter?
redfitc in SInfefjung beö Gfjegutcö juftrfjenben 95ern)altungöred)tc befielt barin,
baß ber Gljemann bei ber allgemeinen ©ütcrgemcinfc^aft fraft fcineö SSer-
iDa(tungöred)teö nid&t bcred&tigt ift, im ?Ramen ber Gt;efrau (§ 116) ober für
il)re perfönlidie ?Kcd)nung ein SHed^tögcfd^äft Dorjuneljmen unb einen Slec^tfi*
ftreit }u fiiljrcn, ba^ bie G^efrau mitijin in ^olgc ber üon bem G^emannc in
9luöübung feincö SSerroaltungörcd^teö Dorgenommenen 5Red^tdgcfc^äftc unb
gcfiitirtcn $Rcdötöftreitigfeitcn roeber gegenüber einem ©ritten nod& gegenüber
bem Gljcmannc perfonlid^ nerpflid^tet wirb, mälirenb bei ber SSerroaltung bc§
Gf)eguteö ber G^emann innerl^alb ber ©rcnjen fcineö SJerroaltungöred^teö für
JRed^nung bcjm. im Flamen ber Gf)cfrau l^anbclt (oergl. §§ 1317 — 1319 ncbji
äliotiücn oben S. 269 ff.). STOatcricU füfjrt mithin ber G^emann bie 3Ser*
maltung beö ©efammtguteö, aud) menn er babei äußerlid^ alö SSertreter be«
®efammtgutcö ber beiben Gtiegatten aufgetreten fein f oBte, für eigene Sled^nung
unb in eigenem Flamen, jeboc^ mit ber SBirfung, baß feine ipanblungen, fooid
ba^ ©efammtgut betrifft, au^ bie Gf)efrau binben (ücrgl. §§ 1359—1361).
2)aö SBern)aItungöred()t beö G^emanneö bcgrünbet eine fac^Ud)e Segitimation
beöfelben ju $Red^tögefd)äften unb SWed^töftreitigfeiten in 9lnfc^tntg beö (Sefammt*
guteö. 2)aö a3erl)ältniß ift ein äl&nlidöeö, mic in bem gaUe, in roeld^em
3emanb mit GinroiUigimg beö Sered^tigten über ein frembeö Sled&t in eigenem
9tamcn uerfügt (uergl. §§ 310, 830, 876). S)icfc 3lrt ber ©eftaltimg be«
aSermaltungöredöteö beö G^emanneö bei ber allgemeinen ©ütergemeinfd^aft ifl
cincrfeitö unbcbenflid^, ba f)icr roegen beö ©runbfafeeö, baß aud^ baöienige
aSermogcn, roeld^eö ber Gl^emann mä^renb beftcljenbcr (Semcinfdöaft erwirbt,
bem Oefammtgutc jufällt, feine ©d)n)ierigfeiten megen ber ^agc ber Surro^
gation entfielen fönnen — mic bicö bei bem gefeglid^cn eljetidöen Oüterred^tc ber
yall fein mürbe, rocnn man bort bem SSerroaltungöred&tc beö G^emanncö in
9lnfel)ung beö Gf)eguteö benfelben .Karafter beilegen roollte (tjergt. bie üJlotiüf
5u §§ 1317 ff. oben ©. 209 ff.) — , anbererfeitö unbebingt geboten, wenn man mit
bem Gntmurfe eine pcrfönlid&e Haftung ber Gfiefrau für bic ©d^ulben M
Gfiemanneö auöfd^licßen mill. 9Rit bem Gntrourfe ftimmt, foüiel bic gorm
beö bem G^emannc juftet)enben SBcrmaltungörcdötcö betrifft — abgefcM 6i^
Don ber ^rage, ob unb inroiemeit bie G^efrau nad& ben beftcl)enbcn Slecbtcn,
angetn. ®ütcröemcinf(j&aft. (Sefammtout. gScriraltunö. §§135i>, 1353. 351
jet c« f(^on roälircnb bcftcfjcnbcr Ocmcinfd^aft, fei cö naä) 2luflöfung bcrfelbcn,
für bic S(§ulbcn bcß ß^cmanneö perföntid^ fioftct — , anä) bic ^ßrajid bcr
©ätergcmcinf^oftfircd^tc übcrcin.
Um ongcftci^tö bcr abtocid^cnbcn S3cftimmiingcn t)erfd)icbener Siechte S'^twiaiae
feinen B'^^'f^' borübcr 5« lojfcn, bafe bic 95crfiigung§gcn)Qlt bcö ©(jcmonncö * ^""^*"*
unb nomcntlic^ bic 9luöfdf|lic6ung bcö 33crfügung§rcd)tcö bcr GljcfrQu ficb nur
ouf ^Hf^tSgcfc^öfte unter Sebcnben bejiel)cn, ift im § 1352 auöbrflcllid) bcr
Sufaj „unter Scbenbcn" gemad^t. Snroicrocit jcbcr bcr Gt|cgattcn einfcitig ober
nur mit 3wfti"i^i*^9 ^^^ anbercn über baä Ocfammtgut lefttroillig, fei cd
iD%cnb bcftef)cnber Gf|c, fei cß mä^rcnb bcr fortgefegten ©ütcrgemeinfd^oft,
}u ocrfügcn bcreditigt ift, ergiebt jtd^ quo bcn §§ 1382—1390, 1409, unb roirb
bicferdalb auf bic SKotioc ju jenen ^ßaragropl^en Dcrroiefen.
SJcr ©runbfag, bofe baö ©cfammtgut bcr unbef^ränften 33crroaltung
brt Cbemanncß unterliegt unb bofe anbcrcrfeitö ber Gf)efrau gleidfic 93efugniffc
ni(|t juftel^cn, crleibet no^ bciben Siid^tungcn ^in Slußna^men. S)ie 9luönal)mcn
in ber erften SJic^tung beftimmcn bic §§ 1353, 1355, bic Sluönaljmen in bcr
peiten SRic^tung bic §§ 1278, 1354—1358. S)q6 burc^ bic 83eftimmung be^
§ 1352 Slbf. 2 inöbefonberc bic S3orf^rift bcß § 1278 nid&t berül)rt wirb,
bfbarf feines bcfonbcrcn 3lußbnideß, ha biefelbc md) bcr il)r jugeroiefcncn
ft)ftcmatifc^en Stellung o\)m 9lücf|lci)t auf einen beftimmten ebclid^en ®ütcr^
ftanb Sniocnbung finbct.
3n ©rmangclung einer bcfonbcrcn Scftimmung tjcrfte^t fid) ferner Don ©ewt»*
fclbft, bafe bic e^efrau in bcr ©cfc^äftöfäljigfcit nic^t befd)ränft ift. Sie ^'tl^'J''
Stünbe, aus meldten ber ©ntmurf bei bem gefcglici^cn et)end)cn ®üterred&tc
W flffl^n eilte folc^e Sefd^ränfung erflärt f)ai (ucrgl. bic SDlotiüc ju
§§ 1300—1310 oben ©. 222 ff.), treffen awä) bei ber allgemeinen ©ütergemcin^
f^oft JU. 3)ic Slcd&te bcß ß^emanneß mcrbcn burd^ bcn 9lußfd^tu6 ber ßljcfrau
wn bem SBerroaltungßrec^tc (§ 1352 Slbf. 2) in 33crbinbung mit ber rocitcren
Sfftimmung, bog bic SScrbinblid^tcitcn :ber Gfiefrau auß Stcd^tßgcfc^öftcn unb
Urt^lcn regelmäßig nur bann Ocfammtgutßoerbinblidöfcitcn jtnb, wenn bcr
G^emann in bie SSorna^mc bcß Slcd^tßgcfd&öftcß ober in bic güfirung bcß
Sccitßftreitcß cingemilligt ober baju feine ®enel)migung crtticilt bat (§ 1362
Sr. 1, § 1359 3lbf. 1), außrcid&cnb gcfc^ügt.
II. ainlangenb bic im § 1353 beftimmten Scf^ränfungen bcß SScp «efc^raru
waltungßre^tcß beß G^cmanneß, fo bcrul^cn bicfelben auf folgcnbcn ©rmögungcn: serwattunfl«-
1. 3Iud^ mcnn man im Ucbrigen uon icber Scfd^rönfung bcß SRcd^tcß "^^•
beß S^anneß, über cinjelne jum ©cfammtgutc geljorenbc Ocgcnftänbc ent*
9AÜ\d^ JU Dcrfügen, abfcben roolttc, fo mürbe cß fid) bocb rcdjtfcrtigcn, bcn
f^onn bei fold^cn SRcc^tßgcfdjäftcn, meldte bic SSeräufecrung ober S3elaftung
bcß ®ffamtntguteß im Oanjen ober cincß ?3rud&t^citcß bcß Icgtcrcn jum ©egen- ««*«*
ftanbe ^aben, an bic SWitmirfung bcr ©bcfrau 5U binben. S)erartigc einfcitig Jag^oe'am^t^
wm bem g^emonne üorgenommenc SRc^tßgefc^äftc bcjroecten rcgclmcifeig im0«*^"\f««»*"
SBiberfprud^e mit bem SGBcfen unb bem 3"^^^^ ^^^ ®ütcrgcmcinfc^aft, foroie
«ü bem 3roe(fc beß bem ©ficmannc im Sntcrcffc ber clöcli^cn ®emcinfd)aft
eingeräumten SSerroaltungßrcddtcß, bcr ©ütcrgcmcinfd^aft baß ©ubftrat unb bcr
fiirfrau i^re Siedete am ©cfammtgutc jum cinfeitigen 93ortljcitc beß (S^cmanneß
ic
352 aUgcm. ®üter0cmemf(J6aft ©efammtöuh SSecttalhing. §§ 1352, 1353.
ju cntjiel^cn. SSuö bicfcm Ocfxd^tßpunftc f)at auä) bic ^ßrafiö ol^nc bcfonbcrcn
gcfcfeKd^en Slnl^alt oiclfad^ angenommen, ba^ fclbft naö) fold^en SRcd^ten, meldte
bem ©bemanne, fooicl cntgeltlid^e SRe^tögefd^äfte über ba^ ©cfammtgut be^
trifft, ein unbefd^ränlteö SBerroaltungöred^t einräumen, ber (Seemann JRed^tö*
gef^äfte ber oben bejeid^neten 3lrt einfcitig nid^t üornel^mcn fönne. 3^0^
befonbere ^at baö SReid^ögerid^t in biefem ©innc aud^ ben § 3 befi meftfäl.
®ef. 0. 16. 3lpril 1860 ausgelegt, obrool^I jene ©eftimmung im 2lbf. 2 unb 3
i^rem SBortlaute nad^ nur geroiffe unentgeltlid^e 33erfügungen über baö ®c*
fammtgut unb fog. Uebertragöoerträge, b. 1^. fold^e aSerträge bem einfeittgen
aSerrooItungöred^te bed ß^emanneö entjiel^t, bur^ meld&e baö gemcinfd&oftlic^e
5Bermögen ganj ober tfieitroeife fd^on bei Sebjeiten ber ©Regatten in Mücffid^t
ouf eine fünftige ©rbfolge abgetreten wirb (oergt. ©euffert Vin, 147,
XXXI, 147; ©ntf^. b. SR. ®. in ßioilf. I, 140). Um bzn SroedE, bie (S^efrau
gegen Slc^tögefd^öfte ber f|ier fraglid^en 3lrt ju fld^ern, ju errcid^en, mufe oud^
baä obligatorif^e SWed^tögefd&öft, burd^ meld^eö ber ©bemann [\6) einfeitig jur
aSeräufeerung ober Selaftung beö ©efammtguteß im ©anjcn ober cineö 93rud|^
tl^eileö beöfelben üerpflid^tet, für unroirffam erflärt werben, ba nad^ § 1359
iebe aSerbinbUd&fcit beö ©Iiemanneö ®efammtgutöoerbinblid)feit ift. 3)cr
3tuöiocg, ba& obligatorifdie 3led^tögefd)äft beö ©fiemanneö nid&t für unioirffam
JU erüören, fonbern ber baburd^ begrünbeten SBerbinblid^feit beö ©^emanneö
ben Äarafter einer ©efammtgutöüerbinblid&feit ju üerfagen, mürbe o^ne 3lot^
baö 5ßrinjip beö § 1359, bafe alle aSerbinbli^feiten beö ©l^cmanneö ©efammt*
gutöücrbinblid^feiten finb, burd^bred^en unb ju Äomplifationcu beö ®cfc|cfi
aScranlaffung geben. ®ö müjfen aber weiter au^ bie bingtid^en SRed&tögefc^äfte
getroffen werben, meldte bie SBeräu^erung ober Selaftung beö ®efammtgutcö
im ©anjcn ober cineö Srud&tl^eilcö beöfelben bejroecten. Suriftifd^ betrad^tct,
fönnen binglid)e Siecl^tögcfd^äfte allerbingö nur über bic cinjelncn }u bem
®cfammtgutc geprenbcn ®egenftänbe gefd^loffen roerben. SSon Sebcutung ift
bic 9luöbe^nung ber Sefd^ränfung auf bic binglid^en Slcd^tögefd^äftc ber be^
jcid^nctcn älrt einmal im ^inblicte barauf, ba^ nad^ bem ©ntmurfe in 3lnfe§ung
gcroiffer SRed^te jum Qxocdt itircr Uebertragung bie generelle, auf Ueberttagung
beö äScrmögenö gerid&tetc aBillenöerflärung I|inreid&t (oergl. §§ 312, 313), \o^
bann bcötialb, weit fonft bie jur 3tuöfü^rung beö unroirffamen obligatorifd^cn
9tedötögefd[)äftcö oorgenommenen, auf bic cinjelnen jum ®efammtgute gel^orenbcn
®cgenftänbe, mit Sttuönaöme ber ®runbftüdc, gerid&teten binglic^en Sled^tö^
gefd^äfte alö fold^e aud& ol^ne bie ©inmilligung ber ©Ijefrau roirffam fein
mürben, mitl)in bem ©efammtgutc in 3lnfef)ung bicfer ®cgenftänbe nur ein
S3ercid)crungöanfprudö juftel^en mürbe, aßit 9iüdEfxd)t auf bic regctmäfeig
mäljrenb ber gaujcn 2)auer ber @^e begrünbete 9luöfd)lie6ung beö SSerfügungö*
rcd)teö ber G^cfrau über bie ju bem ®efammtgute gcljörenben ®egenftfinbc iji
in biefcr .^infid&t eine größere, binglid^c ©id^erung ber ß^cfrau angejcigt
aSegcn ber Segitimation beö @l)emanneö, $RedE)töftrcite ju führen, meldte eine
unroirffamc aSerfügung ober SBerpflid^tung ber ^ier fragtid^en 9lrt jum ©cgem
ftanbe l^aben, wirb auf bie 9luöfüf)rungen unten unter 3lx. 8 S3ejug genommen.
»e<^t9j.^ ^ 2. SBeit ärocifelliaftcr ift bic grage, ob bic SBirffamfeit fol^er SHcd^tö^
«ranbptfe!' gefd^öfte beö ©Ijemanneö, burd^ meldte ein ju bem ®efammtgute gel^örenbed
Snigem. ©ütcrgcnicinfiaft. ©efnwmtöut. aSertraltwig. §§ 1352, 1353. 353
©runbftücf ober eine bemfelben naö) § 781 gleidigcftcllte Sered^tigung üer^
äußert ober belaftct ober bic SSerppic^tung ju einer fold^en SBeräu^erung ober
Selaftung begrünbet roirb, Don ber 3Kitroirfung ber Ehefrau abf|ängig gemad^t
»erben foB. SBie bie obige Ueberfid^t bcö geltenben SRed^tcö ergiebt (oergl.
2. M8 ff.), nehmen in biefer Sejiel^ung gerobe bic bei ber Siegelung ber all-
gemeinen Outergemcinfd&aft Dorjugöroeife ju berütffid^tigenben Sfled^te einen
oerfd^iebenen Stanbpunft ein. I)er ©ntrourf \)ai fld^ benjenigen Siedeten an^
gefddlofien, roeldbe in ber ^ier fraglid&en ^injid^t an bem ^rinjipe ber ge*
lammten ^anb feftge^alten unb infofoeit bad ^^rinjip ber @^eoogtei nid)t jur
unbef^ränften ^errfd^aft f)aben gelangen laRen. Sei ber ©ntfd^eibung ber »«äuBcrunfl.
Jrage fällt, fooiet junädift bic SBeräufeerung betrifft, oor 3lUem bie ©noägung
ind @etoid^t, bag bod unben^eglid^e SSermögen, xotnn and) nid^t l^ingefe^en auf
bad SBert^oer^fittnig, fo bod^ {jingefei^en auf feine roirtl^fd^aftUd^e unb fojiale
9ebeutung, gegenüber bem beroegtid^en 93ermögen aud^ nod^ gegenmörtig eine
^orragenbe ©tcUung einnimmt. Der bei weitem größere 2;f|eil bcö ©runb^
bcfi|ed bilbct bie fcfte ©runblage beö S3auem? unb Outöbefigerftanbeö. S)er
®runbbe)i6 mac^t bei biefem Staube regelmäfeig ben ^auptbeftanbtl^eil beö
Sknnogcnd auö unb ift bei bemfelben bie 93afid ber ganjen mirt^fd^aftlidEien
2l^gfeit unb bed @tanbei^t)er{|ä(tniffed. 2)ie SSeräugerung beö ©runbbcfi^ed
hat ba^er in bicfen Äreifen ber Seoölferung eine befonberö tiefeingreifenbe
SBirhmg auf bie fiebendoer^öltniffe ber ganzen §ami(ie. @ine für bic &ijc^
frau unb bie jtinber fo mid^tige Sebenöoeränberung barf bem @t)emanne o^ne
bie ßinioinigung ber ®f|efrau ju ber SSeräufeerung nid^t geftattet TOcrben. ©ö
ift JU beforgen, bafe in benj[enigen ©ebieten, in meieren gegenwärtig bie all^
gemeine ®ütergemeinfd&aft ber gefeftßd^c el^elid)e Oüterftanb ift unb Sc*
i(^ranfungen be9 SSerfügungdred^ted beö @^emanned ber {|ier fraglid^en äirt
bejie^n, o^ne bicfe Sefd^ränfungen bie oertragömäSige Oütergemeinfd^aft beö
Oefetbu^ feinen (gingang finben wirb. S)er ©inroanb, ba^ ber 3^^*/ ^ic
©Wtau unb bie Rinber in ben i^eroorgei^obenen S3ejiel)ungen gegen einfcitigeö
^onbeln be« ß^emanneö ju fd&üften, burd& baö ©rforbemife i^rer äWitmirfung
bri ber SBeräufecrung unbemeglid^er Qa^tn bod& nid&t erreid^t werbe, wenn —
1MÖ otterbingö unoermeibUc^ ift — bie Haftung beö Oefammtguteö für bic
S^ulben beö ß^emanneö beftc^cn bleibt, mit()in bic ©laubiger im SBcge ber
äwongfioollflrecfung bie SJeräugerung burd^jufefecn oermogen (§§ 1359—1361),
fonn alö burd^fd&Iagenb nic^t erad^tet werben, ^ßrattifd^ ift immer nod) ein
erW>U(^er Unterfd^ieb oor^anben, wenn man bem ©bemanne bie einfeitige
biielte aSeräufeerung ber 3inniobilien oerfagt. 2)ie 3"^^^^/ roeld^e ber Gt)c*
mann bei ber bireften SSeräufeerung oerfolgt, wirb berfelbe auf bem inbircftcn
Sääcge beö Sc^ulbenmad^enö nur feiten erreid^en unb eö ift um fo weniger ju
beforgen, bog ber (gljemann bicfen Umweg betreten wirb, alö biefeö äjJittel
über ben 3we* iebenfallö weit ^inauöget)t. S)aju fommt, bafe in oielen gällcn
ber S^au bei ber 5ßerf5nlid^fcit beö ß^emanneö auö ber 83efugni6 bcö
le|teren, baö ©efommtgut mit ©d^ulben ju belaften, überall feine ©efa^r
bro^, wo^l aber ein Sd^ufc berfelbcn gegen leid&tfinnige SBeräufeerungen ber
3mmobilien oon ©eiten beö ©Ijcmanneö angcjeigt ift. 2)aö ber ©^efrau im
§ 1372 beigelegte Sled&t, unter ben bort nä^er bejcid^neten SSorauöfc^ungen
354 Möem. ©ütcrßemetnWaft. ©cfammtgut. Scrncaltung. §§ 1352, 1353.
Vit Sluflofung ber (Sütcrgcmcinfd^aft ju ocrlangen, tjcrmag bcr @l)cfrQU feinen
©d^u^ gegen bie l^ter fraglid^en ©efal^ren ju geroätiren. ©benforocnig borf
.man bie ©^efrau auf bie SRBglid&feit ocnDeifen, baö unberoeglid^e SBermogen
bei Singe^ung ber aUgemeinen ©ütergemeinfd&aft t^ertragömöfeig für SBor*
befjaltögut ober ©onbergut ju erMären (§§ 1346, 1351 9lr. 1), ba bcrartige
aSorbel^alte bei ber aUgemeinen ©ütcrgemeinfd^aft im ^inblicfc auf bie ^mtdt
ber legieren feiten t)orfommen unb feine 93egünftigung tjerbienen. 3luc3^ baburc^
fann bie ©^efrau fid^ nid^t fid^ern, bafe in bem e^et)ertrQge bie aSerfügung
bcö efiemonneä über Immobilien tjon i^rer Sßitmirtung abl^ongig gemad^t
wirb, ba eine berortige Sereinborung gegenüber ©ritten of)ne SBirfung ift
(§ 796) unb nad^ ben ©runbfägen beö ©runbbud^red^teß aud^ burd^ ©in*
tragung in baö ©runbbud^ SBirl^'amfeit gegen S)ritte nid^t erlangen fann.
©egenübcr bem praftifd^en S3ebürfniffc, bie @l)efrau unb bie Äinbcr in bcn
fieroorgel)obenen 33eiiet)ungen ju fd&ügen, fonn erljebtid^eö ©eroid^t borauf nid^t
gelegt werben, bafe bie allgemeine ©ütergemeinfd^aft bei SInerfennung ber un*
befd^ränften SBerfügungögemalt beö Gfiemannefi fid^ einfad&er geftattet, ba% bie
93cfdE|ränfung ber leßteren fid& aud^ auf bie oon bem ©bemanne fctbft J&errül^renben
©runbftüde erftrecft unb unter Umftänbcn bcn ©bemann aud^ an ber Sluö*
Übung perf onlid^er SRed&te, j. 33. an ber aSerlegung beö 3)omijilcö an einen anbeten
Ort, tl^atfäd^üd^ l^inbern fann. ßiner ®cfäf|rbung ber Sntereffen beö ©l^emanncß
bur^ bie ^ier fragtid&e Sefd&ränfung beö SScrfügungöred^teö wirb burd^ bie
93cftimmung beö § 1353 9lbf. 4 in auöreic^enber 2Beife entgegengetreten,
»eiojiunfl, 9lel)ntid^e ©rroägungen, roie bie tjorftel^enben, fpred&en bafür, bie Se«
fd^ränfung ber SBerfügungögeroatt beö (g^emanneö aud^ auf bie Selaftung beö
insbefonbere ©ruubbefifeeö auöjubel^nen, inöbefonbere aud& auf bie Selaftung mit ^gpotl^cfen
Ar unb Orunbfd&ulben (üergl. preufe. 31. £. 5R. II, 1 § 378; fäc^f. ®. 83. § 1698).
3n)ar finb bie 5ßerfonalgtäubiger beö ®l^emanneö nad^ §§ 1359, 1360 in ber
Sage, im SBege ber S^öngöDoUftrectung nad& aWafegabe beö § 1130 bie Gin*
tragung einer ©id&erungö^tipotl&ef ju ermirfen. S^beffen wirb bie S3efc^ränfung
beö SBerfügungöred&teö beö ©l^emanneö in ber Selaftung mit ^gpotl^cfen unb
@runbfdi)ulben bo^ baju beitragen, im Sntereffe ber ©rl^altung beö ©runb«
befigeö in ber gamilie bie SBerfd^ulbung beö legieren ju erfd^roeren unb ber
®efaf)r entgegentreten, bafe ber ©l^emann einfeitig burd^ ©intragung ©on
©runbfd&ulben ben pm ©efammtgute gel^orenben ©runbbefig mobilifirt 35ic
93cforgni6, bafe anbererfeitö ber Seemann burd^ eine fold^c SKuöbel^nung ber
S3efd^ränfung feiner Sßerfügungögeroalt in ber aSermaltung beö Ocfammtgutcfi
JU febr beengt, namenttid^ in ber Süuönuftung beö SHealfreblteö gefä^rbet loerbe,
erlebigt ftd^ aud^ l^ier burd^ ben ^inmeiö auf ben § 1353 iKbf. 4. ^ad^t
man in 3lnfe^ung ber 33elaftung mit ^tipot^efen unb ©runbfd^ulbcn feine
aiuönal^mc, fo empfiel^It eö fid^ fd^on im 3ntereffe ber ©infad^l^eit beö ©efe^ed,
aud& in Slnfeliung ber 93elaftung mit ©runbbienftbarfeiten feine Sluöna^me ju
beftimmen, mennglei^ anjuerfennen ift, bafe burd^ eine fold&c Selaftung bie
roirt^fd^aftlid^e (Srunbtage ber gamilie nid^t erfd^üttert wirb unb barauö ber
gamilic regelmäßig eine ©efal^r nid^t erroäd^ft.
M?l«äult* ^^ ^^" beabfid^tigten 3*^^* i^ erreichen, muß aber auß a^nlid^en
runfl unb »e* ©rünben , mie ben oben ©. 352 unter 9lr. 1 angefül^rten, auc^ baö einfettig
«Oflcrn. ®ütcrgcmcinf$aft. ©cfammtgut. SSertraltung. §§1352,1353. 355
vom Spanne vorgenommene obUgatortfd^e 9lec^tögefd^&ft burd) meld^eS bepianunggertc^«
felbc jur SJeräufeerung ober Selaftung eineö jum ©efammtgute ge^örenbcn ^^^^hT
®runbftücfeö fiti^ verpflichtet, für unroirffam crftärt werben. Qxoax enthält
Wc« eine SJurd^brec^ung allgemeiner ©runbföSe (vergl. § 348), allein biefe
Sücffi^t fann nid^t mafegebenb fein, wenn — wie bied ^ier ber gall — baö
praftif(^e Sebürfnife eine fold^e Surd&brec^ung bringenb erl^eifd^t 3)icfem
Sebürfniffe, bie ß^efrau unb bic Äinbcr 5U fd^üfeen', mufe bie JRüdffid^t
a«f bic SSerfel^röfid&erl^eit roeid^en, jumal ber legteren aud^ in Slnfe^ung beö
obligatorifdben 9ied^tdgef^äfteö burd^ bie S3eftimmungen beg § 1336 in an^^
rcic^enber SBeife SRe^nung getragen ift. ®in genügenber ©runb, au^ baö
obligatorifdbe 9led^tdgefd^öft ber (S^efrau, burd^ weld^ed biefelbe fic^ einfeitig
jur SSerSufeerung ober Selaftung eineö jum ©efammtgute geljörenben Orunb^
ftiicfcö Derppid^tet, für unroirffam ju erMären, liegt bagegen nid^t vor, ba bie
boraus für fie begrünbete SSerbinblid^teit nad^ § 1362 9lr. 1 feine Oefammtgutä*
x)crbinblidbfeit ift unb beö^alb nad^ § 1359 3lbf. 1 bad ©efammtgut nid^t berührt.
SBie bie gaffung beö § 1353 äbf. 1 ergiebt, bejiel^t fid^ bie l^ier fraglid^c
Sefd^rfinfung ber SSerfügungägeroalt beö ß^emanneö übrigenö nid^t bloö auf
Sertröge, fonbem aud& auf cinfeitigc SRed^tögef^äfte (§ 872). 6in auöreid^cnber
©runb, bic te|teren von ber SSefd^ränfung auöjufd&liefecn, ift nid^t vor^anben.
SSSegen ber 2egitimation beö ß^emanneö jur gü^rung von SRed^töftreitigfciten,
Q)eh^ ein jum ©efammtgute gel^örenbeö ©runbftüdt ober baö Sted^t eineö
dritten an einem fold&en ober bie Sßerpflid^tung beö ®^emanneö, ein ©runb::
ftäd )u verfiugern ober }u belaften, jum ©egenftanbe \)ai, wirb auf bie 9(uö^
fü^rungen unter 9ir. 8 verwicfcn.
3. S)ie Sefd^rönfung ber aSerfügungögcroalt beö ß^emanneö in SÄn* «ertügung
fc^ung entgelttid^er JRed^tögefd^öfte nod^. weiter auöjubel^nen, inöbefonbere ben gminowaa"
©runbftücten unb ben ilinen nad^ § 781 gleid^ftel^enbcn Sered&tigungen in ber "^**-
^Icr fraglid^en 93ejief|ung bic SRed^te an (SrunbftüdEen übcrfiaupt unb bie Siebte
üh folc^cn Siedeten gleidöiuftcllen, ift nicbt alö angemeffen erad^tet. SBenngleic^
QU(^ iene $Red^te einen gcwijfen Smmobiliarfarafter l^abcn (vergt. § 1432 2lbf. 2,
§ 1511 3lx. 1, 2, § 1674 5ßr. 1, 2) unb baö geltenbe SWec^t jum 2:f|eil einer
fo((^ 9[uöbe^nung ber ^efd^räntung beö SSerfügungöred^teö beö @^emanneö
jur ©eitc fteljt (vergt. preu§. 31. S. di. II, 1 § 379), baburd^ aud^ ber 9Sor^
tbeil erreicht werben mag, bafe eine größere Uebercinftimmung beö ©runbbud^eö
mit ber burc^ bic ©ütergcmeinfd^aft fierbeigefü^rten wirflid^en SRed^tölage erjielt
wirb, fo treffen bod& bieienigen ©rünbe, weld^e für ben ©ntwurf wcfentlic^
nuiBgebenb gewefen ftnb, bie SSerfügungögewatt beö @§emanneö in 9lnfe{)ung
ber ©runbflürfe ju befd&ränfen, nämtid^ bic l^ervorragenbe wirtl^fd^aftlid^c unb
fojiale Scbeutung beö ©runbbefileö, auf bie JWed^te an ©runbftüdfcn, foweit
biefe Siedete nid^t nad^ § 781 ben ©runbftüden gleid^geftellt finb, wie j. 33.
ia^ ßrbbaurec^t (§§ 961, 962), unb auf bic Siedete an fold^en ^ed^ten nid^t
JU. 3^iöMönbere ift eine 9luöbef|nung auf ^r)pot^efen unb fold^e gorberungen,
für welche eine ^gpot^ef alö 5ßfanb l&aftet, nid^t gered^tfertigt, inöbefonbere
bann nid&t, wenn man bie Scfd^ränfung ber aSerfügungögcwalt beö @t)cmanneö
nicftt auf 95krtl|papiere übcrtiaupt, inöbefonbere auf 3nf)aberpapiere, erftrectt.
ßine fo ivcitge^enbe SBefc^ränfung ift aber mit ben ©rünben, auf wcld^en bic
23*
356 9lHöem. ®utergeineinf(J6aft. ©cfamtntöut. SBcriraltung. §§1352,1353.
SWegcI bcö § 1352 beruht, nid)t Dercinbar unb würbe fidö alö eine Umftofeung
jener Sflegel barftellen.
uebertrag«' 4. 3m ^Inblirfc ouf bie S3eftimmungcn beö § 1353 über folc^c SRed^tö*
»ertrage, g^^^g^j^^ jjy^^j^ toeldtie boö Oefammtgut im Oonsen ober ein 93rud)tf|eil bcö^
felben ober ein ju bem ®efammtgute geliörenbeö ©ninbftüdf reräufeert ober
belaftet ober bie SßerpPid^tung p einer fold^en SSeräufeerung ober Seloftung
begrünbet wirb, ift bie befonbere 93erü(ffid)tigung ber fog. UebertragSüerträge
(oergL § 3 3lbf. 3 bed roeftfäl. Oef. o. 16. Slpril 1860; e^renbreitft. entm. § 30)
entbehrlich, ba eö fid) bei biefen SBertrögen rcgetmäfeig um ipofeßabtretungcn,
alfo um bie SSeräufeerung t)on (Srunbftücfen, ^anbelt, fomeit bieö ober nid^t ber
%a\l ift, regelmäßig ba& ganje Vermögen ben Oegenftanb beö SSertrogeö bilbet.
2)aju fommt, ba§ ber fog. Uebertragöoertrog im ©efepud^c überhaupt nid^t
befonberß geregelt ift.
6<^nfuii0en 5. 3n Slnfeljung üon ©d^enfungen ift nod^ ben meiften Siebten ba&
ditd)t beö ©fiemanneö, über boö Oefammtgut ju Derfügen, mel^r ober weniger
oeitenbeft befc^röuft. 9lm engften bcgrenjt ift biefe Sluönatimc im preufe. 51. S. W. II, 1
**^* §§ 381—383, 411. 3la6) bem [enteren fmb bie oon bem ©^emonne quo bcm
©efammtgute einfeitig gemad^ten ©d^enfungen gültig, jebod^ tann bie ©Ijefrou
biefelben inforoeit miberrufen, olö if|r, roenn fie fetbft bie ©d^enfung gcmad^t
l^ötte, ber SBiberruf geftattet fein mürbe, ober olö fte in golge ber ©dfeenfung
bei Sluflöfung ber ©emeinfd^oft auö bem gemeinfd)aftlid^en SBermogcn roeniger
erholten mürbe, alö pe eingebrad^t tjot. ©rfolgt ber SBiberruf üon ©eiten ber
®^efrQU nid^t, fo muß ber Seemann bie einfeitig oon i^m gemad^ten ©d^cn*
hingen bei ber Sluflöfung ber Oemeinfd^aft pd& auf feinen 9lnt^eil anrechnen
laffen. 3^ ^i"^ "w^ befd&ränften SKnfed^tbarfeit (nad& SWafegabe ber Onmb^
föfee über Sßerlefeung beö 5ßfIid)ttf|eUeö) fül^ren aud^ bie ^efiimmungen be*
brem. unb beö oerben. Sle^tcö, ha^ ber Seemann über feinen ftotutarifcftcn
Slnt^eil (Ropftl^eil) am ©efammtgute burd^ ©d^enfung ju Derfügen bered^tigt
ift. ®ine größere Qal^l von Siedeten, inöbefonbere bie Siechte t)on Oönabrüct
aßünfter, gulba, ®rbad^, ^Bamberg, fomic bie lippe^betm. Söerorbn.
D. 1786 § 8, entjiel^en bagegen bem ®^emanne, abgefeljen von geringeren Sfm
ftanbö* unb Oelcgenfieitögefd&enfen, bie Sefugniß, burd^ ©d&enfung einfeitig
über baö Oefammtgut ju Derfügen. S)ieö mirb Dielfad) aud^ alö ber ©tanb«
puntt beö gemeinen beutfd()en JRed^teö l)ingefteUt (©euffert I, 351, XXXI, 147 ;
Dergl. aud^ mürttemb. ®ntm. § 254 lit. b; ©efegreo. beö preufe. Sf. SL 9?.
5ßenf. XV §§ 304, 305 nebft üßotiDen ©. 351; f)eff. ©ntro. IV, 2 2lrt. 448).
®inen mittleren ©tanbpunft nimmt ber code civil 3lrt. 1422 ein, roeld^em in
biefer ^inft^t im SSBefentlid^en baö meftfäl. ®ef. d. 16. Sffpril 1860 § 3, ber
oönabr. ©ntm. § 6 unb ber el^renbreitft. ®ntm. § 30 Slbf. 3 gefolgt finb.
SJlad^ biefen ©efeggebungömerfen finb bem ©l)emanne einfeitige ©c^enfungen
unberoeglid&er Ba^m ober beö gefammten beroeglid^en SBermögenö ober einei^
93rud&t^eileö beö festeren, foroie einjelner bemeglid^er ©ad)en, fofcm ber ®^c$
mann fid^ ben 9lie6brau($ baran Dorbefjalten roill, unterfagt.
etanbpunft ©er ©ntrourf gel^t baoon auö, bafe bem ©liemanne ha& SRed^t, einfeitig
«ntourfe«. ^"^ ^^^ Oefammtgute Sd&enfungen ju mad^en, gmubfäfelid^ entjogen merben
mug, ba ©d^enhmgen regelmäßig aufeerf)alb bcö Rreifeö einer orbnungömäligea
«ttgcnt ®utcrgcmcinfd&aft. ©efammtgut. aJcrwattung. §§ 1352, 1353. 357
SermögcnöDerroaltung Hegen, boö bered^tigte Sntereffe ber (Sfiefrau entfd&ieben
gegen eine folc^c Sefugnife beä ©^emanncö fprid)t unb bie (entere anbererfeit§
üni) n\6)t bux6) bie Stücfjtd^t auf bie bem @[)emanne ge6ü()renbe Stellung
ober mit Stüdffidit auf bie SScrfel^räfidöerfieit crforbert wirb, (Sine 9luönal)mc
ift im § 1353 3lbf. 3 nur für fotd^c ©d^enfungen gemod^t, roeld^c, fei eö nad^
bcn Ser^öltniffen beö ß^emannes ober ber ß^efrau, burc^ eine ftttlid)e ^ftid^t
ober bie auf bcn Slnftanb ju nefimenbc SHücffic^t gered&tfertigt werben, meil
berortigc ©c^enfungen innerhalb beö Äreifeö einer regelmäßigen unb orbnungö*
mäßigen SermogenSücrroaltung liegen (oergl. aud^ §§ 1661, 1952 9lbf. 3).
S)a6 biefe 9lußnal)me wegen ifirer Unbeftimmt^eit unb it)rer 2luäbel^nung
eine Cucttc oon 3n)iftigfeitcn unter bcn ®{|egatten ju merben brofie, namentlid^
©cnn ber ©bemann auf ®runb biefer Seftimmung feinen aSermanbten größere
Sc^cnfungcn juroenbc, ift nid^t ju beforgen. S)en 3Sorjug einet fefteren 33e?
grenjung ^abcn aüerbingö bie SSorfd^riften beö franj. 9led)teö unb beö if)m
folgcnben meftfäl. (Sef. v. 16. 9lpril 1860. ©egen biefe aSorfd^riften fällt aber
cntfc^eibenb inö ©croid^t, baß biefclbcn bcn 3"^^^/ ^^ö rcd^tlid^c Sntereffc ber
C^efrau an ber ©rl^altung beö ©cfammtgutcö ju fd^üfeen, in einer nur
fc^r ungcnügenben SBcife erfüllen. 9luf ber anberen Seite mürbe baß SSer*
fügungörcd^t beö ß^cmanncö ju fel&r beengt mcrben, wenn man bem Icfetcrcn
nur baö Sted^t beilegen moUte, o^ne ©inmiUigung ber (S^efrau gebräud^lid^c
©elegen^citögcfcbcnfe }u mad^en.
Um bcn 3^^^ jw erreid^cn, genügt eö iebod& nid^t, nur ben binglid^en e^enftmö«.
SJcrtrag, burd^ rodeten ein jum ©efammtgute get|örenber ©egenftanb Dcrfd^cnft t^SlfJSbJ^e.
TDirb, an bie Ginroilligung ber Qf^efvan ju binben, fonbcrn baöfelbe muß im
^inblidc barauf, baß iebe SSerbinblid&fcit beö ß^emanneö ©efammtgutö^?
ocrbinblic^fcit ift (§ 1359 2lbf. 1), aud^ für baö ©d^cnfungöDcrfprcd^cn beö 6^e*
monneö bcftimmt mcrben, unb jmar gteid^ricl, ob baö lefttere ©cfammtgutö^
gcgenftänbc ober fungibelc ©ad^cn ober felbft foI(§c ©cgcnftänbc, meldte jum
Sorbe^altögutc ober jum ©onbcrgute beö @^cmanneö geboren, jum ©egem
ftonbc I)at (ocrgl. §§ 442—444). S)agegcn ift ber ©bemann burd) ben
§ 1353 9lbf. 2 nicbt ge[|inbcrt, o^nc ©inmilligung ber ®t|cfrau auö feinem
Sorbcliattö^ ober ©onbcrgute unmittelbar burd^ binglicbcn SSertrag ju Der*
ft^entcn, ba in einem fold^cn galle für bcn ©Ijcmann, abgefc!|en üon bem
goDc cincö dolus, eine 93crbinblid^fcit burd^ bie ©d^enfung ni^t begrünbct,
mithin baö ©cfammtgut nid^t baburd^ bcrül^rt wirb. 3n gleid^er SSBcifc mie
ber binglic^c SSertrag, burd^ meldten ein jum ©cfammtgute getiörenber ©cgen*
ftanb ocrfd^enft wirb, fällt aber aud^ ber binglid^e SSertrag unter bie Sc*
ftimmung beö § 1353 älbf. 2, burd^ meldten über einen fold^cn ©egenftanb
»um 3rocrfe ber ©rfüUung cincö nad^ § 1353 9lbf. 2, 3 unroirtfamen ©d&enfungö*
»erfprec^cnö ocrfügt mirb, wobei tjicr ba^ingcftellt bleiben fann, ob biefer
Suöfü^ningöocrtrag nad& bcn SBcftimmungcn über ©d^cnfungen (§§ 437, 441)
felbft o(ö ©cbcnfung ju bctrad&tcn ift. 2)er ©tanbpunft beö preuß. 91. S. SR.,
na(^ welchem ber ß^cfrau nur ein SBiberruföred^t juftcfit, unb ber ©Ijcmann,
wenn fte pon bicfcm Siedete feinen ©ebraud^ gemad)t l)at, fid^ bie einfeitig t)on
i^ gemad^ten ©c^enhingcn anred^nen laffcn muß, gemährt ber 6^efrau feinen
auöteic^nbcn ©dbug unb ift beöbalb nid^t ju empfe()lcn.
358 M^m. ®üteroemcinf4aft. eefanimtgut. SScxtrallung. §§ 1352, 1353.
aus. S)cr Code civü 3lrt. 1422 (rergl. oiid^ ^eff. ®ntn). IV, 2 Slrt. 448)
pattungen. ^^^|^^j^ ^^^ Seftimmutig , ba§ bcm ®t|emannc einfeitige uncntgcttlid^c 93cr*
fügungcn über baö ©efatnmtgut jur Sluöftattung gcmeinfci^aftlici^er ftinbcr
unbcfd^ränft gcftattct finb. ®q r\aä) bem ©ntrourfc (§ 1500) badjenige, tdqs
einem Äinbc wegen beffen Sßer^eirat^ung ober ©rrid^tung eined eigenen $ouö*
ftanbes üon bent SBater ober ber äFlutter innerhalb bcr im § 1500 Slbf. 3 bc^
jeic^neten (Srenjen olö 3tuöftattung burd^ Sßertrag jugeftd^ert ober gemährt
roirb, nid^t als ©d^enfung gilt, fo fallen berortigc ^uöftottungen über^oupt
nid&t unter bcn § 1353 3tbf. 2, fonbem, Dorbe^altlid^ ber Sefd^rSntung be&
§ 1353 Slbf. 1, unter bic Siegel beö § 1352, nad^ meld^er ber Seemann fold&e
3luöftattungen o^ne ©inmiUigung ber ®^efrau quo bcm ©efammtgutc ju ge?
n)Qf)ren bered^tigt ift. @S gilt bieß ober, ba bie Seftimmung beö § 1500 fxd)
audf) auf einfeitige Äinber bejiel^t, aud^ Don 3[uöftattungen beß ®^emanneß
QU beffcn einfeitige Jlinber, o^ne bofe er biefer^alb bem ©efommtgutc bei Sttuf*
lofung ber (SemeinfdEiaft ©rfag ju leiften üerppid^tet wäre (oergl. bic Sßotioc
JU § 1365). 8Sorauögefe|t mirb jebod) in allen fällen, ba§ bie Sluöftattung
ia& ben Umftänben bcö galleß, inöbcfonbere bcn SBermogenSoer^ältniffen bc&
®f)emanneö entfpred&enbe EWafe nid^t überfteigt (§ 1500 Slbf. 3). Soweit biefeö
9)la6 übcrfd^ritten mirb, liegt eine ©d^enfung Dor, fo bag infoTOcit bic Sc^^
ftimmungen beö § 1353 Slbf. 2, 3 jur Slnroenbung fommen. SDaäfcIbe gilt
t)on Sluöftattungcn beö ®^emanncö an anberc 5ßerfonen, j. SB. an feine ®e^
fc^roifter ober an einfeitige Äinber ber®f|efrau; fold&e Sluöftattungen bebürfcn
ba^cr nad& § 1353 Slbf. 2 ftetö ber ©inroilligung ber ®^eifrau, eö fei benn,
ba^ — maä iebod^, abgefe^en von Sluöftattungen an einfeitige Äinbcr ber
®^efrau, faum jemalö anjunel^men fein wirb — bic @eroäl)rung einer folcbcn
Sluöftattung nac^ § 1353 Slbf. 3 burd& eine fittlid&e ^flid&t ober eine auf ben
Slnftanb ju nelimenbe JHüdffid^t gcrcdfitfertigt fein foUte.
Snroieroeit ber ®^emann, meld&cm ein SBorbeljaltögut ober Sonbcrgut
gel^ort, ju bcm ©cfammtgutc ®rfa| ju leiften ücrpflid^tet ift, menn er einem
5linbe eine Sluöftattung gewährt ober jurid&ert, weld^c nad^ bem § 1500 nic^t
alö ©d^cnfung anjufef)en ift, aber baö bem ©efammtgute entfpred()enbe 9Wa§
überfteigt, beftimmt fid) nad^ § 1368.
TOitiDirfung 6. 3n ben fällen beö § 1353 Slbf. 1, 2 ift bic SBirffamfcit beö 3fled^tö^
ber «^efrau. g^j^g^j^g j,^g Gljcmanneö T)on bcr ®inn)illigung ober ©ene^migung ber 6l)efrau
abljängig (ücrgl. § 65 Slbf. 3, § 1300). JJid^t erforbertid^ ift alfo, bafe bic
®t|egatten gemcinfc^aftlid^ atö Äontral^enten auftreten, loic bieö in bem § 3
Slbf. 3 beö meftfäf. ©cf. t). 16. Slpril 1860 für Uebertragöoertrögc tjorgefdirieben
ift (oergl. ©ntfd^. b. 9i. ®. in ßiuilf. I, 140 ©. 397). ©ö mürbe bicö einerfeitö
mit bcm ^rinjipe bcö ®ntn)urfcö nid^t im ®intfangc ftel^en, ba§ bic ß^efrau
auö ber SBcrroaltung beö ©cfammtguteö nid^t pcrfonlid^ haftbar fein foH
(§ 1352 Slbf. 3, § 1359), anbcrcrfeitö um bcöroillen bcbenflic^ fein, weil alö*
bann bie ©inroiUigung ber ®f)efrau ber für baö betrcffenbe Slcd^tögcfd^äft Dor*
gcfdl)ricbcncn gorm bebürftc unb baö einfcitig Don bem ®l)emanne Dorgenommcnc
obligatorifd)c SRcd^tögcfd&äft burd^ bie ©encl^migung ber ®^efrau nidjt mirffom
mcrben mürbe. S3inbet man bagegen ba^ SRc^tögcfd^ftft beö 6f|cmanncö an
bic ßinroilligung ober ©cnctjmigung bcr ©liefrau, fo ergiebt fxö) in beibcn
Sniflcin. Oütergcmcmf^aft. ©cfammtgut. aSertpaftung. §§1352, 1353. 359
Sejic^ungcn boö ©cgcnt^eit^ inbem bic allgetncincn Seftimmungcn bcs § 127
äniDcnbung finbcn. 3)anad& ift inäbcfonbcrc anä) bei Sd^entungcn bcö Gf)c^
manne« bie 6inioinigung ober ©cncl^migung bcr ß^efrau an bie für ©d^enfungen
oorgcf^riebene gorm nid&t gcbunben. ©benforocnig bcbarf es bei Sd^enfuugeu
bes g^emanncö ber für ©fieoertröge rorgefd^riebenen §orm, inbem bcr Gntrourf
boDon audgel)t, bafe bicfelben oud^ in folgen gällen, in roeldjen bic Gin^
miüigung ber ß^cfrau crforberlidö ift, ni^t augcrtjalb beö Qxotäe^ beö ©c^
fammtguteö Hegen unb beS^alb nid^l ald eine älenberung bcg oertragdmögigcn
©üterftanbeö bcr allgemeinen ©ütergemeinfd^aft auf 5uf offen finb. Sicö ift
and) porrotcgcnb bcr ©tanbpunft beö geltenben 9kd)teß, 2)ic ^rariö beö
fran§. 3tcti^ted nimmt cbenfaUö übcnüiegenb an, bafe berartige Sd^enfungcu
nid^t eine älcnberung bed @^epertraged enthalten unb bes^alb mit @inn)illigung
ber ß{|efrau juläffig finb, mfil^renb ©[jcDcrträgc nad^ franj. SRed^te roäl)rcnb
befte^enber G^c nid^t gefd&loffen rocrben tonnen. Db unb inroieroeit bagcgen
mä) ben beftc^enben Siedeten, j. S. bem § 3 2lbf. 2 beö roeftfäl. Oef. d. 16. 3(pril
1860, bic ©inroiUigung ber ©tiefrau ju ©d^enfungen ber für bie te|teren vox^
gcfd^ricbcnen gorm bebarf, ift nid)t jmeifelloö unb Ijängt mit bcr allgemeinen,
oon bcm ßntrourfc im § 127 pcrncinten gragc jufammen, ob bie erforberUd)c
ßinioilligung cincö 3)rittcn ju bem oon einem 2lnberen gefd^toffenen 9lcd)tö-
flcfc^äfte ju bcm S^^atbcftanbc beö Ic^teren gehört (oergl. Urtl^. b. 3i. (S. im preufj.
3. 3R. ai. üon 1886 S. 330 ff.). Gin genügcnber ©runb, in ben gäüen beö
§ 1353 oon bcr Siegel beö § 127 2tbf. 2, bafe bie formlofc ©inmilligung ober
Qcnc^migung genügt, abjumei^cn, liegt nid&t Dor. 3^^^ Grreid&ung beö
bcabfic^tigten Sjocdteö rei^t bic formlofc Ginroilligung ober (Scne^migung bcr
e^frau auö. 33icfc 9lrt bcr SRcgctung ücrbicnt aud^ beö^alb ben 93orjug,
weil babur^ bic Sebcnfcn gegen bic 93efd^ränfungen beö 93erfügungörcd&teö beö
ß^manneö einigermaßen abgcfd^mäd^t merben.
Xa« o^nc Ginroilligung ober ©cncfimigung beö G^emanneö üor^ unwirifttw-
genommcnc 9icc^tögefrf)aft ift, oorbe^altlic^ bcr Söcftimmungcn ber §§ 837, 'S^itaSriSnr
1336 über ben ©cftug beö guten (Staubenö 2)ritter, nid&t nur für bie Gf)cfrau, ^ ^^« ^^^^
fonbern oud& für ben G^emann unroirffam. Gö entfprid)t bieö bem SBcfen genoLtenen
ber aUgcmcincn ©ütcrgcmeinfd^aft unb bem 5ßrinjipe bcr gefammteu ^aub; ^^^"^^
ttu(^ würbe bic Unocrbinblid^feit beö obligatorifd^en 3ledE)tögefd)äftcö nur für
bie Gbcfrau, roic bcrcitö oben ©. 352 l^eroorgctjoben rourbe, mit bem (Sruub^
fafe nic^t im Ginf lange flehen, bafe alle SBerbinbli^feiten beö Gl;emauncö
©efammtgutöocrbinblic^fciten finb (§ 1359). SKit bcm Gntrourfe ftimmen
in biefcr 93cjic^ung inöbefonbere baö preuß. 31. 2. dt, foroie baö roeftfäl. ®cf. vi.
16. aipril 1860 § 3 überein (oergl. Gntfd). b. dl ©. in Gioitf. I, 140 ®. 397 ;
Urtti. b. JR. ®. bei @ru(^ot XXVI S. 1009).
7. Sie auf SRed&tögef^öftc ber im crften, nid&t aud& auf SRed&tögefd^äftc «erpfi^tung
ber im sroeiten 2lbfa6e beö § 1353 bcjcidjnctcn 2lrt fi^ bciie^enbe Seftimmung g^efrai m
beö § 1353 2lbf. 4 ift im Sntereffe beö Gtjcmanneö geboten (oergl. aud) a^itroirfung.
§ 1319). atud) nad^ ben meiften befte^cnben 9ted)ten, nad^ meldten bie Gin^
loilligung bcr G^^^au ju geroiffen SBcrfügungcn beö Gf)emanneö erforbcrlid)
ift, fann biefe Ginroilligung, xoznn [ic o^ne genügenben ©runb oerroeigert
ujirb, burd^ boö Oeric^t erfeftt rocrben (oergl. inöbefonbere preufe. 31. 2. SH. II, 1
360 3(Ilöcmeme ©utcroemeinfc^aft. 2}erfüoimG«red6t ber (S6cfrau. § 1354.
§§ 387, 388). SDagegen ftcl^t ber ®^efrau — abroeid^cnb von bcm gefc|Ii(i^cn
c^clidöcn ©ütcrrcd&tc (§ 1320) unb DorbeJ^altlid^ ber 93cftimmung beö § 1366 —
ein 2(nfpriid^ auf ajlitroirfung ni^t ju. Gin fol^cr Slnfpru^ würbe mit bem
5ßrinjipe, ba^ bei ber allgemeinen Oütergemeinfc^aft bas SScrroaltungöred^t
allein bcm (S^emanne juftefit unb ber legtcrc ber ß^efrau für feine SBcrmaltung
nic^t ücrantroorta^ ift (§ 1352 3l6f. 1, 2, § 1364), nid^t oereinbar fein.
^t^^tlr ^' ®^^ § ^^^^ bcfd&räntt in ben bort beseid^neten gätten baß SScr*
manne« jur tt)attungörcci)t bcö ©^emanncS nur in Slnfe^ung ber Sßornal^me Don SRcd&tö^
Ä^fl. Ö^fci&äften, nid^t aud^ in 9lnfe^ung ber Segitimation jur gü^rung von SRed^tö-
ftreitigfcitcn, mcldje bie jum ®efammtgute gefiörenben ®runbftüdEe ober bie
SRc^tc dritter an fold^en ober überl^aupt eines ber im § 1353 bcjeid^netcn
SRed^tsgcfdiäfte jum Oegenftanbe I)abcn. aSenngleid^ nic^t }u oerfennen ift, bafe
bie ^roje6fül)rung megen ber mit ber SRed^töfraft beö Urtl^eileS rerbunbencn
SSBirfungcn (§ 191) mittelbar ben ®rfolg einer Sßcrfügung f)aben fann unb
bie üon bem ©bemanne geführten, baö ©efammtgut aftio ober paffio be*
treffcnben ^rojeffe in Sejic^ung auf baö ©cfammtgut nad^ § 1352 aud&
gegen bie ©^efrau roirfen, fo fef|It eö bod& an einem genügenbcn ®runbe,
jum Scf)u6c ber ©liefrau gegen eine Umgebung ber ben (Seemann be^
fd&ränfenben SBorfd^riften beß § 1353 im 2lnfc^Iuf|c an ba& preufe. 3ttd^t
(21. @. D. I, 1 § 23), in Slnfe^ung ber oben bezeichneten JRcd^töftreitigfeitcn
üon bem ©runbfa^e beö ©ntmurfeö abjurocld^n, ba§ bie 5ßroje6fül^rung qIö
ein SSerroaltungöatt jum Sw^edc ber Erhaltung beß SSermögenß anjufe^cn unb
beö^alb ber SBeräufeerung nid^t gleid^juftellen fei. S)aju fommt, bafe, wenn
man in ben gällen beß § 1353 bie SBefd^ränfung beß SSerroaltungßred^teß aud^
auf bie ^roäefefüljrung außbel^nen moUtc, mcitere befonbere Seftimmungcn
barübcr crforberli^ werben mürben, rocld)e aOßirhing baß in einem tjon bem
©liemanne einfeitig gefütirten Sted&tßftreite gegen benfelben ergangene Urtfieil ^at.
S)er ©ntrourf ge^t übrigenß baoon auß, bafe baß bem ©bemanne un-
befc^ränft äuftet^enbe ?iedbt ber ^roje^fü^rung nidfit auc^ baß Sled&t umfaßt,
einen Sicd^tßftrcit einfeitig burd^ proieffualifd^c Sled^tßgefd&öfte (SSergleic^, aSer*
jid^t, 9lncrfenntni§ beß geltenb gcmad^ten 9lnfprud&eß; Dcrgt. §§ 277, 278 ber
C. 5ß. 0.) ju ertebigen, fomeit ein fold^eß Sted^tßgefd^öft, aufecrfialb beß ^ro*
jeffeß gefd)Ioffen, an bie ©inroilligung ber (S^efrau gebunbcn ifl (oergl. ba*
gegen Scuffert XXVI, 135), unb bag bie Oüttigfeit jener projcffuaüfc^en
JHec^tögefdfjäfte gegenüber bem ^rojefegegner inßbefonbere aud^ auß § 52 ber
E. ^. D. nid)t l^crgelcitet werben fann.
9. Slnlangenb bie ?$rage, inmiemcit ber ©fiemann auf (Srunb feiner
33crn)altung gegenüber ber ©^efrau üerantroortlid^ unb erfafepflid&tig ift, fo
wirb in biefer Scjiel^ung auf bie §§ 1364, 1365, 1369 nebft 3Botioen Sejug
genommen.
§ 1354.
©ertenb- 3ift auf ©ruub cineß nad^ bm SBeftimmungen beß § 1353 unmirffamcn
TnÄf 5Rcc{)tßgefd^äfteß eine (Sintragung in baß (Srunbbuc^ erfofgt, fo gehört ber in
auf »eri<^tt. gofgc ber Unmirffamfeit beß 9tec^tßgefd()äfteß nacb § 843 gegen ben ©ritten
(Sranbbucjt«. bcgvünbete Serid&tigungßanfprud^ nad^ § 1342 jum ©efammtgute. 3n ®r«
Snigemcine Oütccgemeinfd&aft. aSerfüßungSredöt bcr ®6cfcau. § 1355. 361
mongclung einer befonbcrcn Scftimmung roürbe bal^cr naä) § 1352 nur bcr
G^cmonn jur (Seltenbmad^ung jcncö Slnfprud^cö legitimirt fein. 3n SJurd^-
brofiung bcS 5ßriniipcö beö § 1352 bcftimmt aber bcr § 1354, bofe bic 6f)cfrau
bcn STnfpruc^ auf Serid^tigung bcd Orunbbud^cö o\)nt SWitroirfung bcö ©^e^
monncd foD geltenb mad^en tonnen, weil fonft im ^inblicfe auf bic Seftimmungcn
über bic publica fides beö ©runbbu^efi (§§ 837, 1116, 1136) bcr ^roect bcr
im § 1353 beftimmtcn Scfd^rönfung bcö SSerfügungörec^tcö bcö (Sf)emanneö
in Stnfel^ung ber jum ©efammtgutc ge^orenbcn (Srunbftüdc leidet ocreitclt
werben fönntc (uergl. Urt^i. :b. 9t. ®. im preufe. 3. aW. 931. ü. 1886 S. 331).
Sic Seftimmung bcö § 1354 not()igt aber nic^t baju, nod^ weiter ju gelten
unb bcr ßbcfrau aud^ in 3lnfe^uug rcd^töroibrig Dcräufeerter SWobilicn baö
Sfc^t ber aSinbitation ju geben. 3m galle bcö § 1354 l^anbclt eö [lä) um
bie äbroenbung einer ber ©^efrau bro^cnben (Scfal^^, in bem "^aüt, in mcIiJiem
ber ermann noc^ § 1353 rec^tömibrig üßobilicn Dcräufecrt l^at, I)anbelt eö
jidi bogegcn um bie Sluöglcid^ung cincö bcreitö eingetretenen 93crluftcö (ücrgt.
Qud& bicSMotiüe p § 1309 oben ©..247 ff.), ©aju fommt, bafe eö bem e^c*
momic fraft feineö i^m jufte^enben SSerroaltungörc^teö überlaffen bleiben mufe,
ob er bie ju bem ©efammtgute ge^örenbcn 3ÄobiIien in bcn Rauben S)ritter
laffen will ober ni^t.
Xq% baö Siedet ber ß^efrau, nad& SWafegabc bcö § 843 üon bem ®^e^
manne bic SBeri^tigung bcö ©runbbud&eö in Slnfc^ung ber nad) § 1342 Qt^
mcinfd^aftUcö gcmorbenen Ked^tc beö G^emanneö ju Dcrtangcn, t)on bcr 3Jlit^
©irfung bcö ©^emanneö nid^t abl^ängig ift, brandet bagcgcn trofe beö § 1352
m(6t bcftimmt ju merben, ba eö ftd^ l^ierbei nid^t um bie @cltcnbmad^ung
cincö jum ©efammtgute ge^örenben, fonbern cincö bcr G^efrau auf ©runb
bcr ©emeinfcöaft gegen bcn ©bemann jufteljcnbcn Sted^tcö ^anbclt.
§ 1355.
SDie 33eftimmung beö § 1355, meld)e fid^ alö eine 2(uöna^mc t)on bem crmerb ber
Qninbfafec beö § 1352 2Ibf. 1, 2 barftcBt, cntfpri^t bcn SBorfd^riften bcö § 1308 lob^^'e«"
3?r. 1, 2 Derb, mit §§ 1318, 1319 unb beru()t auf ä^nlic^cn Grmägungen, wie »le^nung
biefe »orfc^riftcn (ücrgl. bie aWotioe ju §§ 1288, 1308, 1318 oben @. 172 ff., ^/^J*^,
242 ff., 278). ©benfomenig, mie im § 1308 9lr. 2, braud&t im § 1355 neben antrage«,
bcr able^nung cincö bcr ®f|efrau gcmad^tcn 5Bertragöantragcö bie 3lnna^mc
cincö fold^en ermähnt ju merben, ba auö allgemeinen @runbfägen folgt, bag
eine nur bcr ß^efrau gemad&te Offerte aud& nur t)on biefer fclbft ober
wn einer jur SSertretung berfelben ermöd^tigten ^crfon angenommen werben
fonn, ber (Seemann aber nad& § 1352 ?Kbf. 3 im Flamen bcr ß^cfrau ju
^nbcln nic^t berechtigt ift. 2)ie beftc^cnben 9tcd&tc enthalten in bcn fjicr
fniglid^en Sejic^ungen meiftenö feine auöbrüdflid^en Seftimmungen. (Semein*
ret^tlic^ ift eö namentlidb beftritten, ob bcr @()emann, foDiet bie ^ilnna()mc
ober Suöfc^logung einer bem Oefammtflute angefallenen ®rbfd&aft betrifft, aud^
in biefer ^infic^t bic ß^efrau ju oertretcn bered^tigt, bejm. bic Icfttcrc of)ne
ßinroiHigung beö ß^emanneö eine ©rbfc^af t anjunefimcn ober auöjufdjiagcn befugt
362 angem. Oütcrgemeinf^aft. SScrf üounflSrcc&t bcr (Sithau. § 1356, 1357.
ift (ocrgl. Scuffert IX, 301). 5ßQcö bcr brem. SRad^lafeorbn. x>. 1843 § 282
entf(J)eibet über bie 2lnna^mc ober Sluöf^Iogung einer fold^en ©rbfd^Qft ous^
fd)Ue6Iid) bcr SBille bcö ß^entanneö. 3laä) bem code civil SKrt. 217, 219,
776, 934 (ücrgl. aud& 9Irt. 1411—1418) fann bie ©Ijefrau oI)ne Swftimmung
bcö ßf)cmanncö eine ©rbfd^aft ober eine ©d)enfung nid^t annehmen ober auft*
[flogen. 2)er cf)renbreitft. ©ntn). § 34 beftimmt, bafe eine ber ©^efrau om
gefoBene ©rbfd^aft roeber oon bem ®^entanne ofjnc 3ttftimmung bcr 6f|cfrau
nod^ oon bcr 6f)efrau ol^nc S^ftin^^iuttS bcö ©^emonnefi ouögcfc^Iagen, eine
ber ©ö^frau angebotene ©cbcnfung fon)of)[ t)on ber ®^efrau als für fie oon
bem ©bemanne rcd^tögültig angenommen werben fann. 3)cr ©rbfd^oft finb in
bicfcr ^infid^t bie SSermäd^tnine glcid^geftcllt. 3ft eine ©rbfd^aft nid^t uon
beiben ©fjegatten ouögefd^Iagcn, fo foU für bie ©rbfd^aftöfd&ulben immer baö
©efammtgut, bcr Seemann aufeerbem, wenn bie ©rbfd^aft t)on ber (S^cfrau
mit feiner ©enc^migung erroorben ift, perf5ntid& ^aften, fofern er bei 6r*
t^eilung ber le^teren feine perfönlid^e Haftung nid^t auöbrüdf üd^ außgefd^Ioffen
bat (§§ 25—28). S)ie ©oftrin bcö preu&. JWed^teö oerncint bie »efugnife bcft
®t)cmanneö, ofjnc B^ftinimung ber ©bcfrau auf eine ber (enteren angefallene
©rbfd)aft ju oerjid^ten, geroäbrt aber anbererfeitö aud^ ber ßbcfrau nid^t baft
9lcd)t, eine il)r angefallene ©rbfd^aft oljnc Ginroilligung bcö Gfiemanncö ax\^
jufcfilagen.
§ 1356.
»etrieb eine« 2)ic cnifprcd^cnbc 9lnn)enbung bcö § 1307 in 9lnfel^ung cincö ©rrocrbö*
gWM fl^f^^f^^^^ rodi)cQ bie Gljcfrau fctbftänbig betreibt, red&tfcrtigt ftd& burd) bie
bm(^bie(j^e-3lna[ogic bcr SBcrbältniffc (oergf. bie 5Kotioe ju § 1307 oben ©. 240 ff.) unb
^'^""" ftebt mit bem gcttenbcn SRcd^tc im 3BcfcntIid^en im (Sinflangc (ocrgl. inöbef.
prcuß. 21. 2. dt. II, 1 §§ 335 bis 337, 389 ; code civil 3lrt. 220 ; olbenb. ©ef.
ü. 24. aipril 1873 airt. 26 § 2, 3lrt. 9; ^. ®. 33. 9lrt. 8). Dicfclbc fü^rt nic^t
nur ba^in, ba% bie ajerbinblid^fcitcn bcr ©t)efrau aus ben bort be}cid)nctcn
9?cd^tßgcfd^dftcn unb auö Urtt)eilcn, meldte in ben bort bcjeid^ncten Stcc^tö^
ftrcitigfeiten gegen bie ©f)cfrau ergangen finb, ben Äaraftcr von ©efammtgutös
oerbinbIid)fcitcn l)aben unb bcöfialb bas ©efammtgut unb ber Seemann pcr^
föntic^ bafür fiaftcu (§§ 1359, 1362 9ir. 1), fonbern auc^ bat)in, baß bie ©(^
frau über bie ju bem ©rroerbßgefdjöftc gct)orenben ©efammtgutögcgcnftänbe
mirffam oerfügen fann.
Ueber bie Srage, inmicroeit bie ©cgcnftönbe, meldte bie ©^efrau burd^
ben Setrieb eincö felbftänbigcn ©rmcrbögef^äftcö erroirbt, bem ©efammtgute
äufoUcn, oergl. bie aJlotire ju § 1348 (3. 342).
§ 1357.
gortfe^ung 2^ie Scftimmuug bcö § 1357 beruht auf älinlid^en ©rroägungen, wie
bei (Kntdtt ^^^ ^^^ § ^^^^ ^^- ^ ^^^^' ^^^ § ^^^^' ®^ ^^^" ^^^^^ "^ ^^^f^ »ejicfjung
ber ©üter* auf bic äJtotiüc JU § 1309 obcu ®. 245 ff. Scjug genommen werben. Die SBoB*
an"änfl*CT fttctfbarfcit bcö in einem ^^Jrosejfc ber l)ier fraglid)en 9lrt ergangenen Urt^eileö
»c<^«ftreite«. gcgcti bcu G^cmaun ergiebt fid^ auö § 1360 3(bf. 2.
ättficmcinc ©üterQcmemf^aft. SScrfügunö^rc^t bec ßßcfrait. § 1358. 363
§ 1358.
S)cr § 1358 fc^Ucfet fxä) bctn § 1306 unb äl^nlid^en, im (Sinjelneii aller* %bwt\enm
bingd tne^fac^ QbTOcid&cnbcn S3cflimntungcn oiclcr ^Portifulorreditc unb neuerer jiran'i^eit be*
entoürfe on (öcrgl. Scuffcrt XIX, 99 ; preufe. 21. 2. 91. II, 1 §§ 202—205, ®^«»««""«»-
32&~327, 389; code civil 3lrt. 1427; roeftfäl. @ef. v. 16. 3lprit 1860 §§ 4, 5;
ferner oönobr. ©ntn). § 7 ; cfirenbreitft. (gntro. §§ 36, 37 ; [jeff. enlro. IV, 2
8rt 457; mürttcmb. entw. §§ 258, 159). Sßon bem § 1306 unterfd^eibet ber
§ 1358 ftd^ boburd), bafe, roo^renb bic e^efrau im gaDe beö § 1306 ftctö in
eigenem Flamen unb für eigene Sled^nung i^anbett, fie im gallc beö § 1358
innerhalb bcr bort bejcid&neten ©renken im 9Jamen beö (Stiemanneö unb für
Sled^nung beö Icgteren ju fjonbeln bered^tigt fein foU. ®iefc SKobififation
tcdjtfcrtigt ftc^ burd^ bic T)erfd)iebcne ©ad)lQgc unb im 3ntercffe ber SBer-
einfac^ung bcr SScr^ältniffe. SBoUte man nad^ bem Sßorbilbe x)erfd)iebcncr
©ütcrgemeinfd&oftöred^tc bcr ©^efrau in bcn f)ier fraglid^en göUen biefelbc
re(6tüd|e ©teUung geben, mcl^e ber 6f)emann bei 3luöübung fcineö SSer*
flwltungörcd^tcö einnimmt (§ 1352 9lbf. 1, 3), fo mürbe bieö ba{)in füt)rcn,
boB für bic ouf bem ©efammtgutc baftenben ©d&ulben je nad& ber 3lrt iljrcr
Cntfte^ung tf)ci(ö nur bcr (Sfiemonn, tbeitö nur bic ß^efrau pcrfönlid^ t)aftetc.
Uebrigenö ift eö nid^t auögefd^ (offen, bog bie 6I)efrau, wenn fie mill, in bcn
Sitten beö § 1358 and) in eigenem 9flamcn, aber für 3lcd&nung bes ©öe*
manneö, ^anbclt. 3nöbefonbcrc fann fic in ben gällcn beö § 1358 in eigenem
SJonien über ©cgenftönbe beö Ocfammtgutcö aud^ binglid) ücrfügcn in gleid()cr
Seife, rote fonft bcr Gljcmann. -Jlimmt bie ©l^efrau innerl;alb bcr im § 1358
gejogcncn ©renjcn ein 5lcd)tögcfd&äft in eigenem 9iamcn uor, fo folleu i{)rc
boTttuö entftcl^cnbcn SSerbinbtid^teiten jur SSercinfad^ung bcr ©ad^c unb
QUO Mücfficbten bcr »iUigfeit, roic auö § 1362 3li\ 1 fid) crgicbt, un^
mittelbar aü ®efammtgutöt)crbinblid)feitcn bcl^anbelt rocrben. Saö ©Icid)c
gilt, wenn bic 6()cfrau auf ®runb beö § 1358 in eigenem 9Jameu einen
Sta^töftrcit fübrt.
6in 2r^cit ber ©ütergemcinfd^aftöredötc räumt bcr Gficfrau baö SScr- »eoor-
Bwltungörcd^t nidjit nur in 9flot^fäUen, fonbem unbebingt ein, roenn eine Sor^ m\tZ^
munbfdboft ober Slbmcfcn^citöpflegfd^aft über bcn ßl)cmann angeorbnet ift, in
bem Sinne, ba§ in biefen gäüen bem SSormunbe ober Pfleger baö Sßev-
loaltimgöred^it in 9lnfcl)ung beö ©efammtgutcö entjogen fein foll (ücrgl. inöbcf.
»ejjfäl. ®cf. 0. 16. 9lpril 1860 § 4; lippe^betm. SScrorbn. v. 1786 § 10; fäd)f.
®. 8. § 1700, 1701; oönabr. gntro. § 7; el;renbreitft. ©ntm. § 37; Ijcff.
&ttiö. IV, 2 9lrt. 457). ^ür eine fold^c SRcgelung löfet fid& anfü{)ren, ba§ bic
CWtttti nur bem Gf)emannc pcrfbnüd^ bic SSerroaltung beö ©efammtgutcö
burd) ben ©ütcrgcmcinfcbaftöücrtrag ^abc anoertraucn wollen unb nid)t j\u
bulbcn btau6)t, bo§ ein Slnbcrer bic SBcrwaltung beö if)r ju gleid^em 9led)tc
wie bem ©bctnannc juftcficnbcn ©cfammtgutcö überncl)mc. ©in SHcd^t bcr
GW^üu ouf bic alleinige 9Serwaltung beö ®efammtguteö fann auö biefem
Qefid^töpunftc icbod& nic^t abgeleitet werben. Gö fönnte barauö nur gefolgert
werben, bofe baö 33cnDaltungöred^t beö ©demanncö wegfallen unb baöfelbe non
364 9lIIgeineinc ©ütcrgemcinfd&aft. ©d^ulben^aftung. § 1359.
ber ®t)cfrou unb bcm gcfcfeUd^cn 33crtrctcr beö ®[)cmannc8 gemcinfd^aftUd^
ausgeübt iDcrben tnüfete. 2)a aber eine fold^e gemcinfd&afttic^e aSenoaltung
praftifd^ nid^t burd)füf)rbar ift, fo würbe nichts übrig bleiben, als bie ©emeiit'
fd)aft aufäulöfen unb iebem SC^eile bie SSermaltung feines 3lnt^eile3 ju über?
laffen. S)ie ©rünbe, weld^e ben Sntraurf beftimmt Ijiabcn, biefen SBeg nic^t ein^
jufd^Iagen, finb in ben 9)lotiüen ju § 1372 ©. 398 ff. nä^er bargelegt. 2:ritt aber
in ben f)ier fraglid^en gällen feine 9lufI5fung ein, fo ftel^t bas SRcd^t bcö e^c^
mannes bcm ber ß^efrau minbeftens gteid&bered&tigt gegenüber, unb enthält
es feine Unbilligfeit gegen bie legiere, wenn fie ftci^ bie SSermaltung bcö
©efammtgutes burd^ ben gefefelid&cn SSertreter bes (Seemannes gefallen laffcn
mufe (oergl. § 1370). 3ft bie Ehefrau jur SBerroaltung geeignet, fo roirb baö
SBormunbfd^aftSgerid^t fcbon ron felbft fte als SBormunb ober Pfleger beö (S^c^
manneS beftellen (§ 1729 Slbf. 4, § 1743). 3ft fie aber nicf)t baju geeignet,
fo entfpric^t es i^rem eigenen 3ntereffe, wie bem beS ß^emannes, mc^r, wenn
bie 33enoaltung nid^t fraft bes ©efeges auf fie übcrgel^t, fonbern ein geeigneter
5ßfleger ober 3Sormunb beftellt wirb, weld^er bei vernünftiger gül^rung ber
SSormunbfd^aft if}r bie aSerwaltung innerl^alb besjenigen befd^räntten fireifcö
überladen wirb, ben fie ju überfelien im ©tanbe ift.
§ 1359.
Haftung bes gjug ^cm bem ©ntwurfe ju ©runbe liegcnben 5ßrinjipe, bafe baö ©o
flu?e«"Sr Mc fairtmtgut beiben ©Regatten in ber 9lrt gemeinfcbaftlid^ gebort, ba& bie Slnt^cilc
wtenb?r ©Te- ^^^^^'^^^ wö^reub bcr Sauer ber Oemeinfc^aft nid&t l^erüortretcn unb ald
flatten; ' fclbftänbxge S3ermögensred)te nic^t gcltenb gemad^t werben fönnen, in 93erbim
bung mit bcr ©rwägung, bafe bie allgemeine ©ütcrgemcinfd^aft nid)t ba^in
•j füljrcn barf, bas gcmcinjd^aftli^c SBcrmögen bem B^Ö^^ff^ ^^^ ©laubiger, bed
I einen ober anbcrcn ©Regatten ju cntjieben, folgt, bafe bie ©laubiger beö ©^e-
; mannes unb bie ©laubiger ber (S^cfrau grunbföglid^ wegen aller SJerbinblid^^
feiten bcr (S^egatten bie 33efriebigung auc^ aus bem ©efammtgute muffen Dcr*
langen fönnen (§ 1359 Slbf. 1). ©s entfprid&t bies bem ©runbgebanfen bcr
allgemeinen ©ütergemeinfd^aft, bafe baS gemeinfd^aftli^e SBermogen bie gunftion
bcs SSermögenS fowol)l für ben einen als ben anberen ©Regatten l^aben unb bie
cljclic^e SBirtljfd^aft auf gcmeinfamen ©cbeil) unb SSerberb gcfüljrt werben foD.
ooröintritt SBou jcncm ©mubfafec mad^t ber ßntwurf in 9lnfel^ung ber bereits üor 6in«
©ütergTmem. tritt bcr ©ütcrgcmcinfd^aft cntftanbencn (ber rore^elid^en) ©d^ulben^cö^cinm
fc^ft ent. ot)er anberen ®f|egattcn überhaupt feine 3lusnal)me. 2)ieS ift aud& ganj über^
nanbenc , ^^j^^^j^jj ^^^ ©taubpuuft bcr gcltcnbcn Sled&te unb ber neueren Entwürfe.
3nSbefonbere ftel)cn bamit im ©inf lange baS gemeine 9lcd&t, wenigftcn«
nad^ bcr Ijcrrfd^enbcn 3lnftd^{, bie fc^lesw. ^olft. SRcd&te, bie mciftcn Siedele
in ber ^ßroüinj Hannover, bas brem. SRe^t, bie lippe-bctm. SBerorbn,
X). 1786 §§ 9, 13, bie ^led^te ron gulba unb Grbad^, bie 3Re^rjal^l bcr
baxjv. Siedete, baö franj. gied[|t (code civil Slrt. 1409, 1526), baS fädbf. ®. 8.
§ 1696 unb bas olbcnb. ©ef. ü. 24. 3lpril 1873 3lrt. 26 (ocrgt. femer J^e«.
Gntw. IV, 2 2lrt. 461, 462 ; württcmb. ©ntw. §§ 241, 249, 251 ; c^renbrcitfl.
Slllöemeinc @ütcrGctncinfd&aft. ©d&ulben^ciftuitg. § 1359. 365
entro. §§ 14, 90; oönobr. entit). § 5). SDoö pveufe. 21. 2. 5». II, 1 §§ 391
bis 395 tno^t t)on bcr im Uebrißcn anerfanntcn SRcgel, ba^ für bic üor^
eWic^en Scf)ulbcn bcö einen wie beö anbercn ©Regatten baä 9emeinfc^aftlid)c
Vermögen ^aftct, nur infofern eine 3(usnaf)me, ate, roenn ein ©{)cgattc mc^r
S^ulben als SSermogen in bie Oemeinfd^aft gebrod)t })ai, bcr anbcrc innere
^olb iroeicr 3ö^re nod^ üolljogener @^e auf bie 3lbfonberung beö 93erm5genö
antragen fann, in roeld^em galle ben oorel^elid^en ©laubigem nur baö ab-^
gcfonberte SScrmogen i^reö perfonlid^en ©d^ulbnerd haftet. 9Jur einjelnc
9lf(|te fc^Iiefeen bie ^oftung beö ©efammtguteö für bie oorelielid^cn ©d^ulben
be« ß^emanneö, wie bie ber ß^efrau ganj aus (münft. 9led&t) ober be^
f(^ränfcn bie Haftung beö ©efammtguted jroar nid^t in 9lnfeljung ber ror*
c^ieli(öen Sc^ulben beö ©l^emanneö, roo^I aber in 2lnfel)ung bcr üoref)eIic^en
6(^ulben ber ß^efrau in ber Slrt, bafe bie ©laubiger ber tegteren nur biö
}u bem Setrage beö ron ber ß^cfrau eingebrachten SSerntögenö auö beut
©efornrntgiite i^re 93efriebigung finben fönnen (lüb. 9led)t). ©in fol^eö
3urücfgreifeu auf baö üon bem einen ober onberen ©Regatten in bie ©emein-
fc^oft gebrockte Vermögen, roic bieö nad^ ben julefet gebadeten 9led)ten unb
Qti(| nac^ bem preu|. 21. 2. 5R. eintreten fann, ift icbod^ mit bem SBefen beö
©efammtguteö alö eincö neuen einfjeitlid^en 33ermogcnö nid()t vereinbar. ®ie
in ber gefd&id^tlid^en ®ntn)idte(ung einjelner jener JRed^te Ucgenben ©rünbe,
loelc^c bie fonfequente 2)ur(ibfüf|rung beö ©ebantenö ber allgemeinen ©üter^
gcmeinfd^aft in 33ejie^ung auf bie ©d()utben ber Ehefrau ge^inbert ^aben,
fommen für ben ©ntmurf nidb^ ^^ Setrad^t. ©benforoenig fann auf bie
SiDigfcitögrünbe, meld&e ba, mo bie allgemeine ©ütergemeinfd^aft baö gefe|Iid^e
©fiterred^t bilbet, bafür angeführt werben fönnen, bie ©laubiger cineö ©tic?
flotten auf baö üon bem festeren in bie ©cmeinfd^aft gebrad()te SSermogen ju
oerroeifen, bei ber üertragömäfeigen ©ütergemeinfdt)aft ein entfd^eibenbeö ©croi^t
flclegt werben.
äud& in 3[nfef|ung ber nadd ©intritt bcr aDgemeinen ©ütergemeinfd^aft «««"^ ^^^^^
entfianbencn SSerbinblid^feiten beö ©^emanneö ift in bem ©ntrourfe ron bem gemeinfd^aft
®runbfa|e beö § 1359 2Cbf. 1 feine 2tuönabmc gemad()t. ®amit ftimmen faft j^JJJ^^^'J'iX
oDe Sed^te überein (üergl. inöbef. preufe. 21. 2. 91. II, 1 §§ 380, 386 ; roeftfäl. 'reit«.'
©ef. 0. 16. atprit 1860 § 3; code civü 2lrt. 1409 5Wr. 2, 2lrt. 1411—1418,
1424; ffid&f. ®. ». §§ 1696, 1697; olbenb. ©ef. x>. 24. 2lprU 1873 2lrt. 26);
nur ©ercinjelt wirb in Setreff einjelner 2trten üon 3Serbinblid()feiten, j. S. ber
Sfitgfd^often, nod^ feltener in Setreff ber ©(ftulben auö unerlaubten ^anb^
[ungen beö ®^emanncör-«ine 2luönaf)me gemacht, ©erartige 2luönal^men finb
jÄüd^^mtl "bem SBefen ber ©ütergemeinfd&aft unb mit bem 3ntereffe beö ©t)e==
manneö bejm. ber ©laubiger beö legieren nid^t vereinbar. Snroiefcrn im
Ser^aitniffc ber ©liegatten ju einanber bie ©efammtgutöDcrbinblid^feitcn,
iöel(^ in ber 5ßerfon beö ©^emanneö, inöbef onbere an& unerlaubten ^anb^
lungen beöfelben, entftanben finb, bem ©fiemanne jur 2aft fallen, beftimmt
ber § 1367.
S58egen ber grage, in roeldden göllen baö ©efammtgut wegen ber nad^
eintritt ber ©ütergemeinfd^aft entftanbenen SSerbinblic^feiten ber ©Ijefrau
^ftet, wirb auf § 1362 nebft aWotiücn t)erroiefen.
>Re(^t
366 9iagcmcme OütecöcmemWaft. S^uTben^afturto. § 1359.
^er|öna(^e Ob utxb inmiciDcit ein ß^cgatte U)äf)renb bcfte^enbcr ©emcinfd^aft für
bfe^Äntml i^ic ©d^utbcu bed anbercti, forocit biefclbcn Oefammtgutöocrbinblic^fcitcn finb,
fluttocrbinb* x\\i\: mit bctu ©cfammtgutc ober auc^ perfönlid^ ^aftct, ift in ben meiften
Sted^tcn nid^t auöbrüdüd^ bcftimmt unb gemeinred^tUd^ beftritten (ocrgl.
©cuffcrt IV, 26, XXXI, 340). 3lnlangenb inöbcfonbere bic üorc^elid^cn
®Sfl^*' Sc^utben, fo befd^ränft naä) bem preufe. 21. Ä. dt. II, 1 § 391 bie ^oftung
fid) forool^I für bm ß^cmann als bie G^efrau auf baö gemcinfddaftlid&e
SBemtögen. ©aäfclbc wirb anä) für üerfd^iebene onbere SRed^tögcbietc, fo
für DönabrücE, 93remcn, 33erben unb für bie meiften bagr. SRed^tc aii^
genommen (oergf. femer föc^f. 0. 33. § 1696; efirenbreitft. ©ntm. § 14).
Sagegen l^aftet nad& franj. Slcd&te (code civil 3lrt. 1409, 1431; [oergl. oud^
olbenb. ®ef. o. 24. Slpril 1873 3lrt. 26 § 2 oerb. mit 3lrt. 9) ber e^emann
roä^renb ber @f)e für bie ber ©emeinfd^aft jur Saft faBenbcn Dore^clic^cn
Sd&ulbcn ber ©Eiefrau perfönlid^, roa^renb umgete^rt eine perfonlid^e §af*
tung ber Icfetercn für bie oorel^elic^en ©cftulben beß ®^emanneö mit 9lü(ffid(|t
auf baö ber G^efrau bei 9luflöfung ber (Semeinfd&aft eingeräumte Siecht,
fid) burc^ 3lusfd^lagung ber ©emeinfc^aft ober burd^ 3lufnal^me cincö 3n*
Dcntareö gegen bie pcrfönlid&c .^aftung ju fd^üfeen (code civil 9lrt. 1453,
1483, 1494), nid^t ftattfinbet. (Sine äfinlic^e Sluffajfung fd^eint aud^ manchen
bcutfc^en SRed&ten ju ©runbe ju liegen. 9lad^ einer Slei^e biefer SRct^tc,
j. 33. bem (üb. 3fiec^te, bem ^amb. SRed^te, bem meftfäl. ®ef. v. 16. äpril
1860 (arg. § 12), f)aftet ber ®f|emann mcnigftenö bann, menn i^m nac^
3luflöfung ber ®^e baö Oefammtgut iufällt, für oUe barauf laftenben, aud^
bie oore^elid&en, ©d^ulben unbcfd^räntt, roäfirenb ber @f|efrau baö 3le^t
eingeräumt ift, fid^ burc§ 3luöfdblagung . ber (Scmeinfc^aft beüm. burd^ Stuf*
na^me eines Si^oentareö gegen eine pcrfönli^e Haftung für bie ©emcin«
fd^aftäfd^ulben ju pd&ern (oergt. bie 3Kotioe ju §§ 1373—1380), unb cö
fragt ftc^, ob nic^t roenigftenö nac^ biefen 5Rcd&ten eine gleid^e Haftung
beö (Seemannes fd^on roä^renb ber (S^c angenommen werben mufe. gür
bic mäfirenb ber ®^e entftanbenen ©efammtgutöoerbinblid^feiten ber ©^efrau
fiaftet ber ©Eiemann au^ nad& bem preufe. 91. S. SR. II, 1 §§ 389, 329,
335 — 337 perf5nlid&, wenn bic ©fjcfrau biefelben mit feiner ©ene^migung
eingegangen ift unb er bei ©rt^eilung ber lefeteren feine perfonlid&c Haftung
nic^t audbrüdlic^ audgefd^(offen \)at, ober menn bie ^erbinbUd^feiten auö
einem üon ber (S^efrau betriebenen ©cmerbe l)errü^rcn unb bie festere
bie einfünftc barauö fid^ nic^t auöbrüdflidö ootbel^alten ^at. SRad^ franj. f,^
Siedete begrünbet bie S^^ftin^niung beö ©^emanneö }u ber ©inge^ung einer /,.;.
SScrbinblid^feit von ©citcn ber ß^efrau unbebingt bie pcrfönlid&e Haftung iM^fCZ
erftercn. SDaöfelbe gilt oon ben aSerbinbli^feitcn ber ©licfrau, met^e fic ö||t^[^'-
öffenttid^e ^anbelöfrau in ifiren |)anbelöangetegenl^citen eingegangen ifl i^^ -f
civil 3lrt. 1419, 220; ^. ®. 93. 3lrt. 8; rcrgt. anä) olbenb. ®ef. v. 24. 3W^-jj^
1873 arrt. 26 § 2 oerb. mit Slrt. 9; efirenbreitft. entm. §§ 16, 17). W.nx^l
pcrfönlid^c ^oftung ber ©fiefrau roäfirenb ber ®^c für bie Don bem ß^em/ ^^ ^
roäfirenb berfetben eingegangenen SSerbinblid^feitcn roirb bagcgen DoitJ iiej ^ *
meiften SRed^tcn, inöbefonbere aud^ oon bem preufe. 91. Ä. 5R. n, 1 § ^^)enufe!!f'^^
bem franj. JRcd&tc, nid^t anerfannt. fuIbJ^' '
M
%n9
SfUgcmeine @ütergcmeinfc6aft. ©ijulbenßafhina. § 13&9. 367
£er enlrourf ift benjenigen SHei^ten gefolgt, itieli^e eine_perf&iilidw ^""^^jj'
Wla^ b(Ä^et|emannea für bie ©efammtgutancrbmbtii^fetten ber Eöfftf">
tüäirife umactejrt^ eine folc^c Haftung bec Icgteren für bte (Slcfamtntgutö^
DcrbinNitfeteitcn befl etiemannca roä^renb ber S^auer bcr (^ifs einlceten laifen.
Im ton 2Befen ber allgemeinen ©ütergemeinfc^Qft uiib bem ^rinsipe bcs
t^uifijtt^tlit^en SOHteigenttiumcö tonn eine über bo« Oefommtgut ^inoufl»
itebcnM ^ftung brs einen @tiegatten für bie Sc^ulben bes anbeten nti^t
obgclcitct »erben. SGon bicfcr Sec^tßtonfequenj jum 9lQc§t^ile ber ß^efrou
iil!(uip(i<^, fe^It es an gcnügcnben Orünben. 3m ©egenll)ei[e weift bie
üleifitamliDicfeiung barauf ^in, ba^ baä 9Je(^tSben)ugtfein eine 99eft^ränfung
Ixx voftung bet Gtiefrou für bie Si^utben befl ©bcmannea auf baS ©eforamt;
Sut fotberi 3)ie innere SHed&tfertigung einer foltften Sefcfiränfung liegt in
bnn Bern 6^emanne jufteljenben ousgebelinten Serfiigunflerei^tc (§ 1352) unb
in &Et poffioen SteEung, roelctie bie C^efrau roä^rcnb befte^enber (Süters
gtmcinfdiQft einnimmt unb rocit^c i^r bie aßöglicbteit, einen ©inffufe auf bie
Scciöaltung beß ©efommtgutes anajuäben, faft PoUig entjic^t (§ 1352 W)\. 2,
^ i:iöä, 1359, 1362). ©ie bef^rähfte Lüftung bet ®^cfrau für bie Sijiulben
W ebemannca enthält bie bm6) bie SBiüigtcit geforberte StueglcidEiung für
tit unfllei^e Sctet^tigung bet eijegatten. einer faft [Äranfcn[ofen, burcf) teine
rcdilliiic Sierontmortlicöfeit gegenübet bet Ehefrau gcbunbcncn SSerfügungS'
(|ftuali bea eijemonncs mog bie (Sfiefrau immertiin il)r in boa ®efammtgut
tüUciibc* aScrmögen onücrtrauen. SJafe lie aber bei gingcljung ber öüter;
gfmcinfdiaft ou(^ bie äbr»Ä)t gehabt ^a^e, bem g^emanne boa unbeft^tänfte
Scdit (injuräumeii, pe perföniic^ n»;;! Sdjulben s» betaften, fann nii^t an=
Stnommen roerben. (Sa tritt f)icDria{i^, fowict bie Haftung ber Sljeftau für bie
SAuIhm bca e^emannes roöjgrenb beftc^enber et)e betrifft, gegenüber bcn ;
(^äubigern ein a§nlid)ea ^;er[)ältnife ein, roie bei bet flommanbitflefellfd)ofl.
"Tiaiera liegt bafleai/„ i,ie Sat^c in ainfe^ung bea (Seemannes. 5Bcnn=
8[(i(fe bie 33eftimmuna^'j8 § 1359 gifaf. 2, bafi bet (Seemann für bie a5cr=
brnblit^Ieiten bet <Si^au roeltfec Ociommtgutßoerbinblic^feiten rmö (§ 1359
9H". 1, I 1362), •i J^niiä) ^Qftet, unter Umftänben in ^Mm für ben
Gfiemann füVen.'j^n„ namenttit^ wenn ber Setrag ber Doreöcli*en e^ulben
oer Gfiefrau fvy,^^^^^^^ ^^^ „„i, [,« ®^emann Don benfetben feine Scnntnife
gEbübt^Uo yj j, , entftfieibenb ins ©eroic^t, bofe bem e^emannc unter 9[wS=
?Ä«?ia»bQ8 W unbef^ünlteaSerfügungarecöt über baB ©efammtgut
r , 2*135" 1353) unb er babur(^, roenn er 93otbe^altegut obet Sonbergut
^ ™; 'Ir Siaae ift, Senoenbungen auf baäfelbe üu« bem ©efammtgute ju motten
X w »laubigem ber e^efrau auf bicfe SJeife Seftanbt^eite bc3 ©efammtguteß
- .feit ihtet »efriebigung ju entjie^en ober boc^ i^re Sefriebigung aus
iivUmmtgute ju erf^roeren. giid)t minber ift bie perjBnlic&e Haftung bea
rnnee föc bie @e(ammtgut6cerbinbli(^feiten ber et)efrau im Sntereffe bet
Jen um beaniiUen bringenb geboten, roeil oI)ne biefe ,&aftung bet Ehemann
r itct roerben Knnte, fein SGerfügungäre^t jum 31a*t^eile bet eöefrau baju
;,cuu8en, feine eigenen Sc^ulben aus bem ©J'"'"'«»»^, ä" 2^*°?!f"'iJ.';
i .ilt)cn ber ebeftüu aber unbejaölt äU lajfen. 66 empfielflt ftj «u* ni*t,
I Unfcliung bet petfönlic^n Haftung bcfl etjemanncß iiuif^en ben uot ©tm
368 Moemeine ©üterGctneinf^aft. ©d.iiltcnl&afiuitg. § 1360.
tritt bcr OütcvgcmcinfdiQft entftanbencn SBcrbinblid^fciten ber ß^cfrou unD ben
n)äf)renb bcfte^enbcr ©ütcrgemcinfd^aft entftanbencn SJerbinblic^feiten bcrfelbcn
ju untcrfcf^eibcn, ba jene SSerbinblidöf^it^n fid^ von biefen oft, name ntüc^ bei
längerer Sauer bcr 6^c, nid^t untcrfd[ieibcn laffen, inbem fie biird) Sßeränberung
in ben Sd^ulbt)crf)öltmf|en in cinanber übergeben. 9luf bie möglid^crroeifc
mit ber Seftimmung bes 9lbf. 2 für ben ®{|cmann ocrbunbcnen gärten
fann namentlich üom ©tanbpunfte einer rertragömältgcn ©ütcrgemeinfc^aft
entfd^eibenbcö ©emid^t nid^t gelegt merben. Um fo unbebcnftic^er ift eß, bie
pcrfönlid^e Haftung ber ß^efrau gegenüber ben ©laubigem beö (Seemannes
JU Dcrncinen, bagegen bie perfönlid&e Haftung bcö Icfiteren gegenüber ben
©laubigem ber (S^efrau anjuerf ennen , roenn man mit bcm ©ntmurfe (oergl.
§ 1380) baoon außgcfit, ba§ aud^ im 93erl[|ältnij]e bcr ©Regatten ju einoubcr
alle ©cf ammtgutöoerbinblid&f eiten , meldte im aSer^ättniffe bcr (S^egottcn }u
cinanber bcm ©efammtgute jur Saft fallen, pon bcm ©bemanne allein ju tragen
finb. ©ine anbere, bei ben JBcftimmungen über bie 2lufl6fung bcr ©cmcinfd^oft
5U crorternbc gragc (ücrgl. bie üBotioe ju §§ 1373—1380) ift eö bagegen, wie
bei 9luflöfung ber ©ütergemcinfd^aft bie Haftung ber ©l^cgattcn gegenüber ben
©laubigem bcrfelben geregelt roerben foll.
©emein- Scfonbcrc Scftimmungcu über jbie ron ben ©l^egattcn gcmcinfd^aftlid^
^t^Äenrcingegangenen SBcrbinblid^feitcn, mie fold&e in ben befte^enben SRcc^ten meWö^
** feltm *^ ftd^ finben, finb oom ©tanbpüftlte bcö ©ntrourfcö auÄ cntbel^rlid^. S)ic ®üter«
bereUötten. gcmciufd&aft ftcl^t ber ©ingcl^ung einer ©cfammtfd^ulb (§§ 321 ff.) von ©citen
beiber ©Regatten nid^t entgegen. Db fte bieö bcabfid^tigt l^abcn, ift na^ ben
allgemeinen ©mnbfä^en ju bcurt^cilcnj^ eine unter il^nen beftc^enbe ®üter«
gemeinfdöaft ift für bie ©ntfd^cibung biefer ^rage o^nc S3cbeutung. 33on Sc^
beutung mirb biefelbc aber, wenn burd^ bie oon ben Sfjcgattcn gemcinfdiaftlic^
eingegangene SBcrbinblid^tcit naä) ben allgemeinen ©runbfäfecn icber bcr G^
gatten nur jur §älfte haftbar ift [(§ 320). 5Da i,n bcm gcmcinfd[|aftlic||en
SIbfd&luffe bcö SRed&tdgcfd^äfteö bie ©inroilligung bcö "l^l^icmanneö in bie Sop
na^me bcö SRcc^tögcfd&äfteS von ©citen bcr ©l^efrau liegt)"* fo l^aftct nadd äbf. 2
ücrb. mit § 1362 3tr. 1 bcr ©tjcmann audt) für ben bie e^cfriau trcffenbcn 2:(|cU
ber SSerbinblid^fcit pcrfönlid^. ' ^
§ 1360.
^3»an««- S)ie S3cftimmung bcö 3lbf. 1 ergiebt fid& barauft, bafe baö ©^ömmtgut
"'flefllrSrt" ausfd&ticfelidö in ber ^anb unb unter ber SSertretung beö e^cmai?^ ^
©efammtgut. bcpubct (§ 1352). Snöbcfoubcrc fmb aud& bie jum ©efammtgute gcljP^^^
©runbftücfc, roie aus § 1359 3lbf. 1 in SSerbinbung mit § 1360 Slbf. i Jt^'^
erl^ellt, bur^ bie im § 1353 beftimmtc »cfd^ränfung bcö aScrfügungö?
) bcö eijcmanneö ber ^Pfänbung ron ©citen eineö ©cfammtgutögläubigcrß
©runb eineö tjollftrccf baren SCitclö gegen ben ©bemann ni^t cntsogcnlsS
ftimmt oorbeliattlic^ ber SBcftimmung bcö preug. 9t. S. 5H. H, 1 § 386, bie pr
5ßrajiö flbercin (ücrgt. ©ntfc^. b. 3i. ©. in ©ioilf. XVI, 84; Urtl^. b' SR o
©rud^ot XXXI ©. 845). ' '
allgemeine ©utergemeinfd^aft. ©^ulbenl^aftung. § 1360.
369
auf ber anbcren ©citc t)erfte]^t eö in ©mtangelunß einer bcfonberen
Seftimmung fid^ üon fclbft, bog ein ©efammtgutögläubiger auf ®runb eines
ooOfirecfbQren ^itete gegen ben Seemann bie 3n)ongöt)oUftredfung in Slnfel^ung
foI<jer jum (Sefornrntgutc gel^orenber ©cgenftänbe, roeld&e fx6) in ber Sn^abung
ber 6§efrQu befinben ober öuSerlid^ alö ber lefeteren allein gcprenb fid^ barfteDcn,
). 33. in SSnfefiung ber im ©runbbud^e allein auf ben Flamen ber @i;efrau
eingetragenen 9ted^te^ gegenüber ber @^efrau nur mä) SDtaggabe ber allgemeinen
©ninbfä^e ber ffi. 5ß. D. crmirfen fann, roeld^c Slnmenbung pnben, mcnn
Sermögenöftüde eined ©d^ulbnerö jum Q^tdc ber 5ßfänbung ^crbeigefd^afft
loerben foDen^ meldte berfe(be nid^t in ^änben ^at ober bejügUd^ beren fonft
Äufeerlid^ ni^t erfennbar Ift, ba^ fxe bem ©c^ulbner gel^ören (oergl. §§ 713,
745 ff. ber ^. ^. D.). (Sin genügenber (Srunb, in blefer S3ejiel)ung, um ben
(äefammtgutegläubigem bie SSerfoIgung i^rer Siedete gegenüber ber S^efrau }u
erleichtern, bte allgemeinen ©runbfäge }u burd^bred^en unb etma ju beftimmen,
ba§ eine t^oQftrecfbare ä^udferligung bed gegen ben Seemann DoOftredfbaren
Silete ouf ©runb ber §§ 665 ff. ber 6. 5ß. O. anä) gegen bie ß^efrau in
9nfe(iung bed ©efammtguted im SlDgemeinen ober in Slnfe^ung fpejieDer
angeblich baju ge^orenber ©egenftänbc ertl^eilt werben tonne, liegt ni^t t)or.
Ucberbie« würbe eine bcrartigc 93cftimmung cr^eblid&c praftifd^e SBortl^eile
nicftt gewähren. SBürbc bem ©efammtgutögläubiger ein ooUftrcrfbarcr 3CitcI
na^ ÜHafegabc ber §§ 665 ff. ber 6. 5ß. D. gegen bie ®f)efrau in STnfel^ung
Des ©efammtguteß im Snigemeinen ert^eilt, fo ftänbc jroar feft, ba^ bie Gtjt^
frau bie 3n'angSt)oDftredung in baö ©efammtgut fi^ gefallen [äffen mügte
unb bie (entere nid^t (ebigli^ burd[) bie ^el^auptung, ba^ fte nid)t mit bem
e^emanne in aUgemeiner ©ütergemcinfd&aft lebe, ju l^inbcm oermöd^te (oergl.
S§ 668, 687, 688 ber 6. 5ß. D.) ; aDcin immer bliebe nod& bie grage offen unb
bebürfte cfi ber gcftftellung, ob ber cinjelne ©egenftanb, an meldten ber
@Idubiger fid^ l^alten n)ill, }u bem ©efammtgute mirtlid^ gehört ober ob berfelbe
ni^t oielme^r SBorbel^aItö> ober ©onbergut ber eijefrau ift. SBolIte aber ber
Gläubiger, um bem ju entgefien, in Sttnfc^ung cinjclner ©egenftänbc einen
ooDflrecEborcn 2^itel gegen bie ß^efräu fidd oerfd^affen, fo würbe cö il)m nur
in ben feltenften gällen gelingen, bie SSorauöfegungen, inöbefonbere bie 3"*
ge^örigfcit beö ©egenftanbeö ju bem ©efammtgute, burdd offentlid^c Urfunbcn
i§ 665 ber 6. % D.) barjutl^un, er riclmclör faft immer jur Slnftellung einer
bcfonberen Äloge (§ 667 ber 6. % D.) genöt^igt fein.
Xie aSeftimmung beö § 1360 »bf. 2 cntfpric^t bem § 1315. 5Die ^aö)-^ ^ItTm
lüge bei ber allgemeinen ©ütergemeinfd^aft unb bei bem gefeftlid^en el^clic^en ^LTmm^
©üterrecftte ift in ber l^icr fraglichen ^infid^t aUerbingö nic^t ooUig bicfelbe. „^„«^^^[^^^".1
SSei ber ei^Ii^en 9lu6nie|ung unb aSerroaltung befd^ränft bie 3tt)angöüoUftrcrfung xitci« gcoeu
M ouf büS ber e^efrau nad& wie oor gel^örenbe ©liegut. Slufeerbem ift bie ^*" ^^«'"«"»^
lid^e Slu^niefeung unb aSerroallung ber gcfefeUd^c ©ütcrftanb, ju beffen yiaä)'
fe e« fitnüit, menn ber 35eftanb ber 6^e bargetl^an wirb. Sei ber ©üter^^
tnf(|iaft ^anbelt ed fid^ bagegen um bie 3i^^n9d^<>Dft^<^<{i^ng in ba§f ©e-
|ut unb um bie perfönlid^e 5Berbinbli^feit beö (Seemannes (§ 1359 •
2). Äud^ mit Slüdffid^t auf bie SBertragsnatur ber allgemeinen ©üter^
fd^ft fann man SBcbenfen tiaben, bie geftfteltung beö 93orl)anbcnfeinö
i. MrserL «cfe|6u<9. IV. 24
370 aHöemeine ©ütcrgemeinfd&aft. ©d&ulbenfaftung. § 1361.
bcrfelbcn in bcn gällcn bcö § 1360 Slbf. 2 bcm abgcJürjtcn SScrfa^rcn nad^
aWafegabc ber §§ 665 ff. bcr 6. ^. D. ju übertaffcn. Snbeffen fprcd^cn bic
©rünbc, toelc^e ju bcr Scftimmung bcö § 1315 gefüf)rt tiabcn, übcrroicgcnb
bafür, biefelbc auä) auf bic ©ütcrgemcinfd^aft ju übertragen (ocrgl. bie
üBotipe JU § 1315 oben ©. 259 ff.). 3Dcr bcn §§ 665 ff. bcr 6. % D. ju
Orunbc Uegcnbc (Scbanfc maä)t fid^ ^ier fogar nod^ ntc^r als bei bcm gefcfe^
lid&cn ©üterftanbc gcitcnb, ba bic ®ütcrgemeinfcf)aft nad^ §§ 1342, 1343 in*
fofem eine 9lrt oon UniDcrfalfufjeffion [mit fic^ bringt, alö ein SScrmogcns^
Übergang im Oanjen unb eine- SSercinigung ber 3SermBgen beibcr ©Regatten
JU einem (Sanjcn auf (Srunb bcö ©ütcrgcmcinfd&aftäüertragcÄ fraft beö ®e^
fcfeeö eintritt. 9luf ber anbercn ©cite ift im ^inblidfe auf bic SSorauöfe^ungcn,
üon v)ddim nad) bcn §§ 665—667 ber ß. ^. D. bic ©rtl^citung einer doU*
ftrccf baren Slusfertigung gegen bzn ©fiemann abfjängig ift, unb im ^inblitfc
auf bic bem ©ficmanne nad^ bcn §§ 668, 687, 688 ber ß. 5ß. D. iuftc^cnbcn
SRed^töbe^elfe eine Sccinträdötigung bcr SRec^töIagc bcö ©fjcmanncö nid^t gu
beforgen. 6r ift nid&t mi^tii^er baran, als ber t)on bcr 3«>öngöt)onftrcdfung
TOcgen ©d^uCben bcö ©rblajfcrd bebrof)te ßrbc, meld^er bic Ungültigfeit beö
S^eftamentes bef)auptet.
§ 1361.
Äonhirtbe« j)ie ©ntfd^eibung ber ?5ragc, ob, wenn über baö SBcnnogen bed 61^
e^emanne«. ^^^j^^^^^g mäJ^rcnb beftcf)enber Oütcrgemeinfd^aft Äonfurö eröffnet mirb, bas
Oefammtgut jur Äonfurömaffe gcl^ort unb bcr Ehefrau in Slnfcl^ung bcö
Ocfammtguteö nid^t baö $Rcd^t auf 2luöeinanberfe6ung unb Slbfonbcning
juftcl^t, l^ängt auf baß ©ngfte mit ber anbercn ^rage jufammen, ob unb roeld^en
©inf(u§ bic (Sröffnung beö Äonhirfcö über ba^ SSermogen beß (S^emanncö auf
bcn Seftanb ber ©ütergemcinfd^aft fiabcn foU. 2)ie grofee äftc^rjal^I ber
beutfd^cn ©ütergcmcinfd^aftörcc^te räumt bcm Äonfurfe einen ©injlufe in biefcr
§infid[|t überl[iaupt nid^t ein. ßine 9luönaf|me mad^t baö preufe. 31. 2. SR. II, 1
§ 421 infofern, als cö iebem ber ©{)cgatten baö SHcd^t einräumt, bic Sluf^ebung
bcr ©ütcrgcmcinfd^aft für bie 3^if^^"ft i^i t)erlangen, wenn ber anbete in
Äonfurö gerate (ücrgl. baju 31. S. dl II, 1 § 431 ; preufe. Äont. D. § 94).
gerner führen bic Seftimmungen bcö code civil 9lrt. 1443—1447 über bad
Siedet bcr Gl}cfrau, bic gcrid&tlid&e SBermogenöabfonbcrung ju ücrfangen, ba^in,
bafe bie ®l)cfrau im gallc bcö Äonfurfcö über baö SBcrmögen bcö (S^emauneö
auf gcrid)tlic^c ä5ermögcnöabfonbcrung Hagen fann, unb jmar mit ber SBirfung,
baö, roenn burd^ baö Urtf)cil bic ©ütcrtrcnnung auögefprod^en roirb, bic Ie|tcre
mit bcm 2^agc ber Klage alö eingetreten angefcfien loirb (uergL aud(^ ^R.
Cntu). IV, 2 9lrt. 471 ; e^renbreitft. ßntm. §§ 42, 47). 3la6) bem bab. ©Inf. ®cf.
ju bcn JRcid^öiuftiägcfc^cn v. 3. a)lärj 1879 foU im ftonfurfe über baö 93ermogcn
bcö e^emanneö bie 3SermBgenöabfonberung auf 3lntrag bcr (S^efrau o^c
aSScitercö t)on bem J^onfurörid^ter anögefprod^cn merben. Db bic Seftimmungcn
ber §§ 14, 44 ber bcutfd&cn Äonf. 0. aud& auf baö gütergemeinfd&aftlid^e Säer«
mögen ansuroenbcn finb, ift beftritten. 9lad& ber einen 3lnfid^t [teilen [tnt
Seftimmungen ber Slnnal^mc, bafe baö ©cfammtgut im galle beö jtonhirfeft
®eltenbe8
3l%m«ne ©ütcrflemeinf^aft. ©d&ulbentaftung. § 1361. 371
über bad SBermogcn bcö ®^cmanncö jur Äonfurömaffc (jcjogen werbe, nid&t
mlgcgcn. 9luf bcr anbeten ©eite \)at ba^ SReiddßgertd^t (©ntfd^. in 6ioi(f.
MH, 26) fid^ ßanj allflemcin ba^in auögefprod^en, baf^ mäj bem ©^fteme
bcr beutfd^cn Äonf. 0. baö gütergemeinf^aftUd&e SSermögen als fofd^eö jur
fionfurömaffe nid^t gebore, ba§ üielme^r — au^er^alb beß Äonhiröocrfa^renö —
eine äuöeinanberfcßung ber gütergemcinfd^aftlid^en SSer^öItniffe unter Serücf-
jttjtigung ber gütcrgemeinfc^oftlid^en ©d^ulben jroifcöen ben ©fltergemeinfd^aftes:
genofen erforbcrltd^ fei, um boö ©onberoermögen eines jeben ber ©fiegatten
unb bo^ bie Duotc ju beftimmen, welche alä aintl^eil beö e^iemanneö jur
flonfurdmoffe bes leiteten fliege.
2)er ©ntnjurf ge^t baoon aus, ba§ bcr ß^efrau iebenfaHö nid^t boö stttnbpunit
Sec^t beigelegt werben barf, auf (Srunb ber ©roffnung beö ^onfurfeö über entwürfe«,
bofi Vermögen beö (Seemannes bie 9Cuf[5fung ber Oütergcmeinfd^aft in ber
trt JU verlangen, bafe, wenn auf il^ren 9lntrag bie Sluflöfung bcr ©iiter^^
9emcinf(|aft auögefprod[|en ift, baö 33erl^öltni6 auä) gegenüber ben Äonfurö*
gloubigern in berfelbcn SBeife be^anbelt wirb, alö ob bie ©ütergemeinfd^aft jur
3eit ber ßröffnung beö Äonturfeö bereits a\x^ einem anberen (Srunbe auf-
geßft wäre, bafe t)ielmel^r bcr ©^cfrau ben Äonfurögläubigern gegenüber in
Snfeliung bes 5ur 3^^ ber Äonfuröeröffnung t)orl)anbenen Oefammtgutcö ein
Se^t auf Süuöeinanberfefeung unb Slbfonbcrung lebcnfaDö rerfagt werben muß
(oergl. oud^ otoenb. ®ef. t). 24. aipril 1873 9lrt. 26 § 1). ©ß ift jwar nid^t
JU ocrfennen, ba^ bie ®^efrau unter Umftänben, trofc ber Ucberfc^ulbung beö
6(iemonneö, aud^ in SÄnfe^ung bcö jur 3<Jit bcr Äonfuröeröffnung oorl[ianbencn
®cfammtguteö ein S^tcreffe an ber Stuäeinanberfefeung unb ber 3lbfonberung
(laben fonn, nSmlid^ bann, wenn bie Ueberfd^ulbung bcö ß^emanncö in folgen
©efammtgutöocrbinblid^feiten beöfclbcn il^ren ®runb l^at, welche in bem SSer*
^Itniffc ber ©Regatten ju einanbcr - nid^t bem ©efammtgute, fonbern bem ®l^e*
manne jur fiaft faDen (§ 1367), ba nad& bem § 1377 3lbf. 1 in SSerbinbung
mit § 1376 bcr (Seemann bejw. ber an bcjfcn ©teile tretenbe Äonturöoerwalter
bei ber Suöcinanberfefeung bie Berichtigung jener ©cfammtgutöDcrbinblid^fciten
ou« bem ©efammtgute gegenüber bcr S^cfrau nidjt ücrtangen unb auf biefc
äBeife auf Orunb ber 5luöeinanberfe6ung ju ®unften ber ©fiefrau ein Ueber-
f(^u| fic^ ergeben fann. 3nbejfcn werben gälle biefer 9lrt feiten fein, unb ift
onbercrfeits ju bead^ten, bafe, wenn Äonfurö über baß SSermögen bcß ®l)e^
manncß nid^t eröffnet ift, bie G^efrau fid^ gefallen laRen muß, ba§ aud& wegen
jener (Scfatnmtgutßüerblnblic^feiten bie ©täubiger bcß ß^cmanneß im SBcge
ber 3roangßooUftrecfung il^re S3efriebigung auö bem ©cfammtgute fuc^en
(§§ 1359, 1360). 3)em jufölligen Umftanbe aber, ob ber Äonturß eröffnet ift
ober nic^t, fann ein fo weitgreif enber Cinflufe auf bie rcddttid^c Sage ber
©löubiger nid^t eingeräumt werben. 3ii^<^"^ fommt in S3etrad^t, bafe, wenn
man ber ©^efrau boß SRed^t auf Slußcinanbcrfefeung unb Slbfonbcrung beilegt,
bieß baß nid^t befriebigenbe Slefultat jur golge ^aben würbe, bafe bie ß^efrau
eß in ber ^anb ^ätte, auf ®runb bcß § 1377 9lbf. 1 aud^ bie Sefriebigung
foUi^r ©efammtgutßgläubiger auß bem ©cfammtgute verlangen ju fönnen,
tocÜfc in bem Äonfurßücrfa^ren ftd^ nxä)i gemelbet l^aben. ®ß fann jweifet
Wt fein, ob bie »eftimmung beß § 1361 9lbf. 1 in ©rmangelung einer ent*
24*
I
L
370 aHöemeine ©üteigemeinf^aft. ©d&uIfcatMtun^- § 1361.
berfclben in bcn gällcn bcß § 1360 3lbf. 2 bcm abgclürjten SBcrfa^rcn nod^
ÜKalgabc ber §§ 665 ff. bcr 6. % D. ju übcrlaffen. Snbcffen fprcd^cn bic
Orünbc, raeld^e ju bcr Seftimmung bcö § 1315 9cfüf)rt l^abcn, übenüicgcnb
bafür, biefelbc awä) auf bic Oütcrgcmcinfd^aft ju übertragen (oergl. bic
aßotipe JU § 1315 oben S. 259 ff.). S)er bcn §§ 665 ff. bcr 6. 5ß. O. ju
®runbc Ucgenbc Oebanfe ma6)t fid^ [)icr fogar no(i^ mel&r ate bei bem gefc^«
Ud^en ©üterftanbc gcltcnb, ba bic ©ütcrgcmcinfd&aft mä) §§ 1342, 1343 in^
fofcm eine 3(rt von UniDerfalfufieffion [mit fic^ bringt, als ein SßcrmSgenS*
Übergang int ®anjen unb eine- 33ereinigung bcr SBcrmögcn beiber ©Regatten
JU einem ©anjcn auf ©runb bcö Oütcrgcmcinfd^aftöücrtragcö traft beö ©e*
fefecö eintritt. 9luf ber anbcren Seite ift im iginbftcfe auf bie SSorauöfctungen,
von rodeten nad^ bcn §§ 665—667 bcr 6. 5ß. D. bie (grtl^cilung einer oolt
ftredbaren 3luöfcrtigung gegen ben ©fjcmann abl^ängig ift, unb im ^inblicfe
auf bie bcm @f)cmannc nad^ ben §§ 668, 687, 688 ber ß. ^. D. juftc^enben
Slcd^täbcl^clfe eine S3ceinträd()tigung bcr SHcd^töIagc bcö ©l^emanneö nid&t ju
bcforgcn. ®r ift nid^t mifelid^cr baran, alö bcr oon ber 3w>öngöt)ollftredEung
roegcn ©d^ulben bcö ©rblaffcrö bcbro[)te ©rbe, wcld^er bie Ungültigfeit bcö
S^cftamcntcö bcl^auptet.
§ 1361.
Äoniurtbe« j)ic ©utfc^cibung bcr t5^agc, ob, wenn über baö SBcrmögcn bcö @^e^
ö^emonne«. ^^^,^^g mäl^rcnb bcftcficnbcr ©ütcrgcmeinfd&aft Äonhirö eröffnet wirb, baö
®8Re'c?t'* Oefammtgut jur Äonfurömaffe gcl^ort unb ber (g^efrau in Slnfel^ung bcö
©cfammtgutcö nid^t baö SRcd^t auf 9luöcinanbcrfefeung unb Slbfonbcning
juftcl)t, Ijöngt auf baö ®ngftc mit ber anbcren §rage jufammen, ob unb weld^en
©influfe bic ©röffnung beö Äonhirfcö über baö SSermögen beö (S^emanncö ouf
bcn Scftanb bcr ©ütergemeinf^aft l^aben foD. 2)ie grofee äJZc^rja^I bcr
beutfd^cn ®ütergemcinfd^aftöred)tc röumt bcm Äonfurfe einen ©influfe in bicfcr
^inftc^t überhaupt n\ä)i ein. ©ine 9luönat)mc mad^t baö preufe. 21. 2. SR. II, 1
§ 421 infofern, alö cö icbem bcr ©Regatten baö SRc^t einräumt, bie Stuf^ebung
ber ©ütcrgcmeinfc^aft für bie 3wfunft ju t)crlangen, menn ber anbere in
Äonfurö gerät!) (ocrgl. baju 31. S. 91. II, 1 § 431 ; preuß. Äont. D. § 94).
gerner fül)rcn bie Scftimmungcn beö code civil 3lrt. 1443—1447 über ba^
9lcd&t ber G()efrau, bic gcrid^tlic^c SBcrmögcnöabfonberung ju verlangen, ba^in,
ba§ bic 6f)cfrau im gallc bcö Ronfurfcö über baö SBcrmögcn bcö Seemannes
auf gcri^tüc^c SSermögcnöabfonberunn Magen fann, unb jroar mit bcr SB8irtung,
ba§, roenu burd^ baö Urt()eil bie ©ütertrennung auögcfprod^en roirb, bie legterc
mit bem 2^age ber Klage alö eingetreten angcfcficn mirb (uergl. aud^ ^eff.
entro. IV, 2 9Irt. 471 ; cf)rcnbrcitft. Gntro. §§ 42, 47). 3la6) bem bab. Ginf. ®cf.
}u bcn 9leid^öiuftiägcfcgen v. 3. ajlärj 1879 foD im ftonfurfe über baö 93erm6gcn
beö ©tiemanncö bie aScrmögcnöabfonbcrung auf 3lntrag bcr G^efrau o^ne
SBcitcrcö von bem Äonfurörid)tcr auögefprod^en merben. Ob bie ^cftimmungen
bcr §§ 14, 44 bcr bcutfd^cn Äonf. D. au^ auf baö gütcrgemeinfd^aftUd&e 9Scr*
mögen anjurocnbcn pt^i). ift beftritten. 5Rac^ ber einen Slnfid^t [teilen icnc
Seftimmungen bcr 9lnnal^mc, bafe baö ©efammtgut im galle beö Jtonfurfed
SWöemeinc ©ütcröcmeinf^aft. ©d^ulben^aftung. § 1361. 371
über bafi Scrmögen beö ß^cmonneö jur Äonfurömaffe gejogen werbe, nid^t
entgegen. Sluf bcr anberen ©eite ^at baö 9Jeid(|ögerid^t (ßntfd^. in ßioilf.
\Tn, 26) ftd^ ganj allgemein bal^in auögefprod^cn, ba^ mä) bem S^fteme
ker beutfc^cn Äonf. O. baö gütergemeinfc^aftlid^c SSermögen alö fold^eö jur
Äonturßmaffe nid^t gebore, bafe üielmel^r — außerhalb beß Äonfuröocrfalirenö —
fine ätuöeinanberfeßung ber gütergemcihfdjaftlid^cn aSer^öltni^je unter Serücf-
ftc^tigung bcr gütergemeinfd&aftlid^en S^ulben jn)i[(iöen ben ©iitergemeinfc^aftö^
genoffen erforberlid^ fei, um baö ©onberoermögen eincß jeben ber ©Regatten
unb bo^r bic Quote ju beftimmen, mel^e alö Slnt^eil beö ß^iemanneö jur
fionfurömaffe beö legieren fliege.
3)er ©ntrourf ge^t baoon ouö, bafe bcr G^efrau iebenfaHö nic^t baö etanbpunft
Se^t beigelegt werben barf, auf ©runb ber (gröffnung beö Jlonfurfeö über «ntSmrfe«.
boö aScrmogen beö ß^emanncö bie 9luf[ofung ber ©ütergcmeinfc^aft in ber
Srt }u Dcriangen, bafe, menn auf ifiren SKntrag bie 3luf[öfung ber ®üter^
gemeinfc^aft ouögefprod^en ift, baö aSer^ältnife au^ gegenüber ben Äonfurö^*
gläubigem in berfelben SBeife be^anbelt roirb, alö ob bic ©ütergemeinf c^aft jur
3eit ber Eröffnung beö Äonlurfeö bereitö auö einem anberen ©runbe auf^
geßfk Tofire, bafe üielmel^r ber ß^efrau ben Äonfurögläubigern gegenüber in
änfe^ung beö jur S^it ber Äonfuröeroffnung Dor^anbenen (Sefammtgutcö ein
Sed^t auf 9luöeinanberfefeung unb 9lbfonbcrung iebenfallö t)erfagt werben mufe
(oetgr. audd olbenb. ®ef. v. 24. Slpril 1873 5frt. 26 § 1). ©ö ift äioar ni^t
ju ötrfennen, bofe bie ß^efrau unter Umftänben, trofe ber Ueberfd^ulbung beö
(%manneö, aud^ in änfe^ung beö jur S^it ber Äonfuröeröffnung üorl[ianbenen
Scfamnitguteö ein Sntereffe an ber Sluöeinanberfcfeung unb ber 9Ibfonberung
^ben fann, nfimüd^ bann, wenn bie Ueberfd^ulbung beö ß^emanncö in fold^en
@efainmtgutöt)erbinbUd^Ieiten beöfelbcn i^ren @runb l^at, weld^e in bem ^er^
^Itniife bcr ©Regatten ju einanber • nid^t bem ©cfammtgute, f onbern bem ®l)e«
manne jur Saft fallen (§ 1367), ba nad& bem § 1377 2lbf. 1 in SSerbinbung
mit § 1376 ber (Seemann beju). ber an bcffen ©teile trctenbe ÄonfuröDermalter
bei bcr Äuöcinanberfefeung bic 93erid)tigung jener ©efammtgutöoerbinblid^feiten
OUÖ bem ©efammtgute gegenüber ber ®^cfrau n\i)t ücrlangen unb auf biefe
SBeife auf Orunb ber 5luöeinanberfefeung ju ®unftcn ber ®^efrau ein lieber^
fd^ug fid^ ergeben fann. 3nbejfcn werben gäUe biefer Slrt fetten fein, unb ift
anbcrerfcitö ju bead^ten, bafe, wenn Äonfurö über ba& SSermögen beö ®f)e*
manneö nidbt eröffnet ift, bie (S^efrau fid^ gefallen laffen muß, bafe aud^ wegen
jener ®cfammtgutöt)erbinblid[)feiten bic ©laubiger beö ©f)emanneö im SBcgc
ber 3roangöt)oUftre(fung i^rc Sefricbigung an& bem ©efammtgute fu^en
(§§ 1359, 1360). 3)cm jufäUigen Umftanbe aber, ob ber Äonfurö eröffnet ift
aber ttid^t, fann ein fo weitgreifenbcr Cinflufe auf bic rcc^tlid^e Sage ber
Gläubiger nid^t eingeröumt werben. 3^^^^ fommt in Setrad^t, ba§, wenn
man bcr e§cfrau ba^ SRec^t auf SKuöeinanbcrfefeung unb SKbfonbcning beilegt,
biefl baö nidbt befriebigenbe Slefultat jur golgc fiaben würbe, baß bie ©Iiefrau
eö in bcr ^anb l^ötte, auf ®runb beö § 1377 9lbf. 1 aud^ bie Sefriebigung
foI<^r ©cfammtgutögläubiger auö bem ®cfammtgutc uerlangcn ju fönnen,
meldte in bem Äonfuröoerfa^ren fic^ nid^t gemelbet ^aben. 6ö fann iweifel*
^ fein, ob bie Seftimmung beö § 1361 9lbf. 1 in ©rmangetung einer ent*
24*
372 Snignneinc ©ütcrflenicinf^aft. ©d^ulbenl^aftunö. § 1361.
gegcnftcl^cnbcn S3eftimmung nid^t atö [cIbftt)crftonbti^ ju bctrad^tcn ift unb
bcöl^alb eines befonberen 2luSbrurfcö im ®efc|c nid^t bcborf. ^ür bie ©elbft-
ücrftänblid^fcit lägt fid^ anfül[iren, bafe, lüenngleid^ bad ©efammtgut nod^ § 1342
gemcinfc^aftlid^eö ^Sermögen bciber ©Regatten ift, baöfelbe bod^ ber 3roongö?
üoUftredEung von Seiten ber Otöubiger bcö ©Ijcmanneö unbef^ränft unterliegt
(§ 1359 3lbf. 1, § 1360 Slbf. 1) unb infonjcit n)ic SSermogen beö e^emanncö
bef)anbelt wirb, nad^ § 1 9lbf. 1 ber Äonf. D. ober baö ftonfuröoerfa^ren büß gc-
fammte einer SroangöDoUftredfung untcriiegenbe SSermögen beö ©emeinfd&ulbncr«
umfofet, roetd^eö i^m jur ^t\t ber ©röffnung beö SScrfa^renö gehört. Um ieboi^ bic
3n)eifel Qbjufddneiben, welche Qnbererfcitö auö ber $flotur beö Oefammtguteö afe
cineö beiben ©Regatten gef)örenbcn gemeinfd^oftlid^en SScrmogenö in SSerbinbung
mit bcn §§ 1, 14, 44 ber Äonf. O. I^crgeleitct merben fönnen (ocrgt. ®nt[d^. b.
JR. ®. in ßioilf. VIII, 26), ift cö bei ber SBid&tigfcit ber ©ad^c alö rat^jomcr
erad^tet, ben l^ier fraglid^cn Orunbfal} im ©efefec auöbrürflid^ auöjufprcc^en
(oergl. aud& § 2150 9Ibf. 4). Wogegen ift eö nid^t für erforberlid^ gcl^olten,
boneben ben fpejieDen goU im ©efc^c bcfonberö }u bcrüdffic^tigcn, wenn bic
©ütergemeinfc^aft oor ber (Sröffnung beö Äonhirfcö über baö SScrmögen bcö
©^emonncö jioar nod^ nid^t aufgelöft roar, bie ®^efrau aber t)or jenem S^it-
punfte bereitö ein Siecht auf Sluflöfung ber ©ütergcmeinfd^aft erlangt ^ottc
unb ber SRed^töftreit, in melc^cm baö bie 3(uf[Bfung beftimmenbe Urt^cil er-
laffen ift, Dor ber ©röffnung beö ÄonfuröDerfa^renö anhängig mar. 6ö lajfcn
fidö SiDigfeitögrünbe, inöbcfonbcre bie 9lücffid()t auf ben ©^u^ bcö 91nt^cilö^
red^tcö ber ßliefrau an bem Ocfammtgute gegen bie nad& ber SJed&tö^ängigfeit
beö SRed^töftreiteö entftanbenen ©efammtgutöüerbinblid&feitcn bcö ß^cmauncö,
roelc^c na^ § 1379 im 9ScrI)äftniJfc ber ©liegatten ju cinanber nid^t bem ®c^
fammtgute, fonbem bem ©bemanne jur Saft fallen, bafür anführen, bcn l^icr
fraglid^en gall ebenfo ju bef)anbcln, wie ben gall, rotnn nad) SKuflofung ber
©ütergemcinfc^aft, aber vor erfolgter 2luöcinanberfe|ung Äonturö über boö
33ermögcn bcö ©Ijemanncö eröffnet wirb (§ 1375). Snbeffcn reiben bicfc
©rünbe nid^t an^, um für einen fo fpcjicDcn gall pofttio cinjugreifen, um
fo weniger, a(ö bie ©laubiger burd) bic SrBffnung bcö ÄonhiröDcrfa^rcnö ein
bem burd^ 5ßfänbung begrünbeten ^ßfanbrcd^te analogeö SRed^t auf SScfriebigung
auö bem ©cfammtgutc erlangt f)abcn, wäl^renb baö 9ted^t ber 6^cfrau awi
Sluöcinanberfcßung gegenüber ^Dritten in SBirflidjfcit crft mit ber Kcd^tö^
fraft beö Urt^eilcö jur Cntftcl)ung gelangt.
3)0^ im Äonfurfe über baö 33crmBgcn bcö ®l)cmanncö ber Äonfurö^
Dcrwalter bcn 33efd^ranfungcn bcö 93erfügungörcd)tcö bcö 6l)cmanncö noc^
aWafegabc bcö § 1353 nid^t unterliegt, fann nid^t jweifelf)aft fein, ba jene
S3efd)ränfungen anä) ber ^ßfönbung oon ©eitcn ber ©laubiger bcö (Sl^emanneö
nic^t cntgcgcnftcficn (§ 1359 9lbf. 1, § 1360 5lbf. 1 ; 2Rotit)c ju § 1360 oben
©. 368; oergt. anbererfeitö entfd^. b. SR.®, in ßioilf.Vni, 26), unb bcbarf
beöl^alb feiner befonberen ©ntfc^eibung.
SBcgen ber grage, ob ber Sl)efrau im gaDe beö Äonfurfcö über boö
aSermogen bcö ®t)cmanncö baö Siedet beijulcgen ift, bic Sluflöfung ber ©üter-
gcmcinfdjaft für bie S^funft in bem ©inne ju verlangen, bafe jwar baö jur
Seit ber Äonfuröeroffnung Dorl^anbene ©cfammtgut Seftonbti^cil ber ftonfur^
SHTflewrinc ®üter0cinelnfd6afi ©ctulbcnl&aftung. § 1362. 373
moffe oerbicibt, bcr ©l^cfrou ober in 9ln[cf|ung bcö naö) bcr Sccnbigung bcö
HonJfuröoerfa^rcnd verbliebenen Ueberreftes beß ©efammtguteö unb beö etraaigen
fpötercn erwerbe« baö ditä)t ouf Sluflöfung ber ©ütergcmeinfd^aft unb auf
Sußeinanberfefeung mä) SWafegabe beßicnigen S^itpunf^ö juftel^t, in roeld^em
fic biefcö Verlangen [teilt, wirb auf bie aWotiüe ju § 1372 rcrwiefen.
änlangenb bie Seftimmung beä § 1361 Sttbf. 2, bafe burd^ ben Äonfurö ^^^°^^^l^
über baö SBermögen ber g^cfrau roä^renb bcftc^enber ©iitergemeinfd^aft baö
©efammtgut nid^t berüfirt wirb, fo red&tfertigt [xä) biefe Seftimmung burd^
bie SJüdffK^t auf bie ©teDung beß ©fiemanncö gegenüber bem (Sefammtgute
(wrgL § 1352). 3lud^ biefe Seftimmung tann im ^inblidfe barauf, bafe ber
Änt^eil ber 6t)efrau an bem Oefammtgute ma^renb beft S3eftel^ens ber ©üter^
gcmeinfd^aft afö ein felbftänbigeö Sermögenörec^t nid^t geltenb gemad^t werben
lann unb inöbefonbere ber 3w)angöt)oUftredfung oon ©eiten ber ©laubiger ber
S^frau auf ©runb eine« gegen biefe Doltftredtbarcn 2;itelö — wcnigftenö bcr
Äcgel nad& — nid^t unterliegt (§§ 1344, 1345, 1360), unb angeftd^tö beö § 1
3Ibf. 1 ber Äont. 6. als felbftoerftönblidj be^eid^net werben, jumal wenn auö^
gcfprod^cn ift, bafe im galle ber ©roffnung beö Äonfurfcö über bas aSermögen
l)cfi g^emanneß ba& ©efammtgut ju beffen Äonturömaffe gel^ört (§ 1361 9lbf. 1).
3nbeffen oerbient eö aus äl^nlid&en ©rünben, wie biejenigen, weld^e jur Sttuf*
no^e beö § 1361 Slbf. 1 geführt ^aben, ben Säorjug, jur 3lbfd^neibung von
;^eifeln, ju weld^en bie Seftimmungen ber §§ 14, 44 ber Äonf. D. SBer^
onlaRung geben fonnten, ben t)ier fraglid^cn ©afe ebcnfallö auöbrüdlid^ auß^
jufpret^cn.
§ 1362.
2)ic im § 1362 beftimmten Slußnal^men oon bem ©runbfagc bes § ^^^^ ^f^^^^f^^^
äbf. 1, bafe audd ölle 9Serbinblid)feiten bcr ß^efrau ©efammtgutöüerbinblid^- frau,»ei(^e'
feiten finb, berul^en auf bem ©ebanfcn, ba^ iebcnfallß für biejenigen 3Ser^ crmmt^w.
Wnbli4|feiten ber ei^efrau, für wetd&e nad^ bem gcfefelidjen eficlid^en ©üter^^ tcrbtnbiic^.
rechte baö e^egut nid^t ^aftet, bei bcr ©ütergemeinfd^aft baö ©efammtgut *''*'" ^"^'
m(^t Soften barf. a)cr § 1362 f^ließt fid& beölialb im SBcfentad^en bem
§ 1312 an, unb fann aur Segrünbung beß § 1362 auf bie SRotiüe ju § 1312
im allgemeinen Sejug genommen werben. 9lnlangenb inßbcfonbcre bie S3e=: «"« ^*^**'
ftimmung be« § 1362 3lx. 1, fo bient biefelbc in SBerbinbung mit bcr aSorfdirift ^'1?^»"^
beß § 1352 Slbf. 2 baju, bie Sfled^te beß ©^cmanneß in 3lnfet)ung beß ©efammt^
guteß geflen bie i^m auß ber ©efc^äftß* unb ^rojefefäljigfcit ber ßf)efrau
broi^ben ©efa^ren ju fc^üfeen. 2)ie bcftel^cnben dicä)k, mit Sttußna^me beß
munft, Stec^teß, ftimmen in biefer 33ejiel)ung mit bem Entwürfe überein
(wrgl. indbef. für baß gemeine 9led)t ©euffcrt XXXIV, 309; Gntf^ b. SR. ©.
in 6imlf. vn, 51; femer preufe. 31. S. 91. II, 1 § 389; code civil 9lrt. 1419).
2a§ bie im § 1312 3lv. 1 am ©d)luRe entlialtenc Seftimmung, nad^ weld()cr
bie 3Serbinbli^feit ber ß^efrau wegen bcr Sloftcn, welche biefelbc auß einem
üon '\t)v geführten SRe^tßftreite bem ©egncr ju crfe^cn fiat, ftctö Göcgutß^
perbinbUd^feit ift, wenn bie ß^efrau ber Seflagte war unb ber 3?cd)töftrcit
eine G^egutßoerbinblid^feit betraf, auf bie ©ütcrgcmeinfd&aft nidjt übertrogen
ift, grünbct fi^ barin, ba6 bei ber ©ütcrgcmeinfd;aft bcr ©laubiger ber GIjc-
374 Sllloenieinc ®üter0emeinf$aft. ©d&ulbcn^aftunfl. § 1362.
frau, um auö bem Ocfamnttgutc Sefriebigung ju erlangen, feinen Slnfpnid^
nid^t gegen bic ß^efrau ju rid^ten brandet, fonbern gegen bcn Seemann allein
flagen tann (§§ 1352, 1360 Slbf. 1). ®lc (Srficbung einer Ätagc gegen bie
ß^efrau fann nur ben ^wcd ^abcn, bie Sicfriebigung auö bem 3Sorbe^altö^
ober ©onbcrgute ber ©^efrau ju erlangen, gür bic Soften eines biefcrlialb
o^ne ©inmilligung ober ©eneljmigung beö G^emanneö gefül^rten ^rojeffeö na^
§ 1359 baö ©efammtgut unb bcn (S[)emanu perfönlid^ ^aftcn ju laffcn, fc^lt
es an einem genügcnben Orunbe.
cintcioiflunö ©ine 93eftimmung bariibcr, ob ber (Seemann bei ber ©rtlicilung ber ©in-
scanne« ^oilligung ober Oencbmigung ju einem cinjelnen JHcd^tögefd^fte ober Stents*
unter «u«. ftrcitc bcr ©fiefrau bie Haftung bcö ©efammtgulcö unb bamit feine pcrfönüc^e
Ä^ber Haftung mit SBirffamfeit gegen bcn ©ritten auöfc^tiefecn fann, ift in ben
©efommt- ©ntwurf uid^t aufgenommen. 3luc^ mit einer fold^en ©efd^rönfung ^ot bie
^"* ' 6rt^eilung ber ©inmilligung ober ©enc^migung bcö ß^emanncö JBebeutung
für fold^e ^^älle, in meldten bie eiiefrau ©onbergut im ©inne beö § 1351
bcfigt, inbem auf ©runb einer fold^en GinmiHigung ober ©ene^migung ber
©laubiger ber Gl^efrau aud^ auö beren Sonbergute 33cfriebigung üerlangen
!ann (oergl. § 1351 2lbf. 2 t)crb. mit §§ 1417, 1311, 1312 3lv. 1). »on
größerer Sebcutung ift bie ^rage bei ber partifulären ©ütergemeinfd^aft, ba
bei biefer ©onbergütcr bie SRegcl bilben (oergl. § 1423 Slbf. 2 3ir. 2, § 1431
Slbf. 1). S^^^ifrfloö fann ber ß^emann bei ßrtlieilung ber GinmiDigung ober
©ene^migung burd^ SBertrag mit bem ©ritten bie Haftung bcö ©efammtguteö
unb feine perfönlid^e Haftung auöfd^liefeen. 3luc§ bann tritt eine folc^c
Haftung fd^on nad^ bcn allgemeinen ©runbfäfeen ni^t ein, wenn er feine ©im
milligung ober @cnel)migung nur unter ber Sebingung erttieilt bat, bafe ienc
Haftung auögefd)loffcn roerbc. 9ltö felbftt)erftänblid[) wirb eö ferner iu bctrad^ten
fein, bafe bcr ©bemann in fold&en fällen, in meldten baö 9led)tögcf(^äft bcr
©l^efrau ober bie gü^rung bcö Sic^töftreiteö berfclben be^ufö ber orbnungö-
mäßigen SScrroaltung beö ©onbergutcö bcr ©^cfrau crforberlid^ unb bemgemäfe
bcr ©bemann nad^ § 1351 3lbf. 2 t)erb. mit §§ 1417, 1320, 1322 feine ©im
milligung ju bem 5Rcc^tögcfd^äftc ober ju bcr gül)rung bcö 3icd^töftreiteö ju
ertl^eilen ocrpflid^tct ift, bie Haftung bcö ©efammtguteö unb feine pcrfönlic^e
Haftung mirffam auöfd^licßcn fann, ba eine fol^e Haftung burdd ben ^xocd
ber ©iniüilligung ober @cnel)migung, bie orbnungömäßige SBermaltung beö
©onbergutcö ju crmöglid^cn, nid^t geboten ift unb eine unbillige §ärtc gegen
bcn ©^cmann cntfialtcn mürbe, ©ngcgcn fann cö jmeifcl^aft fein, ob baöfelbc
in ©rmangclung einer bcfonbcrcn SBcftimmung aud^ in anberen göUcn an-
juncf)mcn ift, in n)ctct)en bcr ©f)cmann bic ©inmilligung ober ©enebmigung
gegenüber bcr Gl;cfrau (ocrgl. § 127 2lbf. 1) jwar unbebingt, aber mit ber
SSefd^ränfung crtljcilt, ba§ bie Haftung bcö ©efammtguteö unb bamit audb
feine pcrfönlidjc t^aftung auögcfc^loffcn fein follc. ©in Sebürfniß, bicfe S^^agen
burc§ bci^ ©cfcfe bcfonbcrö ju cntfd^eibcn, liegt inbefjen nid^t vor; melmebr
fann bic itbfung berfclben an bcr .^anb bcr allgemeinen ©runbfäfee unbebenflidö
ber SBiffcnfd^aft unb 'ißrariö übcrlaffcn werben, ©benfomcnig ift cö ofe
crforbcrlidö crad[)tct, bcfonbcrö ju beftimmcn, ob ber ©l^cmann bei ber
©rtticilung bcr Ginmilligung ober ©cncljmigung ju bem felbftänbigcn Setriebe
aUgemdne ©ütergemeinfd^aft. Sd^ulbenlgaftung. § 1362. 375
rincfi ©rroctbögcfd^äftcö t)on Selten ber ß^efrau bie Haftung beö ©cfammt^
guto unb feine perfönlid)e Haftung mit rcd(|tlic^cr SBirtfornteit gegen ©ritte
ttudf(^[ie§en fann. 3tuö bcr burd& § 1356 für entfpred^enb anroenbbar erflärten
»eftimmung be« § 1307 2lbf. 2, 3 er^eUt mit genügcnbcr ©cutli^feit, ba§ bie
^ier froglid^e 93efcöränfung cbenfomenig wie anbere ber ©inroilligung bei^
gefügte, mit ber äSorfd^rift beö § 1307 3lbf. 1 in SBiberfpruc^ tretenbe 33e*
f(|fränfungen (oergl. bie SDiotioe ju § 1307 oben ©. 242) gegenüber ©ritten
rcc^tlid^ in Setrod^t fommt. ^ßoptio ^ier baö ©egentfieil ju beftimmen, mürbe
mit ber ?}erfe^röft^erl^eit unb mit bem 3lrt. 8 SHbf. 2 beö $. ®. 93. nid^t im
ßinflonge fielen, überbicö ba& SBerl^ältriig unnötljig fomplijiren.
afniangenb bie Haftung beö ©efammtguteß für bie mäl^renb befte^enber .^"^*""**^
(Sötergemeirif^aft quo unertaubtcjt ,§QnbIungen berG^efrou cntftanbencn SScr* * erlaubten
biiiblt<j^^|[^gn ber lefeteren^ fo gei)en in biefer .^infirfjt bie bcftcljcnbcn Siedele ^«"»»^""fl«"-
augeinanber. kidit andenommeft mirb eine fotd^e Haftung namentlich nad)
fronj. Siedete (code civil 3lrt 1424) unb oerf d^iebenen , in Heineren 9ted)tS:^
gebiden geltenben beutfd^en Oütergemeinfc^aftöred^ten (fo für S3rcmen — ob-
»0^1 nidbt unbeftrittcn — , für SBerben, Sßünfter, ^ilbeöl^eim unb $ilbburg=*
^tifen). dagegen haftet baö ©cfammtgut für bie Ijier fraglid^en SSer-
binbüc^feitcn ber ß^efrau nodd ben Siebten non Dsnobrüdf, SWeppcn, ©ig:«
moringcn, nac^ bem fäd^f. ®. 33. § 1696 unb, mie bie neuere ©oftrin unb
?rQjiö beö preufe. SRec^teö annimmt (oergl. borüber ©ntfd^. b. 91. ®. in
Cipilf. VII, 51 ©. 160 2lnm. 1), audb nadt) bem preu§. 31. S. 3t. II, 1 §§ 390,
384 (oergl. ferner olbcnb. ®ef. v. 24. 3lprif 1873 9Crt. 26 § 2, 9lrt. 9;
oflnabr. ©ntm. § 6; el^renbreitft. ©ntm. § 22). 9Iuf bemfelbcn 33obcn
ftc(|t ©onoiegcnb bie neuere Doftrin unb 5ßrajis bcö gemeinen SHcc^teß (nergl.
Scuffert XXXIV, 309; @ntfd^. b. 31. ©. in Gioilf. VII, 51). einjelne
9te<i^te (äffen bie Haftung bed ©efammtguted nur fubfibidr nad^ einem etmaigen
Sonbergute ber 6t|efrau eintreten, j. 93. bie 9led)te ron 6rbad&, gulba, SBürj-
bürg (ebenfo ^eff. ©ntm. IV, 2 9lrt. 465, 467; mürttemb. ©ntro. § 252).
aEBcnnßleid^ fxd^ nid^t oerfennen föfet, bafe, fooiel bie Haftung für bie
l^itr fragli^^en SBerbinblidbfeiten ber @()cfrau betrifft, bie Sl5er^ältnijfc bei bem
gefeilteren c^etic^n ©üterrec^te unb bei ber allgemeinen @ütcrgcmeinfd)aft in^
fofem nic^t oöUig gleid^ liegen, alö baö ©efammtgut aud) bas eigene SBer-
mögen beft @^emanned umfagt unb bie c^aftung bed ®e[ammtgute3 au^ bie
petfönlid^e ^oftung beö ©fiemanneö naä) fidb iiel)t (§ 1359 9lbf. 2), unb bafe
ba^ bie Lüftung beö ©efammtguteö für bie nac^ (Eintritt bcr ©ütcrgcmein*
fijaft entftanbenen 95erbinbUc^feiten ber (S[)cfrau auö unerlaubten ^onblungen
bcr letzteren ben ©bemann unter Umftänbcn empfinblid^ treffen fann, fo
fann bod^ auf biefen ©efid^töpunft gegenüber ben prinjipicUcn ©rünben, auf
wcl^ien baö ^rinjip bcö § 1359 3lbf. 1 bcruf)t, baß alle 33crbinblidöfcitcn bcr
Glatten ©efammtgutöt)erbinblid;feiten finb (ocrgl. bie Hiotioe 5u § 1359
oben ©. 364 ff.), fomie gegenüber ben im 3Bcfeiitlid)en aud) bei bcr allgemeinen
©utergemeinfc^aft iutreffenbcn ®rünbcn, meldte ben Crntrourf bcftiumil l^obcn,
bei bem gefc^Udjen eljclicben ®iiterrcd}te \)a^ 6()C9ut aud; für bie l)ier in
Siebe He^nlMii iUerbinoRciifeireti ber Gl)cfrau Ijaftcn ju laffcn (ucrgt. bie illotioe
iu §§ 18n, iW^-rtm ®. 249), entfd^cibcnbcö ®ciüid}t uidjt gelegt mcrbcn. (Sine
376 aitgcmetnc ©üterocmeinfd^aft. Untcr5aIt8lJfK(i&t. § 1363.
Unglcid^l^icit bcr 33ef)Qnbtung ber (gficgattcii in bcr l^icr fraglid^en SSejiel^ung,
Je nad^bcm es ftd^ um 2)elitt§[d&ulbcn bcö ©fictnanneö ober ber ß^cfrau ^an-
beft, würbe aud) mit bem Söefen ber allgemeinen Oütergemeinfti^aft, roeld^e
baß genoffenfc^aftli^e (Slement in ber Drbnung ber güterred^ttic^en SBcr^Slt^
niffe ber ©Regatten befonberö jur Oellung ju bringen beätoerft, [d^wer oercim
bar fein, ©ine anbere, im § 1367 3lbf. 2 3lr. 1 entfd^icbcne grage ift, inioie*
fern bie l^ier fraglichen SBerbinblidöf^iten im Sßerl^ältniffe ber ©Regatten ju
einanber bemjenigen ß^egotten jur Saft gelegt werben follcn, in beffen ^crfon
fte entftanben fxnb.
®efe«ii(^e 2)arüber, ob bei ber allgemeinen Oütergemeinfd^aft auc^ für bie nad)
**wtm "^^ eintritt ber legteren entftanbenen gefeglid^en SBerbinblid^teiten ber ei)efrau boö
berc(^efrau. ©efammtgut l^aftct, entfialten bie befte^cnben SRed^te meift feine duöbriirfli^eii
Seftimmungen (oergl. föd^f. ®. 93. § 1696). (So wirb bieö iebod^ üielfod^,
namentfi^ aud^ t)on ber ©oftrin nnb ^rajiö beö preufe. Stentes, angenommen
(oergl. ©trietl)orft a3b. 45 ©. 48; ferner ©ntfd^. b. D. 31. @. ju SRoftocf bei
SBud^fa unb Subbe IV ©. 251). 9luf bemfelben »oben fte^t, Dorbe^altHc^
ber im § 1362 3lx. 3 bejeid^neten SSerbinblid^feiten unb oorbe^altlid^ ber h^
fonberen Seftimmungen beö § 1363 über bie gefeftlid&e Unter^altungöpflid^t
gegenüber ben SSerroanbten, auc^ ber ©ntmurf, unb jroar aud äfinlic^cn
Orünben, mie biejenigen, meiere bal^in geführt liaben, aud^ bie 2)eliftöfd&ulben
ber ©l^efrau als ©efammtgutsoerbinblid&fciten ju bel^anbeln.
§ 1363.
^»*j]^^j^«' Ueber bie SBe^anblung ber auf ber gefejlid^en UnterJ^altöpflid&t be-
Bütten "ege^ rul^eubeu Slufprüd^e ber 3Sern)anbten beft ©l^emanneö unb ber SJerroanbten bcr
«erroonbTcn. ®^^fr^w eutl^alten bie beftel^enben ©ütergemeinf^aftöred^te meiftend feine bc=
* fonberen S3eftimmungen. 3m ©ebiete beö preufe. 21. 2. 31. wirb oon ber ^raj^id
überroiegenb angenommen, bafe baß Oefammtgut auc^ für bie gefcglid^en
Sttimentationßoerbinblic^feiten ber ß^efrau l^afte, ebcnfo in igamburg (ücrgl.
I^amb. SBorm. 0. t)om 14. ©ejember 1883 2trt. 31) unb in ©c^merin (©ntfci^.
b. D. 31. ®. JU SRoftocE bei Su^fa unb »ubbe IV ©. 251). 9lad& franj.
SRed^te wirb bie SSerpfli^tung ber ©Regatten jur Oemäl^rung bcß Untcr^oltcö
nid^t nur an gemeinfd^aftlic^e, fonbern auc^ an einfeitige 3l6fommUnge eine«
©Regatten aCß ®emeinfc^aftßfd)ulb be^anbelt. 3m code civil 3lrt. 1409 3lr. 5
werben auöbrücfüc^ alß ©emeinfd&aftßfc^ufben jroar nur bejeid^net bie (Sr^
nä^rung ber ©fiegatten, bie (Srjiel^ungß* unb Unter^aÜßfoften ber Äinbcr
unb alle übrigen Saften ber ©^e. S)arauö wirb inbeffen t)on ber 3uriöpnibcnä
gefolgert, bafe ber Unterhalt forool;! ber einfeitigen Äinber, alö aud^ ber
onberen unter^altöberec^tigten Sßermanbten ber ©Regatten — oorbelialtli^ einer
SWobififatiou bei ben erft roö^renb ber ©emeinf^aft anerfannten une^clid^en
Äinbern eines ©Regatten — atß eine Saft ber ®l^e unb auß biefem ©efid^tö-
punfte alß eine ©emcinf^aftßtaft ju betrachten ift (oergl. aud^ roürttcmb.
©ntro. §§ 103 ff.).
»erürffi^tt. gg j^anbelt fid^ an biefer Stelle junäd^ft um bie (gntfc^eibung ber gragc,
Tamm^flutrt' i^^^i^w'cit bei ben auf ber gcfefetid^en Unter^altöpfliddt benil)enben 3lnfprüd^en
aiTflcmrine ®üteröcmdnfd&aft. Unter6art«pflid6t. § 1363. 377
bcr SScrtDQnbten bcö ß^emanneö ober bcr SBerroanbtcn ber ®f)cfrau baö
©cfammtflut ate 33erntöflen beß 93erpftid^tctcrt in Setvod^t fommt bcjro. in-
loicrocit bic bcr ©^cfrau obliegcnbe Untcr^altfipfli^t alö eigene Unterl^altS-
pjlic^t bcö ß^cmanneö anä) gegenüber ben SScrroanbten ber ®t)efrau bel^anbelt
werben foU. S)a nati^ bem ®ntn)urfe baö ©efammtgut gcmeinfd&aftUdieö Scr-
mögen bcibcr ß^egotten ift, weld^cS naä) 3lufföfung ber ©iitergemcinfc^aft
einem jcbcn ber e^egattcn jur ,^älfte jufällt (§§ 13-1:2, 1377), fo fc^eint cö
na^ }u liegen unb ber einfodjfte STnörocg ju fein, in ber I)ier fraglitficn Sc-
^ie^ung, foDicl bie Seiftungäföfiigfeit eines ©Regatten jur Oeroäljrung beö
Unter^Ucfi betrifft, bie ^ölfte beö ©efammtguteö bem aSermögcn beö be^
ireffcnbcn ©Regatten ^injuiured&nen. 3inein eine f olc^e 3erlegung beö ©efammt«
guteö in Quoten wiberfprid&t bem ^rinjipe, bafe baö (Sefammtgut, fo lange
bie ©ütergemeinf^aft heftest, ein unt^eilbareö (Sanjeö ift (§§ 1344, 1345),
unb oertrögt ftd^ nid^t mit bem ©runbgebanfen ber Oütergemeinfd^aft,
baß baö ©efammtgut bie gunftion l^at, alö SBermögen beö einen, wie beö
anbcren ©fjcgatten ju bienen. JRid^tiger unb juglcid^ unbebenHid^ ift eö, für
bie gcftftcBung ber Seiftungöfä^igfeit beö einen ober anberen ©Regatten baö
ganjc ©cfammtgut ju ©runbe ju legen. S)ieö entfprid^t aud^, fooiel bie
Unter^aftöpPid^t beö @f|emanneö gegenüber feinen SBerroanbten betrifft, bcr
tct^tli^en StcDung beö ß^emanneö gegenüber bem Oefammtgute, oermögc
welcher er, oorbc^altüd^ bcr auö § 1353 fid^ crgebcnben S3ef^rän!ungen, über
bttö ©efammtgut mic über fein eigeneö SSermögen ju oerfügcn bcred^tigt ift
(§ 1352). Änbcrö liegt atterbingö bic Sad^c in ^[nfcl^ung bcr Untcrl^altö^
pjli(|t bcr g^cfrau. S)a baö SBcrfügungöred^t in Slnfel^ung bcö ©efammtguteö
unier 9uöfd^(ug bcr @(|efrau allein bem @l)cmannc jufte^t, biefcr aud^ aifcin
über bic grüd^tc bcö ©efammtguteö ju verfügen bercdjtigt ift, fo fel)lt cö
wö^renb bcftc^enbcr ©ütcrgcmeinfd^aft, abgefe^en oon einem etwaigen SBor^
be^ltö* ober Sonbergutc bcr ®^cfrou, an fid^ an bcren 2ciftungöfäl)igfeit,
mithin an einer SSorauöfefeung für bic ©ntftcl^ung ber gefcfclid^cn UntcV^altö-
pjTid^t 6ö fann icbod^ feinem Sw^cifcl unterliegen, bafe bic allgemeine ©ütcr-
gemcinf^aft bicfen ßrfolg nid)t \)ahtn barf, fonbcrn bag, ba baö ©efammtgut
motcricB bic S3cftimmung ^at, alö SBermogen beö einen mie beö anberen ®t)c^
%Qittn §u bienen, bic Untcr^altöpflid^t bcr ®^efrau gegenüber il)ren 33er^
nKmbtcn in glcid&cr SBeife, roic biejenige beö @f|emanneö gegenüber feinen
Senoanbtcn aM bem ©cfammtgute erfüllt roerben mufe (t)crgl. auc^ bic aJlotioe
JU § 1313 oben ©. 255 ff.). 2)ieö wirb am einfad^ften baburd^ erreicht, baß
öoö Sertjöltnift fo ju bcurt^eilen ift, wie menn baö ©efammtgut bem ©^e^^
monne geborte unb roic menn bie aSermanbten ber ®f)cfrau ju bem (Sliemannc
in bemicnigcn SBcrroanbtfd^aftöoer^öltniffc fid^ befänben, in melc^em fie ju ber
eW^au fi(§ befinben. 2)aburd^ wirb suglcid^ crjielt, bafe bei ber Söere(|nung
ba: 2eifiungöfäf|igfcit nad^ Sflafegabc beö ©efammtguteö fomoljl bie Unterljaltö^
anfprüd^e ber Sßenoanbtcn ber @l|efrau alö bic bcö @()emanncö bie gcbü^renbe
Serüdfid^tigung ftnbcn.
^t bcr (g^emonn SSorbc^attö^ ober Sonbergut, fo fann eö nid;t jroeifet gjp/j,^"^'^*^^,
baft fein, ba^ bei ber 33eurtl)citung, ob unb inroiemeit eine UnterJ^altöpftid^t ober eonber
beö e^anncö gegenüber feinen aSermanbten beftel^t, aud^ bcr ©tamm ^mamwl
378 • «Itöctneinc ©utergenicinl^aft. Untcr^alt^Jjfli^t. § 1363.
eines Sonbcrguteö unb ein SSorbel^altögiit bcö ß^cmanncä naä) aWafegabc
bcr attgcmcinen Orunbfflfee über bie Unterl)altöpflid&t in 33etrod)t ju jicl^en
ift. yiaä) § 1359 ift bie aScrbinblid^feit beß ßficmanncö iroov in i^rem
ganjen Umfange ®efammtgutöt)erbinbUd)feit ; mä) § 1367 3lv. 2 fällt bie*
felbe aber inforaeit, alö [xc rocgen beö aSorbefialtSs^ ober Sonbcrguteö bcö
eijemanneö begrünbet ift, im 38erl)ältniffe ber ef)egatten ju einanber bem ©^
manne jur Saft (üergl. bie 3)totit)c ju § 1367 9ir. 2). 3lnbererfeitö fprcd&en
übermiegenbe ©rünbe ber ©ered^tigfeit unb Silligfeit bafür, bafe bei ber
gcftftellung ber 2eiftungöfäl)igfeit beö @f)emauneö gegenüber ben aSermanbtcn
bcr e^cfrau bcr Stamm eineö Sonbcrguteö unb ein aSorbefjaltsgut bc8 e^c*
manncö w\6)t in S3etra^t fommt, fonbern babei nur baö ©cfammtgut, bcffen
(Srtrag, bie SRugungen bcr beiberfeitigeu Sonbergütcr (§ 1351) unb ber bciber-
feitige (Srmcrb ju ®runbe gelegt mcrben (§ 1363 3lbf. 1 Safe 2). 5Daö (Segen*
tf)eil mürbe über ben 3"^^*/ ^o& bem unterl^altöbered^tigten SJcrroanbten ber
efiefrau burd^ bie 9Jatur beö ©efammtgutcö i^r Unter^altöanfprud^ nid^t oer^
türjt m erben fott, I)inauöge]^en unb fbnnte ba^in führen, bag ber ©tiemcnn
nad^ aWafegabe bes § 1482 unter Umftänben ben einfeitigen Slbfömmlingen
ober ben fonftigen 93crmanbten ber S^efrau aus ber Subftanj feines Sonber*
gutes ober SBorbefjaltSgutes ben Unterhalt gcmätjren müfetc, namentlich bonn,
wenn bie (Sfiefrau aSorbel^aItö:= ober Sonbergut nic^t beftfet, aud6 ©cfammtgut
nidjt t)orf)anbcn ift. ^nroiefern ber (Seemann, mcnn er bie i^m nac^ § 1363
9lbf. 1 gegenüber ben SBcrroonbten ber ei)efrau obliegenbe Unter^altöpflid^t,
obmofil biefelbe ©efammtgutßoerbinbfid^feit ift, aus feinem SBorbc^altös bcjro.
Sonbcrgute erfüllt ^at, aus bem ©efammtgute ©rfafe verlangen fann, beftimmt
fld^ nad) ben §§ 1365, 1369, 1351 9lbf. 2, §§ 1417, 1420, 1428.
sBerücfr«^. ©eI)ort umgefelirt ber ©Ijcfrau ein SSorbelialtö* ober Sonbergut, fo fte^t
ÄÄ* ^^" 5Bcrmanbten ber (Sfiefrau gegen biefe neben bem nad& § 1363 3lbf. 1
ober ©onber. gcgcuübcr bcm 6f|emanne begrünbeten Unterl^altöanfprud^e nac^ aRofegabc bcr
ber
e^efrau. allgemeinen ©runbfäfee über bie gcfc6lid)e Untcr^altöpflid^t roegen beö Stamme«
beö Sonberguteö ober megen beö aSorbel)altögutcö ein felbftänbiger Unter^altö*
anfprud^ ju. S)a biefe Sßcrbinbti^fcit bie ßl)efrau lebiglid^ megen i^rcö SSor^
beljaltöguteö bcjW). Sonberguteö trifft, fo mu^ berfelben bie ©igenfc^aft einer
©efammlgutöoerbinblid^feit ijerfagt merben (§ 1363 3Ibf. 2). (Sin gcnügcnbcr
(Srunb, ben l)ier fragli^en Slnfprud^ alö einen nur fubfibiärcn 5u geftalten
für ben gall, bafe bie $8cnoanbten auö bcm Oefammtgute baö ©rforbcrlic^c
ju ifjrem Unterl^alte t)on bem ©£)cmanne uid^t erlangen fonnen, liegt nic^t
t)or. 3luf ber anbercn Seite entfprid^t cö aber bcm ^w^dt beö ©efammt^
gutcö, als SSermögen beö einen wie beö anbercn 6f)cgattcn ju bienen, bafe bie
Untcrf)altöpflid^t bcr G^cfrau gegenüber i^ren aScrmanbtcn infomeit, alö bcr
Gt)emann nad^ § 1363 9lbf. 1 bcnfelben a\\& bem Oefammtgute ben Unterhalt
JU gen)ät)ren oerpflit^tet ift, iebcnfallö im 33erl)ältniffe bcr @l)egatten ju
einanber bem ©efammtgute bcsm. bem ei)cmanne jur ßaft fällt. 3)icö bringt
bcr § 1363 9lbf. 3 jum SluöbrudEc. S)ic allgemeinen ©nntbfäfee über ben
(Srfafeanfpru^ bcr ©f)cfrau, mcnn biefelbe 3}crmcnbungen auö i^rcm 93ors
bcljaltö^ ober Sonbcrgute auf baö ©cfammtgut gcmad)t l^at, reid^en nid^t ouö,
um bcr Gtjcfrau, mcnn fic nad) ÜMafegabc beö § 1363 9lbf. 2 ilircn SBcrmanbtcn
Slfföcmeiue ®ütergememfd;aft. SJeranüüortlid&feit be§ Sl&emaimcS. § 1364. 379
ben Untcrl^Qlt aus i^rcm SBorbcl^altögute ober Sonbcrcjute 9ciüär)rt t)Qt, einen
6rfQjanfpru(^ gegen ben ß^cmann ju fidlem, ba bicfclbc burd^ biefe &q^
Währung bcß Unterhaltes in ®emäBl)eit be§ § 1363 3lbf. 2 nur eine eigene
SJerbinblic^Wt erfüUt {|at.
3u ben unter bic Seftimmung beö § 1363 faHenben Unterl^nltßanfprüd^en
gebort au^ bcr Unterl^attöanfprud) eines unc()elid&en fiinbes ber (SI)efrau
(oergl. § 30 W)l 3, §§ 1480, 1568). dagegen fommt bcr Uutertialtsanfprud^
eine« unehelichen Äinbes be§ Gf)cmanneS l)ier nid)t in Sctro^t, ba biefer 3In:=
fpru^, n>enngleid^ auf ber JBerroanbtfdioft berui)enb (§§ 1571, 1572), naä)
§§ 1573, 1574 nic^t t)on ber 2eiftungsfä^ig!cit bcs uncljelid^cn aSatcrS abf)ängig
ift, bas SRcd^t bes une^elidjen ÄinbeS, wegen biefes 3lnfprud^c§ Scfriebigung
andf aus bem ©efammtgute ju üerlangen, fiä) mithin fd)on aM ben allgemeinen
©runbfäßen über bie ®efammtgutöoerbinblid}feiten bcs G^emannes ergiebt.
lieber bie entfprciä^cnbe 9lnrocnbung bes § 1363 auf btn UntcrI)altS'
anfpru^ beS gefd)iebenen früf)eren Gf)cgatten t)ergt. § 1454 9lbf. 2.
§ 13G4.
3n Uebcrcinftimmung mit allen auf bcm ©oben ber (materiellen) all? »«antwort-'
gemeinen ©ütergemeinf^aft ftel)enben 3ied)ten unb, foüiel bie partifuläre e?cma\me*
©ütergcmcinfd^aft betrifft, mit bem franj. 9led)te (abmeic^cnb bas nur eine ™«ö«" ^«^
öufeerc ©ütcrgemeinf^aft fennenbe olbenb. ®ef. t). 24. 3lprit 1873 9lrt. 28beö'^fammt
§ 1, 9lrt. 13), gel^t ber ©ntrourf baoon aus, ba^ ber Gtiemann für bic 9Ius? «»te«.
Übung bcö i^m in Slnfeljung beS ©efammtgutcS juftel)enben SScrmattungs?
rechtes (§ 1352) grunbfafelid^ gegenüber ber ©ficfrau red[)tlid^ nid^t ücrantmortlid^
ift. S)cr 9IuSfc^lu^ einer fold^en red^tlidjen SBerantmortlid^fcit ift burd^ bas
SRefcn bcr allgemeinen ®ütergemeinfd)aft, bei mcldjcr baS beiberfcitige SBer-
mögen auf gemcinfamen (Sebeifi unb SBcrberb vereinigt mirb, geboten. ®inc
SerantroortUd^feit bes g^emanneS megen güfirung bcr SBcrmaltung bes ®c*
fammtflutes mürbe jubem bic ganjc Stellung bcs CI)cmanneS ju einer
uncrträglid^cn unb bie allgemeine ©üterg(jmcinfd^aft ju einer unerfd)öpflid^en
CueHc Don ©treitigfeiten machen. Wiener ©runbfag fd^liefit jcbod^ nidjt aus,
ba§ bcr (Seemann Dcrpflid^tct mirb, megen einer fold()en SBcrminbcrung bcs
©cfammtgutcS, meldte uon i^m in ber Slbftd^t, bie ©fjefrau ju bcnad^tlieiligcn,
bewirft ift, ju bcm ©efammtgute Grfag ju Iciften. Safe bem e()cmannc bei
Susübung feines SßermaltungSred^tcS infomeit eine Sd^ranfe gefegt mirb,
cntfprid^t ben allgemeinen SJlcd^tsgrunbfäfeen, nad) n)eld)cn Ungcbunbcnl)cit bod^
ni^t jur «rglift füfiren barf (ücrgl. auä) § 225 ; Gntfd^. b. 31. ©. in Straff.
XII, 113). Gbcnforoenig roiberfpri^t es jenem ©runbfa^e, ha^ bcr ©(jcmann
wegen einer fold^cn 5Bcrminberung bcS ©efammtgutcS für erfagpf[id}tig crtlärt
©irb, rocl^c bas ©efammtgut burd& ein nad^ ben 33eftimmungcn bes § 1353
unroirffames Slec^tsgefd&äf t bcS (5l)emanneS erlitten l)at ; bcnn f omeit bcr Icfetcrc
bie burd^ ben § 1353 feinem 33crn)altungSrcd^te gcjogcnen ©djranfcn über?
fcbreitct, I)onbclt er gegenüber ber ßfiefrau pftid^tmibrig, unb ftcf)t besl)alb feine
Serantmortlicbfeit infomcit mit ben allgemeinen ©runbfägen im ßinflangc.
»ie fxc^ ous § 1369 ergiebt, ift ber in bm gällen bcs § 1364 -oon bem
380 aHöemelnc ®üteröemdnfd&aft. SScrtocnbungen. § 1365.
(SJ^cmoimc 5u bem Ocfammtgutc 511 leiftcnbe ®rfag aber crft bei 9lufl5fuixfl
bcr ©ütcrgemcinfci^aft ju bemirfen. S)ic ^ier fragliti^c SScrbinblid^tcit bcö
©^emanncö f)Qt n\6)i bcn Äaraftcr einer ©efammtgutSüerbiublid^fcit, fonbcru
[teilt fid) als eine auö bem ©cmeinfd^aftöoerliältnijje felbft eutfprinöenbe SScr-
binblidjfeit beö @[)cmanueö gegeniibcr bcr ©f)cfrQU bar. S)ie ®rünbe, roelcftc
bcn ©ntiüurf bcftimmt l;abcn, bie ©rfagoerbinbUdjfeit in biefen, roie in onbcrcu
"^äUtn (§§ 1365, 1367) alö eine geroö^nlidje ©rfa^pfüdöt, nid)t bloß als eine ber
gemeinrcd^tlid^en Äollationöpftid^t anafoge Slnred^nnngöpftid^t bei bcr 3luö'
einanbcrfegung ju bc^anbeln, ftnb in ben SRotiüen ju § 1377 bargelegt.
sBcrantroort. Scfonberc Scftimmungcn über bic ^aftpflid^t ber ®f)efran fiir einen
berT^efrnu. ©c^^abcn, iüeld)en bie [entere bem ©cfammtgutc jugefügt l^at, finb in bcn
©ntrourf n\6)i aufgenommen, gär eine 9luöbel)nung beö (Srunbfa^cö, ba^ ber
Cfjcmann, abgefetien Don ben gftUen, in mefdjen er bie if)m im § 1353 gc*
fegten ©djranfen übcrf^reitet, gegenüber bcr ©(jcfrau lücgen einer aSerminbc-
rung beö Oefammtguteö nur im galfc eines qualifijirten dolus red^tlic!^
Dcrantmortlid^ ift, auf bie Haftung ber ®t)efrau lööt fid^ oUerbingß anfüF^ren,
ba^ eö ctroaö Slnftöfeigeö ^abc unb mit bem SBcfen ber Oütergcmcinfd^aft,
mit ber Oerc^tigteit unb Silligfeit nid^t im ®inf(ange ju ftc[)en fd^eine, rocnn
in ber liier fraglid^en S3ejiel|ung bie ß^efrau ungünftigcr bef)anbclt merbc, afe
ber ©fiemann. 2luf ber anberen Seite fommt {ebod^ in 93etrad^t, ba^ bic
befonberen ®rünbe, auf meldten bie ^ier fraglid^e Seftimmung beö § 136i
beruljt, infomeit, alö biefelben mit ber Stellung beö S^emanncö ju bem (Sc*
fammtgute jufammenl^ängen, bei bcr ®^efrau nic^t jutreffen, ba bicfer ein
Siedet, in bie SBerroaltung beö Oefammtguteö einjugreifcn, nid^t iuftel^t
3meifel^aft fann eö inbeffen fein, ob nid^t bie ©ad^tage bonn bicfelbc ift,
votnn bie ßt)efrau bei 3luöübung ber S^lüffclgemalt (§ 1278) ober bei 9luö^
Übung beö SRcd^teö, ben (Seemann im galle ber 3lbroefcnl;cit ober ßranf^cit
beöfelben bei Oefafir im 58erjuge ju vertreten (§ 1358), bem ©cfammtgutc
einen Sd^abcn jugefügt f)at. ®ine gcfegtid^e ©ntfc^eibung jener fragen ift
iebod) nidjt erforberlid^, jumal aud^ bie beftel^enben Siedete fid^ ieber befonberen
öeflimmung in ber l)ier fraglidjcn ^infid)t entl)alten Ijaben; oieImcf)r Dcrbient
eö ben 38orjug, bic ©ntf^eibung ber grage, inioieroeit bie Haftpflicht bcr
eiiefrau nac^ allgemeinen ©runbfäfeen begrünbet unb ob unb inroicmcit etroa
ber § 1364 JU einer analogen 9Inroenbung auf bie 6l)cfrau geeignet ift, bcr
SBiffenfc^aft unb ^rajiö ju überlaffen. Gine aWobififation ber ©rfagpflit^t
ber S^efrau crgiebt fid^ übrigenö aud^ für bie f|ier in SRebc ftet)enbcn gäUe
ouö bem § 1369.
§ 1365.
»erroen. ^^ ©nuangclung einer befonberen S3eftimmung mürbe ber G^emanu,
S"nnl« lücnji er an^ bem ©cfammtgutc SScrrocnbungcn in fein SSorbeljaltögut gcmad^t
aui bem fjat, fofern nid^t bic 3Sorauöfefeungcn beö § 1364 vorliegen, iebcnfaHö nur jur
^InTin"'*^ ^crauögabc ber jur 3cit ber 5Rcd&töf|ängigfeit beö Slnfpruc^eö noc^ üorijonbencu
»orbc^Qi«- Vereiterung nac^ SWafegabe ber allgemeinen ©runbfäge über Sd&ulbDcrljältniffe
^"^' ax\^ ungered)tfertigter SBcrcidjcrung (§§ 748, 739) oerpfli^tct fein. 9lber felbjt
bicfe i>crpflid)tung fonnte im .^inblicfc auf baö freie SScrmaltungörcc^t bcö
SlIlQcmcme ®ütciöeincinfd&aft. SSeimcnbunaen. § 13G5. 381
ß^etnanneö (§ 1352) in 3^^ifrf g^joflen rocrbcn. ®in fold^cö SRefuItat fonu
aber, ba bad ©efammtgut unb bai Sorbe^altögut bed @()emanned in bcv
^nb beö Icßtcrcn vereinigt fxnb, biefcr bal^cr Jebcr 3^it in ^^^* 2^9^ ift ^uö
betn Oefammtgutc SScrroenbungcn in fein 93orbel^oltöflut ju mad^en, olä ein
bcfriebigcnbcö ni^t ongcfc^cn werben; oielmeljr ift eö bei biefer befonberen
Sachlage geboten, jum ©d^ufec ber ©fiefrau pofitio einjugrcifen unb bcm freien
Serfügungörc^ite befl ©demonneß biir^ bie S3eftimmung eine ©d^ranfe ju
fejen, ba% bcrfcfbe, wenn er ©cfammtgut in fein SBorbel^altögut üerroenbet
\fii, bcn SBert^, welchen baö 93ern)enbete jur ^tit ber Säermenbung I;otte, ol^ne
Sürffic^t barauf, ob il^m ein 58erfd^ulben jur Saft fällt, ju bcm ©cfammtgute
JU erfejen oerpfCid^tct ift, «nbcfd^abet feiner SBerpPi^tung ium ©d^abenöerfofee,
fofcrn bic SSorauöfcftungen beö § 1364 vorliegen (§ 1365 3lbf. 1). ®aö bcn
Setzten ber partifulären ©ütcrgenteinfd^aft, inöbcfonbcre oud^ bem fronj.
Scc^tc, jii ®runbc ticgenbe ^rinjip, bafe bei SSerwenbungen auö bem ©cfammt-
gute in bad ©onbergut bed S^emanned nur bid }um belaufe ber ^ereid^erung
Grfot JU reiften ifl (ocrgl. bie SRotioe ju § 1420), fann für bcn l^icr in SRebe
fte^cnben gall um beöroillcn nid^t mafegebenb fein, meil baö SBorbcl^altögut
beö g^emanueö — im ©egenfafte jum Sonbergute beßfclben (§ 1351) — mit
bcm ©efommtgutc in feiner SBcrbinbung ftcl)t, fonbcrn gegenüber bcm Ic^tcrcn
eine ooUig fcfbftänbigc 33crmogcnömaf[c (ocrgl. § 1346) bilbet. Ucbcr bie Slatur
ber ^ier fvaglid&en ©rfafepftid^t ate einer gerool^nlidden ®rfagoerbinbfid^feit im
(^genfafte ju einer bloßen 2lnrcd^nungöpflid^t uergl. bie 9Jiotioe ju § 1377.
3luä) für bcn umgefc^rten gall, bafe ber ®I)emann aus feinem Söor^^ »<nücn.
be^otogutc eine SSerroenbung in baö ©cfammtgut gemadöt ^at, fönnen bie in eTemannl*
Snfe^ung ber ©rfafepflid^t bei SSenoenbungen auö bem Sonbergute beö (S\)e^ »"'blbttit?-
mannet in baö ©cfammtgut meiftenö ouf bcm S3obcn bes 33ereid[)crungSj gute in m
prinjipcd ftcl^cnbcn gicd^tc ber partifulärcn ©ütergcmeinfd&aft (ücrgl. bie a»otioe ©'^«'"»"taut.
JU § 1420) megen bcÄ ücrf^icbencn Rarofterö bcö ©onbcrgutcö unb bcS SSor-
be(mltdgutcd nid^t jum SSorbilbc bicnen. ©benfomenig pafet bic Slnalogic ber
Scftimmungcn über bcn 3lnfptud^ bcö Siicfebraud^crö auf ©rfag feiner SScr^
roenbungcn (§ 1010), ba ber SlieSbraud^er bie 9lufeungcn für fid^ allein bc*
^ic^t, xoS^unb bie Slufeungcn bcö ©cfammtgutcö Scftanbtf)cil bcö Icfetcrcn
werben unb beiben ®t|cgattcn ju ©ute fommen (§ 1342). 3lm einfad^ften unb
iufllcid^ am angcmcffcnftcn ift eö, roic im galle bcö § 1365 Slbf. 1, fo aud^
^icr ju bcftimmen, bafe bcm ©bemanne ber SBcrtl^, n)eld)cn baö SBcrroenbctc
}ur 3eit ber SBcrmcnbung ^attc, auö bcm ©cfammtgute ju crfc^en ift (§ 1365
Sbf. 2). 6ö fann jrocifcl^aft fein, ob cö einer fold^cn auöbrüdflid^cn S3c^
ftimmung bcbarf. ßrroägt man, bag baö SSorbcl^altögut bcö C^cmanncö unb
baö ©cfammtgut atö rcdEitlid^ getrennte 58crmögcnöriiaffcn fid) gcgcnüberftcf)cn
unb bafe ber ß^emann, abgcfcl^en von bcn Seftimmungcn beö § 1353, juglcid)
ber unbcfd&ränfte SBcrioaltcr beö ©cfammtguteö ift (§ 1352), fo läfet fid) bie
Anficht üertreten, bafe ber ©bemann, melier aM feinem 33orbcf)aItögute SBcr-
©enbungcn in baö ©cfammtgut mad^t, fofcrn nid^t mä) bcn Umftänbcn beö
gaUeö ber 9BiDe, baburd^ einen Slnfpruc^ gegen baö ©cfammtgut ju erlangen,
olö auöflefd^loffen anjufc|en ift, fd^on nad^ bcn ©runbfägcn über bie ©cfd^äftö^
fü^rung o^nc Auftrag ben ©rfa^ feiner Slufrocnbungcn o^ne SWüdffid^t barauf.
382 3tll0Cineinc ®ütcrötMtiein|$a[t. SSertüenbungen. § 1335.
ob ber bnx6) biefclbcn bcabft(i^tigtc ©rfolg eingetreten ift ober nid^t, verlangen
fann (§§ 753, 754 9lbf. 1). 9latf)fam ift cö jcbod), um Sroeifcl objuf^neibcn,
eine auöbrüdffidöe Scftimmung oufjunetjmen, jumal burc^ § 1365 9lbf. 1 aud^
ber umgefclirte gall befonberö geregelt ift. ©in genügcnber ®runb, bcn grfafe*
anff rud) bes 6f|emanneä — obroeid^enb t)on bcn allgemeinen Orunbfäßcn —
auf bie 33erei(^erung beö. ©efommtguteä jur 3^it ber 2luffofung ber Oemcins
fd^aft ober auf bie Sereid^erung jur ^di ber aiermenbung ju befd^ränfen, liegt
nid^t üor. 3nöbefonberc ift eine ®efäl)rbung beö Siitereffeö ber Ehefrau burc^
bie Seftimmung beö § 1365 3lbf. 2 nic^t ju beforgen. 2)ie lefetere fann um
fo weniger Scbenfen erregen, atö ber ß^emann fraft feineö SJerroaltungö^^
red^teö o^nel^in nid)t gefiinbert ift, wenn Slufioenbungen auf baä Oefammtgut
gemad^t merben foHen, ^d^ bieferl^alb an einen ©ritten ju roenben unb biefen
jur 58orna^me ber 9lufroenbungen ober jur 2)ar[ci^ung ber baju erforbcrtic^en
®elbfummen ju ücranlajfen, roobur^ bann eine ©efammtgutöoerbinblid^fcit
begrünbct werben würbe (§ 1359 3lbf. 1). 3luf bie SBereid^crung jur 3cit ber
SBerwenbung abäuftellen, ift, abgefel^en baüon, bai biefelbe regelmäßig mit bcm
SBBcrt^e beö SBcrwenbeten jur gcit ber Sßerwenbung jufammenfallen wirb, aud^
um beöwillen nid^t ju empfeljlen, weil ber Umfang ber Sereid^crung jur ^dt
ber 5öerwenbung häufig weit fc^werer nad^juroeifen ift, atö ber 9Bert^ bcö
SSerroenbeten jur 3^it ber SSermenbung. (Sine befonbere gcfcftlid^e ©ntfd^eibung
ber grage, ob ber bem ©t)emannc burd& § 1365 3lbf. 2 beigelegte ©rfafeanfprud^
bann auögefd^lojfen ift, wenn er ol^ne ben SBillen, ben Slnfprucö ju erlangen
(§ 754 3lbf. 1), gefianbelt Ijat, ift nid^t atö erforberlid^ crad&tet.
2)a6 in bcn gällen beö § 1365 ber ©rfaß erft bei ber 3luflofung ber
©emeinfd^aft jU bcmirfen ift, ergiebt fi^ a\x^ § 1369.
©ine befonbere 93cftimmung barüber, ob ber ei)emann bei 9luft5fung
ber ©ütergemeiiifd^aft aud) ben SBertf} beöjenigen, roaö er auö feinem SBor-
be^altögute 5U feinem eigenen ftanbeömäfiigen Unterhalte ocrroeubet ^at, alö
eine SBerroenbung von Säorbeljaltögut in Oefammtgut erfe^t verlangen fann,
ift wegen bcö fafuiftifd^en 5larafterö einer fold^en Seftimmung nid^t als an^
gemejfen, überbieö alö entbef)rlid& eradfitet, ba bei ber allgemeinen ©üter^-
gemeinfd^aft, weld&c regelmäßig unb i^rer 5Hatur nad^ allcö 83ermogcn ber
eiiegatten umfaßt, ein S^m^^l barüber, baß ber el;etidf|e Slufwanb, unb
inöbefonbere aud^ ber eigene Unterl^alt beö ©fiemanneö, bem ©cfammtgute jur
Saft fällt, ni(^t wol)l auffommcn fann.
aserwcn* gür bic göHc, in weld^cn SSerwenbungen auö bem Oefammtgute in haii
bÄammt. SSorbcl^altögut ber ©tjefrau ober auö bem le|;teren in ha^ Oefammtgut gemad&t
gute in hai fmb, f oll CO mit Slücfrid&t barauf, baß baö aSorbel^altögut ber ©^efrau unb bad
flut^tfr^ete- ©efammgut — rocnw man üon bem galle abfielt, in weld^em bie g^efrau bic
frau ober um. sßerwaltung beö SBorbel^altöguteö bem ©tjcmanne übertaffen ^at (§§ 1350,
sefe^t. ^^^^^ ^ ^^.^^ .^^ ^.^^^^ ^^^^ vereinigt finb, bei ben allgemeinen Orunbffiftcn,
inöbefonbere ben ©runbfäßen über bic ©efd^äftöfül;rung o^ne 9luftrag unb
über bie ©ereid^erung, fein S3ewenben tjaben.
Snroieweit wegen SBerwenbungen auö bem Sonbergute eineö ber ®^c*
gatten in ia& ©efammtgut ober auö bem le^tercn in baö ©onbergut ©rfa^
iu Iciften ift, beftimmt fi^ in ©cmäß^cit bcö § 1351 W)l 2 nad& § 1420.
I
J
ungemeine ®üteröcmcinfd&aft. SSertreubungen. § 1365.
383
3n bcn aKotioen iu §§ 1352, 1353 oben ©. 358 würbe bereite Iieroor:^ öewä^ninö
gehoben, ba& bcr ©bemann auf ®nmb ber §§ 1352, 1500 ol^ne ©inroiUigung paJ^'ng «u«
ber 6^cfrau bered^tigt ift, feinen einfeitigen Äinbern eine ben SSerl^ältniifen c^^^j®|*^
cntfpredjienbe aiuöftattung aus bem ©efammtgutc ju geroäfiren. ©aöfclbe gilt
oon 9tuöftattnngcn an einfeitige ftinbcr bcr S^cfrau, foiuelt biefelbcn burd^ eine
fittlic^e ^flid^t gcrcd^tfertigt werben (§ 1353 3lbf. 3). 3luf bem entgcgengefefeten
Stanbpunfte fte^t baö franj. 3?ed&t (code civü 3lrt. 1438, 1469 ; ücrgl. anä) W\.
6nlu). ly, 2 3lrt. 449, 466). 2)aöfelbe legt bie an einfeitige Äinber gegebene 3luö^
ftottung, Qutid wenn biefelbe nidjt gegen bie Seftimmung beö code civil 5lrt. 1422
ofrfi5§t unb beö^alb wirffam ift, immer aDein bem betreff enbcn @l)egatten
jur iJaft, befianbelt fie alfo wie eine SBermenbung von ©efammtgut jiim
öeften bed Sonbergutcö iencö @l)egatten. gür bicfc 9Irt ber ^Regelung löfet
nif anfü{)rcn, btt& bie 3luöftattung einfeitiger Äinbcr eines ®f|egatten ifjrer
Satur naö^ niift im gcmeinfd^aftlid^en Sntereffe beiber ©ijegatten, fonbern im
auftfc^lieglidb^n ©onberintcreffe bcdjenigen ®f)egatten liegt, beffen einfeitigen
itinbern bie Sludftattung gemätirt wirb, unb bag fte naä) ben über bie jloQation
geltenben ©mubfäfecn (§ 2162) tebiglid^ ber ©rbfd^aft biefeö ®l^egotten ju Oute
tommt. auf ber anberen ©eite ift inbeffen ju erwägen, bafe ba§ ©efammtgut
feinem 3n>edEe nad^ jur Sefriebigung ber 33ebürfniffe unb ber fittUd^en wie
ber tec^tlid^en 58erpflid^tungen fowot|I bed einen als beö anberen ©Regatten
bienen foB, oon bicfem Oefid^töpunfte auö bctrad^tet aber bie 3luöftattung ein-
fettiger Ainber eined ®t|egatten nid^t ald augcrl^alb bcr ^\mdt bed ©efammt^
Bitte« liegenb betrautet werben, mithin aud^, oorbefialtlid^ ber SBorfd^rift beö
§ 1368, feine ßrfaftpflid^t jenes ®I)egatten begrünbcn fann. 2)ireft fommt
subem bie an einfeitige Äinbcr gegebene 3luSftattung bem jur ©cwäfjrung
berfelben fxttlid^ oerpflid^teten ßl}cgatten ebenf owenig ju Statten, wie bem
anberen ©Regatten. 3)ie 2Roglid)feit aber, baß biefelbe ben ßrben bcs aus^
jlott€nben ©Regatten ju @utc fommt, tjcrmag bie Segrünbung einer ©rfa^*
»erbinbli(^fcit ebenfowenig ju rcd^tfcrtigcn, wie aubere SSerwenbungen aus bem
@efammtgute, beren golgen naä) 3luflöfung ber Ocmcinfdbaft tfjatföd^lid^ nur
bem einen ober anberen ©fjegatten ju Oute fommen, j. S. 9lufwenbungcn jur
Criemung ober Scgrünbung eines Berufes, jur SBieber^erfteDung ber jerrütteten
©efunb^cit eines ©l^cgattcn u. f. w. S)ie beutf^en Oütergemeinf^aftsre^te
emw^nen bie l|icr in Mebe fte^enbe J^^agc meiftens gar nid&t, was fi(^ baraus
erflärt, bafe bei ©ingetjung einer ©t)e mit Oütergemeinfd^aft bie Äinbcr aus
einer früheren 6^e regetmäfeig abgcfunben werben ober eine ©infinbfd^aft gc^
fcftloffen wirb. 5ßrinjipieU aber bürfte ber ©tanbpunft ber beutfd^en ©üter>
gemetnfc^aftsrec^te mit bem ©ntwurfe übereinftimmcn. Safe für 3uwenbungen
ou« bem Oefammtgute an gemcinf^iaftlid^e 5Unbcr, fofern biefelben bur^ eine
fittli(|c $fli(^t gerechtfertigt werben, insbefonberc für bie ©ewä^rung einer
Susftottung an biefelbcn, Dorbelialtlid^ ber SBorfc^rift beö § 1368, fein ©rfag
geleiftet ju werben braud^t, ergiebt fid^ aus ber bargelegten 3luffaifung Don
felbfl (oergL über ben eigent^ümlid^en ©tanbpunft beS franj. Siebtes in biefer
^nfi(|t code civü «rt. 1438, 1439).
Ob unb inwieweit in folc^en gällen, in weld^en mit ©inwiDigung ber s<^cniunöen.
©Wrou ©d^enfungen an einfeitige Stbfommlinge eines ©fiegatten gemadjt fmb.
384 Slllöemeine ®ütcröememfd6aft. SSeracnbungcn. § 1366.
tocld&c nidöt biird^ eine fittU^c ^ßflid&t ober bie auf ben Slnftonb ju nc^menbc
SHücffid^t gered^tfertiflt werben, ober in roeld^en oon einem ©Regatten ous-
bcbungcn ift, ba^ bie ©c^enhmg als oon i^m allein erfolgt angefcl^cn rocrben
fotte, bcr betreffenbe ©fiegatte ju bem ©efammtgute ©rfaß ju leiftcn ocr-
pflid^tet ift — roaö für bie Slnred^nung ouf ben 5ßflic^ttl^ciO ben aufecrorbcnfc
liefen 5ßflid&tt^eil unb bie Slußglcid&ungöpflid^t SBebeutung ^at (ocrgl. §§ 1991,
2017,2162) — , f)ängt von ben Umftänben befi einjelnen gaUeö ab; eine bc^
fonbere S3eftimmung in biefer ÜRid^tung ift nid^t geboten.
§ 1366.
««' 3)ie S3eftimmung beö § 1366 oerfolgt für bie Oütergemeinfd^aft benfelben
"'für'bt?" 3ttJctf/ n)eld^en für baö gefefelid^e el^elid^e Oüterred^t ber § 1297 9lr. 5, 6 unb
«St" ^^^ ^^ ^^^^' ^^^^ ^^^^^' ®^^ ^^^ ^^^^ ^^ ^^^^ fte^enben ausgaben bem
Reiten ©efammtgute jur Saft fallen muffen, entfprid^t ber S3eftimmung beö lefttcren,
ber ß^rau. ^jg Sßermögen beö einen, wie beö anberen ©l^cgatten ju bienen. (Sin bem
§ 1297 9lr. 6 Safe 2 entfpred^enber S^fafe, ba§ bie ®f)efrau, menn fic in
einem gegen fie gerid^teten ftrafrcd^tlid^en SBerfal^rcn üerurt^eitt ift, bie a\i^
bem ©efammtgute aufgeroenbeten Äoften ju bem ©efammtgute ju erftatten
l^at, ift entbefirli^. 2)iefe ©rftattungöpflid^t ergiebt fid^ börauö, ba§ bie
I)ier fraglid^e SScrbinblid^f eit , ju bereu ©rfüllung SRittel beö ©efammtgute«
uerroenbet finb, fi^ alö eine fold^c barfteüt, mefd^c auö bem burd^ eine uu=:
erlaubte §anblung ber ©fjefrau l^erbeigefüfirten ®trafücrfa{)ren entftanben ift
unb beö{|atb unter bie SBeftimmung beö § 1367 5Rr. 1 fällt.
§ 1367.
(<iem«nf(f)Qft* 35em ©runbgebanfcn ber allgemeinen ©ütcrgemeinfd&aft, bei meld&er baö
wljamm" beiberfeitige SSermögen ber ef)cgatten auf gemeinfamen ©ebei^ unb SSevberb
flutsDerbinb* vereinigt werben foll, cntfprit^t eö, bafe alle ©efammtgutöüerbinbtici^feiten,
h^ifettcn. ^^ j^ biejenigen SBerbinblid^feiten beö einen ober anberen ©Regatten, megen
bereu bie ©laubiger auc^ auö bem ©efammtgute Sefriebigung oerlangen
tonnen (§ 1359 Slbf. 1), aud^ im aSerljältniife ber ©Regatten ju einanbcr bem
©efammtgute jur Saft fallen muffen. $Dagegen erftredEt [x6) biefer ©runbfa^
uid&t auf biejenigen 3Scrbinblid)feiten, meldte überhaupt nid^t ©efammtgutfi-
uerbinbli^feiten finb, b. l). auf bie im § 1362 unb im § 1363 3lbf. 2 Safe 2
bcjeid)neten 58erbinbli(^feiten ber ©Ijcfrau, ba baö ©efammtgut bur^ biefe
aSerbinbtid^feiten überall nic^t berührt mirb. 3ener ©runbfaj erleibct aber
in Slnfel^ung geroiffer ©efammtgutöoerbinblid&feiten 9luönal)men in bev ^xi,
bag biefe aSerbinblid^tciten nid^t bem ©efammtgute, fonbem bemienigeu ©t>e^
gatten jur Saft fallen follen, in beffen 5ßerfon pc entftanben finb. S)iefe
Sluöuafimen finb im § 1367 Slbf. 2 beftimmt. 2)ie Sebeutung beö ©runb^
fageö, bafe bie ©efammtgutöoerbinbtid^feiten aud^ im SBerfiöltniffe ber ©^
gatten ju cinanber bem ©efammtgute jur Saft fallen, ift einerfeitö bic^ b<x%,
menn eine unter biefen ©runbfag fallenbe ©efammtgutöüerbinblid^feit eines
©ijegatten auö beffen 93orbef)altö:^ ober Sonbergutc getilgt ift, biefem G^e^
j
SOIö. ®utcr0cmcinfd6. ©cmcinfd&aftlid&fcit bcc aScrBinblid^fcitcn. § 1367. 385
galten aud bem ©efornrntgute @rfag geletftet werben mug^ imb jiDar bcr
g^ou fd^on loä^rcnb bcfte^cnbcr Outergcmcinf^oft, bem ß^emonne bagegen
erft bei ^[uflofung bcr leßteren (§ 1369), anbererfcitft bic, bag na6) ber 9luf?
(ofung ber ©ütergemeinf^aft bei ber äludeinauberfegung loegen bed ©efammt^
gute« iebcr (g^egattc oeriongen fann, bafe biefe ©efammtguteüerbinblid^fciten
iundd^ft aus bem (Sefammtgute berid^tigt tocrben (oergl. §§ 1376, 1377 9lbf. 1
nebfi aKotioen ju § 1377). S)er ß^cfrou gegenüber fiaftet ber 6[)emann aufecr*
bem perfönlii^ wegen beft ber erfteren ju teiftenben ©rfaßcö, rocnn eine ®e*
fttmmtgutdoerbinblid^feit ber ß^efrau, roel^c im SBerl^öltniffe ber G()egatten ju
einanber bem ©efommtgute jur Saft fällt, auö bem SBorbefialtögute ober bem
Sonbergute ber ©fiefrau getilgt ift, ba, wie auö bem § 1380 fid^ ergiebt unb
in bcn SKotiocn ju bicfcm ^ragrap^en näl)er gerechtfertigt ift, ber (Sntrourf
ttuf bem ^rinjipe benil^t, bafe ber ©fjemann alle (SefammtgutSüerbinblid^feitcn,
©eld^e im 9Serbältni{fe ber ©Regatten ju einanber bem ©efammtgutc jur ßaft
fallen, aud& gegenüber ber @^efrau allein ju tragen verpflichtet ift, bic lefeterc
mithin an bcr ©inbufee nid^t 2:l|eil nimmt. S)ie im § 1367 9lbf. 2 bcftimmten
Sudnabmcn l^abcn bagegen bie ^ebeutung, bag, menn eine ber bort be^
jad^ncten ©cfammtgutßoerbinblic^feitcn aud bem ©efammtgutc getilgt ift, mä)
SKafegabe bcö § 1369 oon bem betrcffenben ©Regatten ju bem ©efammtgutc
etfüft geleiftct roerben muß, unb nad^ §§ 1376, 1377 3lbf. 1 feber (S^cgatte
ttüc^ Suflofung ber ©ütergcmcinfd^aft oerlangen fann, ba^ bie bem anbercn
Chatten allein jur fiaft fallcnbcn ©efammtgutöücrbinbU^feiten bei ber
Sudeinanberfc^ung nid^t aud bem ©efammtgutc berid^tigt merben.
3u ben cinjclnen im § 1367 3lbf. 2 bcftimmten Sluönal^men oon bem siusnaJuncn.
®ninbfo|c bcö § 1367 3lbf. 1 ift gotgenbeö ju bemerfen:
1. SBennglci^ nad^ bem ©runbgebanfen ber allgemeinen ©ütergcmein« sjerbinbii.!}.
fc^ft bie ©Regatten auc^ in mirtfif^aftlid^cr 95ejiel)ung ©lüdf unb UngtüdE ^'^^^
mileinanber t^eilen foBen, fo erfd^eint eö bod^ als eine Ueberfpannung iencö an «nenau^cji
W bcrcd&tigtcn ©runbgebanfend, unb fann eß nid&t als im ©innc beö auf •^'^""""ö'^"'
Smfudntng ber allgemeinen ©ütergemeinf^aft gerichteten 33ertraged betrad^tct
locrben, roenn man biefeö 5ßrinjip im SBer^ättnifJe bcr Sl^cgattcn ju einanber
auc^ auf bie unter Umftänben fel^r meitgel^enben Dcrmögensre^tlicljen folgen
unerlaubter ^anblungen ann)enben mollte. 2)a}u fommt, bag, menn man bie
Lüftung ber (S^efrau für bieienigen ©cfammtgutdocrbinblid^fcitcn, meldte im
Scr^oltniRc ber ß^egatten ju einanber bem ©efammtgutc jur Saft fallen, mit
bem ©ntrourfe (§ 1380) auf ben Setrag beö ©efammtguteö befd^ränft, bic 9lm
wenbung ber SRegcI beö § 1367 SKbf. 1 auf bic ©efammtgutöüerbiublid)fciten
am unerlaubten ^anblungen ju einer offenbaren Ungcredfitigfcit führen mürbe.
^M tritt Aar ^eroor, menn bie bei Sluflöfung bcr ©ütergemcinfd&aft oor^
^nbene Ueberfd^ulbung bed ©efammtguted Icbiglic^ burd^ SSerbinbUd^fciten
ttud unerlaubten ^anbtungen, meldte Don ber ®f|efrau mä^renb bcftc^enbcr
©ütcrgemeinfi^aft begangen finb, l|erbeigefül)rt ift. 2)cr ©runbfafe beö § 1367
9ttf. 1 in aSerbinbung mit bem ^Prinjipe beö ©ntrourfcö, ba^ ber ®[)cmann bie
unter bic SRegcl beö § 1367 5Äbf. 1 fallcnbcn aScrbinblid^feitcn gegenüber bcr
(S^ou ollein ju [tragen ^at, mürbe bal^in fülircn, ha^ ber (Seemann gegen*
über bcr ß^efrau ücrpflid^tct märe, iene aSerbinbtid^feiten aud& über ben Sc*
386 Slflfl. ©ütcrucmeinf*. ©emeinf ^aftlid^fcit ber SerBinblic^fciten. § 1367.
ftonb bcö ©efammtguteö l^inauö ju tragen unb fein etwaiges gSorbcl^altö:^ ober
©onbergut unb feinen fünftigen (grroerb jur SCilgung jener SBerbinblid^feiten
}u üerrocnben, njötirenb ber ®^cfrau il^r aSorbel^altö* ober ©onbergut, fowie
il^r fünftiger ©rroerb ungefd&mäfcrt oerbliebe unb fie, roenn fie barauö i^re Oläu-
biger l^ätte befriebigen müjfen, biefer^alb oon bem ©bemanne fogar ©rfal oer:^
langen fönnte (§ 1380). 2)iefe Ungered^tigfeit läfet fid6 aber, wenn man bie
bcfd^ränfte Haftung ber S^cfrau oud^ im 93ert|äftniife ju bem 6^cmannc
grunbfäfeUd^ feft^olten unb anbererfeitö in ber ^ier fraglid&cn 33ejie^ung ben
Ehemann unb bic ®t)efrau ben 3lnforberungen ber ®ere(j^tigfeit entfprcd^enb
gleid^ bel)anbeln miD, nur baburd^ ücrmeiben, ba% man bie ^icr in SRebe
ftcl^enben SSerbinbUd&feiten im SBer^öItniffe ber ß^egottcn 5U cinanber bem*
jenigen ©Regatten jur Saft legt, in beffen ^erfon fte entftanbcn fxnb ('§ 1367
9lbf. 2 gir. 1 ; oergl. bamit § 1316 3lbf. 2 3lx. 1). 9lud^ bie beftefienben SRed&tc unb
bie neueren ©ntroürfe enthalten, fooiel bie bicr fraglid&en 93erbinblic^feitcn
eines ©Regatten betrifft, mel^rfad^ SWobififationen ju Ounften bes anbcrcn ®^e*
gatten, inbcm fie tl^cils oorfd^reiben, bafe für jene 93erbinblid&fcitcn junäci^ft ba&
©onbergut bcS betreffenbcn ©fiegatten fiafte (fo bic Sied&tc üon SBürjburg,
erba^ unb gulba; t)ergl. aud) njürttcmb. entm. §§ 249, 252; l^eff. ©ntro. IV, 2
3lrt. 462, 465, 466), t^cils beftimmen, bai ber für f oId)c SSerbinblid^feitcn aus
bem Oefammtgute bcjal^Ite S3etrag auf ben bem betreffenben ©Regatten bei
Sluflöfung ber ©emeinfd&aft jufallenbcn 9lnt^ci[ bes ©efammtguteß ansured^nen
fei (fo bic SWec^te üon SBürjburg unb ßaftell unb, fofern ber anbere ©begatte
fid^ bic ©ntfc^äbigung oorbel^alten bat, baö bamb. S. 9t. ; üergl. aud) bcfi.
entro. IV, 2 3lrt. 465, 467; loürttemb. entro. §§ 293—296, 298, e^renbrcitfl.
entm. § 91). S)aS franj. SRed^t (code civil 9lrt. 1424) unb baö prcufe. 21. 2. 91.
II, 1 §§ 384, 385, 390 fd^reiben eine fotd&e änrec^nung nur für ©elbftrafcn
bejm. für biefc unb bie Unterfud&ungsfoften üor. SBenngleid^ mit einer Der*
artigen Sefdjränfung gemiffe praftifd^e aSort^eilc üerbunbcn fein mögen, fo
fommen biefelben bod^ gegenüber ben für eine 3luSbe^nung auf alle SBcrbinb^
lid^feiten aus unerlaubten ^anbhmgen fpred^enben (Srünben nid^t cntfd^ibenb
in S3etrad^t.
ou« einem ttuf 2. ©ic im § 1367 9lbf. 2 3lv, 2 beftimmte aiusna^me in Änfe^ung
j,g^fj®*j;^JoId^er aSerbinblid^feiten, meldte aus einem auf bas 93orbei)aItSgut ober bas
sonbergut ©oubcrgut fid[) bcjiebenben SRed^tSoerl^äftnijfe, menn aucb oor bem ©intritte
IVZt^! ^^^ ©ütergemeinfd^aft ober oor bem 3eitpunfte, in meld&em baS Out »or^
oer^aitntffe, bcl^oltsgut obcr ©onbergut geworben ift, entftanbcn fxnb, entfprid&t bem § 1316
Slbf. 2 9Jr. 2 unb ergiebt fid^ aus ber 5Ratur unb bem gmedfe bes ©onbergutcs ober
aSorbctialtSgutes (üergt. code civü airt. 1409 3h:. 1, 2, STrt. 1412, 1437).
3m ©injelnen wirb, foüiel bie 2:ragn)eite biefer SluSnal^me betrifft, auf bic
aWotioe JU § 1316 unter SRr. 2 oben ©. 263 ff. »cjug genommen. Äufi ben
bortigen Slusfü^rungen ergiebt fid^ insbefonbere, ba& bie gefegliddc aSerpflid^tung
bes g^emannes jur Oemätirung beS Unterl^alteS an aSerwonbte unb an ben
unfd^ulbig gef^iebenen frül^eren e^egatten, fomeit biefc SScrpflic^tung Icbiglic^
burd^ ben SBcfi^ ton SBorbe^alts^ ober ©onbergut begrünbet ift (oergl.
§§ 1363, 1454 9lbf. 2), ebcnfatts unter bie SluSnal^me fättt. 3)ie gleid^c SJer*
pp[id^tung ber e^efrau fommt bagegen ^icr nid&t in »etrad^t, ba biefelbc nacft
OTfl. ©ütcrgemcinfcfi. ©enidnf^aftrid&fett ber SSerbinblid&feitcn. § 1367. 387
§ 1363 «bf. 2 ©afe 2 unb § 1454 9lbf. 2 übcrl^aupt nid^t ©efammtgut«^
wrbinbUd^fcit ift.
®ic «uöno^mc bcö § 1367 5abf. 2 SRr. 2 foll jeboc^ nid^t ^lafe S^^^ifen,
fonbern bic SRcgel bc« § 1367 Slbf. 1 eintreten in 9lnfcl^ung folt^er SSerbinb*
li^feUen eines (g^cgatten, roeld^e m6) Eintritt ber ©ütergemeinfd^aft burc^
ben Setrieb eineö für SRed^nung beö ©efonimtgutcö t)on bem betreffenden ß^e^
gatten betriebenen @m)erbdgefd^äfted ober in ^olge eined äteci^ted ober beö
Sefifted einer ©ad^e, roelc^e ju einem fold^en ©rwerbögefd^äfte gel^oren, ents=
fionben finb. (So rechtfertigt ft^ bieg baburd^, bafe auä) ber ©rrocrb aus
einem fold&en ©rroerbsgefd^äfte beö einen ober anberen ©Regatten unbefd^rfinft
bem ©efammtgute jufällt (oergl. § 1351 5Rr. 4 Derb, mit §§ 1414, 1342).
SDorauö, in SJerbinbung mit bem ^rinsipe beö ©ntmurfeö, ba% bie ®f)efrou
wegen ber unter bie SRcgcI beö § 1367 2lbf. 1 foDenben SSerbinblic^feiten aud&
im aSer^äftniffe ju bem ©bemanne ni^t über ben Seftanb Des ©efammtguteö
^inüuö tieftet, fonbern ber ©b^Jn^nn bie ©inbufee allein }u trogen bot (§ 1380),
ergiebt fi^i otterbings, bafe ber ©^emonn aud^ in 9Infe^ung ber \)kx fragfid^cn
Serbinblid^feiten ber ©befrau, foroeit ha^ ©efommtgut nid^t auöreid&t, ber
ßb^frau für ben Sluöfall perfönlid^ l^aftet. Snbeffen liegt ber nötbigc ©d&ufr
für ben Seemann infomeit in feiner Sefugnife, gegen ben Setrieb beö ©rroerbö?
gefc^äftcs burd^ bie ©befrau ©infprud^ ju erlieben ober bie eribeilte ©in^
wiHigung jurücTjune^men (§§ 1356, 1307), unb fommt weiter in Setrad^t,
bcr§ berfelbe über ben ©rroerb aus bem ©rroerbsgefd^öfte nad^ SWafegabc bes
§ 1352 }u perfügen bered^tigt ift. S)em entfprid^t es, bafe bas ©noerbsgefc^äft
ber ©b^f^öi^ öu4i in 9lnfebung ber aus bemfelben entftebenben SBerbinblid^*
feiten nid&t nur nadb außen (§ 1362 3lr. 1, 3, § 1359 9lbf. 2), fonbern audb
im SSerboItniffe ber ©Regatten ju einanber gerabe fo wie ein ©rmerbsgefd^äft
bes &^tmannt& felbft angefeben mirb (»ergt. bie 9Motit)e ju § 1429 unter 2).
3)a6 femer bie SKuSnabme bes § 1367 2lbf. 2 9ir. 2 in 9Infe^ung fold^er
SScrbinblid^feiten bes einen ober anberen ©Regatten, meld&e ju ben nad^ ben
Sorfd^ften beS § 1418 Don bem ©efammtgute ju tragenben Saften bes Sonber*
gutes geboren, feine SKnmenbung finben foD, grünbet ftc^ barin, baß nad6
§ 1351 3tbf. 1 oerb. mit § 1411 Slbf. 2 baS ©onbergut für Sied^nung beS
(SefammtguteS Derroaftet mirb unb aud^ bie SRugungcn bes ©onbergutes nad&
SRafegabe bes § 1411 Slbf. 2 bem ©efammtgute jufallen, nad^ bem SBefen ber
©utergemeinfd^aft aber rüdffid^tlidb ber grage, mer jene Saften ju tragen bot,
CS Hiebt barauf anfommen fann, mieoiel in bie ©emeinfd^aft aus ben ©rträg^
niffen ber beiberfcitigen ©onbergüter ftiefet.
3. «niangenb bie SuSnal^me bes § 1367 3lbf. 2 3lx. 3, fo fmb bie ««« ^« ««t»-
SertinWidfefeiten beS ©l^emannes, meldtie aus ber 5Wu6nie6ung unb SKermattung TcStung
eiittd ©onbergutes ber ©befrau biefer gegenüber entftanben finb, insbef onbere "J*«* ®^"^f^]
bie i^ wegen 93erfd^ulbens bei aiusübung ber ^Rufcniefeung unb SSerroaÜung *^"'*frau,
bes ©onbergutes treffcnbe ©rfafeüerbinblid^feit (t)ergt. § 1351 9lbf. 2 üerb. mit
§§ 1417, 1292, 1004, 1324), nad^ § 1359 ©efammtgutSoerbinbUd^teiten unb
vriirben bicfelben in ©rmangelung einer befonberen Seftimmung unter bie
Stegel bes § 1367 äbf. 1 fallen, mitbin, fomeit bas ©efammtgut reid^t, üon
ber ©^rau im SSerbältniffe ju bem ©fiemanne jur ^älfte ju tragen fein. ©S
25*
388 Slllö. ® uteröcmeinf(^. ©cmciufiaftlid&feit bcr SSerbinbli^feitcn. § 1367.
fann jmeifet^aft fein, ob cS niij^t bcn SBorjug ocrbicncn würbe, cd in bicfcr
§infid[|t bei ber SRegcl beö § 1367 3lbf. 1 ju belaffeit. 2)afür fann namentlich
geltcnb gemacht werben, bafe bie 3lu6nie6ung unb SSenoaltung beö Sonbergutcö
na6) §§ 1351, 1411 2lbf. 2 für SRed^nung bcä ©efammtguteö erfolge unb bcr
Seemann, obgefcl^en üon bcn ^llcn beö § 1364, ber g^efrau gegenüber für
bie SSerroaltung beö ©cfammtguteö nid^t ücrantTOortlid^ fei, bie ®^cfrau mithin
Qu^ bie Qud einer 9lad^(äfftgleit bed @^emanned bei 9[udübung biefer 93er^
roollung für ben legteren cniftonbenen SBerbinbliiJ^feiten bis jum belaufe bcd
©cfammtguteö mitjutragen l^abc. S)ieö wirb in ©rmangclung einer bcfonbcrcn
83eftimmung inöbcf onbere aud^ für baö franj. SRcd^t angenommen in ©cmäg^eit
ber Mcget, hai alle SBcrbinblid^fciten beö @()emanncö jugleid^ SScrbinblid^feiten
bcr Oemeinfd^aft finb (Dcrgl. code civil 3lrt. 1428). Ucbcrmiegenbe ©rünbe
bcr 33ittigfeit unb bie SRüdfid^t auf bie ©id^erung beö ©onbergutcö bcr ©^c-
frau gegen ®ingriffc beö ß^emanncö fpred&en inbeffcn bafür, bie f)xcx fraglid^en
SBcrbinblld^fcitcn beö ®^emanneö, meldte materiell bireft jroif^en bicfem unb
ber Ehefrau entftel)en unb beftcljcn, nid^t bem ©cfammtgute, fonbem allein
bem ©bemanne jur Saft ju legen, forocit nid^t baö ©cfammtgut berei^ert i)l.
©oroeit legtcreö bcr gaU, minbert ftdd ber 3lnfprud^ bcr 6l)cfrau, ba Re in«
foroeit auö bem ©cfammtgute bei bcr 3luöeinanbcrfcfeung (grfafe erhält (§ 1351
3lbf. 2 oerb. mit § 1420). gür bie ©ntfd^cibung bcr grage, ob baö ©cfammt«
gut bercid^ert ift, tann aber nid^t ber 3^itpunft alö mafegebenb betrad^tet
merben, in rocld^cm burd^ bie ^anblung beö S^emanneö eine Vereiterung
beö ©cfammtguteö auf Soften beö ©onbergutcö bcr ß^efrau einmal eingetreten
ift, ba, wenn man biefen 3^itpunft ju ©runbc legen roollte, bie (S^efrau,
fofern bie Screid^erung beö ©cfammtguteö fpöter roeggcfallcn ift, nac^ ber
JHegel beö § 1367 9lbf. 1 bie l^icr fragtid^cn SKcrbinblic^fcitcn beö ©^emanncö
biö jum Selaufc beö nod^ uorl^anbenen ©cfammtguteö jur ^älftc trogen
müfete, bcr Qmd bcr Scftimmung beö § 1367 3lbf. 2 Sir. 3, bcr g^efrau
if)r ©onbergut ju crl^attcn, mithin nid^t errcid&t mürbe. 3)arauö, baß bcr
6f)cmann über baö ©cfammtgut frei verfügen fann, ol^ne ber ©l^cfrau ijcr*
antmortli^ ju fein, unb bafe bie teßtere bcn SScrluft beö ©cfammtguteö mit*
jutragen l^at, folgt nid^t, bafe baburc^ anä) ber ju i^rem ©onbergute gc^örcnbc
©rfaganfpruc^, rodeten fie gegen ben ©bemann pcrfönlid^ einmal erroorben
l^at, eine aWinbcrung crlcibet. ©ntfd^eibcnb fann l^iernac^ nur fein, ob ba^
©cfammtgut jur ^tit bcr Sluöcinanbcrfeßung (§§ 1351, 1420) nod^ auö bem
©onbergute bcr ©^efrau bcreid^ert ift, unb jroar l^at bcr ©^cmann ju bcmeifen,
ba^ unb inroiemeit eine fold&e Sereid^erung ju icner ^txt Dorlianben ift.
aui 9ie4t»- 4. ®ic im 3lbf. 2 Sir. 4 beftimmte 2luöna^me entfprid^t bem § 1316
ftreitiflfeiten. gjf,f^ g 3lv. 3. S)cr Sufaft „Co fci bcuu, bafe gehört" ift im ^inblirfe
auf bie ScrüdEfic^tigung beö ©onbergutcö eincö bcr ®l|cgattcn im § 1351
3lbf. 2 Sir. 2 in aSerbinbung mit § 1351 9lbf. 2 unb §§ 1418, 1297 3[bf, 1
9ir. 5 crforbcrti(^.
eonpiße Unter ben aiuönaf)men beö § 1367 3lbf. 2 fmb nid^t aud^ bieienigen
^^wün*"*^' aSerbinblid^feitcn beö ©f)cmanneö befonberö crn)äf)nt, meldte bcr lefetcrc in ber
9lbfi(^t, bie ©liefrau ju bcnad^tl^eiligen, eingegangen ift (§ 1364). @ö ift bieft
nic^t alö crforberlid^ erachtet, ba bie 33elaftung beö ©cfommtgutcö mit einer
..j
aao. ©üteroctneinf*. ®cmctnfd6aftri(]&fcit bcr SctBiubltdjfeitctt. § 1367. 389
Scrbinblid^feit fd^on eine SBenninberung beö festeren cntl^ält, ber Seemann
mithin, toenn er eine SScrbinbUd^feit in ber Slbfic^t, bie ©^efrou ju benad^*
t^iflen, eingeölt, nadö ^^^ §§ 1364, 1369 gegenüber ber S^cfrau bieferfialb
bei Suflofung ber ©ütergemcinfd^oft ju bcm ©efammtgute ©rfafe ju leiften
perpflid^tet ift. S)arauö folgt non felbft, baß jene SBerbinblid&feit im 93er^
laltnijfc bcr ©ficgatten ju einanbcr nid^t bem ©efammtgutc jur Saft fällt,
ßbenfoioenig broud^en fold^e Säerbinblid^Ieiten beS e^cmanneö berüdffiditigt ju
werben, welche für i^n burd^ Ucberf^rcitung ber im § 1353 feinem SSerroaltungö^
rtt^c gejogencn ©d&ranfen, fei eö gegenüber ber ®{|efrau, fei es gegenüber
^Dritten, entftonbcn finb. ©oroeit il)m borauö mä) § 1364 eine ©rfafe*
wrbinbli^feit gegenüber ber ß^cfrau cnoad^fen ift, l^anbeft eö fid& überl^aupt
nidfi um eine Oefammtgutöoerbinblid^feit (§ 1359 Slbf. 1), unb fommt beö^alb
eine folt^e SSerbinbtid^fcit auö biefem ©runbc l^ier nid^t in Setrad^t. 3ft
in einem fold^en ^De etwa auf ®runb cined S3etrugeö beö ©liemonneö
eine Sd^abenöerfa^oerbinbliddfeit bcö legtcrcn gegenüber einem ©ritten be^
grünbet, fo finbet § 1367 3lbf. 2 ?Rr. 1 änmenbung. ©omeit aber bem
Xritten, roeld^er aus einem nad^ § 1353 unmirffamen SRed^tögefd^äfte beö
Cbemanncö an biefen geleiftet bctt, ein Sereid^erungöanfprud^ jufte^t, muß bie
entfpred^enbc SSerbinblid^feit aud^ im 33crf)ältniffe ber ©Regatten ju einanber
eine ©efommtgutönerbinblid^feit fein.
3lid)i berüdEfid^tigt ift ferner im § 1367 9lbf. 2 bie aM ber gcfe6[id)en
Unterhaltspflicht ber ®f)efrau gegen btn G^emann roäl^renb beftebenbcr ©emcin^^
f(^oft entfte^cnbe SSerbinblid&feit (§ 1281). Gö würbe einen inneren 2Biber*
fpruc^ entfialten, menn man biefe SBerbinblid^feit ber ©l^cfrau, roelcbe nad^
§ 1281 nur eintritt, foroeit ber ©^cmann megen aSermögenötofigfeit «nb
©noerbdunfäl^igfeit fic^ felbft ju unterf)alten nid^t nermag, im Sßerl^ältniffc
bcr 6(^gatten ju einanber als eine bem Oefammtgute jur 2aft falleube SSer-
binblid^feit bebanbeln unb bamit ben ©^emann für uerpflid^tet crflären roollte,
i^ biefe Serbinblid^feit abjunetimen ober if)r für beren (Erfüllung fofort Grfaft
^u leiften. ©d mürbe bieö anäf mit bem ^rinjipe beö Gntrourfeö, baft ber
fraft (Scfeges jur ©emäbrung beö Unterhaltes SSerpflid^tetc von bem 93e*
rw^tigten für ben gall, bafe ber le^tcre mieber ju SSermögen fommen follte,
feinen Grfaft Perlongen tann (oergt. 3Rotit)c 5u § 1481), nid^t im Ginflange
f^en. 35ei ber fel)r geringen praftifd^en Sebeutung bcö f)ier fragtid^en
SoDefi ifi es inbeffen nid^t für erforberlid^ gel)alten, bcnfelben im Ocfcgc be*
fonberd $u berüdPftt^tigen.
35on felbft nerftcl^t cö fid^ ferner, bafe and) burd^ aScrtrag unter ben Äu«na^tnen
ehalten «usnabmen t)on ber Siegel beö § 1367 3lbf. 1 feftgefe^t werben J"rSt
Bnnen. ©ic in bem galle beö § 1316, l^at ber ©ntrourf aber aud^ i\kv eine
befonbcre gcfefelid^e Gntfd^eibung, ob ein fold)er 93crtrag alö Glieoertrag im
Sinne beö § 1333 anjufe^en ift (nergl. bie SWotiüe ju § 1316 oben S. 266),
nic^t für not^ig erad^tet.
3)ie ©rünbe, ouö meldten ber ©ntrourf eine na^ SWaggabe beö § 1367
Sttf. 2 begrünbete SBerpflid^tung eineö ©Regatten, ju bcm ©efammtgutc ©rfag
}u leiften, alö eine geroöl^nlid^e ©rfafcoerbinblid^feit, nid^t alö eine i^flidöt beö
brtrcffenben ©t)egatten, fid& ben t)on ibm ju leiftenben ©rfa^ auf ben bei ber
390 ailöemeinc ©ütcrgcmeinfÄaft. auöftattung. § 1368.
Sluöcinanbcrfcfeung i^m jufallcnben 3lntf)eit am Ocfcmmtgutc anred&nen ju
laffcn, gcftoltet ^at, ftnb in bcn aWottoen ju § 1377 bargclegt.
serHnb. <^[^ SScftimtnungcu beö § 1367 finbcn anä) auf bic aScrWnbli^ifeitcn
^' t^^Stcn" bcr ©Regatten unter cinanbcr, forocit biefclben OcfammtgutöDcrbinblic^fcitcn
einJÜlbir ^^^*^' SluTOenbung. Scfonbcrc S3cftimmungcn finb in bicfcr ^infid^t burd^ ein
"""" '' Sebürfnife nid^t geboten, ba eö fic^ nur um ftonfequenjen beö § 1367 in
aScrbinbung mit anberen S3cftimmungen, inöbefonbere mit ber Seftimmung,
bo6 bie JU bem ©efammtgute gefiörenben gorberungen ben ®{|egatten un«
gettieilt juftefjcn (§ 1344), foroie in SSerbinbung mit ber fclbftänbigen Slotur
beö aSorbel^altßguteö ober ©onberguteö eines ©l^egatten gegenüber bem ®e*
fammtgute ^anbelt.
§ 1368.
au«iiattuna 9luö bcn §§ 1352, 1353 oerb. mit § 1500 folgt, bafe ber ei^cmonn,
Siem(^n. ^^^l^S^^m ein Sonbergut ober ein SBorbel^altSgut gehört, an ftd& bered^tigt ifl,
einem Äinbe eine ben SBerl^ältniffcn beö ©efammtguteö, beö ©onbergutcö ober
aSorbe^attöguteö entfpred^enbe 3luöftattung auö bem Oefammtgute ju gewähren,
ba bie ®en)äl)rung einer ben Umftänben beö gaDeö en^pred^enben Stufiftattung
nad^ § 1500 feine ©d^enfung ift, fonbem fid^ alö bie Erfüllung einer fittfid^en
SSerbinblid&feit barfteHt, meldte er roic jebe anbere i^m obfiegenbe SBerbinbli^feit
auö bem (Sefammtgute ju erfüllen befugt ift (Dergf. bie SRotitje ju §§ 1352,
1353 oben ©. 358 unb ju § 1365 oben ©. 383). Soweit icbod^ bie 9lud^
ftattung baö bem ©efammtgute entfprec^enbc 2Ra& überfteigt, fomeit biefelbe
iugleidö unter SBerüdEfic^tigung beö ©onberguteö ober aSorbe^altöguteö bemeffen
ift, erfüllt ber e^emann eine auf fein ©onbergut ober aSorbel^altögut fid^ be*
jiel^enbc SSerbinblid^feit; inforoeit mu^ bic 3luöftattung ba^er nad^ Slnalogic
beö § 1367 2lbf. 2 3lr. 2 im 93erl^ältnif[c ber ©Regatten ju cinanber bem (g^e*
manne jur Saft fallen, b. \). mn bem lefetercn ju bem Oefammtgute nac^ 3Ra§s
gäbe beö § 1369 ©rfafr gelciftet werben. Umgefclirt fann ber (gljemann, loenn
bie äluöftattung in bem bejcid6ncten gallc ganj auö bem ©onbergutc ober
SBorbe^altögute gemeiert ift, nac^ aJla^gabe beö § 1369 infomeit ©rfafe forbem^
alö bie Sluöftattung baö bem Oefammtgute entfprcd&enbe ÜJlafe nid^t überfteigt,
ba inforoeit eine auf bem Oefammtgute rul^cnbe fxttlic^c SBcrbinblicbfeit aud
bem ©onbergutc ober SBorbe^altögute erfüllt ift. Dbrooljl bie aSorfd^rift beö
§ 1368 auö ber Slnalogie beö § 1367 2lbf. 2 5Rr. 2 f)ergeleitet merben tann^
fo ift eö boä) bei ber SBid&tigfeit ber grage alö angemeffen erad^tct, biefclbc
im Oefefee auöbrüdEIidd ju entfd^eiben, jumal fxe für bie fortgefefete ©üter«
gcmeinf^aft (§ 1401) unb bic partifulörc Oütergemeinfd&aft (§ 1427, § 1431
2lbf. 1) üon befonbercr 33ebcutung ift.
§ 1369.
3cit bei- 2)ic auf bem SBoben ber allgemeinen Oütcrgcmeinf^aft fte^cnben bcutfd^
maiu«fl 9*^^*^ cntlialtcn regelmfifeig feine bef onberen Scftimmungen über bcn 3cttpunft,
fleflenfeitiocr in TOcldiem bie Seiftung beöienigen, maö einer ber (S^cgatten ju bem Oefantmt»
SOgemdnc ©ütergcmetnfd&aft. Ocöcnfeltigc Snfprüc^e. § 1369. 391
gute ju leiflcn ober quo bem ©cfammtgutc ju forbcrn i)at, ju bcioirfcn ift «nfprüc^e her
(wrgl. icboc^ prcufe. 21.2.91. n, 1 §§ 382—384, 390; ^eff. entro. IV, 2 ^^*«''"'"
ärt. 467; c^renbrcitft. @ntto. § 91). 3la6) bcn Steckten bcr partifulärcn
©utergemeinfd^ttft tritt bic ©rfafeDerbinblid^fcit jwifd^cn bcm ©cfammtflute unb
bcn ©onbergütcm bcr ©Regatten entracbcr übcri^aupt ober bod^ in SBetreff ber*
jenigen 9[nfprü(i^e, iveld^c auf einer 93ereid^erung bed ©efammtguted auf Soften
b(A Sonberguted ober bt& {enteren auf Soften bed ©efammtgutes berufen,
regelmäJBig crft mit Sluflöfung ber Oemeinfd^aft ein. Snöbefonbere ift biefer
3eitpunft aud^ nac^ franj. SRec^te (code civil 2lrt. 1468, 1470, 1473) maggebenb.
älnlangenb junfid^ft bie ^äUe, in vozläftn einer ber ©Regatten }u bem
(Sffommtgute etmas ju leiften ^at, [o ge^t ber ©ntrnurf ebenfalls grunbföglid^
büoon aud, ba% bic Seiftung erft bei 9luflöfung ber (Sütergemeinfd^aft ju be*
»irfen ift. Daß SRu^en ber l^ier fraglici^en Slnfprüd^e ber ®l^egatten unter
einanbcr cntfprid^t bem 3Befen ber allgemeinen ©ütergemcinfd^aft, nad& welci^em
bas ©cfommtgut bie ^unttionen beö äSermögend bed einen mie bed anberen
S^gattcn ^at unb mfi^renb bed 93efte^en3 ber (Semeinfd^aft ber ©egenfag in
ben oermogendrcd^tlid^en ^ntereffen ber (S^egatten t^unlid^ft jurüdEjubrängen
ift 2)aiu lommt, bafe 5Borbe^aIt8gut unb ©onbergut ber ©Regatten bei
ber allgemeinen Oütergemeinfd^aft nur oerl^ältnifemäfeig fettenc 3Iuönal^men
finb, bcr leiftungdpfli^itige @^egatte mitl^in in ber Siegel gar nic^t in ber
Sage ift, bie SSerbinblicdfeit mä^renb beftel^enber ©utergemeinfd&aft erfüllen ju
ßnnen. ^tnn ©nmbfag foD inbeffen im galle einer 3Serbinblid&feit ber
CW^öu, fofern bie lefttere SSorbe^attögut ober ©onbergut ^at, infofern feine
Xmoenbung ftnben, ate bie fieiftung aud bem SSorbe^altsgute ober aud bem
Sonbergute erfolgen fann. @elbftt)erftönblid^ ift baburd^ jebod^ nid^t aus-
grfi^loffen, ba§ bie (S^efrau bem @^emanne gegenüber auf eine aud anberen
gefejlit^n SJefitimmungen jxdd ergcbcnbe ^inauöfd^iebung i^rer ©rfüUungöpflid^t
fid) berufen fann (oergl. § 1351 äbf. 2 oerb. mit §§ 1417, 1292, 1010).
3ene aJlobififation beö im § 1369 3lbf. 1 ©afc 1 audgefprod^enen (Srnubfaßes
re^tfertigt jxdb einerfeits baburd^, bafe bad SBorbel^altö^ unb ba« ©onbergut
bcr S^au bem Oefammtgute als getrennte felbftänbige aSermögenßmaffen
gegenüberfte^cn, anbcrerfeilö burd^ bie Srmägung, ba^ ber Seemann leicht in
bic fiage fommen fann, ben fof ortigen ©rfaß ber für bie ß^efrau aus bem
®efammtgute gemad^ten Slufroenbungen ju 3roedEcn ber SSermaltung bes
@cfammtgutcs nid^t entbcl^ren p tonnen. älnberS liegt bagegen bie @ad^e
in Xnfc^ung einer SBerbinblic^fcit bes (gliemanncs, aud^ wenn berfclbe SSor«
be^ltsgut ober ©onbergut ^at. 2)a bas ©efammtgut unb baS ^orbelialtSgut
ober Sonbcrgut bes (Seemannes in feiner §anb Dereinigt ift unb er über baS
©cfommtgut jubcm wie über fein eigenes SBcrmögen oerfügt, fo fann er gegen
fUb felbft einen Slnfpruc^ nid^t ergeben. 3lud^ liegt es im Sntereffe ber
(^frau, wenn ber (Seemann basienige, mos er 5u bem ©efammtgute ju leiften
^t, crft bei Sluflofung ber ®emeinfd&aft ju leiften oerpfli^tct ift, ba ber
f^emonn, menn er fofort bie Seiftung bemirten müfete, in ber Sage fein mürbe,,
über bas ©elelfletc, o^ne ber S^efrau oerantmortUd^ ju fein, ju verfügen.
gSBcnngleic^ bie »orft^rift beS § 1369 3lb|. 1 oorroiegenb für folc^e gälle
öon Scbcutung ift, in welchen einer ber ©Regatten ju bcm ©efammtgute ©rfag
392 StQöcmciue ©ütergcmcinfc^aft. ©eflenfcittgc Stnfprü^e. § 1369.
ju Iciften f)ai (ücrgl. §§ 1364, 1365 SKbf. 1, § 1367 Slbf. 2, § 1368), fo bcjie^t
fiä) biefelbc bod^ nid^t Icbiglidb auf fold^c @rfa|t)crbinblid&f citcn , fonbcrn ouf
alle SBcrbinblid^feitcn cincö (g^cflattcn gegenüber bcm ©cfammtgute, al\o g. 93.
aud& auf baöjenige, roaß einer ber ©Regatten auö einem auf fein ©onber^
ober SSorbel&altsgut fid^ bejiefienben SRcd^töDeröältniffe bem ©efammtgute ald
S)arlef)en ober aus irgenb einem anberen 9ledf|tögrunbc fd&ulbet. 6ö fann
bieö namentlid) bann t)orfommen, roenn einer ber ©Regatten aus einem fein
©onber^ ober Sßorbel^altsgut betreffenben SRed^töoerl^ättniffe einem ©ritten etnniö
fd&ulbet unb bemnäd^ft bie ©rbfd^aft biefeä ©ritten bem ©efammtgutc erroorben
wirb. S)ic ratio beö § 1369 3lbf . 1 trifft überhaupt in allen gäßen ju , in
roetd^en ein ©begatte bcm Oefammtgute etroaß fd&ulbet. 3n 3lnfe]^ung ber
ß^efrau trifft fie aber weiter aud^ auf alle 33erbinblid^feiten ber festeren
gegenüber bem ©onber^^ ober SSorbel^altögute beö ©l^emanned ju. 3Kit bem
3Befen ber allgemeinen ©ütergemcinfd^aft, meldte alles SSermögen unb alle
©infünfte ber ©^efrau il^rer ©iöpofition regelmäßig entjie^t, mürbe ed nid&t
uereinbar fein, menn ber ©bemann fd^on üor 9luflöfung ber ®ütergemcinfd6oft
uon ber ©tiefrau bie ©rfüllung jener Sßerbinblid^feiten ©erlangen wollte, obroo^l
fie uermöge ber ©ütergcmeinfd^aft biöponibleö SBermögen nid^t befißt. 2lnberö
liegt bie ©ad^e nur bann, wenn unb fomeit fie ©onber- ober SSorbe^altsgut
l^at, meld^eß jur ©rfüllung ber aSerbinblid^feiten ausreid^t. 3luß biefen ©rünben
bcftimmt ber jroeite Slbfafe bes § 1369, ba% bie aSorfd^riften beö erften SIbfafecö
aud^ auf anbere Sßerbinblid&feiten ber ©l^efrau gegenüber bem ©bemanne STn^
menbung finben follen.
3luf öfinlid^en ©rroägungen wie ber Orunbfag, bafe bie Seiftung bcs*
jenigen, maß ber ©f)emann ju bem Oefammtgute ju leiften l^at, erft bei auf-
löfung ber ©ütergemeinfd^aft ju bcmirfen ift, berul^t bie weitere 33eftimmun9
beö § 1369 2lbf. 1 Safe 1, baß baöfelbe aud^ für ben umgefel^rten gall gelten
foH, wenn ber ©bemann auö bcm ©cfammtgute etmaö ju forbern l^ot (oergl.
inöbefonbere § 1365 3lbf. 2, § 1369 9lbf. 2). ©agegen fel^tt cö an einem ge?
nügenben ©runbe, ber ©l^efrau bie Oeltcnbmad^ung ber ju i^rem SSorbe^alt«^
ober ©onbergute ge^örenben Slnfprüd^e auf ©rfafe gegen ba^ ©efammtgut
bejw. ben ©f)emann roä^renb befte^enber ©ütergemeinfd^aft ju Dcrfogen, mtU
mel^r füt)rt umgefelirt ber ^wtd beö SSorbeJ^attöguteö unb beö ©onbergute«
ber ©l^efrau unb bie SRüdEfid^t auf bie ©idjerung ber Icfeteren ba^in, eö in
biefer ^infid^t bei ben allgemeinen ©runbföfeen ju belaffen. ©ine Sluöna^me
finbet inbeffen nad^ § 1351 3lbf. 2 in Sßerbinbung mit § 1420 rüdEfid&tlid&
eineö jum ©onbergute ber ©l^efrau gel^örenben, lebiglid^ auf bie SC^atfac^e ber
Bereicherung beö Oefommtguteß geftüfeten ©rfafeanfprud^eö ftatt.
©ine bem code civü 3lrt. 1473 (oergl. aud6 i^eff. ©ntm. IV, 2 9trt. 460)
cntfpred^enbe Seftimmung, ba& bie ©rfafeanfprü^e roegen 53erroenbungeu auö
bem ©efammtgute ober auf baöfelbe t)om ka^t ber Sluf^ebung ber ©fiter*
gemeinfd^aft an fraft ©efegeö ju uerjinfen finb, l^at ber ©ntmurf in Ueber*
ftimmung mit bem e^renbreitft. ©ntm. (oergl. 2Rotit)e ju §§ 77—79 9h:. 6
jenes &nim.) unb mit bem mürttemb. ©ntm. § 166 ni^t aufgenommen,
ba eö an einem auöreid^enben ©runbe felilt, in biefer ^infid^t Don ben alt
gemeinen (S5runbfä|en abjuweid^en.
J
9UIg. ©üteröcm. SScrtrct. bc3 e^emamieg. auflöfunß. §§1370, 1371. 393
§ 1370.
3n bcn SWotiocn m § 1358 oben ®. 363 fmb bereits bie ©rünbe bar- «"^üöunfl be?
gelegt toetc^e ben entmurf beftimmt ^aben, für bie gäfle, in n^elc^en eineS*5'
Sormunbfd^aft ober eine 3lbn)efen{)eitepffcgfd&aft über ben (Sf)emann angeorbnet ^"J^^^J*!*?*"
ijt, ber e^efrou fein SRed^t barauf jii geben, ba§ bie SBerroaltung beö ©efammt^
gute« ftott auf ben gefeglid^en SBertreter beö ®liemanneö auf fie felbft übergcfie.
3)ie|em Stanbpunfte beö ©ntrourfcö entfprid^t eö, roenn burd^ ben § 1370 bie
Seftimmung beß § 1326 9lbf. 1 für entfpred&enb anroenbbar erflärt ift. Sie
(Srünbe, auf wcldien bie 99eftimmung beö § 1326 9lbf. 2 berul^t (üergf. bie
fflotiue ju § 1326 oben 3. 287 ff.), führen aber weiter ba^in, aud& biefe 33e:=
ftimmung auf bie allgemeine Oütergemeinfd&aft ju übertragen, ba ouc^ bei
ber lejtcren bie GlnroiUigung beö ß^entanneö ju 9lc(]^tögefd)äften unb 3led^tö=^
ftrritigfeiten ber ©fiefrau in Sctrad^t fommt (üergt. §§ 1356, 1307, 1362 3lx. 1).
3. 9fuflöfung ber ©ütergemeinfd&aft.
§ i:V71.
1. S)aB bie ©ütergenteinfdiaft mit ber Sluflofung ber S^e (ücrgl. §§ 1440, stufidjuna«.
1464) oufflcloft wirb, entfprid^t, Dorbel^altlid^ ber öeftimmungen über ^^^ «i Ji^!^^^^
fofl. fortgefette ©ütergemdnfd^aft sroifdjen bem überlebenben ©Regatten unb* ci^e.
ben gcmänftfeaftlid^en abfommlingen, ben beftel(ienben 9led)ten (üergl. inöbef.
mreuß. 9L 2. 91. n, 1 §§ 634, 732, 755 ff., 811 ff.; code civil 3lrt. 1441). ©cljr
»erf(^icben finb aber bie SBeftimmungen beö geltenben Sled^teö barüber, in
welker Sri im galle ber ^uflöfung ber ©ütergemeinfd&aft burd^ (Sljefd^eibung
bie 3uöcinanberfejung wegen beö ®cfammtguteö erfolgt. 3)er Sntraurf läfet
(ö auc^ in biefem ^alle lebiglid^ bei bcn allgemeinen @ninbfägcn über bie
SoJgen ber äuflofung ber ©ütergcmeinfdiaft (§§ 1373 ff.) bemenben. S)ic
na^ Segrünbung biefer 9luffaf[ung ift wegen beö 3wföwi^^6oi^9^ö, in
»el(i^ biefe grage mit ber ^rage über bie oermogenöred^tlid&cn SBirfungen
ber g^c^eibung übcrl^aupt ftel(|t, ben SRotiüen ju § 1452 vorbehalten.
3n Uebcrcinftimmung mit ben beftel^enben Siedeten (ocrgt. jebod^ code ^^°^^*^
civil Jrt. 124) ftnb befonbcre Seftimmungen über baö im galle ber 2^obeö^
erflörung eincö 6f)egatten eintretenbe SSer^öItnife nid^t aufgenommen. Gö
nnben ba^er in einem fold^en galle bie allgemeinen ©runbfäge (§§ 21, 2089,
2090) Ämocnbimfi. S)orauö fönnen allerbingö, wenn bemnäd^ft ba& fortleben
beö Statten ober ein fpäterer ober früherer S^itpunft beö 2^obeö beöfelben
W ergiebt, Derroirfelte aSer^ältniffe entfte^en. 2lUein biefer Oeftd^töpunft fann
fingeftc^tft ber tiefgreifenben SBirfimgen, meldte mit ber allgemeinen Oüter-
gemrinfd^ft, nomentlidb aud& in erbredjtlid^er Sejiel^ung, Derbunben finb, nid&t
ba^n führen, pofttio ju beftimmen, bafe mit ber ©rtajfung beö Urt^eileö,
bunt loelc^ ein S^egatte, ober burd^ meld^eö ber S^ematm für tobt ertlärt
wirb (oerfll. § 1327 9ir. 4), bie (Sütergemeinfd^aft befinitio aufgclöft fein foH.
8nlaitgenb bie JRürfroirlung ber Ungültigfeit ber 6^e wegen 5flid&tigfeit »»aüitiaroit
ober Snfec^arfeit berfelben auf bie SGBirffamfeit beö ®l)eoertrageö, fo wirb ^" ^^*
in biefer Sejiel^ng auf bie SWotioe 5u § 1333 oben ©. 309 ocrwiefcn.
394 «Höcmcine ®ütec0cmeinf*aft. autröfung. § 1372,
«ufiöfung 2. SBegcu bcr ©rünbc, auf locld^cn bic Scftimmung bcö § 1371 31t. 2
bu«^ (Sfitf 3. 2)ic SSeftimmung bcö § 1371 9lr. 3 ift bereits im S^fon^^^^^^ngc
üertraa. ^.^ ^^^ g^^^^j j^^^ g ^^^^ ^^^ ^ ^^^^ ^^ ^^^ ^ gercd^tfcrtigt loorben.
«nfcc^tunfl. 4. 3n 9lnfel^ung beö ©influffeö einer 2)ro^ung, eines Setrugeö ober
eines 3rrt^nmes auf bic ©ültigfeit beS ©utergemcinfc^aftsoertragcs foUen
nad^ bem ©ntwurfe lebigtid^ bie allgemeinen ©runbfäfee entfd^eiben (§§ 95 — 104,
112—114). darüber l^inaus nad^ bem aSorgange einjelner Siechte noc^ in
gewiffen anberen gällen eine 9luflofung ber Oütergemeinfd^aft in bem ©inne
jujulaffen, ba% ber vov ©inge^ung ber ©ütergemeinfd^aft befte^enbe 3uftanb
roieber^ergeftellt wirb, ift burd^ ein Scbiirfnife nid^t geboten. Snsbefonbere
ro^ «?*iu6e?* '^^" ^^ ^^^^ ^^^ angemeffen erad^tet werben, lebiglid^ auf Orunb ber X^aU
f(^uibung. ' fad^e ber Ueberfd^ulbung eines ©l^egatten bei @ingel^ung ber (Sütergcmeinfc^oft
bem anberen @l^egatten bas 9Ied^t cinjuröurnen, bie 9Bieberauf^ebung ber
©ütcrgemeinfd^aft in bem bejeii^neten ©inne ober aud^ nur für bie 3utunft
ju Dcrtangen (oergl. preug. 31. S. 91. II, 1 §§ 392—395, 420). 3ft ber onbcre
©begatte bur^ 93etrug beS überfd^ulbeten ©Regatten jur Singe^ung bes ©uter^
gemeinfd^aftsoertrages beftimmt roorben, fo genügen bic allgemeinen ®runbfä|c
(§§ 103, 104, 112, 113). Siegt ein fold^er »etrug nid^t oor, fo ^anbelt cd
fid& um einen 3rrt^um in ben ©erocggrünben. gür biefen gall aber l^icr bie
SRcgel bes § 102 ju burd&bred^cn, nad& roeld&er ein berartiger Sfrrt^um auf
bie ©iiltigfcit bes 9led^tSgefd^äfteS ol^ne @inf{ug ift, fel^lt es an genägcnben
Orünben. 93ei einer auf Oefefe beru^enben Oütergcmeinfd&aft fönnen mögltc^er^
n)eife ©rünbc ber S3illigfeit bal^in fül^ren, megen Ueberfd^iulbung eines (S^e^
gatten }ur ^cit beS @intritteS ber ©ütergemeinf^aft bie 3lufl5fung ber leiteten
JU geftatten. 93ei bcr Dcrtragsm&gigen ©ütergemeinfd^aft aber mürbe ein
fold^es 9led^t mit ben allgemeinen ©runbfagen über bic red^tlid^c 9Birffamfeit
ber aSerträge in SBiberfprud^ treten unb ju einer Ungered^tigfeit gegen ben
anberen ©Regatten fül^ren. 2)aiu f ommt, bag bas im preug. 91. £. 91. anertannte
9{ed^t eines ©Regatten, megen Ueberfd^ulbung bes t)on bem anberen eingebrod^ten
SSermögenS auf älbfonberung bes legteren anjutragen bejm. bie ätuf^ebung
ber ©ütcrgemeinfd^aft für bie 3iif""ft iu ocrlangcn, fid& aud& praftifc^ nit^t
ben)al[|rt ^at.
§ 1372.
aufiafungbet Dbroot|l, ^ingefe^en auf baS SBcfen ber Oütergemeinfd^aft unb bic
f^aft wir»«"* mit einer roäl^renb befte^enber ©^e erf olgenbcn 9luf Ibfung ber ©ütergemeinfd^ft
^Srtti" ^^l^wnbenen tiefgreifenben SBirfungen, insbefonbere auc^ in crbre^tUc^cr ^in«
fid^t (§ 1384 ff.), gemid^ligc ©rünbe bafür fpred^en, nac^ bem SBorgange per*
fd&iebener ©ütergemeinfd^aftsrcd^te ein SRed^t ber ©i^efrau, in gcroiffen gdOen
bie 9luft6fung ber ©ütergcmeinfd&aft unb S^rennung ber ®üter ju verlangen,
überl^aupt nid^t anjuerfennen, fonbem bie ©l^efrau lebiglid^ auf ben allgemeinen
Sd^u^, meldten bie ©ntmünbigung beS ©liemanncs megen SSerfd&roenbung gc«
mä^rt, ju Dcrmeifcn (fo bie Siedete Don S3remen, SSerben, SWünfter, ^uCbo,
Csnabrüd, mo^l an6) bie fd^leSmig4)olfteinfc^en Siedete), fo tommt bo^
anbererfeits in 39etrad[)t, bafe bie Oütcrgemeinf^aft ein 93ertrauenSt)crl[fältniB
aUöcmciiic ©fitcrgcmeinfd&aft. Stuflöfung. § 1372. 395
ift, bei roeld^cm bic ß^cfrau bcm e^emannc eine über beffen gefefelid^e öefugniffe
weit dinauöfle^enbe SÄad^t über i^r 3Sermogen in ber aSoraußfefeung anvertraut,
bag ber ©bemann biefe üRad^t in einem bem ^wtdt ber Oütergemeinfd^aft
cnifpred^enben ©eifte gebraud&en werbe. SRad^t ber (Seemann fxd^ eines offene
boren ^Kifebroud^eö fd^ulbig, fo erforbert eö bie ©cred^tigfeit, ber (g^efrau bic
aRoglid^feit ju gemäl^ren, baö aSer^ältnife für bie 3uhi"ft aufjulöfen unb
Trennung ber ®üter ju verlangen. 2)er Seemann fann fid^ über bie il^m
barauö enoa^fenben Slad^t^eile nid^t befd^roeren, ba er biefelben burd^ bic
Xöuf(^ung bcö in ifin gefe|ten aSertrauenS felbft verfd^ulbet ||at. 93ei Se^^
rtimmung ber einjelncn gälle, in roeld^en bie ß^efrau bered^tigt fein foH, bie
Suf^ebung ber ©ütergemeinfd^aft unb ^^rennung ber ®üter }u verlangen, ift
in Äonfequenj beö ju ©runbe liegenben ©ebanfcnö baoon ausgegangen, bafe
einetfcits eine erl^eWid^e ©efä^rbung beö ©emeinfd^aftsred^tes ber ©f^efrau
ijorliegcn, unb bafe anbererfeits bicfe ©efä^rbung burd^ einen SÄifebraud^ ber
bem ©bemanne eingeräumten JRed^te ober burd^ eine aSerleßung ber bemfelben
oWiegenben SSerpflid&tungen lierbeigefüi^rt fein müjfe.
3tn ©injelnen ift jum § 1372 nod^ golgenbeö ju bemerfcn:
1. 2)ie aSorfd^riften ber 3lt. 1, 2 beö § 1372 entfpred^en unter Serürf^ ®? eÄ
fi<Ötigung ber verfd&iebenen ©ad^Iage bei ber allgemeinen ©ütergemeinfd^aft tuU ucbcr"
unb bei bem gefe^Kd^en e^elid^en ©üterrcd^tc bem § 1328 5«r. 1; bafe bie ^ox^^^^^^^^lt
ousfeftungen bes § 1371 3lx. 1 nid^t vorliegen, wenn ber ß^emonn bei einem rw^tea.
unter ben § 1353 fallenben SJed^tSgefd^äfte bie @enef)migung ber Ehefrau fid&
»orbe^alten blatte, ift als felbftverftönbüd^ erad^tet. 2Bic aus ber gaffung bes
§ 1372 9lr. 1 mit gcnügenber 2)eutlid&feit erhellt, liegt bie 33eforgung einer
(Sef%bung ber SRed&te ber e^efrau für bie 3"^w"ft ^W "ur bann vor, menn
}u beforgen ift, bafe ber 6f)emann fünftig bie SSornal^me eines nad^ ben S3es=
f&nmungen bes § 1353 uuroirffamen 3led^tsgefd^äfteS roieberl^olen unb baburd^
bas ©cfammtgut verminbem unb bie (S^efrau ber ©efal^r ber 39enad^tl[|eiligung
bei fpötercr 3[ufl6fung ber ©ütergemeinfd^aft ausfegen werbe, fonbern eö fann
bie Seforgnife einer fold^en ©efäl^rbung fd^on burd^ bie von bem ©bemanne
in Ueberfc^reitung feines aSerroaltungSredöteS vorgenommene aSerfügung felbft
begrünbet fein, wenn nad^ bzn Umftänben ju beforgen ift, bag ber ©bemann
bie bem Oefommtgute aus ber aSerfügung cnvad^fenben Slnfprüd^e gegen ©ritte
nii^t geltenb machen wirb, biefelben in golge beffen, verloren gelten unb ber
ß^emonn bei ber fünftigen Sluseinanberfefeung nid^t .. -i ber Sage fein wirb,
aus feinem Äntl^eile an bem ©efammtgute ober aus feinem aSorbel^alts* ober
Sonbergute ber ©i^frau 6rfa| ju leiften.
3n 9lr. 2 bes § 1372 ift nid^t, wie in 3lx. 1, ber Sn\a% „unb eine
er^bli^e ©cfä^rbung ber SRed^te ber ß^efrau für bie 3whi"ft i^ beforgen ift"
aufgenommen, ba, rotnn ber ©liemann bas ©efammtgut in ber 9lbftd^t, bic
^efrau ju benad&tl(ieiligen, verminbert l^at, barin immer ein fo großer OWife«
braud^ feiner ©tettung liegt, ba§ bie Seforgnife einer erljebtid^en ©efäl^rbung
für bie 3wfwttft o^ne SCßeiteres als begrünbet angefclien werben luufe.
2. 2)cn Unterhalt für bie gamilie ju gcroäliren, ift in erfter Sinie ber ««rie^unfl bei-
3«>ect beö Oefammtgutes. SBenn ber ©bemann bie il^m in biefer SBcjic^ung "pf^fb!«'
obliegenbe SSerpflid^tung verlebt, fo jerftört er felbft bie aSorausfcfcungen, unter <s^emanne«.
396 aCgemcinc ®ütcr0cmemf*aft. Stuflöf 11119. § 1372.
roetd^cn bic @^cfrau i^m il^r SBcrmogen übcriaffcn l^atte. ©ic fann in einem
fold^en goUe nid^t borauf befd^räntt werben, gegen ben Seemann auf ©r*
füUung feiner aSerpflid^tungcn ju Hagen; rielmel^r mufe iljr, wenn jugleid^
eine erl^eblid^c Ocfä^rbung beö JRed^teö ber @^efrau ober ber gemeinfd&aftßcl^en
Stbfömmlingc für bie 3uhinft ju bcforgen ift, cbcnfo, roie nad^ bem gefc|li(i^en
c^eUd^en ©üterrcdjte (§ 1328 3lt. 2), baö JRed^t eingeräumt mcrbcn, bie 9![uf'
löfung ber Oütergcmcinfd&aft unb S^rennung ber ®üter ju verlangen, um
baburd^ in ben ©tanb gefegt ju werben, felbft für ifiren unb ber gemeinfd^aft^
[id[)cn aibfömmlinge Unterljalt ju forgen.
93er. 3. ©incß aWipraud^cö beö SSertrauenö, auf roeld^em bie Oüter-
d;ioenbunfl g^j^g^j^f^j^^^j bcrul^t, mad^t ber ©l^cmann fi^ aud& bann fd^ulbig, roenn bie
«^cmonnec. SBorauöfegungcu einer (Sntmünbigung beö e^emanneö wegen SSerfd^menbung
(§ 29) üorliegen. S)ic (S^cfrau würbe in einem fold^en gaHe fd&on nad^ au*
gemeinen ©runbfägcn (§ 621 2lbf. 3, § 595 3lbf. 1 ber (S. ^4?. D.) bcred^tigt
fein, bic ©ntmünbigung beä ß^emanneö wegen SSerf^wenbung ju beantragen
unb baburd^ bie Sttnorbnung einer SSormunbfd^aft über bcnfelben J^erbeijufü^rcn
(§ 1726). 3^r banebcn baö 9ied^t einjuräumen, bie SKufCofung ber ®üter*
gemeinfdfiaft unb 2:rennung ber ®üter ju verlangen, ift eine 9lnforbcrung ber
SiHigfeit, bamit biefelbe nid^t genöt^igt wirb, bie weitge^enben Siedete über
i^r 33crmögcn, wcldje fie bem ©bemanne anoertraut ^atte, aud^ bem SJor?
munbe bcs Icgteren anjuoertraucn. 2)aö weftfäl. ©ef. x>. 16. Slpril 1860 § 4
unb uerfd)iebenc anbere ©ütcrgemeinfd^aftörcd^te (t)ergl. aud& el^renbreitft. 6ntw.
§ 37; oänabr. ®ntw. § 7) oermeiben bics baburc^, bafe fie, wenn ber &)^
mann unter SSormunbfd^aft geftellt ift, baö SSerwattungöred^t beö lefeteren ru^en
unb auf bic ®f)efrau übergeben laffen. S)ie ©rünbe, auö weld&cn ber (Sntwurf
S^cbenfcn getragen l^at, fid^ einer fold&en ^Regelung anjufd^Iiefecn, finb bereit«
in ben SRotioen ju § 1358 oben ©. 363 ff. bargclegt. Sefonberö bcbcntfid^
ift biefcr SBeg im gallc einer ©ntmünbigung beö ©^emanneö wegen 93er*
fc^wenbung, ba ^ier bie in ber Ueberlajfung ber Sßerwaltung an bie @^efrau
im praftifd^en 9lefultatc licgcnbe aSormunbfd^aft ber ß^efrau, aud^ wenn bic
festere fonft ju ber Verwaltung beö 93ermogcnö burc^auö befäl^igt fein foUtc,
wegen if)rcö pcrfönlid&en SSer^ältniffeö ju bem (S^emanne unb ber ju beforgenbcn
Störung beö cljclid^cn griebenö burc^auö unjwerfmftjsig fein fann, ©d&lägt
man aber jenen 4öcg nid^t ein, fo mu§ a\i& ben angeführten ©rünben nad^
bem aSorbilbe ocrfdiieb^'^icr anbercr JRc^tc, j. 93. beö würjb. unb beö tio^enlo^.
Slcd^teö (üergL aud^ code civil 9Irt. 1443), ber Cljefrau baö gted^t eingeräumt
werben, unter ben im § 1372 3ir. 4 bejeid^neten aSorauöfeftungen bic Sluf*
löfung ber ©ütergcmeinfdiaft ju verfangen. ®ine genügenbe ®ewä^r, bafe bie
G^cfrau üon bicfem 9Jed^te nid&t o^nc 9lotf| ®ebraud() mad^en wirb, liegt
barin, bafe fie burd^ bie Sttuflöfung ber ®ütergcmeinfd&aft baö i^r bei «uf*
löfung ber legieren burdf) ben JCob beö ®f)emanneö juftelicnbc gütergemeinfc^aft*
lic^e ©rbred^t (§§ 1384 ff.) ücrtiert. S)iefen ©rwägungen gegenüber fann
barauf, bafe ber ©licmann, abgefelicn non bem 'gaUe, in welkem er ba^
®efammtgut in ber Slbfid^t, bie ®befrau ju benad^tl^eiligen, ocrminbcrl
(§ 1364), bie ®ljefrau für bie SJerwaltung beö ®cfammtgutcö nid&t oer*
antwortlid^ ift, fein ®cwi^t gelegt werben; t)ielmel)r red&tfertigen jene Gr*
attoemcinc ®ulcr0cmeiuf*aft auflöfunö. § 1372. 397
iDSgungen eö^ bem SSemaltungdrcd^te beö (S^cmanned burd) bie ^orfd^rift bes
§ 1372 3lx. 4 eine ©d^ranfc ju fe|en. ®d empfiehlt fid) aud^ nid^t, biefeö
äle^t ber S^efrau oon bcr roirfli^en ©ntmünbigung bcö ©^cmanneö iDegen S3er=:
fc^ioenbung ab^öngtg }u maä)tn, ba bie @t)efrau baburd^ o^ne 3loti) baju
gcbröngt loerben toürbe, bie in bie SSer^ältnif^e bed Sl^emanncd unb ber
gamilie überhaupt xotii tiefer eingreifenbe Sntmünbigung bed ©^emanneö ju
beantragen, tiefer 3laä)0)z\l ift ^5l^er anjufdilagen^ ate ber 92ad^tt)ei(, bag
über bie 93oraudfe|[ungen ber @ntmünbtgung naä) bem ©ntwurfe nielleid^t in
wrf4|iebenen ^ßrojeffen unb möglid^erroeife in roiberfpred^enbem ©inne ent^
fd^ieben wirb unb bag ber ^^rojeg^ in n)e(d^em bad SRe^t auf 9luf(öfung ber
©ütergemeinf^aft geltenb gemacht voixh, nid^t mit ben fd^ügenben formen bed
Sntmünbigungdoerfa^rend umgeben ift.
2Rit bem code civil 3lrt. 1443, roeld^cm oud^ ber ^cff. ©ntro. IV, 2 ««rmbaen«.
Srt. 471 unb ber el^renbreitft. Sntro. § 42 gefolgt finb, nod) weiter }u iltmanntt.
idftn unb ber ß^efrau ol^ne JRürffid^t barauf, ob ben ©bemann ein 5Berfd^uIbcn
trifft unb biefcö in einer SBerlegung ber if|m burd^ bie ©ütergcmcinfd^oft auf-
erlegten SSerpffid&tungen fi^ grünbet, bad Siedet, bie 9luf(öfung ber ©üter*
gcraeinfc^aft f^on bann einjuräumen, mcnn burd) bie Unorbnuug, in meld^er
bie 9krmogendongeIegen{|eiten beö 6t)emanned fic^ befinben, bad Eingebrachte
ber ß^rau ober ber Don i^r roä^renb ber @i)t gemad^tc unb in bas ®c*
fommtgut fallenbe ©rroerb gefäfirbet wirb, ift mit bem SBcfen ber ®üter=
gemeinfc^ft, nad& rocld^cm bie @f)egattcn alle ücrmögcnörcc^tlicöeu ©d[)idffalc
gemcinfom tragen f ollen, fomie mit bem freien, an feine SScrantmortü^feit
wegen Slac^löffigfeit ber SSeriDattung gebunbcnen SScrfügungöred^tc beö ®^e*
monneft über bad Oefammtgut nid^t üereinbar. Slud^ ift cd infonfequent, auf
bad bei 6ingel()ung ber ©ütergemeinfd^aft ober mälirenb berfelben in bad oe-
fammtgut gefallene 93ermögen }urü(fjuge]^en, ba bad le^tere burd^ bie ©fitere
gemeiiifd^aft in bem ©efammtgute befinitiü aufgegangen ift. Ucberbied fann
bad Äed^t ber ®§efrau, wegen SSermögendoerfalled bed ©^emanned bie 9luf^
Bfung bcr ©ütergemeinfd^aft ju ©erlangen, im .^inblidfe auf bie ©runbfätje
über bie 3tudeinanberfegung wegen bed ©efammtguted nad^ äluflöfung ber
©ütergemeinfc^aft (§§ 1375 ff.), namentlid^ wenn ber @^efrau gegen ben ß^c^
mann ©rfojanfprüd^c jufte^en (§ 1369), bie 9l'ed)tc ber ©laubiger bed leftteren
im SBiberfprud&e mit ber S^enbenj ber Äonf. D. geföfirben.
4. (Sinjelne Siedete, j. 93. bie Hppesbetm. 33erorbn. v. 1786 § 14 unerlaubte
(mgl. anäi württemb. ©ntw. §§ 292—294), gewäliren ber Glicfrau bad »ted^t, ««»^^|.";'fl*"
bie 9ufIofung ber ©ütergemeinfd^aft ju ©erlangen, unter gcwiffen, notier be^ ß^cmttnnea.
ftimmten Soraudfe|ungen aud^ bann, wenn burd^ bie aud unerlaubten ^anb^
lungen bed ß^emanned für ben teftteren entftanbenen SBcrbinblid^feiten jur
Ballung Don ©elbftrafen unb Unterfud^ungdfoften ber Slnt^eil ber @^efrau
an bem ©efammtgute gefä^rbet wirb. @in fo weitgelienbed 3lcä^t ber @^efrau
wrträgt fi<^ jebo^ nicf>t mit bem SBefcn ber ©ütergemeinfd^aft, ba in bem
Doroudgefejten ^aÜt eine SSerlefeung ber bem ©bemanne burd^ bie ©ütergemein==
fdjüft auferlegten SBerpflid^tungen nid^t vorliegt. ©oentueU würbe man ein
entjpre^bed 9{ed^t aud^ bem @^emanne jugefte{)en unb fonfequent für aQe
%SU onerfennen muffen, in welken bie 9lnt^eildred^tc cincd 6l)egattcn burd^
398 ungemeine ®üteröcmetnfd&aft. Stufföfunö. § 137-2.
bic aus unerlaubten ^anblungen beö onbcren ©Regatten entftanbenen 2}ci>
binbÜd^feitcn beö legieren geföl^rbet werben.
Äoniurs 5, gngie in bcn SRotioen ju § 1361 oben ©. 370 bereits angeführt
©bemanne«. TOurbc, räutttt bttö prcufe. 91. 2. 31. II, 1 § 421 im gaHe ber ©röffnung bcß
Äonfurfeö über ha^ SJermögen eineö ©Regatten bcm anberen baß SRed^^t ein,
bie 9luflöfung ber Oütergemeinfd^aft ju ©erlangen; au^ bie SBcftimmung beö
Code civil 2lrt. 1443 fii^rt ba^in, bafe bie 6f)efrau im galle ber ©roffnung
beö Äonfurfcö über baö Vermögen beö ®l^emanneö gerid^tlidfic 33erm5genö5
abfonberung forbern fann. SBenngleid^ nac^ bem § 1361 im gallc beö
Äonfurfeö über baö 3Sermögen beö (Sl^emanneö baö Ocfammtgut jur Äonfurö-
maffc geprt unb ber ©^efrau in 3lnfe^ung beö ©efammtguteö ni(j^t baö Siecht
auf 9luöeinanberfe|ung unb 9lbfonberung juftel^t, fo mürbe bomit eine 2tufs
löfung ber ©ütergcmeinfd^aft auf Orunb beö Äonfurfeö für bie 3wfunft, b. ^.
unbefd^abet beö SRed^tcö ber Äonfurögläubigcr auf 33efriebigung aM bcm jur
Äonfurömaffc gel^orenbcn ©efammtgute, an fid^ nid^t unoereinbar fein. Äeinen*
fallö fann inbeffen bei ber allgemeinen ®ütergemeinfd&oft, lüie bei bcm gefcgs
lid^en e^ctid^en ©ütcrrcd^tc (§ 1327 ^v. 3), bic Äonfuröeroffnung über baö
SJermögen beö ©i^emanneö bie SBirtung l^aben, bafe bie ©ütergcmeinfc^aft
fraft Oefcftcö aufgcloft mirb, ba baö 5Rcd^t ber ß^efrau an bem fünftigen
©rroerbe beö ®^emanneö unb i^r gütcrgemcinf^aftli^eö (Srbred^t i^r gegen
i^ren SBillen nid&t entjogen merben barf, fonbem eö fann nur in ^rage
fommen, ob man ber ©^efrau baö Siedet beilegen foU, in bem oorauögcfegtcn
gälte bic Sluflöfung ber Oütcrgemeinfd^aft ju verlangen. SBcnngleic^ bie
©rünbe, meldte ju ber SBorfc^rift beö § 1327 3lv. 3 gefülirt traben (oergl. bic
SKotiDC JU § 1327 oben ©. 291 ff.), jum S^^cil aud^ bei ber aUcjemcinen ©üter?
gemeinfd^aft jutreffcn, fo fällt bod^ gegen bie 2lnerfennung eineö fold^en Sied&tcö
ber ©Ijcfrau bic ©rmägung entfd^eibcnb inö ©emid^t, bafe biefclbc, menn ben
©bemann ein SSerfd&ulben megen beö Äonfurfeö nid^t trifft, mit bem ©runb-
gebanfen unb bcm Qrotdt ber allgemeinen ©ütcrgemcinfd^aft, nad^ meld^em bie
©Regatten aud^ in Dcrmögcnöred&tlid^cr 33cjicl^ung ©lüdE unb Unglütf mit eim
anber tragen follen, im SBibcrfpru^e ftelicn unb im ^inblidtc auf bie mit ber
2luflofung ber ©ütergcmeinfd^aft oerbunbcnen ticfgrcifenbcn folgen eine gro§e
.^ärte gegen ben Ehemann mit fid^ bringen mürbe, gällt aber bem Icgteren
ein SSerfd^ulben jur 2aft, fo merben in ni(|t feltenen fällen bie SSorauöfetungen
ber ®ntmünbigung megen aSerfd^menbung üorlicgen, unb mirb alöbann bie
©^cfrau auö biefcm ©runbc bie 9luflöfung ber ©ütergemeinfd^aft ücrlongcn
fönncn. S)aju fommt, ba§ man baö Siedet ber ©i^efrau, um ©pcfulationen
bcrfctbcn entgegen jutrctcn, bod^ icbcnfallö an eine 5ßräflufit)frift mürbe binbcn
müjfcn, bie geftfc|ung einer fold^cn 5ßräflufit)frift aber immer üroa^ me^r ober
meniger SBillfürlid^cö unb ctroaö SKifelic^eö bat. SBcrfagt man ber ®^efrau
in bem t)orauögefc|ten galle ba^ SRcd^t, bie Sluflöfung ber ©ütcrgcmeinfdf^aft
}u verlangen, fo fann im ^Inblidfc auf § 1361 5lbf. 2 unb § 1352 no^ rocntgcr
bcm ©bemanne im gaüc beö Äonfurfeö über baö SBcrmögcn ber ©^efrau ein
entfprcd^enbcö 3?e^t gegeben merben.
sttwefcr- 6. Slbmcid^cnb oom gcfcglid^cn cl^elid^cn ©üterred^tc (§ 1328 3ir. 3, 4 :
'1"«^' »«^9l- «w* olbcnb. ©ef. o. 24. 3lpril 1873 3lrt. 27 § 2) foD bei ber oUgemcinen
Sfagemeine ©ütcrgemcinfd^aft. 3(ufIöfuno. § 1372. 399
©ütergcmcinfd^aft Me 9lnorbnung einer Slbrocfenl^eitöpffegfd&oft über bcn ©^c^ cntmünbi.
mann ober bie ßntmünbtgung beöfelbcn wegen (SeifteÄfrant^eit Quf bcn Scftanb ^"^dfT^/"
ber Oütergemeinfd^aft ol^nc Sinflufe fein. ®ie ©rünbe, auf meldten bie SSor^ '^«"'^«*
fünften be« § 1328 9tr. 3, 4 berufen (t)ergl. bie SRotiüe ju § 1328 oben
6. 299 ff.)/ treten bei ber allgemeinen ©ütergemeinfd^aft gegenüber ben auö bem
fflefen ber letzteren pd^ ergebcnben prinjipicllen ©efid&töpunften unb bcn
fi^roeren 9lo^t|eilen, roeldbc bie Sluftofung ber allgemeinen Oütergemcinfd&aft
für ben ©bemann jur ^o(gc liaben fann, in ben |)intergrunb. S)ie Orünbc,
aus weld^en ber (Sntrourf [\ä) bem oon bem meftfäl. @ef. o. 16. 9lprit 1860 § 4
unb oon anberen ©ütergemeinfd^aftsred^tcn cingefd^lagcnen SBege, in ben l^ier
in Siebe fte^enben göllcn bas äJermaltungöred^t beö ©liemanncö rul^en unb
auf bie G^efrau übergel^en ju lojfcn, nid^t ongefd^Iojfen ^at, ftnb bereits in bcn
aSotioen ju § 1358 oben ©. 363 ff. ongefü^rt.
7. 3lai) ber ©ingongdbeftimmung bcs § ,1372 fann bie ©l^efrau in benS'*^*'^«®^«*
gällen beß § 1372 neben ber äuflofung ber ®ütcrgemeinfd&aft jug(cid& 2^ren* a-renmmj ber
nung ber ®üter oerlangen. SBenngleid^ bie ©rünbe, ouö roeldöcn bie ß^efrau ^^*^**^
mä^ % 1372 bie StufCofung ber ©ütcrgemeinfc^aft oerlangen fann, mit ben«
jcnigen Orünben nirf|t ooBftänbig jufammenf allen, aus meldten fie bei bem
gefc^lid^en Oütcrftanbe bie SBeenbigung ber ef|cUdf|en 3?u|nie6ung unb SScr-
BJOltung ju f orbern bered^tigt ift (§ 1328), fo fc^en fte bod^ immer eine
3krle|ung ber bem ß^emanne in Sejiel^ung auf bad unter bcn ©Regatten
befte^enbe c^clid^e ®üterred^töoert|ältni6 obliegenben SSerpflid&tungcn oorauö.
6ö loürbe fid^ bal^cr nid^t red^tfertigen laffen, raenn baö ©efcg bie ei)efrau,
trojbem ed berfclben, um fte gegen bie Oefäl^rbung il^rer Siedete oon ©eiten
bf« g^Ktnanned ju fd^ü^en, einen fo fd^roeren ©ingriff in bejfen 9lcdE)te geftattct,
wie er in ber äluflofung ber ®ütergemeinfd|aft liegt, bod& nöt^igcn wollte,
bem ©bemanne badjenige SSertraucn ju fd&cnfen, mcld&eö bie i^m na^ bem
gefeftlid&en ®üterredf|te jufte^enbc clieli^c Sflugniefeung unb SBcnoaltung ooraus-
fejt, 2)aö Qtmi^tn beö burd^ bie ®ütcrgemeinfd^aft l[|crgeftellten innigen
oermogenöred&tlid^en SBerliättniffeö wirb jubcm Ijäufig ju mand^en ©treitigfciten
unb aSerroirfelungcn füliren unb nid^t fetten eine Störung beö perfontid^en
Str^filtnif^eö unter bcn ©Regatten jur golge ^aben. 3m 3ntcreffe beiber
2^ife wirb efi bal^er regelmäßig liegen, wenn burd& bie el^eli^e ^lugnicfeung
unb Senoadung tcin neuer Slnlafe ju SScrroirfelungcn gegeben mirb, fonbern
DoDftfinbige ®fitertrennung eintritt (oergl. code civil ijivt. 1449). SBie fid^
QUO bem ©ingonge beö § 1372 unb bem § 1381 crgiebt, foD eö ber ©l^efrau
jeboc^ unbenommen bleiben, ftatt S^rennung ber ®üter ju oerlangen, ju
beantragen, bafe in bem bie 9lufl5fung ber ®ütergemcinfd^aft bcftimmcnben
Urt^Ie ber ©intritt beö gcfe|lid^en ®ütcrftanbeö beftimmt merbe, in meldiem
SaUe biefe 33eftimmung in bem Urt^eile erfolgen muß (oergl. bie SBotioe ju
1381). 5Durd^ bie »orfd^rift beö § 1372, bafe bie ©l^efrau neben ber 3luf«
lofung ber ©ütergemeinf^aft S^rcnnung ber ®üter ju oerlangen bered^tigt ift,
ipirb )uglei(^ Ilargeftcllt, bag ber ©bemann bem Siedete ber ©l[|cfrau nic^t
genügt, wenn er in bem galle beö § 1372 f\ö) jwar ju einem bie 3luf lofung
ber ®utergemeinf4oft bcftimmcnben ©^eoertrage, ni^t aber jugleid^ jur oertragö«
mAligen ©infü^ng ber S^rennung ber ®üter erbietet.
400 aOö. ®üteröemcinf(^aft. auflöfunö. 9tc(j&t^ccrMrtm§. (§§ 1373-1380.)
8. lieber bcn fonftitutioen Rarafter bcö bie Sluflöfung bcr ©üter«
gemeinfd^Qft bcftimmenbcn Urt^eilcö (§ 1371 3lx. 2) oergl. bie SBotioe ju
§ 1328 oben S. 302.
§§ 1373-1380.
«e*w. ®ic §§ 1373—1380 regeln baö 9ied^töücrbältnii roel^eß nad) äufIBfung
"*'nocJ"* bcr ©ütcrgemeinfd^aft in Slnfe^ung beö ©efammtguted unb ber auf basfctbe
'ÄlTemeL?'^^* bcjic^cnbcn 3ie(]^töDer^ältni?fe im 35cr^ältniffe ber ©Regatten ju ©ritten,
j(^aft. ' insbefonbere ju ben ©efammtgutägläubigern unb im äJerJ^altnijfc ber ©Regatten
ju einanbcr eintritt. S)ie 99eftimmungen ber §§ 1373—1380 betreffen junad^ft
unb unmittelbar nur bie gälte, in roeld^en bie ©ütergemeinfd^aft nid^t burd^
ben arob eineö ber ©Regatten aufgelöft ift. 5Rad& § 1382 9lb). 2 finben bie*
felben inbeffen, t)orbef)alttid^ bcr befonberen SSorfdbriften ber §§ 1384 ff. über
bie fortgefc|te ©ütergcmeinfd^aft jroifd&cn bem übertebenben ©Regatten unb
gemcinfd^aftlid^en 3lbfömmlingen, aud^ auf bie burd^ bie Stuflöfung ber ©ütcr-
gemeinfd^aft in golge S^obeö eines ber ©Regatten nai) § 1382 3lbf. 1 eim
tretenbc ®cmeinfd&aft jroifd^cn bem übertebenben ©fiegatten unb bcn 6rben
bes oerftorbenen 6f)egatten 9lnroenbung.
oeitfnbed g^ bcu bcftcticnbcn JRcd^ten ift baö nad& Sluftöfung bcr ©ütcrgcmcim
fc^aft eintrctenbe 9ied^töt)cr^ältni6 fcfjr ücrfd^icben geftattet. SBielfad^ ^aben
biefclbcn junäd^ft nur ben galt bcr 9luftöfung bcr ®ütergemeinfdE)aft burd^ ben
Xob eineö ber ©fjcgattcn oor 3lugcn. 3^^"^ ^^^it bcrürffid&tigcn fie banebcn
nod^ befonberö bcn galt ber 9luflöfung ber 6f|c burd& ©^cfc^eibung. Sie^t
man t)on benicnigen dicä)ttn ^ier ab, roetd^e mit ber 3luflöfung ber ©fiter-
gcmcinfd&aft, namentlid^ im gaUc ber ß^efc^eibung, ba^ ©cfammtgut in feine
urfprünglid^cn SBcftanbtl^eite jcrfaDcn taffen, täfet man ferner bie befonberen,
mit ben ®t)cfdOeibungöftrafcn im 3uföntmen^ange fte^enben ocrmögcnßre^tli^en
golgen ber ©l^cfd^cibung (ocrgl. barüber bie SUotioc ju § 1452) unb biejcnigcn
Seftimmungen fjicr unberütffid^tigt, nad^ n)etd)en im gälte bcr 3Iuflöfung ber
©ütcrgcmcinfd^aft burd^ bcn Xob eines bcr ©Regatten bem übcrlebcnben 6^
gatten baö ganjc ©efammtgut jufällt ober fortgefefetc Oütergcmeinfd^aft ober
Seifig eintritt (ocrgt. barüber bie 3Äotioc ju § 1384), fo ergiebt eine SScrglcid^ung
ber oerfd^iebenen Sftcd^te im aDßcfcntlid^cn folgenbe SRefultate.
®emeinfam ift alten f)m in Setra^t fommenben SJed&tcn, bafe mit auf-
löfung ber ©emeinfd^aft baö ©cfammtgut in ein beiben ©Regatten no^ ben
geiool^nlid^cn ©runbfäfecn über bie ©emeinfd^aft bejro. bie ©rbcngemeinfd^
juftetienbcö gemcinfd^aftlid&eö SBermögen fidf) tjcrmanbelt; bod^ finb bie im gaUe
ber 3luflöfung ber ©ütcrgemcinfd^aft burd^ bcn 2^ob eineö ber ©Regatten bem
übertebenben ©Regatten unb ben ©rbcn beö Dcrftorbcnen ©Regatten on bem
gcmcinfd^aftlid&en SBcrmögen jufte^enben Sru^t^eile fe^r uerfd^ieben befHmntt
93iö 5ur erfolgten SKuöcinanbcrfefeung geftattet fid^ nad^ ben einjcinen Siedeten
baö Slec^töocr^ältnife bcr 2^l|eit^aber in Slnfc^ung beö gemcinfc^aftlid^en Sßer-
mögcnö praftifd^ übrigenö oerfd^ieben, je nad&bcm bie ä^^eit^abcr einer geroöljn'
tid^en ©cmcinfd^aft bejro. einer ©rbengemeinfd^aft über bie i^nen an bcn einjcinen
©egeuftänben äufte^enben 9lnt^eite frei ocrfügen fonncn, roic bieö nac^ ge*
attfi. ® fitcroemcinf d&aft. «wf löf ung. 3{ed&tßt?er6altni§. (§§ 1373-1 380.) 40 1
meinem Sted^tc ber galt ift, ober bie 2lnt()cUe bcr ST^eil^abcr an bcii eiujelncu
|u einem gemcinf^aftlic^cn SBermögen ge^örenbcn ©egcnftöiibcn, mie j. 33. naä)
bem prcufeifd^en St. S- 3lv biß jur erfolgten 3:^cilung gebunben finb <üergt.
preufe, 2L S. 31. II, 1 §§ 653 ff., I, 17 §§ 127, 151; code civil 3lrt. 1467 ff.).
2)ie aScrfd^ieben^cit bcr befte^enben SRedbtc jeigt fid^ oorncl^mlid^ auf bem
(Scbicte bcr ©d^ulben^aftung.
"Jlad^ bem einen Sqfteme haftet nod& 3luflöfung ber Oütergemeinfdiaft
mif (Srunb ber festeren lebcr ®l^cgatte nad) SSerl^äftnife beö il^m an bem
gemeinfc^Qftlid^en SBermogen jufteljcnbcn Sni^t^eilcö für bie (Scfammtgute:^
oerbinblidbfciten perfonlid^, unbef^abet bct x\)n — abgefcl[|en t)on bcr ©iitcr*
flcmeinfc^aft — ttxoa treffenbcn weitcrgel^cnben perfönüdjeu Haftung. Sod^
räumen oerf^iebene ber an fxäf auf biefetn Sobeu fteljenben SRedöte bcr S^e^
frttu ba& yitäfi ein, fic^ von biefer burd^ bie ©iitcrgemcinfd^aft für fic be*
grünbeten igaftung baburdb i^ befreien, bag fte bem ©efammtgute innerhalb
einer beftimmten grift unb in beftimmt oorgefd^ricbencn formen entfagt, waft
mcitcr }ur $o(ge l^at, ba^ ba^ ganje ©efammtgut bem ©bemanne bejn). beffcn
fobcn ücrblcibt, biefe aber anbererfcitö mit ben Ocmeinfd^aftöfd&ulben allein
belüftet roerben. ^n biefer 3Irt ift bie .^aftiutg für bie ©c^ulben namcntUd^
geregelt im lüb. SRec^tc (oergl. Seuffert XXXV, 39), in Srcmen, in äJerben
(^ier jebod^ nur in 3lnfe^ung ber oorebcUd^en ©d&ulben ber ©^efrau), in
Süncburg, ^ilbeö^eim unb in ber lippe^bctm. SBcrorbn. v. 1786 §§ 17, 15
(Dcrgl. ou<^ mürttemb. @ntn). §§ 263—269).
3ladi einer anbercn ©ruppe oon Siedeten fann bie ß^efrau fid^ nad^
Analogie bcr ©runbffifce über baö 3nt)entarred)t bcr ßrben burdf) bie orb*
miiigdmfigigc 9lufnal^me eincd ^Hoentarcd fomol^l gegenüber ben ©(öubigern
al% andf gegenüber bem @^emanne gegen bie Haftung für bie ©emeinfd^aftg«
fi^utbcn über ben Scftanb i^reö 3Int^eileö an bem gemeinfd^aftlid^en Vermögen
^inaud fic^rn. Sied ift bcr Stanbpuntt bcg I^amb. dlcd^ted unb bed meftfäl.
@cf. ü. 16. Slpril 1860 § 12 (uergl. aud^ ©efcfereo. ^enf. XV §§ 183 ff.;
e^renbrcitft. entm. §§ 81, 82; oönabr. @ntm. § 15). S)ie beiben julcfet bc^
jeii^neten Sßege vereinigt bad franj. 9led)t. 3la6) bemfe(ben I;aftet nad^ Stuf-
Bfung ber Oütergemcinfcboft auf ®runb ber lefttercu jcber @f|egatte für bie
@emeinf(^aftöf(^u(ben grunbfä^Ud^ iur ^älfte; ber @^efrau ift aber nid^t nur
bod dledbt eingeräumt, bie ©emeinfd^aft audjufd^lagen unb fid^ baburc^ gegcn^
über bem (S^emannc unbcbingt, gegenüber ben ©laubigem inforoeit uon bcr
^ftung für bie ©emeinfcbaftöfc^ulbcn ju befreien, ate fic benfclbcn nid^t aud
einem befonberen ©runbc pcrfönlid^ Ijaftct, foubern baneben and) bie Sefugnife
beigelegt, bur^ bie orbnungömäfeige 3lufnal)me eines Snoentarcö il^re Haftung
gegenüber bem S^emanne luic bzn ©laubigem mit ber oorl^er bcieid)neten
Sirfung ouf ben 93etrag bed i^r jugefaUcnen älntl^cilcd an bem gemcinfd^aft^
lic^n »ermogeu ju bef darauf cn (code civil 9lrt. 1453, 1471, 1472, 1482 ff.,
14ö2ft.). SJem fronj. 9led)tc ift unter einigen 9Kobififationen ber l^eff.
entw. IV, 2 3lrt, 475, 492, 493 gefolgt.
3n anboren iRed^tögebictcn ift oon oom^ercin fraft bed ©efegeö bie
^ftttng cineö iebcn G^egatten — unbefd^abet ber i^n, abgefel)en oon ber
(Sütergemeinfd^aft, treffenbcn perfönlidden Haftung — nur auf baöienigc be^
IbtiM I. MrgcrL 9t\t%ht^ IV. 26
402 9100. ®üteröemcmi*aft. Stuflöfunß. 5Re*tgöec]6artm§. (§§ 1373—1380.)
fd^ränft i^ctd er aud bem gütergemeinfd)aftltc^en SSermögen erlangt I)at. 9lur
eine in bicfer 3lrt bc|d)ränfte Haftung wirb angenommen nad^ bcn SRcd&ten
von Sd^leöroigs^olftein, Don äßünfter, ©rbad^, ^oljenlo^e, 5ßappenl|eim, 6k^
ftöbt, SBamberg unb inöbefonbere nad) bem preufe. 21. 2. SR. II, 1 §§ 661, 758.
Db bieö and^ nad^ gemeinem 9ted)te ber ^aQ ober nad^ bem letzteren eine
perfönlid^e Haftung ftattfinbet, ift beftritten.
«>»e 9Son ben oerfd^iebenen moglid&en 3Begen, baö 9ledötöoer]^äItni6 na^
"^ÄTn" 3luflöfung ber ©ütcrgemeinfdjaft ju geftalten, ift an fid) alö ber nod&ftliegenbc
»«ö«. |j|^5 yy^xn prinsipicUen Stanbpunttc aus bem SBefcn ber (Sütergcmeinfc^aft
Diellcid^t am meiften cntfpred^enbe SBeg bieienige ©cftaltung anjufe^cn, nad^
roeld^er mit 9luflöfung ber ©ütergemeinf^aft baß ©efammtgut fic^ in ein
beiben G^egatten nad^ ben gen)ö^n(id^en ©runbfögen über bie (Bemeinfd^aft
(§§ 762 ff., §§ 947 ff.) ic iur ^filfte juftel)enbed gemeinfd&aftU^efi aSermögcn
t)ern)anbelt, bie G^cfrau für äße Oefammtgutäoerbinblid^teiten ben ©laubigem
jur ^älftc t)aftet unb {eber ber ©Regatten gegenüber bem STnberen bie im
. SBerf)ältniffc berfelben jii einanber bem ©efammtgute jur Saft fallenben ®e»
fammtgutöoerbinblid^fciten (§ 1367 Slbf. 1) jur .^älftc ju tragen l^at. SKit
ber Sluflöfung ber Oiütergemeinfd^aft fällt ber ©runb, auf roeld^cm cö be?
rut)t, bafe bcn ©tjegatten roä^renb beß S3efte^enß ber ©ütergemeinfd^ft baß
Oefammtgut unget^eitt juftct)t, Ijinroeg. Gß ift batier fonfcquent, wenn
mit bem SBegfallen jeneß Ö3runbcß nunmehr bie Slnt^eile ber Gfiegotten on
bem ©efammtgute atß felbftänbigc SBcrmögenßred()te in ber 9lrt ^croortreten,
bafe iebem 6l)egatten nad^ SRajägabe ber allgemeinen ©runbfoße über bie
©emeinfd^aft (§ 764) bie ^ätfte jufte^t, unb jioar nid&t nur an bem ©anjen,
fonbern aud^ an ben einjelnen baju ge^örenben ©egenftfinben. SKnbererfeitö
liegt eß in ber ^Jtatur ber Sad^e unb mirb eß bei biefem SBege burd^ baß
3[ntercffc ber ©efammtgutßgläubiger geboten, ba^ bie G^efrau, menn i^r bie
^älfte beß ©efammtguteß alß ein i^rer freien SBerfüguug unterliegenbeß Skr-
mögenßobieft jufällt, gegenüber bem Gfiemanne bie i&älfte ber in bem SBer«
b<niffe ber Gl)egatten ju einanber bem ©efammtgute jur Soft fallenben
©efammtgutßoerbinblid^feiten ju tragen oerpflid^tet ift unb für alle ©efammt^
gutßoerbinblid^feiten ben ©täubigern jur ^alfte haftet. S)er für bie G^efrcu
barauß cntftel^enben ©efalir, über ben SSetrag ber i^r jugefallcnen ^alfle be«
©efammtguteß binattß jur äSeja^limg ber ©efammtgutßocrbinblid^Iciten bei^
tragen ju müjfen — einer ©efabr, gegen meldte biefelbe im älufc^luffe an bie
neuere Sled^tßentmidFetung angefid)tß beß bem G^emanne mö^renb befte^cnber
G^e eingeräumten freien SSerfügungßred^teß über baß ©efammtgut, inft*
befonbere angeftc^tß beß Sled^teß beßfelben, o^ne 3u)iel^ung ber G^efrau mit
SBirffamfeit in ^nfef)ung beß ©efammtguteß Sd^ulben }u mad^en, uot^menbtg
gefd^üfet werben mufe — , fann bei bem in Siebe fte^enben @Qfteme in auß*
reid^enber SBeife babtird^ entgegengetreten merben, bag ber G^efrau noc^
bem ^orbilbe beß franj. dted^teß nid^t nur baß 9{ed^t, baß ©efammtgut auß«
jufd^lagen, fonbent aud^ baß 9led^t beigelegt mirb, burd^ bie 9lufna^me eineß
Snoentareß ftd^ gegen eine über ben 83etrag beß i^r jufallenben 9lnt^ilcß an
bem ©efammtgute l)inaußgel)enbc Haftung ju fidlem. 3luf ber anbercn Seite
mirb baburd^ baß 3ntcreffe ber ©efammtgutßgläubiger nid^t gefä^rbet, namentlich
aag. ®uteröcmcinf*aft. auflöfunfl. JRcd&tSüerJättmg. (§§ 1373-1380.) 403
TDcnn man bcn Icgtcren in ä^nli^er aSBeifc, wie ben Grbfd^aftögläubigeru
(§ 2150), ein aibfonbcrungörec^t im Äonfurfe über baö SBennbgcn ber ßfjefrau
beilegt, ^r baö porftc^enb bejeid^ncte ©qftem täfet fid^ femer geltcnb mad^en,
ba| ed ben beftel^enben Metten am nad^ften fommt, inßbefonberc mit bem
fronj. Sichte unb — abgefe^en von bem 9liidfd)logungöred&te — aud^ mit bem
loeftfäL @ef. v. 16. april 1860 § 12 im ©inflange ftef)t. SDeti für iencö
©pftem fprcd^ciiben ©rünben fte^cn inbeffen anbererfeits fd^roerroiegcnbc 93c^
benfen gegenüber. a)ie änroenbbarfeit ber erbred&tlid&en SBorfd^riften über baö
^noentarrec^t (§§ 2092 ff.) auf bcn ^ier in SRebe fte^enben goH fü^rt —
ganj abgefe^en baoon, bag cö tttoa& Siünftlid^efi l()at, biefelben aud^ ba an«
juioenben^ mo ein i^obcÄfoII nid^t vorliegt, ba% inöbefonbcre bie Slnomafie
cineft ^rtifularfonfurfed über ben ©efammtgutdant^eil ber (S^efrau fid)
baranö ergeben mürbe (oergl. §§ 2110 ff., § 2150) — in i^rer ©urd^fü^rung
ju bcn größten ©d^roierigfeiten unb Äomplifatlonen. ©aju fommt, bafe
no4i jenem ©^fteme im ^inblidfe barauf, bafe ber ©^efrau bie ^älftc
bcd (äefammtguted unb ber einiclnen baju ge^örcnben ©egenftänbe, inö-
befonberc auc^ ber gorberungen, ate ein i^rer freien SBcrfügung untcrliegenbeö
ISermögcnöobieft jufällt, anbercrfeitö ber g^emann für alle im SBerl^ältniffe
ber S^gatten }u einanber bem ©efammtgute }ur Saft faUenben ©efammtgutd-
BerbinbUd&feiten ber ©fjefrau unbefd^rfinft l^af tet, baö 3!ntereffe beß ©^emonne« in
^o^em ®rabe gefoi^rbet mirb. Sic aud ber Slnmenbung ber erbre^tlidtjcn 93or«
fünften über bafi 3nocntorrcd^t l^ergeleiteten 93ebenfen mürben aBerbingö meg-
fallen, loenn man nai) bem Siorbilbe ber oben @. 401 angefül^rten älteren
beutfd^en Siedete ber S^efrau nur bad Siedet beilegen mürbe, baö ©efammtgut
<iuft}uf(^Iagen unb fid^ baburd^ Don aQer Haftung für bie im 93er{)&(tniffc ber
<^gatten ju einanber bem ©efammtgute jur l^aft faUenben (Sefammtgutö:"
Dcrbinb(i(^feiten a(ö fold^e ju befreien unb ben @()emann allein bamit ju bc^
loften, Slüeiu biefer 3Beg mirb bem 3ntereRc ber Gfiefrau ni^t geredet ; bem-
felben fielen im 9Befentlic^en biefelben ®rünbe entgegen, auö meldten aud^ ber
<Srbe ni(^t auf bie SBal^l bef^ränft ift, entmeber bie @rbfd^aft auögufd^lagen
unb ftd^ baburc^ Don ber Haftung für bie ©rbfd^aftöfd&utben ju befreien, ober
bie ßrbfd^aft anjune^mcn, bann aber perfönli^ ju haften. Sie gälte, in
tDe((^n imeifel^ofte ^Infprü^e auf erl^eblid^e Beträge geltcnb gemad^t merben,
fmb ni<^t feiten. @ö mürbe unbillig fein, bie @^cfrau, meldte im ^inblidc
4mf bad aÖcin bem (S^emannc 5uftel^enbe Sicrmaltungdrec^t in Slnfc^ung beö
"(Sffammtguted mit ben 93erl^ältnif[en bcö legtercn rcgelmäjsig nxi^i näljcr
bcfannt fein mirb, in fold^en fallen in bie 3n)angdlage ju Dcrfegcn, megcn
einer entfernten ®efal|r, um fi(^ gegen biefelbc ju fidlem, baö ©cfammtgut
auöfd^lagen ju muffen. ®aju tommt, bag aud^ bicfem Sqftcme icbenfallö baö
eben ^erDorge^obene, auö ber ©efä^rbung bcö Sntcrcffcö bcö G^emanneö f|er^
geleitete Sebenfen cntgegcnfte^t.
Die gegen bie im 93orftel^enben bcicid^netcn ®t)ftcme ftd^ er^ebenben
Sebenfen mürben menigftenö jum 2^^eil pcrmicben merben, menn man im
t^nf^luffc an bie oben @. 402 angeführten Siteren beutfd^en 9led^te unb au
boö preug. 9. S. 91. beftimmte, bag bie @§efrau rüdfid^tli^ ber nid^t in i^rcr
^erfon entftanbenen ©efammtgutöDcrbinblid^feitcn nur mit ber itjr jugefaHencu
26»
(Sntiourfef.
404 aag. @ütcröcmcm[d6aft. auflofitnß. SRcd&t^l^crJälttui (§§ 1373—1380.)
§älftc bcö ©cfommtgutcö ju l^aftcn l^abe. 9lHcin fo cinfad^ auc^ bicfcr
2Bcg crfd^eint, fo ift bcrfclbc bocft — abgcfcldcn baüon, baß er in gicidjcr
SBeife^ tdic bic anbeten ®t)fteme aud ben oben bargelegten (Srunbcn baft
3nterc5fc bed ß^cmanneß gefäl^rbct — um bcöroiHen nid^t ju empfei^Ien,
meil cd im ^inbüde barauf, bag ed ftd) ^ier um ben Uebergang eined^
Srud^tl^eileö eincö gonjen SScrmögenö ^anbclt, mit bcm Sntercffe ber @(Su6tgcr
nid^t ücreinbar ift, ber G^efrau bic SSefugnife ju geben, bic ©(öubigcr
auö bem il^r jugefaücnen Slnt^eilc an bem Ocfommtgute, roic fie fid^ mclben^
5u bcfriebigen, a(fo t)on ber 33erpflid)tung ber e^cfrau ju einer prioritätö^
mäßigen bejm. oerl^filtnigmögigen ^efriebigung ber ©Ifiubiger ganj Qbjufe^en.
Segt man aber ber (gl^cfrau eine fold^e SSerpffid&tung auf, fo ftel(|t man mieber
oor ben mit ber SÄnroenbung ber ©runbfagc fibcr baö Snoentarrcd&t ocr^
bunbenen @d^mierig{eiten.
^liniip bcB Sie mit ben ermähnten ©pftemcn ücrbunbenen Sd)roierigteiten fallen
im aCBefentUd^en meg, unb baö SSer^filtniß mirb anbercrfeit« in einer
ben 3ntereifen beß (S^emanneö, ber ©^efrou unb ber ©(fiubiger gfeit^mäfeig
SRcd^nung tragenben 9Beife geftaltet, mcnn man nad^ 3lnaIogie ber S3eftimmungcn
beö $. ®. 33. über baö (Sefellfd^aftöDermögen einer offenen ^anbetegefellfd^aft
bcito. einer JtommanbitgefeOfd^aft (t)erg(. awä) § 659) aud^ nad) ^eenbigung
ber ©ütergemeinfd^aft bad bidl^erige ©cfammtgutdoer^äHnig fortbefte^en lägt,
jcbod^ mit ber aJlobififation, bog ber fpätcre Crroerb ber ©Regatten unb bic
für einen berfelben fpäter cntftanbenen SBerbinbUd^feiten nid^t in bie ©emein?
fd)aft faQen, an bie @tcQe bed SSermaltungöred^teö bed S^emanned ber ©runb^
faß ber gefammten ^anb tritt unb Jcber Gfiegatte bic 3ludeinanberfeßung oer^
langen faint, bag alfo @onberrcdE)te ba* G^egatten an bem ©efammtgute erfl
in imb mit ber atuöeinanberfefiung ^eroortreten (§§ 1373, 1376). 2>em
3intereffc beö (Seemannes, melier aud& für bie im SBer^ältniffe ber G^egatten
JU einanber bem ©efammtgutc jur Saft faüenben ©efammtgutöoerbinblid&feiten
unbefd()ränft haftet (§ 1359 Slbf. 2, § 1380), wirb in t)oUem SKafee babur^
genügt, bag bie @^efrau über i^ren 3(nt^eil an bot 5um @efammtgute gc^
Ijorcnbcn cinjelncn Ocgenftänben vox erfolgter Sluöeinanberfeßung nit^t oer^
fügen (§ 1373) imb ber ©bemann t)erlangen fann, bafe oor erfolgter 2^ei(ung
bed 9lftit)t)ermögend junäd^ft bie 93erid^tigung aQer im 93er{)ä(tnif[e ber @^e^
gatten }u einanber bcm @efammtgute ober ber G^efrau allein gur Saft faOem
ben ©efammtgutdoerbinblid^Ieitcn auö bem ©efammtgute erfolgt unb bie
G^cfrau benienigcn SSctrag, melden fie wegen S3erid)tigung ber i^r oUcin jur
Saft fallenben Oefammtgutftocrbinblid^feiten aus bem ©efammtgute bcm legterm
ju crfeftcn f|at, ouf ben i^r gebü^renben Stfjeil bcö ©efammtguteö fic^ an*
red)ncn lägt (§§ 1376^-1378). 3lnlangenb bie G^efrau, fo ift biefelbc na*
bem @t)fteme beö Gntmurfeö rütffid[)t(id^ ber nid^t in i^rer ^to^on entftanbenm
©efammtgutöoerbinblidifeitcn gegen jebe Haftung über ben öctrag i^rcö 9ln*
tf)eUeö an bem ©efammtgute t^inauö fomo^l gegenüber ben ©laubigem aU^
gegenüber bem G^emanne gefd^üfet (§§ 1359, 1377 S^bf. 1, § 1380). 3)er
©cfa^r, ba6 fie wegen ber in i^rer 5ßerfon cntftanbenen ©efammtgtüft»
Dcrbinblid^feitcn, meldte in bem 93erl^ä(tnif[e ber G^egatten )U einanber bem
©efammtgute jur Saft fallen, oon ben ©Iftubigern perfonlid^ in älnfprud^ ge*
affgemeine ®utcröemeinfd&aft. auflöfuno. ©cfatnmtgut. § 1373. 405
iiommcn wirb uiib i^r nur ein JRcgrefeanfprud^ 8^9^^ ^^^ ©I)cmann juftel)t
(§ 1380), toirb babnxö) begegnet, bofe fic nad^ §§ 1376, 1377 3lbf. 1 t)crlanflcu
tann, ha% bei ber 9Iuöeinanberfc|unfl junäddft otte ©efammtgutöücrbinblid)'
toten ouö bcm Oefammtgute berichtigt werben, xod(i)t im SSerl^ältniJtc bcv
Grotten }u einanber bem @efammtgute jur Saft fallen. S)aburd^ toirb ju-
glei(^ bod 3ntereffe ber @efammtgutdg(fiubiger, üorbe|a(t(id^ ber ^oge, loic
bod Ser6&(tnig im %aUt bed jlonturfcd über baö SSerm&gen eines ber S^e^
gatten }u geftalten ift (t)erg(. fDlotvot jti § 1375) in audreid^enber äßeife gen)a^rt.
3um 3c^u|e ber ©^efrou gegen Senad^tl^eiügungen burd^ ben Seemann bient
ferner bas mit ber 9(uflöfung ber ©ütergemeinfd^aft eintretenbe ^rinjtp ber
flcfommten ^anb (§ 1373). ^m Uebrigen wirb, fooiel bie ©eftaltung beö
SkrWItniffeö im ßinjelnen betrifft, ouf bie befonberen äWotiüc ju ben cinje(ncn
Paragraphen Sejug genommen.
§ IHTS.
S)er § 1373 bringt boö ben Seftimmungcn beö preufe. 31. 2. 91. über bie dfo»^»^«»«' *>«*
©emeinfd^aft ber äWiterben unb ber ehemaligen ©ütergemeinfd^aftögenofien gSumJau.
{oergl. oben S. 401 ; Urt^. b. SR. ®. bei ©rud^ot XXVI S. 1166) natieftc^enbc, ^!^^^^^^^^^l
in ben allganeinen SKotioen ju ben §§ 1373—1380 oben ©. 404 bereits näl)er ^t^m^.
begrünbctc ^rinjip jum 3luöbrucfc, bafe aud^ wad) Sluftofung ber Oüter-
gcmcinfd^oft baö ©efammtgutöoerljöltnife fortbeftel)t, icbod^ mit ber OJlobififation,
bafe ber fpäterc ßrroerb ber ßfiegatten, oorbe^altti^ einer nad) § 1373 Slbf. 2
ftottfinbenben ©urrogation, nid)t mel^r in baö Oefammtgut fällt unb bie für
einen ber G^cgatten fpätcr cntftanbenen SBerbinblid^fciten ni^t mef)r ©efammt^
8«töo«:binWid[>feiten ^xni, bafe ferner an ©teile beö ioäl[|renb 33efteljenö ber *""»«p ^^
<9utergemcinf<!^aft bem G^emanne allein juftel)enben 9Senoaltungöred|tcö ba^ ^^^^^^
^rinjip ber gefammten ^anb tritt unb jeber ber ß^egotten bie 9tuöeinanbcr>
fejung perlangen fann (§ 1376). 2)a mithin jebem berfelben nad) Sluf-
lofung ber ©utergemeinfc^aft ber 9lnt()eil an bem ©cfammtgute alö ©anjcni
Ate ein felbftänbigeö ©onberred&t jufte^t, fo ift cd fonfcquent, baß bicfer Wn^^«rf««t
9nt^i( 5u ©unften ber ©lÄubiger beö betreffcnben ©Regatten ber ä^^o'^flS' ber«mbciie
ooflftrcrfung unterroorfen ift. 9ln fid^ würbe bie ftonfequenj weiter bal^in ^«^«'""^s"*«-
führen, aud& bie Sßeräufeerung ober SSelaftung beö Slnt^eileö an bem
^ommtgute als ©anjem jujufaffen. Snbeffen ift eö alö angemeffener er-
a^tet, bie 3wlflfigf^t ^^^^^ fold^en SBeräufeerung ober Selaftung pofttio auö^
juf<i^lie§en unb beö^erlb infomeit ben § 1345 Slbf. 1 für anroenbbar ju erMären.
Senn man aud^ entf^cibcnbeö ©emid^t barauf allein nidjt legen will, bag bie
Seräufeerung ober ©elaftung beö Slnt^eileö nad^ ben §§ 312, 1208, 294 burd)
einfädle äßiUenöerflärung nad^ SRaggabe ber SSorfd^riften über Slbtretung einer
gorberung erfolgen fonnte — ein SRefultat, roel^eö für fotd&e gällc nid&t
unbebentUd^ ift, in meieren SHed&te ju bem ©efammtgute geboren, ju beren
Uebertragung burc^ SRcd&tögcfd^äft fonft bie Eintragung in ba& ©runbbud^ er-
forbett roirb — , fo lommt bo^ weiter in SSetrad^t, baß eö ber ©igent()ümtid&*
teit bc« ftier fraglid^cn a3erl)ättnif[eö nic^t entfprid^t unb ju erlieblid&en Uebet-
ftänben fü^rt, wcim ein G^egatte eö in ber ^anb l^aben foll, burd^ Sßeräußcrung
406 9lttöc«t. ©utcröcmeinf^aft. Sfuflofung. Stt^anoöCöUftrcdfung. § 1374.
fciiieö 9lntl^cilßrcrf|tcd bcm anbcrcii G^cgotten eine frembe 5ßcrfon als antl^cilö^
bercd^tigt gcgenüberjuftelleii. !^mat fann anä) bic 5ßfänbborteit bcö Stnt^eildi^
red&tcö eine ©inmifd^ung brittcr 5ßcrfonen mit fic^ bringen; allein burd& bic
Suloffung ber SSeräufeenmg roirb bie 3^^! bicfer gälle ol^ne 9iot^ üermc^rt,
roä^renb bic 5ßfänbung beö SlntJ^cilörcd^teö, roeld^e mit 3iü(!fid|t auf bic naäf
Slupfung ber ©ütergemeinfd^aft cntftanbcncn 9li(i^tgcfammtgutöt)erbinbHd&^
feiten eined 6f|egatten nic^t DöUig abgefd^nitten werben fann unb jubcm nie
}u einer SBcräufeerung beß Slnt^eileö, fonbern nur 5U ber Sluöeinanberfegung
füfirt, nur auönal^mömcife 5ßlag greifen wirb.
2)ie proienuaIifd}e grage, mit meld^em 3lfte unb in meld^em 3^itpunftc
in bem ^ier in Siebe ftel^enben ^aUc bie 5ßfonbung a(ö bewirft aniufcljeu ift^
ift nad^ ben öeftimmungen ber 6. «ß. D. (§ 730 9tbf. 3, § 754 Sttbf. 2) ju
beurtl[ieilen. ©ine SBeranloffung, in biefer Sejie^ung für ben ^ier fraglichen
fpejiellen %aü bie 6. % D. ju beflariren, liegt um fo weniger oor, ate bic*
felbe grage fid^ aud^ in anbercn äl)nlid^en, nid^t minber mistigen gäücn
erljebt. 9lud^ befonberc SBeftimmungen barüber, in weld^er Slrt bie 9lus^
einanberfe^ung im SBegc ber SwangöüoDftredfung ju erfolgen l;at, ftnb im
^inblicfe auf § 754 Slbf. 3 ber 6. 5ß. D. cntbe^rlid^.
öemeinfc^ft. 3113 felbftoerftänblid) ift eö ferner erachtet, bafe mit Sluflöfuug ber
©tpMnb" ®ütergemeinfd)aft bie G()efrau von bem Gf)emanne ben gemeinfd^aftUc^cn SBcfit
sn^euitfl. uiib bie aWitinl^abung ber ju bem ©efammtgute ge^örenben ©ad^en oerlangen
fonn, was für fie von Scbeutung ift, um fid) gegen cinfeitige SSerfügungen
JU fid^crn. S)aö 9led)t beö gemeinfd^aftlid)en S3efi6eö (§ 799) unb ber SSit*
in^obung ift nur eine Äonfequenj beö ber juriftifdjen 9latur beö beutfd^red^t-
liefen äßiteigent^umeö entfpred^enben 5ßrinjipeö ber gefammten ^anb.
inwieweit einjelne SSorfd^riften über bie Oemcinfd^aft nad) ©ruc^tl^cilen
(§§ 763—773) auf bie nad) Sluflöfung ber ©ütergemeinf^aft in älnfc^ung
beö ©efammtguteö fortbauernbe, ebenfallö nur einem Dorübergel^enben S^Jerfc
bienenbe ®emeinfdE)aft anwenbbar [xnb, nomlid^ fold^c 33orf^riften, wel^c nic^t
auf ber SSorauöfegung einer nad^ Snic^t^eilen befte^enben ©emcinfc^aft
berufen (uergl. j. 33. § 765 3lbf. 2 Safe 1, §§ 767, 768), ift ber aCSiJfenfd^aft
%mt jur unb 5ßrajiö übertajfeu. 3lai) bem SSorbilbc ber §§ 1033—1036, 1217, 1218
^ierilr^ ift eö icbod) für erforberlid) erad^tet, um biö jur erfolgten Sluöcinanbcrfcfeung
»erwaitunfl. eine orbnungömäfeigc aSerwaltung beö ©efammtguteö ju ermöglid&en, auÄ?
brüdPlid^ JU beftimmen, bafe ber eine ©begatte gegenüber bem anbercn ©Regatten
verpflichtet ift, ju einer bel)ufö ber orbnungömäfeigen Verwaltung erforberlid^cn
SKaferegel mitjuwirfen.
§ i;}74.
3ioünfl3* ^a naä) Sluflöfung ber ©ütergemeinfd^aft ber ©bemann einfcitig über
7iScn*bo«^ ^^^ Oefammtgut nid)t meljr oerfügen fann, fonbern baö ^rinjip ber gefammten
öefammtflut <Qanh wirffam wirb, fo ift auö benfcfben ©rünben, weld^c ju ber 93cftimmung
. beö § 1314 Ülbf. 1 gefflfirt ^aben (oergl. bic 2»otiüe ju § 1314 oben S. 257 ff.),
in bcm ^ier in JRebe fte^cnbeu galle bie 3it)angöooUftredung gegen baö (Sefammt?
Slllöcm. Oütergcmctnf^aft. 2(uflöfung. 3tt'anööüonftrc(Iiing. § 1374. 407
gut nur bann qIö ftatt^aft ju ccad^ten, wenn ein ooUftrcdEbarer 2^UcI foioolif
gegni bcn 6f)cmQnn als gegen bic ß^efrau Dor^anbcn ift. ©egen bcn @{|es
mann, locld^cr für alle ©efammtgutöoerbinblic^feitcn perföntid^ f)aflct (§ 1359
Sbf. 2) ttiufe — in gicidjer SBeifc, n)ie in bcm galle bes § 1314 5ttbf. 1 gegen
Me g^efrQu — ein Quf Seiftung, gegen bic G^efrau, foraeit bicfefbe für bic
Sefammtgntöocrbinblid^teitcn perfönlid^ nid^t ^aftet, ein auf bic (Seftattung
bcr SroottgsooIIftredEung gegen baö ©efammtgut gerid)teter ooUftrecfbarcr 2^itct
wrlicgen. ^aftet bagegen and) bic Gljcfrau wegen ber betreffenben ©efammt*
9utocrbinbli<|fcit perfontid), fo ift cß genügenb, xomn gegen bicfelbc ein auf
Srijtung gcrid^tcter üoUftrectbarer S^itcl vorliegt, äumat bie SSerurtfieihing jur
gfijlung aud^ bic Sßerurt^eilung jur ©eftattung bcr S^jangöpollftrerfung gegen
bad ©efammtgut in ftd^ fd&liefet. 2)ic Seftimmung beö § 1374 3lbf. 1 Sag 1
fcnn DicUeid^t afe felbftoerftänblid^ angefcl^en werben. S^beffen ift cö jur
Scfeitigung oon 3weifeln ratfifamcr, bicfelbc in baö ©efefe aufjune^men.
S5ic cntfprcd^cnbc Slnwcnbung ber SBorfd^rtften beö § 1314 3lbf. 2, 3 «oaiirwföare
roltfcrtigt fic^ burc^ bic änalogic bcr SBcrliättniifc, bic »eftimmung bcö'SJJrJSS?
§ 1374 Slbf. 2 burdö bic Analogie bcö § 1315 unb beö § 1360 äbf. 2. 210:^ ^«« «^jjjj|
loeic^nb Don bicfcn tcfeteren SBorfd^riften ift icbod^ im § 1374 9lbf. 2 bcr %(xU, xtteia a^Vn
Bwin bic ©ütcrgcmcinfd^aft roäljrcnb bcr SRcd^tö^ängigfcit bcö SHed^töftreitcö ^'' ^^'^^«•
Ottfgelöft ift, bcm gaUc, wenn bic 3luftöfung bcr ©ütcrgcmeinfd^aft erft naä)
SJcenbigung beö SRcd^töftrcitcö erfolgte, nid^t gtcie^gcftellt. SSßar jur ^dt ber
8iifI6fung ber ©ütergcmcinfd^aft ein jum ©efdmmtgute gel^örenber ©egen-
ftanb in bem Streite befangen, fo ift cö im §inblicte auf bic Slnalogic bcr
^ 236, 665 bcr Q. % D. alö fctbftt)crftänblid& crad&tet, ha^ ha^ in bem SRcd^tö^
flrrite bcö ß^cmonncö nad^ ätuftofung bcr ©ütcrgemcinfd^aft ergangene Urtljcil
in änfc^ung beö ©cfammtgutcö au(^ gegen bic ©^efrau wirffam unb tjoll^^
firetfbar ift. 3)ic SÄuöbc^nung bcr ©eftimmung bcö § 1374 3lbf. 2 aber auf
ben göU, wenn bcr jur ^üt bcr SKuflöfung ber ©ütergcmcinfd^aft bereitö an^
^gtge Sled^töftreit einen pcrfönlid^cn Slnfprud^ jum ©egenftanbe l^at, ift oom
etonbpunftc beö 3ntcreffcö ber Ehefrau auö für bebenHid^ gcl^alten, weil a(ö^
bann ber Seemann bejn). bcffen Grbcn in bcr Sage fein würben, im SBibcr^
fpruc^e mit bcm ^rinjipe bcr gefammten ^anh auf bcm SBcgc bcr ^ßrojefe-
fii^ng cinfeitig jum 9lad(ft^cilc bcr ©Jicfrau ju verfügen. 35ic 2tnaIogic bcö
§ 1360 9lbf. 2 trifft l^icr infoweit nid(|t ju, ba bic 3ntcrcffcn bcr ei}cgattcn
in bcn ^icr in JRcbc flc^enbcn göBcn, namcntUd^ wenn bie ©ütcrgcmcinfd^aft
in golgc ©^cfd^cibung ober auf SÄntrag bcr Gf)cfrau burd^ rid^terlid^eö Urtf)cil
(§ 1371 9lr. 2, § 1372) bccnbigt ift, nid^t, wie im 'gaDc bcö § 13ß0, .§anb
in ^nb, fonbcrn auöcinanbergc^cn.
3fi in bem galle bcö § 1357 baö Urt^cil gegen bic ß()cfrau bereitö t)or
bcr Sttflofung bcr ©ntcrgcmcinfd&aft ergangen, fo ücrftc{)t cö fid) Don felbft,
baft, wenn boö abgc!ürjtc SJcrfal^ren bcö § 1360 9lbf. 2 gegen bcn Gfjcmann
mo^renb beftc^enbcr ©ütcrgemcinfe^aft trog feincö einfeitigen aScrwaltungö^
tcfj^ fiatt^ttft ift, baöfclbc um fo mcljr juläfftg fein muß, wenn mit ber
Suflofung bcr ©ütcrgcmeinfd^aft baö SRce^t bcö G^emanncö nad^ § 1373 burd&
baö $rinjip bcr gefammten §anb bcfc^ränft ift. 9Bar bagegen ber :Jled)töftrcit
bcr Gfiefrou jur 3cit bcr 2luf(5fung ber ©ütergemcinfc&aft nod^ an{)ftngig, fo
408 allgemeine ©uteroemeinf^aft. giuflöfunö. Äonfur§. § 1375.
tann auf @runb bed naö) biefem S^i^PU^^^^^ 9^S^^ ^^^ (S^efrau ergangenen
Urt^cilcö baö abgcfürjte SSerfa^rcn gegen bcn ©Ijcmann nic^t in rocitercm
Umfange juläffig fein, ate nad^ Dbigem gegen bie Gfiefrou auf (Srunb cineö
nad^ 9Iuf(5fung bot Oütcrgemeinfe^aft gegen bcn G^emann ergangenen Urt^eileft.
§ ia75.
Äontur« 2)ic S3cftimmungcn beö § 1375 finb eine Üonfequeuä beö mit Sluflöfung
0atunoorb!^ber @ätergemeinfd^aft eintretenben ^rinjiped ber gefammten $anb, fomie bed
^"JJJJJJ"^*'^'' ©runbfageö, ha^ mit jenem 3citpwnfte ber 2lntl)ci( eineß Gt)egatten an bcm
©cfammtgute infofern afe ein felbftönbigcß ©onbcrred^t I)erüortritt, alö ieber
ber G^egatten bie äludeinanberfegung ipegcn beö ©efammtguted ücrlangcn
fann unb baficr ber 9lnt{)ei( eines G^egatten an bem ©efammtgute )u ©unften
ber ©laubiger biefeö Göegatten ber 3n>öngdDoBftre(fung unterroorfen ift (§ 1373
ocrb. mit § 1 3Ibf. 1, §§ 14, 44 ber Äont. D.). 3»ad&t ber ftontuöDerroolter ober
ber nid&t im Äonfurfe bepnblidde G^egatte üon bem SRed^te ber Sluöeinanbcr^
fe^ung mä) SWaggabc ber §§ 14, 44 ber Äonf. D. ©cbraud^, fo finben auf bie
Sluöcinanbcrfefeung bie §§ 1377—1380 ainmenbung. ®abei ift eö atö felbft^
Derftönblid) üoraudgefe^t, bag, xocnn bad ©efammtgut jur Berichtigung aDer
©efammtgutötjerbinblid^feiten nad& aWaggabe beö § 1377 SSlbf. 1 ni(^t ftin^
reid)t, forool)! ber Äonfuröüemjaltcr alö ber nid&t im ÄouJurfe befinbli^e G^e^
gattc nad^ SKnalogic ber für bie SBert^eilung innerl)alb beö ftonfuröoerfolirenÄ
geltenben SBorfd&riftcn prioritätömäfeigc bejro. ocrftältnifemä^ige, überhaupt
f onfurömä§ige Serid^tigung ber ©efammtgutßtjerbinbüd^feiten Dertangen fönnen
(üergl. Sßotioc ju § 1377). 93on felbft üerftcl)t eö fid^ fenter, bafe ber
ftonfuroüerroalter bei 9luöübung beö SRed^teö, bie Sluöeinanberfegung ju per*
langen, pfüd^tmäfeig ju oerfafiren ^at unb ben Äonfurögläubigern, miti^in im
Äonfurfe über baö SSermögen beö Göemanneö inöbefonbere aud& ben ©efammt*
gläubigem, ba biefe alö perfönlid&e ©laubiger beö G^emanneö juglcic^ Äonfurö*
gläubiger fmb, üerantmortlid^ ift.
Sluö bcn 83eftimmungcn beö § 1375 in aSerbinbung mit ben aSorfd^riftcn
ber §§ 1376, 1377 3lbf. l, nad^ meldten ieber ber Gfiegatten oertangcn fann^
bag bei ber 9[uöcinanbcrfcgung aM bcm ©efammtgute fold^e ©efammtgutö^
ücrbinblie^fcitcn, meldte in bem SSerl^ältniffe ber Gbegatten ju einanber bcm
anbcrcn Gl)cgatten allein jur Öaft falten, aM bem ©efammtgute nid^t berid^tigt
rocrbcn (oergl. bie 3Rotii)c ju § 1377), ergiebt fid&, bafe im galle beö Äon*
furfeö über baö aSermögcn beö Gfiemanneö ba^ 3nterejfe ber Gfjefrau toDflänbtg
gefid)ert ift. dagegen läßt fid^ nid^t Dcrfenneu, ba^, ^ingefe^en auf boö 3nterefic
ber ©cfammtgutögläubiger , gegen bie Siegelung beö Gntmurfeö gemic(|tige
Scbenfcn erhoben werben fönnen. 8Bäl}renb bie ©cfammtgutögläubiger oor
3luflöfung ber ©ütergemeinfd^aft bei Ucbcrfd^ulbung beö ©efammtgute« in ber
Sage finb, burd^ htn 9lntrag auf Gröffnung beö Äonfurfeö über boö SBermögen
beö Gftemanneö im SBcgc eineö georbneten, gcrid^ttid^en Sßerfa^renö bie fonhirö«
mäßige Scfriebigung auö bcm jur Honfurömafjc beö G^emanneö ge^örenben
©efammtgute l)crbei5uffll)ren (§ 1361 3lbf. 1), föHt nad^ atuflofung ber ©ütcr*
aagememe ©ütergememf^aft. «luffofung. Äonfiirö. § 1375. 409
^cmeinfd^ft nur ber Slnt^eil bce ß^enianned an bcm ©efammtgutc in bic
Xonturömaffe^ unb erfolgt bie Sefriebigung bcr OJefammtguteglätibiger aitö
bcm ökfammtgutc mä) üßafegabc beö § 1377 2lbf. 1 aufeerfjQlb beö Äonfiivö*
uerfa^rcnß. S)a in bem ©cfammtgutc bcr jur Äonfurömaffe gel)örcnbc 9littl)eil
cnti)oItcn ift, eine SwöngöDoUftrerfiing in bic jum ©cfammtgutc ge^örenbcn
einjcincn ©egcnftänbc fid& bal)cr juglcid^ als eine 3tt)ongöooUflredfung in ben
bei bcr Sluöcinanbcrfcgnng ber Äonfnrömafic beö G^emanneö jufallenbcn San-
t^I barftcDt, fo ift in Jyolgc ber Groffmmg beö ftonfnrfeö über baö S3er=^
mögen beö G^cmanneö nad^ bem § U ber Äonf. D. n)öl}renb ber S)auer beö
Äonfuröoerfa^renö aui} bic 3w)angdüolIftrecfung ber ©cfammtgutögläubigcr in
bic jum ©cfQmmtgute gcl^örenben cinjelncn Oegenftänbc auögefd^Ioficn. ©ajn
lommt, baß nac^ bcr SRegelung beö ©ntrourfeö mittelbar ein SBorjug berienigcn
@efammtgutdg{öubigcr^ n)eld;e aud^ in bcm 93erl^ältnif[e ber ©Regatten ^u
cinanber ©cfammtgutögläubigcr ftnb, Dor benjenigen ©cfa.mmtgutögläubigcrn
bcgrfinbet wirb, bercn 3lnfprüd^c in bcm S3crf)SItniffc ber ®f)egatten ju eim
<mber allein bem G^emannc jur Saft falten (§§ 1376, 1377 9lbf. 1), unb baß
ünbercrfeitö bie bei ©clcgcnficit ber Sluöcinonbcrfe^ung beö ©cfammtgutcö
ni^t befricbifltcn ©cfammtgutöglfiubigcr in Slnfcfiung beö in bie Sonhirömaffe
bcfi g^cmanncfi fallenben Slntl^cilcö am ©cfammtgutc mit bcnienigcn Slid^t^
yfammtgutögtäubigern beöfelbcn fonfurriren, bereu Slnfpriid^c erft nad^ 3lufs
löfung ber ®ütcrgcmeinfd(|oft entftanben fmb. ferner fann gegen bie ^Regelung
bcfi Sntiourfeö erinnert werben, bafe, menn ba^ ©cfammtgut überfd^ulbct imb
bcfi^olb ein nac^ 9Raggabc beö § 44 ber j^onf. O. in bie 5tonfurömaf[e fallen«
bcr Snt^eil nici^t ju erroarten ift, in Grmangetung anberroeitcn SBcrmögcnö
bcfi e^anncö ben ©efommtgutdgtäubigcm überhaupt bie äRöglid^feit fc()(t,
bic ßroffnung beö Äonfuröocrfa^renö unb bamit bie fonfurömöfeigc S8e=
fricbigung ilirer Stnfprüd^e in ben fd^üfeenben gormcn eineö gerid^tli^cn S8er*
fa^ö ^erbeiiufü^ren. Gö fann I)ier ba^ingcfteUt bleiben, ob biefe bem
3ntere$fc ber ©cfammtgutögläubigcr entnommenen ©ebenfen bcr 9lrt finb, bafe
Sc bic Slüdftd^t auf baö Sntereffe ber ß^efrau überroiegen, unb ob cö beöljalb,
um icnen 33ebenten entgegenjutreten, ben SBorjug ücrbicnen mürbe, nad^ Sluf*
löfung bcr ®ütcrgemeinfd>aft im gallc bcr 3öWwugöunfäf)igfcit beö ©efammt«
^;v(k^ ein felbftänbigcö Äonfuröoerfa^ren in 3lnfc^ung beö le^tereu nad^
3Ra6gabe ber §§ 198—201 ber Äonf. O. jujulaifcn ober bie SBorfdjriften bcr
§§ 14, 44 ber Äonf. D. in bcr einen ober anberen 9lid&tung für ben Ijier in
fHAe fite^enben ^U ju mobifijircn ober ju ergänjen. ^ür ben t)on bem
GntiDurfe cingefd^Iagenen SBcg fällt cntfc^cibcnb inö ©emid^t, ba^ ber tcfctcre
fi4 bcm geltenbcn Äonfurörec^tc anfd&Iie§t, eine 3lcnbcrung ber Äonf. D. aber
für ben §ier in Siebe ftc^enben fpejiellcn gaU o^ne eine cingel^enbc SRcoifion
ber Äonf. D. alö ongcmcRcn nid^t erachtet merben fann, ba bic l)ier in S9etrad&t
fommcnben fragen cinerfeitö mit anberen bem Äonfuröred)tc angeprcnben
^gen jufammen^ängen, anbererfeitö aud^ bei anberen ©emcinfd^aftöucr-
^ttniffen, metcjie unter Umftänbcn cbcnfaDö ein ganjeö SBcrmögcn umfajfen
fonnen, fid^ ergeben. Slu^tigcr ift eö bal)cr, bie Gntfdjcibung ber S^agc, ob
unb TOcl^e befonberen 83eftimmungcn in golge ber in bcm ©cfcgbud^c über
bic Sluflöfung ber ©ütcrgcmeinfd^aft getroffenen Seftimmungen jum Sd&ugc
410 9lIIöc«ictnc ®üteröcnicinf$aft. Stu^ctnanberfcfimö. §§ 1376, 1377.
bcö 3ntcrcf)cö bcr ©cfammtgutögtaubigcr im gallc bcfi Äonfurfcö über ba«
aSermögcn cincö bcr ©Regatten erforbcrlid^ werben, ber JReoifion bcr Äonf. D.
üorjubefialtcn.
§ 1376.
anfpru<* auf SBcnugleid) naö) bcm ^^riiiiipc beö § 1373 and) mä) Sluflöfung ber
fS?«T m^Vn ®"^c^'Scmeinfd)ap baö ©cfammtguisuerflältnife fortbaucrt, fo tritt boc^ mit
be« okfammt« jeticm S^itpunftc bcr 9lnt^cil eines iebcu ber ©Regatten an bem ©ef ammtgutc
^"'*** infofern alö ein felbftänbigeö 35crmogcnöred^t ^croor, alö nunmehr — ab^
n)eid)enb pon bem roft^renb bcftel^cnber (Sütergemeinfd&aft mafegebcnbcn § 1345
9lbf. 2 — ieber ©fiegatte oerlangen fann, bafe jroifci^cn it)m unb bem onberen
Gf)cgatten bie Sluöeinanbcrfcgung locgen beö ®efammtguteö nad^ ÜRafegabc ber
§§ 1377—1380 porgenommcn njcrbc. ®d ift biefcö Stecht auf 2lu8einanber*
feftung eine Sonfequeni ber 3luf (öfung bcr (Sütergemeinfc&aft unb bcr prinzipiellen
(Seftaltung beö mit bicfem 3citpunfte eintretcnbcn SSer^ältniffeö in Slnfc^ung
beö ©cfammtguteö (uergl. bie aUgemeinen aWotioe ju §§ 1373—1380 oben
S. 404 unb bie SDlotioe ju § 1373 oben S. 405).
§ 1377.
»eri<5tiflunß^ 2)ie Scftimmung beö § 1377 3lbf. 1 entfpricftt bem § 656 3lbf. 2 Soft 1
^ut^eÄt'unb red^tfertigt fi(i^ forool)! burd) baö Sntcreffc ber ©Regatten ate burd) baft
a<^fcfte«. ^ntcreffc ber ©efammtgutögläubigcr. 2)a ber ®^emann für alle ©efammt^
gutöoerbinblid^feiten ben ©Ifiubigcrn perfonlid^ l^aftet (§ 1859 3lbf. 2), fo I^Qt
er inöbefonbcrc ein ^croorragenbeö Sntcreffe baran, bafe Jene SSerbinblid^fciten
auö bem ©cfammtgute getilgt merben unb er in biefer ipinficfit fid^ergeftettt wirb.
3m öinblidfc barauf, f oroie in ber (Srroägung, bafe eö unter Umftänben, j. 35.
jum Qxocdc bcr SBermeibung beö Äonfurfeö, bem 3ntereffc beö ©^emanncd
mctir cntfpred&en fonn, mcnn bie ®efammtgutöüerbinbli(^fciten nid^t fofort
getilgt werben, fd&eint cö nafie ju liegen, baö SSerl^ältnife in ber ärt ju orbnen,
bafe bcm ©l^cmannc baö 9led)t beigelegt mirb, bcn Setrag jener SSerbinblid^
feiten 5u feinen ^änben auö bem ©efammtgute üorab 5U verlangen, bcr ©^e*
frau aber baö 9led^t, Don bem ©bemanne megen 2^ilgimg fotd^er ©efammt^
gutöücrbinblid^feitcn, für meld&e fic bcn ©laubigem perfönlid^ Reiftet, ©id^*
l)eitölciftung ju forbern. ^ür eine bcrartige Siegelung löfet ficft ferner an^
füfiren, baß auf bicfem SBegc, ba bcr 93etrag, meldten bcr (g^cmanu tjorab
erhält, in fein SBcrmogen unb mitljin im gälte eincö Äonfurfcö über bad
Icfeterc in bie Äonfurömaffe föllt, bie mit ber Siegelung beö ©ntmurfcö ocr»
bunbcne t(|atföd)lid)e 93euor}ugung bcr ©efammtgutögläubigcr gegenüber bcn
fonftigcn md) 9luflofung bcr ©ütcrgcmeinfd&aft ^injugetommenen ©Ifinbigem
beö C(}cmanncö uermieben merbe, fomie bag baö 93er^ältnig ftd^ für ben ^D
cinfad^cr gcftattc, menn bie ©efammtgutöoerbinbtid&feitcn jur 3^it *>«t ^^'
cinanberfcgung nod& ntd^t fällig finb. 9luf bcr anbereu ©eite fommt inbeffen
in Sctrad^t, baj3, menn man bem 6(;cmanne ba^ 3ltd)t beilegt, ben 99ctrag
bcr ©cfammtgutöücrbinblid^fciten ju feinen .^dnben auö bcm ©efammtgute
J
Sllocnicme ©utcröemcinfc&aft. äußcmanbcrfcfitno. § 1377. 411
oorob ocrlangcn ju fönnen, bcr ©l^emann in SÄnfc^ung bcr Scrid^tigung jener
Scrbinbüd&feiteii im SBibcvfpnt^e mit bem 5ßrinjipc bcr gefammtcn c^anb
(§ 1373) in erl^eblicftcr SBcifc jiim oUeinigen SiquibQtor beö ©efornrntguteö
gemacht unb baö SntcreiJe bcr ©Ijefraii in l^ofiem Orabe gcfäl|irbct wirb.
3{amcntü(iÖ in fold&cn göBen, in n)eld)cn bie Oütergcmcinfd^oft biirdö 6f)e*
fi^eibung ober m6) SRafegabe bcö § 1371 3lx. 2 unb beö § 1372 auf 3lntrag
bcr ßdefrau burd^ Urt^cil oufgeloft ift Ijat bie Icfetcrc feine ©ewftl^r bafür,
baß bcr 6^emann mit bem vorab erhaltenen betrage and) bie in il^rer 5ßerfon
cntjianbenen, im Sßer^ältniffe ber ©Regatten ju einanbcr bem Oefammtgute
jur Saft faUenben ©efammtgutdperbinblid^feiten mirftid^ bcrid^tigt unb ben
empfangenen S3etrog nid^t etwa ju anberen S^^^tf^i^ oerroenbet. (Segen biefe
(Sefa^r oermag aud) ein 9Ied^t auf @ic^er^citd{ciftung gegenüber bem (Sf)t^
manne bie (S^efrau nid^t in audreic^enbcr ^cife ju f^ügen^ }uma[ ber @^e$
münn ^oufig gar nid^t in ber Sage fein mirb, bcr (g^efrau genügenbe Sid^er^^
^it beftellcn ju fonnen. 3Rad^t man aber ba^ dit^t bed @^emanneö^ ben
Setrag bcr ©cjammtgutöoerbinblid^fciten aus bem ©efammtgute üorab iu
erhalten, baoon abhängig, bafe er 3^9 ^^ 3^8 ©id^cr^eit leiftet, fo oerliert
babur(i jcneö 9led)t in Dielen gällen überhaupt allen praftifd^en SBertfj. 3^*
bem fytt bie @{|efrau aud) in ^nfel^ung fold^er im SSertjältniffe ber @f|egatten
JU cinanber bem ©efammtgute jur Saft faQenber ©efammtgutdpcrbinbüd^feitcn;.
für xDtld)t ftc nid^t perfonlid^ ^aftet^ iDcnngteid^ fein red(|t(id^ed^ fo bod^ ein
er^eblic^ed t^atffid^lic^ed ^ntcreffe baran, ba% biefelben 5unäd)ft aud bem
@efammtgute berid^tigt merben. Unterbleibt biefe S3erid()tigung^ fo ift bie ®\)o
frou nad^ erfolgter 3[iiöeinanberfe|yung, obn)of)l fie ben ©efammtgutöglöubigern
nit^t perfonlid^ Wtct, bod) immer ber ©efal^r ausgefegt, oon benfelben im
SBege bcr actio PaulLona ober einer aus ber 5ßerfon bcö ß^emanncö f)er*
geleiteten, im S^JangöDollftretfungöocrfal^ren gegen ben Unteren itinen über^
miffenen condictio indebiti in 9lnfprud) genommen unb fo in ^{Jrojeffc mit ben
@efammtgutöglfiubigern oermidelt ju loerben. Slud^ gemäljrt bie SSorfd^rift
bcö § 1377 Slbf. 1 bcr e^cfrau infofern eine größere ©id^erung gegen
Zfiuf^tmgen unb 99enad^tl^eiligungen, alö fie bal^in ftil)rt, bag bei ^eftftellung
bcr ^age, ob unb inroicroeit bie ©cfammtgutöocrbinblid^fcitcn in SBirflid^feit
bcgrunbet ftnb, bie ©laubiger felbft mit jugejogen merben. äluö äl^nlidben
©rünbcn ift aud^ für ben gall ber SHuflöfung ber ©efellfd^aft im § 656 3lbf. 2
gonj allgemein beftimmt, bag auö ben jur 3^it ber Sluöeinanbcrfegung Dor^^
danbcncn gemcinfd^aftlid^cn ©egenftänben junöd^ft bie gemeinfd)aftlic^en
S^ulbcn ju beric(|tigen finb, ol^ne bafe unterfd^icben mirb, ob ber einjelne
©cfeUfcftafter an bereu ^Berichtigung ein red&tlid^eö ober nur ein tl)atfä(^lid|cö
3ntereffc ^oL 3Beitcr ift ju bcad)ten, baft burd) eine 33eftimmung, roeld&c bem
Spanne baö Siedet giebt, ben SBctrag ber ©cfammtgutöocrbinblid^fciten a\\^
bem ©efammtgute Dorab ju oertangen, bie Sid^erlieit ber ©cfammtgutö?
gläubiger infofem gefä^rbet merben fann, alö benfelben nac& erfolgter 2:f)cilung
beö übrig bleibcnben ©cfammtgutcö nur nodd baö 33erm5gcn bcö G^cmanncö,
nic^t aud^ bie ber ©l^efrau angefallene eine §älfte bcö ©cfammtgutcö l^aftct,
fie mithin bie ©efa^r einer nad&tl^eiligcn Slcnbcrung in ben aScrmögcnöocrfiälti:
ntffen bcö G^emanncö 5u tragen l^abcn, raenn bcrfclbc ben oorab erljaltcncn
412 9lHöemcinc ©üteröcmeinWaft. 2lu§ctnauberfe{iun0. § 1377.
Setrag nic^t fofort jur SJcrid^tigung bcr bctrcffcnbcn ©cfammtgutöücrbinblit^^
feiten ücnocnben würbe. 3)er üon bem ©ntrourfe cingcfd&lagene SBeg mac^t
an6) l^icr cbenforocnig, wie in bem goUc bcr Sluöeinanberfefcung ber ©cfell^
fd)after mä) Sluftöfung ber ©efcDid^aft (§ 656), befonbere SSeftintmungcn
barübcr crforberlid^, wie ju Derfaljren ift, wenn bic OefammtgiitöoerbtnbUcft»
feiten jur 3cit ber Sluöeinanbcrfefeung nod^ nic^t fällig fein foUten.
anÄ^ ber ^^^^ ^'^'^f* Derftefjt eö fid&, bafe auf ®ninb beö § 1377 «bf. 1 oud^ bie
«Regatten SBerbinblid^feitcn wegen ber Grfafeanfprüd^c bes G^emanneö ober ber G^cfrou
ÄmC.Öcgcn baö ©efammtgut (§ 1365 9lbf. 2, § l367-3lbf.2, §§ 1368, 1369) ju^
näd^ft au» bem (Se)ammtgute berid^tigt werben muffen (üergl. code ci^il
3lrt. 1470), ba eö einem S^^^^I "i^* unterliegen fann, bafe aud) bicfe 2kr?
binbltd^feiten als ©efammtgutöoerbinWid^feiten, b. I). a(ö SSerbinblid^feitcn am
Kufefien fmb, wegen beren a\i& bem Oefammtgutc SBefriebigung ©erlangt
werben fann (§ 1359 3(bf. 1). 3)a6, foüiel bie Grfafeanfprüd&e beß G^emannefi
betrifft, ber lefetere für bie ©cfammtgutöüerbinbtid^feiten perfonlic^ baftet
(§ 1359 9Ibf. 2), ftel^t nid)t entgegen, ba, wenn a\x6) bic perfonUd)e ^aftimg
bier wegfftDt, weil ber GI)emann jugleicb ber ©laubiger ift, bod^ bic SBer«
binblid^feit ber ©l)efrau, ju bulben, bafe er aus bem ©efammtgutc fid& be*
fricbige, befielen bleibt, ©clbftoerftönblid^ ift cö femer, bafe infoweit, ote ein
erfagbereddttgter G^egatte )ugteid^ ju bem ©efammtgute Grfa| }u leiften ©er-
pPid^tet ift, fompenfirt werben fann.
»TÄunfl aSenngleicb ber SBortlaut bed § 1377 3lbf. 1 ben 3lnfd&ein erwerft,
ber oefammt' bag allc ©efammtgutsocrbinblid^feitcn ol^ne Unterfd^ieb aud bem ©efommtgute
^Xfeuen*"' Jwnäd|ft JU bcrid&tigen fmb, fo erl)ellt bod^ auö bcn »eftimmungen bcs § 1367
2tbf. 2 (oergl. bic SRotioe ju § 1367 oben ©. 384 ff.) in SSerbinbung bamit, ba»
eö [lä) bei ber Slußeinanbcrfefeung wegen beö ©efammtguteö um bic Siegelung
beö inneren SBerbSUniffeö unter ben G^cgattcn b^nbclt (§ 1376), mit ge?
nügenber 3)eutlid^feit, bafe ein Gljegatte bic S3erid)tigung fold^cr ©cfammtgutfi*
oerbinblid^fcitcn aus bem ©efammtgutc, weld^e er nad^ § 1367 äbf. 2 im
SSerl^ättniffc ber Gbegatten ju einanber allein ju tragen b^t/ iiic^* verlangen
fann. ^as 33ebcnfen, bag bies mittelbar }u einer Scoorjugung berienigen
©efammtgutögldubigcr fü^rt, weld&c aud& im 35ert)ältniRe ber Gl^egatten ju
einanber ©efammtgutsgläubiger finb, oermag eine abwcid^enbc pofitioe ^
ftimmung nid^t ju redfitfertigen, jumal wenn man erwägt, bafe bcr ®nmb,
wesl^alb wäfirenb beftebenber ©ütcrgemeinfd^aft bie ©laubiger eines G^egatten
aud^ wegen berartiger ©efammtgutsocrbinblid^feiten aus bem ©cfammtgute als
fold^em 93efriebigung oertangen fönnen, nämlid^ bcr ©runb, bajj wä^renb bt-
ftebenber ©ütergemeinfd&aft 9lnt^eilc ber cinjelncn Gfiegattcn an bem ©cfammts
gute als felbftänbigc SBermögenSred^tc nid^t beroortreten, nad) SHufßfung ber
©ütergemeinfd^aft infofern nicftt mebr jutrifft, als jefet ber Slntl^cil jebcs G^
gatten, b. l). bas 3led)t bcöfelben auf SluSeinanbcrfcfeung, gepfänbet werben
fann (§ 1373).
3lts felbftoerftänblid^ ift es ferner crad^tct, bafe, wenn bas ©efammtgut
jur Serid^tigung aller ©cfammtgutsocrbinblid^feiten nid&t ausreicht, jebcr ber
Gljcgattcn fonfursmäfeige SJerid^tigung jener SBcrbinblic^feitcn oertangen fonn
(oergl. bic Sliotioe 5u § 1375 oben S. 408).
aUflcinetnc ©ütcrflcmeinfd&aft. SJu^einanbcrfe^unö. § 1377. 413
2)ic 33eftimmung bcö § 1377 2lbf. 2, bafe, WQä nad) Scrid^tiguug bcr »ert^eitunö
im § 1377 Slbf. 1 bcjcid^nctcn 3Scrbiubüd)fcitcn übrig bleibt, ju gicicibcn 2:^cilcn ^üMmuv'
unter bie beiben ®^cgatteii t)ert^ci(t ipirb, entfpridjt ber Siegel befi § 764 unb *>^* ^^mtttn.
jtc^t, foDiel büß in bcn geltenben Sleci^ten fc^r üerfd(|ieben beftimmtc J^^eilungö«
oerödltnife betrifft, mit ber SKefirjoIil ber bcftel^enben Siedete — bic allcrbiugö
mciftcnö junä^ft nur bcn goD ber Sluflofung ber ®ütergemcinfd&aft burd^ ben
2:ob eines ber ©Regatten oor Slugen ^abcn — , abgefeficn l^ier oon im befonberen
erbrc^Üic^en golgen ber ©ütergemeinfd&aft, im ©inflangc (üergl. inöbef. preufe.
%. 2. «. II, 1 §§ 637, 638, 755 ; loeftfäl. ®cf. o. 16. 3lpril 1860 §§ 7, 15 ; code
dvfl »rt. 1474; fäd^f. ©. ». § 1702; Ijeff. ©ntm. IV, 2 9lrt. 480 ff.; e^rcm
feeitft. entw. § 50; württcmb. entm. § 309; oönabr. ®ntiü. §§ 9, 17).
5?a6 ber t)on einem ber Gfiegatten ju bem ©efommtgute 5u tciftcnbe s^eiüina«*
GrfaJ (§§ 1364, 1365 3lbf. 1, § 1367 atbf. 2, § 1368), foroic ber »etrag ber^ "'"^''
jenigen nad^ aWafegabc befi § 1377 Sfbf. 1 aus bem ©efammtgute getilgten
QcfammtgutSüerbinblid&teiten, roeld^e in bem 83erl)ältniffc ber ©fiegatlen ju
einanber nid^t bem ©cfommtgute, fonbern bemjenigen ®f|cgatten jur Soft faUen,
in befien ^erfon fic entftanben fxnh, ber S^IjeilungömaRe ^injugcredOnct tüerben
mu6 (oergl. code civil Srt. 1468, 1469), fann im ,§inblidfc auf bie Scftimmung
bed § 1369 nid^t in S^^'f^f Öfjogen werben unb bcbarf balier I|icr feines be^^
fonberen 9(udbru(feS.
Snlangenb bic im § 1377 3lbf. 3 enthaltene Seftimmung, fo entfprid^t «nrec^nuna
biefelbc im praftifc^en «Refultate ber SBorfd&rift bcö § 770 unb beruht auf ät)iu: ,„ ^^^^
ti^n ©rmägungen, wie biefc. Dbroolil ber § 1378 Slbf. 2 Saß 1 aud& bcn effa«««-
§ 770 auf bic 2:f)eilung beö ©efammtguteö befonbers für anroenbbar erf (ftrt, ift
cd bo<^ wegen bc& S^\avxmer\\)anQc& bed britten Slbfages beö § 1377 tnit bem
mertcn Slbfaftc beö Ie|teren alö rat^fam erachtet, jenen britten 9lbfag ebenfalls
bdjubc^ltcn. änbererfeits fonnte bic SBeglaRung bes Slllegatcö bes § 770 im
§ 1378 abf. 2 ©afe 1 JU bem aWifeoerftanbniffe füfiren, bafe ber § 770 l)icr
feine Slnwcnbung finbcn foUc.
Sic SBcftimmung beS § 1377 3lbf. 4 wenbet fid^ gegen bas ÄoBations^ ißerrdnme
prin5ip bei bem t)on einem ber ©i^egatten ju bem Ocfammtgutc ju bewirfenben **^"j"^/**'
6rfa^. Dicfes Icfetere ^rinjip liegt, wcnigftens bem SBorttaute nad^, ben auf ppi<^tiflen
bic allgemeine (Sütcrgcmeinfd^aft fid) bejie^cnben Seftimmungen bes prcufe. ®^*fl""*"-
3L 8. JR. II, 1 §§ 383—385, 390 ju Orunbc, wäf)rcub bie im § 409 II, 1 baf.
für bie partifulärc ©ütcrgemcinfd^aft anerfanntc ^erpflid^tung eines (gliegatteu
jum Grfaftc bcr aus bem gemcinfd^aftlid^en SBcrmögcn für bic befonberen aSer-
binblid^citen besfelbcn gcmad^ten 9Serwenbungen als cigcntlidjc ßrfaßoerbinblidE)'
feit gebaut ju fein fd^eint. 3n bcn übrigen bcutf^en Siedeten ift balb oon
einer ?Jcrpflli^tung jum (Srfafcc aus bem Sonbergutc an bas ©cfammtgut,
balb nur oon bcr SBcrpflid^tung, fid& bei bcr Sluftöfung bcr ®ütergemeinfd)aft
ben betreffenbcn Setrag anrechnen ju laffcn, bic Siebe (oergl. ^ejf. ®nlw. IV, 2
*rt. 467; eljrcnbrcitft. ßntw. § 91; württemb. ©ntw. §§ 296, 298). 2lus
biefer Icfttcren SluSbnidSwcifc fatm inbeffen nid^t ol)nc SBcitcreS auf bic 9ln^
na^c einer ÄoDationspflid&t gcfc^loffen werben, ba biefelbc fic^ l)äufig (tui^
büburdj erflfircn läfet, bafe bei bcr allgemeinen (Sütcrgcmcinfd^aft ein anberes
ScrmSgcn ato bas ©cfammtgut nid^t ins Slugc gcfa6t ift. 3laä) frauj.
414 Slllöemeiuc ®ütei"öcmeinfc&aft. Stuöcinattberfe^ung. § 1378.
9icci&te (oergl. code civil Slrt. 1468, 1473) ift eine eigentUd&e erfafepfK^t
onjunelimeit.
gür bie S9e()anb(uug bei* l^iev fraglid&en ©cfagpflid^t alö einer bloßen
ÄoIfationöpPid&t im ©inne beß gemeinen SRed^teö läßt ftd^ anführen, bafe es
bem ©elfte ber allgemeinen ©ütergemeinfd^aft roiberfprei^e, wenn biefelbe nod^
i^rer 9luftöfung noäf obtigatorife^e SBcjie^ungen unter ben ©Regatten jurii*
laffe. ©ol^e 83ejie^ungen treten inbeffen immer ein, wenn mon SBerbinblid^'
feiten, rocld^c im ajerl^ältniffc ber ©fiegatten untcreinonber nid&t bem (Sefommt^
gute 5ur Saft faBen, unb ©onberredjte ber einzelnen ©Regatten anerfennt. 3n
biefcr Slnerfennung (icgt eine Slbroeid&ung t)on bem 5ßrinjipe ber allgemeinen
®ütergemeinfd)aft. ©rfennt man biefc Slbroeid^ung einmol alö notljrocnbig an,
fo ift es rid^tiger, aud^ beren Jlonfequenjcn anjuerfennen, als ben SBerfuc^ ju
mad^cn, fic in cinjelnen Sejie^ungen burd^ meljr ober weniger minfürlicfte Sc-
ftimmungen abjufd^rofid^cn. 2)ic Äonfequens fü^rt aber ju ber Slnertennung
einer gen)5l^nlid[ien ©rfa^pflid^t, ba baö ©efammtgut für biejcnigen anö bem
lefeteren gemad^ten gSerroenbungen, megen beren ber ®rfa| an baö ©cfammlgut
SU reiften ift (§ 1365 3lbf. 1, § 1367 9lbf. 2, § 1368), nid&t beftimmt ift, beiro.
ber erfafe cineö burdd pffie^tmibrigc SSermaltung beß ©efammtguteö ocnirfadJiteii
©d^abenö in grage ftel^t (§ 1364). 3ubem f u^rt bie »efci^ränfung ber Haftung
auf ben bei 9luflöfung ber ©ütergemeinfd^aft bem betreffcnben Gfiegütten ju^
fallenbcn Stntfieil an bem ©efammtgutc ju einer offenbaren UnbiBigfeit, wenn
ber ßfiegattc bei 3lufI5fung ber ©ütergcmeinfd^aft SSorbe^altös ober ©onbergut
befifet. 2lnbererfeite ift eine berartige Sefd^ränfung anä} nid)t burd^ bie SRücfR^t
auf bie ©id^erlieit ber ©laubiger beö e^cmannes für ben galt, loenn nai) auf-
löfung ber ©ütcrgemeinfd^aft eine Uebcrfd^ulbung beö ©bemanne« fid6 ergicbt
(§ 1375), geboten. SBcnnglcic^ ber ©runbfafe beö § 1377 Stbf. 4 f^on aus
ber aSorfd^rift beö § 1369 abgeleitet werben fönnte, fo ift eö bod^, um in
biefer §infidiit feinen 3w)eifel ju laffen, alö ratl^fam erad&tet, [mtn ©runbfog
im ©efegbuctje befonberö auöjufpred^en.
§ 1378.
um|a!j in S)ie »eftimmung beö § 1378 3lbf. 1 cntfprid^t bem § 656 3lbf. 4 (ocrgL
g^^Ji^J* aud& § 51). S)a6 bie Umfegung ber ju bem ©efammtgute ge^orenbcn ®egcn=
beröefammt-ftänbc iu ©elb au(^ lufoweit 5u erfolgen l^at, alö bieö bcl^ufö Sluögleid&ung
^«ihuen.**' wegen beö einem ber ©Regatten anjured^ncnben, oon i^m felbft ju bem
©efammtgute ju erfeßenben Setrageö erforbcrlid^ ift (§ 1377 Slbf. 3), oerfte^t
fid^ t)on felbft. S)er nid^terfafepffic^tigc ©l^egatte fann ben bem anberen 6^e*
gatten anjurec^nenben, oon biefem ju bem ©efammtgute ju erfeftenben Setrag
in ©elb beanfprud^en unb ju bem Qroedt ani) bie SSerfilberung ber nacd
§ 769 Sttbf. 1 fonft in Sßatur ju tl)eilcnben ©egenftänbe Derlangen, fofem
nid^t ber erfagpf[id^tige ©begatte ben Don i^m ju erfegenben Setrag baar
einjaljU.
«rt Slnlangenb bie SSeftimmung beö § 1378 3lbf. 2 ©afe 1, fo ergiebt fuft
ber zf^im- jji^-gu,^ baxan&, bafe eö fxd^ ^ier um bie SC^eilung einer ©emeinfd^aft ^anbett
®ic allgemeinen S^fieilungögrunbfäge erleiben iebod& burd& baö im jroeilcn
3tll0emeiuc @üteröemeiufcf?aft. Slu^cinanbcrfe^mnö. § 1379. 415
Softe bcö § 1378 Sfbf. 2 icbcm ©Regatten beigelegte SRcd^t, gctolffe jti bcm ^^^i ««t
(Scfammtflute gc^orenbe ©egenftänbe bei ber 2:i)ei(ung gegen (SrfQfe beß burd) "^e,^^er"*
S^ftung }u ermitteinben gegenmävtigen SBertl^cö ju übernehmen, b. 1^. gegen ®eflenftÄnbe.
erfaß beö SBcrt^eö ju ber 3cit iu wcld^er bie ©egenftfinbe gegen 3o^IiJ"9
hc& Sd^öftungdn^ert^ed übernommen ma*ben, eine bnrd^ 9iüdfid^ten ber ^illigteit
tinb bie befonberen aSerpItniffe ber Oütergemeinfd^aft, bei loeld^er bie ©Ije-
flfltten rcgelmöfeig auf eine bauernbe SSereinigung beö beibcrfeitigen SBcrmögenö
für i^re SebenS5eit red^nen, gered^tfertigte SDtobififation (ocrgl. auc^ preufe.
a. 2. 9L II, 1 §§ 640, 641, 648, 649; bab. S. 9t. Safe 1474 a). 3)a baö Ijier
fragliche JHec^t ber ©Regatten, mic aM ber gajfung bcß § 1378 2lbf. 2 mit
genügenber ©eutlici^fcit erl^eUt, erft bei ber a:^ei(ung jur 2luöübung gelangt,
fo perfte^t eö fid& t)on felbft, ba& bie SBeftimmung beö § 1378 Sbf. 2 ©afe 2
infomeit feine 9[nn)enbung finbet, ate ber @egenftanb nad^ äRaggabe bed
§ 1378 äbf. 1 etn)a auf ©runb einer OefammtgutöoerbinbUd^feit einem S)ritten
ju leiftcn ift. Sftcr aucfi bann, wenn nad^ aJtafegabe beß § 1378 2tbf. 1 eine
Serfilberung ber }u bcm ©efammtgute gel^örenbcn ©egenftänbe in S^age
fmnmt, mug baß im § 1378 3lbf. 2 ®aft 2 bejei^nete 9ied)t ber (Sl^egatten
jurudfte^cn, ba SSerfteigerungen, namentUd^ bei gemiffen Ba^tn, j. 33. bei
fiunftgegenftänben, oft einen pl^eren @rI5ß, alß ben mel^r ober meniger relatioen
Sd^ungßmert^ ergeben, bie ©d^ulbentilgung aber ber SE:^ei(ung immer oor-
ge^ mug.
3n ©rmangelung einer entgegenfte^enben SSeftimmung ift eß übrigens
ttte fclbftDerftönblid^ crad&tct, bafe baß im § 1378 Slbf. 2 ©afe 2 jebem ber
Statten beigelegte Sted^t audEi bcn etwaigen 9{ed(|tßnad(ifoIgern berfelben,
iwrtefonbere ben erben, 5uftel)t (üergl. § 1382 Slbf. 2, § 1406 2tbf. 5 ©ag 3).
©in gcnügenber ©runb, in biefer ^infid^t pofitio ettoaß 3lnbereß ju beftimmen,
liegt nid^t t)or, ba namentUd^ bie @rben beß Sl^egatten ein 3ntereffe baran
^oben fönncn, bie betreff enben ©egenftänbe ju übernehmen unb il^rcr gamiCie
}u erlialten.
§ 1379.
Xk Seftimmung beß § 1379, meldte ber ©fiefrau im aScrJ^ältniffe ber 3«itpttnft f ür
©Regatten ju einanber baß Siedet gicbt, nad^ i(}rcr SBal^l bie älußeinanber^ anberi^uns.
fe|unfl loegen beß ©efammtguteß naä) bem 3uftanbe beß festeren jur 3cit ber
Slet^tßfraft beß bie Sluflofung ber ©ütergemeinfdöaft beftimmcnben Urtl^cileß
(§ 1371 9]r. 2) ober nad) bem 3iiftöi^i>c S«^ S^it ^^^ SRed^tßljängigfeit beß
Ked^tßftreileß verlangen ju fönnen, fd^Iicfet fid^ bem § 1329 an unb beruljt
auf ä^nli4>en ©rroägungen, wie biefer (Dcrgl. bie 3Äotiüe ju § 1329 oben S. 302).
§ 1380.
SEBie bie in ben allgemeinen üJlotioen ju ben §§ 1373—1380 oben ©. 401 4>«ftung
mitgct^eUte Uebcrftd^t beß bcftel^enben Sle^tcß ergiebt, verfolgen eine grofee JerV^ttgur
3ö^l x>on SRcd^ten, inßbcfonbere baß franj. Siedet unb baß meftfäl. ©ef. n. ^^^^^^^
16. April 1860, oon perfd^iebenen ©tanbpunften axi^ unb auf t)erf^iebenen ^"it^fcuen, '
416 Stilgemeine ©üteröemeinfc^ait. Slußciuanberfefunö. § 1380.
aScgcn gleid^mäfeig bcn Qtocd, bic ©^cfrau foiool;! ßcgcnübcr bcn ©cfammt*
nulögläubigcrn ate gegenüber bcm ©^cmonne gegen eine über ben SSeftanb
nMTet'Xt^^ö ©efammtgutcö I;inaußgel;enbe Haftung ju f^üfecn. 3m Änfcl^luffe an bcn
fiatten |u ein* blcfcn SRecl&ten JU (Srunbc liegcnben (Sebanfcn gcl^t ber ©ntrourf bQoon auÄ^
""***^' ba^ ber ©fiemann biejenigcn (Sefammtgutöoerbinblid&feitcn, roeld^e im SScr^It*
niffe ber ©Regatten ju cinanber bcm ©efammtgute jiir Saft faUen (§ 1367
3l6f. 1), gegenüber ber (g^cfrau allein ju tragen verpflid^tct ift. Gfi rcci^t?
fertigt fid) biefcö ^ßrinjip jum a;^eil auö benfetbcn ©rmägungen, auf meieren
bic Seftimmung beö § 1359 3lbf. 2 beruht, bag ber ©(jemann für bicicnigcn
SJcrbinblid&Iciten ber G^efrau, lüetd&e ®efammtgutöoerbinbUd)feiten finb (§ 185»
2lbf. 1, § 1362), ben ©löubigern perfonlid^ haftet, inöbefonbere im ^inblirfc
auf baö bcm G^emanne roclf^rcnb beö S3eftcl)end ber ©ütergcmeinfd&aft ju*
fte^enbe audgebel^nte uub, abgefel^cn uon ben ^ciUcn bcd § 1364, an feine
re^ttid&c SBerantroortüd^feit gegenüber ber ß^efrou gebunbene SBerroaftungö^
red)t in 3lnfe^ung beö ©cfammtguteö unb baö in allen boö gemeinfd^aftlicle
cfietid^c Seben bctreffcnbcn 9lngelcgcnf)eiten bcm ©bemanne burc^ § 1273 bei*
gelegte JHed^t ber ©ntfd^eibung (ocrgt. bie äRotioe ju § 1359 oben ®. 367 unb
bic allgemeinen aWotioe ju §§ 1377—1380 oben ©. 404). ©inen angemeRcncn
3luöbrudC finbct baö beieid)nete ^Prinjip beö ©ntiDurfeö burd^ bic in bn' gaffunft
bcm § 318 fid^ anfc^licgenbe Seftimmung beö § 1*380 Saft 1. 3nbem bie
tegtcre bem ©bemanne in Slnfeljung fold^er bei ber Stuöeinanberfeftung nidjt
beri^tigter ©efammtgutöoerbinblid^Iciten, rocld^e im SBerJ^ftltniffe ber ©Regatten
JU einanber bem Ocfammtgutc jur Saft fallen unb für meldte bie ©^cfrau
na(^ aKafegabe ber allgemeinen ®runbfä|e perfonlid^ l^öftet, nur eine i^ftung
bafür auferlegt, bag bic ©fiefrau oon bem ©taubiger nic^t in Slnfpruc^
genommen wirb, roerben bic mit bcm ^rinjipe beö ©ntrourfcö, wie fid) nid^t
Dcrfcnncn läfet, unter Umftänben für ben ©l^emann oerbunbenen gärten in
einer angemcffenen SBcife gcmilbert. S3em ©bemanne bic meitergel^enbc SBer^^
pflid^tung aufjuerlcgen, bic ©^efrau oon ifirer perfonlid)en Haftung für bie
bcjeid)netcn Söerbinblid^fciten fofort ju befreien ober il;r wegen beö ©rfa|«
anfprud^cö, mclc^er fid^ für fic auö ber ©rfüUung berfelben ergeben mürbc^
Si(^crf)cit JU tciftcn (ocrgl. § 315 3lbf. 1, § 595 Slbf. 3), mürbe, namentU^
im .^inblidfc auf fold)e 93erbinblid)feitcn ber ©^efrau, meldte auö ber 3^1
üor Eintritt ber ©ütcrgcmcinfd^aft [jcrrü^ren unb oicDeid^t nod^ nic^t einmal
fällig getoorbcn finb, Ijnrt unb unbillig gegen ben ©Ijcmann fein. 9(nbererfcit&
ift bic gcbad)tc 3lbfc^n)äd^ung ber ^aftpfiid(|t beö ©Ijcmanneö aud& tom Stanb^
punitc beö älntercRcö ber Gljcfrau aM um fo unbcbenf lid)cr , alö nad^ bcm
§ 1377 9lbf. 1 bie ©ticfrau ijerlangen fann, bafe bei ber Sluöcinanberfeftung.
junäd)ft alle ©efammtgutöocrbinblidjfciten axi& bcm ©efammtgute berid^tigt
mcrben, meldte im aScrljöltniffe ber ©Regatten ju einanber bem ©efammtgute
jur Saft fallen. Ob auf ben l^icr fraglid^en gall ber § 133 3lbf. 1, 2 anmenbbar
ift, fnnn ber ©nlfd&cibung ber 3Biffenfd)aft unb 5ßrajiö überladen merbau
©in Sebürfnife, bicfe gragc im ©cfefte befonberö ju entfd&eiben, liegt nid^t nor.
S)ie Seftimmung beö § 1380 Saft 2 redjtfertigt ftd& im ^inblidte auf
bic pcrfönlic^c i&aftung beö ©t)emanncö für alle ©efammtgutöoerbinblid&fcitcn,
n)cld)c bur^ bic ^uftöfung ber ©ütcrgemeinfdjaft gegenüber ben ©laubigem
SlHgcrarinc ©ütcrgcntcinfiaft. 3txj§cmanbcrfc{un0. § 1380. 417
feine äcnberung ericibct (§ 1359 Slbf. 2), in Säerbinbiiug bamit, bQfe mit Sluf-
ßfung bcr ©cmeinfdjaft im aScrl^ältuifyc ber ©Regatten ju einanber bev ©runb
jenei- pcrfonlid^cn Haftung mcgföUt.
3)ic Seftimmimgcn bcö § 1380 bringen juglcid^ g^tn 3luöbrudfc, ciuei?feitö, aceenübcr
bofe biee^cfrau au^ mi) 3Cnpfung ber ©ütergcmcinfc^aft bcn ®efammt^^'"®!|r"*'
gutfigläubigem pcrfönlid^ mit il^rem SSermbgen, cinfd^ficfeü^ beß ifir bei ber 9t«wMacm.
Sudetnanberfe^ung n)egen bed ©efammtguted juget^eilten 9leinantl^eite3 am
@efomtntgute, nur infomeit fiaftet, ote btc SSerbinblid^feiten in ifircr ^erfon
entftanbett finb, anbererfeitö, ba% bie perfönlid^c i&aftung beö ©^emanncö für
bic ®efammtgutfiDcrbtnbIid^feiten ber ®^efrau (§ 1359 3Cbf. 2) burd^ bie 9Iuf=^
läfung ber ©ütergemeinfdiaft nid^t bcrül[irt roirb. Scttereö gilt inöbefonberc
öu(^ in Slnfe^nng ber naä) ©intritt ber Oütergemcinfd^nft auö einer unerlaubten
^nblung ber G^efrau entftanbenen SSerbinblicbleitcn ber fö^efrau, fotoie ber?
jenigen SBerbinbli^feiten, meiere axi^ einem 3led&töftrcite über jene SSerbinblid^-
feiten entftanbcn fmb (§ 1367 Slbf. 2 9Jr. 1, 4). S)a bic perfonIid)e Haftung
bffi Seemannes für biefc SJerbinblid^teiten nid^t auf bem burdö bie Oüter-
gemeinf^oft unter ben ©l^egatten begrünbeten SBerl^ältniffe, fonbcrn mefentUd^
auf ber mä^rcnb beftel^enber Oütergemeinfd^aft uniböbaren 33crcinigung bed
beiberfcitigen SSermögenö bcr ©Regatten unb bem freien Sßcrfügungöred^tc bed
ß^anneö in 3lnfe^ung beß ©efammtguteö bcrul)t, unb ba anbcrcrfeitö bei
ben bcjcid^nctcn aSerbinblid^fcitcn bic SlüdEfid^t nid^t in Setrad^t fommt, roeld^e
au(j^ nad^ ätuflofung ber ®ütergemeinfd)aft auf fold)e ©(öubiger genommen
werben mu§, meldte im aSertrauen auf bie perfbnlid^e .^aftung bcö G^emanneö
unter (SinwiBigung beß Ie|teren mit bcr ©^cfrau in 9icd&tßgefd^äftc pd) ein*
geürjfen l^oben (§ 1362 9lr. 1, § 1367 Slbf. 2 9Jr. 2), fo fd^eint cß na^c ju
liegen, mit ber äuflöfung ber (Sütergemeinf^aft in SKnfe^ung bcr oben gc*
baditcn ißcrbinblidbfeiten bic perfönlid&c c^aftung bcö ©Ijcmanncß audb gegen?
über ben ©laubigem ber ß^efrau aufhören ju laffen unb auf biefc 5lBcifc
jwifc^en bcnienigcn Siedeten, weld^c bic unbefd^rcinfte i&aftung beß ©cfammt*
gute« für biefe SScrbinblid^teitcn bcr ßficfrau anerfennen, unb bcnienigcn, mcld)c
biefc Haftung noUftänbig außfd&Iicfeen, eine SScrmittcIung ^crjuftcUen (ücrgl.
bie SRotioc ju § 1359 oben ®. 366 unb ju § 1367 oben ©. 385 ff-)- 3"bcffcn
finb bod^ bie gegen eine fold(|c ©urd^bred^ung beß ^^rinjipcß beß § 1359 2fbf. 2
fpred^nben ©rünbe a(ß übermiegenb ju erad(|ten. @ic füf)rt bal^in, bag neben
bem Sqfteme ber perfonlidbcn Haftung beß ©l^cmanncß für bic 3cit nad& 3luf?
läfung bcr ©ütcrgemeinfc^aft biß jur erfolgten Slußcinanbcrfcgung megcn beß
(Sefammtguteß juglcid^ ein anbercß Softem, ndmlid^ baß Softem bcr Haftung
mit bcftimmten SJermogenßgegcnftänbcn, jur Slncrfennung gelangt, obroofil bcr
SntiDurf biefeö Softem megeu bcr bamit Dcrbunbcncn Unjuträglid^fcitcn unb
(äefa^mt für bie ©laubiger im Uebrigen abgclcl^nt [jat (ücrgf. bic allg. SWotinc
itt ben §§ 1373—1380 oben S. 402 ff.). ®aju fommt, bag, mcnn man bic
perfinlüi^e ^ftung beß Gtjemanneß für bic ^icr fraglid&cn aScrbinblid^fcitcn
ber Q^eftau mit SKuftbfung ber ©ütergemcinfc^aft cnbigen laßt, ber (Seemann
baburd^, bog er bic 9[ußeinanberfc|ung t^crlangt, cß in bcr ^anb (;at, aud^
feineu 9(nt^i( an bem ©cfammtgute bcr igaftung für icnc 93crbinblid^fciten
jU cntjiel^en, ba nad> § 1377 9lbf. 1 bic ©ficfrau bic 93crid(|tigung biefer, im
»ttiee }. 6ftr8ar(. 9efe^<^ IV. 27 .
418 Stttoemeine ®utergcmeinfd&aft. Oüterftanb na(ö ber Stuflöfung. § 13SL
a3erl)älttüile her ©Regatten ju cinanber allein t)on bcr G^efrau ju tragcnben
aScrbinblici^fcitcn aus bem Ocfammtgute nid^t ücriangcn fann (ocrgl. bic aßotioe
JU § 1377 oben ©. 412). 3n fold^er SBcife baö 9led&t bcr ©laubiger oon
bem belieben ber ©Regatten abfiängig ju mad^cn, fanu afe angemcffen nici^t
erachtet werben. 3^^^^"^ "^w^i^^ ^^ auffallen unb ju SßerroidEelungen fiil&ren,
wenn in einem fold^en gaUe, in roeld^em bie (Si)t\xau burd^ eine unerlaubte
^anblung jugteid^ eine auf einem anberen '©runbe berul^enbc SBerbinblid^feit
ücrlegt unb baburd) ben Umfang ber legieren erweitert, bie perfönlid&e Haftung
bcö G()emanneß für biefe burct) bie unerlaubte ^anbtung begrünbete Grroeiterung
bcr Sierbinblie^fcit ber G^efrau f ortbauern, biefclbc aber, romn ein anbcrmcitcö
«bligatorifd&eö aScrljältnife nid^t fonfurrirt, wegfalten folltc.
§ 1381.
©üterfianb S)ic Scftimmung bcö § 1381 3lbf. 1 berul^t auf ber ©rroSgung, ba§ mit
Ärb« 9iü*fi*t auf bic SBerfeliröric^cr^eit bic ßntfc^eibung ber grage, ob, roenn bic
«üter. ©ütergcmeinfd^aft burd^ G^cücrtrag aufgelöft wirb unb über ben tünftig eim
öemetnfc^üft. j^^j^^^jj^^^ ©ütcrftaub iu bcm aScrtragc nid&tö bcftimmt ift, ber eintritt bcö
gcfcgliddcu Oüterftanbcß ober 2;rennung bcr ®ütcr atö gewollt anjufc^en, nid^t
oon ber oft iweifcl^aftcn äluslegung bc3 einjelnen galled abl^ängig gemad^t
werben barf, in Grmangelung einer entgcgenftcl^enben 33eftimmung aber ber ®im
tritt bcr cl^cliddcn Siugnicfeung unb SBerwaltung ber gefcfelid^cn Siegel entfpnc^t.
3n ben äRotiücn ju § 1372 oben ©. 399 finb bie ®rünbe bargelcgt, auft
weld)cn ber Gntwurf in bm gällen beö § 1372 ber ®^efrau baö SRed^t beigelegt l^at^
neben ber 9luf lof ung ber©ütergemeinfd&aft juglcid^^^rennung bcr ©üter pcrlangen
i^u fönncn. 3)iefc ©rünbe muffen baliin fül^rcn, ba^, wenn in bcm Urt^ilc^
burd) weld^cö bic 3luftöfung ber ©ütergemeinfd^aft erfolgt, nid^t jugleicfi beftimmt
ift, weld&cr anbcrc ©üterftanb an bie ©teile tritt, für bie S^^f^^ift "^^^ 1>^
ßtjcgatten 2^rennung ber ©üter nad^ aÄafegabc ber SSorfd^riften ber §§ 1339^
1340 5pia6 greift (oergl. code civil Slrt. 1449). 2)icfe Slrt bcr ^Regelung wirb
ben Sntentionen bcr ©f)cfrau, aud^ wenn biefclbc feinen auöbrüdlic^en älntrog
auf Trennung bcr ©üter geftellt l^abcn foHte, am meiftcn geredet. Unter Um?
ftänbcn fann jcbod^ ein bead^tenöwertlicö Si^tcreffe bcr ß^efrau oorliegen^ in
ben gällcn bcö § 1372 nad& Sluflofung bcr ©ütcrgemcinfdöaft ftatt bcr @üta>
trcnnung ben ©intritt bcö gcfcglid^en ©üterftanbeö aud& gegen ben SBiDcn bcd
©t|cmanncö l)erbcifüt)rcn ju fönncn, unb empfiehlt cfi fid^ ba^er, i^r bic
SBal)l äwifd^en bcm gefcfelid^en ©üterftanbc unb bem ©ütcrftanbe ber ©uter-
trcnnung cinjuräumcn. S5a aber bie gälle, in weld&cn bcr ©intritt be« gcfc|?
Iid6eu ©üterftanbcß bem Sntcreffc bcr G^cfrau mel^r entfpri(^t, bic ^udna^e
bilbcn, fo foll bic Seftimmung in bcm Urtl^eile, bafe ber gefcfelid^e ©üterftanb
eintrete, nur bann juläfftg fein, wenn fic oon ber G^efrau beantragt nnir,
3lnbererfeitö mufe fie im gallc eines fold&en SKntragcs erfolgen. S)a6, wenn
in ben gällcn bcö § 1381 3lbf. 2 Trennung ber ©üter ober ber gefefilid^e ©uter^
ftanb nadd SÖZafegabc bcö Urt^cilcö eintritt, bie 83eftimmungen ber §§ 1336^
1337 entfprcd&enbc 2lnwcnbung finbcn follcn, rcdjtfcrtigt fid^ burd^ bic älnatogic
bcr S8cr{)ättnif)c.
aagemcinc @ütergemetnf*aft. erbfoloc. WmiV- § 1382. 419
D6 imb iuiüicroeit mit SÄürffici&t auf bic in bem ©cfe^ud^c über bic
?luflBfung ber ©ütcrgemcinfcl^aft getroffenen 83eftimmimgen jum Sd^uge ber
©laubiger beß ©^cmonneö eine Slenbenmg ober ßrgänjung beö § 25 9lr. 2
ber Äonf. D. nnb bes § 3 9]r. 4 beö 31. ®ef. d. 21. 3uli 1879 erforberlid^
werben foHte, ifl wegen beö 3"fönimenf)Qngeö ber grage mit anberen Se-
jttmmungen jener ©efe|e ber Sleoifion ber (enteren iiberlaffen (oergl. a\i6) bic
«nm. jn §§ 1327 ff. nnb ju § 1375).
4. ©ütergcmeinfd^aftüd^e ©rbfolge.
§ 1382.
Sie Seftimmung beö § 1382 Slbf. 1 enthält baö leitcnbe 5ßrinjip fnr 8«9e^örifl«eit
bic Se^anblung aller gfiUe, in roeld^cn bie ®ütergcmcinfd)aft burd) ben J'ob ^aT&^u^
«incö ber ß^egotten aufgcloft roirb, mog bie &)t eine beerbte ober unbeerbte J^'^j^iar«.
fein, saßt biefcö ^ßrinjip fidd aud^ fd^on ben über bie 9lufI5fung ber ©ütcp "
gemeinfc^aft getroffenen allgemeinen ^eftimmungen (§§ 1375 ff.) entnef)men,
fo gewinnt bod^ burd^ bie ^erüorl^ebung beöfelben im ©ingange biefeö Unter*
cbfd&nittcö baö ®efcfe mcfentltd) on S)eutlid&teit (oergl. aud& prcufe. 31. S. SR. 11, 1
§§ 637, 638). 3ugleid) menbet bie »eftimmung beö § 1382 äbf. 1 fi^ gegen
biejenigen Siedete, TOctd^c im galle ber 3luftöfung ber ®f)c burd^ bm S^ob eineö
€^atlcn baö ©efammtgut in feine urfprünglid^en 33eftanbtl^eilc jerfallen ober
bei imbeerbter 6^c für bie SSergangcnl^cit entrocber 5BcnDaltungö= ober
€rrungenfd^aftögemeinfd(iaft eintreten laffen. ferner roirb burc^ bie SSeftim-
tnung beö § 1382 2fbf. 1, unbcfc^abet ber grage, ob unb inwicmeit auf
®runb ber ®ütergemeinfd)aft ein über bie aUgemeinen ©runbfäßc fiinauö*
flc^nbeö Grbred^t beö ubertebenben ©Regatten gegenüber bem 9lad^Iaf|c beö
»erftorbcncn Gl^egatten anerfannt merben foll, in einer ieben S^^^if^^ ^^ö*
f^lie|cnben 3Beife bem einer Steige t)on ©ütergemeinfd^aftörcd^tcn ju ®runbe
fiegenben ober bod^ von S^eoric unb ^rajiö — TOcnnglcicfi nid^t unbeftritten —
JU ®runbe gelegten ÄonfoUbationö- unb SKffreöjensprinjipe entgegengetreten.
2)ie ©rünbe, auö melden ber (Sntmurf aud^ für ben gaU ber beerbten 6tic
biefcö Icfttcrc ^rinjip jum 9luögongöpunfte ju ncl^men 3lnftanb genommen,
Dielme^r üorgejogen ^at, baö in)ifc^en bem überlebenben ©Regatten unb ben
flcmeinfd^aftüdbcn äbfömmlingen auf ®runb ber ®ütergemeinfd&aft eintretcnbe
bcfonbere 33cr]^ä(tnig auf ber ®runblage beö @rbre(^teö beö überlebenben
ß^gattcn unb beö beutfd^red^tlid^en ÜKiteigentl^umeö a(ö fog. fortgefegte
©ütcrgemcinfd^aft ju tonftruiren, finb in ben äWotitJcn ju § 1384 nä^er
borgclegt.
3m «nfc^luffe an bie SBcftimmung beö § 1382 Sttbf, 1 empfiel^It eö fid&, ^^^^^J^
JDciter befonberö l;erDor}u^eben, bag auf bie ®emeinfd^aft gmif^en bem über^ jiutTc^en bem
lebenben e^gattcn unb ben Grben beö oerftorbenen ©tjcgatten bie aSorfd&riften ^^^^Jj^^
ber §§ 1373—1378, 1380 Slnmenbung finben. S)iefe 9Sorfd^riften paffen fon)of)l ben erben.
für ben gall ber beerbten alö ber unbeerbten G^e ; inroiemeit biefclben bei ber
«rfieren gegenftanböloö finb begro. eine Slcnberung erleiben, ergiebt fid^ auö
4en für biefen gall in ben §§ 1384 ff. gegebenen befonberen öeftimmungen.
27*
420 9lllflcmcinc @üterGcmeinfd&aft. erBfcIgc fcei unbeerbter (Sic. § 1383.
§ 1383.
35cr § 1383 3lbf. 1 bcjeidjnet bie gäUc, in lücld&cn bic ©rbfotßc in bc«
md) % 1382 2lbf. 1 aud^ ben Slntl^cil bcö üerftorbcnen ©Regatten an bcm
©cfammtgutc umfoffenbcn 9lad^la6 bcö tjcrftorbencn ©Regatten fid^ mä) ben
allgemeinen crbrcci^tlid^en ©runbfäjcn rid^tet.
crbforfl€6cim CJö geprt bal^in äwnSd^ft bor galt, wenn; fein gemcinfd^aftUd^er att-
*TÄr fommling bcr ©Regatten, aber ein einfcitigcr 3lbfomm(ing bes ocrftorbenen ©^e^
fettiger «b, g^ttcn üor^anben ift. 35ie grage, raeld^e SRed^te in einem fold^en galle bcm
»mmcmge. ^jj^^^yj^^j^ SlbfommUnge jufte^en, crlcbigt fid^ für alle biejenigen SRed^tc von
felbft, loeld&e bei ßingel^ung einer neuen (S^c entroeber bie ©intinbfd&aftuna
ber ajorfinbcr ober bic üoUftänbige Slbfc^id^tung berfelbcn mit bcr SBirfunft
bcr ^obtl^cihing oerlangcn ober in Ermangelung ber einen ober anbercn bic
allgemeine Oütcrgemeinfd&aft in bcr neuen ei)e für unjuläfftg er!lärcn (ocrgl.
bie anolioe ju § 1403). SBom ©tanbpunfte bcö (gntiDurfcö auö, meld^er baft
3nftitut ber @infinbfd^aft unb eine Slbfd^id&tung mit ber SBirfung ber 3:ob^
t^eilung nic^t fennt (ocrgl. §§ 1403 3lx. 2, 1406), ift mebcr ber eine nod^ bcr
anbere SBeg moglid^. 9luf ber anbercn ©cite ift eö bebenMid^, gegenüber ben
einfeitigen 3lbfömmtingcn bcö ücrftorbcnen G^egatten bic äufeerfte Äonfcqucnj
bcö ber allgemeinen (Sütergcmeinfddaft ju ©runbc liegcnbcn ©cbantcnö ju
jicljcn, nad^ rod^em baö (Sefammtgut bie gunftion \)ai, afe SBermögeit
fomo^t bed einen ald bed anbercn @l^egatten ju bienen, unb aud bcm
©cftdötdpunftc, bafe ber Oütergcmcinfd&aftöocrtrag jugteid^ bie 3latur eincÄ
(STbeinfclungöücrtragcö l^abc, ben übcriebcnben G^cgatten, Dorbc§altIid^ bcft
^ffid^ttl^citeanfprud^cö ber einfeitigen 3lbf ömmlinge unb ber auö bcm 5Borl^anbcn^
fein pon SBorbc^altö^ ober ©onbergut bcö ocrftorbenen ©l^egatten fid^ crgcbenben
3)lobififationen, alö alleinigen ©rben bcö ücrftorbenen eijcgattcn ju berufen. ®ie
beftcl^cnbcn 9lcd^te legen ber ©ütcrgcmcinfd^aft eine fo meitgel^cnbc, bie allgemcincit
crbrcd^tlicfien ®runbfä|c burd^brcd^cnbc SBirfung nid^t bei; üiclmclir wirb ent^^
mcber auf einem bcr oben ^croorgc^obenen aBege für bic einfeitigen Slbförnmlingc
gcforgt ober i^r gefeglid^eö @rbred^t gegenüber bcm ocrftorbenen ©Regatten aud^
bei ber allgemeinen Oütergcmcinfd&aft in ber Slrt aufredet tt^alttn, ba% fie
bei bcm S^obe il^rcö Slöjcnbcntcn aud^ in 9lnfef|ung bcö 5U bcm ^aäfia^t bdU
fclbcn geprcnbcn 3lnt]^citcö an bem ©cfammtgute nac^ bcr gcfcfelid&en @r6folge«^
orbnung ju ßrbcn berufen merben (ocrgl. inöbcfonbcre preufe. 31. S. 91. n, 1
§§ 637—639, 645; mcftfäl. ©efeft ü. 16. 9lprit 1860 §§7, 8; code civü
3lrt. 1467 ff.; fjcff. enttt). IV, 2 Sfrt. 480, 484; ctircnbrcitft. ©ntro. §§ 48,
66 ff., 70 ff.; oönabr. ©ntm. § 11). 5Diefer Sluffaffung bcö bcftc^enbcn
3led)tcö, bafe bic S5urd^füf;rung bcö bcr allgemeinen ©ütcrgemeinfd^aft ja
©runbc liegcnbcn ©ebanfcnö an bcm ©rbrcdötc bcr einfeitigen SEbf ömmlinge
eine Sd&ranle finbet, mufe aud^ bei bcr ücrtragömäfeigcn ©ütergemeinfd&aft
bcö ©ntmurfeö, meldte mefcntUd^ baju bcftimmt ift, in bcnienigcn ©ebictcn, in
wcld^cn bic allgemeine ©ütcrgemcinfd&aft gegenmfirtig ben gefcglid^cn ©üter«^
flanb bilbct, ben Icgtcrcn ju crfcftcn, Stcd^nung getragen werben. S)ic Xn*
na^mc, bafe bie G^egatten burc^ ben ©ütergcmeinfd^aftöoertrag ben cinfeitigctt
2(bfömmlingcn baö gefefeUd^ ©rbrcc^t ^aben cntjiel^cn moUen, mürbe mit
SCBgemcine ©ütcröemeinfc^aft. (Srbfolöc Bei unBeerBter (SB^. § 1383. 421
Jen im aSoIIc Icbcnbcn ainfd&auunflcn in SBibcrfprud^ treten. 3luf ber nnbereu
Seite fe^lt eö Qbcr axiä) an einem genügenben Orunbe, nad) bem SSorbilbe
bes preui «. £. 91. II, 1 § 639 oerb. mit §§ 623, 624 uub beä meftfäl. Oef.
V. 16. Slpril 1860 §§ 7, 8 baö gefefeUd^c erbrecht ber einfeitigcn, nod) nid&t
<ib9efunbenen Sttfömmlinge in ber 3lrt ju ermcitem, bafe ber überiebenbe
(Statte fici^ mit ber il^m fraft feines aWiteigcntl^umcd jufteljenben §älftc bcö
(äefammtguteö begnügen mug, mithin bad fonft i()m axiä) neben 9IbfömmUngen
jufte^enbc 6rbre(^t ouf ein aSiertel bcö SRod^laJfeö beß »erftorbencn (Sl^egatten
roegfant. 35er ©cfic^töpunft, baß ber überiebenbe (Bf)CQaüt in ber §ätfte beö
©cfommtgutcö eine genügenbe 6ntf(^äbigung für fein Grbred^t erhalte, fann
Ate richtig nid^t erad&tet roerbcn. 3)ie ^älfte beß ©cfammtguteß fällt bem
iberlebenbcn 6l^egatten olß 2'^eil^ober ber Oemeinfd^oft, nid^t alß @rben beß
xwftorbenen @I)egatten }u. ©iefelbe fonn iwax möglid^ermeife mebr betragen,
olß baß t)on i^m in bie ©cmeinfci^aft cingebrad^te SSermögen; fie fann aber
fbenfo gut bem (enteren gIei(i6fommen ober weniger alß baßfelbe betragen.
S)en erfteren gall alß ben regelmäßigen üoraußiuf e^en , erfd^eint nid^t
cte gereci^tfcrtigt. S)ie 6Jrünbc, auf roeld&en bic 83eftimmung beß Gnt-
©urfeß beruht, bafe bei 3luflöfung ber fortgefe|ten ©ütergemeinfd^aft äioifd&en
bem überlcbenbcn ©Regatten unb ben gcmeinfddaftUd^cn Slbfömmlingen baß
<Sefömmtgut ber fortgefefiten ©ütergemeinfd^aft jroifd^en bem ubertebenben
Chatten cincrfeitß unb ben gemeinfd&aftlid&en Slbfömmtingen anbererfeitß nad^
giften get^eilt loerbcn foH (§ 1406 Slbf. 2 ; üergl. bic TOotioe ju § 1406), treffen
liier ni(ftt ju, ba bie 3lußeinanberfegung wegen beß ©efammtguteß jmifd&cn
bem Überlebenben ©Regatten unb ben SSorfinbern fofort erfolgt unb in Ueber*
einfHmmung mit ber großen SRebrja^l ber geltenben Siedete (oergl. inßbefonberc
inreui Sf. 2. SR. II, 1 § 645 ; meftfät. @ef. t). 16. 9lpnl 1860 § 7) bem übcrlebenben
(Sitten an ben ^nt^eilen ber ^orfinber aud^ nid^t ein ^licßbraud^ßred^t
eingeräumt ift unb im ^inblidfc auf bie 5Ratur beß jroifd&en bem überlebenben
©Regatten unb ben ©tiefünbern beftef)enben aSerljältniffeß nid^t eingeräumt
»erben barf .
3weifel^after ift eß bagegen, ob cß fi^ nid^t empfiel^lt, wenn im ^Jalle m^ crbfoigc
beerbter G^e einfeitige Slbfommlinge nie^t uorbanben finb, mäf bem SBorgangc ^o^anb«'
t)erfd^iebener ©ütergcmeinf d^af tßrei^te , meldte babei t^eilß üon bem ^rinjipef«« wn «&.
ber ÄonfoUbation, t^eilß t)on bem ®efid[)tßpunltc beß SllleinerbredEiteß beß *'^'"'"^*"^^'
iberlebmben ©begatten außgel^en, bem lefeteren aud^ beim SSorlianbenfein üon
©tem, (Befd^miftern unb @ro|eltern — in Slbweii^ung von ben allgemeinen
^ninbfä^n beß Grbred^teß (oergl. § 1971) — t)orbef)altlid^ ber an^ bem
$oi^nbenfein oon Sonbcrgut ober SSorbelialtßgut beß Derftorbenen G^cgattcn
fic^ ergebenben aWobiftfation (oergl. § 1895) unb oorbe^altlid^ beß bm Cltern
jufte^ben ?ßfli(^ttl}eilßanfprud&cß (§ 1975), alß alleinigen Grben beß t)er=
ftorbenen ©tjcgatten ju berufen. 9luf biefem 83oben ftel^en namentlid) bic
3Mifit von 33remcn, Serben, i^ilbeßl^eim, Süneburg, Sentlieim, bie tippe-
bftm. Serorbn. oon 1786 § 15, bic SRed^te oon ^ulba, Grba^, (Sigmaringen,
Samberg^ 2'^mau, ©id^fläbt, ^appcnl^eim, SBinbß^eim, SWörblingen. Gß
imi| jugcgcben werben, ba^ bie Äonfequcnj beß Ocbanfenß ber allgemeinen
©ütcrgemeinfd^aft unb ber 3^^*^^/ ^^^f meld&cn beim SBorbanbenfein gemein-
422 SlUßcnicinc ©ütcrßemeinfiaft. (Srbfolgc Bei unBecrBtcr ®5c. § 1383.
fd^aftlid^cr Slbförnmlinge baö Snftitut bcr fortgefeßtcn ©ütcrgcmcinfci^aft
berul)t (ocrgl. bic Tlotivt ju § 1384), bal^in führen würbe, baö S8crf)ältnife
jn ber bejcid&nctcn SBcife ju geftalten. Uebcrroiegettbc ©rünbe fprcc^cn inbeffen
bagegcn, bte aUgcmeinen ®runbfä|e beö Qtbxtä)k& in bem Doraudgefe^tcn
gallc fo weit ju burd^brcd&cn. ©ine berartigc Siegelung fegt fid& anbcrcrfcito
mit bcn ©rünben, auf roeld&en baö Snteftatcrbred^t ber SBerroanbten beruht,
in SBiberfprud^ unb fül^rt ol^ne 3loÜ) bal&in, ber gamilie beö oerftorbencn ef)cs
gatten beffcn SSermogen gonj ju entiiefien. (Sin Sebürfnife, fo weit 5U gc^en,
fann um fo meniger anerfannt werben, alö burd^ bie allgemeinen erbreci^tU^en
(Srunbfäge (§ 1971) für ben überlebenben ©Regatten bereitö in auögicbigcr
SBeife geforgt unb eö ben ©Regatten gubem unbenommen ift, tmd^ SJ^oggabe
ber allgemeinen erbrcd^tlid^en SBorfd^riften burci^ ©rbeinfefeungöoertrog bic ^icr
in ^age fommenben aSerroonbten ganj auöjufd^liefeen, bejU). bie ©Itern auf
ben ^flid^tti^eilöanfprudö ju befd^rfinfen. 5Diit bem (Sütergemeinfc^aftöoertroge
alö fold^em baö SlQeinerbrec^t beö überlebenben ©Regatten in ben ^ier in Siebe
ftel^enbcn göDen jh tjerbinben, ift um fo bebenflic^er, alö nur ein oerl^ättnife?
möfeig fleiner 2^l)eil ber beftcl^enben (Sütergemeinfd&aftöred^tc biefe Äonfcqucnj
beö ber allgemeinen ©ütergemeinfd^aft ju ©runbe liegciiben ©ebanfenö gie^t,
mä^renb bie meiftcji Sled&te, unb jmar barunter auä) fold)e, meldte bei beerbter
G^e Äonfollbation ober fortgefefite (Sütergemeinfd^aft eintreten laffen, im Jaltc
unbeerbter @l^c im älllgemeinen an ben gewö^nlid^en erbred^tlid^en ©runb^
fägen, wenn auc^ im ©injelnen mit ücrfd&iebenen a)iobififationen, feft^alten.
3u biefen Icfeteren Sled&ten gehören namentlid^ bie fd^leöw. I^olft. 9led6tc,
oerfd^icbene in ^annoüer geltenbe 9led&te, baö ^amb. Siedet, eingelne boijr.
Statuten, fowie baö preufe. 21. S. 51. IT, 1 §§ 642 ff., baö weftfäl. ®ef. o.
16. aipril 1860 § 7 unb ber code civil 9lrt. 1467 ff. (oergl. femer l)eif.
entw. IV, 2 girt. 480, 484; eljrenbreitft. ©ntw. §§ 48, 66 ff., 70 ff.;
oönabr. Gntw. § 11). Unter biefen Umftönben fann aud& auö bem bcfteljenben
Siedete nid^t etwa gefolgert werben, bafe in ben ^ier in groge fommenben
^S^ällen baö Sllleinerbred^t beö überlebenben S^egatten bem Dermutl)lid^en SBiOen
ber ©Regatten entfpred^e. Gine anbere grage ift, ob eö nid^t angemeffcn fein
würbe, bem überlebenben ®f)egatten ben SRiefebraud^ an ben ©rbtl^eilen ber
ÜWiterben einjuräumen, jumal bieö in großen SRed^tögebieten, inöbcfonberc naii
bem prcufe. 31. S. 9t. II, 1 § 645 unb bem weftfäl. @ef. t). 16. «pril 1860 § 7,
geltenbeö ditöjt ift. SlUein gegen eine foldje Siegelung fpred^en, wcnngleid^
baburd^ ein 2^l)eil bcr gegen ba& OTeinerbred^t beö überlebenben ©Regatten
licroorgel^obenen 33ebenfen wegfällt, im SBcfentlidjen alle bieienigcn praftif<^en
Sebenfen, weld^e ben ©ntwurf beftimmt l^aben, aud^ bei bem gefeßlid&en d^
lid^en (Süterftanbe bem überlebenben G^egatten ein Sliefebrouc^öred&t an bcn
Grbt^eilen ber äßiterben nid^t einjuräumen, inöbcfonberc ba& oolföwirtlifd&aft»
lid^c Sebenfen, bafe baö Söermögcn burd^ bie Selaftung beöfelbcn mit einem
Slicfebraud^c fcftgelegt unb unprobuftio gemad&t wirb, fowic bie Sd&roicrig*
feiten, weld)c bcr Slicfebraud^ in bem SScr^öltniffc ju bcn Grbfd^aftögläubigcm
bietet. 3wbem fann ein Sebürfnig, bem überlebenben Gbegatten neben feinem
Grbred)te ein 3Ue6braud)örcd&t an bcn Grbt^eilcn ber 3Jliterben ju gewahren,
nidbt anerfannt werben.
SHIöemcinc ®ütcrgcmcinf(]6*ift. Sibfolöc Bei Beerbter Sßc § 1383. 423
SScrfd^icbcnc Siedete räumen bem übcrlcbenbcn ©Regatten baö SWed^t ein, uebenw^mc
bic ju bcm ©cfammtgutc gc^orcnben ©egenftonbc ober boc^ geroiffc boju (geacnpänbrn
gc^örcnbc ©cgcnftönbe, inöbefonbcrc ©runbftücfc iinb ®cred)tigfcitcn, foroic ^"«^^ *>«"
bic für bcn tägliii^cn ^auögcbraud^ beftimmten aJiobiUcn oud^ bouii, lücnii ubenh^n.
biffclben üon bcm Dcrftorbcncn ©Regatten fjcrrül^ren, bei bcr Sluöciuonbers
fc(ung gegen Srfag bed Sd^äbungömcrttjcs ju überncl)men (Dcrgl. preug.
a. 2. dt. II, 1 §§ 648 ff.; rocftföL ®cf. o. 16. 3lpril 1860 §§ 7, 17). gCßcnngleid)
auf bicfe SBcifc bcm iibcriebcnben G^cgatten bic äWoglid^fcit gcmäf)rt wirb,
fic^ bcn Scpl bcö ©cfammtücrmogcns ju crl^altcn, fo fommt bod) atibcrcrfeitö
in SSctrad^t, bofe baburc^ bcr 3tt)ccl bcr »cftimmuug bcö § 1378 9lbf. 2 Safe 2
©erb. mit § 1382 Sttf. 2, bcr gamilie bcö ücrftorbcncn ©Regatten, inöbefonbcrc
bcn cinfcitigcn atbfömmlingcn bcö Icfetcrcn, bic Don biefcm licrrü^rcnbcn (Scgcn^
jünbc bcö ©cfammtgutcö ju erhalten, tjcrcitclt werben mürbe. S)er SRücffic^t
auf bcn übcrlcbenbcn S^cgatten mirb burd^ baö i^m nac^ § 1378 9(bf. 2
Soft 2 unb § 1382 2lbf. 2 jufte^cnbc Stecht, bic üon il)m fclbft ^crrüf)rcnbcn
(Scgenftänbe gegen @rfafe bcö 6(i^ägungömcrtl^cö ju überncl^mcn, fomic burd)
bcn i^m na<i& bcn crbrcd^tlidjen 33cftimmungen gemährten SSorauö (§ 1971)
in gcnügcnbcr SBcife Sted^nung getragen.
Der § 1383 SKbf. 1 mad&t bcn (Sintritt bcr gcmöfinlid^en erbrcd^tlid^en ©ütcraeuiein»
©ninbfäfec von bcr SSorauöfcfeimg ob^ongig, bafe ein gcmeinfd^aft[id&er SKb^ clbt^al^^i
tommling ni4)t oor^anben ift. ©inb bagegen ein ober mcf)rcrc gcmcinfd^af t« ^«f^*«^ ®^«-
K(^c äbfommlinge oor^anbcn, fo finben bie aSorfc^riftcn bcr §§ 1384—1409
Snwenbung. 3nmicmcit aud^ bann, menn jur 3cit bcö ^obeö bcö einen ®f|e^
flotten ein gcmeinfd&aftlid&er 2lbfommIing faftifd^ tjor^anben ift, glcid^roo^f
bie gütergemeinf d&aftlid^c ®rbf olgc nid)t eintritt, meil ber foftifd^ tjor^anbene
Sttßmmling rcd^tlid^ olö oor bem ©rbfalle oerftorben bcfianbcU mirb, ergiebt
ft4 OU0 bcn §§ 1388, 1392, 1393 ücrb. mit § 1972 (oergl. bie 3Kotioc ju
§§ 1388, 1392, 1393).
S58ennglcid^ nad^ bem Sprad)gebraud&e bcö ©ntmurfcö unter einem »eflriff be«
gctneinf(4aftlid^cn Slbtommlinge ber ©fjcgatten äunäd&ft nur ein fold^er gemein^ fömmiinöe«.
f(^aft(id^er Sibfommling 5U oerfteften Ift, mcld^er mit bcn beiben ®f)cgatten im
Sinne bcö § 30 oerroanbt ift (oergl. §§ 1466, 1562, 1567), fo ergiebt ftd)
M^ üM bcn befonbcrcn Seftimmungen iiber bie yegitimation unb bie 3In*
tw^mc an ftinbeöftatt, bafe bie ^Borfc^riften beö § 1383 3lbf. 2 aud& bann
Smocnbung finben, menn ber Dcrftorbcuc ®f)egatte fold^e ^erfoncn l^interfaffen
^t, roeld^c jroar nid^t gcmeinfd&aftlid^e Slbfommlingc bcr ®l)cgatten im Sinne
beö § 30 ftnb, aber no^ ÜRo&gabc jener 33eftimmungen gegenüber beiben G^e^
gottcn bie rcd^tlid^e Stellung eineö gemcinfd^aftlid^en 9lbf6mmlingcö erlangt
^ben (ücrgt. §§ 1579, 1582).
Siegt bic SSorauöfcfeung beö § 1383 Slbf. 1 oor, fo mirb ber ocrftorbenc «erfüflunfleu
C^gattc in bcrfelbcn SBcifc beerbt, mic er beerbt werben mürbe, menn jmifd^cn "„"gen^im'
bcn e^gatten ©ütcrgcmcinfd^aft ntd&t beftanben Ijättc. S)aburd| mirb juglcid) »aacunöecrb,
ium Xuöbrudc gcbradfit, bafe ieber G^egattc für bcn gall unbeerbter (S()c über "'^ ^^'
bcn ju feinem 9Ja4(ajfe gcljorcnbcn 9fut^eil an bem ©cfammtgutc nad& ü)laft*
flabc bcr angemeinen erbred^tlid[)en ©runbfägc einfeitig oon 2^obcömegcn ju
wrfügcn bcrcd^tigt ift. 2)ieö ift, oorbef;altlic^ ber nad^ oerfd^icbcnen iJled^ten
424 ©ütecöcmcinf (6af tri(]&c§ ßcBred^t gortöef eftte ® ütcrgcnichif d&aft, § 1384.
auä) für btw gall unbeerbter ©f)e bem überlebenben ©Regatten auf ©runb ber
©ütergcmeinid^aft juftet)enbcn bcfonbcren 3led^tc, übcrraiegenb aud& ber ©tonb^
punft bcö geltenben SHedjteö (üergt. inöbefonbere preu§. 31. 2. 91. II, 1 §§ 481,
497—499, 637 ff.; weftfät. ®cf. t). 16. Slpril 1860 §§ 6, 7; code civil Slrt. 1423;
l^eR. ©ntiü. IV, 2 2Irt. 450; e^renbrcitft. entro. §74, 92; oönabr. ©utn). § 8).
SSom Stonbpunfte beö ©ntrourfeö auö, nad) lüeld^cm im galle ber Sluflöfung
ber Oiütergemeinfd^oft burd& bcn 2:ob cineö ber ©Regatten baö ©efammtgut
olö fofdöcß, als felbftänbigeö SSermögen ber e^elid^en Ocmeinfd^aft ni<ä^t fort*
bouert, fonbern ber 9lnt^eil beö i)crftorbencn ©Regatten an betn ®efammtgute
ju bem 9iad;Iaifc beöfclben geprt unb für btw gall unbeerbter ©^e auf ®runb
ber (Siitergemeinfd^aft ju ®unftcn beö überlebenben ©^egotten befonberc 9Iad^*
jüirfungen nid^t eintreten follen, fef)It eö an einem genügenbcn ©runbc, für
btn goll unbeerbter ©^e nur gcmeinfd^aftlid&e aSerfügungen ber ©Regatten von
S'obcöroegcn über baö öefammtgut iuäulaffen.
anorbnunflen 3)er jweitc ©ag beö § 1383 3lb|. 2 bejroecft, bie 3te(i)te, rocld^e bad
ftber^lXr" ®efe6 fflr ben gall beö ©intritteö ber gütergemeinfd^aftlid^en ©rbfolge bcn
nA"e"bu** gemeinid&aftUd^en Slbfömmlingen alö ©rfa^ bcö benfelben entjogcnen gcfe|*
'liefen ©rb. unb ^flid)ttf)eilörec^teö beilegt (§ 1384 3lbf. 1), gegen folc^c 3lm
orbnungcn ber ©Regatten, welche mit ben SBorfdjriftcn ber §§ 1384—1409 in
2Biberfprud| ftel)en, ju fd&üfecn, foroeit nid^t bie Stnorbnungen nad) jenen 9Sor*
f^riften (uergl. § 1384 Slbf. 2, § 1385 9lbf. 1 ©afc 2, § 1387, §§ 1388-1390,
§ 1395) juläffig fxnb. ^nöbefonbcre foU burd& itmn äwföfe ben ©Regatten bie
SDlöglid^feit cntjogen luerben, burd^ ©l^eücrtrag ober burd& SSerfügung oon
Sfobeöroegen ju beftimmen, bafe neben bem gütergemeinf(^aftlid^en ©rben ein
©rittcr 5U einem 33rud^tl)eile ber naä) § 1384 bem gütergemeinfd&aftlici^n
©rben anfallenben ©rbfd)aft 3Äiterbe fein folle — rooburd) fid^ baö ©efammt*
gut ber fortgefegten (Sütergemeinfci^aft Dcrringern mürbe — , ober bafe ber
gütcrgemcinfd)aftlid^e ©rbe alö fotd^er mit SBermäd^tniffen, meldte nad& § 1399
Slbf. 2 ®efammtgutöoerbinblid)feiten fein mürben, befd^roert fein foHe. S)a6
berartige X5erfügungen, burd^ welche bie SRedEitc ber antl^cilöbered^tigtcn Sfc
fömmlinge auf baö Sd^merfte beeintrfid)tigt merben mürben, unjuläfjig fein
müfien, fann einem 3^cif<^l ^^W unterliegen. 2)a jebod^ nad^ § 1385 3lbf. 1
©ag 1 auf ba^ gütcrgemeinfdjaftUdje ©rbred^t bie aSorfd^riften über boö burd^
©rbcinfcgungöoertrag begrünbetc ©rbred^t entfpred^cnbe Slnmenbung fmben,
biefc 5Jorfd)riften aber bie ©f)egattcn nid^t ^inbem mürben, berartige SJcr*
fügungen gemeinfam ju treffen (oergl. § 1953 3lbf. 2, §§ 1955—1957), fo ifi
cö notfimcnbig unb iebenfaUö ratf^fam, burd) eine befonberc, alle giSDc berfenbc
a3orfd)rift jebcö 3)lifjoerftanbniJ5 in ber l^ier fraglid^en SHid&tung ju befeitigcn.
§ 1384.
jRc(^ts. 2)Q§ ^Qj. j)f,i c^jjh beerbter ©l)e eintretenbc Serijältnife ift in ben bc*
^^fff beefbt« ftel^enben Siedeten fel&r oerfd^ieben georbnet. ©ö finben fid^ J^auptföc^Ud^ uier
^^^- Derfd)iebene ©^fteme Dcrtreten.
9iad} bem einen ©i)fteme (Softem ber ftonfolibation bejm. bcö Slllein«
crbrcd^teö bcö überlebenben ©Regatten) mirb ber übcrlcbenbc ©begatte baö
®ütergemcinf4aftfi(Se8 Grbre^t. JJortöcfc^te ©ütergcmcinfcfeaft. § 1384 425
alleinige ©ubictt beö ©efommtguteö, unb cö fielet ben 8<imcin[d)aft(id&cu 3(6* 2>ie
Bmmlingen i^m gegenüber neben einem iinentjie()baren ©rbred^te nur unter ©Jjum^be"
fleroiffen SBorauöfeßungen, inßbefonbcre im gallc ber SBicberoerl^eiratbuug bcö ö^^'*"^*"
Überlebenben ©Regatten, ein Sfnfpruci^ auf fofortige Slbfinbung wegen beö il^ncn
fonft erft auf ®runb il^reö ©rbred^teß iufallenbcn aSermögenöantl^eileö 5u.
Auf htm S3oben biefeö ©i)ftemeö [teilen inöbefonberc bie Siedete von Dsnabriidf,
^ilkö^im unb gulba, fowie piele bapr. ©tatuten, nämlid) bie JRed^te x)on
Ci^ftobt, SBüi^burg, GafteH, Sdjroeinfurt, 5ßappenf)eim, 3Binböf)eim, Dettingen,
SSdBenburg unb Staufbeuren. Db and) baö 9ted^t uon Süneburg, baö 9ie^t
ber ©roffd^ttft Singen unb bie münfterfd&c $oI. D. biefem ©t)fteme ober bem
Sflficmc ber fortgefefcten (Sütergemcinfd^aft im engeren ©inne angehören, ift
beftrittcn. 3laäi ben JReci^ten mn S3remen unb aSerben unb, mic allerbingö
ni<5l o^nc 3tt>^ifrf ift ^^^ «^^ ^^^ l^omb. JRed^te roirb ber überlebenbe
G^onn Sßleineigcntl)ümcr bcö ©efammtguteö, roäl^renb beim Ueberleben ber
GM^au bad Sßer^filtnig ber fortgefegten ®ätergemeinfd^aft eintritt.
3lad^ einem srociten ©^fteme (bem ©pfteme ber fortgefegten' ©üter-
gerorinf^aft im engeren ©inne) treten bie gemeinfd^aftUc^en 3lbfömmlingc
fofort an ©teile bed Derftorbenen ©Regatten neben bem Überlebenben GEiegatten
Qte a^^il^aber ber ©emeinfd^oft ein, unb jmar in ber 3lrt, ba^ bem über*
kbenben ß^egotten in JJnfeliung beö ©efommtguteö im aGBcfentlid^en biefclbcn
Sefugniffe }ufte^en, meldte mä^renb ber befteEienben el^elid^en (Sütergemeinfd^aft
im ©bemanne jufommen, unb bafe bei ber bemnäd^ftigen 3rbtl^eilung ber
Sermdgenöbeftanb jur 3^^^ ber 3(bt^eilung maggebenb ift. S)Qd dicd)i beö
überl^nben ©Regatten baucrt regelmäßig biö }u feinem ä^obe ober biö 5ur
Cinge^ung einer neuen 6l)e. ^lad^ einjelnen JRcd^ten mirb baöfelbe inbeffen
ou(^ burd^ bie SBiebcroerl^eirat^ung beö übcriebenben ©Regatten nid^t berührt.
3a biffer Art ift baö aSer^filtnife namentlid^ geregelt im lüb. 9led^te, in ben
Öebieten ber pomm. Sauerorbnungen, in ben fd^leöm. I^olft. SRed^ten, in ben
Siechten oon fabeln, SBurften unb Sllte Sanb, in ber lippc^betm. 33erorbn.
». 1786 §§ 16, 20, in ^ilbburgl^aufen, ©igmaringen, ©rbad^, Bamberg,
S^mou unb in bem weftfäl. ®cf. o. 16. Slpril 1860 § 10 (x)erg(. and) roürttemb.
ent©. §§ 278, 301 ff. ; e^rcnbreitft. ©ntro. §§ 50—65 ; oönabr. ©ntu). § 12).
3?adö einer britten ©ruppe uon 9ted(|ten wirb baö ©efammtgut nad&
feinem ©tonbe jur 3^it ber 2luf lofung ber 6^e jwifd^en bem überlebcnben ©I)e*
fittttai unb ben gemcinfd^aftlid^en Slbfömmlingen abgetf)eilt, bod^ erfolgt biefe
SM^eilung nid^t fofort nad^ 9luflöfung ber ©^e, Diclmc^r ftel^t bem übcr^
lebenben ©Regatten an ben ©rbtl^eilen ber 9lb!ömmlinge ein Scifxfercd^t ju.
Siefeö ©qftem beö SSeifißeö ift in oerfd&iebenen bai)r. ©tatuten, namentlid^
in Sa^reut^, Nürnberg, fiinbau, ^ol^enlo^e, S)infelöbüljl, fomic in ber ©tabt
imb bem gurftent^ume Äempten anerfannt; ob aud^ in ben JRed&ten Don Sngol*
ftabt, SRinbel^eim unb ©tauffen, ift nid&t unbeftritten.
3lad& einer vierten ®ruppe oon Siedeten mirb \)a& ©efammtgut jioifdfien
bem Überlebenben ©Regatten einerfeitö unb ben gemcinfd&oftlid^en Slbfömmlingen
onbererfeitö ju gleiten 2^eilen getfieilt unb finbet meber eine fortgefegte öütcr*
gemeinfd^aft jwifd^en bem überlebcnben ©Regatten unb ben gcmeinfd)aftlid^cn
Sbßmmlingen ftatt, nod^ ift bem überlebcnben ©l)cgatten alö fold^cm an ben
426 ®üteröcmcinf(j&aftli$e8 SrBred&t. gortoefc^te @üteröcmcinf(]6aft. § 1384,
©rbtficilcn bcr aibfommlingc ein Seifige ober 3l\c%bxau6)^xc6)t eingeräumt.
2)ieö ift bcr Stanbpunft beö preufe. 31. S. 9i. II, 1 §§ 637—639, 615, bed
franj. SRed^teö (code civil 3lrt. 1467 ff.)/ tinl>/ foolel bie oertragömäfeige ®üter*
gcmcinfd^oft betrifft, anä) bcr Stanbpunft bcs ffid^f. ®. S. unb befi olbenb.
®ef. ü. 24. 9lpril 1873 (oergl. ferner l)eff. ©ntiD. IV, 2 3frt. 480 ff.). 9iad^
bem prcufe. 91. S. 5H. II, 1 §§ 656, 657 bleibt inbeffen ber überlebenbc (Sf^e^
gatte biö 5ur tüirflid^cn Sluöeinanberfcfeung im SSefigc unb in ber aSermoItung
beö ©efommtguted, bod^ ift er bar über feinen SWiterben 9led&nung ju legen
üerpfliditet. 2)ie roirfUdie 9luöeinonberfe|ung fönnen aber ^auöfinbcr gegen*
über bem SBater unb, menn fie nod) minberjäfirig finb, gegenüber bcr aJhitter
erft bann tjcrlangcn, wenn ber überlebenbc ©fjcgatte ju einer anbcrmcitcn
©f)c fd^reitet ober wenn bie SCod^ter ^cirat^en ober bie So^ne eine eigene
"^ 2Birtf;f(^aft begrünben ober wenn ber 33ater rocgen beö aSermogenö bcr Äinber
naä) ben (Srunbfägcn über bie Dätcriidöe ©emalt ©id^er^eit ju leiftcn XKVf
pflid&tet ift bejtt). bie SKutter fidf) ber Sßerfd^roenbung ober fonft einer fd^Ied^ten
aSerroattung oerbfid)tig maä)t (prcufe. 31. S. 9t. II, 18 §§ 35, 36, 410—414).
ctanbpunrt SBic Mc üorftcl^cnbe Ueberfid^t beö beftel^enben SKcd^tcö ergiebt, ^aben bie
entwürfe«, "tciftcn ttuf bcm ©oben ber gefefeßd^cn allgemeinen ©ütcrgcmeinfd^aft fteftenbcn
OTflcmemc Sled^tc, TOcId^c auö bcm Seben unb ber ©cmotinl&eit l)eraus ftd& entroidfelt fiaben,
oefujta« x^xi j)er allgemeinen ©ütergemeinfd^aft im galle ber Sluflofung berfcfben bur^
"""**' bm SEob eineö bcr ©l^cgattcu in ber einen ober anberen 3^^^/ fei es in bcr
gorm ber Ronfolibation bcjm. beö Slllcincrbred^teö beö Überlebenben ©Regatten,
fei cö in ber gorm ber fortgefefcten ©ütcrgcmcinfd^aft im engeren ©innc ober
beö 33eifi6s unb 31ic6braud^öredf|tcö beim SSorl^anbcnfcin gcmeinfc^aftlid^cr Slb^
fömmlingc, befonbere, über bie angemeinen ®runbfä|e, namentlich beö ©rbred^teö,
l}inauögef)enbc SRad&mirfungen iu ©unften beö Überlebenben ©Regatten uerbunben.
Snöbefonbere l^at aud^ baö roeftfäl. ®cf. o. 16. 3lpril 1860 troft beö auf bem Sobcn
beö reinen 6rbred)töf9ftcmeö fte^enben preufe. 91. S. 91. eine f old^c Sßa^mirfung im
3lnfd^luife an bie filteren mcftfäl. 9led^tc, rocnn aud^ ni(^t in bcr ben meiften bicfer
fRt6)k ju ©runbe liegenben gorm bcr Äonfolibation, fo bod^ in ber gorm bcr
fortgefeßten ©ütcrgcmcinfd^aft im engeren ©innc ancrfannt. Sd^on auö bicfcm
9ted)töjuftanbe ift ju entnclimcn, bafe eine oollftänbigc fiofung beö burd^ bie oD«
gemeine ©ütergcmcinfd^aft begrünbeten 33anbeö im gallc bcr Sluflofung ber
©ütergcmcinfd^aft burd) ben Xob eineö ©Ijegattcn *em SBefen unb ^xoedt ber
allgemeinen ©ütergcmcinfd^aft mcnig entfpric^t. ©er innere ©runb für bie
6rfd&einung, bafe bie meiften ®ütergcmcinf(^aftöred&te befonbere Sßa^roirfungcn
bcr ©ütergemeinf^aft im gallc bcr 9luftöfung berfelbcn burd^ ben Xob eine«
©f)cgatten anerfennen, liegt in bcr burd^ bie allgemeine ©ütcrgcmeinfd&oft
Ijcrbcigcfütjrtcn intenfiDcn aSercinigung beö aSermogenö beiber ©Regatten ^u
einem cinjigeu aSermögen, meldjeö bie e^nnftionen bcö SBermögenö beö einen
unb bcö anberen Gl)cgatten l)abcn foH unb biefen Raratter erft mit bcm 2^obc
beiber Gfjcgatten verliert. @ö erfc^cint alö eine Unbllligfcit gegen ben über»
Icbcnbcn 6t)egattcn megen bcr bamit ocrbunbencn tiefen Grfc^ütterung feiner
Stellung, locnn er gcjroungcn ift, ben gcmcinfd^aftlid^n 9lbtömmlingcn i^ren
Grbantl^cil an bem ©cfammtgute md) 3)}a6gabc bcr aUgemeinen ©ninbfö^
fofort bcjm. nad) 93ecnbigung bcr cltcrlid^cn ^iufeniefeung (§§ 1501, 1502)
.@ütcröcmcinf^aftli$c3 StBrc^t JJoctöefc^te OüterGcmcinf^aft. § 1384. 427
^rouÄjugcbcn, namcntUd^ in fold^cn gällcu, in xüclä)cn baä (jcmeinfd^aftlic^c
Sennogcn allein ober bo^ tjorjugörocifc x>o\\ bem übericbcnbcn ©Regatten l;er?
riilirt. Unter biefen Umftdnben mufe eä and) ol6 ber Durdifd^nittäroille ber
ßdcgattcn angefc^en werben, bafe ber überlebenbc ©fiegattc im ©efigc unb
Qcnutfc beö Oefammtoermogenö ucrblcibt nnb nid&t bcn mit ber 3luöcinanbcr=^
fcfung wegen beöfelbcn für i^n üerbunbenen Sßciterungen unb 5ßad^t^ei(cn
Quögefe|t wirb, auf biefen Dermutl^Iid)cn aSiUen ber ©fjcgatten mufe um fo
rac§r ©ewid^t gelegt werben, als eö fid^ um bie Siegelung Dertragömöfeiger
allgemeiner ©ütergemeinfd&aft ^anbclt. ©ö ift ju beforgen, bafe, wenn mon biefcm
Demut^Iid&eu äBiDen ber ©liegattcn unb bem gegenwärtigen Sled^töiuftanbc
in bcnjcnigen ©ebietcn, in weld^en bie allgemeine ©ütergemeinfd^aft ber gefej?
lit^e ober l^ergebrad^te ©üterftonb ift unb befonbere Jlad^wirfungen ber burd^
bcn Job cincÄ G^egattcn aufgelöften ©ütergemeinfd^oft ju ©unften beö über?
lebenbcn (S^egatten feit langer 3cit 9lnerfennung gefunben |aben, feine Sledirtung
trögt, bie ocrtragdmäfeige ©ütergemeinfd^aft beö ©efefebud^eö in icnen großen
Sebieten feinen ©ingang pnben unb bamit ber l)en)orragenbe S^cd ber
Äobiftfation ber tjertragömäfeigen allgemeinen ©ütergemeinfdiaft, bie gefefilid^e
allgemeine ©ütergemeinfc^aft in bem gegenwärtigen ©eltungögebiete ber Icfetercn
t^unüt^ft JU erfegen, vereitelt wirb, jumal wenn man bcrüdEfid^tigt, ha^ ol^ne
befonbere gcfefclid^e S^I^ffung bie ©Regatten nid&t in ber Soge fein würben,
im SSkgc bcß SSertrageß Jlad&wirfungen ber ^icr fragtid^en 9lrt mit SBirfung
gegen Stritte beftimmen ju fönnen. Sluf ber anberen ©eitc wirb benjenigen
Scci^tögebieten, weld^en berartige 9flad)wirfungen ber allgemeinen ©üter?
^einf^aft unbefannt fxnb, nid^t ju natie getreten, ba cö fid^ nid^t um bie
Sufftellung abfoluter, fonberu nur um bie 9lufftellung bispofitiüer 9Jormen
(lonbelt, beren 2lnwenbung burd) ©l^eoertrag auöjufd^liefecn bcn ©l^egattcn nad^
§ 1333 unbenommen bleibt. 2)iefen ©rwägungen gegenüber fann t)om ©tanb^^
punftc ber allgemeinen ©ütcrgemeinfd^aft aus ber Ginwanb, bafe burd& 3?ad^*
roirfwngen ber ^ier fragtid&en 3lrt ju ©unften beö übcrlebenben ©l^egatten
anbererfeitö bie ©elbftfinbigfeit ber Äinber in wirt^fd^aftlid^er ^infid^t jU weit
^nauögefc^oben werbe, alö burd^fc^lagenb nid^t anerfannt werben.
aSie bereitö erwähnt würbe, fud^en bie beftetjenben SRed^tc baö am */^^J^""JJJg*J[
Suftrcbcnbc 3i«'/ ^^^ Überlebenben ©Regatten ben Sefig unb ®enu§ beö^s^^LT"
©efammtguteö unb bie biötierigc wirt^fd^aftlit^e ©runblage feineö Sebetiö ju
erhalten, auf oerfd^iebenen SBegen ju erreid^en. $8on ben üerfd)icbencn
S^ftemen entfprid^t an fid^ oielleid^t baö Softem ber Äonfotibation ber 3bcc
ber allgemeinen ©ütergemeinfdjaft am meiften. Slud^ läfet fid^ auf biefem
(Scbictc baö Ste^tönerpltnife jwifd^en bem Überlebenben ©Regatten unb ben
gemeinfd^aftlid^cn Slbfömmlingcn unb baö SBerJ^ciltnife berfelben ju Dritten
oielleic^t am fonfequenteftcn unb Dcrljättnifemäfeig am cinfadiften geftalten.
3nbef|en fte^t biefem Si)fteme, abgcfeljen baDon, ba§ baöfelbe gegenwartig nur
in wenigen 3lec^tögebieten ©eltung l^at, baö fdjwcrwiegenbe öebcnfen cnt?
gegen, ba% cö ju tief in baö ©rbred[|t unb ba& ^flid^tt()cildrcd^t ber 3lb?
fommlingc eingreift unb bie le^en ju fe^r bcnadEjtfieiligt. 3^^ bcad)ten ift,
bafe inöbefonbere aud^ baö weftfäl. ©ef. v. IG. Slpril 18(50 baö Si)ftem ber .Uon*
foUbaiion, obwohl baöfelbe ben meifttn älteren weftfäl. 3ic6)kn ju ©runbe
428 ®ütergcmemfd&aftU$cS SrBrcd&t. gortgcjc^tc ©ütcröemeinfc^aft. § 1384.
liegt, abfidel^nt tiat. 2lctjnlid&c Scbenfcn ergeben f\ä) auä) gegen beu 3QBeg,
bcn übcrlebeuben Gfiegatten ote alleinigen Grben 5U berufen unb beii Stb^
fömmlingeu, abgefefjen üon bcn i^nen beim SSorl^anbenfeiu cineö SSorbc^altö*
ober ©onberguteö beö Derftorbcnen ©Regatten einjurdumenben Siechten (üergl.
§ 1395), in 9lnfcl^nng beö jum 9lad&laffc bcö üerftorbenen Gl^egatten ge^
ftörenben Oefammtgutöantl^eiteö nur einen, regelmäßig erft beim 2;obc be§
Icfetlebenbcn ßl)egatten ober ber 8Bieben)er()eiratf|ung beö lefetercn realiftrbaren,
burdö boö Grieben beö Sd^id^tungöfalleö bcbingten aSermäd&tnifeanfpruc^ ju
gemäljren.
SBenn ouö bcn t)orftet)enbcn (Srünbcn boö ©Aftern ber ftonfolibation
bejro. beö 9llleinerbred^teö beö iiberlcbenben ©l^cgatten fid^ nid^t empfiehlt, fo
bleibt nur baö ©Dftcm beö S3eifx|* ober JtieProuci&öred^teö unb baö ©i)ftcm ber
fortgefefeten ®ütergcmein[c^aft im engeren ©inne übrig. 6ö läßt pd^ nici^t
Dcriennen, baß jebeö biefer Sgfteme, menn man fie mit einanber oerglcid^t,
feine aSorjüge, aber aud^ feine 9iad^t^eilc bat. ®aö Softem beö 93eifi6' ober
SliefebraudDöred&teö greift weniger tief in bie allgemeinen ©runbfäfee ein ; audd
wirb burd) baöfelbc bie Sage ber ftinber meit mcniger gcföl^rbct, alö bicö
nad^ bem ©tifteme ber fortgefe|tcn ©ütergemeinfd^aft — im ^inblicle auf ba^
auögcbcl^nte SSerfügungöred^t beö Überlebenben G^egatten unb bie 35efd^räntung
ber Slbfömmlinge in ber 2)iöpofition über i^ren 9lnt^cil an bem ©efammt^
flute ber fortgefegten ©ütergcmcinfd^aft burd^ aSerfügungen unter Sebcnbcn
unb von ^obeömegen, fomic burd) bie Untjererblic^feit i^reö 2lnt^eilcö — ber
«all ift (tjergl. §§ 1397, 1399). Sie fortgcfcfcte ©ütergemeinf^aft füftrt
fcntcr infofern ju einer Ungleid^^eit, alö jioar ber ncne ©rmerb beö über?
Icbenben ©l^egatten, nid^t aber aud^ ber ber 2lbfömmlingc in baö (Sefammtgut
fftnt (§ 1396). 2)arauö fann fid^ für ben überlebenben G^egattcn bann unter
Umftönben eine grofec ^ärte ergeben, menn er bei feinen Sebjeiten, s- 99. i«
golge feiner SBiebcroerl^eiratl^ung , bie Äinbcr absufd^id&ten genot^tgt in
(§ 1403). 9luf ber anbcrcn ©eitc fprcd^en gegen baö ©i)ftem beö Seifi^cö
alle bicjenigcn in ben aWotioen jii § 1383 oben ©. 422 ^eroorge^obencn
5lad^tbeile unb ©^roierigfeiten, roeld&e bie S3claftung eineö ganjcn 93ermogenö
mit einem 9iie&braud^e immer mit fid^ bringt. ®aju fommt, bafe baö ©i)ftcm
beö 83eififeeö, menngleid^ baöfelbe bem SebürfniRe, bem überlebenben G^egattcn
ben ^efi^ unb ©enug beö ©efammtoermögenö }u erhalten, in ber ^auptfai^e
genügen mag, bod^ infofern bem Sntereffe beö überlebenben (S^egatten nit^t
in auöreid&enbcr SBeifc SRed^nung trögt, alö baöfelbe ben festeren gegen bie
äluöcinanberfe^ung n)egen beö ©efammtguteö unb bie bamit oerbunbenen
SBeitcrungen nid^t genügenb fid^crt. Gö fann bal^ingeftellt bleiben, ob ber
überlcbenbe G^egattc bem 3?crlangen ber 3tbf5mmlinge auf Sluöeinanbcrfe^ung
.auf Orunb beö § 985 entgegentreten fönnte; iebenfallö mürben bie ©laubiger
auf 5luöeinanberfcgung bringen fbnncn (§§ 1373, 1382 3lbf. 2). aille biefc9locb*
tfieilc werben burd& baö 3nftitut ber f ortgefeßten ©ütcrgemeinf d&af t imSBcfcntli^cn
befeitigt. SBirb burd) baöfelbc auf ber einen Seite aud^ bie Sage ber SIbtomm*
lingc mcl)r gcfäl)tbct, fo ift eö i^nen auf ber anbcrcn ©eitc aud^ günftiger.
3cnc ©efö^rbung, meld&c im ^^inblidfc auf bie enge perfönlic^e SJejicbung
unter ben Setl^eiligtcn ol)nef)in von geringer Sebeutung ift, mirb baburc^
I
J
@fiteröcmemf^ftKd&c^ erbrc*t. gcrtgcfeftte ®ütergcmeinf$aft. § 1384. 429
audgegd^eiv bag ber neue Srtoerb bed überlebenben S^egatten^ nid^t axid) bcr
bcr Slbfdmmlinge in baö ©efammtgut fällt, unb bafe ber übcricbenbe S{;cgatte
(ein gefelßd^eö @rbred^t an bem ©efammtgutöanti^eUe bes uerftorbenen (S[)e-
gQtten ju ©unftcti ber S^bförnmange tJcrlicrt (§§ 1396, 140o Slbf. 2). 3lud>
infofeni ift bcn Slbfommlingen baö ©i)ftcm ber fortge[e|teti (Sütergemeinfd^aft
günftiger, als fte bei äRigoermaltung von Seiten beg überlebenben ©tiegattea
Me S(^id^tiing ©erlangen fonnen (§ 1403 3lx. 3, § 1405), wal^renb bei bcm
Biffleme bes 9liegbraud)ed bie Slbtömmlinge in einem fold^en galle nur baö
Sle^t ^ben würben, nod^ SRafegabe beß § 1006 bie ©equeftration ju t)cr^
langen, bie 9tu|ungen aber bem überlebenben ßl^egatten oerbleiben mürben.
Senn man aber aud^ ben ^croorge^obcnen ®efi(^töpunften für fic^ allein ent^
fd^ibenbcö ©croid&t nid&t beilegen will — 5umal fid^ nid^t beftreiten (ä§t, ba^
andf bie Siegelung ber fortgefefeten ©ütergemeinfd^aft wegen öer ÄoUifiott
ber Icftteren mit ben erbred&tlidjen ©nmbfäftcn, indbefonbere mit ben
©runbfäften über bie Haftung für bie ©rbfd^oftäfd^ulben, mit grofeea
Sijroierigfeiten ju fompfen unb biefeö ^nftitut, wie bie ©rfaljrung, j. 33.
aud^ in bem ®ebiete bed weftföl. ®cf. v. 16. 2lprit 1860 le^rt, ju einer
groRfu 3o^l Toow Qmci^eln unb Streitfragen SSeranloffung gegeben l^at — ^
10 fommt bod^ entfd^eibenb in Setrad^t, bafe bie fortgefegte ©ütergcmciu:^
f<i^ft bem ©ebanfen unb bem ^roedt ber allgemeinen ®utergemeinfd)aft
in ^ö^rcm SDlafee alö baö Softem beö Seififeeö geredet wirb, wie fd^on barauö-
iic^ ergiebt, bag bad Softem bed SSeifigeö in ben 9led^tögebieten ber allgemeinen
©fitcrgemeinfd&aft beim SBorfianbenfein üon Slbfommlingen nur eine geringe
Verbreitung ^at, wätjrenb ber weitauö größere 2:^eil ber beftel^enben Sled^te^
ftnoeit biefelbcn mit ber allgemeiuen ©ütergemeinfd^aft übcrl^aupt bcfonberc
Äoc^wirfungen im gallc ber 3Iuflofung ber ©ütergemeinfd^aft burd^ bcn Xoh
eincÄ ber G^egatten t»crbinbcn, auf bem ©oben ber fortgefe|tcn Oütergcmcin-
f(^ft, fei cö in ber gorm ber Äonfolibation ober beö 9lllcinerbred)teö bcö^
überlebenben G^egatten, fei es in bcr gorm ber fortgefefeten ©ütergemcinfdiaft
im engeren Sinne, ftel|t. 3)iefe weite 9Serbreitung ber fortgefegten ©fiter-
Semeinfc^aft in htn üerfd^iebenften ST^eilen Seutfddlanbö unb unter ben uer-
ftftiebcnften aSer^oltnijfen red^tfertigt bie 3lnna^me, baß eine fo intenfioe SBer:^
Mnbung {wif^en bem überlebenben G^egatten unb ben gemeiufd^aftlid^cn 9lb-
fommlingen, wie fie baö Snftitut bcr fortgefegten (Sütcrgemcinfd&aft mit fid)
bringt, oud) ben Sebenöoer^filtniffen unb ben fojialen 3lnfd)auungen bcr 8c^
oolferung in bcn ©ebieten ber allgemeinen ©ütergemcinfdiaft me^r cntfprid&t^
olö boö S#cm beö SSeifigeö. SBill man aber bcn ©ewotjnfieitcn ber Sc^^
ootfening unb bem barauö ju entnel^mcnben mutlimaglid^cn SBiUcn ber Glic-
gotten in ienen Sled^tögebictcn burd^ bie jilobififation ber Dcrtragömägigcu
allgemeinen @ütergemeinfct|aft geregt werben unb nid^t @efat)r laufen, ha^
in jenen Sled^tögebieten bie Dcrtragömfifeige allgemeine ®ütcrgemeinfd)aft beö^
(M^buc^ ein tobter Su^ftabe bleibt, fo fanu man uid^t uml^in, baö 3»M'titut
ber fortgefeften ©ütcrgemcinfd&aft im engeren Sinne erfd^öpfcnb ju regeln^
ba of|ne eine fold^e Siegelung bie G^egatteu im 3ßege beö G^et)ertrageö ein
jenem 3nftitute entfprc(|enbeö SBcrl^ältnife mit 3Birfung gegen 2)rittc nid(|t
nmrbcn ^rfteUen fonnen. Sft aber eine erfdEjopfenbc SHcgelung jcneö 3nftitute&
L
430 ®ütcröeineinf*aftnd6c§ GrBred&t. ^ortöefc^te ®ütcrgcmcinfd&aft. § 1384.
niä)t ju Dermcibcn, [o tjcrbicnt cö bcn SSorjug, baöfclbe afe ein Slaturale bcö
©ütcrgemeinfd^aftöücrtrogeß ju bc^onbeln (§ 1383 3lbf. 2) unb nid^t nur für
bcn §an JU regeln, bafe bie G^egatten ben ßintritt ber fortgefefeten (Sütcr-
gemeinfd^aft in bcm G^eüertragc bcfonbcrö tjereinbart fjahtn. Xnxd) biefe Strt
ber Siegelung wirb aud& benjenigen 9led)tögebieten, roeld^en ba^ 3nftitut bcr
fortgefegten ©ütcrgcmeinfc^aft unbefannt ift, nid^t ju nafie getreten, ha eß ben
©fiegatten freifte^t, in bem G^eoertrage bie 5Knn)enbung jenes Snftituteö aus-
äufd^Iiefeen. Sieben bem Snftitutc ber fortgefegten ©ütergcmeinfd^aft jugleiA
ba& 3nftitut bcß S3eifigeß ju regeln, um benjcnigen (Sebieten SWed^nung ju
trogen, in roetd&en biefcö Snftitut gegenwärtig in ©eltung ift, empfiehlt f«^
nidfet. SGBeungleid^ ein bem Seifig oöllig entfpred^enbeö Sled^tdoerpttniB im
2Begc beß SScrtrogeö nad) ben allgemeinen Orunbfägen wegen beß entgegen-
ftel^enben ^^flid^ttl^eitßrediteß ber 3lbfömmlinge unb wegen bcr 9lid^tiulafjung
beß ajinbifationßlcgatcß (§ 1865) unmittelbar nidit begrünbet werben fann,
fo ift bo(i^ baß SSebürfnife einer foldien Siegelung um fo weniger onjuerfcnncn,
alß baß öeltungßgebiet beß 33eifigeß bei allgemeiner (Sütcrgemeinfd^aft unb
beim 58orl)anbenfein tjon Slbfömmlingcn nur ein fefir befd^ränfteß ift unb eine
Siegelung biefeß Suftituteß neben bcm 3nftitute bcr fortgefegten ©ütergemeins
fd^aft jubem mit bem Oruubfage beß Gntwurfeß, nur eine 9lrt bcr oD-
gemeinen (Sütergemeinfd)aft ju fobifijiren (Dcrgl. SRotiDc oben ©. 321), nitftt
im Ginflange ftel^cn würbe,
stonfirurtion Slnlaugcub bie juriftifd^e Äonftruftion ber fortgefegten ©ütergemcinfc^aft
fe^teJÄr* ^^ cugcrcn ©inne, fo wirb baß mit Sluflöfung ber G^e fraft beß (Sefegeß ein*
gemeinfc^ft. trctcnbc Slcd^tfiocr^ältnife nac^ bem beftel^cnben Siedete t)on S)oftrin unb Orariß
(Stutnhti üorwiegenb bal^in oufgefafet, ba% ber ju bcm Slad^lajfc beß cerftorbenen G^c«
**^** gatten gcl^örenbe 2lntl^eil an bem el^elid&en (Sefammtgute auf bie gemcinfd^aft'
l\ö)c\x 9lbfömmlinge alß Grbcn beß oerftorbenen G^egatten übergebt unb in
Slnfe^ung beß bem übcrlebcnben Gl^egatten unb bcn Slbfömmlingen gemein-
f^aftlid^ jufte^enben ®efammtguteß ein ä^nlid^eß Sßer^ältnife eintritt wie
wä^renb beftel^enber G^e in Slnfe^ung beß el^elid^en ©efammtguteß gwifd^cn
ben Gticgatten, unb jwar in ber 3lrt, bafe ber überlcbenbe G^egotte in bcr
fortgefegten ®ütergcmeinfd;aft regelmäßig bieienige red^tlid^e Stellung l^ot,
weld&e wäl^renb ber befte^enben el^clid^cn ©ütergemeinfd^aft bem G^emannc 5u-
fommt. lieber bie iuriftifd)e Slatur beß bem Überlebenben ©Regatten unb bcn
3lbf6mmlingen an bem ©efammtgute ber fortgefegten ©ütergcmeinfd^oft ju-
ftel&enben 3Jlitcigent^umeß gel^^n iebod&, wie bei ber el)elid^cn ©ütergemeinfdfKxft,
fo aud^ l^ier bie Slnfic^ten außeinanbcr (oergl. ©euffert XIV, 99, XXX H',
310; Gntfd^. b. SR. D. ^. ®. IX, 77 S. 252 ff.; entfd&. b. JR. ®. in Gioilf.
IX, 71 ©. 267).
älnlangenb bie C^aftung für bie Sd^ulbeit, fo haftet nad^ ben befte^enben
Siedeten ber überlcbenbe G^egatte für bieicnigcn Sd^ulben, wegen weld^er bie
©laubiger audE) wäl)renb befte^enber G^e auß bem ©efammtgute 99efrtebigung
verlangen fonnten, nad^ aWafegabc ber in ben altgemeinen SRotioen 5U §§ 1373
biß 1382 oben ©. 401 ff. angeführten Scftimmifugen je nad^ ber Sßerf^ieben^
ber Siedete nur mit bem ©efammtgute ober aud^ perfönlic^. dagegen fonncn
bie 9lbfommlingc, obwof)l biefelben alß Grben beß Dcrftorbenen G^egatten für
(Süteröemrinf ^crf tn^e§ 6rBrcd&t. gortfiefe^te ©ütcrocmeinf 4af t. § 1384. 43 1
bic auf bcm ©efammtgutc rufjcnbcn ©d^ulben prinäipicU nad& Sßerl^ältnife bcö
i^ncn }ugefal(enen 3Intt)cUcd an bcm ©efammtgute tiaften^ bod^ mit 9iüdfid)t
borouf, bo§ i^ncn lüä^vcnb bcr fortgefefeten ©ütcrgcmcinfd^aft bic ©ißpofition
über i^rcn 3lntl^cil uub bic SBcrraaltung bcö Ocfammtgutcö cntjogcn ift, bis
jur äuflöfung ber fortgcfcfeten ©ütcrgemcinfc^aft t)on ben Oläubigcrn nid^t in
Slnfprud^ genommen werben, unb ftel)t cö ben Slbfömmlingen frei, nod) bei
ber 33eenbigung ber fortgefefeten ©ütergemcinfd&aft fid^ burc^ Sluöfd^tagung bcr
Srbfc^aft Don ber Haftung für bic ©d^ulbcn ju befreien bcgm. naä) äßaggabe
bcr erbred^tlid^en ®runbfä|e über bad 3nt)cntarre(i[)t il^re Haftung auf bas^
jenige, moö fic bei 3lufIofung ber fortgcfeßtcn (Sütergcmeinfd^aft auö bcm (Sc-
fftmmtgutc erhalten, ju befcfiränfen (oergl. Gnlfd^. b. SR. D. ^. ®. IX, 77
S. 252 ff.). 3n bicfcr Slrt ift baö SSer^ältnife inöbefonbere aud^ in bcm meftfilL
@ef. 0. 16. äpril 18G0 § 18 geregelt. 9Jad^ bemfelben l^aftcn bic 5lbfömm^
lingc btn ©cmeinfd^aftögläubigern inbeffcn aud) bann, wenn !cin 3nücntar
gelegt ift, nur mit bem betrage bcö i^ncn bei ber ©d&id^tung jugcfallcncn
ant^eileö. «c^Iid^e SBorfc^riften, mic baö roeftffil. (Sef. v. 16. 3Ipril 1860, ent-^
^Iten in bcr ^ier fraglici^cn SBejicEiung aud^ ber oönabr. @ntn). §§ 14, 20 unb
bcr c^renbreitft. ®ntn). §§ 58, 83. 9iad& bcnicnigcn SRcd^ten, naäf wtld)tn bcm
überlcbenbcn ©Regatten baö ganjc (Sefammtgut fraft ^onfolibation ober älUciu^^
erbrec^tcö jufäUt, l^aftcn bic 9lb!ömmUngc für bic auf bcm Ocfammtgtitc
ru^enben Sdiulbcn überhaupt nid^t.
SBic cö fic^ mit bcr Sd&ulben^aftung vtx\)<, wenn ju bem Slod^Iaffc
bcö i>erftorbenen @(|egatten ein etmaigcö 93orbc()aItögut ober Sonbergut beö^^
felbcn geprt, mctd^cö nid^t 33cftanbtf|cil bcö ©cfammtgutcö ber fortgefc^tcn
©fitergemeinfd&aft wirb, ift in ben beftc^enben Metten nid&t befonberö oor^^
gelegen. 3n einem fold^cn gallc ift anjuncfimcn, bafe bic ©laubiger bcö ocr*
florbencn ©^cgottcn megen foId)cr SScrbinblid^fcitcn, für meldte ber Icgtcrc
perfonlic^ haftete, fc^on mäl^rcnb bcr S)auer bcr fortgefefeten Oütergemcinfd^aft
auö bem 35orbcl)aItö« ober ©onbergutc 33efricbigung tjcrlangcn fönnen. SBic
bttö 91. D. ^. ®. (entfd&. IX, 77 ©. 260 ff.) crfannt t)at, bcfd^rfinft fic^ im
befien biefc Haftung, aud^ mcnn fein Sn^cntar nad^ bcm 2^obc bcö ©rbfajtcrö
oufgenommen ift, icbcnfallö für bic Sauer bcr fortgefc|ten Oütcvgemeiu'
fd^aft ouf ben Setrag bcö auf bic Slbfömmlingc tjcrcrbtcn aSorbcl^altö^ ober
Sonberguteö.
2)er ©nlmurf I;at, fooiel bic iuriftifc^c Äonftniftion ber fortgefefctcn ctanbpunrt
@ütergemeinfd)aft betrifft, einen aWittdmcg äwifd^cn ben auf bem 33oben bcr «ntrourfe«.
fortgefe|ten @ütcrgemeinfd^aft im engeren Sinne unb ben auf bem S3oben bcö
^rinsipeS ber AonfoUbation bejm. bcö älUcinerbrccfiteö bcö übericbenben Qf)t'^
gotten fte^cnbcn Siechten cingefd^lagcn. S)ie oielen Streitfragen unb SBcr=
»itfelungen, meldte fid^, namentUd^ in 9Infe{|ung ber ©d^ulbenl^aftimg, auö
beqenigen @efta(tung ergeben l^aben, meldte baö 93crl^S(tni§ in ben auf bcm
Soben ber fortgcfefetcn ©ütergcmeinfd&aft im engeren Sinne ftel^cnben JWed^tcn,
inöbefonberc au(^ in bem meftfäl. ®ef. o. 16. 3CpriI 1860, gefunben l^at,
»rifen borauf {|in, bag ber oon biefen SRed^tcn cingefd^Iagene 38cg, menngleid^
krfelbe ben aDgemcinen ©runbfägcn nä^cr ftc^en mag, nid)t bcr richtige unb
angemeftene ift. 2>erfc(be becinträd^tigt cincrfcitö bic ©(äubiger bcö oerftorbeneu
432 ®ütcröcmciitf4aftrid&c« (Sxlxtiit gortöcfcfetc ©ütcröeincinfc&aft. § 1384.
e^cflQttcu unb roafirt anbcrerfcitö troß bcr oud^ bei bicfcm SBcgc nid^t ju
cntbe^rciibcn pofttiDen Scftimmungeii jum ©d^ugc bcr ^bföntmUnge bie
Sntcreffeu bcr Icfetcrcn nid^t in ousrei^cnber SBcifc. SDic Sccintrad^tigunji
bcr Oläubigcr bcö ocrftorbcncn G^cgattcn tritt namcntlid^ bann {|en)or, wenn
bcr crftücrftorbcne 21^cit bic ©ficfrau unb bicfc mit erl^cblid^cn SScrbinblid^^
feiten bclaftet ift, njcld&e nid^t bcn Äoraftcr von ®efammtgutdt)crbinbli4)fcitcn
fjabett (§ 1362), ein jur SBefriebigimg wegen berfclben auöreici&enbcö 9Sor*
bc^altd^ ober @onbergut aber, n)c(d^e bei ber allgemeinen ®ätergemeinf(!^aft
bic 3luöna()me bilben, 5um ^lad^lajfe ber (St)cfrau nic^t gel^ort. ^ie SIb*
fömmlinge finb ferner baburd^ gefftfirbct, ba§ bie i^nen bem Grblajfcr gegen*
über jufte^enben Slnfpriid^e burd^ Äonfufion (§ 291) crlöfd&en. ÜBit 9iütfii(|t
I)ierouf, [oroie mit 9lüdffid^t auf bie fd^on roäl^renb ber SJauer ber fortgefc|ten
(Sfitergcmcinfd^aft eintretenbe Haftung mit einem etwaigen 93orbe^a(tö« ober
Sonbergute beö ücrftorbeneu G^egatten müfete ben Stbfömmlingen iebcnfaUd
f^on beim S^obe bcö GrblafferiS bad SRcd^t, fi^ auf baö Snoentorre^t ju be*
rufen, eingeräumt merben. "^ann Ijat man aber jmei Snoentarrcd^tc, einmal
baö foebeu emjäl^nte, fobann baöienige, roelddcd i:ad^ ber üicücicbt crft nad&
einer langen SRei^e üon Saferen eintretenben Sluflöfung ber fortgefefeten ®ütcr«
gemeinfd^aft mirffam loirb. Safe baburdfi oielfad^e SBcrroidelungen ft^
ergeben mürben, liegt auf ber ^anb. 3llle biefe unb anberc Äomplifationen
luerbcn ücrmieben, meun ber überlebenbe ©i^egattc — abgefel^en t)ier junäd&ft
uon bem galle, menn neben ben gemeinfd^aftHd^en Slbtömmlingen ein (erb*
bered&tigter) einfcitiger Slbfömmling bcö ocrftorbcncn 6[)cgatten oor^onben ift —
als OTeinerbe bcö (cfetcren benifen, baneben aber beftimmt mirb, ba§ juglci^
bieienigen gcmeinfdöaftUd^cn SlbfömmUngc, roeld&e bei bcr SBorauöfefeung, bafe
©ütergcmeinfd^aft imifd}cn bcn ©Regatten nid^t beftanben tjatte, alö gcfe6li<^e
Grben bcö t)erftorbenen ©Regatten mürben berufen merben, fraft bcö ®cfc^
nad^ aJlafegabc ber in ben §§ 1396—1409 entl^altencn Seftimmungen mit bem
überlebenbcn GEjcgattcn in baö 9?ed^tdüer^altni6 bcr fortgefegten ®ütergemcin*
f^aft eintreten (§ 1384 3lbf. 1). Srnbercrfcitö geftaltet fid^ auf bicfcm gSegc
baö SBcrliältnife cbenfo cinfad) alö jioedentfpred^cnb. 2)er überlebenbe ©^cgattc
Oaftet bcn ©laubigem, mögen biefelben Ocfammtgutögläubigcr fein ober ni^jt,.
wad) ^afegabe ber aKgcmcincn erbrcd^tlid^cn ©runbföge a(ö alleiniger (hbe
bcö ocrftorbcncn ©Regatten unbcf darauf t für alle Sd^ulben beö Unteren,
mälirenb bic Slbfommlinge ben ©Ifiubigcrn gegenüber uon jeber perfönlic^en
Haftung befreit fmb (§ 1384 3rbf. 1, § 1399 9Ibf. 2). S)ie «btöminlinge
merben für baö i^ncn cntjogene ®rbrcdE)t burd) bcn jugfeid^ mit bcr ©rbfolge
fraft ©efefecö i^nen 5ufanenbcn 9lnt^eil an bem ©efammtgute bcr fortgefegten
®ütergcmeinf(^aft (§§ 1396, 1397) oollig fd^abloö gehalten. Cuantitatto
erl)alten fie burd^ ben ©intritt in bie fortgefefete ®ütcrgemeinf(^aft baö ®Ieid^,
maö ftc alö bic ©rbcu bcö t)erftorbencn ©t)cgatten (unter ^[uöfd^liegung beis
überlebenbcn ©fjcgattcn) erl^alten (jaben mürben (§ 1406 Sttif. 2); quoIitotiD
ift aber bcr 3lntl)cit berfclben an bem ®cfammtgute ber fortgefefttc« ®üter*
gcmciufdE)aft nidE)t berjenigc bcö ©rblaffcrö an bem ©efammtgute ber e^tid^cn
®ütcrgcmcinf d^aft ; mclmeljr ift baö SRcd&t ber SlbfömmUngc, weld^efi ber ©im
tritt bcr fortgcfcfttcn ®ütcrgcmcinfd^aft für fic begrünbet, ein DoDig neucÄ^
®ütergemem[d&aftlid6eö erBced&t. ^ortgefetitc ©ütcroctneinfd^aft. §1384. 433
utib Qti^ bei äfuflöfung bcr fortgcfe^ten ©ütergemcinfd&aft erl^alten fic nur
ben tvQft bicfcd neuen Sled^tcS if|ueii jufommenben 9lnt^cil. Gegen bie
ftonftniftion befi Gntwurfeö fonn üom ©tanbpunfte beö Sntereffeö ber 9(b:=
fommlingc aud audi barauö ein entfd^eibenbeö Sebenfcn nid)t entnommen
werben, ba% bem iibcrfebenben ©Regatten olö 3tUeinerben anä) baö SBorbeJ^altS--
ober ©onbergut beö üerflorbenen ©Regatten jufällt unb ben 9lblömmlingen
inforoeit nur ein perfönlid^er Söermäd^tmlanfprud^ auf 3luöfel^rung ifjreä
it^ilcd eingeräumt ift (§ 1395). 9Birb bem Überlebenben ©fiegatten in 9ln-
fe^ung beö ©efammtguteö ber fortgefefeten (Sütergemeinfc^aft im ©inflonge
mit bem beftel^enben SRed^te ein fo auögebel^nted SJerrooItungö« unb 9Ser^
fügungörcd^t beigelegt, mie mfit)renb bed 33efte]^enö ber efielid^en ©ütergemein*
|(^ft bem entmanne jufte^t (§ 1399 3lbf. 1 Derb, mit §§ 1352, 1353), fo
fonn man ju bemfelben aud^ baö SSertrauen ^aben, bafe er bei ber 2luöfet|rung
M ben SÄtommiingen jufommenben SCfieileö beö SBorbel)attös ober ©onber-
gutcö beö Derftorbenen 6f|egatten gemiffenfiaft unb reblid^ üerfatjren merbe.
6benfon)cmfl mic baö 3ntereffe ber Slbf ömmtinge , mirb baö beö übcriebenben
C^egatten burd^ ba^ ^rinjip beö ÄUeinerbred^teö gefä^rbet. 9lbgefel)en baoon,
bfl§ i^n bie l^errfd^cnbe ©tellung in ber fortgefe^ten (Sütergemeinfd^aft ent?
f<Wbigt unb gemiffe auf il^n alö ®rben beö üerftorbenen @{)egatten über*
ge^nbe SSerbinbftd^feiten beö (enteren im SSerljältniffe jiDifd^en i^m unb ben
SWömmlingcti biefen biö jum Setrage i^reö SÄnt^eiteö jur Saft fallen (pergl.
§ 1400 Sttf. 2 3lx. 3, äbf. 3, 4, § 1399 3Ibf. 1 Derb, mit § 1369 5lbf. l
Süft 1, § 1406), i^at berfelbe einmal baö Snoentarred^t, unb aufeerbem fann
er nad^ § 1386 bie gütergemeinfd^aftlidje Erbfolge mit ber SBirtung auö-
fcfclagen, ba| alöbann bie|enige Grbfolge eintritt, meldte eingetreten fein mürbe,
wenn jroifd^en ben ©Regatten ©ütergemeinfd^aft nic^t beftanben f)ätte.
Änlangenb ben britten ©afe beö § 1384 9lbf. 1, fo ergiebt fidd bie barin ''^"/J*^*^^^^^
enthaltene SejKmmung, bafe bie gemeinfd^aftlid^en Slbfömmlinge wegen ifirer nc^e/^aftüng
auö bem 9led^tfit)erl^ältniffe ber fortgefefeten Oütcrgemeinfd^aft fid& ergebenben ^^fL^^Tlen
9Ie^te perfonlid^ — im ©egenfafee ju ber 3Serpf(id^tung, bie S^ilgung ber SSer- aawmmiinae.
binbli^feiten beö üerftorbenen (Sl^egatten fomie beö Überlebenben ©liegatten auö
bem (Scfammtgute ber fortgefefeten Oütergemeinfd^aft ftd^ gefallen laffen ju
TOüffen (§ 1399 5Kbf. 2) — meber für bie SBerbinbUd^feitcn beö ©rblafferö nod&
für bie Serbtnblid^Mten beö überlebenben ©l^egatten l^aften, in ßrmangelung
einer entgcgenfte^enben 33eftimmung an fid& fd^on an^ allgemeinen ©runb^
fttöen unb bem 5ßrinjipe beö SHleincrbred^teö beö überlebenben ©Regatten.
Siegen ber praftifd^n SBid^tigfeit ber l^ier in SÄebe ftel^enben Seftimmung
unb, um bem 9Ki|üerftänbniffe entgegenjutreten , alö ob ber ©intritt ber
fortgefeftten ©ütergemeinfdiaft eine 3trt Unioerfalfufjeffion mit Uebergang
ber ©d^ulben begrünbe, ift eö alö rat^fam erad^tet, jene Seftimmung im
©efefee auöbrüdHid^ ^croorju^eben. Safe ber überlebenbe ®f)egatte fraft beö
i^ in Slnfe^ung beö ©efammtguteö juftel^enben Süerroaltungöred^teö bie
^btommlinge perfonlid) nid^t mit ©d&ulben belaften fann, folgt aM § 1399
abf. 1 in SBerbinbung mit § 1352 Slbf. 3.
Siö^er ifi bei ber ©rörterung ber gall unberüdEftd^tigt gelaffen, wenn
neben ben gemeinfd^aftlid^en 9lbfommlingen ein ober mel^rere einfeitige (erb?
9UUw |. »firgerL «efc^bu«. IT. 28
434 ®ütcrocmcinf(&aftRc6cö (Srbrcdbt. gortßefe^tc ®ütcr9emcinfd6aft. § 1384.
Äoufurreni bci*cd)tigtc) Slblömmliugc üovl^onbcn fmb. 2)em Oninbfaftc bcö § 1383, bafe
aMömmiinöe i"! gallc iiubccrbter S^e bic cinfcitigcn Slbfömmlinflc bed ücrftorbenen e^e*
bc8«rbianer8. gattcu bcu le|tcrcn in bcrfclbcn SBcifc beerben, roic er beerbt werben würbe,
mmx jn)ifd)eu ben 6f)egatten ®üteröemein[d^aft nid^t bcftanben l^ätte, in aSer^
binbung mit bcm ^rinjipe beö 3lllcinerbrecf|tcö beö überlebenben ©Regatten
nod^ 3)ta6gabc beö § 1384, wenn nur gcmeinfd^aftlic^c 9lbf5mmlinge oorl^anben
fmb, entfprid)t eö, bafe beim gleid&jeitigen SSorbanbenfein gemcinf(i^aftUd)er «nb
cinfeitiger 3lbfömmUnge baö 2nicinerbred&t befi überlebenben ©Regatten bie
33efd)ränfiing erföljrt, ba^ bie einfettigen Slbfömmüngc baöienigc erben, roaö
fie geerbt I;aben würben, wenn aud& bic gemeinfd^aftlid^en Slbfommlinßc ein-
feitige 2lbfömmlinge wären, bafe aber neben i^nen ber überfcbenbc ©begatte
infoweit alö ©rbe beö oerftorbenen ©Regatten berufen wirb, als er unb bic
gemeinfd^aftlid^cn älbfömmUnge bei ber 93orQuöfe|ung, bag ©ütergemeinfc^oft
}wifd)cn ben ©Regatten nid^t bcftanben ^ätte, a(ö gefeglid^e ©rben würben, be-
rufen werben, unb ber überlebenbe ©^cgatte iugleid^i mit biefen gcmeinfd^aft«
liefen Slbfömmlingen in 9Infe^ung beö nid^t an bie einfeitigcn Slbfömmlinge
fanenben S^l^eilcö beö ©efammtguteö in baö Stcd^töoer^filtnig ber fortgefe^tcn
©ütergemeinfd^aft eintritt (§ 1384 9lbf. 1 ©aft 1, 2, Slbf. 2, §§ 1395, 1396
9lbf. 1). 3m SRefuItate ftimmt bamit inöbefonberc aud^ baö weftfäl. ®ef. ü.
16. 9lpril 1860 § 7 Slbf. 1, §§ 8, 10 3Cbf. 1 überein, nur bafe nad^ bemfelbeu
bei Seftimmung beö ben einfeitigen 91bt5mmlingen jutommenben ©rbt^eikö
an bem ®efammtgute baö nad^ bem gemeinen ©rbred^te (preu§. 91. S. 91. II, 1
§§ 623, 624) bem überlebenben ©Regatten neben SÄbfömmlingen juftel^enbc
©rbrcd&t nad^ SRafegabe beö preufe. 91. £. 91. II, 1 § 639 nid&t berärffid^tigt wirb
(oergl. bie aRotiue ju § 1383 oben @. 421). 2)ie infoweit abweid^enbe Siegelung
beö ©ntwurfcö (§ 1384 9lbf. 2 uerb. mit § 1971) gewährt nidfit fowo^I bcm
überlebenben ©Regatten alö ben gemeinfd^aftUd^en 9lbfömmUngen einen SBor*
ttieil, inbem biefe bei ber 9luflöfung ber fortgcfefeten ®ütcrgemeinf(§aft bic
^älfte beö nad^ 9lbiug beö an einfeitige 9[bfömm(inge faQenben 9Cnt^ei(cö
t)erb(cibenben ®efammtgutcö erhalten, o{|ne bag il^nen gegenüber baö ©rbrc^t
beö überlebenben ©Regatten auf ein SSiertet (§ 1971) berüdpd^tigt wirb. 3>ic
gcmeinfd^aftlidjcn 9lbfömmlinge crl^alten mltl^in materiell eine grSfeere ©rb*
Portion, wie bie einfeitigcn 9lbfömmlinge. 3)arin liegt inbeffen feine UnbiUigfcit
gegen bie Ic^tcren, fonbern eine billige 9luög(eid^ung bafür, bag bie gemcim
fd^aftlid^en 9lbfömmlingc ben alö ©rfaft il^reö ©rbred&teö iljnen jufommcnbcn
9lntl^cil an bem ©cfammtgutc erft bei 9luflöfung ber fortgefe^ten ©fiter-
gcmeinfd^aft erfialten (ücrgt. bic 3Rotioe ju § 1406 unter 1), eine äuöglei^ung,
über weldde anbcrerfcitö bie einfeitigcn 9lbt5mmlinge fi^ nic^t bcfd^wcrtn
fonncn, weil biefelbe nid^t auf ibrc Roften erfolgt.
»erfflfluiiflen 3ft ucbcu bcu gcmcinfd^aftlidjcn 9lbf5mmlingen ein cinfeitiger 9(btömtm
»Ten^bJrbie li"9 i^^^ tjorl^aubcn, bicfcr aber naä) § 1972 t»erb. mit § 1384 9lbf.2 olö
crbt^ciie ein* vox bcm ©rbfallc geftorben anjufeljen, fo erftredft fid^, wie auö § 1384 9lbf. l
*fimmui!l^ ©öfe 1 crbellt, baö gütcrgcmeinfd&aftlid&c ©rbred)t beö überlebenben ©Regatten
an fid& aud^ auf ben frei geworbenen SBrud^t^eil eineö fold^en einfeitigen 9(b^
fömmtingcö; bo^ fann in 9lnfel^ung eineö folgen Srud^t^cileö ber ©rblaffer nac^
ber auöbrücflidjen SBorfd)rift beö § 1385 9lbf. 1 ©aft 2 oJ[>nc Siürfjtc^t. auf bofi
©ütergcuteinfd&aftrid&cö ßrBre^t. g?cd?tri*cr itaraftcr. § 1385. 435
©rbre^t bcö öberlcbcnbcn ©^cßattcn t)on S^obedroegen tjerfügcn (ücrgl. bic
JRotioc ju § 1385). Safe, lücnn ein einf eiliger Slbfommling üor^anbcn ift,
o^nc bog bie JBoraudfefcungen bcö § 1972 vorliegen, ber (Srbloffer in Sin-
fcj^ung beß bcm cinfeitigen 9lbfömmlingc nac^ bem gcfe|Iid)cn ®rbred^te ju-
ffe^enben Snid^t^eileö ber 6rbfd)oft und) aWafegobe ber allgemeinen erbred^tlid^en
Sorfc^riften o^ne SRüdffid&t auf baä ®rbrcd^t beö überlebenben ©Regatten üon
iobeftroegen verfügen fann, ergiebt fid^ fd&on auö § 1384 9(bf. 2 in SBerbinbung
mit bem § 1384 3lbf. 1 ©a| 1, inbem beim 58orl)anbenfein erbbercd^tigtcr
einfeitigcr äbfommUnge neben gemeinfd^aftlid&en 9lbfommlingen baö güter^
geineinfd^aftlid^e ©rbred^t beö überlebenben (Sb^flötten umfönglid^ fid^ auf bcn^
jcnigen Änt^eil befd^rfinft, ju roelddem er unb bic gemeinfd^aftlidEien Slbfömm^
lingc bei ber 33orauöfe|ung, ba% Oütergcmeinfd^aft jroifd^cn ben ©fiegatten
iiii^t befianben l^ätte, als gefeftlid^e ©rben würben berufen werben. 9InbererfeitS
fann ber (Srblajfer nad^ § 1383 Slbf. 2 ©a| 2 üerb. mit § 1389 ben gefefe^
lid^ ©rbt^eil eines einfeitigen Slbfömmlingeö nid&t jum 3lad^t^eite ber
ont^öbere^tigten Slbfömmlinge erp^en, felbft nid^t mit 3^^fti"^"^wn9 ^^ö
ttnbcren ©l^egatten. Stur inbirett fann er eine ©rfiö^ung beö bem einfeitigen
Sbfömmtingc gefefelid^ iufommcnben ©rbt^cileö baburd^ l^erbcifübren , bafe er
mit 3Mftiitttnwng beö anberen ©Regatten einen ber gemeinfd^aftUd^en 9lb^
törnmlinge nad& SBafegabe ber §§ 1388, 1390 t)on ber a;i^eilnal^me an. ber
fortgefefeten ©ütergemeinfd^aft üoKftänbig auöfd^liefet, inbem nad^ § 1388 in
einem fold^cn galle ber außgcfd&lojfene gemeinfc^aftlid&e 5lbfömmling alö üor
bem SrbfaQe geftorben an}ufel^en ift.
§ 1385.
^\iv6) bie »eftimmung beö § 1385 Slbf. 1 ©afe 1 roirb bcm im § 1384 mf. 1 t^nos^näiger
bcjcic^neten, fraft ©efegcö mit bem ®ütergcmeinfd(iaftöi)crtrage üerbunbenen ^aratuv b««
tinb ba^er an fid^ als gefeftlid&ed ©rbred&t anjufclienben ®rbred)te bcö über:: ^{lianii^t'
Ifbcnben ©Regatten ber Äarafter eines burd^ ©rbeinfegungöüertrag begrünbeten erbrec^tc^.
febred^tcS beigelegt (oergt. §§ 1940 ff.). 9luö biefer S3eftimmung in SBerbinbung
mit § 1953 SÄbf. 1 ©ag 1 folgt inöbefonbere, bafe burd^ bie tjcrtragsmeifc
ßinfü^rung ber allgemeinen ©ütergemeinfd^aft ältere leßtunlligc SSerfügungen
bes einen ober anberen ©begatten, fomeit biefelbcn fid) nid^t auf SSorbel^altS^
ober ©onbergut begießen (§ 1395), aufgelioben werben. ^Dagegen finbet bie
8eflimmung beS § 1953 Sttbf. 1 ©aß 2, nad& weld^er eine früliere leßtroillige
Serfüflung audft bann als aufgelioben gilt, wenn bie ©rbfc^aft bem 3Sertrags*
erben nid^t anfällt ober von biefem auSgefd^lagen wirb, feine Slnmenbung, ba,
wie oud ben befonberen öeftimmungen bes § 1383 9lbf. 1, bes § 1385 9lbf. 2
wnb ber §§ 1386, 1387 erhellt, es in bcw betreffenben gäUen in 9lnfe^ung ber
Seerbung bes oerftorbenen ©Regatten fo angefcljcn werben foll, a(s l^abe ©üter^
flcmcinfc^aft jwifd^en ben ©Regatten überhaupt nid&t beftanbeit.
©ine weitere Äonfequenj ber 83eftimmung bcs § 1385 9lbf. 1 in SBer-
binbung mit § 1953 Slbf. 2 ift, bafe, oorbel^altlid^ ber befonberen S3eftimmungcn
bes § 1385 abf. 1 Safe 2 unb bes § 1387, ber eine ©begatte nid^t in ber
2age ift, bos 3llleinerbred)t bes anberen unb bas fraft bes ®efct;es bamit
28*
436 ®ütergcmeinfd5aftli*cÄ erBrcd&t. JRe^tltier Äaraltcr. § 1385.
MuTfÄHeäin ^^^^"^^^^"^ ^^^^ beöfclbctt ttuf Sortfcfeutig ber ©ütcrgcwcinfd^oft burc!^ cim
burt^'ben ^ f eitige Verfügung x)on S^obcöroegen ju entjie^cn ober fonft 5U bcctnträd^tigcn.
«rbiaffer. gifjj^gijj^enb 0011 bett allgeTncinen crbred&tlid^en 33orfd&riftcn über ben 6rb*
cinfclungöocrtrag fönncn aber nod^ ben SBorfd^riften bcd § 1383 2lbf. 2 Safe 2
unb ber §§ 1388—1390 bie ©Regatten, fofem fic nid^t bie gütergemcinfdftaft*
l\ä)t ©rbfolge gänjltd^ audfd^Uegen^ ottd^ burd^ gemeinfame Verfügung in baft
gütergemeinfd^aftfid^e ©rbred^t unb bie bamit perbunbene fortgefcfetc ©ütcr«
gentcinfd^aft nur in bef darauf tcm Umfange eingreifen. 2)er ®runbfa|, ba|
bie bem überlebenben ©fiegatten ouf ©runb ber Oütergemeinfc^aft eingeräumten
ditä)tt m6)i buvä) einfeitige SScrfügungen beö (Srblafferß entjogen ober beein*
träd^tigt werben fönnen, fielet aud^ mit ber äRel^rja^I ber befte^enben ©üter^
gemeinfd^aftdred^te im @in!(ange. ©ine Sludnal^me mad^en in biefer Seiiel^ung
nur einjelne Siedete infofern, ate fie jebem ber ©l&egatten baö JRed&t geben,
aud^ burdö einfeitige lefetmiHige SSerffigung bie fofortige ©d^id^tung bei feinem
2^obe anjuorbnen, mitl^in bie fortgefefete Oütergemeinfd^aft auöjufc^Uefeen. 6ß
gel^Sren bal^in bie fc^iedro. ^olft. 9led^te, bad l^amb. Stecht (jebod^ nid^t un-
beftritten) unb baö meftfät. (Sef. o. 16. 3lpril 1860 § 6 Slbf. 2, § 14 9h:. 5
(üergl. aud& oönabr. ©ntm. § 16; el^renbreitft. ©ntro. § 50). 9lod^ lüb.
Siedete ftel^t bie frnglid^e Sefugnife nur bem ©l^emanne ju. ©ine berartige
3Iudnof)me fann jebod^ afe gerechtfertigt nid^t angefel^en werben, ©(^on
bie SRatur unb ber ^lütä ber ©ütergemeinfd^aft meift barauf ^in, ba6
ber gortbeftonb berfelben beim 3^obe beö einen ©l^egatten nid^t oon ber
SBillfür biefeö ©fiegatten abl^ängig gemad^t werben barf. 3)ie ©rünbe, meldbe
jur Slnerfennung ber fortgcfefeten ©ütergemeinfcbaft gefül^rt ^aben (oergl.
bie ajlotioe ju § 1384 oben ©. 426 ff.), nötl^igen aud^ jum 9luöfd^(uife einer
einfeitigen roiUfürlid&en älenberung. 9Son befonberem ©emic^te ift ferner, bog
bie ©ütergemeinfc^aft nad& bem ©ntrourfe nid^t ben gefefelid^en ©üterflanb
bilbet, fonbem nur fraft SBertrageö ber ©Regatten eintritt. 3ft bie ©üter^
gemeinf^aft ber gefefelid^e ©üterftonb, fo ftellt ftd^ baö Siedet beö überlebenben
©l^egatten alö bad gefe^lid^e ©rbred^t bar. S)a biefeö o^ne ben SBiOen beö
anberen ©^egotten jur ©eltung gelangt, fo fann eö el^er angejeigt fein, bem
anberen ©l^egatten baö SJled&t ju einer Slenberung jujugeftel^en. SKnberö uer*
l)ä(t eö ftd^ bei ber Dertragömögigen ©ütergemeinfd^aft. ^ier ifl baoon
auöjugel^en, ba^ bie ©liegatten bei ber JJbfajfung beö auf bie ©ütergemeim
fd&aft gerid&teten SScrtrageö aud& baö auö bem ©efefee fid^ ergebenbe, für fie fo
mid^tige ^erl^ältnig nad^ bem ä^obe beö einen 2^l[ieileö inö 9(uge gefaxt unb
in ©rmangetung einer entgegenftel^enben 33eftimmung in ben ^ereid^ i^r
aSereinbarung gcjogen l^aben. Unter Umftfinben mag allerbingö ber eine
©begatte ein Snterejfe baran l^aben tonnen, bag bie fortgefefete ©ütergemeim
fd^aft nadd feinem 3;obe n\(i)t eintrete. Slllein, abgefel^en von ben gäUcn beö
§ 1387, !ann biefem Sntereffe nic^t ein fold^eö ©emid&t beigelegt werben, ba%
ber betreffenbe ©begatte crmäd^tigt wirb, baö bem anberen S^l^eile eingeröumte
OTeinerbred&t unb baö 9ied^t auf gortfegung ber ©ütergemeinfd^aft auöju-
fd^liegen ober ju befd^ränfen. S)ie abwcid&enben Scftimmungen ber angeführten
SRcd^tc erflären fid^ wefentlid^ barauö, bafe nad^ benfelben bie ©ütergemeinfc^aft
ben gefe^lidEien ©üterftanb bilbet Slnlangenb inöbefonbere baö weftfäl. ®cf.
®ttteröemcinf*aftU(J6c« örBrecfet. aftedfetlicfecr Äaraftcr. § 1385. 437
V. 16. STpril 1860, fo tritt nod^ l^inju, bafe bic bctreffenbc 3Sorfd^rift bcöfclbcn
iic^tbar auf einem Äompromii^e beruht, burc^ weld^eö man ben SBibcrftreit
wrfcjicbener in ben bct^eiligten SCerritoricn biß^er in ©eltung gcroefcner
9Ie(i^tdnormen ju nermitteln gefud^t l^at.
Au« ber Seftimmung bes § 1385 aibf. 1 Safe 1 folgt ferner, bafe ber 6<*en«unßen
überlebenbe ©begatte ate SBertragöerbe ©(^enlungen bcö oerftorbenen ®l^e* «rb?afferä.
gatten nad^ SRa^gabe bed § 1952 anjufed^ten bered^tigt ift. 3ft bie @^e^
frou ber überlebenbe S^^eil, fo l^at für fic jeneß SWe^t im ^inblidEe auf bie
SeiHmmungen bed § 1353 allerbingg nur geringe praftifd^e 93ebeutung.
^nbeffen ift aud^ in biefem ^alle eine erl^ebli(|e 93enad^tl^eiligung bed
gätergemeinfd^aftlid^en (Srbred^ted burd^ ben Seemann nid^t audgef d^toffen ;
beifpieldmeife tann ber lefetere t)ermoge bed il^m nac^ § 1352 }uftel)enben
Setfügungörec^teö ©efammtgut in fein SBorbe^altß- ober Sonbergut uer-
loenben, baß lefetere burd^ binglid^en SBertrag ol^ne @inn)illigung ber @l^e^
frttu loirlfom oerfd^enfen (t)ergl. bie aWotioe gu § 1353 oben ©. 357) unb
baburc^ bemirfen , bag biefeß nid^t außreid^t, um barauß ben von bem @l^e-
monne ju bem ©efommtgute ju leiftenben ßrfafe ju bemirlen (oergt. §§ 1364,
1:365 aibf. 1, § 1367 Slbf. 2, §§ 1368, 1369, 1420 Derb, mit § 1351 , § 1395
Sbf. 3, § 1400 STbf. 2—4). SBefentlid^ gefä^rbeter ift bie Sage beß eijiemanneß,
ba bie S^au vermöge i^rer ©efc^ftftßfä^igleit ol^ne Sinmilligung beß @l)e'
manneß pd^ burd^i ©d&enlungßrerfpred^en roirffam verpflichten fann, obmoöl
jie oieDeid^t gar fein SSorbe^altßgut ober ©onbergut ^at. SBäljrenb ber 6^e
tonn {loar i^r 9(nt^etl am ©efammtgute nid^t in Slnfprud^ genommen merben ;
ober im gaUe ber 2tuft5fung ber ©ütergemeinfd^aft burd^ ben Xoh ber ß^e-
frttu haftet ber (Seemann alß 6rbe ber tefeteren für beren ©d^ulben, unb wenn
er aud^ baß Slußfd^lagungß^ be}m. baß 3lnt)entarrec^t l^at, fo fönnen bod) burd^
ein fotd^cß Sorge^en ber @^efrau feine burd^ baß gütergemeinfd^aftlid^e @rb^
rec^t oermittelten Steckte an bem ©efammtgute materiell völlig iUuforifd^ ge-
macht merben, rotnn baß SSorbe^altß^ ober ©onbergut ber verftorbenen S^efrau
niäfi ^inreid^t, um barauß bie ^ier fragtid^en SSerbinblid^Ieiten bejm. fold^e
©efommtgutßverbinblid^leiten ber ß^efrau, meldte im SBer^öltniffe ber ©Ijiegattten
iu einanber ber ©befrau allein jur 2aft fallen, ju berid^tigcn (vergl. § 1367
Sbf.2, § 1395 Slbf. 3, § 1400 2lbf. 2—4). Sluß biefen ©rünben empfiehlt
cß jid^, bem überlebenben @l^egatten baß älnfed^tungßred^t nad^ Sftaggabe beß
§ 1952 nic^t JU verfagen. Sag baß lefetere bann außgcfdbloffen ift, menn ber
mftorbene (S^egatte burd^ SRed&tßgefd^äfte ber im § 1952 bejeid^neten 2lrt über
fein Sorbe^altß« ober ©onbergut verfügt ^at, of)nc baburd^ baß ®efammtgut
mittelbar fac^licf) )u beeinträd^tigen, bebarf eincß befonberen gefefelid^en Sluß:"
bnufeß ni^t; eß ergiebt ftd^ Meß barauß von felbft, bag nad^ § 1395 baß
gütergemeinfd^aftlid^e @rbred^t beß überlebenben @l^egatten in 9lnfel()ung beß
{um 9}a4(affe beß verftorbenen S^egatten gel^örenben SSorbel^altß^ unb ©onber^
guteß nur einen formalen 5larafter ^at.
Die aSorfd^rift beß § 1385 2lbf. 1 ©afe 2 ftellt ft^ alß eine aRobififation »erfüflungen
beß im crfien ©afte aufgefteDten ^ßrinjipeß bar. 35a baß bem überlebenben ^^'weaeiJ**'
Spotten nad^ § 1384 Slbf. 1 juftel^enbe gütergemeinfd^aftlii^e Srbred^t nad^
§ 1385 Slbf. 1 ©afe 1 ben Staxatttt eineß Sertragßred^iteß ^at, fo mürbe in
438 ©utcrfleincinf^aftlic^eß 6rtre*t. JRc^tUcfeer itarafter. § 1385.
©nnangclung einer befonbcreii SBorfc^rift ber ©rblaffcr im ^inblicte auf bic
a3orfd)riftcn beö § 1953 3lbf. 2 nid^t bered^tißt fein, in Stnfe^ung beöienigcn
33ru(I)tlj)eUed , um n)eld)en ber (Srbt^cil beö iiberlebenben ©Regatten in golge
beö SBcgfalleö cincö nad) ben SSorfc^riften beö § 1972 a(ö geftorben onju*
fel)cnben cinfeitigen Sttbtommlingcö fid) er^ötit, uon a:obeön)egen ju verfügen.
®ö fann in 3">^i^l gcjogen werben, ob cö gerechtfertigt ift, in biefer ^inftci^t
jum 3laä)i\)eik beö Überlebenben ©Regatten unb ber gemeinfc^aftlid^en %b^
fömmlinge eine 2luöna]&me ju mod^en. Ueberroicgenbe ©rünbe fprec^en icbot^
bafür, boö bcm iiberlebenben ©öegotten juftel^enbe gütergemeinfd^aftlid&e 6rf^
rec^t m6) SKofegabe beö § 1385 2lbf. 1 ©afe 2 inJ^altlid^ ju befd^ränfen unb
inforoeit ben Slntljieil ber cinfeitigen Slbfommlinge an bcm jum 9ladblaf[c beö
Dcrftorbenen ©Regatten get)örcnbcn 9[ntl)eile an bcm e^eüd^en ©efammtgutc
alö aufeertialb Der Oütergemeinfd^aft ftefjcnb ju bcl^anbcln. Sicfc Slrt
ber $Hege(ung entfprid&t nid^t allein bem ^^rinjipe beö § 1384 Slbf. 2 in SScr*
binbung mit § 1984, fonbern red^tfertigt fid^ gegenüber bem Äaraftcr bc«
gütergemcinfd^aftlid^en ©rbrec^teö alö cineö aSertragöred^tcö burd& bic ©rmSgung,
bag nac^ § 1384 3lbf. 1 baö gütergcmeinfd^aftlid^e @rbrec^t fic^ nid^t Don
t)ornt)erein aud^ auf bic 9(ntl)ei(c ber cinfeitigen 9lbfömmlingc erftretft. 3n
bzn \)kx I)auptfäd)lid^ in Setrad&t tommenbcn fallen, in meldten ber einfcitigc
3lbtömmUng burdf) IcfetmiDige 33crfügung beö ©rbloffcrö ober burc^ ©rboerjic^t
uon ber ©rbfotge auögefc^Ioffen ift, beruht bie nac^ 9Ka§gabe beö § 1972 ein?
tretcnbe ©rweitening beö ©rbred^teö beö überlebcnbcn ©Regatten mittelbor auf
einer 3)iöpofition beö ©rbtafferö. Df|nc bicfe S)iöpofition mürbe ber über*
lebcnbc ®f)cgatte fein JHed^t auf ben Slnt^eit beö cinfeitigen äbfornmlingcö
erlangt l&aben. 3)em überlebcnbcn ©Regatten unb ben gemelnfd^aftlic^cn Slb*
tömmlingen mirb bal;er nid^t }u naljc getreten, menn bem (SrMaffer gcftattet
mirb, in ben gällen beö § 1972 über ben frei merbenben 2lnt^eil beö cin-
feitigen 2lbfömmlingeö anberioeit ju uerfügen. 9luf ber anberen ©eitc ift eö
audb billig, bem ®rblaffer bicfe Sefugnife beijulcgen, namentlich l^ingcfe^cn auf
fold)e göUe, in n)cld)en ber ©cbloffer bem burc^ ©rbocrjid^t Don ber Erbfolge
auögcfd^loffenen cinfeitigen Slbtömmlingc eine 9lbftnbting gemalert ^at, ober in
roeld^cn neben bem oon ber ©rbfotgc auögefd&toffcnen cinfeitigen ^[bfömmlingc
nod) ein anbercr einfcitiger 9lbt5mmling oorfianben ift, roetd^cm ber @rbla{fcr
ben frei gemorbencn 3lnt()cil beö meggefallenen cinfeitigen 91bf5mmlingeö ganj
ober jum 2^[)eil juiDcnbeu loill. SJaju tommt, ba§, wenn ein einfcitiger Slb«
tömmling uor^anben ift, ofjnc bafe einer ber im § 1972 bejcid^ncten gäUc t)or*
liegt, ber ©rblaffer nad^ § 1384 9lbf. 2 oerb. mit § 1384 2lbf. 1 ©afe 1 über
ben 9lnt^ci( bcä cinfeitigen 9lbtömmlingeö nad) ü)la§gabe ber allgemeinen erb-
re(^tlic^en 3Sorfd;riften o^nc JHüdEfid^t auf baö ©rbred^t beö überlebcnbcn e()c*
gattcn Don 2:obeön)egen mirtfam uerfügen tann (ocrgl. bie SHotitje ju § 1384
oben S. 435). Sn fold)en gciUen, in meldten ber ©rbtaffer in ber Sage ift,
bcm cinfeitigen 9lbfömmlingc ben 'i^flid&tt^cil ju entjiel^en, mürbe ba^er ber
©rblaficr aiid) o()uc bie a[5orfd)rift beö § 1385 Slbf. 1 ©a^ 2 feinen Brocrf
bodj auf bem SBcgc crreidjcn tonnen, bafe er bem cinfeitigen Slbfömmtingc,
ol)ne benfclbcu oon ber Erbfolge auö juf ^liefecn , ben ^Pi^ttbcil entjiebt unb
ben le^tevcn alöbanu mit 3Sennnd)tniffen belaftet.
j
©ütcrflCOTcmfc^ftli^eg StBrcd&t. Üluöf^Iaeuno. § 1386. 439
Xud^ bic aSorfe^rift bc« § 1385 2lbf. 2 entljiolt eine 9lbn)ei(l)ung oon ^fftc^tt^eu«*
bem im § 1385 3ttf. 1 ©afe 1 auögefprod&encn ^rinjipc. S)a mä) biefem geldn?d^at?i
^rinjipe baö gütergemeittf^aftli^e ©rbrcd^t einen Dertragömäfeigen Äarafter ^i<*«".
ffüt, fo würbe nad^ ben aUgemeinen erbred^tlid^cn SBorfd^riften (§ 1975) ii^ *"^'""*^*"öe
©rmongelung einer entgegenftel^enben SBorfd^rift boö SRee^t bcr gemeinfd^aftUc^en
SbtommUnge auf ®en)äl^rung bed $fli(i^tt^ei(ed auö bem ^lad^laffe bed rer-
Itorbenen (S^egatten tinter aßitberädftd^tigung bed jum Stai^Iaffe be3 legteren
na^ § 1382 ^bf. 1 gel^örenben 9(nt^ei(ed an bem ©efammtgute nid^t au^^
gefc^lofien fein, ©egen bie Slnerlennung eineö fold^en ?ßf(id[|ttl^eilöred^te§ föHt
ober entf^eibenb ind ©emic^t ^^^ bad dted^t bed über(ebenben ©Regatten auf
-bte fortgefefete ©ütergcmeinfd^aft ein fo mcfentlid^eö ßlement bcr Oüter*
gemeinfc^aft tft^ bag ol^ne bie unt)erfürjte Slufred^terl^altung bedfelben bem
Seburfniffe^ n)eld^em bie Dertragdmägige ©ütergemeinfd^aft bed ©ntmurfed
9ie(^nung tragen foU^ nid^t me^r ©enüge gefd^el^en unb man in einem großen
2^e bcrienigen ®d)iete, in meldten bie Oütergemeinfd^aft jefet baö gefefelid^e
<8fiterre(i(|t bilbet^ in ber 3u^<^ffung bed gebadeten $f[i(^tt^eitered^ted ber 91b«
fommlingc eine SSertümmerung bed 3nftituted erblidEcn mürbe. 2)ie gemein*
f^ftßc^ Sbtommlinge merben burd^ bad i^nen entjogene @rbred^t unb
^id^tt^eildred^t an bem ®efammtgutdantl^ei(e bed perftorbenen @l^egatten
burc^ bad Eintreten in bad 9led^tdt)er^ältnig ber fortgefegten ®ütergemetnfd)aft
ooK entf^fibigt, unb in älnfel^ung bed }um 9tad^(affe bed uerftorbenen ©Regatten
ge^orenben Sorbetialtd* ober @onberguted bed (enteren ift ben älbfömmlingen
bü« ^ffid^tt^eildred^t bur^ bie »eftimmung bed § 1395 Slbf. 2 ©afe 2 gcfid^ert.
SnmieiDeit einem gemeinf^aftlid^en ^bfömmlinge bie ^[nt^eildrec^te an bem
@cfommtgute ber fortgefe|ten ©ütergemeinfd^aft bur^ SBerfügung eined ber
eficgatlen entjogen ober befd^rönft merben tonnen, ift in ben §§ 1388—1391
beftimmt.
§ 1386.
2luf Ocunb ber Seftimmung bed § 1386 ^at ber überlebenbe ®^egatte «"«wiaguna
bie gSSo^I, ob er bad i^m auf ©runb bcr ©ütergemeinfi^aft juftel^enbe ober ßemcÄft.
bad i^m fonft jufommcnbc ©rbrec^t in Slnfpruc^ nehmen roiD. 2)ie beftcljicnben qI^^^^
Siechte fc^eincn in biefer Sejiel^ung regelmäßig einen anberen ©tanbpunft ein-
{uneben, inbem fte bad 9le^t ber 9(bfömm(inge auf bie a[d 9lad()(ag bed
Dctftorbenen ©Regatten ansufel^enbe ^ftlftc bed ®efammtgutcd al& ein üon bem
SBiDen bed fibcriebenben ©Regatten unab^ängiged be^anbe(n unb biefem nur
bod Siecht einräumen, iebcrjcit bie ©d^id^tung ju verfangen (ocrgl. mcftfäl. ®ef.
u. 16. «pril 1860 § 7 «bf. 1, § 10 «bf. 1, § 13). 3Bo bic ®ätcrgemeinfd()aft
ben gefeifclid^n ®üterftanb bilbet, ift bied aud& fonfequent, roeil I;ier bie auf
®nmb bed (enteren eintretenbc ©rbfolge eben bie gefe|Ii(^c ©rbfolge ift. 83ci
ber pcrtragdmäfeigen ©ütergemeinfd^aft bed ©ntmurfed fel^It ed bagegen an
einem genfigenben ®runbe, bem überlebenben ©Regatten in Slbrocic^ung ron
ben allgemeinen SBorf^riften über ben 6rbeinfe6ungdt)crtrag (§ 2038) unb bem
ISrinjipe bed § 1385 »bf. 1 bad SRed^it, bie gütergemeinftiaftlid&e Erbfolge
mit ber SBirtung audjufc^tagen, bafe bie geroö^nlic^e Erbfolge eintritt, ganj
JU cntjie^n, ober boc^ in ber atrt ju bef(^rän!en, bafe er im gälte bcr 9lud'
440 ©uterßemcinfc&aftnd&eg grtre^t. (gntitcl&unö. § 1387.
fd^Iagung bad ii^m, abgefcljcn von bcr ©ütcrgcmcinfc^aft, jufommcnbc ©rbred^t
oerüert. Scgtereö liefee fic^ nur bann rcd^tfertigen, rocnn man untcrftcBtc,
ba^ bcr übcrlcbenbe ®t)egattc burd^ ©ingel^ung bcr ©ütcrgcmcinfd^oft auf fein
gefefelic^cö Grbrcd^t ocrji^tct Ijiabc. Oegen eine fold^c 3luffaffung fprid^t aber,
bafe baß Sltteinerbrcd^t beö übcriebenben ©Regatten bciiD. bic fortgefe|te ®üter*
gemeinfd^aft nidit im Sntercjfc bcr 9lbtBmmlinge, fonbern im 3ntereffe beö
übcriebenben ®l)egatten eingefül^rt ift (uergl. aud^ § 1385 Slbf. 1 oerb. mit
§ 1950). liefen ©rmägungen gegenüber fann barauf befonbered &tvDxö)t nici^t
gelegt rocrben, bag bad ^ugfc^lagungi^recbt bem übcriebenben @l^egatten jum
SZad^tl^cilc bcr 3lbfömmUnge bic aKöglid^fcit gcmSl^rt, menn roä^renb bcö fiaufeö
bcr 3)eIiberationöfrift ein crljieblid^er ©rmerb il^m jugefaüen fein foDtc, bcn
9lbfömmlingen bcn il^ncn nad^ btn ®runbfä|cn bcr fortgefefeten ©üter-
gemcinfd^aft (§ 1396 3lbf. 1) jutommcnbcn Slnt^cil an jenem ®rrocrbe burd^
äluöübung beö Sluöfd^Iagungöred^teö ju entjiel^cn. I)erartigc gfitte werben nur
feiten fein. 3n bcr Siegel wirb baö gütcrgcmeinfd^aftlid&e ©rbred^t bem übcr=
tebcnbcn ©Regatten rort^eilliaftcr fein, alö baö gcfeglid^e ©rbrcd^t, unb ber
lc|tere bal^er oljine jroingcnbe ©rünbe t)on feinem 3lufif(^lagungdrcd&te feinen
®ebraud& mad^cn.
(jrbfoiae im ^nt gaUc bcr 3luöfc^lagung tritt bieienigc ©rbfolge ein, meldte eingetreten
«uWaSung. fein TOÜrbc, TOcnn jTOifd^en bcn (S^egatten ©ütcrgemeinfd^aft nid^t beftanben
l^ätte, b. }), je nac^ ben Umftänben bic gefcftlid^c ßrbfolge ober bic ©rbfolge
auf ®runb einer 93erfügung uon 2:obeöroegen, bic teltcrc (Erbfolge inÄbcfonbcre
bann, wenn bcr oerftorbcne (Sl)cgatte unter ber SBorauöfelung, bafe eß nic^t
}u bcr 9lnnal)me ber ©rbfd^aft burd^ ben übcriebenben ©Regatten ate guter*
gcmcinfd^aftlid^cn ©rben fommen foUte, eine SBcrfügung üon 3::obeÄn)C8en
getroffen ^at, unb biefc nunmehr mit bcr 9luöfc^lagung ber gütergemeinf^aft'
liefen ©rbfolgc ifire Äraft erlangt (ocrgl. bic 2Wot ju § 1383 oben S. 423).
§ 1387.
entiic^una S)ic 33eftimmungcn beö § 1387 entl^alten eine aWobififation befi im
flcmciSll^a^. § 1385 2lbf. 1 auögcfprod^cncn ^rinjipcs, bafe auf bad gütergcmeinfd^aftlid^c
"fe^^tcf ^' ©rbred^t bic SSorfd&riftcn über baß burd& ©rbeinfeftungöoertrag begrünbete
©rbred^t cntfprcd^enbc Slnrocnbung finbcn (oergl. § 1953). 3luf ®runb bcr
»cftimmung bcd § 1387 3lbf. 1 ocrb. mit § 2005 ift ein ©begatte bem
anbcren baß gütcrgemeinfd()aftlie^c ©rbred^t ju entjic^en bere^tigt, menn bcr
Icfeterc einer ^anblung fi^ fd^ulbig gemad^t ^at, burd^ meldte in ®cmä§b€it
bcr aSorfdiriftcn ber §§ 1441 biß 1445 baß SRcd^t beß erftcren auf ©d&cibung
ober auf 2:rcnnung uon 2;ifd() unb 33ett begrünbet mirb. SBäre bic ©d^eibung
crroirK, fo mürbe bamit baß gütergemcinfd^aftlid^c ©rbrec^t roeggefallen fein
(§ i37l 3lv. 1, §§ 1383, 1384). ©ß erfd^cint nur gered()t, menn ber betreffcnbe
©tjcgattc, obwohl berfclbe im Sntcreffe ber Rinbcr ober auß fonftigen ®rünbcn
2lnftanb nimmt, bic ©d)cibung ju ermirfcn, bod^ für bcred^tigt erflart wirb,
mcnigftenß in crbred^tli^cr 93ejicl)ung baßfelbc 83cr^ältni§ ^eriufteHen, roie
menn bic Sd)cibuug ftattgcfunbcn f)ättc (ocrgl. aud^ prcufe. 91. 2. 5R. II, 1
§ 499). §Bon Sebcutung ift jcncß 9lcc^t inßbefonbcrc audj) für bcn §qU,
L
j
®utergemrinf(^aftltd^e0 @rBre({|t. Entstellung. § 1387. 441
loenii ber betreffenbe Sl^egatte int Saufe bed von i^m erl^obenen Sd^eibungd-
projejfcß fterbcn foUtc, ba atebann ber Med^töftreit in ber ^auptfod^c ate er-
IcMgt aniufe^eti ift unb indbefottbere ttid^t etma }t(m S^ede ber ^erbeifül^rung
kcr an bie Sd&cibung jtd^ fnüpfenben folgen von ben ßrben bed ücrftorbeiteit
(Statten fortgelegt roerbett fattn (uergl. ben in ber Sinnt, ju bent Unter=
oif^nitte ,,IV. Ungültigfeit ber e^e" mitget^cilten neuen § 584 a ber ß. % D.).
2)em 9ted^te auf @(^eibung ift^ n^ie im § 2005, fo aud^ ^ier aud ben gleid^en
®rünben baß SRei^t auf 3:rennung üon 2;ifd& unb 99ett gleic^juftellen.
Se^nlid^ wie ber goH, ro^nn ein S^egattc bie ©d^cibung ober S^rcnnung
oon 3:if^ unb SBctt ©erlangen fann, liegen bie göUe, in roeld^en bie ®^efrau
no^i ben 93orfc^riften bes § 1872 bie Sluflöfung ber ©ütergemeinfd^aft ju
oerkingen bere^tigt ift. ^ie (S^efrau fann aud gen^id^tigen ©rünben^ nantent-
ü(^ um beö e^eliti^en ^iebend SßiQen^ ftd^ bemogen finben, von ber @rl^ebung
ber Alage auf äluflöfung ber ©ütergemeinfd^aft 9lbftanb ju nel^men^ unb bod^
bringenbe SSeranlaffung l^aben, bad oermögendred^tUd^ie ^ntereffe ber Hinber
no(^ i^rem 2^obe gegenüber bem pflid^tmibrig ^anbelnben @t)emanne buri^
9uftf(^lug bed Snieinerbred^ted bed legieren unb ber bamit Derbunbenen fort'
gefeiten ©ütergemeinfd^aft ju maleren unb fi^erjuftellen.
3)a6 ouf bie ©ntjie^ung bcö gütergemeinfc^aftlid^en ©rbred^teö bie S3or^ «naioflie ber
fc^riften über bie entjic^ung beö ^fli*tt^eileö (§§ 2000, 2004, 2008) ent^ Z'^u^mt
fprcdjenbe anroenbung finben foHcn (§ 1387 Slbf. 8), rechtfertigt fid^ burd^ bie
Änologie. Sud ber entfpred^enben Slnmenbung jener S[$orfrf|riften folgt inö^
befonberc aud^, bafe im galle beö § 1887 Slbf. 2 bie baö SHec^t ber e^efrau
auf ätuflöfung ber ©ütergemeinfc^aft begrünbenben Umftänbe nid^t blöd jur
3ett ber Slbfaffung ber auf bie ©ntjiel^ung beö gütergemeinfrfiaftlidjcn Grb^
related gerid^teten SBerfügung t)orl^anben gemefen fein, fonbern and) bid jum
Eintritte bc« erbfalleö fortbaucrn muffen (§§ 2000, 2005).
Slnlongenb bie Seftimmung beö § 1387 Slbf. 4, fo ergiebt fic^ aus ber- «rbfoifle im
felben in »erbinbung mit bem § 1384 Slbf. 1 mit genügcnber S)eut(icl|!eit, ^"Juji'„f**'
ba§ bie Gntsiel^ung bed gütergemeinfc^aftli^en @rbred)ted immer jugleic^ ben
Sudfc^lug ber fortgefegten ©ütergemeinfc^aft entt^ölt, ba bie legtere nad^ ber
Aonftruttion bcö @ntn)urfed eine gefeglid)e §o(ge unb ^ef^rönfung bed
enteren ift.
Db bie ©ntjieljung beft gütergemeinf^aftti^en ßrbrcc^tefi auf Oninb
bed § 1387 %bf. 1 jugleid^ bie 93ebetitung ber (Sntjieliung bcd gefeglid)en
??[i4tt^eite« (§§ 2000, 2005) ^at, ift eine Sluölegungöfragc, beren aSeja^ung
im cinjelnen goUe mit Slüdfii^t auf ben betrcffcnben ®runb, mcld&er jur
&ttjie^ung be« gütergemeinfdf>aftlid|en ©rbred)ted geführt ^at, nal^e liegen mag.
Sn fi(^ folgt aud § 1387 Slbf. 1, 4 nur, bafe bie gütergemeinfd^aftlid)e ©rb=
folge nidjit ^ßlaft greift unb baö SJcrJ^ältnife fidf> ebenfo geftaltet, wie menn
ber uberlebenbe G^egatte bie gütergemeinfc^aftlid^e Erbfolge audgefd^lagen ^ätte
l§ 1386). a)a6 im golle bed § 1387 Slbf. 2 bad gefegtid)e ^^jpid)ttl)eildred|t
bcd Überlebenben ß^egotten unbcrütirt bleibt, fann nic^t jmcifelfiaft fein, ba
oud ben ©rünben, aud melden nad^ § 1387 Slbf. 2 bad gütergemeinf(^aftlid)e
Crbre^t entjogcn werben fann, l^infic^tli(^ ber gefefclic^en Crbfolgc na^
JS 2iK>5 eine ©ntjie^ung bed ^fliditt^eifcd nic^t ftattfiubct.
442 gortgcfc^tc ©utergcmcinfd&aft. gcfetipilliöc ajcrfußunflcn. § 1388.
3öie im goHe bcr Sluöfd^Iagung bcr gütergemcinfd^aftlid^cn ©rbfolgc
(ücrgl. aWotioe ju § 1386 oben ©. 440), fi»b a\x6) in bcn gfitten bc« § 1387
cinfcitigc SBcrfüguiigcn bc^ Dcrftorbcncn ©Regatten mn S^obcöroegen in 9lm
fc()ung bed }u feinem ^toc^faffe ge^örenben 9(nt^ei(e0 am (Sefammtgute mä^
"ißla^Qabt ber allgemeinen erbrec^tüc^en (^)runbfäge mirffam.
§ 1388.
«uM^ne^uittf 3)ie Sßorfd^riften beö § 1388 berul^cn ouf bem ©efid^töpuntte, ia^ bie
wmmiinße« S^^eünal^me eineö gemeinfdiaftUd&en Slbfommlinged an ber fortgefe|ften ©üter^
Don bcr fort* gcmeittfci^aft bad ©urrogat bcö gcf efcfii^en ©rbreci^ted bc« gemcinft^aftlicften
®üto 2lbf6mmlingeö bilbet. 2)icfer ©efii^töpunlt in SScrbinbung mit ber SBorfcftrift
gemeinfc^ft jj^g § ^^755 ^^ 2 fü^rt ba^in, einem ©Regatten ju gcftatten, burd& lettroiBii
aSerfügung für ben gaU ber burd^ feinen 3^ob erfolgten Sluftofung ber c^ic^en
©ötergcmeinf^aft einen gcmeinfd^aftlici^en Slbfömmüng üon ber ^^cilno^mc
an ber fortgefe|ten ©ütergemeinfc^aft audiuftj^liegen. ^nbererfeitd mug ober
bem oudgefd^toffenen 2lbfömmUnge in berfelben SBeife, wie einem bur^ lett-
^n^tt^iis« willige 93erfägung von ber gefeglic^en Erbfolge audgefd^Iofienen 9[bfömm(in(|e,
""Ä*"'^'^^ Wi^tt^eilöanfprud) nac^ SKofegabe ber aHgemeincn erbrec^tUc^cti »od
fd^riften jufte^en. 3)em STbf ommlinge mirb burc^ bie 3wläffigfeit feiner Slufi--
fdiliefeung von ber 2:^eilna^me an ber fortgefcftten ©ütergemcinf^aft nid^t }u
naijie getreten, roeil er 9lUeö betommt, maß er im galle ber gefeglii^en 6rb«
folge nad^ SWafegabe ber allgemeinen erbrcd^tlie^en SBorf^riften ju verlangen
berei^tigt ift, bem Überlebenben ©Regatten nid^t, rocil bie ^ier in Siebe fte^enbc
aSerfügung eines ©Regatten nad^ § 1390 nur mit 3wftimmung bcÄ anberen
©Regatten erfolgen fann, ben übrigen gemeinfd^aftlid^en Slbförnmlingen ni(^t,
meit ber ©rblaffer bem auögefd^lojfenen 3lbf6mmlinge — abgefe^n oon bem
bem leftteren jufommenben ^flidfitt^eite — tefetroiHige 3wmenbungen au« bem
©cfammtgute nad^ § 1389 nid^t mad^en fann.
sBiriung ber S)ie SSorfc^rift beö § 1388 ©aft 2, bofe ber üon ber fortgefefeten ©üter«
fc^iteSlng. fl^ntcinfd^aft auögefd^loffene 9lbfömmting in Slnfe^ung ber gütergemeinf(^oft*
lid^en ©rbfolge ald oor bem ©rbfalle geftorben ansufel^en ift, entfpric^t bem
§ 1972. Sluö iener SBorfd&rift in »erbinbung mit bem § 1383 «bf. 1 mib
bem § 1384 9lbf. l folgt, ba|, wenn ein anberer gemeinfd^aftlid^er 9lbf5mmling,
alö ber auögefd^loffene, nid^t Dor^anben ift, bie gütergemeinfc^aftlic^e ©rbfolgc
überliaupt nii^t eintritt, ^iefed 9{efultat giebt aber )u SSebenfen feinen 9(nla6,
meil nad^ § 1390 auc^ bie DoUftönbige 9ludfd^Uegung eined gemeinfc^aft(i(^ ^
fömmlingeö von ber fortgefegten ©ütergemeinfd^aft burc^ legtmiUige äierfügung
eincö ©Regatten nur mit 3uftimmung bed anberen ©Negotien erfolgen tann. Sink
neben bem andgefd^loffenen Slbfömmlinge anbere ant^eildbered^tigte gemeinfc^ft'
lid&e 9lbfömmlinge oorl^anbcn, fo fommt ber äBegfaU bcö erftercn ben tefctettn
unb, rotnn neben biefen einfeitige SÄbtömmlinge oorl^anben finb, bcn ant^eilft*
bered^tigten gemeinfc^aftlid^en Slbfommlingen unb ben einfeitigen 9(btömmlingen
jufammen ju ©ute (§§ 1384, 1408, 1965); bod^ ift ber ©rbloffer in «nfe^ung
beö SBrud&ti^eiled, um meldien fxcö ber ©rbt^eil cinefi einfeitigen 9lbf5mmlinfl«fi
erf|öl)t, nac^ aWafegabe ber allgemeinen erbrei^ttid&en SBorfd^riften oon Xohti'
Jortgcfefete ©utcrgemeinfc^aft. ge^huittige SBcrfugunflen. § 1389. 443
loegcn gu Dcrfügcn bered&tigt (§ 1384 3lbf. 2, § 1984), roö^rcnb boö SWed&t
bc« ©rbtaffcrö, über bcu ben ont^cilöbercc^tigteit gemcinfdöaftUd^en 9lbfömm*
lingcii jufallcnbcii Xl)eH ju ocrfüflcu, fid^ md) bcu SSorfc^riftcn bcö § 1389
beftimmt.
6in genügcnbcr ®runb, bic Sted^te bcr cinfcitigcn Slbfömmüngc in bem
goBc beö § 1388 JU ®unftcu bcv gcmeinfd^af tilgen ant^citebcrcd^tigtcn 9lb*
tommünge ju bef^ränfen, liegt um fo toeniger üor, a(d aubererfeitö in bem
^Ut, roenn ein einfeitiger Slbfömmting von ber gefejüd^en ©rbfolge ouß-
geic^loffen mirb, beft'en aBcgfaD m6) § 1384 2lbf. 1 in ©rmangclung einer
Serfügung pon S^obeömegen (§ 1385 Slbf. 1 ©a| 2) aud^ ben gemeinfi^oft^
(i(^n älbfommlingen ju ®ute fommt.
§ 1389.
3)er § 1389 regelt bic ^rage, inroiemeit ein ß^egotte für ben gaU ber ae^twiaiae
mit feinem 2^obe eintretenben gütergemeinfd)aftlid^en ©rbfolge burd^ IcgtmiUigc ü *rben"tL
Serfügung in bie Siedete eines Don ber S^^cilnaljme an ber fortgefefeten Oüter?*^«*^«*««**^*
gemeinfd&oft nid^t auftgefd^toffenen gcmeinfddoftlid^en Slblömmlingcö einiugreifen "*"*"" *"^**'
berechtigt fein foU.
2)a burd^ bad gütergemeinfd^oftüc^e @rbred)t unb bic bamit Dcrbunbenc
fortgefette ©ütergemeinfd&oft ben von ber S^^eilnal^mc an ber letzteren nidf)t
audgefc^toffenen Slbfömmüngen bad gefeglid^e ®rb^ unb $f[id)tt^ei(gred^t in
Xnfe^ung bcd jum ^la^laffe bed Dcrftorbencn (Sfiegatten gel^orenben Slnt^cilcd
brt [enteren an bem e^eU^en ©cfammtgute entjogen wirb (§ 13a5 9lbf. 2),
bie i^nen a(d @rfa| bafür gemährten 9lcd^te, formell betrad^tet, aud^ einen
rrbred^tüc^en Jtarofter nid^t I)aben, fo fd^eint cd naljt }u liegen, jcbe le^tmilligc
Serfügung eine« ©Regatten, burd) meld&c in iene Siechte, menn mä) mit 3^1*
ftimmung bed onberen @E)egatten, eingegriffen mirb, göniUc^ audjufd^licgen,
fofem nid^t ein ©runb Dorliegt, aus melc^em einem Slbfommlingc nac^ ben
Sorf(j^riften be« § 2001 ber 5ßflid^ttf|eil entjogen werben fann. ©ine berartigc
Siegelung, nad^ melc^er ber ganje einem gcmeinfc^aftlid^en älbfömmlingc bei
Suflöfung ber fortgefefeten ©ütergemeinfd^aft gefcfelid^ jufte^cnbe 3lnt^eil an
bem ©efammtgute ber fortgefefeten Oütergcmcinfd^aft ben Äaratter bcö ?Jflid()ti
t^fed annehmen mürbe, verträgt fid^ iebod^ nic^t mit ben ©rünben, aud
ne((j^n nad^ ben aUgemeinen erbrcd^tlid^en SBorfd^riften bem (^rblaffcr aud)
gegenüber feinen SIbKmmlingen in SStnfeljung fcineö SRcd^teö, über fein 9Scr«
mögen tefetroiUig ju verfügen, eine freiere 39erocgung eingeräumt ift. ©ie
würbe aufeerbem tonfequent bal^in fül;ren, ben gemeinfc^aftlid^en 9lbfömmlingeu,
um i^nen i^r SRed^t auf ben ganjen Slnt^eil ju fi^ern, nadj Slnalogic ber
erbred^tlictien Sorft^riften über ben aufecrorbenttid^en ^^ftic^ttljicil (§§ 2010 ff.)
locgen jeber von ben ©Regatten aud bem ©cfammtgutc gcmad&ten ©d^enfung,
ioel<^e ni^t burd) eine fxttlid^c ^flid|t ober bie auf ben 9lnftonb ju ne^menbc
Äütffi^t gerechtfertigt wirb, ben Slnfpruc^ auf ben au^crorbcntlic^en 5ßpid&t?
tbeil }u gemd^ren; benn mirb ber gaujc 9lntl)eil eines Slbfömmlinged a(ö
IJflit^ttbeil be^anbelt, fo fi^liefet jebc berartigc ©d^enfung jur .^älfte ibreö
Setrogcd eine SBerfürjung beö ^flic^ttfieilcö in fid). (Sine fo meitgclicnbe 33e*
444 gortgefe^tc ©uteröemcinWaft. Sc^ttoiaiöc Serfugunflcn. § 1389.
[d^ränfung bcr ©l^cgattcn in bcr SBomal^mc von ©ci^cnfungcn läfet fid^ aber
nid^t rcd^tfcrtigcn.
Stuf bcr anbeten ©eite ift cö iebodfi aud^ bebenflid^, von bcm ©eftc^te^
punfte aus, ba§ ber Slntljieil eineö gemeinfd^aftlid^en SlMbmmlingeö an bem
©cfammtgute bcr fortgefefeten Oütcrgemeinfd^aft fxd^ materiell afe bcr ®rbt^eil
bcö Slbtömmlingeö an bcm jum Slad^taffc beö Dcrftorbcnen ©Regatten ge^orcnbcn
3lnt^eile beö lefetcrcn an bcm e^clid^cn ©cfammtgute borftcHt, iebem ß^^egatten,
rotnn aud& nur unter 3tiftimmung bcö anbcren ©Regatten, bafi SRcd^t beijulcgen,
nacö SKafegabc ber allgemeinen erbred^tUd^en SSorfd^riftcn über bcn Slnt^il
beß Slbfömmlinged wie über einen ©rbt^eil ju Dcrfügcn. 3BenngIcid& bicfer
SBeg bcm geltenben SWed^tc im ^rinjipe om näd&ftcn fommen mag, fo fällt
ho6) gegen bcnfelben — abgefc^cn oon ben prattifd^en ©c^roierigfeitcn unb SBer*
widfclungen, mit meldten im ^inblidEc auf bie 3lrt unb SBcife, wie ber ©ntrourf
einerfeitö bie fortgefefete ©ütcrgemcinfd^aft, anbcrerfeitö baö 5ßflid^tt^eitered&t
geregelt ^at, bie entfpred^enbc 9lnroenbung ber erbred^tlid^cn SBorf^riften über
baö ^flid^ttljiciterc^t, indbefonbere ber SBorfd^riften bcÄ § 1981, ücrbunben
fein mürbe - , cntfd^eibenb inö ©croid^t, bofe burd^ eine berartigc Siegelung bem
Sntereffe ber gemeinfd^aftlid^en ^[blommlingc, meldte burd^ bie ©ntjie^ung befi
gefe^li(^cn ^^id^tt^cildrcd^ted o^ne^in fcbon fc^ted^ter gefteUt finb, ni^t gcnügenb
Sled^nung getrogen roirb. Snsbefonberc mürbe eö unbillig gegen biefelben fein,
mcnn man bcn ©Regatten bie aWoglid^feit eröffnen mollte, über ben änt^il
cined gcmeinfd^aftlic^en älbfömmlinged innerhalb ber burd^ baö geroö^nlic^e
^flid^ttl^eilöred^t gejogenen ©renjen auc^ ju ©unften 3)ritter Dcrfügen }u
fönnen; üielmel)r ift cö eine älnforbcrung ber ©crec^tigfeit, bo§ bie ben Sb*
{ömmlingcn an bem ©cfammtgute ber fortgefegten ©ütcrgemeinfd^aft juftei^enben
3lnt^cile ber ©cfammt^eit ber gemeinfd&afttid^cn Slbfömmlingc erl^altcn bleiben,
auc^ mcnn man bem ©rblaffcr baft Siecht beilegt, bie ©röfee jener älnt^eile im
93erl^ältniffe ber 9lbfömmlingc ju cinanber nad^ älnalogic ber erbred^tlic^en
SSorfd^riften über bad ^flid^tt^citered^t in einer t)on bem ©efege abmeid^enben
9lrt ju beftimmen. auf bcn ©tanbpunft bcö geltenben Sled&teö fann im
Einbilde barauf, bag nad^ bem @ntmurfe bie allgemeine ©ütergemeinfd^ft
nid^t bcr gefetftid^e ©ütcrftanb ift, bei bcr Siegelung bcd in Siebe fte^enben
SSerl^ättniffcß entfd^eibenbeä ©croid^t nid^t gelegt merben.
älus biefen ©rünben l^at ber ©ntmurf einen Sßittclmeg eingefd^lagen.
Die Slrt unb SBcifc, wie ber § 1389 baö SBerl^ältnife regelt, ^at cinerfcitd bcn
großen SSorjug bcr ©infad^^eit, inbem ftc inöbefonbere bie entfpred^enbe Sln^
roenbung ber 93orfd&riften über baö ^flid^tt^eiferce^t, abgefeben von ben im
§ 1389 3lbf. 2 unb im § 1391 bejcic^netcn «orfd^riftcn, entbe^rli^ mad^t;
benn nad^ bem § 1389 9lbf. 1 erl^ält ber älbfömmling, o^nc bag cd jur
©id^crung feincd Sled^ted meiterer SSorfd^riften bebarf, bei ber bemnäd^ft megen
bcö ©cfammtguteö bcr fortgefefeten ©ütergemeinfd^aft ftattfinbenbcn 3ltt»«
einanbcrfegung unter allen Umftfinben bie ^ölftc bcd ©clbmcrt^cö htü Ufm
gefe|lid^ nad^ Sluflöfung bcr fortgefegten ©ütergcmeinfd^aft )ufommenben
Slnt^ciled. 3luf ber anbcren ©eitc merben burd^ bie Siegelung bed (Sntmurfeft
bie Siedete bcr antl^eifebcred&tigtcn Slbfömmlingc in einer angcmeffencn 85Beife,
nid^t blöd obltgatorifd^, fonbcrn btnglid^ gefd^ügt unb glcid^mo^l bie (S^gatten
Sortoefe^te ®ütergemeinf(ibQft. ge^ttDtQtge SSerfugungen. § 1390. 445
in intern ä3erfügungdre(!^te ben SlbfömmHngen gegenüber nid^t ju fetir be^
ft^ränft 3ugleic§ wirb burc^ bic 3ulaffung ber im § 1389 3lbf. 1 b^-
jeic^neten S^^eilungdanorbnung ein ^nfd^Iug an bie lanbedgefe^dd^en %or^
f(^riften über bie (Erbfolge in bie lanbroirtJ^fd^oftlid^en ®üter gewonnen. 9luß
ben Sorfd&riften be« § 1389 ergiebt ftd^ mit genügenber 3)eutltd^feit, bafe,
wenn ber ©rbloffer ben 9tntl^eil eine« äbfommtingeß l^erabgcfegt f)at, o^ne
iugleic^ }u beftimmen^ meld^em ober xotlä^en anberen ant^eildbered^tigten ^b^
Rnrniüngen ber frcigeroorbene X^til ju Oute fommen foU, ber festere allen
anberen ont^eitebered^tigten ätblömmlingen^ unb nur biefen^ nid^t aud^ ben
juglei(| etiDa oor^anbenen einfeitigen älbfömmitngen }ufönt.
Sieben bem § 2001 aud^ ben § 2002 für entfpredfjcnb anroenbbor ju
rrflaren, empftel^It fid& nid^t, ba ber § 2002 bie änwenbbarfeü ber SSor«
fünften über bie 9lad&erb[d^aft porauöfefct, bie Ucbertrogung biefer Soor-
f^riften auf bie 9[nt]^eUdre(^te ber 3(bfömmlinge aber ju erl^eblid^en 93er«
»idelungen ju fül^ren brol^t.
§ 1390.
Die 33orfd^rift beö § 1390 Safe 1, n)cld()e bic SBirffamfeit ber in ben 3"ftimmu«fl
§§ 1388, 1389 bejeid^neten lefetroiDigen aSerfügungen eines e^cgotten ganj ^i^llacn!
allgemein pon ber S^fti^^iung bed anberen @l^egatten abl(|ängtg mad^t, o[;ne
}u unterfd^eiben, ob bie lefetmiDige SBcrfügung jugleic^ eine nad)tl^eilige JRüdf*
mirfung ouf ia^ gfitergemeinfd^oftlid^e (grbred^t beS überlebenben ©l^egotten
Altert ober nid^t, fd^liefet fid(i bem ®runbgebanfen nod^ ben jal^Ireid^en (Süter*
gemeinfd^aftdred^ten an, welche, menigftenö bei beerbter &)t, in 3lnfcl^ung beö
Sefammtguted nur gemeinfc^aftßd^e lefetmiDige SSerfügungen beiber ©Regatten
fihr julüfitg erfifiren (pergl. inöbefonbere meftfäl. ®ef. p. 16. Slpril 1860 §§ 6, 10;
oenabr. gntio. § 8; e^renbreitft. gntm. § 92; mürttcmb. ©ntro. §§ 259, 260).
Gö fann bo^ingefteUt bleiben, ob bie a3orf(^rift bed § 1390 Safe 1 in biefer
XDgemeinliieit auö bem pertragdmägigen fiaraftcr beö gütergemeinfd^aftlii^en
erbrec^tefl (§ 1385 äbf. 1) l^ergeleitet werben fann. ©ntfd&eibenb ift, ba^
biefelbe bem 938efen einer mit fortgefefetcr ©ütergemeinfd^aft perbunbenen oll^
gemeinen (Sütergemeinfd&aft wegen ber baburd^ l&erporgerufenen engen SScr^
btnbung ber 3ntereffen beiber ©l^egatten entfprid^t. S)a6 eö mit einer fo
intenfipen Sntereffengemeinfd^aft nid^ pereinbar ift, jebem ei^egatten baö SRed^t
bet}tt(egen, einfeitig, pieHeid^t l^inter bem 9läden beö anberen, in bie SWcd^te
ber 9bfömm(inge an bem ©efommtgute ber fortgefefeten ©ütergemeinfd^aft
bun^ (efeioinige SBerfügung einjugreifcn, jeigt fic^ namentlid^ in fold^en götten,
in loeU^en baö gemeinfd^aftUd^e Vermögen ^auptföd^tid^ pon bem überlebenben
Chatten ^erru^rt. 3)ie 3wtöffung einfeitiger fefetmilliger SSerfügungen bef örbert
ben e^Iid^ Unfricben unb bietet baö SKittel ju nid^t gered^tfertigten ^t^
gunfitgungen clnjelner Sftfommlinge por ben anberen. S)er überlebenbe ®^e=
gotte ^t, loenn aud^ fein red^tßc^eö, fo bod^ lebenfaQö ein bead^tenömert^eö
t^tffi^lid^ 3ntereffe baran, bag o^ne feine 3«ftimmung baö SBerJ^ältnife ber
eii^nen Sttförnmlinge ju ber fortgefefeten (Sütergemeinfd&aft nid&t geänbert
wirb, unb biefeö tJ^tföd^lid^c Swl^tcffc rcd^tfertigt bic 9(nna^me, baft bie ^ier
446 gortgefe^te ®ütcröcmeinf(j&aft. außerorbentlid&er ^fli^ttj&eir. §1391.
fraglid^ic 33ef(l)räntunß aud& bctn ücrmut^U^cn SBcrtroflöroillcn ber ©Regatten
bei SSereinbaruug bcr allgcmcincu (Sütergcmeinfc^aft cntfpric^t. S)aö 33er?
fügungäred^t eines ©l^egatten von ber 3wftimmung beö anbeten abhängig ju
mad^en, ift anbcrerfeitö um fo weniger bebcnflii^, alö, wenn bic ©ntjic^ung
ober ©d^mälerung ber gefcfettc^en Siedete beö Stbfömmlingeö in bcr S^^at gc*
red^tfertigt ift, bcr anbere ß^egatte bei normalen ®[)en feine burd) eine fittüc^c
?ßflid^t gebotene 3wftimmung nid)t rerfagen mirb.
«ec^tmcr Slbrocid^enb tjon bem meftfäl. ®ef. o. 16. Slpril 1860 § 6 empfiel^It cö
BifSrnmunfl! f^^ jcboc^, nid^t cinc gemeinfd^aftlid^e leßtmillige aScrfügung ber bcibcn g^e^
gatten in bem ©innc ju verlangen, bag ieber bcr ©Regatten für bcn gall
feineö S^obcfi oerfügcn müfete, fonbern nur bic SDßirffamteit ber von bem einen
(S^cgotten für bcn %aU feines ^obeö getroffenen SBcrfügung von ber ^uftintmung
beö anbercn ©Regatten abijiängig ju mad^cn. S)ie 3wftintmung farofterifirt jic^
als ein unter bic SSorfd^riften bcö § 127 foUenbeö einfeitigeö Med^tögefd^äft.
Bformunbun*2)em cntfprid^t cö, bafe bic 3wftimmung gegenüber bem anbeten ©Regatten
mbe^ufuc^ erffärt werben mui 9lbrocid^enb ron bcn SBcftimmungcn beö § 127 «bf. 2, 3
foD aber mit SRüdEfid^t barauf, bafe eö fid^ l^icr um ein ©rforbernife ber SBirf*
famfeit einer lefetroiHigen aSerfügung l^anbelt unb in biefer ^infid^t jcbc Un*
fid^rl^eit t][iunlid&ft ju ücrmcibcn ift, bie S^ftimmung ber gerid^tlic^cn ober
materiellen ^orm bebürfen unb unmiberruflid^ fein.
§ 1391.
au^erorbent. S)ie entfprcd^cnbc 9lnmenbung ber erbred^tti^cn SBorfd^riften über bcn
Wiwe«. öwfeerorbcntttd^cn ^flid^ttl^eil ju ©unften eincö antl^eilöbercd^tigten Slbfornm-
lingeö ift jum ©d^ugc bcr SRed^tc bcr ant^citeberet^tigten Slbfömmlinge um
bebingt geboten, ba f onft bie ©Ijicgattcn bic i^re aScrfügungöfrcil^eit befd^ranfcnbcn
aSorfd&riftcn bcÄ § 1389 umgcljien imb auf bem SBcge bcr ©d^enfung jene
SHcd^tc inbireft auf baö ©döroerfte beeinträchtigen fönnten. S)cr ©cbanfe,
meld^er im Uebrigen bei ber Sluögcftaltung ber fortgefc^tcn Oütcrgcmeinfd^oft
leitenb geroefen, nämlid) ber ©cbanfe, ba^ ber ©rblaffcr crft ate jur S^xt ber
3Iuf(öfung ber fortgefegten Oütcrgcmcinfd^aft geftorbcn anjufc^cn ift (§§ 1397,
1408), mufe aber fonfequent baljin führen, bie erbred^ttid^cn 33orfdjriften über
bcn aufecrorbenttid^cn 5ßflid&ttf)cil mit ber im § 1391 bcjcid^neten aWolgobc
für cntfpred^cnb anroenbbar ju crtlären. 3nöbefonbere beftimmt fid& aud& bic
,§5^c beö bem antt)eifebered^tigten Slbtömmlingc suflcl^enben gefefeUd^cn SlntJ^eiled
crft nad^ bcr S^it ber 9luflöfung ber fortgefcfeten ©ütcrgcmeinfd^aft.
§ 1392.
Qru 2)ie Seftimmung beö 9lbf. 1 red^tfertigt fid^ burc^ bie ©rnKigung,
wt^rfiftän ^^^ ^^^ 3lntl)ei{ cinefi gemcinfd^aftlii^cn 9lbfömmlingcö an bem ©efammtgute
"?ne« stT^ber fortgefegten ©ütcrgcmcinfd&aft trog bed bem ©ntmurfe ju ®runbe licgenben
wmmimue«. sßnnjipcö bcö SlUcincrbrcc^teß beö übericbenbcn ©l^cgattcn fid^ moteriell olö
©rbtl^cil bcÄ Stbfömmlingeö an bem jum 5Rad()laffc beö oerftortenen ©tfeßotten
gcl^örenbcn 3lntl^eile an bem cl^clid^cn ©cfammtgute barftellt (oergl. § 2015 ff.).
gortgefcfttc ©utcrflcmcinfc^aft. erBuntourbiöfeit. § 1392. 447
3weifcl^nft ift bagcgcn bic ©ntfd^cibung bcr %xaQt, wcld^en ©uiffufe bic in »irfung.
^Ige ber ©rbuniDÜrbiglcitficrflärung eingetretene (Sntjie^ung beö bem für
frtiinrofirbig erflärtcn Slblommfingc gcfefelid^ juftel^enben 3lnt^eUeö on bem
Scfommtgute ber fortgefegten ©ütcrgemeinfd^Qft auf boö gütergemeinfd^aft(ic^c
SArcc^t bcö Überlebenben ©Regatten bejn). bie STnt^eile ber übrigen an ber
fortgefe|ten ©fitergemeinfd^aft X^txl l^abenben 3lbfömmlinge äufeent foH. 2)er
enhmirf (§ 1392 3lbf. 2) beruht in biefer ^infid^t ouf bem bem § 1972 ent*
iptet^enben ^rinjipe, bafe ber für erbunroürbig erHärte Sfbfömmling in 2ln«
fc^ung bed jum iHaä)la^t bed Derftorbenen Sl^egatten gel()örenben älnt^eikö
om ©efommtgute (§ 1382 Slbf. 1) alö t)or bem ©rbfalle geftorben gtft. S)nrauö
folgt, ba6 beim SBorl^onbenfein einfeitiger älbfömmlinge beö ©rblafferfi nub
onberer on ber f ortgefeßten ©ütergemeinfd^aft 2^^eil nc^menber gemeinfd^aftlid)er
Sbtommlinge ber älntl^eil bed für erbiinmürbig ertlärten älbfömmlinged ntc^t
blofi ben teftteren, fonbem biefen unb ben einfeitigen 9lbfömmlingen mä) 9Ma6^
gttbe ber gefeftlic^en ©rbfolge jufäUt (§ 1384 Slbf. 1, §§ 1964, 1965) nnb in
©rmongelung onberer gemeinfd^ofttid^er Slbfömmlinge ber Derftorbene ®l)egatte
in Oemöfe^eit ber SJorfd^riften beö § 1383 äbf. 1 beerbt mirb. ©ö läfet p*
nit^t oerfennen, bofe ber l^ier in SRebe fte^enbe goD wefenttid^ onberö liegt,
qIö ber goU beö § 1388, {umol nod^ § 1390 bie äfuöfd^Uegung eineö ge^
meinf(!^ftti4en SIbfommlingeö t)on ber fortgefegten ©ütergemeinfd^oft burd)
ben einen ©Negotien nur mit S^fti^^^^^fl ^^^ onbercn ß^egotten erfolgen
tonn, ^ingefel^en ouf boö SDBefen unb ben 3^^^ ^^ oHgemeinen ©üter^^
gemeinfc^ft/ bem fiberlebenben ©^egotten ben SSeftg unb ben ©enug beö
Sefammtguteö möglid^ft ju erl^olten, fomie im ^inblide borauf, bog nod^ bem
§ 1392 bem Überlebenben ©Regatten unter UmftAnben bie von x\)m auf ©ntnb
bcö gütergemeinfc^oftlid^ien ©rbred^teö bereitö ern)orbenen Siedete mieber ent^^
iogen ober gefd^mftlert merben, loffen ftd^ gemid^tige ®rünbe bofür anführen,
boö Skr^oUnig l^ier in ber älrt gu geftolten, bog eö fo ongefel^en mirb, alö
fei ber für erbunmürbig erflärtc 3lbfBmmling nod^ bem ©intritte ber fort^
gefegten ©ütergemeinfd^oft geftorben. 3)orouö mürbe folgen, bofe ber älntlieil
bcö le|teren unter S^uöfi^lufe ber einfeitigen Slbfommlinge nod^ aRoggobe bcö
§ 1397 STbf. 2 lebiglid^i ben gemeinfd&ofttid^en Slbfömmlingen, in ©rmongelung
fol4ier ober bem Überlebenben ©^egotten jufoUen, boö gütergemeinfd^aft(id)e
ßrinrecbt beö legteren olfo beftel^en bleiben mürbe. Uebermiegenbe ©rünbe
fpre(^ inbeffen gegen eine fold^e Siegelung unb für boö ^riujip beö ©nt^
vurfrö. Gö ^onbelt fid^ um bie Sroge, ob boö gütcrgemeinfd^oftlid[ie ©rbred^t
«on bem SSor^onbenfein erbbered^tigter gemeinfd^oftlid^er 5lbfömmlinge jur
3nt beö ä^obeö beö ©rblofferö ober nur t)on ber S^l^otfoc^e obl^fingig ju mod^eu
ift/ bo6 ju iencr Qtxt gemeinfc^oftlid^e, menn oud^ nid^t erbbered^ttgte , 3lb^
fommlinge oor^onben finb. ®e^t man von ber erfteren äluffojfung ouö, fo
ffi^irt bic Äonfequenj bcr erbred&tlid^en Seftimmungen über bie ©rbunroürbig*
fettflernfining (§ 1972) bol^in, ben für erbunroürbig erflärtcn Slblömmling alö
oor bem ©rbfoDe geftorben ju bel^onbeln. 3ene erfte SÄuffoffung entfprid)t
ober ber Slrt unb SGßeife, mie bie fortgefc^te ©ütcrgcmcinfd^oft im Uebrigcn
materiell üon bem ©ntrourfe geftoltet ift. SBci biefer ©eftottung ift boron
feftgelKiIten, bog ber Slntl^eil ber gcmcinfd^aftlid^cn 3lbfommlingc on bem Oe^
448 Sörtoefc^tc ©üteröemctnfd&aft. aSerjid&t auf bie Steilna^me. § 1393.
fammtgute ber fortgefegten ©ütergemeinfd^aft materiell olft bereu Grbt^eil an
bem 9Jod^Iaffe beö rerftorbenen ß^egotten anjufel^cn unb bod STlIcincrbrec^t
beö übertebenben fö^egotten nid^t ©elbftjmedf, fonbern nur ein Äonftruftiong-
mittel jum S^^cfe ber SSereinfod^ung ber S3eftimmungen über bie ©{j^ulbcm
l^aftung gegenüber ben ßrbfd^iaftögläubigern fei. SBon biefem ©tanbpunfte atid
bilbet aber baö 33or^anbcnfein erbbcred^tigter gemeinfd^oftUd^er SffbfBmmünge
bie not^n)enbige SSoraudfegung unb bie ©runblage für ben (Eintritt unb ben
Umfang beö gütergemeinft^aftlid^en (Srbred&tcö unb ift für btn ©intritt bed
lefiteren o^ne gleid^jeitigen ©intritt ber fortgefegten Oütergemeinfci^aft fein
Slaum. S)ad ^rinjip beö ©ntmurfeö rerbient aud^ um beöroiUen ben ^Jorjug, weil
eö alö gered^tfertigt nici^t erad^tet werben fann, baft bie cinfeitigen SSbfomm^
linge beö ©rbiafferö buri^ bie allgemeine ©ütergemeinfd^aft gu ©unften ber
gemeinfd^aftlid^cn Slbtommlinge bejn). beö überlebenben ©Regatten in i^rcm
gefefelid^en ©rbred^te bccinträd^tigt werben. S)a in bem umgefc^rtcn ^IIc,
wenn ein einfeitiger Slbfömmling für crbunmürbig erHärt ift, beffen änt^eil
an bem jum 9iac^(af[e beö ©rblafferö ge^örenben Slntl^eile an bem ©efammt^
gute ben gemeinfd^aftUc^en 9lbt5mmlingen Der^ältnifemäfeig juffiUt, bie ein-
feitigen unb bie gemeinfd^aftUd^en 9lbfommlinge beö ©rblafferö ober bem ^lai^^
laffe beö Unteren gleid^bered^tigt gegenüberfte^en, fo ift eö nur eine 2lnforberung
ber auögleid^enben (Sere^tigteit, menn and) ber bem erbunroürbigen gemein«
fd^aftßc^en ^bfomm(inge entzogene 9lnt^ei( im ^alle ber Honfurrenj einfeitiger
unb gemeinfd()aft(id^er 3lbf5mmlinge ben einfeitigen Slbfömmlingen oerl^filtniB'
tnäfeig jufäUt. ©oute burd^ bie Äonfurrenj ber (enteren ber 9lntl^eil ber 8^
meinfd^aftlic^en 9lbfömmlinge an bem ©efammtgute ju fefir geminbert werben,
fo I)at ber überlebenbe ©fjegattc eö in ber ^ant), bie gütergcmeinf^aftli(^
©rbfolge auöjufd^lagen unb baburi^ fein gefe^lid^eo ©rbrec^t auf ein SSiertel
an bem Slad&Iaffe beö oerftorbenen ©Regatten ju Derroirffid^en (§§ 1386, 1971).
gür ben ^all aber, baft in golgc ber ©rbunmürbigfeitöcrflärung in ©rmangc^
lung anberer crbbered^tigter gemeinfd&aftli^er Slbfömmlinge bas gütergemcin'
fd^aftlid^e ßrbred^t roegfällt, ift burd^ bie allgemeinen erbrec^tlic^en Se-
ftimmungen (§ 1971) für ben übertebenben ©Regatten in auögiebiger 35Beife
geforgt. liefen ©rmägungen gegenüber fann aud) barauf bcfonbcreö Oeroid^t
nid^t gelegt werben, baft nad^ bem ^rinjipe beö ©ntwurfeö bem SBerfd^ulben
cineö Ibfömmlingeö unb ben .^anblungen britter au^er^alb ber fortgefejten
©ütergemeinfc^aft ftcl^enbcr ^erfonen, auf beren SKntrag bie ©rbunwürbig*
teitöerflörung erfolgt (§ 2046), unabhängig uon bem SBillen beö überlebenben
©Regatten, ein ©influfe auf baö gütergemeinf^aftlid^e ©rbre^t eingeräumt wirb.
§ 139:5.
^tm eilten S)ic Seftimmung beö § 1393 (oergl. prcufe. 31. 2. 2t. II, 2 §§ 368 ff.)
(ömmiuifle« ^eru^t auf äljulid^en ©rwägungen, wie bieienigen, welche }u ben Seftimmungen
.«ä^irenb beö § 1388 uub beö § 1392 geführt ^aben (oergl. bie ÜJlotiöc ju § 1388
*Äen^'' ol>ctt S. 442 unb ju § 1392) imb fte^t mit ben burc^ § 1385 3tbf. l
eme?nf4aft ^^^ ^^^ gütergemeinfd^aftUd^c ©rbred^t für entfpred^enb anwenbbor erflärten
ßemem af . ^^y^^j^g^^j^ beö ©rbeinfeiungöt)ertrageö im ©inftange (pergt. §§ 2024, 1972K
I
gcrtflcf. ®ütcröcmcinf ^af t 9(u^ölei Jjuno bc3 SSorcmpfanöcncn. §1394. 449
SBcI^c SBirtuiiflcn cd i)at, locnn naä) ©intritt bcr fovtgcfefetcu ®ütcr9emcinfd)aft
ein ant(}eildberc^ttgter ^^Kblömmling auf feinen 3Int(jci( an bcm ©cfammtgutc
kcr fortgcfcfttcn ©ütergcnteinfd^aft oeriid^tet, ift im § 1398 bcftimmt. iJieben
einem fo(d)en 93er)idE|te l^at ber Gntiourf baö 9ied)t cineö gemeinfd^aftüd^en 9lb«
tommßnged, nad) Sinologie bev erbredjtHdjeu SSeftimmungen über bie älud-
fcftlagung einer ßrbf^ft feinen 9lnt^eil an bcm ©efammtgute bcr fortgefegten
©ütcrgemcinfd&aft ouöjufd&lagen, nidjt anerfonnt, ba ein S3ebürfni6 ju einem
(old^en Sltidfc^lagungdrecl^te/ mcld^ed ju einer ä3eeintröd)tigung bed gütergemein^
fd^Qftlidjcn ®rbrcd^teö bcö übertebenben (Sl^egatten fiil)ren fonnte, nid^t oorliegt.
§ i;J94.
Sinb im galle beö ©intrittcö ber gütergemeinfdjQftlidjcn ©rbfolge neben «««fliei^una.
gcmcinf^ftlic^en 91bfömmlingcn crbbered^tigte einfeitige 3lbfomm(inge oor^ empfangenen
^nbcn, fo ift, ba bic {enteren ben oerftorbcnen ©Itcrntljcil nad) bcn geioöl)ns ^^^^^^^ ^*"
li^n ©ntnbffigen beerben (§ 1884), l^infid^tlid^ ber and bcm ©cfammtgutd^ »mmnnsen.
cnt^cile imb bcm SSorbc^altö* bcjiu. Sonbergnte bcö oerftorbencn ©Ijcgatten
Mc^ben, ben einfeitigen Slbfommlingen gegenüber eine einlieitlic^e a)Iaffe
bilbenbcn ©rbf^aft (§ 1382 Slbf. 1, § 1395 2lbf. l) eine 9ludeinanberfe6iing
pifc^cn bcn einfeitigen 3lbfommIingen cinerfeitö nnb bem übcrlebenben ©bc-
gatten ofö bcm 2Bitcrben ber [enteren anbercrfeitö erforbertid&. aSSenngleid^
nac^ §§ 1384, 1395 9Ibf. 2 bcr übcriebenbe @^egatte fomoljl in Slnfetiung bed
(Scfammtgntdant^eiled bed oerftorbcnen @l^egattcn a(ö in 9(nfel)ung bcd ben
gcineinf^iaftUc^en Slbtommlingen }ufommenben 3{nt{|eilcd an bem SSorbcbaltö«
ober Sonbcrgnte beöfelben formcU an ©teUe bcr gcmeinfd^aftttdjcn Slblömm^^
finge neben bcn einfeitigen 9lbfommlingcn alö aWiterbc bcmfen ift, fo fte^en
bod^, matcneU bctrad^tet, nad) bcr gaujen (Scftaltnng ber fortgefegten ©üter«
gemcinf^aft bcn einfeitigen Slbfömmlingen infomeit bie gemeinfd)aft(i(i^en W)^
tomralingc alfi SRiterben gegenüber. aJIatcrieU mnfe bcö^alb bie 9Iußeinanbcr*
fegung i^if^cn bem ftberlebenben @()egatten nnb ben einfeitigen 3lb{ömmUngen
»egcn bcr Srbfd^oft bed oerftorbcnen G^egatten fo erfolgen, a(d roenn aniS) bie
gemeinfd^aftlid^cn Slbfommlinge gefegti^e @rben beö oerftorbenen ©(terntbeilcö
gciDorbcn mfircn. Saraud folgt, bag bei ber S^l[^i(ung ber Srbfd^aft imifd^en
bcm gütcrgcmeinfd^aftlic^en @rben nnb einem einfeitigen Slbfömmlinge bed ©rb^^
tajferd in Slnfel^uug ber unter ben älblömmlingcn beö legtereti megen beö
Sorempfangencn ju bemirtenben 9luögteid()tmg bie erbred)tlid^en SSorfd^riften
über bie 9luögleid)ung bcö SBorempfangenen (§§ 2157 ff.) 9lnroenbung finben
müffai. Um in biefer 99cjie^tmg ieben 3)^^if<^l auöjufd^liegen, beftimmt ber
§ 1304 auöbrücfüd), ba§ bcr übcriebenbe ©fiegattc, ba biefer ben einfeitigen
Sbtommlingen formell alö SKiterbe gegenüberfte^t, bei bcr 2:i^eitung ber 6rb*
f4aft i»ifd^en i^m nnb bcn einfeitigen 9lbt5mmlingcn in 9Infel()ung bcr
btjeid^ncten äluögleic^ung bieienigen 9Ied)te nnb S3erpflid)tungen (|at, loeld^e
bic gemeinfd^oftlic^en 9lbfömmlige l^aben mürben, mcnn fic (grben bcö vtv^
fiorbcneu ©Regatten geworben mciren. 2)a bcn einfeitigen 2lbfömmlingen gegen*
über bic Sc^ibung jmifd&en bcn oerfd)iebencn 99eftanbtl)eilen bcr (Srbfd^aft,
nämü<^ iioifd^cn bem ®efammtgntöantt)ci(e nnb bcm ^orbcljaltö* nnb Sonber«
Sotisc |. UrgerL <Sefe|tu(9. IV. 29
450 Sortßcf. (äJuteröcmcmfc^aft. SfuSglei^ung beS SJorempfanflcnen. § 1394.
flute bcö t)crftorbencn ®^cgaften, überall nic^t in 93etro(i^t fommt, fo ift bei
ber SCIjciluno ber ©rbfd^aft jroifd&en bem überlebcnben (S^egottcn unb bcn ein*
feitigeu Slbtömmlinflen allcö SJorempfangcttc ber Icftteren beju). ber gemein*
jd^oftUd^en Slbfömmlinge, ol^ne SRüdffid&t barauf, ob ba&fclbe aus bem (Sefammt*
gute ober aud bem 93orbel^a(td^ bejto. vSonbergute l^errütirt^ ju berücfft^tigen.
^ie ^rage^ oud n)eld)er SRaffe bad SSorempfangene ^emil^rt unb ob bodfetbe
8U ber einen ober anberen a)laffe ju fonferiren ift, f)at Sebeutung nur für
bie nad) ÜKafegobe beö § 1395 erfolgenbe, bie geftftellurig beß ben gemein«
fc^aftlid&en 3[bf5mmlingen iufommenbcn unb fofort außjufel^renben älnt^eilcft
an bem SSorbelialtd* unb ®onbergute bein)e(fenbe äludeinanberfe^ung {mifd^en
bem übericbenben ©Regatten unb ben gemeinfd^aftlici^en Stbfömmlingen, foroie
für bie 2:f|citung beß SSorbelialtö« unb ©onberguteö unter ben lefeteren, bcjro.
für bie im gdlle ber 2lufIofung ber f ortgefefcten ©ütergemeinfd^aft ftattfinbenbe
.a^^eilung beö (Sefammtgutßantl^eileö imter benfefben (t)ergl. § 1395 9lbf- 3,
§ 1408). 2)ie ©rünbe, axi^ meldten ber ©ntwurf aud^ inforoeit befonbere S9e*
ftimmungen barüber, bei weld^er aJlaffe ju fonferiren, nid^t aufgenommen fyA,
ftnb in bcn SJlotioen ju § 1395 bargelegt
«US- 3n ben äRotinen ju § 1365 oben ©• 383 fmb bereits bie Orünbe bar-
^^ImT' fl^^^fl*' ^"^ roeld^en ber (Sntmurf bcn ©runbfa^ beö franj. JRed^tcö (code civil
(teflenubei 3irt. 1438, 1469) nid^t aufgenommen f)at, bafe bie üon einem ©Regatten an
üBerUföJnbcn ciufeitigc Slbfbmmtiuge gegebene Sluöftattung unbebingt bem betref^nben 6^
e^eflotten. gattcu ttlö ciuc ttuß bcm ©efammtgute auf baö ©onbergut beöfetben gemad^te
ajerraenbung jur Saft fällt, für xodd)t berfelbe bei 3luffofung ber @üter«
gemeinfdf)aft iu bem ©efammtgute ©rfa^ iu leiften l^at. 'S^ einem &^nti(^
SRefultate loie baö franj. SHed^t fü^rt für ben gaU ber SÄuflofung ber ©üter^
gcmeinfd^aft burd^ ben S^ob eineß ber G^egatten ju Ounften beö übericbenben
eijiegatten bie »eftimmung beß roeftfai. ©ef. v. 16. STpril 1860 § 8, baß bei
Slußfonberung ber ben ©tieftinbcrn gebül)renben ©rbtljieile bie ©tieffinbcr fidb
auf i()re @rbt§ei(e an bcm ©efammtgute aud^ bem übericbenben G^egotten
gegenüber StUeß anred^ncn laffen muffen, maß fte nad^ bcn ©efefeen ibrcn
©efd^miftcm gegenüber ju fonferiren fd^utbig fmb (oergl. aud^ § 15 jencö @c^
fefeeö). 3luf bem ©tanbpuntte beß roeftfät. ©ef. o. 16. Stprif 1860 fteben in biefcr
93ejief)ung fenicr ber oßnabr. ßntn). §§ 10, 17 unb ber c^renbrcitft. (Snuo.
§§ 62, 68, mfilirenb nad^ bem mürttemb. ©ntro. § 313 bie ftoUotion nur 5ur
älußgleid^ung unter ben 5iinbcrn ftattfinbct. Ob unb inmiemeit (egtereö aucb
nac^ bcm preufe. 31. S. dt. II, 2 §§ 323—326, 374 ff. ber gaH, ift beftrittcn;
bod^ mirb bie KoUationöp^id^t gegenüber bem übericbenben G^egatten in ber
S)oftrin unb ?ßrariß beö prcufe. Slcd^teß übermiegenb verneint.
^cr Gntnmrf gcl^t baoon auß, bag im Slnfd^Iuffe an bie allgemeinen
erbred^tlid^en ©runbfö^e über bie 3lußgleid^ung megen beö SSorempfangenm
bie cinfcitigen Slbfömmünge nur gegenüber bcn gcmeinfc^aftlid^en 9K)tomm^
lingen, nid^t aud^ gegenüber bem übericbenben ©Regatten }U fonferiren oer«
pflid^tet ftnb. S)icfe 3Irt ba* Stegclung entfpric^t bem ©tanbpunfte beö (SnU
murfcß, ba^ im galle ber Sluflöfung ber ©ütergemeinfd^aft burd^ ben STob
eineß ber ©Regatten baß ©cfammtgut nid)t alß ein felbftänbigeö SBermögen
belianbclt mirb, in mclc^cß ber übcrlebcnbc ©I)egatte unb bie Slbfommlingc befl
©üteräeweinfWir. SrBfoIoc. S^DxUlali^ u. ©öittcrgut b. ©rbrafferö. § 1395. 451
ocrflorfcencn ß^cgotten flcmiffcrmöfecn alß Untocrfalfuf jcfforen fufjcbiren, fonbcin
iic eine ^otfte beö ©efammtgutcö jum 5lad^taffe beö Dcrftorbenen G^cgattcn
fle^ort^.bic anbcre ^älfte aber bem übertcbenben (Sljicgatten ai&X^dlijabcv bcv
fWi<|€« ©cmeinf^aft iuföllt. ©ö löfet pd) ollerbingö nid^t ücrtennen, ba^
unter Umftfinben in ber ÄoBationöpflid&t ber einf citigen 9lbf ömmlingc aud^
gegenüber bcm üjberlcbenben (Sl^egatten eine billige Sluöglcici^ung für ben ^ox^
t^eil liegen, hxm, rocl^ien berjenigc 6l)egatte, roeld^er einseitige Slbf ömmlingc
fyd, wenigftend mittelbar burd^ beren Sludftattung auö bem ©efammtgute cr^
langt SMIein bicfer ©efid^töpunft müßte ju bem von bem ©ntrourfe nid)t gc^
billigten Stanbpunfte bed frang. Sted^ted fül)ren^ nad^ meld^em ber betrcffenbe
€^egatte pd) bic an einfeitige Sblömmünge auß bem (Sefammtgute erfolgten
Äudftattungeit ober Se^enfungen bei ber 3lu&einbertc|ung megen beö ©efammt^
fluteö immer, o^ne Slüdfic^t barauf, ob er ber Ueberlebenbe ift ober nidf)t, am
tc^nen laRen mufe.. ^n ber S3ef^ränhmg auf ben überlebenben ©l^egatten
tritt unijcrfennbar bie J^enbcnj l^eroor, biefen ju begünftigen. gür eine ber*
artige Segünftigung beö überlebenben ©Regatten fel^lt ed aber an entfd^eibenben
inneren ®ränbcn. Sluö bem SBefen unb 3'^^*^ ^^ Oütergemciufi^aft lägt
fie fi(^ nid^t ableiten. Gbenfomenig fpridbi bafür bie t)ermutl^tid)e 9tbfid)t beö
betreffenben Gfiegatten bei ber S^n^^^i^uJ^B*
§1895.
abritt bie gfitetgcmcinfc&oftltc^e ©rbfolge nidbt ein, roie bics bei unbeerbter »ecufung »u
C^ ftetd )inb bei beerbter Gl^e bann ber gall ift, wenn ber übcrlebenbe ®^c* f^tfam, ober
flOtte bie gütcrgemeinfd^aftlid&c ®ri>folge auöfd^lägt ober il^m baß gütergemein- ^onberautc
fc^aftti^e (Srbred^t gültig entjogen ober ber Dorl^anbene einzige gemeinfc^aftlid^c ^rMafrer».
Slbfömmling alö Dor bem ©rbfaDe geftorben anjiifel^cn ift (§ 1383. 3lbf. 1,
5§ 1386, 1387, 1388, 1392 3lbf. 2, § 1393), fo fommt bie ©djeibung
iwifi^n bcm jum Sladfilaffe beö Dcrftorbenen ©fiegatten gel^brcnben ©efammt^^
^töant^ile unb bcm SSorbcl^altßf unb @onbergutc bcdfelben nid)t in ^etrad^t ;
^ielmebr bilbcn in ieneu gälten bie beieid^neten S3eftanbt^eile bcß 9}ad}laf[es
<ine ein^itlic^e @rbfd^aftßmaffe, meldte nad^ ben gemöl^nlic^en ©runbfö^cn
oercrbt S)adfelbe gilt im gaUe beß @intritteö ber gütergemeinf d^aftlid^en @rb^
iolgc beim SBorl^anbenfein cinfeitiger 3lbf ömmlingc biefen gegenüber bei ber
X^ilung ber Srbfd^ft smifd^en il;nen unb bcm überlebenben ®l;egatten (§ 1384
.Sbf. 2, §§ 1394, 1395 2lbf. 1 ; Dcrgl. aWotioc iu § 1394 oben ©. 449).
Slnbcrft geftaltet fid& bagegeu beim (Eintritte ber gütergcmeinfe^aftlidjen ©rb^
folge baß 93cr^dltni6 gegenüber ben gcmeinfd^aftlid^en älbfömmlingen unb
irittcn ^rfonen, ju bereu ©unften ber uerftorbene (Sljcgatte über bic nad)
ber gciDo^nli^ett Erbfolge ben gemeinfd^aftlid^en Slblömmlingen unb bcm
.überlebenben G^egattcn julommcnben 3lnt^eilc an bem SJorbcl^altßgute ober
-Sonbergute beß oerftorbenen ©Regatten uon S^obcßmegen verfügt l^at. S)a ber
ubetlebenbe @^gqttc beim SSor^anbenfein uon gemcinfd^aftlid^en älbfömmlingcit
Jiad^ § 1384 alß älllcincrbc bejm. infomeit alß @rbc beß uerftorbcncn Gl)egatten
.berufen ift, alß er unb bie gemcinfd^aftlid^en aibfömmlingc bei ber SJorauß*
fffeung, bafe ®ütcrgemeinfd5aft jwifd^en ben ©Regatten nid)t bcftanbcn l;ötte,
2?*
452 Oüterflcmriuf d6af tl. ©iBfoIoc. ScrBcl&altö* u. ©onbcrflut b. (ScBlaff erg. § 1395,
alö gcfcfelid^c ßrbcn würben berufen werben, iinb ha bicfcö gütergemciu:^
f^aftUd^e Srbred^t bed über(ebenben @^egatten ate ä^ertragöerbred^t nad^ § 1385^
9(bf. 1 bc()QnbeIt toirb, fo würbe, tom formalen ©tanbpunfte ouö betro<i&tet^
bem übericbenben G^egatten aud^ bad %orbel^a(td« unb Sonbergut bed Der^
ftorbencn G^egatten, fomeit badfelbe nic^t ben einfeitigen 9[bf5mmHngen be^
fclben mä) ber gcfefelid^en ©rbfolgc jufommt (§ 1384 3Ibf. 2, § 1395 Slbf. 1)^
ücrblciben unb iljm gegenüber eine JBcrfügung von S^obcöroegen von Seiten
bcö Derftorbenen ©Regatten über bic i^m als 5Bertrag«erben iuftel^enben älntl^ile
an bem 93orbel^altö* unb ©onbergute bcdfclben unroirffam fein. S)iefer formalen
jtonfequenj gegenüber mug ober bod moterieKe ^rinjip jur ®eltung gebrod^t
werben, ba| bei bem (Eintritte ber gütergemeinfd^aftlid^cn ©rbfolge bic Be-
rufung 5u bem JBorbel^altös ober ©onbergute beö wrftorbenen G^cgottcn fid^
nad) bcnienigen SSorfd^riften beftimmt, wefd^e für blefelbe mafegcbcnb fein
würben, wenn }wifc^en ben ©Regatten (Sütergemeinfc^aft nid^t beftonben ^fitte
(§ 1395 3lbf. 1). ©aö gßefen beö aSorbe^alW unb beö ©onbcrguteö befielt
gcrabe barin, baß bie SBirfung ber allgemeinen ©ütergemeinfd^aft — abgefc^en
baoon, ba^ ha^ <Sonbergut für 9led)nung bed ©efammtguted uerwaltct iDirb*
(§§ 1351, 1411 9lbf. 2, § 1418) - fid& auf baö «orbe^alte* ober Sonbcrgut
eines ßl)egatten nidjt erftrerft. Sie« mufe, in Uebereinftimmung mit bem be*
fte^enben Siedete, an6) von ben befonberen erbred^tüdjen SBirfungcn ber oH-
gemeinen ©ütergemeinf^aft gelten (oergl. preufj. SÄ. S. SR. II, 1 §§ 635, 636)-
3n erfter Sinie ift bal)er für bie ©ntfdbeibung ber grage, weld^en ^erfoneu bad
3Sorbel;altd* ober Sonbergut jufommt, eine von bem oerftorbenen ©Regatten in
biefer .^infidjt getroffene 58crfügimg t)on 2^obeöwegen mafegebenb. 3»i 6r*
mangelung einer fold&en SJerfügxmg treten bie ©efefeeöerbcn ein, unb jwar
crf)alten bie einfeitigen 9lbf5mmlinge wie ber überlebenbe ©begatte ben i^ncn
nac^ ber gefeblic^en Erbfolge jufommenben 9lntl|eil an bem ^orbc^altdgute in
i()rer ©igenfc^aft olö gefefelid^e ßrben bejw. als gütergemeinfd^aftlid^cr ©rbe^
wäljreub ben gemeinf^aftlid)en älblommlingen, ba biefelbeu nid^t alö SRiterben
bcnifen finb, ber auf fic nad^ ber gefefelid^en Erbfolge fallenbe Snt^eit an bem
äJorbeljaltö* ober ©onbergute als burd^ aSermödjtniß befcbieben gilt (§ 1395-
9lbf. 2 ©ag 1). ©in genügenber (Srunb, in ©rmangelung einer SBerfügung
Don ^obedwegen ben Überlebenben ©fiegatten oon bem il)m nad^ ber gefe|(id^eu
©rbfolgc julommenben älntl^eile ju einem 93iertel audjufc^Ucgen, liegt nid^t vor.
3lubererfeitd geljt ber Gntwurf baoon auö, bafe ber ©rblaffer für ben gall bed
©intritteö ber gütergemeinfdjaftlic^en Grbfolge über [mtn Slnt^eil bed übcr^
lebenben ©Regatten oon ^obeöwegen frei verfügen tann, o^ne baß bem festeren
ber Setrag beö gefe^lid^en ^flid^tt^eileö oon bem Jßorbe^altd* ober ©onbergutc
freigelajfen ju werben braudjt. SBill ber überlebenbe ©begatte fidb nic^t babci
berut)igeu, fo ftel^t eö it)m frei, bie gütergemeinfe^aftlid^e ©rbfolge audjufd^lagcn
unb feinen '^Pidf)tt^eildanfpnid^ geltenb ju mad)en (§§ 1386, 1975). SDiefe ben
allgemeinen ©runbf^^en über baö $flid^ttt)ei(dred[)t entfprec^enbe Se^anblunc)
ber Sadfie ift im .^inblirfe auf ben Sluöna^mefarafter, weld^en bo« Sot*
beljaltö^ unb bas Sonbergut bei bej: allgemeinen ©ütergemeinfc^aft ^aben, un^^
bebeuflidf) unb im 3utereffc ber SUereinfadjung beö ©efc^cö auA üld on-
gemeifen in eradjten.
tSüterflcmrinf^aftl. ertfoloe. aSorktaltS' u. ©onfcergut b. örBIaffera. § 1395. 453
Änberd üegt bagcgcn bic Sac^e in 9lnfc]^ung bcr flcmcinf(^QftIid&cn ^Pi^tt^ti«.
Sbfömtnlinge. SBcnttßlcid) biefclben in 5!lnfcl^img beö SBorbcljoItö' xinb bcß ^m!maH^
Sonbcrgutefi bcfi ocrftorbencn ©Regatten formcD nid)t bic ©tcUung von ©rben, ^}^^^^^^
fonbcni von 33crmäd^tni§nel&mern l^obcn, fo cntfpridjt cö bod& bcm ©nmbfatjc """ *"^*
bcd § 1395 9(bf. 1, bag fic infon)eit materieU ate gefeglid^e @rbcn beljanbclt
loetbcn unb il^nen beö^olb ein nad^ bem Umfange beö S3orbeI)a(tö^ iinb
@onbergutcd^ unter ^{id^tberucffid^tigung \\)xt& 9lnt^ci(cd am ©cfammtgute ju
tcfüntmcnber^ and bcm SSorbcl^altö« unb Sonbcrgutc }u berid^tigcnbcv ^^flid)!-
t^toanfpmc^ eingeräumt mirb unb in biefer Seiic()tmg bic crbred^tUdEien S3or«
{d^riftcn über ben ^flid^ttl^ei^ beffen Sntjie^ung imb über ben Slnfpntdg auf
bcn aufecrorbcntlic^en ^fliddtt^cU (§§ 1975 ff.) entfprcd^enbc 2lnwenbung
finben. gm 3«tercffe ber SJerbeutlid&ung bcö ©efefecd ift bicö im § 1395
^. 2 Sag 2 audbritcilid^ auögefproc^en.
S)a bcr ubcrlcbcnbc ©begatte baft SJorbeljaltö* bcjU). Sonbergut, f oracit «"^«^«^^^^|;'^
badfelbe nat^ ben Seftimmungcn bcö § 1395 Slbf. 1, 2 nic^t i^m, fonbern ben ^u^^vT^
f|rmcinf<!^ft(id^en SCbfSmmlingcn ober benienigen anberen ^crfoncn ocrbleibt, ^«^«"^'^""^
lochten bcr @rb(affcr badfelbc burd^ SSerfügung von 2:obeön)cgcn jugcmenbct
^t, nadSi SRaggabc ber allgemeinen erbrcd^tUdjcn 93cftimmungen fofort, b. I).
Dor Stuflofung ber fortgefegten ©ütergcmcinfcbaft auöjufc^rcn ucrpPit^tct ift,
TD%enb er bifi iur 3lufIofung bcr Icgtercn im ©erifee unb ©enuffe bcö ©c-
fammtguteö ocrbleibt^ fo wirb {mifd^cn bcm fibcrlebcnben ©Regatten unb ben
gcmeinfd^ftlic^en 9lbf5mm(iugen beim, ben bcicid^netcn anberen $erfonen eine
Suöeinanberfegung 5um 3n)edc ber Ermittelung bcö 93orbel)altö^ unb Sonbcr^
Ütiteö crforberlid^. S)abei ift eö f clbftt)erftänbli(^ , bag @rfaganfprädbe, meldb^
bcm oerftorbenen @l^egattcn }u ©unften feincö Sßorbel^attö« ober Sonbergutcö
«n baö ©cfammtßut juftel^cn (§ 1365 9lbf. 2, § 1367 2lbf. 2, § 1368,
§ 1369, § 1851 9lbf, 2 ucrb. mit § 1420), ju bem SSorbc^altö* bcjm. ©onber^-
julc geboren unb biefcm alö Slftiüum f)inäujured)ncn fmb. Slnbcrerfcitö
muffen ober bieienigcn %erbinblid)feiten beö @rbla)ferö, meldte fibcrl^aupt nid^t
^ommtgulöDerbinblid^fciten pub (§ 1362) ober im SBer^ältniffe ber ©Regatten
jtt cinanbcr bcm erblajfer allein jur Saft fallen (§ 1367 9lbf. 2, § 1368), alö
^inberungen beö SSorbc^altö« ober Sonbcrgutcö auö biefcm uorab berichtigt
werben. S)ieö im § 1395 5lbf. 3 bcfonbcrö ju betonen, ift für not^menbig
eraii^et, ba fonft in 3w^if^l ßCiogen werben tonnte, ob ber ubcrlcbcnbc ®()C'
gotte biefeö Siedet gegenüber ben alö $ermäd)tnignel^mem auftretenben SSejugö^
bcret^tigten mürbe auöüben f5nnen. 3^ ^^^ ^iemad^ uorab )u berid^tigenben
Seibinblic^feiten gebort audb bcr einem gemeinfd^aftlid^en Slbfommlingc nac^
9ia|gabe bcö § 1395 Slbf. 2 auö bem ^orbc^altö^ unb Sonbcrgutc ju gc-
loa^renbc $f{t(^tt^eil.
Sßie in ben Slßotiuen ju § 1394 ^croorgel^oben mürbe, babcu im ^allc äcudgiei^ung
bcö (gintritteö bcr gülcrgemeinfd^aftlid^en ©rbfolge beim 5Borl)anbenfein ein- g^J*^ *^i'j„
feiüger 9(btommlinge bie Icgtcren bejm. an ©teile ber gcmeinfd^aftlic^cn Slb^ »»«w«« »><«
fommlingc ber ubcrlcbcnbc Gfiegattc bei bcr 2^l)eilunfl bcr Crbfd^aft iioifdjen »mmiinj^en.
i^ unb ben einfeitigen älbfommlingen ba& SSorempfangene nai) dl^aggabe bcr
cHgemeincn crbrc^tlid^en 93cftimmungen ol)ne dlüdfic^t barauf ju lonfcrircn,
ob baöfclbc auö bcm ©cfammtgutc ober auö bcm SSorbc^altö* ober ©onbcrgutc
454 Oüteröemeinf d&aftl. örBfolflc. SSorbcJoItö- ii. ©onbcrgut b. (SrMafferö. § 1395.
bcö @rbla|fcrß Ijerrülirt. SBon Scbcutung wirb aber bic ^crhinft bcö SSor^
empfangenen unb naä) ailafegabc bcö § 1394 bei ber S^^eilung ber ®rbfd^aft
äwifd^en bem übcrlebenben ©Regatten unb ben einfeitigen Srbfommlingen von
ber einen ober anberen ©cite Äonferirtcn bei ber ^eftftellung bcö bm gemein*
fdfiaftlici^en Slbfommftngen naö) § 1395 3lbf. 1, 2 julommenbcn unb fofort
QUöjufefirenbcn Slnt^cileö an bem S3orbcl^altö= ober ©onbcrgute. 3e no^bcm
baö aSorempfangene unb Äonferirte bem ©efammtgutöant^cite ober bem Sor*
befialtSs unb ©onbergutc jugcrcdjnet wirb, fann bieö im ^inblictc borouf, bofe
ben gemeinfd&aftlidfien 3lb!ommiingen il&r S[ntf)eU an bem erftercu crft bei
Stuflofung ber forlgefegten ©ütcrgemeinfdEiaft, ber änt^cll an bem leßtcren
fofort fjeraudjugeben ift nad^ 93erf(i^iebenl)eit ber ^fiUe balb bem überleknbni
®f|cgatten auf Äoften ber gemeinfd^aftlid^en.Slbfömmlinge, balb ben leßtcrcn
auf Äoften bc« erfteren jum SSort^eile gereichen. Um gegenüber ber ©eltenfieit
ber gälle beö 5Borbel^aItös ober ©onberguteö nid^t in eine imnöti^igc unb rniö»
lid^e Äafuiftif ju gerat^en, ift eö dfs angemeffener erad)tet, im ®efe|e nur baö
allgemeine im § 1395 3lbf. 4 bejeid^nete ^ßrinjip auöjufpred^en, bie ©ntft^cibuiig
ber fpejieHen ^age aber, bei mcld^cr SKaffe baö Jlonferirte bei ber äufi*
cinanberfegung bed ©efammtgutöantfKiI^d unb bed SSorbetjaltd* unb @onber«
gutes in Slnfäg ju bringen ift, ber SBiffcnfd^aft unb 5ßrcifiö ju überlajfen;
wcfci^e tJorauSfid^tUd^ uon fefbft bal^in gelangen werben, bafe in ®rmangelun(j
anberweiter mafegebcnber Seftimmungen bed tjerftorbenen ©Regatten barauf
gefe^en loerbcn muffe, ob baö aSorempfangenc auö bem ©efantmtgute ober au*
bem aSorbel^altö« bejw. ©onbergute gefommen fei, unb bafe bemcntfpred^cnb
baö Äonferirtc bem erfteren ober bem Ie|teren zugerechnet werben muffe, boft
aber folc^c SÄnorbnungen beö tjerftorbenen @f|cgatten über bie Slnretj^nung bei
ber einen ober anberen SWaffe, burd^ welche inbireft in baö t)ertragöma6igc
gütergemeinfd^aftlic^e ®rbred^t beö übcriebenbcn ®^egatten eingegriffen wirb,
nad^ § 1385 SKbf. 1 gegenüber bem flberlebenben ©begatten feine SBcod^tiinj
fmbcn. SÄuö * fi^nlid^en Srwögungen finb oud^ borüber feine befonberen 9Sor*
fd^riften gegeben, inwieweit baöjenige, waö bie gemeinfd^aftli^en Slbfommlingfe
Vorempfängen l)aben, unter benfelben bei bet S^^eifung beö SBorbe^altö^ xmb
Sonberguteö ober erft bei ber S^^eilung i[)reö 3lntf|eileö an bem ©efammtgutc
ber fortgefegten Oütergemeinfc^aft nad^ 3luftöfung ber (enteren (§ 1408) ju
fonferiren ift.
3lud^ bei ber 33eftimmung beö nad) § 1395 äU)f. 2 ©afe 2 ben gemein«
fc^aftlid^en 3lbfommIingen in 3lnfel|ung bcö SBorbel^attö* unb ©onbergutcö ju*
ftc^cnben orbentlid^en unb aufeerorbentlid^ert 5ßflid^tt^ei[eö ift bic gragc oon
Sebcutung, inwieweit bie Slbfömmflngc bic -in bicfcr §infid^t nacft ben ertl^
rcd&tUd^en ©runbfäfeen über[)aupt ju berüdfid^tigenben, auö bem ©cfammtgute
ober auö bem SBorbeJ^altö^ unb ©onbergutc erfolgten Swi^^J^bungcn bcö Crb«
laRerö \\6i auf il)ren ^flicbtt^eil t)on bem aSorbefialtö- ober ©onbergutc ober
crft auf i^rcn Slntficil an bem ©efammtgute ber fortgefegten (Sütcrgcmeinf^oft
bei 3luflöfung ber Icftteren anredi^nen laffcn muffen luib inwieweit bcrartigc
3uwenbungen ben aufecrorbcntli^en 5ßflid^ttl|eiteanfprud) in Slnfc^ung bcö
93orbcf)aItös unb ©onbergutcö bcgrünbcn. 3luö ö^nlic^en (Srünben, wie bie*
icnigcn, wcld^e ben Gntwurf beftimmt f)aben, im § 1395, abgefe^n üon ber
Hortßefc^te ®ütcrflemcin|$aft. ©cfammtöiit § 1396. 455
acfKmmung bcö § 1395 9lbf. 4, bcfonbcre SBorfdjriftcu über btc Kollation
nid^t aufjunc^mcn, ift and) bic ßntfdjcibung jener baö ^ffid^tt^eilöredjt bc^
trtffcnben ^ta^cn ber SBiffenfd^aft unb 5ßrariö übcrlaffeu.
g
1396.
Xic Scftitnmuno beö § 1396 Slbf. 1 eutfprid^t bem SBefcn unb 3«)ecte ^""^^^^^^
bcr fortgefe|tcn ©utergemcinfd^aft unb ftc^t mit ben auf betn ^oben ber scmeinfc^aft
Iftlercn ftc^cnbcn SHcc^tcn, inöbefonberc mit bem lüb. Siechte (üergl. Seuffcrt u,„fa„ß be<
XXXV 39), bcn fd&Icfin), l^olft. SRcd^ten unb bem SHed&tc von aWünftcr, ferner ^'^^^^
mit ber lippc^betm. 93erorbn. v. 1786 § 19, bem SRec^tc üon Sigmaringen,
SJambcrg unb Sljurnau, fomie mit bem roeftfäl. ®ef. ü. 16. äpril 1860. § 10
fibcrcin (oergL aud^ odnobr. @ntn). § 13 ; mürttemb. @ntm. § 301 ; . eieren::
breitft. entw. §§ 51, 92). 31uä bem § 1396 2lbf. 1 ergicbt fidj, bafe auä)
baft jum 9la(^(af[e bed üerftorbenen ©Regatten gef)örenbe äSorbe^altd^ ober
6onbergut bcö leiteten, foweit badfelbe naä) § 1384 älbf. 1 bem überlebenben
Statten ate gütergemeinfd^aftUddem @rben iufoUt, Dorbe^altlid^ ber $or«
Wriften bcö § 1395, ©efammtgut ber fortgefefeten ©ütergemeinfd^aft wirb,
nic^t minber badjenige, wod ber überlebenbe ®l^egatte etn)a auf ©runb emed
Sermad^tniilci», mit welchem ber ©rblaffer bcn ®rbtl&eil eineö cinfeitigen älb-
fornmlingeö belaftet l^at (§ 1384 9lbf. 2), ober auf (Srunb einer oon bem
erbtoffer nac^ SKafegabc bed § 1385 äbf. 1 Saß 2 getroffenen aSer^
fügung erhält.
2)o6 baö biöl^erigc aSorbc^altö* ober ©onbergut bcö überlebenben Gl^cs *^''^^""*'^
gatten biefe Sigenfd^aft auc^ für bie .fortgefegte ©fitcrgemeinfd^aft bc\)aitlutt>Jl^'0
(§ 1396 attf. 2 Saft 1), rechtfertigt p* bur^ htn Sroerf jenes ®uteö, meiner ^^'^^^^^"^
gerabe barin befielt, bie @inn)irfung ber allgemeinen (Sütcrgemeinfd^aft unb
mithin aud^ bic Stad^wirfungen ber (egtercn im ^aUe ber äluf(5fung bcrfclbcn
bur^ ben Sob eineö ber ©Regatten in 9(nfe§ung ieneö ©uteö auöiufc^Ucgen.
Jlk Seftimmungen beö § 1396 älbf. 2 Sag 2, 3 ferner berul^en auf ä^nlid^en
Cnoagungcn, roie bic »efttmmungcu ber §§ 1347, 1351 2tbf. 1 SRr. 2, 3.
Dag, mcnn bie S^efrau ber überlebenbe ^i)cil ift, in 9InfcE)ung beö
Sonbfrgutcö ber (S^efrau bie SSorfd^riften über baö Sonbergut beö S^emanneö
gelten (§ 1396 Stbf. 3, § 1351 aibf. 2, § 1417), ftcl)t im (ginflange mit ber
fonftigcn Stellung, weld^e bie ©defrau bei bcr fortgefegten Oütcrgcmcinfd^aft
einnimmt (§ 1399).
2Hc im § 1396 Sttf. 4 auögefprod^ene Slnroenbbarfcit bcr §§ 1349, 1414 eurroflation.
auf baö 93or6c(jaItö^ bejm. Sonbergut bcö überlebenben ©Regatten btmf)t auf
benfdben Sntmgungen, meld&c ju bcn Seftimmungcn bcr §§ 1349, 1414 (ocrgl.
§ 1351 abf. 1 3lr. 4) für bic e^clid^c ©ütcrgcmcinfdfiaft geführt Ijaben.
Xnlangenb bic Seftimmung bcö § 1396 2lbf. 5, fo cntfprid^t cö bem ®e? «»^»«f«» «*«««
banfen bcr fortgefegten ©ütergemcinfc^aft, waö) welkem ber Sefig unb ©enufe ^^^^tb^
bcö c^li(j^n ©efammtguteö bem überlebenben @l)cgattcn erhalten werben, boö »mmrinöe«.
c^lii^e ©cfammtgut aiiä) nod) im gallc bcr Sluflöfung bcr ©ütcrgcmcinf^aft
buni[) ben %ob eineö bcr 6l)egatten bic gunftion bcö SUcrmogenö beö über*
bbenbcn ©Regatten ^abcn foü, bafe jroar bcr fünftige ©rmerb bcö legteren.
456 gortflefe^tc ®üteroemcln[*aft. OefammtguL § 1397.
nid^t aber a\i6) bad SSermögen, tueld^cd ein gemcinfd^aftUd^er äfbfömmling jnr
Seit bcö a;obcö beö üerftorbenen ei^cBattcn l^at ober fpStcr cnüirbt, ju bcm
©efammtflutc bei* forfgefegtcn ©ütergemeinfddaft gel)ört. 9luc^ biefefi (entere
aScrmögcn in baß ©efammtgut fallen ju loRen, würbe iiber bcn ^xo^d ber
fortgefefeten Oütcrgemeinfdöaft Ijinauögel^en unb jubcm eine nid^t ju rcd^t*
fcrtigcnbe Sefd^rönfnng ber perfönlid^en Selbftönbigfeit ber 9lbtömmlingc burc^
bcn ©ütergcmeinfc^aftöoertrag ber @^cgatten mit fid^ bringen. Sßit bem
©tanbpunftc beö ©ntiourfeö ftimmt and) bie Sftelirjal^I ber auf bem Sobcn
ber fortgefefiten Oütergemeinfdjaft ftc^enben 9led)te überein, inöbefonberc baö
lüb. SWec^t, bie fc^lcöro. ^olft. SÄed^te, bie SÄed&tc von SRünfter, fabeln, aitc
Sanb, ©igmaringcn, Grbad), »omberg unb 2:^urnau, foioie ba« meftfdl. ®cf.
\). 16. äpril 1860 § 10. 9luf bemfelben ©oben fte^en aud^ üielc berjenigen
Sted^te^ nad) loeld^en bem Überlebenben G^egatten baft gan^e el;elid^e ©efornml'
gut auf ©runb bed .ftonfolibationöpriuiiped ober beö älHeinerbred^teö suföllt.
3lx\x Dereinjelt mad^en bie befte^enben 9led^te eine 9ludnal)me, t^eild in 9e«
jie^ung auf ©rbfd^aften, wetd^e ben Slbfommlingen üon Slöjenbenten beß crfl*
Derftorbenen ©Regatten anfallen unb, xotixn bie G^e nod) fortgebauert t)ättc,
in bas el;elid^e @efammtgut gefallen fein würben, t^eild aud) in Sejie^ung
auf anberen ©riDerb ber 2lbfömmfinge. 2)a^in gel^ören infibefonbere bie
Siechte von SBürjburg, ©d^weinfurt unb Caftell, bie lippe-betm. JBerorbn. v.
1786 § 19 foroie baö tüneb. 9led&t. Slürfric^ten ber Silligfeit vermögen icbod^
bcrartigc Sluötmljmen nid&t ju rechtfertigen, ba bie gortfegung ber ®&ter^
gemeinfdjaft nur ju ©unften beö Überlebenben G^egatten ftattfinbet unb ber
tefetere nad) § 1403 9?r. 5 eö in ber $anb l)at, Jeberjeit bie Äuflftfung ber
fortgefetjten ®ütergemeinfdf)aft burd^ feine einfeitigc Grflärung Ijerbcifü^ren ju
fönnen.
§ i;J97.
«ntjie^unrt, Die Uebertraguug ber SJorfd^riften ber §§ 1343—1345 auf baö ©efammt«
* oeSmtntV* gut ber f ortgefegteu (Sütergemeinfc^aft red)tfertigt fid& burd^ bie 3lnatogie biefea
flutevj. ©cfammtguteö mit bem eljelid^en ©efammtgute unb, fooiel inöbefonbere bie
entfpred^enbe 9lnmenbung ber §§ 1344, 1345 betrifft, burd^ bie befonbere
9latur unb bie famifienrcd^tlic^e ©ninblage ber burdö bie fotlgefeftte ®üter*
gemeinfd)aft jtoifc^en bem Überlebenben ©begatten unb ben gemeinfd^aftlid^en
9lbfömmlingen begrünbeten ©emeinfdbaft (oergl. wegen ber ©dblufebeftimmung
beö § 1343 bie preufe. ©runbb. D. § 50 »bf. 2). Smeifel^aft fann eö aller*
"ubSifSib ^*"Ö^ ^^"^' ^^ ""^ inwieweit aud^ bie Unoeräu|erlid^feit beö einem 9[bfomm^
nnoererMt(9« Uuge jufteljenben Slntl^eileö an bem ©efammtgute nad^ aßaggabe beö § 1345
'"\^Vue*"' 9tbf. 1 anerfannt unb in Sßerbinbung bamit awd) bie aSererblidjifcit bicfeö Sm
ttjeiteö auögefc^lofjen ober befd)räntt werben foU. ^laä) benienigen Sterten,
weldje bem übertebenben Gfiegatten boö ganje ©efammtgut fraft ^onfolibation
ober 9llleinerbred)teö jufaHen laffen, l;aben bie 3lbfommlinge üor bem Gintritte
beö 6d)id)tungöfalleö ein 3)Mteigentl)umö2 ober ein fonftigeö gegenwSrtigcft
a3ermögenöred)t an bem ©efammtgute nod^ nid^t erworben; fie fönnen ba^
ein fol(^eö wcber üeröufeern nod^ »ererben. Sie b^ben nur ein unentjiebbareft
Grbredjt, unb erft mit bem Gintrittc bcö Sd^id^tungöfalleö entftebt für fie ein
Scrtocfc^tc ®üteröemeinf*aft. ©efammtöut. § 1397. 457-
fcttftänbigcö, fcftcö SRedjt. S)icfcr 3citpunft ift ba^er aud) ollcin cntfd)cibcnb
für bic ^rfon bcr Scrc^tifjtcn, b. f). nid)t bic juv Seit bcö 2'obeß bcö erft=^
öcrftorbencn ©l^egatteii, fonbcni bic jur 3eit bcö Se^idötungßfalleö üor^anbcncn
Äinbcr finb an ber Sc^id^tung 2:i^ci( ju ucl^mcn bcrcd)tigt; bod; treten, vok
bei ber gefe|Iid^cn ©rbfolgc ber Scöjenbenten, audj f)iev an bie ©teile cincö
©erftorbcnen Äinbeö bcffen 8lbtommlinge. S)iefc ©niubföfec werben für bie
owf bcm aSoben bcr Äonfolibation ober bcö Snicinerbrcd^tcö beö übericbenbcn
ß^Qtten ftc^bcn 9lcd)tc alö gemeinrc(i^tlid)e anerfannt, inöbcfonberc in
Sronen uub Sßcrbcn beim Uebericben bcö e^emonneö, in Hamburg, ^ilbcö*
fftim, Oöuobrücf, SKcppen, SBcnt^cim, gulba unb von bcn ba^r. SRcd^tcu mit
SBeinerbrcd&t beö übcriebenben ©(jcgatten (SBürjburg, Sdjrocinfurt, ßoftelt
6i(6ftäbt, ^appen^cim, SBinbö^cim, Jlörblingcn, Dcttingen, SBeifecnburg, Souf-
beuren). ^rinjipieü einen anbcrcn ©tanbpunft nel^mcn bicicnigen Siedete ein,
ioel<l^ von ber fortgcfcfeteti ©ütergemcinfddaft im engeren Sinne onögcl^en unb
bemgemäB ben beim 2;obc beö Dcrftorbenen ©Regatten Dor^anbenen Jtinbem
fofort aftioc Siedete an bem gcmeinfd)oftIid)en aSermögen beilegen. Die ^icranö
{t<| ergebetibe ftonfectucn), bog bie Jlinber über bie i^nen bereitö erroorbcncn
Siebte an bcm ©cfammtgutc unter Sebenben unb von ^obeöroegen verfügen
ßnnen unb jene Mcddte t)crerbcn, mitliin beim 3::obe eincö Äinbeö beffen 9lc^tö=^
nad^folgcr beim Eintritte bcö @^id)tuugöfaUcö fd^ic^ttl^eilöbercd^tigt finb, mirb
inbefjen nur t)on einigen jener SRed^te oljuc mefcntUdjc SWobififationen gejogcn,
fo inöbcfonberc in Sremen unb Serben beim Ucbcrleben bcr SKuttcr unb in
SJmgcn (oergl. anä) c^rcnbrcitft. ©ntm. §§ 50 ff. rüdfic^tU^ ber 2)tobiIiar>
gcmcinfd^aft). 2)agcgcn entJ^alten uiele anbere an fiä) auf bem 93oben bcr
fotlgefc^tcn ®ütcrgcmcinf(^aft im engeren ©inne ftel^enbe SRcd^tc bcfonberc Sc*
ftimmungcn, burc^ meldte bic aScräufeerlidöIcit unb aScrerblid^fcit bcr einem
3Uommlinge an bcm ©cfammtgute juftet)enbcn Siedete mc^r ober mcniger bc*
)(^nft n>crbcn unb im praftifd^en ^cfu(tatc eine Slnnäljcrung an bicicnigen
Siebte ^crbeigcfu^t wirb, meiere baö Äonf olibationöprin^ip ober baö äniein-
crbre4it bcö übericbenbcn ©Regatten anerfennen. 3^ i^^cn SRcd^tcn gel)ören
namcntlid^ baö lüb. SRcd^t (Dcrgl. entfd&. b. SR. D. ^. ©. IX, 77 ©. 258), baö
(Kmib. Siedet, baö JHcd^t von SKünfter, bic lippe^bctm. aScrorbn. v. 1786 § 19
unb baö TOcftfiil. ®cf. v. 16.- Slpril 1860 §^18 (oergl. aud& lüürttcmb. Gntm.
§§ 307, 321, bcn bcm mcftfäl. ®cf. v. 16. aipril 1860 [xd) anfd^Iic&cnbcn
oönabr. Qntm. § 18 unb bcn rfirffid^tlid^ bcr aUg. Oütcrgcmcinfd&aft ebcnfallö
ienem ©efe^c folgenbcn cl&rcnbrcitft. ßntto. § 93). Unücrfennbar tritt in
biefen 9lcc^teu bic 2:cnbcnj I)erüor, baö SSerl^&Itnig fo ju bel^anbcln, mie rotnn
crft mit bem Eintritte bcö ©c^id^tungöfaücö bic (Srbfd^aft beö Dcrftorbcncn
Glatten bcn äfbfömmlingen angefallen märe, unb nur in ciniclncn ^c^
jungen älbmcid^ungcn von bicfcm ©runbfage }u geftatten. Dicfc SIrt ber
@efuiltung, mcld&c fxi) alö eine aScrmittcIung amif^cn bcnjcnigen Siedeten
baifieOt, meldte nur eine ©ufjeffion in baö ©cfammtgut alö ©anjeö eröffnen,
unb jmifd^en benjcnigcn 9{ed^tcn, meldte bcn älbfömmlingen fofort mit bcm
Sobc bcö crftDcrftorbenen ©Regatten ein ücrfiußcrlid^eö unb T)crcrblid)cö SSer-
migenörcc^t an bcm ©cfammtgutöantl^eitc bcö Ic^tcrcn beilegen, ift in bcm
Scfcn bcr aDgcmeincn ®ütcrgcmcinfd)aft begrünbet; fic cutfprid)t bcm Oe^
458 %citQtU^k ©ntcrßcineinfd&aft. ®cfammtflut. § 1397".
bonfcn, bafe bic ®Itcrn bcn Äinbcrn gegenüber afe eine Gini&cit gelten mxb bic
Suf^effion in baß ©cfammtgut für bic legieren ba^cr erft mit bem 2:obe beö
legtlebenben @(terntf|ci(cd eröffnet bejn). bm (enteren ein entfprec^enber Srfog
bafür gen)äl^rt iDirb. ä(ud biefem ©ebanfen folgt nid^t not^menbig, bog au^
bad SSermögen bciber @l^cgatten gegenüber ben Slbfommlingen a(d einl^eitltci^^
bc^onbelt werbe; oielmcl^r bcl^filt berfclbe aud^ bann feine SBered^tigung^ wenn
in bcn Stod^Iag eines icben ber @^egatten eine fe(bftönbigc, abgefonberte
©ufjeffion flott^nbet. SRit bem Äarafter bed ©cfamnttguteö ber fortgefefttcn
©ütergemeinfd^aft als eineö gcmcinfc^aftlid^en gamilieneigcnt^umeö, einer
©emcinfd^aft auf ®cbei^ nnb SBerberb, bei n)eld&er für bie bemnöc^fligc
2:^eilung ber SJeftanb bcö ©efammtguteö jur 3cit ber S^^cilung cinfd&lie6U(l&
beö bem überlebenben ©Regatten mö^renb ber fortgefefeten Oütergcmcinfd&aft
jugcfaDcnen ©noerbcß (§ 1396 3lbf. 1) mafegebenb ift, würbe cö nid^t oer*
einbar fein, wenn burd) bie SScräufecrlic^fcit unb SBercrblid^fcit ber älnt^ile
ber Slbfömmlingc an bem ©efammtgute frembartige, bcn gamilienintcrcRen
fernftcl^enbc ©Icmcntc in bic fortgefefetc ©ütcrgemcinfd^aft getragen werben
fönnten. ^ead^tensmert^e ©efid^tdpunfte la^tn fid^ aDerbingd bafür anfü^ren^
in 3lnlel^nung an bic »cftimmungcn be« meftffit. ®cf. o. 16. 3lpril 1860 § 16
eine älbfc^iDöd^ung bcd ©runbfaged ber Unuerfiugertic^feit unb UnoererbK^
feit ber ainti^eile ber Sttfommlinge bal^in eintreten ju la^tn, bafe ein W^
fommling fc^on mö^reub ber fortgefeftten Oütcrgemeinfc^aft über feinen
Stnt^eil an bem ©efammtgute unter Sebenben ober von S^obeöroegen gu
Ounftcn feiner 9lbf ommlinge , feines G^egatten ober ber übrigen ant^ibM
berechtigten Slbfömmlingc verfügen fann, in Ermangelung einer fold^
aScrfügung aber ber 3lntl^eil bcö tjcrftorbencn Sibfömmlingeö unter 3lwS*
fd^Iufe anbercr gefeglidöcr ©rbcn beö le|teren nur auf bie bejeidbneten ^erfonen
uercrbt wirb, ©afe geroiffe Sifligfeitö^ unb Swecfmäfeigfeitörürfftd^ten für
eine fofd^c SRcgcIung fid& geltcnb mad^cn laffen, ift nid^t }u ijcrfennen.
Scr cinjelnc Slbtömmling fann unter Umftänben ein crJ^cblid^eö 3ntcreffe
baran ()aben, feinen älnt^eil bem il)n überlebenben S^egatten ober einjelnen
feiner ©efc^mifter jujuroenbcn imb bercn Dcrmögenörcd^tlid^e fiage für bie
Sufunft JU oerbcffern beim. fidficrjufteUen. ©benfo mag cö i^m, rocnn er
j. 33. auöiumanbern beabfid&tigt, ermünfdbt fein, feinen Slnt^eil burd& 38er*
äufeerung an bie bejeid^netenr 5JJerfonen . öcrfilbem ^u f önnen. gwi^geben ift
ferner, bafe bie Stellung ber (Gläubiger beö Sibfömmlingeö unter Umftänben
eine günftigere fein mürbe, wenn ber ledere in ber ßagc mfire, feinen Slnt^U
an bem ©efammtgute ju uercrbcn. SlHein biefc 9lücffid^ten finb, abgefc^n
baoon, baß \xc erfieblid^ an ©cioic^t verlieren, wenn bic allijemeinc ®ütcr*
gcmcinfd^aft nid^t bcn gefeglidöen ©ütcrftanb bilbet, nid^t geeignet, eine S)utd^
brcdf)ung ber grunbfä|lid{)en ©eftaltung, ba^ bie Seerbung beö erftoerftorbencn
(Sf)cgattcn, foDicl bie aSeröufeerUd&feit unb aSererblid^feit bcö Slnt^eileö cineö
3lbfbmmtingcö an bem Ocfammtgutc betrifft, erft mit 3luflöfung ber fort^
gefegten ©ütcrgcmeinfd^aft als eingetreten angefe^cn wirb, ju rechtfertigen;
2^cr SJiUigteitörüdffid^t gegen ben überlebenben ©Regatten bcö üerftorbcnen
3lbfömmlingeö ftcl()t gegenüber bie 9lüdEftdE|t auf bie Statur beö @efammtguteö
ber fortgefegten (Sütcrgemeinfd^aft alö eincö gcmcinfd^aftlid^en Familien?
I
j
§crtßcff^tc ©ütcröemciuf^ift. ®cfammtflut. § 1397. 455)
ocrmöflcnö bcö flbcricbcnbcn ©ItcnttfjcUcö unb bcr gcmcinfdöaftUd)cn 3lMomm*
lingc unb bic (SnoSgung, baß burd) bcn Ucbergang bcö 3lutl)ci{cö bcs vcx^
fiortencn 3lbfömmlingc« auf beffcu ©f|cgattcn unter Umftänben bic 9lcd)te bcr
übrigen antf|cifebcrcd^tigten Slbtömmürtge unb bcft ubcrIcbcnbcn-6Itcrnt^cUcö
bccintröd^tigt werben. Dem Sntereffc cincö äbfömmUngcö, über feinen 9lnt^eil
om ©efammtgutc aus befonberen (Srünbcn fd^on üor SKuflofung bcr fortgefc^tcn
©ütergcmeinfdjaft perfügen ju fönnen, roirb burd^ bic SBeftimmungen beö
§ 1398 genügcnJb SRed^nung getragen, inbem biefc eö ermöglichen, bafe feber
Sbßmmling im SBBegc eine« axiä) bie tünftigcn ^f)eilf|abcr an bem ©efammt?
gute binbcnbcn 5Bcrtragcö iwifd^en bcm überlebenbcn G^egattcn unb ben xUrigcn
ant^ifebcred^tigteii S(bfömm(ingen für feinen* Slnt^cil an bem ®efammtgutc
abgcfunbcn werben fann. S)oiu fommt^ ha^ bie 2)urd^brcci^ung bcö in SHebe
fte^enben ©runbfa|eö, wie oud^ bie Grfalirung in bem ©ebictc bcö loeftfdl. ®c^
fc|cd gejcigt f)at, ju Riuni (Öfibarcn aSetwictelungcn xmb Sd^roierigfciten ffi^rt.
2ieö gilt nam^ntlic^, Wenn' man bic aSercrblid^fcit bed 3lnt^eitcö, roennglcid)
nur in benf bcfc^rönften Umfange, anerfennt. Sägt man ben 9lnt^cil Dcrerben,
fo ift inftbcfonbere niddt abjüfeden, roic berfelbc bei bcr auöeinanberfelung
unter bcn ©rbcn bcö Stbfommlingcd, bei bcr ^cflftellung beä ^fli(^ttl^cilcd unb
gegenüber ben ©Iftubigern berechnet merben foU, ba baö Siedet feinem l^n^alte
nct^ Don bem ©eftanbc beö ©efammtguteö jur 3cit bcr 3luflöfung bcr fort*
gcfeWen ©ütergemeinfd^oft abfiängig ifi. 9lud^ in anbcren JRidbtungen mürben
aus bcr befd^ränften aSererblic^fcit Sd^roierigfcitcn fid^ ergeben, meldten nur
burd^ bic SttufftcDung einer befonberen Grbfolgcorbnung für bic 3Cntt)eilc bcr
Sbfommlingc abgel^olfen merben tonnte.
8DBo^rcnb bic UnocrSulcrlid^feit bcö Slntl^eiled cincö 3lbfömmlingcö an J^Jj«*>^J«^
bem ®efammtgute fid) aus bcr für anmenbbar erftSrten SBcftimmung bcö »*
§ 1345 aCbf. 1 ergiebt, ift bic Unoci-crblic^fcit im § 1397 3lbf. 2 auögefprod^en. „SÄ
Suglcid^ fmb bort in golgc bcö Sluöfd^luffcö bcr 35crerblid^fcit bie 5ßerfonen x^u^aber.
bejcid^net, an mek^c bcr älnt^il cincö mäl)rcnb bcö ^cftel)enö bcr fortgefegten
©ütcrgcmcinfc^aft Dcrflorbcnen SKbfömmlingeö fällt, äci biefer äcftimmung
ift auö ben oben bargelegten (Srünben in SSerbinbung mit bem ©cftdEitöpunftc,
bofe megcit bcr nad^ § 1399 Slbf. l, § 1353 unter Umftänben mä^renb bcö
SJefte^enö ber fortgcfe|ten ®ütcrgemcinfd)aft erforbcrlid^en SWitwirfung bcr
Sbfömmlkigc bei gcmiffen Slcd^tögef^äftcn brö überlebenbcn @(|egatteu bic
Xnt^eilöbered^tigung an Stelle cincö ticrftorbencn ant^cilöbcrci^tigtcn 3lb*
tommlingeö fd^on mit bcm 3::obc bcö Icgtcren feftgcftcllt merbcn mu§, im 2111*
gemeinen ber ©ebonfc leitenb gcmcfcn, bag materiell bic Slcd^tölagc in ber
dicr fraglidjcn ^inftd^t fid^ fo geftalten muß, mic mcnn bie Scerbung bcö
ocrfiorbcncn ei;cgatten bur^ bic gcmcinfd^aftlid^en Slbfömmlingc erft jur 3cit
beö Sobcö bcö betreff enbcn Slbfömmlingcö eingetreten märe, unb 5mor burd^
bicicnigcn gemcinfd^aftlit^cn Slbfommlinge, wcld^c feine ®rben gemcfcn fein
roürbai, wenn er erft in biefem B^itpunftc geftorbcn märe. 3n biefer 3111:^
gemeinst auögefprodi^en, würbe jcbod^ baö ^rinsip für bicjcnigcn gälle, in
weiden ein gemeinfd^afttid&er 3lbf(5mmling für erbunmürbig erflärt (§ 1392
Slbf. 1) ober nad) üWaBgabc beö § 1388 üon bcr fortgcfefetcn ©ütcrgcmcinfd^aft
auögef^loffcn ift, ju einem unrid^tigen ©rgcbniffc fül)ren. itafe in ßrmangclung
460 gortöcfe^te ©ütcröcmcinfd&aft. Scrsid&t auf bcn Slnt^cir. § 1398.
von SlbfömmUngcn bcö t)crftorbcncn ontl^citebcred^tigtcn StbfommUtifleö imb
anbcrcr antl^cifebcrcc^tigter Slbfömmlingc bcr ä^nt^eil bcö Dcrftovbcncn 91b*
fömmlingcö an bcn gütcrgcmcinfd^aftliddcn ©rbcn filDt, cntiprid^t bcm ^xtKdc
bcr fortgcfefetcii Oütcrgcntcinfd^oft imb beu ©rünbcn, auf rocld)cu bic Un*
Dcrevblidjtcit bcä 9lntl)cilcö bcrul^t. SBic in bcn gätten bc« § 1397 aibf. 2
bcr 9lnfaU bcd 9(nt(|ci[cö bcö Dcrftorbcncn S^bfornmlingcd iuriftifd^ }u fon«
ftruircn^ ob insbcfonbcrc ein älffreöicnjrcdbt onjuncl^mcn ober baö Stecht eincd
icbcu älbfömmlingce a(ö ein oon bcr ^ebingung, bag er bcn 3<^itpunft bcr
3lufI5fung bcr fortgefc^tcn ©fitcrgcmcinfdjaft erlebe, abl^fingigcö 31^6)1 aufju-
faffen ift, fann bol^ingefteUt bleiben.
§ 1398.
*''* «J/'"'^ • 5Da burdö ^^^ § 1397 9lbf. 1 ücrb. mit § 1345 8tbf. 1 bcr 9Cntf>cil
fömmitngej cincö 9lbfommlingcö an bcm Ocfammtgute bcr fortgefegten ©iitergemcin*
^fflntfeir ^^^^^ ^"^' unoeränfterli^ crttärt ift, fo rourbe in ©rmangclung einer be«
fonberen Seftimmung ein Slbförnmling mcbcr im SBege cinfcitigcr @r*
flärung nod) im 38cgc cined Vertrages mit bingUd^er SBirhing auf feinen
9lttt^ei( am ©efammtgute ücrjid^ten Knnen, ein fo[d)cr SSerjid^t, aud^ menn
man bcnfelben für }ulöffig galten moUte, iebenfaUd bic Slblömmlinge bcö
SSerjid^tcnbcn, menn bcr Icfeterc Dor 5ÄufIofung ber fortgefeßten @üter»
gemeinfd)aft fterben foHte unb feine 3lbf6mmlinge nid&t feine Grben geroorbcn
fmb, wegen bcö bcnfelben in einem foldjen galle na^ § 1397 9lbf. 2 suftcl^enben
eigenen Sted^tcd auf bcn Slnt^eil bed äSerjid^tenben an bcm @cfammtgute nid^t
binben. S)iefed an ber ^anb ber allgemeinen ©runbffigc ftd^ ergebenbe Stefultat
fann aber ate ein befriebigenbeö nid)t angefe^en merben; oielmel^r mirb bic
3ulaffung eines binglid) luirtenbcn unb bic Slbfommlinge bcö 93eriid^tenben
binglidb binbenben aSersid^tcö burd^ ein bringenbcö praftifd^eö Scbürfnife ge-
boten, um einem 3lbfömmlinge bic SRögli^feit ju gerofil^ren, aud ber ©emeim
fddaft u5Uig audjufdjcibcn unb auf ber ©runblagc eines foldjen 33erji(f|ted
befjufö ber aSerljciratl^ung ober ber fonftigen SBcgrünbung einer felbftänbigcn
SBirtljfc^aft bie nötl&igen aWittet fic^ ju öcrfd^affcn. 2)ur(§ einen SBci^id^t mit
blöd obligatorifd}cr SBirfung mirb bcm SBebürfniffe nid^t genfigt, ba ein fold)er
'^crjidftt bie übrigen 2:i)eilt;aber ber Oemeinfd^aft, meiere bcm aSerji^tcnbcn
bie crforberlid^en SRittel gcroä^rcn foUen, nid^t gegen bie ©Iftubigcr bcö 93cr?
jid^tenben unb beffen Slbfömmlinge fd^ügt S)ag ber 93erii(^t aud^ bie ä(b-
!ömmlinge bcö 33crji^tcnben binbet, wirb burd^ bcn § 1398 9lbf. 3 jum 3Iu«*
«bfinbunc bructc gcbra^t. Um bcm praftifd^en SBcbürfniffc }u genügen, ift aber bie
meitere Seftimmung erforberlid), ba|, xotnn gegen bcn SBerjid)t eine Sftfinbuug
gcmölirt ift, in)ifd)cn bcm Überlebenben Gljegatten unb bcn übrigen 2^^!'
Ijabcrn mit 9Birffamfeit für bie fpätcrc Sluöcinanbcrfcfeung vereinbart werben
fann, bafe unb mie bei biefcr bie 9lbfinbung ju berürfftt^tigcn ift (§ 139S
9lbf. 4). Dlinc eine fold^c 33cftimmung mürben bie etroa fpfitcr an bic Stelle
ber Dcrtragfd^licfecnben 2:t)eil^aber nad) § 1397 Slbf. 2 fraft eigenen 9Ic(|ted
cintrctenben ^Ijcil^abcr bcr (Semcinfdöaft, namentlid^ bie 9lbfömmlingc jener,
mcnn fie nid)t Grben bcrfclbcn gcroorbcn finb, an eine berartige SBcrcinbanmg
Sortflcf. ®ütcr0cmcinfd&aft. gtcd&töftcaunö bcr Srjcilftabcr. § 1399. 4C1
ni(^t gcbunbcu fein; bcr über(ebcnbe S^ecjotte mürbe mithin ^ menn bic 9lb-
Rnbung a\i& bem ©efommtßutc erfoißt ift, ber ®efa^r auöflelegt, bafe bic bcin*
mi#ige Suöeinanberfcgung o^ne SRürffid^t auf bie flen)ä()rtc 3lbfinbunfl erfolgen
«nb er bal^er bic i&filfte ber legtcren felbft trogen müfete, obrool^l ber Slntljeit
bcs oufigef^iebcnen Slbfommlingcö nad^ § 1397 9lbf. 2 öcrb. ntit § 1398 9lbf. 3
ben übrigen antl^eitebered&tigten STbfömmlingen ju ®iitc gefommen ift unb bic
86finbung, xoenn mit berfelben eine t)oUftänbige Stuöeinanberfegung loegen bcö
(Sefammtgutcd oerbunben geroefen roäre^ bem Überlebenben ©Regatten nid)t jur
Saft gefallen fein mürbe. 3ft eine 5Bereinbarung barüber, in meld)er 9Q8eifc bie
gegen ben SBerjic^t gemS^rte S^bfinbnng bei ber bemitäd^ftigen Sluöeinanbers
frtung berüclftc^tigt mcrbeti foU, überhaupt nid^t getroffen, fo foU eö in biefcr
^infic^t bei ben allgemeinen ©runbfögen t)erbleiben, ba ftd) eine angemeffenc,
für alle gSBc paffenbc gefe|Ii^e Siegel für bie 9lrt jener S3erüdffi(i5tigung nid)t
auffieUen lä§t unb ben Set^eiligten überlaffen bleiben fann, in biefer Sejic^ung
bur^ geeignete Webenabreben bei bem 5ßerjid)tdt)ertragc SBorforge ju treffen.
SBBenn neben bem Dcrtragömä|igcn aSerjid^te eincö 3lbfommlingeö aud) ^wwefonbere
iwd) ber einfeitige »erjidjt beö lefeteren für juläffig erflärt ift (§ 1398 9lbf. 1, 2), *Ä"
fo rechtfertigt fw^ bicö burd& bic STnalogie ber ©runbföle über bic S)c*
reliftion (§§ 950, 872) unb bic Grmfigung, baft eö an einem auöreid)enbcn
®nmbe fe^It, ben Slbfömmling ju jmingen, in ber ®emcinfd)aft ju bleiben,
Simittl bic übrigen an ber ®emeinfd)aft 2^(jeil f;abenben 9lbfömmlinge, u)eld)cn
nöc^ § 1398 9lbf. 3 vnh, mit § 1397 3tbf. 2 ber SKntfjcil beö SBerjici&tenben an*
loäd^ft, burcft bic Sw^^ffw^fl ^^ cinfeitigen SBcrjidjteö nidjt bena^t^eiligt merben.
Sujerbem fann and) ber einfeitige Serjidöt unter Umftänben eine geeignete
©ninblage für einen Slbfinbungfioertrag ^mifd^en bem 33eräid;tenben unb einem
rinjelnen ber übrigen antl^cifeberedjtigten SlbfommUnge bilben, j. 93. menn
oufecr bem 33erji(j^tcnbcn nur nod^ ein anberer anti^eitebercddtigter 9lbfömmling
oor^nbcn ift ober ein einjelner SlbtBmmling mit 9flücffi(^t auf ben il)m in
Solge bed 93er}id;tcd anmac^fenbcn £f)ei( bcd STntljeiled be3 SScrjid^tcnben fid^
lur ©emä^rung einer Slbfinbung an ben leßteren bereit erflftrt. 9luö praftifdjcu
©rünbcn empfieljlt eö fid^ iebod^, ben cinfeitigen Serjidjt, menngleic^ bem
'Bei^id^tenbcu ^ier beftimmte ^erfonen als S3et()eiligte gcgcnüberfte^en , jnm
3iMrfe bcr abfd^neibimg ber fonft leid)t cntftel^enben S^J^ifcl ob in ber ^(jat
ein 98erjid^t beabft^tigt unb in meWjcm 3citP"nftc berfelbc als ooUenbet an-
iiije^ ift, nad) STnalogic beö § 1266 9tbf. 2 unb beö § 1403 9lr. 5 an bic im
§ 1398 3lbf. 1 beftimmte gorm ju binben, jumal eö fid) Ijicr glcid^faKö um
ben aSerjid^t auf einen SBermogenöinbcgriff fianbclt unb ber S8erjid)t nid)t bloö
gegenüber ben jur 3cit ber 9lbgabc bcr ©rKörung uorfianbcncn anttjcüö-
bcred^tigten 9lbf5mmUngcn 5!Birfungcn fiufeert.
§ 1399.
S^ie Scjiimmungcn beö § 1399 9lbf. 1 bcrutjcn auf bem bem 3mecfc «erwortunö
ber fdrtgefcgten ©ütcrgemcinfd^aft entfprcdjenben ©cbaiifen, bafe bcr übcriebenbc «cfmmnt*
G^gattc in änfcfjung beö ©efammtguteö ber fortgefcgten ©ütergemeinfd^aft, ä»"'^«-
nantcntfi^" fooiel baö SScrmaltungö* unb 9Scrfügungörcd)t wni bic 93cr^
462 gortgcf. Oütergcmeinf^aft »cd^töftcttung bcr ateil^aBer. § 1399.
antmovtU^fcit liegen ber SBermaltinig gegenüber ben SlbfömmUngeu betrifft^
im äCQgemeinen bieienige ccc^tUd^e Stellung^ tuel^e iDöl^renb ber eJ^elid^cn
©ütergcmeinfd^aft bem G^emanne, bie Slbfömmlinge bagegen bieienige redbt-
UdEie Stellung einnel^men, n)eld^c rofil^renb ber c^elid)en ©ütergemcinf^aft bcr
6f|cfrau iufommt. Sied ift Dorn)iegenb anä) ber Stanbpunft bed geltenbcn
dici)tc&. 3lnx naä) einigen Steckten ift ber fiberlebenbe S^egatte no6) freier
geftellt ate ber G^emann n)ö^renb beftel^enber @^e^ bejn). in feinen Siedeten
me^r eingefc^ränft, olö ber lefitere (üergl. ©euffert VII, 63, XIV, 99,
XVI, 227, XXXI 341, ©ntfc^, b. SR. D. $. ®. XXXUI, 57; bie Siedete von
Bremen, Sterben, Singen, bie fd^ledn). I^olft. Sted^te, baö lüb. Sted^t, bie lippe^
betm. SBerorbn. r>. 1786 §§ 19, 17, 22, bie 9led(|tc von Sigmaringen, ©rbad^,
SBamberg, bad roeftfäl. @ef. v. 16. Slpril 1860 § 10; odnabr. Gntro. § 13;
uebertroflÄ- cJ&reitbreitft. @ntn). § 92; württemb. ®ntn). §§ 303, 304). a^nlangenb inß*
"^^ ^^ befonbere baö roeftfSl. ®ef. o. 16. 3lpril 1860 § 10, fo ift na^ bemfelben ber
iiberlebcnbe ß^egatte neben ben|enigen Siedeten, toeld^e nifi^renb ber (S^e bem
@^emanne )uftel)en, für fic^ allein bered^tigt, bur^ fog. Uebertragöoertröge bie
@uf}eftion ber unabgefunbenen fiinbern in ba^ gemeinfd^aftlid^e 93ermögen ju
regeln; bod) mug iebem jtinbe minbeftenö ber SBertl^ feined S^id^ttl^eilcö ^xu
gen)enbet merben (üergl. aud^ odnabr. @ntm. § 13; e^renbreitft. @ntm. § 92 j.
3n ben @ntmurf ift eine entfpred^enbe ^orfc^rift, meiere gegenüber bem
§ 1399 9lbf. 1 oerb. mit § 1353 ftd^ ald eine pofttioe 99eftimmung barfteUen
mürbe, abgefel^en baoon, bag bie fog. Uebertragöüerträge in bem ©efegbucbe
überhaupt nic^t befonberd geregelt tinb bed^alb aud^ im § 1353 nic^t befonberd
berüdfi^tigt ftnb (oergl. bie Sßotioe ju § 1353 oben S. 356), um bedmiücn
nid^t aufgenommen, meil ein ^ebürfnig ju einer fold^en befonberen 93eftimmung
nid;t anjuerfennen ift. S)er überlebenbe @^egatte fann ben mit einer fold^n
S3eftimmung Derbunbenen Qiozd im äBefentli^en aud^ auf bem im § 1403
3li\ 5 bcjeici^neten SSBegc in 93erbinbung mit ber SBeftimmung beö § 1406
9lbf. 5 erreid^en, Db, um bie fog. Uebertragdoerträge ju erleid^tem, c6 an-
gcmeffen ift, bje befonberen lanbe&gefefelid^en SBorfd&riften über bie geftfcßung
bed äSertljeö ber Sanbgüter aufre^tjuerlialten (oergl. bad preug. @e|.
0. 4. 3uni 1856 unb baß loeftfäl. ®ef. u. 16. 9lpril 1860 §§ 10, 17), ift i>m
@tnfül^rungdgefege t)orbe^atten.
Unterhalt unb Sßielfad^ Wirb bcfouberö fierDorge^oben, bag ber überlebenbe G^egottc
b»1»r^ bie Jiinber aud bem ©efammtgute ju unterhalten unb aufiiuftatten oerpflid^tet
ammiinge. j^j ^^^qi gcuffcrt XXXIV, 310; Urt^. b. SW. ®. bei genncr unb ÜRerfe II,
129; el^renbreitft. @ntm. § 54). @ö ift inbeffen nic^t immer flar unb nic^t
unbeftritten, ob unb inmiemeit biefe 93erpflid^tung ein ^üuöflug ber fartgefefrten
©ütergemeinfc^aft ift unb ftd^ opn ber allgemeinen, auf bem Jlinbedoer^altnifte
berul^enben äSerp^id^tung jum Unterl^alte unb {ur äluöftattung unterfc^ibet
S3eftritten ift namcntlid^, ob unb inmiemeit aud^ ben Söhnen auf @nmb bcr
fortgefeftten ©ütcrgemeinfd^aft ein Slnfprud^ auf eine SBeiplfe jum S^ecfc
felbftänbiger »cfefeung jufte^t (oergl. ©eufftrt XXXIV, 310). S)aß meftffil.
@ef. ü. 16. älpril 1860 ermäl^nt eine .befonbere Unter^altungßp^id^t beß über«
Icbenben &E)egattcn mäl)rcnb ber fortgefegten ©ütergemeinfd^aft nid^t unb
crüört im § 20 auf bie Slußftqttungßpflid^t beßfelbeu allgemein bie betreffenbcn
I
5ortflef. ®üter0cmcin]d&aft. gte^töftcttunö bcr SEIjeiribaBcr. § 1399. 463
JBorfd^riflcn bcö pvcufe. 2l, S. 31. für aiiiocubbar (ocrjjl. auc^ ofinabr. (Sntiu.
§ 13; luürttcmb. ©ntiü. § 807; obiocid&cnb cl^rcnbrcitft. entw. § 54). Sdid)
bcr Sntnmrf (ögt cd in bcn l^ier fraglid^en 93eitel;ungen bei bcu all^
gemeinen @runbfägen ben^enben. 3n älnfe^ung ber Untcrl^altöpfCid^t genügen
bie Seftimmungen über bic gefeiltere UnterEjaltöp^id^t ber äSermanbtcn
(§§ 1480 ff.) in SBcrbinbung mit bcm bem übcrlebcnbcn ©Regatten nad) § 1399
Sbf. 1 oerb. mit § 1352 juftcfienben Serfügungöred^te über boö ©efommtgut.
anlangenb bie 9Iiidftattung^ fo ift jiuar in bem @ntn)urfc eine red^tUd^e S3cr^
pjßd^tung ber Gltern a(d fo(d^er {ur äludftattung ber Einber nid^t anerfannt;
aDein fraft beö bem Überlebenben ©Regatten über baö ©efammtgut {uftel^enben
Serfügungdred^teß ift bcrfelbc o^ne Sinn)inigtmg bcr crbt^eildbcred^tigtcn 9(0^
tömntlinge feinen Sonnen unb S^öd^tern unb^ fon)cit ed burd^ eine [ütM)c
%9^W ober eine auf ben älnftanb }u ttel^mcnbe Slüdtftd^t gerechtfertigt mx\>,
üu6) anberen 9[btömmlingen eine ben 93erl^ältnif[en entfpred^enbe Slndftattung
aud bem @efammtgute unb ixoav, Dorbe^Kritlid^ bcr SBorf^rift bcd § 1401,
obnc Crfofepflid^t, ju geioä^ren bered^tigt (§§ 1352, 1353 2lbf. 3 perb. mit
§ 1500; attotiüc JU §§ 1352, 1353 oben (5. 358 unb ju § 1365 oben S. 383).
2)aburdi ift bem Scbürfniffe unb ben Sntcreffen ber äbfömmlinge in ouö*
rei<l^nber SBeife Slcc^nung getragen. 98eitcr ju gcl)en unb ben älbfömmlingcn
einen re^tlic^en Slnfprud) auf äludftattung aus bcm ©efammtgute auf (Sruttb
ber fortgefe^ten ©utergemeinfd^aft {u geben, ift mit ber red^tlic^en Stellung beö
uberlebcnben ©Regatten ju bem @efammtgute unb ben ©rünben, auö ioeId)cn
eine gcfefelid^e älusttattungdpfüc^t ber Gltern ate fold^e gegenüber. i^ren Stinbcrn
nii^t anertannt ift (oergl. bie Sflotiue ju § 1500), nid)t vereinbar, unb um fo
weniger ate ein 93ebürfnig aniuerlenncn, ate bie (Sütergemcinfd^aft auf SBcr-
trog beni^t unb in biefem bod im einzelnen ?^alle 3lngemef[ene uorgefeljcu
iscrben fann.
MvLÖ) ben 93eftimmungen bc& § 1399 9lbf. 2 liegt ber im Eingänge bcr »et^t^neoung
a»otiw JU § 1399 oben ©. 461 ^erporge^obene ©ebanfe unb ber ©cfidjtö-^ ^oiTuwae^
punft ju ©runbc, bag baö ©efammtgut bfr fortgefegten @ütergemeinfd^aft
bie ^ftimmung Ijat, ate 93ermögen bc& übcrlebcnbcn @l^egatten ju biencn.
jDoraud crgiebt ftd^ indbefonbere, bag aKe SBerbinbli^Ieiten bed übcrlebcnbcn
<£(|egattcn ®efammtgutdoerbinblid)feitcn ftnb, mä^renb bie ^erbinblid^fcttcu
ber abfornmlinge, ba audb ber fpäterc ©rroerb bcrfclben nad^ § 1396 3lbf. 5
nic^t in bad @efammtgut fällt, baö Ie)}tere überall nicbt berühren, ^nf^
oud^ bieienigen iBerbinblid)feiten bed verftorbencn G^egatten ©efammtguts^
Dccbinblic^feiten finb, meiere auf ben uberlebcnben Gi^cgatten ate gütergemein^
fd^ftüclKit (Srben bcd erfteren übergegangen finb, aud^ menn biefelben mal;-
renb beft ä3efte^nö ber el^eUd^en ©fitergemeinfd^aft ®efammtgutöuerbinblid)feitcn
ni(^t marcn (§ 1362), fann nad& ber gaffung bcö § 1399 Slbf. 2 in SBcr^
binbung mit § 1384 «bf. 1 nid^t jn)eifelt)aft fein. SÄnbererfeitft ift e« felbft^
tKiftfinblid^, bog bie SSorfd^riften bcd Srbred^ted über bie Stellung bes @rben
Segotfiber ben. Stad^lagglfiubigern, indbefonbere über bad Snoentarrec^t bcd-
felben, burcft bic »cftimmung bed § 1399 3lbf. 2 nid)t berüfirt werben.
5Da6 bie SlWbmmlinge weber für bie aSerbinbliddfeitcn bcd ocrftorbcncn
(Statten nod^ für bic Sßerbinblid^feitcn bcd übcrlebcnbcn G^egatten, aud() nid^t
464 Sortflcf. ©uteröcm. ©cmeinfcöaftn^fcit bcr SScrWnbIi(6fcitcn. §1400.
für bicicnigcn aScrbinblidöfcitcn bcö Icfttcrcn perfönlic^ ^aftcn, iocld)c bcifclbe
wci^icnb bcr fortgcfcgtcu (Sütcrgcmeiufd^oft fraft feincö aScriDoltungörcd^tcÄ
eingegangen ift, ergiebt fid) aus § 1384 3lbf. l ©a^ 3 unb § 1399 Stbf. 1
uerb. mit § 1352 3tbf. 3.
§ 14(X).
««neinfc^aft- 3)aö im § 14(X) 9(bf. 1 audgcfprod)cnc, bcm § 1367 9lbf. 1 fid^ an*
&t\amtt^ fd^Iicöcnbc ^ßrinjip beruf)t auf bem SBcfen bcv fortgcfeßtcn Oütcrgemcinfc^aft,
^"iSete*^ iueld)c, mie bie c()eUd)c ®ütergcmeinfd)aft eine ®emcinfd}aft auf ®cbei^ inib
a?evberb ift.
«««normen. 2)ic üou leiiem ^viujipc im § 1400 3lbf. 2 3lx. 1, 3 oevb. mit 3lbf. 3
gemad)tcn Sludnatimen red^tfertigen fid^ burd) bie Snuäguug, bag bie ant^et(d^
bered)tigten Slblommünge ate älnt^eil an bem ©efammtgute ber fortgefegten
©ütergemeinf^aft baöjenige, aber and) nur baftienige erl^alten foUen, luod fte
a\\& bem (Sefammtgute erljalten l^abcn mfivben, wenn fie bcn ßrblaRev ate
©efefecöevben beerbt Iiaben würben (oergl. § 1382 3lbf, 2 wrb. mit §§ 1377,
1378). S)ie im § 1400 9lbf. 2 3lv. 2 »erb. mit 3lbf. 3 beftimmte «uöna^me
berul)t auf ci^nlid^en Snoägungen, mie bie ^eftimmungen bed § 1367 9(bf. 2
3Jr. 1, 2, 4 (oergl. aud), foüiel bie 35erbinblid^fciten beö überlebenben ®^*
gattcn aus unerlaubten ^anblungen betrifft, el^renbreitft. Gntm. §§ 91, 59
unb in 9Cnfef|ung von ®elbftrafen ha^ bomb. S. fH.). S)ie Seftimmung bed
S 1367 2lbf. 2 5Wr. 3 ift für bie fortgefefete ©ütergcmeinfc^aft gegenflanböloi.
ccf<^ranfunfl 2)0^ bic uuter 9lr. 3- bejeid^neten ^erbinbUdbfeiten ben antOeitebercd^tigten
b^ Ibiömm- 3lbf5mmlingen nur in ber SBeife jur Saft foHen f oDen, bafe biefc üerpflid^tet
Hnflc, PjiJ)^ ^q[^c SBerbinbüc^feiten bei ber nac^ Sluflofung ber fortgefegten ©ütcr-
gemeinfdjaft oorjunebmenben 3lufleinanberfe6ung auf ifjren Slntbeil fic^ am
rennen ju (offen, ift eine Jlonfequen} bed im § 1384 9lbf. 1 Sog 3 aufi^
gefprod)enen (Srunbfo^eö, bofe pc für bie SBerbinblid^feiten befi oerftorbenen
Ctjegotten aud) gegenüber bem überlebenben G^egotten perfBnlid) überall nic^t
Ijoften (§ 1406 9lbf. 0 nebft SKotioen ju § 1406).
'"iuf " wf* ®^^ '^^^*^^ ^"^ ^ ^^^ ^^^^' ^ '^^^ ergebenbc SBefd^ränhing, bofe, rocnn
fceJaitd.Tberbcr uerftorbeue ß^egottc SBorbeljoltögut ober ©onbergut Ijintertaffeu ^at, bic
^°"b«7^"* unter 3lr. 3 bejeid^neten SBerbinbIid)feitcn ben antl)eitebered^tigten ätbfSmm«
erb(affcro. (iugeu nur infomeit, a(ö fte nic^t aud bem %orbeI;a(tdgute ober aud bem
Sonbergute in ®emä|^eit bed § 1395 Ijoben berid^tigt werben f5nnen, im
Uebrigen ober bem ©efammtgute ber fortgefeftten ©ütergemeinfc^oft sur Soft
fallen, ftebt einerfeitd mit ber SJorfdjrift bed § 1396 9lbf. 1 im 3ufammen^ugc^
nad) u)eld)er bod aJorbeljaltdgut ober ©onbergut bed oerftorbeneu ©begatten^
uorbeljoltlid) ber SJorfc^viften bed § 1395 2lbf. 1, 2, einen 2:beil bed ©efammt^
guted ber fortgefegten ©ütergemeiufd^oft bilbet, onbererfeitd mit ber aSorfdbrift
bed § 1395 3lbf. 3, nod) ioeId)er bei ber Sludcinonberfegung wegen bed SBor*
bebaltdguted ober bed Sonbcrguted bie im § 1400 9lbf. 2 5lr. 3 be}ei(i^neten
33erbinblid)feiten aud bem SBovbeljoftdgute ober aud bem ©onbergute oorab 511
berid^tigen finb. 3^a bem überlebenben Gfiegottcn old bem güterge'meinf<^aft*
lidjen Grben bie öiquibotion bed SBorbeljoltdguted ober Sonberguted nad^
gortgefefttc ®üteraemeinf(^afi 9luöftattun0. Äonfufion. §§ 1401, 1402. 465
äRafeabc bcö § 1395 obliegt, fo fann cö jtocifcl^aft fein, ob nid&t bie ^icr
frajHt^en SScrbinbtid^fcitcn infotocit afe biefclbcn auö bcm aSorbel^altögute
ober aus bem ©onbergute ^aben berid^tigt werben fönnen, bem übertebenbcn
%gQttcn allein jur Soft ju legen finb. SSon praftifd&cr Scbeutung würbe
biö für fold^c gäUc ftin, in welchen bie 33cridE|tigung jener 9Serbinblidf|feiten
unterblieben ift, ber Seftanb beö aSorbeljüItögnteö ober ©onbergutcö aber
tnjroifc^en biö ju ber nad^ Sluflofung bcr fortgefefcten Oütergemeinfd^aft wegen
beö Ocfommtgutes ftottftnbenben 2luöeinanberfe|ung burd^ 3wfaU ober burd^
bie S<|ulb beö übericbenben ©l^egatten ftd^ »erminbcrt l^at. SKUein baö 33er^
^Itnife geftaltet ficb einfad^er unb eö entfprid^t jubem ber 33illigfcit, wenn jene
SerbinbUd^feitcn, foweit biefelben aus bem SSorbel^altögute ober ©onbergute
^ben berichtigt werben fönnen, ol^nc Unterfd)eibung ber einjelnen gäHe in
®emd§^cit ber SRcgel beö § 1400 Slbf. 1 bem ©cfammtgute jur 2aft fallen,
jumcl eine injwifd^en eingetretene SSermel^rung beö SBorbe^altö« ober ©onber*
pteö anbererfeitö bcm ©efammtgute nnb baburd^ au^ ben ant{)eifebered^tigteu
Sbßmmlingen ju ®ute !ommt.
§ 1401.
SBegcn ber 93egrünbung beö § 1401 wirb auf bie äßotioe ju § 1368 oben ««spattunfl
'S. 390 unb bie ORotiüc ju § 1399 oben S. 463 SSejug genommen. ©ijc^atte".
§ 1402.
3)ie S3eftimmungcn beö § 1402 berufen auf bem ©ebanfen, ba^ trog bcr ^^^^^^
gutergcmeinfd^aftU^cn.ßrbfoIgc, ba baö 3lIIcincrbrcd^t bcö übericbenben ®^c? behauter*
gattcn nad& bem ©ntwurfe nid^t ©elbftiwedE, fonbern ftonftruftionömittcl jum ^a^fÄ'
3roectc einer einfad^en unb angemeffenen Siegelung bcr fortgefegten Oüter^ rec^c«.
gemeinfc^aft ift, baö aScrljältnife jwifdb^n bem übericbenben (g^cgottcn unb ben
9etneinf(^oftli(^en 9Ibtommlingen materiell fo geftaltet werben mug, wie wenn
bie gefeglid^c ©rbfolgc ftattgefunben .l^ättc unb mit bcm ©rbfallc in 3lnfc]^ung
bcr ben gemcinfd&aftlid^cn aibfommlingcn unb bcm übericbenben ©Regatten an
bem e^lid^en ©efammtgute iuftc^enben (Srbantficilc baö SHcd^töocr^ältnife bcr
fortgefejten ©ütergcmcinfc^aft eintrete. 2)iefcm Oebanfen entfprid^t cö, baß
bie Sd^uIbDert)ältniffe, weld^c jwifd&cn ben ®l)cgatten, fei cö in SKnfel^ung bcö
e^üd^en ®ef ammtguteö , fei cö in 3lnfcl^ung bcö Sonbcr* ober aSor^
be^altöguteö berfetben beftanben l^abcn, infoweit, alö fic in golgc bcr
gütcrgemeinfd^aftlid^en ©rbfolgc burdCi 33crcinigung crlöfdficn (ocrgl. § 1384
3tbf. 1, § 1395 Derb, mit §§ 290, 1866), im SJer^ältniffe jwifdficn bcm
übericbenben ei^egattcn unb ben antl)eilöberc(^tigtcn 3lbf5mmtingen in bcr im
§ 1402 bejeic^ncten 3lrt alö fortbcftel^cnb be^anbelt werben, ©aburd^ wirb
inöbefonberc ber materiellen ©ad^lagc cntfpredjenb bcr aScftanb bcö ©cfammt^
pteö ber fortgcfefeten ©ütcrgemeinfd^aft auf ben jur ^dt bcö ©rbfallcö
»or^nbenen S3cftanb beö el^clid^en ®cf ammtguteö jurüdEgcfüfirt , bcjm. bie
SetT'ngcrung beö bem übericbenben ®f)cgattcn geprcnbcn aSorbclialtö^s ober
€onberguteö wieber auögeglic^cn, welche baö Icgtcrc an fid^ baburd) crlcibct,
RotiM i. Urftcrr. (gefet^ud^ IV. 30
466 gortöefcftte ®üterGcmctnf(^att. ^luflofung. § 1403.
btt§ in golgc ber gütergcmcinfd^aftUd&cn ©rbfotgc eine ju feinem SBorbeJ^altö^
ober ©onbergute gel^Brenbc gorberung gegenüber bem SSorbe^oItö^ ober ©onbcr*
gute beö oerftorbenen ©i^egattcn burd^ ^Bereinigung erüfd^t.
5Rid&t berücfftdötigt ift im § 1402 ber goU, wenn ber üerftorbenc S^*
gatte einen ju feinem ©onber^ ober SBorbe^altögute ge^orenben Slnfprud^ gegen*
über bem el^elid^en Oefammtgute ^atte, ©icfer Änfprud^ bilbet einen Seflanb*
t^eil bcö jum 3la6)la^t beö oerftorbenen ©Regatten geprenben ©onbcr^ ober
SBorbe^altögutcö, roelc^cö ber überlebenbe ©l^egatte ben im § 1395 bejeid^netcn
5ßerfonen auöjufel^ren f)ai (oergL SKotioe ju § 1395 oben 6. 453). ©in 6r*
löfd^en ieneä 2lnfprud&eö burd^ Äonfufion fonn l^ier im ^inblictc auf § 1395
oerb. mit § 1866 nur inforoeit in groge fommen, ote baö SSorbel^attd'
ober ©onbergut beö oerftorbenen 6f|egatten nad^ § 1395 an ben gütergemein«
fd^aftUd^en ®rbcn fällt. 3n Ermangelung anbermeiter teftamentarifd^er SJer^
fügung erl^ält ber überlebenbe ©Ijegatte ein SSiertel jened 95orbel^oltd^ ober
©onbergutcö, alfo an [lä) anä) ein SBiertel {eneö Slnfprud^e« gegenüber bem an
©teile beö e^clid^en ©efammtguteö tretenben Oefammtgute ber fortgcfeßtcn
®ütergemeinfd6aft, 3)a aber baö SSorbel^altö* ober ©onbergut, meines ber
überlebenbe ©begatte alö gütergemeinf^aftlic^er @rbe erl^ält^ alö ein nad^
§ 1396 Slbf. 1 in baö Oefammtgut ber fortgefegten ©ütergemeinfd^aft faQenber
®noerb fid^ barfteDt, fo gehört aud^ ber bem überlcbenben 6l)egatten gebül^rcnbe
Slntfieil an bem bejeid^neten Slnfprud^c ju bem ©cfammtgute ber fortgefegten
©ütergemeinfd^aft, unb mu§ beö^alb jener 3lnfpru(^ inforoeit befinitio erl5fd^en.
SIBegen ber ©d^lufebeftimmung beö § 1402 5lbf. 2, bafe bie bort bejeid^neten
SScrbinblid^feiten beö juerft oerftorbenen ©Regatten alö aSerbinblid^Fciten ber
ant^eilöbered^tigten Slbfommlinge nur nad^ SRafegabe ber SJorfd^riften be«
§ 1400 3lbf. 3, 4 alö fortbeftel&enb angefel^en werben, mirb auf bic SWotioe
JU § 1400 oben ©. 464 Sejug genommen.
§ 1403.
9(ufr»fttnfl«. 3)er § 1403 bejeid&net bie Orünbe, auö meieren bie fortgefeßte ®üter*
''*"*'* gemeinfd&aft aufgeloft mirb. S)ie Raffung beö ©ingangeö läfet mit genügenber
©eutlid^feit erfennen, bafe in allen gälten bie fortgefe|te ©ütergemeinfc^oft
für bie fämmtlidf)en SC^eil^aber erlifd^t (ocrgl. ju 3lv. 3 ben § 1405 «bf. 2
nebft aWotioen).
^«*>; 1. ©afe bie fortgefe|te Oütergemeinfd&aft mit bem 3^obe beö vbcv
lebenbcn ©Regatten aufgeloft mirb (§ 1403 9lr. 1), folgt auö bem 3it'^
berfelben.
«ieberfler. 2. 3)cr im § 1403 3lr. 2 beftimmte Sluflöfungögrunb entfprid^t bem
^über? SBefen ber fortgefegten ©ütergcmeinf^aft unb bem Jlarafter bcö (Sefammt»
icbenben «^^ g,jtgg bcr legtcrcn alö eineö butd^ bie frühere ©l^e begrünbeten gemeinft^ft«
^°"*"' lid^en gamilienoermBgenö. 2)ic fortgcfcgtc Oütergemeinfc^aft berul^t auf bem
©ebanfen, ba§ baö burd^ bie ©^e begrünbete 33anb aud) über ben 2^ob ctiwö
©begatten l^inauö im SSer^ältniffe jmifc^en bem Überlebenben ©l^egatten unb
ben gemeinfd^aftlic^en älbtömmlingen unoeränbert fortbauert unb beö^lb audt
baö auf biefem 93anbe berul^enbe gütergemeinfd^aftlid^e SBerl^ältnife noä^ ferner
gortgcfefete ®üterflcmeinf(5aft. Stuflöfuttß. § 1403. 467
oufred^tcr^altcn rocrbcn mu§. 9Kit bcr ©d^Ucfeung einer neuen 6l)e t>on
©eltcn bc& übcrtebenbcn ©f^egattcn aber tritt an bie ©teile beö burd^ bie
frühere 6^e begrünbeten Sanbeö ein anbereö, ebenfo innige« 93anb, unb fällt
bomit bie SSorauÄfcfeung weg, auf toeld^er bie unoeränberte Slufred^terl^oltung
ber burd^ bie frühere (S^e begrünbeten üermogenßred^tüd^en Sßerfiältniffe beruhte.
SRit biefer äuffaffung fte^t bie große 5Ke^rjaf)t ber beftel^enben Siedete im ©in?
Hange, unb jroar foroo^l berjenigen, welche auf bem S3oben bcr fortgefe^ten ©üter*
jemeinfc^aft im engeren ©inne, ate aud^ berjenigen, roeld^e auf bem 33oben ber
Äonfolibation bejro. bcd StDeinerbred^teö beö überlebenben ©Regatten ftelien, inbem
(xaäf mä) btn festeren mit ber ©c^Hefeung einer neuen 6^e oon ©eiten befi
überlebenben ©Regatten biefer regelmäßig jur Slbfd^id^tung ber gemeinfd^aft*
K<^ Rinber üon feinem Sßcrmögen Dcrpftid^tet ift. 3Jlit bem ©tanbpunftc
bed Sntmurfed fiimmen in biefer ^ejiefjung namentlid^ überein ba& lüb.
»ec^t, bie ft^lefiro. I^otft. SRed&te, bie Ijannot). SRed^te (fabeln, aRünfter, 3lttc fianb,
Setben rüeffid^tlid^ ber SBittroe, ^ilbcölicim, Dönabrücf, Süneburg, Singen,
SRcppen, ©entkeim), baä ^amb. SRed^t, bie lippe^betm. 95er orbn. v. 1. 3uli 1786
§ 22, bad brcm. SRed^t rücfftc^tUd^ ber aGBittroe, baß roeftfäl. ®ef. d. 16. Stprll
1860 § 14, bie SRed^tc t)on ^ilbburgl^aufen, ©igmaringen, ®rbad^, foroie bie
boqr. Siedete (Samberg, 2:^urnau, ©id^ftäbt, 5ßappen^eim, Sßinbö^eim, 9i5rbs
Kngen, Dettingen, SBeißenburg, Raufbeuren, SBürjburg, ©aftell, ©d^roeinfurt;
wrgl. aud^ odnabr. 6ntm. § 16; e^renbreitft. ©ntro. § 60; roürttemb. (Sntro.
§ 319). (Sine fraft beö ©efegefi eintretenbc ©infinbfd^aftung bcr Slbf ömmünge
in bie neue 6§c, mie fic j. S5. in gulba, iebod^ unter ?Regulirung eines SSoraufi
für bie aftfommlingc, ftattfinbct, fann oom ©tanbpunftc beö ®ntrourfeö au«,
wüi^ bad 3nftitut bcr ©infinbfd^aft überhaupt nid^t aufgenommen liat, ab*
gefe^n oon ben gegen eine fold^e gefeglid^e ©infinbfd^aftung pd^ er^ebenben
befonberen Sebenfen, nid^t in grage fommcn. ©benforoenig t)crbient t)om
6tanbpuntte bcÄ Sntereifeö ber SlbfömmUnge auö bie 3Sorfd^rift einjelner
Setzte (Sremen, 95erbcn, Kempten) SRac^alimung, roeld^e roenigftcnfi für ben
überlebenben SSater bie ©d^Iiegung einer neuen ©l^e nid^t ald ©d^id^tungöfaK
be^nbeln.
Die beftc^enben Siedete, indbefonbcrc aud^ bie 9lu8brudEöroeife beö meftfäl.
®ef. 0. 16. april 1860 §§ 14, 15, laRcn eö oiclfac^ jmeifel^aft erfd^einen,
ob bie fortgefefitc ©ütergemcinfd^aft mit ©d^Iießung ber neuen ®^e fraft
<Befe^ aufhört ober mit ber (enteren für bie älbfömmlinge nur baö 9led^t
begrfinbet wirb, bie Äuflofung ber fortgefefiten ®ütcrgemeinfd^aft ju Dcrfangen,
^r biefe Icfitere Slrt bcr ^Regelung fann geltenb gcmad^t werben, baß bie
Suflöfung ber fortjfefe|ten ®ütergcmeinfcl>aft, ba auc^i ber ©noerb beö über*
Menben ©Regatten bem ©efammtgutc jufäHt (§ 1396 Sttbf. 1), ben 9lb*
thnmlingen nid^t immer jum SJort^cile gereicht. Die prattifd&en ©d^roicrigfciten,
mdd^ an ftd^ bomit oerbunben finb, menn ieber 9lbf5mm(ing felbftänbig für
fi(i bie äuflofung bcr fortgefe|tcn ®ütergcmeinfd^aft ocriangen fönntc,
nmtben btird^ bie Scftimmung beö § 1405 SÄbf. 2 befeitigt roerbcn. ^rinjipieH
ift inbeffen baö 3nfHtut bcr fortgcfe||tcn ®ütergcmcinfd[)oft im 3ntcreffe beö
überlebenben ©Regatten anerfannt. Den 3lbfommUngcn mirb ba^er nid^t ju
Halft getreten, toenn bie SluflBfung ber fortgefcftten ®ütergemcinfd^aft in bem
30*
468 gortflefe^te ©ütcrgcmeinfd&aft. Sluflöfunß. § 1403.
^icr fraglid^cn gallc traft ©cfcficß eintritt (t)crgL aud^ cl&renbrcitft (gntro,
§§ 60—62). 9lnbercrfcitö empfic^tt fid^ bicfe ©cftaltung burc^ i^rc ©infad^^cit,
foroic im Sntercffc größerer ©id^crung bcr SRcd^tc ber ^[bfommlingc unb
burd^ bie @m)ögung^ bag bie engen perfonlid^en ä3e}ie§ungen unter ben Se$
tl[iei(igten, auf n)e(d^en bad ganje Snftitut beruht ^ burc^ bie @ingel^ung einer
neuen @l^e von Seiten bed überlebenben ©Regatten nic^t fetten er^ebKd^
getodEcrt werben.
8D8egen ber ©rünbe, auß welchen ber ©ntrourf eine Slbmenbung ber im
§ 1403 3lx. 2 beftimmten golge ber ©d^liefeung einer neuen ®^e oon ©eiten
bed überlebenben ©Regatten burd^ SinÜnbfdE^aftung ber älbfömmUnge in bie
neue 6^e nid^t jugelajfen l^at, wirb auf ben Sln^ang ju ben §§ 1341 — 1409
SBejug genommen,
«ttfidfung 3. SBegen beß äuftöfungögrunbeö unter 9lr. 3 beß § 1403 wirb auf
bur<« urt^eii; jjj^ gRotipc JU § 1405 oeHüiefen.
burc^certrog; 4. S)er im § 1403 3lt. 4 auerfanute S3eenbigungßgrunb entfprid^t bem
§ 1371 9tr. 3 unb ift für fo(d^e Siedete, nad^ n)e(d^en ber @l^egatte nid^t burd^
feine einfeitige ©rflärung bie 9lbtl^eilung ber Äinber l^erbeijufü^ren berechtigt
ift, oielfad^ außbrüdFUd^ anerfannt (fo für OßnabrüdE, ^ulba^ Srbad^,
Bamberg),
burd^ 5. ^ie ^rage, ob bem überlebenben ©Regatten ba& Siedet juftel^t, burc^
*jjj^^g* j,^' einfeitige ©rflärung bie JKuflofung ber fortgefe^ten ©ütergemeinfd^aft bcju).
flberiebenben beu ©d^id^tungßfall Ijerbeijufü^ren, wirb t)on ben beftel^enben SRec^ten Der?
«^«(jatten, |^jgjj^^ beantwortet. 2)ie äße^rja^I ber JWed^te gewährt bem überlebenben
©Regatten biefe Sef ugnife, inßbef onbere baß lüb. SRed^t, bie fc^teßro. I^olft. Siedete,
bie 5Ked[)te t)on 33remen, Serben, 3Jlünfter, äßeppen, Hamburg, Sigmaringen,
bie lippe^betm. SBerorbn. v. 1786 § 20, baß roeftfäl, ®ef. t). 16. Slpril 1860 § 13
unb bie bagr. $Wed&te mit Sllleinerbrcd^t beß Ueberlebenben, bie Siedete oon SBui^*
bürg, ©d^roeinfurt unb ©aftell jeboc^ nur mit geroiffen 3Jlobififationcn (ijergL
ferner ©euffert Vin, 56; ipürttemb. ©ntro. § 308; e^renbreitft. ©ntro. § 60;
oßnabr. ©ntro. § 16). gür bie 3lnerfennung beß liier fraglid^en SRcc^tcö beß
überlebenben 6l)egatten fällt entfd^eibenb ber ©efid^tßpunft inß ©emi^t, ba^
bie fortgefe|te ©ütergemeinfd^aft ju ©unften beß überlebenben ©Regatten ein-
gefül^rt ift. ^aß 93er^öltnig beß überlebenben ©Regatten gegenüber ben 9b*
fömmlingcn ift ^ier ein roefentlid^ anbercö alß bei ber e^elid^en ®ütergcmetn?
fd^aft baß 93erl)ältnig beß ©^emanneß gegenüber ber ©^efrau, t^eilß loegen
ber unter ben ©Regatten beftel^enben perfönlic^en SBejiel^ungen, tl^eilß beö^alb,
meil ber ©bemann auf ©runb ber el^eltd^en ©ütergemeinfd^aft nid^t bloß
SRed^te, fonbcrn auc^ 5ßflid&ten gegen bie ©bcfrau ^at, inßbefonbere geioiffe
SBerbinbUd^feitcn bcrfelbcn ju erfüllen oerpflid^tet ift, unb meil oor Slllcin baß
gütergcmeinfdEiaftli^e ©rbre^t ber ©^cfrau oon ber gortbauer ber ©üter^
gemeinfdEjaft biß jum 2^obe beß ©^emanneß abbängt. ^iefe @eft(^töpunfte
treffen bei ber fortgcfefetcn ©ütergemeinfd^aft ni^t ju. 3)ie S^^eitnaJ^mc ber
9lbfömmlingc an bem ©rmerbe beß überlebenben ©fjegatten aber (§ 1396 3[bf. l)
ift nur bie mittelbare ^olge beß bem legteren }ufte^enben Stec^teß unb ^at
nid^t bie 83ebeutung eines felbftänbigen JWcd^teß ber 9lbfommlinge. Sluß biefem
©runbc empfiel;lt cö fid^ aud& nid&t, bem Seifpiele einiger Siechte, j. ©. bcd
•gcttflcfe^tc ©ütcrgetneinf^aft. Stuflöfung. § 1403. 469
fc^rocinfurt. JHcd^tcö, ju folgen, roctd^c für bcn goll einer t)on bem übertebenben
(Ehegatten einfeitig vorgenommenen @^id^tung ben älbfommlingen nod^ einen
Sitt^eil an geroiifen fpäteren ©rmerben beßfelben, inbefonbere an einer i^m
den feinen ©Item jufaDenben ©rbfd^aft, ju jtd[iern fud^en. Slnberö liegt
freili^ bie Sod^e naä) benjcnigen SRed^tcn, roel^c, mie j. SB. baö JRed^t oon
Cdnobrücf, bie ©d^i(fttung olö 2:obtl^eiIung roirfen laffen. §ier fann ber
überlebenbe ß^egatte ben Slbfömmlingen, ba fie burd^ bie ©d^id^tung il|r
?fli(^tt^eitered^t gegenüber bem überlebenben ©Regatten verlieren, aud^ im
il^iten fonft mittelbar burd^ baö ^flid^ttl^eitered^t geftd^erten Slntlieil an einer bem
überlebenben ©Regatten nad^ ber ©c^id^tung jufaDenben gro6eIterIid[)cn ©rbfd^aft
burc^ bie Sd&id^tung entjiel^en. gür ben ©ntrourf fommt aber biefeö S3ebenfen
nic^t in S5etrad[>t, ba nad^ bemfelben baö ©rb- unb ^flid&ttfieitered^t ber 9lb*
fommlinge gegenüber bem überlebenben ©Regatten burd^ bie ©d^id&tung überall
ntc^t berührt mirb.
3la6) bem ©ntmurfe ift bem übertebenben ©Regatten aber nur geftattet, ^*^^^^
oHen 3tbfommIingen, nid^t blod einjelnen Slbfömmlingen gegenüber, burd^ fömmnnsen,
rinfeitige ©rflörung bie Sluflofung ber fortgefefeten ©ütergemeinfd^aft fjerbci*
jufü^ren. 3n ben befteljenben Siedeten ift bie grage nid^t unbeftritten. 3n
Hamburg wirb auc^ bie einfeitige Slbt^eilung eines einjelnen 9lbfömmIingeÄ
für julafftg angenommen, ebenf o in öremen ; bod[) nef)men ^ier bie abgef d^id&teten
Äinber an ber fpäter anfaOenben ©rbfd^aft eined 9lfjenbenten X\)til 2)ie
ftottfequenj beä ©ebanfenö, bafe bie fortgefegte ©ütergemeinfd^aft eine 33e^
günftigung befi überlebenben ©Regatten ift, fü^rt ba^in, bem Ie|teren aud^ bie
Sbf^i^tung eines einjelnen 9lbfömmtingeS ju geftatten. 9luf ber anberen
6eite fommt inbeffen in Setrac^t, bafe baburd^ bem überlebenben ©fiegatten
bie aWoglic^feit gen)äl)rt mirb, bie in ber (Semeinfd&aft verbleibenben Slb*
fotnmlinge auf Stoften beS abgefd^id&teten Slbfömmlinges im ^inbtidte auf
einen in 9luSfid^t ftel^enben bcbeutenben ©rrocrb ju begünftigen, ein anberes
Sntereffe beS übertebenben ©Regatten aber, einen einjelnen 9lbf5mmling roiber
beffen SBillcn abjufd^id^ten, nid^t crfid^tUd^ ift.
Um ben ©intritt unb ben 3^^*?""^ ^^ 9luflöfung ber fortgefegten »or bem
®ütergemeinf(iaft im gaUe beS § 1403 SRr. 5 aufeer 3n)cifel ju ftellen, ift eS ^^^^,'
als angemeffen eracl>tet, im 9lnfd^tuffe an bie Seftimmungen beS § 1266 2tbf. 2
unb bcÄ § 1398 Slbf. 1 bie einfeitige ©rflörung beS überlebenben ©tjegatten, ba§
bie fortgefe^te (Sütergcmeinfd^aft aufgelöft fein foH, an bie im § 1403 3lv. 5
bejei(|nete gorm ju binben. ®as ^lad^lafegerid^t beS oerftorbenen ©Regatten
für juftänbig ju erflären, empfiel^lt fid), weit baburd^ für alte in 93etrad^t
fommenben gäDe, namentlid^ au^ für fold^e ^öUe, in meldten es an einem
SBo^nft|c beS übertebenben ©tiegatten fel^lt, in angemeffener SBcife geforgt wirb.
IJie im jroeiten ©a|e beS § 1403 Sir. 5 gegebene Orbnungsoorfcl^rift bient baju,
einerfeits ben ant^eilsbered&tigten 5Kbfömmtingen ©etegen^eit ju geben, bie jur
SBa^e^mung t^rer 3ntere5fen erforbertid^en aRaferegcln treffen ju fönnen,
onbererfeits, wenn ber überlebenbe ©begatte gcfe6lid[)er SSertrcter eines berfelben
ift, bos SJormunbfd&aftSgeri^t ju veranlaffen, nad^ 9)la§gabe bcS § 1738 9tbf. 1
x>erb. mit § 1651 3?r. 1, § 1728, § 1503 3lbf. 1 bem betreffenben 3lbfömmtinge
einen Pfleger ju beftellen.
470 gortgcfcjte ©ütcrflcmcinfd^aft. auflöfung. § 1404.
se^tmiaifle 6. äSegett ber ©rünbe, quo iDetc^en ber @ntn)urf ein ^tä)t bed }uer{l
besÄff^ perftcrbcnben ©Regatten, bic g^rtfc^ung ber ©ütergcmcinfc^aft bur^ leftttoilHgc
äSerfügung Qu8}uf(^liegen ober an einen ©nbtermin ju fnüpfen^ ni^t anerfonnt
l^at, wirb auf bie aWotit)c ju § 1385 oben ©. 436 Sejug genommen.
§ 1404.
6t(^rfieaunfl ^u htti befte^eubeu 9tec^ten finben fic^ oerfd^iebene ^eftimmungen, meldet
sbummiinge ^^^ ^^^^ ocrf olgeu , bie on bcm ®ef ammtgute ber f ortgefefeten ©ütcrgemein*
bei fd^aft antl^eitebered^tigtcn beiio. bie fc^id^tt^eiteberec^tigten älbförnmlinge gegen
® j^Tu^g^*^ bie SRad^t^eile ju fd^üfeen, welche für fie aus einer SBieberoer^eirot^ung be«
uberlebenben ©Regatten entfielen fonnen (oergl. bie bei oon ©id^erer, bad
aicid^sgefefe über bie Seurhinbung beö ^crfonenftanbeö unb bie ß^cfd^Uefeung
0. 6. gcbruar 1875, ju § 38 unter VI fid^ finbenbe 3«fömmenfteIIung ber ein^
fd^Iagenben beftel^enben Siedete). ®d ^anbelt fid^ babei einerfeitd banim, ber
©efa^r oorjubeugen, roeld^e, wenn ber übertebenbe ©begatte ftd^ roieber oec?
f)maH)tt, o|ne bie Sd^id^tung oorgenommen )u l^aben, für bie älbförnntiinge
baburd^ entftel^t bafe bas bei ber SBieberoer^ciratl^ung oorl^anbene, ber
@^id^tung ju ©runbe }u (egenbe ©efammtgut fici^ nid^t mel^r ermitte(n (ögt,
anbererfeitd barum, bie 9luöfel^rung bed ben älbfömmlingen gebü^enben
©d^id^tt^eileö, faDs biefelbe nid&t fofort ju erfolgen braud&t, fidler ju fteHen.
S)en erftgebad^ten ^roed oerfolgen bie Seftimmungen, bofe bie Stbfömmlinge
bei unterbliebener ©d^id^tung traft beß ®efe|eä als eingefinbfc^aftet gelten (fo
j. 83. nad^ bem Siedete oon gulba), ober bafe fie bie SBSal^t ^aben, ob fte eim
gefinbfd^aftct fein ober bie ©c^i^tung nad^ bcm SScrmögenßbeftanbc jur 3^^
ber ©d^Hegung ber neuen @^c oerlangen n)oIIen (fo ). 93. nad^ ber lippe^betnu
aSerorbn. oon 1786 § 22), ober bog bie oerfäumte ©d^ic^tung, ftatt auf ber
©runbfage beö SBermögcnöbcftanbeö jur 3^it ber ©c^liefeung ber neuen 6^e,
auf ber ©runblage beö SBermögenöbeftanbcö jur Qtxi ber fpäteren SKbfc^id^tunfl
erfolgt (fo j. 93. nad^ bem Ijamb. Sled&te). ^mer gefiören bai^in bie Seftim*
mung, bafe ber überlebenbc ©begatte bie i^m fonft an bem SBermögen ber
Slbfommlinge oerbleibenben SRed^tc oerüert (oergl. prcufe. 91. 2. 9t. II, 1
§§ 1001—1005), foroie bie SSorf^rift, bofe bic unterbliebene ©d^id^tung ein
auffd^iebenbeö ß^e^inbernife bilbet (oergl. inöbef. preufe. 31. S. 91. II, 1 § 18
unb preufe. aSorm. 0. o. 5. 3uU 1875 § 95 3lbf. 3).
Eine gefe|Iic^c ©infinbfd^aftung fann für bcn ©nlrourf fd^on beö^folb
nid&t in S^age fommen, weil berfclbe eine ©infinbfd^aft überl^aupt nid^t juläfet;
ebcnfottjcnig ift cö gcrcd^tfertigt, btn aScrIuft ber bem uberlebenben ©Regatten
an bem aSermögen ber älbfömmlinge juftetienben 3led^te alö gotge ber unten
bliebcuen äluöeinanbcrfc^ung eintreten ju laffen, ba eine folc^e Seftimmung
burd^auö ben Äarafter einer, j^ubem je nod^ bcn Umftänben beö einjclncn gafleö
oerfc^icben mirfenbcn, ©trafbeftimmung ^at. 9tad& ber 3luffa{fung beö ©ntmurfeö
TOirb ber 3^^^*/ ^^n faftifd^en ®efal)ven oorjubeugcn, meieren bie 3lbfomm*
linge im galle ber SBieberocr^eirat^ung beö uberlebenben ©Regatten mcgen
i^reö 3lntl}eileö on bem ©efammtgute ber fortgefefeten ©ütcrgemeinfc^aft auö»
gefegt finb, in einer auörcid}eubcn unb jugleid^ angemeffenen SBeife burd^ bie
j
gortgcfc^te ©ütcröcmcmfd&aft. auflöfunß. § 1404. 471
kn S?orf(|riftcn bcr §§ 1548, 1734 [xä) anfd^Hcfecnbcn Scftimmungcn bcö
§ 1404 oerb. mit bcr SBorfd^rift bcd § 1242 crrcid^t. ®ie Scftimmungen per-
f^icbcncr JRcd^tc, rocld^e ftd^ barauf bcfc^ränfcn, bafe bcr übcrkbcnbc ©begatte
por Schließung einer neuen ®^e bem SBormunbfd^aftögerid^tc t)on ber be^
obfid^tigten ß^efd^Uefeung 9lnjelgc ju ntod^cn unb ein SSei^eid^nife bcö Oefammt-
gute« ber fortgefeftten ®ütergemeinf(^aft einjureid^en l^abe, genügen nid^t. $Rur
burd^ eine vov ©d^liefeung ber neuen 6I|e roirflic^ erfolgte 9luficinanberfefeung
werben in ber SRcgel bie erfal^rungömäfeig ntit einer nad^träglic^en 5lug'
einanbcrfefeung auf ber ©runblage beö aSermogenöbeftanbeä jur 3^it ^^^
S^Iiefeung ber neuen 6^e oerbunbenen großen proftifd^en ©d^ioierigleiten unb
bie Streitigfeiten oermieben, meldte ftd^ aM ber faftifd^en 93crmifd^ung ber ju
bem Oefammtgutc ber fortgefcfeten ©ütcrgemcinfdEiaft gebörenben Oegenftänbe
mit ben ju bem SBermogen ber neuen ©Regatten gef)örenben ©egenftänben
ergeben f onnen. %üx ben ©tanbpunft beö ßntrourfcö fällt ferner inö ®miä)t,
bafe berfelbc bem, wenn nid^t in ben meiften, fo bod^ in großen Sted^tägebieten,
indbefonbere im ©cbiete beö preuß. 31. S. $R. II, 1 §§ 18, 1001 ff., geltenben
Redete unb iebenfoHö überroiegenb ber ^rajiö entfprid^t. 3luf bie feltenen
goUe, in meldten nod^ erfolgter 9luflöfung ber fortgcfeftten Oütergemcinfd^oft
iinb naä) erfolgter Sluöeinanberfefeung bie beabfid^tigte Sd^ticßung ber neuen
6^ oon Seiten bes Überlebenben ©fiegotten unterbleibt, brandet bcfonbere
3lü(ffi(|t nid^t genommen ju werben, um fo locniger, als berartige J^älle bei
ber Oeroo^ntieit, bie SluScinanberfe^ung fd^on vox bcr 9Bicbcrt)er^eiratf|ung
^erbeijufübren, aud^ ol)ne bie Seftimmung beö § 1404 üorfommen fönnten.
Sin Sebürfniß, ben ant^eilöbcred()tigten 3lbfömmlingcn einen befonberen S^u^
gegen bie i^nen in golge bcr SBicbcroerl^eiratliung beö Überlebenben ®t)cgatten
bro^enben faftifd^cn ©cfal^rcn ju gemä^ren, ift jebod) im 9lnfd&luffc an bie
meiften auf bem Soben beö ©ntrourfcö ftel^cnbcn SRed^tc (oergl. inöbefonbere
prtuß. 31. 2. 9i. II, 1 § 18) nur in 3lnfe^ung minberjätirigcr ober bcoor*
munbeter abfommlinge anjuerfenncn. SBolliäl^rige, nid&t beoormunbete 3lb^
fömmlingc finb burcb il|r eigeneö S^^tereffe ocranlaßt, fofort nad& ber aBiebcr-
wr^rat^ung beö Überlebenben 6f)cgatten bie il|nen jur ©id^enmg ifirer Siedete
§u ©ebotc ftel^nben aRaßregeln ju ergreifen, mäl^renb bei SBormünbern ber
Sntrieb bcö eigenen 3ntercf[eö fcl^lt unb bcö^atb eine ^inauöfd^iebung ber
äluöeinanberfeßung jum 3lad^tl|eile ilirer 3Jlünbel weit e^er ju beforgen ift.
Xa na^ § 1403 3lr. 5 ber überlebenbe (S^egatte bie 3luflöfung ber fort*
gefetzten ©ütergcmeinfd^aft oud^ burd^ einfeitige ®rflärung ^erbcijufül^ren im
Stonbe ift, fo ftoßt bie SJurd^fül^rung ber SJeftimmung beö § 1404 in
Snfe^ung ber 3luöeinanberfe|ung unter 3luflöfung bcr fortgefefeten ©ütcr*^^
gcmeinf^aft aucb für ben ^all, rotnn ber überlebenbe ©^cgatte fic^ mit ben
XbfimmUngen im SBege beö SSertrageö nid^t ju einigen oermag, auf {eine
Sc^ioierigfeitcn. 3n einem fold;en gaUc ^ot ber überlebenbe 6l)egattc bie
SuflSfung ber fortgefefeten ©ütcrgcmcinfd^aft nacb 3Kaßgabe bcö § 1403 3lx, 5
iu beimrten.
^r bie feltenen gälle, in meldten trog ber SBorfc^riften ber §§ 1404,
1242 bie neue &)t gcfd^loffcn ift, beoor bie Sluöeinanberfcfeung erfolgte, ift
eine »eitere bcfonbere Seftimmung jum Sd^uge ber 3lbfömmlinge nic^t für
^
472 gortgefe^tc ©ütcrßemeinfd&aft. Sluflöfunö. § 1405.
crforbcrlid^ erachtet. 3nßbcfonbcrc liegt ein Sebürfnife, in fotd^en gällen ben
SlMömmlingen bie 2Baf)l ju loffen, ob fic bie äuöeinanberfefeung auf bet
©runblagc beß SSermogcnßbeftanbeä jur Qtxt bcr ©inge^ung ber &)c ober bet
fpätercn ©(fti^tung t)erlangen rooHcn, nic^t üor.
Sbenfotoenig bcbarf eö befonbercr Seftimmimgcn, um bie ant^cife^
bered^tigten minberiä^rigcn ober beoortnunbeten SIbfömmlinge wegen beß i^nen
bei ber 9lußeinanbcrfefeung jugefaHenen SBermogenß gegenüber bem überlcbenben
6f)egatten ftd^er ju [teilen. 3n biefer ^inftd^t reid^en bie allgemeinen ©runb^
fäfec in 33erbinbung mit ben Seftimmungen beß Sled^teß ber elterlid^en ©eroalt
(^ergl. §§ 1547, 1550, 1558) unb beß Sßormunbfd^aftßred^tcß auß.
3ft bie SÄuflofung ber fortgefcfeten ©ütergemeinfd^aft auß anberen
©rünben, olß wegen Sd()lie6ung einer neuen ©l)c Don ©eiten beß überlebenbcn
©Regatten, erfolgt, fo ift für ben gall, ha^ ber überlebenbe G^egatte ber gefeft*
liä)t SBertrctcr eineß ber 3lbfömmlinge ift, burd^ bie Seftimmungcn beß § 1403
3lx. 5 unb beß § 1738 3lbf. 2 außrcid^cnb bafür geforgt, bofe ia^ SJormunb^
fd^oftßgerid&t üon ber 3luftöfung bcr fortgefegten ©ütergemcinf^aft unocriügIid&
Äcnntnife befommt, um im ^inblicfe auf bie Seftimmungen beß § 1651 9lr. 1,
ber §§ 1728, 1503 9lbf. 1 nad& 2ßa§gabe beß § 1738 aibf. 1 für bie Slnorbnung
einer ^flegfd^oft forgen ju fönnen. 3ft ber überlebenbe 6l;egatte nid^t ber
gefe^lid^e SSertreter eineß gefd^äftßunfäl^igen ober in ber ©efd^äftßfö^igfeit
bef darauf ten Slbfommtingeß, fo roirb baß 3ntereffe beß Ic^teren bur^ bejfen
33ormunb nadi 9Jla§gabe ber allgemeinen ©runbfäge beß 55ormunbfd^aftdrec^tcö
roalirgenommen.
§ 1405.
'*«**^*»"«* 3)ie grage, ob unb inroieroeit ber überlebenbe ©begatte, außer im galle
römm«nfle§, feiucr SBicbert)cr^eiratf)ung, jur 2lbfd)id^tung ber Sfbfömmlingc genöt^igt roerben
»i'Sngen^^^^"' ^^^ ^^^ ^^ auf bem 33oben ber fortgefeßten ©ütergemeinfd^aft im
engeren ©inne, wie üon ben auf bem 83oben ber flonfolibation ober beß
9llleinerbred)teö beß Überlebenben ©Regatten ftelienbcn SRed^ten fe^r tjerfc^icbcn
«eitcnbcs beautmortet. 2Bä^renb einäclne 9Icdf)tc einen fold^en S^^^Q i^^ ©(^id^tung,
abgefel^en uon bem §alle ber ©d)liegung einer neuen ®f)e von Seiten beß
Überlebenben ßf)egatten, ganj außfdf)tiegen (fo bie JReddte t)on Srcmen unb
SBerben, roenn ber ßf)cmann ber überlebenbe 3;^eil ift — für 93remen aller*
bingß, fooicl ben §all ber SJerfdiroenbung betrifft, nid[)t unbcftritten — ; femer
bie Siedete üon SBurften, ^ulba, Grbad), S3amberg, S^^umau unb bie auf bem
23oben beß 9llleincrbred^teö ftel^enben bai)r. Slcd^te^ mit Slußna^me ber 9le(ftte oon
SBürjburg, Sd^roeinfurt unb ßaftell), laffen anberc ?Wed^te einen fold^cn Sn)ang
JU roegen ®efät)rbung ber Siedete ber Üinber burd^ 9Jerfd^roenbung ober fc^led^tc
SBirt^fd^aft beß überlebcnben ©Regatten. 2)a^in geboren inßbefonbere baß lüb.
Siedet, bie fd{)Ieöro.t)olft. 5Hed^te (roenigftenß für ben ^all, ba§ bie SRuttcr ber
überlebenbe itl^eil ift), bie SRed^te oon SBurften, Sitte Sanb, Hamburg, bie 9te^te
üon Bremen unb SSerben (locnn bie SWutter ber überlebenbe 2^f|eil ift), bie
lippe^betm. aSerorbn. v. 1786 § 21, baß meftfäl. ©ef. v. 16. 3lprit 1860 § 14
9tr. 4 t)crglid)en mit preuf^ 21. 2. 9t, II, 2 § 256, ferner bie Siebte von
gortflcfe^te Oütcrflcmeinf^aft auflöfung. § 1405. 473
güneburg, Dßuabrürf, SBürjburg, ©d^iüeinf urt unb ©aftell (oergl. aud^ oönabr.
Cntiö. § 16 9h:. 2, § 17 ; c^rcnbrcitft. ©ntn). § 61). SBon cinjclnen jener Siedete
(Cfinabrürf, lippe^bctm. SBerorbn. ü. 1786 unb mcftfäl. ®ef. t). 16. 2lpril 1860
tjert. mit bcm prcufe. 21. 2. 91.; ebenfo oönabr. unb el^renbreitft. ©ntro.)
toirb iebod^ baö Siedet bcr Slbfömmlinge, wegen fd^Ied^ter SßirtJ^fd^Qft bie Slb-
f(^i(^tung ju oerlangen, t)on einer förmlid^en ©ntmünbigung rocgcn SSer^^
ft^rocnbung abhängig gemocht. SBicber onbercn Siedeten, inäbefonbcre i^n
Setzten üon SBürjburg, ©d^roeinfurt, ©aftell, liegt ber ©ebanfe ju ©runbe,
bo§ bcn Rinbcm in allen gäüen ein JRed^t auf 9lbfd^id^tung juftel)!, in roeld^en
o\)nt fold^e il|r ©d^id^ttfjcit gefä^rbet wirb. 3m ©injclnen ftnb aber bie SBor-
auöfe|ungcn, unter weisen eine fold^e Oeffil^rbung anjune^men, fc^r oer-
Wieben bcftimmt. ©o ift nad^ bcm meftfäl. ®ef. t). 16. 9lpril 1860 § 14 3lr. 4
ber fibcrtcbenbe ©fiegatte jur Slbfd^idjtung üerpflid^tct, raenn gegen if)n — er
fei ber SBater ober bie SKuttcr — fold)c ©rünbe üorlicgcn, xotl6)t nad^ bem
prcufe. a. y. 31. (II, 2 §§ 255—258) ben «erluft ber T)äterlid)en ©croalt jur
^olfle ^aben. ^lai) bem roeftfäl. ®ef. d. 16. 2lpril 1860 § 14 9U\ 2, 3 ift ben
Äinbem aufeerbem baö SRed^t, bie ©d^id^tung ju üerlangen, beigelegt, menn
ber übcricbcnbe ß^cgatte megen 9Baf)nfinneö ober Slöbfinneö unter SBormunb^
f(^aft gefteUt ober if)m wegen feiner 2fbroefenf)eit ein SSormunb beftellt mirb
(üergL auc^ oönabr. Gntro. § 16; e^rcnbreitft. ©ntro. § 61). ^Jiod) anbere
^äfit, j. S5. baö lüb. Siedet, bie fd^leäm.f)olft. Siedete, räumen einem ^b^
fommlinge ol&ne mcitere SSorauSfe|ungen, baö 9tedf)t, bie ©d()idötung ju »er?
langen, ein, menn er ootljlä^rig geworben ift ober ftd^ t)ert)eiratt)ct ober fclb-
ftänbig beftgt.
3)cr 6ntn)urf ift bei ber ©ntfdieibung ber ?5^age, unter meldten ^ßorauö^^ ©tanbpunft
fefungen ben Slbfommlingen baö Siedet, bie Sluftofung bcr fortgefegten ©üter^: (sntrourfes.
gemeinfd^aft ju oertangcn, bcijulcgcn ift, oon bcnfclben ©cfid^tspunften auö- smaiofiteber
gegongen, roetd&e für bie 33eftimmung bcr göDc mafegebenb gemefcn finb, in ^^^^^^^J^^^^
welken bie ®f|efrau bie Sluflofung ber cl)eUd[|en ®ütergemeinfd()aft ju forbern f^att.
bered^tigt ift. 3luf biefen ©efid&töpunftcn berutien bie ben S3eftimmungcn beö
§ 1372 entfprcd&cnbcn SBorfd^riftcn beö § 1405 3lt. 1—4 (Dcrgl. im Uebrigcn
bie ajlotioe ju § 1372 oben ©. 394 ff.). 3ene ®efid[|töpunftc muffen anbererfeitö
bo^in führen, ben 3lbfömmlingen baö Siedet, bie 3luflöfung bcr fortgefegten
6ütcrgemeinfcl>aft ju ücrlangen, nid^t aud^ bann cinjuräumcn, wenn ber übcr^
tebenbc (Stternt^eil — abgefel^cn t)on bem "^aUt beö § 1405 9?r. 4 — unter
Sormunbfd^aft gefteUt ober eine 9Ibrocfcnl)eitöpflegfd^aft über fein SScrmögcn
ongeorbnet ift. (Sbenforoenig mürbe eö mit bcm ^wtdc bcr fortgefegten ®üter*
gtmeinfd&aft ücreinbar fein, bcr 33olliäl^rigfeit ober bcr 95crt)eiratf)ung cineö
HbBmmlingeö einen 6influ§ auf bie fortgefeftte ®ütcrgcmcinfd^aft ju gcftattcn.
SJogegen ift neben ben im § 1405 3lx. 1—4 bcftimmten fällen im Snfc^luffc
an bie fi^nli^c Seftimmung bcö meftfät. ®cf. v. 16. 3lpril 1860 § 14 31t. 5
als fclbftönbiger ®runb, auö n)eld[)em ein SÄbfömmting bie 9luflöfung bcr fort*
gefejten ©ütergcmcinfd^aft perlangen fann, bcr ^all anerfannt, roenn bcr
überlebenbc ©^cgatte bie clterlid^e ®cmatt über ben 9lbfömmling ücrroirft tiat ««lüirfunö
(§§ 1559, 1631 Stbf. 2). ®ic f ortgcfcgtc ®ütergemeinfd&aft bcruljt auf ber ^'"(»l^a^t**"
Soroudfeftung cineö normalen Sßerl^ättniffcö jmifd^cn bcm übertebenben 6^e*
474 gcrtöcfcfete ®üter0cnirinf(^ft. auflöfunft. § 1405.
gotlen unb ben SlbfommUngen. ^iefe SSorauöfegung ffiUt vocq, loenn bie
clterlicj^c ®cwalt ocnoirft ift. 3n einem folgen gaDe ift bie ©efa^r be*
grünbet, bog ber übertebenbe @^egatte bei ber SSenoaltung bed ©efammtguted
neben feinem eigenen ^ntereffe a\x6) badjenige ber 9[6f5mm(inge nic^t in folget
9lrt berüdfid^tigen werbe, wie bie ©Iternpflic^t eö erforbcrt. SQBer in folc^er
Slrt, wie bieö bei 3Sern)irfung ber elterlichen ©eroalt ber %aU ift, bod
^amilienbanb jerriffen ^ai, fann and) bie Derm5gendred^t(ic||en Sort^eile ni^t
mel^r in Slnfprud^ nel^men, roeld^e bie auf jenem ^amilienbanbe berul^nbe
fortgefegte Oütergemeinfd^oft gewährt. ÜKit ber SScrroirfung ber elterlichen
(Seroalt foU jebod^ bie Stuflöfung ber fortgefegten (Sütergemeinfci^aft nid^t traft
bed Oefegcö eintreten. Slbgefe^en baoon, ba§ biefer gaD ben übrigen im
§ 1405 beftimmten gälten na^c perroanbt ift, ift eö t)om Stonbpunfte befi
3ntereffeä ber 3lbf ommlinge auö bebenf lic^, fraft beö ©efegeö jene golge eintreten
ju laffen, ba i^nen oldbann o§ne i^ren SBillen ber fünftige 6rroerb be« über?
lebenben ®l^egatten entgeht (§ 1396 3lbf. 1). 3nt "^oUe ber aSieberoer^cirat^ung
beö überlcbenben ©Regatten ift bie Sad&lage infofern eine onbere, ate baö (Se^
fammtgut ber fortgefegten ©ütergemeinfd&aft nur ber burd^ bie frül^ere &)t bc*
grünbeten gamilic, nid&t ober ald roirtl^fc^oftlic^e ©runblage ber neuen 6^e 5U
bienen bcftimmt ift. 2)em galle ber 93crroirfung ber etterlid^en ©croalt ben ber
®ntjie^ung ber legteren mit 3luöna^me ber elterlid&cn Jtugniegung burc^ bad
SBormunbfd^aftsgerid^t (§ 1546) gleid&juftellen, ^at ber 6ntrourf namentlici^ um
beöroillen fflebenfen getragen, roeil eine fo tiefgreifenbe oermögcnöred^tlid^e
golge, roic fie mit ber 9luflöfung ber fortgefegten ©ütergemeinfd^aft für ben
übcrlebcnben 6t)egatten üerbunben ift, nod^ rocnigcr, roie ber SSerluft ber
elterlid^en ^tugniegung, t)on ber @ntfd^eibung beö Siormunbfd^aftdgeric^teö ab^
Ijängig gemalt rocrben barf.
sKirfung be$ ^wcifelbaft ift bic "Staat, ob bie in ben gälten beö § 1405 2lbf. 1 ©on
eines «b, einem Slbfömmlingc burd^ Urtl^eil erroirftc 3Iuftöfung ber fortgefegten ©üter*
^^ni^mtn fl^^^i'^f^)^f* ^"^ fö^ ^"^ 9^9^^ ^^^ anberen 3;^eil^aber ber fortgefegten
urt^eiies. ©ütergemcinfd&oft roirffam fein foU. 3)er ©ntrourf l^at fid^ für bie Seja^ung
ber grage entfd()ieben (§ 1405 Slbf. 2). ©egen ben ©tanbpunft beö ©ntrourfcö
lägt fic^ anführen, bafe ein Urt^cil grunbfäglid^ nur für unb gegen bie
5jJarteien roivft (§ 192), bag eine 2luöbelinung biefer SBirfung für unb
gegen bie übrigen ont^cilöbered&tigten 9lbfömmtinge einerfeitö eine ^firte gegen
ben überlcbenben ®l|egatten mit fid() bringen, anbererfeitö unter Umftänben
mit bcm 3ntercf[e ber übrigen 3lbtömmlinge in SBiberftreit ftclien fann, locnn
bie Icgteren itircrfeitö bie 3luflöfung ber fortgefegten ©ütergemcinfc^aft nic^t
roünfd&cn. gür bie Siegelung beö ©ntrourfeö fommt inbeffcn, abgefe^n Don
ben großen prattifd&en ©d^roierigfeiten unb SBerroidEetungcn, roeld&c mit einer
ftüdfrocifcn 2(ufI5fung ber fortgefegten ©ütergcmcinfc^aft oerbunbcn finb, ent*
fd^cibenb in Setrad^t, bog bcm 9tecf)te bcöjenigen 9lbt5mmlingeö, roeld^er bie
Sluflöfung ber fortgefegten ©ütergcmcinfcf)aft Dcrlongen fann, nur bann in
üottcm Umfange SRcdjuung gelragen roirb, rocnn bie 3luflöfung ber fortgefegten
©ütergemeinfd^aft anä) in 3lnfe^ung ber übrigen 2lbfommlinge eintritt. 3nö*
befonberc l)at berfclbe rocgen feincö 6rb^ unb 5ßflid^tt|ieitred^tcö gegenüber bem
überlcbenben S^egotten unb roegen feincö ©rbre^tcö gegenüber ben anberen
gortflefefete ®ütcrflemeinf*aft. Sluflöfunfl. Ste(j&t8t?er]6ältm6. §1406. 475
Sttfommlingcn ein gntercjjc baran, ba§ nid^t bcr fünfttgc ©rroerb bcfi übcr^^
Icbcnben g^cgatten in boö ©cfammtgut bcr mit ben übrigen 2lbfömntlingcn
förlgefeftten ©ütergcmeinfd^Qft fällt (§ 1396 3lbf. 1) unb ba^ nid^t bcr Slnt^cil
dited ocrftorbenen Slbfommlingeö oUein ben 2:^cill^abcrn an bcr fortgefegten
©ütergemcinfd^aft anroäd&ft (§ 1397 3lbf. 2). S)ie gänjUd&e Sluflöfung bcr
fortgefeften ©ütergemnnfd^aft liegt aud& infofem im 3ntereffc bcr übrigen
StHömmlingc, afe biefelbcn bei biefer ^rt ber Siegelung in bcr Soge fmb,
nic^t allein in bcm SRed^töftreite bcö einen 9lbfömmlingeö gegen ben über*
kbenben ©Regatten auf Sluflöfung ber fortgefegten Oütcrgcmeinfd^aft na6)
3Ra§gabe beö § 66 ber 6. % D. alß Sntcroenicnlen in ber Stellung oon
Streitgenoffen aufjutreten, fonbern aud& bei ber Sluöeinanbcrfegung roegen bcö
©efammtguteö felbftänbig il^re SRcd^tc ju pertreten, roäl^renb üon bem entgegen*
gefegten ©tanbpunfte ouö bic (Scltcnbmac^ung i^rer Siedete gegenüber bem
avA ber ©emeinfc^aft auöfd&eibenben Slbfömmtinge bem überlebenben ©Regatten
in berfelben SBcifc, mie bei ber ätuöeinanbcrfegung mit ben einfeitigen älb*
ßmtnlingen beß ©rblafferö (§ 1394) übertaffen werben müßte.
§ 140f;.
S)ic Sinologie ber el)clid^en (Sütcrgemeinfc^aft, meldte für bic Ocftaltuug »tec^töwr.
bc« aied^tgüerl&öltniffeö ber fortgefegten ©ütcrgcmcinfd^aft roäl)renb Scftcl^enä beSöS.
ber legteren mafegebenb geroefen ift, fü^rt ba^in, aud& ba^ nad& 9luf(öfung bcr
fortgefegten ©ütcrgemeinfd^aft cintretenbe SRcd&töoer^Qltnife grunbfäglid^ nad&
jener Analogie 5u geftalten (§ 1406 5lbf. 1). 2)arouö in SSerbinbung mit .^ftunu
§ 1384 abf. 1 Sag 3, § 1399 3lbf. 1 unb § 1352 3lbf. 3 ergiebt ric^Tiamm'r
indbefonbere, bofe bic 9lbf5mmlinge oud^ nad^ Sluflofung bcr fortgefegten ^^^^^'^^
©fitergemeinfd^aft für bie ©efammtgutöücrbinblid^fciten nid()t pcrfönlid^ haften
unb büß fie nad^ erfolgter Sluöeinanberfcgung roegen bcö Oefammtgutcö bcr
fortgefegten ®ütergemeinfd&aft oon ben ©cfammtgutöglöubigcrn aud^ nid&t nad&
Ser^oltnife bedienigen, mos fie bei ber 2^t)citung aus bcm (Sefammtgute crlialtcn
^ben, bis jum Seloufe beö ®mpfangencn in 3lnfprud^ genommen merbcn
fonnen. S)ie Ocfammtgutögläubiger fönnen fid&, foroeit i^re SSefriebigung nid)t
bei ber Suöeinanberfegung nad^ 2Ra§gabe beß § 1406 3lbf. 1 ücrb. mit § 1377
Sbf. 1 ouö bem ©cfommtgutc erfolgt ift, lebiglidE) an ben überlebenben ®I)e*
gatten bcjm. beffen ©rben galten unb, fofern bie 9lbfömmlingc ctroa bei bcr
Suöcinanbcrfegung ju üiel erhalten ^obcn follten, fid^ nur ben bieferl)alb bem
überlebenben ©Regatten etma gegen bie 9lbf ömmlingc juftcl)enbeu SScrcidbcrungö-
anfprud^ im SBege bcr 3wangßDoUftrcdEung übenocifen laffen. 3lnIongenb ba^
befte^enbe SRec^t, fo ftimmen alle SRed&tc barin übercin, baß üor bcr SC^eilung
bie auf bem ©efommtgute rulienbcn ©d^utben junäd^ft auß bem ©efammtgutc
iu berid^tigen pnb. dagegen fe^It cß mciftcnß an außbrüdElid^cn Scftimmungcn
borüber, roie fid^ baß 55crl|ältni6 gegenüber ben ©(äubigem gcftaltct, wenn
unb foweit boß ©efammtgut ol^ne Dorgängige 33eridf)tigung ber barauf l)aftenbcn
S^ulbcn gct^eilt ift. ©injelnc SRed^tc, j. 33. baß Siecht üon Dßnabrücf, ftcl)cn
in biefer Sejiel^ung auf bem Stanbpunfte beß ©ntrourfcß, naä) anbercn SIedjtcn,
j. 9. ben Siedeten üon gulba, Tlcvpcn, S3rcmcn, ^Serben, Hamburg, wirb.
476 gortcjefc^tc ®ütergcmcinf(^aft. Slufröfunfl. 8*cd&tgücr5altni§. §1406.
njcnigftcnä in gcroijfcn gällcn bciw. in Slnfc^ung gcraiffer ©d^ulbcn, eine »er^
j^öltnifemäfeige Haftung ber aibfommlingc mit bcmjenigen, roaä fie bei ber
Stlieilung auö bcm Oefammtgitte empfangen liaben, angenommen, nad^ einigen
jener SRcd^te inbeffcn nur [ubjibiär. 2)ic ^ier einfd^(agenben SBcftimmungen beft
meftfäl. @ef. ü. 16. 3lpril 1860 § 18, meldten ber efirenbreitft. entro. § 58 unb
ber oönabr. ©ntro. § 20 fid& angefcftloffen \)ahtn, finb bereits in ben SHotiDen
p § 1384 oben ©. 431 mitgetf)eilt
S)ie ©rünbe, welche ju ber Scftimmung beß § 1384 Slbf. 1 Soft 3
gefüfjrt l^aben, ba^ bic Slbfömmlinge megen i^rer auö bem ©intritte ber fort^
gefegten (Sütergemeinfdiaft fi^ ergebenben 9led&te perfonlid^ meber für bic
93crbinblicf)feiten bcö üerftorbenen ©Regatten nod) für bie SBerbinblid&fcitcn bcö
Überlebenben @f)egatten Mafien, unb jmar für bie (enteren aud^ bann ni^t,
mcnn biefelben in SÄuöübung beö bem überlebcnben ©Regatten in Sfnfe^ung
beö ®cfammtguteö juftel)cnben SSermaltungöred^teä eingegangen fxnb (§ 1399
2lbf. 1 nerb. mit § 1352 SIbf. 3), fomie bie ®rünbe, auö roeld&en ber ©ntrourf
nac^ Sluflöfung ber etielid^en ©ütcrgemeinfdE)aft unb nad& erfolgter S^^eilung
beö el)elid^en Ocfammtguteö eine Haftung ber ©^efrau gegenüber ben ©cfammt?
gutögläubigcrn, roeldjen fie nic^t aus einem anberen Orunbe — abgcfe^cn Don
ber (Sütergemeinfcbaft — perfönlid) T)erl)aftet ift, nid^t anerfannt l^at, treffen
in gleid^er JBeife aud^ für baö nadi 9Iuflöfung ber fortgefe^ten ©ütergemeinft^aft
eintretenbe SReditöüerpltniS iu (nergl. bie äug. aWotioe ju §§ 1373—1380
oben e. 404 ff., bie SWotioe ju § 1384 oben S. 431 ff. unb bie 3Rotit)e ju
§ 1399 oben ©. 463 ff.).
l^^^^iT ^^^ ^^^ ^^^ el)elid&en ©ütergemcinfd&aft ber Seemann gegenüber ber
ber Gf)cfrau, fo mufe aus gleid&en (Srünben bei ber fortgefefftcn ©ütergemeim
**?inanCr" ^^^^^ ^^^ überfebenbe Gf)egatte auc^ gegenüber ben 5Äbfömmlingen bic ©inbuge
' allein tragen (oergl. bie äWotine ju § 1380 oben ®. 416). ^nforocit ift
bic ©tcDung ber 9tbfommlinge gegenüber bem überlebcnben G^egattcn eine
nod^ günftigerc, roie bie ber ©öcfrau gegenüber bcm (gljcmannc, als bic 3fb*
fömmlingc aud^ in 9lnfet)ung folcber SScrbinblid^fcitcn, meldte il^ncn gegenüber
bcm ©cfammtgute ber fortgefegten (Sütcrgcmeinfd&aft obliegen ober im 5Bcr»
fjältniffc bcs über(ebenben ©Regatten unb ber 3lbfömmHnge ju einanbcr ben
Icgtcren jur Saft fallen, bcm überlebcnben Gtjcgattcn nid[|t perfönlid^ ^aftcn,
fonbern nur ücrpflid&tct finb, fid^ ben Setrag bcrfelbcn auf ben i^nen ge^
büf)renbcn ^()cil bcs OcfammtgutcS anred^ncn ju laffcn (ücrgl. § 1400 SSbf. 3, 4,
§§ 1402, 1406 3Ibf. 4, 6). 3)icfe 93cfd^ränhing bcrul)t borouf, baft bie
fämmtlit^cn SBcrbinblidifciten ber \)\cx fraglid&cn 3lrt Icbiglid^ folc^e ftnb,
xodä)c aus ber '^^crfon beS ücrftorbcncn ©f)cgattcn ftammen, gegen eine per*
fönlid)c .'paftung rocgcn biefer 33crbinblicftfcitcn aber bie 31bt5mmlinge in
^olgc bcs Gintrittes ber fortgefegten @ütcrgemeinfd&aft aus ben in ben
SRotiücn 5u § 1384 oben S. 431 ff. bargcicgtcn ©rünben unbebingt gef^fift
mcrbcn muffen.
gBcnnglcid) im § 1406 9Ibf. 1 ber § 1380 nid^t mit aDcgirt ift, fo ifk
bod) mit Stüctfid&t barauf, bafe in bem für cntfprcd^cnb anroenbbar crHorten
§ 1376 aud) ber § L380 angcjogcn ift, jur SScrmeibung non aKifeocrftänb*
niffen im § 1406 9(bf. 6 ber § 1380 ausbrücffic^ für nid&t anroenbbar erfKrt
gortgefcfttc ®ütcröcmcinf(5aft. «uflofunfl. 3?cd6tgbcrl)altm§. §1406. 477
3m Ucbrigen ift jum § 1406 noäi golgcnbc« ju bcmcrfcn:
1. Sfnlangenb bic cntfpred^cnbc 3lnu)cnbung bcö § 1377 2lbf. 1 , fo ift »eri<^tiflunfl
bei ber fortgcfcfetcn ©ütcrgcmcinfd^oft bic ©ad^Iogc aUcrbingö infofern eine fl"tfw?S'
anbete, ote bic bei ber Scftimmung be« § 1377 Slbf. 1 in SBetrod^t gejqgene "*'«**f"-
Küdfi^t auf bie Sid^crung ber ß^efrau gegen bic S^anfpruc^no^me wegen
fol^er Ocfammtgutöocrbinblid^feiten, für welche fie perfönlid^ fiaftet, bei ber
fottgefe^ten (Sütcrgcmcinfc^aft roegfäDt, weil bei biefer bie 3lbfömmlingc für
©efammtgutöoerbinblic^fciten ben ©laubigem niemals perfönlid^ tiaften. ©ö
Bnnte beö^alb in grage fommen, ob efi fid^ nic^t im Sntercjfe größerer
Sic^ng bed fibcriebenben ©f)egatten unb aud ben übrigen in ben 3Rotiüen ju
§ 1377 oben ©. 410 ff. fjerüorge^obcnen ©efid^töpunften empfehlen mürbe, bie
33c|ilimmung beö § 1377 3Ibf. 1 burd^ bie SBorfc^rift ju erfegen, bafe an ©teile ber
öcrit^tigung ber Oefammtgutöoerbinblid^feiten l)ier bie Ueberroeifung berfelben
an ben übcrlebenben 6l)egatten tritt. ®egen eine folciie Siegelung fpred^en
inbejfen bie übrigen in ben 2Rotit)en ju § 1377 geltenb gcmad^ten, aud^ ^ier
jutreffcnbcn ©rünbe, mcld&c bem tl)atfäcl>lic^cn Sntercfie ber ß^efrau an ber
Seriditigung ber ©cfammtgutöoerbinblid^feiten unb bem 3nterefje ber (Se-
fammtgutdgläubigcr entnommen finb. DI)ne bie jroingenbften (Srünbc fann eine
oerfd^icbene rcd^tlic^c Sc^anblung einanber fo nal)eftet)enber göUe jubem im
3ntereRc ber ©infad^^cit beö ©efefeeß ate angemeffen nid^t erad&tet merben.
2. 3^ Uebereinftimmung mit ber großen SKe^rjal)! ber beftcl^enbcn x^eiiunfl«.
3le(^c, fomo^t ber auf bem Soben ber fortgefegten (Sütergemeinfd^aft im engeren '**'^*^*"' '
Smnc ate ber auf bem 33obcn ber Jlonfolibation ober beö 9lUeinerbrec^tcö bcö
überkbcnben ©Regatten ftetienben SRed&tc (lüb, 9lcd^t, Sdöleön)ig:j^oIftein, ^am^
bürg, Sremen, 35erben, Süneburg, Sllte Sanb, ajlünfter, fabeln, ^ilbeä^eim,
Ofinobrüd, Singen, SBent^eim, lippe-bctm. SBerorbn. v. 1786 § 22, roeftfäl. ®ef.
0. 16. 2lprit 1860 § 15, gulba, ®rbad), ©igmaringen, Samberg, 2:^urnau,
ftoufbcuren, SBinbölieim, 6icl>ftäbt, 5ßappenl|eim, 5Bürjburg, ©aftell, ©d^roein*
fürt; oergl. au^ odnabr. ®ntro. § 17; e^renbreitft. ®ntn). § 62; toürttcmb.
ßtttro. §§ 301, 309) unb entfpred^enb bem SBefen ber fortgefegten (Sütergemein^^
fc^aft ate einer ©emeinfd^aft auf (Sebci^ unb SSerberb get)t ber ©utmurf baoon
aus, bafe bei ber 2^^citung beö ©efammtguteö ber ben 3lbfömmlingen gc^
bü^renbc Slnt^eil an bem Oefammtgute nadd bem 33ermögenöjuftanbe 5ur 3cit
ber S^eilung fcftgefegt mirb. 2lte 9lnt^eil ber 3lbfömmlinge an bem 63cfammt*
gute bcftimmt aber ber § 1406 3lbf. 2 bie §älftc pon bemienigen, maö üon
bem ©efammtgute nad^ Öerid^tigung ber ®efammtgutöt)erbinblid)feiten übrig
bleibt, nm^renb bie anbere $älfte bem überlebenben ©Regatten jufällt. 2)ie
SejHmmungen ber befte^enben SRcd^te über baö 2:i)eilungöoerf|ältni6 finb fetir
Derfd^iebcn. S^^eilfi beftimmen fie, wie ber ßntrourf, ^albtt)eilung jmifd^en
bem fibcriebenben (S^egatten einerfeitö unb ben Slbfömmlingen anbererfeitö,
t^eite Äopft^eilung unter ben fämmttid^en Snterejfenten beö ©efammtguteö,
t^eilö finbcn, je nac^bem ber SSater ober bie 3Jlutter ber überlebcnbe Xl)dl ift,
ober \t nadf ber änja^I ber Äinber ücrfd^iebenc Orunbfäge ftatt. 3lad) anberen
Setzten erfolgt feine SCI^eilung bcö ©efammtguteö nad^ S3rud)t^cilen, fonbern
nur eine 5Kb^nbung ber Äinber unter SScrüdfid^tigung bcö üon bem juerft
i>erftorbcncn eijegatten eingcbrad^ten SBermögenö ober beö oorl^anbencn ©c-
478 gortöcfet;te ®ütcröcmeinf(6aft. auflöfung. ?Re(6t5öer6älhii§. §1406.
famtntgutc«. ©injcine Siedete ftcUen ferner neben ber 2:^eUun8 nad^ Srud^«
ti)ei(en bem übertebenben ©Regatten bie b(oge 3(bt^ei[ung ber Jtinber üon bem
Vermögen bcs Derftorbcnen ©Regatten (fog. ^artialt^eilung) jur SBa^l. Uebers
njiegenb fte^t inbeffen boö gcitenbe Siedet auf bem 93oben ber ^albt^eilung.
©ö geboren ba^in namentUd^ von ben SRed^tcn mit fortgcfeftter Oütcrgemein*
fd^oft im engeren Sinne bad lüb. Stecht oerfd^icbene fci^ledm.^olft. unb l)Qnnoo.
Siedete, bie lippe^^betm. SSerorbn. v. 1786 § 22, baä roeftfäl. ©efefe v. 16. Xpril
1860 § 15, bie 9?ed^tc üon ®rbad^, ©igmaringen, 2^^urnau, femer Don ben
JRed^ten mit Konfolibation unb 2lÜeinerbred^t beö überlebenben ©Regatten bie
Siedete Don Dönobrücf, ^ßoppen^eim, SBinbßl^eim unb mit geroiffen 3Bobififti«
tionen bie Siedete üon Jlaufbeuren unb ©id^ftfibt (oergL aud^ oönabr. ©ntro.
§§ 9, 17; e^renbreitft. ©ntro. § 50; TOürttemb. ©ntro. § 309). 9lad^ cinjelncn
bicfer SRcd&te, }. 33. bem Siedete Don SBinböl^eim (oergl. auc^ mürttemb. ©ntro.
§ 309), erhält jebod^ ber überfebenbc Ehegatte üon ber ben Äinbern jufallenben
»Raffte Äinbefitl)eil ober ben fonft i^m neben Äinbern jufommenben ©rb*
t^eil. Sic ^Qlbtf)eilung jroifc^en bem überlebenbcn ©Regatten einerfeits unb
ben Sfbfömmlingcn onbererfeits entfpric^t bem (Sebanlcn beö ©ntrourfcfi, baft
ber Sfnt^cil ber festeren an bem (Sefammtgute ber fortgefefttcn ©ütergemcin*
fc^aft materiell ber ©rfatf fein foll für i^r gefefclid&eö ©rbrecftt an bem jum
3fod^Iaffc beö t)crftorbcnen ©Regatten ge^örenben Oefammtgutöont^eile. 9lur
infofern erleibet biefer ®ebanfe eine 5Kobififation, alö im ^[nfd^Iuffe an bie
große 9ßc^rja^I ber beftcl^enben Sled&te baö bem übertebenben ©fiegatten neben
bem 3lbfömmlinge gefcglid^ juftel^enbc ©rbrcd^t ju ein SSiertel ben gemein*
fd^aftlid^en Slbfommlingen gegenüber bei ber 2^^eilung beö ©efommtgutcö
unberüdEfid^tigt bleiben foU. 3)aö preufe. 91. S. SR. II, 1 § 639 giebt ben SCb*
fommlingcn fogar — abroeid^enb Don bem gemeinen gefeglid^en ©rbrec^te
(ir, 1 §§ 623, 624) — bie t)oUe ^ölfte beö elieli^en ®efammtgutcö, obwohl
baöfelbe bem überlebenben ©l^egatten ein 9?ed&t auf bie fortgefe|te ©üter«
gemeinfd&aft nic^t einräumt. 9Bic in ben SBotioen ju § 1384 oben ®. 434 bereit«
f^eroorgel^obcn mürbe, ftellt fid^ bie 9lid^tberüctiid^tigung beö gefeßli^en ©rb^
rcd^teö beö überlebenben ©Regatten in Slnfe^ung beö jum 3lai)laf\c beö oer*
ftorbenen ©Regatten gefiörenben ©efammtgutöant^eücö a(ö eine billige Xuö^
gleid^ung bafür bar, bag bie gemeinfd^aft(id^en Stbfömmlinge i^ren ©rbt^U
nid^t fofort mit bem 3:^obe beö oerftorbenen ©Regatten, fonbern erft na(^ Stuf*
löfung ber fortgefefeten Oütcrgemeinfd&aft erhalten, eine Sluögleid^ung, meb^fc
anbererfeitö ben überlebenben ©Regatten nid^t befd^roert, weil er cö nad^ § 1386
in ber ßanb ^at, bie gütergemeinfd^aftlid^e ©rbfolgc mit ber SBirfung auö*
5ufd&Iagen, bafe bie gefe^lid^e ©rbfolge eintritt. 8BenngIei(^ bie Seftimmung
bcö § 1406 3lbf. 2 fdion auö § 1406 9lbf. 1 in »erbinbung mit § 1377 «bf. 2
fiergelcitct merben fann, fo ift eö bod^ im 3ntereffe ber S)eutlid&feit beö ®efc(eö
ate ratljfam erad^tct, jene 33eftimmung aufjunel^men, um namentlich bem SHife^
üerftänbniffe entgcgenjutreten, ba^ jiDifd^en bem überlebenbcn ©begottcn unb
ben gemcinfd^aftlid^en Slbfommlingen nad^ Jlopft^eilen getl^cilt werbe.
«onfurrenj gjon bcm ^riujipc ber §al6t^eilung ^at ber ©ntrourf oud^ für ben gall
9i6ömmHnge fciuc Sluöna^mc gcma^t, wenn neben bem überlebenben ©Regatten einfeitige
be««rMaff€r». 2[5{5nitnlinge beö ©rblaRerö ben Unteren mitbeerbt ^aben. ^ie Äonfequenj
gortgefe^tc ®ütec9cmcinfd&aft. «ufröfung. ?Re(6t8ücr5drtm§. §1406. 479
bc« ©cbanfcnfi, bafe bic gcmcinfd^aftlic^cn Slbfömmlingc materiell badjenigc
erhalten foBcn, toaö fie oon bcm e^cHd^cn ©efammtgute als ©efefecficrben
bed ©erftorbenen 6f|cgattcn erl^altcn fjoben mürben, würbe aUerbingö ba^in
fu^, bofe in bem bcjeid^neten gälte bei ber 2;ijeilung beö ©efammtgutcö bcr
fortgefefttcn ©ütergemeinfd^aft bie ©roge bes ben gemcinfc^oftlic^en 3n)f5mm^
fingen iufommenben Slntl^eiles pd^ burd^ boö SSer^äftnig beftimmen mü§te, in
©etd&cm ber nad^ äbjug beö ben einseitigen Slbfommlingcn jugefoHenen 2:^eiled
brt ©efammtguteö uerbleibcnbe 3;^eil ber ^ölfte beßfclben ju ber anbcren
^Qlfte fianb. ®egen eine berartige Siegelung fpred^en inbeffen überroiegenbe
©tünbc. aSie cö im SBefen ber allgemeinen elielid^en (Sütergemeinf^aft liegt,
boB nac^ äuflofung ber lefeteren ba& elielid^e ©efammtgut iebem ber ©Regatten
jur §Älfte iufällt, aud^ wenn ber eine 6l|egatte weniger alö ber anbere in
bic ©emeinfd^aft eingebrad^t I|at, [o entfprid^t eö aud^ bem SBefen ber fort*
gefegten ©ütergemeinfd^aft, ba§ nad^ 9luflofung ber lefeteren baß ©efammtgut
ber fortgefe|ten ©ütergemeinfcftaft unter bem Überlebenben ©Regatten einerfeitö
tinb ben gemcinfd^aftlid^en Slbfömmlingen anbererfeitö nad^ Hälften getfieilt
©irb, wenngleich in golge befi aKiterbred^teö einfeitigcr 3lbfömmlinge beö wer«
jlarbenen ©Regatten ber Slnt^eil ber gemeinfd^aftlic^en Slbtommlinge an bem
jur 3rit beö S^obeö beö 6rblafferö üorl^onbenen ©cfammtgute weniger alö bie
^Ifte beö te|teren betrögt, roäl^renb bem Überlebenben ©Regatten bie ^älfte
beöfelben Iroft eigenen SRed^teö jufte^t. 9Bie bie 9iid^tberüctrid^tigung beö bem
ttbertebenben ©Regatten neben ben gemeinfd^aftlid^en 5lbfömmlingen nadd ^^^
gefejlid^en Erbfolge juftel^enben ©rbred^teö, fo ift aud& bie $Rid&tberüdErid^tigung
be« ben cinfeitigcn Slbfömmlingen jugefallenen 2:^eileö beö efjelid^en ©efammt*
guteö eine billige Suögleid^ung bafür, bafe ben gemeinfd^aftlid^en 9lbfömm:^
lingen burc^ bie fortgefefete ©ütergemeinfc^aft baö ©rb* unb 5ßfl[id^tt^eilöred^t
gegenüber bcm oerftorbenen ©Regatten entjogen ifi unb fie moteriell il^ren
Srbt^il an bem jum SJad&laffc beöfelben gel^örenben ©efammtgutöantl^eile erft bei
Suftofung bcr fortgefefeten ©ütergemeinfd^aft erl^alten. ®iefe Sluögleid^ung ift
um fo billiger, alö bie gemeinfd^aftlic^en Slbfommlinge in golgc ber fort^
gefefftcn ©ütergemeinfc^aft ber ©efa^r auögefefet pnb, bei eintretenber 35er«
minbcrung beö ©efommtguteö weniger ju erhalten, alö bie einfeitigen 9lbfömm«
lingc ®iefe ©efal^r wirb wenigftenö oerminbcrt, wenn bei ber bemnäd^ftigen
iuöcinanbcrfeftung baö ©efammtgut nad^ §älften get^eilt wirb. 3)iefe 9lrt
ber 2^lung tann aud^ nid^t alö eine UnbiUigfeit gegen ben Überlebenben
Chatten angcfe^ werben, ba berfelbc bic 9Ba^l jwifc^en bem gütergemein«
f^i^aftlu^en unb bcm gefefelid^en ©rbred^te ^at (§ 1386) unb jubem bie all«
gemeine ©ütergcmcinfddaft nur auf ©runb eineö Sßcrtrageö eintritt, jeber ber
^^attcn mithin in ber Sage ift, fic^ gegen bie il)m auö bem SBor^anbenfein
einfeitigcr Slbfommlinge beö anberen ei)egatten bro^enben SRod^ttieile burcfe
geeignete SBcrtragöbeftimmungen, j. 33. baburd^, bafe ein Stficil feineö SSermögenö
für SSorbe^altögut erllärt wirb, ju fiebern, wö^renb bie Slbfommlinge fid) nid^t
in bcr glcid^ Sage befinben. gerner fommt in 33etrad{)t, bafe bie SBerüct«
Rc^tigung bcfi ben einfeitigen Slbfömmlingen jugefallenen SC^cileö beö etielid&en
(Befammtgutcö bei ber 33eftimmung beö 9lntt)eileö ber gemeinfd^aftlidjen
Ibfömmlinge an bem ©cfammtgute ber fortgefeftten ©ütergemeinfd^aft baö
480 gortöe[c^tc ®ütcrocmcmf(5aft Sluflöfunfl. gte(5t«t>eröältni6. §1406.
aScrfiältnife fompUjirt unb namcntUd^ bann ju bcn größten praftif^cn
©d^roicrigfcitcn fü^rt, wenn ber Slntl^eil bcr 93ortinbcr in golgc bcr ©runb^
föge über bie ÄoHation ntd^t bem SBcr^ältniffe xfyct^ gefcftUd^cn ©rbt^cilcö
cntfprid^t, fonbcm burd^ baö SScrJ^ältnife auögcbrücft werben muß, in toeld^em
bcr il^nen jufommenbe 5Bertf|betrag ju bcm aBcrtl^betrage beö ©efammtgute«
ftel)t. ®q6 bcr übcricbenbe ©begatte wegen ber mit ber ^albt^eilung in bem
^ier fragtid^en gaUc Dcrbunbcncn 33enac^tl^ei(igung in SBerbinbung mit ber
9lid^tberüctfid^tigung feines gefefelid&cn ®rbt^ei(eö ju ein Sßiertcl unb mit bem
Umftanbe, baß fein 9lnt^eil an bem SBorbe^altös unb ©onbergute beö ücr?
ftorbcnen ©l^egatten, foroic fein fpätercr ©rmerb in baß ©cfammtgut fällt
(§ 1396 3lbf. 1), fid^ l^äufig ceranlafet fe^en merbe, bie gütergemeinfd^aftUc^
©rbfolge auöjuf(^lagcn, unb ba§ auf biefe SBeife ber ^rocd befi 3nftituteö ber
fortgefeftten (Sütergcmeinfcftaft vereitelt ju roerben brol^e, ift nid)t ju bcforgen,
um fo roeniger, ate, foüicl ju erfe^en, aud^ baö gcltcnbe Siecht — roenigPen«
t)om)iegcnb — auf bcm ©tanbpunfte beö ©ntrourfeö ftel^t Ob auc^ bofi
roeftfäl. ®ef. d. 16. 9tpril 1860 §§ 7, 10, 15 in biefem Sinne ju t)erftc^cn, fanii
allerbingö }n)eifeU)aft fein.
»oricflung n^^x bcu J^^cilungöintereifcntcn bie erforbcrlid^e Äenntnife ber 2^^cUungö*
Snwntarcö. maffc JU ocrfd^affcn, ift in perf^iebenen SRed^tcn bie SBerpflid^tung befi
überfebenben ©Regatten jur SBorlegung eineö ^nücntareö, nad^ einigen au^i
}ur eiblid&en Sefräftigung beö Icfeteren, anerlannt (ücrgl. j. 33. bie lippc^betm,
aScrorbn. ü. 1786 § 22). 3n SBeftfalen entfddeiben in bicfcr Sejic^ung bie
33orfd^riften beö preufe. 31. £. 31. n, 18 §§ 34, 35, 303 ff., 414, nat^ melden
ber übcricbenbe 6()egatte jur 5Kufnal|me eineö 3nt)entareö unb jur 33eeibigung
beöfelben ücrpflid^tet ift (oergl. aud& c^rcnbreitft. ©ntro. § 62 unb, foüiel bie SSer*
pflic^tung jur SSorlegung eineö ©ütcrücrjcid&niifcö betrifft, oönabr. 6ntm. § 19).
gür bcn ßntrourf finb im ^inblicfe auf bie allgemeinen Seftimmungeu
beö § 777 bcfonbcrc SSorfd^riften in biefer Slid^tung entbe^rlid^.
jRcc^tbeö 4, s)ie bcfonbcrc 83eftimmung beö § 1406 aibf. 5 Safe 1 entf priest einer
eSttenTur grogcu 3^^! ^^^ ©ütcrgcmeinfddaftörcd&tcn, rocl^e bcm übcrlcbcnbcn e^cgottep
be4 ©Sammt* ^^* 5Rcd^t bcUcgcn, bie 3Ibfommtingc bei bcr Sd^id&tung ganj ober t^eilroeife
guteö. in ®elb abjufinben. So- getjoren ba^in namentlid^ cinjelne fd^leöro.fiolft. Siedete
bie SRcdjte von ^ilbcö^eim, DönabrüdE, üKeppcn, Singen unb alte Äanb,
baö liamb. SRcc^t beim Uebcrleben beö SSatcrö, bie Siedete t)on ®rba(§, Samberg
unb baö meftfäl. (Scf. v. 16. 3lprit 1860 § 17 (ücrgl. aud^ oönabr. entw.
§ 19; cl^rcnbrcitft. ©ntm. § 63; roürttcmb, ©ntro. § 311). gerner ift no4
bem preufe. 31. S. 91. II, 1 §§ 648 ff., bcffcn »eftimmungcn aud^ ba, wo
proüinjicHe ober ftatutarifd^e Oütcrgcmeinfdiiaft gilt, baö betreffenbe 3lc(i^t ober
feine befonbercn SScftimmungen entljält, unb inöbcfonbcre aud^ bei ber fort*
gcfcfetcn C9tttergemcinfd^aft beö in ^^Jommern gcltcnbcn lüb. SRec^teö, jur Siv
rocnbung fommen, bcr übcricbenbe et)cgatte bercd^tigt, ©runbftürfe unb (3e*
rcd^tiglcitcn gegen eine oon bcn übrigen ©rben ju fcfecnbe !i:afe unb bie jum
tägUd{)cn ^auögcbraud^e bcftimmtenaKobilicn^ gegen eine gehörig aufgenommene
^rit)attajrc ju übernehmen.
©ö läßt fic^ nid^t ocrfcnnen, baß baö bem übcrlcbcnbcn (S^egattcn bur^
bie 33eftimmung beö § 1406 3lbf. 5 Saß 1 beigelegte Siedet eine große 8e*
gortflcfe^tc ©ütergemeinf^af t. 2tuflöfunfl. Stc^töücröältnig. §1406. 481
günftigunfl bcöfclbcn gegenüber bm gemeinfc||aftlic^cn Slbfömmlingen enthält,
ha bcr Sd^äftungdrocrt^ unbcftimmt unb relatio ift unb berartigc ©^ä^ungen,
wie bic ©rfa^rung (e^rt, nur gering außfallen. 3^*^^^ geroöl^rt jene Sc^
ftunmung in SSerbinbung mit ber Seftimmung beö § 1403 3lr. 5, mä) tt)cld)er
ber überlebenbe @^egatte bur^ feine einfeitige ©rilörung bie äluflöfung ber
fortgcfefttcn ©ütcrgemeinfd^aft l^erbeifü^ren fann, bic 2)l5gIidE)feit, für bie
Xuflofung bcr fortgcfefetcn ©ütergemcinfc^aft ju feinem 33ortf)eile unb auf
Äoftcn ber gemeinfc^aftlid)en Slbfömmlinge einen 3^itpwnft ju mäf)Icn, in
roel^em bie ju bem ®efammtgute gcl^örenben (Segcnftänbe, namentlid^ bie
Orunbftücfe unb Sßert^papiere, nur einen geringen 8DBert|i traben. 2luf biefe
Sebcnfen fann inbejfcn entfd^eibenbcö®en)ici^t nid^t gelegt merbcn. SJlad^t ber über^
lebcnbe 6f|egatte pon feinem 9lcd^te, burd^ einfeitige ®rllärung bie Sluflöfung
ber fortgefegten ©ütcrgemcinfc^aft ticrbcifül^rcn unb aldbann ba& ©efammtgut
ober ein}cine £^ei(e bedfelben gegen @rfQg beö burc^ S^ägung ju ermittelnbcn
SSert^cö JU übernehmen, ©ebrauc^, fo ift er anbererfcitä auc^ jur fof ortigen
Sudio^Iung beö ben gemeinfd^aftlid^en 9(bfömmlingen }ufommenbcn ©clb^
belrageö oerpflid^tct. 2)abur(j& mirb bie Ocfa^r, bafe ber überlebenbe Gl^egatte
fein SRed^t auf koften ber 3lbfömmUnge mi§brau(|t, iebcnfallö ücrminbcrt.
6ntf(^eibcnb fällt aber ben l^erüorgc^obenen 33ebentcn gegenüber inö (SJcroid^t,
ba§ bie, jubem mit bcr 3Jlc^rjal)I ber beftel)enben SRed^te im ®inflange ftcl^enbe
Seftimmung beö § 1406 SHbf. 5 ©aft 1 cä bem übcriebenben 6(}cgatten er:=
inögUcöt, aud^ im gallc ber Sluflöfung bcr fortgefcfeten ©ütcrgcmcinfd^aft,
namentlich im galle ber 3Bieberoerlöciratl)ung, entfpred^enb bem 3^^^^^ ^^
oBgemeinen ©ütcrgemcinfd^aft, fid^ ben Sefife beö ©cfammtücrmögenö unb
bcmit bie roirt^fd^aftß^e ©runblage feincö Sebenö in ber biöl)crigcn aSBeife ju
er^Iten, toä^rcnb ol^nc bie l^ier fragliche Seftimmung cö regelmäßig ju einer
Serfilberung beö ©cfammtgutcö fommen mürbe. 3)Ut bcrfelbcn ift ferner
ber Sorti^cil ücrbunbcn, ba^ fic bem übcriebenben ©Regatten bie aJlöglic^*
feit gcioä^rt, ju beftimmen, meld^cö ber gcmcinfd&afttid)en Äinbcr ben einen
ober anberen ber ju bem ©efammtgute gel^orcnbcn ©cgcnftänbe, namentlich
ben ©runbbefiß ober ein geroerblicbcö ©tabliffcment, bemnäd^ft bctommcn
foD (oergl. § 10 3lbf. 4 beö rocftfäl. Oef. v. 16. 2lpril 1860). SBcnn burd^
bie ^icr fragliche 83cftimmung bie gemeinfd^aftlic^cn 3lbtömmlinge un^^
günftiger geftellt roerben alö bie einfeitigen Slbfömmlingc, bcncn gcgcn^^
über ber ©ntmurf ein fold&eö Siedet beö übcriebenben (Stiegattcn nid)t am
erfannt ^at (t)crgl. bie aWotiüc ju § 1383 oben ©. 423), fo re^tfcrtigt
fic^ biefe ocrfd&icbene Scfianblung burc^ bie ücrfc^icbcnc ©tcHung, meldte
einerfeitö bic einfeitigen aibfömmlingc beö t)crftorbencn eijcgattcn, anbcrerfeitö
bie gemeinfc^aftlid&en Slblömmlingc bem übcriebenben eijcgattcn gegenüber
etnne^en.
35ie beDoriugte ©tcllung, mclcl^e bem übcriebenben ©Regatten uac^ ben ausnahmen.
angeführten Med^ten eingeräumt ift, mirb inbeifcn ^äufig nur für bic gäUc
ancrfannt, menn bie ©^id^tung freiwillig ober rocgcn ®ingcl;uug einer neuen
e^ erfolgt. 9iad^ bem meftfäl. ®cf. o. 16. 2lpril 1860 § 17 gcl)t, roenn bie
Sc^ic^tung wegen S3et)ormunbung beö übcriebenben ef)cgatten ober auö Orünben
erfolgt, meiere ben aSerluft bcr Pätcrlic^cn ©croalt jur golgc f)aben, bic Sc*
482 Sortöcfe^tc ®üteröcmemf4aft. Sluflöfung. JRed^töberliältmS. §1406.
fugnife, baß gemeinfd^aftli^c 9Scrmögcn gegen 2:are ju übernehmen, auf bie
Äinber über (cbenfo oSnabr. ®ntn). § 19; eljrenbreitft. ®ntro. § 63). 2)cr
gntrourf fd&Iiefet fid^ biefen Siedeten infofern an, als er, unbefd^abet beö nat^
§ 1378 äbf. 2 oerb. mit § 1406 äbf. 1 {ebem ©Regatten äuftel^enben Slec^tefl,
ba« im § 1406 3lbf. 5 ©afe 1 bem übertebenben ©l^egatten beigelegte befonbcrc
Siedet bemfelben Derfagt, wenn bie Sluftofung ber fortgefe|ten ©ütergemein-
fd^aft auQ einem ber im § 1405 bejeid&neten ©rünbe, alfo in golgc eines SSer^
fd^ulbens beö übericbenben ©Regatten erfolgt. S)agegen ift cö alß bcbenttid^
erad^tet, baö 3Ba^lred^t beö Überlebenben ©Regatten in einem fold^en gallc auf
bie 3lbfömmlinge übergeben ju laffen, ba bieö ju einer großen ^ärte gegen
bcn Überlebenben ©Regatten fül^ren fann, wenn baö SBermogen ganj ober
tt)eilrocifc Don il^m ^errü^rt. 3lad) § 1407 Slbf. 2, 3 fte^t aber in folc^cn
gälten ben antfieilsbered^tigten 3lbfömmlingen baö SRed^t ju, einen ®egenftanb,
TOeld^en ber Derftorbene ©l^egattc nad& ber aSorfd^rift beö § 1378 Slbf. 2 gegen
Grfafe beö SBert^eö ju übernel^men bered&tigt gcroefen roäre, in gleid&er SBcifc
JU übernel^men.
unvtrnbms j)tj^ jjQg [xti % 1406 SÄbf. 5 ©aft 1 bem überlebcnben ©Regatten bei*
luS^L. gelegte Siedet nid^t auf bie ®rben bcöfelbcn überget)en foU (§ 1406 9lbf. 5 ©afe 3),
vtdftti. rechtfertigt fid^ bur^l bie SWüdffid^t auf bie perfonlid^e Stellung beö übericbenben
©Regatten, weld^e für bie (Sinräumung jeneö SRcd^teö an benfetben mafegebcnb
geroefen ift. 6ö empfiel)lt fid^ auc^ nid^t, bem übcrlebenbcn 6f>egatten baß
9ied^t äu geben, burd) 33erfügung oon S^obeöroegen ju beftimmen, bafe ein
ant^eilöbered^tigter 9lbfömmling jeneö Siedet foH auöüben fönnen (oergl. meftfäl.
®ef. t). 16. 9lpril 1860 § 10 3lbf. 4), ba ber ©ntrourf im Uebrigen bem übcr^
lebenben ©Regatten baö SRcd^t ju SSerfügungen oon SCobeömegen, meldte bie
ben gemeinf^aftlid^en Slbfömmlingen an bem Oefammtgutc ber fortgcfef^tcn
©ütergemcinfd^aft jufte^enben SRcc^te, inßbefonbere in 3lnfef|ung ber Sluß*
einanberfefeung, berüf)ren, gmubfäftlid^ oerfagt ^at (§ 1409), eine Seftimmung
ber fraglid^en 2lrt ba^er alö eine fafuiftifd^e Slußna^mebeftimmung fic^ bar-
ftellen mürbe, meldte burd& ein bringenbeö praftifd^eö SSebürfnife um fo weniger
geboten ift, alö ber überlebenbe ©begatte bm ^voed, meldten eine berartige
SBeftimmung verfolgt, nämlid^ ber gamilie ben ®runbbefi6 ober ein geioerb*
lid^eö ©tabliffement ju erhalten, aud^ baburd& erreid^en fann, bafe er bei feinen
Sebjeiten burd^ einfeitige ©rflärung bie äuftöfung ber fortgefe|ten ©üter^
gemeinfd^aft ^erbeifül^rt (§ 1403 9Jr. 5) unb bann uon bem i^m nac^ § 1406
9lbf. 5 Safe 1 5uftel^cnben Siedete ®ebraud& mac^t.
robt^iiung. 5. 3ia(f) einer großen S^\)l mn Siedeten, namentlid^ üon fol^n, locld^
auf bem Soben ber ^onfolibation ober beö älDeinerbred^teö beö Überlebenben
©Regatten fte^en, ^at bie ©d^ic^tung jugleid^ bie Sebcutung einer fog. %obf
t^eilung, b. 1^. einer 3lbfinbung ber Äinber t)on bem Vermögen beö übertebenben
©Regatten, unb jmar entroeber in ber 9lrt, bafe bie abgefc^id^teten Äinbcr ba*
burd^ i^r ©rb^ unb 5ßflid&ttl^eilöre(^t nur ju ©unften ber nld^t abgefd^id^tetcn
Äinber, fomie beö übertebenben ©Regatten unb ber Äinber einer oon bem
tefcteren eingegangenen neuen gütergemeinfd^aftlid^en ©^e t)ertieren, ober in ber
SÄrt, bafe il^r ^flid^ttJ^eilöred^t gegenüber bem übertebenben ©ttemttieile über-
haupt roegfällt unb i\)t 3nteftaterbred&t mefir ober weniger befd^ränft wirb.
gortgctc^tc @utcrgettiemf(5aft. STuflöfung. SRed&tSücrl&altnlg. §1407. 483
Somit ift bidtPeUen eine äßobififation bed @rbred^ted beö flberlebenben ®^e«
gatten gegen bie abgefc^id^teten 5tinber fon)ie ber (egteren unb ber nid^t ab«
gefcftit^teten Äinber bcjn). ber Äinbcr einer neuen (Sbe t)erbunben, yiaä) einer
onberen Oruppe t)on SRecftten, namentlid^ t)on fold&en mit fortgefegter Oüters
gemeinfd^aft im engeren @inne^ erleibet bagegen bad erbred^tUd^e 93er^ä(tnig
ber abgeftlfid^teten Slbfommlinge gegenüber bem überlebenben eitemtljetle unb
gegenüber ben etwa nid^t abgefc^id^teten Oefd&roiftern leine 3lenbenmg. 3^^
biefcr Oruppe oon SRed^ten gel^ören inöbcfonbere bie Siedete t)on fabeln. Singen,
Sigmaringen, bod roeftfäl. ®ef. v. 16. aipril 1860 § 10 unb bie ba^r. SRecftte
mit äudna^me ber SRed^tc üon SBürjburg, ©d^roeinfurt, (SafteD, Bamberg unb
©rbad^ (öcrgL ferner odnabr. ®ntn). §§ 9, 12, 13 2lbf. 4 ; eljrcnbrcitft. ®ntn).
§§ soff.; roürttemb. ©ntro. §§ 310—318). 2)er ©ntrourf l^at fxd^ biefen
leftercn Siedeten angefd^Ioffen. ®er Sluflofung ber fortgefefeten Oütergemein-
fc^ft anal auf bad (Sxb^ unb $f(id^tt^ei(drcd^t ber gemeinfd^aftlic^en Wd^
tommlingc gegenüber bem überlebenben ©Ijegatten einen ©influfe einjuräumcn,
nmrbe mit bem ©runbgebanfen bcö ©ntrourfeö, bafe ber 3lntl)eit ber 2lb*
Bmmlinge an bem ©efammtgute ber fortgefefetcn ©ütergemeinfdfeaft ber ©rfaft
für bad benfelben entjogene 6rb* unb ^Kid^ttl^eilöred^t gegenüber bem ocr^:
ftorbenen (S^egatten fein foD, nid^t im @inf(ange fte^en unb überl^aupt eine
mit bem 3nterejfe ber 9lbtömmUnge nid^t vereinbare, ju meit gel^enbe ©urd)«
brec^ung ber allgemeinen erbred^tftc^en ©runbföge enthalten, rceld^e burd^ bie
Xüäficbt auf ba& ^ntereffe bed überlebenben ©Regatten unb bie (Setrenntl^altung
beft Vermögend ber t)erfd^iebencn @^en im §aDe ber äBieberoerljeirat^ung bed
überlebenben S^egatten nid^t gere^tfertigt merben tann.
6. 3lad& t)erfd^iebenen SRed&ten ift ber übertebenbe ®f|egatte ober boc^ ber 9iu|unfl«re(ftt
überlebenbe SSater bie SÄnt^eitc ber Äinber bid ju beren SBerl^eiratl^ung, Selb« g^<ga\*tn an
ftdnbigfeit ober ©rofeiäfirigfeit, bidroeilen aud^ lebendWnglid^ 5U behalten unb ^«« «nt^icen
JU benu|en bcred&tigt ©erartige 33eftimmungen gelten j. 83. nad^ lüb. SRec^te, ^"^
na(| bem Siedete Don Sßünfter, in Sc^ledmig^^^olftein, nad^ ber (ippe^betm.
Serorbn. oon 1786 § 22 (ocrgl. auä) mürttemb. ©ntm. § 312; e^renbreitft.
Snlm. § 64). SRegelmäfeig l^ängen biefe 33eftimmungen aber mit btn all*
gemeinen 99eftimmungen über bad elterlid^e ober oäterlid^e 9liegbraud^drec^t
}ufammen unb enthalten biefelben oft nur eine 9lnmenbung biefer Seftimmungen.
Z)tr Sntmurf (figt ed in biefer ^infic^t (ebigtid^ bei ben aDgemeinen ®runb$
ffiten ber elterlichen ©emalt imb ber regelmäßig bamit Derbunbenen elterlid^en
3ltt|niegung am SSermögen ber 5{inber bemenben (t)ergl. §§ 1501, 1502,
1516, 1536).
§ 1407.
3>ie S3eftimmung b^ § 1407 SIbf. 1 entfprid^t bem § 1379; bod^ f oU seupuntt für
bod bur<^ jene »eftimmung ben anti^elldbered^tigten Slbfömmlingen beigelegte ai^"^«»»-
fMfl nad^ § 1407 Stbf. 3 Don benfelben }ur SSermeibung ber fonft eintretenben
Senoidelungen nur gemeinfc^aftlid^ audgeübt merben fönnen, in ber 9lrt, bag,
menn eine (Sinigung unter i^nen nid^t erfolgt, ed bei ber bem fonftitutiDen
jtoratter bed l^ier fraglid[|en Urt^eiled entfpred^enben 9{egel Derbleibt, mi)
484 gortöcfefetc ©ütcrgemcinf d&af t Slufröfung. S?c4t0Dcr6aItnt§. §1408.
welcher bei ber Sluäcinanbcrfcgung in Slnfel^ung beö ©efammtgutcö bcr 3w[tonb,
in TOcld^cm boßfelbc ftd^ jur ^txt bcr SRed^töfraft bcö Urt^cilcö bcfunben ^at
(§ 1403 3lx. 3), ju ©runbc gelegt wirb. S)er SluöTOeg, bemjenigen Sttfömm*
linge, wcld^cr baö Urtl^eil erroirft f)at, baö SBal^tred&t mit SBirfung gegen bie
übrigen 9lbfömmlinge einjuräumen, ift, abgcfe^en baüon, baS baburd^ baa
Snteref^c ber legieren gefSl^rbet werben fann, and) um beöwitten nid^t ju
empfehlen, weil er für fotciie gfille, in roeld^en mehrere än)fommünge, fei ed
gemeinfd^aftlid^, fei eö in üerfd^iebenen 5ßrojejfen, geflagt l^aben, weitere bc«
fonbere Seftimmungen erforberlic^ mad&t, baburd^ aber baö ©efeg ju fe^r frnn*
pUjirt wirb. Sic Oefal^r, bafe berjenige aibfömmling, roeld^er baß Urt^eil
erroirft l^at, in feinem 5le(i)te becintröd^tigt werben fonnte, wenn bie äuö*
Übung beö l^ier fraglid^en SRed^teö an bie S^ftimmung ber übrigen äbfömm«
linge gebunben wirb, ift nid^t ju beforgen, ba, wenn bie gugrunbelegung beö
3uftanbeö, in weld^em baö (Sefammtgut fic^ ju ber Qtxt befunben ^at, in
wcld&er ber Sted^töftreit wegen 3luflöfung ber fortgefefeten ©ütergemeinfd^oft
anhängig geworben, ben STbfömmlingen günftiger ift, bie übrigen Slbfömmlinge
wegen if)reö eigenen Sntereffeö fid^ ber 3luöübung beö ^ier fraglid^en Sled^teö
nid^t wtberfegen werben, ©elbftoerftfinblid^ ift übrigenö jeneö Siedet nid^t fd^on
In bem 9ted&töftreite wegen 9lufl5fung ber fortgefegten Oütergemeinfc^aft geltenb
JU mad^en ; Dielmel^r f ommt baöfelbe erft bei ber Sluöeinanberf egung wegen beö
©efammtguteö in 33etrad^t.
9tc4t ber «b. 2)a in ben gäHen beö § 1405 baö bem überlebenben ©Regatten im § 1406
nSi^SmTSlbf. 5 ©ag 1 beigelegte befonbere SRed^t nad^ bem jweiten Sage beö § 1406
ö^Snbe ^^^' ^ *^^"^ Slnwcnbung finben foU, fo tritt in biefen göDen in ©emöft^eit
****" " '■ beö § 1406 Slbf, 1 wieber bie SRegel beö § 1378 Slbf. 2 ein, nad^ wcld^er
leber ©begatte unb, wie in ©rmangelung einer entgegenftel^enben 95cftimmung
alö felbftoerftänbUc^ erad^tet ift (üergl. bie ajlotioe }u § 1378 oben ©. 415),
aud& bcffen ®rben bie im § 1378 9lbf. 2 bejeid^neten ©egenftänbe gegen ©rfag
beö ©d^ögungöwert^eö ju übernel^men bered^tigt finb. SBenngleid^ in golge
beö 2lUeincrbred^teö beö überlebenben ©l^egatten bie gemcinfd^aftlid&en Slbfömm*
linge ®rben beö üerftorbenen ©l^egatten nid^t geworben finb, fo cntfpri(^t eö
boci) ber materiellen ©ad^Iage, wenn in ber ^ier fraglid^en Sejiel^ung i^r 3ln*
tfieil an bem ©efammtgutc ber fortgefegten ©ütergemeinfd^aft atö il^r ©rb«
tl^eit an bem 5Wad^Iaffe beö t)erftorbenen ®t)egatten be^anbelt wirb {§ 1407
Slbf. 2). S)o6 ben 9lbfömmlingen aud6 bie Sluöübung biefeö JRed&teö nur ge*
meinfc^aftlidö juftcl^cn foH, red^tfertigt fid& burd^ bie 9latur bcöfelben itVib bie
SRüdffid^t auf bie SBereinfad&ung beö SSerl^ältniJfeö.
§ 1408.
x^iuttfl«« S)ie Seftimmung bcö § 1408 ©ag 1 ift eine ftonfequenj beö ouc^ bcr
ttiSb^w ». »cftimmung bcö § 1397 3lbf. 2 ju ®runbe licgenben unb in ben aRoti©en
»rnmiingen. J^ § 1397 o{,en ©. 457 ff. näljcr gerechtfertigten ©cbanfcnö, bafe baö SBcr^ältnife
materiell fo ju geftattcn ift, alö wenn ber ücrftorbcne ®^egattc erft jur ^eit
ber Sluftöfung ber fortgefegten ©ütergcmeinfd^aft geftorben wäre unb bie
antf)eilöbcredS)tigten 9lbfömmlinge alö bcifcn gefeglid^e ©rben berufen fein
Sortö^f- ®ütct0cm. änorbnungen beS üBcrIcbcnben ßBegattcn. § 1409. 486
würben, ©elbfiücrflfinblid^ toerbcn burd^ bic SBorfd^rift bcö § 1408 bic 33or*
fünften bcö § 1389 nid^t berührt.
Suf bctnfclben ©cbantcn berul^t aud^ bie Scftimmung beö § 1408 ©aft 2. »u^flieti^ung
3)cr Slnalogic bcr erbred^tüd^cn ©runbfäfee über bic SluÄgtcid^ungöpPid^t iDegen "'*sor.^
bed Sorempfangenen entfprid^t efi, ba§ bei ber S^^eilung beö ©efammtgutcö, empfönöenen.
mit ml6)tv bod burd^ ben (SrbfaH ^erbcigcfül^rte SSerl^ältnife unter bcn gemein*
f(^üftli(^en Slbförnmlingen feinen beRnitiüen 3lbfd^Iu6 pnbet, alle SSorempfänge,
loeld^e bie anti^eiteberec^tigten älbfömmUnge t)on bem @rblaffer ober an bejfen
Stelle ouf ©runb ber §§ 1352, 1353 Derb, mit § 1399 9lbf. 1 auö bem
©cfammtgute ber fortgefegten Oütergemeinfd^aft üon bem übcricbcnben ®()Cs
gatten erhalten ^aben unb nad^ ben erbred^ttic^cn SBorfd^riften (§§ 2157 ff., ind^^
bcfonberc § 2162) überhaupt ber 9luöglei(^ung unterliegen, nad^ näherer SSc^
ftimmung biefer SSorfd^riftcn inforoeit jur Slusgleid^ung fommen, alö biefi
mäfi bereite bei bcr S^^eilung bcd SSorbe^altö* ober Sonberguteö bcö t)cr*
florbencn e^egatten (§ 1395 Slbf. 4 nebft Sßotiüon oben S. 453 ff.) gefd^e^cn tft
(oergl. weftfäl. ®ef. v. 16. 3lpril 1860 § 15; oönabr. (Sntro. § 17; e^rcnbrcitft.
€ntn). § 63 9lbf. 3). SBon bcn crbrcc^tlid^en aSorfd^riften (ücrgl. § 2157)
imterfc^cibet fid^ iebo(ft biefc 9luögleid^ungöpHidS)t baburd^, bafe fic aud^ bann
fiattfinbet, wenn ber ©rblaffer bic 9lnt^eile bcr ontfieildbercd^tigtcn 9lbfömm^
finge nad^ SRaftgabc bcö § 1389 burc^ IcfttroiUigc SSerfügung beftimmt l^abcn
foüte, ba ber ©rbtoffer burcft le|tn)iUige SBcrfügung in anberer 9lrt, als im
§ 1389 jugcfaffcn tft, in bic JRc^tc bcr ant^cilöbcrcd^tigtcn Slbfömmtingc nic^t
eingreifen unb bemgemöfe an6) bic 9ludglcicftungöpflic^t nid&t bcfcitigcn fann.
2)ied ift baburd^ jum 3luöbrucfc gebrad^t, ba% bcr § 1408 ©afe 2 nid^t auf
bie bei ber ©rbfolgc, fonbern oUgcmcin auf bic bei ber gefellid^en ©rbfolgc
geltenben SSorf^riftcn über bie 3luöglei^ungöpfli^t ücrrocift. 2tbn)ci(i)cnb
vtm ücrfc^iebcncn Siedeten, inöbefonbcrc aud^ üon bem rocftfäl. ®cf. o. 16. 9lpril
1860 unb ben angefül^rten ©ntroürfcn, aber in Ucbereinftimmung mit ber t)on
ber ^rajiö anerfanntcn Sluffaffung beö preufe. 91. 2. JR. unb bem TOürttcmb.
feitro. § 313 finbet bei ber Sluöcinanbcrfeßung beö ©cfammtguteö bic Kollation
nur unter ben Slbförnmlingen beS ©rblaRcrö, nid^t aud& gegenüber bem übcr:=
lebenben ©Regatten ftatt. 2)ie Orfinbe, roeld^e in bcn aftotiocn ju § 1394
oben S. 450 ff. gegen bic Slncrfcnnung einer Äollationßpfli^t ber cinfeitigen 9lb«
Bmmlingc gegenüber bem übcricbcnben ©tjcgattcn geltenb gemad^t fmb, fprcd&cn
in nod^ ^öficrcm ÜJiafec gegen eine Äollationöpflid^t ber gcmeinfd^aftUdjcn
3B)f6mmlingc gegenüber bem übcricbcnben ©dcgatten.
§ 1409.
2Bcnnglcid& bic Seftimmung beö § 1409 in ©rmangclung einer entgegen* stnorbnungen
ftedenben »cftimmung na(^ bcr bem ©ntrourfe ju ©runbc liegcnben Äon* üben^titb«
ftruftion ber fortgefefcten ©ütcrgcmeinfd^oft im .^inblidfc barauf als felbft? Gi;eflatten
wrftfinbtid^ angefe^cn werben fann, bafe bic ben gemcinfd^aftlidöen 9lbfömm* ^^c^J!Zv>
lingcn on bem ©cfommtgutc juftc^enben SRed^tc fid^ nid^t als 9lußflu6 eine« ^^*""9
Crbre^ted gegenüber bem übcricbcnben ©tiegattcn, fonbern als afti^c äHit*
eigent^umdrec^te barftcDen, meldte ben ©rfafe für baß i^nen cntjogenc ®rb*
486
einfinbf*aft (§§ 1341—1409.)
Stnorbnungeii
über ben
eigenen
9(nt^ei(.
unb 5ßflid^tt^eitercd^t gegenüber bem ücrftorbencn ©Regatten bitten, fo ift c«
bod^ im 3ntcrcj|e ber 3)eutlic^feit beö ©efcfeeö alß rot^fam erac&tet worben,
jene ffleftimmung aufjunel^nten, jumol bafi roeftfäl. ®ef. v. 16. 2lpril 1860
§10, obwol^I baöfelbe auf bem SBoben ber fortgefegten ©ütergcmeinfd^aft im
engeren ©inne fielet, unb i^m folgenb ber oönabr. 6ntro. § 13, foroie für bic
allgemeine ©ütergemeinfd^aft ber el^renbreitft. ©ntm. § 92 bem überlebcnben
©Regatten bae Sted^t einräumen, burd^ UebertragdDertröge ober legtmillige
SBerfügungen unter ben unabgefunbenen Slinbern bie ©uf jeffion in baö gemein*
fd^aftlid^e SBermögen ju regeln, fo iebod&, ba§ jebem ßinbc roenigftenß ber
SBertf) beö ©d^id^tt^eileö, im galle einer tefetroiHigen SBerfügung aufeerbem ber
SBertl^ beö 5ßf[id^tt^eiled t)on bem SSermögen beö überlebcnben (g^egatten ju^
gemenbet werben mufe. ©in Scbürfnife ju einer fold^en pofitiüen 33eftimmung,
meldte einen 3ladS)fIang an baö ^rinjip ber Äonfotibation ober beö älUein^
erbred^teö beö überlebenben ©Regatten unb an Derfc^iebene auf bem 33oben biefeö
^rinjipeö ftel^enbe Siedete enthält unb ben übrigen auf bem 33oben ber fort?
gefegten ©ütergemeinfd^aft im engeren ©inne ftel^enben SRec^ten fremb ift,
fann um fo weniger anerfannt werben, alö, wie bereitö in ben SKotioen na
§§ 1399, 1406 oben ©. 462, 482 fierDorge^oben rourbc, ber überlebenbe ®f|cgatte
ben 3"^^*/ ^vf^^tn ber gemeinfd^aftlic^en 3lbfömmlinge bcftimmte iu bem ®e?
fammtgute ber fortgefegten Oütergemeinfd^aft ge^orcnbe ©egenftänbe jujuroenben,
inöbefonbere auf biefe 3Beife ben ©runbbefig ober ein gemerbüd&eö ©tabliffement
ber gamilie ju erhalten, aud& auf bem 2Bege beö § 1403 Sir. 5 in aSerbinbung
mit bem § 1406 9lbf. 5 erreid&en fann.
2)aß ber überlebenbe ©begatte über ben xf)m felbft jufommenben Snt^eil
an bem ©efammtgute ber fortgefegten ©ütergemeinfd^aft aud& roäl^renb beö
SSeftcl^enö ber legteren nad^ 3Ra|gabe ber allgemeinen erbrecbtlid&en ?}e»
ftimmungen t)on 2:obeön)egen oerfügen fann, t)erfte]^t fid^ in ©rmangefung
einer entgegenfte^enben Seftimmung üon felbft unb ift au^ von ber ÜJle^rja^l
ber Siedete mit fortgefegter ©ütergemeinfd^aft im engeren ©inne anerfannt
(nergl. inöbcf. roeftfäl. Oef. v. 16. aipril 1860 § 10; oönabr. ©ntro. § 13;
e^renbreitft. ©ntro. §§ 55, 92; roürttemb. ©ntro. § 306). S)ie ©rünbe, auö
roeld&en ber ©ntrourf baö SRed&t beö überlebenben ©tiegatten ju legtroilligen
ajerfügungen über ben i^m felbft bei ber ©d^id&tung jufaUenben 3lnt^eil ni<i^t
nad^ bem SSorbilbe ber auf bem ©oben beö ^ßrinjipeö ber fog. S^obt^eilung
ftcl^enben SRed^te ben abgefdEjid^teten Äinbern gegenüber erroeitert t)at, ftnb in
ben ajlotioen ju § 1406 S. 482 ff. bargelegt.
(Beltenbeo
3itd)t.
äu ben §§ 1341-1409.
©infinbfd^aft.
S)aö 3uftitut ber ©infinbfd^aft, ein urfprünglicb fränfifc^eö 9le(|td*
inftitut unb mit ber e^elid^en (Sütergemeinfd^aft in cngfter S3ejief)ung ftc^nb,
l)at and) außerhalb ber fränfifc^en SWed^tögebicte in ben oerfd&iebenften S^^eilcn
©üb-, MxiUU unb i^iorbbeutfc^lanbö tljeilö auöbrüdflid& burd^ bie ©efeggebung.
einfinbfdfeaft. (§§1341—1409.) 487
Üietld geiDo^eitdred^tlid^ Slnertennung gcfunben. ^auptföd^Ud^ \)ai badfelbe
feinen Sig in ben Mcd^tögebieten bcr allgemeinen unb ber partifulören ©üter^
gemeinf(||oft; boc^ ift eö anä) in t)iclen ©ebieten, in roeld^en ©ütcrgemeinfd^aft
ben gefe^Iid^en ©uterftanb bi(bet, bem Sled^tdleben fremb geblieben unb a\i6)
ha, mo ed l^rgebrad^t ober audbrüdtic^ gefeglici^ geregelt xoax, namentlid^ in
Sebieten ber partifulären ® ütergemeinfc^af t , Dielfad^ in älbna^me gerat^en.
3n«befcnbcrc ift bie (ginfinbfd^aft in ben bem SRed^tögebiete ber allgemeinen
®ütergemeinfc^aft ange^orenben ^rooinjen Oft* unb SBeftpreufeen, foroie in
SRetflenburg unb Jlaffau bem SRed^töleben fremb geblieben unb in ©d^leöroig*
^olftein, Äur^etlen, grantfurt a. 3Ä., in bem Sejirfe bcß üormaligen Suftij*
fenated e^renbreitftein, foroie in SBürttemberg unb einjelnen S^^eilen üon
9a^m (Sinbau, bai)r. Oberpfalj) gegenwärtig nur noc^ wenig in Uebung.
8u4 in aSScftfalen, roo bic ©inflnbfd^aft früher felir gebräud[)lid^ mar, ^at bie
Snroenbung bed Snftitutcö in golge ber ben einfinbfd^aftenben ©Itcrn fc^r
ungfinftigen Seftimmungcn beö preufe. 31. 2. 9i. über ben SSorauö ber SSor:^
finber (II, 2 §§ 725—727) abgenommen.
Seinen ^auptfiß l^at baö Snftitut bcr ©infinbf^aft aud^ jc^t nod^ in
Snmfcn in Sai)ern, mo baöfelbe bie Siegel bilbct. Slid^t minbcr gebräu^lid^
ift bic ©infinbfd^aft im ©rofe^crjogtl^ume Reffen im ©ebietc beö erbad&cr
8Qnbrc(i^tes, in ben ^oJ^enjoUemfc^en Sanben unb in ocrfc^iebencn 2^{)eilen ber
^oinj ^annoDcr (t)ergl. ferner lippc*betm. SBerorbn. o. 1786 §§ 25 ff.,
mtining. @cf. v, 27. Sloocmber 1875 Slrt. 10, brcm. SBorm. D. ü. 14. üßai
1882 §§9, 10, 12, 79, 80, liamb. SJorm. D. o. 14. 2)ejembcr 1883
Srt. 32 -34).
2)ic neueren ©efeftgcbungcn unb ©ntroürfc l)abcn fid^ bem 3nftitute ber
Knfinbfd&aft oorroiegenb ungünftig gejeigt. 3m bax)t. 2. SR. I, 5 § 12 unb im
öften. @. 35. § 1259 ift bie einlinbfd^aft auöbrücfli(i& oerbotcn. Xtv code
civil unb ba& bob. 2. di. cntl^alten jroar fein auöbrücflid^eö SBerbot, boc^ wirb
mitSlürfftd^t auf airt. 1389 beö code civü bejm. 2. SR. Safe 1389 bie ©rric^tung
einer ©infinbf^aft in jenen SRec^tögebieten für unjuläffig crad^tet, unb ift
Wrt in »oben burcb aScrorbn. v. 27. Januar 1810 anerfannt. 2)aö fädSif.
®. 8. ermähnt bie ©infinbfd^aft überall nid^t. 2)agegen l)at baö 3nftitut im
preu§. 3r. 2. 9». II, 1 §§ 717 ff. 9lufna^mc gefunben, unb jmar ift baöfelb?
bort o^nc ^[nf^lufe an eine beftimmte e^elid^e ©ütcrorbnung unb o^ne Sc-
^rdnfung auf foldjic ^ßroDinjen, in meldten bic ©intinbfd^aft biöfier juläffig unb
üblicft war, alö ein allgemein anrocnbbareö 3nftitut geregelt. 33ci ber SReoifion bcö
preufe. 31. 2. SR. rourbc ieboc^, unbefd^abct bcr bie ©intinbfd^af t auöbrürflic^ ju*
lojfenben ^rot)in}ialgefe6c, bie fflefeitigung ber (Sinfinbfdöaft t)orgcfdblagcn
((Scfefereo. ?ßcnf. XVI, II, 2 § 243). SSon neueren entwürfen l^abcn ferner
ber roürttemb. ßntw., betr. 3Serträge über ©rbfc^aftcn unb (SfiCDcrträge, 9lrt. 88
unb ber e^renbreitft. 6ntw. § 97 fid^ gegen baö 3nftitut ber @infinbfd&aft erflärt.
S)er oorliegenbe ©ntwurf ^at fid^ bcnjcnigen neueren ©cfcfegebungö^ etonbvunft
werfen angcf^loflen, meldte baö Snftitut bcr Ginfinbfd^aft nic^t anerfannt tutrourte«.
Wen. S)a6 ein »ebürfnife, bic ßintinbfd&aft ganj aDgemein, ol)nc SRücffi^t ^^, JJ^*; ^^^^
auf ben (Süterftonb ber früliercn ober bcr neueren (?l)c, äujulaffen, nid^t oor- ^nftttute«. '
liegt, fonn oom ©tanbpimfte bcö ßntwurfeö aus nid^t jwcifell^aft fein. 3lad^
488 (ginfinbf^aft. (§§1341—1409.)
bcm ©ntrourfc ift rocbcr mit bcm gefcgUd^cn Oütcrftonbc, noc& mit bcm Der*
tragömä^igcn ©ütcrftanbc bcr ©rrungcnfd^aftögcmeinfd^aft (ücrgl. bic SKotiuc
ju § 1429), nod^ mit bcm pcrtragömäfeigcn Oütcrftanbc ber ©emcinfd^oft bcÄ
berocgtid^cn SJcrmögenö unb bcr ©mmgcnfd^aft (§ 1434) na6) bcm Sobe eine«
bcr ®l)cgattcn, abgcfc^cn von bcm gcfcglid&cn ©rbred^tc bcs übcrlcbcnben ®^c*
gattcn* (§ 1971), eine gcfefelid^c ^lad^TOirfung bcö clicttd^cn ©üterre^tcö }u
©unftcn bcö übcrlcbcnben (Sl^egattcn tcrbunbcn. 6ö tritt rocbcr S3cifi| nod|
fortgcfcgtc Oütcrgemeinfd^aft ein, fonbem mit bcm S^obc eines bcr ©fiegottcn
fann bic fofortige 3luöcinanbcrfc|ung verlangt mcrbcn (oergt. §§ 1429, 1431
9rbf. 1 Dcrb. mit §§ 1376 ff., 1382 9lbf. 2). 2)amit fäUt aber bcr ^auptjroccf bcr
©infinbfd^aft, nftmlid^ bic im gaUc bcr SBicbcrDcrl^cirat^ung bcö übcrlcbcnben
©Regatten fonft not^mcnbig merbenbe aiuSeinanberfegung wegen bcö (Scfammt*
gutcö mit ben 33orfinbcrn }u t)crmcibcn (§§ 1429, 1431 3lb|. 1 ocrb. mit
§ 1403 9lr. 2), weg, S^^^ ^^^'^ ^^ ^^^ W^ wiitcr Umftönben im Sntcrejfe
bcr ©rl^altung bcö bisherigen ^auöftanbcö unb im 3ntcrcffc bcö Fortganges
bcö ©cTOcrbcö, auf roeld&cö bis bal^in bcr Unterhalt bcr gamific gegrünbet
roar, liegen, eine ©infinbfciiaft ju errid^tcn, inöbcfonberc bann, roenn bic über*
tcbcnbe SKutter eine neue ®^c fcfiticßt, meit fic mit bcr SGBicbcmer^ciratfiung bie
clterlid^e ©croalt unb bamit bie cltcrlid^c 9luftnicfeung ocriicrt (§ 1558). 3ludJ
fmb bic ctt)ifd^en 3^^*^/ TOcId&c burd^ bic ©infinbfd^aft erreid^t mcrben foflen
unb fogar Diclfad^ als bas SBcfentUdöc bcrfclbcn angcfel^cn mcrbcn, nämlic!^
bic 93efc[tigung ber f)äuslid^cn Sanbc unb bie ©rl^öl^ung bcr 3nnigfcit unter
bcn ©licbcrn einer aus t)crf(i)icbcnen ©Icmcntcn jufammcngefcfetcn gamiKe,
t)on bcr 3lrt bcö ©ütcrftanbcö ber früheren unb ber neuen ®^c unabhängig.
3)ic ®in!inbfcl^aft fann ferner aucl& in bcn bcjci^nctcn göUcn bcm 3"^^^^
bienen, bic mit bcm 93orl^anbcnfein von Jlinbcrn aus ücrfd^icbcncn 6^en Ici^t
rcrbunbencn SSerroidfclungen bcr 93crmögcnöocrl^ättniffe, inöbcfonberc bic Aus*
fonberung ber bcn Dcrfd^icbcnen Slinbcrn unb bcn ©ticfcitcm ge^örenben
aSermögcnstl^cilc unb bic barauö cntftef)cnbcn ©trcitigtcitcn , ju ücrmciben.
Um bicfer Qmedc roiDcn bic ©infinbfd^aft als ein allgemein anrocnbbarcö
Snftitut jujulaffcn, fei es unter Sefd^ränfung auf bic ocrmögcnörec^tlic^en
SBirfungen bcö @Itcrn= unb RinbeSDcrl^ältniffeö , fei cö unter Sfncrtcnnung
aud^ fold^er 3Birfungen bcö le^tcren, meldte nid^t Icbiglid^ t)crmogcnSrcdE)tli^er
9latur fxnb, mürbe fid^ jcbod^ nur bann red^tfertigen, wenn ein bringenbeö
praftifd&es Sebürfni^ in bicfer Sejieljung nad^rocisbar märe. S)ic ©rfal^rung
jcigt aber bas ©egcntl^cil, inbem in bcnicnigen Sicd^tsgcbictcn, in meldten jc^t
baö 2)otalred^t ober bic aScrmaltungögcmcinfd^aft baö gcfcfiU^c ©ütcrrcd^t
bilbct ober in meldten jroar bie allgemeine ©ütcrgemcinfd^aft, {cbod^ o^nc SeijxS
ober fortgefegte ©ütergcmcinfd^aft , gilt, bic ®intinbfd&aft gar feinen ober
bod^ nur in geringem ÜKofee ©ingang gefunben l^ot unb biefclbc auc^ in melen
aicd^tögebietcn bcr partifulären ©ütcrgcmeinfd^aft immer mc^r in Abnahme gc*
fommen ift. 2)a6 in ben julegt gebadeten 9ied&tsgcbictcn bie einfinbf(^aft,
troftbem fie in bcnfelbcn bcf onbers gefc|Ud() geregelt ift, im praftifd^cn Slec^tölcbcn
nur nod^ eine fcttenc ©rfc^cinung bilbct, ift namcntlid^ ein f^lagcnbcr Sc»
meis bafür, baß bie et^ifd^en ^mtdc, mcldjc burd^ bie ©Infinbfd&aft crrdt^t
merben follen, fomic bie Slbmcnbung ber mit bcm SSor^anbenfcin üon Äinbcm
6tnfinbf*aft. (§§1341—1409.) 489
QUO mfd^icbencn (Sf)Qn ücrbunbencn SSenoirfclungcn bcr 5BcrmogcnSt)crI)ättniffc
fein gcnugenber antrieb jum SKbfd^luffc üon (ginfinbfd^aftßt)crträgen iinb bcö«
i^Ib nidfi geeignet ftnb, bem anbererfeitö mit großen ©efal^ren für bie SSor-
finber oerbunbenen 3nftitute ber ®in?inbfd^aft Seben ju geben, ©benfowenig
liegt ein Scbürfnife oor, bie @infinbf(i)Qft in bem galle jujulaffen, roenn ber
überlcbenbc ©fjegatte mit bem t)erftorbenen (Sfiegatten in allgemeiner (Süter^
gemeinfc^aft unb na^ beffen 2:obe mit ben Äinbem biß jur ©d^lie^ung ber
neuen g^e in fortgefefeter (Sütergemeinfd^aft gelebt f|ot, für bie neue ©tie aber
ber gefe^id^e ©ütcrftanb ober ber Oüterftanb ber partifulären Oütergemeinfd^aft
ma§gebenb fein foll. 3^^^ ^^^^ i" biefem gaUe bie ©infinbfd^aft alö SDlittel
bienen, bie fonft in golge ber SJSieberDerl^eirat^ung not^roenbig roerbenbe
Sufieinanberfeßung mit ben Slinbem unb bie bamit oerbunbcnen 51aci^tf)eile
für ben SJo^rungöftanb bcr gamilic p oermeiben. Stflcin abgcfcf)cn baöon,
bog bie aSerbinbung ber Ginfinbfd^aft mit ber partifulären Oütcrgemeinfdjaft
tinb bem gefe^lid^en ©ütcrftanbe ber el^clic^en 9?u|nie6ung unb aScrroaltung,
wenn ouc^ on fid^ auf Derfd^iebenen SBegcn moglid^, bod^ in 9Infef)ung ber
Crbnung ber 93crmogenöoerböltniffe ju befriebigenben SRefultaten nid^t fü^rt,
fäUt entf(i^eibcnb ino ®crold)t, bafe bie ©infinbfd^aft ba, mo fie überhaupt
wrfommt, nur in aSerbinbung mit ber allgemeinen ©ütergcmcinfd^aft ge^
bröuc^Iid) ift.
©8 fonn fid& ba^er nur fragen, ob nid^t, um bie 2)urd|füf)rung beö bcr fort^
gefejten ©ütergemeinfd^aft ju ®runbe liegenben ©ebanfcns trofe bcr Sd^tiefeung
ber neuen ©l^e ju crmoglid^en, bie ©Infinbft^aft, iebod^ unter 3lußfc^Iu6 ber
nit^t oermogensred^tlid&cn SBirfungen beö ©Itern- unb Äinbcöoer^ältniffcß, mit
Sürfjtdjt auf bicjcnigen SRed^tögebietc, in meieren biefelbe gcgenroärtig beliebt unb
in Uebung ift, toenigftens bann jujulaffen fei, menn bcr ju einer tieuen et)e
f(§rritenbe überlebenbe (g^egatte biöl^er mit ben 9Ibfömmlingen in fortgefegter
©ulergcmeinfd^aft gelebt \)ai unb für bie neue ®^e ber Oüterftanb bcr all*
gemeinen ©ütergemeinfd^aft t)ereinbart ift. Uebcrroicgenbe ®rünbe fprcd^cn
inbeffen bagegcn, baß Snftitut bcr ®intinbfd|oft aud& nur in bicfcm bcfd&ränftcn
Umfonge anjuerfennen. S)aß Snftitut ift cntroeber alß ein l)eitfamcß ober alß
rin f(l&äbli(fteö tmjufel^en. 3m erftercn %aHt mufe man baßfelbe, roenn aud^
in bem bejeid^ncten befd^ränften Umfange, allgemein, b. i), anä) in benicnigcn
Qebieten jutaRen, in meldten baßfelbe gegcnroörtig unbefannt ober bodb in 9lb?
no^mc gcfommcn ober gar burd^ bie ©efcggcbung außbrüdElid^ befeitigt ift, im
le^teren %aUt allgemein, b. 1^. aud^ in benicnigcn Oebicten, in mctdicn baßfelbe
gegemoärtig noc^ gebrfiu^lid} ift, unterbrücfen. 2)er 3lusroeg, bie 3uläffigfeit
bcß Snftituteö auf biefe le|tcren Oebietc ju befd&ränfen unb ju bem ®nbc ben
2anbeßgefc|gcbungen burd) einen aSorbcf)alt 9taum ju geben, ücrträgt fid^ mcber
mit ber oorfteI)enben ©rmägung nod^ mit bem Btoetfe beß Oefcgbud^cß, inß:^
befonbcre aud^ auf bem ®ebiete beß e^elid^cn ©ütcrrcd^tcß cin^eitlid&eß 9tcd)t
JU f(|affen, unb ift um fo meniger ju empfcl)ten, alß baß 3»ftitut bcr ®im
finbf(^ft gcgenroörtig nur nod^ in rerl^ältnifemäfeig fleinen (Scbictcn praftifdje
Sebeutung ^at. Sei unbefongencr Prüfung mufe man aber ^u bcr Slnfxd^t
gelangen, ba§ baß Snftitut ber ©infinbfd^aft fein lieitfameö ift, fonbcrn fd|ftb*
fi^ wirft, meil eß bie SSorfinber großen ©efa^rcn außfefet unb ben J^ricben
490 einfinbf^aft (§§1341-1409.)
in ben ^^^i^iiKcn nid^l beförbcrt, fonbcrn untergräbt. Siefc Uebclftänbe treten
bei ber SBerbinbung mit bem ©iiterftanbe ber allgemeinen ©ütergemeinfc^aft
ni(^t in geringerem Orabe l^eroor, ate bei ber SBerbinbung ber ©infinbfd&aft mit
einem anberen e^elid^en ©iiterftanbe, nomentlid^ bann, wenn ber [tief elterliciieä^öeil
ben [eibti(i)cn ©(ternt^eil ber 33orRnber überlebt unb atebann jroifd^en bem erjiercn
einerfeitö unb ben SBorfinbern unb ben 9lad^tinbern anbererfeitö fortgefejte
®ütergemeinfdöoft ftattfinbet, meiere bem erfteren üermoge feiner Stellung gegen--
über bem Oefammtgute ber fortgefe|ten ©ütergemeinfd&aft (§ 1399) trog aller
Äautelen bie SBöglid^feit gewährt, bic Slad^finbcr üor ben 33orfinbern ju bc^
günftigen, unb bie lefeteren ber ©efal^r audfe|t, oielleid^t erft nad^ langen
Sauren il^ren ßrbt^eil an bem SSermögcn i^reö leibtid^en ©Iternti^eiteÄ }tt er^
langen. S)iefen mit ber ©infinbfd^aft für bie SBorfinber oerbunbeiien ©efa^ren
fonn auä) bxixd) bie Sluöbebingung eineö 33orauö, welcher, wenn bafi 3*iftitut
ber ©intinbfd^aft Seben gewinnen foU, in mäßigen ©d^ronfen ju l^altcn fein
mürbe, unb burd^ bad (Srforbernig ber ©enel^migung bed SSormunbfc^ftdgerid^tcd
in auöreid)enber SBeife nid&t entgegengetreten werben, ba bie ©infinbfd^aft i^rcr
Jlatur nad^ immer ein gewagtes Oefd&äft bleibt, ©rt^eilt baö SBormunbfd^afts^
gerid^t bie ©enel)migung, xoznn im fonfrcten galle befonberc SQac^t^eile ni^it
fierüortreten, fo fmb bie SSorfinber immer ben mit ber 3latur ber ®infinbfd^ft
üerbunbenen ©efa^ren auögefegt. f0laä)t aber baö S3ormunbfd^aftögeri(||t bic
©enel)migung baoon abhängig, bag bie @in!inbfd^aft ben 93or{inbem im
fonfreten golle befonberc aSort^eile bietet, fo wirb baöfetbc in ben meijien
fallen ba^in gelangen muffen, feine ©ene^migung ju üerroeigern , aUbann
aber baö Snftitut feine prattif(^e 33ebeutung auf biefc SBcife üerlieren. ÜRan
tann aud^ nid^t barauf oertrauen, bag bie älnmenbung beö ^nftituted ber Sin-
tinbfd^aft, menngleid^ badfelbe im ©efe|bud^e geregelt wirb, bod^ mefentlic^
auf biejenigen ©ebicte ftd& befd^ränfen werbe, in weld^en baöfelbc gegenwärtig
nod^ in Uebung ift. Soll bad ^nftitut überl^aupt Seben gewinnen, fo muß man
baßfelbe in einer ben neuen ©Regatten nic^t §u ungünftigen gorm julaffen. ®ann
ift aber nid^t ju überfe^en, in weld^em Umfange baö auö bem Sntereffe ber
©Regatten ^eroorgegangene unb biefen günftige 3nftitut mit allen feinen @e?
fal^ren aud^ in benjenigen großen 9{ed^tdgebieten Eingang finben wirb, in
weld&en baöfelbe jefit außer ©ebraud^ gefommen ober unjuläf jig ober bod^ —
wie in bem ©ebiete beö preuß. 5K. 2. SR. — nur mit großen SBcfc^ränfungen
ijuläffig unb beö^alb unpraftifd& ift. 2)ic SRüdEfid^t auf biefe großen Siecht«?
gebiete, für welche bie ä^IöRwnfl iinb Siegelung ber (Sintinbfd^aft neued Stecht
fd^afft, ift cö t)or 5Kllem, weld&c ju einer SÄblel^nung ieneö Snftituted führen
muß. I^cnjenigen Keinen ©ebieten, in weld^en bie ©intinbfd^aft gegenwärtig
noc^ gcbräud^lid) ift, wirb baburc^ um fo weniger ju nal(|e getreten, ate, mit
bie Grfafirung le^rt (j. 33. in SBürttemberg, wo bie allgemeine ©ütergemein-
fd^aft mit fortgefe|ter ©ütergemeinfd^oft eine weite SBerbreitung l^ot, tro^brm
aber üon bem na^ bem württemb. 2. 9i. juläffigen 3nftitutc ber ©inKnbfc^ft
faum ©ebroud^ gcmad^t wirb), bic ^xocde ber allgemeinen ©ütergemeinf4«ft
mit fortgefegter ©ütergemeinfd^aft R^ in auöreid^enbem 3)laße aud^ o^ne
Ginfinbf^iaft crreid|cn taffen, jumat burd& ben § 1406 9lbf. 5 bem übcrlebenben
@()cgatten baö dicä)i beigelegt ift, aud) im ^alle ber SCBieberocr^eiratijiung
(5rningenl(&Qft?öemcinf(6aft. SSercinSarunfl. § 1410. 491
bei ber äuSeiimnbcrfc^ung wegen bcö ©cfamtntguteö ber fortgefegten Oütev^
gemeinfc^aft boö ganjc ©efammtgut ober einjelne 2^^eile bcöfelben gegen ©rfag
bei 3(^ägungdQ)ert^ed }u übernehmen.
I Y. ^rntttflenf^aft^gemeiitfc^aft 0*
§ 1410.
SBegen ber ©rünbe, mel^e ben (gntrourf beftimmt ^aben, bte ©rrungen-
f(^ftdgemeinfdÖQft ote t)ertragömä6igen ©üterftanb rollftänbtg ju regeln, roirb
ouf bie Einleitung ju bent e^elid^en ©üterred&te oben @. 141 ff. üerroiefen.
Sei ber Siegelung ber errungenfd^aftßgemeinf(^aft ift im 9lnfd^Iuffe an bie softem bcc
äSf^rjo^l ber auf bem Soben biefeö ©üterftanbeö [tef)enbcn SRcc^te baö ©t)ftem e,^"^.
ber reinen ©rrungcnfdöaftögemeinfd^aft, nidit aber ein smifciien biefer unb ber ^^JfJlS^,^
SRoWlior' unb ©rrungenfc^oftögemeinfd^aft beö franjöfifd)en Steckte« in ber
üRitte fte^enbcö Si)ftem, mie fold&eö einzelnen ^artihilarred^ten in f feineren
Secfttögebieten am SRtjcine unb in S^a^ern ju ©runbe liegt, jum 9lußgangß=:
punfte genommen (oergl. gegen ein fold^eö gemifd|teö ©i)ftem bie ©inicitung
jum e^üd^cn ®üterred)te oben ©. 155 ff.), hieben bem ©i)fteme ber reinen
6rrungenfc^aftßgemeinf(!^aft ein berartigeß gemifd^teß ©i)ftem, rotnn auä) nur
in einjefnen Sejic^ungen, foüiel baß SSer^ättnife nad^ aufeen betrifft, anfangs*
^^ JU regeln, ift burc^ ein Sebürfnife nid&t geboten, juntal, fooicl befannt,
in ben »ercinjcltcn flcinen ©ebieten, in roeld^en ein fold^eß gemifdf)teß ©t)ftem
gqenroörtig flcfegli^ no4) gilt, auf bie ©r^attung biefeß Sr)ftemeß fein
9m\dfi gelegt mirb. Ucber^aupt muffen biejenigen Orünbe, meiere ben
6ntiDurf beftimmt ^abcn, nur ein ©pftem ber allgemeinen ©ütcrgemeinfd^aft
}n regeln foergl. bie SSorbemerfung ju §§ 1338—1434 oben ©. 321), ba^in
fifiren, audb nur ein ©i)ftem ber Grrungenfd&aftßgemeinfd^aft im ®tU^
ku<^ ju orbnen, troßbem bie auf bem SJoben ber Grrungcnfd&aftßgemeinfd^aft
iäfcnbtn JRed^tc nid^t minber mie bie S^led^te ber allgemeinen ®iitergemeinfc^aft
W(^ in grunblegcnben '^vdQzn außeinanbcrge^en.
pr ben ß^eoertrag, burc^ meldten ber Oüterftanb ber ßrrungenf^aftß* öcnc^migun«
gnneinfd&aft unter ben ©Regatten vereinbart roirb, ift eine bem § 1341 9lbf. 2 * fc^anl"" '
mtfpret^enbe, bie allgemeinen Orunbfäge ber elterlicj^cn (Scroalt unb beö SSor^- «'''"^*'^-
munbfc^aftßred^tcß über bie aSertretungflmad^t beß gefcftlid&en 95crtreterß (§§ 1649,
1728, 1737 aibf. 4, § 1743) burd&bred&enbe 58orf(^rift nic^t für erforberlid^
«nw^tet. 3)ie Grrungenfd^aftßgemeinfc^oft fann in ber i)kv fraglichen Sejic^img
^ ollgemcinen ©ütergemeinfd^aft nic^t an bie Seite geftellt werben, ba mit ber
Hteren weit eingreifcnbere SBirfungen oerbunben finb. 2)ie Grrungenfc^aftß*
9«neinf(^aft ftellt fid6 geroiffermafeen nur alß eine aRobififation beß gefejlic^eu
«Wif^en ®üterred[)teß bar. 5Diefe aßobififation ift nid&t fo erl)cblid^, um bie^
felbe anbcrß wie fonftige baß gefejlic^e e^elid^e (Süterrec^t mobifi}irenbc ®l)es
M fBegen beö geltenben 9tedjteö »ergl. inöbcf. ?leu6aiier, baö in 3)eutfd6ranb
jcitenbe e(eli(^e ©üterrec^t unter Semi^ung amtlicher SWateriolicn, 1879.
492 ®rruuöcnf(6aft§öemeinWaft. SBcfen. § 1411.
Dcrträgc ju be^anbctn (ocrgl. bie aWotbc ju § 1333). gür bic ©^rau ijl
ber ©ütcrftanb bcr (Srrungenfd&oftßgemcinfd^aft namcntlid^ bei bcr 9trt unb
SBcifc, lüic ber ®ntn)urf bie ©d&ulbcnfiaftiing ber ß^efrau gegenüber ben
©löubigern unb gegenüber bem (S^emanne geregelt f)at, regelmäßig üort^cit
l)Qfter, als ber gefefilid^e Oüterftanb, unb aud^ für ben Seemann fann bei bem
crfteren, namentUd^ mit SRürffid^t barauf, baS l^ier bie SSorfd^rift beö § 1289
nid^t gilt, bie 2age eine günftigere fein, als bei bem lefetercn. ©in ß^eocrtrag,
burd& TOeld^en bcr (Süterftanb ber ©ütertrennung vereinbart wirb, ift für ben
®(;emann unter Umftönben mit weit größeren Slad^t^eilen t)erbunben. 2:ro^
bem ift aud^ für biefen ß^eoertrag baö ©rforbcrniß ber ©enetjmigung befi
SSormunbfd^aftßgerid^teö als entbefirlid^ angefel^en.
§ 1411.
iBefen S)er bcr ®rrungenfc^aftsgemeinfd^aft ju (Srunbc licgenbe ©cbanfe ift im
*^f^«r"' 3lUgemeinen bereits in bcr ©inleitung jum e^elii^en ©üterred^te oben ©. 151 ff.
«emeinfc^aft. bargclcgt löorbcn. S)Q8 t)on jebem ber ©l^egatten in bie ®^e eingebra^ite
SSermögen unb bie mä^renb berfelben burd^ Erbfolge ober burc^ SScrmäc^tnife
ober qIö 5ßf[id6tt^eil ober burd^ ©d^enhing erroorbenen ober bemfelben dd Suft-
ftattung gemährten ober mit SlüdEftd^t auf ein fünftigeö ©rbrcd&t übertragenen
©egenftänbe (§ 1412) werben ber ©ubftanj nad^ oon ber ©emeinf^aft nicjt
ergriffen, fonbcrn bleiben ©onbergut beß betreff cnbeu ©Ijegatten. ©emeinfam
roerbcn foD aber aller ©rrocrb, wcld&cr Don ben ®l)egatten mä^renb befte^cnber
Gl)c bur^ il^re 2:f)ätigfeit gemad&t wirb ober in ben 9iufeungen beö ©onber^
gutes befielt (§§ 1411, 1414); gcmeinfam foHen anbercrfeits aud6 bic für biefen
©rrocrb erforbcrlid^en 9lusgaben unb bie ctjclidöcn Saften fein (§§ 1418, 1419).
«onftruftion. 2)ie S)urd^füt)rung bicfeS Oebantenö ift in ben bcfte^enben Siedeten in jmei
©eitenbcs .^auptformcu erfolgt. 9Jad^ bcr einen bilbet bcr oon einem ©Regatten gemad^tc,
unter ben Segriff ber ©rrungenf^aft faUcnbe ©rroerb fd&on roä^renb bcftc^enber
(Semeinfd^aft einen bcfonbcren Sicrmogensinbegriff. 9iad^ ber anbcren roirb
bagcgen crft bei 3lufl5fung ber ®cmcinfd&aft burd^ SÄbred^nung ermittelt, ob
mä) Grfafe bcs beiberfeitigen ©onbcrgutcs unb naä) Seri^tigung bcr ber @^
mcinfc^aft jur Saft fatlenbcn SScrbinblid^feitcn eine ©rrungcnfd^aft tjorl^anben
ift, unb mirb biefer Ucbcrfd^uß bann unter ben ©Regatten get^cilt. 9lad& mand^
3led;tcn ift cS jn)eifcll)aft, roel^c biefer bciben 9luffaffungen itinen ju Orunbe
liegt. 2)ie sroeite 9luffaffung mirb na^ bcr offijiellen SRittl^eilung bcr ba^r.
Slegicrung (ücrgl. Sicubauer, 3^fö"^"^cnftcllung ©. 108 § 21) für bic ba^r.
Siedete mit ßrrungenfdjaftsgcmeinfd^aft als bic SReget ^ingcftcBt. 3)icfcr Sluf-
faffung neigt ftc^ and) bic ^rajis im Oroß^crjogtbumc Reffen ju (oergL 91eu^
baucr S. 52, 57; ferner ©cuffcrt Vir, 329, 330, XVI, 55; anbercrfeits ©cuffcrt
XXXIX, 219); bod^ fielen Immobilien, meldte üur Grrungcnfd^aftsgcmcinfdiaft
gel^örcn, mcil fie nad^ gcfefeUcbcr 33orfd&rift auf ben 3iamen bciber ©Regatten
eingetragen merben follen, im 9Jliteigentt)umc bcr legtercn. ©ntfd^icbcn auf
bem Stanbpunftc ber jroeiten Sluffoffung ftc^t ferner bas furl^eff. di^t Sie
ift ^icr burc^ bic ^rajis, obwohl biefe früfjcr gcfc^roanft l^at, unjiocifelbaft
feftgcftellt unb mit befonberer Sd|ärfc unb Äonfequenj ausgcbilbet (t)ergL gcnncr
Srrungenfcgaftgdemeinfc^aft. ä&efen. § 1411. 493
unb SBcrfc, cioilrcd^tl. 6ntfd&. bcr obcrftcn ©crid^tö^öfc in 5)Jrcufecn, VIII, 77
S. 208). 3Iud& in einjclnen anbcrcn Heineren Sflei^tegcbicten f)at bicfc gorm
ber ßmingenf^oftögemcinfci^aft, roeld^e alö ©cnteinfd^aft bcö S^genjinnfted be*
jeui^net ju werben pflegt, Slnerfennung gefunbcn. 9liif bcm ©tanbpunfte
ber oben bejei(^neten erften Sluffaffung, mä) roeld&er bie ©rrungenfd^aft von
oom^cin eine felbftänbige 93ermogenömaf?e barfteüt, fielen bagcgcn baö
loürttemb. 2. 31., femer, obwohl bieö ni^t üöUig unbeftritten ift, boß baqr. S. SR.,
bod roürjb., fd^roeinfurl. unb bamb. Siedet (oergl. 9ieubauer a. q. D. ©. 108).
SJofifelbe rairb für baö in 5RaRau geltenbe SRed)t angenommen. Slud^ baß
|nDeu§. ä. S. SR. unb baß franj. SRed^t legen für bie ©rrungcnfdiaftßgemcinfc^aft
biefdbe Äonftruftion }u Orunbe, mie für bie allgemeine ©ütergemeinfd^aft
bep. bie aKobiliargemeinfd^aft, unb geboren ba^er bcr erftgcbad^ten 9luffaffung
an. Sütffic^tUc^ ber grage, mie nad^ ben ju ' biefcr Äategoric gcborenben
Stetsten baß in Slnfc^ung ber (Srrungenfd&aftßmaffe bcftelieiibe (Semeinfdjaftß?
oer^Itni§ re^tlic^ ju fonftruiren ift, jeigt fid& aber biefelbe SBerfd|iebenf)eit ber
Sfati(iiten, roie bei ber allgemeinen ©ütcrgemeinfd^aft (ücrgl. bie SJorbemerfung
JU §§ 1341 ff. oben ©. 330 ff.). 33ei bcr ®rrungcnfd&aftßgemcinfd&aft ^at
inbcjjen bie SSuffaffung, bafe unter ben ©l^egattcn ein @efeUfd)aftßöerf)öltni6
befte^t unb auf baß benfelbcn an ber ©rrungcnfdiaft jufte^cnbe Sigent^um bie
oBgemcincn ©runbfäfee über aßiteigent^um Slnmcnbung finben, größere SSer^
breüung gefunben, mie bei ber aÜgemeinen ©ütergcmeinf d)af t ; inflbcfonbere
ift jene Suffaffung im roürttemb. SRed^te jur unjn)eifcU;aften ®c(tung gelangt
unb fonfequent außgebilbet (oergl. aud& für baß im ©rofe^erjogt^umc J&ejfcn
fleltenbc Slcd&t Seuffert XXXIX, 219).
2)ie Seftimmung bcß § 1411 aibf. 1 bringt junäc^ft jum SlußbrudEe, ^tanbpunu
ba§ no^ bem (Sntwurfc bie ©rrungenfd^aft fdf)on mäljrcnb beftefienber Ocmein* «ntrourfe«.
f4löft einen bcfonberen aSermögenßinbegriff bilbet, unb roenbet fic^ bamit gegen
boß Softem ber ©emeinfd^aft beß 3ii9^W)innftcß, nad& meld^em roäl^rcnb be*
M^nber ©emeinfd^aft bie jur ©rrungcnfd^aft gel^orenben ©cgenftänbe im
Kgentl^ume beßjenigen 6l|cgatten fteljcn, meld^er bie @m)erbßl)anblung Dor^
genommen ^at unb baß jroifd^en ben ©begatten mit ber ©emeinfd^aft ent«
fte^« Ste^tßoer^ättnife fid& nur alß ein Dbligationßt)erl^äItni6 barftellt,
wnnoge beffen ieber ber @{)egatten Dcrpflid^tet ift, ben SBcrtI) bcr in feinem
Sgent^ume ftc^enben, §ur ©rrungenfdjaft ge^örenben ©cgenftönbe n)ä[)renb
ber ©emeinfc^aft jur 33eftreitung ber e^elid^cn Saften, nad^ 9luflöfung berfelben
iwn 3«)e(fe ber 2^cilung beß (Seroinneß ju fonferiren. @ß läfet fid) nid^t
oertenncn, baß auf bem SBege biefeß [enteren ©i)ftemcß eine SSereinfad^ung
beß SSer^ältniffeß nac^ aufeen infofern erjielt mirb, atß man nad^ au§cn nur
mit §n>ei bcfonberen SSermogenßmajfen }u red^nen ^at. Sluf ber anbcrcn ©eite
fifyA baßfelbe aber ju anberen fd^mierigen unb oerroidfcltcn fragen, roeld^c in
ben 9le<^tßgebieten jeneß ©pftemeß, j. S. in Äurt)cffcn, in ätnfe^ung bcr 93cr*
pfß^tung bcr ß^efrau, ben SBertl^ ber von \f)x erraorbcncn, unter bcu Segriff
ber grrungenfd^aft faDenben ©egenftänbe fc^on roä^renb bcftcf)cnbcr ©cmcin^
f(^ft bem ©bemanne ju fonferiren, foroie in 3lnfcf)ung bcß 3lcd&tcß bcr ®läu*
Kger beß g^anneß, jenen Slnfprud) beß (enteren gcltcnb ju machen, fid^
erhoben ^obcn. aud& entfprid^t eß ber gefc^id^tlid^en entroidEcIung bcß cljclid^cn
494 6rrunocnf(j&afföGcinclnfd?aft. SBefcn. § Uli.
©ütcrrcd^teö unb bcr Stuffajfung, roeld&e boö legtcrc in 2)cutfcft(anb gefunbcn
\)at, tncf)r, wenn bic S^tdt, rocli^c eö Dcrfolgt, unmittelbar burd^ eine bcn^
fclbcn cntfprcd&cnbc ©cftaltung bcö Stcd&töocr^ältniffeö, olö mittelbar auf bem
Umwege eines ben ©Regatten jufte^enben obligatorifc^en Slnfpruc^cs errei^t
werben. 3w>^if<^f^öft^^" ^^^^^ cö fein, ob eö fid^ nid^t im 3ntereffe ber SSer?
einfad&ung bcö SBer^ältniffcö empfehlen roürbe, bei ber Grrungenfd&aftögemein*
fd^aft in 2lnfc^img ber ©rrungenfd^aftömaffc baß ^ßrinjip beö atUeineigcntt^umc«
beß ®^emanneö ju ©runbe ju legen, jumal ber oon bem Gfjcmanne gemad&te
©rrocrb regelmäßig ben §auptbeftanbtf)eil ber ©rrungcnfc&aft auömad^t unb
fid& nad^ außen l)in üon bem ©onbergute bcö ß^emanneö ntd^t unterfc^eiben
läßt, bie SBejie^ungen bciber SKaffen ju eiimnber oietmc^r burd& bie UmfaJ*
gcfd^äfte unb bie aSerroenbungcn auö ber einen 3KaRe auf bie anbete einem
beftänbigcn SBed^fel unterworfen fmb. ^raftifd^ mürbe babur^ bie ©cftaltung
beö SBer^ältnijfeö fid) üon bcm|enigen auf bem 33oben ber (Semcinfd^aft bcö
3ugeroinnfteö fte^enben 9led)ten ni^t erl)eblid& unterfd&ciben, meiere bem G^c^
manne in Slnfc^ung ber oon ber ©t)cfrau erworbenen, ju ber ©rrungcnf^aft
ge^orenben ©egenftänbe — abgefefien üon ben auf ben Flamen beiber 6b^
gatten eingetragenen Immobilien — ein weitge^enbeö, bem Gigent^ume glcie^
fteljcnbeö SBcrfügungöred^t beilegen ober i^n gerabeju alö ßigent^ümer bcbanbeln
(ücrgl. ©euffert VIT, 329, 330, XVI, 55, XXXIX, 219, Jenner unb aftcdc,
cioilred^tl. Gntfd^. IX, 37 ©. 97). ©cgen eine berartige ©eftaltung fällt
inbeffen t)om ©tanbpunfte bcö Gntwurfeö auö entf^eibenb inö ©ewid^t, ba|
bcr Icgtcre für bie allgemeine ©ütcrgcmeinfd^aft baö ^^Jrinsip bcö SUein-'
etgentl^umcö beö Gbcmanncö abgelet)nt bat, t)on biefem Stanbpunftc auö ba^r
baö ©efefe enifd^ieben an Ginfad)l)eit gewinnt, wenn bei ber Grrungcnfdbaftö«
gemeinfdbaft biefelbe Äonftruftion, wie bei ber allgemeinen ©ütergemcinfd^oft,
b. i). baö ^rinjip beö beutfd^red^tlid^en 3niteigentt)umeö }u ©nmbe gelegt wirb
(ücrgl. bie SJorbemerfung ju §§ 1341 ff. oben ©. 330 ff.), ©c^on auö biefem
©runbe empfiehlt eö fid& aud^ nid^t, baö üon üerfd&iebenen iRec^tcn für bic
Grrungenfd^aftögemeinfc^aft anerfannte ©oiietätöprinjip }um Sluögangöpunfte
JU nel^men. ^a}u !ommt, baß biefcö ^rinjip 5U Ronfequenjen fübrt^ welc^
bem SSefen unb bem ^xoedt ber Grrungenfc^iaftögemeinf^aft nicbt genugenb
9{ed)nung tragen,
»eflriff bcr älnlangenb ben S3cgriff bcr Grrungenfi^aft, fo l^errfd^t in bicfcr S^
\i!^' Sterling unter ben befte^cnbcn Siedeten fad^lid^ in ber ^auptfad^c Uebcrcin-
ftimmung. ©ö gehören ba^in jcber wälircnb beftel^enbcr ©emcinfd^aft burib
bie Slrbeit ber ©^egotten gemad^te ©rwerb unb bie 9{uftungen il^rer ©onber*
guter (ocrgl. inöbef. württemb. Ö. SR. III, 7 § 2; ba^r. 2. SR. I, 6 § 20;
würjb. 2. k. lU, 96 §§ 3, 4; mainj. 2. JR. m §§ 2, 3; folmf, 2. D. Sit. 28
§§ 2, 3 ; ^ef[. barmft. SJerorbn. r>. 2. aJlärj 1795 §§ 5, 6 ; frantf. SRefomt
V, 5 §§ 2, 3; preuß. 91. 2. SR. II, 1 §§ 396, 402—405; code civü «rt. 1498;
ferner ^eff. ©ntw. IV, 2 3lrt. 503; württemb. ©ntw. ärt. 2, 3, 17—30;
el)renbreitft. ©ntw. § 95). Die Q^xt beö ©rwerbeö entfd^eibct jnwir nic^t
unbebingt über bie 3u0^^örig!eit beöfelben 5um ©efammtgute ober }um
©onbergute; alö Siegel wirb man inbeffen unbebenfli^ auffteUen tonnen, boß
ber wö^renb befte^enber ©^e gemalte ©rwerb beö einen ober anbcren ©ftc*
(ärningcnf$aftfi0cmeinf(J&aft. ©cnbcröut. § 141-2. 495
gotten Scftonbt^cil bcß ©cfammtgutcß wirb, bos einem ©i^egatten beim (Sim
trifte ber ©mmgenfd^aftögemcinfd^Qft jufte^enbe aSermogen bagegen ©onbergut
ift. S)iefer formellen S'legcl gegenilber finb bann bie aus bem materiellen Se^
griffe ber ©rrungenfciiaft fid^ ergebcnben 9luöna^men ju beftimmen (§§ 1412,
1414, 1415). gür bog ©efefebuci) ift ein fold^cs Serfal^ren (oergt. inöbef. aud)
preug. 31. 2. SR. ii, i §§ 396, 402, 403; mürttemb. ©ntm. §§ 2, 3) bcm aUer^
bingft üon ber SKetirjal^t ber Steckte eingef(i)lagenen SBege ber 2lufäftl^lung ber
finjctnen Seftanbt^cilc ber ©rrungenfc^oft unb ber ©onbergütcr üorjuäie^eii.
S3ei biefem legtcren SSerfa^ren ift eö faum ju ocrmeiben, bafe nid^t einige
Crroerböarten übrig bleiben, rüdffidötli^ beren eö jn)eifetl)aft bleibt, ob fie ber
einen ober anbcrcn Äategorie angcljörcn; bic ©trcitfragcn, meldte in biefcr
^infi(^t entflanben Rnb, rühren, menigftcnö jum 3:l)eil, oon jenem SSer^
fttftren ber ®efc|gebung ^er.
S)o bei bcm Oütcrftanbe ber Grrungenfd^aftägemeinfd^aft — abroeid^enb 0«^^««-
twm ber allgemeinen ®ütergemeinf(i)aft — baö SSorlianbcnfein Don ©onbcr- eonberguteö.
gutem neben bem ©efommtgute bie burd^ baö SBefen ber ©rrungenfd^afts^
goncinft^aft bebingte SRegel bilbct unb mit jur ©runblagc beß ganjcn 3nftitutcö
gebort, fo ift es angemeRen, pon oorn^erein im SÄnfdljlujfe an bie 39cftimmung
b«s § 1411 Stbf. 1 barauf ^injuroeifen. 3luf biefem ©ebanfen berul^t bie Sc-
ftimmung bcs § 1411 3lbf. 2, meldte einerfeitß jum Sluöbrutfe bringt, bafe
böS ni(^t jum ÖJefommtgute gc^örenbc SScrmögcn beö einen ober onberen
Blatten, fomeit baöfelbe nid^t auönalimöroeife ben Äarafter oon a3orbel)altsgut
!lot (§ 1416), ©onbergut ift, anbcrerfcitß ben juriftifd^en Äaratter beö ©onber-
fintcö unb beffcn SBer^ältnife jum ©efammtgute, t)orbc^altlidö ber auö ben
§§ 1417 ff. ftd^ ergebenben näheren Seftimmungcn, im älllgcmeincn erfennen
lö§t SDurdd bic Seftimmung, bafe bie Slufeungen ber Sonbergüter ju bem
Sefammtgutc in bemfelben Umfange gepren, in meinem bei bcm gefeglic^en
e^eli(^ ®üterftanbc bie Slußungen beö 6l)cguteö bem ©bemanne gel|5ren,
wirb jugleid^ ber Umfang ber bem ©cfammtgute jufallenben Siufeungen ber
conberguter in einer ber Slnalogie beö gefefelid^en el)elid^en öütcrred&teö ent^
fpred^en unb Haren SBcife beftimmt.
§ 1412.
2)er von allen auf bcm ©gfteme ber reinen 6rrungenfc^aftögemeinfd^aft^<»«.^e« ®»n'
Mienben ffttöfitn (tjcrgt. bie 3Kotit)e ju § 1411 oben ©. 492) ancrfanntc wcmLwaft
©ninbfag, bag bas einem ©Regatten bei bem ©intritte ber errungenfd^aftö- ^^^^^
joneinfd^ft jufie^cnbe aSermögen, üorbel^altlid^ ber Seftimmung beö § 1416, ^""
Sonbergut beöfclbcn ift, ergiebt ftc^ an fxä) fd^on auö § 1411. ' gjlit Slücffid^t
ttttf bie aStd^iglcit beö @nmbfa|cö unb rocgen ber aSoUftänbigfeit ber 3luf^
Ji^lung beöienigen, maö ©onbergut ift, empfiehlt eö fic^ jeboc^, im § 1412
WH^ auöbtücfUd^ barauf J^luiumeifen. S)ie 5Wegcl erteibet au6) feine Sluönabmc
in Slnfe^ng ber beim (Sintritte ber ©rrungenfc^aftögemeinfc^aft ju bcm
Sonbcrgute beö einen ober anbcrcn @()cgattcn gcl^örenben t)crbraud&barcn
So^, indbefonbere beö baaren Oclbcö (oergl. mürttemb. ©ntro. § 3), ba auc^
W bem gcfc^Ud^cn ©üterrec^tc (§ 1294) auf bic cl)elid^c 9lufeniefeung an ücr*
496 Srnmöenf^aftööemcinf^aft Sonbergut. § 1412.
braud^barcn Sad&crx bic SBorfd^rif ten über ben 3lic6braud[) an ocrbraud^baren
©aciien feine 3lnn}cnbung finben. ®od^ fomtnt ben ©Regatten in biefer 9e^
jiefjung bie im § 1421 9lbf. 2 aufgcftcUte aSermut^ung ju ftatten.
S)urd^ ben fraglid^en ©runbfag ift übrigens nic^t auögefd^Iojfen, bafe
Don ben ©Regatten anä) fold^e (Scgenftänbe, welche an fic^ jum ©onbergutc
eines ©degatten gel)ören würben, burd^ ß^erertrag (§§ 1333, 1335) bem
©efammtgute jugeroiefen werben. 3)er Uebergang fol^er Oegcnftänbe in baö
©efammtgut erfolgt inbcffen niöji in Oemafe^eit ber §§ 1417, 1343 fraft bcö
©cfegeö, fonbern nur nad) SRafegabe ber allgemeinen für ben Uebergong bcfi
bctreffenben 9led)teö geltenben 33eftimmungen. ©in Sebürfnife, in biefer ^infic^t
für ben bejeid&neten galt bie allgemeinen ©runbföge mit Slücffid^t auf bic
wenigen, bem gcmifd^ten ©^fteme ber ©rrungenfdiaftögemeinfc^aft angeprenben
Siedete (oergl. bie äjlotioe ju § 1410 oben ©. 491) ju burc^bred^en, tann nit^t
anerfannt werben.
€n»ert von <^a^ ftxixtv biejeuigen ©egenftänbc, weld^e wö^renb beö Sefteöcnö ber
obef bl!?r ©rmngcnfd^aftögemeinfd^aft oon einem ©fiegattcn burc^ ©rbfolge ober bun^
ec^cntung. SBermöd^tuife ober afe ^flid^tt^eil ober burc^ ©d^cntung erworben wirb, Dor*
bcfiattlid^ ber 93cftimmung beö § 1416, ©onbergut jenes ©Negotien finb, ftc^t
mit allen ©rrungenfd&aftörcd^tcn im ©inflange (oergl. bie in ben ÜWotioen }u
§ 1411 oben S. 492 ff. angeführten 9led&te). aSon fclbft Derftel)t es fid^ jeboi,
bafe bei 3wwenbungcn ber fraglid^en Slrt an einen ber ©fjegattcn t)on bem
3uwenbenben, foweit baburd^ nid^t ein 5ßP[id&tt^eitßredS)t Derleßt wirb, na^
3)Za6gabc ber allgemeinen erbred^tlid^en ®runbfä|e wirffam bcftimmt werben
fann, ba^ bas Sugewenbete bem ©efammtgute juf allen folle; bod^ ^at eine
fold)e 23eftimmung nic^t bie SBirfung, ba§ bas S^gewenbete bircft traft befi
OefefceS ©efammtgut wirb (oergl. code civil 3lrt. 1405). 9lid^t minbcr ift cS
als felbftoerftänblid) era^tet, bafe basjenige, was beiben ©Regatten in ber ^ier
fraglid^cn 9lrt Don einem 2)ritteti jugewenbet wirb, fofern nic^t eine entgegen*
ftef)cnbe 2lbfid^t bes Suwenbenben erl)ellt, in ©emäfe^eit bes § 1412 ni^t
©efammtgut, fonbern gcmeinf^aftlid^es ©onbergut beiber ©tjegatten wiri).
2)as aSerf)ältni^ ift Ijier nid^t anbers, als wenn bie ©l)egattcn üor Scginn
ber ©emeinf^aft gemeinfd&aftlid^es SBermögen gcl^obt Ijaben. 3)ie abweid&enbe
Seftimmung einsctncr Siechte, j. S. bes württcmb. ß. SR. IV, 4 § 5, ^dngt
t^eils mit ber ©ojietötsttieorie, tljeits bamit jufammen, bafe nad^ bcmfclben bie
©rrungenfd^aftögemeinfc^aft ben gefeßlid^en ©üterftanb bilbet, unb unter biefer
SBorauSfcgung bie 3lnna^me, bafe bas beiben ©Regatten gemcinfd^aftlicö 3^
gewenbete ©rrungenfd^aft fein folle, nalje liegt.
S(^cnfungcn Sßon bcm ©ruubfage bes § 1412 i^at ber ©ntwurf aud^ für ©^enfungcn
ei5cg«ttc" ^"*^^ ^^^ ©Regatten in Uebereinftimmung mit bem württcmb. ©ntw. § 60 unb
bcm c^renbreitft. ©ntw. § 108 feine SluSnal^me gemad^t, Db eine ©d^cnfung
bes ©iiemanncö aus bem ©efammtgute an bie ©Ijcfrau (§§ 1417, 1353) ato
ein ben ©üterftanb ber ©rrungenfc^aftsgemeinfd^aft änbcmber SBcrtrag im
Sinne beS § 1333 anjufc^en unb bcs^alb bic im § 1335 ätt)f. 1 oot»
gefct)riebenc gorm erforberlid^ ift (t)ergl. Ijeff. ©ntw. IV, 2 Slrt. 503 9lr. 3),
Ijcbarf einer bcfonberen gefe^lid^en ©ntfd^eibung nid&t; üielmelöt fann bie 6nt?
fd^eibung ber gragc unbebenfli^ ber 3uriSprubenj überlaf[en werben.
J
(Srrunöcnfc^aftÄflemeinfdjaft. Scnbcröiit § 1412. 497
iJic SRcgcI, ba% bic von einem ©Regatten wöfircnb beftel^enber (Scnicim Mcmuncra-
ftjoft burc^ Sc^cnfung erioorbenen ©cgcnftänbc ©onbergut beöfclbcn werbcn/''"{„^g^^"'
ericibct nad^ Derfddiebencu ?lit6)k\\ eine 3fuönal)mc föv fold^e ©d^enfiingen,
löcl^e jur Selo^nung für 2)i€nfte erfolgt finb, bie ber betreffcnbc ©l^cgattc
wü^rcnl) bcfte^enbcr Oemcinfd^oft geleiftet l^attc (oergl. preufe. 31. S. SR. II, 1
§ m\ ^cjf.barmft. 53crorbn. v. 2. ÜKärä 1795 § 6; caftell. Sanbeöocrorbn.
§§ 138, 140; roürttemb. (Sntro. § 22; fjejf. ©ntro. IV, 2 Slrt. 504 9tr. 2). ©ine
folc^c äusno^me, n)cld)e tonfcquent awd) auf Icgtraillige 3ww^«"gcn ber . Slrt
audjubeljneu fein würbe, ift jcbod^ oon bem (Sefid^töpunftc bcö materiellen
SegviffcS ber ©mingenfd^aft aud nid^t nnbebingt geboten imb fann um fo
weniger alö ein Sebürfnife anerfannt werben, olö in rielen gäHen ber Ijier
frogli^cn 9lrt im i&inblicfe auf bic SBorfd^riftcn bcö § 559 2lbf. 2, beö
§ 567 3lbf. 2 unb beö § 586 ©afe 2 überhaupt feine ©c^enfung, fonbern
bic Sciftung einer als ftiUfd^meigenb rerfprod^en an^ufel^enben SBergütung üor?
liegen wirb. 2)0iu fommt, bafe bei ber ©c^enhing befonbere Scftimmungen
über fog. remuneratorifd^c ©dienfungen, namentlid^ über bie SBegrifföbeftimmung
betfelben, überhaupt nid^t aufgenommen finb unb eine 3luönal^mc ber bejeidineten
Srt roegen ber nid^t ju rermeibenben Unbeftimmtlieit ber Sßoraufifegungen grofec
proftifd^e ©d^roierigfeiten mit jtd^ ju bringen bro^t.
ßbenfotDcnig liegt ein Sebürfnife üor, nad& bem aSorbilbe beö roürttemb. s<^n«un9en
fhiiw. § 30 für ben gaU befonbere SSorforge ju treffen, wenn einem ®I)egatten ffreS 0*^3
wn einem SJritten be^ufö Söeflrcitung beö bem ©efommtgute jur Saft fallenben ,^*^.^Jj'*J"g
Sufroüiibeö eine ©d^enfung gemad^t ift. Db unb inmiemeit bem betreffenben ."'"" * '
©Regatten ober bem ©efammtgute bie ©ddcnfung ober lefetroilligc 3ww)enbung
^t imadft werben f ollen, ift ©ad^e ber Sludlegung beö einzelnen ^*alled, bei
©dc^r felbftoerftänbli^ ber 3^^^^ ^^^ 3wwjenbung unb bic gragc, inwieweit
fonft bem ©efammtgute ber Slufwanb jur Saft gefallen fein würbe, mit ju
beriitfji^tigen fein wirb.
Ginige JRcd^te entljalten in 9(nfel;ung ber ©dienfungen nod^ bic befonbere ^ot^seu«*
Seftimmung, bafe ^oc^jeitögefc^cnfe, fofem ni^t eine anbere 9lbfi(i)t bcö öcf<^«»^«c.
©eberß er^eUt, ©efammtgut werben (t)ergl. württemb. S. SR. III, 7 § 2 ; bai)r.
1 3». I, 6 § 19; tjeft.barmft. aSerorbn. v. 1795 § 5; württemb. Qniw. § 21;
M. gntw. IV, 2 ärt. 504 9lr. 2). aSenn au^i — \m^ f)kv bal^ingeftellt
bleiben fann (ocrgl. Jebodj § 1971) — im 3wcifcl anjune^men fein foUte, ba^
^(^5eitögefd^cnfe alö an beibe ©l^egatten gemeinfd^aftlid^ gemad^t anjufeljen
nnb (oergt. preufe. 31. S. JR. II, 1 § 172), fo folgt bod^ barauö nod; nid^t,
bcö jie ©efammtgut werben muffen; rielmel^r gilt t)on il^nen baöfelbe, waö
mdi Cbigcm S. 496 oon foldjen ©d&enfungcn, weld&c an beibe @f)egatten ge^
mcinfc^aftUd^ Qcmaä)t pnb, überljaupt gilt. 33ei ber üertragömäfeigen ©r^
rungenf^aftögemeinfd^aft ift bie 3lufftellung einer SBermut^ung ju ©unften
be^ ©cfammtgutcö um fo weniger gered^tfertigt, alö, wenn bie ©efd^enfe bem
<Scfommtgute juf allen, bie Sage ber ©^efrau wegen bcö bem ®I)emanne in
änfc^ung bcö ©cfammtguteö iuftcljcnben auögcbelinten SSerfügungöred^tcö
(§§ 1417, 1352) eine ungünftigerc ift.
aiö Sonbcrgut eincö ©begatten bescid^nct ber § 1412 weiter bieienigen «usfiotuma.
©egenftänbc, wel^c bemfclben jur 3(uöftattung gcwätjrt werben. 3ft bie
498 errunöcnfc^ciftSöemcinfftaft. ©cubcrout. §§ 1413, 1414.
Icfetcrc, n)ic regdmSfeiß bcr gall, fd;on vov ©ingcl^ung bcr ß^c gcroSfirt ober
ücrfprod&cn, fo gcljört fic fc^on mä) bcm im ©ingange befi § 1412 Iieroor^
gcl)obcncn ©runbfo^c bcjn). nai^ § 1414 jum ©onbergute bcö bctrcffcnben
e^cgattcn. 9Jlit SRüdfid)! auf fold&c gäHc ober, in n)cl(i^cn fic cvft na^
Gintritt bcr ©mmgcnfdöaftögemcinfd^aft jugcfid^crt ober gcrofi^rt wirb, mii6
ftc im § 1412 bcfonbcriS l^erDorgef)obcu locrbcn.
uebertraflung Sag aud^ fo(d)e ©cgenftöiibe, lueld^e einem ©Regatten n)SIjrenb bcö 99c«
mit mmt j-^g|^g„g jjg^ errungcnfdjaftögcmeinfd^aft mit JRfidfic^t auf ein fünftigcfi ©rbrcd^t
ein wnftific» gegeben werben, afö ©onbcrgut bcfi betreffcnbeu ©Regatten ju be^anbetn finb,
crbre^t. ^^-gj^j^^ j|^ borauö, ba% ein foI(i^er Grrocrb materiell eine 9lntijipation befi
©rbred^teö entl[|ält (üergl. code civil 9lrt. 1406; mürttemb. Gntm. § 5; c^ren*
breitft. @ntro. §§ 6, 96). ©icfcn Äarafter oerlicrt ber ©rroerb auti^ babun^
nid^t, bag üon bem betreff enben @l^egatten ober t)on beibcn G^egatten gcioiifc
aSerpflid^tungen (®en)äl[irung einer Seibjud^t, 3lbfinbung oon ©efd^miftem)
übernommen merbcn. Db biefc SBerpptid^tungcn Oefammtgutöoerbinbticiötciten
finb unb als foldje bem ©efammtgute ober bcm betreffcnbeu Gticgattcn im
58er^ältnijfe ber ©Regatten ju einanber jur Saft fallen, rid^tet fic^ nac^ bai
attgemeinen Orunbfä^cn (§§ 1423, 1426).
3l\6)t cxmifnt finb im § 1412 fold^c ©cgenftänbc, meiere ein G^cgottc
mäl^renb befte^enber ©emeinfd^aft burd) ein cntgcltüd^eß ©cfd^äft üoii rincm
2)ritten mit ber Seftimmung befi legtcren ermirbt, bafe bafi Crmorbenc
©onbergut rocrben foHc. Ginc fotd&e SBcftimmung l&at I)ier ebenforoenig SBirf*
famfeit, mie in ben analogen gäUen ber §§ 1287, 1347 (ucrgl. bic SRotiw
ju § 1287 oben ©. 169). 2)afi 0egcntl)eil mürbe in ^ol^cm ©rabc bcbenfßcb
fein, mcil alfibann jebcr ber Gf)egatten, a\\6) ber G^emann, bic SDloglic^Icit
^ätte, ben Grtrag feiner S^Ijötigfeit unb Slrbeit bem Oefammtgute 5u cntäicl^m
unb baburd^ bafi ganjc 3nftitut ber Gmmgcnfdjaftfigemcinfd&oft ju gefä^rben.
§ 1413.
€onberflut ©ic SBcftimmuug bcö § 1413 cntf)ält eine 9lnmeubung befi im g 1333
G?^o«twSrt. aufigefprod&enen ^^rinjipcß bn: SBertragfifreiljcit unb ift in oerf^iebenen 9Ic(6tcn
aufibrütf ti(^ ancrfannt (oergl. infibef onbere baijr. 2. 91. I, 6 § 22 ; mürttcmb.
SBerorbn. t). 21. aifai 1825 § 27 ncbft murttcmb. Gntm. § 10; ferner in 3Im
fel^ung eines uor Gingcl)ung bcr Gf)c gcfd&Iotiencn G^cücrtragcfi co<le civil
3rrt. 1500).
§ 1414.
eurrogatton. Scr @runbfa^ bcö § 1414, ba^ Sonbergut einefi G^egatten bieicnigcn
Oegcnftänbc finb, meldte bcrfelbe auf @runb einefi ju feinem Sonbergutc
geprenbcn Sted^tefi ober alfi Grfafe für bic 3c^ft8^w"9/ ©efd^äbigung ober
Gntjiel^ung einefi ju feinem ©onbergute gcljörcnbcn ©cgenftanbcfi ober bun^
fold^c aJcd^tfigcfd^äfte erroirbt, mcldjc auf fein Sonbergut ftd^ bejic^en, entfprid^t
ben Seftimmungen bcr §§ 1290, 1349. 2)ic bcr partifulfiren ©utergemeinfcftafl
angel^orcnbcn dicd)ic gc^cn allerbingfi in bcr Stnerfennung befi Surrogotion^
(Srrunöenf$aft§Gcmcmf$aft. ®onbcröut. § 1414. 499
VrinjipcÄ bei bcn ©onbcrgütcni rictfod) iüd)t fo n)cit. Sie erfennen sioor bic
Sigenf^aft beö ©onbergutcö alö eineö SBennöflenöinbegriffeS an, befd^ränfcn
ober bic barauö fid& crgcbcnbe Äonfepuenj, bafe baö Sonbergut qIö fold^cö
o^nc aiüdfi^t barouf erljalten bleiben mnfe, ob baöfelbe im Saufe bcr 3cit
tine anbere red^tlid^c unb roirtl^fd^aftUd^c gönn annimmt, infofern, alö fic bic
im Saufe bcr Söermogcnöocrroaltung aus berfelben cntftel^enben neuen 9?ed)tc
balb in größerem, balb in geringcrem Umfange bem ©efammtgute juwcifen,
bem bctreffenben ©onbergutc aber nur einen änfprud^ auf Grfafe beöienigen
Sctragcö jugefte^en, um mefd^en ba^ ©efammtgut burd^ icnc S^TOeifung auf
Jloften beö ©onbergutes bereid^ert ift. 3)iefc 9lrt bcr Sebanblung finbet in-
icffen rcgelmfifeig nidjt fiatt bei foldjcn aSeränbcrungen beö SSermogenö, roelciic
oftnc ßinroirfung beö Gigentl^ümerö t)on felbft eintreten. Slber au^ bei foId)cn
Scränbcrungen, meldte fid^ burd^ ^anblungen beö @igentl)ümerö, iitöbefonberc
bur4 Umfofegefd^fiftc, DoDjiefien, tritt fie nad) bcn rerfd^iebenen SHed&ten in
fe^r Derf^icbenem Umfange, in feinem auönal^möloö ein. 6ö liegt biefer 9lrt
bcr SJe^nblung bie 9luffajfung ju ©runbe, bafe bie ©onbergüter mit ber
^Jemrinfd^aft bod^ infofern in SSerbinbung ftel^en, alö fie für SSed^nung beö
©cfammtguteö oerwaltct werben, ©rftrebt mirb burc^ biefe (Seftaltung eine
^einfad&ung beö Söcrl^ältniffeö, eine größere ©id^erung ber ©emcinfdfiaft
gegen ©onberintereffen ber cinjelncn ©Regatten unb eine größere Sid^erung
ber ©cfammtgutögläubiger gegen aSerfürjung üon ©eiten ber ©degatten.
?Jom ©tanbpunfte beö Gntmurfeö auö fmb biefe (Scjtd^töpunfte inbcffen alö
burt^fd^Iagcnb nid^t anjufebcn. Sßielme^r fällt, fooiel junäd^ft ba& ©onbergut
bcr g^frau betrifft, gegen bie oben bcicid^nete Sel^anblung ber ©ad)c ent*
fc^ibenb inö Ocroicbt, baß biefelbe mit ber ©tcDung, meldte nad^ bem Gntraurfc
grunbfäftlic^ bem G^egute jugewiefcn ift, unocreinbar fein mürbe. 3)aö
gefcftüd^c ©ütcrred^t beruht auf bem ©ebanfen, bafe bcr (Sficfrau baö (S^egut
tinpcrfüi^t erhalten merben foU unb obne if)vcn SBiÜen eine Ummanblung beö
€^egutcö in Wofee Grfa|anfprüd^c gegen bcn Gtjcmann, fomeit baö ©efcg bicö
iu oer^inbern im ©tanbe ift, nid)t eintreten foD. S)em (Sfiegutc entfprid^t aber
bei bcr Oütergcmeinfd&aft baö ©onbergut ber S^efrau; eine ücrfd^icbcne
Scbonblung mürbe namentlid^ bei ber ©rrungcnfd&aftögcmeinfd^aft um fo
TDcnigcr gcrcd^tfertigt fein, alö bie lefetcre fid) nur üIö eine SWobififation beö
{jcfejlic^eti ebeUd^cn ©üterred^tcö barftcUt. 83ei bem uertragömöfeigcn Äarafter
ber ©ütcrgemeinfd^aft fann in ber Slncrfennung beö ©urrogationöprinjipeö in
bem Umfange beö § 1414 aud6 eine ©efö^rbung beö Sntcrcffeö beö G^emanncö
imb ber ©laubiger nid^t gefunben merben. S)ie ©efal)r, bag unter bem
©d&ufte beö § 1414 ein materiell ber ©rrungenfd&aft angcborcnbcr ©rmerb bem
iSefommtgute entjogen lüerben tonnte, ift jubem nad^ bem Snl^altc beö § 1414
nid^t cr^cblid^, ba ein ouf ein ©onbergut fid^ bcjiebenbcö SRed^tögefd^oft nur
bann üorliegt, menn baö lefetcre fubicitio mit Sejiebung auf baö ©onbergut
flef(^>Iof|en ift unb obieftio mit bemfelben in S^f^^^^^cnbang gebracht merben
fann. ©aju fommt, bafe oft nad^ langer 2^\t ber Urfprung unb bcr 3"'
fammen^Qttg eineö ©rmerbcö nid&t mel;r nad^gcmiefen merben fann, in foldien
goHen ober bie im § 1421 aufgeftellte SBermut^ung bem ©efammtgute ju
^ülfe fommt. Sei bem ©onbergutc beö ©tjcmanneö foDt allcrbingö bie für
32 •
500 6rcunöenfd&afteoeöieinfd;aft. ©onberout. § 1414.
boö 8onbcvgut bcv ©f)cfrau Ijcrüorge^obcnc SRudEfid^t auf bic ©id^crung bcd
Icgtcrcn gegen bcn G^cmann unb beffeii ©laubiger raeg. Snbeffen ift audi bei
betft ©bemanne bie ©efa^r, bafe berfelbc unter bem Sd^ußc bcö ©urrogotionö»
prinäipeö jum 9kd&tf)cilc bcö ©efammtguteä eigennügig feinem ©onbergutc
einen ©rroerb juroenbe, aufi btn angefül^rten ©rünben nid^t fo grofe, um in
ber \)kx frag(id)en SSejie^ung eine ungleid^e ^e^anblung bed @{)emanncd unb
bcr ©()efrQU ju red^tfertigen.
3m ©injelnen ift jum § 1414 nodj golgenbeä ju bcmerfcn:
erwerbauf 1. ©afe biejeuigcn ©cgenftänbe, weld^e ein @()egatte auf Orunb eincö
^™u ^bem"** äw feinem ©onbergutc gel^örenben Sted^tcö eriüirbt, ©onbergut finb (uergl. ÜJiotxpe
sonbergute jn § 1290 obeu ©. 177 ff.)/ tüirb aud& auf bem ©ebiete bcr partifuläreu (Sütcr?
^««^us!" gemeinfdjaft faft allgemein anerfannt, inöbefonbere aud) na^ wiirttcmb. Siedete
(t)ergl. femer mürttemb. ©ntro. § 9). aJiobifijirt mirb jeboc^ biefc Scftimmung
burc^ ben ©runbfag^ bag bie ^{u^ungen bed ©onberguted nad^ äßaggabe be&
§ 1411 3lbf. 2 bem ©efammtgute jufaUen (ücrgl. entfd^. b. SR. ®. V, 58; § 1411
3lbf. 2 oerb. mit §§ 1292, 989, 1026, 1027). Ucber bic Tragweite jener
Seftimmung l^crrfd^t freilidd in einjelncn 93ejie]^ungen Streit, ©o ift inß-
bcfonbere beftritten, ob ber bem ©igentl^ümer eines ©runbftiidEed jufommenbe
3lnt{|eil eineö barauf gcfunbenen Qcj^aiic^ jum ©onbergute gel&ört, menn baft
©runbftüd ©onbergut mar. ®ö fann ni^t jroeifel^aft fein, ba| bic gragc
nad^ bem ©ntmurfe auf ®runb beö § 1414 in 33erbinbung mit § 1411 Slbf. 2
unb bcn §§ 1292, 928, 990 ju beladen ift. S)er biörocilen aufgefteHtc ©runbfaj,
bafe jcbcr burd) ©lüdEöfaU gemad^tc @rmerb jum ©efammtgute gel^ore (caftcU.
2anbedt)crorbn. § 138b; oergl. preufe. 21. S. 91. n, 1 § 404; l^eff. ©ntm, IV, 2
3lrt. 504 5Rr. 1; eljrcnbreitft. ©ntm. § 95), ift in biefer SOlgemein^cit ni^t
rid^tig; oielmel^r fommt eö barauf an, ob ber ©rroerb lebiglid^ in einem ju
bem Sonbergute gel&orenben Sfled^te, ober lebiglid^ in bcr 5ßerfon beö bctreffcnbcn
®l)cgatten fid^ grünbet. ©cmgemöfe wirb bie bem ginber beö ©c^aßcö ate
foldjcm jufommenbc ^ötfte bed Q6)(xit& (§ 928) aQcrbingd ^eftanbt^eil bc^
©efammtgutcö. SRad^ ä^nlid^cn ©runbfägen ift bic bcftrittenc grage (DcrgL
eiuerfeitö ©euffert X, 59, anbererfeitö ©euffert XVII, 252) ju entfc^eibcn, ob
bcr Slnfprud^ auf einen Sottcriegcminn jum ©onbergutc ober jum ©cfommt*
gute gel^ort. S)ie Sntfd^eibung ber gragc l^ängt allein baoon ab, ob baft
2ooö, auf roeld^eö bcr ©croinn fiel, Scftanbtl^cil beö ©onbcrgutcs ober be&
©cfammtguteö mar (oergl. aud) roürttemb. 6ntm. § 15). gcrner gelten bic
Sjlnfid^tcn barüber auöeinanber, ob bcr ©rroerb auf ©runb einer Dor Eintritt
bcr ©ütcrgemeinfd^aft begonnenen, aber erft mfil^renb beö Scftel^cnd bcr leiteten
üoDcnbctcn ©rfigung jum ©onbergute ober jum ©efammtgute gel^ört S)q*
mürttemb. SRcd^t nimmt baö ©rftcrc an (oergf. aud^ württcmb. ©ntro. § 9).
©in Sebürfnife, biefe mit bcr iuriftifd^cn Statur bcr Grfifeung bejm. mit bem
groecEc bcr Icßtcrcn jufammcnidfingenben gragc burd& baö ©efeß befonbcrd ju
cntfdjcibcn (Dcrgl. §§ 881 ff.), liegt icbod^ nid^t vov.
3u bcr Äategoric berienigcn ©cgenftänbe, meld)e auf ©runb eincö jum
Sonbergute gel^orenben SHcd^tcö erioorbcn merben, gcl;örcn ferner bic aÜ-
©rfüUung auf ©runb eincfi t)or Eintritt ber ©rrungenfd^aftögcmeinf^aft bcreitj^
begrünbeten Slnfprud^cö gcleifteten ©egenftfinbe. S)icd ift au^ regelmfifeig bcr
(Srrunöenf(6aft§öemeinf$aft. ©onbergut. § Uli. 501
Stonbpunft ber auf bcm S3obcn bcr partifulorcn ©utergcmeinfd^aft ftcficnbcn
Setzte, inöbcfonbcrc bcö njürttemb., naff., foroie beö franj. JRed^tcS (ucrgf.
ferner f|cff. bormft. SJcrorbn. d. 1795 § 6b; tüürtlcmb. ©ittiü. § 9; cfircii-
breitfl. ©ntro. §§ 4, 96). 3«^^^ bcbarf cö in bicfen gSDcn jur SBcrmittctuiig
bcÄ ©rroerbed rcßclmöfeig eines SRcd&tögefci^äfteß beö betreffenben ©Regatten
(Jrabition, Änftoffung, Scfpow u. f. vo.); ba Jebod^ fc^on vor ©intritt bcr
Öcmcinfd^Qft ein Slnfprud) auf ©ingel^ung iencö SWed^tögefd^Sftcö begrünbct
©ar unb bic ©rfüUung fid) nur ate bie SSerroirflid^ung unb ©ntfaltung cincö
bereits Dörfer oorl^anbenen Sied^teö barftellt, fo ntufe ber l^icr fraglid^e ©rmerb
}u bcr bejei^ncten Äategorie gered^net werben. 3loä) nöljer an bcr ©rcnjc
jiDif^cn bein ©rmerbe auf ©nmb eincö beftel^enben JWcd&teö unb bem ©rrocrbe
burc^ 91ed)tfigef(i^äft liegen bie gällc, in n)efd}en ein beftrittener 2lnfprud) burd)
Urt^eil, SBerglcicft, Slnerfcnnungsoertrag feftgeftellt ober eine gemeinfd^aftlici&c
Sod^c ober ©rbfd^aft get^eilt n)irb (ücrgl. code civil 9lrt. 1408; württemb.
Gnto. § 6 ; e^renbreitft. Gntvo. §§ 5, 96). gür ben ©ntrourf ift iebod) baö
Sebürfniß einer befonberen gefeßlid^en @ntfdfieibung um fo roeniger üorl^anben,
ölß nod^ § 1414 auä) bieicnigen ©egenftänbe ©onbergut finb, weld^e ein G^c*
gölte burd^ SRcd^tögcfd^äfte erwirbt, bie fid^ auf fein ©onbergut bejiel&cn.
2. S)cr jweite im § 1414 außgefprod^ene ©runbfag, bafe bieicnigen ®f^«* t^f we
©egenftänbc ©onbergut eines ©[jegattcn ftnb, loeldje als ©rfog für bic Gnt^TÄju"bm
}^i>«ng, 3^*örung ober Sefc^äbigung eines ju feinem ©onbergute geijörenben ®°^'J^^[^j^*„*
©egcnftanbcs erworben werben, ftimmt mit ben meiftcn auf bem S3oben bcr stetste«.
porlihilarcn (Sütergcmeinfd^aft ftc^enben JRed^ten überein. ®S gebort ()ierf;er
namentlich ber 2lnfprud) wegen (Enteignung eines jum ©onbergute gcfiörcnbcn
©cgenftanbeß unb ber Slnfprud^ auf ben bei bcr Sn'^i^flö^c^ftcifl^'^ung eines
folgen wegen Sd^ulben übrig bicibenben ®rI5s. ®inen auf ber Orenjc
liegenbcn 3i^ßifcIöfaU bilbet ber Slnfpruc^ auf bie 83erfidfierungsgelber wegen
3o:ftorung ober Sefd)äbigung eines t)crfid)crten ©egenftanbeS, ba bcr Sin-
fpruc^ nic^t aus ber 3crftörung ober Sefd^äbigung fclbft, fonbern aus bem SScr-
jic^rungsoertrage cntftcl;!. 9RaterieIl fann inbcRcn bie ©ntfd^eibung bcr gragc
}ii fünften beS ©onbergutes nid)t jweifel^aft fein, weil es fidE) wirtfifd^aftUd)
^icr, wie in ben anberen ju biefer Satcgorlc geljorcnbcn fällen, Icbiglidf) um
eine Gntfd^äbigung für einen oljne SBillen bes Gigentljümers eingetretenen
«crluft beft ©onbergutes l^anbclt (oergl. aud^ bie §§ 238, 1002, § 1067 5«r. 5 ;
e^renbrcitft. ©ntw. §§ 95, 8 9lr. 3). S)ie formelle grage, ob ber gall unter
bic Äotcgorie bcrienigen ©egcnftänbe geprt, wcld^e burdfi ein auf bas ©onber«
gut fi(^ bejie^enbcs JRed^tsgcfdfiäft erworben werben, bcbarf für ben Gntwurf
nac^ bott 3nI}flWe bcS § 1414 feiner befonberen Gntfd^eibung.
3. ®cn ^auptgcgenftanb bes ©treites auf bcm ©cbietc ber partifutären cmerB burd^
©ütcrgemeinf^aft bilbet bic grage, inwieweit bieicnigen ®egenftänbe jum ©"on^b^g^lu
Sonbcrgutc gel^oren, weld&e wät)renb bcftel^enbcr ®cmeinfd)aft burd; SRc^ts- r««^ bf^te^en.
gcfc^öftc erworben werben, bie auf ©onbergut fid^ bcjicl^en. 5JJad^ einigen \tmt '
Seiten fällt ber burd) Ififtige 9led&tSgefd)äfte eines ßfiegatten gemad&te ©rwcrb
o^nc alle SRüdfid&t barauf, ob bas 9ted^tsgcfd&äft fic^ auf baS ©onbergut
begießt ober ni^t, bcm Oefammtgute ju unb ift ein ©rwcrb für bas Sonbcr-
gut nur mit ©inwiHigung bes anberen G^egatten sufäffig (ocrgl. 5. 33. l)q).
502 @rrungcnfd6aft§flcmctnfd6aft. ©onbcrgut. § 1414.
barmft. Sßcrorbn. von 1795 § 5; fronff. JRcf. HI, 6 § 2; noR. SWcd^t; c^rcn^
brcitft. ®ntn). §§ 7, 96). S)cn cntgcgcngcfcfetcn ©tanbpunft vertritt bcr
TOürttetnb. ©ntn). § 10, naö) rocld^cm Icbißlid^ bic 3lbftd^t bcfiicnigcu (S^c*
galten, n)e((^cr bod 9tc^t6gcfd^öft fd^Iiegt, baniber cntfc^cibct, ob ber babur^
gcmad^lc ©rrocrb SScftonbtl^cil bcö ©efammtgutcö ober beö ©onbcrgutcd werben
foU. S^ie 9Wcfirjaf|l ber SReditc fielet in bcr äWitte, inbcm fic jroar qIö SRcgcl
fcftI)olten, bofe bcr burd) läftigc SRct^tögefd^äftc gcmodötc (gnoerb bem ©cfamtnt^
gute jufäHt, t)on bicfcr Siegel aber außer bem gaUc bcr ©inroilligung bcibcr
©Regatten nod^ für einjelne anberc gfillc, j. 93. für S^aufd^oerträgc ober für
glcid^artigc SBieberanfd^affungen ober für reine Umfaßgefc^äfte, fofern bie
9lbfic^t ber Surrogotion in beftimmter SÄrt erflärt ift, ober übcr^oupt für reine
Umfafegefd^äfte, eine 2luönal^mc mad^en (oergl. inöbef. lüürttemb. S. di. IV
§§ 6, 7; cofteU. SanbeöDcrorbn. §138d; uaRau^foßcnetab. Sanbeöorbn. IV, 9
§ 4; furtrier. S. SR. IV, 32; code civil 3lrt. 1406—1408, 1433—1435 unb
baju entfd^. b. SR. ®. X, 79).
®ic Seftimmung bcö § 1414, bafe bieienigen ©cgenftSnbc, loetd^c ein
©begatte burd) SRed^tögcfd^äftc erroirbt, welche auf fein ©onbergut fid^ bcjic^en,
Sonbergut werben, beruht auf äl^nlid^en ©rroSgungen, roie bieienigen, welche
bei bem gefeglid^en cJ^elid^en ©üterrec^te in 9lnfel;ung bed 93orbc^a(t6gutcft
ju ber gleid^en S3eftimmung beö § 1290 geführt ^aben (üergf. SJlotiuc ju
§ 1290 oben S. 177 ff. ; femer § 1349). (Segenüber biefcn ®rroägungcn unb
bcn oben S. 499 ff. für ben ©tanbpunft beß ©ntrourfeö bargelegten allgemeinen
(Sefid^töpunften fönnen bie Sebenfen, bafe auf biefc SBcife bafi 3ntcreffc bcö
anberen ©Regatten unb ber ©löubiger bed @^emanncd gefä^rbet toerben fönne,
a(d burc^fd^tagenb nid)t erad^tet werben. 9lud^ barauf fann cntfc^etbenbeft
©ewiclft nid^t gelegt werben, bag burc^ SRed^tegefd^äfte ber l^icr fraglid^n
3lrt nid^t immer ein einfad^er Umfa| uon SBertl^en in anbcrcr gorm erfolgt,
bag baburd^ t)ielmel)r in manchen ^^ällen aud) ein auf bcr wirt^fd^aftUc^en
l:i)ätigfeit bcö betreffenbeu G^egattcn bcrul^cnbcr (Sewinn bcabfid^tigt uni>
crreid^t wirb; bcnn bem SBefen bcö ©onberguteö als einefi felbftänbigen
3Scrmogenöinbcgriffed entfprid^t cd, bafe bie 2:^ätigfeit eine« ©Regatten infoweit,
atd biefelbe burd^ bie ^^erwaltung bed ©onberguted in Slnfprud^ genommen
wirb unb fid^ auf baö leßtere bejiel&t, nic^t in ben 3)ienft ber ©emeinfd^aft
geftcDt ift.
erwcrb 4. 2)ic am Sd^luffe bcö § 1414 uon bem ©urrogationöprinsipe gemad^te
»itnet ciHcä 2luönat|me in änfeldung f old^cr (Segenftänbe, wcld^c ein ©licgatte burd^ bcn
^wäftlV ^^^^'^'^ ^'"^^ i" feinem Sonbergutc ge^orenbcn ©rwerbögefd^fiftcö cnmrbt,
ftcf)t, wenigftenä uonoiegenb, mit bem geltenben SRcd^tc im ©inflangc unb
rechtfertigt fid^ burd^ bie 5Ratur unb ben ®runb bicfeö ©rwerbcfi in SJerbin^
bung mit bem 5Befen ber ©rrungenfd^aftögemcinfd&aft, nac^ weld^em bcr
ertrag burd^ bie 2lrbeit bcr ©fiegattcn unb bie Jlufeungen bcr ©onbetgixtcr
gcmeinfd^aftlidö werben foUen. 3^^^^^ ift ber burd^ bcn 93etricb eincfi ©rwcrbfi*
gefd^äfteö gemachte Crroerb nid^t ibentifc^ mit bem ©rtrage bcr 3lrbcit unb bcr
3hitungeu bcö ©onberguteö. ©ine 2^l;cilung beö ©rwcrbcö in ber 9lrt, bafe
ein cntfpred^cnbcr ^Ijcil bemienigen jufommt, weld^em bcr Grtrag bcr Arbeit
wnb bcr Shigungcu bcö Stopitaleö gcbülirt, bcr anberc I^^cil aber bemjcnigcn^
5mmöcnfd&aft«öemcinWaft. ©cnfccrout. § 1415. 503
wAiitm bad jum 3tt>ccfc icncd Gnocrbcö i)crn)cnbctc itapital gehört, ift jcbod^
webcr prattif(| burd^füljrbar nod^ loirt^fd^aftlid^ gcred^tfertigt. ©bcnfo fd^citcrt
bcr SBcg, bcm ©efommtfltitc bcn f d^Ucfelidöcn Oeroinn juäinticifen, an bcn bamit
wrbunbcncn ©d^ioierigfcitcn. 6ö bleibt baljcr nur übrig, bcn gonscn ©rrocrb
bcm (Scfammtgiitc jufallcn ju laffcn. 2)ie gegen bicfc Siegelung fid) er^ebcnben
Sebenfen oerlicrcn jubent baburd^ an ®tm6)i, bafe, foracit burd^ ben Setrieb
befi erroerbdßcfd&äfteö baö ©efammtgut auf Soften beö ©onbcrguteß bereichert
ifü, bem bctreffcnben ©ficgatten ein ©rfaganfprud^ nad) aJlafegabc beö § 1420
jufte^t. So6 bie Ocgcnftänbe, roeld^e ein ®^egatte burd) ben betrieb eineä ju
feinem Sonbergutc gcprcnbcn (Snoerbögefd^äfteö erwirbt, bem ©efammtgute
jufaUen, crgiebt fid^ auö bcr SRegcI beö § 1411 3lbf. 1 in SSerbinbung bamit^
i)a§ bad im § 1414 anertannte ©uu'ogationöprinjip auf biefen gaü feine 3hu
wcnbung finbet, von felbft. 3» Slnfel^ung bcr oon bcr ©fiefrau burd^ ben
Setrieb cincß errocrbÄgcfdjäfteö crmorbencn (Segenftftnbe gilt bicö unbcbingt
iebod^ nur bann, loenn bie @^efrau bad ©rmcrbdgefd^äft mit SiniDilligung bed
S^üiincÄ betreibt. 3ft Icfetercß nid^t ber galt, fo finben auf bm ©rwerb
ber ßjjefrau auö ben einjelnen Stcd^tögcf^äften in ®emä§l^eit beö § 1416 bie
Seftimmungcn beö § 1348 2lnn)enbung. äßeitcr folgt auö § 1416 in SBerbim
kung mit § 1849, bafe bcr ©rroerb cincö e(;egattcn burd^ ben Setrieb eines
|ii feinem SSorbefialtögutc gel)örenbcn ®rwerbögefd^äfteö bem S3orbcf)aItögutc
iuföUt.
§ 1415.
3^ic JBorfdjrift, bafe Sonbergut cincö ®f|cgattcn bie von ' bcmfclbcn, unübcrtwö.
wenn aud) mälircnb beö Sefteljcnö ber ©rrungenfd&aftögcmeinfd^aft, ernjorbencn ©eawpänbe.
©egenftänbe finb, meldte burd^ SRed^tögefd)äft nid^t übertragen rocrben fönncn,
beruht auf bcnfelben ©rroägungcn, racld^c ju ber Seftimmung beö § 1351
»f. 1 3lr. 2 geführt ^abcn (pcrgL bie üKotiDc ju § 1351 oben S. 344 ff.).
3Uö 3(uöna^mc von ber SRcgel beö § 1411 3lbf. 1 beftimmt ber § 1415«^^ *>«««'>««
»eitcr, bag aud^ bicienigen oon einem ©Regatten erworbenen SRcd^tc ©onbcr* »cie^rtgtot
gut bcöfclbcn fein foDcn, metd)e mit bcm S^obe beö Sercd^tigten crlöfc^cn ober "^^'^^^
burcl ben 2^ob cincö bcr ©Regatten bebingt finb, aud^ menn fic t)on bem ©(jc^:
Bütten- roä^rcnb beö Scftel^enö bcr ©rrungenfd^aftögcmcinfdöaft crmorben
werben. Sei ber allgemeinen ©ütcrgcmcinfd^aft ift eine foldjc Sluönai^mc
nid^t beftimmt. Snbeffen ift bie Sad^Iagc bei ber allgemeinen Oütergcmein*
Uaft unb bei ber ©rrungenfd^aftögcmcinfd^aft eine tDcfcntlidd Dcrfd^icbcnc.
Sei ber crftercn bilbct ©onbergut cincö ©Regatten eine 3luöna^me. S)em
ffiefen bcr allgemeinen Oütcrgcmeinfd^aft entfprid)t cö, ha^ allcö Vermögen
bcr ©Regatten, foroeit baöfelbc nidjt auö iuriftifdl)cn ©rünbcn unübertragbar
ift, gemcinf^aftlid^ wirb, dagegen ift baö SSor^anbcnfcin oon Sonbcrgütcrn
bri ber Grrungenfc^aftögcmeinfd&aft ein mefentlic^cö ©Icmcnt bcr Icfetcrcn.
Bringt bie 3iatur berfclben cö mit fid^, ha^ bei berfclbcn olinc^in mit
Sonbergütcrn gercd^net werben muß, fo ift cö weit weniger bcbcnfüdj, oon
bcr allcrbingö aud^ für bie Grrungcnfdjaftögcmcinfd^aft gcitcnbcn 9tcgel, bafe
ber tünftiflc Grwerb beö einen ober anberen ©tjcgattcn ©efammtgut wirb, eine
504 ßrrunßcnfd&aftööcmcinfö^aft. ©onbcrout. § 1415.
2Iufinal^mc ju mod^cn, fofern eine fold^c im Uebrigcn im ^inblidfc Quf bic
iDirtl;fd)aftli^c 9Jatur gcioiRcv dicä)te unb miß ©rfmbcn praftifd^cr 3roctf*
mäfeigfcit ftd^ rcd^tfcrtigt. S)icö ift aber in 9tnfc()ung ber l^icr fraglid^en
ditäjk ber gall. 5[nlangcnb insbefonbere fold^c Siedete, n)eld)c, roic boö
aiicfebraud&äred&t unb Scibrcnten (§ 1014 3lbf. 1, § 660), mit bcm 2:obc brt
Scred&tigtcn crlöfd^en, fo ftnb bicfelben eben beöl)a[b, toell fie t)on ber Scbenö*
icit bcs 93ercd&tigtcn obfiöngcn, für hcn 3«^^* beö ®cf ammtguteö , jur 93c*
ftrcitnng beö cl^clid^en 3lnfn)anbeö ju biencn unb, foroeit fid& ein Ucberfd^ufe
crgicbt, qIö ein beibcn ©Regatten gemeinfd^aftlid^cö SBermögen bei Sluflofung
ber ©emeinfd^oft unter ben G^egatten bejro. bercn ©rbcn get^eilt ju werben,
wirtl^fd^aftlidö nid^t geeignet. 3l)rc Slb^ängigfeit von bcm Seben beö S3cred^
tigten ergiebt, bafe fie für bcRcn Sonbcrgut bered^net finb. SJaburdj red^t*
fertigt fid^ nic^t nur bie Slnnafimc, baß ber ©rroerber fie für fein ©onbergut
^at erroerben wollen, fonbern anä) bic SSorfd^rift, bafe bicfelben von bcm S^e*
manne cinfeitig für SHcd^nung beö ©efammtgutcö nid^t erworben werben
fonnen. 2)em ©efammtgutc unb bem Sntcrcjfe beö anberen G^egattcn wirb
burdö bic fragliche 93cftimmung nidjt ju nal^c getreten, ba eß fxd^ im
§inblidfc auf htn § 1412 l^ier überl^aupt nur um ben ©rwerb burd^ täftige
9ied^tßgefd&äfte l;anbclt unb ber für ha& erworbene 9led)t bcjal^ftc 5ßrciß bcm
Sonbergute beö crwerbenben G^egatten jur Saft ffiUt (§§ 1420, 1426 Slbf. 2
3lx. 1). 2m (Segent^eilc ^at baö ©cfammtgut baburdö ttur SJortl^cil, ba bic
Blutungen beö erworbenen SRec^tcß bem ©efammtgutc jufaUcn (§ 1411 äbf.2,
§§ 1292, 1026, 1027). ®ic beftc^enbcn Sted^tc entl;oIten mciftenö eine auß*
brüddd&c ©ntfd)eibung ber grage uidEit (ücrgl. iebodj ^cff.barmft. SBerorbn.
ü. 1795 § 5d). ®er württemb. Gntw. § 10 ftimmt im JRcfultate mit ber
l^icr fraglichen 93cftimmung bcß § 1415 überein.
s)ur(5benarob (Scf)r bcftrittcu unb beö^alb bei ber praftifd^en SBic^tigfcit ber
«Regatten bc S^agc ciucr gefeglid)en ©lüfd^eibung bebürftig ift bic SBc^anblung fold^
binötc «cc^tc. gjg^tc bei ber Grrungenfd^aftögcmeinfc^aft, weld^e burc^ ben 2'ob cincß
ber Cfjcgattcn bebingt finb, alfo namenttidfi ber Scbcnöocrfid^crungen. 33ci
biefen SRedjten mad&t fidf) in nod^ ^öt;crem äftafec alö bei ben 9ted)ten, welche
mit bcm 2'obe beö 93cred)tigtcn crlöf d)en, bie Grwägung gcitcnb, ba^ fie ben
äwedEcn ber Ocmcinfd^aft ju biene» ni(^t geeignet fmb. Gö gilt bieß nic^t
nur uon bcm gallc, wenn berjenigc G^cgatte, bei bejfcn a:obc bie 33erri(§erungß5
fumme auögcjal)[t werben foU, ber übcriebenbc Xt)tH ift, fonbern andf von
bem galle, wenn bie ©emeinfd^aft burd^ ben 3:ob beö oerftc^crten G^cgattcn
aufgclöft ift, inbem aud) in biefem gallc bie SJerfic^erungöfummc nic^t me^x
ber burd) ben 2^ob beö Dcrfid&ertcn Gfjcgatten aufgcloften ©emeinfd^aft,
fonbern nur ben früfieren S^Ijeü^abcrn bejw. bercn Grbcn ju ®ute fommen
fann. gür bic Hinterbliebenen ber G{)cgatten ju forgen, liegt aber, wenigftenß
unmittelbar, uöüig au6erl)alb beö ^wjcdcö ber Grrungenfd&aftögcmcinf^aft;
uiefmcf)r f^aben für ha& 93crf)ältnift nadj bcm 2'obc cincß Gficgattcn unmittelbar
bic crbred^tlid^eu Seftimmungen unb, fofcm biefc nad^ ben inbimbucDcn SBcr«
Ijältniffen ber Gficgattcn nid)t außrcid^cn, bic Icfctwilligcn SScrfügungen ber
Icfetcrcn 5U forgen. 9luö bem 3nJcdfe ber Grrungenfdjaftögcmcinfc^aft Ißßt fidfc
baf)cr wcbcr ableiten, baf5 bic l)ier fraglid)en iHcdjtc bem ©efammtgutc, nodb
errunöcnfd&aftS0cmeinfd6aft. »örBcJaltßout. § 141G. 505
baö fie bcm übcricbenbcn ßl)egattcn ju Oute fommcu foHcn. SBill bcv bc^
treffcnbc ß^gattc baö Scfeterc, fo mag er burd^ eine bei hcm ©rroevbc ju
©unften beö überlcbcnben G(;egatten getroffene 83eftimmung ober burd) k^U
willige SBerfügung baö ©rforberlid^e anorbnen. 3luö bcr SJegeliing beö QnU
löurfed, njeld^cr in biefer S3ejie^ung mit bem roürttcmb. Gntio. § 10 im ©in«
flQnge ftc^t, crgiebt fic^ t)on fclbft, bafe anbererfeitö bie ge5al)tten Prämien
bcm ©onbergute bcö betreffenben Gf)egatten jur Saft fallen.
§ 1416.
2)ic Scftimmung beö § 1416 bcrufit auf öl)nlid)en (Srraägungen, mie »orbc&ait«*
biricnigen, tocli^e bei bem gefeftlid^en el^elid^en ®üterred)te jn bzn Seftimmungeit ®"*'
ber §§ 1286—1288, 1290, bei ber attgemeinen Oütergemeinfd^aft ju ben S9e^
ftimmungen ber §§ 1346—1349 geführt Ijaben (oergl. bie aJiotioe ju §§ 1286
bis 1288 oben ©. 167 ff. iinb jn §§ 1346—1349 S. 340 ff.). 9Iuc^ in ben be^
ftc^cnbcn Ked^ten ift namentlich SSorbel^altögnt ber 6f)efran mel^rfad) anQ--
knSüä) anerfannt, j. S3. im bai)r. S. 9t. I, 6 § 22, mürttemb. S. JR. 1, 18 § 2,
in bcr ^eR.barmft. SSerorbn. v. 1795 § 6d.
§ 1417.
1. S)a6 ber von einem ber ®l;egatten gemad)te, unter ben S3egriff ber ®efommtflui.
(Jrrungcnfc^aft foDcnbc ©rmcrb fraft beö @efe|cö (Sefammtgut mirb, oljne bafe han ®So.
es einer Ucbertragung bebarf (§ 1417 oerb. mit § 1343), ftimmt mit allen
auf bcm ©oben ber ®rrungenfd^aftögemeinfd^aft im engeren ©innc ftcl)cnbcn
Steckten überein.
2. ®urd^ bie für entfpred^enb anmenbbar crflörten SSorfd^riftcn bcr 3urimf<^e
§§ 1344, 1345 wirb in Äonfequenj beö, mie ber allgemeinen ©ütergcmeinfci&aft, ^"'"''"
fo aud^ ber 6rrungenfd6aftögemeinfd&aft ju (Srunbe gelegten 5ßrinjipeö beö
bcutfc^red^tlic^cn SKiteigentl^umcö (oergl. SWotioe ju § 1411 oben ©. 492 ff.)
bie iuriftifd^c 9latur beö ©efammtguteö ber Grrungenfd&aftögemcinfcbaft näl;er
bcfümmt.
3. änlangenb bat SBerroaltungö* unb Sßerfügungöred^t in 9lnfe^ung beö »enwituno.
Qcfommtguteö, fo fte^t auä) naö) ben SRed^tcn ber partifulären (Sütergemeinfd^aft
bie SSermaltung beö gemeinfd^aftlic^en SJermögcnö im SlUgemeinen bcm ®^c*
mamtc unter Stuöfd^lnfe ber ß^efrau ju, t)orbel)altli(5 beö Slcd^teö ber Sd^Iuf^el*
geioolt ber le|tcren. SBft^renb aber nad^ ben älteren Siedeten bcr ®^cmann
in golgc beö ?|Jrinjipcö ber gefammtcn ^anb bei SScrfügungcn über baö
(Sefammtgut regelmäßig an bie Ginmilligung ber ©^efrau gebunben mar, Ijat
bie neuere (gntroicfclung mef)r unb mebr ju einer Sluöbelinung ber SWed^tc beö
G^anneö gcfül^rt unb ift bcm @l)emanne übermicgcnb bie freie Sßerfügung
über bie ganjc ©rrungenfd&aft, unb jmar au^ über bie baju gel)örenbcn
Immobilien eingeräumt. ®ö ift bieö namentlid^ bcr Stanbpunft ocrfd^icbcncr
fc^lcöm.^olft. SRcdbtc (iüt. Soro, bitbmarfd). S. 9?.), beö IjoljcnjoU.^cc^ing. Sted^tcö,
beö tricr. S- 91. VI § 31, beö l^eff.barmft. 9lcd)tcö im Oeltungögcbictc bcr SBcrorbn.
0. 1795 Coergl. ©euffert vn, 330, XVI, 55, XXXIX, 219), beö mürttcmb. 2. 9t.
506 (SrrunGcnfd&aftööcmcinfc^aft. ©efammtflut. 9ic(J6t§ücr]6ä[tmi §1417.
(lucnigftcnö als Siegel), foioic bcä franj. Sicd^tcö (code civil Slrt. 1421 ; ücrgl.
inbeffeii locgcn ber Sd^enfuugcn and) 9lrt. 1422). dagegen ift bcr e^emanu
über bic jum ©efamnitgiitc gcI;orcnben 3mmobiKcn nad^ anbeten S^eci^tcn,
inöbefonbcrc md) bem naff. SHed^te (ocrgl. gcnncr u. aJlecfe, cit)ilred&tl. ©ntfc^.
I, 6, in, 1), bem franff. SRec^le, bem TOÜrjb. S. 91., ben Siechten Don Saftell,
Ulm unb aWemmingen unb bem pvcufe. 31. S. SR. n, 1 §§ 411, 377 ff. o^ne
Ginroilligung ber ß^efrau uid&t ju oerfügen bered^tigt. 3lad) bem bapr. S. SR. 1, 6
§ 23 fann ber ©l^emann über feinen Slntljeil an ber emingenf(||aft frei Der*
fugen, lüä^renb bie Verfügung über bie anbere ^älftc ben Verfügungen über
Sonbergut ber ß^efrau glcid^gcftellt ift. 9lac^ ben auf bem Sobcn ber ©cmein?
fd&aft beö Sugeroinnftcö ftel^enbcn SRed^ten ücrfügt ber efjemann über feinen
©ntjerb frei, roä^renb er in 3lnfel)ung bcr von ber @^cfrau cnoorbenen, jur
©rrungenfd&aft ge^orenbcn ©cgenftänbe bcnfelbcn Sefd^ränfungen untcrroorfen
ift, u)ie in Slnfcl^ung beö Sonbergutes ber (gl^cfrau.
etanbpunft 2)ie ©rünbe, roeld^e in ben SDiotioen ju §§ 1352, 1353 oben Seite 349 ff.
öntnmrfefi. fä^-'^ ba& bem ©l^emannc bei ber allgemeinen ©ütergemcinfd^aft iufte^cnbe auß*
gcbefjntc aSerfügungöred^t in Slnfel)ung beö ©efammtguteö angefül^rt fxnb,
treffen bei bcr ©rningcnfd^aft nod) in ftärferem ajlafec ju, bo bei ber lefttcrcn
baö ®efammtgut nur burd) bic laufenben ©innal^men bciber ©Regatten imb
bic baraufi gcmad)ten (grfparniffc gcbilbet mirb, bei einem SJermögcn biefcr
9lrt aber bie SRüdfftd&t auf bie ©id^erung ber S^efrau von geringerer Sc*
beutung ift, wäl^rcnb anbererfeitö ba& 93cbürfniB, bem (S^emannc fomo^l im
W)irtf)fd^aftlid&en Sntcreffc alß im Sntereffe bcr ©id&erijcit beö aSerfel^red eine
moglid)ft freie Semegung ju geben, ^licr nod^ fd^örfer ^eroortritt. Suf bcr
anberen Seite cmpfiet|[t cö fid^ inbeffcn, fdjon im 3ntercRc bcr ©infad^^it
beö ©efefecö, nic^t, bem Gfjcmannc bei ber ©rrungcnfd^aftögcmeinfd&aft eine
nod^ freiere Stellung cinjuräumen, mic bei bcr aDgemeinen ©ütergemetnfd^aft
3m SBcfcntUd^cn treffen oiclmc^r bic GrioSgungcn, mcld&c bei bcr allgemeinen
©ütcrgcmcinfdiiaft iu ben aus ben §§ 1353—1356, 1358 fic^ crgebenbcn 33c*
fc^räntungen beö SBcrfügungöredötcö beö eidcmanncö bcjro. ju einer älncrfennung
beö aSerfügungörcdötcß bcr 6l)efrau in gcroijfcn gfiDcn — abgefc^cn non bcr
allgemeinen für iebcn ©ütcrftanb gcltcnbcn S8orfd)rift beö § 1278 — geführt
^abcu, aud) bei bcr ©rrungcnfd^aftögcmcinfd&aft ju. SBcnnglcid^ bic SSorfd^rift
beö § 1355 bei ber (Srrungenfd^aftögcmcinfd^aft in bcr ^auptfad^c fd^on burd^
bic «cftimmungen bcr §§ 1412, 1417 ücrb. mit § 1308 SRr. 1 gcberft ift, fo
fann bicfclbc bod^ für fold&e ^ällc, in meldten bcr G^efrau ein 93crtragöantrag
wegen cincß Grroerbcö gemacht ift, bcr in baö ©cfammtgut fallen mürbe, oon
praftifd^cr Säcbeutung fein. 3)agegen ift bic 95orfd(|rift beö § 1357 jur Sn*
menbung nid&t geeignet, weil ein bei Seginn bcr ©rnmgcnfddaftögcmcinf^oft
anhängiger 9tcd)töftreit ber ®f)cfrau nad& § 1411 9lbf. 1, § 1412 über^anpt ni^t
baö ©cfammtgut, fonbern nur baö Sonber* ober SSorbcIjoItögut ber Gljefrau
bcrül;rt, in biefcr 3i3c5icf|ung bal^cr bic im § 1417 für cntfprcd^cnb anmenbbor
crflörtcn Seftimmungen beö gcfcglid^cn c[)clid)cn ©ütcrrcd^tcö (§ 1309 3lx. l,
§ 1310) genügen.
sciciifunocn. Slufangcnb inßbcfonberc baö burdj ben § 1353 9lbf. 2 bem Gdcmonnc
beigelegte 5Rcd)t, fol^e Sc^cufungcu auö bem ©cfammtgute cinfcltig unb o^nc
&mui0cnfd&aft@dC]iianf((aft ©efammtgut Sicd&tSt^crl^ältntg. §1417. 507
ßrfojpffic^t ju madfien, wcld^c burd^ eine f\itl\ä)C ^flid&t ober eine auf ben
änftonb JU nel^tnenbc SRücf|td)t gcred)tfertiot werben, fo fd^cint ber befc^ränftc
3n)C(f ber ©mingcnfci^aftößcmcinfd^aft boljin fütjreu ju muffen, bem ®^cmaunc
bei ber lefeteren boö bejeid&nete 9led)t nur unter ber SJorauöfefeuuß bcijulegcn,
bog bic Sclienhing burd^ eine fo(d)e ftttlid)c $^id^t ober burd^ eine fotd^e auf
ben 9(nflQnb ju nel^menbe dlüdftd)! gere^tfertigt wirb, meldte roö^renb be-
ftc^enber ©cmeinfc^aft entftanben unb if)rer 33eran[affung unb il;rcm Umfange
noc^ oon fold^er 2lrt ift, ba^ ein orbentli(||er ^auöuater bic Sciftung auö ben
ßinfünften fcineö 58ermögenö ju mad)cn pflegt. Snbeffen tann ein Scbürfnife
JU einer berartigen fafuiftifc^cn Scftimmung, meld&e tonfeQueut aud& auf bafi
Sec^t bcfi ©^emanncö, nad^ 9Wa§gabc beö § 1500 eine nid^t unter ben Segriff ««ö-
ber Sc^cnfung fallcnbe äuöftattung auö bem ©efammtgute ju gemäljren ^^**""ö"^
(§ 1352), auöiube^nen fein mürbe, um fo weniger ancrfannt mcrbcn, alö bem
geltenbcn JRcdjte eine fold&c SBeftimmung unbefannt ift luib jubem nid^t feiten
im 2aufc ber 3cit auö ben laufenben ©innal^men befl ©efommtguteö fid^ ein
©efornrntgutöfapitafoermögen bilben mirb. 3lnlaugenb aber bie grage, ob bie
©rfüllung einer bereit» oor eintritt ber Oemeinfd^aft begrünbeten fittlid^en ober
änftanböpflid^t beß G^emanneö aus bem ©efammtgute im SSer^ältniffc ber
©Regatten ju cinanber mie bic ©rfüDung einer uor (Sintritt ber ©emcinfd^aft
bcflriinbcten, bem G^emanne 5ur Saft fallenben, redjtlid&en 33crbinblic^feit beö
le^tcrcn ju bcurt^cilcn ift (§ 1426 Slbf. 2 9lr. 2), fo fann biefc grage un==
bcbenfüd^ ber 3wrifiprubenj überlaffen werben. 3m Uebrigen wirb, foriel bic
Sc^anblung ber ©d^enhmgen unb einer aM bem ©efammtgute an gemein^
((^aftlic^c ober einfeitigc Slbfömmlingc gewälirten 3luöftattung betrifft, auf bic
Motiüc JU §§ 1352, 1353 oben S. 358, ju § 1365 oben ©. 383 unb ju
§ 1368 oben S. 390 Sejug genommen, wo inöbefonberc aud^ bie, gteidjmöfeig
für bic ßrrungenfd^aftögemeinfd^aft, wie für bie allgemeine ©ütergemeinfd^aft
bcjTO. bic ÜRobiliargcmeinfd&aft in biefer ^infid^t maßgebenben SJcftimmungen
bcd prcufe. 21.2.9». II, 1 §§ 411, 381—383 unb beö code civil Slrt. 1422,
1438, 1439 bcrücffid^tigt ftnb. ®ic meiften auf bem Soben ber partifularen
©ütergemcinfc^aft fte^enben SHcd^te enthalten in ben l^icr fraglid)en 93ejiet|ungcn
übcr^oupt feine befonbercn SBeftimmungen (oergl. aber l;eff. 6ntw. IV, 2
airt. 512, 448; württemb. (Sntw. §§ 132, 99, 103 ff., 111 -113; e^renbreitft.
entw. § 30).
4. Ucber bic Haftung beö @t;emanncö gegenüber ber (g^efrau bei ber öcrautroort-
Scrroaltung beö ©efammtguteö fcf)lt cö in ben auf bem SBoben ber ©r« c^tmanJcl
ningenf^aftögemeinfd^aft ftcljenben nuellcn meiftenö an auöbrütflid^en Sc*
ftitnmunflcn, unb finb bic 3lnftd^ten in biefer Sejicl;ung getl^cilt unb fc^wanfenb.
Sei ber ©cmeinfd^aft beö 3iifl^J^i>^"flcö voxxb eine Haftung beö ®^emanneö
wegen ber Verwaltung ber in feinem ©igentljumc fteljcnbcn, unter ben Segriff
ber errungcnfd^aft fallenben ©egenftänbe regelmäßig uid)t angenommen, wöl)renb
bttö Ser^ältnife in 9lnfel)ung ber im ®igentf)umc ber (S^efrau fteljenben ©egen*
ftänbc ber fraglid&en Slrt in ber in 9lebc ftcf)enben S3e5iel)ung nac^ benfclben
(Srunbfä^n, wie in 9lnfc^ung beö fonftigen Sonbergutcö ber Sl^efrau ju bc^
urteilen ift. 2lbgefe^en uon ber ben ©I)cmann auö bem Icötercn ©eftc^tö-
puttftc etwa treffenben S[JerantwortIid^feit, wirb alfo bei ber nad) 2luf(ofung
508 ®mtnflenf(6aftööcmcinf$aft. ®cfammtgut. 5Rcd)t§üer]&aItmg. § 1417.
bcr (Scmcinfd&aft ftattjtiibenben S3ercd)nung bcr reinen ©rrungenfdjaft nnr
bcricnigc 93etrag alö 9(ftioum ber[elbcn in 3tnfat jn bringen fein, um rocld^en
baö ©onbergut cinefi G^egattcn wä^rcnb bcr (S^c aus bcm unter ben S3cgriff
ber Grrungcnfc^aft foDcnben Grrocrbe bereid)ert i[t. ©od^ ift aud^ I/ier a)2and)eö
ftreitig. S3ci bcr 6rrungenfd)aftögcmcinf(^aft im engeren ©innc gelten bie 9Infid^tcn
auöeinanbcr. 3la6) bcr einen Slnfid^t follen in ber l^ier fraglid^en SBejic^ung bie«
fclben Orunbföfee, loie bei ber allgemeinen (Sütergemeinfc^aft (oergl. aWotiüc
ju § 1364), iur 9lnroenbung fommcn. 3luf biefem ©tanbpunfte ftel|t im SBcfent«
lid)en baö prcufe. 91. S. 91. II, 1 § 411. 3m § 409 baf. ift ba^a- eine ©rfa^
pflid^t nur infomcit anerfannt, alö ber gemeinfd^aftlid^e ©riuerb burc^ bic
befonberen ©laubiger eincö ©Regatten gefd^möd^t wirb, ©ine anberc 9lnfx^t
gel^t baüon auö, bafe bei ber ßrrungenfd^aftögemcinfd^aft unter ben G^egottcn
eine auf beftimmte 9lngelegenf|eitcn befd^ränftc Oefellfd^aft beftcl^e unb bal}cr
bie allgemeinen ©runbfä^e über bie S8erpftid)tungcn eineö bie ®efellfd)aftö'
angelegenl;citen Dermaltenben ®efellfd)afterß auf bie ©Regatten infoweit 3In?
luenbung finben müßten, alö nid^t burd& bie bcfonberen aSer^ältniffc unb 3n)ecfc
bcr el^elid^cn @cfellfd)aft eine 9lbnjeid^ung geboten fei. 9lm fd^ftrfflen auö«
geprägt finbet fid^ bicfe Stuffaffung im loürttemb. 9Ied^te. Sieben bem ©runb*
fagc, bafe icbc 83ercid)crung beö ©onberguteö auf Soften beö ©efammtgutcö
bcm te^tcren ju crfc^cn fei, wirb l^ier allgemein alö ^ßrinjip anerfannt, ba%
ieber ©fiegattc ben @d)obcn, mcld)en er bem ©efammtgutc burd& SSemoi^«
Iciffigung bcrienigcn Sorgfalt, bie er in eigenen 9lngeleflcn]^citen aufjuroenbcn.
pflegt, ücrurfad&t, ju erfefeen l^abe unb bafe inöbefonbere a\iä) bcr ©bemann
bei ber ilim juftel^enben SBcrroaltung beö ©cfammtguteö in biefer 9trt ^aftc.
SDicfclben ©runbfä^e fteüt ber mürttcmb. ©ntro. §§ 67, 75 ff. (ocrgl. aucö
§§ 44—46, 64, 72 baf.) auf unb aud^ in anberen JWcd^tögebieten, j. 8. in ben
©cbicten beö mainj. 2. dl. unb beö na^. Slcd^teö, fmb 3^^coric unb ?}rajiö ju
älinlid^en 9?efuttatcn gelangt. 3)ag«gen ftcl)cn baö franj. SRed^t, wie bcr
eljrcnbrcitft. ©ntw. (ücrgl. bic SKotioe 5U §§ 77 — 79 baf.) fowol^l in Sin«
fel)ung bcr gcfc^lid)cn SDlobiliargemcinfd&aft alö ber ücrtragömäßigen Grrungcm
fd)aftögcmeinfd)aft prinjipiell auf bem Stanbpunfte, bafe, abgefel;en oon 9trfllift
beö ©£)cmanneö, eine ©rfa^ücrbinblid^fcit nur auö bcm ©efic^töpunftc bct
93ereid)erung beö ©onbcrguteö auf Soften beö ©cfammtguteö unb wegen
Si^enfungen ftatlfmbet. ©inen ä^nlidjcn Stanbpunft nimmt auc^ bcr bcff.
©ntw. IV, 2 9lrt. 445, 452, 459, 510—513 ein.
etönbpimrt 2)er ©ntwurf fdjlicfet fid^, inbcm er im § 1417 ben § 1364 fiir cnt«
ontipurfeö. fprcd^cub auwcubbar ertlört, bcrienigcn 9luffajfung an, wcl(||e in ber bicr
fragtid^en 93ejiel|ung bei bcr 6rrungcnfd)aftögemeinfd^aft biefelbcn ©runbfä^e
anwenbet, wie bei ber allgemeinen ©ütcrgemeinfd^aft. S)ie 9lntel&nung on bic
römifd&red^tlid&en ©runbföge über bie Sojictät ftcFit mit bcm ©runbgcbaiifcn
beö Snftitutcö ber errungenfd)aftögcmeinfd;aft im SBibcrfprud^e. 3}aä) biefcm
beruljt baö 93erwaltungörcd)t beö ©dcmanneö in 9lnfe^ung beö ©cfammtgutcö
uid&t auf einem ©cfcüfd^aftöücrfiättniRe, fonbcrn auf ber i^m juftel^cnbcn c^c*
t)crrlidöen unb Ijauöljcrrlid^cn ©cwalt. gür bie 9luöübung biefer ©ewalt aber,
inöbefonbere anä) für bic S3cftimmung bcr 9lrt unb beö Umfangeö beö ehctid^cn
9lufwanbeö, ift er nod& bcutfd)red^tlid^er 9Iuffafiung gegenüber bcr ©öcfrau
Srrunöcn|4aft3acmemfc&aft. ®cfammtöiit. 5Rc4t^ücr6aItni§. §1417, 509
rcc^tlid) nid^t PcrantiPortKci^. 93ci bcm nod; bcm gefe^Iid^eu c^clid^en @utcv^
rechte bcm ©bemanne in 3lnfef)uug bcö ©^cgutcö jufte^cnbcn, auf bcmfclbcn
@runbc beru^cnben JBcrroaltungörcd&tc ift bicfcr (Snmbfafe jroar dou allen
Setzten unb auc^ oon bcm ©ntourfc aufgegeben. 2)aö Scbürfnife, ber Sfic^
frou einen recfttlid^en Sdjufe in bicfcr ^infid^t ju gcn)äf)ren, madjte bieö notlj^
wcnbig, unb bicfcm Sebürfniffc gegcnübev mußten bic SBcbcnfen, ba% burd) bic
tt^tlitj^c aSerantroortlid^fcit bcft (Seemannes gegenüber ber ©^efrau bic Stellung
bcö erfteren in ber ®^c bccinträd^tigt merbe, surüdEtrctcn. ®aju lommt, ha^
bicfe SBeranttDortlid^feit bei bem gefc|lidfien e^clid^en ©üterred^tc fid| immer
nur auf bic Subftanj beö aSermogenö ber ©^efrau bcjieöt. SBoDte man ba-
gegen bei ber ©rrungenfd^aftögemcinfc^aft ben (Seemann für bic SBermaltung
beö ©efammtguteö allgemein ocrantmortUd^ mad^en, fo mürbe, ba bic SRugung
ber Sonbcrgütcr für Med^nung beö ©efammtguteö erfolgt, bic SSerantmortlid^*
feit beö (S^cmanncfi fid^ aud^ auf bic Sluöübung bicfcr ^luftnicfeung, unb jroar
anö) in 3(nfcl)ung feincö eigenen Sonberguteö, erftrcdten. 3)urd^ eine fold^c
über bas gefc|[id^c e^clid^c ©üterred^t meit ^inauögcl^enbc äludbef)nung ber
^crantmortüc^tcil bed (Sl^emanncö mürbe aber bic bcm [enteren gebü[)renbc
Stellung in ber G^c in ber 2:()at fd&roer gcfäl^rbct unb baö cift^tnliäjc 9lcd&t
oon feiner urfprünglid^en ©runblagc uollftönbig abgclöft roerben. S)ic Gnningcm
ft^ftögemcinfd^aft ^at bcn Qwcd, ber G^efrau einen 3tntf|ciI an bem in ber
©^e gemachten ©nocrbc ju fidtiern. S)iefer 3wc(f barf aber nid^t auf Soften
ber bem ©bemanne gebü^renben mürbigen ©tcUung crrcidjt merben. Grnftc
Sebenfen gegen ben Oninbfag ber red^tlid^cn UnocrantroortUd^feit beö ©Ijc*
manned für bie Sluöübung bcd il)m in ätnfcl^ung beö ©cfammtguteö {uftelienbcn
fknDa(tungftre(||teö im ^inblidc auf bic barauö ber ®I)cfrau brol^enben ®c^
fahren ergeben fid^ alierbingö Dom Stanbpuntte bcrlcnigen Sfted^te anü, meldte
bie G^efrati unbebingt aiii) bie ©inbuge mittragen (äffen. SSom Stanbpunftc
bed ©ntnmrfcö auö, nac^ meldjcm bic ©inbugc bem ©bemanne aQein 5ur Saft
fcDt (oergl. aWotioc ju § 1429), fann inbeffen auf jene Scbcnfcn entfdöeibenbcß
©eioid&t ni(^t gelegt werben. 2)er ©runbfag ber rcd^tlid^en Unücrantmortüd^tcit
bejie^t jldb 5ubcm nur auf bic SSermaltung beö ©efammtguteö cinfd^Ueglid)
ber für SRedbnung beö legtcrcn erfolgenben 3luöübung ber bcm ©Ijcmanne an
bem Sonbergute ber ©^efrau iuftc^cnben ^tuftniegung, nid^t aber aud^ auf
fold^ ^anblungcn beö ©^emanneö, burd^ meldte er in äluöübung ber 91ug^
nic^ung unb Siermattung beö Sonberguteö ber ©f)efrau in bie @ubftanj beö
Sonbergutcö eingreift. 3nfon)eit ift er Dielmcl^r nad^ äRafegabe beö § 1279
unb ber burd^ § 1417 auf baö ©onbergut ber ©^efrau für cntfpredjenb an^
iDenbbar erflärten SBcftimmungen beö gefeglid^en e^clid^en @üterrcd^tcö über
bic e^Kc^e Slufimefeung unb aScrroaftung beö ßt^cguteö (uergl. inöbef. § 1292
Dcrb. mit § 1004, ferner § 1324 unb § 1426 äbf. 2 3lx. 4) ber ©^efrau tjcr^-
antvortKc^.
5. S)ic entfprcd^cnbc Slnrocnbbarfcit beö § 1365 rcd)tfertigt fid^ burd) «cmjciu
bic anologic ber gScr^ältniifc (pcrgl. bic aJiotiüc ju § 1365 oben S. 382 ff.).
3n bcn auf bcm Soben ber ©rrungenfd^aftögemcinfd^aft ftcljcnben SHed&ten
fc^It cö, fooiel bic aSermenbungen beö G^cmanncö auö bem ©efammtgute in
fein 'Sorbe^altögut ober umgefef)rt betrifft, an befonbcrcn Söeftimmungcn.
buiigen.
510 ®rrunöen[$aftöoemcmf(i&aft ©onberöut. Sficd&t8i?crBäItni&. § 1417.
Ucber ben (Srfaß üon Sßcrrocnbungcn an^ bem Oefammtgutc auf bie ©onbcr*
guter unb umgefcl^rt cntl^ält bcr § 1420 bic crforbcrlid&en SBorfd&riften.
«broefen^cit ß, ggje Ux bct allgemeinen ®ütergcmciufd5aft, gc^t nad^ cinjclneu
Äranf^Tt beä Siedeten anä) bei ber emmgenfc^oftögcmeinfd&aft baß SBerroaltungörcd^t bcä
(g^cmamies. g^emonneö in 9lnfcl^ung beö ©efammtgutcö in größerem ober geringerem
Umfange auf bic (S()cfrou über, mcnn bcr (Seemann burd^ Stbwefen^cit ober
aus anbcren Orünben bauernb au^cr ©tanbc ift, fein SBcrmaltungörcd^t auö^
juüben (oergl. j. 33. für baö ©eltungögcbiet bcr l^ejf.barmft. SSerorbn. v. 1795
unb beö cafteH. SRcc^teö Jleubauer ©. 57, 58, 113, 114; ferner e^renbreitft.
@ntn). §§ 36, 37). S)er ©ntrourf i^at, abgefel^en von bem galle bcfi burci^
§ 1417 für entfpred^cnb anmenbbar crflärten § 1358 ber ß^efrdu auö ben in
ben a»otioen ju § 1358 oben ©. 363 für bie allgemeine ®ütergemeinf(iiiaft
bargelcgten Orünben aud& bei ber ®rrungenfd&aftögcmeinfd)aft ein eigenes
SRed&t auf bie aSermaltung in btn bcjeid^neten gäEen nid^t beigelegt. Sic
entfprec^enbe 3lnmenbung beö § 1370 l^at bei ber Grrungenfd^aflögemcinfd^aft
um fo meniger S3ebcnfen, als bic ß^efrau nad^ § 1429 Slbf. 3 aud^ in ben
im § 1328 5Rr. 3, 4 bcjeid&neten gällen bic 3luflofung ber ©rrungcnfd^aftß^
gemcinfd^aft unb SE:rennung ber ©ütcr »erlangen fann.
7. @ine bcr Seftimmung bcß § 1366 cntfpred^enbe Seftimmung ift für
hie errungenfd^aftögcmcinfd&oft nid^t erf orbcrlidö , weil bei biefer bem Sc*
bürfniife, auf roeld^em bie SBorfd^rift beö § 1366 bcrufit, bur(5 l)ic im § 1417
für entfprcd^cnb anroenbbar erJlärten §§ 1321, 1322 in SBerbinbung mit
ben §§ 1418, 1423 9lbf. 2 5Rr. 2 unb § 1426 3lbf. 1, 2 SRr. 1 ©enuge
gcfd^iei^t.
j»e($td. 8. Slnlangenb bic rcd&tlid^e ©tcllung ber ©Regatten ju im beibcrfeitigen
TonblTßiue" ©onbergütcrn, f o ftcl^t naä) bcr üHe^rjal^l ber SRcd^tc bem ©bemanne über fein
©onbergut, unb jroar aud^ über bie ju feinem ©onbergutc gcprcnbcn
eonbcTflut Immobilien, bie freie SSerfügung ju. ©injeluc SRed^tc gcftatten iebod& auf
«bemanne«. ©Hiub bcß 5ßrinjipcö bcr gcfammtcu §anb bem 6l)emannc auc^ über feine
eigenen ^ntmobilicn bie iBerfügung nur mit @inioilligung ber @^cfrau. S)a^in
gel^ören baö franff. SRcc^t, baö najf. SRed^t, baö loln. S. 91. XII §§ 2, 3,
foroie baö cafteH. SRed^t. S)er (Sntmurf fd^licfet fid^ in biefer Sejiei^ung ber
neueren Sled^töentmid elung -^n unb mad^t, oorbc^altlid^ ber auö § 1417
in SSerbinbung mit § 1353 3lbf. 2 fid& ergebenbcn Scfd^ränfung mcgcn
©d^cnlungöoerfpred^en, aud) in Slnfel^ung oon ©c^enfungen auö bem ©onbcr*
gute beö ß^emanncö teinc Sttuönal^me. S3on ben neueren ©efefeen unb ©nt^
würfen enthält in biefer Sejic^ung nur bcr roürttemb. 6ntro. § 116 eine
befd&ränfenbc Seftimmung. SBcnngleid^ bic ®^efrau infofern ein S^tcreRc an
ber ©rl^attung beö ©onberguteö beö ®l)emanneö l^at, alö bic 9luftungcn beö«
felben bem ©cfammtgutc juf allen (§ 1411 3lbf. 2), fo befd^ränft fi^ i^r Siecht
bod^ barauf, bafe fold^c 9lufeungen, wenn unb fomeit fie gewonnen tucrben,
bem ©cfammtgutc jufaUcn. (So l^at bicfcö SRed&t feinen anbcren SSaroftcr,
alö ba& ber @^efrau überl^aupt in S3etrcff beö @nucrbcö beö @l^emanned^ inö-
bcfonberc aud& in SBctreff beö ©rtragcö feiner Slrbcitöfraft, juftc^enbc Stecht.
SG3o bie errungcnfd^aftögcmeinfd^aft nid^t traft ©efetcö, fonbcrn nur auf
©runb eineö 9Sertrageö eintritt, mürbe eine 93efd^rSnfung beö S^emanncö in
6rrunocnfc^aftf*0cmrinf4aft. Sonbcrgut. atecbtöDeriältnii. §1417. 511
bcr Scrfüguug über fein eigenes ©onbcrgut jubem eine Slnomalic fein, xotldjt
nur burd^ baö jmingcnbfte Scbürfnife gcrcd^tfcrtigt werben fönntc.
3n änfe^ung beö ©onberguteö ber ©^efran ftel)t nad) allen SHedjtcn eonbergut
bem g^emannc ba^ dicä)t bcr aSerroaltung nnter Sluöft^tuß ber S^efrau ju; *^'^ ®^*^'^""'
bo4 ge^en bic einjclnen Siechte über bie 2luöbef)nung beß Syerfügungöred^teö It^t
bcÄ ß^cmanncß Quöcinonber. 9lad& einigen SRedjten fann bcr ®f|emann über
bic bcweglid^en ©ad^cn frei verfügen, wäl^renb er jnr SScrfügung über bic
Smmobiücn ber ©inroiHigung ber S^efrau bcbarf. S)icö ift inöbefonberc ber
Stanbpunft beö SRorbftranber £. 9?., beö naff. SRed^tcß, bcö Sied^teö im ©ebietc
ber ^ejf.barmft. SBerorbn. d. 1795, bcö roürttemb. £. di. (ocrgl. 2. JH. H, 7
§ 12), ber SRc^te von ©aftcU, Ulm, SWemmingcn, foroie, allerbingö nldjt xxw^
bcftritten, bcö franj. 9led&teö (ocrgt. code civil Slrt. 1428; übereinftimmcnb in
Snfe^ung entgeltlicher SBerfügungcn über Sßobilien el)rcnbreitft. ßntro. § 31;
ferner württemb. ©ntm. § 126, Icfitercr jebod^ unter ^uöfdfiluß fold^cr Saijtn,
welt^c einen äffeftionöTOcrtl^ für bie ©Ijcfrau l)aben). Slnberc SHcc^te, j. ö.
bie JJe^tc oon 93amberg, ©d&roeinfurt nnb Slürnbcrg, foroie alö Flegel ba^
ba^r. 2. SR. I, 6 § 26 3lx, 1, 2, binben bagegcn ben Gfiemann aucl^ bei bcr
Serfüjung über bie bemcglid^en, jum ©onbcrgute gcljörcnbcn Sad^en ber
(S^efrau an bic ©inroilligung bcrfelbcn (oergl. aud^ t)C)f. (Sntn). IV, 2 9lrt. 452,
512), roä^renb eine meitcrc (Sruppe oon Siedeten, j. 93. baö tuürjb. 2. dt.,
ber G^efrou baö JRed^t einräumt, alle if)r nad^tl^ciligcn cinfcitigcn äJerfügungcn
bcö C^cmanncö über xi)x ©onbcrgut anjufcd&ten. 9iad^ bem Jüt. 2on) ftc^t
bem S^emanne bie freie äSerfügung aud^ über bic Immobilien ju.
3n ainfcl^ung ber grogc, inmiemeit imd) bcn Siedeten bcr partifulSrcn
©utergemeinfc^aft bie (S^efrau in ber ®cfd&äftöfäl)igfeit ober bod^ in bcr Sßcr-
fügung über i^r Sonbergut bef darauf t ift, wirb ouf bic allgemeinen aWotioc
ju §§ 1300—1310 oben ©. 220 ff. Sejug genommen, mo Jene SHed^tc bei bem
flcfe^Ii^en c^ctid^en ©ütcrrccbtc in biefer §infid^t bereits bcrüdfid^tigt finb.
Sa bcr ©ütcrftanb ber ©rrungcnfdjoftögcmeinfd^aft fid^ gemijfcrmafecn stanbpunrt
nur a(ö eine SKobififation beö gcfefelid^en cl^elid)en (Sütcrftanbcö barfteÜt unb cö g„t^„r|rt.
auc^ bei bem erftercn barauf anfommt, cinerfeitö bic 9iu|ungen bcö ©onberguteö
ber ßl^efrau, mic bie beö ß^egutcö bei bem gefe|lidöen ©üterftanbe, ben 3n)C(f cn
ber (Sffc bienftbar ju maclfcn unb bem @^cmanne bic nöt^ige ^eitjcit unb
©elbftänbigfeit in ber a3enu6ung bcö ©onberguteö für jene 3tt>ccte ju gemöliren,
anbererfeitö baö 9led^t bcr @^efrau auf bic ©ubftanj beö ©onberguteö in
gleicher Slrt, wie i^r SRed^t auf bie ©ubftanj beö ßf)cguteö, ju fidlem, fo ift
c« bcr einfad^fte unb iugleid& angemcffenftc SBcg, bei bcr Siegelung bcr ©tellung
beö e^anncö in Slnfc^ung beö ©onberguteö bcr @^efrau fid^ an bic SJor-
fünften beö gefe|lid^en ebelid^en ©ütcrre^tcö über baö &^egut anjufd^liegcu
ttnb ouf bicfelben infoweit, alö fie jur entfpred^enben Slnmenbung geeignet
finb, einjeln ju ücrmeifen. ®abei ift iebod), fooict bie bem ©bemanne in 2In-
fc^ng beö ©onberguteö ber @^efrau }ufteE)enbcn JRcd^tc betrifft, baö SScrbölt^
nijj nid^t fo aufjufaffcn, alö gehöre bic bem Glicmannc in SÄnfel|ung jencö
©onberguteö sufte^enbe 9lu|niefeung unb SScrmattung ju bem ©onbcrgutc
beö G^anneö; Dielmc^r t)erl)ält cö fid^ mit ienen Siedeten nidjt anbctö mic
mit bem in 9tnfc^ung bcö ©cfammtgutcö bem Gficmannc juftcljcnbcn SJcr-'
512 (5riunacnf4aftk?0emcinfd&aft. ©efammtflut. Saften. § 1418.
raaltungörccfitc. 3n bcibcu gällcn übt bcr e[)cniann ein eigenes 3lcd;t auö,
aber für SRedönung beö ©efammtguteö.
2lnlangenb bie einjefnen, bie el>eli(I)c Siugnießung «nb 3Scm)aIlung bc?
treffcnben Seftimmungen beö gefefelid^cn c^d\ö)tn ©üterrcd^teö, fo finb bie
§§ 1284, 1286—1290, 1299 unb 1313 im § 1417 nid^t mitattcgirt. ®ic
§§ 1286—1288, 1290, 1313 [\nb bwxd) bie »eftimmungcn bcr §§ 1416, 1425
gebecft bejro. erfefet, bie §§ 1284, 1289, 1299 5ur entfpred&enbcn Snroenbung
nid)t geeignet; inäbefonbere ift bie SSeftlmmung beö § 1299 mit ben S^ccfcn
ber errungenfd^aftögemeinfdiaft unb bem § 1423 3lbf. 1 nid^t vereinbar. Um
namcntlid^ bem aWifeoerftänbniffe ju begegnen, ate ob auf (Srunb bcr burd^
§ 1417 für entfpred^enb aniDcnbbar erflfirtcn Sßorfd&riften beö gcfcglic^cn c^cs^
liefen ©üterred^tcö bie 3hi|ungen beS ©onbergutcö ber Gl^cfrau nid^t birctt
SBcftanbt^eil beö Ocfommtguleö xoütbm (öcrgl. § 1411 Slbf. 2), fonbem, toie
bie SJufeungen beö 6t|egutcö, junäd^ft bem ©bemanne jufielcn, finb im § 1417
bie SBortc ,,foroeit nic^t auö bem ©efefee ein 3lnbcrcö fid^ ergiebt" cim
gefd&altet.
§ 1418.
ffr^oitung«* 2)ic Seftimmung beö § 1418 Sag 1 entfprid^t bem SBcfcn unb S^a>edt
sStenTeJ ^^^ ©rrungcnfd&aftögemcinfd^aft unb bem ©runbfafee, ba% bie ©onbcrgütcr
eonberflüter. tiadE) SKafegabc beö § 1411 2lbf. 2 für 9led&nung beö ©cfammtgutcö Dcrroaltct
roerben. 3lud) bie beftel^enbcn SRed^te ftimmen im 5ßrinjipe bamit übercin. SHife
bei ainioenbung ber SJeftimmung beö § 1418 Sag 1 bie aSorfd&riftcn beö § 1297
2lbf. 1 entfprcc^enbc Slnrocnbung finben foUen, redbtfcrtigt fid^ burd^ bie ^na^
logie bcr aScrl^ältnific unb burd^ bie ©rünbe, auö rocld^en bcr ©ntrourf im
§ 1417 auf baö Sonbergut bcr ©Ijcfrau bie aSorfc^riftcn beö gcfcftlid&en e^o
lid^en ©üterred^teö anä) im Uebrigen für cntfpred^icnb anrocnbbor crHärt f)at
2)em Sonbergute ber ®^cfrau mufe aber, fotjiel bie 2^ragung bcr ^ier frog^?
lid^cn Äioften unb Saften beö Sonbcrgutcö burd^ baö ©efammtgut betrifft, baö
Sonbergut beö 6t)emanneö gleid^geftcttt roerbcn. 9lid&t für cntfpred^cnb an*
rocnbbar er!lärt ift ber § 1297 9lbf. 2. 2)a bem ©efammtgutc nac^ § 1411
nid^t nur bie 9lu|ungen ber Sonbcrgütcr, fonbern aud^ bcr ©rtrag ber 9(rbett
beö ©fiemanneö, wie ber (S^efrau, mithin atte laufcnbcn ©innal^mcn {ufliegen,
n)cld)c jur Seftreitung bcr \)kv fraglid&en Äoftcn unb Saften bcfiimmt finb^ fo
muffen bie Icfeteren bem ©efammtgutc ol^nc bie im § 1297 Slbf. 2 bejeid^nete
Sefd^ränfung jur Saft fallen. SRit bem ©cifte bcr ßrrungenfd^aftöflemcinfd^aft
mürbe eö nidE)t im ©inf(ange ftel&cn, menn bei Beantwortung bcr gragc, inmic^
weit jene Äoftcn unb Saften auö bem ©efammtgutc ju berid^tigen finb, im
einäclneu galle unterfudjt merbcn müfetc, roic ^od& fid^ bcr SBctrag ber bem
©efammtgutc jugcfallenen 3lufeungcn beö bctreffcnbcn ©onbcrguteö belauft.
Um fo unbebcnfli(^cr ift cö, bei bcr ©rnmgcnfdöaftögcmcinfcöaft tJon ber 95c»
fc^ränfung beö § 1297 3lbf. 2 abäufcl^en, alö bicfcr ©üterftanb auf fBcrtraft
bcru(|t unb bcö^alb bie bei ber Beftimmung beö § 1297 9(bf. 2 t)or}ugötDctft
mafegebenb gcroefenc SRüdffidit, bajj eine mcitcrgc^enbc Haftung beö G^emannei^
gegenüber ber Gfjcfrau eine unbillige §ärtc gegen ben Seemann fein tDurbe^
l;ier alö bure^f^lagenb nid|t angefc^en mcrbcn fann.
ßminocnyc^ft?gcinrinf(J6aft. (ScFammtflut. ?aftcn. § 1419. 513
©ine bcfonberc SBcflimmung, bafe axiä) bic bei einem ^liefebraud^c üon «enuaituno«.
bem 3lic6brau^er ju tragenbcn Äoften ber orbnunflßmaligen aSerroaltung beö ''^*"'
5lic§6rttU(j&cö bei ber SBcnDaltung unb Slufeung ber ©onbergüler bem Oefammt
nute jur Saft foUen, ift alö entbc^rlid^ erachtet, ba fid^ fc^on aus ber 93e^
ftimmung beö § 1411 äbf. 2 mit genügenber ©eutlic^teit ergiebt, baß biefc
^SenoaÜungdfoften^ j. 93. bie jtoften ber äinftellung eiued igaudt)em)a[terd^ bem
@efainmtgute }ur Saft fallen. STnberd Der^ält ed ftc^ bagegen mit bcn nac^
3RQ§gobe ber Seftimmungcn beö gefcftlid^en e^elid^en ©üterre^teö nid^t bem
6t|emanne afe 9luftnie§cr beö ß^cgutcö, fonbcrn ber ß^efrau jur Saft fallenbcn
Xuögaben }um 3^^^ ^^^ orbnungömögigen äSermaltung beö @^eguteö
fwrgl. §§ 1320, 1321, 1323, 1324 3lbf. 1). ®ie biefen äuögaben cntfpredgienben
Sudgaben jum Qmdt ber orbnungömägigen SSenoaltung ber Sonbergüter
fallen aud^ bei ber ©rrungenfc^aftögemeiufd^aft nic^t bem ®cfammtgute, fonbem
bem betreffenben ©onbergute jur Saft.
SBie ouö § 1423 2lbf. 2 3lx. 1 unb SKbf. 4 R* ergiebt, l^aftet ber e^e* ?erf5iuic^
mann für biejenigen auf boö ©onbcrgut ber ®^efrau fid^ bejiel^enben SBerbinb^^ e^jlmamt^!
lic^teiten ber (enteren, meldte ju ben nad^ ben SSorfd^riften beö § 1418 Don
bem ©cfammtgute ju tragenben Saften beö ©onberguteö gel^ören, gegenüber
ben ©laubigem ber ß^efrau perfonlid^, mä^renb umgefeftrt eine perfonlid^e
^ftung ber (enteren für bie l^ier fraglid^en SBerbinblid^feiten beö @()emanneö
Rcgenuber ben ©laubigem beöfelben nad^ § 1423 9lbf. 1, 4 auögefd^Ioffen ift.
3m Ser^fiUniffe ber @§egatten unter einanber fallen aber bie ^ier frag(id^en
Serbinblid&feiten nad^ § 1426 2tbf. 1, 2 5«r. 1 bem ©efammtgute jur Saft.
Süeic^t boö Ie|tere jur ä^ilgung biefer SSerbinblid^feiten nid^t auö, fo I|at nad)
§ 1429 9lbf. 1 uerb. mit § 1380 ber Seemann aQein bie @inbuge }u tragen.
§ 1419.
S)aö im § 1419 jum äluöbrucfe gelangte ^rinjip, bag ber el^elid^e 9luf^ «^eitc^er «uf.
nwnb — felbftuerftänblidö lebod^ nur inforoeit, alö berfelbe ouf ber SSerfügung ""**"*"•
beßienigen beruht, rocld^er itn e^elid^en Slufmanb ju beftimmen bered^tigt ift —
bem ©efammtgute jur Saft fällt, ergiebt fid^ auö bem Qrotdt ber ©rrungen*
f^faftögemeinf^aft unb fte^t mit bem geltenben Siedete im @inllange. äBenn::
g[ei(^ bei ber aUgemeinen ©ütergemeinfd^aft eö nid[|t alö erforberlid^ erad^tet
ift, jeneö aud^ bei biefer geltenbe ^rinjip auöbrücFUd^ auöjufpred^en (t)ergl.
bie aRotioe ju § 1365 oben ©. 382), fo erfc^cint eö bod^ bei ber ©rrungen*
f(^ftögemeinf4aft alö ratl^fam, baöfelbe neben bem ©runbfa^e beö § 1426
Sbf. 1, bo6 bie ©efammtgutöDerbinblid^feiten im Sßer^öltnifje ber ©Regatten
ju einanber bem ©efammtgute jur Saft fallen, im ©efcfee befonberö jum 9luös^
brude ju bringen. ^Da nad^ bem gefe^lid^en el^elic^en ©üterrec^te ber @l^e^
monn bie e^eli^en Saften allein ju tragen l^at, bie ©rrungcnfdiaftögemcin^
f^aft aber geroiRermafeen olö eine SRobififation beö gefefelid^en el^elid&en ©üter*
red^teö fid^ auffajfen löfet, fo fonnte in ©rmangclung einer entgegenftel^enben
SefUmmung bie äuffaffung SRaum gewinnen, ba§ in biefer ^infid^t anä) bei
ber ßnrungenfc^aftögemeinfd^aft baöfelbe gelte. S^bcm ^anbelt eö fid) um ein
mi^ftigeö, bie ?Ratur ber 6rrungenfd{)aftögemeinf(^aft farafterifirenbeö ^rinjip,
«•Um |. Mr^erL Oefeita^. VT 33
514 6rcun0enf(6aft0Gc«teinfci&aft. SSerircnbunccn. § 1420.
beffen Sluöfpred^ung um fo angcmeffcncr ift als baöfelbc für bic ©rfo^frogc
rocgcn aScrrocnbungcn (§ 1420) eine grofee praftifc^e SSebeutung ^ot.
2Baö unter ben cl||cU^en Slufroanb fällt, brandet im ©cfefee nid^t no^er
beftimmt ju werben unb läfet fid^, o^ne in eine fd^äbUd^e Äafuiftif ju gerat^en,
im ©injefnen nic^t na^er beftimmen. 3m SlUgemeinen umfofet bcr e^cUd^c
Slufroanb oUe Slufroenbungcn für bie perfönlid)en Scbürfniffc ber e^egottcn
unb ber gemeinfd()aftlid^en älbfömmlinge, alfo indbefonbere bie Slufmenbungen
für ben Unterfialt berfelbcn.
«nbere SHd ©cfammtgutdlafteu werben l^äufig nod^ bcfonberö biejenigen Stuft-
^iSjSm. Qob^Ti l^roorgel^oben, welche für btn Srmerb, bie @r^a(tung unb SSermaltung
bed ©efammtguted gemalt finb, indbefonbere bie Sludgaben, welche ber 6^
mann für bie Q^tdc eined von it)m betriebenen @nDerbdgefd^&fted ober cined
fonftigen auf ben ©rroerb gerid^tetcn Serufcö gemad&t l^at. @ine befonberc
33eftimmung ift in biefer SRid^tung inbeffen ni^i erforberlid^, ba bad JRic^itigc
fxd() von felbft ergiebt unb auö anberen 33eftimmungen (oergl. §§ 1418, 1426
Slbf. 1) abgeleitet werben fann.
§ 1420.
«rfav JBei ber großen praftifd&en SBic^tigfcit bcr grage, inwieweit roegen Skr-
ntom^St* wenbungen oon Sonbergut eines ©Regatten auf bad ©efammtgut ober loegen
rcid^erung. Sßerwenbungen oon Oefammtgut auf bas ©onbergut eineö ©Regatten ßrfat
gefeiftet werben muß, unb im ^inblicfe auf bie oielen in biefer ^inftc^t auf
bem (Sebiete ber partifulären Oütergemeinfd^aft beftel^enben Streitfragen ifl
eö aus praftifd^en SRüdiid&ten unbebingt erforberlid^, fene groge, unb jwar
o^ne iwifd^en bem ©onbergute ber ß^efrau unb bem ©onbergute beö ß(ie«
manneö ju unterfd^eiben , burd& eine einfädle unb flare SSeftimmung ju cnt-
fd^eiben. 3Son biefem Oefid^töpunfte auö empfiel^It es ftd^, an bie bIo|e Xfyii*
fad^e, bag bad @onbergut eined ber Sl^egatten auf Jtoften bed ©efammtgutcd
ober bas le^tere auf 5!often eines SonberguteS jur 3^it ber äluflofung ber
©rrungenfd^aftsgemeinfd^aft bereid^ert ift, einen Slnfprud^ auf ©rfaft ber S3e*
reid^erung ju !nüpfen. 2)ie allgemeinen (Srunbfäfee, inSbefonbere bie Seflim«
mungen bes ©efeftbud^es über bie ungered^tfertigte Sereid^erung (§ 748),
reid^en in mand^en ^fiUen nic^t aus, [um einen fold^en ber äSiUigfeit unb ber
befonberen Sa^Iage bei ber Srrungenfc^aftSgemeinfd^aft entfpre(^enben ^fa^^
anfprud^ ju begrünben (oergl. bie SKotioe ju § 1365 oben S. 380 ff.)- 3"
anberen ^fillen laffen ftd^ bie 93orauSfe|ungen eines nad^ ben allgemeinen
©runbfäfien begrünbeten ©rfaftanfprud^es jur S^xt ber 3luflofung ber errungen*
fd^aftsgemeinfd^aft nid^t me^r 'nad^weifen. ®in fold^er ä^nfprud^ auf @cfot
ber ä3ereid^erung, wie i^n ber § 1420 gewöl^rt, ift im äBefentli^en au<4 oon
allen Siedeten ber partilularen Oütergemeinfd^aft unb ben neueren (Entwürfen,
fei es im 5ßrinaipe, fei es burd^ bie ©ntfd^eibung einjelner göDe, Im SCDgemeinen
anerlannt, wenngleid^ im @in}elnen äßand^es ftreitig ift (oergl. indbcfonbcce
württemb. S. SR. IV, 4 §§ 6—8; l^eR.barmft. »erorbm v. 1795 § 6»; baqr.
S. SR. I, 6 § 28; Code dvü »rt. 1403, 1406—1408, 1409 3hr. 1, 2, «tt 1412,
1414—1416, 1419, 1424, 1431—1439, 1468—1473, 1478, 1479, 1484^ 1486,
Srrungcnfc^aftööenietnfd^aft. aSertoenbunocn. § 1420. 515
1489, 1490, 1493, 1494; el^rcnbrcitft. ©ntn). §§ 9, 13—15, 23, 25—28, 38,
59, 77, 78, 89; TOÜrttcmb. (gntro. §§ 41, 75 ff.; ^eff. ©ntn). Slrt. 459, 460).
Suf her anbcrcn ©citc fe^It cd aber an einem genügenben Orunbc, Dorju*
^reiben, bafe nur ein fold^er S3ereidE)erungöanfprudö ftattftnben foU, mitl^in
»citerge^enbc 3nfprü(i&c beß einen ober anbercn ©Regatten, roeld^c auf einem
fpcjicüen SC^atbcftanbe berufen unb aus onberen SBeftimmungen bc9 ©efefe^:
bu^cö, infibcfonberc auö bcn burc^ § 1417 auf ha^ Sonbergut ber ©ticfrou
für entfpred{)enb anwenbbar erflärten SBorfd^riften beö gefeftlii^en e^elid^en
@üterred)tc« (oergl. §§ 1292, 1317, 1324 t)crb. mit §§ 1004, 1010) ober aus
ben Sorf(j^riften über bie ®efcI)oftöfü^rung o^nc Sluftrag (§§ 753, 758) ober
ous ber afnalogie beö § 1365 (oergt. aßotioc ju § 1365 oben ©. 380 ff.) I^er*
jcicitet UHrrben fonnen, ganj objufd^neibcn. ®urd5 eine fold^c SSefd^ränfung
TDürbe namentlid^ ba^ Sntercffc ber G^efrau, menn ber ®{|emonn ©onbcrgut
berfclbcn imbered&tigter SBeife ouf ©efammtgut Dermenbet, f^roer gefä^rbet
locrben. Slnbercrfcitö lonnte aud^ bas Snterejfc beö Seemannes barunter
leiben, inöbefonbere in folc^en gällen, in meldten er belaufe orbnungömäfeiger
Serroaltung beö ©onberguteö ber ß^efrau für SRed^nung ber lefeteren 3luf::
loenbungcn au3 bem @3fammtgute gemad^t l^at.
aSie ttud ber gaffung beö § 1420 fid) ergiebt, mu^ beqenigc, mtläfcv ^jeweisiafi.
<mf biefe 93orf^rift einen (Srfaganfprud^ grünbct, beroeifcn, ba^ unb inroieroeit
Me Sercid^erung jur Qtxi ber 3luflöfimg ber (Sütergemeinfc^aft beftel^t.
(ginjelnc SRcdbte ber partifulären ©ütergemeinfd^aft ge^en über bie Slm ^wmn^
ertcnnung einer ©rfafepftid^t megen aSenoenbungen infofern nod^ l^inauö, als *^""***"«'
fie bem @efammtgute auc^ ben Serluft ober bie %erfd[)[ed^terung ber )u ben
©onbcrgütcm geliorenben ©ac^en entroebcr unbebingt ober bod^ infomeit jur
Soft foUen laRen, ate ber aSerluft ober bie 9Serfd^(ed^terung nid^t burd^ einen
^ufoH ober eigenes aSerfc^ulbcn bes betreffenben ©Regatten, fonbern burd^ bie
Semi^ung für bie S^edfe ber ©emeinfc^aft, insbefonbere burd^ bie gemoldnlid&e
äbnu^ung, entftonben ift. 9luf biefem le|teren ©tanbpunfte ftel^en namentlid^
bas roürttemb. unb baS franff. SRed^t (oergl. aud^ mürttemb. Sntro. §§ 74,
78, 86). gür bie 9lnerfennung biefeS Orunbfafecs taf[cn fid^ jroar er^eblid^e
®runbc onfü^ren. dagegen fällt aber cntfc^eibenb ins ©emid^t, bafe ber
^nmrf aud^ bei bem gefe^lid^en el^eUd^en ©üterred^te aus bm in ben
Slotiücn ju § 1292 oben ©. 183 näl^cr bargelegten ©rroägungen ben
®runbfo6, ba% ber ©bemann ber ©Iiefrau für bie mit ber el[)elid^en 3l\ip
nieguns t)erbunbene 9[bnu|ung ber @(|egutsfad^en ®rfa| ju leiften l^abe, nid^t
^mertannt ^at, obmol^l aud^ bas gefe^Ud^e e^elid^e ©üterred^t, mie bie
©rrungenfd^afsgemeinfd^aft, auf bem ^rinjipe beruht, ba^ bie @l;efrau nur
mit ben 9{ugungen, nid^t mit ber ©ubftanj bes (S^eguteS ju ben el^elid^en
Saften betjutragen ^at. S)ag in ber ^ier fraglid^en ^ejieliung bie ©abläge
bei ber Srrungenfc^aftSgemeinfd^aft eine mefentli^ anbere fei, fann nid^t am
erfannt werben. S)aju fommt, ba^ ber fragliche @runbfa| ber äJlel&rjal^l ber
«uf bem Soben ber partifulären ©ütergemeinfd^aft ftel;enben Siedete, ins*
befonbere oud^ bem fran}. Siedete, unbelannt ift, unb ba^ berfelbe prattifd^ ftd^
nur in fo((^en Oebieten burd()fü^rcn läfet, in meldten bie 3lufna^me eines mit
©4d|ung bes SBert^eS ber ©onbergüter oerbunbenen ^^noentareS, mie in
33 •
516 6rrun0enf(6aftö0emetnf(^aft. aSermut^unocn. § 1421.
SBürttcmbcrg, gcfcftlid^ geboten ober bod) üblid^ ift. ®ie Slblc^nung jene«
©ruubfageg ift anif vom ©tanbpuntte berientgen 9Icc^tögebiete aM, in melden
berfelbe gegenwärtig ju 9led()t befte^t^ um fo unbebentlic^er^ als ber ©fiterftanb
ber @rrungenfd^aftdgemeinf(^aft nad^ bem ©efe^bud^e nur auf Vertrag beruht,
bie ®^egatten bo^er in bor Sage fmb, roenn bie !onheten SBer^ältniffc cd im
Sntereffe ber ©Regatten erf orber fid^ mod^en, jenen ©runbfa^ in bem ß^e«
vertrage }u vereinbaren unb }ugleid^ bie ju beffen 2)urd^fäl|rung not^igen
SWa^regefn bamit ju verbinben.
§ 1421.
sermut^una ®a bci bcr @rrungenfd)aftdgemeinf(!^aft bad @onbergut nid^t^ mie bei
utSt\^mu^^^ aUgemcinen ©ütergemeinfd^aft^ eine Ausnahme, foubcrn ein burd^ bie
gute«, 9latur bcr ©rrungenfd^aft gegebene« roefentlic^cß ©Icment ift, fo lägt fi^ bei
berfetben bie im § 1421 3lbf. 1 aufgefteUte SScrmut^ung , bag ba% oor^anbene
3Serm6gcn ©efammlgut ift, nid^t o^ne SBeiterefi auö bem Segriffe ber ©rrungem
fc^aftögemeinfd^aft unb ben allgemeinen S3en)eidgrunbfä(cn (§ 194 älbf. 1) ab*
leiten. 3lviv in 3lnfe^ung bcs n)fil[irenb bed SBefte^end ber ©cmeinfd^aft er«
morbenen SSermögend red|)tfertigt fld^ bie SSermut^ung fd^on nac^ allgemeinen
©runbfaften (§ 1411 SKbf. 1 verb. mit § 194 3lbf. 1). @inc fo befc^ronfte
SBcrmutl^ung mürbe inbcffen bem praftifd^en Sebürfniffe nid^t genügen. 3"^
befonbere ift bie im 2lbf. 1 aufgefteUte SBermut^ung mit 5Hücffid^t barauf,
bag ber @l[iemann regelmäßig im Sefi^e bed ©efammtguted ift unb i^m unter
3[udfd()(ug ber @^efrau bas SSermaltungdred^t in Slnfe^ung bed ®efammtgute6
jufte^t, im 3nterc<fe ber ©l^efrau bringenb geboten, um i^r bie auö bem @e»
meinfd[|aftöoer^äItniffe für fie entfpringenben 9ied|te ju fid)ern. Stuf bcr anbercn
©eite werben burd^ bie SSermut^ung, wie in ben $IWotiDcn ju § 1414 oben
®. 499 bereits l^erDorgel^oben mürbe, audb bie 93ebenten gemilbert, xoeld^c ind«
befonbere vom Stanbpunfte bed 3ntereffed bcr ©laubiger bed ß^cmanncd aud
gegen bie audgebel^nte Slnmenbung bed Surrogationdprinjiped nac^ SRaggabe
bed § 1414 erl^oben merben lönnen. ^ag bie ^ier fragliche SSermut^ung bur^
ein bringenbcd praftifd^ed S3ebürfni6 geboten ift, gel)t aud^ baraud ^eroor,
bag biefelbe nid^t nur gemeinrec^tlid) anerfannt, fonbern aud^ in vielen $at«
titularred&tcn unb in ben neueren ©nlroürfen beftätigt wirb (oergt. indbef.
mainj. 2. 91. in § 4; ^eff. bamft. SBerorbn. v. 1795 § 7; cafteU. SBerorbn. v.
1804; faalfclb. Statuten 21; preufe. 31. S. di. II, 1 § 400; code dvü «rt. 1402;
f)cff. entro. 2lrt. 505, roürttemb. (Sntm. § 16, cfjrenbreitft. ©ntm. § 10 «bf. 4).
@ine mid^tige praftifd^e Aonfequenj ber l^ier fraglichen SSermut^ung ift nomentli^
bie, baß jebe auf ein ©onbergut gemad^te SSerroenbung bid jum 93en)eife bed
' ©egcntl^eiled ald aud bem ©efammtgute gemad&t gilt.
SBegen bed SBerl^ältniffed ber l|ier fraglichen SBermut^ung ju ber im
§ 1282 aufgeftellten oergl. bie aJlotioc ju § 1282 ©. 133.
«u «uniicu 3n S^^eorie unb ^rojid mirb in ben ©ebieten bcr portifularen ©üter»
^'^^utefl***" gcmeinfd&aft l^äufig bie Slnfid^t vertreten, bafe in Slnfe^ung ber bei Sluflöfung
bcr ©cmeinfddaft ni^t mef)r vorf)anbenen ©onbergutdgegenftänbc bie SJer«
k mut^ung begrünbet fei, bag biefelben ju ©unften bed ©efammtguted vcnvenbet
6rruTiöcnfd&aftSflcmeinfd&aft. Sermut^ungcn. § 1421. 517
feien, obroo^t bic ^ßartitularred^tc felbft auöbrüdliciöc SSeftimmungcn in biefcr
Scjic^ung nic^t cntl^oltcn. Sncrfonnt wirb eine berartlgc S8ermutf)ung ins*
befonbere in SBßürttcmbcrg, SRoffau unb im Oeltungögcbiete ber ^cff.barmft.
Serorbn. v. 1795 (t)ergl. ©euffert XXX ©. 251). 3luöbrüÄli^ bcftimmt ber
mürttemb. Sntio. § 88^ ha^ alleg in bie el^elid^e ®efenfd^aftdt)ern)a(tung ein^
gebrockte, nid^t mc^r üorl^anbcnc aSermogen afe für bie ©emcinfc^aft üer-
wcnbct Dermutl^ct roerbc. ®ine ä^nlid^e Seftimmung cntf)ält ber ^eff. (Sniro.
8rt. 505, 508; bod^ gc^en beibe ©ntroürfe baoon ou«, bafe immer ein Snocntar
über bod Sonbcrgiit aufgenommen mirb. 2)er cfirenbrcitft. ©ntro. § 78 fdireibt
oor, ba§ ®clb unb tjcrbrauc^bare ©ad^en, menn fte nid^t in 9iatur jurüdE^
gegeben werben fonnen, erfcfit werben muffen, fofern ber aSerluft nid^t auf
einem 93erf(^ulben bed (Sigent^ümerd berul^t.
(Srünbe ber 33iUigfeit unb Sw^^tfmSfeigfeit fpred^cn aDerbing« bafür, in
änfc^ung oerbrau^barer ©ad^en (§ 780), meldte }u bem ©onbcrgute eines
6|egtttten geboren, bei Sluflofung ber ©cmeinfd^aft aber nid^t me()r üor^onbcn
finb, ju ©unften biefcö ©Regatten bic im § 1421 3lbf. 2 bejeid^ncte SBcrmutl^ung
ttufiuftellen. 3" tiefer Sef^ränfung erfd^cint bie SSermut^ung alö baö natur*
gcmöfec Äorreftio ber im § 1421 3lbf. 1 ancrfannten Sßermut^ung. ®as
®efammtgut bilbet bie gemeinf^aftlid^e jtaffe, aus meld[)er regclmögig alle
Sebürfnifje ber ©Regatten beftrittcn rocrbcn. SBenn ba^cr (Selb ober üerbraud^*
bare ©ad^en, meiere ju bcm ©onbergute eines (S^cgaltcn gel^ört l)aben, nid^t
mc^r oor^anben ftnb, fo ift es in ^o^em ®rabc ma^rfd^einlid^, bafe fie ber
gemeinf^aftUd^en Äaffe jugcftoffen unb in bas ©efammtgut berort ocrroenbet
finb, ba§ bas Icfetcre um bcn SBertl^ biefcr ©adf)cn bereichert roorbcn ift (ocrgl.
§ 1420). 9lnbers liegt bagcgen bas SBcr^äftnife in 2lnfe^ung anbercr ©onber*
gntsgegenftönbc. Sicfelben finb rcgefmäfeig ju einer unmittelbaren SBerroenbung
jum ?)cfiten ber ©emeinfd^aft nid^t geeignet unb i^rer 9latur nad^ aud^ jum
Scrbrau4)c ober jur SScröufeerung nid^t bcftimmt. Sine S8ermut()ung , bafe,
um i^ SScrroenbung }u ©emcinfd&aftsjmerfcn ju ermöglichen, bie boju erforber-
(i4Kn dledbtsgef^öfte t)orgenommen feien, mirb bal^cr burd^ bie tl^atfäc^IidEien
Ser^Itnijfc ni^t unterftüfet unb ift um fo weniger burd& ein S3ebürfni§
geboten, als ber Semeis ber SSorna^me jener SRec^tsgcfc^öfte regetmogig mcit
weniger ©d^mierigfeiten unterliegen mirb, als ber SBcmcis, mas aus bcn
mfnrau^baren ©ad^cn geworben ift.
SBenngleic^ jum ©d^ufce ber S^efrau in bcn meiften gällcn fd^on bie
aflgemeincn Seweisgrunbfäfee auSreid&en, nad^ wcld^en ber ©tiemann, um fi^
bejio. bos ©efammtgut oon ber 3leftitutions * ober ®rfa|pflid)t ju befreien,
ben beweis führen mufe, ba§ ber SScrluft ol^ne ein von x\)m ju oertrctenbcs
Setfd^ulbcn eingetreten fei (oergl. § 239, aJlotioe ju § 1324 oben ©. 283 ff.), fo
fann bod^ bie im § 1421 2lbf. 2 aufgcftclltc SBcrmut^ung unter Umftänben
ttU(^ neben jenen oDgemeinen SeweiSgrunbfäßen für bie ß^efrau von praftifd^cr
Sebcutung fein, namentlich in fold()en göUen, in welchen feftfte^t, bafe bie
bttteffenben ©egenftänbe jur geit bes ©intrittcS ber ©rrungenfdbaftsgemein*
fc^ft oor^anben gemefen finb, ber ©l^emann aber bie an ii)n erfolgte Ueber«
gobe beftreitet unb eine fc^ulbpoUe aSerleßung feiner Sßermaltungspflid^t barin,
bo§ er fidf bie 3n^öbung ber Sachen nic^t Dcrfd^afft ^at, bcn Umftänben nac^
518 Srruitflenfc^aftSoemeinfd^aft. S3ermö0cuöbcQet4ni§. § 1422.
m(^t gcfunbcn locrbcn fann (ocrgl. bic SRotioc ju § 1324 oben ©. 285). äu&
bicfcm ®runbc unb um bcm aKi^oerftänbriiffc ju begegnen, alö ob für bie
®{)efrau fad^Iid^ etroaö 3lnbcrcö gelte, ift bie l^ier fraglid^e SSermut^ung aud^
auf bie JU bem ©onbergute ber ®[;efrau ge^örenben oerbraud^baren ©cd^en
Quögcbel^nt, obwohl jene SBermut^ung Dorjugöroeife für ben @l;emann prattifd^c
33ebeutung l^at. 2)a§ burd^ biefc Sluöbe^nung bcr SSermutl^ung bie allgemeinen
aSemeißgrunbfäße über bie 9lcftitution bcö ©onbergutcs ber ®f)cfrau unb bc*
Gfieguteö ücrbunfelt werben fonnten, ift nic^t ju beforgen.
®ie im § 1421 Slbf. 2 beftimmte aSermut^ung gilt übrigens, roic bort
QUöbrüdlid^ ^erüorgel^oben ift, nur ju ©unften beöienigen ©Regatten, beffen
©onbergutsfa^en nid^t me^r uor^anben finb, nid^t audft ju (Sunftcn bc&
anbcrcn ©Regatten. @ö fann ba^er inöbefonberc ber ©tiemann fid^ nid^t etwa
ju bcm 3n>c(f c auf bie SSermutl^ung berufen, um bie nadd § 1426 Slbf. 2 9tr. 4
' im ajcrl^ältniffe ber ©Regatten ju einanber i^m jur Saft fallcnben Söerbinblid^
feiten gegenüber ber ©ticfrau üon fic^ auf baö ©cfammtgut abjumälien.
§ 1422.
*"lhlrt"* aSon t)erfd|iebenen 9lcdE|tcn bcr partifulärcn Oütcrgcmcinf^aft, ins*
8cm50end« bcfoubcrc bcm mürttcmb. S. dt IV, 3 § 1, ben SHed^tcn von Bamberg, ©aftett,
"* M^^if * ©^ttJcinfurt, SRcgenöburg (oergl. 5Rcubaucr, 3uf. ©. 108, 109) unb bem preufe.
swiberflüter. 21. 2. SR. 11, 1 §§ 397—400, ift Dorgcfd^riebcn, bofe bei ©inge^ung bcr 6^e
ein genaues 3nocntar über bie ©onbcrgütcr aufgenommen bei;u). auc^ mä^rcnb
bcr ©^e mcgen ber cintretcnben SSeränbcrungcn fortgefüfirt mcrbcn foll. Um
bic praftifc^e 33raud&barfeit bcö Snftitutcö bcr ©rrungcnfd&aftögcmcinfc^aft ju
crl^öticn unb ben fonft bei ber bemnäd^ftigen 2(uöeinanbcrfcftung pd) crgcbcnbcn
©d^roicrigfciten möglid[)ft ju begegnen, ift cö allcrbingö n)ünfd)cnön)crt^, wenn
ber 33eftanb bcr bcibcrfcitigcn ©onbcrgütcr burd& bic Slufnal^mc cincö SBcr«
icic^niffcß fcftgcftcUt mirb. Snbcficn fann cö alö angcmcffcn nidbt crad^tct
werben, ha% bie Slufnatimc eines fold^cn aSericidönijfeS von Sfmtsiocgcn be*
trieben unb baburd^ eine ©inmifd^ung bcr SBcl^örbcn in bas Snncrc bcr gamilic
oeranfafet roirb. 2)agegen empfiehlt es fic^ aus ben ^croorgctjobcncn ©efi^ts*
punftcn, einem jcbcn ber ©Regatten nad^ aJiafegabc ber Seftimmung bcö § 1422
baö Siecht beijulcgen, bie gcftftcllung bcö 83cftanbcö bcr ©onbcrgütcr ju wr*
langen, unb auf bicfe Sßeifc bie a)lögüd)feit }u gcroä^rcn, fic^ gegen bie S5cr«
mutf)ung bes § 1421 9lbf. 1 ju fid^crn. S^afe jene Scftimmung aud^ in an*
fcf)ung bes mä^renb bcs Scftcl^cns ber ®cmcinfdE|aft bcm einen ober anbcrcn
©onbergutc iufallenben ©rrocrbeö 3lnmenbung finbet, mirb burd) bic oHgcmcine
gafjung bcrfclben mit gcnügcnbcr Scutlid^fcit auögcbrücft. S)urc^ bic im
§ 1417 in SBcrbinbung mit § 1292 auf bas ©onbergut ber ©^cfrau für ent-
fprcd&enb anmcnbbar erflärtc S3eftimmung bcs § 993 wirb bcm praftifc^cn
33ebürfniffe nid|t genügt, ba, mcnn bcr 3TOecf crrcid)t merben foU, einesteils
audö bcm ©^manne bie SWöglid^fcit, fid^ gegenüber bcr ©H^au ben SJeroeiö
bcö SeftanbeS feines ©onbergutcS ju fid&ern, gcmö^rt, anberent^cits iebcm
ber ©ficgattcn bas SRcd^t eingeräumt werben mufe, ju verlangen, nid(|t nur,
ba^ ba^ über ben SBeftanb feines ©onbergutcS aufgenommene SierjeidjniB oon
SrrungenfÄaftÄöcmdnfd^oft. ©(^ulbcnBaftuno. § 1423. 519
bem onbereu @^egattcn a(d ri^tig^ fonbern aud^^ bag bod über bcn ä3eftanb
bfö Sonbergutcd bcd anbeten ©Regatten aufgenommene äSerjeid^nig von biefem
qI§ ooUftänbig onerfannt wirb. ®ie S3cftimmung bed § 1422 fann aud) nic^t
ctTw von bem ©efid^töpunfte aus alö entbe^rli^ erad^tct n)crbcn, bafe bcr
§ 231 ber 6. % D. icbcm bcr Gficgottcn bie $IWögUd)fcit bietet, gegen ben
anbeten (Sf^egatten auf geftfteQung bed 93eftanbed bet @onbetgütet fomo^l in
pojitioet a(d in negatioet 9tt(^tung ^in }u flagen, ba einetfeitd bie Gf)egatten
ncc^ biefem Sid^ctungömittel nid^t leidet, roenigftenö uid^t fofort nac^ eintritt
bcr ©rtungenfd^aftögemeinfc^aft gteifen roetben, anbcrerfeitä cö angemeffen ift,
baö ^ier in Siebe ftc^enbe 3ied)t unb bie l^ier in SRebc ftel^enbe ^flid^t eines jeben
ber gf^flottcn im ©efcgbuc&e felbft nä^er ju beftimmcn unb baburd^ bie ©fiegatten
bonmf ^injumeifcn, bafe fie mit 9lücffid[)t ouf bie fünftige 9luöeinanberfet)ung
Mit oom^crein für ben Seroeiö beö S3eftanbed ber Sonbergüter Sorge 5u
tragen ^aben. Uebrigens mirb hmä) bie ^eftimmung beS § 1422 bad 9ted)t
ber ß^gatten, bcn S3eftanb ber ©onbergüter bur^ anbcre 93eroeidmittel nad)*
^urocifen, in feiner SBcifc bcfd[)ränft. 3lnbererfeitö roirb baburd^ bem von bem
e^cgatten ancrfanntcn SSerjeid^niffe gegenüber britten ^erfonen eine befonbere
8croeiöfraft nid^t beigelegt. Db unb inmiemeit ein fotd^eS S8crjcid^ni§ aud)
für unb gegen britte ^erfonen bemeift, ift na^ bcn allgemeinen (Srunbfägeu
SU beurt^eilen unb ber freien rid^tcrlid^en Semeiöroürbigung ju übcrfaffcn.
SSie aud § 1417 uerb. mit ben §§ 1292, 992 fidö ergiebt, ift für bie ©^efrau
neben bcr Scftimmung bcfl § 1422 aud^ bie SBorfd^rift bcö § 992 anmcnbbar.
Cin Sebürfnife, biefc SBotfc^tift, meldte notjugßmeife für bie ß^efrau 93e?
beutung fjat, meil bie festere fid) nxd)t in ber 3nl^abung ifireS ©onberguteö
befinbet, aud) jti ©unften bcö 6f)cmanncö auöjube^nen, (icgt nid^t oor.
§ 142a.
2)er § 1423 regelt bafi SScrfiöItnife ber (gfiegatten nad^ aufeen in 2(m »»«^«ftenttii«
fe^ung bcr Sc&ulben^aftung. Sie 33eftimmungcn bcr auf bem S3oben ber 01«««««.
portifulären ®ütcrgemeinfdE)aft fte^enben JRc^te finb in biefer S3ejie^img aufeer*
orbentlic^ ucrfc^icben.
3n ben meiften fübbeutfd^en 5Hed()ten mirb nid^t nur im 58crt)ältniffc ©ertenbe«
bcr C^gatten unter einanber, fonbern auc^ im aSer^öltniffe ju ben ©laubigem **^*'
5n)if4)cn ®cmcinf^aftöf^ulbcn (C()efd^ulbcn, ©ojialfddulbcn, Sammtfd)ulben)
unb Sonbcrfd^ulben ber ©Regatten unterfd()ieben. ®cn 3lußgangSpunft für
biffe Unterfd)eibung bilbet bie aus bem 2Befen ber ®rrungcnfd)aftdgemeinfd&aft
folgenbc ©emeinfamfeit bcd c^clidjen 9lufn)anbcß unb ber für ben ©rmerb, bie
ßr^oltung unb SBerroaltung bcd ©efammtgutcö erforbcriiddcn 3Iudgabcn. S)iefer
3roerf ber ©emeinfcftaft ift au^ für bie grage, rocfd&e SSerbinblic^feiten nad)
innen, wie nad& au§en ^in ©emeinfc^aftöoerbinblidöfeiten finb, ma^gebcnb. 60
geböten bo^in au|ct benjenigcn SBerbinbli(ifeiten ber ©Regatten, meiere fid)
ote Soften ber SJu^ung ber Sonbergüter barfteüen ober aus bem Sefife ober
Gigent^ume bcö (Sefammtguted felbft l^croorge^en, namcntli^ bie 58erbinblic^'
feiten aus fRcd^tfigef^äften, meldte für bie 3"^^*^ ^«^ ©emeinfd^aft, inöbefonbere
bc^fufd ber Scrroaltung bcö (Scfammtgutcö ober jum ©rrocrbc für baöfelbe
520 Scrunflenfd&aftSgcmcinfc^aft. ©c^ulbcn^aftuna. § 14-23.
obcv jur S3cftreilung bcr cbelic^cn Soften, abgcf(^Iof|cn fxnb, ooraudgcfc^t, bafe
bic ^Bonm^me bed 9icd^idgefci^äftcd cuttucber Don bciben @t|cgottcn gemeiiu
fd^oftüc^ ober t)on einem bcvfelbcn innerhalb ber ©renjen feineß SJer^
roaftungöred&tcß erfolgt ober ctroa and bem ©efid^töpunftc ber ©efc^ofts^
füljrung ober ber SBereid^erung bie ^erbinblic^feit begrünbet ift (oergl. naji.
SBcrorbn. v. 10. Sonuar 1825 §§ 3—7). gür baö »er^ältnife ju ben
©länbigern polten inbeffen bie meiftcn Siedete ber ßrrungenfd^aftögcmcim
f^aft an bcm ©rforbemiffe, bafe bic 3Scrbinbti(^feit für 3«^^^^ ^^ ®^'
mctnfd^aft eingegangen fei, nid^t unbcbingt feft, fonbern crtenncn eine
©emeinfd^aftßDcrbinbli^feit nad^ außen unter gewiffen aSorauöfeftungcn o^nc
SHüdffid^t auf bcu materiellen S^edf beö SRec^tögefd&äfted an, fofern nur ber
©Ijcgatte, welcher bic SSerbinblicfefeit cingegongen ift, unter ber 3Soraudfc|ung
iencö 3n)ccfcö jur 93ornal)me bcö Mcd^tögefd^öftcß Icgitimirt mar. 2lud biefcm
©efic^tßpunfte gelten nad& au§en l;in olß ©emcinfdfiaftßocrbinbttd^teiten alle
üon bcr g^cfrau mit ©inmilligung bcß ©^emanneß ober innerhalb cineß oon
il^r mit einmilUgung bcß ®{)cmanneß fetbftönbig betriebenen ©rmcrbßgefd^äfted,
foroic bie oon beiben ©Regatten gemeinfddaftüd^ eingegangenen SSerbinblic^feitcn,
foferu nid()t bei ber ©ingeOung bcß Slcd^tßgefc^fiftcß baß ©cgentl^cil Dorbe^altcn
ift (pcrgl. mürttemb. 2. 9*. IV, 4 § 2). 3n Stnfcl^ung ber oon bjmi.fö^
manne mä^renb bcfte^enbcr ®^c burd^ Sflcd^tßgcfc^äfte eingegangenen SBer*
binblld)ftiten rölrb ferner regelmäßig ber ©runbfa^ aufgefteUt^ bofe bicfcfben
biß jum 23cmeifc bcß ©egcnt^cilcß gegenüber bcn ©löubigern olß @bcf(^ulben
gelten ober baß fie unbcbingt olß fotd^c gelten, roenn ben ©läubigcrn jur
3eit bcr iUornal;me bcß -Jlc^tßgcfd^äfteß nid^t boß ©egent^eil bcfannt war,
ober boß fic mcnigftenß bann olß foldde gelten, menn bcr G^emonn fxc bei ber
eingc()img alö fold^e bcjeid^net l^ot (oergL ©euffert XXX, 155, 251 ; nojf.
aSerorbn. v. 10. ^amm 1825 §§ 3, 4; mürttemb. (Sntm. § 69). Sjetrcibcn beibe
©Regatten gcmcinfd^aftUd[) |)anbel ober ein ©eroerbe ober bet^ciligt fi(^ bic
©^efrau öffcntlid^ an einem fold^en S)etriebe bcß ©^emanneß, fo gelten ^öufig
olle aM folc^em betriebe ^errü^rcuben Sd^ulben unb bißmeilen oUe Sc^ulben
olß gcmeinfd^aftlic^e. 9luf biefem ©tanbpunfte fte^en namentlich foft oDc
bopr. ©rrungenfc^aftßrc^te (oergl. trier. £• SR. vn § 28). — 9lnbcre SRec^te
^aben ben 33cgriff ber ©emeinf^oftßDerbinblid^teit ben ©laubigem gegenüber
noc^ meiter außgcbc^nt. S)ieß ift inßbcfonbere ber galt nac^ fron}. Siedete.
^ad) biefem gelten alle roftl^renb ber ©t)c oon bem ©(lemonnc ober mit bejfen
©inmilligung uon ber ©^efrou eingegangencjt §Berbinblid()feiten olß ©emeinfd^aftß^
fd^ulbcn (oergl. code civil 3lrt. 1498, 1510 oerb. mit 5lrt. 1409). 3)em franj.
5Rcd)tc ift im gBefentlid[)cn bcr l^cff. ©ntm. 2lrt. 509 oerb. mit Slrt. 462 «r. 2
biß 4, 2lrt. 463 gefolgt. SSoUig obgclöft oon bem nod^ 5Koßgabe bcß 3n>erfeß
ber ©rrungenfdE|oftßgemeinfd^aft unter ben ©f)egatten befte^cnben Sßer^ltmffe
erfd^cint bcr Segriff bcr ©emeinfd^oftßfd&ulben nod() benienigen dttöfttn, ©eld^
alß ©cmeinfd)aftßocrbinblic^feiten olle aScrbinblid&feiten beß einen ober anbcrcn
©Regatten mit Slußnol^me berjenigen aSerbinblid^feiten ber ©^cfrau gelten
loffcn, megen bcrcn bie ©laubiger fid& oud^ an baß ©onbcrgut bcr ©befrou
nic^t l^alten fönnen. 2luf biefem Stonbpunfte fte^t ba& preuß. 91. S. dt. n, 1
§§ 407, 408, 661, 664 (ocrgl. oudi ©efcfereo. 5ßenf. XV §§ 336—338 nebft
@rrunjenfc6aftdgemeini(6aft. ©d^ulbcnl^aftuno. § 1423. 521
SRoiiocn ©. 277 unb 5ßenf. X\% II, 1 §§ 183 ff. nebft Slotbcn 6. 274),
foiDic im 5ßrinjipc ber c^renbrcitft. @ntn). §§ 97, 16—24, 28, 81—83.
Sli^t minber tjcrf^icbcn, wie bic Scftimmungen über bic SBorauö-
fefungen, unter loeld^en eine SBerbinblid^feit {jegeuüber ben Oläubigern alö
®emeinf(6aftdDcrbinbU(^!eit gi(t, ftnb bie S3eftimmungen über bie red^tlic^en
golgen einer fold)en.
Sei ber ©emcinf^aft bcÄ 3i*9c^i™M ^^oftet jeber (S^cgattc ben
©laubigem für bie in feiner 5ßerfon entftanbenen (Semcinfd()aftöfdE)utbcn mä)
allgemeinen ©runbfägen. Sie ©laubiger fonnen ftd^ an bie im @igentt)ume
i^cö Sc^ulbnerd fte^enben, unter ben S3egriff ber Srrungenfd^aft faUenben
@cgenftönbe l^alten. @d ift bied ieboc^ feine @igentl^üm(i(^teit ber @H^u(ben,
inbem badfelbe Ste^t and) bei Sonberfc^ulben ben @(öubigern iufte^t. Sine
befonbere äSirtung t)at bie @igenfc^aft einer @d^ulb ald einer @(;efd^u(b nur
in benicnigen ©ebiclen, in meldten, mie in fturljcffen, bie ©laubiger beö (Sf)^
manneft bei ber 3^QnSdooDftrectung toegen einer @^e[d^ulb fi<^ oud^ ben 9ln«
fpruc^ befi @^emanneö gegen bie @(;efrau auf 5loUation bed SBert^ed ber oon
iftr erworbenen, unter ben 33egriff ber ®rrungenfd)aft fattenben ©egenftänbc
übenoeifen lofjen fonnen.
Sei ber @rruugenf(^oftflgemeinf(^aft im engeren ©iime laRen ftc^ brei
^uptgruppen unlerfc^ieiben.
yiad) ber erftcn Oruppe befielet bie SBirfung einer Ocmeinfd^aftö*
oerbinbü^feit barin, ia% bie ©laubiger auger an benjenigen ©Regatten, meld^er
Urnen perfönlid^ ^oftet, fidb an baft ©efammtgut Italien fonne. 2luf bicfem
Stonbpunfte fielen inöbefonbere bad preufe. 21. fi. 91. II, 1 §§ 407, 408, 661,
664 unb ber cl^renbreitft. 6ntro. §§ 11, 81; ob auc& ber l^eff. (Sntro. (ocrgl,
Sfrt 509, 512, 461 2lb|. 2), ift jmcifclöaft. §ier^er ju jS^len ftnb aud& alle
biejenigen SJcdbtc, welche fid) jmar nid)t allgemein über bie grage auöfprerf)en,
ober bocb onerfennen, bag bie @^efrau für bie Don bem @^emanne einfeitig
eingegangenen 6H<^uI^c>i ^it '\f)vcvx Sonbergute nid^t liaftet, fo namentlid^,
flbgefe^n oon ®:roerbef^ulben, bad bapr. S. 91. 1, 6 §§ 33, 36, bad nürnb.
unb anfiboc^. Siedet; ferner bad pfälj. 2. 91. unb bie l^eff. barmft. 93erorbn. t). 1795
§ 8 (oergl. 9ieubauer a. a. O. ©. 53, 58), bad jüt. fioro unb bad bit^marfc^.
2- 31. 3laä) bem franj. Siedete tritt ju ber Haftung bed ©efammtguted möl^renb
befie^nber ©emeinfc^aft noc^ bie perfönlic^e Haftung bed @^emanncd ^inju
(oode civil 3lrt. 1419, 1446). Slud^ nad^ einjelnen anberen Siechten bicfer
®ruppc I^aftet ber ©bemann perfönlidb für bic mit feiner ©inroilliguiig oon
ber G^rau eingegangenen ©cbulben, fofcrn nid^t bie Uebcrna^me ber |)aftung
bei (Srt^eilung ber ©inroilligung audgefd^loRcn ift (oergt. preug. 91. 2. 91. II, 1
§§ 406, 329 ff.; e^renbreitft. entu). § 17; Ijcff. entro. SKrt. 489, 519).
9ladf äluflöfung ber ©emeinfc^aft gcftaltet [\6) bad ^er^öltnig nad^ ben
Sec^ten bicfer erftcn ©ruppe entmeber ba^in, bafe ber Seemann gegenüber
ben ©laubigem allein l)aftct unb bie @()cfrau gegenüber bem ß^emanne ocr«
Ptli(!btet ift, ftc^ bei ber ST^ciltmg hc& ©efammtguted ben älbjug bed 3)etragcd
ber ©emeinfc^aftdocrbinbli^feiten gefallen ju laRcn, ober ba^in, ba& beibe
Chatten ben ©laubigem gegenüber nad^ aSerl^ältnife bt& Slnt^eiled, welcher
i^cn oon bem ©cfammtgute j^ufftUt, pcrfönlic^ l^aften (ocrgl. indbef. code civil
522 örruuocnf^aftgflcmcinfd&oft. ©c&ulbcnMti»nG. § 1423.
3lrt. 1482—1485). 3n bem leßtcrcn gaUc roirb ober bcr @^cfrau regelmäßig
baö Siedet jugeftanbcn, fid^ burd^ 9liiöfc^Iagiing ber Oemeinfc^aft üon bcr
Haftung 511 befreien ober burc^ Slnrufung ber SHedötörool^It^iat bcö Snoentarcö
iljre Haftung auf ben Setrag befi i^r jugefallencn ©efammtgutöont^eifcö ju
bcf darauf en (oergl. code civil 3lrt. 1453, 1494; t^eR. Gntto. Wct. 475, 492, 493;
el^renbreitft. entro. §§ 81, 82). 3laä) preufe. 91. S. 31. II, 1 §§ 661, 664 ^aftet
jebcr bcr Gljegatten tocgen ber auf bem gemeinfd)aftli(^en aScrmögen ru^enbcn
©d^ulben mie wegen Grbfd^oftöfd^ulben, iebod^ nad^ Sinologie eines ScncfiiiaU
erben nur mit bem if)m jugefaUcnen S^fieitc beö gcmeinfd^aftlic^en 93erm5gen8.
®ic jroeite ^auptgruppe bitben biejcnigen SRed^te, rocid&c beibc G^egatten
na^ Sßert)ältniJ3 il)rcö 9lntl)ei(eö an bem Ocfammtgutc für bic ©emeinfcftoft«*
fdfiulben pcrfönüc^ Iiaftcn laffen. 2)at)in geI)oren, obmo^l unter mannigfoc^cn
aKobififationcn im Ginjelnen, inöbcfonbcre baö mürjb., bamb. unb mainj.
9lcdEit, ferner baö naff. Siedet (naff. SSerorbn. v. 10. 3anuar 1825 §§ 3, 4,
©euffert XXX, 155), baS fotmf. S. 9t. n, 28 §§ 5—7 nacfi berjenigen »u«^
legung, meldte baöfelbc in §effen-'®armftabt erfaf)ren l^at (oergl. ©euffert XXX,
251) unb baö roürttemb. 2. 91. IV, 4 §§ 2, 8; bo(^ fann nad^ roürttemb.
9lcd)te bic Gljcfrau fic^ burd) Slnrufung bcr fog. roeiblid^cn grei^citen oon
ber Haftung oollftönbig befreien, fofern [xt nic^t jug(eid& für bie bctrcffcnbe
ed^ulb pcrfönlid) haftet (Gntfc^. b. 9t. ®. in Sioilf. IX, 19; oergl. au*
roürttemb. Gntro. §§ 68, 70). ©ine anbcrc 9tuffaffung als in 9taffou unb
.'pcjfen=2)armftabt Ijat baö folmf. 9led&t in Jlurf^effen gcfunben, inbcm bort nur
eine fubfibiärc Haftung ber G^efrau für bic ^älfte ber mit i^rcr Ginroittigung
eingegangenen Gt|cfd)ulbcn anerfannt wirb. Ginc ä^nlicfie fubfibiärc ^aftimg
beftctit in ben altl)effifd)en Xf)t\kn t)on Kurf)effen; bo^ tamx bie ®I)efrau fuft
bort üon biefcr Haftung unter geroiffen SBorauöfegungcn burc^ einfeitige ©r-
fWrung befreien. Sieben bcr SSerpftid^tung beiber Gt)egatten nadj) SBer^ältnift
i^rcö 9lntl)cilcö am Oefammtgutc löirb regelmäßig eine auö^ülförocife ^ftung
bcö Gl)cmanncö für baö (Sanje, minbeftenö für bic ocrtragömäfeigcn Gbc*
fd)utben, anerfannt, fo namentlid^ in 9iaffau (naff. SBcrorbn. u. 10. 3anuar
1825 § 8) unb in SBürttcmbcrg.
''^lad) einer britten ^auptgruppc oon 9ted)ten haften bcibc G^egatten für
bie @cmcinfd)aftöfc^ulben fotibarifd^, fo nad) ben 9led)ten oon Ulm unö
ßaftcU. gür hcn y^all bcö )öctriebeö eincö ©eroerbcö, an roelc^em bic GH^^**
fid) öffentüd) betl)eiligt, bcftimmen ferner oielc 9icc^te bie folibarifdtjc Haftung
beiber Gticgatten, balb für alle ©cmcinfc^aftöoerbinbliddfciten , balb nur für
bie ©croerbcfdiulbcn. Sa^in gcl)5ren inöbefonbcrc baö bai)r. S. 9t. I, 6 § 32,
bie 9tccfttc oon Sßürjburg, GaftcU, 9lnöbac^, Slürnberg, Slugflburg, boö pfälj.
2. 9t. III, 17 § 4 unb baö mainj. 2. 9t. IV § 3; bod) ift lia^ lefetcrem
bic fülibarifd)c .sjaftung nur eine fubfibiäre (oergl. auc^ in STnfcfiung beö Gbe*
manncö tricr. 2. % VI §§ 29, 30).
S)cr ^crf(^iebenljeit ber Seftimmungen über bic ©emeinfc^aftöfc^ulben
entfprid)t bic i}crfd^iebcnf)eit berfelben in 9tnfcl)ung bcr Sonberfd^ulbcn. 9llö
fo(cl)c erfd^cincn alle bicjenigcn ©djulben bcr G^egatten, roeld^e uic^t ©e-
meinfc^aftöfd)ulben ober ^Borbe^altögutöfc^ulben ber G^efrau finb. 9?od^ ben*
jcnigen 9tcd^tcn unb Gntroürfen, roeldje, roie baö preufe. 21. 2. 9t., baö jütifcbe
Grrunocnf(^afteöcmetnf(j&att. ©^ulbcnBaftunö. § 1423. 523
Soro uub bcr c^rcnbrcitft. ®ntn). alle ©c^ulbcn bcr ©Regatten mit 2[uSnaf)mc bcr
Sorbe^ollßgutöfcbulbcn bcr ®f|cfvau bcn ©(äubigcrn gegenüber alö Oemein?
Waftäfc^ulbcn bc^aubeln (t)erg[. oben ©. 520 ff.), bleibt für bcn 93cgriff bcr
Sonbcrfd|ulbcn fein Slaum. SInbcrerfcitö fommt bei bcr ®emein|d)aft beö
SugcroinnfteS ber Segriff bcr 6bcfd)nlb nur iufofcrn in 33etrad|t, atö mit
bcm Segriffe berfclben bie oben 6. 521 bcjcidinete bcfonberc SBirfung ber
Motionöppi^t bcr ß^efrou Dcrbunben roirb. 33on ben übrigen 9led)tcu bcr
Grrungenfc^oftögemeinfci^aft wirb geroö^nlid^ ber ©oß oufgefteUt, bafe für bie
Sonbcrfc^ulbcn ber ©Regatten, inöbefonbere für bie oorel^eIici^en©d|ulbcn berfclben,
nur bcrcn ©onbcrgut ^aftct (ocrgl. nomentlid^ in 9lnfcl)ung bcr mciften bai}r.
Sfc^te ainibauer a. a. D. ©. 115; ferner trier. S. ?R. VI §§ 26, 27; mainj.
S. SR. IV § 1). Siocb anberen SRed^ten, j. 33. naä) bcm loürttcmb. S. 9i.
IV, 4 § 3 (Dcrgl. aud) mürttemb. ©ntn). §§ 31 ff.; i)e% ©ntro.afrt. 467, 510)
fonnen bagcgcn bie (Stäubiger eines ©Regatten megen ©onbcrfc^utbcn bed
leiteten fid) oud^ an bcn il;rem ©d)ulbncr suftctienben ibeeUen 3lntl)eil an bcm
®e|Qmmtgutc galten, ferner ^aftet nad) franj. ditä)k für ©onberfc^ulben
beö 6()emanned bcn ©laubigem gegenüber aud^ baö ©efammtgut. 9Iud^ bie
'ßraris mand)cr bcutfc^en ^artif ularreditc, j. 33. bie l^cfj. barmft. ^^Jrajiö (oergl.
ceuffert vn, 329, XVI, 55, XXXIX, 219), neigt fid^ bQt)in, baö ©efammt:^
gut roä^rcnb bcfteljcnbcr @^e alö im ©igent^ume beö ©ticmanncö bcftebenb ju
be^nbcln, rocnigftenö fomcit cd fic^ nid^t um Smmobilicn bti^^i^^It, meldte im
©runbbud^c auf bcn Flamen beiber ©f)egatten eingetragen finb.
2)er ©ntrourf tiat fic^, fooicl bie 9icd)töfteUung bcr ©laubiger beö einen etanbpunft
ober anbcrcu ©^egotten gegenüber bem ©efammtgute unb gegenüber bcmicnigen ,j„twurfe«.
e^gattcn, roclc^cr nac^ allgemeinen ©runbfä^cn itjncn nid|t perfönUd) fjaftet,
betrifft, namcntUd^ aud) in 9lnfcl)ung ber pcrfönlic^en Haftung bcö ©Ijcmanncä
für bie SScrbinblidöfcitcn bcr ©befrau, bcn in bicfcr Scjicljung für bie all^^
flemcmc ©ütcrgemeinfcöaft getroffenen 33cftimmungcn (§§ 1859, 1362) im
^rin^ipc angefc^oßen, jebodb ntit bcr SWobififation, bafe nur geioiffc Äatcgoricen
oon SSerKnbfidifeitcn bcr ©l)cfrau als ©efammtgutöocrbinblid)feitcn aiierfannt
werben. 3ndbefonbcrc finb — abrocidjcnb oon bcr allgemeinen' ©ütergcmein*
fc5af! — bie oorSintritt bcr ©rrungeufd^aftögcmcinfcbaft bereits entftanbenen
3krbinbli4)feitcn bcr ©bcfrau unb bie nad) ©intritt ber ©rrungcnfdöaftö*
floncinfd^aft cntftonbcncn SScrbinblidifeiten ber ©l)cfrau auö einer t)on ber*
felbfu begangenen unerlaubten §anblung nid)t 0cfammtgutsi)crbinblid)teiten,
loäbrcnb in Stnfel^ung bcr gleichen SBerbinblid^tciten bcö ©l)cmanncö bei bcr
Crrungcnfd|aftögcmeinfd)aft, wie bei ber allgemeinen ©ütcrgemcinfd^aft, bie?
felbcn ©runbfo^c mafegebenb fein follcn.
2)ic 93eftimmung bcö § 1423 9lbf. 1, ba6 alle ©laubiger bcö ©liemanneö «ersinbi^.
o^nc Untcrfd^icb bie a3efriebigtmg aus bem ©efammtgute oerlangcn lönmn/^^^^^^^
recbtffrtigt fid^, mic bei bcr allgemeinen ©ütcrgcmcinfc^aft, fo aud) l)ier
einerfeitd bur^ bie 2luffajfung beö ©efammtguteö alö eiucö im bcutfd)red^t*
lii^en ÜÄiteigent^ume beiber ©Regatten fte^enbcn 3Sermögenö, welches bie
Jyunftion bcö 93erm5gcnß bcö einen nnb beö anberen ©l)cgattcn f)ai, anbercr:^
fritö burc^ baö bem 6l)emanne in 3tnfe^ung bcö ©cfammtgutcö 5uftel)cnbe auö=
gcDcftiUe 33erfügungörec^t (§ 1417 ocrb. mit §§ 1352, 1353), unb ift im
524 (Sirunöcnfd&aft0(jcmcinf(iaft. ©(^ulbcn^aftunö. § U-23.
^inbUtfc barauf^ bog baö Sonbcrgiit bcd @^cmaniicö uub ba& @cfammtgut in
bcr ^anb bcs (S^cmonucö ungetrennt ocrcinigt finb, foroic im ^inWicfc auf bic
im § 1421 9tbf. 1 aufgeftclltc SBcrmut^ung, bafe alle« SSermogen ©cfammtgut
ift/ im Sntcrcffc bor ©laubiger bes (Seemannes bringcnb geboten. S)amit
ftimmen aucb boö prcufe. 51. S. SR., bad franj. 9lcd&t unb oDc biejcnigen
9lcd)te übercin, xotld)t bad ©cfammtgut ald im Sigent^umc bed (S^emanneö
ftel)eub bc^anbeln ober bem (enteren roenigftenö ein unbcfd^ronftc« aSerfügungß«
rcd^t über baö ©efammtgut einräumen. 3^ bemfelben praftifc^eu SRefultatc
fül)rcn regelmäßig, menigftend annä^ernb, biejenigen 9lc(^tc, meldte, roic baö
roiirttcmb. Sie^t, bcn ©laubigem eines ©Regatten geftattcn, ftc^ au^ wegen
Sonbcrfd)ulbcn beö lejteren on beffen Slnt^eil an bem Oefammtgutc ju
galten,
»erbinb. gcgt mau ben Oläubigern beö 6l)emanned ha^ dici)t bei, bie SBefriebigung
"^sbirrou*."^ ciuö bem Oefammtgute ju oerlaugen, fo fd)cint allerbingö bie Äonfequenj ber
9luffaf)ung bed ©efammtguted ald eined im beutfc^rec^tUd^en SRiteigent^umc
beiber ©Regatten ftet)enben Vermögens ba^in führen ju muffen, na^ bem
93orbilbe beö preu|. 2C. S. SR., beö jütifcften Soio uub beö el^renbreitft. 6ntio.
unb im 2(nfc^tujfe an bicienigen SRed^te, welche, mie ba^ roürttemb, Siedet, aud^
ben ©laubigem ber S^efrau geftatten, fic^ wegen ber Sonberfc^ulben berfelbeu
an beren SIntljeil am ©efammtgute ju galten, baö ditä^t, bie S3efriebigung
auö bem ©efammtgute ju oerlangen, aucb ben ©laubigem ber ß^cfrau, foweit
biefelben nad) ben SSeftimmungen beö gefeftlid^en e^elid&en ©üterrec^tcö (§§ 1311,
1312) ©begutögläubiger fmb, cinjuräumen. (gö mufe aud) jugegeben merbeu,
baf) bie ungleiche 93el)anblung ber ©laubiger beö ®(;emanneö unb bcr ©läu«
biger ber @^efrau bem erften älnfd^eine nac^ etmaö äluffaUenbeö ^at. Sei
unbefangener Prüfung ftnb inbeffen bie gegen eine gleid^e 93e^anb(ung ber
©laubiger beö 6l)cmanneö unb ber ©laubiger ber ©tjefrau in ber ^ier frag«
lid^cn ^infid)t fid^ erl^ebenben SBebenfen unb anbererfeitö bic mit bem Sijfteme
beö ©ntmurfeö oerbunbenen SSort^eilc atö überroiegenb ju erad^tcn. Gin
^auptbcbenfen gegen baö Spftem beö preuß. 31. S. it unb beö e^rcnbreitft.
^ntxü. befte^t barin, bafe mit bemfelben eine perfonlic^e |)aftung beö 6(|c*
manneö für bie ©efammtgutöoerbinblid^feiten ber (S^efrau, menigftcnö für bie
üor ©intritt ber Grrungenfd&aftögemeinfd)aft entftanbenen 93erbinbüd^fciten
berfelbeu, unuereinbar ift, bie 9lid^tanertennung ber perfönli^en Haftung beö
©bcmanneö für bie ©efammtgutöoerbinblic^feiten ber (Sbefrau aber gu einer
^Ibfouberung beö ©efammtguteö uon bem Sonbergute beö @^emanncö f((|on
roäbrenb befteljenber ©emeinfdjaft führen müfete. Sine fold^e Slbfonbcning
luürbc aber mit ben größten praftifc^en 6cbm\erigfeiten ücrbunbcn fein,
namentlicb bann, menn baö ©efammtgut gur ^efriebigung aller ©cfammtgutö«
glöubiger nid^t auöreid^t. @ie gefäl)rbet namentlich aud^ bie Sage beö (^
manneö megen feiner Srfajjanfprüd^e an baö ©efammtgute meldte na^ § 1428
oerb. mit § 1369 erft bei ber 2iuflöfung ber ©emeinfd^aft geltcnb gemad^t
roerben fönnen. 2)aö ©qftem beö preuß. 31. S. SR. unb beö e^rcnbreitft. @ntio.
fe^t femer ben (Seemann ber ©efal)r an^, mcgen aller 33erbinblid&teiten bcr
©^efrau, mel(^e nad) ben 33cftimmungen ber allgemeinen ©ütergemcinfdbaft
©efammtgutöüerbinblid^feiten finb, alfo inöbefonberc ani) rocgcn bcr oor
6rrunornfc&aft^rmetnf(J&aft. (Sc^ulbenl^aftung. § 1423. 52Ö
Gintritt bcr ©rrunßcnfc^Qftdgcmcinfd^Qft entftanbcncn SBcrbinblid^fcitcu bcr
ß^cfrau inib berj|entgcn 93crbinbUd)fetten bcr (enteren, loelc^e m6) icncm
3ettpunfte aud einer unerlaubten ^anblung berfelbcn entftanben ftnb^ inbireft
pcifSnlid^ haften }u muffen^ ba einei^tl^eild attc^ ben ©laubigem ber S^efrau
bic Sermut^ung bcd § 1421 2lb|. 1 ju ftatten fommt, anbererfeitö ber galt
rintretcn fonnte, bafe ba& von ben ®(äubigeru bcr ©(jefrau im SBegc bcr
3roangöooIIftrcc!ung in 2tnfprucft genommene Oefammtgut nad^ Scfriebigung
biefer ©laubiger jur Berichtigung ber im 93erf)ä[tniffc ber ©Regatten ju ein«
cnber bem ©efammtgute jur Saft foHcnben SBerbinblid^fciten beö ß^emanneö
nid^t oudrei^t. @d n)ürbe bied nom @tanbpunfte bed ©ntmurfcö aud^ metc^cr
ben &imam\ aDcin bic (Sinbufec tragen Wfet (§ 1429 3Ibf. 1 ücrb. mit § 1380),
eine unbillige ^örte gegen ben (g^emonn fein, Sluf bcr onberen ©cite tritt
bad ^rinjip bed ßntmurfcd ben ©laubigem ber (S^efrau nid^t }u nalic S)ie
Qeftt^r, ha% im Soufe ber 3^^* ^ä* ©onbergut bcr ©^cfrau fi^ in ©c^^
fammtgut oermanbclt unb baburd^ in äSerbinbung mit ber 93eftimmung, nad^
mlä^ »egcn SSerroenbungen oon ©onbergut in ©cfammtgut regetmäfeig erft bei
Äuflöfung bcr ©emeinfd^aft ©rfaft geforbert roerben tann (§ 1428), ben
©laubigem ber le|tcren boö Objeft ilircr Sefriebigung entjogen roerben fonnte,
ift im ^inblicfc auf baö im § 1414 anerfannte ©urrogationdprinjip nic^t l;od^
onjufc^lagcn. ^utKxn tann bic ß^efrau, menn ber ©bemann rec^töroibrig ©onbcr*
(|ut berfelbcn in ©cfammtgut ücrrocnbct, naä) % 1417 mxh. mit §§ 1292, 1004,
1324 fofort ©rfofe verlangen, unb pnb bic ©laubiger ber @I)cfrau in bcr Sage,
fw^ bicfc änfprüclie bcr Icfttcrcn im SBcgc bcr Sroangöoollftrccfung übermeifcn
iu laffcn. ©egcn bic ©efa^r bcr Umroanblung Don ©onbcrgut in ©cfammtgut
fonncn bic ©laubiger aud ber 3cit t)or Eintritt bcr Srmngcnfd^aftdgcmcinfd^aft
ii^ ferner babur^ f4ü|en, ha^ fic il^re 9lnfpräc||c aldbalb nad^ bcr @^e^
f^licgung gcltcnb mad^en. gorbcrungen aber, bcren ^älligfcit meit ^iuaud^
gef^oben ift, pflegen regelmäßig burd^ ?ßfanb gefid^crt ju fein. 3m SBcrglcid^c
jum gcfe|lid^cn e^elid^en ©fitcrrcd^te ift bic Sage ber ©l&ubiger ber @^efrau
nur info^m eine ungfinftigere, alÄ bcr ©rtrag ber 2lrbeit ber 6f)cfrau, foroeit
btrfclbe no^ bem gcfcftlid^cn c^elid^cn ©flterrcd&te SBorbe^allßgut bcr ©l^cfrau
roiri) (§ 1289), bem S^^Ö^iffc berienigen ©laubiger ber tefttcrcn entjogcn ift,
roel^ic nad^ § 1423 nid)t ©cfammtgutögläubigcr ftnb. Sluf biefen ©rtrag
^üben ober bic ©laubiger bcr ©^cfrau leinen rcd^tlidicn Slnfprudf). 3nö«
bcfonberc gilt bieß von ben erft mä^renb beftel^cnber ©cmcinfd^aft entftanbcncn
Serbinblid^Iciten ber ß^efrau aufi einer von bcrfelfcen erft nac^ ©intritt ber
(Smingenfdöoft begangenen unerlaubten ^anblung, ba bcreitö vor ©ntftcl^ung
ber Serbinblid^feit baö 9icd|t icß ©efammtgutcö auf ben fünftigen ©rmerb
ber 6^frau begrünbet ift. 5Cem Sntcreffe ber ©löubigcr ber ©l^cfrau mirb
in genügenber SBcife SRcd&nung getragen, mcnn bicjcnigcn SBcrbinblid^fcitcn
bcr 6^efrau ald ©cfammtgutdDcrbinblid^fcitcn anerfannt mcrben, meldte nad^
bem 3»c(Jc bcr ©rmngenfc^aftögcmcinf^aft im SBcrl^ältniffc ber ©licgattcn ju
cinanber bem ©efammigute jur Saft fallen. 3Benn auf Seiten bcd ©l^cmanncß
über bic 9lotur unb ben bcfd^ränftcn gmcc! bcr (Srmngenfd[)aftögemcinfd6aft
binaufi alle SScrbinblid&fcitcn bcöfelben, audd fomcit bicfclbcn im aScr^ältniifc
ber ©Regatten ju cinanber nid&t bem ©cfammtgutc jur Saft fallen (§ 1426),
L.
526 (Srrunoenfd&aft^ocnieinfc^aft. ©(^ulbenj&aftunfl. § 1423.
für ©cfammtgutäücrbinblic^fcitcii crflärt werben (§ 1423 9lbf. 1), )o beruht
bics auf bell oben ^eroorge^obenen befonberen, in ber 5ßerfon ber (g^efrau
nidit jutreffenbcn ©rünben, inöbcfonberc auf bem freien SSerfugungöre^te beö
ß^emanneö in 3lnfe^ung beö ©efammtguteö. SRit bem ©ijfteme beö 6nb
wurfed ftimmen in ber l^ier froglid^en ^infic^t bos franj. Siecht, foroic bic*
jenigen bcutfdien Slcd&tc überein, rocfd^c ba& ©efammtgut als im Gigcntljumc
beö ®^emanueä ftcl^enb bef)anbcln.
^erföniic^c 2)q^ ^je ß^efrau bcn ©Idubigern wegen ber (Sefammtgutöoerbinblidj'
ber öMwu. feiten beö ©fiemanneö nid^t perföntid^ Ijaftet, fann im ^inblicfc barauf, baß
biefe Ocfammtgutöoerbinbüd^feiten mit benjenigen, meiere im SSer^ältnijfe ber
©Regatten 5U einanber bem ©cfammtgute jur Saft fallen, bei ber ©rrungen-
fd^aftdgemcinfd^aft fid^ mä) weniger becfen, afe bei ber allgemeinen ©üter*
gcmeinfc^aft, bei ber erftcren nod^ weniger jwcifel^aft fein, wie bei ber Ie|teren,
9lber aud) in Slnfe^ung berjenigen ©efammtgutsoerbinbUd^feiten beö ®^c*
mannes, wel^c im 3Serl)ft[tniffe ber ©f)egatten ju einanber bem ©efammtgulc
jur üaft fallen, fpred^en in gleid^er SBcife, wie bei ber attgemeinen ©üter*
gemeinfd^aft, fo aud^ ^ier überwiegenbe Öriinbe gegen bic 3Inertennung einer
perfönlic^en »Haftung ber ®t)efrau (oergl. bie aJlotiüe ju § 1359 oben ©. 367),
jumaf nad) bem ©ntwurfe (§ 1429 3lbf. 1 t)erb. mit § 1380) aud^ bei ber
©rrungenfddaftögemetnfdöaft ber Seemann bic ©inbufee allein tragen foU.
öemein. gine Stuöual^mc üon bem Orunbfa^e, ba^ bie ß^efrau fraft ber
^"l^eflatigcne"' ©rrungeufc^aftögemeinfd^aft für bie @efammtgutöoerbinb(i(^feiten perfönlid^
«crWnbH($. nicftt ^aftet, f)at ber Entwurf audfi nid&t für ben gall gemaddt, wenn bie (S^cs
gatten gemeinfdöaftlid^ eine SSerbinblid^feit eingegangen finb. 3iadö allgemcineii
©runbfägen Ijaftet in einem fold^en gallc, fofern nid^t oon ben ©Regatten eine
Oefammtfdöulb beabfxdjtigt ift (§§ 321 ff.), ein iebcr berfelben bem ©laubiger
• jur ^älfte. S)urdö bie unter btn ©Regatten beftel^enbc ©rrungenfc^aftögemcin*
fdjaft wirb bieö infofern geönbert, alö vermöge ber in ber gcmeinfd^aftlid^cn
®ingel;ung ber Sßerbinbliddteit tiegenben Einwilligung beö ß^emonncö jur (Sin-
gc^ung ber aSerbinblid^teit Don ©eiten ber ©tiefrau bie perföntid^c Haftung
beö ©fiemanneö aud& für bie bic ©^efrau treffenbe ^ötftc ber SBerbinblic^fcit
begrünbet wirb (§ 1423 Slbf. 2 SRr. 1, Slbf. 4). ©in genügcnber ©runb, in
einem fold)en §allc anbererfeitö aud^ bie ©^efrau, troftbem biefelbc ftc^ mir
auf bic §älfte ^at ücrpflid^ten wollen, für bic ben ©gewann treffenbe Ser^
binblid^feit l^aften ju lajfen, liegt nid^t üor, jumal nur wenige Siebte eine
fold^c folibarifddc SBerpflid^tung ber ©^efrau aner!ennen.
»emerbe^ S'^^if^'^l^ftc^ bagcgcu ift bic ^rage, ob nicbt nac^ bem SSorgange einer
LtJmJnne? 9^ö6^^*^^ 3^^' ^^u SRcd^tcn (ocrgl. oben S. 522) eine perföntic^e Haftung ber
@f)efrau für bic ©ewerbefd^ulben beö ©^emanneö aud& bann ancrfannt werben
foU, wenn baö ©ewerbe jwar nid^t von ben beiben ©Regatten gemcinfd^aftüd^
auf beren Flamen, fonbern nur Don bem ©bemanne allein unb auf bejfen
?Jamen betrieben wirb, bie ©^efrau bemfelben aber babci in äufeerlic^ ertemi»
barer gßeifc plfc teiftet. ®afür Iftfet [xd) geltenb mad^en, bofe in göDeu
biefer 9lrt l^äufig nad^ äugen ^in nid)t erfennbar ift, ob bie ©^efrau bem &9^
manne nur in bem Don i^m betriebenen ©efc^äfte bel^ülflid^ ifl ober boöfelbe
alö ©efeUfc^after felbftänbig mit betreibt, unb bag eben wegen biefer 9W(^t«
(Srrunöenf^aft«0cmcinf4aft. ©dfeulbcnftaftung. § 1423. 527
erfcimbarfeit im 3ntcrcffc bcr ©id^cr^cit beö 9Scrfcl)rcö baö 3Scr^ältni6 fo
bfurt^cift werben müfete, roic tocnu ber jiilegt bejei(^netc gaU uorliege. ®iefc
©nöfigung tnüfete inbcRen ba^in führen, in gällen bicfcr 3lrt ol)ne alle SWürf^
\idfi auf bie älct bcd tf)tlx6)cn @üterftanbed eine perfonlid^e Haftung ber @^e^
frau für bie ©enMrrbcfdbulben beö 6^emonneS anjuericnnen. SDem SntcreRe
bcr ©laubiger fte^t aber f)xtx cbenfo, wie bei ber allgemeinen gragc, ob bei
bem gefcgüd^en e^elid^en ©ütcrredbte eine Haftung ber @^efrau für bie Sd^ulben
bcs g^emanneö anerfannt werben foU (ucrgl. bie SKotiüe ju §§ 1298, 1299 oben
£. 207 ff,)/ baö 3ntereRe bcr ß^efran gegenüber. 3luf bicfcö festere ift um
io tne^r baö entfd^eibenbc @mx6)i 5U legen, alö bie ©laubiger im Staube
jinb, ^4l burdb @rfunbigung )u uergen)if(em, ob bie (S^efrau i^nen mit^aftet,
iDd^renb biefe uollig auger Staube fein würbe, ftd^ gegen bie Haftung ju
fc^ütfen, ba [xc mi) SKafegabe beö § 1275 9lbf. 2 ucrpftid^tct ift, bem ©^e^
manne in beffen (Sefdbäfte §ülfe ju leiften.
3m ©injelnen ift ju ben Seftimmungen beö § U23 9lbf. 2, 3 nod& «cfammt*
Jolgenbeö ju bemerfen: S^SS^
1. Sie SSeftimmung beö § 1423 9lbf. 2 3lx. 1 entfprid&t bem § 1418 «^ffr«»-
in SSerbinbung mit bem ^jSrinjipe beö § 1423 Slbf. 2, bafe biejcuigen aSer*
btnblici^feiten ber @f^efrau, meiere im SSerb&Uniffe ber S^egatten ju eiuanber
bem ©efammtgute jur Saft fallen (§ 1426), aud& naä) aufeen l;in ©cfammt^
gutöocrbinblid^feilen fein foBen. Um fo unbebenflid^er ift cö, ben Olöubigern
bcr ß^efrau baö JRed^t bcijulegen, roegcn ber l)ier in SRebc fte^enben SSer^
binblid^feiten ben Seemann unmittelbar in älnfprudd ju nehmen, a(ö bie
©laubiger fid^ bie ^ier fragli($en älnfprüd^e ber S^efrau gegenüber bem @l)e^
wanne (§§ 1418, 1297 Slbf. 1) im SBege ber 3tt>öngöoollftrcdung Überreifen
lofjen tonnen, ^nö) nadb ^^nt geltenben dii6)tt \)abzn bie fraglid^en 93er-
binbli<!^{eiten ben jlarafter uon @^efd^ulben, für melcbe ben ©laubigem bie
Srrungenfd^aft haftet.
2. Slud^ bie an ben § 1362 SRr. 1 fid& anlef^nenben SBeftimmungen beö
§ 1423 arbf. 2 5Rr. 2, 3 fte^en ebenfallö mit bem geltenben SRed^te im Cinf lange,
inöbefonbere aud^ infofern, alö, wenn ber @t)emann feine ©inmilligung ober
©cne^migung ert^eilt ^at, eö gegenüber ben ©laubigem nidbt weiter barauf
anfommt, ob bie ^ier fraglid^en SBerbinblic^feiten für ©emeinfd^aftöjwedte ein*
gegangen ftnb ober nid^t. äBegen ber ^rage, ob ber @l^emann in ben ^öQen
ber 3lr. 2, 3 berechtigt ift, burd^ einen SSorbe^alt bei ©rt^eilung feiner ®in*
»Uligung ober ©ene^migung feine perfönlid^e Haftung (§ 1423 3lbf. 4) auö^
iuf^liegen, wirb auf bie Sßotioe }u § 1362 oben @. 374 ff. ^ejug genommen.
3m § 1362 3it. 1 r^nb neben bem § 1358 no(^ bie §§ 1355—1357 aUegirt.
JHe aPfcgirung beö § 1357 fann für ben § 1423 3lbf. 2 SWr. 1 inbeffen nid&t
in grage fommen, weil ber § 1357 auf bie (Srmngenfd^aftögemcinfc^aft über*
ifoupt nicjt übertragen ift (Dergl. § 1417 nebft äWotiüen oben ©. 512). ©a^
gegen finb bie §§ 1355, 1356 burd^ § 1417 auf bie ©rrnngeufd^aftögemeim
|(^ft jwat für entfpred^enb anwenbbar erflärt. allein ber § 1356 bebarf im
§ 1428 3ftf. 2 9flr. 2 wegen ber SBorfd^rift beö § 1423 Slbf. 2 SRr. 3 feiner
befonberen Serutfftd^iigung. älnlangenb aber ben § 1355, fo fommt berfelbc,
obgefe^ oon bem galle^ in weld^em ber @^efrau ein SSertragöantrag wegen
528 Srrungcnfd^aftöofwcinfd&aft. Swflttgfiuottftrccfunö. § 1424.
eines fold^cn ßriücrbcö geinad^t ift töcld^cr in bog Oefantmtflut fallen würbe,
für bie ©rrungenfdbaftögemcinfd&aft nid)t in Sctrod^t, ba boöienigc, load bie
©defrau burd) ©rbfolge ober aScrmädötniö erroirbt nad^ § 1412 ©onbcrgut
berfelben ift unb beß^alb and} bie mit einem folcfecn ©noerbc uerbunbencn
SSerbinbli^fetten n\ä)i ©efammtgutdDerbinblic^feiten fein tonnen.
8. S)ic 9lr. 4 befi § 1423 abf. 2 cntfprid^t ber Sd^Iufebeftimmung be«
§ 1362 3lx. 3 unb beruht auf ben gletd^en Srmägungen, mit biefe (ocrgl. bie
SKotioc ju § 1362 oben ©. 373 unb ju § 1312 ©. 253).
4. SBegen ber bem Sc^Iugfage bed § 1362 3lt. 1 ftd^ anfc^Iiegenben,
im SBefentlicben auä) mit bem geftenbcn Siedete (ocrgt. oben ©. 520) übet»
einftimmenben aSorfd^rift beö § 1423 Slbf. 3 wirb auf bie aWotioc 5U § 1362
oben ©. 373 unb ju § 1312 6. 252 ff. oerroiefen.
§ 1424.
S»anfl8. 1. 2)ie bem geltenben Siedete entfpret^enbe Seftimmung befi § 1424
»D0t»rc<6«tfl 5g|.^,|^t Q^^ benfelben (Srünben, mic bie SSeftimmung beö § 1360 Sbf. I (oetB'*
geflen
•efammt. ^jg gjiotioc JU § 1360 obeu ©. 369). ®ie fpeiiellen SSorfd^riften be« § 1360
^"* 3lbf. 2 !önnen im ^inblidfc barouf, bofe baö beim ©intritte ber ©rrungenft^aftfl*
gemeinfd^aft oorl^anbene SSermögen ber ©Regatten Sonbergut ift (§ 1411
9Ibf. 1, § 1412), bei ber errungenfd&aftögemeinfd^oft wegen SRangete ber
S3oraufife|ungen feine STnmenbung pnben.
Äonfur« 2. 5(nlangenb bie Seftimmung beö § 1424 äbf. 2, bofe im goUe be«
9^J[^ne4. Äonfurfcö über baö SBermögcn bcö ß^emanneö bie SSorfd^riften befi § 1361
älbf. 1 äinmenbung finben, fo ftellt biefelbe angeftd^tft ber 33eflimmung befi
§ 1429 aibf. 2, bafe mit ber JRet^töfraft beö SBefd&luffeö, burd^ mcld&en ber
^onfttrd über ha& 93ermSgen befi @^cmonned eröffnet wirb, bie Sfuflofung ber
©rrungenfd^aftößemeinfdjoft fraft befi ©efeßeö erfolgt, in SScrbinbung mit
§ 1429 9[bf. 1 unb § 1375 ftd^ al& eine pofttioe bor unb a(fi eine älbmeic^ung
oon ben §§ 14, 44 ber Äont. D., inbem m6) ben Unteren ber e^efrou in
S[nfe{)ung befi ©efammtguteö bad Sted^t auf 3[udeinanberfe|ung unb 9Ri*
fonberung jufte^en mürbe (üergl. entfd&. b. 9?. ®. in ßioilf. VIII, 26 IX, 19).
^uö) naö) ben auf bem 93oben ber partifulören ©ütergemeinfd^oft fte^nben
?ßartifu[arrec^ten, inöbefonbere nad^ bem roürttemb. SRec^te, bem naff. Siedete
(oergf. genner unb SWecfe, cit)ilred^tl. entfd^. I, 7, 88, 89, m, 1), bem
fur^eff. SWed^te, bem franj. SRed^tc (code civil Sttrt 1443) unb bem bab. Siedete
(§ 40 beö bab. Äugf. Oef. ju ben JReid^fiiuftiigefcfeen o. 3. 3ßäi^ 1879),
tritt im gallc ber ©röffnung befi Äonfurfeö über bafi SBrrmogcn befi 6^
mannefi, fei q& fraft beö ©efegeö, fei e& auf 93er(angen ber S^efrau, regelmfi§ig
eine ooUftönbige Siquibation hz^ ©efammtguteö, wie ber ©onbergilter ein;
bod^ föllt nad^ einet grogen 3<^^( ^on Steckten baö ganje ©efammtgut bonn
in bie ÄonfurömaRe, wenn bie ®^efrau oon bem il^r beigelegten Siedete (Se*
braud) ma4)t, ftd^ oon ber Haftung für bie @^efd^ulben, fomeit [it nid^t ben
©laubigem nad^ allgemeinen ©runbfäfeen perfönlidb l^aftet, burd^ SSetiid^t otif
il)rcn 2Int(;ei( an ber ©rrungenfd^aft ju befreien, ©n fold^efi Sle^t ber Sie»
frau ift namentlidö anerfannt oom mürttemb., anfibad(|. unb frantf. Sterte, oon
i
(grritnGenfd&aftööewieinfcSaft Äonfurö. § 1424. 529
bcm tricr. S. SR., bcm pfälj. S. SR., bcn coburg. Statuten, foroic bcm fronj.
unb bob. SRcd&tc (code civil Slrt. 1453, 1492 ff.).
Ucbcnoicgcnbc ©rünbc fpred^cn bafür, roic bei bcr allgctneincn Oiitcr^ ^*"^"* ^"^^
gcmeinfc^aft, fo aud& bei ber ©rrungenfd&Qftögemeinfddaft ber e^efrau in ain^ *** ^mT"^ '
fe^ung bed (Sefammtguted boö SRed^t auf ^uSeinanbetfegung unb älbfonberung
na^ äRaggabe ber §§ 14, 44 ber Jlonf. O. gänglic^ ju Derfagen unb ba^
©efammtgut ate J^^eil bcr ßonlurömaffe ju bclianbeln. 2)icfe 9lrt ber SRcgetung
ifi bei ber Srrungenfc^aftdgemeinfd^aft fogar nod^ in f)ö^erem 9)lage a(d bei
bcr allgemeinen Oütergemeinfd^aft burd^ bie SRfldEfid^t auf baß 3»itereRe ber
©laubiger geboten, weil bicienigen Ocfammtgutöoerbinblidifeitcn, raeld^e im
Ser^Itniffe ber ©Regatten ju cinanber nic^t bem ©efammtgute, fonbcrn bcm
ermanne jur 2aft fallen (§ 1426 SHbf. 2) unb bcrcn SBefricbigung auö bcm
©efammtgute bei ber äludeinanberfegung megcn bed (enteren nad^ § 1429
Sbi 1 in aScrbinbung mit ben §§ 1376, 1377 9lbf. 1 auf aSerlangcn ber
G^frau auögefd^loffen ift (ocrgt. bie 2)lotiüc ju § 1377 oben ©. 412), bei
ber 6rrungenf(^aftögemeinfd&aft nod) weit jal)lreid)cr finb, alö bei bcr all^
semeinen ©utergemeinfdiaft. ^ad SRc(^t ber @^efrau auf ^tiSetnanbcrfegung
unb 3lbfonberung tonnte mitt)in bal^in füfiren, bafe bie G^cfrau in ni^t
feltenen §oHen einen 2^^cil ber il|r äuftc^enbcn |)ä(fte bcö ®cfammtgutcö
erbalten würbe, wä^renb bie bejeid^ncten ©efammtgutöglöubiger bcd @^cmanncd
ttid^t §ur Sefriebigung gelangten, ©in fold^cö 3lcfultat ift aber mit bcr
Jenbenj ber neueren ®efe|gebung, inöbefonbcrc aud^ ber Äonf. D., bie (Sf)c^
frau Dor ben ©laubigem beß C^emanncö nid^t ju beoorjugen, nid()t ücreinbar.
5ür bie Siegelung bcö ßntrourfcö !ommt ferner in Sctrad^t, bafe bei ber
&rrungenfd^aftßgemeinfd^aft ber bem ©cfammtgute jufallenbc (Srrocrb in ber
Segel wn bem G^emannc l|crrüt)rt, namcntlid^ in bcn häufigen fällen, in
»el^ ber le|tcre ein ßnoerbögefd^äft betreibt, unb bafe fein ©onbergut in
Solge feiner SSerroaltung unb 3;f)ätigfcit uicl häufiger unb umfaf^cnbcr in
@efammtgut i^ermanbelt loirb, alö bicö mit bcm (Sonbcrgutc bcr ($t)efrau bcr
gaU ift. üRit bem SRed^te auf Stuöeinanbcrfefeung unb 9lbfonberung in 9lm
fe^ung beö (Sefammtguteö mürbe mit{)in bcr S^cfrau in jal^lrcidEicn gölten
jum 92ad^t^eile ber ©laubiger bcö &l)emanncö ein bicfen üorgcl^enbcö dicdjt
auf einen änt^eil an bcm uon bcm ©bemanne tierrül^renbcn SBcrmögcn
gegeben. Merbingö mufe bei bcr SRcgclung bcö Giitrourfcö bie ®^cfrau
bulben, bafe aud^ bie Dor ©intritt bcr Grrungcnfd^aftögcmcinfdöaft cntftanbcncn
Serbinblid^feiten beö G^emanncö, obroot)l bicfelbcn im SBcrl|ältniJ|c bcr Gf)c^
gatlcn }u cinanber regelmäßig bcm ©fjcmanne jur Saft fallen (§ 1426 3lbf. 2
Sr. 2), auö bcm ©efammtgute bcfricbigt merbcn; inbeffen ift baö ©Icid^c
nac^ § 1423 «bf. 1 oerb. mit § 1424 3Ibf. 1 unb § 1360 3lbf. 1 aud^ außer*
batb bcö Äonfurfeö ber ^all, mcnn jene ©laubiger im 3Begc ber 3^cingö:!
PoDftrectung bie Sefriebigung auö bcm ©efammtgute fud^cn.
35a nad^ § 1429 9lbf. 2 mit bcr 3le(^tßfraft beö S3efd;luf[cö, burc^ C\*'r"ut
loelc^n ber Äonturö über baö SBcrmögcn eröffnet mirb, bie 6rrungcnfd}aftö* bw^'c^^Träu.
gemeinfc^aft fraft beö ©cfefteö aufgcloft mirb, fo ocrftcl^t eö fic^ uon fclbft,
bo§ mit jenem 3^itpuJitte für bie G^cfrau bcr 9lnfprud) auf §craußgabc if)rcß
conbcrgutcö nad& SWaßgabe ber Scftimmungcn bcr Äonf. D. über bie Sluö^
SXsttM I. bfirgcrf. &efe«bu4 IV. 34
530 errunöcnfd&aft2flcmeinf(6aft Unterl&altö^jfK^t. § 1425.
fonbcrung bcgrünbet ift. 3n golgc bcr Säuflbfung ber ©cmeinfd^aft werben
aber a\i6) btejenigen ©rfa^anfprüd^e ber @^efrau^ toeld^e i^r nad^ Sßaggobe
beö § 1417 üerb. mit ben §§ 1294, 1295, foroie beö § 1420 gegenüber beut
©efammtgute bei Sfuflöfung ber ©emeinfd^aft juftel^en, fällig, unb fann fte
biefe äfnfprüd^c foroie fonftige il^r gegen boö Oefammtgut bejro. ben (Seemann
juftcf)enbe ©rfaßanfprüc^e ate Äonfuröglöubigerin gcitenb mad^en. änbercr-
feite ift aud^ bie e^efrau jur ©rfüllung ber i^r auf ®runb be« § 1420 bei
3lufföfung ber Oemcinfcboft obliegenben ©rfofeoerbinblid^feiten Derpflid&tct.
S)iefe QUO anberen 33eftimmungen [x6) ergebenben Äonfequenjen brauchen
inbeffen im ®efe|e n\6)t befonberd audgefprod^en )u merben.
Äonfuraber 3. S)ie Weitere Seftimmung beö § 1424 Slbf. 2, bafe im gaDc be«
®^*^""- Äon!urfeö über baö Vermögen ber (g^efrau bic SBorfc^rift bed § 1361 Sbf. 2
entfpred^enbe Slnmenbung pnbet, beruht auf ben gleid^en Orünben, wie bic
lefetgcbad^te 95orfd^rift. ©ö wirb in biefer Sejiel^ung auf bie aRotioe ju § 1361
oben ©. 373 33ejug genommen.
§ 1425.
unter^üits» SOBä^reub bcr Unterhalt ber gemeinfd^aftlid^en Slbtommlinge üon ben
ber Ättcn Mtc^enben JRed^ten allgemein als ein 2:i^eil beö e^eüd^en Slufroanbeö unb
gegenüber ben ^Q^cr olö ciuc Ocmcinfc^aftölaft bcl|anbelt mirb, roeid^en bie beftel^enbcn Siedete in
en. ^^ g3e^anblung ber gefefefid^en Unter^altöpflid^t ber ©Regatten gegenüber ein-
feitigen äSermanbten ber Ie|teren von einanber ab, inbem fie biefe Unter^oltöpflic^t
tfieilö alö eine ©onberfd&ulb beö bctreffenben ©Regatten (Dcrgt. Sleubauer, 3wf.
©. 116 9lnm. 9), t^eilö atö eine ®emeinf(^aftölaft auffafjcn (üergL code dvü
airt. 1409 3lt. 5 unb boju bie 2ßotiDe ju § 1363 oben ©. 376; ferner roürttemb.
®ntm. §§ 103 ff.). 2)ie ®rünbe, meldte bei ber allgemeinen ®ütergemeinfdbaft in
ber ^ier fraglid^en Seiiel^ung ju ben SBorfc^riften beö § 1363 geführt ^ben,
treffen aud^ bei ber ©rrungenfd^aftögemeinfd^aft }u. @ö mirb in biefer SSesiei^ung
auf bic aKotiüc ju § 1363 oben ©. 376 ff. Sejug genommen. SSBie bcr § 1454
3lbf. 2 crgicbt, finben bie SBorf^riftcn ber §§ 1425, 1363 auä) auf ben im § 1454
^bf. 1 anerlannten Untcrl^altöanfprud^ beö gef(^iebenen ©Regatten gegen ben
allein für ben fd^ulbigcn ^^eil erhärten anberen ©Regatten entfprec^cnbe Km
menbung.
§ 1426.
©emeinfwt* 2)ie Scftimmungcu beö § 1426 berufen materiell auf bem ®ebantcii,
©Ifammt^ ^^6 bicjcnigcn ®efammtgutöi)erbinbli^feiten im SSer^ättniffe ber ©Regatten ju
guttoerbinb* cinaubcr bcm ®efammtgute jur Saft fallen, meiere entmeber non einem bcr
«ritT" ®^^9^**^ inncrlialb ber ®ren5cn feincö SBerroaltungöred^teö für bie beftim-
mungömäfeigcn B^ede ber @rrungenfd^aftögcmeinfd&aft, alfo namentlid^ jum
3mcdEc bcr Seftrcitung beö c^etidden Slufmanbeö (§ 1419), bcr im § 1418 bc-
icid^netcn Sluögaben, fomic berienigen äluögabcn, meldte jur Sr^altung, Scp
maltung unb ^ermc^rung beö ®efammtguteö bienen, eingegangen finb, ober
roeld^c fraft beö ©efefeeö bctn ®efommtgutc jur Saft füllen, 3m ^^nnjipc
errun0cnf(i6aft&flcmcinfc&aft. ©cmcinf^aftlid&feit b. SScrbinbl. §1426. 531
ftimmcn bomit, loic fid^ auö bcr in bcn 5Kotit)cn ju § 1423 oben ©. 519 ff.
mitget^eiücn Uebcrfid^t crgicbt, auä) bie bcftcl^enbcn 3tt6)tt übcrcin. 3m
©injefncn fommcn bicfclbcn allcrbiugö auf ©ninb jenes ^rinjipeö jum ^l^eil jii
onbercn SRefultotcn. @d ^ongt bieö nomentUt^ bomit jufammen, bafe ftc
in fonftigm grunblegenben S^agen, inöbefonberc fouiel bic ©renjen bcö
bem gemannt juftel^enben SSenDoItungdred^ted unb bie red^tlid^e 93erQntn)ort'
lui^Icit bcfi @^emanncö bei Sluöübung fcineö SSermoItungörcd^tcö nnb bei bcr
SJefrimmung beö e^etid^en Slufroonbeö betrifft, uon bcm ©ntmnrfc abroeid^en
(oergl. bic fc^r inö ®injelne ge^enben SSorfd^riften bcö mürttcmb. ©ntro.
§§ 31—114). Auf Orunb bcö bcjcid^nctcn ^rinjipeö in SBerbinbung mit bcn
@runbffi^cn bcö @ntn)urfeö über boö SJcrmaltungörcd^t bcö @^cmanneö unb
bie red^tlid^c 9lid^tDcrQntn)ort(id^feit bcdfc(ben für bie ^iuöübung jcncö Sfcd^tcö
gegenüber bcr @^cfrau (§ 1417 T)erb. mit §§ 1352, 1353, 1364) finb üom
Stanbpunftc bcö ©ntrourfcß auö aUc t)on bcm 6l;cmannc roäl^rcnb bcö Se^^
ftc^nö ber (Scmcinfd^aft eingegangenen SSerbinblid&feiten, fomeit bicfclbcn über«
^oupt roirffam fmb (oergt. §§ 1417, 1353), ou^ im SScrJ^ältniÖc bcr (g^e*
gotlcn )u cinanbcr ©efammtgutöocrbinblid^fcitcn, cö fei bcnn, bog fic nad^
SRafegabc bcö § 1426 3lbf. 2 SRr. 1 auf baö SSorbc^attö^ ober ©onbcrgut bcö
C^anncö ficl^ bejic^en. ferner fallen int 35er^ältnif[c bcr 6ljicgatten ju
cinanbcr bcm ©cfammtgute jur Saft bic SBcrbinblid^feitcn ber 6l;cfrau an^
Äc^tögcfc^ftcn, meldte bie lefttcre mä^rcnb bcfte^cnbcr ©cmcinfd^aft mit ©in-
nrilligung ober ©enc^migung bcö (S^cmanncö gcfd^loffcn I|at ober mtlä)t an&
einem mit SinmiOigung beö (S^emanncö von ber @^cfrau fclbftänbig bc^
tricbcnen ©rmcrbögcfd^äftc ^crrül^rcn, fofem jene 35erbinbtid)fciten ber ©ficfrau
nic^t unter bic im § 1426 3lbf. 2 3lx, 1 bezeichnete 9luönal|me fallen, foroic
bie im § 1423 3lbf. 3 gebadeten SBcrbinblic^fciten bcr ß^efrau aM SRcd^tö-
gefc^äftcn, meldte bic lc|tcrc o^ne @inmilligung ober ©cnclimigung bcö (S^c^
raanncö vorgenommen ^at, foroeit baö Oefammtgut baburd^ bcrcid&crt ift. S)en
Serbinblid&fcitcn bcö ©^cmanneß imb bcr S^efrau auö SRcc^tögefd^öftcn ftetjcn
inner^Ib ber gebadeten ©rensen bic Scrbinblid^feitcn gleid^, meldte auö Sfed^tö^
jlrritigfcitcn entftanben finb. SBcitcr gcliörcn ju bcn Ocfammtgutöoerbinblidi'
feiten, bie im SBcrliSltniRc ber ©liegattcn ju cinanbcr bcm Ocfammtgutc
jur Saft fallen, bie SSerbinbli^fcitcn, meldte ju bcn nadd bcn SBorfd^riften bcö
§ 1418 oon bcm ©cfammtgute ju tragenbcn Saften cineö ©onbcrgutcö geboren
ober in golgc cineö SRcd^tcö ober bcö SBcfißcö einer ©ad^e entftanben finb,
welche gu bcm Ocfammtgutc ober ju einem ©rmcrbögcfd^äftc geboren, boö
oon einem ber ©Regatten mit feinem ©onbcrgutc für 9icd^nung bcö ©cfammt-
gutcö betrieben wirb, fomic bic nadf) SRafegabc bcr §§ 1425, 1363, 1454 9lbf. 2
bcm ß^emonnc oblicgenbc gcfcglic^e Unter^altöpflid^t gegenüber bcn eigenen
Serroanbten, bcn SBcrroanbten bcr ß^cfrau unb einem gcfd^icbcncn früficren (5^e=
gölten beö e^emonncö ober bcr ®^cfrau, foroeit ni^t bicfc Untcrl^oltöpflic^t
in gotge bcö 8cfi|cö oon aSorbc^altö* ober ©onbcrgut bcgrünbct ober ocr^
grblert ift (Dcrgl. in biefcr ^^infid^t bic 3Rotioc ju § 1316 oben ©. 263 unb
yd § 1367 oben ©. 286). änftott bic Ocfammtgutöoerbinblid^fcitcn, mctdöc
im 33er^fi(tni{fe ber ß^egatten ju cinanbcr bcm Ocfammtgutc jur Soft fallen,
im @efe|e einjcln oufiujäl^lcn, l^ot übrigens bcr ©ntmurf bcn tl)atfäd^ti4icn
34^
532 Srrun0enf4aftiPOctncin|(]&aft. 3luöftattunö. § 1427.
$8erl^Qltniffcn cntfpredöenb unb int 3Inf(^lufjc an § 1367 3tbf. 1 bcn SDBcg cim
gcfdölagen, qIö SRcgcI ben ®a^ l)injufteDcn , bofe bic ©cfammtgutöocrbinbUc^*
feiten auä) im 35crf|ältniffc bcr ©Regatten ju cinanbcr bem ©cfammtgutc jur
Saft fallen, banebcn aber bie 3(iiöna^men von biefer Siegel fpcjiell ju be-
ftimmcn. ®ö beruht biefc 9lrt ber Siegelung auf öJ^nlid^cn ©rmägungen, loic
bicjenigen, roeld^e bcn ©nliüurf Dcraiitafet ^aben, bei ber Seftimmung bcd S3c*
griff e§ ber ©rrungenfd&aft von ber Siegel außjugcl^en, bofe bad 35crm5gen,
roeldieö ber (Seemann, unb baö SBcnnögen, roeldicö bie ß^efrau roä^rcnb
bcö Sefte^enß ber ©rrungenfd&aftögemeinfd^aft erwirbt, ©cfammtgut wirb,
unb bancben bie 35ermutl|ung anjucrfennen, bafe baö Dor^anbenc 33cr«
mögen ©cfammtgut ift (üergl. § 1411 äbf. 1, §1421 aibf. 1; SWotiDe ju
§ 1411 oben ©.494 ff.). 3lnlangenb bie cinjetuen im § 1426 3[bf. 2 bc*
Ausnahmen, ftimmteu Sluönabmeu t)on ber SRegel beö § 1426 9lbf. 1, fo entfpred&cn bie
5lr. 1, 3—5 ben Sßrn. 1—4 beö § 1367 9lbf. 2. aSegen ber 33egrünbung
ber[elben im ©injelnen mirb auf bie SWotioe }u § 1367 oben ©. 385 ff. Sejug
genommen. S)ie im § 1426 3Ibf. 2 unter 9lr. 2 beftimmte weitere STuö*
na^me bcrul^t auf bem befd^ränften 3"^^*^ ber ®rrungenfd^aftägemeinfdbaft.
2)ie 33efd)ränfung ber 9Jr. 2, 3 auf bic aSerbinblid&feitcn beö ß^emanncö ^at
barin il^ren ©runb, bafe bie gleid^en aSerbinblid^teitcn ber (S^efrau bei ber Sr^
rungeufdjaftögemeinfd&aft — abmeid^enb üon bcr allgemeinen Outcrgemeinf^aft
(§ 1362) — nad^ § 1423 9lbf. 2 überljaupt ®efammtgutöoerbinblid)feitcn nid^t
fmb. 3» 2lnfcl)ung ber folgen, xotliyt ficb barauö ergeben, bafe eine (Sefammt-
gutöDerbinblid)Eeit im SBer^ältniffe ber ©Regatten ju einanber bem Ocfammt?
gute }ur Saft fällt ober nid^t, mirb auf bie aSotioe ju § 1367 oben ©. 384 ff.
Dcrmiefen.
§ 1427.
ausfiottuna 2Bie bei ber allgemeinen (Sütergemeinfd^aft (§ 1368), bc^aubclt bcr
bcn e^cmann. ®"^'^"^'f ^"^ ^^^ ^^^ ©rrungeufcbaftsgemcinft^aft bie 3«fi<i^ning ober ®c*
Währung einer bcn SBer^ältniffen beö ©efammtgutcö entfpred^enben ^[uöftattung
nac^ SKaggabe beö § 1500, ot)ne jmifd^cn gemeinfd^aftlid^en unb einfeitigen
Äinbern 5U unterfcbeiben, alö eine ©efammtgutölaft. Sic ©rünbe für bicfe
2lrt bcr Sc^anblung finb biefelbcn, raelcbc bei ber allgemeinen ©ütergemeim
fd^aft JU bcr SSorfd^rift beö § 1368 geführt l^abcn. 33ci ber ©rrungenfdböftö*
gemeinfd}aft liegt bie ©ad^e allcrbingö infofern anberö, alö bei berfclbcn boö
Ocfammtgut regelmäßig nur auö ben laufenben ©innal^men gebilbct wirb,
2lusftattungcu aber nid^t auö bcn laufenben ©inna^men, fonbern auö bem
©tamme beö S5erm5genö gegeben ju merben pflegen. 3nbeffen fann auf bicfcn
Untcrfd^icb auö ben in ben aWotiocn ju § 1417 oben ©. 507 l^ierüorgc^obcncn
®efid)töpunften in 9tnfel)ung bcr ätuöftattungen ebcnfomenig burd^fd^lagenbeö
©eroic^t gelegt merben, wie in 9lufel^ung fold^er auö bem ©cfammtgutc gcs
n)äl)rter ©d)cnfungen, roc[d)c burd^ eine fittlicbe ober auf bcn Slnftanb 5u
ncljmcnbe Slüdffidjt gered^tfertigt merben. 3[ud& von bcn auf bem Soben ber
partifutären ©ütcrgemcinfd^aft ftcl^enben Siedeten mirb bie ©emä^rung einer
Sluöftattung an gemciufdjafKidjc Slinbcr vkl^a^ alö ©cmeinfd^aftölaft bejubelt.
Srrunocnf^afiööcmeinfd&aft. ©eoenfeitioc Slnfprücje. § 1428. 533
n\ä)i bogegcn bic ®exüSf)X\ir\Q einer Sluöftathmg an einfeitige Äinber (ücrgl.
inöbef. nmrttcmb. S. dt. IV, 13 § 1 ; code civil 9lrt. 1438, 1439 ; roürttcmb. Qnixo,
§§ 99—102, 47, 103 ff.; l[|eR. entro. Slrt. 512, 448, 449). 2Me (Srünbe,
Qiid roetd^en ber (Sntrourf eine fotd^e Untcrfd^eibung l^ier wie bei bcr allgemeinen
©ütergemcinfd^aft afö angemcffen nid^t crad^tet fiat, finb in hcn aKotiüen ju
§ 1365 S. 383 bargcicgt.
§ 1428.
SSBegcn bcr Segrünbung beß § 1428 wirb auf bie SRotiDe ju § 1369 3eit
oben ©. 390 93cjug genommen, roo in bcr l^icr fraglicf)cn Sejic^ung aud) 'matjuna '
bie Siedete bcr partifulären ©ütergcmcinfd^aft bereits 33erttc!fidötigung ge- ^Jf„?//a^^^^
funbcn ^aben.
§§ 1429, 1430.
1. 9HIc befte^cnben Siedete ftimmen barin überein, bag bie (Snimgen^ «ufiafuna«*
fd^aftegemcinfd^aft burd& ben koh eincö bcr ©l^egattcn unb burJ; Sd^cibung ®''""*'*'
bcr e^c aufgcloft wirb. 3iaä) ben meiftcn Siedeten mit (grrungcnfd^afts^ ®'"'"^''
gcnicinfd^Qft fann ferner bic äluflofung bcr ©cmcinfdjaft burd^ 6(;coertrag
wreinbart werben. 9lad^ bem prcu^. 21. 2. 91. ift icbod^ bie t)crtvagsn)eife
Inf^cbung bcr auf ?Proi)injiaIgefeften ober Statuten fid) grimbcnbcn ©rrocrbö^
gcmcinft^aft — im Ocgenfage ju ber auf SScrtrag berul^cnbcn — - regelmäßig
auögcfd^IoRcn (preufe. 31. S. 91. II, 1 §§ 413, 419), unb baö franj. 9ied^t
(Code civil 3trt. 1395) ücrbictct nad^ ©ingel^ung ber 6l^c übcrl^aupt bic
Scnbcrung cineö oorlder gefc^Ioffenen S^eoertragcö (ocrgl. bcö 9Jä^eren bic
ORotioe JU § 1333 oben ©. 305 ff.).
Stif einfcitigen Sfntrag cineö ©l^cgattcn finbet mä^rcnb bcr 6^c eine
Sfufßfung ber ®rrungenfd^aftsgemcinfd()aft regelmäßig nidjt ftatt ; bod^ gcftattcn
cinjcinc Siedete icbcm bcr 6l)cgatten, unter gcroijfcn SSorauöfcßungcn bei SScr-
mögcndperfaD bcö onberen, inöbcfonbere im gallc bcr Ronfuröeroffnung, bie
Sup^etong ber ®emeinfd&aft ju ücrtangen (bamberg. £. 9t. ; prcufe. 91. S. 91. II, 1
§§ 420, 392, 410, 421). ©injelnc anbcre 9lccf)tc geben nur bcr 6l;cfrau baö
9lc(^t bei 98crm6genßoerfaD bcö ©l^cmanncö bic Shif^ebung bcr (Scmcinfd^aft
JU oertongen. 6ö gel[|oren bafiin baö anöbad). 9lc(^t, baö mürttemb. 9lcd^t foroie
bofi fronj. unb bab. 9led^t (code civü 9lrt. 1443; § 40 bcö bab. 9luöf. ®ef.
iu ben 91. 3uft. ©efefeen t). 3. aJlärj 1879). Srnlangcnb inöbcfonbere ba^
ofirttemb. 9lc(^t, fo ift cö bcftrittcn, ob nid)t bmd) bic ©röffnung bcö .fton^^
furfcÄ über baö SScrmogen bcö ®^emanncß bic ©rrungcnfdjaftögcmeinfd&aft
froft bed ©cfegeö aufgel^obcn mirb, nad^ Scenbigung bcö Äonfurfcö jcbod) in
@rmQngcIung einer anberroeitcn SScrabrcbung ftillfd^racigcnb t)on fclbft micbcr
eintritt. 3n biefcr STrt ift baö SBcrljältniß Don bcm miirttcmb. ©ntn). §§ 165,
226, 234 geregelt. Äeinem S^^^if^^ unterliegt eö übrigenö, baß axiä) mä) bcm
ffcltenben tourttemb. 9icd^tc bie ©l^cfrau — von gcroif^cn 9luönaf)mcn ab«
gcfe^ — foroo^t im gatlc ber ©röffnung bcö Äonfurfcö über baö ^Bcrmögcn
bei (S^etnonneö, alö aud^ außcrljalb bcö Äonfurfcö, menn bcr (Seemann ein
534 errunöcn[4aftööemcmf*aft. äufföfung. §§ U29, 1430.
ocrfdörocnbcrifd^eö £ebcn fül^rt unb baburd^ bereite eine er^cblid^e ©inbufee
cntftanben ift, burc^ 3(nrufunfl ber fog. lociblid^en grei^eitcn bie Stuflöfung
ber ®rrunflcnf^aftögemeinf(^aft mit ber SEBirfung l^crbeifü^ren fann, bafe bie
gefammte (Srruiigenfd^aft bem ©bemanne Qudfd^Ueg(i(^ jufäUt^ bie @^efrau
aber t)on ber SSerbinbUc^feit bie e^e(id^e ©inbuge unb bie Sojialfd^ulben )ur
$ä[ftc ju tragen, foroeit fte für bie legteren nid^t nad^ allgemeinen ®runb«
fägen perfonlidö l^aftet, befreit wirb (oergt. 6ntfd^. b. SR. ®. in 6ioUf. IX, 19);
ftreitig ift bagcgen, ob bie ©rrungcnfd^aftögemeinfd^aft nad^ S3eenbigung be«
Äonfuröoerfal^rens üon fclbft mieber eintritt ober in ©rmangelung einer anber-
TOeiten SSereinbarung ooUftänbige ©ütertrcnnung ftattfinbet.
3)a6 nad^ T)erf^iebenen SRed&ten mit ©rrungcnfd^aftegemeinfd^aft im
^alle bauernber 93erl^inberung bes (Sf^cmanned, namentßd^ im §aQe bauernber
Slbmefenlieit beö (enteren, baö 93erroaItungöred&t in 3[nfel^ung bed Oefommt?
gutes auf bie ß^efrau übergcfit, rourbc bereits in bcn SRotiüen ju § 1417
oben ©. 510 l^erüorge^oben.
stanbpunft 2)er ©utTOurf gebt junäd^ft baoon auö, ha^ außer im gallc ber Sluf*
(sntimufed. löfuug ber ®^e aud^ in benjenigen göHen, in meldten fogar bie Sfuflofung
ber allgemeinen ®ütergemeinfd^aft erfolgt (§§ 1371, 1372), bie Sluflöfung ber
(Srrungenfc^aftßgemeinfddaft eintritt (§ 1429 Slbf. 1). Slufeerbem foB aber im
Slnfd^luffe an bie Seftimmungen beö gefetlic^en elielid^en Oüterred&tcö über
bie Secnbigung ber e^clid^en SRufeniefeuug unb SBermaltung (§§ 1327, 1328
biß 1330) bie 3luflöfung ber ©rrungenfd^aftögemeinfd^aft unb S^rennung ber
Oüter in benjenigen nid^t fd^on burd^ bie entfprec^enbe Slnroenbung ber
§§ 1371, 1372 gebedften göUen eintreten bejro. Don ber ®^efrau ueriangt
roerben fönnen, in meieren nad^ [cntn 33eftimmungen bie Scenbigung ber
cljclidöen Jlugniefeung unb SBcrmaltung unb 2^rennung ber ®üter traft bc6
Oefefeeö ober auf 3lntrag ber e^efrau erfolgt (§§ 1429 3lbf. 2-4). X'iefe
©lei^fteHung ber ©rrungenfdöaftögemeinfd^aft mit bem gefeftlid^en c^eticften
(Süterred&te in 9lnfel|ung ber 9luflöfungögrünbe red&tfertigt fid^ burd^ bie ©r*
mägung, bafe bie erfterc geroiffermafeen nur als eine 3)iobififation bes leiteten
fid^ barftellt, anbererfeitä bie 9tufeniefeung unb SBerroaltung beö ©bemanne« in
9(nfef|ung bed Sonberguted ber @^efrau für 9led^nung bed ®efammtguted ein
fo mefentlic^eö Clement ber ©rrungenfd^aftögemeinft^aft ift, ba§ bie Icfttere
o^ne jene 9iu|niefeung unb SBerroaltung nid^t fortbefte^en fann. 3"^ ^inWirfe
auf bcn burd^ § 1429 3lbf. 1 für entfpred^enb anmenbbar erflärten § 1372
9Jr. 3 ift im § 1429 3lbf. 3 bie 9lr. 2 be« § 1328 nid^t attegirt ©rfolgt bie
aiuflöfung ber (Srrungenf^aftögemeinfd^aft auf ©runb beft § 1429 «bf. 3, fo
finbet nad^ § 1429 3lbf. 1 ber § 1381 cntfpred)enbe Slnroenbung. äu« biefem
©runbe fommt für bie gälle beö § 1429 äbf. 3 ber § 1330 nid^t in »ctrac^t.
iionhird bes Slnlangeub inöbefonbere bie Seftimmungen beö § 1429 3lbf. 2, ba| bie
ei^emaunc«. 3(^,fi5,-^j„g jj^^ ©rrungeufc^aftögemeinfc^aft auc^ mit ber SRec^töfraft bed »c«
fc^lujfeö erfolgt, burdi meldten ber Konfurd über baö 93ermögen beö @^emanncö
eröffnet mirb, unb mit ber ßrlajfung beö Urt^eileö, burd^ n)eld^cö ber Gftt-
mann für tobt crFlärt mirb, fo treffen bie entfc^eibenben ©rünbe, qM toelc^n
na6) bem Gntrourfe in jenen gälten bei ber allgemeinen ®ütergemeinfd(iaft bie
3luflöfuug bcv leßtercn nic^t eintreten foU (oergl. bie SRotioe ju § 1371 ©. 393 unb
grrui!öcnf4aftt0cmrinf*aft Slufröfung. §§ 1429, 1430. 535
}u § 1372 oben ©. 398), bei her ©rrungcnfd^Qftögcmcinfd&oft nid^t ju. S)aä burd^
bic allgemeine Oütergemeinfc^aft begrünbete, regelmäßig baö ganje SSermögen
I ergreifenbe aSer^ältnife ift ein Diel innigcreö, atä bieö bei ber ©rrungenfc^aftö^
I jfmeinf(|aft ber 55^11 ifh 3)ie 3luflöfung ber erfteren ffat ba^er weit ein-
i fc^neibcnbere folgen, alö bie Sluftöfung ber legieren. 33on befonberem (Semid&te
! ift in biefer Sejiel^ung, baß mit ber ©rrungenfd^aftögemeinfd^aft nid^t, wie bei
I ber allgemeinen ©ütergemeinfd^aft, ein befonbereö gütergemeinfd^aftlid^eö ©rb^
wd&t wrbunben ift. 9lud^ nad^ ber SRcl^rjal^l ber beftefienbcn Siechte ift
namentli^ ber ©roffnung beö Ronlurfed über baö aScrmögen beö ©^emanneö
me^r ober weniger ein ©influfe ouf bie ©rrungenfd^aftögemeinfd^aft bejm. auf
bie Siebte beö ©bemanne« eingeräumt. S^^^if^l^öft ff^nn eö aUerbings fein,
ob namentlid^ im galle ber ©röffnung beß Äonfurfeö über baö SBermögen bes
e^anneö bie 3luflöfung ber ©rrungenfd^aftögemeinfd&aft fraft beö ©efefeeS
ober nur auf Verlangen ber @^efrau eintreten f oU. ®d läßt [x6) nid^t ncrfennen,
baß ber lefttere SBeg an fidd bem äBefen ber ©rrungenfc^aftögemeinf(^aft me{)r
cnifpre^n mürbe unb baß ber ©^efrau bie fraft Oefefeeö cintretenbe 3luf?
löfung ber ©rrungenfc^aftdgemeinfd^aft megen be3 i^r baburd^ entgel^enben
Anteile« an bem fpäteren ©rmerbe beö @f)emanned unter Umftänbcn nad^*
t^eilig unb unermünfd^t fein tann, 9luf ber anberen ©eite fommt inbeffen in
33etro(i^t, baß, menn bie StuflSfung ber ®rrungenf4iaftögemeinfd^aft im galle
ber ©röffnung beö jtonfurfeö über baö Vermögen beö ©^emanneö traft beö
@efc|eö eintritt, baö SSer^ältniß fid^ meit einfad^er geftaltet unb namentlid^
im 3ntereffe ber g^efrau megen ber if|r nad^ ben §§ 1417, 1294, 1295, 1420
iufte^enben, aber erft bei Stuflöfung ber ®emeinfd[iaft fällig roerbcnben ©rfag*
anfprüd^e eine befonbere ^eflimmung entbel^rlid^ mirb, nad^ meld^er auf ha^
©onbergut ber ©^efrau in bem {)ier fraglid^en galle biefelben 33eftimmungcn
Sntoenbung finben, mel(^e ^Inmenbung finben mürben, menn burd^ bie ©r^
Öffnung beö ^onfurfeö über baö SSermögen beö ©fiemanneö bie äluflöfung ber
Crrungenfd^oftögemeinfd^aft erfolgt märe (oergl. bie SKotiüe ju § 1424 oben
S. 529 ff.). Um jebod^ materiell bem SBcfen ber ©rrungenfd^aftögcmeinfdfiaft subcr.
unb ben Sntereflen ber ©^efrau geredet ju merbcn, beftlmmt ber § 1430 3lbf. 2, SÄT:
baß, menn bie 9luflofung in golge beö Äonfurfeö über baö JJermögen beö auf «errangen
©^anneö erfolgt ift, bie ©fiefrau bie SBieberl^erftcllung ber ©rrungenfd^aftö^ **"" «^«f»^««'
gemeinfc^aft verlangen tann. 2)amit aber bie ©^efrau baö i^r beigelegte
Stecht nic^t burd^ Spefulationen ju mißbraud^en in ber Sage ift, foU ber ^n^
fprud^ ber ©^efrau auf SBieberl^erftellung erlöfdicn, menn berfelbe nid^t Dor
Seenbigung beö ftonfurfeö red^töt)ängig gemad^t ift.
SBie ber ©^efrau im galle ber SÄuflöfung ber @rrungenfd)aftögemeinfd)aft ««f
in golge beö Äonfurfeö beö ©^emanneö, fo muß anbererfeitö bem lefetcrcn im ®\^e3ne3!^
güBe ber Sluflbfung ber 6rrungenf(^aftögemcinfd^aft auö einem ber im § 1328
Shr. 3, 4 beieid&ncten ®rünbe ober in golge ber S^obeöerftärung baö 9lcd^t
beigelegt merbcn, unter ben im § 1331 9lbf. 1 unb im § 1332 bcjeic^neten
Sorauöfeftungen bie SBieberl^erftellung ber ©rrungenfd^aftögemeinfd&aft ju uer*
langen (§ 1430 abf. 1). S)ie ©inräumung biefeö SRec^tcö ift bei ber ©r^
rungenfd^ftögemeinfd^aft in nod^ l)ö^erem äßaße, alö bei bem gefeglid^en el)c^
li<^n ©üterred^te burd^ bic Silligfeit geboten, meil bei ber ©rrungenft^aftö-
536 eirunöcnf(6aftßöemcinfd6nft. 9tuflöfuna. §§ 1429, 1430.
gemcinfd^aft — im ©cflenfafte jii bcm gcfc6ltd)cn ctjcUc^en ©ütcrrcd&tc (§ 1289)
— bcm ß()cmonnc ein 9lnt^cil an bcmienigcn gcbülirt, maß bic 6(>cfrau burd^
ilire ätrbeit unb bcn fclbftänbigcn 93ctricb cincö ©nocrbägcfd^äftcö crmirbt
3)ie Scftimmungen bcö § 1430 9lbf. 3 rcd^tfcrtigcn fxd^ burd^ bic Slnalogfe
bcr SBer^ältniRc.
««^tt. 2. 9lnlangenb bie SBirtungcn ber aiuflöfung bcr Grrungenfc^aftt«
°nü*"b"!f gcmeinfd^aft, fo finben nad) benjcnigcn SRcd&ten, nod^ toelddcn bie ©rrungenf^aftt*
«uftöfunc. xna^t im 3)Uteigcnt^ume bciber ©l^egattcu ftel;t, auf bic äufieinanbcrfcguig
(Beitcnbe« mcgcn bcö Ocfammtgutcö im 2lllgcmeinen bie geroö^nlid&en ©runbfäfee über
^**** bie Sluöcinanbcrfcfeung einer ©emcinfc^aft bcjm. über bie (Srbauöeinanbcrfetimg
3lnroenbung (Dcrgl. preug. 91. 2. SR. II, 1 §§ 664, 661 ; code civil 9lrt. 1498, 1476).
S)aß 2^^ci(ungdDerl^äftni§ ift in bcn bcfte^enben SRed^tf n, nomentUd^ je nacftbcm
bic ®l^e eine beerbte ober unbeerbte ift, fel^r x)erf4liebcn beftimmt; bod^ bilbct
bie ^albt^eilung bie Siegel. S)icö gilt namcntlid^ naäj bem preu§. 91. 2. SR.
II, 1 §§ 664, 637, 638, bem fronj. SRcd&te (code civil 9[rt. 1498, 1474), bem
württemb. 2. SR. III, 7 § 2, IV, 5 §§ 2 ff., ber licff. barmft. SSerorbn. t). 1795
§ 4 unb m^ üieten bo^r. SRed[|tcn (ücrgl. SRcubaucr ©. 53, 54, 120 ff.).
aSBie im gallc bcr 9luflöfung bcr ©cmcinfc^aft nQ(^ bem geltenbcn Siechte
bie ©d^ulbcnl^aftung ber ©Regatten gegenüber bcn ©laubigem [xd) geftottct, ift
in ben aHotioen ju § 1423 oben ©. 521 ff. im 9ingemeinen bereits borgclcgt.
5Rid^t minber t)erfci^ieben, mie bic SBeftimmungen über bie ©ddutben^aftung
gegenüber bcn ©fäubigern, finb bie Seftimmungen beö geltenbcn SRci^tc« barübcr,
mer bie ©inbufee bei ber ©rrungenfd&aftögcmcinfc^Qft ju trogen ^at, wenn bod
©efammtgut jur Seftreitung bcr 9lußgaben, für rodele eö beftimmt ift^ ni^t
auöreid^t, ob beibe ©Regatten gemeinfd^aftlid^ ober ber ß^emann allein. S)ic ge*
fd^id^tlid^e ©ntroidEcIung ber ouf bcm 33oben ber partifuWren ©ütergemcinf^aft
fte^enben SRec^te neigt fid^ bal^in, bic ©^efrau von ber SScrpflid^tung, bie ©m
büße mitjutragen, ju befreien, ßä ift babei ju beachten, bafe eine foldbc
33efreiung mittelbor oud^ nod^ benjenigen SRcd^tcn ftottfinbet, nod^ njeld^en
bic ©^efrou, roenn fie ouf ifiren 9lnt^eil on ber Grrungenfd&oft ücrjid&tet,
il|r ©onbergut unoerfürjt jurüdfinforbern. bered&tigt ift, nid^t minber nod^ bcn*
ienigen SRec^tcn, no^ meldten bie 6t;cfrau roöljrenb befte^enber ©cmeinfd^oft
bcm ©Ijemonne ouö it;rem ©onbcrgutc einen 3i*f4ii6 J^ ^^ gemeinf^aft*
lid^en 2often }u geben nid;t ocrpftic^tet ift unb für bie üon bem ©bemanne
einfeitig cingegongcnen ©^efd)ulbcn nid)t l^oftet, noc^ 9luflofung ber ©cmein-
fd^oft bic lefetercn jroor nod) SSerl^ältnife i^res 9lnt^eiIcÄ on ber ©mingcnf^aft
überne(;men mug, ftd) ober burc^ bie SRcd^tsrool^lt^ot bed Snoentareö gegen
bie ^oftung iiber biefen 9lnt^cil l;inauö forool^l gegenüber bcn ©laubigem ate
gegenüber bem ©^emonnc fd^ügen fonn. ^ölt mon bicfi feft, fo crgiebt ficb.
bog in einem großen 2'^ciic beö ^errfd^oftögcbieted ber portifulärcn ©ütcr-
gemeinfd)oft eine SJcrpflid^tung bcr ©^efrou, bie ©inbufee mitjutragen, nic^t
befte^t. Cb bieg gemeinred()tlid& bcr goU, ift beftrittcn. 9lnerfannt ift jene
SBcrpftidjtung oUerbingö nod^ ber üRcJ^rjoi^l ber boi)r. SRec^tc; bod^ ift bic t^agc
in 9lnfe^ung einjetner SRed^te, nomcntlic^ beö bogr. 2. SR., beß ondbod^. unb bcd
nürnb. 9led;teö, nid^t unbeftritten (ücrgl. SReubouer, Qnl 6. 120 ff.). (Sbenfo
beftcfit ienc SBerpfli^tung in 9laffou (Dcrgt. noff. SSerorbn. ü. 10. 3anuor 1825
errun0cnf*aftgöemeinf4aft. auftöfung, §§ 1429, 1430. 537
§ 8; ©cuffcrt XXX, 155). 3)a(jcßcn \)ai m^ franj. imb bab. SRcdjtc allein
ber Seemann bic ©inbufec jii tragen (code civil 9lrt. 1471, 1472, 1474,
1483 ff., 1492 ff., 1498). 2)em fron}, SRed&tc fd)tie6t fid^, raenngfeid^ in bem
Skge obroeid^cnb, bod^ im SRcfuItatc übercinftimmcnb, ber el^renbreitft. Gntro.
§§ 79, 82 an. SRad) hm ^eff. ©ntro. IV, 2 SIrt. 461, 512 finb jroar bic
©^galten nad^ bcm SBerJ^äUntife il^rcr 3lntl^eile an bem gcmeinfd^aftlid^en
Scrmogcn )u bcn gcmeinfd^aftlid^cn Saften beizutragen t)erpf(id^tet ; bod^ fann
bie ß^frou üon bicfer 93crpPid&tung fxd& baburd^, bafe fie auf bie ©cmeinfdjaft
ocrji^tet, befreien (ärt. 475, 492, 493, 513 ; T)ergl. au^ 2trt. 483, 491). ©benfo
führen bie SScftimmungen bcö prcufe. 31. S. dl. II, 1 §§ 406—408, 661, 664
iu bem Srgcbniife, bag ber Seemann bie @inbugc aUcin }u tragen ^at. 9luf
bemfelben Sobcn ftel^en — allcrbing« nic^t unbeftritten — ba« jüt. Soro unb
ia^ bit^marfc^. £. 91., bie ^ßrafiä bcö fur^cff. SRcddleö, bie l^eff. barmft. Söerorbn.
D. 1795 § 8 unb bofi franff. SRec^t (franff. ©efefe ü. 9. 9toDembcr 1850).
Jia^ bem murttemb. Siechte ^at bie @^efrau jmar an fid^ bie ^älfte ber @in-
buge iu trogen; bo(^ fonn fie fid^ burd^ bie älnrufung ber fog. meiblid^en
giri^itcn (ücrgl. oben 6. 534) von blefer SSerpflid^tung befreien. S)er mürttemb.
6ntn). §§ 150 ff. räumt, um bem SBiberftrcite ber 3ntcreffen ju genügen (ücrgl.
bie aWotipc ju jenem @ntm. ©. 146 ff.), ber ß^cfrou jene« SRed^t nur unter
ber Sebingung ein, bofe fie bie ^älftc i^rcß Sßermögcnö opfert.
2)er § 1429 9[bf. 1 überträgt, fooiel boö 3led^töoerI|ältni6 beß ©efammt* etanbpunrt
guteft unb bic afuöeinonberfefcung megen bcö Icfcteren noc^ Sluflöfung ber (j„ti**rfe9.
Smingenfd^oftdgcmeinfd^aft betrifft, bie in biefer äSejic^ung bei ber allgemeinen
©ütcrgemeinfd^oft mofegebenben Sßorfd^riften ber §§ 1373—1380, 1382 ouc^
auf bie ©rrungenfc^oftögemeinfd^oft. S)ie Orünbc, auf meldten jene SSor^
((Jriften berufen, treffen oud) bei ber ®rrungcnfd^aftögemeinfd^aft in üollem
ÜRoge JU. @d gi(t bieö indbefonbcre auc^ Don bem im § 1380 }um älußbrude Prägung ber
gelangten ©runbfo^e, bofe ber ©fiemonn bie ©inbufee allein ju trogen fiot. ^*"^"^*-
Gntfc^eibcnb föllt in biefer ^inftd^t noment(id) ins ©emid^t, bog ber @l;emann
aDrin boö 9Rag bcd für boö e()e(id^e Sebcn ju mod^enben älufn^onbed beftimmt,
bafe iffm bie SSermaltung ber bciberfcitigen Sonbergüter }uftef|t unb bic 9trt
ber 3lu|ung, foroic bic ©rögc bcö }u jicl^cnbcn ßrtrogcö berfelben in feiner
^nb liegt, bofe er femer — obgefel^cn oon ben ouö bcn §§ 1417, 1353,
13(>4, 1365 Slbf. 1 fxd& ergcbcnbcn öef(^ränfungcn — im SBefentIi(^en frei,
unb o^nc biefer^olb ber @^efrau Dcrontmortlidd ju fein, über bad ©efommtgttt
oerfugt, bog i^m nad& ber Slatur ber S3erl)ä(tniffc Dorjugöroeife bie erroerbcnbe
^'^dtigfcit obliegt unb bic @^cfrau eine fold^e ol^ne feine SinmiUigung nid^t
einmal ouÄüben barf, bog mithin im ©rofeen unb ©onjcn fomo^l bie ©in-
no^cn iDtc bie Sludgoben bcd ©efommtgutcd Don bcm ©bemanne obl^ängen
unb baö ©onbcrgut ber @^efrau boljcr, menn bie legtere bic ©inbuge mit::
tragen mugte, mittelbar ber SBcrfügung bcö ßljemanneö unterroorfen fein
»ürbe. Die 9luffa|fung bcö ©ntmurfcö, bog bie Grrungenfdjoftögcmcinfdöoft
bfiiDctft, ber ß^frou burd^ bic S^f^^^^^w^fl ^^^^ SlntficUeö an ber ©rrungen^
fd^ft eine gunfttgcrc ©tellung wie nod) bcm Si)fteme ber SBermaltungögemein*
fd^ft eingurfiumen, nid^t aber bcm ©bemanne, n)enn oudd nur mittelbar,
gröfeere Reifte über boö ©onbergut ber ß^efrou ju Derf^affen unb boöfclbc
538 errunocnf(6aft8öcmemf(5aft. «uflöfung. §§ 1429, 1430.
baburd^ ber ©efa^r bcs SScrlufteö auäjufegcn, wirb aud^, loie bic obige
Ucberfid^t bcö gcllenbcn 3led^tcö jcigt, burd^ bic gefd^id&tlid^c entioidEclung bc^
[tätigt (ücrgl. bic (gintcitung jum c^cUd^cn ©ütcrrcd^tc oben ©. 151 ff.).
Gtii6u|c burd^ aSon bem ©runbfage, bag bic ß^efrau nid()t Dcrpftid^tet ift, bicßinbuftc
b^Äfl«, tnitjutragcn, ^at ber ©ntiourf aud) für folc^c gaUc feine ^Mnaffm gemotzt,
' in roeldjcn bie ß^efrau fclbft burd& i^rc Unorbnung ober 5Berfd^rocnbung bie
entftanbene ©inbufec ocrfd^ulbct ober in raeld^cn fic Ocgenftänbe, locld^c jur
errungenfc^aft gcl^oren, untcrfd)Iagcn l^at. 3n göttcn ber ärt oerfagt aller-
bingö baö TOÜrttcmb. SRed^t ber ß^efrau boö 9le(^t, bic fog. TOeiblid^en grci-
l^citcn anjunifcn. @inc Sluöna^mc ber erftcn Slrt ift inbeffcn rocgen ber
Unbcftimnttdcit il^rcr ajorauöfe|ungen bcbenfli^; aud^ mod^t fic Seroeid*
fül^rungen erforbcrlid^, rocli^c baö innere gamiüenicben in einer bem c^elid^en
aScrl^ältnifJc roiberfpred^cnbcn SSBcifc aufbcdfen. 3"^^"^ f^öfit bcn (Seemann
bie 33cfd^ränfung bcö SBcrfügungörcd^teö ber ß^efrau in änfcl^ung beö ©c-
fammtgutcö unb i^reö Sonbcrguteö (§§ 1417, 1300 ff„ 1352 aibf. 2, § 1423
Slbf. 2) unb bie nac^ § 1278 3lbf. 3 i^m beigelegte SBcfugnife, boß ber 6^^
frau nod^ § 1278 Slbf. 1 juftefienbc 3lcd&t ber ©d^lüffclgeroalt ju befc^ränfen
ober aud^ ooUftänbig ju ent}ie^en. ©ine ätudnaEime ber jroeiten Srt von
bem f)in fraglid^en ®runbfa|c aber würbe bcn Raraftcr einer Straf*
beftimmung ^aben.
burc^ Sw'^if^I^öf*^^ ^^^^ ^ö f^ii^/ ^^ "i^t fö>^ i>cn gall eine Sluöna^mc ge-
brtr^eTcn?«' tcd^tfcrtigt fein loürbc, wenn bic ©liefrau mit ßinroilligung beft ß^emonnc«
erroeibs* felbftönbig ein ©rroerbögcfd&äft betreibt. S)cr Setrieb eine« fold^en ßrroerbd^
8^^^*^- gefc^äfteö gel^t, wenn baö Icfcterc nid^t jnm SSorbcl^altÄgutc ber ß^efrau 9^
l)i5rt (§§ 1416, 1349), bei ber ßrrungcnfdiaftdgcmcinfd^aft für Sied^nung bcÄ
©cfammtgutcö (§§ 1411, 1414, 1423 9lbf. 2 SRr. 3). Die ß^efrau ift aber oer*
möge bcö il^r innerl^alb eincö fold^en ©efd^äftöbetricbeö juftebenben SBerfugungö*
rc^tcö (§§ 1417, 1356, 1423 9lbf. 2 3lx. 3) in größerem ÜRa§e, als unter gc«
roö^nlic^en aSerl^ältnijfen, in ber Sage, SScrlufte ^erbeijufü^rcn, \inb f^eint cä
bal^er unbillig ju fein, menn ber ß^cmann bic ©efal^r fold&cr SBcrluftc, wenn
fic bcn Setrag bed Ocfammtgutc« übcrfteigen, allein tragen foU. 3)ie einjelnen
gällc fbnncn l)icr inbeffen je nadd ber Slrt unb bem Umfange beö ßnoerbd«
gef4iäfteö, ber Scranlaffung eine« fotd&eö Setriebcs unb ber Orünbe, roelc^
bic ßinbuge veranlagt fjaben, fo Dcrf (Rieben liegen, bag fic eine allgemeine
Seftimmung, burd^ meldte bie ßliefrau in fold&en '^aUen jur a:^eilna^me an
ber ßinbufee für ocrpflid^tct erflärt mürbe, nid^t jutajfcn. ßine ß^efrau,
meldte, um bem burd^i fd^ted^tc SDBirt^fd^aft ober Unglüdf bcö ß^emannefi ein*
getretenen SKangcl abju^elfcn, mit ßinroilligung bcö ß^emanneö ein felb*
ftänbigeö ßrmerbögcfd(|äft beginnt, fid^ fd&roercr Slrbeit unterjic^t unb babun^
ber ßrrungcnfd^aft nur ©eminn unb feinen aSerluft jufü^rt, barf, wenn
fid^ trogbem eine ßinbuge l^erauöftellt, nid^t lebiglid^ wegen beö üon ibr
unternommenen Setricbeö beö ßrwcrbögcfd&äftcö für bie ßinbuge mit^oftbar
gcmad^t werben, ©egcn bic auö bem Setricbc eincö fetbftänbigen ßrwerbö*
gcfcftäfteö ber ßl}efrau für bcn ßfiemann fi(§ crgebenben ®cfa^ren fann ber
Icfeterc fid^ baburd^ fd&üfeen, bafe er feine ßinwilligung ju bem Setriebe beö
ßrwcrbögcfdjöftcö ücrfagt ober ber ßt)cfrau nur gegen bic SerpfCid^tting ber^
(Srrunöcnf(6afteöemcinf(J6aft. 9{ufI5fanfl. §§ 1429, 1430. 539
fclbcn, einen a:^cil ber ©inbuge ju übevnel^mcn, ertfieilt (oergl. aud) bic
aWottüe JU § 1367 oben ©. 387).
. 3. Scfoubcrc Slat^ioirtungcn ber ©rruugenfci^aftdgcmeinfd^aft ^at bei si««^^
gntrourf mit ber (efctcren für ben gaU ber aiuflöfung berfelben burc^ ben 2:ob '"©[^^bel"
cineö ber ©Regatten nid^t t)erbunben. 2)ie ©rünbe, roeld^e bei ber allgemeinen ft«>cricbcnbcn
©ütergemeinfd^iaft ba^in geführt ^aben, ein befonbereö gütergemeinfd^aftlid^eö ®^'^°"'"-
©rbrct^t bes überlebenben ©Regatten mit fortgefefeter ©ütergemeinfd^aft an*
juerfcnnen, treffen für bie ©rrungenfd^aftögemeinfd^aft nid^t ju. 93ei ber
fcgterei] tritt nid^t, mic bei ber allgemeinen ®ütergemcinfd)aft, eine Oemeinfd&aft
aller oermogenöred^ttid&en ^ntereffen beiber ©Regatten unb bementfpret^enb eine
ooDftänbigc SSerfc^meljung ber beiberfeitigen SJermögen ju einem einjigen aSer-
mögen ein, roeld&eö in allen S9ejiel^ungen, unb beö^alb aud& für ben gall ber
äuflofung ber ©emeinfd&aft burc^ ben Xob eines ber ©Regatten, bie gunttion
{füben foH, ote SBermogen fomo^l beö einen als beö anberen ©Regatten ju
bienen. 33ei ber ©rrungenfd^aftögemeinfc^aft merben oietme^r nur bie laufenben
©inno^men ju einem gcmeinfd&aftlid^en aSermögen üereinigt, unb f|at baö legtere,
foweit e§ nid^t ju ben für feinen ©rmerb unb feine ©rlialtung erforberlid&en
Suögaben oern)enbet merben mufe, Icbiglid^ ben 3n>^*/ i«^ 33eftreitung beö
dfcii^n ^ufroanbes ju bienen. S)iefer S^cdE fällt aber mit ber 3(uflö[ung
ber 6^e Don felbft fort. 9la fid& ift jioar au^ bei ber ©rrungenfd&aftö-
gcmeinfc^aft eine gortfefcung beö bufd^ biefelbe begrünbeten aSer^ältniffeö jmifd^en
bem überlebenben ©Regatten unb ben gemeinfd^aftlic^en 3lbtömmlingen möglid).
©ine fold^c gortfeßung beö Oemeinfc^aftöüer^ältniffeö über ben 3::ob beß einen
Statten I|tnauö liegt inbef|en nid[|t in bem äJBefen ber ©rruugenfc^aftö-
gemeinfd^af t ; Dtelmel^r bilbet bei ber Unteren baö unter ben ©Regatten
befte^nbe perfonlid^c aSerliältni^ eine mefentlid^e SSorauöfefeung ber ©emein-
f^oft. SeftStigt wirb biefe 9luffaffung baburt^, ba§ bie auf bem SBoben ber
reinen ©rrungenfd^aftögcmeinfddaft ftel^enben ?Htä)it eine gortfeßung ber ©emein-
fc^aft, felbft bei beerbter ©^e unb gegenüber gemeinfdiaftUd^en 9tbf5mmlingcn,
regelmäfeig ni6)i eintreten laffen. 2luf bem entgegcngefefeten ©tanbpunite fte^t
ollerbingd ber e^renbreitft. ©ntro., nad^ roeldjem bie jundd^ft für bie gefefelid^e
SRobiltar« unb ©rrungenfd^aftögemeinfd^aft beftimmte gortfeftung ber ©üter*
8emeinf<!^aft audd bei ber reinen ©rrungenfd)aftögemeinfd)aft ftattfinbeu foU.
%\id) finben fid^ in Dielen SRed&ten ber ©rrungenfc^aftögemeinfd^aft S3e?
ftimmungeu, meldte bem überlebenben ©Regatten mel^r ober meniger auögebe^nte
Steckte an bem 9lad^(af[e beö Derftorbenen ©{)egatten einräumen; allein eö
^wnbelt fid^ bobei nid^t um eine eigentlid^e gortfefcung ber ©ütergemeinf(§aft,
fonbfm um erbred^tlid^e 33eftimmungen, auf ©runb bercn ber überlebenbe ®^e?
gotte entioeber bad ©efammtgut ober ben 92ad^lag überl^aupt ober eine Quote
ober geioiffe ©eftanbt^eile beö lefeteren (bie SRobilien) jum unbefd^ränften
©igent^ume (fog. ftatutarifd^e Portion) ober jum 5iie6braucf)e (Seifig) erhält.
2)erarttge Seftimmungen, »eld^e meiftenö mieber Derfd^ieben finb, je nad^bem
bie 6^e beerbt ober unbeerbt ober ber ©Ijemann ober bie ©^efrau ber über*
lebenbe 2^^eil ift, finben fid^ namentlid^ in ben fd&lcöro. Siedeten, im naff. 9ted)tc,
im franff. Slecbtc, im fa^enelnb. S. 9?., im pfälj. 2. %, im fotmf. 2. 9i., in
ber ^nneb. 2. D., ben Coburg. Statuten, bem mürttemb. 2. dt unb ben meiften
540 emmocnfd&afteoentcinfd&aft. gtufTöfuno. §§ 1429, 1430.
bai)r. 9fJcd)tc!i OJJciibaucr ©. 20, 21, 35, 36, 53, 54, 59, 60, 69, 72, 120 ff.).
aSou bcn S3cftimmun9cn bicfer Slrt Rängen inbcffcn mit bcr ®rrungenfd6aft8«
gemeinfd}Qft unmittelbar mir bicjcnigcn jufammcn, meiere, wie 5. S9. bod
bni)r. 2. SR., baö bitl^marfd^. iiiib bas fclimarnfd). S. 91., ha^ ©cfammtgut onbcrd
beljanbeln, mic boß übrige Vermögen beö t)erftorbcnen 6(;egatten. ©old^e
lebiglid^ baö Ocfammtgiit betreffenbe Seftimmungen bilben iebod^ bic Sluö*
nafimc. ^tegctmöfeig mirb baö ©efammtgut jmif^en bem übcrlcbcnbcn ©^
gatten unb hcn ©rbeu beö T)erftorbencn ©Regatten get^citt, tinb crftrecfcn fx(^ bic
bem Überlebenben ©Regatten jufommenben 93ort^eite, mögen fie in einem 6rb-
redete ober in einem 9lic6braud)c bcftcficn, gleichmäßig ouf ben gefammtcn aus
bem Sonbergute nnb bem ©cfammtgutöantl^cilc beö Derftorbencn G^egattcn
gebilbeten 5Rad&la6 beö legteren. derartige .Seftimmungen fte^en mit bcr
©rrungenfd^aftögemeinfi^aft alö fold^cr in feinem unmittelbaren inneren 3*^*
fammen()ange. 3n 3lnfcf|ung beö ftatutarifd^en ©rbred^teö an bcr ©ubftanj
beö 9Jad)laffcö ober eineö 2^^eileö beö lefeteren ift bieö o^nc SBcitcrcö Har.
S)er 9]ie^braud& an bem Slac^laRe lögt ft^ jroar in bcr 3lrt alö eine golge
bcr ßrrungenfd^aftögemcinfdÖQft beulen, ba^ ber burd) bicfelbe mäftrcnb bcr
6l)c für beibe ©l}egatten gemetufd^aftli^ an bem beiberfeitigen SSermogcn
begrünbete 9]iefebraud^ in ber ^anb beö flberlebcnben Gl)egattcn fonfolibirt.
Gr fann aber auä) alö eine lebiglidö burd) baö el^cli^e ajer^ättnife alö fold^cö
of)ne SRüdfidjt auf baö mötirenb ber ®t)e befteljcnbe e^elid^e ®üterred(|t begrünbete
erbrcd^tlid^c golge ju ®unften beö übcrlebcnben ©Regatten aufgefaßt werben,
unb für bicfe 3luffanung fprid^t, ha^ nad^ oHen l)icr in JRebe fte^enbcn Siedeten
bcr ©rtrag beö 9iicßbrauci^cö nic^t gemeinfd^aftlid^cö SBermögen beö übcr-
lebcnben ©fiegatten unb ber gemeinfd^aftlidjen Slbfömmlinge, wie bicö bei einer
gortfegung ber ©ütergemeinfd^aft fonfequent ber gall fein müßte, fonbern frcicö
©igent^um beö übcrlebcnben ©l}cgattcn mirb unb fiod^ftenö, aud^ bicö ober
feineörocgö allgemein, eine ©rroeiterung ber bem lefeteren obliegcnben gefejUd&cn
Untert)altö? unb Sluöftattungöpflid^t eintritt. 3»n ber gcfd&id&tlid^cn ©ntmirfelung
aud^ bcr partihilären ©ütergemeinfd^aft tritt jmar ein geroiffcr 3ufömmcn^ang
beö roäfircnb ber ©f)c beftet)enbcn Oüterred^tcö unb ber erbred^tlid&en StcQung
beö übcrlebcnben ©l)cgatten ^eroor. 3)lit bcr SKobiliar« unb ©rrungenf^aftö«
gcmeinfd^aft beö fränf. SRcd&teö unb bem baöfelbe bel|errfd(|enben ^Jrinjipc ber
gefammtcn $anb l^ängt baö 5IWobiliarerbred^t beö übcrlebcnben ©Regatten,
fomic baö SJerfangcnfd^aftöre^t unb baö Seibjudötörcd^t in Slnfe^ung beö
unbcmeglid^en SScrmögcnö jufammen. SRit bem Uebergangc jur reinen ©r*
rungenfc^aftögemcinfd^aft unb bem S^^^öcltrctcn beö ^rinjipcö ber gefammtcn
.^anb auf ber einen ©cite unb bem ©rfafee beö aWobiliarerbred^tcö unb beö
33crfangenfd)aftörcd^teö burd^ ein ©rbred^t beö übcrlebcnben ©Regatten an einer
Quote beö gefammtcn 5Rad)laffcö unb burd^ ben 9ließbraud^ an bem übrigen
2:l;eilc beöfelben auf ber anberen ©eite Ijat jener S^Jf^mmcnl^ang fic^ inbeffen
mefir unb mel;r Dcrflüd)tigt, unb fann man jefet bie Seftimmungen über baö
lüäl^rcnb ber ©^e biird^ bie ©rrungenfd^aftögemeinfd^aft begrünbete SJer^ältniß
unb bie bei bem 2^obe eineö ber ©Regatten eintretenben crbrcd^tlic^en Sort^ile
beö übcrlebcnben ©f)egatten nid)t mcljr alö im Jtaufaljufammcn^ange mit
cinanber ftel)cnb betrad^ten. Unoerfennbar tritt bicö in benienigen SRed^ten
gRoSitiaröcmcmWaft. 9lrt bcr ©eftaltunö. § 1431. 541
^croor, mtf) iDctcftcn, roic bieö j. 33. in SDBürttcmberg Vit' l^crrf^cnbe 9liif^
faifuiifl ift (DcrgL audd roürttcmb. enlro. §§ 168, 175, 161), baä erbtest unb
ber ^Jiefebraud^ bcd überlcbcnbcn (S^cßatten nid)t boburc^ bcbingt fmb, bafe bic
G^gottcn in ber baß gcfeftUd^c cl^clii^c ©ütcrred^t bilbenbcn errungcnfd^aftö*
gemeinfc^ft gelebt ^aben. Unüerfennbar }eigt eß {td^ ou^ barin, ha^ bcr
Icbenölänglid&c Jlicfebraui^ bcö übcriebenbcn ßljegatten in großen unb ir)id)tigcn
Set^tfigebieten bcr ©rningenfddaftögemeinfd^aft, j. 33. in ben ©cbictcn bcr
WlrtiD. Mecl^te, beö bagr. 2. 3?., bcö aü^cfj. SRcd^teö unb bcr ^cR.barmft.
SJcrorbn. d. 1795, foroic in bem ganjcn ©ebiete bcö franj. SRcd^tcö, nid&t ftatt-
finbet. SBcnn ^icrnad^ ein notl^wenbiger innerer Swfömmenl^ang jroifd^en bcr
Smingenf^aft^cmeinjc^aft unb ben erbred^tltd^en SSortl^eilcn bed übcriebenbcn
e^cgattcn, indbefonbere bem (ebendlänglid^en 3lk^bxa\x6)t bed (enteren, nad)
ben beftc^nben Siedeten nid^t angenommen roerben fann, fo barf aud) ber
Gntrourf icnc 35ort^eiIe, namentlich ben 9iie§braud^, nid^t als golge beö ter^
tragdmo^igen ©üterftanbeö bcr ßrrungenfd^oftögcmeinfd&aft be^anbetn, um fo
weniger, ate in einem großen Zf)c\k bcö Sled^tögcbictes ber ßrrungenfdjaftö-
gemeinfc^aft unb, mcnn man aud^ bad franj. 91ed^t in 33ctrac^t }iel;t, luic
bifd in bcr ^ier fraglichen 33eiie^ung gef(^e^cn mug, in bem n)eitaud größeren
3:^ile ein 9lic§braud^ beö übcriebenbcn ®l)egattcn ober ein bem iJlicPraudöc
Q^nlic^ed Siedet nid)t anerfannt ift. @d {)anbelt fid^ nielmcljr um eine crb^
xt^iüift beim, cl^creddtlid^c ^rage allgemeiner ^rt, meldjc im @rbred^te ba^in
cntf4iicbcn ift, bag bem übcriebenbcn ß^egattcn an bem 9{ac^laffe bed Dcr^
ftorbcncn ©Regatten fein erbrcd^tli^er SRiefebrau^, fonbern neben einem in
gcDtffcn Sßobilicn befte^enben 93oraud nur ein je nad^ ber 3l&l)t bcd ©rabcd
bcr tonhirrirenben SSermanbten ücrfd^icbcn abgeftufteö ©rbrcc^t iuftcfien foU
(§ 1971). 3)urd^ biefc allgemeinen erbred^ttid^en 33eftimmungen ift für ben
übcriebenbcn @l^cgattcn aud^ bei ber @rrungenfd^aftdgemeinfd^aft in aud-
rciil^bcm äRage geforgt 9BoQen bie @l)egatten ftdd einanber augerbem ben
%ic§braud^ jumcnbcn, fo fönnen fte bicd, fomcit nic^t bad $f(id^tt{)cildred^t bcr
ftinbnr unb Gltem cntgegenfte^t, im Sffiege beö SBcrmäd^tnifeDcrtragcö (§ 1962)
rcrcinbarcn.
V. •emeinfd^aft hti ietoeglid^eti Sermogett« iinb ber Srriittgenfd^aft*
§ 1431.
3m ^inblicfe auf baö weite ©eltungögebict beö ©ütcrftanbcö ber ©cmcin= (sinuitunfl.
f<fiaft bcö beweglichen äSermogenö unb ber Grrungenfdiaft im S)eutf(§cn 9lcid}e,
widmet — abgefe^cn oon einigen fleineren SWed&tögebietcn (inöbefonbcre ben PJc^
bieten beö iüt. Soro, beö furföln. 2. dl, bcö furtrier. S. 91., bcö 2ampred^tfd)cn
Statutcö unb bcr Statuten ber ©täbte ©reuten unb granfen^aufen) — in bem
ganjcn 9ic<^tögcbictc beö franj. unb bcö bab. Sled&teö ben gefcßlidöen ©üterftanb
bUbet, ift cö üM ben in ber @inleitung )u bem el^elid^en ©ätcrrcd)te oben
2. 141 ff. bereitö näl^cr bargelcgten ©riinben burc^ baö 33ebürfni6 geboten,
au(!^ ben bejci^nctcn ©ütcrftanb alö t)ertragömä6igen ©üterftanb im ©cfcfec
fpqiell ju regeln. 33ci biefer Siegelung finb öon ben auf bem 33obcn ieucö
542 gnoBiliargcmcinf^aft. «rt ber Oeftaltung. § 1431.
©ütcrftonbcfi fteljenbcn SHcd^ten im SBcfentlid^en nur baö franj. unb hob. Siedet
bcrücffxdjtigt. 2)qö ©eftimgögebict bcr übrigen l^ierl^cr gcl^örenbcn Sled&tc ift nur
ein oer^ältnifemofeig f feines unb bie 33eftimmungen berfelben roeid^en Dielfodft »on
cinonber ob. SKand^e berfelben [teilen bcr reinen ©rrungenfd^oflögcmcinfc^ft,
manche bcm franj. Siechte nä^r. SBic fc^on in ben aRotiocn ju § 1410 oben
©. 491 J^eroorgel^oben rourbe, fcf|tt eö an einem Sebürfniffe, aud^ ben befonbercn,
jubem oft fefjr ücrroorrenen unb unflarcn 93eftimmungen iencr Siedete im
(Sefege SRcc^nung ju tragen. 2luc^ bei ber Sluöarbeitung beö auf bem 33oben
ber aKobitiar^ unb Grrungenfd^aftögemeinfc^aft fte()enbcn e^renbrcitft. ©ntro.,
roeld^er baö el^clid^e Oüterred&t im Sejirfe beö üormatigen 3uftijfcnateö ©ftren*
breitftein, alfo in bemjcnigcn ScjirJe ju orbnen bcftimmt mar, welcher
(abgefe^en com jüt. Soro) baö (jauptfäc^tid^e ©eltungögebiet ber ^ier fragli^en,
in ber SWitte jroifd^cn ber SWobiliar* unb ©rrungenfd^aftögemeinfc^aft fte^enben
beutfc^en SHed^te bitbet, rourbe auf bie einjctnen Seftimmungen biefer Siedete
fein ©emid^t gelegt, fonbern auf ber (Srunblage beö ^rinjipeö ber üoUen
SKobiliars unb ©rrungenfd^aftögemeinfd^aft unter t^unüd^fter 3lnfd6Ue§ung an
baö franj. 3lec^t ein felbftänbigeö Spftem fonfequent burd^gefü^rt.
iiÄnaTie ^'^ 3WobiUar* unb ©rrungenfd^aftögemeinfc^aft beö franj. Sled^tcö fteW
""berttV**^^^ allgemeinen Oütergemeinfd^aft rocit nä^er alö ber ©rrungeufd^aftögemeim
eitfeJnfSoft ^^^f*' ®^^ Sluöfd^lufe bcö unbemeglid&en SBermogenö üon ber ®emeinfd&oft
' bilbet eine Sluönal^me, meldte jroar fraft beö ©efe^eö eintritt, baburdd ^^
ben Äaratter ber 3luöna^me nid^t üerliert. 93efx6t feiner ber ®^egattcn un*
beroegtid^eö SBermögcn, fo fällt bie aWobiliargemeinfd^aft beö franj. Sled^teö
mit ber allgemeinen ©ütergemeinfd^aft üollftänbig jufammen. ©em cntfprec^enb
bel^anbelt auc^ ber ©ntrourf bie ©emeinfd^aft beö beroeglid^en SScrmögenö unb
ber (Srrungenfd^aft alö eine allgemeine ©ütergemeinfd^aft mit ber SWobififation,
bafe baö beim beginne ber ©emeinfd^aft einem ber G^egatten jufte^cnbe, foroie
baö roä^renb beö 33eftel)enö ber ©emeinf d^aft einem ber ©Regatten burd^ ®rbf olgc
ober burd) SSennäd^tnife ober burc^ Ucbertragung mit JHüdffid^t auf ein
fünftigeö ©rbrec^t ober burd& ©d^enfung jufallenbe unbewegliche SSermogcn
Sonbergut beö betveffenben ©Regatten ift (§ 1431 2lbf. 1, § 1432). ®iefe 9rt
ber 93el^anblung gemährt ben großen Sßort^eil, ba§ bie Siegelung beö hier
fraglid^en ©üterftanbeö im engen Sllnfc^luffe an bie allgemeine ©ütergemeinfd^aft
beö (Sntmurfeö erfolgen faun unb, ba bei ben Scftimmungen über bie allgemeine
©ütergemeinfd^aft auf bie aKBglid)teit eineö ©onberguteö bereitö SRüctji<ftt
genommen ift (§ 1351), eö f)ier nur nod^ weniger befonberer Scftimmungen
bebarf, um bem ©runbgebanfen ber ©emeinfd^aft beö bemeglld&en SSermogenö
unb ber ©rnmgenfd^aft geredet ju werben. 3)aö auf biefer ©runblage bc»
ru^enbe ©^ftcm beö ©ntmurfeö ftimmt jmar nid^t üollftönbig mit bcm franj.
SRed&te überein. ©ine fold^e Uebereinftimmung läßt fid^ aber f^on beö^alb
nid^t erreid^en, weil bie SRobiliargemeinfd^aft beö franj. JHed^teö fraft bcö ®e*
fe|eö eintritt unb, roenn einmal begrünbet, burdii aSertrog nid^t aufgehoben
werben fann, wä^renb nad^ bem ©ntwurfe in beiben Sejiel^ungen baö Ocgen«
tl^eil ber gall ift. 9lber aud) abgefeljen baoon ift eö im Sntercffe ber Gin*
l)eitlid^!eit unb ©infac^l^eit beö ®efe|eö geboten, jxd^ bei ber Sluöseflaltung
beö ©pftemeö im ©injclnen tfjuntidjft an bie 33eftimmungen beö ©ntiourfe«
SWoBinaröemcinfcfiaft 2lrt ber ©cftaltung. § 1431. 543
über bic aDgcmcinc ©ütergemcinfd^aft bcjro., fooiel baö SSerpItnife ber
Sonbcrgüter betrifft, an bic SBeftimmungcn über bie ©rrungenfe^aftögetiteim
ft^oft anjufd^Iiefeen, jumal bei biefen Seftimmungen auf baö fronj. dlc6)i
fc^on bie gebü^renbe Slürffici^t genommen ift unb bie mirtl^fd^aftlic^en iinb
fitlU^n ^medt ber aWobiUargemeinfd^aft beö franj. Sled&teö fid^ in einer baö
praftifd^e Scbürfnife DOÜftänbig befriebigenben SBeife oud^ auf bem oon bem
Gntrourfe eröffneten SBege erreid^en (offen. 3n mand^en fünften, in meldten
bic Scftimmungen beö ©ntrourfcö t)om franj. Steckte abroeid^en, jinb aufeerbem
bit €^gotten in ber Sage, im SBege beö ©^eoertragcö burd^ eine Stenberung
ober ©rgänjung jener 33eftimmungcn einen bem biö^erigen 3lec^tc üöUig ent*
fprcd^enben 9ted^tö}uftanb l^eriuftcDcn.
3m einjelncn ift, foüicl bic ©eftaltung beö l;ier fraglid^en ©üterftanbeö »eröieic^ mit
im Sergleic^ jum franj. Siedete betrifft, nod^ golgenbeö Ijerüoräul&eben. ^^J^u?'
1. jDie Scftimmung beö § 1431 9lbf. 2, bafe, romn einer ber aSertrag:^ ©cuc^miflunfl
ft^liefeenben unter elterlicher ©emalt ober SBormunbfc^aft fte^t, bie SBorfc^riften ''"^^afröü"^'
beö § 1341 Äbf. 2 über baö ©rforbernife ber ©enel^migung beö (g^eoertragcö fleric^tc«.
vm ©eiten beö SSormunbfd^aftögerid^teö entfpred^enbc Slnmenbung finben foHen,
bringt aDerbingö in benienigen Oebicten, in meldten ber ©üterftanb ber ©e^
mcinfd^aft beö bemeglid^en SSermSgenö unb ber ISrrungenfc^aft gegenmärtig baö
9efe((i(^e e^elid^e ©üterred^t bilbet, gegenüber bem biö^erigen Slcd^töjuftanbe
eine geioiffe ßrfd^roerung mit fid^. ©iefeö Söebenfen fann inbeffen l^icr eben-
foiDemg mie bei ber allgemeinen @ütergemetnfd^aft alö auöfd^laggebenb be^
trod^tet werben. 3Sielme^r treffen bie fad&lid^en ©rünbe, meldte für bie 9luf'
na^me beö § 1341 Slbf. 2 bei ber allgemeinen ©ütergemeinfd^aft beftimmcnb
gewefen ffnb (oergL bie SRotiüe ju § 1341 oben ©. 334), mcnigftenö jum
großen 2:^ile aud^ l^ier ju. äBenngleid^ bei ber ©emeinfd^aft beö bemeglid^en
SkrmSgenö unb ber ©rrungenfd^aft naö) § 1434 bie fortgefefete ©ütergemein^
fd^ft auögefd^loffcn ift, fo übt bod^ aud^ bie erftere auf bie Sled^tö^ unb SSer^^
mogenöücr^ältniffe ber (gl^cgatten immer nod& einen tiefgreifenben (Sinflufe
ouö, unb ^at in Dielen gäKen burd^auö ben Äarafter einer allgemdnen
©ütergemeinfd^aft. ©d^on bie SRüdtfid^t auf biefen Umftanb nötl^igt baju, bic
Sotfc^rift beö § 1341 3lbf. 2 aud^ auf ben l^ier in SRcbe ftel^enben ©üterftanb
für antoenbbar ju erf Ifiren.
2. 6inc STOobififation ber pon bem (Sntmurfe bei ber allgemeinen ®ütcr* ©«fammtaut.
gemeinfd^aft über ben ©rmerb beö ©efammtguteö unb beffen iuriftifd&e ®t^ *ßu^t*mir
jbUung (§§ 1343—1345), über baö SRcd^töoerpltnife beö aSorbcl^altö -^ ober eonbcrgut.
conberguted rineö ©Regatten (§§ 1346—1351), fomie über baö ^erfügungö-
red&t in »nfel^ung beö (Sefammtgutcö (§§ 1352—1358, 1364—1366) auf--
gcfiellten ©runbffifcc ift, porbe^altlidd ber 93eftimmungcn beö § 1432, burd^ bic
befonberen Ser^ältniffe ber ©emeinfd^aft beö bemeglid^en SScrmögcnö unb
ber ©rrungcnfd^aft nid^t geboten. 9luf bic einjelnen Slbmeid&ungcn jmifddcn
ben ^ier fraglid^en Seftimmungen beö ©ntrourfeö unb benen beö franj. 3?ed)tcö,
fowie beö ei^renbreitft. ©ntm., ift bercitö in ben SWotiücn ju ben betreffcnben
Sffdmmungen l^ingemiefen, ®ö gilt bieö namcntlid^ üon bem in bem &r\U
würfe in noetterem Umfange anerfannten ©urrogationöprinjipe in Slnfcl^ung
ber ©onbcrgüter (§§ 1414, 1351 3lx. 4 ; aWotiüc ju § 1414 oben ©. 498 ff.),
544 SRobiriargemeinfdjaft. «rt ber ©cftaltunö. § 1431,
von bem Umfange bed SSerfügungdted^ted beö S^emanned in älnfe^ung bcft
©efommtguteö unb bcö ©onbcrgutcä ber e^efrau (§§ 1352, 1353, 1417, 1351
3lbf. 2 ncbft 2»otit)en ju §§ 1352, 1353 oben ©. 348 ff. unb ju § 1417
oben S. 511), inßbefonbcrc pon bem im Ocgcnfafte jum fronj. JRe^tc (code
civil 3lrt. 1422, 1469) anerfannten JRed^tc bc« ©(lemanncö, oud^ einfeitigcn
Slbtommlingen auö bem (Scfammtgute o{;ne ©rfa^pflid^t eine Sluflftattung ju
gemäljren (üergl. bic SWotiue ju §§ 1352, 1353 oben 6. 358 unb ju § 1365
oben ©. 383), femer üon bem SRed^te ber ß^efrou ju ber einfeitigcn am
na^me ober äluöfd^lagung einer ©rbfd^aft ober eincö SBermäd^tniffeö ober
eines ber S^cfrou gemad^ten SSertragaantraged, indbefonbere einer Sd^enfung
(§ 1355, §§ 1417, 1308 3lx. 1, 2, nebfl SRotiDen ju § 1355 oben ©. 361 ff. unb
iu § 1308 oben ©. 242 ff.). I)ie Söebenfcn, meldte [\ö) in ber einen ober onberen
9ti(|tung gegen bie betrcffenben 93eftimmungen beö Gntmurfed ergeben laffen,
finb bereits bei ber Segrünbung ber festeren eingcbenb unter Serüdffic^tigung
ber abroeid^enben SBorfc^riften beö franj. JRed^teö be5U). bcö cl^renbreitfi. ©ntro.
gcmürbigt roorben. Gntfd^eibenbe innere ©rünbe, bei ber ©cmeinfc^oft bed
ben)egUd)en SBcrmogenö unb ber ßrrungenfd^oft etmaö Slnbereö ju beftimmen,
fönnen aus ber befonberen 9latur biefer Oemeinfd^aft nic^t l^ergeleitet werben.
©(^uibcn* 3. 3lud& in 2lnfe^ung ber ©d^ulben^aftung ber ©Regatten gegenüber bcn
f,aitunfl. @ifiyjigg^„ (§§ i359_i363) beborf cö feiner aRobififationen.
fliuSnl ®^^ ©runbfafe beö entrourfeö, baß alle SBerbinblid^teitcn be« ©bemanne«
lic^fetten bes ©efammtgutSDerbiubUc^Ieiten ftnb unb n)egen berfetben bie 93cfriebigung aud
ebemanncs, bem (Sefümmtgute verlangt werben fann (§ 1359 9lbf. 1), ftimmt mit bem
franj. Siedete unb bem e^renbreitft. Sntm. überein. ©benfo entfpric^t e« bem
franj. 9ted(|te, ba§ ber (S^emonn für bie ©efammtgutöüerbinblic^feitcn ber G^
frau pcrf önlid^ f)aftet (§ 1359 Slbf. 2). 3luf ben abroeic^enben ©runbfQft be«
e^renbreitft. ®ntm. § 14, nad^ welchem für biefe SBerbinblid^fcitcn fraft ber
©ütergemeinfd^aft nur baö Oefammtgut, nid^t aber ber Seemann pcrfonlicö
haftet, unb auf bic gegen biefcn ©runbfaft fpred^enben ®rünbc ift bereits in
ben 2Hotit)en }u § 1359 oben ©. 366 ff. I^ingemiefen.
bei G^cfrau. älulaugenb bie S^age, meiere ^[ierbinblid^feiten ber @^efrau ©efommtf
gutöDerbinblid^feiten pnb, fo geboren ju biefer ftotegorie foroo^I nad& fran}.
9{ed[)te ald nacb bem e^rcnbreitft. Sntmurfe junäc^ft alle Dorel^elid^en @d^uQ>^'
fomcit fie nid^t 3mmobiliarfd6ulben finb (code civil 9lrt. 1409; el^renbreü|l.
6ntm. §§ 13, 14). 3)en naä} bem franj. Siedete in einjelnen 9e)ie||ungen
beftrittcnen Segriff ber Smmobiliarfd^ulben befinirt ber el^renbreitft. ©ntw. § 12
naiver bal^in, bag baju Alagen geregnet merben, burd^ meldte bas Sigcnt^um
eincö Smmobile in 5ttnfprucb genommen mirb, fomie bie auf einem Smmobilc
Ijaftcnbcn binglic^en Eaften (^Riefebraud^, SRealferoituten, SHeallaften unb bic
für bie pcrfönlid^e ©c^ulb eines ©ritten beftellten 5ßfanbred&te). 3m praftifcftcn
SRefultate ftimmen bic SBorfd^riftcn bes ©ntrourfes in Sfnfcl^ung ber oore^Uc^
Sc^ulben ber G^efrau mit ben SSorfd^riften beS franj. 9led^teS unb beS c^ren»
brcitft. Gntm. überein, insbcfonbere aud^ inforoeit, als ju ben 3mmobiUar*
fdjulben biejenigen aSerbinblid^feiten ber G^efrau nid^t gel^ören, welc^ bereits
üor bem Gintritte ber Oemeinfdfiaft in golge eines SRed^teS ober bes Seft^eS
einer ©ad^c, meldte ju bem unberoeglid&en SBermögen gepren, entftanbcn fmb.
ÜWoMnargemcmfc&aft. 9lrt bec ©eftaltung. § 1431. 545
bcrcn gortboucr in bcr ^crfon bcr ß^cfrou ober von bcm gortbcftanbc bcö
Äc^tcö ober bcö Scfifeeö in i^rcr ^crfon ni^t abhängig ift, wie j. 33. bic
Serbinblid^fcit jur S3eja^Iung fälliger Stcalloften; t)tclme^r finb biefc SBer«
; binbli(^feiten oore^elic^e Sttobiliarfd^ulben, wegen beren bie 33efricbigung auö
I bcm ©cfammtgutc ©erlangt werben fann (ücrgl. § 1359 3lbf. 1, § 1362 92r. 3
I nebft ÜHotiocn ©. 252, Derb, mit § 1432). 3lud^ in 3lnfel^ung ber wä^renb bcö
33cfte^enö ber ©ütergemeinfd^aft entftanbenen SBerbinbli^fcitcn ber S^efrou auö
Äec^tögefcööftcn, welche t)on ber (S^efrou o^ne bie erforberlic^e (ginroiUigung
I ober ©ene^migung bcö ß^emanneö üorgenommen fmb, ftcl^t bcr föutrourf mit
bcm fronj. Siedete unb bem el^rcnbreitft. 6ntm. infofem im Gintlangc, o(ö für
biefe Serbinblid^feiten roeber nad^ bcm franj. SRed^te (code civil 9lrt. 217 ff.,
1419) nod^ nacft bem e^renbreitft. ©ntro. (§§ 18, 19), nodd nad) bem t)orliegenbcn
entiourfc (§ 1362 3lx 1) baß ©cfammtgut bejm. ber ©liemann haftet, ©ine
j Scrfc^ieben^cit finbet jebod^ infofern ftott, als nac^ bem ©ntmurfe bie per:s
föniic^c Haftung bcr @^cfrau burd^ bcn lüRangel ber Einwilligung ober
(Genehmigung bcö Gficmonncö nid&t berührt wirb, wä^renb nod^ bem franj.
Jicc^le unb bem etirenbreitft. ©ntm. in biefen gällen mä) bie .©^cfrau felbft
ni(^t ocrpflid&tet wirb. Gine Sludgteic^ung biefer SSerfd^icbcnl^eit ift inbeffen
nit^t möglid^, weil bicfelbe i^ren (Srunb in ber prinjipiell tJcrfd^iebenen Sluf^
foffung über bcn ©influfe ber 6^e bciw. bcö e^elid^en (Süterred^teö auf bie
®cf(^äft6fä^igfcit ber ß^efrau l^at. ©ine weitere SBcrfd^icbenl^eit bcö (S^nU
würfe« oon bem franj. Siechte (code civil 9[rt. 776, 1411—1418) ergiebt fid^
boraud, ba§ bic ß^efrau nad^ bem ©ntwurfe (§ 1355) ju ber Slnna^mc einer
©rbfci&aft ober eines 3Sermäd&tniffcö , aud^ wenn biefclben nid^t 93eftanbt^eil
i^tcfi aSorbe^aUß^ ober Sonöergutcö werben (§§ 1417, 1308 3lx. 1), o^ne ©im
loiliigung beß @^cmanncß bcred^tigt ift unb bag bemgcmög bie äRobiliar^
f^ulben, weld^e bie Sljcfrau in §o(ge einer ol^ne Einwilligung beß E^emanneß
angenommenen ©rbfd^aft ober eineß folc^en 3Sermäd)tnif[eß treffen, fofem fie
Mc ßrbfd^aft ober baß 3iermä4)tnig ni4)t alß 9[iorbcf)altß^ ober Sonbergut
erworben §at, ©cfammtgutßocrbinblid^feitcn fmb, für weld^e nid(|t nur baß
©efammtgut, fonbem aud^ ber (Seemann, oorbe^altli^ ber 9tedbtßwo^lt^at beß
3m)entareß (§ 2162), perfönlid^ haftet (§§ 1359, 1362 3lx. 2). SSon bcm
c^cnbreitft. ©ntw. (§§ 25—28, 34) weid^cn biefe 33eftimmungcn nur infofern
ab, alß bcr Seemann nad6 jenem Entwürfe für bie aJlobiliarfd^ulben einer
bcr Ehefrau angefallenen Erbfc^aft nur bann perfönlidd l^aftet, wenn er bcn
ßrwerb ber ©rbfdöaft genehmigt unb nid^t bei Ert^eilung ber Oenc^migung
juglric^ feine pcrfönlic^c Haftung außgcfd()loffcn l^at. 2lud) in bcn ^ier frag«
li^cn 35cjie^ungen not^igen bie befonberen SSerl^ältniffc bcr Oemeinfd^aft beß
beweglichen SScrmögcnß unb bcr Errungenfd^aft nid[)t, im 3lnfd()luffe an baß
franj. SRed^t ober bcn e^renbrcitft. Entw. im ©egenfafie ju ber allgemeinen
(Sütcrgcmeinf(^aft etwaß 35efonbcreß ju bcftimmen; t)iclme^r treffen bie Orünbe,
auf welchen bie Seftimmungen beß § 135£ unb beß § 1362 3lx. 1 beruljcn
(octflL bie SRotioe ju § 1355 oben ©. 361 ff.), aud[) bei ber Oemelnfd^aft beß
bewegtid^en SBermögenß unb ber Errungenfdbaft ju.
Eine cr^eblid^e SBcrfd^ieben^cit gegenüber bem franj. SRcd^te finbet in
änfc^ung ber 33e^anblung ber wä^renb ber E^c auß einer unerlaubten ^anb*
«ttSM I. UtarscrL 0efe|biu^ IT. 35
546 SWo6iIiarGeinclnf*aft. Slrt bcr ©eftalhmß. § 1431.
lung bcr S^cfrau cntftanbcncn ajerbinblid^fcitcn ber lefttcrcn ftatt. SBä^renb
naci^ franj. Siechte (code civil 2lrt. 1424) für bie^c SBcrbinbtid^fcitcn nur ba^
©onbcrgut bcr ß^cfrau ^oftct, unb oud^ bicfcö nur unbcfd^obct bcr ber
®emcinfc^aft baran juftc^cnben Slufcnicfeung, liaften nad^ bcm entwürfe
(§§ 1359, 1362) wegen biefer SBerbinblid^fciteu bcn ©laubigem gegenüber
neben bem Sonbergute ber ®^cfrau (§§ 1417, 1351 SÄbf. 2 oerb. mit §§ 1311,
1312) auä) baö (Sefammtgut unb ber &)ttnann perfonlidd, unb nur im SSe^
l)ältniffe ber ©Regatten ju einanbcr fallen biefc Söerbinblid[|feitcn ber (S^efrau
jur Saft (§ 1367 2lbf. 2 3lv. 1, §§ 1417, 1351 «bf, 2, § 1316 Äbf. 2 3lr. 1).
IKit biefen 93cftimmungen fte^t, abgcfe^en pon bcr perfönlid^en Haftung bcs
e^emanneö, ber e^renbreitft. ©ntm. § 22 im ®inMange. 2)ie ©rünbe, melt^e
gegen bcn ©tanbpunft bcö (Sntmurfeö unb bafür fpred^cn, bie Haftung bed
(S^emanncö für bie l)ier fraglichen SBerbinblic^fciten ber ®^cfrau cinjufd^ränfen,
finb bei ber allgemeinen ©ütcrgcmeinfd^aft ermogen (ücrgl. bie SKotiüc ju § 1359
oben S. 365 unb ju § 1380 oben S. 417 ff.). 2)ic Ocgcngrünbc finb inbcffen
ate überroiegenb erad^tet. 2)a bicfelbcn im SBcfentlid^cn auc^ bei ber ©cmein^
fd^aft bcö bemeglidden SBcrmögcnö unb ber ®rrungenfd^aft jutreffen, fo ift eine
älusna^me bei bcr legteren in ber f)kx fraglid^en 9tid^tung nid^t angezeigt.
ec^uibeii. 4. 3lntangcnb bie ^oftung bcr ©Regatten für bie ®cfammtgutßt)crbinbli(^
»«Äiffe ^^^^^^ ^^ aSer^ältniffe bcr ©Regatten ju einanbcr, fo führen bie Seftimmungen
ber c^efltttten bcö ©ntwurfcd (§ 1367), fooicl iuuäi^ft bic oorctielid^en Sc^ulbcn betrifft, im
aowTeiilc ^Befenttid^cn ju bemfclbcn SRefultatc, wie baö franj. SWec^t (code civil 9Irt. 1409
sTuibcn.' 3lx. 1, 3, Slrt. 1437) unb ber c^rcnbrcitfl. ©ntro. (§§ 13—15, 21). 3n Ucber^
cinftimmung mit bcm franj. Siedete unb bcm c^rcnbreilft. ®ntn). fallen nac^
§§ 1432, 1367 3lx. 2 bie ^mmobiliarfd^ulbcn eines ©Regatten, b. f). bicicnigen
33erbinblid&fcitcn, meldte in golgc eincö }u bcm unbcmeglid^en SBermogen
gel^örcnbcn SRcd&teö ober bed 33efi|eö einer ju bcm unbcroeglid^cn 58crmogen
gcl^örenbcn ©o^c, foroie bicicnigen 9Dlobiliarfd(|ulbcn, meldte auÄ einem ouf
bad unbeiDcgtid^c 9[iermögen fidEi bcjicl^enbcn ^Icd^tdücrl^ältniffc, menn auc^ Dor
bcm ©intritte ber ©ütergcmeinfd^aft, entftanben finb, regelmäßig bcm bctreffcnben
©fjcgattcn, bic übrigen üore^clid^en S^ulbcn bem ©efammtgute jur Saft. 3"
bcn bcm bctreffcnben ©Regatten jur Saft faUenben ©d^ulben geboren namentK(6
fotd^c üorctjclid^e äßobiltarfd^ulbcn, meldte in bcr perfonlid^en 93crpflic^tung
jur Uebertragung eined jum ©onbergutc cincö ©Regatten gc^örcnben ^ntmobile
ober jur ©inräumung eineö bingliddcn Sled&teS an bemfclbcn ober in bcr Ser*
pflid&tung jur S^^l^^^fl ^i^^ö rürfftänbigen Haufpreifcö für bcn ©rmerb eine«
jum ©onbergute eine« ©Regatten geprenbcn immobile ober jur 3ö^lung eine«
barauf fic^ bcjicl^enbcn rürfftänbigen Slblöfungöfapitalcö fid^ grünben (oergt.
code civü 2lrt. 1437 ; c^renbrcitft. ©ntro. § 15). Der cl^rcnbreitft. ©ntro. § 15
red^nct ba^in ferner aud& fold^e t)orc^clid(|cn aWobiliarfd^ulben, für meiere ©or
©ingel^ung bcr ©^c ein jum ©onbergute gctjörenbcfi Smmoblle jur ^Qpot^f
beftcUt ift, iebod^ nid()t über bcn betrag bed 98crt^cd ober ©rlofed beft oer^
pfänbcten immobile ^inauö. 3)aö franj. 3led^t enthält in biefer SUejie^ung
eine fpcjlcUe 33eftimmung nid^t. 5Dlc neuere franj. 3uriöprubenj nimmt aber —
abrocid&enb üon bem c^renbreitft. ©ntm. — an, bafe, rocnn bic 5ßfanbforberung
jugteic^ eine pcrfonlic^e Sd^ulb eincö ©Regatten ift, bie aDgemeinen »c*
J
grtoBiriargcmeinfd&aft. 9Irt ber ©efialtung. § 1431. 547
ftimmungen cntfd^cibcn, roeld^c von ben bcroegUd^en ©d^ulbcu gelten, mit()in
nur bcr innere Sufommcn^ang ber ©ntftel^ung ber Sd^ulb mit bem unberoeg«
lid^en ober bem bcrocglid^en SBermögen mafegebenb ift. S)ieö ift, roie fid^ in ©r^
mongelung einer entgegenftel^enbcn Seftimmung auö § 1367 3lbf. 1 unb 9lbf. 2
9Jr. 2 oon felbft ergiebt, ouc^ ber ©tanbpunft bcö ©ntrourfeö. I)ie entgegen-
flcfe^te Seftimmung beö el^renbreitft. ©ntro. ift icbenfoHs in ber 9ingemein£)eit, roie
Wefelbc loutct, nid^t ju billigen. 3)er ©ebanfe, auf roetd^em jene 93eftimmung
beruht, ba6 bie Sciaftung eines immobile mit einer ^^potl^ef, auä) wtrm bie
perfonlic^c SSerbinbli^fcit nod^ t)orf|Qnben ift, mirtJ^fd^aftüc^ fid^ als eine t^eil*
iwife SScriocrt^ung beö immobile felbft, als eine bauernbe, en. auö bem
SBert^c beöfelben ju tUgcnbc Saft barftelle, trifft iebenfaDö bei ^i)pot^efarifd^en
Scioftungen oon Siedeten, meldte naä) § 1432 ju bem unbemeglid^en 93er^
mögen gctjoren, unb bei ©id&erungö]^i)potf|efen (§§ 1125—1134), f|ingefel)en
auf bie Toirttifd^aftlidde S3cftimmung fold^er §r)pot(}efcu, nic^t ju. 3lber aud)
in ber Sefc^ränfung auf bie 33elaftung eines ©runbftüdEcS mit einer fog,
mobernen ^r)pot^ef (im Oegenfafee ju ber ©id^erungö^i)pot^ef im ©innc ber
§§ 1125 ff.) ift bie fraglid^e Seftimmung als gered^tfertigt nid&t ju erad^tcn.
& fann nid^t iugegeben werben, ba§ bie jener Seftimmimg ju (Srunbe
liegenbe 3lnfc^auung über bie mirttifd^aftlic^c 35ebeutung ber S3e(aftung mit
einer §qpott|et, felbft in ber beieid^neten S3efd()ränfung, für bie SWe^rja^l
bcr gälle bered^tigt unb im 33erfel^rSleben eine fo allgemeine ift, ba§ barauf
eine oon ber Spiegel unb ber iuriftifd^en 5Watur ber af jefforifd^en §i)potf)ef ah^
löcid^enbc bispofitioe Slusna^mebeftimmung gcgrünbet werben fönnte. @ine
foI(^ Seftimmung ift um fo beben!üd[|er, als biefclbe mit bem geltenben Steckte
in benjenigen ©ebieten, für meiere ber im ©efefebuc^e georbnete oertragSmäfeige
©üterftanb ber ©emeinfd&aft beS beroeglid^en äjermögenö unb ber ®rrungen^
fc^ft oorjugsmcife bered^net ift, nic^t im ®intlange fte^t unb bort baö Se^^
bürfniß einer fold^en 35eftimmung fid^ nic^t geltcnb gemad^t ^at. I)er ©tanb*
punft beö ©ntmurfeS in ber l^ier fragUd()en S3cjie^ung entfprid^t jubem ber
Sorfc^rift beö § 1433, nad^ meld^er in ben bort bcjeid[)neten gäUen alle burd^
ben ßnoerb ber ©rbfdöaft u. f. ro. entftanbenen SSerbinblidfifeiten otjne 9lüdEfid^t
barauf, ob noegen berfelben ein immobile mit einer ^ppotl^el belaftet ift ober
nic^t, auf ba^ ©onbergut unb baö Oefammtgut oerl^ättnifemäfeig oert[)eiIt
werben foHen.
SIud& in 5lnfe^ung ber mö^renb beö Seftef)enö ber ©emeinfd^aft ent^ m^xwb b«r
ftonbenen 33erbinblid^fciten eincö ©Regatten finb, fooiel baö SSer^ältni^ bcr emTtanbenV
€^gotten unter cinanber betrifft, abgefefien oon bcr SSorfd&rift beö § 1433, ®*«^^«"-
SWobififationen ber in biefer ^infid^t für bie allgemeine ©ütergemeinfc^aft
tnalgcbcnben Seftimmungen (§ 1367) nid(|t crforbcrlid^. S)ie SÄbmeiddungen
ber lejteren oon ben betreffenben Seftimmungen bcs franj. SWed^teS (code civil
Srt 1409 9lr. 2—5, »rt. 1437) unb beö e^renbreitft. ©ntm. (§§ 16—23) l)ängen *
nic^t mit ben befonberen 3Ser^äItniffen ber SWobiliargcmeinfd^aft jufammen,
fonbem berufen auf einer oerfc^iebenen 9luffaffung allgemeiner fragen. 2)ieö
gilt inöbefonbere oon ber Seftimmung, ba§ bie aus einer unerlaubten ^anblung
loS^renb beö 33efte^enö ber (Semeinfc^aft entftanbenen SSerbinblid^feiten eincö
©^gatten ftetö bem leiteten jur Saft fallen (§ 1367 3lbf. 2 ?«r. 1), mä^renb
35*
548 SWo6iriarGemeinf*aft. ©onberout. § 1432.
bicö, foDicl berartigc SScrbinbfid^feiten bcö ß^cmanneö betrifft, na^ fronj.
Siedete (code civil 2[rt. 1424) nur in SKnfel^ung bcr t)on bem ©bemanne wegen
einer ftrafboren, nic^t bloß ^ioilrec^tfid^ unerlaubten ^onblung Derroirftcn
(Selbftrafen ber gall tft. 5Der e^renbrcitft. ©ntn). § 23 Slbf. 4 ftimmt in biefcr
93ejief)ung mit bem üorliegenben ©ntmurfe überein.
atufiöfung ber 5. 3)ie bei ber allgemeinen ©ütergemeinfc^aft geltenben SSorfd^riften bc^
@emeinf<^«ft. Q^^^^^^^^ ßber bie Slufiöfung ber ©ütergemcinfc^aft unb bie SBirfungen ber
3luf(öfung (§§ 1371—1382) l)ängen mit ber ©runbauffaffung, von melier
ber ©ntrourf bei ber ®ütergemeinfd&aft ausgegangen ift, unb mit ber bem
Oefammtgute ju (Srunbe gelegten juriftifctjen Äonftruftion fo eng jufammen,
bafe fie, abgefef)en t)on ben 33eftimmungen über baß gütergemcinfd^aftlit^c
©rbredöt unb bie fortgefegte ©ütergemeinfd^aft (oergl. § 1434 nebft ÜRotioen)^
aud^ bei ber ©emeinfd^aft beß beroeglid^en SBermogenß unb ber ©rnmgenfc^aft
jur 9Inn)enbung fommen muffen. !3n ber großen 2Re^rjal;l ber gällc ftimmeit
fie jubem mit ben betreffenben SBorfd^riften beß fronj. SRed^teß (code civil
3rrt. 1441—1495) unb beß e^renbreitft. entm. (§§ 43—48) im prattifc^en
^'°bc'r* SHcfultate überein. ©ine nid^t unerlieblid^e Slbroeid^ung Don bem fronj. Siedete
G^cmannc«. (code civil 9lrt. 1443) unb bem el^renbreitft. ®ntro. (§ 47) jeigt fic^ aUcrbingß
namentlid^ barin, bafe nad^ bem ©ntrourfe bie ®f)efrttu im galle ber Eröffnung
beß Äonfurfcß über baß Sßermögen beß @f|emanneß bie 3luflöfung ber Oüter*
gemeinfd^aft auc^ für bie 3^Iwnft nid^t üerlangen fann. SBenngleid^ iujugeben
ift, ba^ im ^inblidfe auf bie SJorfdlirift beß § 1434, nadd melc^er baß guter-
gemeinfd^aftlid^e ©rbred^t unb bie fortgcfeßte (Sütergemeinfd^aft bei ber ®e^
meinfd^aft beß bcmeglid^en SScrmögcnß unb ber ©rrungenfd&oft feine 9Inmenbung
finben follen, ein 2^^eil ber ©rünbe, meldte bal)in geführt l^abcn, ber fe
Öffnung beß Äonhirfeß über baß 33ermögen beß ©^emanneß einen Cinflufe auf
ben Seftanb ber Oütergemeinfd^aft nid&t cinjuräumen (t)ergl. bie SRotiüe su
§ 1372 oben ©. 398), bei ber ©emeinfc^aft beß bemeglid^en SBcrmögenß unb
ber ©rrungenfc^aft ni^t jutrifft, fo fommt bod^ anbererfeitß in öetrad^t, bafe
biefer ©üterftanb im Uebrigen in 2lnfe^ung beß Umfangeß unb bcr Sutenfität
feiner ©inmirfung auf bie SBcrmögenßoerf)ältniffc ber ©Regatten ber allgemeinen
@ütergemcinfdl)aft fef)r natie ftel^t unb bie befonberen (Srünbe, rocldbe beftimmenb
gemcfen ftnb, bei bcr ©rrungenfd)aftßgcmcinfd()aft bie ©roffnung beß Äonfurfcß
über bad SBermögen beß ©^cmanneß alß Sluflöfungßgrunb onjucrfcnncn
(§ 1429 aibf. 2), bei bem ^ier fraglid&en ©üterftanbe nid^t in bem aWofee inß
©eroid^t fallen, bafe fie in ber l^ier in 9iebe ftel)enben SSejieljung ju einer Slb^
mcid}ung oon ben SSorfd^riften ber allgemeinen ©ütergemeinfc^aft not^igcn.
§ 1432.
eonbcrgut. 3)ic Scftimmuug beß § 1432 3lbf. 1 bringt ben farofteriftifd^en Unter*
\\Z^^' fc^i^i> jn)ifd[)en ber allgemeinen ©ütergemeinfdtiaft unb ber ©emeinf^aft beß
*
Bennögen. beioeglid^cn SBcrmögenß unb ber ©rrungenfd^aft jum 2lußbrudEe, bofe nömli<i.
mcnn biefer legiere ©üterftanb vereinbart ift, ol^ne bafe cß bieferl^alb einer
befonberen SBereinbarung bcbarf, Sonbergut eineß ©l^egatten, aufeer ben im
§ 1351 bcjeiddneten ©egenftänben, baß unberoeglid^c SJermogcn ift, roelt^cß
aJloBiliaröcmeinfc^aft. ©onbcrgut. § 1432. 549
berfelbc bei (Sintritt bicfcö Oütcrftonbcä ^at ober wä^renb beö Seftd^enö beö
Icfteren bnxd) ©rbfolge ober burd^ a3ermäd)tm§ ober burd^ Uebcrlrogung mit
3lücfji(^t auf ein fünftigeö (grbreti&t erroirbt (ocrgl. code civil 9lrt. 1401—1406;
enti4 b. SR. ®. in 6imlf. XV, 80 ; e^renbreitft. ©ntn). §§ 3, 4, 6). Sie
Ölcid^ftellung beä ©rroerbeß burci} Uebertragung mit Slücffid^t auf ein fünftlgeö
Grbrec^t rc^tfertigt fic^ burd^ ben 3^^^* "^^ ^i^ 3latur einer fold^en lieber-
trogung. 3)iefe Oleidiftellung mit bem el)renbreitft. ®ntm. § 6 auf ben galt
einer fold^en Uebertragung von ©eiten eines Slfjenbenten ju bcfc^ränfen
^ocrgf. auc^ code civil 1406), fel|tt ed an genügenben (Srünben.
Sluä ber 93eftimmung beä § 1432 9lbf. 1 crgiebt fid^ inöbefonbere, bafe, «"^^^ «"«|^
rocnii in ben bort bejeic^neten '^Süzn ber ©rroerb t^eilö auö unberoegüd^en/unb^bcnlJgi.*
töcite au0 beroeglid&en ©ad&en beftetit, bie erfteren bem ©onbergute, bic legieren f^^^^^htn
km ©efammtgute jufallen. 3luf bem ©ebietc beä franj. 9ledf)teä befielt mit erbfc^aft
Äucffic^t ouf bie Seftimmung bcö code civil SÄrt. 883 bie Streitfrage, ob, "' ^- '°'
wenn mehrere üßitcrben Dor^anben finb, bie grage, ob ein ß^egatte 3)lobiIien
ober 3mmobilicn geerbt ^abe, fid^ nad) bem 93eftanbe ber ungettieilten ©rb-
f(^Qft ober aber nad^ bem ©rgebniffe ber a^tieilung entfc^eibet. 3)as 3leid^ö^
gerieft ((Sntfc^. in Gioilf. XV, 80) l^at bie grage im erfteren Sinne ent^
fc^ieben. 3)er e^renbreitft. ©ntn). § 5 beftimmt bagegen in biefer 33ejie^ung,
boB bic bei ber Stuöeinanberfegung bem miterbenben ®t)egatten auf fein Sooö
juget^eilten unberoeglid^en Sachen jum Sonbergute, bie bemfelben auf fein
Sood juget^cilten bemegli^en Sad^en jur ®iitergemeinfd[)aft gct|5ren unb bafe
ber legieren aud& bie (Selbabfinbungen jufallen, meldte ber ©begatte Don SDlit^
erben für bie von ben legieren übernommenen unberoeglic^en ©rbfd^aftöfad^en
JU forbern ^at, üorbe^altlid^ ber ©rfagleiftung nad^ § 9 jenes ©ntrourfeö.
Som Stonbpunfte beö oorliegenben ©ntrourfes aus ertebigt fid^ bie in SHebe
fte^enbe g^ogc, o^ne ba§ es in biefer Sejie^ung einer befonberen 33cftimmung
bebarf, bur^ bas nad^ § 1351 Stbf. 1 3lr. 4 unb § 1431 2lbf. 1 aud^ für
bie ©emeinfc^aft bes beweglichen aSermögenS unb ber ®rrungenfd(|aft ma^^
gcbenbe SurrogationSprinjip beS § 1414. 3luS bicfem ^rinjipe folgt, ba^
ber Xnt^eil, meld^er einem ©Regatten als ajiiterben an ben ju ber ©rbfd^aft
ge^örenbcn unberoeglidden ©ad^en jugef allen ift, bic SonbergutSeigenfd)aft,
meldte ber 9lnt^eit an biefen ©ad^en wegen ber Unberoeglid^teit ber legieren
crf^oiten ^at, aud^ bann behält, wenn berfelbe auf Orunb ber 3luseinanber*
fegung mit ben SKiterben in beroeglid^e Sad^en ober in einen ®elbanfprud[)
umgefegt ift. 33on ienem ^ßrinjipe in ber l)ier fraglid^en 33ejiel^ung für bie
®emeinf(^aft beS beroeglid^en aSermögenS unb ber ©rrungenfd^aft im Oegen?
foge jur allgemeinen ©ütergemeinfd^aft eine 2lu8nal)me ju machen, liegt feine
Seranlaffung por, ba bie SScr^ältniffe bei jenem ©üterftanbe in biefer ^infid^t
nic^t anbers liegen, als bei ber allgemeinen ®ütergemeinfd[)aft, unb jubem ber
Gntrourf nad^ ber bem franj. Siedete oon bem 9leid^8gerid)te ju 3;^eil ge=f
morbenen 3ludlegung in bem gebauten fünfte mit bem franj. Siedete im
©nflonge fte^t, eines
^ad) bem »orbilbe bes franj. 9tec^tes (code civil 3lrt. 1408) enthält ^«^^**j9^;^^'
ber e^renbreitft. ©ntro. § 5 2lbf. 2, 3, ferner befonberc Scftimmungen für «Regatten
bie gftUe, in meldten ein etiegatte mälirenb beftelienbcr ©emeinfdjaft burd^ ^^^""^^
550 SWobiliargcmcinftJ&aft. ©onbergut. § 1432.
läftigcd 9ic^tßflcfd&äft bad 6igcntf|um einer unbeweglichen Sod^c erwirbt, ön
roefdier ilim boö SRiteigcnttium bereite juftel^t ober in rocld^em ber e^emonn
in fold^er 9lrt eine im ^itcigent^ume ber S^efrau fte^enbe unberoeglid^e Ba6ft
ganj ober t^eilroeife allein unb auf feinen $Jlamen erroirbt. 3lud^ in bicfcr
Sejieljung bebarf eö, wie bereit« in ben SRotiücn ju § 1414 oben 6. 501
dcroorge^oben würbe, für ben Gntrourf befonberer Scftimmungen ni^t, bo au^
infoweit ber ©runbfafe beö § 1414 genügt unb ein befonberer ©d^uß ber Q^-
frau gegen bic (Sefa^r einer Senad^t^eiligung burcf} ben ©^emann in bem
jule^t bejcid^neten goUe ni(i()t erforberlid^ ift.
«ä^crc »c» Der § 1432 SKbf. 2 ent()ält bic näheren 35eftimmungen barüber, wel(!^c
SSacJen ©cgenftänbe unbewegliches SBermögen im ©inne beö § 1432 äbf. 1 ftnb.
«ermSßcnö 3)ic Sßorfc^rift bc« § 1432 SHbf. 2 5Wr. 1, bafe (Srunbftüdfe nebft bem
3ubcl|öre (§§ 789, 791) unbeweglici[)eö SBermögen fmb, cntfprid&t bem fronj.
JHec^te (code civil 5B[rt. 517—525 ; in Slnfe^ung beö 3wbe^5rcö 5um Xt)ül ab?
weid^enb e^renbreitft. Entw. § 10). I)cn ©runbftütfen fte^en nad& § 781
3lbf. 2 bie bort bejeid^ncten felbftänbigen Sered^tigungen gleid(|.
3n wefentlic^er Uebereinftimmimg mit bem franj. SWed^te (code civil
9Irt. 526, 529, 530) bejci^net ferner bic 3lv. 2 beö § 1432 3(bf. 2 bie Siebte
an ©runbftütfen mit 9luönal|me ber ^^potldefen unb Orunbfd^ulbcn olft
unbcweglid^eö SBermögen im ©inne beö § 1432 Slbf. 1 (ocrgt. aud^ § 1511
9lbf. 1 31r. 1, § 1674 3lx. 1). Diefe ausnähme re^tfertigt fid^ bur^ bic
wirtl^fd()aftlid^c 35eftimmung ber $i)pot^efen unb ®runbfd(|ulben unb ift oud)
im e^renbreitft. ®ntw. § 10, weld^er im Uebrigen wegen ber gragc, welche
Ocgenftänbc jum unbeweglidöen SSermögen gel^ören, auf bie ®runbfä|e beö
gemeinen 9led&teö oerweift, auöbrücfüd^ aner!annt Unter bic i&i)pot^efen fällt
felbftocrftänblid^ aud^ bic eigcntf)ümerl^i)pot^ef (§§ 1097 ff.). a)a boö 6*
baured^t (§ 961) noc^ § 962 3lbf. 2 ju benienigen SBcred^tigungen gehört,
weld^c ben ®runbftüc!en gleid^geftellt fmb (§ 781 aibf. 2), fo fommen olö
binglic^e Siebte an ©runbftüdfcn nur no^ baö binglid^c S8orfauföred&t (§§ 952 ff.),
bie ©runbbicnftbarfcitcn (§§ 966 ff.), ber Sliefebraud^ (§§ 980 ff.), bic be*
fc^ränften pcrfönlid^en SDienftbarIciten (§§ 1044 ff.) unb bic Slcaaaften
(§§ 1051 ff.) in Setrad^t. 3lnIongenb baö binglic^e aSorfauförcd^t, fo gebort
baöfclbe im ^inblidfe auf feinen ©egenftanb unb 3n^alt unjweifel^aft }u bem
unbeweglichen SScrmogen. ©oweit baöfclbe bem ieweiligcn (Sigcnt^ümer eine«
©runbftüdfeö jufte^t (§ 952 9lbf. 2 9flr. 2), crgiebt fid^ bieö fd^on auö § 788.
©oweit baöfclbe nid^t fubicftio-binglid^ ift, folgt bic ©onbergutecigcnfd^aft
bcöfclbcn auö § 1351 2lbf. 1 SRr. 2 in SSerbinbung mit ben §§ 954, 486,
nad) wcld^cn baöfclbe auf einen änbcren nid^t übertragen werben fonn.
®bcnfowenig fann bic 3mmobiliarcigcnfd^aft ber ©runbbicnftbarlcitcn nod^
§ 974 9lbf. 1 unb § 788 einem 3weifcl unterliegen. S)er Stiefebrauc^ unb
bic befd^ränften pcrfönlid^en 2)icnftbarlcitcn liaben jwar wirt^fc^afttid^ bei
3Bcitem nic^t bic 93cbeutung, wie ha^ (gigent^um an ©runbftüdcn. Da fic
mit bem SJ:obe beö 35ere^tigten erlöfd^en (§ 1014 9lbf. 1, § 1049), fo fe^lt
il)nen jubem ber 5lara!ter beö geften unb Dauernben unb fann bcö^alb niit
bic Siebe baoon fein, ba§ eö fid^ bei biefcn SRcd^tcn um fold^c SBermogenfi«
gcgcnftänbc l)anbelt, weldf)c nadd ber ^cnbcnj ber ®emcinfd)oft beö beweglichen
ÜRcBinaröcmcinfd&aft. ©emcinWaftli^fcit b. SSerbinblic^fciten. § 1433. 551
Sermogcnö unb bcr @rrungcnf(i^aft bcr gamiUe erf)altcn werben müßten.
Jiefe 3)lomcnte fpred^en bafür, bie bcjeic^neten Siedete nid&t Qlä unberoeglid^eö
Sennogen ju bc^anbeht. 3lnbcrcrfcitö fommt aber neben bem SBorgange beö
franj. Jlcd^tcfi (code civil SKrt. 526) in Sctrad^t, bafe biefelben roegcn ifircv
Quf bie 5|Jcrfon beö Söcred^tigtcn befdiränften Xauer fid^ nid^t baju eignen,
Seftanbt^cil be« ©efammtgutefi ju werben (ücrgl. § 1415 nebft aWotioen oben
S. 503 ff.), unb bie befdiränften perfönttd^en ©ienftbarfeiten ^ubem wegen i^rer,
roenigftend ald Siegel, anerfanntcn Unüeroufecrli^feit (§ 1047) nad^ § 1351
8bf. 1 9ir. 2 o^nel^in rcgelmäfeig ©onbergutöcigenfc^aft f)Qben. Sw'cifel^after
ift bie 5?ragc, ob oud& bie SReollaften, foweit biefelben ni(^l fubicftio-bingli^
finb unb fcfbftönbig übertragen werben fönnen (§§ 1051, 1059), bem unbewegt
fielen SScrmogcn jujuredfinen fmb. 2)a6 bie fubieltiü^bingUdden SRcaltafteu
3mmobilioreigenf^aft ^oben, oerftcl^t fi^ noc^ § 788 t)on fetbft, unb bie
Sonbergutßeigenfd^aft ber fonfligen SRcoUoftcn, foweit biefelben nid)t über*
trogen werben fonnen, folgt auö § 1351 Slbf. 1 9lr. 2. 3lber aud& in SJlm
fe^ung ber übrigen 3leallaftcn fprct^en übcrwicgenbc ©riinbe bafür, biefelben
bem Sonbcrgute jujured^nen. 3)ie 9luffaffung ber SRealtaften al8 eineö Seftanb::
t^eileö bed unbeweglid^en Vermögend entfprid^t nid^t allein bem alten beutfd^en
Äec^te, fonbern uorwiegenb aud^ bcr l^cutigen 9led|tö* unb 83erfel)rßauffaffung,
unb cö ift um fo me^r angcjeigt, biefelben im Sinne beö l)ier fraglichen
Qüterftanbeö bem unbewegltd()en SSermögen iujujäl^len, ald auc^ lieutjutage
no(^ ein 93ermögen audfd^Iieglid^ ober bod^ grogtent^eild aud feinedwegd immer
on ein ®ut gefnfipften Sieallaftberec^tigungen befielen fann.
SBirb ber 9lie6braud| an ®runbflücfen alö jum unbewcglid^en 93cr*
mögen ge^orenb bc^anbelt, fo ift eö fonfequcnt, bcmfelben aud^ ben Sücfebraud^
an folc^en JRed^ten gleid&juftelten, weld^e nadt) bcr aSorfd^rift beö § 1432 Slbf. 2
9ir. 2 «eftanbt^eile beö unbeweglichen SBermögenö bilbcn (§ 1432 2lbf. 2 5«r. 3).
«nlangenb fobann bie «orfclirift beß § 1432 Slbf. 2 3lr. 4, fo red^t^
fertigt f\d) bie SKuöbe^nung ber Smmobiliareigenfd^aft auf bie bort bejeid^neteu
^orberungen burdd ben 3^^^*/ roeld^en bie Sorfd^rif ten beö § 1432 9lbf. 2
91r. 1—3 verfolgen, unb bie wirt^fd^aftlic^e Scbeutung ber l)ier fraglid^cn
Sorberungen (uergt. § 1511 9lbf. 1 9tr. 2, § 1674 9lr. 2). ^m 9lcfultate
Kimmen auc^ boö franj. Stecht (code civil 2(rt. 526) unb ber e^renbreitft.
6ntw. § 4 9tbf. 2 bamit überetn.
§ 14;}3.
35ie 33eftimmung beö § 1433, welche fidd als eine SWobififation beö ®emctn*
§ 1367 atbf. 1 nnb äbf. 2 3Jr. 2 barfteUt, entfpric^t bem franj. SRec^te (codejfb«^,
Hvii «rt 1411—1418) unb bem c^renbreitft. (Sntw. (§§ 24—28). '^^^^Q^^^^^''l^,^J,^^'
fic^ nicftt Dcrfennen Ififet, baß jene 93eftimmung baö ä3erl)ältnife ber ©Regatten «erwnb*
unter etnanber in änfel^ung ber im § 1433 bcjeid^neten SScrbinblidfifeiten "*'"*«"*
tompU}irt, inbem banad^ bie ^ert^eilung biefer ^crbinblid^feiten auf baö
Qefammtgut unb baö ©onbergut mi) anberen GJrunbfäfeen erfolgt, alö bicö
nod^ § 1367 SCbf. 1 unb äbf. 2 9lr. 2 fonft ber gall ift, unb bafe bie jum Swecfc
ber 3krt^eilung ber in JHebc fte^enbcn aScrbinblidfifeiten auf baö Oefammtgut
552 9Wobiliaröemeinf(J6aft. Erbfolge. § 1434.
unb baö Sonbcrgut not^rocnbig rocrbenbc 9Bertl&dbcrcd^nung mit Sd^micrig-
feiten Dcrbunbcn fein unb ju SGBeitcrungen Sttnlofe geben fonn, fo ift e§ bod^
als bebenflldö erachtet, jene Seftimmung, roeld^e jid^ im franj. 9ied^te affi eine
©igentl^ümlid&feit ber 5KobiIiargemeinfd^aft auögebilbet unb in ben Gebieten
biefeö 5Red6tcS ju befonberen SÄifeftänben nid^t gcfül^rt \)ai, of)ne swingenbc
©rünbe ju befeitigcn. 3)ad SBeri^ältnife gegenüber ben ©laubigem roirb burc^
bie S3eftimmung beö § 1433 übrigens in feiner SBeife berül^rt; uielmel^r fmb
infomcit, aud) foüiel bie im § 1433 bejeid^neten Serbinblic^feiten betrifft,
Icbiglid& bie aSorfd&riften ber §§ 1359, 1362 mafegebenb.
§ 1434.
9iu§fc^iu6 ber S)ie Seftimmuug bc§ § 1434 berul^t auf ber ©rroägung , bafe in bem
^^Tami^w* ^öeltauö größeren 2:^ci(e berjenigen ©ebiete, in meldten bie 2BobiUargemcins
Grbfoifle. f^aft ober ein ö^nlid^eö P3üterred6tsft)ftem baö gcfeglid^e cl^elid)e ©üterret^t
bilbct, inöbefonbere in ben Oebieten beö frou/^. 9ledf)teö unb beö bab. S. %,
baö Snftitut ber fortgefegten ©ütergemeinfd^aft unbefannt ift. 5Daö frani^
■Hed^t fciutt überhaupt feine JRad^roirfung beö el^elid^en öüterred^tcö über ben
2;ob eineö ber ©Regatten l^inauö. 9ia^ bem bab. S. 9t. ©a|745a ftel^t jroar
bem Überlebenben ß^egattcn bie lebenölänglic^e S^ugniefeung an einer Öuote
beö ©rbtEieitcö ber Siinber ju, allein of)ne 9lüdffid6t auf bie 3trt ber ©ütcr-
gemeinfd^aft, roeld^e in ber S^e gegolten ^at (üergl. auc^ S. 5f. ©ag 738a).
9tud) in benjcnigen tJerJ^öItniftmäfeig f leinen ©ebieten, in welchen fonft nocft
eine 9Kobiliargemeinfd)aft ober bodE) eine 9luöbe^nung ber ©rrungenfc^aftö«
gcmeinfc^aft auf einjetne SE:f)eile beö beim Gintritte ber ©emeinfc&aft Dor*
l)anbencn aSermögenö ancrfannt ift, inöbefonbere im SSe^irfe beö oormaligcn
^uftijfcnatcö ju G^renbreitftein, finbet jroar l^äufig ein 5lic&braucft beö über*
Icbenben ßf)egatten ftatt, metd^er bem legieren auögebel^nte Sledbtc gcroäört,
nur wreinjelt aber, j. 93. nad^ htn Siedeten üon Sa^mSlltenfird&en unb Sam-
^ac^enburg, ein ber fortgefegten ©ütergemeinf^aft äl^nlid^eö SSertjältniß (oergL
bie SKotioe ju § 50 beö el^renbreitft. ©ntro.). ©tei^rool^l l^at ber e^rcnbreitft.
(Snttt). §§ 50 ff., 72, unb jmar unter 3wftimmung ber SSertreter ber bct^eiligten
Jiedtjtögebietc unb unter 3wftimmung ber SKe^rja^t ber ®erid&te, bei beerbter
©^e baö Snftitut ber fortgefegten (Sütergemeinf^aft aufgenommen, bei um
beerbter ®l)e bagegen bem Überlebenben ©Regatten ben lebenölänglidien 91iefi*
braudb eingeräumt, ©o gcre^tfertigt biefer SSorfd^lag für ein ©efeg fein mog,
lueld^eö baö e^elid^e (Süterred^t lebiglid^ im Sejirfe beö oormaligen 3uftiifenateö
JU ©l)renbreitftein ju orbnen beftlmmt mar, fo pafet er boc^ nid(|t für ben »or*
Uegenben ©ntrourf, weil er mit ber l^errfd^enben Sitte unb bem bcfte^enben
9led^töjuftanbe in bem größten S^^eile berjenigen ©cbiete, für meiere bie im
©cfegbud^c georbnete üertragömäBigc ©emeinfcftaft beö bcroeglid^en SBermögenö
unb ber ©rrungenfd[)aft üorjugömeife bered)net ift, nid&t im ©inf lange ftebt
3m ^inblidfe auf biefe Sad[)lage unb ben immerhin fingulären Äaraftcr beö
Sfnftituteö ber fortgefegten ©ütergemeinfd^aft fann eö aud6 nid&t olö angemcilen
unb nid^t alö burd^ ein Sebürfnife geboten erad^tet werben, ben ©Regatten bie
üKöglidifeit ju gemft^ren, bei aSereinbarung beö ©üterftanbeö ber ©emeinfcftaft
j
6Bfred&tIi(6e§ SRegiftcr. Seroffcntli^unö- § 1^35. 553
bcö beweglichen SSennöflenö unb bcr ©rrungenfci^aft im SBege bcö ©t)coertrage§
Me SInnjenbbarfcit bcr bie fortgefefetc ©ütcrgemeinfci^aft für bic allgemeine
(Sütcrgemcinfd&oft regelnben SSorfd^riften ber §§ 1383—1409 Quöbrürflid^ ju
beftimmen. ©in fold&eö Sebürfnife ift um fo weniger onjuerfennen, o(9, rocnn
bif ©Regatten in benjenigen (Sebieten, in meldten gegenwärtig bie Stßobiüar«
flfmeinfc^Qft gilt, ausnatimdroeife eine berartige 3iac^n)irfung ber Oütergemein*
fcbaft fiber bcn 2:ob beö einen ©l^egatten ^inauö münfd^en foUten, [ie bicö
boburtö erreid^en fonnen, bofe fie ben ©ütcrftonb ber allgemeinen Pjüter*
gcmcinfc^aft rereinbaren, baneben aber im ©^eDcrtrage beftimmen, ba^ bic
beim Eintritte ber (Sütergemeinfddaft üor^anbenen, foroie biejenigen Immobilien,
roel^e ber eine ober anbere ©begatte roälirenb beö 33eftel^en3 bcr ©ütergemeim
ftboft in ber im § 1432 2lbf. 1 bejeid^neten 3lrt erroirbt, Sonbergut fein foHcn.
änlongcnb ober ben in cinjelnen (Sebieten onerfanntcn tebenölänglic()en 5Ric^*
brout^ bed überlcbenben ©f)cgatten, fo ift biefer burc^ baö im ©ntwurfc
(§ 1971) anerfannte 3nteftaterbred^t bcö überlcbenben Gfjcgattcn erfegt.
iBierter Xitel.
§ 1435.
3n bcm jroeiten unb britten 2^itel beö crftcn 2lbfd[)nittcö beö Familien- . ««r*
mftteö ift jum Sd^uge beö guten ©laubenö britter ^erfoncn eine 5neif)e von Siatn^f
Seftimmungen getroffen, nac^ metd)en bie red^tUd^e SBirffamfeit einer Xi)aU ^^^^^{J^^^^^
kä^ gegenüber einem ©ritten baüon obl^ängig gemadf)t ift, ba^ bie 3:f)atfad^e cDegotten.
Dorfc^riftömöfeig oeröffentlid^t ober bem I)ritten befannt mar ober befannt fein
mußte (oergl. bie §§ 1278, 1284, 1291, 1307, 1330—1332, 1336, 1337, 1350,
J3ol, 1381, 1417, 1429, 1430). 2)ie §§ 1435—1439 bciroedEen, bic formellen
Sorfc^riftcn über bie 33eröffcnttid&ung einer auf bic oermogcnörcd[)tlid&en SSer-
Wltnijfe pd) bejie^enben 2;i}atfac^e inforoeit ju geben, alö biefetben für bic
©irffamfeit bcr SSeröffentlid^ung mcfentlic^ bcjro. jur SDurd^füörung beö 3n*
ftimteö beö c^ercc^tlid&en SRegiftcrö not^menbig fmb. S)er üon bem ©ntmurfe
^ingefd^Iogenc , ben 93eftimmungcn bcö ^. @. 33. über baö ^^anbelörcgiftcr fidEi
önfc^liefeenbe SBeg, bie gebad&ten formellen aSorfd^riften in einem befonbcren
Jitel iufommcnjufaffen, empficf|lt fic^ um beöroiUen, weit er bie Ueberfid()tlic^::
feit unb bie prattifd^e ^anb^abung beö @c[e|bud^eö erleid^tert.
Um ben 3"^^* ^^^ SSeroffcntlic^ung, 2)ritten bie SJlöglid^fcit, uon bcr ©ntranung m
betreffenben Sr^otfadie Äenntnife ju crl^altcn, in folc^cr 3trt ju gen)ftl)rcn, bafe ajt '^egm«.
in ber Slic^tfcnntnife ein SKangel ber gehörigen Sorgfalt gefunben mcrbcn mu|
unb bcö^alb feine $}eranlaffung me^r uorlicgt, fie gegen bic barauö cntftc^enbcn
3lac6t^ile ju fd^ügen, genügt ni^t eine blofec 3luöl)ängung ber Scfanntmac^ung
on bcr für fold&e 3rocc!e bcftimmtcn Stelle ober bic blo^e ©inrücfung in bic
554 (S6crec&tnc5e8 3icßiftcr. SSeröffentliiJ&unö. § 1435.
offcntlid^cn 93(ätter (ocrgt. prcufe. 31. S. SR. II, 1 §§ 323, 422 ff. ; preufe. ®ef.
D. 20. 3Härj 1837, betr. bic ©rrid^tung unb 93cfanntmad^ung bcr SScrtrögc
über bie ©infüfirung ober 2fuöfd|üe6ung bcr e^eli(^cn ©ütergemcinfd^oft), »eil
boö (Sine roie bafi Slnbere baö Sefanntroerben in bcr bcäeid&nctcn 3lrt nur für
eine ücrl^ältnifemäfeig fiirjc ^dt gcroäl^rlciftct, bie red^tU^c SBirffomfeit ber
fraglid^en 2^f|atfa^c fid^ aber möglid^errücifc auf bic ganje S)auer ber @öe er*
flrcdfen foll. ®ö muß üiclme^r eine ®inrid)tung getroffen werben, roeld^e c8
ben S3etl)eitigten bei 9lnn)cnbung gel^origer Sorgfalt ermöglid&t, fid^ ieberjcit
ofjne befonberc ©d^roierigfeit t)on ber betrcffenben a::t|atfad&e Äenntni§ §u
Dcrfc^affen. 2)icß wirb in jureid^enber SBcife nur errcid^t, wenn bie betreffenbe
St^atfad^e in ein t)on iebem 9lmtdgerid^tc ju fül^renbeö öffcntlid^eö Slegifter ein-
getragen wirb. SJaß 33orbiIb bietet bie Eintragung in bas ^anbctercgiftcr
für f)anbeIöredE|tIid()e Sefanntmad^nngen. 9Cud) für bic e^crcd^tlid^en S3eFannt*
mad^ungen befielen bereits mcl^rfad^ äl^nlidbc ©inrid^tungen, fo in Sremen no^
ber ®^cpaftenorbn.t).9.2)ejember 1839 §§ 3—5, 7 unb bem (Sef . p. 25. 3uni 1879
§ 32 foroie in DIbenburg nad) bem ®ef. v. 24. 3lpril 1873 3lrt. 31, 53 unb bcin
(Scf. t). 10. Sanuar 1879 3lrt. 30, 53.
Deffentiic^c SBic auö § 1435 Slbf. 1 iu aSerbinbung mit § 1439 fxcb crgiebt, ift,
macJunTber ^^mit bic aScröffcntlid^ung gegenüber ©ritten wirft, nur bie Eintragung bcr
(sinttagunfl. bctrcffcnben S^^atfad^e in baß el^cred)tlid&e Slcgiftcr, nid^t aud^ bie öffentliche
33cfauntmad(|ung ber Eintragung wefcntlic^. 35afür, bcn 3«itpunft ber öffentlichen
93cfanntmad()ung cntfdEicibcn ju laffcn, alfo Eintragung unb ^ßublitation als
wefenttidf) Ijinjuftellen (oergl. olbcnb. ®ef. d. 24. 2lprit 1873 3lrt. 31 § 3), fpric^t
aßerbingö bic Erwägung, bafe baburdd ber gute ©taube dritter in ^o^erem
SRaße gefd^fl^t wirb, fowie ber SBorgang beö §. ®. 93. ärt. 25. 9luf bcr
anbcrcn ©eitc tommt ober in Sctrad^t, bafe im bürgerlid^en SScrfe^re ni(^t
in glcidl)cm SKa^c, wie bieö im Jeanbelöuerfel^re ber %aU ift, bie S3et^eili9ten
barauf ju ad^ten pflegen, ob bie crforberlid^e öffcnttidöc SJefanntmad^ung aud^
wirflid^ erfolgt, unb bafe, wenn bic Icgterc irrt^ümlid^ unterbleibt, bcr barauö
entftcl)cnbe 9Jad[)tf)eit bic Eliegatten trifft, 3)aju tritt ber Ucbelftanb, bofe,
wenn ber S^itpunft bcr ^ublifation cntfd^cibcnb ift, für 3)rittc bie Ermittelung,
ob eine ^^atfad&e tJcröffcntlid^t ift, crfdiiwert unb überl^aupt nad^ langen Sauren
ber 9lad^weiö, baß bic öffentlid&e 83cfanntmad^ung unb ba§ biefclbe namentlich
nad^ 9)la6gabe bcr Eintragung in baö c^crcd^tlicjc SRegifter erfolgt ift^ oft
fd^wer ju führen fein wirb. Segt man bcr offentlid^en ScFanntma^ung bcr
Eintragung nur bcn Earafter einer Drbnungßoorfd^rift bei, fo wirb weiter
bcr SSort^cil erreid^t, baß man bcn 3nl)att ber Sefanntmad^ung nad^ SWafegabe
bcö § 1439 bcfd^ränfen fann unb baburd^ bie Äoften ber öffentlichen ©efannt*
macf)ung im 3ntcreffc ber Ehegatten Dcrminbcrt werben. 3)em 3ntercffe 2)rittcr
wirb genügenb SRedEinung getragen, wenn bicfelben — äf)ntid& wie beim ®runb»
bud^e — in bcr Sage finb, fid^ burdf) Einfid^t bcö e^ered^tlid^cn JRcgiftcrfi bie
nöt^ige ftcnntnife ju ocrfd^affcn.
2)a6 eine nac^ SKafegabc bcö § 1435 9lbf. 1 erfolgte SScröffentlic^ung
einer X^ai\aä)c baburd^, bafe eine ben 3nbalt ber früheren Eintragung su^u(^
ncf)menbc ober mit bem ^nljattc bcr Icßtcrcn in SBibcrfprud& tretcnbc ^^^tfoAe
in ba§ ct)cred^tlid^e Slegiftcr eingetragen wirb, für bie B^f^^f* ^^^ SSirhmg
(S6crec6tlid&c3 SReoiftcr. 3uftanblofcit. § 1436. 555
rerlicrt, ou^ locnn bic nm eingetragene S^^otfod&e in SBirflid&fcit ni^t befteljt,
oerfte^t fid^ von felbft, ha mit bicfer neuen ©introgung bic früher eingetragene
2^(|atfac^c aufbort, eine üer'öffentlici^tc ju fein, unb bebarf baljer feineß be-
fonbcren 9(udbru(fed.
lie Seftimmungen beä § 1435 9lbf. 2 Safe 1, 2, roet^e fidj ben ^t^ oeftentuc^*
ftimmungen bcd 3lrt. 25 Slbf. 2 ©a| 1, 2 beö §. ®. 33. anfd^Iiefecn, ergeben gJeaifurl
fic^ mit 9iot^n)jnbigfeit aus bem grocdEe beö eJ^ered^tlid^en SRegifterö. 3^re 3lufs
na^mc in bas ©efefcbud^ cmppel^It fid^, um baburd) bic DeffentUd^feit beö
c^ere^tUcJen SRegifterö, auf meld^er baö ganje 3nftitut berufit, fid)er ju ftellen.
Die glcid^e SJotl^rocnbigfeit liegt nid^t üor in 3lnfe^ung bcr ebcnfalld bem
$. ®. 33, ärt. 25 Slbf. 2 ©afc 3 fic^ arifd^Ue^enben meiteren 33eftimmung beß
§ 1435 2lbf. 2, bafe von ben ©intragungen gegen ©riegung ber Äoften eine
Slbf^rift oerlangt werben fann, meldte auf SBerlangen ju begloubigen ift.
3nbeffen reben ©rünbc praftifd[)er S^^^^^^äfeiof^^t ^^^ 9lufnal^me iener 33e?
Öimmung baß 9Bort, namentlid^ ^ingefel)cn auf fold^e gälle, in meldten bic
äbfdbrift jum Swede ber SBortcgung im ^rojeflc (§ 400 ber ©. % D,) benu^t
itKrrben foll. Safe bie 33eftimmung mifebraud^t werben fonnte, ift nidf)t ju
beforgen.
§ 14^6.
iDic 93eftimmung bcß § 1436 Sag 1, beren 83eobad(|tung, loie bie gaffung swftänbiafeit
jur ®enüge erfennen löfet, für bie SBirffamfeit bcr Sßeroffentlid^ung mefentlid^ isiltmn-
ift, red^tfcrtigt fxd^ burd) ben ^n>(d ber SBeröffentlic^ung in SSerbinbung mit
ber grroägung, bafe bie ©Regatten am 2Bo^nji|e beß ®^emanneß Dorsugßmeifc
i^rc 58erfel^rßbcjie^ungen ^aben (oergl. aud) olbcnb. ®ef. v, 24. 9tpril 1873
Srt. 31 §§ 2, 3). §at ber ®l)emann on melireren Orten ben SBolinriß (§ 34),
fo genügt in ©rmangetung einer entgegcnftel^enben 33eftimmung bie SBer--
öffentli^ung bei bem 9lmtßgerid^tc beß einen ober anberen Drtefl. @in 33e-
bfirfni§, nad^ Sinologie ber §§ 9, 1246 baneben tJorjufdtireiben, bafe in 6r=
mongelung cinefi nad| § 1436 ©ag 1 juftönbigen ®erid(|teß ba9> 5uftänbigc
@eric^t t)on ber obcrften ^uftijoerroaltungßbel^Brbe beß .^eimat^ftaateß beftimmt
locrbc, liegt ^ier nidf)t t)or. gür beutfd^e ®l)egattcn, weld^c im 9lußlanbe i^ren
SSo^nfift l^aben, ^at eine berartige S^faßbeftimmung, aud^ mcnn nad& bem
internationalen 5ßriüatrcd^te baß el^clid^e ®üterred(|t ber ©Regatten fid^ nad^ bem
Setzte beß ©taatcß beftimmt, rocld^em ber 6f)emann jur ^txi ber S^efd^liefeung
onge^ort, nur ein geringeß praftifd^cß 3ntereffe, ba biefelben i^re Sßerfelirß'
bejic^ungen Dorjugßroeifc im Slußlanbc l^aben. ©benfomenig brandet in biefer
öfjic^ung für beutfd)e ©t^egatten, wcld&e im 3nlanbe fid^ aufhatten, aber feineu
SBo^nfit ^abcn, bur^ eine ©pejialbeftimmung SSorforge getroffen ju merben.
Sud^ im ^inblirfe auf bie 33eftimmung beß § 1330, nadd meld^er bic SBor-
ft^riften bcr §§ 1336, 1337 aufeer in ben übrigen bort bejeidfineten göUen
au(ft bonn cntfpred&enbc änroenbung pnben f ollen, menn bie c\)diä)z SRu^-
nic&ung unb SSerroaltung in golge beß Urt^eileß, burd^ melc^eß ber ©fjemann
für tobt erflärl ift, bcenbigt wirb (§ 1327 9lbf. 1 9flr. 4), fann ber fraglid)c
Swfafi nid^t alß crforberlidd txaä)kt loerben, um ber ©l)efrau bie SRoglid^feit
556 ®]&crc(6tnd6c3 Steglftcr. 3uftanbiöfcit. § 1436.
ju geroäljucu, bic öecnbigung ber et)clici[)cn Slugnicfeung unb SBcrioaltung ju
ücröffentlid^en. SBon feltenen unb beöl^olb nid^t befonbcrö ju berücfjtc^tigenbcn
gällen abgefc^en, ^ai bic ©^efrau cincö für tobt crtlärtcn ®^cmanneö, um
fid^ JU [xd)cxn, fein 3ntcrcRc an einer fold^cn SJeröffentlic^ung.
ffiiebcr^oimtg ^^ Slufdjlujfe QU öJ^nUd^e S3cftimmungen anberer ©efefec, inöbefonbere
traamig^tim bc§ olbcub. Ocf. D. 24. 3lpril 1873 Hrt. 31 §§ 2, 3, f^rcibt ber § 1436
ffloTnüker ^^^ ^' ^ weiter t)or, bafe, roenn üon bem ß^emonne ber SBo^nfig in ben
Scjirf eines anbereu Slmtögerid^teö »erlegt roirb, bic ©introgung ber bctreffenbcn
;E^atfad^e biiuien 6 9Bod)en feit ber 93egrünbung beö anberen 2Bo^nfifced anä)
in baö ef|ercd^tlid[)e SRcgifter iencö Slmtögerid^teö erfolgen mu§, roibrigenfalld
bic früljcre Eintragung i()rc SOBirhing oerliert. 3ft ber Slntrog rec^tjeitig
erfolgt, fo bleibt bic früljcre ©intragung loirffam, aud^ rocnn bic neue Sin«
traguug in ba^ efjcred^ttid^c SRcgifter beö anberen 3lmtögcrid^tcö nic^t erfolgt
fein foltte. SBcfentlid) ift alfo nur ber rcd^täcitigc Slntrag; bic ©intragung
felbft in bicfcö Siegiftcr ^at bagegen nur ben Raratter einer Crbnungd'-
üorfd)rift. Sßenngleid) nid^t ju ücrtenncn ift, ba& bic 35cftimmungen beö
§ 1436 ©ag 2, 3 mit praftif^cn Unjuträglid^fcitcn ücrbunben finb unb infi»
befonbcre bic Unfic^eri^cit mit fid^ bringen, ob eine bei bem 5[mtögerid&te be«
früficren 8GBol)nfi6ed erfolgte, in bem bortigen el^ercd)tlid^en SRcgifter aber nocft
nid[)t gelöfd^te Eintragung nod6 wirffam ift ober ni(^t, fo ift bod& bic SRüdfubt
auf ben guten (Slauben berjenigen, meldte mit ben ©Regatten an bem neuen
SBoljnriftc in redfitögcfc^äftlic^en 83erfel)r treten, alö überroiegenb ju erachten.
3Dlan fann jenen ©ritten uic^t jumut^en, ba& Tic ^Jiad^forfc^ungcn onfteUen,
mo bic 6t)egatten früher gemo^nt Ijaben unb ob fic^ in bem e^ercd&tti(^n
9iegiftcr beö frül)eren SBol^nfi^eS eine 'Eintragung befinbet (oergl. auc^ prcuB-
3t. 2. 9t. II, 1 § 426). 9iücfrtd)tcn ber »illigteit gegen bic ©Regatten er^
Öeifd^en eö aber, benfclben eine furje grift für bic ©tcHung beö 9Introgeö ouf
Eintragung in baö et)cred^tlid[)e JHcgifter beö 9lmtögerid|teö i^rcö neuen SBo^m
fißcö in ber 9[rt ju geftatten, bafe, xotwn ber SÄntrag binnen iener grift erfolgt,
bie frühere Eintragung iljrc SBirfung behält, aud) menn bic neue Eintragung
m6)t erfolgt fein foUtc. gür bic ©ritten liegt anbcrerfeitö feine unbillige
3^i^wt^ung barin, bafe fic fid), menn fic mit El^egatten, meldte iliren SBobufit
eben erft oerönbert ^aben, auf SRed^tögefc^äftc einladen unb ftdier gc^en
wollen, nad^ ben S8erl)ältnijfcn berfelben in bem früheren SBofinfifec erfunbigen
(ocrgl. au^ olbcnb, ©ef. v. 24. 9lpril 1873 Slrt. 31 §§ 2, 3; preufe. ®cf.
ü. 20. 3)lärs 1837 § 4 2lbf. 2, bctreffcnb bie ©rrid^tung unb »efanntmad&ung
ber SBcrträgc über bie Einführung ober Sluöfdiliefeung ber e^cUd^cn ®ütcr*
gemeinfd^aft). S)a§ bie ®efat)r ber unterbleibenben Eintragung in baö e^e»
rcditlid^e 9iegifter beö 9(mtögeri^tcö beö neuen SBo^nfigcö nid^t bic Ebegütten
treffen foU, xomn biefelbeu bic Eintragung rcd^tjeitig beantragt Ratten, rcd&t?
fertigt fi^ bxivä) bie Erwägung, bafe bie Ehegatten felbft boö 3l)rige jum
Sd^uße beö guten ©laubenö ©ritter gctlian fiaben, bic auf bicfen Sd^uf
ab}ieleuben Seftimmungen aber ot)net)in alö eine äluöna^me oon ben oD^
gemeinen ©runbfäfeen fidj barftellen.
3)aö olbcnb. @ef. o. 24. Slpril 1873 3lrt. 31 §§ 2, 3 entölt nod& bie
befonbcre 33eftimmung, baß, wenn oon bem ©bemanne ber SBofjnfift in ben
efecrecfttlidfecö JRcßiftcr. ©intrafluno. Eintrag. Su^alt. §§1437,1438. 557
S3ejirf eines anberen 9(mtögerid)teö Der legt ift, bic (S^egotten ober getrennt
leben, ju ©unften ber (S^efrau bie frühere 93er5ffent(i(j&ung roirffam bleibt,
fofem nur bie SBieber^olung ber ©intragung binnen 6 SBodden naä) ber
SBieberoereinigung ber G^egatten erfolgt. ®ine berartige ©pejialbeftimmung
äum St^u^e ber ß^efrau ift jebocf) burd) ein Sebürfnife nid^t geboten.
§§ 14:57, 1438.
S:a bic aSeröffentlid^ung ben ©fiegotten nur bie aJlöglidifeit gen)äf)ren «ntrag out
foü, ft(^ in ben betreffenben gällen gegen bie an ben guten ©lauben 2)ritter ®*"*'^"^""^-
für bie ©Regatten gefnüpften 3fJadöt^eile ju fidlem, fo mufe eö i^nen über^
lafien bleiben, inroieroeit fie von bem i^nen gebotenen ©idierungömittel
©ebrouc^ mad^en lüollen ober nid|t. 2)em entfprid&t eö, bo§ § 1437 9lbf. 1
bie ffiirffomfeit ber S3eröffentti(i[iung unb bie bamit jum 9lQd^t^eile dritter
oerbunbene giftion von bem SBillen bes ontrogöbereddtigten ©Regatten ob^
gängig mad|t, eine oljnc ben 2lntrag bcö 6f)emanneß bejn). ber beiben ©fie^^
gotlen erfolgte Eintragung alfo ni(i[|tig ift. Um fo mefir empfief)lt eö fid^, ben
^Xntrag als mefentlid^ }u bet)onbeln, alö bie Sßirffomfeit einer o^ne ben älm
trag ber ß^egotten erfolgten ä?eröffentlidjung benfelben fcineöroegß in allen
Jällen jum SSort^eile, fonbem bann jum 9Jad[|t^eite gereid&en mürbe, roenn
bie äuffjebung einer früher auf i^ren 3lntrag oerbffentli^ten 2:l)atfoc^c oer*
6ffentlid)t ift. 9luf baö Sebenten, bafe, menn ber 9lntrag als mefentlidd be-
^nbelt wirb, bemjenigen, metd[|er fidi auf bie 23eröffentlid[|ung berufe, ber
Seioeid aufgebürbet merbe, bo§ ber erforberlidie 9tntrag erfolgt fei, fann ent==
fcdeibenbeö ©eroid^t nicftt gelegt werben, ba bie Segalität beö amtlid^en 9Uteö
6id jum 93emeifc beö ©egent^eileö oorauögefe^t werben mufe.
Safe in ben gäUen beö ,§ 1278 aibf. 4 |unb beö § 1307 2tbf. 3 ber Äeaitimation.
Antrag beö S^emanneö genügen foD, red&tfertigt fid& baburdd, bofe in ben
betreffenben gällen ber fö^emonn aud^ bie §anblung, um bepen SSeröffent*
Hebung eö fi(§ tianbelt, allein,' of|nc ©inmilligung ber @f)efrau, mirffam t)or^
ne^en fann. 9lnberö liegt bagegen bic Sadic in 9lnfef)ung ber übrigen ^ier
in grogc ftc^enben gäUe, ba in bicfen baöienige, roaö Deröffentlid[|t rocrben
foll, nic^t üon bem einfcitigen SBiDcn beö einen ober anberen ©[)egatten, fon^
bem non anberen, gefefelidd naiver beftimmten SBorauöfefeungen, inöbcfonbcrc
bem aSor^anbenfein eineö S^eocrtrageö ober eineö Urt^eileö (oergt. }. 33.
§ 1327 atbf. 1 5Rr. 2—4, § 1330, oerb. mit § 1284), ab{)ängt. 3n biefen götten
mufi bat)cr, um icben S^^if^l barüber, bafe jene Sßorauöfe^ungen vorliegen
unb beö^alb bic SBcröffentlidbung ber roirflidien 5led&tölage entfpriddt, in fidlerer
unb einfod^er aBeife abjufddneiben, ber 9lntrag beibcr ©Regatten erforbert
©erben. 9ln fid^ mürbe ber Qxocd auä) baburdi erreid^t rocrben fönnen, bafe
in biefen fallen ber Slntrag beö einen ©l)egatten unb baneben bic ©inroilligung
beö onbcren ©erlangt mürbe;' allein eine folc^c 9lrt beö 9Serfaf)renö cntfpridit
m4|t bem praftifd^en Seben unb ift ber ^rariö unbefannt.
Site roefentlidö fd^reibt ber § 1437 9lbf. 1 ©a^ 2 aufeerbem üor, bafe ber ^orm bc«
9Inlrag ber gerid^tlid^en ober notariellen gorm beborf. 3ft ber Slntrag jur ^"*^"ö*^-
558 (56ere(^tlid&eö Sicoiftcr. Sefanntmadfeunfl. § 1439.
SiBirtfamfcit bcr ßintragunß crforberlidö, fo bilbct bcrfclbe .gcroiffcrmafecn einen
33eftanbt{|eit ber ©introgung unb mufe beö^alb, roic bie Gintrogung fclbft, an
eine öffenttid^e gorm gebunben werben, um boburd^ im Snterefle ber SJe-
t^eiligten bie roefentlid^en SSorauöfeßungen einer roirffamen SBeröffentlid^nng
aufeer S^^if^f i^ [teilen.
•iüerpfiic^tunfl Um in benjenigen fallen, in roeldien nod^ § 1437 2tbf. 1 }u ber ©in-
be« «n\r" ge? J^ö9^"9 ^^^ Slntrog bciber ®^egotten erforberlic^ ift, jebem ber ©Regatten ju
ermöglid^en, bie SBeroffentlid&ung jur ©id^erung feiner Sntereffen tierbeijufü^rcn,
beftimmt ber § 1438, bafe in jenen göllen jeber ©begatte gegenüber bem
anberen oerpflic^tet ift, mit biefem bie ©intragung in ber ju biefer not^igcn
gorm ju beantragen. SGßcigert fid& ber anbere ©^egatte, fo fann bcffen Slntrag
crfe^ung nad^ aKafegobe beö § 779 ber 6. % D. burdd Urtfieil erfegt werben. 3laä)
1429, 1430, um einen ämeiten ^rojcfe gegen ben anberen ©Regatten be^ufö
©rjroingung beö jur ©intragung in baä el^ercd^tlid^e SRegifter crforberli4en
Stntrageö beöfelben ju ücrmeiben, burc^ boö red^töfräftige, in ber ^auptfac^
crlajycne Urtljeil ber 3lntrag beö üerurtJieitten ©Regatten erfeßt werben.
Sn^ait bcr 3)a bic 9ScröffentIid[|ung ben ©I)cgatten nur bie 9KogIic^fcit, fic^ ju
<£»ntraguna. fj^g^„^ geTOöl^ren fon, fo ift cö fonfequent, ben ©Regatten ju iiberlaffen, ben
Snfialt ber ©intragung ju beftimmen. S)er § 1437 9Ibf. 2 ©afe 1 fd^reibt
beö^alb T)or, bafe für ben 3nt)alt ber ©intragung nur ber 3n{)alt bcö StntragcS
ma^gebenb ift. 93on Sebeutung ift bieö namentUd^ für bie ©fieoertröge. S)ur^
bic 33eftimmungen bcö § 1437 9lbf. 2 foU ber Sluffaffung entgegengetreten
werben, als ob es immer ber ©intragung bcö ganjen ©fieoertrageö ober aud^
nur einer SSorlegung bcö Ie|tcren bebürfe. ©in fold^cö SBerfa^ren würbe anä)
ein unangemeffeneö fein, ba bie ©fieoerträge häufig iugleid^ Seftimmungcn
cnttialten, weld^e für ben red^tögcfd&äftlid^en Sßerfel)r mit ©ritten o^ne 3"terejfe
finb, bereu SSeröffentlid&ung ober STufbcdfung ben ©Regatten aber fe^r uncrwünfd&t
fein unb baö ^ntereffe ber Icßtcren empfinblidi oerleßen fann. 3"^^ ®rrei(^ung
beö ^xocdc^ genügt eö, wenn biejenigcn ^eftimmungcn eineö ©^eocrtrageö
Deröffentlid&t werben, weldie für bie SBirffamfeit ber baburd^ berüfirten yicöfH^
fianbiungen von 39ebeutung finb. ®a bie SSeröffentlid^ung nid^t von ämtö*
wegen erfolgt, fo ift eö Sad^e ber ©Regatten, in il)rem 9Intrage ju beftimmen,
inwieweit ber 3n^alt bcö ©^eoertrageö oeroffentlid&t werben foD. gür ben
galt, ba§ an ©teile beö gefegtid^en (Süterftanbeö fc^led^ttiin ein in bem bürgcr*
lid^en ©efegbud^e geregelter (Süterftanb treten foD, ift eö übrigenö in Änfe^ung
alter in SBetrac^t fommenbcn 9led|tögefd[|äfte alö genügenb ju erad^ten, wenn
bic ©intragung bafjin ge^t, bafe allgemeine Oütergemeinfd^aft, ©rrungenfd^oftö?
gemeinfd^aft u. f. w. ücreinbart fei.
§ 1439.
ceffentiic^c X'it ©rüubc, auö wcldien ber ©ntwurf bie offcntlid^e Sefanntmac^ung
mac^ung"*ber ^^^ 1" ^^^ ef)ered&ttid&e SRegifter erfolgten ©intragung nid^t alö ein wefentlid^
eintragung. ©rforbemife bcr SBeröffentUd^ung be^anbelt, finb bereitö in ben ÜRotioen ju
§ 1435 oben S. 554 bargelegt, unb ift bort bereitö barauf ^ingewiefen, ba§
9lad5t6circ ber SBicberuerl&eiratßunö. (§§ 1272—1439.) 559
bicfe 9trt bcr Scl)anbluu0 juglcid^ bcu aSortfjcit gcioäfirt, bcu Snftalt ber
öffentlichen Selanntmad^ung in ber im § 1439 Safe 2 beftimmten SBeife
befc^ronfen ju fSnnen unb boburc^ bie Äoften ber öffentlid^en ^cfanntma^img
im 3ntereffe bcr @f|cgatten ju üerminbern.
Slad^tfieilc ber 5!Bieberoer^eiratf)uug.
1. Sic im ®injelnen, namentlid^ anä) in i^rer ätnroenbbarfeit auf 9'«*^.^«i^"5 ber
bcutfc^rec^tlid^e SScr^öIlniffc, oielfad^ bcftrittenen 33eftimmiingen bcö röm. o«^eirat6ung
Setzte« über bic mit bcr SBieberDcr^eiratl^ung ücrbunbenen ücrmögenßred^t* "^«^'^«"pt
lidfm Stad^t^eüe finb, foroeit nid&t partifufarreditlid^ etroaö 9Inbereö beftimmt ©eitenbej
ift, in ben ©ebieten beö gemeinen 5Red^teö nod^ in ©eltung (oergl. ©ntfd^. b. '^^^^'
S. ®. in ßioilf. IV, 7), inöbefonbere in ben gemeinredjtlic^en ©ebicten t)on
^nnooer (©cuffert IX, 300, XXI, 60, XXXII, 148), ferner mit einjefnen
für geroiffc Sonbeötl^cile gcitenben aJlobififationen in Äur^effen, in Sllecflenburg
(Seuffert XI, 249), in ben gemeinred^tlid^en 2^^eilen beö (Srofeljerjogtfjumeö
^ej|en (Seuffert XVII, 254), foroie in benienigen 2:^ei(en oon SBeftfalen, in
©eli^n bie brei erftcn S^itel beö jmeiten 2^^eiteö beö preufe. 91. £. SR.
fitfpenbirt finb (genner unb aKecte III, 120), unb in ben gemeinred&ttidden
Qebieten üon Sorjcrn. 9lber oud& in benienigen gemeinrecidtUdöen (Sebieten,
in loelti^en bie l^icr froglic^cn Seftimmungen nod& gelten, ^at fic^ ba, loo
bettt|(5re(^tlid^c e^elid&e ©üterücr^ältniffe befte^en, ber £reiö ber 9lnroenbbarfeit
jener Seftimmungcn üiclfod^ oerengt. So roirb angenommen, bafe ber Slnt^eil
an btm gütcrgcmcinfd^aftli^en aSermögen bcr frütjcrcn ®{)e, TOcIdEier bem eine
neue 6(ie fd^liefecnben ©Regatten jugcfaUcn ift, n\ä)i ju ben lucra nuptialia
gehört, an htntn nad) rom. SRcd^tc ber (S^egatte, roeld&er fid^ roiebcr oer^
^irat^et, ju Ounften feiner ftinber auö früherer @^e baö 6igent{)um ücrliert
unb nur ben Slicfebrauc^ bef^ält (Seuffert vn, 204). 2lud^ auf bieienigen
äted^te, wtl^ in meierrecl^tUd^en ^crl^ältniffen bem überlebenben ©Regatten
froft ÜReierrcd^tcö jufte^en, werben bic nad^ röm. SRed^te mit ber SBieber^
oer^irat^ung Dcrbunbcncn oermögcnörcd&tli^icn 5Had&t^eile nic^t für an-
wenbbar geJ^atten (Seuffert IV, 243, IX, 43, XX, 46 ; genner unb 3Öiecfe
in, 120). Seftritten ift, ob bie ftatutarifd^e ©rbportion beö übcrtcbcnben
6(^atten alft @^egeminn im Sinne bcö röm. Sted^teö antufe^cn fei (Seuffert
vn, 61, XVI, 120).
Suf bem S3oben beö gemeinen SRcd^tcö ftel^en im SBcfcntlicöcn baö
baijr. 2. SR. I, 6 § 47 9lr. 1, 2 unb ücrfd^icbcne anbere bapr. Statuten.
3n einet SReil^e gcmcinred^tli^er ©cbietc finb bagegen jene 3la^tf)tik gc^
m^n^itftre^tttd^ ober burd^ bie ^artifulargcfeggcbung gänjlid^ auögefd^Ioffcn,
fo in ben Ocbleten beö gemeinen fäd^f. 5Red|teö (Seuffert XLII, 40)
nnb ben bamit sufammen^fingenben Sanbeöred^ten (t)erg(. fd^marjb.fonberöt).
Sufjcffionöorbn. d. 8. S)ejember 1829 §§ 112, 113; roeimar. ®ef. ü. 6. 3lprit
1833 § 59 ; ®ef. für SReufe &. S. ü. 22. 3anuar 1841 § 59 ; altenb. ®ef. u.
6- «pril 1841 § 65; ®ef. für SRcufe \. S. x>. 10. ©ejember 1853 § 63; got^.
560 5Rac6t6ciIc ber SBiebcrpcrJ&ciratfeunö. (§§ 1272—1439.)
®cf. ü. 2. Sanuar 1844 § 52), in DIbcnburg (olbenb. Ocfeßc o. 24. april
1873 3Iit. 47 unb 10. 3onuar 1879 3lrt. 45) unb in »rcmcn. 3n onbcren
gemein rerfitlici^en Gebieten ift bic SKntücnbbarfeit bcr röm. S3eftimmungen
rocfcntlid) eingcfd^ränft, fo in Stonau, in Srounfd^roeig (SBcrorbn. d. 30. 2)c*
jember 1754) unb in SBürttemberg. Snßbefonbcre jtnb in biefen ©ebicten bie
aSorfc^riften beö rom. SlediteS über ben SSerluft ber lucra nuptialia an bie
ftinbcr erfter ®l)e, foroic bie SBcfd^ränfung bcß ©rbred^tcö beö ©Regatten an bem
SRarfilaffe eineö biefer Äinber auf ben 3fJie6braud^ befeitigt,
aSon ben neueren ©cfefegebungen finb bem preufe. 2t. S. SR., bem ofterr.
®. 33. unb bem fäd&f. ®. S. Dermögenöred&tUd^e 3fJad)t^ci(e ber ^ier fraglichen
9trt alö folgen ber SBieberoer^eirat^ung gänjlid^ unbetannt, unb baö fronj.
giedit (code civü 3lrt. 1098), wie baö bab. 2. di. Safc 1098 l^abcn fi^ in ber
fraglid^en Sejiel^ung im 2lnfcb[uffe an 1. 0 pr. Cod. de sec nupt. 5, 9 ouf bie
33cftimmung befc^ränft, bafe ber Gfjegatte, meld^er eine neue ®^c fd^Iiefet, bem
neuen G^egatten nid^t me^r afe bem am geringften bebad^ten Äinbe erfter 6^
unb feincßfalld mc\)x als ein SSiertel feines SBennögenö juroenben barf.
etanbpunft 2)et ©ntwurf l^at — abgefel)en l^ier oon ben befonberen Scftimmungcn
entmuife«. beö § 1403 5ßr. 2, ber §§ 1404, 1548, 1734 oerb. mit § 1242, fomie ber §§ 1558,
1560 — nad^ bem 5öorgange ber meiften neueren ®cfeggebungen mit ber SBieber*
üer^eirat^ung eines ©fiegotten oermogenöred^tlid&e 3la(i[|tt)eilc nid^t oerbunbcn.
3)ic betreffenben aSorfd^riften beö röm. 5lcdf)teö finb oorroicgenb auö bem
Streben ^crüorgegangen, ben Äinbern ber früliercn ©^e baö von bem einen
©Regatten auf ben anberen fi^l micbcr üerfieirat^enben ©Regatten übergegangene
aSermögen ju erlialten unb ju rerfiinbern, bafe baßfelbe burd^ bic itinber bcr
neuen Gf)e gefd&mälert, bejm. bafe ber neue ©begatte auf Koften bcr ftinber
erfter ©(;c burd() freigebige ännJ^nbungeu üon Seiten beö anberen ©^egotten
begttnftigt roerbe ; bodd ^^g auc^ bic 9lnf d^auung mit bcftimmenb geioefcn fein,
ba^ bie jroeite ©{|e, wenn aud^ erlaubt, bocft ju mißbilligen fei (ocrgl. Nov.
2 c. 3), eine 3lnfd&auung, bie, geftügt auf einen 9luöfpru^ beö Slpoftel fjaulu«,
fdE)on frü^ in ber d^riftlid^en Äird^e oertreten rourbe unb in ber fot^olif(Jcn
jtirdjie fieute nod) feftgefialten mirb, roie bicö barin fid^ jeigt, ba% bei ber
jroeiten ©l|e regelmäßig bie ©infegnung oerroeigcrt wirb, unb baß bieienigcn,
roeld)c jum jroeiten 9WaIe f)eiratl|en, oon ber Drbination auögcfd&loffcn fmb.
S)ie (jcrüorge^obencn ©efid^töpunftc finb jebodd "^^t geeignet, iene römifd^
rcdj)tlid&cn 3iodött)eile ber aBieberüerf|ciratI)ung ju re^tfertigen. ©d&on ber
Umftanb, baß bie le^teren in bem größten Xf)tik t)on 2)cutfd^lanb nid^t mtfyc
in ®e(tung finb, bemcift, boß fic bem bcutfd)en Slcc^töbemußtfein nic^t cnt?
fpredjcn. Sie enthalten namentlid^ in fold^cn gciHcn, in meldten bic lieber»
Der{)eiratl)ung im 3ntereffe bcr Äinber ber früfieren ©^e unb auö roirt^fd&oft»
Ud()cn ®rünben roünfdEienöroertf) unb t)ienetd()t gerabeju ein Sebürfniß ift, eint
unbillige ^ärte gegen ben fidE) mieber ücr^eiratljienben ©Regatten unb fonnen
leidet bol^in führen, eine aJlißftimmung beö leftteren gegen bie Äinbcr bcr
frü(}cren ©^e I)cn)orjurufen, unb fo ben lefeteren, ftatt ju nü|en, rielmc^r ju
fd()aben. 2)oju fommt, baß bie ®eltenbmad^ung jener SRad^t^eile eine DucUc üon
Streitigfeiten unb foftfpieligen, mcitläufigen 5projef)cn werben fann, mcIdiK bofl
aScrI)ältniß jmifdjien bem ftc^ mieber Derl)cirat^enbcn ©Regatten unb ben Äinbem
SRaÄttcilc bcr aBiebcrücr^eirat^uiiß. (§§ 127-2 -1439.) 561
bcr frii^crcn ©^c boucnib ju vergiften geeignet finb. 2lud& bic fittlid^cu (Sc?
fahren finb nid&t aufter 2ld^t ju laffen, racld^c barauö entftcl)cn fönnen, bofe
ein e^egattc burd^ bic mit bcr 8BieberDcrf|eiratf|ung für iljn ücrbunbcncn 3lady
tftcile üon bcr ©d^Iiefeung einer neuen ©fie jurütfgeljalten wirb. Slnbererfeitö
reichen jum Sdjiufte gegen bic ®cfa^r, boß bic Äinber frül^ercr Gfie burd^
freigebige S^^^^cnbungen von Seiten ifireS ©tternt^eileö an ben neuen G^e?
gatten benac^t^eiligt roerben Knuten, bic ottgemcinen ©runbfäfec bcß ^^flic^t-
tfjeiterec^tefi aus. (Sin bringenbeö Scbürfniß, in biefer Scjic^ung baö ^ftid^t?
t^eifered&t ber ftinber ju erweitern, liegt nidjt oor.
2. 3laä) rom. SReci^te treffen bie (g^cfrau, roeld&e vox Slblauf bcr Xvancx^^ad^ti^iubn
}cit eine neue 6^e eingcf)t, nod^ ücrfd^icbcnc befonbere Stadjtljcile. Db unb ^^®|J^tJ'„„g
inroieioeit biefe SSeftimmungen, nomentlid^ ber mit einer foldien Dorjcitigen »or stbiauf
Siebcrocrlicirat^ung ücrbunbcne SScrluft beö ©^egeroihncö, nod& gemeinred^tUdjc ^^"^ ^*JI""*
©cltung ^Qbcn, ift beftritten (oergL ©ntfd). beö 2;rib. ju ßellc V, 47, 50). 3n
mand^en ©cbieten, j. S3. in SBBürttembcrg, finb iene 9?od^tt;ei(e burd) ©eroofjnljcitS'
rc(^t Ifingft bcfcitigt, in anberen, j. 33. in Dlbcnburg (üergl. bie olbenb. ©efeße
V. 24. aprit 1873 3lrt. 47 unb Dom 10. Sanuor 1879 3Irt. 45), burd^ bie ©efefe^
gebung oufibrüdlid^ aufgel^oben. 9lud^ bie meiften neueren ©efe^gebungen,
insbcfonberc boö preug. 91. 2. 3?., ber code civil unb baö föd)f. ®. S., Ijobcu
Scftimmungcn bcr l&ier fraglidicn 9Irt uidEit oufgenommen.
Ser (Sntrourf ^ot fid) iencn ©cfcfegebimgcn angcfd&foffcn. Soweit bie in
Äebc fte^enben Sßac^t^cite ben Äarafter einer Strafe an \x(S) tragen, entfpred^en
fic ni(^t bcr SRotur beö bürgerlichen Sted^teö. 3^^ Sidiierung ber Befolgung
ber im § 1241 getroffenen SBeftimmung bebarf eö neben ber bem (Siufü^rungö?
gcfegc Dorbcl^altencn Strafbeftimmung, bafe bic (S^efrau, roeldje gegen bad
?krbot bcö § 1241 eine 6l)c fd^Ucfet, foroic berienigc, meld^cr mit il^r bic ©I;e
f^licfet, wenn er bei ber (S^efdölicfeung oon bem c^inberniffc Äcnntnif; Ijatte,
mit (Selbftrafc biö 5u cintoufenb SKorf ober ©cföngnifeftrafe biö ju einem
3fl^rc beftraft wirb (üergl. bic 2lnm. 1 unter I ju 9lbfd)n. I SCit. 1 §§ 1250 ff.),
nic^t ber Subro^ung priDatrcd)t[id^er oermogenöreddttid^er SRad&tl^eitc. 3nö*
befonbere ISfet fid) auc^ eine Scftimmung, bafe bie ©^efrau, roeldde oor '9lblauf
bcr im § 1241 beftimmten ^tii eine neue (Sf|e fcblicfet, baöienige oerlieren foll,
load fic aus bem SJermogen bcö früheren G^emanneö alö ©degeminn crl^altcn
M (Dcrgl. ofterr. ®. ». § 121 ; ital. ®. SS. 9rrt. 57, 128), nid^t von bem ®e^
fid^töpunftc auö red^tfertigcn, bafe bic (S(icfrau burc^ eine uorjcitigc SBieber*
wr^irat^ng na6) bem 2;obe il^rcö ©l^cmanneö bie 5ßietftt gegen ben legtercn
wnrlcßt unb babtirc^ baö S3anb icrreifet, raeld^eö bic SSorauöfcftung ieneö (Srroerbeö
bilbctc, ba cineötficilö bic im § 1241 bcftimmtc SBBartejcit einen gauj anberen
3roerf oerfofgt, atö ben, einer äjerle^img ber 5ßietät cntgegenjutreten, anberen?
t^ö eine balb nad^ bem 2'obc crfolgenbc SBicberücrljciratljung anä) feincö?
wcgö unter allen Umftönbcn alö eine SScrlc^ung bcr ?|Jietät angcfel^cn merben
tann, welche ben SBcrluft beö ©[jegeminncö ju reditfcrtigcn oermSd^tc. Sic
gragc, mann o^ne aScrlc^ung bcö 9lnftanbcö unb bcr ^ietöt eine SBicber*
ocrftcirat^ng erfolgen fann, ift überhaupt lebiglidf) bem ©ittengcbicte ju
überladen.
EUticr |. iärgcrC (Scfct^u^ IV. 36
562 ®d)eibung. Srcnnung t). iif* «• Seit, ßinlcitun^. (§§1440—1463.)
pnftcr Txkl
JVufCöfung öcv @^c.
I* iS(i^eibttttg ttttb Zttnnnni toit Zi^^ imb 93ett
ßinleitung.
e<^eibuns. I. ^cr 4iriftUd)en ©efammtanfd^auung beö beutfd^en 93o(fed entipred^enb
gc^t bcr ©ntrourf baoon aus, bafe im ©^crcditc, aud^ fooicl bic Sluflofuna bcr
Gf)e T)or bcm 2^obe cineö ber ßficgottcn betrifft, nid^t baö ^rinjip bcr iubbibucllcn
grcit)cit ^crrfdicn barf, fonbcrn bic G^e olö eine üon bem SBiUen ber ß^c*
galten unabhängige ftttlid^c unb red&tlid^e Drbnung onjufe^cn ift. Sarau«
läfet fid^ inbcRcn, felbft pom fittlid^en ©tanbpuntte auö, bic abfofute Unjulöfitg*
feit bcr G^efd^eibung nid^t ableiten. SebenfaHö ift anjuerfennen, ba^ cft gfiDc
giebt, in roeid&en ber Staat mit JRüdEfid^t auf bic 33ebürfniffe beö Sebenö, auf
bic realen SSer^ältniffc unb ben Äaratter bcr ß^e afe eines SRec^tßoer^ältniffeÄ
fein Sntereffc unb feine 33eranlaf[ung fiat, bic 5ßflic^t bcr ©fiegatten, fid^ nid^t
ju fddeibcn, als eine 5led^töpflid(|t anjuerfennen, in roeld^en er üielme^r bic
3Iuf(öfung bcr (Sf;c geftatten mu^, weil bic fittlid^cn ©runblagen ber lettcrcn
jerftört, bic SBorauöfefeungen biefer innigftcn Sebenögemeinfd^aft gänjli^ gc*
fd&rounben finb unb bcßfialb bic G^e als fegenbringcnb unb ücrcbclnb nic^t
mel^r gebac^t, aud^ üom Stanbpunfte ber ©cred^tigfeit auö bem bie aufßfung
bcr G^e uerlangenben G^egatten bie gortfe^ung bcr G^e nid^t ferner jugemutl^t
werben fann. ^at bod^ felbft bie fatf)o(ifd^e ftird&c bie äufeerfte Sonfequcnj bcr-
icnigcn STuffaffung, nad^ weldEicr bic burd^ bie G^c begrünbete ^flic^t, M
nid^t ju trennen, nid^t bloö eine 5ßffid^t beö einen G^egattcn gegenüber bcm
anberen, fonbcrn eine uon bem SBiDen bcr Gl^cgatten unabhängige, obieftio
burdö bic 3nftitution ber G§e fcfbft gegebene ift, nid^t gejogen, inbem fie im
gaHc bcö Gfjcbrud&cö ober eineß biefem gleid[iftel^enbcn gleifdöcöoerbrec^enfi bem
»eftanbifle unfdf)u(bigen 2:^cile ein unbebingteö Slcd&t ber 2^rennung t)on 2:ifd^ unb Sett
i^STöet"^^^ Sebenfticit geroäfirt; benn mit einer fold^en S^rennimg wirb bie e^clic^
' Scbcnögemeinfd^aft materiell üollftänbig aufgel^oben, unb bie 9lnna^me, bo6 bic
G^e bem Sanbe nad& fortbefte^e, malert bic Unauflöölic^feit ber G^e nur bcr
gorm nad). 93on ber äluflofung ber G^e bem 93anbe nac^ unterfc^eibct fi^
biefe Trennung üon S'ifdö unb ^ett praftifd^ nur baburd^, bafe, folangc bic
getrennten Gl^egatten leben, feiner berfelben eine anbere G^c fc^liefecn fonn,
mithin eine 3Bieben)ercinigung berfelben bid )um £obe bed einen ober anberen
nod^ moglid^ ift. S)ie $oi't(|ei(e biefer Sßoglid^fcit merben ieboc^, rottin man
bie realen äJcr^ältniffc bed Sebend ins 9luge fagt, meit ubern)ogen bur^ bie
3lad)t^ciit unb bie ®efaf)rcn, meiere baö SSerbot ber SBicberoer^eirat^img für
ben ^auöftanb, bie 9laf)rungöoer^ältnif|c, bie Grjiel^ung ber Äinbcr unb für
bie Sittlid)feit mit fid^ bringt. 2|nöbefonbere ift cd für ben unfddulbigen 3;^
eine groge ^ärte, menn er burc^ bie Sd^ulb bed anberen ^t^eileö, mcld^
fcinerfcitö bie cfjetid^cn 5|}flid^ten mit güfecn getreten unb icnem bie gortfe^uiig
e^cibmiß. Irenmmö t^ Sif* ". Sctt. einrcitmiö. (§§1440—1463.) 5C3
kr G§e unerträgli^ gcmad^t ^ai, ben beseid^neten Stad^tl^eilen ousgefegt tinb
für bte £ebcnd}ett bed anberen £^et(ed an ber @d^lieguno einer neuen S[)e
uer^inbcrt fein foll. SBom ©tanbpunfte eines bürgcrlid^cn ©efeßbud&cö aus
wxktnt ba^er baS 3"Pitut ber beftänbigen Trennung von Xx^ä) unb 83ctt
feine Sifligung. Um fo weniger fann es in groge fommen, bic 6t|efd^eibung
burc^ jenes 3nftitut ju erfeften ober ouci^ nur naä) bem SSorgongc bcs code
dvü an, 306, 310 (in granfreid^ burd^ baS e^efd^cibungsgcf. v. 27. 3uli 1884
nid^t uner^blic^ mobifijirt) unb bes bab. S. 91. bem fttSger bie 9Ba(|( ju laffen,
jtQtt ber 8d^eibung bie bcftänbige S^rennung t)on 2^ifd^ unb 93ett ju ücriangcn,
<ii& ber Stonbpunft bes SntrourfeS^ ba^ auf beftänbige Trennung von Sifd^
arnb Sett nic^t erfannt werben fann (§ 1440 3lbf. 3), mit bem befte^enben
3lei(^rf(^tc (©efefe über bie Seurtunbung beS 5ßerfonenftanbes unb bic (5I)cs
fc^Uefeung v. 6. gebruar 1875 § 77) im ©inftonge ftef)t.
IL 2)a bie ®^e i^rem SBegriffe unb SBefen nad& unauflöslid^, bie sDie aa*
Scieibung bo^cr ftets etrooS 2lnomaIeS ift, fo t)erbient fd^on oon biefem ©efid^ts^« ^fSJwpunfte'
Ijunfte aus bie Sd^eibung, wenngleid^ biefelbe aus ben fieroorge^obenen ©rünben bei Siegelung
ni(|t 5U entbehren, bod^ feine Segünftigung. gür eine ftrcngere ©eftaltung bungsfc^t'c«.
bes Sd^eibungSred^teS fpred^en aber aud^ t)om ftaatlic^en @tanbpunfte aus bie
^CToi^tigftcn ©rünbe. 2)er ©toat bot ein bringenbes Sntereffe baran, barauf
^injuioirfen, bo6 bie ®^e oIS bie ©runblage ber ©efittung imb ber 93ilbung
fo fei, wie fie fein foII, unb besl^olb baS Seroufetfein beS fittUdfeen ©mftes
ber G^e unb bic Sluffoffung berfelben als einer von bem SBillen ber ®f)cgatten
imabböngigen fittlid^en Drbnung im SSolfe ju forbem. S)ics gefcbiclit burc^
€rf(^n)crung ber ß^cfd^eibung. @S mirb baburd^ einerfeits ber ©ingebung
lei^tfinniger Gbcn entgegengetreten, anbererfeits barauf ^ingeroirft, bafe bic
Sü^ng in ber ©bc felbft eine bem SBefen ber ®bc cntfpred^enbe ift, ba, rocnn
bic ©begatten miffen, ba^ bie Qf)t nid&t leidet mieber gclöft werben fann, bic
2eibcnf<boften, meldte ben SBunfd^ nad^ Scbeibung erregen, cber unterbrüdEt,
ebelidbc äcrwürfniffc leidster micber befeitigt werben unb an ©tcHe ber SBiBfür
bic Sclbftbcbcrrfd^ung unb baS SBcftrcbcn ber ©Regatten treten, ficb cin^
-anbcr ju fügen. Saju tommt, baß auf ber geftigfeit ber ®be im ©egenfa^c
jum Aonlubinate bic b^b^^^ fittUd^c ©teUung beS wciblid^en ©efcblecbtes
bcrubt, eine ju grofee ©rlcid^tcrung ber ©d&eibung an6) ben offentlidjcn 2BobI=^
ftonb unb bic ©rjiebung ber Äinber gefä^rbet. Sluf ber anberen ©citc barf
inbcjfen bie ftaatßd^c ©efeggebung aud^ bic ^ebürfniffe bes 2ebcns unb bic
teolen aScrbältniffc, fowie ben Äarofter ber ©^e a(S eines Slcd^tSuerbältuiffcS
nicbt außer aid&t laRcn. ®er Rarafter ber ©^c als eines Slcd&tSDcrbältnificS
legt bem Staate bic ^Ppid^t auf, ben einen ©begatten gegen ben anberen ju
f(bä(en, wenn biefer bie ibm obHcgenbcn cbelicbcn $f(icbten buri^ fein fd^ulb^
volles aSer^alten ucrlegt. ©in fold^er ©d^uft fann aber in wirffamer SBeife
nur burd^ baS SRcdbt ber ©d^eibung gewäbrt werben, ba nad^ ber 9latur ber
©b( old eines Dorwiegenb fittlid^en äScr^öltniffcS bie ©rfüUung ber cbelicben
$jli(bten unb bie äßieber^crftcQung bes geftorten 9lccbtSiuftanbeS burd) äußeren
3wang tbeils fiberbaupt nid^t, tbci(S nur unDoQfommcn in einer bloS außer-
Itd^ SBeife erreicht werben fonnte. SlnbcrerfeitS folgt aus ber 3latur ber
•©be als eines SRed^tSocrl^öltnifJcS, ba^ feinem ©Regatten bic cinfeitigc will:'
36*
564 Sd&cibuna. Icamunö r. Sif* «. Sctt emlcitung. (§§1440-1463.)
tüvlxä)c Sluflöfung bcr ^^ gcftattct werben barf unb ba^ bemicnigen ßfjc*
gatten baö 9led)t ber Sd)cibung ju ucrfageu i% rocld^cr jur Scgrünbung bcr
93c^auptung, ba% bie ©(je eine jcrrüttete [ei, auf fein eigenes fd&ufbooUeö SScr^
f)alten fic^ berufen looDte.
uebcrficöt S)ie bcfteljeubeu 3led&te l^aben, ie nad^bem fie auf bzn einen ober
"fc"be 9?c(?t! ' Q^^^^^^cn ber in S3etrad&t fommenben Oefici^töpunfte baö größere Oeroid&t
legen, 5U ber grage, auö roeld^cn ©rünben bie ©d^eibung iujulaffcn fei, eine
fe^r üerfd^iebene Stellung eingenommen. SBäl^renb baö fanonifd^c 9le^t, im
bem cö t)orn)iegenb bie burd^ bie ߣ|c beroirfte SBerbinbung bcr Gficgatten jur
natürlid^en ©in^eit unb bie 2(uöfd)Iiefelid&feit ber e^elidjen ©cmcinfc^aft inö
9luge faßt, nur wegen e^ebrud&cö unb ber bem Unteren glci^fte^enbcn
gteifc^eöoerbred^en bie an ©teile ber ©fiefd^eibimg tretenbc beftänbigc SCrennung
üon 2\\(i) unb 93ctt geftattet, f)at ba& gemeine proteftantifc^c ©fiered^t iuqU\ä^
auf bie etljifd^e unb redötlid&c Seite ber ©^c ein cntfd)eibenbeö Ocroid^t gelegt
unb Don j[e[)er neben bem ©^ebrud^e aud; bie bödlidde 93er(affung aü
©d^cibungögrunb anerfannt. 9luf (Srunb ber 3lnologie biefer bcibcn
©d^eibungögriinbc ^at bann bie gemeinred(}tlid^e ^rajiö balb in wcUerem,
balb in geringerem Umfange auc^ nod^ in anberen göUen fd^roercr fittfid^cr
SScrfd^ulbung ober eigenmäd^tiger SSerlegung efielidöcr 5ßflid&tcn bie Sd^cibung
jugelaffcn. 3inöbefonbere fmb na^eju überall aud^ bie Cuafibefcrtion, bie
Sßerroeigerung ber efielid&en ?5flid&t, Snfibien unb ©äoitien afe ©d&cibungö*
grünbe anerfannt (oergl. ©cuffert X, 174, XII, 37, XVIII, 126, XIX,
154, XXIII, 178, XXIV, 121, XXXUI, 136, XXXIV, 148, XXXV, 35;
genner unb aWecfe, ciDilrcd&tl. ©ntfd^. VUI, 39; ©ntfd&. b. % ®. bei
genner unb aJIedfe II, 147, III, 222; württemb. ®cf. v. 8. 3luguft 1875
3lrt. 6—8). 3n Dielen gemeinred^tlidden ©cbieten ift aufecrbem tfteilö bunft
bie ^rajiß, tl)eilö im SBege ber ©efeßgebung bie ©d^eibung wegen Scr*
urtheilung eineö ©liegattcn ju greil^eitöftrafe üon üerfc^icben beftimmter
Sauer ober bodö wegen SSerurtljeitung ju lebenölänglid^er grci^eitöftrafe
für 5uläfrxg erflärt (oergt. ©euffert II, 297, VII, 190, VIII, 58, XI,
49, XIII, 37, XXIV, 40, XLII, 122; genner unb aWecfc, cioilret^tl.
©ntfd^. I, 58; württemb. SSerorbn. u. 14. SJcjember 1812). 9lamenta<^
t)at baö 9leid^ögerid&t wicberljolt außgefproi^en , ba^ nadi bem gemeinen
proteftantifc^en ©^ered^te aiid) bie 83erurtE|eiIung ju jeitiger grei^cit&jlrafe
ba^ Siecht auf ©d&eibung bcgrünben fönne, wenn btirc^ baß SSerfd^ulbcn
beß üerurt^eilten ©Regatten bie aMögIid)fcit einer gebei^Iid&cn gortfcftung
ber ifjrem SBefen nad^ bie innigfte Sebenögemeinfd^aft bebingenben &^
einfeitig jerftört worben fei (oergl. ©ntfd&. b. SR. ©. in 6it)ilf. I, 120,
V, 115, VIII, 40, IX, 47, 48; ©euffert XXXVII, 35). gerncr ^at boft
9leid^ßgerid|t baß SBerge^en ber falfd&en Slnfd^ulbigung alß ©^cf^eibungß*
grunb anerfannt, wenn baß legtere oon bem einen ©Regatten gegen bcn
anberen unter foId)en Umftönben begangen ift, bafe baburd^ für bcn oer^
legten ©Regatten bie ftttlid&en ©runblagen ber ©f|e alß imwiebcrbringücft
5crftört erfi^einen unb if)m eine fernere gortfegung ber e^elid)en Scbcnß^
gemcinfdjaft unmögtid) 5ugemutf|et werben fann (Gntfd^. b. SR. ®. in Gitnlf.
IV, 104 ©. 380). .§icr unb ba f)at bie 5ßrariß bcn Rreiß ber Sc^cibungß*
Sdfecibunß. IrcnmuiG o. OT* u. Sctt. ßinrcitunö. (§§1440-1463.) 5G5
(jrüiibc nod^ weiter gcjogcn imb bie Sd^cibung aud^ wegen gcgenfeitiger un-
überroinblid^cr Slbneiguug, lüenigftenö bann, wenn eine üorgclngigc äeitiDcUige
Jreunung t)on ^i\i) unb SBett eine 5Kuöf5f)nwng nic^t l)crbcigefiil)rt l)ai (oergL
geufrcrt III, 331, XIII, 260, 261, XX, 138, XXV, 32, XLIII, 26) ober
011^ fclbft wegen 2Baf|nfinneö unb wegen f örpcrlidjer ®ebrcd)en unb Äranf ()eitcn
jugelojfen, wenn biefe ber Slrt jtnb, bafe fic im galle ef)elid)er 33eiwot)nung
bjä Scben unb bie ©efuubfieit beä anberen ©Regatten gcfSfirben (ocrgf. für
Äur^effen genner unb SDletfe, eiDi(red)t[. Gnt)d}. VI, 62 ©. 155 ff.). Giner
fofc^en 3tuöbet|nung ber ©d)eibungögrünbe über bie gälte einer 93erfd)ulbung
^inmiö ift iebod^ baö SReicfißgerid^t in Uebereinftimmung mit ber üorroiegenb
fc^on fru[)er in ber 5ßrajiö befolgten SÄuffoffung (uergl. ©cuffert V, 295,
VII, 58, XXII, 50, XXIII, 35, XXXII, 54) entgegengetreten (ocrgl. entfd^.
b. SR. ®. bei genner xinb 9Äecfe III, 222; ©ntfd;. b. dl. ©. in 6iüi(f. VII, 50,
XV, 40). 3n einer größeren 9lnjal^( gemeinredjtlid^cr ©ebietc ift übrigens
ote Crgonjung bcö gefefelid^en ©d)eibungsrcd)teß , balb mebr balb weniger
bc|(^ränft, baß ^nftitut ber [anbeßf)errlid)en G^efd^eibung nnerfannt (üergl.
unten unta* 9ir. IV).
SSon ben neueren ©efefegebungen ift baß preufe. 31. S. SR. in ber ^n^
lüRung ber ©d&eibung am weiteften gegangen, inbem baöfelbc bie Sc^eibung
nid^t nur in außgebe^ntem aSafse in gälten ber SSerfdjuIbung eineß S^f)cilcß
(ücrgl. preufe. 31. S. SW. II, I §§670—695, 699—714), fonbern au^ in gälten
eincfi bcm anberen S^^eile wibcrfal)rcnben UnglüdEeß, namenttidi wegen geroiffcr
unheilbarer förperlid&er ©cbrcd^en unb wegen SRaferei unb SBa^nfmneß —
nic^t aud^ wegen Stobfinneß; ücrgf. ©ntfc^. b. 3i. ©. in Giüilf. XVI, 55 —
(preuß. 3t. 8. SR. n, 1 §§ 696—698), femer unter gewiffen 93oraußfefeungen
wegen aSeranberung ber SRetigion (preufe. 31. S. SR. II, 1 § 715), unb in jwei
göBen auö SBillfür geftattet, n8mti($ auf ©runb gegenseitiger ©inwiltigung
bei finberlofen G^en, wenn weber 2eid)tfinn nod) Ucbereitung, nod^ ^cimtidjer
3wang oon ber einen ober anbereu Seite ju beforgen ift, fowie auf ©runb
einfcitiger Slbneigung, wenn nadEi bem 3n()alte ber 3lften ber SBibcrwilte fo
I^eftig unb tief eingewurjeft ift, bafj ju einer 3lußfö^nung ober jur ®rreidE)ung
ber 3ioe(fe beö Gtieftanbeß gar feine Hoffnung mefir übrig bteibt (preufe. 31. S. SR.
II, 1 §§ 716— 718 b).
Sie nürnb. et)efd[|eibungßorbn. t)om 25. $Roüember 1803 ift eine "Jlady
bilbung beö Gt)efd^eibungßredötcß beß preufe. 31. S. dl 5IBenngteid^ im Ginjetueu
abweid^enb unb in wandten 39ejief|ungen bie Sd^eibung an ftrengere SSorauß-
fefeungen fnüpfenb, berufit fie bod^ oollftänbig auf ben ©runbtagen unb
3Inf(6ouungen beß prcufe. 31. S. SR. unb fd&tiefet fid^ aud& ben einjetnen
S(^eibungßgrünben beß leßteren im SBefentlidden an.
ebenfo fte^t baß got^. G^egef. d. 15. 3Iuguft 1834 §§75—139, foülel
bie cinjelnen Sd^eibungßgrünbe betrifft, bem preuj3. 31. S. SR. fet)r naf)e. 3nßj=
befonbere geftottct jeneß ©efeg bie S^eibung aud^ wegen SRafcrei unb SBafm-
finneö unb gewiffer unbeitbarer, wäl^renb ber Gbe cntftanbencr törpcrfidjer
(Sebrcc^cn. ©agegen bitbet gegenfeitige Ginwilligung, fowic unüberwinbtid&c
3Ibneigung beß einen Gbegatten gegen ben anberen feinen gefegtid^en ©dEieibungß^
gtunb; boc^ fann in biefen unb anberen gälten, inßbefonbcre wegen S)teIigionß?
566 ®*eibuno. Srennuno i\ Jif* u. S3ett. ©nlcitunfl. (§§1440—1463.)
iüC($fcIß, bie Sd^cibung fraft lanbcö^crrlid&er aHQd&tooMommen^cit auögcfprod^cii
werben.
9lud5 bem fdiroarjb.fonbcröf}. (g^efcfielbungögcf. o. 30. Sluguft 1845
^at baö preug. 31. S. SR. jum Sßorbilbe gebleut, roenngtcidd baöfelbe ni^t fo«
roeit gel)t, lüic ba& lefetcre. Snäbefonberc pnbet feine Sd^eibung auf ®nmb
gcgcufeitiger (SiuroiUigung ober einfeitiger 9lbueiguug, n)o[;I aber unter nä^cr
beftimmten SSorauöfcßungen wegen tief eingewurjelter gegenfeitiger Slbncigung
ftatt. Unter geroi^en SSorauSfefeungcn ift ferner bie ©^ef^eibung iDegcit
unl)eilbarer lorperlid^er ©ebred^en, foroie wegen ©eifteöserruttung, in weld^cr
f^orm fie fid^ aud^ jeigt, für juläffig crflärt.
3m SBergleid^e ju bem got^. unb ju bem fdEiwaräb.fonberöl). ®cf.
nimmt bie altenb. ß^eorbn. v. 13. 2Rai 1837 gegenüber bem preug. 31. S. %
eine felbftfinbige Stellung ein, menngleid^ aud& fie in uerfd^iebenen fünften
über bad gemeine proteftontifd^e ©{|efd^eibungöredE|t Ijinauöge^t. Slomentlid^
geftattet aud^ fie bie ©d^eibung wegen gänjlid^er SSerftanbeSjerrüttung (§ 207),
ferner wegen unt)erfd[|ulbeten Unoermögenä eineß ©Regatten ju (Sunften bcß
Icgteren, wenn für benfelbeu aus ber fortgefefeten Ausübung beö e^cKd^cn
93eifc^Iafeß wefentlid^e 9Jad^t^eiIe für feine ©efunbl^eit ju beforgen finb (§ 229),
fowie wegen SReligionöwei^fefe (§ 230). 5Reben ben im ®efe$e befonbcrö t)ers
oorge^obenen Sd&eibungögrünben enthält bie oltenb. ß^eorbn. § 194 noc^ eine
clausula generalis, nad^ weld^er eine ©f)e aud& auö anbcren, bie S^ecfc ber
6^e wefentlid^ ^inbernben, ben befonberö l&eruorgefjobencn Sddeibungögrünben
gleid^ ju ad^tenben Umftänben burd^ rid^terlidEien SluSfprud^ gefd^ieben werben
fann. Slufeerbem ift im § 228 bie ©fiefddeibung fraft latibeöficrrlid^er aWa#
oollfommenfieit auf gemeinfd^aftUd^en 3Intrag beibcr ©Regatten für bringenbc
gälle anerfonnt.
3tuf einem entfd^icben ftrengeren ©tanbpunfte, als bie bisher gebadeten
neueren ©efefegebungen, ftel)t ba% fäd^f. @. f8., weld^eö fid^ im SBefentlic^cn
ber 5ßrariö beö gemeinen proteftantifd(ien ©{)eredS)te9 augefd^Ioffen ^at (oergl.
§§ 1711—1745, 1769, 1770 uerb. mit § 9 bcö fäd^f. ®ef. u. 5. 3iot)ember 1875).
Snäbefonbere ift bemfelben eine 3lufIofung ber ©fje auf ©runb gegenfeitiger
©inwiHigung ober wegen einfeitiger ober gegenfeitiger 9lbneigung unbcfannt
S)od^ läßt aud^ baß ffid&f. @. 33. uon bem ^ßrinjipe ber aSerfd^ulbung cinjelnc
3luönal^men ju. 9lamentlid& geftattet eö bie ©djeibung wegen unheilbarer
©cifteöfranf^eit (§ 1743), fowie wegen 9tcIigionßwed^feId (§ 1742). ©ine
weitere Slußnatime uon jenem ^^Jrinjipe beftefjt barin, bafe bie ©^efrau bie
Sd^eibung ucriangen fann, wenn wegen eineß unl)eilbarcn ®ebred)end, an
wetd&em fie leibet, auß ber Slußübung beß Seifd^lafeß für fie eine Sebenßgcfa^r
cntftef)t (§ 1742).
2luf ber ©runblage beö gemeinen proteftautifd[ien SRed^teß beruht ferner
baß et)ef(^cibungöred&t beß franff. ®ef. u. 9. Sbocmber 1850 § 15; bod^ wirb
neben ben auf 23erfd^ulben eineß 2:[)eilcß berul^enben Sd^cibungfigriinbcn audfe
unüerföl)nüd&cr §afe alö Sc^eibungßgrunb anerfannt.
3m S3crgleidf)e mit ben bißfier angeführten ®efc|gebungen ^at ber code
civil (oergl. @ef. für ©Ifafe - Sotliringcn u. 27. $Rooember 1873) ben Äreiß
©Reibung. Xrcnnunfl u. Sifci& u. SBctt ffiinleUunö. (§§1440-1463.) 567
berjenigcn Sd^cibungsgrünbc, auö tücld^cn auf ciufcitigcn SKntroö cincö ©(jc-
gattcn bie Sd^cibung jugelaffen iDirb^ cr()c6Ud^ enger gejogen. ^ie[c(6en
berufen fämmtlic^ auf bcm ©runbfafee, bafe bemienigeii ©ficgatten, gegen
iwl^en bic ©(Reibung erroirtt werben foU, eine Scrfdjulbung jur Saft fallen
mufe (Art. 229—231). SQ8egcn eines bem anberen ^^citc roiberfa^renen Unglüdeö
lonn in feinem gälte bie SÄuflofung ber ß^e üerlangt werben, namentlid) aud^
nu^t wegen @cifte8franf{|eit. dagegen geftaltet ber cocle civil neben ber
Sc^ibung auö beftimmten Urfa^en bie Sd^eibung auf (Srunb gegenfeitiger
einroiDigung ber ©Regatten (3lrt. 233, 275—294, 297, 305). Sic SBebingungen
für bic 3wl5fftgfcit eincö fold&en 3lntrageö beiber ©Regatten, baö 58erfaf|ren
unb bie SBirfungen biefer ©c^eibung finb aber von ber 3lrt unb mit fofdjcn
Scififtigungen unb 92ad^t^ei(en für bic ©Regatten Dcrbunben, bag, mcmx bic
lejteren fid^ bicfcn äSorfd^riftcn unterworfen unb biefelben genau befolgt ^aben,
baraud in ber Stege! ber Sd^Iug gebogen werben fann, ba^ in bem gegebenen
gaDe bic G^c in ber S^^at innerli^ gcbrod^en unb ein f)inreid^cnber (Srunb
}ur ©(Reibung oorl^anben ift. 2)urd& baö neue franj. G^efd^eibungögef. v.
27. 3uli 1884, wel^eö im Uebrigen bie burd^ ba& ®cf. x>. 8. aJIai 1816 auf^
gehobenen 33orfd^riften beö code civil über bic ®f)efd&eibung mit einigen
SRobififationen wieber l^ergcfteUt ^at, finb ieboc^ bie SJorfd^riftcn beö code
civil über bic ß^efd^eibung auf ®runb gegenfeitiger ©inwiDigung nid)t wiebcr
angeführt.
3tuf bcm Soben bcä code civil ftc^en im 2öefentlicöen bie bab. ®c\cji^
gebunfi (bab. 8. 91. ©a| 229—233, 275—294, 297, 299, 305 oerb. mit 9lrt. 14
be« bab. (Sef. t). 23. SJeicmber 1871, § 1 9lr. 2 beö @cf. v. 9. SJesember 1875
imb § 10 beö ®ef. d. 9. gebruar 1879) unb ber tjcR. ©ittw. 2lrt. 81—83, 116—126 ;
bo(^ gel;t bie erftere infofern weiter, alö fie aud^ brciiä^rigc „Sanbpc^tigfeit
unb aSBa^nfinnigfeit" t)on glcid^er Sauer a(ö ©dEieibungögrünbe anerfennt (2. dl.
ea|232aj.
3n wefentlid^er Uebereinftimmung mit ber in ber neueren 5ßroriö oor* stantpunrt
niegenb vertretenen Sluffaffung beö gemeinen proteftantifd)en ®{)ercd)tcö, fowie (jntrotfrfeai
im Snfc^Iujfc unb in gortcntwicEclung ber ben preufe. Gntwürfcn über bie ^ri„jip ber
Äefotm beö (anbred(}tfid^en e^ef^eibungörcd^teö auö ben Sauren 1844, 1854, «erf^uibung.
1856, 1859, 1860 ju ©runbc Ucgenben ^rinjipien beruljt ber üorliegenbe
Cntrourf auf bcm ©niubfa^c, bag ein ©degattc nur wegen f(^weren SSer^
f(^ulbcnö beö anberen Cfiegatten bie ©d^cibung ju ücrtangen berei^tigt fein
fott. 3ebc ©d^eibung auö SQSittfür, inöbefonberc aud) bic ©dicibung auf
(ärunb gegenfeitiger ßinwiHigung ber (Sf|cgattcn, ferner bic Sd^eibung wegeti
jttfdDigcr Umftönbe, namentlid^. wegen förperlidier ©cbred^en unb wegen
@ciftcöfranfl>eit, fowie bie Sd^eibung wegen Sicligionöwed&fctö ift auögefd^Iojfen.
gür bicfcn ©tanbpunft beö Cntwurfeö fpred^en bie oben ©. 563 ff. ^eroor^
gehobenen, bem SBcfen ber ©^e unb ber ?latur bcßfelben alö eincö -Wci^tö'
oer^fiUniffeö entnommenen allgemeinen Oefid^töpunftc. 3"^ (Sinjelncn ift in
biefer <§infi^t nod^ golgenbcö ju bemerfcn:
1. Gö läßt fid& nid^t oerfennen, bofe für bic 3i*föffu"9 ber ©d&eibung e<^eibunö auf
öuf ®runb gegenfeitiger einwiUigung, inöbefonberc in ber C^eftalt beö code '"IcmQtt'it^
civfl unb beö bab. S. SR., erfieblid^e ©rünbc angefüfirt werben fönncn. 5ßrinjipieII »wifl«««-
568 ©dfecibmiö. Krennunß i\ Itfd? u. S?ctt. Ginlcitunö- (§§ 1440—1463.)
f oU nac^ bcn bejcid^netcn SRcdjtcn bicfcä 3nftitut nur als SDKttcI bicncn, eine roirfs
lid^ jervüttetc, bciben ßfiegatten uncrträgKdö geworbene ©^e ju lofen. Sie 2lb'
fid^t, ben ©Regatten bie loilTfürlid^e 3luflöfung ber ©f;c ju ennöglid^en, liegt
bcn Seftimmungen jener 9led;te üöttig fern. S)aö ©efefe ge^t üielme^r baüon
aus, bo^, wenn bie ßficgQtten bie für biefe 9lrt ber ©d^eibung befonberö üor-
gefd^riebencn erfd^roercnben 93ebingnngen erfüUt Ijaben, ber SBewciö alö geführt
anjufeljen fei, baß ein gefefelid&er ©cbeibungsgrunb in 8Birt[i(i[|feit vorliege ober
bodj axiQ anberen anjucrfennenben Orünben im gegebenen gallc ben G^egatten
bie gortfefeung ber ©l)e unerträglich geworben fei, S)ic prQftifd)e Scbeutung
biefcö ©i)ftemeö bernt)t einerfeitö barin, ba^ bie Gf;egattcn in folgen gäUcn,
in wcfd&en ein gefeglidi anertannter ©d^eibungsgrunb, j. SB. G^ebrud), vor-
liegt, burd^ ba^ Snftitut ber ©d^eibung auf ©runb gegenfeitiger GinroiDigung
in bie Sage gefegt werben, bie ©d^eibung erwirfen ju fönnen, o^ne genöt^igt
ju fein, ben eigentlidden ©d^eibungsgrunb jur Äenntnife beö 9lid)terß ju bringen,
baß alfo auf biefe $Beifc baö mit bem ©cfteibungöprojeffc fonft für bie G^e-
gattcn felbft nnb bereu gamilie üerbunbene Slergerniß fd^onenb abgewenbct unb
berjenige G(;egatte, weld^er einfeitig bie Sd^eibung ju verlangen bered[|tigt wärt,
namentlich im galle eineö dou bem anberen G^egatten begangenen, üon STmtö'
wegen ftrafbaren SSerbred^cnö ober im gallc beö Gf)ebrudE|eö nid)t jur 2luf^
bedung jeneö aScrbred&enö bcjw. ju ber unter befonbercn Umftänben mogiic^cr-
weife bebenflid^en 83e5eid^nung beß mitfdöulbigen Sritten gebrängt wirb.
Slnbererfeitö gewäl^rt ba& \)\cv in SRebe ftel^enbe Snftitut ben GIjcgQttcn bie
ajlöglid^feit, auf biefem SBBege bie ©d)eibung aud^ in fold^en gäUen erwirfen
JU fönnen, in wcld^en baö unter iljuen beftefienbe SBerfiältnife in SSJirfü^feit
ü5ttig jerrüttet ift, biefe ^en-üttung aber, weil bie G^egatten biö baf)in fui& ju
beberrfd^en ocrftanben f;aben, entwcber äuf3crlid[| in redS)töwibrigcn unb bcn
fittüdfien Slnforberungcn ber Gtie wiberfpredicnben ^anbtungen überall ni^t
5U Stage getreten ober nid&t bcweiöbar ift. SBeiter fönnen ju (Sunftcn ber
©djeibung auf (Sjrunb gegenfeitiger Ginwilligung bie ©eftd^töpunftc geltcnb
gemad;t werben, ba^ bie 58erfagung biefeö SBegeö bie G^egatten, weld^e briber*
feitö bie Sd&eibung wünfcben, baju nötl^ige ober bod^ ju Dcrieiteu bro^e, in
©egenwart t)on S^^ißcn einen fünftlid&en ©d)eibungögrunb }u f^affcn unb fo
baö ©efeg ju umgeben, ba^ ferner, wenn man bie ©d^cibung nur a\i^ bc^
ftimmten Urfad^en geftatte, namentlidj bei ben relativen ©^eibungögrünben
beö § 1444, ber flagenbe G^egatte nie fid)cr fei, ob bie ©dbeibung oudj er-
folgen werbe, eine 9lbweifung ber ©df)eibungöflage aber immer mit miBlicdcn
folgen, inöbefonbere für bie ©eftaltung beö e^elid&en S8erF)äItniffeö, vcrbunben
fei. 3)iefe Grwägungen fönnen iebod^ gegenüber ben prinjipiellcn S3cbcnfcn,
weld)e gegen bie 3wf^Rw"9 ^^^ ©ci&eibung auf ©runb gegenfeitiger Gin^
willigung fpred^en, unb gegenüber ben ©efa^rcn, welche barauö bem ^nftitutc
ber GF)e ju erwad)fen brof)en, alö burd^fd)(agenb nii^t erad^tet werben. ®ci
ber ©d)eibung auf ©runb gegenfeitiger Ginwilligutig, auä) in ber ©eftaltung
beö franj. xmb beö bab. 5icd()teö, tritt nodd außen ^in lebiglid^ bie SSillfür ber
Gljegatten alö ©runb ber ©d)cibung Ijeroor. Gö liegt beö^alb bie ©efa^r
nal;c, baf3 im SSolfe biefe SBillfür alö ber wa^re ©runb ber ©d&eibung an*
gcfeljcn unb baburd^ baö Slnfetjcn unb bie SBürbe ber G^e, bie 3Iuffoffung ber
(S4cibuno. Irennuno ü. £ifc§ u. S3ctt. einrcltunfl. (§§1440—1463.) 569
festeren alß einer Qud^ red^tlid) über bcm SBillcn ber ©tjegattcn ftcljcnbcn,
^o^eren obieftiücn S^^öcn bienenbcn S^ftitution im 93cn)ufet)cin bcö SSolfcö
gelotfert wirb. SJaju fommt, ha^ baö i^nftitut bcr Sd^cibiing Quf ©rintb
gcgcnfcitigcr ßinroilligung trog aller ftautclcn baju mifebraudjt tücrbcn fann,
bic äuflöfung ber 6^e auä) in fold^cn gällen Ijcrbciiufü^ren, in n)eld)en bie
6^e feineöroegö afc eine üBÜig jerrüttctc anjufc^en ift, bic ©Regatten aber aus
anbercn fubicttiocn (Srünbcn bic 6^e ju löfcn wünfd)en. 9lid^t ol^ne ©runb
ift x>on ben ©egnern jenes ^nftitutcö ferner barauf Ijingeroiefen, bafe baö
Ic^tcrc nic^t feiten baljin füf)ren werbe, ba^ berjenigc ©Ijegatte, roeld&er, piel^
leicht im ^inblide auf eine i^m fd^on in Sluöfid^t ftctienbc anbere G^e, bic be*
ftcfjcnbe G^e 5u lofen wünfd&t, auf btw anbercn ©l)egatten fortgcfefet einen nidjt
fid^tbar Ijeroortretcnben moratifdjen ^xoawQ ausübt unb fo bcfjcn, in 2BaI)rt)cit
nur fc^cinbare, ©inroilligung jur Sd&eibung erlangt. Um fo bebenftid)er ift es,
bas ^ier in Siebe ftebcnbe, in bem größten 2^l)citc S)cutfdötanbö unbcfanntc
imb burd^ ein prottifd^eö 93eburfnif3 bort niddt gebotene Snftitut neu ein^
jufü^rcn, als felbft bas franj. @ef. v. 27.3uti 188-4 9lnftanb genommen l)ot,
basfelbe in granircicft micberfierjuftellcn. SSon befonberem ®en)id)te ift audö
bcr Umftanb, bafe bic f5mmtlid}en preufe. Gntmürfc über bic ©{|cfd)cibung bie
Sd^eibung auf ©runb gegenfeitiger ßinroilligung, meil mit bem SBefcn ber
G^e unocrcinbar, aud& in bcr 83efd&ränfung bcs preufe. 91. S. SW. auf f inberlofc
&^n, nid^t aufgenommen liaben unb in biefem 5ßun!tc bei bm Derfd)icbcnen
SSer^nblungen im Sanbtage mieberl)olt unb gleid^mtifsig foiüol^l Dom ^errcn^
^oufe als Dom Slbgeorbnctenbaufc gebilligt finb.
2. Gbenfomenig ift eS mit bem SBefcn bcr G^c als einer über bcm ©^»Jibuna
SBiOen bcr Gljcgatten fte^enben fitttid^en unb red)tlidE)en Drbnung vereinbar, «nüSnb.
bie einfcitigc ober bic gcgenfeitige uniibern)inblid)e 2lbneigung als fold^e, alfo ^^^^^l^
üu<Ö bonn als felbftänbigen S^cibungSgrunb anjuerfennen, menn biefc Slb*
neigung nid^t burd) ein nad^ anbercn Seftimmimgen jur ©d)eibung bc^
rcd^tigcnbes SBcrfd&ulben bes anbercn J^lieilcS ^eroorgerufcn ift. S)ic ^}l\p
crfennung biefes ©d^eibungsgrunbes mürbe, ba bcm 9tid)ter ein obicftiucr, bic
SillKir auSfd^licBcnber Semeis bcr unübcrroinblid&en Slbneigung gar nidjt cr^
bracht ©erben fann, menn biefer ©d&eibungögrunb praftifi^c Sebeutung ge*
»innen foB, nur bal;in fül)ren, bcr Sc^eibung aus 2Bill!ür als ©cdEmantcl i^u
bieneu. 2)er 3wl^fiw"8 ^^^ ©d^eibung auf ©runb cinfeitiger Slbncigung ftcl)t
jubcm ber Äaraftcr ber Gl|c als eines 5lcdötST)erl)ftltnif|cö entgegen. 9lud) in
biefer .feinfid^t ftimmt ber Gntmurf mit ben preuft. Gntmürfen über bie Gbc-
f«^ibung überein. SMit bem ©tanbpunfte ber le^tcrcn liaben baS ^errenl)aus
unb baö aibgcorbneten^aus infomeit ftd) miebert)olt einoerftanbcn erflärt.
3. S)ie t)om preufe. 91. S. 91. unb von tcrfdöiebenen auf bcm 93obcn bcs sc^eibuns
lefttereii ftctjcnben neueren ©efeggebungen in cinfeitiger SBcrüctfid^tigung ber "*^"J^Jf ^'"^^
flefd^lcc^tlic^en ©eite ber G^e balb in größerer balb in geringerer 9luöbct)nung ©ebrec^en.
SugclaRenc Sd^eibung megen unheilbaren, roä^renb ber Gl)e ol)nc SSerfd)ulbcn
cntftanbenen gefd^led)tlid)en UnücrmögcnS ober unDcrfd^ulbctcr unt)cilbarer
förpcrlid^cr flrant^citcn bcS anbercn Gbegatten mirb ebenfalls bcm SBcfcn tinb
bcr fittlic^cn '91atur bcr G^c, rocld)c cö mit fid) bringen, baß bie G&cgattcn,
wie grcube unb ©lüdf, fo aud^ Seib unb Unglüdf mit cinanbcr tragen müiicn.
560 3tacf»tl)cile bcr 2ßiebcrpei-]&cirat6unö. (§§ 1272—1439.)
®cf. ü. 2. Sanuar 1844 § 52), in Olbcnburg (olbenb. ©efcfec x>. 24. äpril
1873 3lrt. 47 unb 10. Sanuar 1879 9lrt. 45) unb in Srcmcn. 3n anbercn
gcmcinreditlid^en Ocbietcn ift bic 9lnn)cnbbarfcit bcr röm. SBcftimmungen
rocfcntli^ eingcfd^ronft, fo in ^ßoffau, in Sraunfd^rocig (SBcrorbn. o. 30. 3)c*
jcmbcr 1754) unb in SSürttcmberg. Snöbefonberc ftnb in bicfen (Scbictcn bic
SSorfd^riftcn beö röm. Slcc^tcß über ben 93crluft bcr lucra nuptialia an bic
Äinbcr crfter ®^c, foroie bic 33efd^räntung beö ©rbreditcö bcö ®I)cgatlcn an bcm
SRad^taffe cincö biefcr Rinbcr auf bcn 3fJic6brauci& bcfcitigt.
9Son ben neueren ©cfefegebungen finb bcm preufe. 2t. S. 91., bcm ofterr.
®. 33. unb bcm fäd&f. ®. 33. ücrmbgcnöred&tliddc 3fJa(f)tl^ci[c bcr ^icr fraglid&cn
9lrt als ^ölflcn bcr SBicbcroerl^cirat^ung gänjlic^ unbefannt, unb baö franj.
gicdit (code civü 3lrt. 1098), wie baö bab. S. 9t. Sog 1098 l^abcn fid^ in bcr
fraglid^cn 93cjiel^ung im 3ln|d^lufje an 1. 0 pr. Cod. de sec nupt. 5, 9 auf bic
33eftimmung befd^ränft, bafe bcr ©l)cgattc, mcld^cr eine neue 6^c fd&ticfet, bcm
neuen ©tjcgatten nid^t mel)r als bem am gcringftcn bebad^tcn 5linbc crfter @^c
unb fcineöfaUö mcfir a(ö ein SBicrtet feines SJcnnögcnö juroenbcn barf.
etonbpunft 2)er ©nlrourf t)at — abgcfcl)en l^icr von bcn bcfonbcrcn Seftimmungcn
entwürfe«. bcS § 1403 3lx. 2, bcr §§ 1404, 1548, 1734 ücrb. mit § 1242, fomic bcr §§ 1558,
1560 — naä) bem SSorgange bcr meiften neueren (Scfcggebungcn mit bcr SÖSicbcr*
oerf)eirat^ung eines (Sf)egatten ücrmögcnSrcd^tüc^e 9iadJ)tf)cUc nid^t ücrbunbcn.
3)ic betreffcnben SSorfddriftcn bes röm. 9led()tcS finb oormicgenb aus bcin
©treben l)crr)orgcgangen, bcn Hinbcm bcr früheren @^c bas Don bem einen
©Regatten auf ben anberen ftdd roiebcr ücrlicirat^enben ©Regatten übergegangene
3Sermögen ju erl^attcn unb ju ücrl|inbern, bafe basfclbc buid^ bie Äinbcr bcr
neuen @fie gcfd^mälert, besro. ba^ ber neue ©begatte auf Soften bcr Einher
crfter ©^c burcb freigebige 3wmenbungcn von Seiten bes anbercn ©Regatten
begünftigtmerbe; bod^ mag aud^ bie Slnfd^auung mit beftimmeub gcmefen fein,
ba^ bie jroeite ©^e, roenn audi ertaubt, bod^ ju mißbilligen fei (ocrgf. Nov.
2 c. 3), eine Stufd^auung, bic, geftügt auf einen Slusfprudd bes SKpoftcl ?Jautud,
fdE)on frül^ in ber d^riftlid^en Äird^e oertreten mürbe unb in ber fat^olifd^cn
ÄirdEjc l^cute nod^ feftgctjalten mirb, mie bieö barin fid^ jcigt, bafe bei ber
iTOciten ©^e regelmäßig bie ©infegnung Dcrrocigcrt mirb, unb baß bieienigen,
roefcbe jum jrociten SJJalc l^eirat^en, t)on bcr Crbination ausgefd&tof[cn finb.
®ie l^erüorge^obencn ®cfidE|tspunftc ftnb icbod^ nid^t geeignet, jene rbmifd^
red)tlid&en 9lad&t^eile bcr SBicberücrticiratl^ung ju red^tfcrtigen. ©d^on bcr
Umftanb, baß bie legtercn in bem größten 2:^eile üon 2)eutfd&Ianb tiid[|t mc^r
in ©eltung finb, bemeift, baß fic bcm beutfcben 9lcd[|tsbcroußtfein nic^t cnt^
fpred)cn. Sie entf)attcn namentlid^ in fotd&cn gälten, in mctd&cn bie SBicbcr:?
t)crl|eiratl)ung im Sntereffe bcr Äinbcr ber früheren ©^c unb aus mirt^fd^affc
Iid)cn ©rünben münfdEicnöroert^ unb t)ielleid&t gcrabcju ein Sebürfniß ift, eine
unbillige §ärte gegen ben ftdE) roieber t)erl)eiratl)cnben ©^egotten unb fönnen
leicht bo^in fül^ren, eine ajiißftimmung bes Icjtcren gegen bie Äinbcr bcr
früijercn ©f)e l^crüorjurufcn, unb fo ben Icgtercn, ftatt ju nügcn, üiclme^r ju
fd)aben. S)aju fommt, baß bie ©eltenbmad&ung jener 9lad&tlieilc eine DucUe t)on
Streitigfeiten unb foftfpiciigcn, mcitläupgcn ^ßrojcffcn merben fann, meldte baö
aScrtiältniß jroifdE)en bcm fid^ mieber ücrl^cirat^cnben ©tiegatten unb ben Äinbcm
r
icituH. Xrcnnung J?. Sil d& u. ffidt. emlcitunfl. (§§1440-1463.) 571
r.;>;uij]c Rrünbc für bic Swlaffung bcr Sd^cibung lucgcn ©ciftcöfranf^cit
ü lodKn. ^ni'^ffc" finb bicfc ©rünbc nid^t cr^cblid) genug, um eine SttuSnol^mc
vo:i bcm iU'injipc, bofe bic ©d^eibung nur wegen SSerfd^ulbcnö eineö (S^egatten
;i:lcifng fein foU, ju red)tfcrtigen. 3luci& rocnn man auf bic auö bem SBcfen
^cr irijc fid) crgebcnbcn ctf)ifd&en Sebcnfcn gegen bic gutaffung bcr Sd^cibung
irci]ca ©eiftcöfranf^eit t)on bem ©cfid&tepunftc auö, bog bic gortfcgung ber
ir!]c, lücnn bic 9tuäftd)t ouf Sefeitigung bcr ®eiftcsfranfl;cit auögcfdjioffen fei,
fitr Den gcifteßfranfcn ©Regatten, abgcfe^en von ber Unterljaltöpflic^t bcö anbcren
(röcgotten, feinen 5!8ert^ mcl^r ^abc, entfd^eibenbcö ©croid^t nidjt legen xoxU,
b muB bod) bic 2lnerfennung bcö in SRebe ftcl^enbcn 6d&cibungsgrunbcä baran
1 J)citcrn, bafe bic SBorauöfcgungen biefeö ©d^eibungögrunbcß — wenn man bem*
ielbcii nid}t eine 3lu8bc^nung geben will, roeld^e mit ber auf ben gciftcäfranfcn
thcgattcn ju nel^menben Mcffid^t unb mit bem öffentUd^cn 3ntercfjc, ba&
Änfcljcn unb bic SBürbe bcr 6§c nid^t ju crfd^öttern, niddt vereinbar fein
lüfirbc — , fidd in einer ben t)crfd[|iebenen SRfidffii^ten unb 3ntere{fen gleid^mäßig
3{c(§nung tragenbcn 9lrt nid^t fcftftellen tafjcn. 3nöbefonberc läfet ftd& eine
fiarfc ©rcnjlinie jroifd^en ben ücrfd&icbcnen gormen bcr ®eiftcöfran!t)cit
nic^t 5ic^cn, unb ift cö praftifd^ nid^t auöfüljrbar, bieienigen gäHe, in wd^m
burd) bic ©eiftcöfranf^eit icbc gciftige ©emeinfd^aft aufgcf|obcn wirb unb ber
gciftcöfranfc ©begatte ba^er alö geiftig tobt ju betrachten ift, von anbcren ^ftHen
JU fonbern. 3" W^f^^ ^infid^t gerofil^rt au^ bic S3eftimmung bcö fäd&f. ®. 35.
S 1743, nadd mcld^er ein ©begatte bic ©d^cibung wegen (SeifteSfranf^eit bc&
anbcren ©Regatten bann ucrlangcn fann, wenn auf ©runb einer in einer
Öanbesanftalt erfolgten breiiä^rigen SSeobad^tung bcö er!ranften ©fiegatten
Don ben änftaltöärjtcn bejeugt wirb, bag bic ®eifteäfranf{)eit eine unl^eilbare
fei, feine geeignete ©runbfage. S)ie SBorauöfcgungcn, oon rocld^en iene Seftim-
mung bic Sc^eibung abhängig mad^t, finb ju unbeftimmt unb crmögtid^en bic
Sc^eibung wegen ®eiftcöfranff)eit aud) in fold^en gälten, in weldöen bie
Sc^cibung fid^ ate eine nid^t ju rcd^tfertigcnbc $örtc gegen ben gcifteöfranfcn
©Ratten borftellt unb alö fold^e von bemfelbcn aud& empfunben werben fann.
2)icfe Scbcnfen werben aud^ bann nidS)t befcitigt, wenn man bie 3wläffigfeit
ber S^cibung wegen ©cifteöfrantl^cit etwa bauon abhängig ma^t, bafe bie
baucmbc Unterbringung beö gcifteöfranfcn ©l^egatten in einer für (Seiftcöfranfe
beftimmten SInftalt notl^wenbig wirb. 2)er einer fold^en 93eftimmutig ju ©runbc
liegcnbc ©cfic^töpunft, bafe unter iener SSorauöfcfeung bie I;8uölid^e ©emeinfd^aft
baucmb onögcfd^Ioffcn fei unb ber geifteöfranfc ©ficgattc bauernb bie ^ftid^ten
eincö ©Regatten nid^t me^r erfüllen fönne, würbe fonfequent ba^in führen
TOüffen, bic Sd^eibung au^ wegen anberer unficilbarer Äranf^eiten eineö ©^c*
gattcn jujufaifcn, weld^c bcnfelben bauernb an ber GrfüUung feiner 5ßfCid[|ten
Öinbeni. Daju fommt, bafe bie abfohlte 9]otl)wenbigfcit bcr bauernben Unter*^
brinpng eincö ©ciftcöfranfen in einer für ©ciftcöfranfc beftimmten 3Iuftalt
in ©rmongehmg pofitiDcr SSorfd^riftcn 5U verneinen ift, bie öffentliddred^tlid&en
SJorfd^riftcn über bie SwWfpgfcit bcjw. bic 9lot{|wenbigfcit ber Unterbringung
fincö ©ciftcöfranfcn in einer foli^en 3lnftalt aber t)erfd)iebcn fmb unb barauö
rinc SScrf^icbenficit beö JRed^tcö in 9lnfc{)ung ber 3wfäfU9fcit bcr Sd^cibung
wegen ©cifteöfranfi^eit in ben ücrfd^iebcnen S3unbcöftaaten fidj ergeben fönnte.
572 ®d&cibuno. Trennung t?. Sifd& ii. Sctt. emleituno. (§§1440—1463.)
Sic Slucrtcnnung bcö I;icr fraglid^cn Sd&cibungögrunbeö ift um fo ipciügcr
cngcjcigt, alö in bcnjcnigcii SRed&tögcbietcn, in lücld^cn bcrfclbe gegcnroärtig
nidfit jugclaffcu ift, alfo namcntlidf» in ben ©cbictcn beö gemeinen unb bcß
fvanj. SRcd^teö, ein praftifdjcö SBcbürfnife in bicfcr^SJcjicfiung, fooiel bcfannt,
nidjt Ijeroorgetrctcn ift.
sc^eibung 5. 58on üerfd)iebencn 9tcdf|ten roirb balb in meitcren, balb in engeren
sRcTi^ionö. (Srcnjcn bie SBeränberung ber Sieligion eines ©Regatten für ben anberen Gbe*
t)cränbcrunfl galten olö Sd)eibungögrunb anerfannt (oergl. preufe. 31.2.9?. II, 1 § 715;
fd)roarjb.fonberöI;. G^efd^eibnngögef. § 2 9lr. 17; nürnb. G^efd^eibungdorbn.
3lx. 39; altenb. G^eorbn. § 230; got^. G()egef. §§ 132—134; fät^f. 0). S.
§ 1744). S)er bem preufe. 31. S. 91. ju ©runbc Uegenbe ©efic^töpunft, bafe
bie SBcrdnberung ber Sleligion inforocit alö ©d^eibungögmnb anjuerfennen fei,
als bie SJerfc^icbenfieit ber 9leligion ein trennenbeö G^c^inbernife bcgrunbe, fann
üom ©tanbpunfte bes Gntrourfeß auö nid^t in Sctrad^t fommen. Slber au^
bie Grroagung, bafe unter Umftänbcn ber SBed^fef ber SReligion, mic ber ber
Äonfcffion, auf ©eiten eines ber Gfiegatten ben e^elid^en ^rieben äu jcrftoren
geeignet ift (oergl. (SefegreD. ^enf. XV aRotiüc ®. 363), fann nid^t ba^in
fütiren, jene 2:^atfad)c a(ö einen, menn aud) nur relatioen, ©d^eibungögrunb
anjuerfennen, ba barin einerfeitö eine Secinträt^tigung ber ©croiffcnsfrci^cit
liegen würbe, anberer)citö ber Ucbertritt ju einer anberen Sicligion ober Äon^
feffion ebcnfowenig wie überljaupt ein SSed()fel in ben bisherigen religiofcn
3lnfid|ten fid^ als eine ^anblung barftellt, meldte ben Äaratter einer 33cr*
fd)ulbung an fid) trägt. 2)er preuß. Gntrourf Aber bie G^efd^eibung üon 1854
Oatte ebenfalls oorgefd) lagen, ben lanbred()tlid^en ©d&eibungsgrunb ber 9Scr*
önbcrung ber Sieligion ganj }u befeitigen, ba ein erf|eblid}eS praftifd[|cS Sc*
bürfnife pd() n\ä)i bafiir anfül^ren lafje, bcrfdbc and) jum 3"^^*^ ber
(Simulation leidet mifebrauc^t merben fönne. S)ie erfte Äammer bcfd^loB
icbod) bie ^eibel)altung {cnes ©d^eibungsgrunbes, unb ^aben [\ä) bann bie
fpStcrcn Gntroürfe auf ben SBoben biefes SBcf^luffeS gefteUt.
«öfoiuteimb HL Sic fömmtlid^ auf bem ^ßrinjipe ber SJcrfd^ulbung benil)enbcn
s^*i\bung8. ©d^eibungsgriinbe bcö GntrourfeS fmb t^eils abfolute, b. [;. fold&e, Toeldf)e \>q&
flrcnbc. g(ied()t ber ©c^cibung unbebingt bcgrünben (§§ 1441—1443), t^cils, unb jiuor
in ber 2)lel^rjal)l, rclatiüe, b. ^. fold)e, meiere nur bann jur ©d^cibung ju
führen vermögen, wenn ber Siid^ter jugleid) bie Ueberjeugung geroinnt, ba§
baburd[) im fonfreten gaDc eine fo tiefgef)enbe 3crrüttung bes e^elid^en aSct^
flältniffes ^erbeigcfüljrt ift, bafe bem flagenben G^egatten bie gortfe^ung ber
Glie nid^t jugemutl)ct werben fann (§§ 1444, 1445). S)ie relatioen St^cibungfi'
griinbe finb jebod^ nid^t einjcln bejeid()net, fonbern im § 1444 auf ein gemein-
fames ^rinjip jurüdfgefü^rt. S)iefe 3lrt ber Siegelung enthalt allerbingö
gegenüber ber a)tel)rjal)l ber beftel)enben Siedete eine Steuerung. 3Bic oben
©. 564 bereits bcroorge^obcn mürbe, t)at bie gemeinred^tlid^e ^rajis jmar auf
©runb ber Slnalogie ber Sd^cibungSgrünbe wegen G^ebrud^eS unb bBsUd)cr
aSerlaifung bie ©d^eibung aud^ in anberen fällen fd^werer fittlid)er Ser=
fd)ulbung bejw. cigenmäd^tigcr SScrle^ung ber e^elic^cn 5ßflid&ten jugelaffen. 3)ie|c
Slnatogie l;at jebod) nur jur 3lncrfennung weiterer abfoluter ©d^eibungs^nrnbe,
nidjt aber jur 3lufftcnung anberer rclatioer Sri^eibungSgrünbc in bem obigen
Scfecibunj. Srcnminö i?. 2if4 u. 2?ctt. Stnidtunö. (§§1440-1463.) 573
Sinuc ocfü^rt, rocnnglcid^ bei einjelncu in i^rcn SßorauSfcgungcn bcm rid^tcr*
Ii(^n ©nncffcn einen weiteren Spielraum lofienben Sd^eibungögrünben, j. 33.
bei Säoitien iinb SSerurtfjeilung eines ©(^egatten ju jeitiger greifieitsftrafc^
Quc^ ber ©cfid^töpunlt, ob bie atö ©c^cibiingsgrünbe anertonnten äl^otfadjeu
im gegebenen gaUc bie Scrriittung ber ©{|e I)crbeijufüf|ren geeignet roarcn unb
roirfüdi jur golge gel^abt Ijaben, bei ber rid&terlici^en ©ntfd^eibung in SBctrac^t
fommt (ücrgL (Sntfd^. b. 31. @. in ßipilf. 1, 120, IV, 104 6. 380, V, 115,
VIII, 40, IX, 47, 48). ebenfowenig ^at gemeinrcdjtlirf) ber SRed^töfag fid>
ousgcbilbct, bafe ber SHid^ter in allen gällen bie ©f|c ju fd)eiben befugt ift, in
weld^cn feiner Sfuffaffung nac^ bie Slnalogie befi ©^ebrud^eö ober ber böölidjcn
Scrlajfung jutrifft; jene Sinologie ift Dielntcl)r bei ber gcn)ol^nbeitörcd)tlid&en
äudbilbung cinjelner beftimmter Sd^eibungögrünbe nur baö leitenbc ^rinjip
gcrocfcn. S^bcffen neigt bie ^ßrajis bc0 9leid^dgerid)teö fid) ba^in, an ber
$onb biefeö ^ßrinjipcs bie ©d^eibung aud) in anberen ^^äUcu jujulaffcn (ücrgL
entf4 b. 9t. ®. I, 120, IV, 104 ®. 380, V, 115, IX, 47). 3n benjenigcn
3te(^tdflcbicten, in roelti^en baö Sdfieibungörec^t fraft lanbeöl^enrlid^cr ÜWadfit-
ooWommcn^cit in Ocltung ift, vertritt aber biefeö Qnftitut geroiffermafeen bie
Stelle einer gefefclid) anerfannten clausula generalis.
3lvid) bie meiften neueren Äobififationen fteHen auö beut ®efid)tßpunttc
ber SJcrfc^ulbung nur cinjelne beftimmt bejeid^nete, in ber JHegel einen abfotuten
Saraftcr an fidö tragcnbe Sc^eibungögrünbe auf, fo boö preu§. 21. 2. SR., ha^
got^. G^egcf., bas fd^roarjb. fonberöf}. ©Ijefd^eibungögef., baö franff. @ef., ba&
fö(^f. @. 35., ber Code civil unb boö bab. S. SR. 3iur einjelne ©djeibungö^
grünbc nei^men nat^ ber einen ober anberen (Sefefegcbung baburd^ einen relativen
Soraftcr an, bafe fic bem ric^terlid^cn ©rmcffen einen weiteren Spielraum uni>
bamit bie SBurbigung ber gragc geftatten, metd&e SBirfung baö SBerljaltcn bciS
Sfflafltcn im fonfreten gallc auf bad efielic^c SSerl^ältnife geljabt Ijat, fo j. SB.
geroiffc Säoitien unb fd^n^ere ß^renfränfungen (fäd^f. ®. 33. § 1736; gotlj.
C^gef. §§ 102, 103; Code ci\il ärt. 231; loürttcmb. ®cf. o. 8. 3luguft 1875.
Sri. 8) ober bie 5Berurtf|eilung ju jeitiger ^'cibcitöftrafe (ocrgl. ju preufe.
ar. 2. 9t. II, 1 § 704, Urt^. b. 91. ®. im preufe. 3uft. SRin. 331. u. 1881 3l\\ (>
S. 22 unb bei (Srud&ot XXX S. 985 ff.). 2lbn)eid()enb oon bicfen ©cfeg^
gebungen ftellt bagegen, roie oben S. 566 bereitö ermäljut mürbe, bie altenb.
ß^orbn. § 194 neben ben einjelnen befonberö ^eroorgeljobenen Sd^cibungö^
grünben eine clausula generalis auf (oergl. aud^ fd^meij. 33b. ®ef. u. 24. Se*
äcmber 1874 2lrt. 45—47).
einen nod) anberen SBcg ijobtn bie prcufe. ©ntmüufe über bie (S^c-
f<ibeibung eingefd^lagen. ©iefelben t)aben jmar einjelne lanbred^tlidjc Scbeibungö-
grfinbe, namentlid^ ß^ebrud) unb bödlid)e SBerlaffung, alö abfolute Sd^eibungö?
griinbc beibehalten, ben übrigen lanbrcd&tlid^en Sc^cibungögrünben aber, fomcit
nic^t beten gänjlid^c 33efcitigung uorgefd)lagcn ift, einen retatioen Slarafter in
ber Srt beigelegt, bafe biefelben nur bann jur Sd)eibung fül)rcn, menn ber
Slid^tet auö bem ganjen S^l^^Ö^iffc ^^^ SSer^anblungen unb Semeife bie Uebcv?
jcugung geroonnen ^at, baß burc^ bie Sd^ulb beö 83eftagten bie Gl|c in nid)t
minberem (Srabc, mie burc^ 6f)ebrud) ober — mic bie ©ntmürfe uon 1844^
1854, 1856, 1859 ^injufugtcn, in bem Gntmurfc uon 1860 aber auf ©run^
574 ©^eibuno. Srcnnuno u. Sif* u. S3ctt. ßmlcitung. (§§1440-1463.)
eines bei ber SBcrot^ung beö ©ntwurfeö oon 1860 erfolgten SBefd^IuReö bcfi 9Ib?
fleorbnctenl^aufcß rocflgelaffen lourbe — wie burd^ böölid^e Serlaffung 5errüttct
roorben fei.
©ine fold^c Gint^cilung ber Sd^cibungfigrunbe in abfohlte unb rclatioc
benifit auf ber rid^tigen ©rroagung, ba^ ber ®cfc|geber jroar in einjelncn
gällen an ber §anb ber ©rfa^rung beim Sorl^anbenfein geroiffer t^atfäd^Iid^cr
SSorauöfefeungcn of)ne SBcitcrcö unb allgemein annelimcn fann, bafe bic gort-
fcgung ber @^e baburd^ bem ftagenbcn ^^cile, unb jnjar oom ©tanbpunfte bcö
bürgerlid)en 9led)teö auö entfd^ulbbarer 3Beife^ unertrfigli^ geworben unb i^m
bcdlialb ald ^led^tgpßid^t nid^t ferner juiumutfien ift, bag bagegen in ber großen
SKe^rjal^l ber ^äHc mit Stüdfid^t auf bie ^erfd()iebenl^eit ber Silbung, bic
oufeere Stellung, foroie auf ben ftarafter unb bie ?ßcrfönlid&fcit ber ©Regatten
ftd^ nid^t im SSorauö beftimmcn lä^t, ob geiolffe §anbtungen befi einen ©^c^
gatten, meldte jroar unter Umftänben bie cl^elidöe ©efmnung beö anbercn 2:^citefi
ju jerftörcn unb gcrcd^tfcrtigter SEBcife i^m bie gortfegung ber ©l)c unerträglich
ju mad^cn geeignet finb, aud^ im fonfretcn gatlc bicfc SBirtung Ijaben werben,
ba^ bieö üielme^r nur in jcbem cinjelnen galle »on bem SRid^ter unter 33c*
rürffid^tigung aller tonfrcten Umftänbe richtig gcmiirbigt merben fann. So
werben je naä) ber SBcrfd^ieben^eit ber Umftänbe aßife^anblungen , ©^rcm
frönfungen, SBerurt^eilung }u einer greitieitöftrafe, unorbentlid^e Sebenöart u.f.ro.
ganj ücrfd^ieben mirfen. S)iefclbc SC^atfad^e fann in bem einen gaüe bie ooUigc
3errüttung ber ®^e jur golge fiaben, mä^renb fie in einem anberen gallc ben
e^elid)en grieben DieUcid&t gar nid^t ober bod^ nur oorüberge^enb ftort. 9Ran
gerätl^ ba\)tx burd() bie älusftellung bloö einjelner abfoluter S^eibungögrünbe
^rinjip in bie ©efafir, entmeber ju Diel ober ju wenig ju t^un, S)iefe ©efid^tfipunftc
e^eibinö«" müjfcn aber tonfequcnt ba^in füfiren, neben cinjelnen iwedtmäfeig bcijubc^altenbcn
grünbe. abfolutcu ©c^eibungögrünbcn nid^t in fafuiftifd()er SBcife bloö eine bod^ nie
crfd^öpfenbe S^njal^l beftimmtcr relatioer ©(^cibungögriinbe, fonbern ein afl-
gcmcineö, ben S3cbürfnij|en SSed^nung tragenbeö ^rinjip auf jufteHen unb Ijod[iftcnfi
beifpielßmcifc ben einen ober anberen rclatioen Sc^cibungögrunb befonbcrö
tieroorju^eben. SBenn bic prcufe. ©ntmürfe bicfcn weiteren ©d^ritt nic^t getban
l)aben, fo wirb bieö wefentlid^ barin feinen ©runb \)abtn, ba^ eö fid^ bamalö
nid^t um eine völlige 9leugeftaltung bcö ©l^efd^eibungöred^teö, fonbern nur um
eine 3lef orm beö 31. Ö. SS. ^anbelte. ©ö ift jwar nid&t ju oerfennen, bafe bat
Spftcm bcö ©ntwurfcö im ^inblidfe auf ben weiteren Spielraum, welcher ba-
burdf» bem rid^tcrlid^cn ©rmeffen gewährt wirb, gewijfe SRad^tl^eile unb ©efa^ren
mit fid^ bringen fann. SnbcRcn fallen bicfe Slad^t^eile unb ©efaljren gegen-
über ben mit bem ©x)ftemc bcö ©ntwurfcö oerbunbencn großen SBortl^eilen nid^t
inö ©cwid)t. ©ine anbere grage ift, weld^e äluöbel^nung bem aDgemeinen
^^Jrinjipe gegeben werben foH. 3n biefer Sejicl^ung wirb auf bie üßotioe ju
§ 1444 S3ejug genommen.
s)ie abfoiuten ^ou bcm ^rinjtpc bcr 9{elatit)ität ber Sd^eibungögränbe mad^t ber
fÄ"??« ©ntwurf aiuönal^men in 2lnfel;ung bcö ©l^ebruc^eö unb ber bem festeren
«ntrourfcs. glcid^juad^tcnbcn glcif d^eöoerbre^en , femer in SKnfel^ung bcr dtad^ftellung
nad^ bem Sebcn unb bcr böölid&en SSerlaffung (§§ 1441 — 1443). S^mt
läßt fidö audj oon biefen gSUcn nld^t fageu, bafe fie unbebingt in icbem
©4dbunö. SrcnnunQ r?. Sif* u. SBctt. emlcituno. (§§1440-1463.) 575
einjelncn galle bic S^^üttung bcr &)t jur golgc l^aben, üiclmcl^r ift eö auc^
(ner möglich, bog im cinjctnen ^^aUe bem perlegten @^egatten nici()t bnvä) ienc
ä'^tfod^en bic 6^e unerträglich geworben ift, fonbern ba§ berfelbe ben
abfoluten Sd^eibungögrunb nur bcnufet, um anf^ anberen Dom ©cfeße nidjt
gebilligten Scnjeggrünbcn bic SKuflbfung bcr 6t)e ju cxu\ä)m. Sßlein in ben
bejeid^neten gäDen ift bic S3er(egung bcr el^eUd^en ^flid^tcn obieltiD eine fo
fc^iDcre unb unmittelbare, bag in biefen f^äDen bie ®cl()eibung nicl()t crft ba^on
Abhängig gemacht mcrben barf, ob bcr 9lici)ter bie Ueberjeugung geminnt, bog
im gegebenen gaHe bie gortfefeung ber 6^e bem uerlefeten ©Regatten in bcr
tfyii baburd^ unerträglid^ gemorbcn ift. &d erfennen aud^ alle ©efeggebungcn
unb 6ntn)firf^ ben ßl^ebruc^ unb n)enigftend bie meiften anä) bie böd(id)e 33er^
laffung unb bie Sebenönad^fteüung ald abfo(ute Sd^eibungsgrünbe an (oergl.
bic aSotioc ju §§ 1441—1443).
dagegen tann bie Slufna^me meiterer abfohitcr ©d^cibungögrünbc meber «we^nun«
ate burd^ ein ©ebürfnife geboten, nod^ olö jmedEmäfeig erad^tet werben. SlUe ""oiuter**^
anberen unter bie Äategoric ber Sßerfd^ulbung faUcnbcn, in btn beftel^cnben s*eit>«nB«.
Siechten pd^ finbenben ©t^eibungögrünbe [\nb bcr 9lrt, bofe cö fid^ empfiel&It, ^'^ "
bic ^age, ob fie im einjctnen galle bie 3ctrüttung ber 6^e Jderbeijufüljrcn
geeignet fmb unb mirtlid^ I)erbeigefül&rt Iiabcn, in iebem cinjclnen gallc bcr
ric^terlid&en ^Prüfung unb SBürbigung uoriubel^altcn.
Sied gilt insbefonberc uon 2Ri§^anblungen unb Seleibigungen. 2)aß „^*^\„
Äriterium bcö gemeinen proteftantifd)en ©tierct^teö, ba§ bic SKigJ^onblungen, unb"Se!"
um jur Sd^eibung ju fül^ren, Icbenö? ober gcfunbl^eitfigcfd^rlid^e fein muffen ^«^*>*fl»"ö«"-
(Dergl. Scuffcrt XXXV, 35), ein ftritcrium, metd^eö, mcnngtcid^ mit einjelncn
€noeiterungen besro. SWobififationen, in ocrfd&iebene neuere ©efcggcbungcn
übergegangen ift (oergl. preufe. 31. S. 91. II, 1 §§ 699—702; nümb. (S^e*
ft^ibungöorbn. 9lr. 25; gotl^. e^egef. §§ 98, 102, 103; altcnb. ®t)eorbm
§§ 219—223; fd^roarjb.fonberdl^. ei^efd^eibungsgef. § 2 SRr. 12, 14; fäd)f.
®. 95. §§ 1735, 1736), ift JU eng unb ju meit; ju eng, mcil fid^ aWigl^anb^
lungen unb and) SBeleibigungen benfcn laffen, meldte, o^ne unter iencö
Kriterium ju fallen, einen gänjlid^cn äWangel bcr d)ü\ä)cn ©cfinnung bemcifcn
bejw. entfd^ulbbarer SBeife bei bem SBerlelten ju beroirfen geeignet finb, j. 33.
9Ri§^anb(ung burd^ 5ßeitfd^en ober öffentlid() begangene SJerteumbungcn ; ju
lofit, roeil eine einiclnc obieftio lebenß- ober gefunbljeitögcfäl^rlid&c ^anblung
fi4 benfcn Iä§t, meiere, im 3uftanbc äufeerften Slffeftcö gefd^el^cn, burd^auö
no^ nic^t einen gänjlid^cn äßangcl an el^elid^er ©cfinnung befunbct unb
ünbercrfeitd nad) ben fonfreten Umftänben aud^ nid^t als geeignet betrad^tct
Toerbcn fonn, bic cJ^elid^c Oefmnung in bem anberen 2^t)eile bauernb ju jer?
ftörcn. 3)ad Don anberen Oefeftgebungen aufgeftcUte Äriterium, bafe bie SDlife*
^nblung eine bebeutenbe ober l(iarte ober fd^mere bejm. bic ^elcibigung eine
\ipoctc ober tiefe ober grobe fein muffe (oergl. code civil 3lrt. 231; bab.
2. 91. eafc 231 ; franff. ®ef. v. 19. 9looember 1850 § 15 9lr. 8 ; l^cff. ©ntro.
Slrt. 82), flcmfi^rt bem 9lid^ter jroar einen roeiteren Spielraum; aÜcin baß
entfc^eibenbe aJloment, bafe bie ^Wifel^anblung ober SBelcibigung ber 3lrt fein
muß, ba§ bem JBcrlefctcn nad6 ^^^ fonfreten Umftönbcn bic gortfefeung ber
Qf^ ate Sled&tspflid^t nid^t jugcmuttict merbcn fann (oergl. ©ntfc^. b. 91. ®.
57G ©d&cibuitö. Ircnnunö i^ Sifd? u. S3ctt. einlcitunö. (§§1440—1463.)
in Giüilf. IV, 104 ®. 380), toirb burd^ icncö Äriterium für fid^ ollem boif
uid)t fo bircft unb bcuttid^ auögcbrücft, roic bieS flcfc^ictit, wenn aUc üRife^
^anbdtngeu unb SBeteibigungcn bcm ^rinjipe ber dtetatbttSt naä) Snaggabc
bcö § 1444 untcrftcttt werben. 2)amit ftimmen anö) bic preufe. ®nttoürfc über
bic ®Ijefd^cibung überein.
»erurt^ei- j)ie neueren ©efeßgebungen beljanbeln ferner bic SSerurt^cilung eine*
7^^«" G^egatten ju einer entefirenben ober längeren grei^eitßftrafe ate einen abfolutcit
©ttnbiungcn. Sd&cibungögruub, inbent fic bie SJorauöfegungen näf)er ju bcftimmen fud(|cn,
unter xodä)tn of)nc SBeitereä angenommen werben fönne, baß bic G^e in j^olge
ber 33erurtf|eilung bcö einen G^egattcn jerrültet fei unb bcm anbeten &p
gatten bie gortfefeung ber Qt)t als SHed^töpflidjt nid^^t me^r jugemutf)et werben
fonnc. S^'^ ^^cil mad^en fie baö ©d^eibungöred^t nur t)on ber SBerurt^eilung
JU einer entel)renben ©träfe ober ju einer fc^mercn peinlid^cn ©träfe ober ju
einer Äriminalftrafe ober oon ber SBerurtl^eitung ju beftimmt bejei^netcn
©trafarten, namentlid^ ju geioiffen 3lrten von ^rei^eitöftrafen, fei cd o^ne
SJücIfid^t auf bie 2)auer berfelben, fei eö unter ber SSoraufifefeung einer bc*
ftimmten S)auer, abl)ängig; tl}eilö erfenncn fie jebe SBerurt^eilung ju einer
greiljeitßftrafe, meld^er 3lrt fie aud) fei, foferu bie grei^eitöftrafe eine geroiffe
®auer erreidjt, alö ©d)eibungßgrunb an, ober bie 93erurt{}eilung wegen bc?
ftimmter ftraf barer ^anblungen; t^eilö fteDen fie atö SBorauSfeftung ^in, baft
bie SJerurt^eihmg wegen üorfäßlid^er SJerbred^en ober wegen gemeiner, nic^t
poUtifd^er SBerbred^en ju einer §reil)eitöftrafe pon gewiffer Sauer ober oon
gewif^er 3lrt erfolgt fei. ®en bejeid^netcn SJorausfeftungen wirb bann ^dufig
nod^ bie ^efd^ränfung hinzugefügt, bog bad Stecht bed anberen G^egatten auf
©d)eibung aufigefd^loffen fei, wenn berfelbc felbft an ber ftrafbaren öanblung
3:^eil genommen ^abc (oergL preufe. Sl. y. Ü. II, 1 §§ 704 ff. — baju
Urtt). b. dt. Ö3. bei ®ru<^ot XXXI ©. 989 ff. — unb § 295 bcfi anl^. jur
91. (9. D. I, 40 § 64 ; nümb. G^efd&eibungöorbn. 3lx. 37 ; württemb. SBerorbn.
V. 14. ©eptember 1812; got^. G^egef. § 122; altenb. G^eorbn. §§ 224— 22S;
fd)warjb.fonberöI). GI)efd()eibungögef. § 2 Sir. 15; frantf. ®ef. § 15 9hr. 5;
Code civil 9lrt. 232 unb baju Gntfd^. b. SR. ®. in Gioilf. XV, 77; bab. ©cf. o.
23. ©ejembcr 1871 9(rt. 14; fädjf. ®. 33. § 1740; ^eff. Gntw. Slrt. 83).
S)cr Gntwurf be^anbelt aud) ben f)ier fraglid^en ©c^eibungögrunb nad^
bcm Sßorgange ber preufe. Gntwürfe über bie G^efd)eibung unb im änfc^Iuffe
an bie ^}Jrariö beö Sleid&ögcrid^teö auf bcm ®ebiete bcö gemeinen protcftantifc^en
G^ercc^teö (oergl. Gntf^. b. 9t. ®. in Gioitf. I, 120, V, 115, \1II, 40, IX,
47, 48; ©euffert XXXVII, 35, femer für baö preufe. 9ied&t unter »eriicf''
fic^tigung ber ledigen ©trafgefeßgebung preug. Suft. 3)lin. S3I. v. 1881 31t. 6
©. 22 unb ®rud)Ot XXX ©. 985 ff., XXXI ©. 989 ff.) ald einen rcla^
tioen Sd^eibungögrunb nad^ SDtafegabe beö § 1444. 93eftimmungen ber oben
bcjeidjneten 9lrt, wie fie fid^ in bm neueren ®efc6gcbungen finben, finb immer
me^r ober weniger willfürüd^ unb führen ju bem Siefultatc, ba% in cinjcinen
göDen bie ©d^eibung geftattet ober uerfagt werben muß, in welchen fic noc^
bcn obwaltenben Umftänben, inöbefonbere mit Stücffid^t auf bic ^^crfönl»4'
feit beö ftagcnbcn 2^()eileö unb bie wirflicften Söcweggrünbe bcö Sc^eibnngö*
antragcö, rid^tiger nid^t l)ätte geftattet bejw. uerfagt werben follcn.
J
©(Seibunß. Srennunö d. fftf* u. Sctt einlettung. (§§1440—1463.) 577
Sm 9lnf(ä^lujfc an baß prcu§. 91. S. dt. II, 1 § 707 l^ciben bic preug. «rgvetfunfl
entwürfe über bie e^efd^eibunci axiö ben Salären 1856, 1859, 1860 bie ©r^ ''"l^t"'''^'
grdfung eines f^impfüd^en ©eioerbeö ote abfolutcn ©d)cibungö9runb bei:^ ®cn>erte«.
bc^ttltcn unb barin bie Suftimmung ber beiben §äufcr bcö Sanbtageö gcfunben.
ncberroiegcnbe (Srünbe fprec^cn inbeffen gegen biefe Slrt ber Sel^anbtung,
eineSt^eife, um ber ©efal^r einer ÄoBufion unter» ben ©Regatten entgegen*
jutreten, anberentl^eite mit SRücffxd^t barauf, ba§ in nid^t feüenen gällen ber
g^cgatte, welcher auü biefem ®runbe bie ©d^eibung beantragt, ber ©enoffe be§
|(iimpfli(^en ©eroerbeß beö anberen ©tiegatten fein roirb. 3lud) bei biefem
Sc^eibungsgrunbe fommt eö bal^er immer auf eine SBürbigung ber fonfreten
Umflfinbe an.
SBon ber SWel^rjal^l ber neueren Oefeggebungen wirb femer nad^ bem «enoeiflerung
Sorgonge beö gemeinen proteftantifd^en ©^ered^teö (tJergf. Urtl^. b. SR. ®. bei ^"^*^f<^\**"
Renner unb 9Bede in, 222) bie ^artnöctige SSerroeigerung ber el^elid^en 5ßfi[id()t
ate Sd^eibungdgrunb , unb jmar a(d abfoluter @d^eibungögrunb , anerfannt
(DergL preufe. 31. S. 91. n, 1 § 694; nürnb. ©^efd^eibungöorbn. 9tr. 28; gotf).
^i^' §§ 107—111; altenb. ©^eorbn. § 217; fc^marjb.fonbcrö^auf. ©^e*
f<5eibungfigef. § 2 %:. 8; franff. ©ef. § 15 5Rr. 3; fäd^f. ®. SB. § 1731;
nmrttemb. ®ef. v. 8. 3lug. 1875 STrt. 7; anmalt, aiuöf. ®cf. jur 6. ^. C.
t>. 10. 2Rai 1879 § 4; Sluöf. ®ef. jur ©. 5ß. D. P. 3. aßai 1879 § 11
für 9leu6 &. £.). dagegen ift biefer ©d^eibungsgrunb bem code civil, bem
bab. 2. 31. unb bem ^eff. ©ntro. fremb. 2lurf) bie üerfd^iebenen preufe. ©nt*
«mrfc über ©^efc^eibungen \)abcn biefen Sd^eibungögrunb unter 3iiftinimung
ber beiben Käufer beö Äanbtageö gänjlid^ beseitigt. 25ie für bie gänjUd^e
Suöf^liegung biefeß ©d^eibungögrunbeö porgebrad^ten ®rünbe, namentlid() ber
^inroeiö barauf, ba^ bie ®eltenbmad^ung beöfelben eine SBerlegung beö
Sittlid^feitögefül^leä entf)alte unb mit großem Slergerniffe oerbunben ju fein
pjfcge, baJ3 femer bie 93orauöfcfeungen biefeö ©d^eibungögmnbeö fd^mer fcft-
juftellen feien unb burd^ benfelben ber Simulation 2^^ür unb 3r^or geöffnet
werbe, fönnen inbeffen als burd^fc^Iagenb nid^t erad^tet werben, um einem ©tie*
gattcn, wenn ber anbere ©begatte in ber l^ier in 3lebe fte^enben 2lrt feine e^ie^
lic^ ^flid^ten eigenmäd^tig unb l^artnädig beriefet, baö SRed^t ber ©d()eibung
imbebingt ju oerfagen. SJagegen ift cö rid^tiger, biefem ©d^eibungögrunbe
feinen abfoluten Rarafter beijulegen, ba audf) bei biefem ©d^eibungögmnbe
änifß auf bie Umftänbe beö einjelnen gaUeö unb auf bie aWotiüe anfommt.
3)ur<ft bic SRelatioität biefeö ©c^eibungögrunbeö in SBerbinbung mit ber freien
Seioeiöt^corie werben aud^ bie praftifc^en Sebenfcn befeitigt, roeld&e auö ber
Sd^ierigfeit, bie SBorauöfelungen biefeö ©d^eibungögrunbeö im ®efe|c feft*
}ufteDen, unb auö ber ®efat|r ber ÄoIIufion ber ©Regatten l^ergeteitet werben.
IV. 3" t)erfd&tebenen ®ebicten ®eutfd()Ianbö l^at fxä) neben bem ßanbe«.
S<^un8öred^te auö beftimmtm, gefeglic^ feftftetienben ®rünben baö Snftitut ©Jel^t!-*
beö lanbcöl^errUd^en ©^d^eibungörec^teö gen)of|nl^eitöred()tUd^ entroidfelt; in »>«"o«rec^t.
einigen ©ebieten ^at baöfelbe aud^ im SBcgc ber ®efc|gebung auöbrüctUd)e
9nerfennung gefunben. SBerm5ge biefeö Snftituteö l^at ber Sanbeöl^crr bie,
mitunter an getoiffe befd^ränfenbe SOorauöfefeungen gefnüpfte 33efugni6, ®f)en
aud^ aud cmberen alö ben gefeglid^ anerfanntcn beftimmteu ®rünben nad)
•totiM |. »fireerL ^t^d^iu^. IV. 37
568 ©d&eibunG. Srenmuiö i\ Sifd? u, Sctt. ginrcitunö. (§§1440-1463.)
f oU mä) bcn bcscid^itetcn yicä)tcn bicfcö Snftitut nur afe aßittcl bicncn, eine iDirt-
lid^ jerrüttetc, bciben ©f|cgattcn unerträglid) ßeroorbcne G^c ju löfen. S)ic Wo-
]\ä}t, ben ©Regatten bie joillfürlid^e 9luflöfiing ber ©Ije ju ennögttd^eii, liegt
bcn S3cftimmungcn jener 5led)te Döllig fern. S)aö ®efefe gc^t üielmc^r baoon
auö, ba% wenn bie ©tjegatten bie für biefe 3lrt ber ©Reibung befonberö Dor*
gefd^riebenen crfd^roercnben Sebingnngen erfüllt Ijaben, ber SJeioeiö alö geführt
ansufcljen fei, bofe ein gefeglid&er ©d&cibungögrunb in SJÖirflid^feit vorliege ober
bodj anö anberen anjuerfennenben ©rünbcn im gegebenen galle bcn Gfiegattcn
bie j^övtfegung ber ©[)e uncrträglid) geworben fei. Sie prottifc^e Scbcutung
biefeö ©i)ftemeö beruf)t einerfeitö barin, bafe bie ©Regatten in fold&en gäüen,
in n)cld)en ein gefcfelid^ anerfonnter ©d&cibungögrunb, j. ©. G^ebrud), üor-
liegt, burd^ baö Snftitut ber Sc^eibung auf @runb gegenfeitiger ©inroiUigung
in bie löage gefegt werben, bie ©d^eibung erroirfcn ju fönnen, ol^nc genot^igt
ju fein, ben eigentlid)en Sd^eibungögrunb jur Äcnntnife beö SHid)terö ju bringen,
baß alfo auf biefe SBcife baö mit bem ©c^cibungöprojeffe fonft für bie ß^e-
gatten fclbft unb bereu gamilie Dcrbunbene Slergernife fd^onenb abgemenbct unb
bcrienige G(jcgatte, meld&er einfeitig bie Sd^eibung ju verlangen bered&tigt loare,
namcntlid() im gaDe cineö von bem anberen G^cgattcn begangenen, dou Slmtfi-
mcgcn ftrafbaren SSerbrcd^enö ober im gallc beö GI)ebru^eö nidbt jur Shif^
bcdung jencä SSerbrcd&enß bejiu. ju ber unter befonberen Umftänben möglicher-
meife bebenflid^en S3ejeid^nung beö mitfd)ulbigen ©ritten gebrangt wirb.
SInbercrfeitö geiuöljrt bas l)ier in Siebe fteljenbe Snftitut ben Göegatten bie
ajlögtid^feit, auf biefem SBege bie ©d^cibung aud^ in fold^en gäUen erroirfen
JU fönnen, in meld&en baö unter iljnen beftel^enbe SBcrl^ältnife in SBirflid^teit
üöllig jerrüttct ift, biefe Zerrüttung aber, weil bie G^egatten biö babin fic^ ju
beberrfc^en ücrftanben l;aben, entwcbcr äufeerlid^ in red^töwibrigen unb bcn
ftttlidficn Slnforberungcn ber Gl)e wiberfpredjcnben §anbtiingen überall nid^t
JU ^age getreten ober nid^t beweisbar ift. SBeiter fönnen ju ©unften ber
©djeibung auf ©runb gegenfeitiger GinwiDigung bie ©eftd^töpunftc gcltenb
gemad)t werben, baj^ bie aScrfagung biefeö SBegeß bie G^egatten, weldbe beibcr«
fcitö bie Sd[)eibung wünfd^en, baju nöt^ige ober bod^ ju verleiten bro^c, in
©cgenwart t)on 'S^UQtn einen tünftlid)en ©d^eibungögrunb ju fd^affcn unb fo
baQ ©efeg ju umge{)en, ba^ ferner, wenn man bie Sd()eibung nur auö bc*
ftimmtcn Urfad^cn gefiatte, namcntlid) bei ben relativen ©d&eibungfigrünbcn
beö § 1444, ber flagenbe Gljcgatte nie fic^er fei, ob bie Sdbeibung audj cr^
folgen werbe, eine 9lbweifung ber Sd^eibungßflage aber immer mit miBlid^cn
golgen, inöbcfonbere für bie ©cftaltung beö cl^cli^cn SBer^ältnifteö, ücrbimben
fei. Diefe Grwägungen fönnen iebocb gegenüber bcn prinsipicDen Scbcnfcn,
mcld)c gegen bie 3wlaffung ber ©d)eibung auf ©runb gegenfeitiger Gim
willigung fprcd^cn, unb gegenüber ben ©efal^rcn, wcld^c barauö bem :5nftitutc
ber Gl&c JU crwad^fen broticn, alö burd()fd)tagenb nid^t erad^tct werben. S9ci
ber Sd)eibung auf ©runb gegenfeitiger Ginwilligung, aud^ in ber ©cftaltung
beö franj. unb beö bab. SRed()tcö, tritt nad^ außen ^in lebiglid^ bie SBillfür ber
Gl&egattcn alö ©runb ber ©d^cibung Iicroor. @ö liegt beöljalb bie ©cfo^r
nal)e, baß im SSolfe biefe SBillfür alö ber wal)rc ©runb ber Sd^eibung an»
gcfeljcn unb baburd) baö 9lnfcf)en unb bie SBürbe ber G^e, bie Sluffojfung ber
(S^etbung. Srcnnunö t). Sil* u. Sctt. einlcituno. (§§1440—1463.) 569
lejtcrcn qIö einer auä) rcd^tlid) über bem SBillcn bcr ©Ijegottcn ftcljcnben,
Jio^cren obieltbcn 3^^^^^" bicnenben Snftitution im Seroufetfcin bcö SBolfcö
gelodert wirb. S5aju fommt, ba§ baö Snftitut bcr Sd^cibung auf ©riiiib
flegenfcitiger ©inroiltiflung troß aller Äautclcn baju mißbraucl)! loerben fann,
bic äiiflofung bcr @l)c a\\6) in [oId)cn gällen l^crbeljufül^reu, in n)eld)cn bic
e^c fcincöroegö ate eine üöttig jerrüttctc anju[c^en ift, bic ©Regatten aber aus
cnberen fubieftiucn (Srünben bic 6I)c ju lofen lüünfd&en. 3l\6)t oljne ©runb
ift Don bcn ©egncrn jencö 3nftitutcö ferner barouf Ijingeroiefen, baß bas
lejterc nid^t feiten bal;in führen werbe, ba& berienigc @l)egatte, roetd^er, uiel-
Ici^it im Einbilde auf eine i^m fd)on in 9luöfid&t ftel)enbc anbere GIjc, bic be?
ftc^aibe G^e ju löfeu lüünfd^t, auf ben anbercn ®l;egattcn fortgefegt einen nidjt
fi^tbor IierDortrctenben moraIifd)en S^ang ausübt unb fo beffcn, in äBa^r[)eit
nur fc^einbare, ©inroilligung jur Sd^eibung erlangt. Um fo bebentlid)er ift es,
boö ^icr in Siebe fte^enbe, in bem größten SC^eilc ©eutfd^lanbö unbe!annte
mh burd^ ein prattifd^cs SBcburfnifs bort nid^t gebotene Snftitut neu ein-
jufü&rcn, ald fclbft baö frauj. ®ef. v. 27. 3uli 1884 3lnftanb genommen Ijat,
bofifelbc in granfreic^ wicbcrl^ersuftcllen. 95on befonbercm ©emid^tc ift aud^
bcr Umftanb, bafe bic f6mmttid)en preuß. ©ntioürfc über bic ©f)efd)cibung bic
Sdjeibung ouf örunb gegenfeitiger ©inroilligung, mcil mit bem 3Befen bcr
€^e unoercinbar, aut^ in bcr 83cfd&rfin!ung bcö preuß. 91. 2. 91. auf finberlofe
%n, nic^t aufgenommen tiabcn unb in biefem fünfte bei bcn oerfd&icbcnen
Ser^nblungcn im Sanbtagc n)ieberl)ott unb gleid)mä6ig fowol^l üom Ferren*
ioufc als oom SIbgeorbnctcnfiaufc gebilligt finb.
2. (Sbenfomenig ift es mit bem SBcfen bcr ßljc als einer über bem ©«^libun^
SBiDen bcr 6l)egatten ftcl^cnbcn fittlid^en unb red)tlid^en Drbnung vereinbar, una&^nb.
bie cinfeitlgc ober bic gegenfeitige unüberroinblid^e 2lbneigung als fold&e, alfo ^^^^^"^^
öU(^ bonn als fetbftänbigen Si^cibungSgruub anjucrfenncn, menn bicfc STb^
neigung nic^t burd) ein nad^ anbercn 93eftimmungcn 5ur Sdjcibung bc*
ret^tigenbcö Sßerfd)ulben bcs anbercn 2:()eilcS t)croorgerufctt ift. ®ic Sin-
ertennung biefeö ©d)cibungSgrunbeS mürbe, ba bem SHid)ter ein objcftiücr, bic
SiUfür auöfd^lic^cnba Söemeis bcr unübcrminblid)en 2lbneigung gar nidjt cr<
brod^t merbcn fann, mcwn biefer ©d^eibungögrunb praftifc^c Sebcutung gc?
»innen foH, nur bal;in füt)ren, bcr Sd&cibung aus SBilltür als ©crfmantcl ju
bienen. ®cr 3wlöfl""fl ^^^ ©d&eibung auf ©runb cinfeitiger 9lbncigung ftcljt
jubem bcr Äarafter bcr ß^c als eines 3flcd^tSoerl)ältnifjcö entgegen. 3lud) in
biefer .$?infid5t ftimmt ber ©ntmurf mit bcn preuf^ Gntraürfen über bic ©Ik-
fcjeibung übcrcin. 3Äit bem Stanbpunfte ber legieren t)aben bas ^errenljaus
unb baö 3lbgcorbnetenfiauS infomeit fxä) n)ieberl)olt cinücrftanbcn erflärt.
3. S)ic t)om preufe. 91. 2. 91. unb oon Dcrfd^iebcnen auf bem Soben bcS sd&eibunß
legtcren ftc^cnben neueren ©efcggcbungcn in cinfeitiger S3crüdftd^tigung bcr '^^®*,"^'gc^''^'
9cfd^lcdbtH(I)cn Seite bcr 6l)c balb in gröfecrer balb in geringerer §kusbcl)nung c»«^««^«.
Siiflclaffcnc ©d^cibung megen unfjcilbaren, mä^renb ber G()e o^nc 5Jerfd)uIbcu
cntftanbcncn gefd^lcd^tUdjen Unvermögens ober uuücrfdiutbeter unl)cilbarer
forpcrlid^cr flrant^citcn bes anbercn G()egatten mirb ebenfalls bem SBcfcn unb
bcr fitttic^cn 9latur bcr Qijc, mcld)c cö mit fid) bringen, bajj bic ©Regatten,
TOic grciibe unb ©lud, fo anä) Seib unb Unglüd mit cinanber tragen muffen.
570 ©(öcibunß. 2remiungD.2ifc6u.Sctt. einlcituna. (§§1440-1463.)
lüd^t gcred&t. SBon bicfem ©cfid&töpunftc quo l^abeu aud& bic oerf(^icbcjicn
preufe. ©ntroürfc über bie ©ficfd^cibung unter 3#iw"^uwg bcr bciben ^aufcr
beö Sanbtagcö bie [)icr fraglid^en 3d)eibungögrünbc ju bcfcitigen Dorgefd^Iagcn.
2)ic 9Jid|tanerfenuung biefer ©d^eibungögrünbe fd^Iiefet inbeffcn nici^t auö, bofe
ein ©begatte geeignetenfalls auf ©runb beö § 1444 bie Sd^eibung ju verlangen
berechtigt fein fann, n)enn ber anbere ß^egattc ©ebred^en bcr fragtic^cu 9lrt
fd^ulbooUer SBcife burd^ unflttlid&cö S3erf)altcn fid^ jugejogcn ^Qt.
aiud^ bie 93eftimmung bes fäd&f. ®. SB. § 1742, baß bic ©fiefrau bie
©cbeibung t)erlangen fann, lücnn auf Orunb ärjtlid^er Unterfud^ung fi(^
crgiebt, baß roegen eine« unheilbaren ©ebred^enö, an roeld^em fic leibet, auö
ber gortfe^ung beö Seifd^tafcö für fic eine Sebcnögefafir entfielen würbe
(äbnli^ altenb. ©fjeorbn. § 229), ücrbient feine SiUigung. 2)ic blofee ÜRögli^-
feit, bafe ber ©fiemann unter SBcrtennung feiner el^elidöen ^flid^ten guniut^ungen
an bie G^efrau ftellen fönnte, wüdjt baö Seben ber 6()efrau 5U gefä^rben
geeignet finb, ücrmag t)om red^tlid^cn Stanbpunfte auö bcr 6§efrau fein
SHcd&t JU geben, baö burd^ bie G()c begrünbete 9led&töoerl[|8Itni6 ujibcr bcn
SBillcn beö (S^cmanneö einfeitig ju lofen. 9iur bann, xocnn bcr Icfetcre unter
93erle|ung feiner ebclid^en ^flidjten civoa ben SBcrfuc^ machen foHte, bic mit
©ebrcd)en befjaftetc ©^efrau jum Scifd^lafc ju nöt^igen, würbe auö bcm
®eRd&töpunfte ber SJcrfd^uIbung beö ©^emanneö baö 9led^t ber (S^efrau, bic
©d^cibung ju uerlangen, f)crge(eitet werben fSnnen. gür gällc biefer SKrt
reid)t aber baö 5ßrinjip beö § 1444 auö.
ec^eibung 4. SBcit }U)cifcI^after ift bie S^age, ob unb inroieroeit ©ciftcöfrant^cit
©eipäronf- ^^ö ^iucn ©(jcgattcn bcn anberen ©fjcgattcn bered^tigen foH, bic ©d&cibung ju
*«*• oerlangcn. 3Bic bic oben S. 564 ff. gegebene Ueberfu^t beö beftc^enben fRc6)tc&
crgiebt, ift biefer ®rf)eibungögruub, wenn aud^ bic aSorauöfeftungcn bcöfelbcn
iunt Xijtil ücrfdE)ieben geregelt finb, in großen 9led()tögebieten, unb jwar auc^
ron foldien 9ted&ten anertannt, nad& weld&en forperlid&c ©ebred^cn feinen
Scbcibungögrunb bilbcn. Slugerbem finb in benienigen gemcinrcd^tU^en
Stedötögcbictcn, in weld^en baö tanbcöberrlid^c ©^cfc^eibungöred^t oncrfannt
ift, burcö ben Sanbeö^errn wicbcrl^olt 6^en aud& wegen ©eiftcöfranf^cit cincö
©Regatten gefd)icben. 25cr ©tanbpunft bcr preufe. Gntwürfc über ©^cfd^eibung
bat in biefer grage gewcd)felt. SBäfjrcnb bie ©ntwürfe auö htn Sabrcu 1854
unb 1856 bic Sefeitigung beö Ianbred)tUd)en Sd^eibungögrunbcö wegen 9{aferei
unb SBa^nfinneö üorgef^Iagen unb in biefer 33eäicf|ung bie SJiUigung beö
§crren^aufeö bejw. beö 3lbgeorbnetenI)aufeö gcfunbcn l^attcn, würbe in bie
bcm Sanbtage in bcn Satiren 1859 unb 1860 üorgelcgten ©ntwürfc eine bic
3luff)ebung biefcö Sc^eibungögrunbcö bejietcnbe Scftimmung ni^t wiebcr auf*
genommen, unb crftörten im 3af|rc 1859 baö Slbgcorbnctcn^auö unb bic
Sommiffion beö .^errenbaufcö, im Saläre 1860 beibe Käufer beö Sanbtage« jic^
mit bcr Scibebaltung beö in SRcbe ftcbenben ©(^cibungögnmbcö cinoerftanbcn.
®ö löfet fid) nid^t ocrfcnnen, bafe, f)ingefcf|en auf bic realen SBerl^ättnifjc
beö Scbcnö, auf bie wirtf|fd)aft[id&cn 9lad)tl)eile unb bie Tittlidöen ©efa^ren,
wcld)c bcm ©Regatten unb ben Äinbern broben, wenn crfterer bur^ äJerfagung
beö Sdjcibungöred)teö wegen ©eifteöfranf^cit beö anberen ©Regatten ge^tnbcrt
wirb, eine neue GIjc einjugeljen, uom fojialpolitifdjen Stanbpunfte aud qc-
®4cibunö. Srcnniwg i?. Xii(j6 u. Sctt. ßinlcihmfl. (§§1440-1463.) 571
©id^tigc ©rünbc für bic Bw^offung bcr ©d^cibimg tücgcn (Sciftcöfranf^eit
fprct^cn. Snbcjfcn finb bicfc (Srünbc nid^t erficbü^ O^^wfl/ ^^ eine SÄudnolimc
öon bcm ^rinjipc, ba% bic ©(Reibung nur tocgen a3erfd)ulbcnö cincö ©Regatten
sulofttg fein foU, ju rcd^tfcrtigen. 9lud& rocnn man auf bic aus bcm SBcfcn
bcr g(jc fid) crgebenbcn etfjifd&en S3cbcnfcn gegen bic B^löjfung bcr ©d^eibung
iwgcn ©eiftcßfronf^eit Don bcm ®cfid}töpunftc auß, baß bic gortfcßung bcr
e^c, wenn bic 3lußftd^t auf Sefcitignng bcr ©ciftcßfrant^cit auögcfd^loffcn fei,
für bcn geiftcfifranfcn ß^cgattcn, abgefel^en von bcr Untcrl)altßpflid^t bcö anbcrcn
Statten, feinen SBcrt^ mcfir l^abc, entfd&cibcnbcö ©emid^t nidjt legen mU,
fo mufe boc^ bie Stnerfennung bcö in Siebe ftcl^enbcn ©d)cibungßgrunbc3 baran
fc^citcm, bafe bic SSoraufifegungen biefcß ©d^eibungfigrunbeß — wenn man bem«
fclbcn nid^t eine 2lußbel^nung geben roill, roeld^e mit ber auf bcn geifteßfranten
ß^otten JU nel^menben SRüdEfi^t unb mit bcm öffentUt^cn Sntcreffc, baß
Änfe^en unb bic SBürbc bcr 6^c nid^t ju erfd^üttern, nid^t oercinbar fein
würbe — , jtd^ in einer bcn ücrfd^icbcncn Sliictfid^tcn unb 3lntereffen glcid^mäßig
Segnung tragcnben Strt nid^t feftfieBcn laffcn. Snßbcfonbcrc läfet jtd& eine
Worfe ©renjlinic jroifd^cn bcn t)erfd[|iebcncn formen bcr ®cifteßh:anfl)eit
nid^t jie^en, unb ift eß praftifd^ nid&t außfü{)rbar, bicienigen %&Ue, in rodeten
burc^ bic ©eifteßfranf^eit icbc geiftige ®emcinf(^aft aufgehoben wirb unb ber
gciftcßfranfe ©begatte bal^cr alß geiftig tobt ju betrad^ten ift, oon anbcrcn fällen
§u fonbem. 3n biefer ^infid^t gerofilirt aud^ bie 33eftimmung beß fäc^f. ®. 8.
§ 1743, nad^ rocld^er ein ©^cgatte bic ©d^eibung wegen ©eifteßfranf^eit beß
onbcren ©Regatten bann ücriangen tann, wenn auf ©runb einer in einer
Sonbeßanftalt erfolgten breiia^rigen SBcobat^tung beß erfranf ten ©Regatten
oon bcn änftaltßärjten bejeugt wirb, baß bie ®eiftcßfranff|cit eine unl^eilbarc
fei, feine geeignete ©runblage, S)ic aSoraußfefeungen, Don meldten icnc SBcftim^
mung bic ©d^eibung abhängig mad^t, finb ju unbeftimmt unb crmöglid&en bic
Sd^cibung loegen ©ciftcßfrant^cit aud) in folc^en göUcn, in meldten bic
©(Reibung fidd alß eine nid^t ju rcd()tfertigenbc §firtc gegen bcn geifteßfranten
Chatten barftcHt unb alß fold^c pon bemfelben aucft empfunben njcrbcn tann.
Siefe Scbenfcn werben aud^ bann nid^t befcitigt, wenn man bie 3ulöffigfcit
ber Sc^eibung wegen ©eifteßfranf^cit ttma baoon abl^ängig maä)t, baf] bic
bttuembc Unterbringung beß geifteßfranten ©Regatten in einer für ©eiftcßfranfc
beftimmten Slnftalt notl^wenbig wirb. 2)cr einer fold^en SBcftimmung ju ©runbe
licgcnbc Ocfid^tßpunft, bafe imter iencr SBoraußfegung bic Ijäußlid^c ©emcinfd^aft
bauemb außgefd^loffcn fei unb bcr gciftcßfranfe ©begatte bauernb bie ^ffid)tcn
eincß ©Regatten nid^t me^r erfüllen tonne, würbe fonfequent ba^in füf)ren
tnufien, bie ©d^eibung auc^ wegen anberer unfieilbarer Äranf^citen eincß G^c^
gattcn jujulaifcn, wet^c bcnfelben bauernb an bcr ©rfüUung feiner ^ftic^tcn
^inbem. Saju tommt, baß bie abfolutc 9iott)wcnbigfcit ber bauernbcn Untere
bringung eincß ©eifteßfrantcn in einer für ©ciftcßtranfc beftimmten 3lnftalt
in Grmangetung pofitiücr SSorfd^riftcn ju uerncincn ift, bic offcntlid^rcd^tlid^cn
Sorfd^riftcn über bie 3"WfP9fcit bejw. bie 9lott)wcnbigfeit ber Unterbringung
fineß ©ciftcßfranfcn in einer fold&en 3lnftalt aber ocrfdjicben finb unb barauß
eine SBerf^ieben^cit beß SRcd^tcß in 3lnfc^ung bcr 3ulöfngtcit bcr ©d^cibuug
wegen ©cifteßfranf^eit in bcn t)erfd)icbcncn Sunbeßftaaten fid) ergeben fönnte.
572 ®(6cibitno. 'Ircmmno t?. Sil(ä& u. Sctt ßinlcituno. (§§1440—1463.)
Sic 9lucrfcnnung bcö I;icr fragtid&cn Sc^cibungögrunbeß ift um fo weniger
cngcjcigt, als in bcnjciiigen SRed^tsgcbietcn , in welchen berfclbe gegcnroftrtig
nidfit 5ugcla5fcn ift, alfo namentlich in bcn Gebieten bcö gemeinen iinb bcö
franj. SRed^teö, ein prafti[d)eö SBcbürfnife in biefer^SSesie^ung, fooicl bcfannt,
nidjt IjerDorgetrcten ift.
S(^cibun3 5. 93on uerfc^iebenen 9Ierf)tcn wirb balb in meiteren, bafb in engeren
jRcTiSonö, (Srenjen bic SBcränbcrung ber Sietigion eines Gl)egatten für ben anbeten ©le*
»cränbcnmfl gattcn alö Sd)cibungögrunb anerfannt (ucrgl. preufe. 31.2.91. II, 1 § 715;
f d)roavjb. fonberöl;. Gf)cfd)cibungägef. § 2 SRr. 17; nurnb. C^efd^eibungöorbn.
9h\ 39; altenb. G^eorbn. § 230; got^. Gf)cgef. §§ 132—13-1:; fiSd^f. 0. 9.
§ 1744). S)cr bem preufe. 21. S. 9t. ju Orunbe licgenbe ©efic^töpunft, baß
bic SBcränberung ber Sieligion infoweit alö ©d^cibungßgrunb anjuerfennen fei,
als bic 33erfc^ieben^eit ber Slellgion ein trennenbcö Gfie^inbernife begrunbe, faim
t)om Stanbpunfte bed Gntmurfes aii& nid^t in Setrac^t lommen. älber auc^
bic Grnjagnng, boß unter Umftänben ber SBcd^fel ber SRcligion, wie ber ber
Äonfeffion, auf Seiten eines ber Göcgatten ben efielid^cn ^rieben ju jcrftoren
geeignet ift (ücrgl. ©efeßreo. ^cnf. XV ÜJlotiüc ®. 363), fann nic^t bo^in
filieren, jene S^^atfadjc als einen, rocnn aud) nur relatiocn, ©d^eibungögrunb
anjuerfcnncn, ba barin eincrfeitfi eine SBecinträt^tigung ber Oeroiffenöfrci^eit
liegen würbe, anbererfcitö ber Uebertritt ju einer anbercn Sleligion ober Äon*
feffion ebenfowenig wie überljaupt ein 2Bed)fel in bcn bifiljcrigcn rcUgiofcn
Slnfid^ten fid^ alö eine ^anblung barftcUt, weld^c ben Äarafter einer S8er=
fd)ulbung an fid^ trägt. ®er preufe. ©ntwurf über bic G^cfd^eibung von 1854
ijattc ebenfalls oorgefdjiagen, bcn lanbrcc^tlid^en ©d^cibungsgrunb ber 35er*
änbcnmg ber 9leligiou ganj ju befeitigen, ba ein erl[ieblid)es praftifd^cö 9c*
bürfnife fic^ uid()t bafür anfül^ren laffc, bcrfelbc auc^ jum 3"wrctc ber
Simulation leidet mi6braud()t werben fönne. Sie erftc Äammer bcfd^Iofe
icbod) bic ^eibcl)altung jenes Sd^eibungsgrunbes, unb ^aben fic^ bann bic
fp8teren ©ntwürfe auf ben Soben biefcs S3efdölu?fes gcftcHt.
«bfoiuteunb in. Sic fömmtüd^ auf bem ^rinjipc ber SJcrft^ulbung bcrubenbcn
sSc'ibung«. Sd^cibungsgrüubc bcö ßntwurfeS fmb tf)ei(s abfolute, b. [;. fold^e, wcld^c bas
flrcnbc. gicd^t ber ©d^cibung unbebingt bcgrünben (§§ 1441—1443), tf)cil6, unb swor
in ber Ü)lcl^r5al)l, rclatiue, b. ö. fold^e, weld^c nur bann jur ©d&eibung ju
führen uermögcn, wenn ber Siid^ter jugleid) bic Ucbcrjcugung gewinnt, bafe
baburd[) im fonfretcn gaDe eine fo ticfgel^cnbc 3cn:üttung bes c^cli^cn SJer-
flöltniffcs ^erbeigcfüljrt ift, bafe bem Magenben Gl^egatten bic gortfcftuug ber
Göe nid()t 5ugcmuti)ct werben fann (§§ 1444, 1445). S)ie relatiücn Sc^cibungö*
grünbc finb iebod() nid()t cinjeln bejeid^nct, fonbcm im § 1444 auf ein gcmcim
fames ^Prinjip 5urüdfgcfä^rt. S)iefc 3(rt ber Siegelung enthält allcrbings
flcgenüber ber aWc^rjal;! ber bcftcl^enbcn SRed^te eine Steuerung. SBic oben
©. 504 bereits I)crDorgc^obcn würbe, f)at bie gcmcinred&tlid&c ^rajis 5war auf
Orunb ber 9lnalogie ber ©d^cibungSgrünbe wegen ßfjcbrud^es unb boöUd)cr
SBerlajfung bic ©d&cibung aud^ in anbercn fällen fd^werer fittlicfter Scr-
fd^ulbung bejw. cigcnmäd^tigcr SBcrfc^ung ber cl^elic^en 5ßf[i(^ten jugelafien. 2)icfc
9tnaIogic Ijat icbod) nur jur Slnerfennung weiterer abfoluter ©d^cibungsarünbc,
uid)t aber jur Slufftcllung anberer relatiocr Sri^eibungsgrünbc in bem obigen
S^cibunj. Srcnmmö b. lif* u. 33ctt. ©mlcitunö. (§§1440-1463.) 573
Sinuc geführt, itjcnnglci^ bei einsclncn in i^rcn Sßoraußfefeuugcn bcni rid&tcr-
Rc^n Grmeffcn einen locitercn Spielraum lajjenben Sc^eibungögrünben, j. S5.
bei Säoiticn iinb SSerurtfjcilung eincö ©Regatten ju seitigcr grcif|citöftrofc^
Quc^ bcr @efid[|tdpunft^ ob bie ald (Sd^cibungsgrünbe anerfanntcn 2:^t)at|ad)cu
im gegebenen gaHc bie Zerrüttung ber G{|e I)erbei5ufü^ren geeignet waren unb
roirflit^ jur golge gel^abt Ijaben, bei ber richterlichen ßntfd^eibung in Setrad)t
tommt (oergl. entfd&. b. dl. ®. in Sioilf. I, 120, IV, 104 ©. 380, V, 115,
VIII, 40, IX, 47, 48). ebenfowenig i)ai gemeinred)tlicö bcr SRcd&tßfafe [id>
auögcbilbet, bafe bcr 9tici)tcr in allen ^-öllen bie Gfie ju f^eiben befugt ift, in
loclc^cn feiner ^uffaf[ung nac^ bie älnalogie bed Gt)ebrud^cd ober ber bödlid)cn
Scrlajfung jutrifft; iene 9lnalogie ift Dielntcl)r bei ber gcrool^n^eitörccbtlid^en
Sudbilbung einjelner beftimmter Sc^eibungögrünbc nur baö Icitenbc ^rinjip
gcrocfen. 3nbcffen neigt bie Orariß bc0 Sleid^ögericä^teö pd; ba^in, an bcr
^onb biefeö 5ßrinjipcö bie ©d^eibung aud& in anberen gälten jujulaffcn (oergL
entfc^. b. dl. ®. I, 120, IV, lOi ®. 380, V, 115, IX, 47). 3n benienigcn
Metjtdgebietcn, in welci^en baß Sd^cibungöred^t fraft lanbeöl^errlid&cr aWad)t'
ooKommen^cit in (Geltung ift, t)ertritt aber biefeö Snftitut geroiffermafeen bie
Stelle einer gefeftUd) anerfanntcn clausula generalis.
äud5 bie meiften neueren Äobififationen fteUcn aus bem @cfici[|töpun!te
ber Serfd^ulbung nur cinjelnc beftimmt bejeid^nete, in ber Siegel einen abfolutcn
ÄQrafter an fid^ tragcnbc ©cftcibungögrünbc auf, fo baß preu§. 21. S. 9?., bai^
got^. Cbcgcf., baß fc^roarjb.fonberßli. ©liefd^eibungßgef., baß f rauf f. ®cf., ba&
fäc^f. ®. S3., bcr Code civil unb baß bab. ü. 91. 3iur cinjetne ©d)eibungß«
grunbc nel^men nad^ ber einen ober anberen (Sefeggebung baburd^ einen rclatii^en
Änroftcr an, bafe fic bem richterlichen Grmcffen einen weiteren Spielraum uni>
bamit bie SBürbigung ber gragc geftatten, meldte SBirfung baß SJerljaltcn bc^
^flagten im fonireten gallc auf baß c^etid^c SSerl^ältnig gel)abt t)at, fo j. S.
gciDifle Säoiticn unb fd^n?ere G^renfränfungen (föc^f. ®. S. § 1736; gotl).
^9^. §§ 102, 103; code civil 3lrt. 231; wiirttemb. ®cf. d. 8. Sluguft 1875-
SrL 8) ober bie SSerurtljeilung ju ieitiger grcibcitßftrafe (oergl. ju preufe.
3f. 2. 9t. II, 1 § 704, Urt^. b. 91. ®. im prcufe. 3uft. aJlin. SBl. o. 1881 9lr. G
c. 22 unb bei ®ru^ot XXX ©. 985 ff.). Slbmeid^enb oon biefen ®efcfe^
gebungen fteüt bagegen, mic oben S. 560 bereitß ermfiljnt mürbe, bie altenb.
e^orbn. § 194 neben ben einselncn befonberß ^eroorge^obenen ©d^eibungß*
grünben eine clausula generalis auf (oergl. aud^ jd^roeij. 83b. ®ef. o. 24. 2)cj^
Scmber 1874 3lrt. 45—47).
©inen nocft anberen 3Bcg l^^ben bie preufe. ©ntmürfe über bie G^c^
f(^ibtmg cingefc^lagcn. Siefelbcn ^aben jmar einsclne lanbred^tlid)c ©cbeibungß-
grfinbe, namentlid^ S^ebrud) unb bößlic^e 93erlaf|uitg, alß abfolute Sc^eibungß-
griinbe beibehalten, ben übrigen lanbrcd()tlid)en Sd()cibungßgrünbcn aber, fomcit
nic^t bercn flänjlid^c Sefeitigung uorgefd)lagen ift, einen retatiuen Äaraftcr in
bcr 3Irt beißctcgt, ba§ bicfelbcn nur bann 5ur Sd)eibung fül)ren, mciin bcr
Siebter aus bem ganjen Inbegriffe ber SScrbanblungcn unb Scmeifc bie Uebcv^
ä^ugung gcmonncn l)at, baft burc^ bie Scl)ulb bcß SSeflagtcn bie G^c in nid}t
minbcrcm ®rabc, wie bur^ ©^ebrud) ober — mie bie ©ntmürfe oon 1844,
1854, 1856, 1859 ^injufügtcn, in bem ©ntmurfc oon 1860 aber auf ®runlv
574 ©(]&eibunö. Srcnnuno ü. Sif* u. 33ctt SmlcUung. (§§1440—1463.)
ciiicö bei bcv SBcrat^ung beö ©ntrourfcö von 1860 erfolgten Sefd^Iuffeö bcö 9Ib*
flcorbnetenliaufes toeflgcloffcn lourbe — wk burc^ böölid^e SBerlaffung scrrüttct
roorben fei.
Ginc fold^e ©intf)cilung bcr Sd^cibungögrünbe in abfolute unb rclatioc
benifjt auf ber rid&tigcn ©rroägung, bafe ber ©efcßgcbcr jtoar in einjcincn
göUen an ber §anb ber Grfaf)rung beim SBor^anbenfein geroiffer t^atfäd^li^fcr
SSorauöfegungen ol)nc SBcltereö xinb allgemein annel^men fonn, ba| bic gort-
fefeung bcr Qf)t baburc^ bem Magenben ST^eile, unb jroar üom iStanbpunfte bcö
bürgerlid)en Sledjteö auö enlfd^ulbbarer SBeife, uncrtröglid^ geworben unb i^m
bcß^alb ate Slcd^ttpPid^t ni(i^t ferner jujumuttien ift, bafe bagcgen in bcr großen
aJle^rial^l ber ^ällc mit SRüctfid^t auf bie SBerfc^ieben^eit ber Silbung, bic
oufecre Stellung, foroic auf ben Äarafter unb bic 5ßerfönli(i^feit ber G^cgattcn
fid^ nid^t im SSoraud beftimmen lägt, ob gemiffe ^anbtungen bed einen Gf^-
gatten, meldte }n)ar unter Umftfinben bie cl^elid^e @eftnnung beö anbercn S^^eitcö
}u jerftörcn unb gerechtfertigter SBeifc il^m bie gortfefeung ber G^e unerträglich
ju mad^en geeignet finb, aud^ im fonfrcten gaUc biefe SBirfung fiaben werben,
baß bieö tjielmc^r nur in jebem cinjelnen galle Don bem Slic^ter unter S5c*
rürffid^tigung aller fonfrcten Umftanbe richtig gcroiirbigt werben fanm So
werben je nad^ bcr SBcrfd^ieben^eit bcr Umftanbe OWife^anblungen, G^rcn-
fränfungen, SBerurt^eitung ju einer grcifieitöftrafe, unorbentlid^e Sebenöart u.f.ro.
ganj oerfd^ieben wirfen. ©icfclbe SC^atfad^c fann in bem einen gaüe bie uolligc
3erriittung bcr ®^e jur golge ^abcn, wä^renb fie in einem anbercn gaUc bcn
c^elidjcn grieben uicllcid()t gar nid^t ober bod& nur rorüberge^cnb ftort. ajlan
gerätl^ batjcr bur^ bie äludftcllung blöd einzelner abfoluter 6d()eibungdgrünbe
Vrinjip in bie ©efal^r, entweber ju uiel ober ju wenig ju t^un. S)iefe ©efi^töpuuftc
eietbunfl«" »nüffcn abcr fonfcqucnt ba^in fül}ren, neben einjcincn jwcdtmäfeig bcijubc^altenbcn
grünbe. abfolutcu ©c^cibungögrunbcn nic^t in fafuiftifd^cr SBcife bloß eine boc^ nie
erfd^öpfenbc 2lnjaf|l beftimmter rclatipcr ©d^cibungögrünbe, fonbern ein afi-
gemeines, bcn S3cbürfnif[cn JRcd^nung tragenbes ^rinjip aufjuftcUen nn'b l}od^ftcnÄ
beifpielöweife ben einen ober anbercn rclatioen ©c^eibungögrunb befonbcrö
l)en)orju^eben. SBcnn bic prcug. ©ntwürfe biefen weiteren ©c^ritt nit^t gctban
l)aben, fo wirb bieö we[cntiid^ barin feinen ®runb l)abcn, baß eö fi^ bamate
nid()t um eine t)oUige 5Reugcftaltung beö G^efd^eibungöred^teö, fonbern nur um
eine 5Rcf orm beö 31. S. 91. Jö^nbelte. ©ö ift jwar nid^t ju uerfennen, bafe boö
Si)ftcm bcö ©ntwurfcö im ^inblidfe auf bcn weiteren ©pielraum, welcher ba*
burd) bem rid^tcrlid^cn ©rmeffcn gcwäl^rt wirb, gewiffc Slad^t^eilc unb ©cfa^ren
mit \ii) bringen fann. Snbeffen fallen biefe Sladdt^eile unb ©efal^ren gegen*
über bcn mit bem Si)ftcmc beö ©ntwurfcö uerbunbcncn großen SBort^eilcn ni<i^t
inö ®ewid()t. ©ine anbcre grage ift, welche SKuöbel^nung bem aOgcmcinen
?Prinjipe gegeben werben foH. 3n biefer S3ejiel^ung wirb auf bic äRotioe ju
§ 1444 SScjug genommen.
TDie abfoiuten SSou bcm ^rinjipe ber dlelatiDität ber ©d^eibungögränbe mad^t bcr
frfi!!be"be*8 Entwurf Sluöna^men in Slnfc^ung beö ©l^ebrud^eö unb ber bcm legtcrcn
«ntwurfeö. glci^juad^tcnbcn gleifd^eöDcrbrcc^en , ferner in Slnfe^ung bcr Stoc^ficQung
nad^ bem Seben unb ber böölid()en SSertaRung (§§ 1441 — 1443). 3war
läßt fi$ aud^ von biefen gSHen nid^t fagen, bafe fie unbcbingt in icbcm
^
sC
(Öribunfl. Srcnnunö iJ. SiW u. »ctt. ßmlcitung. (§§1440-1463.) 575
cinjelncn goHe bie B^^üttung bcr ©^c jur golgc ^aben, t)iclmc^r ift cö auc^
Ifier tnöglid^, bafe int ctnjclncn gallc bcm verlegten ©Regatten nid^t bur^ jene
J^^tfac^cn bic 6^c uncrtröglid^ geworben ift, fonbcrn ba§ bcrfelbc ben
abfoluten Sd^eibungögrunb nur bcnu|t, um aud anberen Dom @e[ege nid)t
gebilligten ©croeggrünbcn bic Sluflofung ber 6^e ju crreid^cn. SlDein in ben
bejeit^neten gällen ift bie SBerlefeung bcr e^elid^en 5ßf(id^tcn objeftip eine fo
fcjroere unb unmittelbare, bafe in biefen gfillcn bic ©d^eibung nid^t erft baoon
Abhängig gemotzt rocrben barf, ob bcr Mic^ter bie Ueberjeugung geminnt, bafe
im gegebenen gaDe bic gortfefcung ber 6^e bcm oerlefeten ©l^egattcn in bcr
2^t baburd^ unerträglid^ gemorben ift. ©ö erfennen aud^ aDc ©efeggebungen
unb entwürfe ben Sl^ebrud^ unb menigftend bic meiften auc^ bie bösliche %er-
(offung unb bie Scbcnönad^ftcUung qIö abfolutc €d()eibungsgrünbe an (ocrgl.
bie ÜBotiPC ju §§ 1441—1443).
©ageaen tann bie 3lufnal^me rociterer abfolutcr ©d^eibungfigrünbc meber ««e^nun«
ote burd^ ein Sebürfnife geboten, nod^ ate jmcdEmäfeig erad^tet roerben. SlUc foiuter
onbcren unter bie Äategorie ber SSerfd^ulbung fallcnben, in ben beftcl^cnben ®*c|^wn8«-
Siebten fx(^ finbenben ©d^cibungögrünbc fmb bcr SIrt, bafe eö fid6 empficl^lt, ^^ "
bie grage, ob fte im ein5elncn gaDc bic 3crrüttuug ber 6^e l^erbeiäufülircn
geeignet fmb unb roirfüd^ I)erbeigcfü^rt ^aben, in iebem cinjcinen gallc bcr
ric^terlid^cn Prüfung unb SBürbigung rorjubel^alten.
®ieö gilt inöbefonbere Don SWifel^anblungen unb Seleibigungen. 2)aö . ^„*\„
flriterium bcö gemeinen proteftantifd)en ß^crcd^tcö, bo^ bic SKigl^anbtungen, unb^S!"
um }ur Sd^eibung ju fül^ren, Icbcnö:: ober gcfunbl&eitfigefäl^rlid^e fein muffen i«^*>iö»"fl«"-
(oergl. Seuffcrt XXXV, 35), ein ftritcrium, rocid&cö, rocnnglcid^ mit einjcinen
Crroeiterungcn besro. SKobififationen, in Dcrfd^iebcnc neuere ®efc|gebungcn
übergegangen ift (oergl. prctig. 31. S. 3*. II, 1 §§ 699—702; nümb. GI)e^
fc^eibungöorbn. 5Rr. 25; gotl^. e^egef. §§ 98, 102, 103; altenb. ®^corbn.
§§ 219—223; fd5n)arjb.fonberöI). e^efd^etbungßgef. § 2 SRr. 12, 14; fäd&f.
®. 33. §§ 1735, 1736), ift JU eng unb ju weit; ju eng, mcil fit^ Sßifel^anb*
lungen unb auc§ 83elcibigungen benfcn lajfen, meld&c, ^^nt unter iencß
Äriterium ju fallen, einen gänjlic^en SDlangel ber el^cüd&en ©cfinnung bcroeifen
bejro. entfd^ulbbarer SBcife bei bem SBcrlcItcn ju beroirfen geeignet finb, j. 93.
SBife^onbiung burd^ 5ßeitfd^en ober öffentUd^ begangene SSerIcumbungcn ; ju
weit, weil eine cinjelnc obieftio lebend* ober gcfunbl^citögcfä^rlid^c ^anblung
ficj benfen Ia§t, meldte, im 3uftanbc äufeerften 2[ffeftcd gefc^el^cn, burd^auö
lukd ntc^t einen gänjlid^en äHangel aw c^elid^cr @eftnnung befunbet unb
anbererfeitd nad^ ben fonfreten Umftänben aud^ nid^t ald geeignet betrad()tct
werben fann, bie eJ^elid&e ©efinnung in bem anberen S^^eile bauernb ju jcp
ftörcn. ®aö Don anberen Oefeftgebungen aufgeftcUte Äritcrium, ba§ bic SKife*
^nblung eine bebeutenbc ober l(iarte ober fd^wcre bejw. bie SBclcibigung eine
fcftwerc ober tiefe ober grobe fein muffe (t)crgl. code civil 3lrt. 231; bab.
«. SR. ©06 231 ; franff. ®ef. t). 19. Jloocmbcr 1850 § 15 5Rr. 8 ; l^eff. ©ntw.
Sri. 82), gcwäl^ bem SRid^ter iwar einen weiteren Spielroum; allein ha^
cntf^eibenbe aJloment, bafe bie ^Wifel^anblung ober SBelcibigung ber 3lrt fein
muB, bafe bem SScrleßten nac^ ben fonfreten Umftänben bie gortfeftung ber
G^ ate Sled&tfipflid^t nid^t jugcmutl^ct werben fann (t)ergl. ®ntfc^. b. 9?. ®.
57G ©^cibunö. Ircnmmo i\ Sifc^ u. S3ctt. einleitunö. (§§1440—1463.)
in Giüilf. IV, 104 S. 380), wirb burd^ icncö Äritcrium für fic^ allein bod^
ui^t fo bircft unb bcutdd^ auägcbrüctt, roic bicö gcfd^icl^t, wenn aUc aJlife*
Ijanblungcn unb 93clctbigungcn bcm ^rinjipc bcr SRclatioitfit natu) SKaBßabc
bcö § 1444 untcrftcUt werben. Somit ftimmen a\x6) bie prcuj}. ©ntoürfe über
bic S^efdjeibung übercin.
»erurt^ei. j)ic ueuercn ©cfeßgebungcn bctianbcin ferner bic SSerurt^eilung eiucÄ
^^3? @f)egatten ju einer cntefirenbcn ober längeren greil)eitdftrafc ate einen abfolutcn
©anMunflcn. Scfteibungögruub, inbem fte bie SBoraußfcßungen nä^er ju beftimmcn fud^cn,
unter TOeld&en ol^nc SBeitereä angenommen werben fönne, bafe bic Gl^e in j§oIge
ber SSerurt^eilung bcö einen Gf)egattcn jcrrüttet fei unb bem anbercn ®I)c*
gatten bic gortfeßung bcr G^e alö 5ted)tspflidjt nic^t me^r sugemut^ct werben
fonnc. 3""^ ^l)cH mad^en fic ba& ©d^eibungöred^t nur von bcr SBcrurt^eilung
ju einer cntcl)renben Strafe ober ju einer fd[iwcrcn pcinlid^en ©träfe ober jU
einer Äriminalftrofc ober von bcr SBcnirt^eilung ju bcftimmt beseid^nctcn
©trafarten, namcnttirf) ju gewiffcn arten oon ^cü^fcitöftrafen, fei cd o^ne
atürffidit auf bic 2)aucr bcrfclbcn, fei eö unter bcr SBorauöfcfiung einer bc*
ftimmtcn Stauer, abl)ängig; tl)cilö erfennen fic iebc gSerurtticUung ju einer
greil)citöftrafe, weld^cr 3lrt fic audj fei, fofern bie grei^eitßftrafc eine gcroijje
S)aucr crrcidE)t, alö ©c^cibungögrunb an, ober bic 83cnirtf)cilung wegen bc?
ftimmtcr ftraf barer ^anblungcn; t^cilö ftcBen fie alö SSorauöfcftung ^in, bai
bie aScrurt^cilung wegen tjorffifelid^cr SBcrbredöen ober wegen gemeiner, nic^it
politifdE)er aScrbred^cn ju einer Srcil)eitöftrafc üon gewiffer Sauer ober oon
gcwiilcr 3lrt erfolgt fei. ®en bciciddnctcn SBorauöfefeungen wirb bann häufig
nod) bie Scfd^rönlung ^injugefügt, bag baö Siedet bcö anbercn @^egatteu auf
©d)cibung auögefd^loffen fei, wenn berfclbc fetbft an ber ftrafbaren ^anblung
2:^cil genommen ^abc (ocrgt. prcufe. 31. y. 3fi. II, 1 §§ 704 ff. — boju
Urt^. b. SR. &. bei ©ru^ot XXXI ©. 989 ff. — unb § 295 bcö anl^. jur
91. @. D. I, 40 § 64 ; nürnb. ß^efdjcibungöorbn. 9?r. 87 ; württemb. SScrorbn.
0. 14. September 1812; got^. ß^cgef. § 122; altenb. G^eorbn. §§ 224— 22S;
fd)warsb.fonberöI). e^cfd&eibungögcf. § 2 SRr. 15; frantf. ®ef. § 15 9Jr. 5;
Code civil Slrt. 232 unb baju Gntfd^. b. 31. ®. in eioilf. XV, 77; bab. ©ef. v.
23. Scjcmbcr 1871 3trt. 14; fäd)f. ®. ». § 1740; l[)cff. Gntw. Slrt. 83).
Scr Gntwurf bcl)anbclt aud) bcn J[)ier fragli^en ©d^eibungögnmb na^
bcm Sßorgange ber preufe. Gntwürfe über bic G^cfd)cibung unb im 9lnfd5lufie
an bic ^^Jrariö bcö JKcid^ögcridjtcö auf bem Ocbictc bcö gemeinen prote|lantifd>en
Gf)cred)tcö (ocrgl. Gntfd). b. 9t. (S). in Gioilf. I, 120, V, 115, VIII, 40, IX,
47, 48; Seuffert XXXVII, 35, ferner für baö preufe. Siecht unter Serürf^
fid^tigung ber icfcigcn ©trafgefcggcbung prcuß. 3uft. 3Rin. S3L v. 1881 9lr. 6
S. 22 unb P3rud)ot XXX ©. 985 ff., XXXI ©. 989 ff.) alö einen rela*
tiücu S^cibungögrunb na^ SDta^gabc bcö § 1444. SBcftimmungcn bcr oben
bejcid)nctcn 2lrt, wie fic fic^ in bcn neueren raefeggebungen finben, Rnb immer
me^r ober weniger wiUfürlid^ unb führen ju bcm Slcfultatc, ba§ in einjclncn
göHcn bic ©Reibung geftattet ober oerfagt werben muß, in wel{^cn fie nad^
bcn obwaltenbcn Umftänben, inöbefonbere mit SHücffi^t auf bic ^crfonlid^^
feit bcö ftagenbeu ^l;cilcö unb bic wirfUd^cn Scweggrünbc bcö Sc^eibungö*
antvagcö, rid^tigcr nic^t ijixtic geftattet bejw. ocrfagt werben foltcn.
©(Jeibwnfl. Krcnmmfl ü. SCif* u. Seit einlcitunfl. (§§1440—1463.) 577
3m anfc^Iufle an baö preufe. 31. S. SR. II, 1 § 707 ^obcn bic prcufe. (srawifune
«ntnmrfe über bie e^cfd&cibuufl auö bcn 3o^rcn 1856, 1859, 1860 bie ©r^ *'"'!4tf '^'
greifung eines fc^tmpffid^en ©eroerbeß ate abfolutcn ©d&eibungögrunb bei^ ©crocrbe«.
behalten unb barin bie 3uftintmung ber bcibcn Käufer beö öanbtageö gefunben.
Ueberroiegenbe ©rünbe fprec^cn inbeffen gegen biefe 9lrt ber 33eljanblung,
fineßl^eite, um ber Oefal^r einer ÄoHufton unter ^ben ©Regatten entgegen*
jutreten, anberent^eite mit SRüdEftd^t barauf, bafe in nici^t feltenen gäUen ber
ß^egatte, »eld^er aus biefem Orunbe bie ©d^eibung beantragt, ber ©enoffe beö
|(|impfli(^en @tmxbe& bed anberen S^egatten fein n)irb. ^\xä) bei biefem
Sdjeibungögrunbe fommt eö ba^er immer auf eine SBürbigung ber fonfreten
Umfiönbe an.
3Son ber SKel^rja^I ber neueren ©efeggebungen wirb femer nad^ bem «enuetaerunfl
Vorgänge beö gemeinen proteftantifd^en e^ered^teö (uergl. Urtl). b. SR. ®. bei *'"^'p^\*'"
genner unb SRecfe ni, 222) bie l^artnädEige SSerroeigerung ber e^elid&en ^flid^t
alö S^eibungögrunb, unb iwav a(d abfoluter ©d^eibungögrunb , anerfannt
(wrgl. prenfe. 91. S. SR. H, 1 § 694; nürnb. e^efd^eibungöorbn. 3lr. 28; gotl).
SN«f- §§ 107— -111; altenb. ©fieorbn. § 217; fc^roarjb.fonberöliauf. ©I^e*
f(5eibungögef. § 2 5h:. 8; franff. ®ef. § 15 SRr. 3; fäci&f. ®. ». § 1731;
nmrttemb. @cf. ü. 8. 2lug. 1875 9lrt. 7; antialt. 3luöf. ®ef. jur 6. % C.
V. 10. anai 1879 § 4; äuöf. ®ef. jur 6. ^. D. v. 3. SRai 1879 § 11
für SJeufe ä. 8.). 2)agegen ift biefcr ©d^eibungögrunb bem code civil, bem
bttb. S. 91. unb bem ^eff. (Sntro. fremb. 9lud^ bie tJerfd^iebenen preu§. 6nt*
umrfe über G^efd^eibungen l^aben biefen ©d^eibungögrunb unter S^iftimmung
ber beiben ^aufer beö £anbtaged gänjlid^ befeitigt. £ie für bie gönjlid^e
SuÄfd^liegung biefeö ©d^eibungögrunbeö Dorgebrad&ten ®rünbe, namentlid^ ber
öinwetö barauf, bafe bie ®eltenbmad^ung beöfetben eine Sßerlegung beö
Sittli(§feitögefül^leö enthalte unb mit großem 9lergerniffe Derbunben ju fein
pflege, ba% femer bie SBorauöfefcungen biefeö Sd^eibungögmnbeö fd^roer fcft*
jufteüen feien unb burc^ benfelben ber ©imulation 2^(|ür unb 2^f)or geöffnet
werbe, fonnen inbeffen alö burd^fd^lagenb nic^t erad^tet werben, um einem ß^c-
gotten, wenn ber anbere ©begatte in ber l^ier in SRebe fte^enben 9lrt feine e^e*
lic^n $f{id^ten eigenm&c^tig unb l^artnäcfig t)er(e^t, baö SRed^t ber ©d^eibung
unbebingt ju üerfagen. dagegen ift eö rid^tiger, biefem ©d^eibungögrunbe
(einen abfoluten Slarafter bei)u(egen, ba aud^ bei biefem ©d^eibungögmnbe
SBeö ouf bie Umjiänbe beö einjelnen galleö unb auf bie 3Rotiüe anfommt.
Surc^ bie SRelatioitfit biefeö ©d^eibungögrunbeö in SSerbinbung mit ber freien
SeiDeiöt^eorie werben au^ bie praftifd^en SBebenfen befeitigt, weld^e auö ber
S^ierig!eit, bie 33orauöfe|ungen biefeö ©d&eibungögrunbeö im ®efe|c fcft-
}ufteDen, unb auö ber ®efa^r ber ÄoIIufion ber ©liegatten l^ergeleitet werben.
IV. 3n t)erfd6iebenen ©ebieten 3)eutfd^Ianbö l^at [xä) neben bem ßanbea.
Sd^eibungöred^te auö bcftimmten, gefeglid^ feftftel^enben ®rünben baö Snftitut ®Je%1i*
beö lonbcö^errlid^en ß^efc^eibungörec^teö gewo^nl^eitöred^tlid^ entwitfelt; in t>«no«rec^t.
einigen ©ebieten l^at baöfelbe aud^ im 3Bege ber ©efc^gebung auöbrüctlid^e
Snerfennung gefunben. SBermoge biefeö Snftitutcö l^at ber Sanbcö^crr bic,
mitunter an gcwiffe befc^ränfenbe SDorauöfe^ungen gcfnüpfte Sefugnife, ®f)en
auc^ QUO anberen alö ben gefegUd^ anerfannten beftimmten ®ränben nac^
Wteüvt \. MrgcrL Ocfe^hid^. IT. 37
578 ©d&eibunß. SErennunö ü. Stf* u. 33ctt. ginreitunfi. (§§1440—1463.)
feinem ©rmcffen ju fd^eiben. 3)aö Ianbeöl)errlid^c ©ffefc^eibungdrec^t ift
namentlid^ ancrfonnt in üerfd^icbencn gemeinred^ttid^en Oebieten ^reufeens
(9Jeut)orpommcrn, §annot)er, Rurl^ef[en, SRoffau, ^onffurt a. ÜR., ©c^leöroig-
§oIftein), ferner im Orofe^erjogtfiume Reffen, in beiben SKedHenburg, in Dlben-
bürg, Sraunfd&meig (oergl. braunfd^ro. ®ef. d. 23. 3uni 1879), SBeimor,
eoburg*®ot^a (t)ergl. got^. ©(legef. §§ 105, 134, 138, 139), in ailtcnburg
(üergl. altenb. 6f)eorbn. § 288), SKeiningcn, ©d^roarjburg * ©onberö^aufen
(tjergt. fd^marjb.fonbcrßl). ©I^efd^eibungßgef. §§43—46), in 5Reu6 ä. unb i. S.,
in 9lnl)aItS)effau unb Sotten. Ueber bie red^tlid^e 9lotur beS lanbeö^rr-
lid^en ©^efd^eibungörcd^tcö gelten bie 3lnfid)tcn auöeinanber. 9Kit bicfer SScr*
fd&iebenl)eit ber 2lnfi(^ten l^öngt bie weitere ©treitfroge jufammen, ob bafi
lanbeö^errlid^e ©d^eibungöred^t burd^ ben § 76 bcö Dteid^ögefegeö über bie Sc?
urfunbung beö 5ßerfonenftanbeö unb bie ®§efd^nefeung t). 6. gebruar 1875
ate befcitigt anjufel^en ift. 3)lag man in biefer Scjiel^ung ber einen ober
ber anberen Slnjtd^t folgen, iebenfallö fel^It eö an einem Sebürfniffe, ienefi
3nftitut neben bem bürgerlid^en ©efefcbud^e fortbefte^en ju laffen, ba ba«
Ie|terc bie 2lufgobe l^at, baö ©d^eibungöred^t in einer bem SBefen ber ®b^
unb ben 33ebürfniffen beö fiebenö entfpred^enben SBeife erfd)öpfenb ju regeln.
3)orüber ^inouö foU eine ©d)eibung überl^aupt nic^t äutaffig fein. Slucö T>on
bem Oefi^töpunlte aus täfet fid^ bie Beibehaltung beö ^nftituteö nid^t red^t*
fertigen, bafe baburd) bie äHoglid^feit gegeben roirb, geeignetenfaDö unter
fd)onenber SBerüdEfid^tigung ber Sintereffen ber ©liegatten felbft unb i^rer
gamilie oline ©d^eibungöprojefe bie ©d^eibung fierbeijufül^ren. Sollte na^
biefer SRid&tung ^in in ber ^^at ein 33ebürfni& t)ortiegen — maö ber ©nt-
rourf iebodö verneint — , fo mürbe eö rid^tiger fein unb bem 3wge ber l^eutigen
©efefegebung me^r cntfpred^en, biefem SBebürfniffe im SEBege ber orbentlic^
SRed^töpftegc bur^ S^^^iffw^fl ^^^ ©d&eibung auf Orunb gegenfeitiger ©in«
roiHigung SRcd^nung ju tragen.
Beitwciiiflc V. SRad^ bem S3orbilbe beö fanonifd^en Sled^tcö läfet bie gemeinrecbüidi)^
2iwT»ett ^^ojiö neben ber ©djeibung unb alö ©rfaß berfelben eine jeitmeilige Srcnnting
oon 2:ifd^ unb 33ett auf beftimmtc ober unbeftimmte 3cit, regelmöfeig jebod^ nur
dit^t auf beftimmte '^dt, in fotdben fällen ju, in meldjien jroar fein auöreid&enDcr
Orunb jur ©d^eibung, aber Urfad^en oorl^anben finb, meldte baö S^f^*"'"^^'
leben beö einen ©Regatten mit bem anberen jur unerträglidjien Saft mad^en
(pergl. ©cuffert XVII, 55, 146, XXVII, 140, XXXI, 241). SRad^ »blouf
ber ^rennungöjeit tritt ber Sled^töanfprud^ ber ©Regatten auf ei^elid^cö 3"*
fammenlebcn roieber in Äraft, unb fann eine ©rneuerung ber Trennung von
Xi^ä) unb S3ctt für einen weiteren 3citroum nur bann bewilligt werben, n)cnn
nad^ rid&terlid^em ©rmeffen erl^eblid&c neue Orünbe für biefe 3JlaferegeI oor«
liegen (ßntfd^. b. SH. ®. bei genner unb SWecfe n, 181, Seuffcrt XIJII, 27).
3n einjelnen JRed^tßgebieten läfet jebod^ bie 5)Jrayiö, wenn bie S^rcnnung ben
©rfotg ber S8erföl)nung nid&t gcliabt l^at, nunmehr bie Sd^eibung ju, fofem
baö ©eric^t fid) baoon überjeugt, bafe bie ®^e baurnib jerrüttet fei (oergL
©euffert VIII, 144, XIII, 26, XXXV, 133, XXXVH, 36). 9tuf biefem
33oben ftetit aud) baö württemb. ®cf. o. 8. 9luguft 1875 3lrt. 8. 3n .Hur^
Ijcfi'en nalim bagegen bie ^^Jrariö an, bafe nad^ 2lblauf ber S^rennungöäeit auf
©Reibung. SErennung u. Sifcfi u. Sctt. (SmleUuno. (§§1440—1463.) 579
ähitrog be« einen ober anbeten ©Regatten o^ne SBeitereö bie ©d^eibung auö*
gefproc^ werben muffe (tJergl. oud^ altenb. ß^eorbn, §§ 231—233). S)iefe
^tüfiö ift itbodf vom «Reid^ögerid^te ((gntfd^. b. JH. ®. in ©ioilf. VI, 112)
nic^t gebilligt.
2)08 gemeinred^tlid^e Snftitut ber jeltTOciligen S^rennung von X\\ä) unb
Seit al& eine felbftänbige neben ber ©dieibung ftel^enbe SKaferegel }um S^edt
bcr Sudfol^nung ber ©Regatten unb afö ßrfaß ber ©dieibung für fold^e gälle,
in iDeld^en biefelbe ni^t iuläffig ift, l^at aud^ in Derfd^iebene neuere ©efeg:«
gebungen ©ingang gefunben (T)ergl. fädif. ®. S3. §§ 1754, 1755; fd^roarjb.
fonberd^. ©^efd&eibungftgef. § 5 Derb, mit bem 9lu9f. ®ef. jur 6. 5ß. D.
V. 17. ÜRai 1879 § 4; franff. ®ef. d. 19. SRo^ember 1850 § 15; nümb. (S^\)tf
fc^ibungöorbn. 9lr. 23).
(Sine anberc ®ruppe non 9ied|ten fennt jmar aud^ eine jeitroeilige 2^ren?
nung ber ©Regatten t)on SCifd& unb S3ett, aber nid&t in bem norfte^enb
bejeid^neten ©inne olö felbftänbige Sßaferegel, fonbcm nur alö oorgängige«
SSerfo^nungömittel in fold^en gällen, in roeld^en ein roirflid^cr ©d^cibungö?
grunb vorliegt, fei t& in ber 9lrt, ba§ auf jeitroeilige Trennung von Xx^ä}
unb Sett ertannt werben fann (nergl. gotl^. ß^cgef. §§ 102, 103, 109),
fei ed in ber 3lrt, bafe menigftenö für geroiffe gäUe bcr SRid^ter ermöd^tigt
bejtD. Derpfli^tet ift, bie SBeriünbigung bed Urt^eiled auf eine beftimmte
3rit auöjufe^en unb roäl^renb biefer Qtit ben ©l^egatten bie faltifd^e
Trennung ju geftatten (nergt. preui 31. 2. SR. II, 1 §§ 727—730 nerb.
mit ber SBerorbn. v. 28. 3uni 1844 § 70; ®ef. für ^annoner v. 1. SKärj
1869 § 26; code civil 3lrt. 259, 260). 3n ^ßreufeen fmb bie betreff enben
SJorfc^riften jebodö mit JRüdEpc&t auf § 580 ber beutfd^en G. ^. D. burd^ § 8
be« audf. ®ef. jur 6. 5ß. D. v. 24. aRärj 1879 aufgel^oben.
Der Stanbpunft ber preufe. (Snlroürfe über ©l^efd^eibung l^at in ber
fjün fraglichen 99e}iel^ung gen)ed^felt. Die legten ©ntmürfe aud ben ^c^^i^^n
1859 unb 1860 f)abtn Seftimmungen über jeitroeilige 2^rcnnung non 2^ifd^ unb
Sett nid^t aufgenommen, aud^ nic^t in bem ©inne, bafe ber 5Rid^ter bei ben
relotiocn ©c^eibungögrünben nad^ feinem ©rmeffen auf norgängige jeitroeilige
2:tninung Don 2:ifc^ unb 39ett erfennen foHe ober lönne.
Der entrourf (§ 1440 9lbf. 3) befd^ränft bie Suläfftgfeit ber jeitroeiligen «ta«bpunft
Trennung Don 2;ifc^ unb 93ett, abgefel^en non bem auf einftroeilige SSer* c„t»urfe«.
fugungen ftd^ bejiei^enben Seftimmungen beö § 1462, auf bie gälle be«
§ 1444, b. ^. auf folc^e gälle, in rocld^en ein relatiner ©d^cibungögrunb vox^
liegt. Die jeitroeilige 2^rennung l^at l^ier nur ben Äarafter einer bie 2l&s
»enbung ber ©c^eibung bejroedenben norgängigen SSerfo^nungdmagregel
(§ 1445). 6ö läfet ftd& allerbingö nid&t oerfennen, ba§ aud^ in fold^en gäHen,
in roeld^n fein jur ©dieibung auöreid^enber ®runb Dorliegt, aber jroifc^en
ben ©Regatten ernfte 3^i^örfniffe befte^ien, eine jeitroeilige S^rennung non
äTtfcl unb 99ett afö äludfö^nungömittel unter Umftönben ()ei(fam roirfen fann;
inbeffen finb bie ®rünbe, roeld&e gegen bie 2(nerfennung biefeß 3nftituteö alö
einer felbftänbigen, bie ©djieibung erfeftenben üRaferegel fprcd)en, alö über* .
imegenb ju erad&ten. Die Sluöbe^nung beö in roirtl)fd&afttid^er unb fittlid^er
Sejie^ung nid^t feiten au^ t)on fc^öblic^en ^^olgen begleiteten Snftituteö ber
37*
580 ©d&eibuna. Srennunö ». Sif* u. S3ctt. Sinleitung. (§§1440-1463.)
jcitiDciligcn SCrennung von 2^ifdö unb 93ett auf [olc^c gällc, in rodeten ein
jur ©d^eibung auörcid^cnbcr ®runb nid^t vorliegt, fte^t mit bcm ©runb^ajc
bcö ©nttüurfcö, bafe eine ®l^e nur auö widjtigcn Orünben gcfd^icbcn toerbcn
lann, nid^t im ©inftangc unb ift, rocnigftcnö oom ©tanbpunftc bcö ©ntrourfcä
aus, wüä)tx in üielcn gäUcn, in bencn nad^ bem proteftantifd^cn S^crc^tc
bic jeitrociligc 2^rennung t)on 2^ifdö unb SBctt afe ©rfaj ber ©d^eibung bient,
bie Ie|tcrc auf ®runb ber clausula generalis bcö § 1444 juläfet, burd& ein
bringenbeß praftifd^cö SBebürfnife nid^t geboten, ©benforoenig fann bic
Sulajfung ber jcitroeiligen 3:rennung t)on X\\ä) unb S3ett als einer fett
ftänbigen SRoferegel für fold^e %äUz afe ein Sebürfnife anerfannt werben, in
roeld^en burd^ baö S^f^mmenleben bic ©efunbl^eit ober boö Seben bes einen
ober anberen ©Regatten ober ber Slinber gefä^rbet erfdieint (oergl. fädif. ®. 9.
§ 1754), ba in bicfcr S9ejie§ung bie allgemeinen ©runbfä^e, insbefonbere bo8
äled^t cineö ©Regatten, ol^ne riditerlid^e ©eftattung fid^ ber eJ^elid^cn ©emcim
fd^aft ju entjielien, rotnn baö SBcr langen bcö anberen ©Regatten nad& $er*
ftellung ber efielid^en Oemeinfd^aft mit ber redeten el^elid^en ©cftnnung ni^t
t)ereinbar ift (§§ 1272, 1273), unb baö $Hed)t jeneö ®l^egatten, au^ roäl^rcnl)
ber Dauer einer fold^en 2^rennung von bem anberen ©Regatten nad^ ÜRa^gobe
ber §§ 1280, 1281 bic ©croäl^rung bcö Unter^atteö }u verlangen, foroie bic
SBorfd^riften über baö Sluffid^töred^t bcö SBormunbfc^aftögerid^tcö gegenüber
bem 3tti|aber ber elterlid^en ®emalt (§ 1546) ben burd& bie SBcfiimmung bcö
ffid^f. ®. S3. bejnJcdEtcn ©d^ug in auöreid^enber SBeife gemäl^rcn.
5Rad^ bem Sßorgange bcö gemeinen proteftantifd^en ©l^ere^teö (oergL
©euffert XVI, 53, XLII, 305) beftimmt baö fäd^f. ®. S9. § 1752 roeitcr,
ia^ in allen ^äUen, in loeld^en ein ©begatte bie ©d^eibung ju »erlangen bc^
red^tigt ift, bcrfelbe norerft jeitroeilige 2:^rennung Don ^ifc^ unb 93ett, unb
jroar unbefd&abet feineö SRcd&tcö auf ©d^eibung, t)erlangen fönnc, mö^rcnb
nad& bem ©ntrourfe — abgefel^cn von ben auf einftmeilige aSerfügungen
TOÄ^rcnb ber Dauer bcö ©d&eibungöprojeffcö p^ bcjiel^enbcn Seftimmungcn
beö § 1462 — nur beim aSor^anbenfcin eincö relativen ©d^cibungögrunbeö
nad^ 9Ka6gabe beö § 1444 auf jeitrociligc S^rcnnung t)on ^ifd^ unb Sett cr^
tannt roerben fann. ®ö töfet fid^ jroar nid^t beftreiten, bafe aud^ beim Sor*
Iianbcnfein cincö abfolutcn ©d^cibungögrunbcö in ben göUen ber §§ 1441
biö 1443 eine Sluöföl^nung ber ©Regatten nid^t unbebingt auögef^loffen ifl.
3nbcf[cn ift bic Sluöbclinung beö mit bem 5ßrinjipe ber SRclatiüität in engem
3ufammen^angc ftc^enben 3nftitutcö ber jeitrociligen S^rennung von 2:if(^ unb
93ett auf jene gällc burd^ ein SBebürfnife um fo roeniger geboten, afe ber
§ 580 ber ©. % O. , rocnigftcnö xocnn bie ©d^eibung nid^t auf ®runb eineö
©^ebrud^cö beantragt ift, bem SRid^ter bie SBcfugnife giebt, gceignctenfaDö bie
Sluöfcftung beö SScrfa^rcnö anjuorbnen. D§ne bringenbc ®rünbe aber ieneö
Snftitut aud^ auf bic abfolutcn ©d^cibungögrünbc ouöjubcl^nen, ift im ^iu^
blitfc auf bic mit bcmfelbcn juglcid^ nerbunbenen 3lad^t^eile unb ©efa^rcn bc»
bcnttid^, jumal baöfclbe in bicfcr 9luöbel^nung, abgcfcl^en üon bcm fä^f. ®. 9..
in ben neueren ®efc6gebungcn feine Slufnal^me gefunben l^at.
SBcgen ber ®rünbe, auö roeldbcn ber ©ntrourf eine ieitroeiligc Trennung
von Jifd^ unb S3ctt im 9Bcge einftrociliger SBcrfügung roäl^rcnb ber Dauer
©^cibunß. Trennung öon 3:tfd& uiib ©ett. 3«Iaffiofeit. § 1440. 581
bcfi ©d^ibungdprojcffcÄ, [oroic in ben %&Utn beß § 1444 juläfet, wirb auf bic
aWotbc §u bcn §§ 1444, 1462 Scjug genommen.
§ 1440.
jDie ©rünbe, auö roeld^en bcr (Sntmurf baö Snftitut ber ©d)cibung 3«iäffigfeit
julcifet, bagegen beftimmt, ia^ auf beftänbige 2^rennung ber ©Regatten ^j^j^*^'^'®*^"*»«"«-
2:if* unb »ett überhaupt ni^t, auf jeitTOeilige Trennung aber, unbcf^abet ^^^^^^'
ber Seftimmungen beö § 1462, nur in ben Sollen beö § 1444 erfannt3:rennunÄMn
werben fann, fmb bereite in ber ©inleitung ©. 512 ff., 579 ff. bargelegt. ^'^"^ "• **"•
SDurd^ bie gaffung beö § 1440 9lbf. 3 („fann nid^t") wirb ber ber Söfung
burd^ bie 3wriäprubeni ju übcrlajfcnben allgemeinen ^rage, ob unb inroierocit
ein Urtl^eil, bejfen 3n^alt fid^ mit abfoluten ®efe|en in 3Biberfprud^ feftt,
überhaupt ber SRed^töfraft fällig unb nid&t üiclmel^r als ipso jure nid^tig ju
erad^ten ift, nici^t präjubijirt. Snroieroeit bcr § 1440 STbf. 3, roeld&er junäd^ft
nur auf 3nlänber fi^ bejie^t, aud& für Sluölänber ©ettung l;at, rid^tet fid&
ncd^ bcn Orunbfäfeen beö internationalen ^ßrioatred^teö (T)ergl., fooiet bcn
§ 77 Sttf. 1 bes ®ef. t). 6 gebruar 1875 über bie SBeurhinbung beö ?}erfonen*
ftonbeö unb bic e^cf^licfeung betrifft, ©ntfd^. b. SR. ®. in 6ioilf. III, 14, XI, 9).
2)ic Seftimmung beö § 1440 3lbf. 1, bafe bie 9luflöfung ber ®^e üor ««Mpru<^
bem 2:obc eineö ber ®l)cgottcn nur burd^ gerid^tlid^eö Urtlieil erfolgen fann, "^* "'^*^"^"
wenbet fid^ eineötl)cilö gegen bie S^Iöffigfcit ber ^rioatf (Reibung , anberen^
t^ilö gegen bie SSorfd^rift beö franj. 3?ed&teö, nad& meld&er bie ©d^eibung
bur(| gcrid^tlid^eö Urtlieil nid^t ouögefprod&en, fonbern nur jugelaffen wirb,
bie Sd^eibung felbft aber auf ©runb jeneö Urt^cileö unb eineö binnen
einer beftimmten ^räflufiofrift ju ftcllenben 3lntrageö beöicnigen ®l)egatten,
TDetd^er bie S^löffung ber ©d^eibung ern)irft l^at, burd^ ben 2luöfprud& beö
Stanbcöbeamten erfolgt (t)ergl. code civil Slrt. 264—266). 3n SBaben, ©Ifafe^
Süt^ringen, foroic in bcn bagr. unb l^eff. ©ebieten beö franj. SRed^teö ift fd&on
gegenwärtig jene lebiglid^ auf formalen ©efid^töpunften berul;enbe unb unter
Umftonbcn im galle ber Stid^tbead^tung ber 5ßräflufiDfrift für benjenigen ©Ije^
gatten, rocld^er bic 3wlciffung ber ©dficibung ermirft, mit großen gärten mv^
bunbcne, jubem ju mand^erlei Sn^^ifclJ^ SBcranlafjung gebcnbe SSorfcbrift beö
franj. Med^teö befeitigt, unb erfolgt bort ie|t in Uebereinftimmung mit bem
gemeinen Siedete unb bcr SRe^rja^l ber neueren (Sefeggebungen (preufe. 31. S. SR.
11,1 § 668, 731, 732; got^.ß^cgcf. § 151; altenb. ©tieorbn. § 163; fc^marib.
fonbcrö^. ©H^eibungögef. §§ 1, 24; fädif. ®. 33. §§ 1712, 1714; pcrgl. aud&
Wf. &nirv. 9lrt. 78 32r. 2) bie ©d^eibung unmittelbar burd) ia^ gerid^tlid^e
Urt^iL 3)iefcr ©tanbpunft entfprid^t aud^ bcr Slnfcbauung, Don meld^er
bcr § 55 beö SRcic^ögcfcleö über bic Seurfunbung beö 5|Jerfonenftanbeö u. f. ro.
D. 6. gebruar 1875 auögel^t, rocnnglcidf) berfclbc bic lanbcöred^tlid^en 33or^
f<^riftcn, nad& meieren eö jur Trennung ber @f)c einer bcfonbercn ©rflärung
unb Scurfunbung t)or bem ©tanbeöbeamtcn bebarf, auöbrücflid^ aufred&t
er^ltcn ^at.
S)urcö bie SBorfd^rift beö § 1440 3lbf. 2 wirb fobann jum 2luöbructe "^1^"% ^J
gebrockt, ba% eine ©d^eibung überhaupt nur in fällen eineö bem pcrflagtcn bersc^eibJiß,
582 ©d&cibunfl. (g^ebru« 2C. § 1441.
©i^cgatten jur Saft fottcnben fci^roercn SBerfd^ulbcnö nad^ aWafegabc bcr §§ 1441
bis 1445 ftatt^aft, icbc ©d&cibung quo aBilllür, tnöbcfonbere auf ®runb gegen?
fcitiger (gintoilligung, foroie bie ©d^cibung tDegen förpcrlid&cr ®ebred&en ober
©eiftcöfranf^cit unb tDegen Sleligionöroetftfefe bagcgen auögcfd^toffen ift. äuö
ben aSorfd^riftcn beß § 1440 3lbf. 1, 2 crl^ellt ferner mit genügenber 3)eutlt(l^
teit^ bag !ünfttg aud^ iebe ©d^eibung aud lanbedl^errlid^er äßad^tDoQfomtnem
l^cttroegfällt. SBegen bcr Orünbe, auf roeld^en bicfc prinjtpiellcn SBorfd^riften
beö ©ntrourfes benil^en, wirb auf bie (Sintcitung oben ©. 567 ff. tjenoiefen.
§ 1441.
«(Reibung 1, g[jQ(]^ beux SBorgouge beö fatl^ofifd^en ftird^enredites unb befi gemeinen
«^SSi^c«. proteftantifd^en ®^ered^teö xoxtb ber ©^ebrud^, bie unmittelbarfte unb fd^rocrftc
SSerlefeung ber ei^ctid^en 5Pftid&ten, t)on allen neueren ©efe^gebungen alö abfo«
luter ®runb für bie beftänbige 2^rennung oon Xi^ä) unb 93ett, bcjn). als abfo*
luter ©d^eibungögrunb anerfannt (oergl. ba^r. ß. SR. I, 6, § 42 ; preuft. 21. S. 91.
II, 1 §§ 670 ff.; nürnb. ®^efd^eibungöorbn. Sßr. 8; goti^. ©I^egef. §§ 75 ff.;
altenb. ®^eorbn. §§ 195 ff.; fd&raarjb. fonberöfi. (Sl^efd^eibungdgef. § 2 9h:. 1;
franff. ®ef. § 15 5Rr. 1; fäd^f. ®. ». §§ 1713 ff.; code civü Strt. 229, 230;
leff. 6ntm. 2lrt. 81). SBÄ^renb bie grofec Sölc^rjal^I bcr 9led)te in bicfer Sc*
jicl^ung feinen Untcrfd^ieb mad^t jTOifd^en bem ®l^ebrud^e beö S^emanneö unb
bem ber ©fiefrau, gicbt ber code civil 9lrt. 230 ber (g^efrau wegen ®]^ebruc^eö
Don ©eiten beö ©l^cmanneö nur bann baö SRed^t, bie ©d^eibung ju verlangen,
„lorsqu'il aura tenu sa concubine dans la maison commune". 9luf bemfclben
Soben fte^t in bicfer »ejicl^ung aud^ baö bab. 2. SR. ©aß 230, 230 a, ®ne
fold^e ocrfd^iebenartige SSe^anblung beö (S^ebrud^eö beö 6§cmanncö unb ber
ß^efrau oerbient iebod& feine SiHigung i). Sie entfpric^t nid^t bem fittlid^en
®efammtben)u6tfein beö beutfd^cn SSoIfeö, nad^ roeld^em ber ©l^efrau in ber
&)t prinjipcB eine gfcid^bere^tigte ©tettung mit bem ©l^cmannc gebührt
SBcnngIcidE) unter Umftänien ber ®f)ebrud^ beö ©l^emanncö im ^inblidfc auf
bie ocrfd^ieben geartete 9latur beö männlid^cn unb beö rociblid^en ®efc^Ie(^tcö
nid&t afe eine fo fd^roere SBcrfd^ulbung anjufeben fein mag, wie ber ®^cbruc^ bcr
®l^efrau, unb roennglcid^ ber lefetcre infofem für bie gamilie gcfäl^rüd^er ift,
alö baburd^ frembe Rinber in bie gamilie fommen fönnen, fo ift bo(| auä^
ber ß^ebrucb beö ©ficmanneö unter allen Umftfinbcn eine fo fc^roerc SOerfc^uIbung
unb bem 5EBcfen bcr 6^e fo fe^r juroiber, bafe ber (S^efrau unbebingt baö Siedet
eingeräumt roerben mufe, rocgen ©l^cbrud^eö beö ß^emanncö bie ©d^eibung $u
ocriangcn. S)ieö ift aud^ ber ©tanbpunft beö franj. et)cfd^eibungögefc6cö v.
27. 3uli 1884.
»eflriff beö 2. 5Da6 im ©inne beö § 1441 3lbf. 1 unter e^ebrud^ ber SC^atbeftcnb
«i)ebr«<^e«. ^^^ g ^^^ bcö ©tv. ®. 33. (ocrgL entfc^. b. SR. ®. in ©traff. XIV, 90) iu
^) Scrgl. auc6 bie oben ©. 143 bereits enüd^ntc ?)etttioii bcö aHöemcincn
beutfdf;en graucnücrcinS an ben Stetc^gtag (aböcbructt in ,9lcue ^abncn*, Drgon M
aUßcmcincn beutfc^en grauenbereinö, ffib, XII, 1877 $Rr. 8).
©d^dbunfi. e^cbrudö 2c, § 1441. 583
wrftc^en ift, crgiebt ftd^ mit genügcnber 3)cutlid^fcit ouß bcm 3ufammcnt)an9c
it& § 1441 9R)f. 1. Unter ben SSegrtff bed (S^ebrud^ed fallen ba^er namentUd^
folc^e goDe nid&t, in welchen bie Pcifd^Iid^e SBennlfd^ung in golge einer SiotJ^?
}U(^t ober in golge 3^rt^umeö ober unter [olc^en Umftänben, rocitfte bic freie
Siilenöbeftimmung auöfc^Iiefeen, j. 33. im 3wftanbe ber ©cifteäfranf^eit, ftatt?
gefunben ^ot (oergl. ©euffert V, 295 ; ba^r. S. 91. 1, 6 § 42 ; altenb. e^eorbn.
§ 200 üt. d; gotli. @^cgef. § 84; fäd&f. ®. ». § 1714).
3. 9ted^ bem ©ntrourfe bilbet nur ber DoBenbete ®§ebrud& einen abfoluten ^ff^"^2^
Sdfeibungögrunb (t)ergl. über bie grage, mann ber (S^cbrud^ oollenbet ift,
entfc^. b. SR. ®. in (Sioilf. IX, 47). ©emeinred^tlid^ ift eö beftritten, ob auc^
ber Serfu(i^ beö ©^ebrud^eö boß 3led^t ber Sd^eibung begrunbet (üergl. bafür
Seuffert xn, 38, XXV, 31, XXXI, 237, XXXV, 131, 132; bagegen ©euffert
Xni, 147, XIV, 142, XVIII, 145 ; (Sntfd^. b. SR. ®. in 6it)ilf. IX, 47). SBon
ben neueren ©efeggebungen ftcUen baö fd^TOurjb.fonbers^, ß^cfd^eibungSgef.
§ 2 9lr. 1 unb bie altenb. ®^eorbn. § 195 ben SSerfud^ beö 6t)ebrud^eö bem
ooDenbeten Sl^ebrud^e in ber tjier froglid^en ^infid^t audbrüdElid^ gleid^, mäl)renb
kofi fäd^f. @. 33. § 1715 baö 3led^t ouf ©d^eibung wegen Dcrfuc^ten ©^ebrud^eö
ousbrücflid^ oerfagt. 2lud& baö preufe. 31. fi. 91. II, 1 § 670, baö got^. ©Ijegef.
§ 75, baö fran!f. ®ef. § 15 9lr. 1, ber code civil 3lrt 229, 230, ber ^eff. ©ntro.
9xL 81, fomle baö fanon. Siedet fegen üollenbeten ß^ebrud^ oorauö, ber iebod&
oud^ auf inbireltem SBege burd^ ©dilufefolgerungen beroiefen werben fann. Db
bie SSeftimmung beö preufe. 91. S. 91. II, 1 § 673, roeld^e bem (S^ebrud^e einen
unerlaubten Umgang gleid^fteDt, burd^ meldten eine bringenbe SBermut^ung ber
oerle|ten e^elid&en Streue begrunbet wirb (oergl. aud^ nürnb. ©Ijefd^eibungöorbn.
Sr. 10; got^. e^egef. §§ 75, 76), alö ein felbftänbiger ©d^eibungögrunb ober
mir alö eine bem adulterium praesumtum beö gemeinen 9led^teö fid^ aufd^lie^enbe
Crleic^terung ber Semeiöfül^rung burd^ ©d&lu§folgerungen aufjufaffen ift, meldte
burc^ ben ©egenberoeiö ber SRi^tnoDenbung beö ®^ebrud)eö enthaftet werben
fann, ift ftreitig (oergl. jebod^ ®ntfd^. b. 91. ®. in ©traff. V, 92, XIV, 90 ;
Urt^. b. 91. ®. bei ®rud^ot XXXI ©. 983 ff.). 3laä) bem prcufe. 31. 8. 91. II, 1
§§ 674, 676 ift ferner wegen SSerbad^teö beö ©^ebruc^eö bie ©d^eibung bann
iuläffig, menn ein ©begatte rid^terlid^en SBcrboteö ungea^tet mit einer oer*
bdcfetigen ^erfon oertrauten Umgang pflegt (ebenfo got^. (S^egef. § 77).
jCa nur ber ooUenbete @^ebrud^ bie im SBefen ber @^e begrünbete 3[uö^
fd^lie§ü4feit ber ®cf(^le(^tögemeinfd^aft unroieberbringlic^ jerftört, fo fann nur
biefcr alö obfoluter ©(^eibungögrunb anerfannt merben. 3n ben gällen beö
SJerfw^ö beö ß^ebrud^eö unb anberer bie el^elid^e Streue oerlcftenben ^anb^
lungen foU jmar bie ©d^eibung nid^t unbebingt auögefd^loRen fein; allein in
gflflen bicfcr 9lrt fommt cö immer auf bie fonfreten Umftänbe an, ob ba&
Ser^alten beö einen ©Regatten ber 9lrt mar, bafe bem anbereu ©l)cgatten bie
Sortfegung ber ©^e nid^t jugemut^et werben fann. 2)er ©ntrourf oerroeift
bo^r biefe ^&Ut unter bie relatioen ©d^eibungögrünbe beö § 1444.
4. S^agegen fteUt ber § 1441 3lbf. 1 bem ©l)ebrud;e gleid^ bic in ben «igamie.
§§ 171, 175 beö Str. ®. S. bejeid^neten ftrafbaren ^anblungen. 2)ie ®leid^^
ftettung ber »igamie alö fold^er (§ 171 ©tr. ®. ».) mit bem ©l)ebrud&e ift
aDerbingö nur für bie feltenen gälle oon felbftftänbiger 33ebeutung, in meldten
584 ©(Reibung. Sfiebrud^ JC. § 1441.
eine Äonlummation bcr neuen ®l^e nid^t ftattgefunben ^at 3nbeffen redjt?
fertigt fid^ biefe ©leid&ftellung nad& bem SSorganfle befi fäd^f, ®. 93. § 1728
(t)erfll. a\x6) f döroarjb. fonbers^. 6l^ef dicibungögef. § 2 9lr. 2) priniiptell burcl
bie ©rroägung, bafe, roie buri^ ®l^ebrud&, fo aud& burc^ SSigamie ble im SBcfen
ber ®l^e begrünbete Sluöfd^Iiefelid^feit bcr e^elic^en ©emeinfd^oft ücrlejt toirb.
Soju fommt ber praftifd^e SBort^eil, bag, xotnn bie Sigamie a(d fold^c einen
abfoluten ©d^eibungögrunb bilbet, ber oerleßte ©begatte bie Ronfummation
ber netten @l)e nic^t ju ben)eifen brQud)t. @d ift ivoav }ujugeben/ bag bie
SJigamie in mand^en göBen, namentlich roenn nur ein dolus eventualis Dor«
gelegen l)at (t)ergl. ent[d). b. SR. ®. in ©traft. IX, 27 ©. 84), eine Berrüttung
ber erften (S^e nic^t not^roenbig beroirft. SJPttein biefe SKöglic^feit ift aud^ bei
bem ß^ebrud^e nid^t unbebingt außgefd^Iof[en. S^rogbem fpre^en, wie in bcr
(Einleitung oben ©. 574 bereits ausgeführt mürbe, überroiegenbe ©runbc
bafür, ben Icgtcren nid^t als einen nur relatioen ©d^eibungsgrunb ju be«
^anbeln. ©icfelben (Srünbe treffen aud^ im galle ber Bigamie ju.
sBiberimtür* 3)a6 bcm (g^cbrud^c §anblungen ber im § 175 bcs ©tr. @. 35. be^
hc^e «njud^t. jgj^^gjg^ 5[^j gleid)juftenen finb, mirb aud^ von bcr 3)oftrin beö fatl^olifcfien
unb beö gemeinen proteftantifd&en ©§ered&teö (©cuffert XLIII, 25) unb üon
bieten neueren ©efcfegcbungcn anerfannt (t)crgl. preufe. 31. ii. 91. II, 1 § 672;
nürnb. ®^efd^eibungöorbn. Sir. 12; gotl(>. 6^cgef. § 76; altenb. ß^corbn.
§ 205; fd&marjb.fonberß^. e^cfdöeibungögef. § 2 5Rr. 2; fäd^f. ®. 93. § 1728).
eonftigc 3)aö fä^f. ®. 93. § 1728 ftellt ferner Unjud^t mit Äinbern unter jToMf
^humn. Sorten bem ©i^ebrud^e unbebingt gleid^ (Dcrgl. § 176 ?ir. 3 beö Str. ®. 33.).
S)iefe ©Icid^ftcBung ift jebod^ bcbenflid^, ba burd& bie ^ier fraglichen ^anb?
lungen bei bcr meiten Sluöbel^nung, meldte ber 33egriff ber unjüd^tigen ^anb^
lungcn juläfet unb in ber ©trafrcd^töpraj iö gcfunben ^at, bie Siudf^liefeUd^Ieit
ber eliclid^cn ©emeinfd^aft nid^t immer berührt unb nod) roeniger unroiebcr*
bringlidö 5crftört mirb. Slufi öljnlid^en ®rünben fonnen aud& bie im § 176
3^r. 1 unb im § 174 beö ©tr. ®. 93. mit ©träfe bcbro^ten unjüd^tigen ^nb*
lungcn nid&t als auörcid^cnb crad&tet mcrben, um ba& SRed&t bcr ©d^eibung
unbebingt ju bcgrünbcn. 3n Slnfc^ung bcr im § 174 beö Str. ®. S. be^
jcid&ncten göDc fommt l)inju, bafe ber ®runb ber befonbercn ©trafbarfcit in
biefen fällen in ber a5crlc|ung bcfonberer ^Pflid&ten liegt, meldte mit bem c^
lid^cn aSerl^ältniffe an fid^ in feinem 3wfammcnl^ange fielen. (So ücrbient
bcöljalb ben SSorjug, bie in ben §§ 174, 176 beö ©tr. ®. 93. bcjeid&netcn un^
pd^tigen ^anbtungen, fomcit bicfclbcn nid^t jugleid^ ben J^^atbeftanb beö 6(>e*
brud^cö bilben, ber 93eurtl)ei(ung beö cinjclnen gallcö naä) SKafegabe beö § 1444
JU unterftcllcn. Daäfctbc gilt t)on bem im got^. ®^cgcf. § 76 unb im
fdfimarjb.fonberölj. ®t)cfd^cibungögcf. § 2 9lr. 2 alö ©d^cibungögrunb auf»
gcfüljrtcn gälle ber ®ntfüt)rung einer grauenöperfon.
etrof. 5. 3)ic befonbercn 93cftimmungen beö föc^f. ®. 93. §§ 1716, 1717 (oergl.
"^rolgcn" ^ud^ § 1729), mä) mclc^cn ber ©d^eibung roegen e^ebrud^cö regelmäßig bo«
e^cbnic^fö. ©trafoerfa^ren megcn ß^ebrud^cö üorauögclicn muß (ä^nlid^ altenb. G^corbn.
§§ 197, 198; fc^roarjb.fonberö^. e^cfc^eibungögcfct § 8), l^aben burd& ben
entgegengefe^tcn ©runbfag beö § 172 beö Str. ®. 93., nad^ welchem bie ^
ftrafung megcn Gt)ebrud&cö bur^ bie Sdjcibung bebingt ift (pcrgl. auc^ bie
©d&eibunG. (B^chtViSi 2C. § 1441. 585
f&Jf. ätuöftt^rungöDcrorbn. t). 15. SJcjembcr 1870), i^rc ßricbigung gcfunbcn,
unb fc^It t& an einem genügenben ®runbc, üon biefem ®runbfa|e abjuroeii^en.
6. 9lod& bem aSorbilbe beö fanonifd^en 9lcd6tcö, naä) wcld^em, wenn beibe «owp««
S^gotten bte @^e gebrod^en l^aben^ auf beftänbtge 3^rennung Don Xi^ä) unb
Sett ni(i^t crfannt tocrben tann (Dcrgl. femer bo^r. S. SR. I, 6 § 42), fd^Uefeen ®****"*'**
fotion.
eltenbe
Qud^ baft gemeine proteftantifc^e ß^erec^t unb t)erfd^icbenc neuere ®efe|gebungen
(Dergl. ©euffert n, 194, XVII, 53, XX, 41, XXI, 59, XXni, 230, XXXI, 239,
XU, 191; genner unb SRedEe V, 35 @. 71; [äd^f. ®. 33. §§ 1722—1727;
aütnb, S^eorbn. § 200 lit c) aud bem ©eftd^tdpunfte ber Rompenfation ba&
9te^t eines ©l^egatten, n)egen (Sl^ebrud^eg beß anberen ^^ei[ed bie Sd^eibung
ju uerlongen, ouö, wenn ber erftere felbft eines (gj^ebrud^eö fid) ftftulbig gemad^t
bat 3nn)ien)eit biefcö Äompenfationöprinjip and) auf anbere, namentlid^ un«
gleid^artige, ©d&eibungögrünbe auSj^ubc^nen, ift gemcinred^tüd^ nid^t unbeftritten
(oergl. Seuffert XXX, 151, XLII, 36; ®ntfd&. b. SR. ®. in ßioitf. XVin. 46
S. 228 ff.). 2)as fäd^f. ®. 93. § 1730 ^at jenes ^ßrin^ip nur ouf bie im
§1728 bof. bejeid^neten , bem ©l^ebrud^e gleid^geftcHten glcifd^esnerbrcd^en in
ber Art übertragen, bog ber ©l^cbrudö unb jene SSerbred^en gegen ©l^ebrud^
unb unter einanber fompenfirt werben fönnen.
®as preufe. 91. 2. SR. II, 1 §§ 670, 671 unb biefem folgenb bie nürnb.
ß^c^ibungsorbn. SRr. 9 fiaben bagegen bas 5Prinjip ber Äompenfation au^
beim ß^ebrud^e eingcf d&ränit ; nur ber ©l^emann faun ber auf ®f)ebrud^ ge?
ftüjten Sc^eibungöHage ber (S^efrau ben (ginroanb entgegenfejen, ba§ bie leßtere
fclbft bie e^e gebrod&en ^abe (üergl. baju Urt^. b. SR. ®. bei ®rud^ot XXXI
3. 985 ff.). S)os gotl^. e^egef . § 83 unb bas f d^marjb. f onbersb. ef)ef d^eibungsgef.
§ 3 3Ibf. 2 fd^Iiefeen bie Hompenfation ausbrücflid^ übcrl^aupt aus, unb auf
biefem ©tanbpunfte fielen au^ bie SBorfd^Iäge ber preufe. ®efegreüifion,
Uenf. XV ©. 296 ff. 2)er code civil, baS bab. S. SR. unb ber l^eff. entro. er*
roä^nen bie Äompenfation nid&t. Die franj. Surisprubenj nimmt banad& oor*
roiegenb an, bofe bie ©inrebc ber Äompenfation unjulöffig fei.
3)er ©ntrourf ^at fid^ in biefer 'grage ber aWe^rjabl ber neueren ®efe|s ©tanbpunft
gebungen angefc^loffen. 3)aS Äompenfationöprinjip lägt fid^ prinjipiell nid&t be* ©„twurfcö.
grünben. SRad^ allgemeinen ®runbfä6en t)erliert berjenige, welcher burd& bas
fcbuIbDoUe SSer^oItcn beS anberen 2:^eiIcS ein SRcd^t auf Sluflöfung eines gegen*
fcitigen SRed^tSoerl^ättniffeS erlangt l^at, biefes Siedet baburc^ nid^t, bafe er
fpdter burc^ fein eigenes fd^ulbüoUeS SBer^alten aud^ für ben anberen 2:i)cit
ein gleid^cS SRed&t begrünbet; ebenforoenig ift berjenige, metd^er burt^ fein
ft^uIbooDcs SSer^alten für ben anberen 2:^cil ein SRed^t auf 9luflöfung bes
Slcc^tsoer^ältniffes begrünbet l^at, nadi allgemeinen ®runbfä6en üerbinbert,
ein gleiches 9?ed^t gegen ben anberen S^l^eil auf ®runb beS fd^uIbüoHen SSer*
bauend beS legieren ju erroerbcn. Der ®runbfa6 ber Äompcnfation fül^rt bagegen
ju b«n mit ben oUgemcincn ®runbfä|en nid^t vereinbaren unb fad^Iid^ bebend
lid^ SRefultate, bofe berjenigc ®^egattc, rocid&er burdf) ben 6f)cbrud) ober
eine bem leftteren gleic^gefteUte §anblung beS anberen SE^ljeileS ein SRed^t, bie
3<^Umng ju t)erlangen, ermorben l|at, einen greibrief erl^ält, feinerfeits burcb
bie Sege^ng ber gleid^en ^anblungen fortgefeftt bie iljm gegenüber bem
anbeten ©Regatten obliegenben el)eUd)cn 5ßf{id^tcn verlegen ju fönnen, ol^nc
586 ©d&elbuno. (SbtlvxSi 2C. § 1441.
bafe her anbcrc ©ficflotte in bcr Sage roärc, ouf (Srunb jener ^ffid^toerlefeung
feinerfeits bie ©d^cibung }u ücrlangen. liefen ©rroägungen gegenüber fonn
an6) ber ©eftdjitöpunlt ate burd^fd^lagenb nid^t erad^tet werben, bafe berienige,
xotl^tx felbft eines Sl^ebrud^ed ftd^ fd^ulbig gemad^t l^abe, unn)ärbig fei, ben
anberen Sl^egatten wegen bed Don biefent begangenen @^ebrud^ed mit bem
aScrIufte beö $Hed&teö auf S^rtfefcung ber &)t ju [trafen, ba baö ©d&cibungd*
red^t nid^t auf bem (Sefid^tßpunfte einer ©träfe für ben fd^ulbigen S^eil beruht
a:^eiina^me 7. ©iue Dou ber gragc wegen S^^j^ung ber Äompenfationöeinrebe ganj
Sufiimmung ^crfd^iebeue, burd^ bm § 1441 aibf. 2 beia^te grage ift eö, ob in btn gäHen
be« anberen bes § 1441 Slbf. 1 boö SRed^t auf ©d^eibuug auögefd^Ioffen fein foü, wenn
«Regatten. ^^^ atibttt ©l^egatte ber biefeö SRed^t begrünbenben ^anblung jugeftimmt ober
ber 2^l^eilna^me an berfelben ftd^ fd^ulbig gemad^t ^at. ^ ben %&lkn bcr
Slompenfation lianbelt eö ftd^ um bie Sluf^ebung eineö bem Äläger on jx(5
juftel^enben ©d^eibungöred^tes burd& 3lufred^nung mit einem aud& bem 8e*
f tagten juftel^enben ©^cibungörec^te, in bm l^ier in SWebe ftel^enben göUen
bagegen um eine red^tö^inbernbc ©inrebe, um fold^e 3;i^atfad^en, weld^e bie
entftel^ung bcö ©d^eibungsred^teö in bcr 5ßerfon beö Älägerö non oom^rein
ausfd^liefecn. ^wax fäHt aui) in btn göDcn ber Äompenfation bem Älfigct
ein SSerfd&ulbcn jur Saft; allein in biefen gällcn ftüfet bie Jltage }id& aus*
fd^Iiefelid^ auf baö SSerfd^uIben beö SSeflagten, nic^t juglci^ auf ein eigencö
S3erf(^ulben beö Älägcrö, 3n ben ^ier in SRebe ftcFicnbcn gäüen grünbet ba^
gegen ber Rläger fein SRed^t auf fot^e ^anblungen beö SeMogten, weld&e bem
Kläger felbft jum SScrfd^ulben gcrei^en. SlBgemeinen Orunbfäfcen entfprid^t
eö aber, bafe, wer an einer red^töwibrigen §anblung felbft mitfd^ulbig ift,
barauö niemafe SRed^te gegen ben anberen S^^eitne^mer l^erleiten fann. S)a}u
fommt, ba6 ber betreff enbe ©(legatte burd& feine S^l^eilna^me an ben im
§ 1441 2lbf. 1 bejeid^neten §anblungen ju erfennen gegeben l^at, bafe bie
Ie|teren nid^t geeignet finb, feine el^eUd&e ©cfmnung ju jcrftören unb i^m bie
gortfe^ung ber 6^e unerträglich ju mad^en. 5Der ©tanbpuntt beö ®ntwurfcö,
baö baö SRed^t ber ©c^eibung auögefd)Ioffen fein foB, wenn ber anbere S^egatte
fidd ber 2^l^eilnal^me an ber biefcö SRcd^t begrünbenben ^anblung fd^ulbig gc*
mad^t ^at, ftcl^t audi mit bem fanonifd^en Siedete unb bem gemeinen pro«
tcftantifc^en e^ercd^te im eintlange (nergl. ©euffert vn, 192, XX, 41).
®bcnfo finbet fit^ in t)crfd^icbenen neueren ©efefegcbungen bie auöbrüdRid^
Seftimmung, bafe baö Siedet ber ©d&eibung wegfäDt, wenn bcr eine S^egatte
bie biefeö 9{ed^t begrünbenbe ^anblung beö anberen ©Regatten oeranlagt ^e
(nergt. preufe. 31. S. 31. II, 1 § 719 unb baju ©efegret)., ^enf. XV § 45
nebft SRotiücn ©. 387 ff.; altenb. (g^eorbn. § 200 lit d;* fäd^f. ®. 83. § 1718).
2)er Code civil enthält in ber l^ier fraglid&en Siid^tung jwar feine bcfonbcrc
SBeftimmung; bod^ lägt bie ^uriöprubenj gegenüber ber ©d^eibungöflage bie
©inrebc ju, bafe ber Kläger felbft an ber bcr Älagc ju ®runbe Itegenben
^anblung ©d^ulb gcwefcn fei. Db unb inwieweit auc^ bie uorgängige 3**-
ftimmung beö einen (Sl^egattcn ju bcr baö 5Rc(^t ber ©d^eibung on jtd^ be*
grünbenben ^anblung beö anberen ©Regatten baö 9lec^t, bie ©d(^eibung )u
tjcrlangcn, auöfd^Iiegt, ift gcmeinrcd^tlid^ beftritten (»ergl. ©euffert VIII, 268,
XX, 41, XXVII, 139, XXVIII, 34, XLI, 191, XLH, 215). «u*
@(^etbun0. SeBenSnac^ftellung. § 1442. 587
Me neueren ©efeggebungcn l^aben bie ^rage ntd^t audbrücfßd^ entfd^ieben.
pr bad pteufe. ä. £. SR. l)at baß SRetd^ögerid^t bic gragc verneint (t)crgl.
(Sru^ot XXIX ©. 917 ff.). 31«^ in bicfem galle ntufe inbcffen bas SRcd&t
auf Sc^eibung ocrfogt werben, ^roav fonn bic SScrfagung nid^t barauf
geftü^t werben, bafe in golgc ber 3wftitnmung eine re^töroibrige SSerlefeung
ber el^elic^en 5PfItd^ten nic^t üorliegc ; benn auf biefe 5ßPid^tcn f ann bei bem
jittlic^en unb offentlid&red^tlic^en Äaralter ber (Si)z von ©citen beö anberen
C^egatten nid^t oerjtd^tet werben (§ 106). ^Dagegen red^tfertigt ftd^ ber 9luö^
I41ug ber ©d^etbung auc^ in biefem gaDe burc^ bie Erwägung, bag ber ju
ber bctreffenben ^anblung feine S^^fti^tmung crt^eilenbe Ehegatte biefe
^blung fid^ }u eigen mac^t unb }u erfennen giebt, bag bie 93cgel^ung
ber J5<>nblung feine e(|elid^e ©eftnnung nid^t afftjirt unb t^m bie @t|e
nid^ unertrogüd^ ntad^t. 2)arauö ergiebt ftd^ jugleid^, bafe bie S^iftitnmung
^er nid&t einen rec^tögcfd^äftlid^en Äarafter \)ai, wie bie ©nwiUigung im
Sinne bed § 706, fonbcm bafe cö genügt, wenn ber ©^egatte fein ©in*
oerftfinbntg mit ber fragUd^en iganblung in trgenb weld^er 9lrt t^atfäd^Iid^
iu erfennen gegeben \}ai, m^ j. S3. aud^ bur^ bie 9lnftiftung beß Stritten
Sffd^e^ iann.
2)ogegen wirb — was gemeinred&tlid^ (t)ergl. ©euffcrt XX, 41, XXIII,
230, XXXI, 239) unb im ^inblicfe auf bie gaffung bcö preufe. 31. S. 91.
n, 1 § 719 aud^ nad^ preu6. SRed^te nid)t unbeftritten ift — baö JRec^t auf
Sd^ung baburd^ ni^t auögefd^Ioffen, bafe ber Älfiger, ol^nc ju ber baö SWed^t
ber Sc^ctbung begrünbenben ^anblung feine 3i*ftintmung gegeben ober fid&
ber 2:^eiInol^me an berfelben fd^ulbig gemalt ju l^aben, burd^ fein eigenes
re^tÄwibrigcö ober unftttUd^eö JBerlialten, j. S. burd^ böölid&e SSerlaffung ober
buni^ Serroeigerung ber el^elid^en ^flid&t, bem anberen ©l^egatten jur Segel^ung
bcfl ©^rudjieö ober einer bem leftteren glcid^geftellten §anblung ben Slnfafe
gegden f)ai (oergl. au^ oltenb. @I)eorbn. § 199). 3luf ein berartigeö SBcr*
Wten beö Älögerö fann jjebod^ ber Scflagte geeignetenfaUß eine SBiber^
Rage grünben.
§ 1442.
3)te SBeftimmung beß § 1442 entfprid^t bem gemeinen proteftantift^en ©Reibung
C^e^tc unb ber äRe^rjal^l ber neueren ©efefegebungen (oergt. preufe. 21. S. SR. sea^Snac^-
U, 1 § 699; nürnb. ©H^eibungöorbn. SRr. 25; gotl^. ©^egef. §§ 97, 102; n*«"««-
ttitenb. ©I^eorbn. §218; fd^war jb. f onberß^. eH^cy>ungdgcf. § 2 5Rr. 12; franff.
®ef. § 15 SRr. 4; fäd^f. ®. 33. § 1735 ; code civü Slrt. 231 ; bab. fi. SR. ©afe 231 ;
^. ©ntw. 9lrt. 82). 2)ie SSel^anblung biefeß ©d^eibungßgrunbeß als eincö
abfotuten rechtfertigt fi^ burd^ bie in ber Sebenßnad)fteUung liegenbe fc^were
^letfung beö eFielid^cn SSer^ältniffeö (oergt. bie ©inleitung oben ©. 574).
2)Qmit ftimmen aud^ bie preug. ©ntwürfe über bie ©l)efd^eibung überein.
iJaö got^. @f)egef. § 97 crfennt audi bann ein unbcbingtes ©d^eibungö-
Ttij/l an, wenn ein ©l^egatte ben SBerwanbten beö anberen ©l^egattcn in auf^
unb abfteigenber Sinie ober ben leiblid^en ober ^albgefd^wiftern beö legieren
mäf bem Seben trad^tet. 3n gällen biefer 3lrt fommt eö inbcffen immer auf
588 ©Reibung. Sööltd&c aSerlaffung. § 1443.
bic fonfrctcn Umftänbc an, um bcurt^eilcn ju formen, ob bcm bctrcffcnben
©j^cgottcn bic ^ortfclung bcr ßl^c nid^t ferner jugemut^et werben fantu
9lid)tiger tft cd ba^cr, gällc biefcr 9lrt nur bcm ^rinjipe bcß § 1444 ju
untcrftcUen.
§ 1443.
s<^eibunß SBöl^renb nad^ fat^olifc^em ilird|cnrcd&te mcgen böfilid^er SSerlaffung nur
bM[u5?r »er. öuf jeitmciltgc 2^rcnnung oon S^ifd^ unb SSctt erfannt werben lonn, ift von bem
laffung. gemclncn protcftantif(^cn ®^crec^tc unb ben meiften neueren ©efeßgcbungen bie
«eitenbe« iö&lx(S)t Sßcrlaffung ote abf olutcr ©^eibungsgrunb anerfannt ; boc^ weichen bic
'**'^*' cinjcinen SRcd^tc, namentlid^ f ot)iel bic SBoraußfegungen biefcö ©dbcibungögrunbcfi
betrifft. Dielfad) t)on einanbcr ab, unb ift oon mand^cn neueren ©cfcfigebungcti
biefc aWatcric in fcljr fafuiftifd^er 3Bcife geregelt (oergt. prcufe. 21. Ä. SR. II, 1
§§ 679 ff. nebft bem preui Sluöf. @cf. jur ©. 5ß. O. o. 24. 3Rfiri 1879 § 5;
got^. et)cgcf. §§ 85 ff.; altcnb. (g^corbn. §§ 208 ff.; f d&roar jb. f onberft^. (S^e^
fd^eibungögef. § 2 3lv. b, 6, §§ 5, 9, 11 ocrb. mit bem 3ludf. ©cf. jur ß. % 0.
0. 17. aWai 1879 § 4; franff. @cf. § 15 9lr. 2; fäd^f. ®. ». §§ 1731, 1732;
roürttemb. ®ef. t). 8. Sluguft 1875 3lrt. 7). ®er code civil gebeult ber boft^
liefen 3ScrIaf[ung nid^t als cincö felbftänbigcn ©d&cibungdgrunbcö ; bod& wirb
biefelbe oon bcr Suriöprubenj inforocit als ©d^eibungdgrunb anerfannt, ote
fic fid& im gegebenen gallc als injure grave im ©inne bcö code civil 9lrt 231
barftcUt (ocrgl. aud& f)cff. entro. 9lrt. 82 oerb. mit 3lrt. 66 9Ibf. 2, 3). Saft
bab. £. SR. ©a^ 232 a bcjcid&nct auöbrüdlid^ breiiä^rigc Sanbflüd^tigfcit a(d felfc
ftänbigcn ©d^eibungögrunb. 2)ie prcufe. (Sntroürfc über ß^cfd&cibungen ^aben
ebenfalls ben lanbrcd^tlid^cn ©d^eibungsgrunb n)cgcn böslicher 93crlaffung als
abfolutcn ©d^eibungsgrunb beibehalten unb in biefem fünfte bic S^^ftimmung
bcr beiben i^äufer bes Sanbtagcs gcfunbcn.
S)as gemeine proteftantifd^c ®l)ercd)t unterfc^eibet bei ber böslichen 9Jer«
laffung jmifd^cn foldfien fallen, in mcld&cn ber Slufentf^alt beS abtrünnigen
(Sl)cgattcn unbefannt ober bem rid^tertid^cn 9lrme uncrrcid^bar, unb folgen
gällen, in TOcld&cn bcrfclbc befannt unb bem rid^tcrlic^cn Sfrmc crreidbbar ift.
3n ben ^J^ällen ber Ic^tcren 9lrt (ber fog. Quaftbcfcrtion) ift bie ©c^cibung
rocgen böslid^er Sßcrlaffung nur bann julöffig, wenn bic nad^ oorgängiger SSer«
urtbcihing bes ©Regatten, rocld&cr ben anberen böölid^ oerlaffen bat, jur ^er«
ftcUung bes cf)clidf|en ScbenS angeorbnetcn 3n)angsmittcl fid^ als erfolglos erroiefen
Öaben (ocrgl. ©euffert III, 67, XIU, 262, 36, XXXni, 136, XXXV, 295).
9luf bem S3obcn bcs gemeinen protcftantifcben ©l^cred^teS ftc^en in biefcr ^tnfi(^t
bie altcnb. ©öeorbn. §§ 208 ff., bas föd&f. ®. S3. § 1731 (ocrgl. baju Seuffert
Ul, 67), bas gott). e^cgef. §§ 101, 109 unb für bas 3lusf. ®cf. jur 6. % D. für
5Reu6 ä. 2. o. 3. SRai 1879 § 13. 3la6) § 16 Sßr. 6 beS ©inf. ®ef. jur beutf(^cn
6. ^. D. finb bie SSorfd^riftcn bcS bürgerlid&cn SHcd^tcS über bic als Sßorbcbingung
einer ®f}cfd&cibung anjuorbnenben Sw^öngsmafercgcln burd^ bic Seftimmungcn
bcr ®. % D. unbcrül)rt geblieben.
Slnbcrc neuere ®cfc6gebungcn liabcn bagegen aud) in folgen ^^äOcn, in
meldten bcr 9(ufent^alt beS abtrünnigen ©Regatten befannt unb bem ric^terlid^
9lrme errci^bar ift, bic oorgöngige 3lnroenbung oon 3wangsma6rcgcln auft*
j
©(Reibung. Sööli(j6e Serlafjunö. § 1443. 589
gef^toffcn «nb ftd^ bamit begnügt, ju bcftimmen, bafe gegen ben abtrünnigen
glatten vov ©rfiebung ber ©d^eibungöftage gerid^tli^c 9lü(ffe^rbefef)Ic erroirtt
imben müRen. 3^^ "S^iftil fd^reiben fte baneben außbrürflid) t)or, bafe bie
böd(ü|e SSerlafjung nic^t \ä)on bed^olb als feftftel^enb angenommen n)erben
Wirfe, weil ber crlaffene Sefe^I nid^t befolgt [ei (oergl. preufe. 91. S. 91. II, 1
§§ 679 ff. unb preufe. ®ef. für bie ^ßrooinj ^annooer o. 1. SRörj 1869
§§ 31—35 nebft bcm preufe. 9lufif. ®ef. jur (£. % D. o. 24. aKärj 1879 § 5;
f^ioorjb.fonberd^. 6^efd|eibungögef. § 2 5Ur. 5, 6, §§ 5, 9 oerb. mit bem
»ufif. ®ef. jur g. 5ß. D. v. 17. aßai 1879 § 4; bat)r. Sluöf. ®ef. jur ©. ?ß. D.
0. 23. gebruor 1879 Slrt. 89—92 für bie Sanbeöttieile red&ts beö $Rt)cinö, anmalt.
Stufif. ®ef. jur e. 5ß. D. o. 10. SWai 1879 § 4 ; üergl. au(^ ©inf. ®ef. jur
6. ?. D. § 16 5«r. 6, 8).
einen aWittetmeg ^at baö mürttemb. ®ef. o. 8. 3luguft 1875 9lrt. 7 ein*
gcfd^Iogen, inbem baöfelbe beftimmt, bag, wenn ein e^egatte minbeftend ein
3al|r lang nac^ eingetretener SRed^tsfraft beß Urt^eileö, meld^ed il^n jur ^er*
fteüung beö e^elid&en Sebenö uenirti^eilt, bie eficlic^e ®emeinfd^aft oermeigert
^t, ber anbere ©l^egatte bie ©d^eibung wegen Quaftbefertion oerlangcn fann.
3n ä^nlid^er SBeifc l^at ber fieff. ©ntro. ärt. 82, 66 2lbf. 2, 3 bie Sd^eibung
wegen jQuafibefertton geregelt.
2)ic ®rünbe, roeldbe ben ©ntrourf beftimmt l^aben, im ©inflange mit bem etanbpunft
geltenben Siebte bie böölic^e 33crlaffung ate abfoluten ©d^cibungögrunb ju (j„troutfe«.
6e§anbcln, ftnb bereit» in ber Einleitung oben ©. 574 bargelegt. SBie
au« § 1443 3lbf. 2, 3 mit genügenber 3)eutlid^feit erl^elU, foU jebo^ nid^t
jebe oud böfem äßiUen l^eroorgegangene 93er(e|ung ber burd) bie e^e[id)e ®e*
meinfd^ft begrünbeten ^flid^ten ben abfoluten ©d^eibungßgrunb ber bößU^en
SJerloffung begrünben, fonbern nur baö eigenmöd^tige unb böölid^er 3Beifc er*
folgte aiufgeben ber ^äußtid^en ®emeinfd^aft. (Sine fonftige aSerleftung ber
au« ber e^elid&en ®emeinfd^aft fid& ergebenben ^flid^ten, inöbefonbcre bie
Senoeigerung ber Seiftung ber el^elid^cn ^flid^t (oergl. bie ©inleitung oben
S. 577), foB ber Seurt^eilung nad^ SRaggabe beö § 1444 unterftellt roerben.
Änlongenb bie SSoraußfegungen ber ©d^eibung megen Quaftbefertion, c^uafi--
fo fyii ber (gntrourf pd& infofem bem gemeinen proteftantifd&en ©^ered^te unb ^*^*^*®"*
öen auf bem 33oben beß legteren fte^enben SHed^ten angefd^loffen, alß er in
biefem gaDe bie ©d^eibung oon ber oorgängigen red^tßfröftigen Süerurtl^eilung
beß renitenten @l^egatten jur ^erfteUung ber l^äußlid^en ®emeinfd^aft abl^ängig
mo^L äbroeid&enb üon biefen Siebten, aber in Uebereinftimmung mit bem
imtrttemb. ®ef. o. 8. Sluguft 1875 SSrt. 7, ift iebod; in Äonfequcnj ber Se*
ftimmung beß § 774 3Ibf. 2 ber 6. 5ß. D. (nad^ ber in ber 3lnmerfung ju § 1276
mitget^eilten neuen tjaffung) bie Slnwenbung von SToangßmaferegetn jur ®r*
jwingung ber ^erftellung ber l^äußlid^en ®emeinfd&aft alß SSorbcbingung ber
S^ieibung außgefd^loffen. S^rofebem ift baß ©rforbernife ber oorgängigen aScr^
urti^Uung jur ^erfteUung ber ^dußUd^en ®emeinfd^aft nid^t ol^ne praftifd)en
Sert^. 2)ie Sebeutung beß ber ©^eibungßflage ooraußgel^enben fontra*
biltorif^en SBerfaljrenß unb ber SBorjug beö Icfeteren oor ben auf einfcitigen
Sntrog ju erloffenben SRücffel^rbefe^len beftelit barin, bafe in jenem 93crfa{)ren
feftgefteDt wirb, ob bie ®rünbe, auß roeld^en ber anbere (Sfiegattc fid^ ber
590 ©cfccibung. Sörtid&e aSerlaffunfl. § 1443.
^crftcüung bei* ^äuölic^cn Octncinfdiaft roibcrfefet, gcred^tfertigt finb ober nWJt,
unb bafe ber Scflagtc im gallc feiner SBerurt^eilung fid^ bcr SBiberred^tHd^Wt
feiner fortgefegten SBeigerung berougt wirb, ^[lö ©rfaft ber Swongömofercgeln,
bercn njefentlid^cr 3^^^ ^^^in gel^t, bie ^artnödigfeit beö red^töroibrigtn
SCßiBcnö beö beflagten S^lieileö außer S^^if^I i^ f^fe^^/ ^i^«t bie weitere im
§ 1443 Slbf. 2 aufgefteUte SSorauöfegung, bafe bcr onbcre (g^egattc bem red&te^
fräftigcn Urtl^eile ein 3a^r lang roibcr ben SBiUen beö bie ©d^eibung oer^
langenben ©Regatten bößlid&er SBeife nid^t golge geleiftet })at (üergl. fäd^. @. 9.
§ 1731; roürttemb. ®ef. x>. 8. Sluguft 1875 Sttrt. 7). S)urc^ biefe ärt ber
Siegelung in SBerbinbung mit ben SJorfd^riften ber §§ 570—573, 577, 580,
581, 259, 437 ber 6. 5ß. D. mirb ber ©efal^r, ba% ber ©^eibungögmnb wegen
jQuafibefertion Don ben G^egatten bcnufet wirb, um auf biefcm SGBegc bie
©d^eibung auf Onmb gegenfeitiger ©inmilligung l^erbeijufül^ren, in TOirffomer
SBeife entgegengetreten. 3"*^^"^ ^^^ § 1443 9lbf. 2 betont, bafe bie Sd^eibung
nur juläffig ift, wenn ber oerflagte ©begatte roiber ben SBiUen beö flagenben
G^egatten bem Urtl^eile mä^renb ber ganjen grift feine golge gcleiftct ^t,
mirb ber SRid^tcr barauf t)ingen)iefen, bafe er bie ©d^eibung auö bem ^ier
fraglid^en ©runbe nur bann auöfprcd^en barf, wenn er bie Ueberjcugung ge^
roonnen f)at, bafe baö 9lufgeben bcr l^äuölid&cn ©emeinfd&aft oon ©citen beö
Seftagten nid^t auf einem ßinocrftänbniffe ber ©fiegatten beruht. 2)ur(^ boö
roeitere ©rforbernife, bafe ber S3eHagte bem Urtl)eile roä^renb ber ganjen grift
boölidjer SBcife feine golge geleiftet f|at, mirb im Slnft^luffe an bie in ber
SBiffenfd^aft unb ^rajiö, mie in btn ©efeggebungen hergebrachten atuöbnwlÄ*
roeife baö SBefen beö ^ier fraglid^en ©d^eibungögrunbeö, nömlid^ bie auö
böfem SBiDen l^eroorgegangene 3cn*^i6w"9 ^^^ f)fiuölid^en ©cmeinfd^aft, in
ft^arfer SBeife gefennjeid^net. 3)cn Segriff ber boölidjcn ^anblungöroeife im
©efeftc naiver ju beftimmen, ift im ^inblidfe barauf, ba& biefer Segriff feit
langer ^txt in bcr 2Bif[cnfd^aft unb 5ßrayiö, mie in ber ©efefigebung ein*
gebürgert ift, nid&t erforberlid^ (oergl. ©ntfc^. b. SR. ©. in ßioilf. XV, 43;
Urt^. b. dt. ©. bei ©ru^ot XXX ©. 851 ff., ©euffert XLH, 35, 303).
^nöbefonbere fann eö einem 3^^if^I ^^^^ unterliegen, bag oon einer bbüidim
^anblungöroeife beö jur ^erftcBung beö e^elid^en Sebcnö terurt^citten 6^
gatten nidfit bie Siebe fein fann, votnn naä) bem Urt(|cilc mä^renb bcr §rijl
fold^e neue S^l^atfad^en entfte^en, meldte and) ot)ne rid^terlic^e ©eftattung baö
fernere ©etrenntleben red^tfertigen (oergl. §§ 1272, 1273) ober toenn bcr
oerurtticilte (S^egatte aud^ nur in bem guten ©lauben mar, bag nad^ bem
Urt^eile roölirenb ber grift ein neuer baö Slufgcbcn ber ^äuölic^cn ©emein*
fdtiaft red^tfertigenber ©runb eingetreten fei (oergl. ©euffert XVI, 54, XXI,
239, XXXIII, 137, XLII, 303; (gntf^. b. SR. ©. in ßioilf. XV, 40,
XVII, 50, 97, XVIII, 46 S. 227 ff.; Urt^. b. SR. ©. bei ©ruc^ot XXX
©. 851 ff.).
3)ic im preufe. 31. 2. SR. II, 1 § 687 unb einjelnen anbcrcn neueren
©cfe^gebungen (gotl). ©licgef. § 93; fd^ioai^b.fonberöl^. ©^efc^cibungögef. § 2
SRr. 6) fid^ finbenbe, an eine ältere gemeinred^tlid^e S^^eorie (oergl. Sntfd^. b.
SR. ©. in 6ioilf. XVIII, 46 ©. 231) fid^ anfd^liefeenbe »eftimmung, baft, wenn
bie S^efrau ftd^ eigenmöd^tig unb o^ne red^tmägigen ©runb oon bem (^
©d&cibunß. Sö0lid&e »erlajfunö. § 1443. 591
mttiine getrennt l^at, bcr lefetere bicfclbe nid^t e^cr roicber aufiuncl^men braud^t,
ate bi« fte i^ren injwif^en gefül^rtcn unbefc^oltenen Sebenöroanbcl burd^ glaub:^
Softe 3^Bwiff^ nad^gcroiefen ^at, ift im ©inflangc mit bcn von ben beiben
§&ifem beö preufe. Sanbtagcö in biefem fünfte gebilligten preufe. ©ntroürfen
ni^t aufgenommen, ©ie fül^rt, wenn bie ©l^efrau Jenen SRad^meiö nid^t ju
führen t)ermQg, entroeber ju einer ©d^eibung wegen blofeen SSerbad^teö ber
Untreue ober gegen ben SBillen ber Ehefrau ju einer baucmben faftifd^en 3luf^
Öclrnng ber ^äuätid^en ©emeinfd^aft unb fann für bie unfd^ulbige ß^efrau
eine grofte ^ärte mit fid^ bringen. SSuf ber anberen ©eite gemährt fie ben
e^egotten ein bequemes 5Kittel ber ÄoIIufion.
^aif bcr in ber gcmeinred^tlid^en S)oftrin unb ^rajiö tjorroiegenb vct^ ^eiftenung
tretenen Slnfid^t feftt bie ©d^eibung megen böslicher SSerlaffung nic^t nur dop @cme!l"itt^
ouö, bofe ber oerHogtc ß^egattc bie ^öuöUd^e ©emeinfd^aft miber ben SBiBen ^«r ^'em
bffi anberen ©Regatten böölid^er Söeife aufgegeben l^at, fonbern cö ift weiter ^^'^*^**^^'
erforberlid^, bafe berfelbe nod& roä^renb beö ©d^cibungöoerfaljrenä bei feiner
ffleigerung, bie Wußlid^e ©emeinfd^aft l)erjufteBcn, bel^arrt. S)ie ©d^eibungß*
Hogc roegen boöUdöcr SJerlaffung erlebigt ftd^ ba^er, rocnn ber oerflagte (^i)c^
gatte oor bem Urtl^eile bie l^auölid^c (Semeinfd^aft ^crfteDt ober — was iebodt)
oon Kanten ni^t ate auörcid&enb crod^tet mirb — bie l^äuölid^e ©cmcinfd^aft
^aufteilen emftlidö ftc^ erbietet (oergf. ©euffert III, 67, XIII, 36, XXXin,
136). auf bemfelben »oben fte^t baö fäc^f. ®. 93. § 1732. 5Dicfe 3lrt ber
Siegelung I)ängt mit ber Sluffaffung jufammen, bafe baö abfolute Siedet ber
Stjeibung wegen böölid^er SSerlaffung nid^t, wie bieö bei ben anberen ©d^eibungö-
grünben bcr gall ift, lebiglid^ auf ein in ber SBcrgangcnl^eit liegenbeö SSer^
fi^lben beö anberen ©l^egatten, fonbern auf bie gegenwärtig nod^ fortbauernbe
eigenmö^tigc unb boölid&e S^^^ifewng ber puölid^en ©emeinfd^aft fid& grünbet
unb nur ate 6rfa| ber mangeinbcn ©rjwingbarfeit ber ^erftcUung ber l^äuÄs=
ütjen ©cmcinfd^oft anjufcl^en ift. Dagegen liegt bem preufe. 31. S. % bie auc^
^ franj. Sutiöprubcnj (t)crgl. oben ©. 588) nol)eftel|enbe Sluffaffung ju
©tunbc, bafe, wenn ein ©begatte ben anberen ©Regatten böölid^ ücrlaffen unb
bem Äucffc^rbefcl^lc feine golge geleiftet liat, burd^ baö in bcr 58ergangen^eit
licgenbe fd^ulbDoDe SSer^alten bedfelben bie G^e wie burd) @^ebrud^ ald ge«
brod^en ansufcl^cn unb ein wohlerworbenes Siedet beö anberen ©tiegatten auf
Sdjeibung begrünbet worben ift, welches jwar burd^ SBerjeil^ung beö legieren,
nüjt aber baburd^ befeitigt werben fann, bafe ber uerftagte ©Ijegatte nod^ t)or
kern Urt^cUe jurüdEtelirt unb, wenn aud^ in emftlid^cr 3lbfic^t, jur ^ortfeftung
btr ^Äuölid^en ©emeinfd&aft pd^ bereit ertlärt (oergl. Urt^. b. 3?. ®. bei
©tud^ot XXIV ©. 495). 2)er Entwurf l)at fid^, wie bie gaifung beö § 1443
Sbf. 2 ergiebt, bcr Icgteren 3luffaffung angcfd^loffcn. gür bie erfterc 9luf^
föifung löfet ftd& aUerbingö baö ^ntercffe tl)unlid^fter Slufrcd^terliattung ber
G^, fowic bcr ©cfic^töpunft geltcnb ma^en, bafe nad& bem SBegfallc beö
3»öngdwrfal)renÄ bcr 93eweiö ber ^artnädEigfeit beö böfen SBiUcnö beö
renitenten ©Regatten burd& baö ber ©d^eibung üorbcrgel)enbe SSerfa^ren nid^t
w«|r in fo fidlerer SGBeife erbrad^t, aufecrbem bem oerflagten ©begatten burd&
bie äSöglid^feit, boö SRcd^t beö flagcnben ©begatten burd^ ernftlidb gemeinte
8ortfe|ung bcr j^äuölld^cn (Semcinfdbaft ju befeitigen, ein SRittel gewäl)rt werbe.
592 Scfietbung. 33ö«i$e SJerlaffung. § 1443.
xi)n bcß oft fd^iüicrigcn 33en)cifc9 feiner ©ntfd&ulbigungögrünbe ju überleben, auf
ber anbeten ©eite fommt aber in 33etrad^t, ba^ ber ©tanbpuntt bcß gemeinen
proteftantifd&en ß^ered^teö unb beö ffi(|f. ®. S3., nad) rocld^em ber ©d^eibungg^
proje§ TOegen böölid^er SBerlaffung, nfil^er betrachtet, ftd^ nur ate eine gortfe^ung
beä ^rojeffeö roegen J^erftettung ber l|äuöli(|en ©emeinfd^aft barftcllt unb bei bem
flagenben ©Regatten nur ein cüentueUer ©ddeibungöroiDc t)orauögefc|t wirb, mit
bm gegenroärtigen Slnfd^auungen beä praftifd&en Sebenö unb ber gegenroärtigen
Oeftaltung beä in feften formen unb Slbfc^nitten pdd beroegenben ^rojefe^
Derfal^renö nic^t im (Sinflange fielet unb inöbefonbere beö^alb ju praftif^en
©d^mierigfeiten unb Unjuträglid(|feiten, foroie ju einer 33eeinträ(|tigung bcft
SRed^teö beä Hagenben ©l^egatten fül^rt, meit ber 9Kd(|ter mit ©id^erl^cit nie feft-
juftetten üermag, ob bie erft legt erfolgenben ©d^ritte beö Derflagten ©Regatten
jum 3w)edEe ber ^erfteUung ber l^äuölid^en ©emeinfd^aft in ber 2:f|at emftlic^
gemeint finb. S^bem barf, menn bie SJoraußfefeungen beö § 1443 3lbf. 2 erfüüt
pnb, mit Siedet angenommen werben, ba§ baß SBertrauen beß flagenben 6^e*
gatten auf eine bem SBefen ber ®^e entfpred(ienbe gortfefcung ber ©^e mit bem
anberen SCfieile in fo l^ofiem aWafee erfd^üttert ift, bag il^m bie gortfcgung ber
@^e mit bemfelben nid^t mel^r jugemutl^et merben fann. ©oHtc aber in golge
beß ©rbietenß beß oerHagten ©Regatten jur gortfefeung ber l^äußlid^en Oemein-
fd^aft ber SRic^ter nad^ Sage ber ©ad^e bie Sttußfö^nung ber Parteien für
nid(|t unmal^rfd^einlid^ eradjten, fo fann er nadfi § 580 ber S. 5ß. O. von ämtS-
megen junäd^ft bie S[ußfe|ung beß SBerfal^renß anorbnen.
«igentai^e ©er § 1443 9fbf. 3 be|anbelt ben gall ber eigentlid^en S)cfertion, b. ^.
ben gatt, in meld^em ber 5lufentl^a(t beß entmid^enen ©l^egatten unbefannt
ober unerreid^bar ift unb beß^atb ber (e|tere nur burd^ offentlicbe SwP^Dw^S
(§ 186 ber 6. ^. D.) gelaben werben fann. 3^ Uebereinftimmung mit bem
geltenben SRed^te ift in biefem gaDe eine Dorgängige SSerurt^etlung bcß enl*
mid^enen ©l^egatten jur J^erfteDung ber ^äußlid^en OemeinfdJiaft nid^t crforberli^
2)urd^ baß ©rforbemife einer fotd^en SSerurtl^eilung mürbe l^icr in Dielen gfiflen
bie ©ad^e ol^ne 5Rotl) uerjögert merben, ba bei ber Ungeroifel^eit, ob bem
Dcrurtl^eUten ©Regatten baß Urt^eil mirflid^ befannt gemorbcn ift, ber 3"^^
jeneß ©rforberniffeß, außer SwJeifet ju fe|en, ba^ bie gortbauer ber S^rcnnung
auf bem böfen SBillen ieneß ©Regatten beruht, nid^t erreid^t merben fann, 3n
bem ^ier in SRebe ftel^enben galle mufe eß Dielme^r genügen, rotnn in bem
6l[iefd^eibungßprojeffe ber SRac^roeiß geführt mirb, ba§ ber beflagte (S^cgattc in
ber 9lbfid^t, ben anberen ©Regatten bößtid^er SQäeife ju t)erf äffen, mibcr beffen
aSillen bie f)äußlid)e ©emeinfd^aft aufgegeben ober l^erjuftellen unterloffen ^at
unb Don biefer ^dt an foroie feit bem ©intritte ber SSoraußfe^ungen ber
öffentlidien SufteUung minbeftenß ein 3al^r Dcrftrid^en ift. ®aß bem geltenben
SRedite entfpred^enbe ©rforbemife, baß ber 3^*^^^^ ^^^ Stbroefen^cit beß ent?
roid^enen ©f)egatten in unbefannter ober unerreid^barer ^mc roäl^renb ber
gangen grift gebauert ^aben muß, ba^ mithin bie SSoraußfefeungen ber offcnt*
lidden 3uftettung nid^t nur jur 3cit ber ©rl^ebung ber ©döeibungßHQgc be^
grünbet, fonberu n)äl)renb ber ganjen 35auer ber grift uor^anbcn gemcfen fein
muffen (oergl. preug. 21. !2. SR. II, 1 §§ 688 ff. ; got§. ©^egef. §§ 85-^7,
192, 193; fd^roarjb. f onberßf}. ©fiefd^eibungßgef. § 2 5iRr. 7, § 11) madft e«
2)efertion.
2$cibu«ö. Sfrennuno l\ %i\ii u. Sctt. Clausula generalis. § 1444. 593'
fancr entbehrlich, l^icr, wie in bcm goUc bcö § 1443 3lbf. 2, audfi bcn 9iad^s
lociö ju verlangen, bafe bie Slbftdjt ber boöUd^cn SBerlaffung roäl^renb bcr
gonsengrift fortgcboucrt ^abc; ein folddcr 3laä)roc\& fann l^ict um fo weniger
oerlongi werben, als bic naäf bcr ©ntroeid&ting in ber ^erfon bcö entwid^enen
%gottcn eingetretenen SBerl^ältniffc fic^ regelmäßig überhaupt mi)i cr^
mittein lojfen. 2)ie geftfefenng bcr grift auf bic 2)auer eines 3al^rcö ftel^t
mit ber SKe^rja^l ber bcftefienbcu Siedete im Sinf lange (oergl. preufe. 31. 2. di. II, 1
§§ 690, 693; preufe. ©ef. fiir bic ^rooinj ^annoücr v. 1. äßärj 1869
§33; f<^njarjb.fonberö^. eM^cibungögcf. § 11; fäd^f. ®. S3. § 1731; anmalt.
9u§f.@ef. r>. 10. aWoi 1879 §4; uergl. aud^ baDr. ®cf. ü. 23.gebruar 1879
pr Sltisffi^rung ber ß. ^. D. für bie 2anbedtl)eilc redfitö bcö 9t^cinö 2lrt. 90).
!Eo bcr ®runb, aus wcld&em bcr @ntn)urf in bcm gaDc bed § 1443
Sbf. 3 oon bem ßrforbemiffe bcr oorgängigen SBerurt^eilung beö cntroiddcncn
e^egattcn jur ^erfteUung ber f)äuöli^en ©emeinfd^aft abfielt, mcfentlid^ in
ber Ungeroife^cit liegt, ob baö Urt^cil bem ucrurt^eiltcn ©Regatten überhaupt
befonnt werben wirb, anbererfeitö aber bie uorgängige SSerurtl^eilung jur ^er^^
ftcDung bcr ^äufllid^en ®emeinfd}aft eine größere ©arantic gcmö^rt, boß bic
S^cibung rocgen boölid^cr SBerlaffung nur bann erfolgt, mcnn bic SJorauä*
fcfungcn ber Ic^tcrcn in 92Btrflid&fcit oor^anbcn finb, fo empfiehlt cö fid), im
8nf(^Iujfc an eine öljnlidde 93eftimmung bcö prcufe. ©efefecö für bic ^roüinj
^nnooer o. 1. a»ärj 1869 § 33 (Dcrgl. aud^ § 69 bcr burd^ baö preug,
*usf.®ef. jur 6. ^. O. ü. 21. 2»ärj 1879 § 5 aufgehobenen preuß. SBcrorbn.
p. 28. 3um 1844) bic ©djcibung im gatle bcö § 1443 äbf. 3 für unäulöffig
äu erflären, roenn in bcr crften Stiftanj ober in ber Scrufungöinftanj jur 3cit
!>nr münblic^en SSerlianblung, auf weld^c baö Urtl^eil ju crlaffcn ift, bie SBor*
fliöfejungen ber öffentlid&en 3wftcllung nid^t mcl;r uorliegcn (§ 1443 3lbf. 3
Söt 2). Um iebod^ eine aSeroielföltigung bcr ßl)cprojcffc ju ucrmeibcn, bc?
nimnit bcr § 1443 3lbf. 3 Sag 3, ba^ ber ÄWger in einem fold(|cn gallc,
odne bQ% eö bcr ©r^cbung einer neuen ftlagc bebarf, bie SBerurtl^cilung bcö
Sctlogtcn jur öcrftcUung ber ][|äuölid|)en ®emcinfd^aft beantragen fann. 3m
^inWirfc ouf bie Streitfragen, weld&c über bic j^ragiocite bcö § 574 Slbf. 1
ber 6. $. 0. in ber 9li4itung beftcl^en, ob unb inioieioeit ber lc|terc nid^t nur
Wc ©cüenbmad&ung neuer Älaggrflnbe, fonbern aud^ bic Slcnbcrung bcö ftlag*
ontrageö geftQttct unb ob bcrfclbe auc^ für bic Senifungöinftanj gilt (oergl.
borfibcr entfc^. b. % ®. in ßiüilf. VIII, 98, XI, 83, XV, 68; ©cuffert
XXXVII, 274, 275, XXXVIII, 364, XLI, 152), ift cö alö not^roenbig er^
fl<6tet, jene SSeftimmung auöbrücflicf) aufjunel^men.
§ 1444.
Xk ®rünbc, weld^c bm ©ntmurf beftimmt Ijabcn, abgefcl^cn von bcn sttmw
?äncn bcr §§ 1441—1443, Jiur relative Sd&eibungögrünbc anjuerfcnncn xinb ^^S*'
We le^tercn md(|t einjeln ju bcjcid^ncn, fonbern auf ein gemeinfamcö 5ßrinjip
iurnt^ufü^en, finb bereitö in bcr ©inleitung oben S. 572 ff. bargclcgt; ba^
gegen ift bort bie SRcc^tfcrtiguug bcö im § 1444 jum äluöbrudc gelangten
ISrinjipeö feinem näheren S^^alte nad^ bcn 3)lotiücn ju § 1444 uorbelialtcn.
1. Mx^erl. Oefcibud^. IV. 38
594 Sicibung. ^Ireitnung t). 3:ifd& u. Sett. Clausula, generalis. § 1444.
qjrinstp. S)a bcr ©ficbrud) alß abfolutcr tmb tüid^tigfter Oninb bcr ©d^eibung
bcjw. ber beftänbigcn 2::renitung t)on Xx^ä) tmb Sctt üon allen Siedeten unb
bic bodüd^e ^crlaffung n)emgftcnd von bcr großen SRel^rial^l bcr Sted^te ob
abfolutcr ©d^cibimgßgrunb ancrfannt ift, fo liegt cö nabe, nad) bem SSorgonge
bcö gemeinen protcftantifd^en ©bcrcd^tcö von biefen ©d^cibungögrünbcn bcn
3luögangöpuntt ju nebmcn, bcn biefen Sd^eibungögrünbcn ju ©runbc liegenbcn
(Scbanfcn auf ein gcmcinfamcö ^ßrinjip jurüdfjufübrcn unb legtcrcß im ®efe|c
alö SRcd^tfafe J^injufteDen. äluf biefcm SEBegc ift iebod^ ju einem bcm praftifdbcn
SSebürfnifje genügcnbcn 5ßrinäipe nW^t ju gelangen. 2cgt man bei bcm ©^c«
brud)c baß cnlfd^eibcnbe Oeroid&t barauf, ba§ burd^ bcnfclben bic im Sßefcn
bcr &)t begrünbete SlußfdiHcfelid^fcit ber Oefd^Icd^tögcmeinfd^aft unn)iebcrbriitgß(ib
jcrftört wirb, fo fann, üon bcn in bcn §§ 171, 175 bcö Str. ®. SB. bcseidbnctcii
^anblungcn abgefel^en, uon einer analogen 3Iuöbe^nung ber ©d^eibung megen
Q^ehxnä)^& überbaupt nic^t bic SRebc fein, ba baö b^njorgebobenc äßomcnt
auf anberc SSerlefeungen ber cbe[id)en ?ßflid&ten, fo fd^rocr fic aud& fein mögen,
nid^t pagt. 3n aQcn anbercn ^äUcn fann baö jerftörtc ebeßcbe 93cr^filtmg
bo^i immer nod^ burd& SSefferung unb SReuc mieber in bcn vorigen ©tanb gc*
fefet mcrbcn; rocnigftcnö ift fein mcfcnttid^cß ©Icmcnt bcr ©b^ jerftort. Oben?
fomenig fül^rt bie Slnalogic ber boölid^cn SBcrlaffung ju einer ®rroeiterung
bcr ©cbeibungögrünbe, wenn man baö cntfd^cibcnbe ©croid^t barauf legt, ba{$
ber eine ©begatte bem anbercn Xl)dk burd^ feine ©igenmad&t unb feinen bofcn
SBillen baö ebelid^e 3ufammenlcben unmöglid^ mad^t. 9lur ctma bie b^^rt-
nädfigc SBcrweigcrung bcr cbclid^cn 5ßflid(|t fönntc üon biefcm ©cfid^töpunfte
auö alö ein analoger Sd^eibungögnmb angefebcn merben. Siebt man bagegen
bcn cntfd&eibcnbcn ®runb, auf meld^cm bie 3Inerfcnnung bcö ©bcbrudbcfi unb
ber böölid^en 83erlafjung alö Sd^eibungögrünbc beruht, barin, bafe biefelbcn
fid^ alö auö böfem SQäillcn bcrrorgcgangenc , unmittelbare unb fdbrocrc SSer*
iefcungcn cbclid^cr 5)Jflid^ten barftellcn, fo Iä§t fxi) auö ber SKnalogie jener
Sd^cibungögrünbc baö umfaffenbcrc ^rinjip ableiten, bag bic S^eibung oudb
in aDcn fold^en göUen juläffig ift, in meldten ein &)tQattc burd^ fdbn)ere SSer»
legung bcr ibm obtiegenben cbclidicn ?ßflid^ten eine fo tiefe 3crrüttung beö clb^
lieben SJcrboltniffcö ücrfd^ulbct bat, baß bem anbercn ©begatten bic gortfcftunfl bcr
©be nid^t jugcmutliet merben fann. @ö lägt fid^ nid(|t Dcrfennen, bag burcb iriefcft
^ßrinjip viele bcr in bcn beftebcnbcn SRcd^ten anerfannten, auf einem iSerf^uIbcn
bcrubenben Sd^eibungögrünbc, fofem fic im fonfreten gallc bie bejeidbnctcn SSBir-
fungen liaben, gebedEt merbcn, namentlid) aRifebonblungcn (ocrgl. oben ©. 575),
gcfäbvli^e ©robungcn (fd^roarjb. f onbcröb. ©befd^eibungögef. § 2 9ir. 13; altenb.
©beorbn. §§ 219, 220), ©brenfränfungen (preufe. 31. 2. 91. II, 1 §§ 700— 7(fi^
ücrgl. baju Urtl^. b. SH. ®. bei ®rud(|ot XXXI S. 987 ff. ; nürnb. e^
fd^cibungöorbn. 9}r. 25, 27 gotb- ©begef. §§ 98, 100; fd^roarjb.foniicrirt.
©befd^eibungögef. § 2 3h:. 14 ; f ranf f. ®cf. § 15 5Rr. 8 ; code civü airt. 231 ;
beff. ©ntw. Slrt. 82), falfcbc 3lnfd^ulbigung (©ntfd^. b. dl ®. IV, 104 S. 380;
preufe. 31. 2. SH. II, 1 § 705; nürnb. ©befd&eibungöorbn. 9ir. 25; gotb- G^cf.
§ 123; f d^roarjb. fonberöb. ©befd&eibungögef. § 2 3lv. 14), Unoerträglid^fcit iinb
3anffud^t bcö einen ^l}eilcö, n)cld^c fid^ in t)orfäglid||en, baö 2eben ober Vit
(Scfunbbcit beö anbercn 'iiiciU^ gefäl^rbcnbcn ^anblungcn äufeern (preu|.
©(6eibun0. Trennung ü. 2^i]c& u. Sctt. Clausula generalis. § 1444. 595
%t% II, 1 § 703; nürnb. e^cfd^cibungöorbn. 3lx. 28; gotl^. ß^egef. § 99),
«bliitlit^e Gntäicl^iing beö Unterfialte« (prcufe. 31. S. SR. II, 1 § 713), foiüic
(jortnädfigc SBerrocigcrung bcr c^clid&en 5ß^id^t (uergl. oben S. 577). Gö mag
femer jujugcben fein, bofe, roenn man Icbiglid) bie Statur bet Gf|c als cincö
3W^ttDerbfiftmffcö inö Slugc fafet, bie rein iuriftifd&e ©ctrad&tung nid^t über
icncö ?ßrinäip l^inouö fül^rt. OTein gegen bie Sefd^ränfung auf biefeö ^ßrinjip
follt entf^eibenb inö Oeroid^t, baft basfetbc bcm g'cttenbcn 3led>te unb bcm
Sebürfnijfe beö praftif(|en fiebenö nid)t genügenb 9ted(inung trägt, jumal mä)
bem ßntrourfe bie Qa^l ber abfohlten @(|eibungögrunbe nur eine fel^r bc*
f^ronfte ift. Snöbefonbere werben burd^ jcneö 5ßrinjip biejenigen t)on bcn
mciftcn neueren ®efe|gcbnngen unb überroiegenb aud^ uon bcr gemeinrcd^t^
{id^en $ra^id alö Sd^eibungögrünbe anerfannten %&Ut nid^t umfaßt, in
welchen ein G^egattc wegen 33erbredf)en ober SBerge^en, roeld^e er nad^
6(^Iic§ung ber @f|c begangen t|at, ju längerer greil^eitöftrafe üerurtt)cilt
ift (oergl. bie ©inleitung oben @. 576). ©benfomenig fallen unter Jencö
^rinjip fold&e gäKe, in meldten ein ©tiegatte fid^ fonft cineö el^rlofen ober
eineö unftttlic^en SBer^altenö fd^ulbig mad^t, j. S9. burd& bie ©rgreifung cincö
fd^impfüd^cn ©ewerbcö, burd& unoerbefferlid^e S^runffud^t u. f. \o. (oergl. preufe.
%2.3t.n, 1 §§ 707—710, 695; nürnb. (g^efd^eibungöorbn. 5«r. 29, 36, 38;
flot^-e^egcf. §§ 105, 112, 124, 128; f d&marjb. f onberö^. e^efd^eibungögef. § l
»r. 4, § 2 9lr. 8—10, 15, 16; franff. @ef. § 15 5«r. 6; fäd^f. ©. ». §§ 1733,
1734). ©ö ift aber, wenn man biefe fittlid^e Seite ber (S^e inö Sluge fafet,
nidfi ju oerlennen, bag ein @^egatte aud^ burd^ unfitt(id()cö ober cI)r(ofcö
Ser^alten, inöbefonbere burd^ cnte|renbe 33crbredf)en ober 33ergel^en, weld^c er
Hoc^ 3(^(iegung ber @^e begangen l^at, eine fo tiefe 3<^i^^üttung beö e(;elid^en
Scr^öltniffcö ^erbeijufü^rcn termag, ba^ bem anberen ©Regatten bie gort*
fejimg einer fo innigen ©emeinfd^aft, mie ber ef)e, nid&t jugemutl^et merben
fttnn. 93er(e|t ber ©begatte in fold^en gäHen aud& birett feine auö bcr G()e
f[ie§enben 9ied&töpfKd^ten, fo legt er bod^ burd^ ein fold^cö SSer^aften gegen*
über bem onberen ©Regatten eine mit bem SBefen ber ©^e nidfit t)ereinbarc
Sieblofigfdt unb SRüdEfid^tölofigfeit an btn SCag. S)aö ^ßrinjip beö § 1444
fü^ im SBefentlid^en ju bemfelben SRefuItate, wie bie 93eftimmungen ber
preufe. ©ntmürfe über (Sljefd^elbung. 3)ie Icfeteren unterfd^eiben fid^ in ber
^ouptf ad^ nur baburd^, bag fie bie einzelnen auf liBerfd[)u(bung bcrul^enbcn
tefotioen ©d^eibungögrünbe fpciialiftren unb bei biefen bie älnalogie beö
©^ru(^ed unb ber böötid^en S3er(affung in ber äBeife Dcrmertl^en, bag
4ie relatioen ©d^cibungögrünbc nur bann jur Sd^eibung fül^ren foBen, roenn
bun^ bie S^ulb beö 93eflagten bie ©i^e in nid^t minberem ©rabe alö burd^
<S^ebrud^ ober burd^ böölid^e SBerlaffung jerrüttet morben ift, S)ie herein*
iie^ng bicfer beiben ©d&eibungögrünbe jum 3«^^^^ ber SBcrgfei^ung ift aber
beffer ju oermeiben, ba, wenn man bei benfelbeu baö entfd&eibenbe ©ewid^t
barauf Icßt, bag burd^ biefelben bie Sluöfd^Uefelid^feit bcr ©efd^tcd&tögcmein*
fd^ untoieberbringüd^ jerftört be}n). baö el^eßc^e 3ufammcn(eben cigenmäd^tig
vnb burd^ bofen äBiQen ücr^inbert wirb, bie ä(na(ogie, wie bereitö oben
€. 594 hervorgehoben mürbe, für bie anberen Sd^eibungögrünbe nid)t pagt,
joioett aber bie ^ereiniieljnng jener Sd^eibungögrünbe jum Qvotäc bcr SBer-
3S*
596 ©(Seibung. ^^rcummg u. 2i|d& lu Sctt. Clausula generalis. § 1444.
glci^ung auf bem ©cbonfcn beruht, bafe bcm anbcrcn ^()cUc mit SRüdfic^t
auf bic obicttioc Sdjtucrc bcä Sdjeibungöflrunbcö unb baö bei bemfctbcii ju
J^age trctcnbc ÜKafe bcä fubiettiocn SBcrfd^uIbcnö bie gortfefiung bcr 6^c enU
fdjiulbbavcrrocifc uncrträgUdd geworben fein mufe, biefer (Sebanfe burd^ bic im
§ 1444 erfolgte ^räsifirung beö ^ßrinjipeö flarer unb bireftcr jum Sluöbrurfe
gelangt.
Stus bem ^rinjipc bcr 3leIatioität, roie baöfclbe im § 1444 3Ibf. 1 nd^er
pröjifirt ift, ergiebt fid^ oon felbft, ba^ bcr di\(i)kv bei ber ©ntfd&eibung ber grage^
ob bie @^e aud^ vom fubieftioen Stanbpunfte bed flagcnben ©Regatten aud ob
eine jerrüttcte anjufeljcn ift unb bem legtercn bie gortfc|ung berfelben nx6^i ju-
gcmut^et merben famv namentlid[) aud^ fofd^c ^l)atfac{)en ju beräcfftd^tigen f)at,
au3 welchen Ijeroorgeljt^ bag bcr {(agenbe (Sl^cgatte ber baS Siedet ber Sd^cibung
an fxd) begrünbenben ^anbhmg jugeftimmt ober fic^ ber ^^eiina^mc an
bcrfetben fd)ulbig gemad|)t ^at. S)as ^ßrinjip bcr SRcIatioität mad^t in Änfe^ung
bcr unter bie Seftimmung beö § 1444 Slbf. 1 faUcnben Sd^eibungögrünbe
eine bcfonbere 83eftimmung, wie fie im § 1441 3lbf. 2 im ^inbtirfe auf bie
im § 1441 3lbf. 1 bescic^netcn abfofuten ©c^cibungögrünbe getroffen roerben
uiufetc, entbeJ^rlid^. Slnbererfeitö bcbarf cö aber aud) nid(|t ber befonbercn ^cr-
Dortiebung, baß baö 9lcd)t eines ©Regatten, megen eines unter § 1444 3Cbf. 1
fallenben Sd^eibungsgrunbes bic @d|)eibung ju uerlangen, baburd^ nid^t aus«
gefc^toffen mirb^ bag bem anberen ©Regatten ein gleiches Siedet jufte^t;
benn bie 3u^äff^9'^^i ^^^ jtompenfationSeinrebe fegt wegen i^res pofitiDcn
ÄarafterS eine bcfonbere Scftimmung voraus, in ©rmangelung einer fotd^en
ift ba^er biefe @inrebe unjuläfftg. S)ie ©rünbe^ meldte ben Entwurf beftimmt
Ijaben^ biefe (Sinrebe auc^ bei bcn abfoluten Sd^eibungsgrünben nid^t }u ge»
ftatten, jtnb bereits in ben SMotiDcn ju § 1441 oben S. 585 ff. bargelegt. 3n*
bcRen fann ber Umftanb, bafe and) ber Älögcr feinerfeits fid& einer unter
bcn § 1444 fallenben ^anblung fd^ulbig gemad^t ^at auf bie ^urt^eilun^t
ber 3i*l*ffiflf<^it ^^^ ©djcibung infofem pon Ginflufe fein, als bas eigene
fc^uIbDoUe äScrl^aUen bcs Klägers unter Umftönben bm Sd^lug red^tferttgea
toirb, bag bie ber £(age ju ©runbe liegenben S^^atfac^en, oom fubietttoen
Stanbpunfte bcS 5llägerS aus betrachtet, nid^t geeignet ftnb, feine e^eßc^e @e^
finnung ju jerftoren unb il^m bie ^ortfcgung bcr &)c unertröglic^ ju mad^.
»efonbei^ 33on bcu uutcr bas ^rin}ip bes § 1444] faUenben Sd^eibungSgrünben
flelXne ^^^^^ ^^^ ©utwurf mit SRüdric&t auf baS befte^enbe 9led^t unb auf bie praftifd^
m^' SBid^tigfeit a(S befonbers bc5cid^nenbc gälle einerfeits fd^mere 3ßigl^anb(ungen^
anbererfeits bie SBegel^ung eines cntel^renben SBerbred^enS ober SScrge^end
l^eroor. @elbftt)erftänblid) ift baburd^ nidjt auSgefd^Ioffen, bag unter Um»
ftänbcn bic Sd^eibung nad^ SJlaggabe bcs § 1444 aud^ wegen einer ni^t
fd^wcren 9)Hgl^anbIung ober wegen eines nid^t ente^renben SSerbred^enS ober
33crge^enS julöfftg fein fann.
älbwcic^enb mn ben neueren ©efeggebungen legt übrigens bcr § 1444^
fooicl bie Sc^eibung wegen eines nad^ @ingel^ung ber @l^e pon einem S^
gatten begangenen SBcrbrcc^cns ober 9}ergcl[|cns betrifft, bas entfcfteibcnb«
®cwid)t nid()t auf bic 93crurtl^eihtng ju einer beftimmten ^i^eitsftrafc ober
jum 33crlufte bcr bürgerlid)en ©^renred^tc, fonbern, entfprc^enb ber ratio-
@i6«bunG. Srcnmiug v. Xifd& «. S3ctt. Clausula generalis. § 1444. 597
bicfcft Sd^cibunflögnmbcö , aaf bcn tl^atffld^fid) cntel^rcnbcn Äarafter bcr
$onbfuug irnb bic biivdj bic [entere on bcn 2;ag trctcnbc eljrlofc Oefinnung, iia
üorjugsrocifc biefc aKomentc cö ftnb, votläje bcm anbcrcn ©Regatten bie %oxU
fe^ung bcr 6f|c uucrtrclglid^ mad^cn fonncn (ocrgl. rocgcn beö Sluöbrucfcß
;,cntc]^rciibc S8crbrcd&cn ober SSergclien" ©cf., betr. bic Grrid^tung eines oberftcn
©erlc^tö^ofcd für ^anbctefacf^en, v. 12. 3uH 1869 § 23; ®. 9}. ®» § 128).
iJiegcn bic SSorauöfclungen cineö rclatiDcn ©d)eibungögrunbcö nad) SJiafe* «oröängige
jQbc bcö § 1444 Sttbf. 1 uor, fo foll bennod) bcr anbere ©ficgattc rcgelmSfeig ^"25*^»^"
ima^)i nur bic S^rennung von 2;if(| unb S3ctt ju ücrlangcn bcrcd^tigl fein.
€d ftc^t biefc SScftimnmng mit bcr 9lctatiüitöt bcr ©d^cibnngögrünbc in engem
3ufQmmcn(;angc. S3ci ben rclatiocn ©d^eibungögrünbcn ift bie ©od^tagc Ijäufig
eine folc^e, bQ& bem Magcnbcn 3::^ei(c naä) bcn SSerJ^äftniffcn, wie fic gegen-
loörtig liegen, bic gortfeftung bcr Gf)c nid^t jugcmutfjet werben fann, bic :&offnnng
«uf öcrfteHung beö cficUd^cn aSer^ältnitlcd jcbod) niä^t anögefd^Ioffcn ift. giir
bicfe ^öUc bietet baö Snftitut bcr jcitmeiügen Trennung üon ^ifc^ unb SJctt
ein paficnbcö 2luöfunftßmittcf, tl^cilö tim bcm unfd^ulbigen 2^^eile injwifdjen
Sd)u6 gegen ben anbcrcn ©Regatten ju gcn)Sl;rcn, t^cilö um ju ücrfiinbcrn,
büß in fold^cn gällcn, in rocldjcn bie Sluöpci&t ciuf ^erfteUung beö c^clidjcn
Ser^dltnijfcö nid^t auögcfd^foffcn ift, bic fofortige ©d^cibung erfolgt. Sencö
Snftitut fonn and^ feineßmegö im .^inblidc auf bcn § 580 bcr 6. 5ß. D. alö
cntbcörlic^ crad^tet mcrben. 9Bal)renb bcr § 580 bcr 6. % C. bem 3tic^ter nur
bie Sefugnig giebt, bie Slußfcfeung beö aScrfaljrcnö anjuorbnen, mcnu er bie
3[usfa^nung bcr Parteien für nic^t unroaJ^rfdjeinnd^ eradE)tct, gemährt bcr
§ 1444 bcm Älögcr baö Steigt, ju ocriangen, baf^ nid^t fofort auf ©d^eibung,
fonbcm junäd&ft auf jcitwciligc Trennung oon S^ifd^ unb 39ett er!annt werbe.
S>iefe& 3lcd^t bem Äläger einzuräumen, entfprid&t cincrfeitö bcm eigenen 3ntcrcjfc
befl ftfagcrß, menn bcm Icfetcren jur S^xt baö 3u^ninienlcben mit bcm anbcrcn
G^egotten unerträglid) ift, er aber nod) bic «Hoffnung bcr 3luöföf)nung I)egt,
anbercrfeitß bem offcntlid^en Sntcrcffc an tl)unlid)fter 3lufred^terl^altung bcr
<S6en. 9Iud^ infofern bcftcfjt ein Untcrfd^ieb jroifd^cn bem Stanbpunfte beö
€ntrourfcß unb bcm § 580 bcr S. ^. D., alö bcr erftcre baoon auögcöt, baß
regetmöfeig in bcn gäUcn beß § 1444 junäd&ft auf jcittociligc S^rennung oon
J'ifc^ unb Sett crtannt mcrben folf, mäfircnb bcr § 580 bcr 6. % 0. in biefer
^infi^t auf einer anbcrcn Slufd^auung beruht. SBcnngtcid) fid) nid)t bcftrcitcn
lößt, ba| mit bem Snftitutc bcr scitmciligcn I^rcnnung üon 3:if(f) nnb 93ett
aviii gtofec ÜJliBftänbc uerbunben fein tönneu, unb mcfentlid^ ouö bicfcm
Örunbc bcr Gntrourf 9lnftanb genommen l^at, bic jeitmciligc Trennung uon
Jifc^ unb 93ett neben bcr ©Reibung alß eine fclbftänbige äftafercgcl anjuerfenncn
unb auf bie abfolutcn ©dicibirngsgrünbc auösubcl^ncn (ocrgl. bic Cinicitung
oben 3. 579 ff.), fo finb bod) bei bcn rclatiocn ©df)eibungögrünbcn bic öeroor-
gehobenen mit jenem Snftitutc uerbunbenen 3[}ort()eiIc alß übcriuicgcnb anju^
fcften. S)05U fommt, baft bic f)icr fraglidjcn Seftimmungen aud^ feincöiocgö
bem gcltenbcn 9lcd)te gegenüber burd^wcg eine 5Rcucrung ent()altcn, fonbern, mie
bic oben S. 578 ff. gegebene Itcbcrfid^t beö beftct)cnbcn 9tcd)tcö ^eigt, an gfeid^e
ober bod^ S^nlid^e benfclben 3"^^^^ uerfolgcnbc SSorfd)riftcn t)crf(f)icbencr neuerer
®efc|c (ücrgl. anä) fc^rocij. 53b. (Scf. u. 24. S)c5cmber 1874 3Irt. 47) anfnüpfen.
598 S(6cibunö. 3^rnmunfl i\ Sifd^ ". ffictt. Clausula generalis. § 1444.
©oforiifle Sliif bcr onbercn Seite würbe cö mbcffeti ju tocit gc^eu, wenn man naä^
©«^ibung. ^^^^ gsorbllbc bcr prcufe. eutroürfc über (S^efi^eibungcn oon 1844 unb 18o&
beftimmcti luoQte, bag in ben ^fillcn bed § 1444 unbebingt }unöd^ft auf idU
roeiügc ^^rcnnung uon 2:ifd) unb S3ctt ju crfcnncu fei. S)ad ^rinsip bcr
9lclQtii)ität f üljrt uid^t ju einer f old&cn Scftimmung ; üielmel^r ift cft prin jipiett
gerechtfertigt, bie fofortige Sd^eibung bann jujulaffcn, wenn bcr Slid^tcr bic
Ucberjeugung gewinnt, ba^ naä) ben Umftänben bcd ^alleö bie äludfic^t auf
^erftcQung bcd e()elid^cn SBer^ältniffeö audgefd^lojfeu ift. 2)ag folc^e ^De oot^
liegen fönnen, ift nid^t ju beftreiten. 3n fold)cn gciDen würbe aber bic jeit^
weilige 2^rennung uon 2^ifd) unb 83ett, von ben i)ermogendrcc^tU(i^cn 33cr^ält?
niffeu ber ©Regatten abgefc^en, nur bie Sebcutung cinefi 33crbotcö bcr 8Bid)cr?
ücrf)eiratf|ung auf gewiffc 3cit ^aben. S)aju tommt, bafe nac^ bem ©ntwurfc
bic Qaffl ber abfolutcn Sd^eibungdgrünbc gegenüber bcm gc(tcnben Siedete
crf)cb(id^ befc^rfinft ift unb cö aud^ aud biefcm @runbc ald bebentlidb erad^tet
werben mufe, bei ben relatiocn ©d^eibungögrünbcn bic aÄöglid&!cit fofortigcr
Sc{)eibung o^ne }wingcnbc praftifd^e ©rünbc gänjUc^ aud}ufd^Iicgcn. 9lud^ bie
bejei^neten preug. Entwürfe ()aben infoweit nid^t bic Billigung bc0 älbgeorb«
ueten^aufcÄ gefunben, unb in ben fpätcren ©ntwürfcn t)on 1859 unb 1860 ftnb
bic Seftimmungen ber früfjcrcn ©ntwürfc über bic oorgängigc 5citn>ci(igc
Trennung uon Sifdd unb 93ctt übertiaupt wcggc(a$fcn.
!Eie, namenttidö auf bem Oebiete bcö gemeinen Sicd^tcd, ftreitig geworbene
gragc, ob, wenn ber Äläger nur bic ©d^eibung beantragt bat, bcr SKd^ter ftatt
bcrfclbcn aud^ von älmtdwegen junäd^ft auf icitweiUge 2^rcnnung oon Stf(^
unb Sett crfcnnen fann (ucrgl. barfibcr Seuffcrt VII, 325, XIX, 98, XXII,
244, XXIV, 244; ©ntfd^. b. SR. ®. in SiDiff. XI, 110), bebarf einer bef onbercn
gcfcfilid^cn ©ntfd^cibung nid&t. 9luö bcr gaffung bcö § 1444 2lbf. 1 ocrb. mit
§ 1440 3lbf. 3 ergiebt ftc^ mit genügenber ^cutUd^teit, bag auf zeitweilige
S^rennung oon 2^ifc^ unb 93ctt nur bann crfannt werben fonn, wenn ber
5l(äger bied verlangt I)at. @3 entfpric{)t bied bem @eftd^tdpuntte , ba§
bie icitweiligc S^rennung von Xi\6) unb S3ett, Ijingcfe^cn auf bic mit bcrfclbcn
ücrbunbenen bcfonbercn SBirfungen (§§ 1459—1461), in bcr S^^at nic^t ein
3)Unuö bcr @d()eibung, fonbcrn etwaö baoon fad^lid^ gau} 93crfd^iebcncd ift.
»emmmuii0 ^lüd) § 1444 3lbf. 2 ift bie 3^1* i>cr 2:rennung oon 2:ifd^ unb 89ctt in
irenwuHÄ«. ^^^ Urt^citc }u bcftimmcu. S8on einer rid^terlid&cn Seftimmung bcr ä^rcnuungd»
5«it jcit ganj abjufcl^cn, nad) Slbtauf einer gcfcftlid^ beftimmtcn grift aber bcm
im Urteile, ^j^^^ ^^^^ ^^^ aubcrcu (S^cgattcn bie Sefugnife ju gewäbren, bic gortbaucr
bcr Trennung üon 3:^ifd^ unb Sctt burd^ ben Eintrag auf Sd^eibung ober auf
c^erftellung bcö el[|clid(ien Scben« ju bcfeitigen (ocrgl. code civil SSrt 306, 310;
franj. e^efd^eibungögef. u. 27. 3uli 1884), empfiel&tt fid^ nid^t. Sem ^rinjipc
ber SWcIatipität entfprid^t eö mel;r, bem SRid&tcr bie äRoglic^fcit ju geben, bic
Trennung t)on 3::ifd^ unb 93ctt je nadj Sage bcr Sad^c innerhalb cincö gcfe^lic^
beftimmtcn SRa^imum auf eine längere ober {ür}crc 3<^H audjufprcd^en. 9lu^
im Sntcreffe ber 5ßarteicn ift eö gelegen, wenn bic S^rcnnungöjcit im Urt^cilc
bcftimmt wirb unb fic barauf Ijingewicfcn werben, bag fie fid^ banac^ cin^
Juristen Ijabcn. gcrner fommt in Setrad^t, bafe t>tn meiften neueren ©efefts
gcbuugcu, foweit bicfclbcn baö Ijier in 9lcbc ftcljcnbc S^ftitut überhaupt auf*
S^ribuiiö. Xrcnnunö ^'. ^fifd^ u. Sctt. Clausula generalis. § 1445. 599
genommen Ijobcn, eine S^renuuug von ^ifd) unb 93ctt auf unbcfttmmtc 3cit
uübcfannt ift unb axiä) in ben ©ebicten bcö gemeinen pvotcftantifd&en ®^crcd)tcö
bte 2:rennung nur auf beftimmte 3^^* auögefprod^cn äu werben pff^O* (J^ergl.
f(^iwirjb.fonberöl^. G^efd&cibungögef. §5; nürnb. (S^cfcbeibungöorbn. 3lx\ 51;
fä# ®. 35. § 1755; fd&mcij. S3b. ®cf. v. 24. ©cjember 1874 2lrt. 47; femer
bie prcu§. ©ntroürfe über ß^efd&eibung üon 1844 unb 1857). Sehern würbe
cd mit ben ©rünben, aus welchen baö Snftitut ber beftänbigen S^rennung uon
2rif(^ unb 33ett leine Slufnal^me gefunben bot, nicbt im einflonge fteben, eine
Trennung uon Xx^ä) unb Seit auf unbeftimmtc 3cit in ber 3lrt ju geftatten,
büB bie mdf ben §§ 1459—1461 mit ber burd^ Urtbeil außgefprocbenen
ä^rennung von Jifd^ unb 33ett uerbunbenen gefefetid^cti SBirfungeu fo lange
fortbauern, bis bie Q^t bemnäd^ft gefd^ieben ober bie I)öudUd(ie ©emcinfd^aft
loicbcröergeflettt ift (uergl. in biefer ^infid^t bie aJlotiüe ju § 1459).
3n 33crüdfjid)tigung ber mit ber jcitrociUgen 2:rcnnung ton X'\\ä) nnb SuWffVie sett
Sett nid&t feiten uorbunbenen mirt^fd^aftlic^en 9lad^tbeilc barf bie a^rennungö**^^^"""""®"
jeit ni^t ju weit auögebcbnt merbcn. 3m § 1444 5Kbf. 2 ift beöb^ilb im Sln^
Wluffe an bie in ücrfc^iebenen gemeinred[)tUd)en ©ebietcn befolgte 5ßrariß, an
ben preufe. ©ntro. v. 1844 unb an baö fd^rocij. 83b. ©ef. u. 24. ©ejcmber
1874 3lrt. 47 bcftimmt ba§ bie S^rcnnung üon 2:ifd) unb Sett nid&t über jmei
3tt^re crftrcrft werben fann. 9lid^t aufigefd^toffen ift iebod^, ba§ ber Stid^ter
geeignctenfaDö fd^on Dor bem ^rennungdurtbei(e^ ebe auf bie ^ai)c näbcr
eingegangen wirb, oon ber i^m burd^ § 580 ber S. 5ß. D. gewährten ^e^
fugnift, bod 33erfal^ren aufijufefeen, ©cbraud^ mad^t. 3ft bie im Urtbeilc
beftimmte J^rennungfiieit abgelaufen, fo fann nid(|t — wie bieö von ber gemein*
rcd^tli^en 5ßrarid t)ielfad6 für juläfftg eradbtet wirb (oergl. barüber Urtb. b.
31 @. bei Renner unb aWetfe II, 181) — t)on Sleuan auf J^rennung oon Xx\d)
unb Sett erfannt werben, anä) bann nid^t, wenn bie in bem Urtl)eile beftimmte
Srcnnungöjcit auf eine fürjere 3^^* ^^ö jwci Safere feftgefefit war unb fid&
nac^ ber je^igen Sage ber (Sacbe als 5U furj bemeffen bcrauöftellen foDte; vkU
mebr fommen nac^ Stblauf ber im Urt^eile beftimmten SE:rennungdäeit Icbiglid^
bie Seftimmungen beö § 1445 jur SInwenbung. 6iu Sebürfnife, nad^ 9lb(auf
iener 3^it eine (Erneuerung ber S^rennung ate bloged 3(udföbnungdmitte( nod^
inforoeit jujulaRen, atö bie erftere fid^ auf baö SJlarimum ber jwei 3al^re
niibt erftrcdt ^ai, ift im ^inblide auf ben § 580 ber 6. ^. D. nic^t an*
juerfennen. 9Iudb würbe eine neue S^rcnnung i)on Xx\i) unb 33ett nad& aSafe*
gäbe beö § 1444 mit ber im Uebrigen von bem (Sntwurfc fcftgcbaltenen 9tuf*
Mung bcö 2;rennungöurtbeifeö a(ö eines bebingten Scbcibungöurtbcilcö (oergl.
bie ajlotioc ju § 1445) nid^t im ©inflangc ftcljen.
§ 1445.
Sic Seftimmung beö § 1445 9lb|. 1 bcvubt auf ber 9tuffafjung, bafe ä*'*''**^ ^**
baö auf ©runb beö § 1444 erlaffcnc ^rcnnungöurtbeil materiell bie Scbeutung ^7««"«*'
cineö bebingten Sd|)eibungöurtbeitcö t)at. S)urd) boö J^rennungöurtbeil wirb
ha& Sorbonbenfein eineö xxaö) SDiafegabe beö § 1444 bie Sd^eibung bcgrünbcnben
telatioen Sd^eibungögrunbcö rcd^töträftig feftgeftcllt. Sßenn trofebem junöd^ft
' 600 ©dftcibunö. Srcnnunö t^ £tf4 u. Sctt. Clausula generalis. § 1445.
ouf S^rcnnung Don S^ifd) unb 93ctt crfannt wirb, fo gcfd^ic^t blcö nur in
©rroartung bcr 9liiöföl)nung ber Parteien. 6rfüIIt fid& bicfc ©rroartung iti^t
fo fann bcr ©begatte, rocld^cr baö 2;rennungöurt^cil crioirtt ^attc, nunmehr
im SBcge einer neuen Älage auf ©runb beß ^rcnnungöurtl^eilcö unb bcfi
Slbtaufcß bcr Si^rennungöjeit fofern nid&t etroa ba& 9lcd}t ber ©dficibung no^
SKafegabe beö § 1446 burd) aSerjeil^ung ober ouf ©runb bcß § 576 ber e. ^. D.
burd) ^Präflufion auögcfd&Ioffen fein foUte, bie Sd^eibung bcr 6l^c üerlangen.
6ine onbcre 9luffaf|ung bcö auf Onnxb eines relatiüen Sd^cibungögrunbcfi
ergangenen S^rennungöurtljeUcö liegt ben preufe. (Sntroürfen iiber bie S^cfd^cibung
t)on 1844 unb 1856 ju ©runbe. 3^^^ ^^^ ^^^ ^^^ ^i^fcn ©ntioürfen ber
G^egatte, weld^cr baö a:rennungßurtl^ei[ erroirtt l^atte, nad& 9lb{auf bcr
2^rennungöjeit auf Sd^eibung anh'agen. Snbeffen fann er bie ©d^eibung
auf ®runb iencs Urt^eilcö nid|t unbebingt nerlangeu, Dielme^r foD bcr Slid^ter
nadö beut gcfommten Snbegrlffe ber früheren unb ber ießigen SBerl^anblungcn
unb 33croei|'e unter ScrüdEfid^tigung aDer neu Dorgebrad^ten, für bie grage,
ob bie ©Ijc ju fd&eibeu, cr^eWid&en S^^atfad^cn uon 91eucm barüber crtcnnen,
ob nunmefir bem Slntrage auf ©i^efd^cibung ftattjugebcn fei. S)aö ^^rcnnungö-
urtl)ei( l^at mitfiin uadE) ben gebadeten entwürfen in 3(nfc^ung ber in bcr
Älagc geltenb gemad)tcn, alö erl^ebUd& bcfunbcnen relatiocn ©d)eibungögrünbe
jroar nid)t formcB, aber materiell ben Äarafter einer projefetcitenbcn 9Scr*
fügung, bem 93cfd(|Iuffe Dcrgleid^bar, burd) roeldöen baß ©eric^t auf Orunb beö
§ 580 bcr ß. ^. C bie Slußfefeung beß SBcrfal^renß anorbnct, unb erfd[>cint
bcr nad^ 3rblauf bcr 2^rcnnungß|icit oon 9Jcuem anljängig gemad&tc ©d^eibungfi«?
projcfe infomeit nur alß eine gortfefeung bcß frü[;ercn ^^Jrojcffeß, in roelc^cm
baß Urtljcil ergangen ift. 9luf bcr anbcren ©citc bel;anbcln inbeRcn jene
©utmürfc baß in bem früljcrcn 5ßroje?)c ergangene Urt^eil infofern au4
materiell roic ein Urtljeil, alß fic baneben beftimmcn, ba§ bie t^atfoc^lid^n
geftftcUungcn bcß S^rennungßurtl^eifcß aud^ für baß neue SSerfai^ren als rcd^tß*
fräftig fcftftcljenb angefcljcu werben foBcn. 6inc S3eftimmung ber le^tcrcn Srt
fann für baß bürgcrtid)c ©cfcgbud), abgefeljen baoon, ba^ burdj biefelbc baß
a:rcnnungßurt^cil eine eigcnt^ümlid)c ©oppclnatur gcminnt, fd^on bcß^alb
nidfit in gragc fommcn, loeit nad) ben SBcftimmungen ber 6. % C nic^t
2;ijatfad^en, fonbern nur 3(nfpriid(|c bcr 9lcd)tßfraft fä^ig fmb. 9l6er a\i^ im
Ucbrigen uerbient bie bem § 1445 3lbf. 1 ju ®runbe liegcnbe 9luffaffung beö
2^rennungßurtf)cilcß, meiere an bie in bcr Einleitung oben ©. 578 ff. crroölintc
unb in bcr altenb. S^corbn. § 242 jur 3lncrfcnnung gelangte ^ra|iß in wr«
fc^iebencn ©cbicten beß proteftantifc^cn eijcred^teß anfnüpft, unb einen SSor*
gang in äl)ulidöcn Seftimmungen bcß franj. 9ted[)teß ^at (code civil 9lrt, 310;
franj. e^cfd&eibungßgcf. o. 27. 3uli 1884; ocrgl. auc^ ^efj. entio. airt 115),
üor bem oon ben prcufe. ©ntroürfen in bcr l^ier fraglid^cu Scjie^ung eim
gcfd)Iagenen SBegc entfdbicben ben SBorjug. ©ß ift jmar jujugebcn, baß biefa
9Bcg bem Sntereffe bcr 9lufred^terl}altung bcr ©fic infofern in größerem
Umfange Slcd^nung trägt, alß nad^ bemfclben ber 9ii^ter in ber üagc ift, in
bem neuen ^ßrojcRc foId)c in bcr Sn^ifd^enjeit jmifc^cn bem itrennungöurt^cUc
unb bem neuen ^roscffc in ben Sßcrljältnificn bcß flagcnben ober bcß
bcflagtcn 6(;cgattcn eingetretene 9tenberungen ju berüdfftd)tigen, welche für
©(Jdbunfl. Jrcummö l\ itifct u. Seit Clausula generalis. § 1445. '601
bte Seiirt^eihmg ber grage oon SBcbeutunc) fein fonncn^ ob bie Qf)t von bcnt
fubjeftioen Stanbpunftc ber @^cgatteii awt noä) gegentofirtig ate eine jerrüttctc
erf^int 3nbcRen fann borauf crj^cblid^eö ©emid^t nid)t gctcgt werben, 3n
ber großen SOte^rjatif ber gfiQe l^anbelt eö ftd^ bei ber t)on ben preug. ©ntmürfen
Dorgef^Iogenen @efta(tung bed SSerfal^rend nur um bie nod^malige Prüfung
unb (Snifd^eibung berfelben ^S^agen, welche bereitd in bem ^rennungöurt()ei[e
entfd&iebcn roorben ftnb. S)ieö fü^rt aber ju einer unongemcRenen SJeroiet
föltigung unb SSerlöngerung ber 6Hd)cibungöprojeffe unb ftc^t mit ber 9latur
bcd Xrennungdurt^eileö ate eined loirflid^eu Urtl^eiled nid^t im (Sinflange. 2)er
Stanbpunft ber preug. @ntn)iirfc ift axiä) um beßiuillen bebenflicE), n)ei( berfelbc,
fooicl bie 9(nträgc auf 2^rennung üon S^ifd^ unb Sett betrifft, ju einer (arercn
^rofiö ber ®erid)tc SSeranlaffuug geben fann.
SGBenngleidjl boö a:rennungöurt^eil materiell bie 83ebeutung cineß be*
bingten ©ci^eibungßurtbeilee ^at, fo ftcHt ber Slntrag auf Sd^eibiing naä) ÜKafe-
gobc befi § 1445 2lbf. 1 fid^ boä) atö eine neue, auf baö S^rennungßurtljcil
unb ben SKblauf ber S^rennungöjeit fid) ftüfeenbe ©d)cibungöMage bar. S)arauö
folgt inöbefonberc, bafe ber festeren nad^ 5Diafegabc ber Scftimmungen ber
§§ 570 ff. ber 6. ^. D. ein ©üljueocrfud^ üortjergeljen mufe.
S5a nur bcmjlcnigen G^egatten, roefd^er ba& S^rennungfiurti^eil ermirft Ijat, e*«i»>ung«»
ein materieller ©d^eibungögrunb jur Seite fielet, fo legt ber § 1445 audfi nur o^nb^b!«
jenem ©Regatten baö Siedet bei, auf (Srunb beö SCrennungfiurtl^cifeö nad^ Stblauf *JJ"""j"f '
ber Jrennungöjcit bie Sd^eibung ju tJerlangen. ©em anberen ©Regatten,
bem ScKagten, in 9lnlel)nung an ä^nlid^e S3cftimmungen beö franj. Stcd^tcö
(code civü 3lrt. 310; franj. e^efd^eibungögef. v. 27, 3uti 1884; cergl. aud)
bcff. Gntro. 9lrt. 115; altenb. Gf)corbn. § 242 unb über bie frül^ere furbeR.
^rariö oben ©. 578 ff.) ein gleid^eö 9(ed&t cinjuräumcn, mürbe über ben
Svocd ^inauögeben unb baö Äed&t beö Äfßgerö, einfeitig aud6 gegen ben
Sillcn beö 93et(agten bie äBirhtngen beö ^rennungöurtbeilcö alö eineö be^
bingten Sd^eibungöurtbeilcö burd^ SBerieibung ju befeitigen (§ 1446), am-^
f^Iiefeen. äud^ uon bem ©efid^töpunfte auö, bafe bie ä^rennung non Sifc^
unb Sett im praftifd^en 9iefultatc nid^t ju einer beftönbigen SCrennung von
Xifd^ unb 93ett fübren bürfe, fann ein SBebürfnife, bem SeHagten nad) Slb-
lauf ber a:rennungöjeit ein SRcd&t auf ©c^eibung beijulegen, nid^t. ancrfannt
werben, ba bemfclben nad^ Slbtouf jener 3^^* baö 3ledöt juftebt, bie ,^er*
flellung beö ebelid^en Scbenö jit oerfangen (§§ 1459, 1272, 1273). S)cr Äfagc
auf ^erfteDung beö ebelid^en 2cbenö gegenüber fann aber ber anbere ;j'()ei(
ben ©d^cibungögrunb, meld^er ju bem S'rcnnungöurtljeile gefiltert t}ai, im
®egc ber ©inrebe nid^t geltenb mad^en, eö fei benn, bafe jener Sdjcibungö^
grunb auf einem foId)en nod^ gegenroörtig fortbaucrnben fdE)utbDoUen 5Ber^
böltcn beö flagenben ©Regatten beruht, roeld^eö nad^ ben allgemeinen ©runb^
fäfccn (§§ 1272, 1273) bie ©inrebc ber Sicblofigfeit bcgrünbct (ücrgl. ©ntfd).
b. 31. ®. in GiDitf. VI, 37, XVII, 50, 97, XVIII, 46 3. 228 ; (Srud^ot XXX
S. 851 ff.). S3eru^t jener ©d[|cibungögrunb Icbiglid^ auf einer in ber SSer-
flangenl)cit liegenben ^flid^tmibrigfeit beö flagenben ©begatten, fo fann ber
anbere 2^^eit gegenüber ber Älage auf ^^erftellung beö ebelid^cn Sebenö nur im
Sege ber SBiberflagc bie Sd^eibung auf ©runb beö Srennungöurt^cilcö ncr-
602 S^eibunö. SErennung i\ Jifc^ u. Sctt. 2lii3fc6I{c§uno. § 1446.
(srwf^en M iQiigcii. Unterläßt er bieö unb ift er auf ©runb ber uon bcm anbercn QffCf
* IX«^*' gattcu er()obenen Älage jur |)erftenung beö c^clid^cn Scbcnö rcd^töfräftig ucr-
urt^eilt, fo ift fein Mcd^t, auf ®runb befi Sllrennungöurt^eilcfi bic Sd^cibung
^\i verlangen, crlof^en. S)a ^xd) in 3rocifcl jic^cn läßt, ob bicfer ©aß f^on
aud allgemeinen ©runbfägen abgeleitet toerben fann^ unb ba a\x6) bie bc«
fonberc aSorfd&rift bcfi § 576 bcr 6. 5ß. D. bcn Dorticgenbcn gall uic^t umfofet
(oergl. Seuffert XLI, 152), fo ift cö alö ratl^fam crad^tct, jenen Saft auft«
brücfUdf) aufiäufpred^en.
2)ur(j& bie öeftimmung bcö § 1445 Slbf. 1 ift übrigens felbftoerftönblit^
nid)t auägefd^toffcn, bafe berienigc G^cgatte, roeldder bad S^rennungöurt^cil er*
wirft t)at, aud) fd^on vox Slblauf bcr S^rcnnungfijeit auf ®runb eines onberen
in bcm frül)eren ^rojeffe nod) nid^t gcltenb gcmad^tcn Sd&cibungögrunbcö bic
Sd^cibung verlangen fann, fofern ber lefttcrc uidjt nad) 9Ka§gabc befi § 576
bcr 6. % D. prätlubirt fein foUtc.
§ 144«.
9u4f<«ü€iun0 ^ic 93eftimmung, ba^ baö 9led^t auf Sd^eibung unb auf 2;rcnnung oon
foJmvm' ^if^ ^^^^^ ^^^^ audgcfd^Ioffen ift, luenn bcr bercd()tigte @^egatte bie bod dted^t
begrünbenbe ^anblung Der5ie^cn Ijat, fte^t mit bem fat^otifd^en unb bem
gemeinen proteftantifc^cn ©Ijercd^tc unb bcn neueren ©efcftgebungen im ®n*
f lange (ucrgl. ©euffcrt XLI, 113, 192, XLIII, 25; prcufe. 31. S. 91. II, 1
§ 720; nümb. e^ddcibungdorbn. 3h. 48; gotl). e^egef. §§ 79, 80, 101;
altcnb. (S^eorbn. § 200 lit. a, § 262; f d)n)arib. f onberöt). @t)efd&eibungdgef. §3;
fäd^f. ®. 93. §§ 1720, 1728, 1737, 1741, 1744; code civil »rt. 272—274;
bab. S. SR. ©afe 272, 272 a, 273; Ijcff. (gntm. Slrt. 84, 85). S5urd& ben Sft bcr
aScrjci^ung gicbt bcr ücrlcfttc ®l)cgatte ju erfenncn, bafe oon feinem fubjeftiuen
©tanbpunfte aud bie @^e burd^ baö SSerfc^ulben befi anbercn 3^ei(efi ni^t
5crriittct lüorbcn ober bod& ieftt nid^t me^r eine icrrüttete ift. ^amit ifl ber
©runb ber ©djeibung l^inrocggcfallen. S5en SSertuft beö Sd^eibungfircd&tcfi nid^t
an bcn cinjelnen 2ßt bcr SBcrjcil;ung alö fold^en ju fnüpfen, fonbem crft bann
eintreten ju lajfcn, mcnn bie SBerföljnung fid& baburd^ alö eine bauer^aftc er«
wiefcn ^at, ba^ oon bcm bercd)tigten ©Regatten bie Sd^eibungdflagc nid^t
binnen einer bcftimmtcn ^ift nad) erlangter Slenntni^ befi ©d^eibungfigrunbcfi
cr()obcu ift, cmpfict|lt fid^ nid^t, t^eilö im ^inbtidc auf bad geltenbc dled^t,
t^eils im Sntercfjc ber 9(ufred)tcrl)altung ber Qf)c. 3n Slnfe^ung bcr unter
bcn § 1444 fallenbcn ©d^eibungdgrünbc fann bie ^icr fraglid^e 9Birhing bcr
'>Bcrjeit)ung o^ne äScitcrefi fc^on auö bem ^rinjipe bcr diclatioitöt abgeleitet
werben l§ 1444 9lbf. 1). ®a icbod) jener Saß für bic abfohlten Sdn^ibungfi«
grünbc audbrüdüd) beftimmt lucrbcn mug, fo ift cd bei bcr äBid^tigfcit ber
grage im ^»tercffe bcr 2)cutlid^fcit bcö ©cfcfecö, um aJlifegriffcn ju begegnen,
rat^fam, benfelben gauj allgemein auöjufpred^en. 9lud^ in bcm ^Uc beö
§ 1445 mufe bic SScräciljung bcö bcm Jrcnnungöurt^cilc ju ©runbc liegcnbcn
Sd^cibungögrunbcö noc^ gegenüber bcr ^lagc auf Sc^eibung gcltenb gemacht
lucrben fönncn, mit Slüdfid&t barauf icbod^, ba^ icneö Urtljcil materiell ben
@4cibun9. Srcmmng ü. 2iW «• 83ctt. Slugf^ficfeuno § 1446. G03
Äoraltcr cincö bcbingtcn ©d^cibungöurtl^cUcö ^at, mä) 3lnalogic bcö § 68G
ättf. 2 bcr 6. 5ß. D. nur infofern, als bic SBcrjciljung fo fpät erfolgt ift, baij
jic in bctn früheren SRed^töftrcite nic^t me^r gcitcnb gcmad^t werben tonnte.
3ft bogegen bic e^c rcddtöfräftig gefc^iebcn, fo fann eine oor bem Urt^eitc
erfolgte aScrjei^ung, au^ wenn bic lefctere fo fpät erfolgte, bafe fie in bem
St^cibungöproicffc nid^t me^r gcltenb gcmad&t werben fonnte, bem ©d^eibungö«
urteile gegenüber ebenfowenig in Sctrad^t fommen, wie eine erft nac^ bem
UrtJ^eile erfolgte SBerjei^ung. aSBegen ber (Srünbe, auö weld^en baß (Segentl^eil
inftbefonbere quo bem § 686 SKbf. 2 ber 6. % D. nic^t l;ergeleitet werben tann,
wirb auf bic Sttotioe ju §§ 1250, 1251 oben ©. 51 ücrwiefen.
Äuö bcr ratio, joeld^e ber SBeftimmung, bafe bic aSerjei^ung ben SBegfaD ^^^^^^
bcs Sd^eibungörcci&teö bewirft, ju ©runbc liegt, folgt, bafe eö für btn ©intritt
bicfcr SBirhing gleid&gültig ift, ob bem Derjei^enben (gfiegatten bie ®igenfd(iaft ber
oon i^m pcrjie^enen ^anblung ate eines Sd^eibungögrunbeö befannt war unb er
burc^ bie SBerjci^ung ben aSBegfall beö SRed^teö auf Sd^eibung f)erbeifüf)ren
wollte. 33ic SBerici^ung ift ha^tx im ©inne bcö ©ntwurfcö iebenfallfi fein
Scd^tfigefd^äft. Ob im Uebrigen bic SJerjeil^ung einen tcbiglid^ tl^atfäd)Iid^en
Äaraftcr ^at ober aber afe eine SRed^tdfianblung aufjufaffen ift, auf wcld^c bie
8orf4iriftcn über 9leci&tögef(|afte, foweit biefelben paffen, analoge 3lnwcnbung
finbcn fonncn, bcbarf einer befonbcren gefefelidjcn ©ntf^cibung nid^t, fonbern
fann unbebenfli^ ber aBiffenfd^aft unb ^ßrajiö übcrlajfen werben (oergl. @ntfd^.
b. 5». ®. in ßioilf. XV, 34 ©. 167). SDieö gilt inöbcfonberc aud& oon ber
groge, inwieweit bie allgemeinen (Srunbfäjc über bie SBcbingungen auf bie
Scrjei^ung anwenbbar finb unb eine SScrici^ung unter einem 3Sorbef)aIte
erfolgen fann (oergl. fäd^f. ®. 93. § 1721; altenb. e^eorbn. §§ 201, 202;
fc^ioar}b.fonbcrd^. @f)^i)tib\xnsßQt^. § 3).
Db bic SScrjcil^ung t)or ober nac^ erijcbung ber Ätage auf SdSieibung '^JJf jj/^^
ober auf 2^rcnnung uon Xifd^ unb Sett erfolgt, mad)t feinen UnterfdSiicb f^^weigenbe
(oergf. code civü 3lrt 272; Ijcff. ©ntw. 2lrt. 84), cbenf owenig, ob bie SSer* »«ict^uits.
jci^ung außbrüdlid^ ober ftiUfd^weigcnb erflärt ift (Dcrgl. ©euffert XLI,
113, 192; fäd^f. ®. S3. §§ 1720, 1728, 1737, 1741; code civil 2lrt. 272—274;
Wf. (Sntw. art 84), 3)ic abweiddcnbc SBeftimmung beö preufe. 21. S. 9?. II, 1
§ 720, nad^ wcld^er bie SBerictl^ung eine auöbrüdlid^e fein mug (oergl.
entf(^. b. m. ®. in Sioilf. XV, 68; Urt^. b. 3?. ®. bei ®rud(|ot XXX
S. 131), eine Seftimmung, weld^e aud^ in anbere neuere ®efe6gebungcn über-
gegangen ift (oergl. nürnb. ®^cfd)eibungöorbn. 91r. 48; f d^warjb. f onberöl).
eiW^eibungögef. § 3; altenb. Sl^corbn. § 200 lit a; got^. ß^egcf. §§ 80—82,
101, tefttereö icbod& jum 3;f)eil anberö), fü^rt jii einer nid^t ju biDigenben unb
inöbcfonberc auc^ burd^ praftifd)e 9lüdfidiiten nid^t gebotenen @r(eid(|terung bcr
Sc^eibung. älnlangcnb bic Don hm neueren ®efe|gebungcn jum ^i)dl t)erfd)ieben
beantwortete grage, ob unb inwieweit bie fieiftung bcr ef)e(id(|en ^^Jfti^t nadfi er* in*&efonbcrc
longtcr Slenntnife beö ©c^eibuugögrunbcö, namentlich im gallc beö S^ebrudfieö ^'bTA ^clS'en^
unb einer bem festeren glcii^gcftcDtcn ^anblung, alö ftillfd&weigenbe SSerjei^ung VP»^'-
oniufe^en ift (oergl. cinerfeitö föd)f. ®. 83. §§ 1720, 1728; bab. S. 31. ©aß 272 a;
onbercrfcitö preufe. 31. 2. SR. II, 1 § 722; nürnb. ef)efd(|eibungöorbn. 91r. 48;
ferner über bie gemeinred^tad^e ^rariö Seuffert XVIII, 144, XXVII, 227,
•G04 Sd6cibuno. iTrennimö i\ £if* u. SSctt. 3{u§f$lic6unö. § 1447.
XXX, 37, XLI, 113, XLII 123), fo [öfet \iä) in biefcr SJcjic^ung bei bcr
aScffddiebcnljeit bev in SJctrad^t fommenbcn gättc eine allgemeine gcfefelid&c
Siegel nid^t oufftetten; Dielmeljr fommt es auf bie Umftänbe befi einjetnen
galleö an. ©in Sebürfnife, burc^ eine pofitiüc S3orfd)rift naci& bcr einen ober
bcr anbcren 9lid)tung einjugrcifen, liegt nid^t cor.
"SBerj^t. ©ie bcftelienbcn 9led>te erroööncn faft burd^meg nur bie Söersei^ung,
nid^t aud) bancben ben Sßerjid^t auf bad ©d&eibungörcd&t (uergl. iebocft
fd)iüarjb.fonberß]&. ®f)efd&eibungögef. § 3). ®aß preu^. 31. S. SR. II, 1 §§ 720,
722 gebrandet bie 9luöbrüdfe „JBcrjtd^t" unb „SSerjci^ung" als gleidjbcbeutenb.
Db in ©rmangclung einer befonberen Seftimmung auf baä Med^t ber Sdjeibung
rcd^tögefd^öftlid^, fei cS burd) cinfeitige SBittcnöcrWärung ober burd& SSertrog,
wirffam t)eriidE)tet werben fann, ift mit Slüdffid^t auf bie befonberc Statur bcö
©djcibungöred^teö, meld^cß aus fittlid&en ©rünben geiofi^rt wirb unb bei
meld^em aud) baö öffenllid^e 3ntereffe fon!urrirt, nid&t jroeifelloö, jumat eine
allgemeine SSorfd)rift über bie S5erjid(|tbarfeit ber Siedete wegen ber ucrfdöieicnen
Siatur ber einjelnen Siedete in baö ©cfefebud) nicftt aufgenommen ift (oergl.
©euffert XXXV, 134). Slnüpft man Jebod^ an bie SSerjeil^ung ben SBegfaÜ
beö Sd^cibungöred^teö, fo ift eine befonberc 93eftimmung über bie SScrjit^t-
barfeit biefcs dtc6)\z^ entbel^rlid), ba i^egelmäßig in bem S3crjid&te aud^ eine
SJcrjeiljung liegen mirb, ©ö fann baffer bie Söfung iener gragc iinbebcnflitj
ber 3urißpruben3 überlaffen werben.
§ 1447.
*b* Ä^ft^-r '^'^ ^^^ äl)nlid)e SSorfd&riften ucrfd^iebcner neuerer O^fc^gebungcn fwh
"abia«r'' anf^liefeenbe Seftimmung beö § 1447 9lbf. 1 (ocrgl. preufe. 21. 2. fR. II, 1
§ 721 unb baju ©ntfd^. b. 91. ©. in ©ioilf. XV, 68; nürnb. GHd)eibungSorbn.
Sir. 48; fd&warjb.fonberßl). eH^eibungögef. § 3; got^. (S^egef, §§81, 101;
altenb. e^eorbn. § 200 lit.a; fät^f. ®. 33. §§ 1720, 1728, 1739, 1744) beruW
auf ät)nlid)en Grroögungeu, wie bie aud^ ber Raffung nad) cntfprec^enbc 38or?
fd^rift beö § 1264 Slbf. 1 (oergl. bie aftotioe ju § 1264 oben ©. 93 ff.). 9Cuf ben
S3eginn unb ben Sauf ber ^röfluftofrift ift eö ol^ne @influ§, ob bie G^egatten
faftifc^ getrennt leben. S)ic anfd^einenb auf einer abmeid^enben Sluffafiung
bcruljcnben a3orfd)riften beö preufe. 31. y. Sl. II, 1 §§ 720, 721 (ücrgt. [eboc^
Gntf4 b. % ö). in ßiuilf. XV, 68) Dcrbienen feine Billigung, weil baburc^
bie faftifd^e 2:rennung ber Gfjegatten begiinftigt wirb unb jubem bie gcft*
ftellung beö Slnfangeö unb beö 9luf^orenö beö faftifd^en Oetrenntlcbcnö ber
Gl)egatlen ju praftifd^en ©d^ioicrigfeiten ful;rt. Slufterbem bro^t bie SJ^
ftimmung, bag bie ^röfluftofrift nid)t beginnt unb läuft, fo lange bie GlK*
gatten getrennt leben, ben ^wcd ber ^^iröflufinfrift ju ücreiteln, ba bcr ®nmb
ber 5?orfd^rift, bafe baö Siedet auf ©d^eibung unb auf S^rennung Don S'ifdi
unb 93ett burd^ ben 9tbtauf ber 5ßrfif(ufit)frift auögefd)loffen werben folf, nidbt
lebiglid) auf ber Dcrmutf)etcn SScrjciljung, fonbern juglcid) auf bem ©cfidblö^
punfte berul)t, baf5 bcr 33cftanb bcr Gf)c nid)t auf längere 3<^it ein iinndjcrcr
fein foU.
©(ficibunfl. Srcnnunfl t>. Sif(6 u.. Scth atiiS-fd&ne&imö. § 1447. 605
£er § 1447 2lbf. 1 allcgirt nic^t Qiid) bcn § 1443. SBcnngIcid) von »usna^mc int
bcm biefcr SBorfd^rift ju (Sninbc ficgcnbeu ©cfidötepiinftc auö, baß bic ©djcibung ^crfa^ifn*^^
wegen bofilid^er Serloffunfl [id^ auf ein in bcr SBcrgongcnl^eit Ucgcnbcö aScr«
fc^ulbcn grünbct (uergl. aWotioc ju § 1443 oben ©. 591 ff.)/ ^^i^ Ucbcrtragung
Der Scftimmungcn bcs § 1447 3lbf. 1 auf bic gällc bcä § 1443 an ftd^ nid)t
ausgcfd^loffen fein würbe, fo ift biefclbe boä) im ^inblirfc auf foId)c bie Siegel
Mlbcnbc %SSit, in rotld}cn bic 9lenitenj bcö ©Regatten nodd ^^^ ^^^
Antritte ber SBorouöfefcungen ber ©d^cibung tocgen bödlic^er SBerlaRung fort-
bauert ni^t angcieigt
I)ie Seftimmung bcö § 1447 äbf. 2 bcjwedt, bei bem SReddte auf «uierorbent^
S<^cibung unb auf SCrennung t)on X'x^äf unb 33ctt bic orbcntliddc aSeriäfivung ^*** *''^'*
(§ 155) }u erfeftcn (ücrgf. auc^ föd^f. ®. ». §§ 1719, 1728, 1739). ®a jeneö
Ae(^t ft^ nidbt atd ein älnfprud^ barfteUt fo fönnen bie ©ruubfäge über
bic Snfprud&Äocriäl^rung, weld^e allerbingö gemeinredötüd^ (oergl. ©euffert
XXX, 188) unb übenoiegcnb anä) naä) franj. 3led&te (code civil 2lrt. 2262)
für anioenbbar gehalten werben, nac^ § 154 feine Slnroenbung finben.
Sftcr aud^ abgefe^cn bat)ou rofirben jene (Srunbfäfie im .^inblidfe barauf,
bofe no^ § 182 3lbf. 1 bie SSeriäfirung nur eine ©inrebe begrünbet, auf
wA^c oerii(Jötct werben fann, ju einem bem Söcfen ber ©bc unb
bcö S(|eibungöred^ted imangemeffencn SRefuftate fül;ren. Snbeffen fpredjcn
bic ©runbe, ouf meieren baß ^nftilut bcr ^Knfpruc^öoeriätirung beruf)t, bafür,
eine an bie orbentlidde 9Seriät|ningsfrift fxä) anfd^Iiefeenbc ^ßräflufiofrift uon
brcifeig Sö^ren fcftjufeften, bamit riidEftddtlid^ fo weit jurüdfUegenber S:f)at*
kdj^ ber Streit barüber abgefd&nitten wirb, ob unb wann ber Sercd^tigte
oon bem Sd^eibungßgrunbe Äenntnife erlangt ^atte.
Sie jur SRilberung ber mit einer 5ßröf luftufrift Dcrbunbenen fc^arfen ^emmuno jc.
Sirfungen bicncnbe SBorfd^rift bcö § 1447 9lbf. 3 entfpriddt bem § 1264 3lbf. 2
(oergL bie aÄotiüc ju § 1264 oben S. 93 ff.).
25urc§ bic S5eftimmung beö § 1447 2Ibf. 4 Safe 1 wirb, fooiel bie Älage fiakuno
öuf Sc^ibung unb ouf ä^rennung uon Sifd^ unb 83ett betrifft, bie SBorfd&rift '"^rmufe"^*
te § 571 3ttf. 2 ber 6. ^. D. erfefct. 3)er 3ufa| im § 1447 3lbf. 4 Soft 2,
b«& bie Sobung jum ©ül^nctcrminc i^rc SEBirfung verliert, wenn nid^t binnen
bm aWonaten feit bcr S5eenbigung beö ®ü|netermineö bie Älage erhoben ift,
beruht auf ber ©rwägung, bafe ol^ne bicfe Seftimmung ber bered&tigte ®f)egatte,
wenn er burd) bie Sabung jum Sül^nctcrmine bie im § 1447 2lbf. 1, 2 be^
ari^neten griften gewal^rt $at, eö in bcr $anb l^aben würbe, bic ftlage, fofern
biefelbe nid^t nad^ § 1446 burd^ 93er)ei^ung auögcfd^loffen fein foUte, nod^
no^ beliebig langer QAt ju crl^ebcn, ein Siefultat, wel(^eö mit bem SBefen ber
% unvereinbar ift. gür ben gaU bagegen, mcnn bie griften bcö § 1447
3ttf. 1, 2 burd& Sr^ebung ber ftlage gcwalirt fmb, bebarf eö einer weiteren
^'timntung nid&t, um }u ücr^inbern, ba^ ber 3n)erf ber ^räf lufiwfrift oereitelt
werbe. 9Hmmt ber ftWger bie ftlage iurüct, fo gilt biefelbe nad& § 243 3lbf. 3
ber 6. % D. alö nid^t erhoben unb ift beöbalb bie «ßräflufiofrift n\i)t burd^
bie iurürfgenommene ftlage gewal^rt. 2ä§t ber ftlöger bie ftlage liegen, fo ift
ber Seflogte in ber Sage, btn ^ßrojcfe weiter ju betreiben. SEBirb bie ftlage
wegen SRangelö einer ^Projefeoorauöfcgung abgewiefen, fo fehlte eö übcrt)aupt
C06 ©c&cibunß. Srennung ü. %i]i} u. Sctt. 2tu§f(6Ite6unö. § 1448.
an einer jur S)urci(|füt>vunfl bcS ©(^cibungörcd^ted unb jur SDäaljrung bcr grift
geeigneten Älage (oergl. § 171 3lbf. 1). ©rfolgte bie Sftroeifung ber Äfoge
wegen ungenügenber ©ubftantiirung — fofem eine fofd^e Slbroeifung nad^ ben
a3orf(5riften ber 6. 5ß. D. überl^aupt nod^ uortommcn fann (oergl. ®ntfd^. b.
5R. ®. in eit)tlf. VI, 107, IX, 120 ©. 418) — fo fd^üfct gegen eine SBieber*
^olung bcr Ä(age bie Sßorfd^rift beö § 576 ber 6. 5ß. D.
(stnfiuf ber 2)er ben SBorfd^riften ber §§ 574, 576 ber 6. % D. jn ©runbe licgenbc
TuT^wc^ grift ®ebanfe, bafe bur(| bie (Srficbung einer auf einen bcftimmten Sd^eibungö- ober
SE:rennung3grunb geftüftten Älage (§ 592 ber 6. % D.) gfcidjroo^I baö eJ^elidj^c
aSer^äÜnife in feiner S^otalität jum ©egenftanbe beö ^rojeffeö gemad^t wirb,
fül^rt fonfequent ju ber 33eftimmung beö § 1447 9lbf. 5 (üergt. entfd^. b.
S». ®. in ©iuilf. XV, 68). ©iefclbe ift namentlid) im ^inblidfe auf fold^c
g&Ue q(ö angemeffen }u erad^ten, in n)eld^en ein (Sl^egatte ein bead^tenön)ertl^eö
Sntereffc boran l^at, geraiffe ©cf^eibungögriinbc in bem ^rojeffe uorlänfig ju
t)erfd)n)cigen.
§ 1448.
»emitjunfl SBenngleid^ bie Seftimmung beö § 1448 olö felbftüerftänbUd^ betrachtet
fle^foffenen ^^^^^^ fönnte, Weil in bem ooraiiögefefeten galle ber auögefd^Ioffene ©c^eibungö-
e<^ctbunflfl. ober 2^rennungögrunb nid^t alö felbftänbige red^töerjeugenbe 2:^atfod^e, fonbern
grunbe«. ^^^ ^^^ Äarofterifirung unb jum SSeiDcife eineö neuen Sd^elbungö^ ober
2:rennungögrunbeß in S3etrad^t fommt (uergl. ©euffert VIII, 267, XII, 37),
fo ift es bod& wegen ber praftifd^en SBid^tigfeit ber grage unb jum Qro^dc bcr
Sefeitigung oon gweifeln, meldte a\i& bem ©d^weigen beö ©efefeeö fid^ ergeben
fönnten, nad) bem SBorgangc anberer ®efe|gcbungen (code civil 9Irt. 273;
bab. S. 9t. Saß 273 ; l)eff. @ntro. 9lrt. 85) alö ratl^fam erad^tet, jene SBeftimmung
aufjunel^mcn. 3)urd^ bie allgemeine Raffung beö § 1448 werben fowobl bie
gäUe, in weld&cn baS^ Sted^t, bie Sd^eibung ju verlangen, burd^ SSerjeü^ung
ober 3citabtouf (§§ 1446, 1447), alö aud) ber gall, in wefd^em jeneö Stecht
in ®emä6^eit beö § 576 bcr 6. % D. anögefd^loffen ift (oergl. bie neue gaffung
beö § 576 ber ß. ^. SD. in ber 2lnm. ju bem Unterabf^nittc „IV. Ungültigfeit
ber 6l;e" unter II, 5), gcbcdft.
§ 1449.
antj(^eibung S)ie mit bcu mciftcu geltenben 9lcd^ten im (Sinftangc ftel^enbc 83c-
et^uJbfroge. ftin^w^ung beö § 1449 Saß 1, ba^ bcr 3lid&ter in bem Urtl^elle, burd^ weld&cö
auf Sd^eibung erfannt wirb, üon 3lmtöwcgen fid& barübcr auöfprcd&en mufe,
wer ber fd^ulbige 3::^eil fei (oergt. Scuffcrt XLI, 1 ; prcufe. 31. S. 91. II, 1
§§ 745 ff.; preufe. ®ef. für bie 5|Jromnj ^annoDer t). 1. SWärj 1869 § 27;
nürnb. ß^ef^eibungöorbn. 9lr. 56; gotl^. ®§egef. § 154; fd^warjb.fonbcröö.
®^efd(ieibungögef. § 15), ift mit SRüdffidf)t barauf geboten, ba^ bie jiuilred&t*
lid^en SSirfungen ber Sd&eibung, ie nad^bem nur bcr eine ®^egattc ober jebet
ber ©l^egattcn ber fd^ulbige SE:i^eil ift, in mel^rfad^er SBcjiel^ung fid^ oerfd^ieben
geftatten (ocrgl. §§ 1453, 1454, 1456). ©a aber mä) % 1461 in SBerbinbung
mit § 1456 bie Sd^ulbfrage au^ in bem gaHe uon Sebcutung ift, wenn nur
SicibuiiQ. 2:rcnnun0 t?. 3:ifc& u. a3ctt. (Sd&ulbfrvige. § 1449. GOT
auf S^rennuitg Don Xx^ä) iinb 83elt crlannt wirb, fo ift cö crf orbcrKd^ , ba§
auä) bcrcttfi in bem 2;rcnnungöurtl)cile (§ 1444) iibcr bic ©d^ulbfrogc ent^
fc^icbm Toirb. SSom Stanbpunftc bcö (Sntrourfcö aus, ipcld^cr baß S^rcnnungö^
urt^eil materiell als bebingted Sd^eibungdurt^eil bel^anbelt (t)crg(. § 1445
nebft 3KotiDen oben ©. 599 ff.)/ fann bieö einem Sebenfen nid)t unterliegen.
Snßbefonbere ift nid^t ju beforgen, ba^ baburd) ber 3«^^* ^^^ S^rennnng von
Xi^ä) nnb Sett, eine Sluöfo^nung unter ben Gljegatten ^erbeijufü^ren, ge*
fäfirbct werben fann, ba eö fid^ nur barum Ijanbelt, in bem S^rennungös
urt^cile baöjenige formell außjufpred^en, maß materiell in bemfclben a(ö
einem bebingten @d^eibungdurt^ei(e not^menbig enthalten ift. @ine nod^malige
materielle 5ßrüfung unb ßntfd&eibung berfelben grage wirb baburd^ nid^t oer-
anlaßt. 9hir in 3[nfel)ung beö Älägerä fann in bem ^ßrojeffc über bie auf
@runb bcö § 1445 crl^obcne ©d^eibungötlage eine felbftänbige 5ßrüfung unb
Gntf (Reibung ber ©d&ulbfrage erforberlid^ werben, wenn in bem S^rennungö-
urt^eile allein ber SSeflagte für ben fd^ulbigen SC^eil erffört worben ift,
berfclbe aber von bem il;m nad^ § 1449 Sofc 2 juftel^enben SHed^te ©c^
bxauä) mac^t.
5Da ber ©ntwurf nur foId)c ©d^eibungö^ imb 3:rennungögrünbe fennt, abie^nuna
wcld^c auf einem aSerfd^uIben berufen, fo ergiebt fid^ oon felbft, bafe, wenn Abwägung«.
auf Sd^eibung ober Trennung oon 3;:ifd^ unb S3ett crfannt wirb, ber ©begatte, fpf^eme«.
gegen meieren bie Älagc erf)oben ift, für ben fd^ulbigcn SC^eil, unb wenn ein
jeber ber ©Regatten auf Sd^eibung ober S^rennung t)on 2^ifd^ unb S3ett ge-
sagt ^at unb beibc ftlagen für bcgrünbet erad^tet werben, jeber (S^egatte für
ben fd^ulbigen Xf)dl erflärt werben mufe. 2)aö bem preufe. 31. S. SR. II, 1
§§ 746—750, ber nürnb. 6f)efd)eibungöorbn. 3lx. 56 ff. unb bem gotl^. ß^egcf.
§§ 155—157 ju ©runbe liegenbe 5ttbwägungöfi)ftem, nad& weld^em, wenn
beibc 2^^eile fic^ gegenfeitiger Vergebungen fd^ulbig gemad^t l^aben, in bem
Urtl^eile ju beftimmcn ift, ob unb bei weld^cm S^^eile baö Uebergewid^t ber
S^ulb obwaltet unb nad) wcld^em nur bcrjenige 3:^^cil, weld^em ein Uebcr-
gewidjt ber ©d^ulb jur Saft fällt, bie ben fc^ulbigen 2:^eil treffenben bc-
fonberen 9iad^t^eilc erleibet, ift weber prinjipicU }u red^tfertigen, ba, wenn bic
6^c auf ®runb ber beiberfeitigen SBerfd^uIbungen gefd^ieben wirb, bie lefetercn in
i^rer SBirfung auf bic @f)t ate gteid^ fd^wer erfd^eincn, nod^ auö praftifd^cn
©riinben ju empfel^Ien, weil bie Slbwfigung ber Derfc^iebenen Orabe ber SScr-
f(iulbung mit ©d^wierigfeiten üerbunben ift unb leidet ju einer aSerweit^:
iäufigung ber ©d^eibungöprojcffe fül^ren fann. 3luö biefen ©rünben f)aUn
ani) ber preufe. ©efeferepifor, 5ßenf. XV §§ 69, 70, unb bic fpätcren preufe.
Entwürfe über ©^ef^eibungen fid^ gegen jened lanbred^tlid^e ©pftem erflärt.
Um ben a3dlagten, weld^er feinerfcits bie ©d^eibung ober bie SCrennung e<*uiM9'
uon 2:ifd^ unb S3ett cbenfaDö ju verlangen berediitigt ift, aber melletd&t aus ^äwöT« au *
Oewiff enfibcbenfen ober überhaupt im Sntereffe ber Slufrcc^tcrl^altung ber ßl>c ^^ ^^Jjj"^*^
eine aOBiberflagc nid^t ju erfieben wünfd^t, nid^t in bie S^angölage ju Derfe|en, *
entwebcr eine SBiberflage erl^ebcn ober bie SHad^tfieile auf fid^ ncl^men ju
muffen, weld^c bm aBein für ben fd^ulbigen 2^^eil erflärten ©Regatten treffen,
beftimmt ber § 1447 Safe 2 im STnfd^Iuffc an bie gleid^e aud^ in ber gemein-
rcd^tlid^en, ber preuß. unb ber franj. 3uriöprubcnj vertretene 2luffaffung (ocrgt.
608 ©(ficibunö. 3:rcnnun0 t). lifc^ ii. 33ctt. ©dBuIbfraQc. § 1449.
a\x6) ()cff. ©ntra. 3lrt. 86 ncbft aJlotiocn ©. 96 ff.)/ bog bic 83eftimmung in bcm
Urt^cilc, bofe icbcr 6f|cgattc bcr fd&ulbifjc Xf)cH fei, oiif älnlrag bc« ©cttagtcn
auc!^ bann erfolgen mu6, rocnn ber Settogtc bie Sd^eibung obci* bic 2:rcnnunft
von 3:^ifd& imb SSctt ju ocriangcn bcrcd^tigt ift, eine SBibcrMogc aber nic^t
erhoben f)at. Sadfelbe foU nad^ § 1447 @ag 2 bann gelten, n^cnn bai^
9lcd)t bcö S3ef(agten auf Sd^cibung ober auf S^rcnnung oon X\\ä) unb S3ctt
burd) S8erjcit)ung (§ 1446) ober burd^ S^üöblauf auögefd^Iof[cn, bcr SJerluft
beö SRcd^tcö aber erft mö) ®ntftc()ung beö oon bcm Äläger gcitcnb gcmad^tcu
SdEieibungögrunbcö eingetreten ift. S)icfc lefitere 83eftimmung fnüpft an bie
in bcr prcufe. ©oftrin unb 5ßrafiö ucrtrctenc 2luffaffung an, bag ein t)cr*
ikf)c\\tx S^cibungsgrunb (31. S. 3«. II, 1 §§ 720, 721) für bic entfd&cibung
bcr Sdjulbfragc nod^ gcitcnb gcntad^t werben tonne (ocrgt.5ßrfii.b.Db.^rib. 1776,
6amml. I, 156; ©triet()orft VII ©. 113; ©efcferet)., ^enf. XV S. 427, 388;
anbercrfeitö ®ntf^. b. M. ®. in Siüilf. XV, 68). 5Der (gntrourf gc^t fcbod) baoon
aus, bag fein audrei(4enbcr (Srtmb vorliegt, biefen @a^ aud^ auf bcn gaQ aus«
3ubel)ncn, in loeld^em bcr %cf (agte, nad^bem er einen ii)m }uftet)enben Sä)c\buncfi^
grunb ocrjiel)en fiattc, bie baö ©d)eibungöred^t beö Älägcrö bcgrünbenbc ^anb^
hing begangen l)at. 3m ©cgent^cil mürbe cd für bcn Äläger unter Umftänbcu
l;art unb unbillig fein, menn aud) er für bcn fd^ulbigcn S^^cil erMört mcrbcn
fonntc, obrooljl bcr Sd&cibungös ober S^rcnnungftgrunb, ju meld&cm er SScr-
anta^fung gegeben liattc, t)ielteid)t mcit in bcr aSergangen^eit jurürfliegt uni>
bic fd^äblid^en folgen feiner ^anblung längft Dcrfd^rounben finb. 9lnbercrfcitö
fann in ber 9lid^tbcrüdEfid&tigung beö burd& SSerjeifiung ober 3citablauf aus*
gcfd^loffencn Sd^eibungö? ober S^reitnungögrunbcö in icnem gallc eine Un«
billigfeit gegen bcn SBeftagten nid^t gefunben mcrbcn. Slnbcrö liegt bagegcn bie
Sad^e in bcm im § 1447 ©aß 2 am Sd^luffc oorauögefcfeten gallc. 3u
biefem ^^alle rül)rt bie ^anblung beS SSeflagten, auf ©runb bercn bic ©d^eibung
ober bic 2'rennung pon 2:ifd& unb 93ett er!annt mirb, aus einer 3^^ fl^r, in
tocld^er bie @^c eine aui) hnxö) bie ©d^ulb bed jllägcrö zerrüttete mar unb
anä) bcr 33ctlagte bic Sd^cibung ober bie 2^rennung von Xi^tS) unb Sett ocr*
langen fonntc. ^n einem fold^en ^allc liegt bie Slnna^mc nal^e, bag bcr 35c^
f lagte bcn ©dgcibungdgrunb ober S^rcnnungdgrunb in ber Srmartung Dcrjicl^en
bcjm. binnen ber ^räfluftofrift nid)t gcitcnb gemadgt l)at, bag auc^ bcr Stläger
bcn i()m iuftel^cnbcn ©d^cibungS:« ober !£rennungögrunb nid^t geltenb mad^eii
roerbc. ®ö mürbe bc8l)alb unbillig fein, .menn ber SScftagtc in biefem gallc
auf ©rutib beö burd^ 93crieil^ung ober 3cttablauf audgefdf^loffenen ©d^eibungö^
grunbcö ober Srcnnungögrunbcö nid^t einmal bcn Slntrag fotttc ftellen fönucn,
bafe ani) bcr Kläger für bcn fd&ulbigen 2:t)cil erflärt merbe. Die l^ier fraglid^e
Scftimmung bejieljt ftd^ übrigens nur auf folc^e ^älle, in meldten bad Siedet
beö Seftagten burd^ aScrjeil)ung ober 3«itablauf auögefd^loffcn ift. S)agcgcn
fann bcr im § 1449 ©ag 2 gebadete Eintrag bcd Seftagtcn gegenüber bcv
.Hlage, burd^ meldte na^ 9)taggabe bed § 1445 älbf. 1 auf ©rtinb bcd früheren
i^rcnnungdurt^cilcd bie ©d^cibuttg oerlangt mirb, auf fold^e ^^atfac^en nid)t
gcftufct mcrbcn, mcld&c nad^ § 576 ber 6. ^. D. (ucrgl. bic 9lnm. 1 ju 33udj) IV
aibfd)n. 1 ^it. 1 §§ 1250 ff. unter 11,5) bcöl)alb außgcfdjloffcn fmb, meil bic*
fctbcn in bcm friiljcrcn 9lcd^töftreitc l)8ttcn gcitcnb gcmad)t mcrbcn fonncn»
Sd)eibuno 2c. Urt^eilgformel. ^roiegfo^iöfeit 2C. §§ 1450, 1451. 609
35aö Urt^eil, burd^ roeld^cö ber eine ober anberc S^egattc ober beibe
ß^egatten für bcn fd^ufbigcn X'^txl ertlärt werben, f)ai in 9lnfef)ung ber baran
fid^ fnüpfcnben red)tlid^en SGßirfungcn einen fonftitutiüen Äarafter.
§ 1450.
2^ic SSeftimmung beö § 1450, welche lebiglic^ ben Äorafter einer Drb^ S(^cibu«ö
nungöüorfd)iift ^ot, bejwecft, bie S)urd^fü^rung beö im § 1237 beftimmten n^^b^^.
ß^eoerboteö ju fid^ern. SBenngleid^ , um ba^ ®l|et)erbot beö § 1237 ju be- ^^^^^^ ^^^
grünbcn, bie Sejeicbnung besjenigen, mit n)el(ibem ber ©Iiegatte beö ®^ebrud^eö urtwi«-
[x6) fc^ulbig gemad^t 1)at, in ber Urt[;eiIöfonnet nid&t erfolgt ju fein brQud^t, ^°""*^
fo ift es bo^ im Sntereffe ber ©rieid&terung beö 3)ienfteö ber Stanbeöbeamten
angemejfen, bcn SRid^ter anjumeifen, bie ^crfon beö mitfdE)uIbigen Sritlcn in
ber Urt^eilöformel ju bejeid&nen. S)a6 bie Sejeid^nung nur inforoeit ju er-
folgen f)at, qIö bie SSerbanblungen bie ^^ierfon beö ©ritten ergeben, entfprid&t
bem bie 6. 3J. D. beEjerrfd^enben ©runbfafee ber aJlünblid^feit. 3n ber SRe*
oifionöinftan} fann ^iernad) bie 33ejeid)nung, obrool)! bie 3Sorfd)rift beö § 1450
bem öffentU^en Siedelte angefiort, nid^t mel)r erfolgen, ba l;icr bie münblicbe
SBerlianbtung pd^ auf jene 2;f)Qtfrage nid^t erftredEen fann unb bie geftftellimg
ber legieren überl^oupt nicftt jur Suftänbigfcit beö JHeüifionöric^terö gehört (»ergl.
iebod^ Urtl). b. SR. ®. bei @rud)ot XXIV ©. 496). 3n ®rmangelung einer
entgegenftefienbcn Seftimmung oerftel)t cö jtd^ ferner oon felbft, ba6 ber dritte
Dorl^cr nid^t gehört ju ujerben brandet; benn, menngteid) berfelbe butd) bie
geftftellung inbireft mitbetroffen mirb, fo ift bocb bie 6ntfdE)cibung nidE)t gegen
if)n, fonbeni gegen ben 33eflagten gerid^tel.
§ 1451.
S)ie ben §§ 1267, 1276 fid& anfd^liegenbe Seftimmung beö § 1451 be* ^ro^cMä^iQ.
rul)t auf äl)nlid&en Grroägungen, mie biejenigen, meldte ju ben Seftimmungen Vertretung.
ber §§ 1267, 1276 gefül)rt l^aben (oergl. bie SRotioe ju §§ 1267, 1276 oben
S. 97, 110). Safe inöbefonbere ein SSormunb mä)i legitimirt ift, für feinen
SWünbct eine Sd^eibungöflagc ju ergeben, mirb au^ t)on ber ^rajiö unb über*
TOiegenb oon ber S)ottrin angenommen (t)ergl. ©euffert IX, 78, XLII, 304;
Gntfd^. b. «R. ®. in Simtf. VI, 41 ©. 157, IX, 58 ©. 221).
®urd& bie in ber STnm. 1 ju bem Unlerabfd&nitte „rv. Ungüttigfctt ber «erfahren.
e^c" unter II mitgetbeilten, jur STufnal^me in baö (Sinfü^rungögefcg beftimmten
Sfenberungen unb ©rgäniungen ber SJorfd^riften ber 6. % D. über baö 58er*
fahren in (S^efad^cn mirb in Derfd&iebenen SRid^tungen aud^ baö SBerfabren in
bem SRecbtöftreite, meld^er bie ©d&eibung ober bie 2;rennung t)on ^ifd^ unb
S9ett jum Oegenftanbc f)at, berührt (t)ergl. inßbef. bie neuen §§ 578 a, 576,
577, 584 a, 592 ber 6. % D.). ®ie Segrünbung bicfer Slenberungen unb ®r*
gonjungen ift ber »egrünbung beö ©infü^rungögefefecö t)orbe^alten (oergl.
icbodö, foDicI bie §§ 576, 584a betrifft, bie 3Rotiioe ju §§ 1256, 1268 oben
©. 68, 98 ff.).
SRotioe |. Mlreert. Oefe||6u^. IV. 39
610 <S*cibunö. 3eit ter ?luf(öfunfl bec Sljc. § 1452.
§ 1452.
Settpunftber 2)cm Scgtlffe ber Sd^cibung (§ 1440 9lbf. 1) unb bcm fonftitutben
Äufibginfl ber ^^^^j^^^ beö ©c^cibuitgöurt^cileö cntfpric^t cö, bafe bic Sluflofung ber ©Ijc
mit ber Stcdötö^öf* ^^^ ^i^ ©c^cibung beftimmenben Urt^eilcö eintritt. ®icö
ift Qudö i^^i^ Stanbpunft beö gemeinen 9led)tes unb ber meiften neueren ©efej-
gebungen (üergl. preufe. 21. S. SR. II, 1 §§ 731, 732; nürnb. ß^efc^eibungöorbn.
3lx. 81; gotf). S^egef. § 151; f diroarib. f onberj5l^. ®^efc^cibungögef. §§ 24,
27—29 ; fäc^f. ©. 33. § 1746). Surc^ bie ga^fung beö § 1452 mirb mit gc*
nügenber ©eutfid^feit jum 3luöbruc!e gebrad&t, bafe burc^ bie ©d^eibung — im
©egenfage jur Slnfed^tung (§ 1260) — bafi SRed^tßoerfiältnife ber ®^e nur für
bie 3wfunft beenbigt wirb, bofe bagegcn mit ber ©Reibung feineömegö oUe
burd^ bie ®^c einmal begrünbeten SBirfungen roegfaUen (üergl. § 33).
erbrecht jßou felbft üerftel)t eö fid&, ba% mit ber Sd^eibung aud^ baö gegenfeitigc
®rbred&t ber ©Regatten mcgfällt, ba ein gefd^iebener ©fiegatte fein ©begatte
mct)r ift unb baf)er ate fold^er aud^ nid&t mel)r erben fann. 9lnbererfeitfi
ergiebt fidE) aus § 1452, bafe ba& (Srbred&t crft mit ber 9lcdE)tßfraft bes
©c^eibungöurt^eileö mcgföUt. SBegen ber Orünbe, a\x^ meieren ber Gntrourf
bcn Sßerluft beö ®rbrec^te8 nid^t fc^on an einen früheren 3^i*PW"f^/ i"ö*
befonbere an bie Ätageerl^cbung, gefnüpft Ijat, mirb auf bie ÜKotioe beö 6rb*
red^teö S3e}ug genommen.
«erm»flen8. sjjyg ^^ Seftimmuug beö § 1452 folgt ferner, ba^ anö) bie oermogenörec^t*
""^feiunfl "' üdEien SBirfungen ber Sf)e erft mit ber 9lec^tßfraft beö ©d^eibungöurt^eileö für
bie S^funft aufhören, bafe mitljin biefer S^itpunft für bie SSermogenöauö^
einonberfeßung unter bcn gefd^iebenen S^egatten mafegebenb ift. ®in 33e5
bürfni§, ben ftagenben ®E)egattcn in ber {)ier fraglid^en Sejiel^ung noc^ bem
SBorbitbe beö preufe. 31. 2. SW. II, 1 §§ 769—771 gegen ben böfen SBiDen beö
anbercn Sfiegatten burcb befonbere Sßorfd^riftcn ju fd^iüfcen, fann nid&t anerfannt
werben. Snöbefonbere trifft aud^ bie SHnalogie ber §§ 1329, 1379 nid^t ju,
ba bie Sod^fage nid^t bie gleiche ift.
S)ic aSermögenöauöcinanberfeJung felbft erfolgt nac^ ÜRafegabe ber all*
gemeinen für bie Sluf^ebung beö betreffenben ©üterftanbeö gcltcnben SSor-
fc^riften. S)ieö ift, oorbel^altlid^ ber Scftimmungen über bic ß^efd^eibungö«
ftrafen, and) ber ©tanbpunft ber auf bem S3oben ber aSerroaltungögcmcinfdfiaft
fte^enben 9tcct|te (oergt. preufe. 21. S. 91. II, 1 §§ 766 ff; fäcftf. ®. 33. §§ 1746,
1687, 1688; olbcnb. Oef. t). 24. 2lpril 1873 2lrt 12). Sie cinjclnen im
preufe. 21. S. dt. II, 1 §§ 767, 768 fid& pnbenben befonbcren 33cftimmungen
fommen für ben ©ntmurf ni^t in gragc, ba biefelben mit anberen in bcn
leßtercn nic^t aufgenommenen Sßorfd^riften über bie 2luöeittanberfefeung im
gaUe ber 2luflöfung ber 6^c burd^ ben S^ob jufammcnl)ängen (oergl. ÜÄotioe
tnstefonbore JU § 1327 obcu S. 298 ff.). SJagcgcn enthalten bie auf bem 83oben ber ©ütcr-
^geSIift* gcmeinfd^aft ftel)enben 9ied^tc für ben gall ber ®I|efdfieibung üielfad^ befonbere,
©eitcnbc« i^^ ^^^^^ ^^* ^^^'^ ©t)efd)eibungöftrafcn im S^f^^^i^^^önge fteljcnbc S3e*
siecht, ftimmungen über bie 2lrt ber aSermögenöauöeinanberfcfeung bei ber Oüter«
gemeinfd^aft. 2lnlangenb inßbefonbere bie allgemeine ©ütergemcinfc^aft, fo
©(Reibung, ^üt ber Stuflöfung bcr S6e. § 1452. 611
ftnb gemeinrc^tUd^ bic Slnfic^ten barüber gctficilt, ob aud^ im gaKc bcr ®f|cs
ft^eibung, roic im galle bcr 9luf (öfung bcr ®^c burd^ bcn Xoh, Quotcntficilung
ftattfinbct ober ob bofi gcmcinfame SBcrmögcn in feine urfprüngUd^en 33cftanb«
t^cile jcrtegt roirb (Dcrgl. ©euffcrt VIT, 193). 3n ben ^^Jörlitulorrcd^tcn fcl^lt
CS in bicfer ^injid^t junx 3:^ei( an außbrücfUc^cn Scftimmungen. Quoten*
tl^cilung finbct namentlid^ ftatt in ©d^lcfiroig-^olfiein, Dönabrüd (ocrgt. Qucft
oönabr. (Sntrourf § 23), ^ilbcö^cim, SScrbcn unb fabeln, ferner nac^ ben
JRcc^tcn üon SBürjburg, ©c^roeinfurt ßaftell, Dettingcn unb (Srbad^, foroie
nad& bem fäc^f. ®. 33. § 1702 (ocrgl. 5Wcubauer, 3uf. 6. 162). SÄuf bem*
felbcn 33oben ftc^en baö bomb. 2. 5R. unb bie tippc^bctm. SScrorbn. o. 1786
§ 32 fiir bcn gatt, i>a% bcibe ©Regatten fc^ulbig fmb. gür bcn gall bogegen,
ba6 nur bcr eine ®t)egQtte bcr fd^ulbigc 3;:^eil ift, laffen jene SRed^te bem uns
fc^ulbigcn ©liegatten bic SBalil jroifd&cn bcr SÄuöcinonberfcgung bc8 ©cfammt^
gutes nad^ feinen urfprüng(idt)cn S3cftanbtf)cilcn unb jTOifc^cn Quotent^cilung.
Seßteres gilt audd naä) preug. 21. 2. SR. II, 1 §§ 761, 755, 811, 812; roenn
aber fein Uebergcmic^t bcr Sc^ufb cineö ©Regatten außgcmittclt ift, fo erfolgt
bie 2ludcinanbcrfe|ung in bcr 3lrt, bafe iebcr 3::^ci{ fein in bie ®l^e gebrautes
ober roälirenb bcrfclben burc^ ©rbfc^aftcn, SSermäd^tniffc, ©efd&cnfc ober blofec
Olüdföfälle erlangtes 33crmogcn jurücfnimmt unb baS Uebrige unter beibcn
©Regatten glcid^ gctt}eilt mirb. 9lac^ bem roürttemb. ©ntro. § 285 ftef|t bem
unfc^ulbigen ©ficgattcn bie SBai^t jmifd&en 2:[)cilung beS ©efammtgutes nad^
Quoten ober nac^ ben ®runbfä|cn bcr ©rrungcnfd^aftsgcmcinfdtiaft ju. ©inäclnc
9lcd)te fd)lie6en ben fd^ulbigcn ©i^cgattcn tjon oUen SRcd^tcn an bem ©efammt*
gute poUftänbig aus, fo bie 9lcd&te tjon gutba, S3remcn unb bei beerbter Sl)c
bos linbau. Stabtr. unb baS fjo^cnlot). 2. dt, 3m gallc unbeerbter 6f)e laffen
bie bciben Icfetcren SHcd^tc bagegen baS ©cfammtgut in feine urfprünglidjcn
33cftanbtl)ei(c jcrfallcn (oergl. SReubauer a. a. O. S. 162).
3lai) ben SRcd^tcn bcr 6rrungenfd)aftSgcmeinfc^aft pnben im gaUc bcr
6f|cfd[)cibung, üorbctialtlic^ bcr S3cftimmungen über bic ©^cfd&eibungsftrafcn,
rcgclmäfeig in Slnfcl^ung ber 33crmögcnSauSeinanbcrfe6ung biefelben ©runbföfee
ftatt, wie im galle ber 3luflöfung ber ®^e burd^i bcn Xob eines ber ©tic*
gatten ; bod^ cntlialten ein jelnc Siechte, j. S3. bas bat)r. 2. 91. I, 6 § 43, für
jenen galt pngulöre aSorfd^rlftcn (ocrgl. 5Reubauer a. a. D. ©. 129, 130).
S)as franj. 5Rcd^t (code civil 3lrt. 1441, 1474) löfet aud& im galle ber
6^cf(Scibung ^albtfjcilung eintreten. 3laä) bem bab. SRcd^te (®ef. t). 6. SRärj
1845 § 20) gilt bics jcbod^ nur mit bcr SRobififation, bafe ber unfd^ulbigc
3::^eil bei Ungleid&^eit bes ©inbringenS jur 3lusglcid^ung einen 9lnfpruc^ auf
einen SBoraus f)ai.
2)a burd^ bic Sd^eibung bas Slcd^tsocrl^ältnife ber ©fie nur für bic 3u^ suiibpuntt
fünft aufgehoben wirb, bie bis ba^xn burd^ bie ©^e einmal begrünbeten entwürfe«.
3Birfungcn nic^t befeitigt mcrbcn, fo folgt aus allgemeinen ©runbfägcn, ba§
bas b\xxä) bie @ütcrgcmcinfd)aft ju einem beibcn ©Regatten gemeinfc^aftlid)
get)örcnbcn SBcrmögen oercinigte SJermögen bes einen unb bes anbercn ©^c-
gatten (§§ 1342, 1411, 1431 2lbf. 1) in golge bcr ©(Reibung nic^t mieber in
feine urfprünglid^en 83cftanbt()cilc 5crfaUen fann, fonbem als gcmcinfdtiaftlid^cs
aSermögen nac^ Quoten unter btn ©Regatten get^eitt mcrbcn mufe. ®ieS gilt
39*
612 ®(!&cibunö. SBibcrruf bon ©d&enfundeit § 1453.
mi) üon ber ocrtragömäfeigcn ©ütergcmcinfd&aft. S)ic SSorauöfcftung für bie
SBirffamfeit bcö ©ütcrgcmcinfc^aftöücrtragcs ift eine gültige @l)c. S)iefe SSor*
auöfcftung ift in bem \)\tv in Siebe fte^enben galle eingetreten. ®inc SSer-
änberung ber Umftänbe ift auf bie SBirffamfeit beö 33ertrageö nad^ aUgemeinen
©runbfäßen o^ne ©influfe. 6ä läfet fiel) oUerbingö nid^t üerfennen, bafe au*
ber Quotenll^eUung für ben unfc^ulbigen 2^^eil unter Umftänbcn gärten ent*
ftet)en fönnen. Snbeffen fann bicfe 5Rüc!fid)t ber Silligfeit nid^t alö burd^
fd^Iagenb cxaä)kt werben, um im galle ber ©d^eibung in Slbroeid^ung von ben
allgemeinen ©runbfäßen bie Sßermögenöauöeinanbcrfe^ung nid&t nai) Quoten^,
fonbern nad^ ben urfprüngli^en 33eftanbt^ei(en beö Oefommtguteö eintreten ju
laffcn, jumal einer fold^en ©eftaltung aud^ geroid&tige praftifdEie Sebenfcn ent*
gegenfte^en. $at bie 6^c längere S^xt gebauert, fo ift, nomentüc^ in ®r*
mangelung eineä Snoentareö, eine Sluömittelung ber urfprünglid^en 93eftanb*
t^cile beö Oefammtguteö unb iE)reä 3Bertl}eö f)äufig mit großen ©d^roierigteiten
üerbunben, unb brol^t biefelbe, ba bie ©tjegotten in golgc ber Sc^eibung fid^
in ber 5RegeI feinbüdfi einanber gegenüberfte^en, eine Duelle Don ©treitigfeitcn
unb 5ßrojef^en ju werben.
©ine anbere %taQt ift, ob nid()t jur Slusgleid^ung ber für ben un^
fd^ulbigen 2^^eil burd^ bie ©d^eibung nid^t feiten entfte^enben gärten mit ber
©d^eibung überl^aupt getoiffe oermögenßred^tlid&e 9lad^t^eile über bie 33eftim=^
mungen ber §§ 1453, 1454 f)inauö oerbunben werben foBen. SBegen ber
©rünbe, weld^e ben ®ntrourf beftimmt f)aben, aud^ biefc grage ju üemeinen^
wirb auf bie ÜKotiüe ju § 1454 üerwiefcn.
§ 1453.
©iberruf oon S)ic ©eftimmungeu beö § 1453 fd^tiefecn ftd& im SBefentlid^en bem preufe*
6<^enfurtöen. gj g gj^ II, 1 §§ 773—775 üw (ücrgl. ouc^ alteub. (SJjeorbn. § 281). 3u
einem älinlid^en, wenn aud& in einjelnen Sejicf)ungen abwei(ibenben 3lefu(tate
führen bie SBorfdEiriften beö franj. 9lec^teö (code civil 2lrt. 299, 300), ber
nürnb. ei;efd^eibungöorbn. 5Wr. 60, 62, 63, 65 unb beö l;eff. ©ntw. 9[rt. 94, 95-
3Iuö allgemeinen ©runbfäfeen, inöbefonbere auö bem ©efid^töpunfte ber 58or*
auöfeßung (§§ 742 ff.), läfet fid) bie 9lüc!forberung ber ^ier fraglicben ©c^en*
fungen nid&t begrünben. ©benfowenig liegt in 3BirfIid&feit ein gall beö Un«
banfeö üor (§ 449). 3nbeffen fprec^en überwiegenbe $HüdEfi(^ten ber öilligfeit
gegen ben unfd&ulbigen ©liegattcn bafür, bem leßtcren baö Siedet beö SQBiber^
rufeö ber ^ier fraglid^en ©c^enfungen einsuräumen. 3)iefer ©efic^töpunft
mufe aber anbercrfcitö in Uebereinftimmung mit bem preufe. 31. S. 51. ba^in
fül)ren, baö Sied&t beö Sßiberrufcö nic^t aucfi auf bcngatt auöjube^nen, wenn
beibe ©Regatten für fc^ulbig erflärt finb. 3lad) bem franj. Siechte verliert
bagegen in bem legteren galle feber X^txl bie x\)m oon bem anberen gemad^ten
©d^enfungen. gür biefe 9lrt ber Siegelung fann gettenb gemad^t werben, ba^
ein ©Ijegatte fic^ ju ©dEienfungen an ben anberen ©Regatten gerabc im ^in»
blic!e auf bie gortbauer ber ©^e unb auf feine 2:l)eilnal)me an ben 93ortl^eilen
ber gemad^ten ©c^en!ungen leidster oerfte^c unb bafe, wenngteid^ beibe ®^e*
gatten für fd^ulbig erttärt feien, bo^ nxä)t feiten ber eine oon i^nen ber über^
©Reibung. UnterßaltÄpfltc^t be8 fd^utbiocn 3:6eitc8. § 1454. 613
lüicgcnb fd^utbtgc S^^cil fei unb cö in fold&cn gälten eine UnbiHigfeit gegen
bcn anbeten (gJjegatten fein fbnne, mtnn bie SRüdEforberung ber ©efc^enfe aus-
gcfc^loffen fein foHe, namentlid^ tjom ©tanbpunfte eines ©efefebud^eö auö,
roeld^eö ba^ SSerbot ber ©d^enfungen unter (Sfiegatten auögefc^lofjen l^abe.
Snbeffcn fonn auf biefc ©egengrünbe um fo weniger ®mi6)t gelegt werben,
alö ber jenen ©rroägungen ju ©runbe (iegenbc Oefid^täpunft ber SSorauö*
fegung m^ % 743 9lr. 2 gerabe umgetel^rt ba^in fül^rt, bem fd^ulbigen S^fjeile
bie aiücfforberung ber ©efc^enfe ju terfagen.
3:a ha^ l)kx in ditbt fte^enbe SBiberruförec^t ebenfo raie ba& SRed^t beö
SBiberrufeö einer Sd^cnfung wegen Unbanfeö (§ 450) einen l)öd&ft pcrfönlic^en
i^arofter ^ot, fo empfielilt cö fic^, baö aSerlicillnife im ©injelnen in Slnlcl^nung
an bie aSorfd^riftcn über btn SBiberruf einer ©c^enfung wegen Unbanfeö
<§§ 450—452) 5U gcftaltcn. Unter bem 3lusbrudEe „©d^enfungen" finb l^ier,
wie übertiaupt im ©inne beö ©efegbuc^eö, nur ©d^cnfungen unter Sebenben
unb fold^e ©d&enfungen auf ben 2^obeöfaU ju oerftetien, wtdjt nad^ § 1963
alö ©df)en!ungcn unter Sebenbcn bel)anbelt werben. *
Uebcr bcn ©influfe, we(dE|en bie ©d^eibung auf bie SBirtfamfeit einer 8"»«ni>"n8en
tefetwilligen SSerfügung äufeert, burc^ wetd^e ein Ehegatte ben anberen bebad^t arobeäweflcn.
^at, ober auf bie aSirtfamfeit eincö jwifd&en ben ©Regatten gefd^toffenen ®rb=j
cinfegungö* ober Säermäd^tnifeüertrageö, wirb auf bie SBorfd^riften ber §§ 1783 ff.,
1948, 1949, 1962 tJerwicfen.
§ 1454.
I. S^aö rom. Siedet Derbinbet im galle ber ©d)eibung wegen ®(jebrud^eö ?^«*
oinb geiüiffer anberer, bem legteren gleid^geftcHter ©dieibungögrünbe ju ©unften ^^^rraten.*'
beö unfct)u(bigen 2:^eileö mit ber ©d^eibung ücrfdiicbene, bzn fd^ulbigen ^^eil ©ettenb«
trcffcnbe üermögenöred^tlid^e 9lad)t^eile auö bem ©efic^töpunfte einer billigen 3*e<^t-
®ntfc^äbigung für bie bem erfteren burcf) bie 3luf(ofung ber ®^e entjogenen
33ort^eile. S)ie 6f)efrau Derliert, wenn fte ber fd^ulbige 3::^eil ift, bie dos
unb donatio propter nuptias, in ©rmangelung einer dos ober rvtnn bie
Slücfforberung ber legteren einem 9lnberen jufte^t, ben oierten 5ti)e\l if)reö
93ermogenö, jebod^ nic^t über 100 ^funb ©olbeö. 3ft ber @f)cmann ber
fd^ulbigc 2^^cil, fo erl^ält bie Ehefrau bie dos unb bie donatio propter nuptias,
in Ermangelung ber lefetercn bcn nierten 2:^eil beö SSermogenö beö El^emanneö,
ieboc^ cbenfallö mit ber junor bejeidöneten Ginfd^rönfung. Sie aScrpftidbtung
beö fdbutbigen S^l^eileö, htn nierten 2^^cit beö Sßermogenö l^erauöäugeben, cr^öl;t
ftd^ in gewiffen gällen um ein ©rittet. 2Baö in biefer SBeife an ben um
fc^ulbigen 2^l^cil fällt, erhält ber tegtere, wenn gemeinfd&aftfidöe Äinber t)or«
l)anben finb, nur 5um SRiefebraud&e, wäl)renb baö Eigent^um auf bie Kinbcr
überge^it. 3n ber heutigen gemeinred&tlid^en ^rajiö unb 3)ottrin wirb bie
Stnwcnbbarfeit ber rbmifd^en E^efd^eibungöftrafen nid^t met)r in S^cifel ge*
jogen, wennglcid^ in einjetnen S3e}icl)ungen über ben Umfang ber 3lnwenbbarteit
bie Slnftc^tcn aud& iegt nodt) auöeinanbergel^en (nergt. ©euffert VI, 212,
XVn, 263, XVin, 259, XIX, 158, XXIV, 44, XXV, 135, XXVII, 143, XXIX,
35,246, XXXm, 311; genner unb aRccfe, cioitr. Entfd^. III, 12, VI, 12;
Entfd^. b. m. ®. in Eioitf. Vni, 48, XI, 41, XIV, 42, XV, 44).
614 ©Reibung. Unter^altöpfHd&t bcg fcSulbigcn SWIcS. § 1454.
3n ©Hnongetung befonbercr Seftitnmungen bcr ^ßartifularrcd^tc (DcrgL
aWolioe ju § 1452 oben ©. 610 ff.) werben bie röm. ß^efcbeibungßftrafcn in bcn
(Sebieten bcö gemeinen Sled^tcö auci^ bei ber ©ütcrgemeinfd&aft in bcr ärt
angeroenbct, bafe ber fc^ulbige ©licgottc ben vierten S^^eil feines auf Orunb
ber SBermögenöauöeinanberfegung f\d) ergebenben 33ermogen& an ben un^
fd)ulbigen ©Regatten üerliert (üergl. ©euffert XIX^ 246).
Stbroeid^enb t)om rom. Siedete giebt eine weit uerbreitete gcmeinre(6t(i(]^c
^ßrofiö bem unfc^utbigen ©f^egatten ober bod& ber unfd^ulbigen ß^efrau im
SBebürfnifefalle aud^ einen SInfprud) auf Unterlialt gegen ben fd)ulbigen S^tjeil
(üerg(. Seuffert XU, 40, XIV, 42, XXY, 135, XXXV, 218). ®egen bicfc
^rajiö \)at fid^ iebod& baß SReic^ögerid&t (©ntf^. in dioUf. VIII, 48) crflärt
(oergl. aud) ©euffert XIII, 146; Urtf). b. 31. 0. ju SeUe d. 1871 in ber
3eitfc^r. für l^ann. 9led&t V S. 44 — gegen bie frut)ere ^rajriö oon Seile).
3im 9lnfc^Iuffe an bcn ben röm. 6f)cfcbeibuugsftrafen iu ©runbe licgcnben
(Sebanfen liabcn anö) bie meiften ^artifularred&te mit ber Sc^eibung für ben
fd^ulbigen S^fieil gcmiffc ücrmögensrcc^tlidöe 5Wad^tbeilc tjcrbunbcn, rocld^c
roefenttic^ eine billige ©ntfd^äbigung bcö unfd&ulbigen 2^l)eileö für bie i^m
burd^ bie Sd^eibung entjogenen 9Sortf|eite bcjmedEen, fo inöbefonbcre boö mürttemb.
2. 5R. II, 32 § 1, bas bai)r. S. 5W. I, 6 § 43, baß preufe. 21. S. 91. II, 1 §§ 783 ff.,
boß goti e^egef. §§ 154 ff., bie altcnb. e^corbn. §§ 273 ff. unb baß fc^roarjb.
fonberßl). ®l^efd^eibungßgef. §§ 30 ff. 3n ber 2lrt ber SSermirflid&ung jeneß
(Sebonfenß meid^en bie bejeid^neten Siechte inbeffen, jum Xi)t\l in Ronfcqucnj
i^rer Dcrfd^iebcnen güterred^ttid&en unb erbrcd^tUd&en ©^fteme, im ©injelnen
üielfod^ oon einanber ab. SBö^renb baß röm. SJcc^it, rocld^eß nur ein fe^r be*
fd^röntteß gefefelid^eß ©rbred^t ber ©^efrau fcnnt, J^auptfäd^lid^ bie roä^renb bcr
©^e burdö bicfc für bie ©Regatten begrünbeten a3ortl)cile inß äuge fofet, legen
baß preufe. 21. S. 5R., baß gotl^. ß^egef. unb ücrf^icbcnc ba^r. Statuten boß
^auptgemid^t auf bie bem unfcbulbigen S^^cite bur^ bie Sd^eibung entge^enben
erbrcc^tlid^cn 58ortl)cile. 2lm beutlid^ften tritt bieß im prcufe. 21. S. 91. 11, 1
§ 784 unb in ücrfd^icbcnen bar)r. Statuten ^erüor, wcldfie gerabeju bcn Safe
l^inftcllen, bafe ber fd^ulbigc 2:^eil alß im 2lugenblic!e ber ©d&eibung perftorbcn
anjufel^cn fei, rocnnglcid^ fie bie Äonfequenjen biefeß ©afecß nid&t immer im
üoÜen Umfange gießen. 5Die altcnb. S^corbn. farafterifirt bie ©ficfd^cibungß*
[trafen außbrüdlic^ alß eine ©ntfd&äbigung für bie fämmtlid^en burd^ bie 6^c
fomobl roä^renb berfelben alß nadd 2luflöfung berfclbcn burcb ben 2;ob ent*
ftcljcnbcn ^ortl^cile. 2luf bcmfclben ©cbanten berufen bie SBorfd^riften beß
fd^roarjb. fonberßl). Ocfcfecß.
2lud(i in ber 2lrt ber geftfegung bcr ©ntfd^äbigung unb beß Umfangeß
ber legieren meid^en bie ^ßartifulan-cd^tc mcl^rfai^ üon einanber ab. aSäl^renb
bie altcnb. ©^corbn. burd^ 5ef*^fe^"Ö ci"cß SWinimum unb SWajimum bem
rid^tcrlid^en ©rmcffcn einen gemiffen ©pielraum läfet (tjcrgl. aud^ öfterr. ®. 39.
§ 1266), liabcn baß roürttemb. S. 9i., ba^ baqr. S. 31., baß prcufe. 5K. S. 3i.,
baß gotl). ©licgcf. unb baß fd^marjb. fonberßl^. ©I^cfd^eibungßgcf., je nac^ ber
SScrfd^ieben^eit ber gälle, bie 2lrt unb bie ^öl^c bcr ©ntfd^äbigung gcfeftlidb
genau beftimmt. 33ei biefer Seftimmung fmb inbeffen jugleid() ftrafredjt«
lid&e (Sefic^tßpunftc mef)r ober meniger maggebenb gemefen. S)ies jcigt ftd^
e^cibuno. Untcrr)alt?pfli(6t bc§ fd^ulbiöen ^})nU^. § 1454. 615
namentü^ in bcnjenigcn Ocfe^gebungen, njcld^e, roic baö prcu6. 91. S. 91.,
baö gott). 6^egcf . unb baö fd^roarsb. f onbcröt). ®^efd)eibungögef., je noclibcm bie
Sd^cibung burd^ fc^rocrc ober ntinbcr fd^rocrc SScrgc^ungcn tjcranlafet roorben
ift, eine l)o^erc ober geringere Slbfinbung feftfe^en. 3lnd^ nocf) ber altenb.
6t)eorbn. foU bei geftfeßung ber Oröfee ber ©ntf^äbigung auf bie perfönlid^e
Sc^ulb beö aScrppid&teten SRücffid^t genommen werben. 3laä) preufe. 31. 2. SR.
unb bem f^marjb. f onberö^. Oefcfee fann bie ®f)efrau ftatt ber 9Ibfinbung ben
9lnfpruc^ auf Unterf)alt gegen ben @t)emann wählen. 2)aö preu^. 91. 2. 91.
gcroäl)rt unter Umftänben aud& bem G^emanne ein fold^eö 2Ba^lred)t. 3laä)
ber altcnb. 6l)eorbn. unb in gemiffen fällen axiä) nad) bem gotl). S^egef. ftet)t
bem unfcöulbigen ®{)egatten neben ber 9Ibfinbung ein 9[nfprud& auf Unter*
^a(t 5u.
3m ©cgenfage ju ben biöl)er angeführten Siedeten geroölirt baß franj.
Siecht bem unfd&ulbigen ©l)egatten gegenüber bem fc^ulbigen ©f)egatten feinen
9(nfpruc!^ auf ©ntfd^äbigung ober auf 9lbfinbung, fonbern nur einen auf ben
^all beö Sebürfniffeö fid^ befd&ränfenben Unterljaltöanfprud^ (code civil
9lrt. 301). ©aneben ift aber beftimmt, baß im ^alle ber Sd&eibung an^ einer
beftimmten Urfad^e berjenige (gf)cgatte, mclc^er bie Sd^eibung auögeroirft \)at,
alle i^m üon bem anberen (5f)egatten im ©^eoertrage ober möl^renb ber ®^e
i^ugeroenbeten 3Sortf)eiIe felbft bann, menn biefelben med^felfeitig bebuugen fein
foUten, beWIt, mäl^renb ber anbere ©begatte, gegen roeldEien bie ©d()cibung ju*
geladen ift, bie il^m oon bem anberen ©fiegatten 5ugemenbeten Sßort^eile ücr*
liert (code civil 9[rt. 299, 300). 9luf bem 53oben beö code civil ftel)en aud^
baö bab. 2. 9i. unb ber Ijeff. ©ntro. TI 9lrt. 94 u. 96, III, 9lrt. 39, IV 9Irt. 469,
484, baö erftere feboc^ mit ber in ben SKotiüen 5U § 1452 oben S. 611 bc?
5eid)neten Sßobififation.
anit bem franj. 9led^te ftimmt ferner baö fäd^f. ®. 33. § 1750 barin
uberein, bafe bie ©d&eibung für ben unfd&ulbigen ^^eil feinen 9rnfprud^ auf
Gntfd^äbigung ober ^bfinbung, fonbern nur einen Untert)altöanfprud) begrünbet,
meld^er jebodb mit bem 9luft)5ren beö Scbürfniffeö roegfällt. 9lbn)eid&enb Dom
code civil oerbleibcn aber nac^ bem fäd^f. ®. 93. §§ 1746, 1706, 2055, 2557
bem unfrf^ulbigen ©Regatten nid)t bie if)m üon bem anberen ©fiegatten burdl)
Glje- ober ©rbüertrag jugeircnbeten 55ortf)cile.
2)er ©ntrourf l;at fid), fooiel bie S^age betrifft, ob bem unfd^ulbigen stanbinmu
J^cile gegenüber bem fd^ulbigen I^lieile ein 9Infprud^ auf ©ntfd&äbigung ober «„tiöutte«.
auf 9lbfinbung wegen ber bem lefeteren burd^ bie Sdieibung entgel^enben SSor-
tl)ei(e eingeräumt werben foH, bem Stanbpunfte beö franj. 9led&teö unb beö
fäd)f. ®. S3. angefd^loffen. 9luö ben allgemeinen ©runbföfecn läfet fid& ein
fold&er 9Infprud^ nid&t begrünben (oergl. ©ntfd^. b. 91. ®. in Giüilf. VIII, 48
3. 188). 3wbem roiberftrebt eö bem SBefen ber ©^c, biefelbe einem oer^
mögenöredötlid()en, auf bie ©riangung oermögenöred&tlid&er SSort^eile gerid^teten
9led)tögef4cifte gleid^juftcllen unb alö eine Cuelle fold^er 3Sortf)eile rcd^tlid^
i^u befjanbeln. Demgegenüber fonnen Siüdffxd&ten ber S3inigfeit nid^t ent-
fc^cibenb inö ©eroid&t fallen, jumal, wie in ben 3Rotit)en beö l&eff. ©ntm. II
2. 103 nid^t o{)ne Orunb I)ert)orge{)oben wirb, bie ©tjefc^eibungöftrafen unter
Umftänben aud^ gegen ben fd^ulbigen ^f)eil in große gärten auöarten fonnen.
C06 ©d&eibimg. irennunö ü. Zi\i! u. Sett. Stugf^Iießunj. § 1448.
an einer jur Surd^fu^runfi beö ©d^eibungöred^tcö unb jur SBoIirung ber grift
geeigneten Älage (üergl. § 171 STbf. 1). ©rfolgte bic Äbroeifung ber ftlage
roegen ungenügenber ©ubftantürung — fofem eine fold^e 9lbn)elfung nad^ ben
aSorfd&riftcn ber (5. 5ß. D. überhaupt noi) üortotnmen fann (ocrgl. ®ntf(^. b.
5R. ©. in 6ioilf. VI, 107, IX, 120 ©. 418) — , fo fd^üfct gegen eine ©ieber*
f)oIung ber Silage bie SBorfd^rift beö § 576 ber S. 5ß. D.
cinpuft b« Der ben SBorfd^riften ber §§ 574, 576 ber 6. % SD. ju ®runbc liegenbc
üu^^xt^^l ©ebanfe, ba§ burd^ bie ©rl^cbung einer auf einen beftimmten S^cibungö* ober
^rennungögrunb geftüfeten Älage (§ 592 ber Q. ?ß. D.) gleid^roolil ha^ e^elit^
SBerfiältnife in feiner S^otalität jum ©egcnftanbe beö ^rojeffe« gemacht wirD,
fu^rt fonfequent ju ber Seftimmung beö § 1447 3lbf. 5 (Dcrgl. ®ntfd&. b.
SR. ®. in aiuilf. XV, 68). ©iefelbe ift namentlid) im "ginblicfe auf folc^e
^äQe alö angemeffen ju erad^ten, in n)eld^en ein (S^egatte ein bea^tenön^ertbeö
Snterefle baran ^at, geroiffe ©^eibungögrünbc in bcm ^ßrojejfe vorläufig }u
t)erfd&n)cigen.
§ 1448.
s9enu4uno SBeungkid^ bie S3cftimmung beö § 1448 alö felbftoerftSnbUd^ betrtt(^tet
flVf^fofTen«! "werben fonnte, weil in bem üorauögefefeten gallc ber auögefd^Ioifene Sd^eibungö-
(Sc^ibunft«. ober 2^rennungögninb nid^t alö felbftänbige red&töerjeugenbe STljatfad^e, fonbem
flrunbefl. ^^^ ^^^ Äarafterifirung unb jum SBemeife eineö neuen ©d^eibungö* ober
S^rcnnungögrunbeö in Setradfit tommt (üergl. ©euffert VIII, 267, XII, 37),
fo ift eö boc^ wegen ber praftifd^en SBid&tigfcit ber grage unb jum Q^cdt bct
Sefeitigung oon 3w)eifeln, roetd^e a\\& bem ©d^roeigen beö ©cfefteö fid^ ergeben
fönntcn, nad) bcm SBorgange anberer ©efe^gebungen (code civil 9Irt. 273;
bab. 2. 91. ©afc 273 ; l)ef|. ©ntro. 3Irt. 85) alö rott;f am erad&tet, jene Scftimmung
aufjunel)men. ©urd^ bie allgemeine S^ffung beö § 1448 toerben fomobl bic
gäÖe, in meldten baö Siedet, bie Sd^cibung ju üerlangen, burd^ SSerj^ribung
ober 3<^itablouf (§§ 1446, 1447), alö aud& ber gall, in meld^em fcneö SHedbt
in ®emä§t)eit beö § 576 ber 6. 5ß. D. auögefd^loffcn ift (oergt. bie neue Raffung
beö § 576 ber 6. 5p. C. in ber Stnm. ju bem Unterabfd^nitte „rv^ UngüUigfeil
ber 6l)e" unter II, 5), gebccft.
§ 1449.
<sntf(^eibun0 Sie mit beu meiften geltenben Siedeten im Sinflange fte^enbc ^'
Qi^mmt, fti^w^wng beö § 1449 ©ag 1, ba^ ber SHidS^ter in bcm Urtl^eilc, burd^ n)dd&cö
auf ©d^eibung erfannt mirb, oon älmtömegen ft^ baritber auöfpret^cn mu%
wer ber fd^ulbigc 3:^eil fei (t)ergt. ©euffert XLI, 1 ; prcufe. 91. S. 9t. II, 1
§§ 745 ff.; preufe. Ocf. für bie ^rooinj ^annooer u. 1. ÜRärj 1869 § 27;
nürnb. @l^efd^eibungöorbn. 9lr. 56; got^. @^cgef. § 154; fd^marib.foitberöb.
@^efd^eibungögef. § 15), ift mit 9tüdFftd^t barauf geboten, bag bie jiotirctbt«
li(^en äSirfungen ber ©d^eibung, ie na^bem nur ber eine S^egattc ober ]eber
ber ©Regatten ber fd^ulbige ^l^cil ift, in mel^rfad^er 9e}iel^ung fid^ Dcrfdbiebcn
geftalten (oergl. §§ 1453, 1454, 1456). ©a aber nac^ § 1461 in äkrbinbung
mit § 1456 bie ©d^ulbfrage aud^ in bem ^aUe pon Sebeutung ift, lucnn nur
S4cibuno. Srcnnung t?. Sifct u. S3ctt. ©^ulbfrage. § 1449. G07
auf Trennung von 2;ifd^ unb 93ett crlannt lüirb, fo ift cß erf orbcrlid^ , bafe
Qii(^ bereite in bem Srcnnungöurt^cile (§ 1444) über bie ©d^ulbfrage cnU
((Rieben wirb. SBom ©tanbpunfte bcö ©nttüurfcö aus, roeld^cr baö S^rcnnungö^
urt^eK tnoterieQ ald bebingteß Sd^eibtingdttrt^eil bel^anbelt (t)erg[. § 1445
netft ÜRotiücn oben ©. 599 ff.), fctnn bieö einem Scbenfen md)t unterliegen.
3nßbcfonbere ift nid^t ju beforgen, bafe boburd) ber 3^^* ^^ Trennung von
2ri|^ unb S3clt, eine 9luöfo^nung unter ben 6t)egatten ^erbeijufü^ren, ge*
fä^rbct werben fann, ha eö fid^ nur barum Iianbelt, in bem S^rennungö?
url^cUe bad|enige formell aud^ufpred^en^ roa& materieQ in bemfclben a(ö
einem bebingten @d^eibungdurt^ei(e not^menbig entl^a(ten ift. @ine nod^maligc
moterieHc Prüfung unb ©ntfd^eibung berfelbcn grage wirb baburd^ nid)t Der-
onlaöl 3lur in äfnfel^ung beö Ätägerö fann in bem ^ßrojcRe über bie auf
©runb beö § 1445 erI)obene Sd&eibungöHage eine fefbftönbige 5ßrüfung unb
Gnt|(^eibung ber Sd&ulbfrage erforbcrlid^ werben, rotnn in bem S^rennungö-
urteile allein ber 83eWagtc für ben fd^ulbigen SC^cil crllärt loorben ift,
berfelbe ober t)on bem iljm nad^ § 1449 Safe 2 iuftefienben Siedete (Sc*
braud^ mad^t.
SJa ber ©ntrourf nur foId)c ©d^eibungö* unb 2:rennungögrünbe fennt, «bie^nun«
rocl^c auf einem SSerfd^uIben berufen, fo ergiebt fid| Don felbft, bafe, wenn «^JE^ung«,
ouf £(|eibung ober 2^rennung oon 3;:ifd) unb 93ctt erfannt wirb, ber ©begatte, w^mt^
gegen joel^ien bie fliagc erl^obcn ift, für ben fd^ulbigen 2:^eil, unb wenn ein
jeber ber ©l^egatten ouf Sc^cibung ober SE:rennung t)on iifd^ unb S3ctt gc-
flogt ^at unb beibc Älagen für bcgrünbet erad^tet werben, jeber ®^egatte für
ben f(^ulbigen SCI^eil erflärt werben mufe. 2)aö bem preufe. 31. S. 9t. II, 1
§§ 746—750, ber nümb. 6löefd)eibungöorbn. 3lx. 56 ff. unb bem gotl^. ß^egef.
§§ 155—157 SU ©runbe liegenbe 3lbroägungöfi)ftcm, nad^ weld^em, wenn
beibe ST^eile fic^ gegenfcitiger Sßerge^ungen f^ulbig gcmod^t l^aben, in bem
Urt^eile ju beftimmen ift, ob unb bei weld^cm 2^t|eile boö Uebergewid^t ber
Scjiilb obwaltet unb nad& wcld^em nur berjcnige 2^^eil, weld^em ein Ucbcr-
flewi^t ber ©d^ulb jur Saft fällt, bie ben fc^utbigen 3:i)cit treffenben bc-
fonberen 9Iad^tf>eifc erleibet, ift wcbcr prinjipiell ju red^tfertigen, ba, wenn bie
6^ auf Orunb ber beibcrfeitigcn Sßerfd^ulbungen gcfd^ieben wirb, bie Icfeteren in
i^er SBirfung auf bie @^e afe gleid^ fd^wer erfd^einen, nod^ aus praftifd&en
®tünben ju empfel^Ien, weil bie SJbwfigung ber terfd^icbcnen ®rabe ber SSer*
ft^ulbung mit ©d^wierigfeiten uerbunben ift unb leidet ju einer Söerweit-
läufigung ber ©d^eibungdprojeffe fül^ren fann. älud biefen ©rünben ^aben
öti(^ ber preu§. ©cfefereoifor, ^enf. XV §§ 69, 70, unb bie fpäteren prcufe.
entwürfe über ®^cfd^bungen fid^ gegen jcneö tanbrec^ttid^c ©pftem erflärt.
Um ben SBeflagten, weld^er feinerfeitö bie ©d^eibung ober bie S^rennung e<*uibi0-
wn «ifd^ unb S3ctt ebenfaDö ju verlangen berediitigt ift, aber meflcid^t axi&'m^^^
(Sewiffenöbebenfen ober überl^aupt im Sntercffc ber 3lufred&terl)altung ber 6^c ®S'!"^*^
eine 9Siberftage nid^t ju erl^eben wünf d^t, nid^t in bie 3toangölagc ju perf efeen, * * "^ *
entroebcr eine SBiberflage erl^eben ober bie 9iad&tl)cilc auf fid^ ncl^men ju
inüifen, weld^ ben allein für ben fd^ulbigen 2^^eit erftärten ©Regatten treffen,
beftimmt ber § 1447 ©afe 2 im SKnfd^luffe an bie gteid^e aud^ in ber gemein-
rei^tli^en, ber preuß. unb ber franj. Suriöprubenj t)ertrctene Sluffaffung (ocrgt.
608: ®$cibunö. Svcnnuns t>. 2:if$ ii. Sctt. ©dßulbfraoc. § 1449.
anä) fjeR. ®ntn). Slrt. 86 ncbft aHotiocn S. 96 ff.)/ l»o6 i>ic SBcftimmung in bcm
Urtl^cilc, bQ§ icbcr ©fiegattc bcr fd^utbigc Xl)txl fei, auf 3lntrag bc« Scllagtcn
anö) bann erfolgen mu6, wenn bcr 33etlagtc bic ©d)cxbung ober bic 2:rcnnun9
oou ^i\ö) unb S3ctt ju »erlangen bcrcd^tigt ift, eine SBiberflagc aber nid^t
erf)oben f)a\. ®aöfelbc foU nad^ § 1447 ©ag 2 bann gelten, roenn baft
9ted)t beö Seflaglen auf Sd^eibung ober auf S^rcnnung üon 2:ifd) unb 9rit
burd) SBerjei^ung (§ 1446) ober burdd S^ito^^I^^f auögefc^loffen, bcr SSerlufl
beä SRcd^tcö aber erft nad^ 6ntftel)ung beö t)on bcm Älöger geltenb gemalten
Sd^eibungögrunbcö eingetreten ift. S)iefc lefitere Seftimmung fnüpft an bic
in ber preufe. ©oftrin unb ^rajiö uertretenc Sluffaffung an, ba^ ein wr*
Sic^cner ©d&eibungögrunb (91. 2. M. II, 1 §§ 720, 721) für bic entfd^eibung
ber Sdjulbfrage nod^ geltenb gcmad&t werben fonne (i)crgl.5ßrfii.b.Cb.3:rib.l776,
Samml. I, 156; ©triettjorft VII ©. 113; ©cfcfereo., ^cnf. XV S. 427, 388;
anbercrfeitö ®ntfd&. b. SR. 0. in Sioilf. XV, 68). 5Der ®ntrourf gel^t icbodd baoon
aus, bafe fein außrci(i&enber (Srunb vorliegt, biefen Saß aud^ auf ben galt auö«
äubel^ncn, in meld^em bcr Sctlagte, nad^bem er einen il)m juftelienben ©d&eibungö*
grunb ücrjicljen ^atte, bic ba^ ©c^eibungöredjt beö Älägcrö begrünbenbc $anb*
hing begangen f^at. 3m ®egentl)eir würbe eö für ben Älägcr unter Umftönbcii
l)art unb unbillig fein, wenn aud) er für bcn fd^ulbigen 2^^cil erflfirt werben
fönnte, obwol^l bcr Sdjcibungö^ ober 3;:rennungftgrunb, ju weld&em er S3cr*
anlaffung gegeben liatte, üieUeic^t weit in bcr aSergangcnlicit jurücfliegt unb
bic fd^äblid^en gotgen feiner §anblung längft tjcrfd^wunben finb. SlnbcrcrfcitiJ
fann in ber 9lid^tberüdEfid&ligung beö burd& SScrjeifiung ober 3citoblauf aus-
gefd^loffencn Sd^eibungä^ ober S^retinungögrunbcö in ienem gaDe eine Um
billigfeit gegen ben SBeftaglen nid^t gefunbcn werben. Slnbcrs liegt bagcgen bie
Sad&e in bcm im § 1447 ©aß 2 am Sd^luffc uoraudgcfeßten gallc. 3»i
biefem galle rü^rt bic ^anblung beö SJeflagteu, auf Orunb bcren bic ©d^eibung
ober bic Strennung t)on Sifd^ unb Sett erfannt wirb, aus einer ^üt ^er, in
wcld^er bie @^c eine aud^ burc^ bie ©d^ulb beö ^lögerd jerrüttctc war unb
aud^ bcr S3eflagte bic ©d^eibung ober bie 3:^rcnnung oon ä^ifd^ unb S3ctt oer^
langen fonnte. 3n einem fold^cn gallc liegt bie Slnna^mc na^c, ba% ber Sc*
flagtc ben ©d^eibungdgrunb ober 2^rennungdgrunb in ber Erwartung Dcrjic^en
bcjw. binnen ber ^ßräflufinfrift nid^t geltenb gemad&t l|at, bafe auc^ bcr ÄWget
bcn H)m juftelienben ©d^eibungö* ober I^rennungögrunb nid^t geltenb mad^en
werbe. @d würbe bcd^alb unbillig fein, .wenn ber 99cftagte in biefem gaOc
auf ©runb beö burd^ 93crieil^ung ober 3citablauf auögefd^loffenen ©d^eibungfi^
grunbcd ober S^rennungdgrunbed nid^t einmal bm älntrag foQte fteDen fönncn,
bag aud) ber Stlägcr ffir ben fd^ulbigen 2:^cil erfl&rt werbe, ^ie ^ier fragü^e
Scftimmung bejic^t fid^ übrigend nur auf fold^e göllc, in wcld^cn bad älcdtit
beö Scflagtcn burd^ SScrjcifiung ober S^itoMcuf auögefd^loffen ift. ©agcgcn
fann bcr im § 1449 ©aß 2 gebadete Eintrag beö Seflagtcn gcgcnubor bcr
Hlage, burd^ weld^c nad) a)fa§gabc beö § 1445 Slbf. 1 auf ©ninb beö frü^u
!J^rcnnungöurtl^eitcö bie ©d^eibung »erlangt wirb, auf fold)C 3:^atfa(^en nidtit
geftüßt werben, welche nad& § 576 bcr 6. ^. D. (uergl. bic 9lnm. 1 ju ^uäf IV
Slbfd)n. 1 ^it. 1 §§ 1250 ff. unter II, 5) bcöbalb auögcfc^loffcn fmb, weil bic*
fclbcn in bcm früfjcrcn Skd^töftreite bitten geltenb gemad^t werben fornicn.
Sd&dbuno 2C. Urt^cilgforniel. ^^rojc^fofeiöfeit 2C. §§ 1450, 1451. 609
2as Urt^eil, burd^ rocid&cß ber eine ober onbcrc ®f)cgQttc ober beibe
(Statten für ben fd^ulbigen 3:^eil erflärt werben, fiat in 3Infel^ung ber baran
fxä) fnfipfenben rec^tlid()en SBirfungen einen fonftitutit)en Äarafter.
§ 1450.
£ie 33eftimmung beö § 1450 , welche lebiglic^ ben Äorofter einer Crb* sc^efbuirg
mmgfioorfc^rift ^at, bejroecft, bic 2)ur^füf)rung beß im § 1237 beftimmten a^^S^^,
%Derbotcö ju ftd^ern. SBenngleid^ , um baö (St^etjerbot bcs § 1237 ju be- ^„toit ber
grünbcn, bie Sejeid^nung besjenigen, mit roeld^em ber ©l^egattc beß 6l)ebru(j^cö urt^cu«.
fiä) fc^ulbig gcmad^t f)ai, in ber UrtI}eiteforme[ nid^t erfolgt ju fein brQud^t, ^°"""'
fo ift cß boc^ im Sntereffe ber ©rleid^terung beß Sienfteß ber Stanbeßbeamten
öngemcffen, ben 9iid&ter anjumeifen, bic 5ßerfon beß mitfd^ulbigen ©ritten in
ber Urt^eilöformet ju bejeic^nen. 5Dq6 bie Sejeid^nung nur infomeit ju er?
folgen t^at, qIö bie SSerfianbtungen bie ^^erfon beß ©ritten ergeben, entfprid^t
bcm bie G. % C. be^errfd^enben ©rnubfa^e ber aWünblid^feit. 3n ber 9ie*
cifionsinftan} fann ^iernod) bie Sejeic^nung, obmofit bie 3Sorfd[)rift beß § 1450
bem öffcntlici^cn SRed^tc angehört, nid^t mel^r erfolgen, ba ^ier bie münbUt^e
Ser^anblung ftd& auf jene 2:f)atfrage nid^t erftredfen fann unb bie geftfteHung
ber Icgtcren überi^aupt nicftt jur S^ftänbigfeit beß SReüifionßrid^terß gehört (oergl.
jeboc^ Urtli. b. 31. ®. bei ©rud^ot XXIV ©. 496). 3n ©rmangelung einer
cntgegenfte^cnben Seftimmung oerftefit eß fid^ ferner von felbft, bafe ber ©ritte
oorfter nid^t Qtf)bvt ju werben braucfjt; benn, roenngleid) berfelbe burd^ bie
SeftftcIIung inbircft mitbetroffen mirb, fo ift boc^ bie ©ntfd^cibung nid^t gegen
i^n, fonbcni gegen ben SBeflagtcn gerid^tet.
§ 1451.
©ic ben §§ 1267, 1276 jtd& anfd&lie§enbe S3eftimmung beß § 1451 bc:^ ^xo\imm^
ni^t auf ä^nlid^en ©rroägungen, mie biejenigen, roeldfie ju ben S3eftimmungen Vertretung.
ber §§ 1267, 1276 geführt ^aben (üergl. bie SWotioe ju §§ 1267 , 1276 oben
S. 97, 110). ©afe inßbefonberc ein SSormunb nid^t legitimirt ift, für feinen
3RünbeI eine ©c^cibungßflagc ju crl^eben, mirb aud| tjon ber 5ßrajiß unb über^
roiegenb von ber ©oftrin angenommen (uergl. ©euffcrt IX, 78, XLII, 304;
entfd^. b. S». ®. in ©imlf. VI, 41 ©. 157, IX, 58 ©. 221).
©urci^ bic in ber Slnm. 1 ju bem Unterabf^nittc „IV. Ungültigfett ber sBerfa^ren.
I^e" unter n mitgct^eitten, jur SKufnal^mc in baß ©infüJ^rungßgefefi beftimmten
SfenbcTungcn unb ©rgänjungcn ber SBorfd^riften ber 6. 5)3. D. über baß S8er*
tQfiren in (S^efad^en wirb in ücrfd^iebenen Slid^tungen aud^ baß 33erfaf)ren in
bem Sec^tsftreitc, mefd^er bie Sd&eibung ober bie 2;rennung von 2:ifd^ unb
9ett jum ©egenftanbc ^ot, betül^rt (t)crgl. inßbef. bie neuen §§ 578 a, 576,
577, 584 a, 592 bct S. % D.). ©ic Segrünbung biefer Slenbcrungen unb ®r?
gäujungcn ift ber JBegrünbung beß ©infüJ^rungßgefefeeß t)orbe^aIten (oergl.
iebod^, fomcl bie §§ 576, 584a betrifft, bie 2»otit)e }u §§ 1256, 1268 oben
S. 63, 98 ff.).
Stotise i. bÜTBcrf. Oefe(&u(!^. IT. 39
610 <S*eibunö. Seit ter ?luf(öfunfl bec S^c. § 1452.
§ 1452.
Seitpunft ber S)cm 33egriffc ber ©d&eibung (§ 1440 2lbf. 1) unb bem tonftitutiDen
*"^^^ij"^ ^ Äoraf Icr bc§ ©c^eibungöurt^cilcö cntfpric^t cfi, bafe bic 3luf[6fung ber e^c
mit ber SHcd^töfraft bcö bie ©(Reibung beftimmenben Urt^cileö eintritt ®ic6
ift aucft ber Stanbpunft beö gemeinen SRed^teß unb ber mciften neueren ®cfe|^
gebungen (ücrgl. preufe. 31. 2. SR. II, 1 §§ 731, 732; nürnb. @^ef^eibung«orbn.
9ir. 81; gotf). ef)egef. § 151; f c^roar jb. f onbcrö^. e^efc^cibungßgef. §§ 24,
27—29 ; fäd^f. ©. 8. § 1746). Surd^ bie gaflung beö § 1452 mirb mit ge*
nügenber 3)eut(id^!cit jum 2ludbruc!e gebracht, bafe burc^ bie ©d^eibung — im
©egenfage jur 3lnfe^tung (§ 1260) — baö 9?ec^tdt)er^ältni6 ber 6^e nur für
bie 3i*fwnft beenbigt roirb, bafe bagegen mit ber ©Reibung feineömegfi oUc
burd^ bic ®^e einmal begrünbeten SBirtungen roegfaUen (üergf. § 33).
erbrecht gjon felbft oerftel^t cö ftd&, bafe mit ber Sd^eibung aud^ boö gegenfeitigc
(Srbrcd^t ber ©Regatten megfällt, ba ein gefc^iebener (Sl^egattc fein ©begatte
mel^r ift unb balier afe fold^cr auc^ nid^t mel^r erben fann. Slnbcrcrfcitö
ergiebt fid^ auö § 1452, ba§ baö ©rbred&t erft mit ber SReditöfroft bed
©c^eibungöurt^cileö wegfällt. SBegcn ber Orünbe, aus meieren ber ©ntrourf
bcn Sßerluft beö ©rbred^tcö nid^t fd)on an einen frül^eren S^i^pu^f^ ^"^
befonbere an bie Älagccr^ebung, gcfnüpft liat, mirb auf bie SWotioc bcö 6rb«
red&teö Sejug genommen.
«ermöflens. sjjuö bcr Scftimmuug beö § 1452 folgt ferner, bafe aud^ bie ocrmogcnörctöt«
"" feiun"fl "' lid^cn SBirhingen ber ®l^e erft mit ber Slec^töfraft beö ©d^eibungöurt^cileö px
bie 3ufunft auff)örcn, bafe mittiin biefer 3^i*pwnft für bic 93ermogenöaud*
einanbcrfefeung unter bcn gcfd^iebenen ©Regatten mafegebenb ift. ®in Ses
bärfni§, ben ftagenben ©Regatten in ber ^ier fraglid&en Scjie^ung naeft bcm
aSorbilbe beö preufe. 31. £. 5R. II, 1 §§ 769—771 gegen bcn böfen SBitten bcö
anberen ©Regatten burcb befonbere SSorfd&riften ju f^üfccn, fann nid^t anerfannt
merben. Snöbefonbere trifft aud^ bie Sfnalogic bcr §§ 1329, 1379 nid^t ju,
ba bic ©adE)Iage nid^t bic glcid^c ift.
S)ie SScrmögcnöauöcinanberfcgung felbft erfolgt na^ 3Raggabe bcr all«
gemeinen für bic 2lufl)cbung beö betreffenben ©ütcrftanbeö geltenben Sod
fc^riften. S)ieö ift, oorbc^altlic^ bcr S3eftimmungcn über bie G^efc^eibungö«
ftrafen, aud^ bcr ©tanbpunft bcr auf bem S3obcn ber SBcrmaltungögemeinfd^aft
ftc^enbcn ditd)k (oergt. preufe, 91. S. % H, 1 §§ 766 ff; fäc^f. ©• 33. §§ 1746,
1687, 1688; otbcnb. Ocf. D. 24. 3lpril 1873 Slrt. 12). Sic cinjelncn im
preufe. 21. S. di. II, 1 §§ 767, 768 ftdE) fmbenben befonbercn 33cftimmungcu
fommen für ben ©ntrourf ni(^t in grage, ba biefelbcn mit anberen in bcn
Icttcrcn nid(|t aufgenommenen SBorfd^riften über bic Sluöcinanbcrfcftung im
gaUc ber Sluflöfung ber ©l^e burd& bcn 2;ob jufammenf)ängcn (ücrgt. üHotioe
insfcfonbcre ju § 1327 obcu ©. 298 ff.). SJagcgcu entl^altcn bie auf bem Soben bcr ®ütcr»
^gemeinJlbQft gcmciufd^aft ftc^cnbcn SHed^tc für ben gaU bcr ©l^cfd^cibung t)ielfad& befonbere,
©ertcnbc« i^^ ^^^^^ ^i* k^^" Cl)efd)eibungöftrafen im 3^fö^^^^^«n9^ ftc^cnbc Äe^
»t«<^t. ftimmungen über bic 3lrt ber aScrmögcnöauöcinanbcrfe^ung bei bcr Oütcr»
gemeinfd^aft. 3lnlangcnb inöbefonbere bic allgemeine ©ütergcmeinf^ft, fo
©(Reibung. 3eit ber SluflöfunG ber ®6e. § 1452. 611
jtnb gemeinred^tlid^ bic Stnfid&ten barübcr gct^ciU, ob auc^ im gaKc ber (S^i)c^
((Reibung, wie im goUe ber 3luf(öfung ber @^e burc^ ben Stob, Quotcnt^eihmg
ftatifinbct ober ob boö gemeinfamc SBermogcn in feine urfprünglid^ien 33cftanb*
t^ilc jerlegt wirb (oergl. ©cuffert VII, 193). 3n ben ^ßortifularred^ten fefilt
ed in biefer ^infid^t jum S^ljeil an außbrücflidö^" S3cftimmungen. Quoten«
l^ilung finbet namentlich ftatt in ©d^lesroig^^olflein, Dönabrüd (oergt. aucb
oönabr. ©ntmurf § 23), ^ilbcö^cim, 33erben unb fabeln, ferner nad^ ben
Siechten oon SBürjburg, ©d^roeinfurt, ©aftell, Dettingcn unb 6rbad(i, foroie
nod^ bem fäd)f. 0. 33. § 1702 (ocrgl. gieubauer, 3uf. ©. 162). 3luf bem^^
fclben 33oben fielen ba^ bamb. S. 5R. unb bie lippe^bctm. SSerorbn. d. 1786
§ 32 fiir ben gaU, bafe beibc ©Regatten fcbulbig fmb. gür ben gaU bagegen,
bQ§ nur ber eine 6t)egatte ber fd)ulbige ST^eil ift, laffen jene Mec^te bem un«
Hulbigcn Gfjcgatten bic 3Sai)l smifd^cn ber STuöeinanberfefeung beö ©efammt^
gutes na^ feinen urfprünglidien 93eftanbt^eilen unb jmifd^en Quotent^eilung.
Sejtcreö gilt axiä) m6) preufe. 21. S. $R. II, 1 §§ 761, 755, 811, 812; menn
ober fein Uebergeroid^t ber Sc^ulb eineö ©Regatten auögemittett ift, fo erfolgt
bic äuöeinanberfegung in ber 3lrt, bafe ieber 3:^^eil fein in bie ®l^e gebradbteö
obCT roö^renb berfelben burd^ Grbfd^aften, Sßermäd^tniffe, ©efd^enfe ober blofee
©ludsfölle erlangtes 95erm5gen jurürfnimmt unb baö Uebrige unter beiben
©Regatten gteid^ getl)eilt roirb. 3la6) bem roürttemb. ®ntrü. % 285 ftel^t bem
unfc^ulbigen ©Regatten bie 3&a\)l jmifd&en 2:l)eilung beß ©efammtguteS nacb
Cuoten ober noc^ btn Orunbfägen ber 6rrungenf(^aftßgcmeinfd)aft }u. ©injelne
Äccbte fdilicfeen ben fd&ulbigen 6f|egattcn t)on ollen Siechten an bem Oefammt*
gute ooUftänbig aus, fo bie Siedete Don gulba, 33remen unb bei beerbter ßl)e
boö linbau. Stabtr. unb baö l)olienlo^. S. SH. 3"^ galle unbeerbter (S\)t laffen
bic beiben legtcren 9iecbtc bogegen baö ©efammtgut in feine urfprünglidien
^ftttnbtljeile jerfallen (oergl. Sieubauer a. a. D. S. 162).
9lad) ben 3led|ten ber ©rrungeufd^aftögemeinfc^aft pnben im galle ber
©M^ffibung, Dorbet)oltlid^ ber 33eftimmungen über bic ©t)efd&eibungöftrafen,
regelmäßig in Slnfc^ung ber aSermbgenßauöeinanberfegung biefelben ©runbfäge
ftott, roie im galle ber 3luflöfung ber ®l)e burdE) ben 2;ob eineö ber ©l)e?
gatten; bod^ enthalten cinselnc 3ied()te, }. S3. baö bagr. S. 3J. I, 6 § 43, für
jenen gall flngulfirc aSorfc^riftcn (tJcrgl. 5Reubauer a. a. D. S. 129, 130).
2)aö franj. 5Red&t (code civü 3lrt. 1441, 1474) läßt aud^ im galle ber
CW^fteibung ^albttieilung eintreten. 9Jad& bem bab. Siedete (®ef. t). 6. 9Wärj
1S45 § 20) gilt bieö jebod^ nur mit ber SKobififation, ba^ ber unfdtjulbige
2^il bei Unglcic^ldeit beö ©inbringenö jur Sluögleid^ung einen Slnfprud^ auf
einen äiorauö ^at.
Xa btird^ bie ©c^eibung baö SRed&töocrl^ältnife ber ©f)e nur für bie 3«* ^ton^punit
fünft ouf gehoben wirb, bie biö ba^in burd& bie ®f)c einmal begrünbeten cntourte«.
'Äirfungcn nx6)t befeitigt rocrben, fo folgt auö allgemeinen ©runbfäften, baß
boö burd^ bie ©ütergemcinfc^aft ju einem beiben ®f)egatten gemeinfd()aftlid)
ge^örenbcn SBermogen Dcreinigte SBermögen beö einen unb beß anberen S^e^
gatten (§§ 1342, 1411, 1431 2lbf. 1) in golge ber ©(Reibung nid&t mieber in
feine urfprünglic^en SBeftanbtf^eilc jerfallen fann, fonbem alö gemeinfdöaftlid^eö
Srrmogen nad^ Quoten unter ben ©Regatten getl)eilt merben muß. Xieö gilt
39*
612 ©Reibung. SBiberruf bon ©d^enfungeiu § 1453.
aud^ von bcr tjcrtragömäfeigcn ©ütergemeinfd^aft. 55ie SBorauöfcgung für bie
SBirffamteit bcß ©ütergcmcinfd&aftöocrtragcö ift eine gültige ®^c. S)iefc 35ot^
ausfefeung ift in bcm ^icr in Siebe fteljcnben galle eingetreten. 6ine 3Ser*
önberung ber Umftänbe ift auf bie SBirffamfeit beö 5ßertrageß nod^ allgemeinen
©runbfägen ol^ne ®influ§. ®ö lägt fid^ ollerbingö nid()t t)erfcnnen, baß auft
ber Quotentl^eilung für ben unfcliulbigen SE:^eil unter Umftänben gärten cnt*
fteljen fönnen. Snbeffen fann biefe 9lüdffid)t ber 93iUigfcit nid()t alö burd^^
fd^lagenb erod^tet werben, um im gallc bcr ©d{)eibung in 2lbn)eid{)ung von ben
allgemeinen Orunbfägen bie 33ermogenöouSeinanberfegung n\ä)i nac^ Quoten,
fonbern nad^ ben urfprünglidben 33eftanbtl|eilcn beß ©efammtguteö eintreten ju
laffcn, jumal einer fold^en Oeftoltung aud^ geroid&tige prattif(^e Sebenfen ent«
gegenfteljen. §ot bie 6f)e längere ^c\i gebauert, fo ift, namentlid) in ßr^
mongelung eines 3t^Dentareö, eine Sluömittelung ber urfprünglidben Seftonb*
tfieile beö ©efammtguteö unb i^reö 5BJertI)eS l)äufig mit großen Sd)n)icrig!eiten
Derbunben, unb broljt biefelbe, ba bie ©Regatten in golgc ber Sc^eibung fid^
in ber JRegel feinblid^ einonber gegenübcrfte^en, eine Quelle non ©treitigfeitcn
unb ^rojeffen ju merbcn.
©ine anbere grage ift, ob n\6)i jur Sluögleid^ung ber für ben un*
fd^ulbigen 2;^eit burd& bie ©d^eibung nid^t feiten entfte^enben gärten mit ber
©d^eibung überl^aupt getüiffe Dermögenöred^tlid&e Slad^ttieile über bie Seftim*
mungen ber §§ 1453, 1454 l)inauö tjerbunben werben follen. SBegen ber
®rünbe, lüeld&e ben ©ntmurf beftimmt l^oben, auc^ biefe ^jragc ju üerncinen,
wirb ouf bie SKotioe ju § 1454 oerraiefen.
§ 1453.
sBiberruf oon 2)ie Seftimmungeu beö § 1453 fd^tiefeen fid& im 3Befentlic^en bem prcu§.
6<^enfu«flen. 2( g jj{^ II, 1 §§ 773—775 ou (ücrgt. ouc^ alteub. etieorbn. § 281). 3«
einem ätinlid^en, menn aud^ in einjelnen Sejieliungen abmeid&enben Siefultate
fül^ren bie aSorfc^riften beö franj. 9lccl)teö (code civil 3Irt. 299, 300), bcr
nürnb. ©^efd^eibungöorbn. 5Rr. 60, 62, 63, 65 unb beß ^eff. ©ntro. 2Irt. 94, 95.
9(uö allgemeinen ©runbfäfecn, inöbefonbere a\i& bem ©efid^töpunftc ber 3?or*
auöfefeung (§§ 742 ff.), läfet fid& bie Slüdfforbcrung ber ^ier fraglii^en ©c^en*
fungen nid^t begrünben. ©benfomenig liegt in SBirflid^feit ein gall beß Un*
banfeö üor (§ 449). Snbeffen fprec^en überroiegenbc Stüdfid&ten bcr öilligfeit
gegen ben unf(^ulbigen ©Regatten bafür, bem lefetcrcn baö SRcd^it beß SBiber*
rufcö ber liier fraglid^en ©c^enfungen einjuräumen. ©iefer ©efid^töpunft
mufe aber anbererfeitö in Uebereinftimmung mit bem preufe. 31. S. 9i. bo^in
fütiren, baö 9Jedf)t beö SBiberrufeö nid^t auc^ auf ben gaU auöjube^nen, wenn
beibe ©Regatten für fd{|ulbig erflärt finb. 3laä) bem frans. 9Je^tc verliert
bagcgen in bem le^tcren galle jeber 2:1) eil bie il)m Don bem anberen gemachten
Sd)enfungen. gür biefe 9lrt ber Siegelung fann geltenb gemad&t werben, bafe
ein ©f)egatte fid& ju ©d^cnfungen an ben anberen ©Regatten gerabe im §im
blidfc auf bie gortbauer ber ©f)e unb auf feine S^eitna^me an ben aSort^^ilen
ber gemachten ©df)enfungen lei^ter ücrftc^e unb baft, rocnnglcid^ beibc ©bc*
gatten für fdf)ulbig erllärt feien, bod^ m6)i feiten ber eine pon i^nen ber über*
©(Scibung. UnterBalt^pfll^t bcS fcfeulbioen Xf^zM. § 1454. 613
TOicgcnb fcftulbtgc S^^cit fei unb cß in fold^cn göUen eine Unbiltigfcit gegen
bell anbercn ©Regatten fein fönne, wenn bie JRüdEforberung ber ©efd^enfe auö-
gefdiloffen fein folle, namentlid^ oom ©tanbpunfte eines ©efegbud^eö au§,
roel^cö boö SScrbot ber ©c^enfungen unter ©fiegatten au§gefci)loffen l^abc.
3nbcifen fann auf biefe (Segengrünbe um fo weniger ©eroid^t gelegt werben,
als ber jenen ©rroögungen ju (Srunbe liegenbe ®efid)tepunft ber SBorauö^
fc^ung m6) % 743 3lv. 2 gerabe umgefe^rt bafjin fü^rt, bem fd^ulbigen 2:^eile
Wc Slädforbenmg ber ®cfci)enfe ju üerfagen.
Xa baö ^icr in SRebe fte^enbe SBiberruföred^t ebenfo wie baö SRed^t beö
S8ibcrrufcd einer Sc^enfung wegen Unbanfeö (§ 450) einen l^öd&ft pcrfonlic^en
Äaraftcr ^at, fo empfiel^It es ftd&, baS 5Berl)äItni§ im ©inieinen in 3lnlef)nung
an bic 9Sorfd()riften über ben SBiberruf einer @d)enfung wegen Unbanfes
(§§ 450—452) 5u geftalten. Unter bem Slusbrudfe „Sc^enfungen" finb l^ier,
wie überhaupt im ©inne bes Oefe^bud^eS, nur ©d&enfungen unter Sebenben
unb fol^c ©d&enfungen auf ben S^obeöfall ju oerfte^en, wec^e nad& § 1963
ofe Sc^enfungen unter Sebenben bef)anbelt werben. *
Ueber ben (Sinflufe, weld^en bie ©d^eibung auf bie 9Bir!famfeit einer Buwenbunaen
(c|tioiUigen Verfügung äußert, burd^ weld^e ein (g^egatte ben anberen bebad^t zobtim^^tn.
\)ai, ober auf bic SBirffamfeit eines jwifd^en ben ©Regatten gefd^Ioffenen ®vh
€infe|ungS' ober Sermäd^tnifeoertrages, wirb auf bie SSorfd^riften ber §§ 1783 ff.,
1948, 1949, 1962 üerwiefen.
§ 1454.
I. Xa^ röm. 9led^t uerbinbet im galle ber ©djeibung wegen ß^ebrud^eS ö^«-
unb gcwijfer anberer, bem lefeteren gleid^geftcllter ©d&eibungsgrünbe ju ®unften firofcn.^'
bes unfc^ulbigen a:^et(es mit ber ©d()eibung oerfc^iebene, ben fdjulbigen 2:^ei( ©eitenbea
treffenbc üermogenSrec^tIid()c Slad^t^eilc aus bem ®efid{|tspunfte einer billigen J««<^t-
©ntfc^obigung für bie bem erfteren burd& bie 9lufIBfung ber 6^e entjogenen
SSorl^cile. S)ie ß^cfrau üerliert, wenn fie ber fd()ulbigc 2:{)eil ift, bie dos
unb donatio propter nuptias, in ©rmangelung einer dos ober wenn bie
9lüdforberung ber lefttcren einem Slnberen juftel^t, ben oierten X\)e\l if)res
38crm5gens, icbod^ nid^t über 100 ^Bfunb Oolbes. 3ft ber Seemann ber
f(tiulbige 2^l)cil, fo erhält bie ®^efrau bie dos unb bic donatio propter nuptias,
in ©rmongelung ber Icgteren ben Dierten 2^l^ei[ bcs SSermögenö bes ©fiemannes,
jcboc^ cbcnfafls mit ber juoor bejeid&neten (Sinfd^ränfung. 2)ie SSerpftidbtung
bcs fdfjulbigen 2:i^eiIeS, ben vierten X\)t\l bes Sßermögens t)erauSjugebcn, er^ö^t
fic^ in gcwijfen gftflen um ein ©rittel. 3Bas in biefer SBeife an ben un^
f<|rulbiflen 3::^eil fällt, erhält ber legtere, wenn gemeinfd^aftlidöe Äinber üor«
^nbcn fitib, nur jum Jlicfebraud^e, wäl^renb bas ©igent^um auf bie Äinbcr
übergebt. 3n ber heutigen gemeinred^tlic^en ^ßrajis unb 2)ottrin wirb bie
Snwcnbbarteit ber rBmifd^en ©^efd^eibungsftrafcn nic^t mel^r in S^^^if^ 9^-
jogen, wcnnglcidf) in einjelnen 33eiiel)ungen über ben Umfang ber 9lnwenbbarteit
bic Slnft^tcn aud^ ießt nod) auscinanbergel;en (ocrgl. ©euffert VI, 212,
XVn, 263, XVm, 259, XIX, 158, XXrV' , 44, XXV, 135, XXVII, 143, XXIX,
35,246, XXXin, 311; genner unb aWerfe, cinilr. Gntfc^. III, 12, VI, 12;
feitfc^. b. !R. ®. in ©ioUf. Vni, 48, XI, 41, XIV, 42, XV, 44).
614 ©(fieibunfl. llnter^altöppid&t bc8 [(^ulbigcn S^eilcg. § 1454.
3!n ©rtnangclung befonbercr Seftitntnungcn ber ^ßartifularrcd^tc (DcrgL
2)lotit)c ju § 1452 oben ©. 610 ff.) tocrben bic rom. ßficfc^eibungöftrafcn in bcn
©ebicten bcö gemeinen SRed^teS anä) bei ber ©ütergemcinfc^aft in ber Art
angcrocnbet, baß ber fd^ulbige Ehegatte ben oicrten S^^eil feines auf (Srunb
ber SSermögenßauöeinanberfegung pd^ crgebenben SBennögenö an ben un-
fc^ulbigen ®f)egatten oerliert (oergl. ©euffert XIX^ 246).
Slbroeid^enb t)om röm. Siedete giebt eine weit verbreitete gcmcinredbtlid^
^rajis bem unfd^ulbigen ©Regatten ober bod& ber unfd^ulbigen ß^efrau im
SBebürfnifefalle anä) einen Slnfprud^ auf Untertialt gegen ben f^ulbigen Sbeil
(oergl. ©euffert Xn, 40, XIV, 42, XXY, 135, XXXV, 218). ®egen biefc
^rajiö ^at fii^ iebod& baö »leid&dgerid&t (®ntf(^. in Sioilf. VIII, 48) erflärt
(oergl. au^ ©euffert Xin, 146; Urt^. b. 31. @. ju 6cUc o. 1871 in ber
3eitfd&r. für I)ann. Siedet V ©. 44 — gegen bie frül^ere $ra)riö oon 6eIIe).
3m älnfd^lufje an ben ben röm. ©^efd^eibuugöftrofen ju (Srunbe licgenben
(Sebanfen l^aben aud& bic meiften ^^Jartifularred^te mit ber Sd^eibung für bcn
fd^ulbigen 2^^ei( geroiffc t)ermögenöred()tlidöe 5Rad^t^cile oerbunben, mlä^t
roefentUd^ eine billige ©ntfc^äbigung bcä unf^ulbigen 2:^eileö für bie i^m
bur^ bie ©d^eibung entjogenen SSorttieile bejTOecfen, fo inöbefonbcre ba^ roürttcmb,
S. % II, 32 § 1, baö bapr. S. 3t. 1, 6 § 43, baö preufe. 31. S. 9i. H, 1 §§ 783 ff.,
baö gott). e^egef. §§ 154 ff., bie altenb. e^eorbn. §§ 273 ff. unb baö fc^tDorjb.
fonbersf). ß^efd^eibungögef. §§ 30 ff. 3n ber Slrt ber JJcrroirtlid&ung jcneö
©cbanfenö roeidjien bic bejeid^neten 9ledf)te inbeffen, jum 3:^^ci[ in Äonfequenj
i^rer oerfd^iebenen güterred^tlidöen unb erbrcdjitn^en ©^fteme, im (ginjelnen
oiclfad^ oon einanber ab. SBä^renb baö rom. Siedet, roeld^eiS nur ein fe^r be*
fd^rönftes gefefelid^eß ©rbrec^t ber ®f)efrau fennt, ^auptfäcftlic^ bie roä^rcnb ber
6^c burc^ biefc für bie ©Regatten begrünbeten SBort^cile ins Slugc fafet, legen
baö preu|. 31. 2. 91., baß gotl^, ®^egef. unb ocrfd&iebcne bai)r. ©tatuten bas
§auptgen)id()t auf bie bem unfd^ulbigen SJ^^cile burdfi bic ©d&eibung cntgcl^enben
erbrcd&tlid^en aSort^eile. 3lm beutUd^ften tritt bieö im prcufe. 31. 2. 91. 11, 1
§ 784 unb in oerfc^iebenen ba^r. ©tatuten ^en)or, welche gerabcju bcn Saft
^inftellen, bafe ber fd^ulbigc S^^eil alö im 3lugcnbli(fe ber ©d^cibung oerflorten
anjufeljen fei, rocnngleid^ fie bie Ronfequenjen biefcö ©ageö nid&t immer im
üoUen Umfange jic^en. 2)ic altenb. @I)eorbn. farafterifxrt bic 6^efd^cibung«*
ftrafen auöbrüdflid^ als eine ®ntfd&äbigung für bie fämmttid()en burd^ bie 6bf
fomobl roäl^renb bcrfelben als nad^ 3luflofung berfelben burcb ben 2^ob cnt-
ftel^cnben 93ortl^eile. 3luf bemfclben Oebanfcn berul^en bie SSorfd^riftcn bcfi
fd^roarjb.fonberö^. ©cfefieö.
3lud^ in ber 3lrt ber Scftfegung ber ©ntfd^Sbigung unb be« Umfangeß
ber legieren meid^cn bie 5partihilan-ed()te mcl^rfad^ t)on einanber ab. a3Bä^rcnb
bie altenb. ®l)eorbn. burdf) S^ftfefeung cincö SWinimum unb SRojimum bem
rid&tcrlid^en ©rmeffen einen geroiffen ©pielraum läfet (t)ergL aud^ ofterr. ®. 3J.
§ 1266), f)aUn baö roürttemb. 2. 91., baß ba^r. 2. 91., baö preufe. SL 2. 9t,,
ba& Qoti). @f)egef. unb baß fcftmarjb. f onbcrß^. ©^efd&eibungögcf., je nad& ber
aSerfd^iebenfieit ber gälle, bic Slrt unb bie ^o^e ber ©ntfd^äbigung gefeglicb
genau beftimmt. S3ei biefer 83eftimmung pnb inbeffen juglcid^ ftrafrccftt*
lid^e ©cfid^ißpunfte mef)r ober meniger mafegebenb gemefen. 2)ieß jeigt ficfe
3(6eibunG. nntcrljaltgpflicSt bc« fc^ulbiöen ^i)nk9. § 1454. 615
namentli^ in bcnicnigcn (Sefcggcbungcit, welche, wie baö prcufe. 91. 2. SR.,
baö got^. 6^egcf. unb baö f d^roarsb. f onberö^. (Sl^cf ci)cibung§gcf., je nad^bcm bic
Sc^cümng burd^ fd^roerc ober minbcr fd&rocre 3Sergef|ungcn ücranlafet roorbcn
ift, eine l)6^crc ober geringere SIbfinbung fcftfejcn. 5Äiid^ md) ber altenb.
Göcorbn. foU bei Mtf^fi^^O ^^^ ©rofec ber ©ntfd)äbigung auf bie pcrfönlid^e
Sc^ulb beö aSerpfüd^teten SRüdffid&t genommen werben. Slac^ prcu§. 91. S. '31.
unb bem f^roar jb. f onberö^. ©efefee fann bie ß^efrau ftatt ber SIbfinbung ben
änfpiiK^ auf Untertialt gegen ben (Seemann mähten. Saß preufe. 91. 2. 31.
geroo^rt unter Umftänben oud^ bem ßfiemanne ein fold^eö SBa^lred^t. 9iad^
ber altenb. ß^eorbn. unb in gemiffen fällen aud^ naä) bem gotlj. ®f)egef. fte^t
bem unfc^ulbigen ©Ijegatten neben ber 9lbfinbung ein 9lnfprud^ auf Unter-
^(t ju.
3m ©egenfafee ju ben bißtjer angefüf)rten SWed^ten gewälirt baß frans.
Siecht bem unfd^ulbigen Gf)egatten gegenüber bem fd^ulbigen ©Regatten feinen
änfprud^ ouf ®ntfd)äbigung ober auf 9lbfinbung, fonbern nur einen auf ben
gaü beö SBcbürfniffeß fid& befd()ränfenben Unterfialtßanfprudf) (code civil
3rt. 301). daneben ift aber beftimmt, bafe im galle ber ©df)eibung auß einet
bcftimmten Urfad()C berjenige @f)egatte, roeld^er bie Sd&eibung auögeiüirtt liat,
qUc i^m üon bem anberen Gfiegatten im ß^eoertrage ober mäl^renb ber ©l^c
sugeroenbeten 33ortf)eiIe felbft bann, roenn biefelben med&felfeitig bebungen fein
foUten, bcf)ält, mö^renb ber anbere 6t)egatte, gegen weld&en bie ©d{)eibung ju-
geloRen ift, bie if)m t)on bem anberen ®f)egatten sugeroenbeten SSort^eile ücr^
liert (code civil 9rrt. 299, 300). 9luf bem 93oben beß code civil ftel^en aud)
baö bab. 2. 31. unb ber l)eff. ©ntro. II 9lrt. 94 u. 96, III, 9Irt. 39, IV 9lrt. 469,
484, baö erftere iebod^ mit ber in ben SKotioen 5U § 1452 oben S. 611 be^
icic^neten SKobiftfation.
3Rit bem franj. 3ic6)k ftimmt ferner baö födf)f. ©. 93. § 1750 barin
überein, bafe bie ©d()eibung für ben unfd{)utbigen S^^eil feinen Slnfprud^ auf
ßntfc^öbigung ober Slbfinbung, fonbern nur einen Unterfialtöanfpruc^ begrünbet,
welcher jebod) mit bem 9luföören beö 33cbürfniffeö wegfällt. 9lbn)eid^enb vom
«•Ode civil oerbleiben aber na(ft bem fäd^f. ®. 33. §§ 1740, 1706, 2055, 2557
bem unf(^ulbigen ©Regatten nid^t bie i^m t)on bem anberen ©Regatten burdb
Gfje^ ober ©rboertrag jugeroenbeten 5Bort()ci[c.
2)er ©ntrourf l)at fi^, fooiel bie gragc betrifft, ob bem unfc^ulbigen stanbrunft
i^cUc gegenüber bem fd^ulbigeu X\)c\k ein 9lnfprudö auf ©ntfdf)äbigung ober ©„trourfe«.
auf 2lbfinbung wegen ber bem lefeteren burd^ bie Sd^cibung entgel)enben 35ors
töfife eingeröumt werben foll, bem ©tanbpunfte beö franj. 5led&teß unb beö
fäc^f. ®. 93. angefd)Ioffen. 9luö ben allgemeinen ©runbfäfeen läfet fid^ ein
fol^er «nfprud^ nid&t begrünben (oergl. ©ntfd&. b. 3i. ©. in ©iüilf. VIII, 48
3. 188). ^ubtm wiberftrebt eö bem SEBefen ber ©f)c, biefelbc einem oer-
mögenßrrd&tli^en, auf bie ©riangung t)ermögenöred()tli(^er 33ort^eile gerid^teten
aiec^tögefcftcifte gleid^juftellen unb alö eine Cuelle fotc^er SSort^eile red^tlid^
^u be^anbetn. 2)emgegenüber fonnen SRüdfficfiten ber 93inigfeit nid^t cnt^
l(^eibenb inö ©ewid^t fallen, jumal, wie in ben 9Kotit)en beö l^^ff. ©ntw. II
2. 103 nit^t of)nc ©runb {)ert)orge^oben wirb, bie ©(jefc^eibungöftrafen unter
llmfianben aud^ gegen ben fd^ulbigen 2'^eit in große ßörten ouöarten fonnen.
616 ©cfeeibunfl. UntccSaltSpflicfet bc8 ft^ulbigen 3;i6eiteÖ. § 1454.
rocit bei ©ficftrcitigfcitcn bcr pftic^tücrgeffcnc G^cgattc fi(ft gegenüber bem org^-
[ofen ®()egatten I)äufig im SSort^cilc befinbct unb feine roa^re ©^ulb un^
ermittelt bleibt. 3lud^ t)om Stanbpunfte beä öffcntUd^en 3ntereffeö aus bebarf
c§ ber ß^efd&eibungöftrafen nid^t, um alö Slbfc^redEungömittcI unb als inbireftcö
3n)Qngömittcl jur ©rfüllung ber el^elid^en ^flid^ten ju bienen. Siefer Oefi^tö*
punft mürbe fonfequent bal^in fül^ren müRen, bie fd^ulbootte SSeranlaifung
jur Sd^eibung mit öffentlid^cr ©träfe ju bebro^en; bagegen vermag berfefbe
bie 9tnerfennung eines prioatrcciötlid)en ßntfd^äbigungsanfprud^es nic^t ju
rechtfertigen, ©oju fommt, bafe anbercrfeits bie 9lusfid^t auf eine Gntfc^äbi?
gung für bie entgel^enben Sßort^eile ber 6^e — eine Gntfdjäbigung, bercn
§cftfefeung immer mc^r ober weniger roinfürUd^ ift unb bes^alb in SBirfüc^-
feit fidö nid^t feiten als eine 93ereid^erung beS unfd&ulbigen 3:^f)cifcs barfteHen
roirb — für ben [enteren ein älnreij fein fann, aus niebrigen 33emeggrünbcn
ben Sd^eibungsgrunb jum 3^^*^ ^^^ eigenen 33creid&erung auSiunußen.
^S« * II. S)as preufe. 91. £. 9t. II, 1 § 823 entfjäft neben ben bie Seftrafung
bcs Gf;cbrud&es betreffcnben, burd^ ben § 172 beS Str. ®. 33. erfaßten Se?
ftimmungcn (II, 20 §§ 1062 bis 1064) bie weitere SBorfd&rift, bafe, mm ber
fc^ulbige (Stjegatte bem unfd&ulbigen Xi)cxk meber 3lbfinbung nod^ Unterljaltungö*
gelber gemäfiren fann, ber erftere für bie 35erge^ungen, burd^ meiere er ju bcr
Sdjeibung SÄnlafe gegeben l^at, nad) S3erl)ältni§ ber ©röfee unb Sd()n>ere ber^
felben unb nad^ Semanbtnife ber übrigen obmaltcnbcn Umftänbc mit (ScföngniB
ober Strafarbeit oon 14 Sagen bis }u 3 aSonaten foUe belegt merbcn fonnen.
2)er ©efeßreoifor, ^cnf. XV SKotioe S. 446 ff., l^atte bie SBefeitigung biefcr
33cftimmung t)orgefcI)Iagen. 33ei (S)e[cgcnf)eit ber fpätcren, bie 9lcform beö
@^cfdjcibungsrcd)tes in ^reufeen bejielcnben Sd&ritte bcr ©efeggebung rourbe
bie "^vaQt von 9leuem erroogen, ob es fid; jur SSerbefferung bcr 3Scr^öltnijic
auf bem Oebicte beS ©f)efd^eibungsred&tes empfel^te, ben (Srunbfaß anjucrfenncn,
bafe in allen gällen, in roefd^ien roegen SSerfd&uIbung eines ß^cgattcn ouf
Scb^i^wnfl erfannt merbe, ber fd^ulbige 2^^eil pon 9lmtSmegen mit grei^eitß*
ftrafe ju belegen fei. S)as (Srgcbnife mar, bafe eine biefem ©runbfafee cnt*
fpred)cnbe 93cftimmung in ben preuß. ©ntmurf t)on 1854 aufgenommen würbe.
2)iefelbe fanb inbeffcn nid^t bie guftimmung ber bamaligen erften Kammer unb
iDurbc besljalb in ben fpäteren ©ntroürfcn meggelaffen. 2luc^ ber podiegenbc
©ntrourf gef)t baoon aus, ba§ Dom prioatrc(^tIid&en Stanbpunfte aus ein
Sebürfnift, 5um Sd)u^c beS einen ©Regatten gegen bie (Sigenmad^t unb bie
Verlegung bcr efjelid^en ^ftid^ten oon Seiten beS anberen ©Regatten, foroie
5um Sd&uge gegen ÄoIIufioncn als Srfafe für ben auf bem ©ebiete beS perfön*
lid&cn ©(jercdjtes nai) ber 5Ratur beS SSerl^ältniffeS nur unooHfommenen
Slcc^tsfd&uß eine Strafbeftimmung bcr oben bejcid^neten 9lrt ju geben, nic^t
anjucrfenncn ift, jumal burd^ bas bem ©ntmurfe ju ©runbe liegcnbe ^rinjip
ber Siclatioität ber mciftcn S^eibungsgrünbe (§ 1444:) bie Sd)eibung gegen*
über bcr 9)Jc^rjaf)l ber bcftel)cnben Steckte crfd^rocrt ift unb baS ^rinjip bcr
9lclatit)ität in SBcrbinbung mit bem 5ßrinjipe bcr freien ©eroeiSroürbigung nnb
bem bas 3Serfafjrcn in @f)cfad&en bel^errfd&enben Dffijiatprinjipe bem 3lidjter
-ausreic^enbe SWittcI an bie §anb geben, um 2)U§bräu^en entgegentreten ju
fönnen. 2)cr ^auptmcrtl) bcr öffcntlid&cn Strafe beftefit nur barin, ba§ baburdd
©dicibunö. Uiitertaltßpflid&t bc3 fc^ulbigen Ifieiteö. § 1454. 617
bcr offcntlid^cn aJHSbiUigung foId)cr Säerlegungcn cljclid^cr ^^iftid)ten, welche
bie Sc^eibung nad^ ftc^ iiel^en^ äludbrud gegeben unb bad Semugtfein bed
Sotteö oon bcr SBürbc ber 6f)e gcl^oben wirb; allein bcm burd) bie Steid^ö'
gcfcfgebung gefdiaffenen ein^eitU^en Sled^töjuftanbe gegenüber fann oI)nc ein
bringenbcö prafti|d)e§ 33ebürfni§ eine 6rn)eiterung ber ©trafbcftimmungcn in
ber bier fraglichen 9iid)tung über ben gall beö 6l)ebrud)eö ^inauö (§ 172
Str. ®. 33.) ate angemeffen nid^t erachtet werben.
TU. 5IBcnngIeic^ bcr ©ntrourf gegen bie SInerfennung einer 6ntfd()äbi9ungö' unterbau«.
püic^l beö fd()ulbigcn (Sljcgattcn gegenüber bcm anbcrcn unfd}ulbigen 3:()ci(c beÄ'n
Rc^ crflärt l^at, fo \)at berfelbe boc^ nod) bcm aSorbilbe beö fäd)f. ©. 93. ^^^^^'
§ 1750 unb beö Code civil 3lrt. 301 unb mit 9lüdE|lci&t auf äönli^c Se^
ftimmungen beö prcufe. 21. S. 91. II, 1 §§ 798 ff. unb anbercr neuerer (Scfe^^
gebungen (oergl. altenb. G()corbn. §§ 274—279; gotl;. ß^cgef. §§ 166—168;
f^roorjb.fonberöl). ©^cfd^cibungögef. §§ 31—33) bcm uufd^uibigcn ©Regatten
gegenüber bcm fd()ulbigen ©Regatten einen Unter^altöanfprud^ nod& SKafegabe
bcr 33eftimmungen beö § 1454 eingeräumt, ©in foId}er Untcrf)altöanfprud)
Iflfet ficj aUerbingö auö ollgemcincn ©runbfäfeen ebenforoenig l^crfcitcn, mic
ein änfprud) auf ©ntfd^äbigung roegen bcr fonft burd& bie ©d^eibung bcm un^
f^ulbigen ©Regatten cntjogenen 5BortI)ciIe ber ®^e (ocrgl. ©ntfd&. b, 31. ®. in
ßioilf. VIII, 48 £. 188). ®egen bie Slncrfcnnung eineö foldjcn 9lnfprud()eö
fann — abgelesen oon bcm pofitiocn Äarafter bcöfelben — ferner geltcnb
gemad^t werben, bafe eö miji münfc^enömertb fei, wenn bie mcd^fclfcitigen 93e*
jicbungen ber ©Regatten burc^ bie Sd^eibung n\6)t befinitio unb nad^ allen
9ii(^tungen bin geloft werben, fomic baß einer angemeffencn Siegelung bicfeö
Unterbaltöanfprud^eö roegcn feineö pofttioen Äaraftcrö befonberc ©dimierigfcitcn
fi(^ entgcgcnftellcn. 3nbeffeu finb bie SRüdEfid^t auf baö in bcm größeren
^bcile Seutfc^Ianbö geltenbc 9le(^t, bie JlüdEfidöten ber Silligfeit gegen ben
unfc^ulbigcn ©t^egatteu, wddjcx fonft in bie Sage oerfc^t werben würbe, cnt^
Weber bie i^m unerträglid) geworbene ©tjc fortfegen ober fortan bie ajlittcl 5U
feinem Unterhalte entbehren ju muffen, unb bie 9iüdEfidf)t auf baö öffent[id)c
Snterefie, welche eö cr^eifd^t, ben Sd&eibungen tl^unlid)ft entgcgcuäutrcten unb
im gööc ber Sc^eibung eine SBermc^rung bcr öffcntlid^en SÄrmenlaft t^unlid)ft
}u oer^üten, alö überwiegenb anjufelien.
3m Uebrigen ift jur Segrünbung ber einiclnen Scftimmungcn beö
§ 1454 golgenbeö ju bemerfen:
1. SBätirenb ber oom preufe. 91. S. %, bcm gotl^. ©ficgef., bcr altenb. ««a«**^ *►«
©^orbn. unb bem fc^warjb. fonberöl). ®ef. bcm unfd^ulbigcn ®f)cgattcn ge* "^^^"t!**
roal^rte Unter^aItöanf)Jnid& ben Earafter einer ©ntfd&öbigung an fidb trägt
unb roef entließ von biefem ©cfid^töpunftc auö geregelt ift, tritt bei ben Sc^
ftimmungen beö code civil unb beö fäd&f. ®. 33., weld&e bem unfd^ulbigen ©^e*
galten nur einen fubfibiären Untertjaltdanfprud^ gewäfjrcn, bcr ©ntfd^äbigungö?
geft^töpunft mc^r in ben .^intergrunb unb ber ®eridötöpunft einer auf Silligfeit
benil^enben ^JJad^wirfung bcr ®f)c oorwicgcnb in ben SBorbergrunb. 9ludö ber
ßntrourf f^at Slnftanb genommen, ben ()ier fraglichen Unter^altöanfprud^ oon
bem ©cfid^töpunfte ber ©ntfd^äbigung a\i^ im ©injclncn ju regeln unb baburc^
eine ganj neue 2lrt oon Unter^altöanfprud^ ju f^affen. 3m 3ntereife ber
618 (S^eibuiiß. Ilntcr6artß^)flid6t beö fd^ulbiöen Xßcileö. § 1454.
®infad|I)cit bc§ (Sefe^bud&cö ift cd t)ielmct|r angetttcj^encr, bcn [)icr fraglichen
Untcrl^altöanfprudö mög[id)ft im 9rnfd&Iuffe an bic gcfcglid^c Unter^altöpfli^t
»«bürfttflfeit i)cr gSerroanbten (§§ 1481 ff.) im ©injelncn ju geftaftcn. ®iefc ©nuägung
unfc^urbtgen füf)rt bal|in, mä] bem SSorbilbc bcö code civil 3lrt. 301, bcö ffid^f. (8. 8.
eöcflattcn. g 175Q m^5 ^^g {j^j^ g„t^^ ^^i 9ß jj^,„ Untcrf)a[tsanfpni(^ bcö unfc^ulbigcn
©Regatten oon bcr 33cbürftigfcit bcö leiteten ab^öngig ju machen, unb äroor
im gtnfdjluffe aw § 1481 9lbf. 1 in bcr 3lrt, bafe bie Untcr^altöpflicfit nic^t
fd^on bann eintritt, mcnn bcr unfd^utbige ®^cgattc crrocrböunfö^ig ift unb bic
®infünfte feines SScmiogens ju feinem Unterf)altc nid^t ausreißen, fonbcm
nur bann, wenn er roegcn 33crmogenöIofigfeit unb Grn)crbßunfäl)igfcit ^ä^
fclbft JU unterhalten ni^t im ©tanbe ift. ®er Stiitffid&t auf bic Silligfeit
gegen bcn unfdiulbigen ©{jcgatten unb auf boö öffentlidic 3ntcrcffc wirb in
gcnügenbcr SBeife JRccftnung getragen, wenn bem unfc^ulbigen ©ficgattcn im
^alle bcr 5tot^ ein Unter^altäanfpnic^ gemährt wirb. Slbmeid^enb üon bcn
Scftimmungen ber bcjcid&neten Oefeggebungöroerfe mad)t ober bcr § 1454
9lbf. 1 ©ag 1 ben UntcrJ^altsanfprud^ nid^t bauon abfiöngig, bafe ber unfc^ulbige
C^egatte fd[)on jur 3^^^ ^^^ ©d&eibung bebürftig ift; mclmel^r foll bic Unter-
^altöpftidjt bcö allein für ben fd^ulbigcn 2:f)eil crflärten ©Regatten auc^ bann
eintreten, mcnn ber anbere ©begatte erft fpäter ober nad^ bem 3luf^6rcn bcr
äur 3cit bcr ocöcibung üorf)anbencn S3ebürftigfcit Don ?lcuem bebürftig wirb.
2)cr entgegengefegte ©tanbpunft ber angefüfirten ®efe|gcbungön)crfc gcroä^rt
bem unfd)ulbigen ef)egatten feinen auörcidt)enben ©d&ug gegen bie Oefabr, ba6
er in golgc ber ©d^eibung 5ßotl^ leibet, unb fann unter Umftönben }u
großen gärten für benfelben füt)ren, ®iefen ©rroägungen gegenüber tann
ber Oefic^töpunft, bafe eö TOünfd&cnöroertl^ fei, bie roed^felfeitigen S3ejiet)ungcn
ber ©Regatten mit bcr ©d&eibung befinitiü ju regeln, als burd&fd^Iagenb nic^t
crad{)tct roerben.
«naiogie ber 2. S)ie im § 1454 STbf. 1 ©aß 2 allegirten, junöd^ft für bic gefcjUic
pfStberö«» Untcr^altöpflic^t bcr SSermanbten gegebenen SBorfd^riften paffen and) für bic
wanbten. f^ier iu SHcbc ftc^cubc llntcrl)altdpftic^t. 6ö gilt bieö namentlid) pon bcr
33orfd&rift bcö § 1482 2Ibf. 1, nad& meld^cr bie Untcr^alt6pffid(|t burc^ bie
seiftung«* «ciftungöföliigfcit in bcr bort nöl)er bc|\eid&nctcn 3Bcife bebingt ift. 2)ic potitinc
^ "^ Söorfdbrift bcö code civil 3lrt. 301, bafe bic Unter ^attöfumme ben Dritten Jbcil
bcr ©intünftc bcö fc^ulbigen ©Regatten uid^t überfteigen bürfc (oergf. au^
altcnb. ©t)corbn. § 274), ücrbient feine Billigung, meil fie bie SBürbigung bc«
einjicincn ^allcö burd^ bcn 3lid)ter auöfd^liefet. 9Iucö ber ^cff. ©ntro. ift in
biefcm ^^Junfte bem code civil nid()t gefolgt, unb boö fäd^f. ®. SB. übcrWfet
auöbrücflid) bie ^eftfegung bcö Unter^alteö bem rid&tcriidfien ©rmcffcn.
©eibrente. 9lbmcid)cnb öou bcm § 1491 2lbf. 2 foII aber bcr Unterhalt ftctö burdj
©ntrid^tung einer Oclbrente gcn)äl)rt merben. ®ö empfiehlt ^id} bieö mit Slücf-
fid()t auf bic in golge bcr ©dbeibung regelmäßig unter ben ©Regatten cnt-
fte^cnbe 33crfcinbung imb ©ntfrcmbung.
aenberung 2Bäf|renb baö preufe. 91. £. di. II, 1 §§ 803, 806, rocid&cö in ber bier
«er^äuniffe. fragüd^cu ^infic^t auf bcm ©ntfc^äbigungöprinjipe beruht, in golgc einer
9tcnberung bcr tF)Otfäc^Iid&cn ©runblagen bcö Unter f)altöanfpru(^cft eine
©rf)5[)ung unb rcgclmcifeig au^ eine üKinberung bcö ju geroäljrenbcn Unte^
®(6cibun0. Untertaltgpflic&t bcg f^ulblßcn SlfeeiteS. § 1454. 619
fioltcö nirfit eintreten läfet (Dergf. Urtf). b. 91. ®. bei ®rud)ot XXXI S. 993),
roirb oon ber franj. 3uriäprubcnj eine fold^e ©r^o^ung ober Sßinbcrung für
julöffig erachtet (Dergl. qu^ altcnb. g^eorbn. § 279 unb, fooiel bie 3uläffigfeit
einer Cr^ötjung betrifft, fd^n)arjb.fonberöl^. ©^efd&eibungögef. § 33 9(bf. 2).
Sie SSorfd&rift beö prciife. 91. 2. 9t. geroäfirt allerbingö ben SJortl^eil, ba§ babiird^
bie roe^felfcitigcn Scjie^ungen jiDifd^en ben gefd)iebenen 6l)cgatten bcfinitit)
geregelt werben. Stuf ber onbcren Seite fann biefelbe aber fowo^I für ben
unfc^ulbigcn als für ben fd&ulbigen ©Regatten grofec gärten mit fid& bringen.
9lud biefent Orunbc uerbient es ben SSorjug, bie 3Sorfcib^ift beö § 1493 and)
auf ben i^icx in Siebe fte^enben Untcrfiaftöanfpruci) für entfpred)enb anroenbbar
äu erflören.
2)ie Seftimmung beö § 1495 über bie Unjuläfftgfeit beö SSeri^id^teö auf «e^a^t
ben einem SScrmanbten jufte^enben gefefelid^en Unterfialtöanfprud) unb über bie
Sefc^ränfung einer roirffamen SSorauölciftung ift auf ben im § 1454 anerfannten
Unter^altäanfprud^ nid^t übertragen, ba ber legtere feinen familienrecbtlid)^^
Äarafter ^at unb fid^ nid^t alö bie Äetirfeite einer fittli^en ^ftid&t beö anbcren
STbeileö borftellt. 9lud() praftifdic ©rünbe fpred^en bafür, eö ben gefd^iebeuen
©begotten ju ermoglid^en, baö 5ßerl|ältni§ unter einanber burd^ SJertrag in
bffinitioer SBcife, inöbcfonbere im SBege ber Sapitalabfinbung, ju orbnen.
Xa ber liier fraglid^e Unterfialtöanfprud) bie 33efriebigung cineö perfön- uiwembiic^*
li^cn Sebfirfnijfeö beö unfd^ufbigen ©Regatten bejroedEt, fo mufe mit bem S^obe
beö le^teren bie Untcr^aItöDerpf[icE)tung für bie 3"fii"ft crlofdjen (§ 1454
Sbf. 1 § 1496). S^cifeibaft fann eö bagegen fein, ob nid^t ber Unter^aftöanfprud^,
Töenigftenö in befd&rönftem Umfange, gegen bie Srben beö 35crpflidöteten
jugeloRen werben foU. 3luf biefem ©tanbpunfte ftel&en baö preu§. 91. 2. 3?.
(oergL II, 1 § 806) unb baö f c^roarjb. f onberöt). ®ef. § 31, foroic bie franj.
Suriöprubcnj. ©afür fann man anfül^ren, bafe, menngleid) aud^ o^nc bie
S^eibung mit bem S^obe beö üerpflid(|teten ©Ijegatten ber Unterl;altöanfprud)
beö anbeten ©Regatten weggefallen märe, bod& an Stelle beö Unterl^altö-
anfpnidbeö baö ©rbrecbt beö übertebenben ©Regatten getreten fein mürbe, ^n^
beffcn tatin biefer ®efid)töpunft oom Stanbpunftc beö ©ntmurfeö auö, meld)er
böö ©ntfc^äbigungöprinjip im Uebrigen nid)t anerfannt bat, alö burd^fd^lagenb
ni(bt eradfjtet merben. S)aju fommt, bafe einer angemeffenen Siegelung beö
rinter^aItöttnfprudE)eö gegen bie ©rben beö fd^ulbigen ©fiegatten grofec prattifcbe
ScfniJierigfeiten jxc^ entgegenftellen. 9Jad& ben SJlotiocn ju bem fäd()f. ®. 93.
ge^t and) baö le^tere baoon auö, bafe ber Unterljaltöanfprud^ mit bem ^obe
beö 33erpflid^teten erlifd^t.
Sic bcfonberc S3eftimmung beö § 1454 9lbf. 1 Saß 2, bafe bie Unter- s^mn
^Qllöpftidbt beö fd)ulbigen ©Regatten aud& bann erlifd^t, wenn ber bcredf)tigte „eutr^^e.
©^cgottc eine anbere ©^c fd)lie6t, red^tfertigt fid^ burdf) bie ©rmögung, bafe
bie Scblicfeung ber neuen ©f)e, meldte ol)ne bie Scbcibung nicbt möglid^ geroefen
wäre, bem berechtigten ©l^egatten eine neue Ouelle ber fiebenöoerforgung er-
öffnet unb unter biefen Umftänben bie gortbauer ber Untertialtöoerpflic^tung ^
beö fd^ulbigen ©Regatten burdb Stürfftd^ten ber Silligfeit unb beö öffentlid^eu
3nterettcd ni^t geboten ift. 5Der ©ntmurf folgt in biefer ^infid)t ber üon ber •
frcnj. Swriöprubenj oertretenen 9luffaffung, meldte aud& in ber a)Jet|räal)l ber
620 ©Reibung. 9lamcn bcr flcfc&iebcncn Sßcfrau. § 1455.
neueren ÖJefe^gebunflcn jur auöbrüctlid)en Slncrfcnnung gelangt ift (ücrgl.
gotf). e^cgef. § 167; attcnb. e^eorbn. §§ 273, 279; fd)marjb.[onberö^. ®cf.
§ 31). 5Dic cntgegengefegte 2}orfc§rift beö preufe. 21. ii. 9t. II, 1 § 805 beruht
auf bcr 2luffaf|ung bcö Unter^altöanfpruc^cä als eines geioö^ndc^en an bic
©teile ber 9lbfinbung tretenben Slnfprud^eS auf ©ntfd^äbigung für baö cnt-
jogcne ©rbred^t.
ötnwirfunfl 55ic Seftiuimung beö § 1454 3lbf. 2 berut|t auf ä{)nUd&en ©rmägungcn
muv^lftl "Jic bie a5orfd)riften ber §§ 1313, 1363, 1425 uerb. mit § 1431 9lbl. 1 (ocrgl.
bie OBotioc ju § 1313 oben S. 255 ff. unb ju § 1363 oben ©. 376 ff.).
2)aö aSer^ältni^ bes im § 1454 bejeic^netcn Unterl)altsanfprud&cö ju ben
fonfurrircnbcn Unter^altsanfpriid)en bes fpätcren ©Regatten unb ber SJerioanbtcn
beS für ben fd)ulbigen S^Ijeil crflärten @f)emannes ift im § 1483 9lbf. 3 gcorbnct
«etbinbunfl 3. 3hif bie gerid)tHdbe (Settcnbrnad^ung bcs Untcr^altsanfpruc^cfi
SlJÄt m"l n^i^c»^ bie allgemeinen «orfd^riftcn ber ß. 5ß'. D. Slnroenbung. SarauS
ber ©*ei. crgiebt fidj insbefonbere, bafe für bie 6ntfd)cibung über jenen 3[n|pru(ft
bungafiage. ^.^^^ ^^^ g^egcric^t als foId^cS juftänbig ift unb baß bie ftlage auf Unter-
l)attögen)äl)rung — abroeid^enb oom gemeinen JRe^te unb oerfc^iebencn
neueren ©cfe^gebungen (oergl. preug. 31. ®. D. I, 40 § 51, 3ln^. § 293;
Code civil 9trt. 301; fd^roarjb.fonbcrsl). 6(;efc^cibungögef. § 35) — ni^t
mit bcr ©d^eibungsflage t)crbunbcn roerbcn fann (ücrgl. § 575 3lbf. 2 bcr
6. % D. unb baju Cntfd^. b. dl ®. in ßioilf. V, 119, Urt^. b. 9t. ®. bei
Oruc^ot XXVII ©. 1117 ff., ücrgl. icbod) aud) (Sruc^ot XXVI ©. 704 ff.).
S)ie 3uföffung einer foId)cn Sßcrbinbung ift mcber burd) ein Sebürfnife geboten,
nod) mit Jiürffid^t auf bic baburd^ unter Umftänbcn ücranlafetc SSerjögcrung
bcs Sd^cibungsprojcffcs unb bas für bie Sd)eibungsftage gettcnbc befonbcrc
SJerfa^ren jiücdEmäfeig. ®s genügt, toenn boö S^eibungsurt^cil naä) SWaß^
gäbe bes § 1449 fid) über bic Sd)utbfragc ausfprici)t.
§ 1455.
giamen«. ©icljt man ben Orunb, aus welchem bie (S^cfrau ben Familiennamen
gcfi*i"benM bcS ®()emanncS erhält (§ 1274), barin, bafe bie (S^efrau burd) bic ©^c in bic
e^frau. gQiniiie bcs Seemannes unb in ein fo nal)cS 3Scrl)ältni6 ju bcm Unteren
©ettenbe« tritt, bafe ftc mit bcmfclben eine ©in^eit ausmacht, fo mufe, ba mit ber auf-
lofung ber ®l)c burd^ ©(Reibung bcr Orunb bicfer 9tamcnSänberung wegfällt,
bic ©d^cibung aud) bas 9tec^t ber 6t)efrau, ben 9lamen beö ß^cmanncs ferner
JU fütjrcn, befcitigcn, unb jmar o^nc 9iüdEfici&t barauf, ob fic für ben fc^ulbigcn
2:(;cil crflört roorben ift ober nid&t. S)ies ift bcr ©tanbpunft bcr franj.
Surisprubcnj. 6inc anbere 9luffaffung ge^t babin, bafe baS oon ber et)cfrau
bur^ bie ©bcfdbli^fewng einmal erroorbene dieä)t, ben 9lamen bcö G^emanncs
JU führen, nac^ allgemeinen Orunbfäftcn cbenforoenig befcitigt merbe, roic bun^
bie 9luf(öfung bcr @f)e burd^ ben 2^ob bcs Seemannes. 3)icfe SluffaRung
fü^rt umgcfcbrt ju bcr Seftimmung, bafe bic gcfd^icbcnc (g^cfrau ben 9tamen
beS ©bemanncs bet)ält, ol)ne Unterfc^icb, ob fie für ben f^ulbigen S^eit crflört
morben ift ober nic^t. 9Iuf bcm Soben bicfer 2Cuffaffung, meiere au(^ in bcr
gcmeinrcd&tlid^en ©ottrin 33ertrctung gcfunbcn ^at, fte^t bos fä^f. ®. S.
Sctcibunfl. 9lamcn bcr gefcfjicbenen Sl^efrau. § 1455. 621
§ 1748, foroie bic altenb. (Sficorbn. § 282, bic Icgtcrc icbo(ft mit her SRobis
fifotion, bafe ftc bcr ®f>cfrau frcifteüt, ben Flamen bcö g^cmanneö aufjugebcn.
6inc brittc Oruppc von Siedeten untcrf^cibct, je naci)bcm bic ®^cfrau für bcn
fc^ulbigcn 2^f|cil crtfört roorbcn ift ober nid^t. 3m lefeteren galle l)at bic[clbe
ein Jte^t Quf gortfiil)runö bes 9lamenö bcö (g^emanncö, ol^nc iebod) ju ber
^ortfüdrung biefcs Siamenö DcrpjKc^tct ju fein. 3;m erftcren galle barf fie ben
'ihmtn bcö ßöcmanneö loibcr beffen SBillcn nid&t iDciterfü^rcn. Ob bicö
and) bann gilt, mcnn bcibe 2^^eUc an bcr Srf)cibung ©d&ulb finb, ift nid&t immer
auöbrüdlid^ bcftimmt. 3^i ^^^f^^* britten ©ruppc Don SRcd^ten gcfioren baö
prcu§. ä. S. SH. II, 1 §§ 741, 742, bic nürnb. ef)cfd^eibungöorbn. 3lv. 82, ba^^
got^. ßlKJgef. §§ 153—155, baö f d^mar jb. fonberöl;. ®l)cfd&eibungögcf. §26 unb
bos bab. S. JR. Safe 299 a. 3lu(f) in bcr gcmcinredE)tlidöcn ^rajiß (ücrgl.
Seuffcrt III, 70, XVII, 58) finbct biefc 9lnfid)t fiel) ücrtretcn.
6ö fann ^ier baf)ingeftcnt bleiben, meldte ber DcrfdE)iebencn 9luffaffungen etönbpunft
oom juriftifd^en ©tanbpunfte aus als bic rid^tigcrc anjufel^en ift. 3cbcnfallö cntwurfes.
oerbient bic im fäd^f. ®. 93. jur 9lncrfennung gelangte jnjeite Sluffaffung üor
ber erftcren, btm franj. 5Rcd)tc ju ©runbe liegcnben Sluffaffung um bcömillcn
\^n 35or}ug, mcil fie n\6)i allein ber ©itte beö Scbenö, fonbern infofern aud)
bem öffentlichen Sntcrcffc 9led&nung trägt, als fie bic mit einer Slenberung
bcöSlamenö bcr gef^iebenen @t)efrau für ben amtlid)en unb aufeeramtllid)en
Serfe^r ocrbunbencn 9iad{)tl^eilc unb SSermirrungen Dcrfiütet. Sßit biefen
(Scfic^tspunften ift cä aber au^ nid^t Dcreinbar, nac^ bem ä?orbilbe beö prcufe.
3. 2. 9J. II, 1 § 742 unb onberer (Sefefegebungcn bem ®()emannc für ben
JaD, wenn bie (S^efrau für bm fd{)ulbigen SC^eil crflärt morben ift, baö Stecht
beijutcgcn, pon berfclbcn ju t)erlangen, bafe fie feinen Sßamen nid^t loeiter'
fü^re, ganj abgcfcljcn boüon, bafe eine fold}c 93eftimmung ju 3n)eifeln barüber
Seronlaffung gicbt, mit meinem S^i^P^^ft^ i>i^ ©t)efrau baö 9ie(^t, ben 9iamen
bcö ©öcmcnncö rocitcrüufüfircn, verliert. 2)icfcn ©rroögungcn gegenüber
fonn borouf cnlfc^cibcnbeö ©emid^t nid&t gelegt werben, bafe bcr gefdöiebene
G^cmonn unb bejfen gamilie ein Snlereffc baran ^aben fönnen, bafe bic für
ben f4itilbigcn S^ficil erftörte ©l^efrau ben 9lomen beö S^emanneö nic^t behalte.
9Inbererfcitö muffen jene ©rroägungcn aber audf) bal^in füfiren, ber ®l)efrau
bflö 9icä)t JU ücrfagen, ben Flamen, rocld^en fie Dor ber ©ficfd^liefeung gefütjrt
M, micber anjunet)men. ®in Sebürfnife, berfclbcn ein fold()eö Jlcd^t ein?
juraumen, fann um fo meniger anerfannt roerbcn, alö eö il^r fclbft«
Derftänbli^ unbenommen ift, fid^ olö gefd^iebenc ®l|efrau ju bejei^nen, ba ein
fofd^ Sufofe ju bem Don if)r fortjufütircnbcn 9lamcn beö ®t)emanneö nid^t
eine 9Jamcnöänbcrung , fonbern nur einen ^inmeiö auf bie S^fiatfac^e bcr
Sc^ibung enthält. 3^^^"^ ^^nn fie gccignctcnfallö im SBcrroaltungömcgc bie
Senbcrung t^reö Slamenö erroirfcn.
3He bcftc^enbcn SRcd^tc enthalten jum SE^eilc aud) barüber 33eftimmungen, ©tanb b«
wUi)tn ginPufe bic ©d^cibung auf ben ©tanb unb bcn 3lang bcr ß^efrau ® e*^cfJSI!"
^ot (pteuß- 2r. S. 9?. II, 1 §§ 738—740; got^. ei)egcf. § 153; altenb. (Sficorbn.
§ 282; fd&tcorib.fonbcrö^. ®t|efcE)cibungögef. § 26; föd&f. ®. 93. § 1748). ©ic^-
feften ©rünbe, meiere ben ©nttourf bcftimmt l^aben, feine SBorfd^riften
boribcr aufeunc^men, inmicmcit bic ©fjcfrau burdj) bie ©d^liefeung bcr ®^c
622 ®(6eibun0. mci)UmUiM% ju ben Äinbern. (§§ 1456—1458.)
ben Stanb unb bcn Mang bcö ©f)emanneö erroirbt (ocrgl. aßotioc ju § 1274
oben ©. 106 ff.)/ fprcd^en bafür, aud^ über ben (Sinflufe ber Sd^cibung in
ben bejeid)neten SRic^lungcn 5U fd&rocigcn.
§§ 1456-1458.
sfiec^«. S)a burd) bie ©Reibung nur bie recIitUd^en SBirtungen bcr ©be als
iZlTL fölclier auft)ören, fo ergiebt fidi Don felbft, bafe, fomeit baö ©efcft feine afu
ßcfc^icbenen weid^cnben 33eftimmungen entl;ält, bie rcd)tlid^en Sejiel^ungen jioifc^en ben
unt^^en «"it* ®Itern unb Äinbern, foroie jroifd^en ben Gltern unter einanber in 3lnfebung
^'^^' ber Äinber burc^ bie ©d)eibung nic^t berührt werben; benn jene Sejic^ungen
ftnb m6)t 2Bir!ungen ber befte{)enben 6be, fonbern ber in bcr (g^e erfolgten
3eugung ober bcr oor^er erfolgten S^^fli^J^fl ^" SSerbinbung mit bcr nac^
folgenben 6l)e. ®incr befonberen SBeftimmung, bofe trog ber ©(Reibung bie
Äinbcr gegenüber il)ren ©Itern itire 9lcd)te alö c(jclid^e ftinber behalten (oergf.
Code civil 2lrt. 304 ; f)eR. ®ntn). 9lrt. 104), bebarf eö bal)cr nid^t, cbcnforoenig
ber 93eftimmung, bafe bie Sdjeibung auf bie in ber ®^e crjcugten ober gc*
borenen Äinber foroo^t rüdffid^tUd) itirer (Scburt alß rüctfiditlic^ i^reß Sied^td^
Dcrfjöftniffeö ju it)ren ®Itern feinen ©influfe tiabc (fädif. ®. 8. § 1749). 3m
roieroeit bcn Äinbern bie i[;nen Don ben ®[tern in SScrfügungen oon J'obcSiocgcn
ausgefegten S5ortl)ei(e oerbleiben, trogbem biefc aSerfügungcn im SJer^ältniffe
ber S^cgatten su einanber bur^ bie ©d^eibung hinfällig roerben (oergl. code
civil a[rt. 304 ; f)eff. (Sntm. Strt. 104), rietet fid) nac^ ben 93eftimmungen beö
®rbredf)teö (t)ergL §§ 1783, 1787, 1876, 1946, 1948, 1962). Sie Siegel, baß
bie vcä)tl\ä)tn SSejie^ungen ber ®Itern 5U btn Äinbern burc^ bie Sdbeibung
ni(^t berül)rt roerben, erlcibet gewiffe 9luönal)men nur in 3lnfe^ung bcr t^at?
fä^Ud^en Sorge für bie 5ßerfon ber Äinber unb bcr Unter^altöpflic^t ber
©Item. 5Bon ben erftcren Ijanbeln bie §§ 1456, 1457, üon bcn (cßteren ber
§ 1458.
§ 1456.
«nfiui ber 3laä) gcmcincm SRcd^te l^at bie ©dieibung ©influft nur auf bie ©rjie^ungd*
tf SSrJ Ö^^^^f*/ "i** ö«* öi^f ^i^ fonftigcn mit ber väterlichen ©eroolt üerbunbcncn
ocroait. Siedelte, inöbefonbere nid|t auf baö Dätcrlic^c aSerroaltungs^ unb Sflugnicfeungd^
©eitenbc« rcd^t am SBcrmögcn bcr äinber (oergl. 1. un. Cod. div. fact. 5, a* ; Nov. 1 1 7 c. 7).
^'*'- 9Iuf bemfelben Soben ftcl^cn im ^rinjipc ha& preufe. 31. S. SR. n, 2 §§ 92—104,
bie nürnb. ©tiefclieibungsorbn. 3lx. 80, baö got^, ©^egef. §§ 170—173, bie
altenb. ©l)eorbn, § 284, baö fc^roarjb.fonberö^. ©^cfd^eibungögef. §§ 36—40
unb baö fäd&f. ®. 33. § 1749. SDaö franj. SWed^t enthält neben ben bie Slegetung
ber ©rjic^ungögcroalt betreffenben SSorfd&riftcn (code civil 9lrt. 302, 303) feine
auöbrüdEUd&en Seftimmungen barüber, ob unb inroieroeit bie ©dieibung auf bafi
mit ber oäterlid^en Oematt tjcrbunbene 9le^t, baö aSermogen ber Äinber ju
t)ern)alten, oon ©inffu^ ift. Scr 3lrt. 389 beö code civil befcftr^nft feinem
SBorttaute nad) biefeö Slcd&t auf bie 2)auer bcr ©^e. Slnbercrfeitö tritt na*
3lrt. 390 bie gefelli^e a}ormunbfd&aft bcr ©Uern nur im gaUe ber äuflöfung
ber ß^c burd) ben 2;ob eincö ber ©Regatten ein. 2luf Orunb ber 3lnaIogie
Sc^eibuno. (Suiflu§ auf bic eltcrlidfee ©emalt. § 1456. 623
bcr Quf bic ßrjie^ungögcroalt fic^ bcjicl;cnbeix 33cftimmungcn bcö SKrt. 302 wirb
in 5er franj. ^wriöprubcnj bic, Don anbeten ©eiten icbod^ bcftrittcne, 3lnfid&t
ocrtretcn, bofe im galle ber ©d)eibung bem unfc^ulbigen ®f)egattcn bie äSor-
munbfe^aft über bic gcmeinfri^aftlid^en Äinbcr juftcbe, wie rocnn bcr anbcre
ß^egatte gcftorben fei, fo icbod&, ba% ber Stid^ter auf 2lntrag ber gamilic ober
beö Slaatöaniüolteö, wenn ber 93ortl)ciI beö Äinbeö cä crlieifd^e, audi ben
anbeten ßl)egatten ober felbft eine britte 5ßetfon jmn SSotntunbc etnenncn
ßnnc. 3)ie eltetlid)e SRu^nicfeung f)ott nad& auöbtüdEfid)et SSotfd^tift beö
Sri. 386 mit bct ©d^cibung füt benicnigeu ©l;egatten auf, gegen n)cld)cn bie
St^cibung etfannt ift. 2)et ^eff. ®ntro. 2ttt. 97—103 hat fid) im SBcfentlic^en
bem franj. SRc^tc, unb jroar ber oben bejeid^ncten 9tuffaffung beö Icttercn om
flcfc^toffen. 3rt't jeber bcr ©Regatten für ben fd^ulbigcn ^f)c\[ erflärt, fo foU
feinem bcrfclben, aud) wenn bem einen ober anbcrcn bie eltcrlid^e (Scmalt im
Ucbtigen übcriaifen fein foUte, baö SSetroaltungS:? unb 9tu6nieBungöte(]^t am
'Bctmogcn ber Jlinbct iuftet)en, fonbetn jum ^rotdt bct 3}ctn)attung bes
Icjtcren ftetö eine SSormunbfd)aft bcjro. ^^flegfd&aft angeorbnet werben.
S)er § 1456 beruht naä) bem 33otgangc beö gemeinen Slcd^tcö unb bct ®tanbpuntt
bem leiteten folgenbcn, oben angefü^tten neueten ®cfe|gcbungen auf bem cntnmrfeä.
^Stinjipe, bafe bie c[tetlid)c ©emalt, abgefcl^en üon bct tt)atfä(i^lic^en Sotge
für bie 5ßcrfon (§§ 1504—1506), alfo insbefonbetc baö mit bet eltetUd^en
©cioalt Dctbunbenc JRcd^t bet Sotge füt baö SSetmogcn bet Äinbet, baö 3icd)t,
biefclbcn in i^ren pctfonlid^cn SKngelcgcnticiten ju ücttteten, unb baö SRed^t bct
elterlichen Jlugnicfeung (§§ 1502, 1503 3lbf. 1 nerb. mit § 1649) burd^ bie
S^Kibung überall nid)t bctül^tt metben foll. 3Jlit bet ©c^eibung füt ben
)(|iulbigen ©Regatten in 3lnfel^ung bet eltetlici)en Oematt fo meit gel^enbc folgen
JU oetfnüpfen, mic bicö nad^ ftanj. Sleci^tc unb bem licR. ©ntroutfe bet gall ift,
fü^tt nic^t allein }u gtofeen faxten gegen ben fd{)utbigen ©Regatten, jumal nic^t
fetten bie gällc fo liegen, ba§ betienige ©l)cgatte, meldet Dot bem @efe|e alö
ber f^ulbigc S^^eil erfd^eint, bo(^ moralifdj) alö ber menigcr fd()ulbige Stljcil
anjufe^en ift, f onbern fann inöbefonbere aud) com ©tanbpunfte beö Sntcrcffeö
ber Äinbcr ouö, rocl^eö für bie in SKebe fteficnbe S^agc üon cntfd)cibenbcr
Sebcutung ift, alö angemejfen nid^t erachtet merben. 2)em 3ntereRe ber Äinbcr
entfprid^t cd rcgelmäfeig am mciften, menn bie ©orge für bie 5ßerfon unb baß
Sermögen ber Äinbcr ben ©Item anoertraut wirb, unb unter btn ©Itern ift
in ber großen aWcbrja^l ber gällc ber SSater üoräugöroeifc baju geeignet, baö
JJermSgen ber Äinbcr ju oerroalten unb biefclbcn im rcd^tögefd|äftlid()cn SSer^^
tcfyct JU ocrtrcten, SHit ben fonftigcn ®runbfä|en beö ©ntmurfcö über bie
©ntjie^ung ober bie SBermirfung ber eltcrlid()en ©eroalt (§§ 1546, 1559) mürbe eö
nidft oercinbar fein, fc^on an bie SC^atfac^c, bafe ein (S^egatte bei bcr ©c^ei*
bung für ben fd^ulbigen SC^eil erflärt roorben ift, ben 3Serluft ber cltcrlidtjcn
(Sewalt ju tnüpfen, 3luö jener S^liatfad^e tann ber ©d^lu§ nid^t gejogen
löerben, bafe bcr betreff enbe ©fiegattc auc^ feine ^flid&ten gegenüber ben Äinbcr n
ni^i erfüllen merbe imb nid^t mcljr geeignet fei, bic eltcrlid^e (Scroalt auö-
iuübcn. Um fo bebenllid^er ift eö, bcr ©d&eibung einen f o meitgrcifcnbcn ©influfe
auf bie elterlid^c ©emalt beiiulegcn, alö bieö, roenn man oon bem, in ber liier
fragli^ien Sejiel^ung jubem nid;t unbeftrittenen, franj. 9tcd^te abfielet, gegenüber
624 e^eibmiG. (Siiiflu§ auf bie clterltc^c ®ciralt. § 1456.
bem in 2)eutfcf)Ianb gcltenbcn Sted^tc eine grofee Steuerung cntf)alten würbe,
unb sroar auf einem (Scbicte, auf n)cld)em baö gcftfialten an ben ^ergebrod^ten
Slnfd^auungcn bcfonberö angcjeigt ift, weil jebc SJlenberung bie pcrfönli^en
Sntcreffcn tief berüf)rt. 2)iefen ©riüägungen gegenüber fann aud^ barauf er^cb*
(i^cö ©eroiciöt nid|t gelegt werben, bafe es unter Umftänbcn ju Äonfliften
än)ifd)en ben gefd^iebenen ©Regatten fül^ren fann, wenn man ber S^eibung
nur einen Ginffufe auf bie t^atfäc^licfte ©orge für bie ?ßerfon beilegt unb bie
Ie|tere oon ben übrigen 93eftanbtl)ei[en ber elterlichen (Seroalt trennt i).
3:^aifcicfia<^ g[n 3lnfel)ung ber Grjietiungögemalt über bie gemeinfdöaftUd^cn Rinber
^i^e?fon 'ber * ^öumen alle 9ted{)te, menn audf) in öerfdf)iebencr 9lrt, ber ©d)cibung einen
Äinber, ©influfe eiu. 3m 9lnfd^luffe an baö gemeine Siedet (oergl. 1. un. Cod. div.
fact. 5, 24; Nov. 117 c. 7; ©euffert VI, 213, VHI, 269, XX, 42, XXHI,
36, XXVI, 246, XXX, 39, XXXIII, 312, 313; ©ntf^. b. SR. ®. in 6iDilf. IX,
111) get)t bie SKefirjalit ber neueren ©efefegebungen Don bem Onmbfage auö,
bafe bie (£rjiel)ung ber gemcinfc^aftlid&en Äinber nadf) 3luflo|ung ber (S^e bur(§
@d)eibung, folange beibe ©Itern leben, rocnn nur ber eine ®^egattc für ben
fd^ulbigcn 2^l)eil erflärt ift, bem anberen ®^egotten jufte^cn foH, bafe icboc^
von biefem ©runbfage nad^ bem ©rmeffen beß ^rojeferid&terä bejro. beö Sor-
munbfd&aftögerid^teö mit SHüdffid^t auf baö 2Bo^l unb ^ntereffe ber fiinber
abgeroid&en unb bie ©rjiefiung bem fd^ulbigen 2^l)eile ober aud^ — roaö m-
seine Siedete auSbrüdElid^ gcftatten — einem ©ritten übertragen werben fann
(üergt. preufe. 21. 2. SR. 11, 2 §§ 92—94, 97 — 100; fd&warjb.fonberö^. e^e*
f df)eibungsgef. §§ 36 ff. ; code civil 9lrt. 302 lieff. entm. 3lrt. 97 ff.). ^Dagegen
fef)cn anbere SRed^te überfiaupt Don 9lufftellung ber SRegel, ba§ ber unft^ulbige
2;i)eil bie Äinber behalten folt, ab unb überlaffen bie ©ntfd^eibung ber gragc,
welchem (Sltcrnt^eile bie ®riief)ung ju überlaffen ift, ganj bem Gnneifen beS
?5ro5e6geridf)tcö bejro. beö a3ormunbfd&aftsgeridf)teö (üergl. altenb. ß^eorbn.
§ 284; fäd)f. (S. 33. § 1749). 5DaS gott). ef)egef. §§ 170—173 fieflt jroar,
abgefel^en üon bem §alle, wenn nur ein gcmcinfd^aftlic^eö Äinb ober mcl)rere,
aber beöfelben ©efd^led&teö, T)orf)anben fmb, ebenfalls üon jener SRcgel ab, fieHt
aber bie anbere SRegel auf, ha% bem ®l)emanne bie ©öline, ber ®^efrau bie
2^öd&ter jum ^xücdz ber Grjie^ung im ©d^eibungdurt^eile jugefprod^en nnrrben
follen, fofern nxä)i ba§ Sntereffe ber Rinber eine anbere ^Regelung er^eifd^t
2luf biefem ©tanbpunfte ftel^en auc^ bie Sßorf^läge bes preufe. ©cfefercoiforö,
5ßenf. XV §§ 55—64 nebft SRot. ©. 48 ff.
»ennnurrin 2Benngteid& einer 9Serttjeilung ber Rinber nad^ bem (Sefd^le^te unter
*^°"*' bie gefd^iebenen ©Regatten jum Q^edc ber tl^atfäd&lic^en ©orge für bie ^Scrfon,
inöbefonbere ber ©rjie^ung, f|ingefef|en auf baö ^ntereffe ber Äinber unb bcö
natürlirfie SBerfiältnife, erfieblid^e Orünbe jur ©eite fteften, fo fällt gegen eine
^) 3!)le oben ©. 143 erttaftnte Petition be8 allgemeinen beutfd&en graucnDcttind
an ben 9tei(]^gtag wxU. über bie ^roge, ivelc^em (Sltemtbetle mä} ber ©d^eibung bce
^nber ju überlaffen feien, baö richterliche ©rmeffen entf(]&eiben laffen, toünf(6t icbo4,
ba§ meßr ,ber natürti^e ©tanbpunft* betüd[|l<5tigt toerbe, nad6 i»cI4em bie Äinber hd
ber SDlutter, bie Tufi i^ncn in jeber Se^lebung toibmen fßnne, bejfer aufgebobcn feia,
irabrenb ber SSatcr feiner ganjen gebenßftellung nacft baju meifl toenigcr im ©tanbe fei
J
®(ßclbuno. JRedjtSüec^altniB s« ben ftinbern. § 1456. 625
bcrortigc Siegelung, abgefallen baoon, bafe biefclbe mit ber SDle{|rjaI)( ber be^
filc^cnben dlcä)k ntd|t im ©inflange ftef)t, entfci)eibenb inö ®tmä)t, bafe eö ftd^
^ier junöc^ft um ia^ SSerfjältnife ber ©IjegQtten unter einanber in 3lnfe{|ung
ber Sorge für bie 5ßerfon ber gemeinfd^aftlid^en Äinber l^anbelt, jene Siegelung
ober baß JRed^t beß unfd^ulbtgcn ©Regatten, roeld^cr roä^renb beö S3eftc^ens ber
e^c einen Hntl^cil an ber ©orge für bie ^erfon in 3lnfe^ung oUer Sinber
^Qtle (§§ 1502, 1504, 1506), ju fe^r beeinträd^tigen roürbe. Ueberbieö ift es
bebcnfli^, in erfter Sinie für bie 9luöübung ber ©rjiel^ungßgeroolt ol^ne
bringenbc ©rünbe eine 9iorm aufjuftellen, roeld^e aud& ju einer ©ntfrembung
ber Rinber unter einanber fül^ren fann unb ben mit ber ©d)eibung Derbunbenen
3K§ in bie gamilienbanbe ju erroeitern bro^t.
Snberö liegt bagegen bie ©ad^e, wenn beibe ©fiegatten für ben fd)ulbigen »««« beibe
mi erflärt nnb. 3n einem fofc^en gaHe bleibt, wenn man für bie (^nUt^^Tt^n
fc^eibung einen feften 9ln^alt§punft im ®efe|e geben roill, nid^tö SKnbcreö ^^^^'j^^«^*'^*
Hbrig, ofe eine SSert^eilung ber Slinber nad^i bem ©efc^Ied^te oorjufc^reiben
(oergl. fcftroarjb. fonberö^. ®f)efd)eibungögef. §§ 36 ff. ; auä) preufe. 31. S. 91. n, 2
§§ 93, 95, 96). ®em SSater in einem foIdf)en gafle bie ©orge für bie ^erfon
oBer Äinber ollcin ju überlaufen, mürbe eine unbillige ^ärte gegen bie 3Jlutter
fein unb bem 3nterejfe ber S^Sd^ter, menigftens in ben meiften gäUen,
roiberftreiten.
SBon ber SWegel, bag, menn beibe ©Regatten für ben fd^ulbigen SC^eil
erflart finb, eine 93ert^ei(ung ber Äinber nad^ bem ©efd^Ied^te ftattfinben foll,
madft ber § 1456 Slbf. 1 Sa^ 1 iebod^ im Slnfd^Iuffc an älmfid^e SBeftim^
mungen neuerer Ocfefee (oergl. preufe. 91. 2. 9i. II, 2 §§ 94, 95; gotEj. ®f)egef.
§§ 170 ff.; fd&roarsb.fonberö^. ©M^eibungögef. §§ 36 ff.; fö^f. 0. 33. § 1749)
infofcm eine STuSna^me, alö er auc^ bie ©öl^ne biß jum jurüdEgelegten fed^ften
Sebenöja^re ber 9Kutter juroeift, ba bicfetbcn biß ju biefem Scbenßatter oop
5ugßn)eife nodb ber ^Pflege unb 3luffid&t ber SHutter im §au[c bebürftig fmb
unb regelmäßig erft mit biefem S^tP^^fl^ i>ic ©d^ulpflidit beginnt, dagegen
ift eß olß bcbenHidf) erad^tet, nad^ bem SBorgange ber angefül^rten ©efege bie
gleiche Ausnahme auc^ für ben gall ju beftimmen, wenn attein bie SWutter
für ben fc^ulbigen S^l^eil erflärt ift (Sine bcrartige 33eeinträd^tigung ber dit6)tc
beß unfc^ulbigen SSaterß ift o^ne bie bringenbften Orünbc nid^t gered^tfertigt.
Solc^ ©rünbc liegen aber nid)t Dor. 2)er Slüefftdlit auf baß 3ntereffe ber
ftinber roirb burd^ bie im § 1456 3lbf. 1 ©aß 2 bem 33ormunbfd^aftßgeric^te
beigelegte Sefugnife in außreid^enbem SKafee Slec^nung getragen.
S)a§ für ben gaU, mm beibe ©Regatten für ben f c^ulbigen S^i^eil erflärt j,®,^^^"*"!
finb, bie 33cfugniife beß 95ormunbfdöaftßgeridf)tcß nad^ 2Ha§gabe beß § 1456 be«»ormunb.
attf. I ©ü§ 2 über bie allgemeinen ©runbfäfee beß § 1546 ^inauß erweitert J*f^/^;
iDcrben, fann einem 33ebenfen nid^t unterliegen. S^^if^^^oft fann eß bagegen
fein, ob eine fold^e ©rmeiterung ber SBcfugniffe beß SBormunbfd^aftßgeric^tcß
Qu^ gegenüber bem unfd)ulbigen 6I)egatten geredf)tfertigt ift, ober ob eß \\d)
nid&t otelmel^r empfiel^tt, in biefem ^alle baß Eingreifen beß SBormunbfd^aftß*
geric^ted in baß elterlid^e ©rjiel^ungßrc^t an ftrengere SBoraußfegungen ju
fnüpfen (ncrgl. preufe. 2t. S. 31. n, 2 §§ 97—100). 3m ^inblirfe barauf,
ba§ in ^o(ge ber ©d^eibung bie in bem Sufammenroirfen beiber ©Item unb
626 ©Reibung. 9{cci6t^ücrl)ä(tni§ ju bcn Äinbern. § 1456
in ber gcgcnfcitigen Rontrotc bcrfelben Uegcnbc (Sarantic Tocggcfallcn ift unb
bafe bic (Sntfd^cibung über bic Sd^ulbfrage im ®^cfd)eibungöproäcifc im 3Jet*
^ältniftc JU bcn Äinbcrn nid^t unbcbingt mafegcbcnb fein fann, ift eß jeboc^
angemeffener, bem 93ormunbfd^aftögerid)te in einem weiteren Umfange, als
bieg nad) ben allgemeinen Orunbfägen ber gall ift, bie SKöglid^fcit jum 6im
fd^reiten ju geben, jumal bieö bem gettenben Siechte in großen Stec^tögcbicten,
namentlid) in ben (Sebietcn beö gemeinen SHcd^teö (uergl. oben S. 624), bcß
franj. 5Ked)tcö (code civil %ci. 302) unb beß fäi^f. ®. 33. (§ 1749) entfprid^t.
S)er 9iiicffid&t auf baö Siecht beö unfd)ulbigen ©Ijegatten gefd&icl^t baburd^
©enüge, baß ber § 1456 3tbf. 1 ©afe 2 baö einfd^reiten beß SBormunbfd^aftö*
gerid^teß baüon abhängig mad&t, bafe bieß burd^ befonberc Umftönbe im Sntcrefje
beß Sinbeß geboten erfd()cint. Sie befonbere, burd^ § 1456 3lbf. 1 SoJ 2
bem 58ormunbfc^aftßgerid^te beigelegte aWad&termeiterung ge^t aber im 3lnf(i&Iuffc
an baß gemeine Siedet unb baß fäd&f. ®. 33. nur ba^in, eine anberroeite
Siegelung ber ©orge für bie ^erfon unter ben ©Item felbft üorjunc^men;
bagcgen ift baß Sormunbfd^aftßgerid^t auf ®runb ber l^ier frogIid()en bcfonbercn
33eftimmung nid^t befugt, bie ©orge für bie 5)5erfon bciben ©Item ju cntjie^cn
unb einem ©ritten ju übertragen (öergl. preufe. 31. S. 9t. n, 2 § 98; code
civü 3lrt. 302; fd^marjb. fonberßl^. ©^efd&cibungßgcf. §§36 ff.). aSielmc^r ocr-
bleibt eß in biefer ^inftc^t bei im allgemeinen ©runbfö^en ber elterlichen
©emalt unb beß SSormunbfd^aftßred^teß (oergl. §§ 1546, 1554, 1555,
1633, 1738).
3laä) gemeinem $Hedf)te (üergl. ®ntfd&. b. SH. ®. in eiüilf. IX, 111) unb
oerfd^iebenen neueren ©efe^gebungen (Dcrgl. code civil 3Irt. 302; got^. ©^cgef.
§§ 170 ff.; altenb. S^eorbn. § 284) erfotgt bie ©ntfd&eibung barübcr, bei
mcld^em ber gcfd&iebenen ®f)egatten bie gemeinfd^aftlid&en Äinber %u erjie^en
finb, im SBege beß S^^ilP^^jeffeß unter ben ®l^egatten. Gbenfo fte^t nac^
preu§. 9led()te bei einem ©treite unter ben (SItern über bie Grjie^ung ber
Äinber bie ®ntfd^eibung barüber, welchem 3:f)eile mit 5lücffid&t auf bie ©^ulb*
frage nad) SWafeabe beß preufe. 31. S. SR. II, 2 §§ 92 ff. bie ©rjic^ung ber
Äinber ju übertajfen ift, bem ^rojeferid^ter ju; bod^ ift baburd^ eine anber*
weite burd^ baß 3ntereffe ber Äinber erforberlid^ roerbenbe SInorbnung beß
aSormunbf^aftßrid^terß nid^t außgefd&Ioffen (oergl. preufe. 3r. 2. 3?. n, 2 §§ 90,
97—100; preuS. 31. ®. D. I, 40 § 51; Urt^. b. 5H. ®. bei ©ruc^ot XXV
©. 465 ff. ; 3a^rb. b. ©nlfd^. b. Äammerger. in, 32 ©. 65, III, 38 ©. 74),
SDaß fd^marjb. fonberßf). ©fiefdtieibungßgef. §§ 36 ff. unb baß fäd&f. ®. 9.
§ 1749 roeifen bie ©ntfd^eibung ber Grjiel)ungßfrage ganj aDgemein bem 35or»
munbfd)aftßgerid^te ju. SBenngleid^ bie S^ftönbigfeit beß ^projefegerid^teß fid^
Don bem ®eric^tßpunftc auß red^tfertigen lö^t, ba^ eß fid^ ^ier junö^ft um
eine SBert^eilung beß ben ©Item bißf)er gemeinfd^aftlii juftelienben SRcd^tcö
unter bie ©Itern unb um einen prit)atred&tlid^en ©treit über bie SRcd^te ber«
felben unter einanber Iianbelt unb ein ^ßrojegoerfal^ren größere ®arantieen für
bie Ermittelung unb geftftellung ber für bie ©ntfd&eibung mafegebenbcn 35er»
l^filtniffe geroäl)rt, fo fällt bodf) gegen eine berartige Siegelung entfc^dbcnb inß
®tmi)t, ba§ bei ber 93eurt^eihing ber ^rage, ob eine oon bcn Siegeln beß
§ 1456 Slbf. 1 ©afe 2 abmeic^enbe SInorbnung geboten ift, allein ber ©cfid^tß«
©(Reibung. Stc4t§ücr]6aftni§ ju bcn Äinbcrn. § 1456. 627'
punft bcs 3ntcreffeö her Äinber ben Sluöfciilag ju geben f)ai unb ba^ bic 3u*
ftanbigfcit bcö 9Sormiinbf(^aftöflcrid&tcö in bcm l)tcr fragliciien galle bcm
©runbfttgc bed ®ntrourfcö entfprid^t, bafe bic ®ntfd^cibung über bie Sc-
ft^räntung ober bie ®ntjiel)ung ber clterlid^en ©eroalt überl)aupt bem 3Sor=j
munbfci^QftSgeriti^te jufteben foU (§§ 1546—1551). 3^^^^ roürbc bie Sulajjung
einer ßntfc^eibung über bie ©rsiefiungöftage in SSerbinbung mit bcm ©d^eibungs*
projcffe mit ben SSorfd^riften ber 6. ^^. D. § 575 Slbf. 2 in SBiberfprud^ treten
(ocrgl. gntfd&. b. 91. ®. in (Sioilf. IX, 111).
Sicfelbcn ©rroögungen, roclä)t bafür fpreciicn, bcm 3Sormunbfd|aftö«
gerügte bic 33efugni6 beijulegcn, mä) SKafegabe beö § 1456 Slbf. 1 ©o^ 2
eine Don bcn 33eftimmungen beß § 1456 SHb\. 1 ©ag 1 obroeid^enbe 9lm
orbnung ju treffen, muffen baljin füf;ren, 'bcm SSormunbfd^aftSgerid^te a\x6)
bic Aufhebung ober eine 3Icnbcrung ber getroffenen STnorbnung ju ge*
ftatten (oergt. § 1551). (Sine fofd^c 9luf^ebung ober Slenbening mu§ aber nid^t
Mod bann, xocnn es im 3ntcrcf[c beö ÄinbeS nötl)ig roirb, fonbern aud^ fc^on
bonn juläffig fein, rocnn bie Umftänbe, roeld^e bie 9lnorbnung ücranla^t I)aben,
löeggefaHen flrtb. 3ft eine Slbroeid^ung Don ber SRegel beö § 1456 9lbf. 1 im
Sntcrcjfc ber Äinbcr nid^t mc^r geboten, fo erfd^eint bie gortbauer ber baö
e[terli(!^e Siedet befc^ränlenbcn ober baö legterc auf^cbenben SKa^regel nidEit
me^r geredjtfertigt, aud& roenn bie 2luff)ebung ober 9lenbcrung ber SWaferegcI
im ^ittcrejfe bcö St\iö:^% mi)i nötf)ig fein follte.
2Ble auö bem (gingange beö § 1456 9lbf. 1 fxä) ergiebt, finb bie bc* öeftaitun«
fonberen Seftimmungcn beö § 1456 über bie ©orgc für bie^erfon ber Slinbercrnt^^STrsU
überhaupt nur, fotan3e beibc ©Itcrrt leben, ma^gebenb. 3)a nad^ bem S^obe fl^"^"-
bcö einen ©fternt^eilcö baö SHed^t beö lefeteren bem übericbenben ®Iterntf)ei[e
ni(^t mt\)x cntgegenftef)t, fo liegt fein (Srunb mc()r üor, von ben allgemeinen
Seftimmungen über bie elterlid&e (Seroalt abjnroeidEien. S)em 3ntcref[e ber
Sinöer roirb in biefcm galle burd^ bie allgemeinen Scftimmungcn ber §§ 1546
b\& 1551 in gcnügenber SBeife SHed^nung getragen.
3tad) bem aSorgange beö öfterr. ®. 33. § 142 lägt bie altenb. ®^eorbn. uebereinfunft
§ 284 junod^ft bie Uebereinfunft ber ®ltern barüber entf treiben, rocm oon ^^ ®"*"'
ibnen bie Sorge für bie ^erfon ber gemeinfd^aftlid^cn Äinber jufte^en foH.
auf bemfelben 33oben ftcl^en bie SSorfd^lftge beö preufe. ©efcfercüiforö (^cnf. XV
§ 55 nebft ÜRotioen ©. 48 ff.), ^aä) franj. SRcd^te (code ' civü 2lrt. 280) ift
im gallc ber ©d^eibung auf ®runb gegenfeitiger ©inroilligung bic Don bcn
©Kern Dor ber ©d^eibung getroffene Scftimmung maßgcbcnb. 3)er (Sntrourf
ge^t baüon auö, bafe bie 3ulöflwng einer fold^en bie ©Itern binbcnben Ueber«
cinfunft, auc§ xomn man bie SBirffamfeit ber Icgtercn an bie Oenel^migung
bt% 9Jormimbfd^aftögerid^teö binbet unb bem lefetercn bie Scfugni^ üorbeptt,
bie üon i^m crt^cilte ©enc^mlgurtg, fofern baö 3ntercffe ber Äinber eö crforbcrt,
toieber jururfjune^men, nid&t ju billigen ift. ©ie ift mit bem ©cfid^töpunfte,
büß baö SRe^t ber ©orge für bie ^crfon ber Sinbcr nur bie Äe^rfeite einer
bcn 6ltcm gegenüber ben Äinbern obliegcnben 5ßftid^t ift, auf roeld)e nid^t
ocrjic^tet roerben fann (§ 1561), nidEjt vereinbar unb aud^ burd^ ein Sebürfnife
nic^t geboten, ba eö b:m einen ©(tcriitfjeilc unbenommen bleibt, bie Sorge für
bie ^erfon bcö Äinbcö, xoznn er bicö im 3ntcreffe bcö Ic^tercn für angemcfifen
40*
628 ©d&eibunfl. SRccfttööcrJaltniß ju ben Äinbcrn. §§ 1457, 1458.
erachtet, betn onbcrcn ©Itcrntl^eile in bcrfclben SBcifc ju überladen, roic er
fie einem ©ritten bcr 2luöiibung nod^ überlaijcn fann. 2)oju fommt, ba§
bie Swtonung einer fold^en bie ©Itern binbenben Ucbercinhinft geeignet ift, bie
©d^eibungcn iu beförbern, unb mit ber SKel^rjal^l ber beftel^enbcn SWec^tc ni^t
im ®inf[ange ftel^t.
§ 1457.
¥erfönn<*ec SBenngkid^ ber (Sa|, bafe berjenige ©Itemt^cil, meld^em noc^ üJlafegQbe
ber cxSn mit i>^ö § 1456 bie ©orge für bie ^JJerjfon ber gemeinfd^oftlid^en Äinber jufte^t^
bcn jHnbem. j^etn onberen gltemt^eile ben perfönlid^en SJerfcl^r mit ben Äinbcrn nidft
gänjlid^ tjerfagen barf unb erforberlid^enfoUö boö aSormimbfd^aftfigericiÖt ein*
juf (freiten befugt ift^ fi(^ DieDeid^t fd^on aud ben aDgemeinen ©ninbfö^cn
(§ 1546) ableiten läfet (üergl. ©euffert XXXm, 312, XXXV, 296), fo ift e^
bo(5 naö) bem SBorgange oerfd^iebener neuerer ©efeggebungen (nergl. preu§.
21. S. 91. n, 2 §§ 101, 102; fd&morjb. fonberöl^. ß^efd^cibungögef. §§ 36 ff.)
bei bcr praftifd^en SBid^tigfeit ber grage als rotl^fam erad^tct, in bcr ^icr
fraglid^en SRic^tung eine Quöbrürflid^e SBefttmmung aufjunel^men.
§ 1458.
Unterhalt 2)a bic Unterf|altspf[id^t ber ©Item gegenüber ben fiinbcm ni^t auf
^Bei^rr ^^^ ®^^^' fonbcrn auf ber äScrroonbtfdiaft beruljt (§§ 1480—1482), fo crfcibct
vmt biefelbe burd^ bic ©d^eibung feine 3lenbcrung, 2)ied gift in ©rmangclung
bfr«(iefrttu. ^j^^^^ cntgcgcnftcl^enbcn SBcftimmung aud^ Don ber Drbnung, in TOcId^er ben
SBatcr unb bic SWutter bic Untcrfialtöpcrpflid^tung gegenüber bcn ftinbem
trifft (§ 1485), unb jroar o^nc 5lüc!fid^t barauf, roeld^cm ©Iteml^cilc nad^
aWafegabc bcö § 1456 bic ©rjicl^ung beö untcr^altöbered^tigtcn ÄinbcS juftc^t.
Scmgcmäfe l^oftct aud^ nad^ bcr Sd&cibung ben Äinbcrn rcgclmöfeig ber 35atcr
cor ber SWuttcr. ®icß ift aud) ber ©tanbpunft bcö gemeinen JRcd^tcfi fNov.
117 c. 7; pcrgL entfd^. b. 5R. ®. in ßiuilf. Till, 48, ©cuffert XLn, 300),
bcö fäd^f. ®. ». § 1749 unb bcö fd^njarjb. f onberö^. eijcfd^ctbungögcf. § 4L
35agegen finb nad) onberen SRcd^tcn, rocid&e bic Untcrl^altöpflid&t bcr ßltem
gegenüber ben Äinbcrn njöl^renb bcftcl^cnbcr 6^c alö eine beibcn 6Item gemein^
fd^aftlid^ obliegenbe Soft betrod^ten, inöbcfonbcre nod^ bcm rourttemb. unb bem
noR. Siedete, foroic nod^ bcm code civil 9lrt. 303 unb ber oltcnb. ©I^corbn. § 285
(oergl. femer l^eff. ®ntn). 3lrt. 99, 100), bic eitern im goDc bcr ©d^eibung
bic Äoften bcö Unterl^oltcö bcr Äinber gcmcinfd^aftlid& ju trogen ocrpffi4|tet.
®oö preufe. 21. S. SR. U, 2 §§ 103—107 fc^Iicfet fi^ por grunbfäftli^ bem
gemeinen SRcd^te on, orbnct jcbod^ bic Unterl^altöpflid&t für bcn goD ber
©d^eibung infofem obmcic^cnb pon bcn roäl^rcnb beftel^cnbcr @l^e mofegebcnbcn
Orunbfäftcn, alö in icncm goDe ber SSoter oon bcr für ben fd^ulbigen
a:^cil crflärten SKutter einen Seitrag nod^ bem SBcr^ältniRc i^rcö Sermogenö
ober @m)crbeö biö ^Sd^ftcnö auf bie ^ölfte beö crforberlid^cn boorcn SIufiDonbcft
Dcrlongcn fann, unb olö bie für bcn fd^ulbigen 2;l^cil crflörtc aRutter, roenn
i^r bic ©rjicl^ung ber Äinber biö jum vierten ficbcnöial^re bcr Icjtercn über*
©d^cibung. 8ftcd6tßuer]&5Itnl§ ju bcn JKnbcrn. § 1458. 629
toRcn ober bic ^^t^t bcr Äinbcr biß ju icncm 3^itpunltc einem 2)ritten an^
uertrout ift, bic Sloftcn bicfer ©rjic^ung unb ^ßflcgc allein überncl^men mufe
{oergL oud& ©efefereo., ^cnf. XV §§ 65—69 nebft SWotiocn ©. 53). S)icfcn
Seftimmungen bcö preuß. 21. S. SR. liegt ein rid^tiger ©ebanfe ju ©runbc.
ffienngleic^ bic Unterfjaltöpflid^t bcr ®Itern gegenüber ben Äinbern in bcr
Scrroaiibtfd&aft fic^ grünbet, fo beruht bod^ bic Seftimmung bcö § 1485, nad^
welcher in bcr Siegel bcr SBater oor bcr aWuttcr pcrpflid^tet ift, auf bcr bc*
oorjugtcn Stellung, roeld^e bcr crftere in ber @^e einnimmt. Sßit bcr 2luf^
töfung bcr @^c burc^ Sd^eibung fallen bic 93oraudfegungcn bicfer Siegelung
weg, mib ift eö bo^cr billig, menn nac^'ber ©d^eibung, menigftcnö im 33er:^
f)a(tni|fc bcr ©Regatten unter cinanber, au6) bic @^cfrau juglcic^ mit bcm
%mannc bic gcmcinfd^aftlic^cn ^inbcr ju unterhalten Dcrpflid^tct ift, unb
jroar muffen bicfc ©nofigungen bal^in führen, eine fold^e SBcrpflid^tung bcr
€^efrau o^nc SRüdEfic^t borauf anjucrlenncn, ob fic für bcn fd^utbigen 2^^cil
crtlärt roorben ift ober nid^t.
2)a bcr ®^cmann in golgc bcr Sdt)cibung bic cl^clid&c Jiugnicßung imb
IJcrnjcltung am aSermogen bcr ®(|cfrau ocrlicrt, fo bietet in bcr l)icr frag^
liä^n 33cjie^ung bic für bcn gaÖ ber Trennung ber Oüter gegebene 3Sor*
fc^rift beö § 1339 Slbf. 1 eine paffenbc 9lnatogic. Sßon bcm ©efiditöpunftc
ou$, bag in SBirflid^fcit eine &f)t nid^t mc^r bcftct|t unb bag bei ber Untcrl)altd^
pf(id|t bcr 93crn)anbtcn, \mnn mcl^rcrc glcid^jcitig jum Unterhalte Dcrpflid^tetc
^oncn üor^onbcn fmb, bcr 9lntl)cil bcö cinjclnen 33crpflid&tetcn nid&t rclatio
no^ bcm 33cr&ältnijfc feincö aSermögenö unb ©rrocrbcö bemeffen wirb (§ 1486),
würbe c« frcilid^ am fonfequcntcftcn fein, bcr ®^cfrau nad& bcr ©d^cibung bic
^Qlftc bcr Untcrl;altdfoften jur £aft ju legen. Slud^ mürbe eine berartige
©cftaltung bie Sd&roicrigfeiten pcrmcibcn, meldte immer mit einer rclatiocn
Sbmcffung bcd 83citragcö oerbunben finb. ©icfelbc gc^t inbcffcn ju Ungunften
ber ß^cfrau ju weit imb ift namcntlid^ bann unbillig gegen bic Icgtcre, menn
ber ß^cmann altein für ben fd^ulbigcn 2^^cil erflärt morben ift. 3Kit SHüdffid^t
borauf, baB bic elterliche Jtufenicfeung an bcm SSermögen befl Äinbcö i)orjugös
ipcife bcm ^rotdt beö Untcr^altcö bcö Sinbeö bient, ift es ferner gcred)tfcrtigt,
bic öcitragöpflid&t bcr (Sdefrau jum Unterhalte bcö Rinbeö gegenüber bcm
Cbcmannc nur bann anjuertenncn, wenn bcm Icfttcrcn bic cltcrlid^c 3l\\p
niegung an bcm SScrmogen bcö Rinbeö nid^t juftel)t. ©tel)t bcm ©bemanne
bic elterliche ^luftnicfeung ju, fo cntfprid&t es bcm im § 1485 Sa^ 2 jum
?tuftbru(fc gelangten ^ßrinjipc, bcm ßfiemanne baö Siecht, einen Beitrag jum
Unterhalte beS ÄinbeS oon bcr ®^cfrau ju verlangen, aud^ inforoeit ju ücr*
fogen, ald bcr ^Reinertrag bcr elterlichen ^Rugniefeung am Vermögen bcö Äinbcö
jur Scftrcitung ber Soften bcö Untcrl^altcö bcrfclben nic^t liinrcid^t. S)icfe
3Irt ber Siegelung gemährt jubem bcn praftifd^en 58ortt|ciI, bag fic bic mit bcr
Serc^nung bcö Slcincrtragcö bcr eltcrlid&cn Slufenicfeung ocrbunbencn ©d&roicrig:^
feiten oermeibet, ©d^micrigfeiten, mcld[ic, namcntlid^ unter gcfd^icbencn ©^c^
flotten, JU piclen ©treitigfeiten 9Seranlajfung geben fönnten. 2luf bcr anbercn
Seite wirb auc^ bem ©bemanne nic^t ju naf|c getreten, ba cd bcmfclbcn nad&
§ 1537 ieberjeit frciftcl^t, auf bie eltcrlid^c $Rufenicgung ju oersid^ten. ©bcnfo*
wenig fann baraud, bafe bem ©(^emanne, wenn i^m bic cltertid^c SJu^niefeung
630 3ciln\ Srcnnunö ton aifd& linb 23ctt. SBirfiingen. (§§1459—1461.)
juftc^t, ein 9lnfpruc§ auf einen ^Beitrag ju ben Äoften beö Unterhaltes bcö
ÄinbcS flegcn bie ©l^efrau nid)t eingeräumt roirb, eine (Sefal^rbung beß S^^tcv*
effeö bes Kinbeö fid^ ergeben; benn, foraeit ber 6f)emann jur (Scroä^rung bcs
Untertialteö m6)i im ©tanbc ift, fonn baö Äinb md) § 1485 ben Unterhalt
von ber SButter forbern. 2ludö ber ©erid^töpunft, bofe bie ^Regelung bcö &iU
murfeg ben ©l^emann in nid^t jcltenen gällen ju einem Sßerjic^te auf bie eltcr?
lidie ?Ju|nie§ung brängen werbe, fonn, l^ingefel)en auf baß Snterefie beß
Äinbeö, Sebcnfen nid)t erregen, ba ein fold^er SBerjid^t ben 6(}emann oon ber
aSerpfliditung ber clterli^en 93ermögenßt)ern)oItung nid^t befreit, überhaupt
bem Äinbc nidjt jum 3laä)if)cxk gereid^t.
2)a§, aud) menn bem ©bemanne bie elterü^e Skjniefeung nic^t juftc^t,
ber 9lnfprudö beßfelben auf einen Sieitrag ber ©^efrau inforoeit wegfällt, q1&
bie @in!ünfte beö ber elterlid^en Jlugniefeung nid^t unterlicgenben Scr*
mögenö bcö Äinbcö ju bcffcn Unterhalt auöreid)en, cerftc^t fic§ oon felbft, ba
inforaeit ein Slnfpruc^ beö Kinbeö auf Oemälirung beö Unterl^altes \\ci6) § 1481
übcrtjaupt ni^t bcgrünbet ift.
t "bart'eit ^^ ^^^ 6rreid)ung bcö 3roccfcö, roeld^em bie im § 1458 Slbf. 1 anerfanntc
«uf. ' 93eitragöpfti(iöt ber Ehefrau ju bienen bcftimmt ift', tl^unlic^ft ftc^criuftcllen,
r«<^n«nfl. ^^^j ^^^ g j^^^g ^^^ ^ bie 3Sorfd&riften beö § 1339 'sibf. 3 auc^ auf ben ^ier
in Siebe fte^cnben 2lnfprud) beö ®^emanneö übertragen. ®cgen bie an-
menbung biefer SBorfd^riften (oergl. baju § 296 5lbf. 2) lä§t fid^ ixoax gcltcnb
mad)en, Da^ bicfelbc für fold^e gälle nic^t paffe, in roetddcn ber Beitrag ate
ßrfag für bereitö geroätirten Unterl^alt geforbcrt werbe. fflÖein biefcö Scbenfen
fann alö Durdbfc^lagenb nic^t erad^tet werben, ba aud^ bei bem § 1339 auö
praftifd^en (Srünben auf foldbc Ställe feine befonbere Slüdp^t genommen ift.
3m Uebrigcn finb für bie Sc^eibung in 2rnfef)ung ber Untcr^ottöpflid^t
ber Gttern gegenüber ben Äinbern SÄbmeid^ungen von ben allgemeinen ©ninb«
fä^en burd^ ein Sebürfnife nid)t geboten. Snöbefonbcre bcbarf eö im ^inblide
auf bie SRegel beö § 1491 9lbf. 1 feiner befonberen Söcrfd^rift, bafe bcricnigc
©begatte, roetdbem nac§ bem § 1456 bie ©orge für bie ^erfon eines Äinbcö
nidjt iuftel^t, feine SSerpflid^tung jur (Seroäl^rung bcö Untcr^alteö an baö Äinb
burd) bie Seiftung einer ©elbrcnte ju erfüllen l^abe, 5umal bie befonberen
SSorfd^riften beö § 1491 2lbf. 4, 5 in bem ^icr üorauögcfefetcn goUe nid^t
antreffen.
1459-1461.
©irfungcn ©ie §§ 1459—1461 regeln bie befonberen rcd^tlid^en SBirfungcn cimr
seitroeuigen nacl) 3JJa6gabe bcö § 1444 crfanntcn icilweiligcn 2:rcnnung vcn S:if4 unb
xrennuitfiDon 33ett. 2)a6, fowcit baö ©efefe ein Slnbcrcö nic^t bcftimmt, bie rccfctUd^cn SBir*
jiW u. »eit. j^^^^^^^ ^^^ ^^^ fortbauem (oergl. fäd&f. ®. 33. § 1756), braucht, locil fcltft*
oerftänblidö, im ©cjege nidE|t befonberö l)crt)orgel^obcn ju werben.
§a!tif(^e ®ie Seftimmungen ber §§ 1459—1461 pnbcn nur bann Slnwcnbung,
Trennung. ^^^^ ^^^^^ aWafegabe bcö § 1444 auf jeiiweiligc STrennung Don Sif* unb »ctt
crfannt ift. J)urd^ SBereinbarung unter ben ©Regatten fann in einer biefelbcu
binbcnben SBeife eine Trennung oon X\\ä) unb Seit \\\6)t ^crgcftcBt werben.
Seite. Srennung Don 2ii(j& unb Sctt. 25\itfunocn. (§§1459—1461.) 631
ba ein 3Scräic^t auf bic burd^ bie ©()e begrürxbete 5)Sf[ic^t beö cfielic^cn ^n^
iammenlebcnö mit bem 2Befcn ber S^c unb bev öffentUd^cn Drbnung nid^t
vereinbar ift (§ 106). Sutoieroeit bic mit iRücffid^t auf baö ocreinbartc Oe^
trcnntlcben unb im 3ii|ommenliangc bamit t)on bcn ©Regatten getroffenen
äbrebcn roirffam Tinb, ift nac^ allgemeinen Orunbfä^en äu bcurtf)ei[en (oergl.
Sfuffcrt Vri, 274, XVIII, 126, Xm, 126, XIV, 143, XXIV, 122, 245,
XXXII, 325, XXXV, 36, XXXVIII, 317; (gntfd^. b. SR. ©. in gioilf.
XVII, 31; Urtl;. b. 3^.©. bei ©rud^ot XXVI S. 1001 ff., XXX S. 1155;
got^. e^egcf. § 72; altcnb. ©Ijcorbn. § 164).
3m 3lnfd)Iuf|c an bic gemcinred^tlid^c ^rayiö (oergl. ßntfc^. b. 31. ®. s)auer bcr
bei genncr unb SKecfe II, 181) unb an baö fä# ®. 35. § 1765 gef)t ber QnU ®^'**"ö*"-
niurf baDon an&, baß mit bcm 3lblaufc ber in bem Urtf^eile beftimmten
Xrennungöjeit bie an bic rcd^töfräftig crfannte 2;rcnnung pon X\]^ unb Sett
noc^ bcn §§ 1459—1461 fid^ fnüpfcnbcn SBirfungcn roegfallen, aud^ menn bic
^üuqKc^c ©emcinfc^aft nid&t roicbcrticrgcftcUt mirb unb ber Seflagte bic SBieber*
fecrftellung bcr legtcren nicbt ücrlangt (ücrgl. § 1445 2lbf. 2). Äann bcr Staat
bie 6I|egattcn and) n\d)t *t)inbcm, nad^ 9lblauf ber 2^rennungöäcit fernerhin
(letrcnnt ju tcben, fo barf er bod^ bic 2)urd^fül;rung einer foId)en faftifd^en
Jrcnnung bcr ®f)cgatten nic^t baburd^ erleichtern, bafe er bicfelbc aud^ nad^
9lblQuf bcr 2^rennungö5cit mit rcd^tfidien SBirfungcn auöftattct, rocld^c burd&
llebcreinfunft bcr Sf)cgattcn nid^t I)crgeftcUt merben fönnen. Cofet man bic
nad} bcn §§ 1460, 1461 mit ber Trennung Don Xi]6) unb S3ett ücrbuubcnen
SBirfungen aud() über bic Jrcnnungöjeit ^inauö fortbaucrn, folauge bic ficiuö-
lic^c ©cmcinfc^aft uid)t miebcrficrgcftcllt ift ober bcr 33etlagtc bic SSieber-
bcrftcllung nid}t ücrlangt, fo fann bicä, wenn beibe ®f)cgatten cinocrftanbcn
nnb, nad) 9lnalogic be§ franj. iRed)tcö (code civil 2lrt. 306, 309, 310; franj.
(^f. t). 27. 3uli 1884) JU einer red^tlid^) gcfdiiißten bcftänbigcn 2::rcnnung oon
Jifc^ unb 33ett fül)ren. @d mürbe baburcb neben ber Sd^eibung geroiffermafecn
als ßrfaft bcrfclbcn ein neues Snftitut gefc^affen, mcld^cö mit bcr Söcftimmung
bcö § 1440 9fbf. 3 Sag 1, mcnn aud^ nid^t formell, fo bodt) materiett bem
^ninbgebantcn nad) in 2Bibcrfpru(^ treten mürbe.
3m Slnfcftfuffc an baö gemeine 3?e^t fd)rcibcn ücrfd^icbenc neue ©cfcg:^ «eseiunfl
gebungen uor, ha^ in bcm Urt^ci(e, mcld)cö bic äcitmciügc S^rennung üon xrelinurfla-
2:ifc^ unb S3ett au6fprid)t, ^uglcid) bie re^tlid^en SBcj^ictiungen ber eijegattcn «"^^"f*-
unter cinanbcr unb ju bcn .Kinbcrn in 2lnfet)ung bcr Unterf)altäpf(id&t unb bcr
Srsiel^ung bcr Äinber geregelt mcrben follen (ocrgl. altenb. ®l;eorbn. §§ 237,
240; fäc^f. ©. 33. § 1762). ©erartige Seftimmungcn finb burd) bic SBor*
ft^riften bcr G. % D. §§ 575, 592 befeitigt (pcrgl. ©ntfd). b. di. ©. in Eiüilf.
VI, 112, IX, 111, XVIII, 39 S. 189; Urt^. b. 5W. ©. bei ©ruc^ot XXVIII
S. 1162 ff.; Scuffcrt XXXVIII, 285). D^nc bringenbc ©rünbc barf in bcn
noc^ cingc^cnben ©rortcrungen befd^loffcncn unb burd^ bie Slücffic^t auf bic
Äbfürjung bcr 6[}cprojcffc gercd)tfertigten ©runbfag ber 6. % C, bafe über
bic f)ier in SRcbc ftc^cnben fragen im @t)eproäcffc nid)t entfd)icben rocrbcn foll,
nic^t eingegriffen merbcn. Sold)C bringenbc ©rünbc liegen aber nid)t üor.
3n§bcfonbcrc fann bic SlüdEpc^t auf Äoftem unb 3^iterfparui6, mel^c fid^ für
eine abrocic^cnbc Siegelung geltcnb mad)cn laffcn, fomic bcr ©cfidjtöpuntt, bafe
632 3«tn). Trennung üon lifdfe unb 93ctt. 5Birfungen. § 1459.
bic Trennung von Xi^ä) unb 93ett materiell nur ben Äarofter eincö ^ro^
riforiumö \)ai, im Slöegc einftroeitiger SScrfügung aber bo§ S^egcrid^t nac&
§ 584 ber ß. ^. D. bie l^icr in iJlebc fte^cnben 58er^ältmffe ju regeln befugt
ift (oergl. oud^ § 1462), als burc^fd^lagenb nid^t erad^tet werben. 3"^^?^^"
bem angeführten Orunbfafee beß gemeinen JKeciiteö unb ber biefem fotgenbcn
^artifularredite unb ber S3eftimmung beö § 584 ber 6. 5ß. D. befielt immer
nod^ ber mefentUdde Unterfdjieb, bafe nad^ jenem Orunbfafec ba§ ©^egcric^t im
gemö^nliciien ^roje§oerfa^ren, nic^t in bem fd&Ieunigen SSerfal^ren ber einft-
roeiligen 93erfügungen über bie betreffenben gragen ju entfd^eiben l^at.
§ 1459.
9iuf^4*unfl 2)te 93eftimmung beß § 1459 entfprid)t bem 3^^*^^ ^^^ Si^rennung oon
sjerDfi^tunfl ^^\^ ^"^ S3ett. 2)ie ^erDor^ebung, bafe roä^renb ber 2;rennunflöjcit aud& bic
*" ©md^^" ^^^P^^^^^^Ö i^^ Seiftung ber el^elid^en $flid)t aufgel^oben mirb, empfiehlt [xif
fc^aft IC. mit JRüdEfid^t barauf, bafe bie SSerroeigerung ber lefetcren unter Umftönben noc^
SWafegabe beö § 1444 bie ©d^cibung begrünben fann (oergL aucft fäd^f. ®. S.
§ 1756). 2)ie in § 1459 bejeid)netc SBirfung tritt nid)t nur ju (Sunftcn beö
Äfägerö, f onbern auc^ beS 93ef tagten ein ; bod^ fäUt biefelbe — maß alß felbft-
oerftönblid^ ju betrad)ten ift (üergl. fäd^f. ®. S. § 1765) — roeg, rocnn ber Älöger
ben bem S^rennungßurtfieite ju ®runbe liegenben ©c^eibungßgrunb persci^t
(§ 1445). 3n Ermangelung einer entgegenftefienben Seftimmung crgiebt fu^
auß ben allgemeinen ©runbfägen, bo6 baß Siedet jum ©etrenntleben crft mit
ber 5Wed)tßfraft beß 2^rennungßurtl)eileß beginnt. 3)ie befonbere Seftimmung
beö fä^f. ®. 33. § 1763, bafe jeneß SRed^t mit ber Sefanntmac^ung beß bie
SCrennung auöfpred^enben, roenngleid^ nod) nid&t red&töfräftigen , Urt^eilcö
beginnt, ift im ^inblicfe auf bic Seftimmungen beß § 1462 entbel^rfic^.
w*t ©injelne neuere ©efe^gebungen entl)alten nod^ befonbere S3eftimmungen
berffiojnunfl- ^^niber, metd^er von ben ©Regatten im galle ber J^rcnnung von Xi\d) unb
93ett bie gemcinfd)aftüc^e 5lBo^nung ju oerlaffen oerpffiditet ift (altenb. C^eorbn.
§ 235; fäd}f. ®. 33. § 1757; oergl. aud^ code civü 9lrt. 268; got^. ß^egef.
§§ 144—147). 5Der ©ntrourf ge^t baoon auß, bafe nad^ allgemeinen ®ninb*
fä^en berjenige ®t)egattc bie gemeinfd^aftlid^e SBoljnung ju oerlaffen rerpfKc^tet
ift, meldber nur auf ®runb ber burd& bie ®^e begrünbeten ^äußlid^cn ©emeim
fd&aft ein 5Wed&t ^at, biefelbe ju t^eilen (oergl. ©euffert XLII, 124). 2)iefe
3?egel allein giebt allerbingß nid^t für alle gälle eine Sntfd^eibung an bie ^«nb.
®ß fann fein, ba6, aud& abgefel)en oon ber burd^ bie ®^ begrünbeten \)SM^
lid^en ®emcinfd^afi, jcber ber 6()egatten ein 9ledE|t auf bic SWitbcnuftung ber
2Bol)nung l)at, j. S. menn bei bem ®üterftanbe ber ®ütortrennung bic 6^*
gatten 9)HteigentI;ümer beß §aufeß finb ober baß (entere gemeinf^aftlü^ gcmiet^ct
fjaben. (Sine burd)greifcnbc bieget läfjt fxä) inbeffcn megen Sicrfc^iebcnficit ber
gäHe nid^t auffteüen. ©ine befonbere gefe^Uc^e Gntfd^cibung ift jubcm burd^
'Cin 93ebürfni6 nid)t geboten, mie fd^on barauß fxc^ ergiebt, bofe bie 3)k^rjabl
ber befteljenben 5Wcc^te befonbere Seftimmungen in ber f|ier froglidbcn Slid&tuns
'.jtid^t entfialten. Gß fann barauf oertraut roerbcn, i>a^ ber SRic^ter an ber
j
3citY». Srennunö bon Sifc^ unb S3ett. aBirfungen. § 1460. 633
^nb bcr oor^cr bejcid&nctcn SRcfjcf in SSerbinbung mit bcn ®runb[ätcu beä
§ 1272 im cinjclnen goUc bic x'id^tXQt (Sntfd)cibuug fiiibcn wirb.
S)aö fä^f. @. 93. § 1757 gicbt für bcn gall, ba^ bic (g{)efrau bic gemein- «nweifung
fc^aftlic^e SBol^nung räumen mu§, bcm ©bemanne bic 8BaI)I, ob er bcr 6^e^ befSten
frau ein angemejfcncö Unterfommen oerfd^affen ober bic SKittcl baju geben ®«>önuna ber
wiH. S)er ©ntrourf ^ot ein fold^cö SBaf)Ircd)t nid^t ancrfannt. ©omcit bcr
Seemann ber ß^cfrau mä^renb ber 2:rennungöäcit bcn Unterljalt ju gcn)äl)ren
oerpflid&tet ift (§ 1460), mufe er berfclbcn md) § 1460 9t6f. 2 ciwä) bic für
eine gefonberte SBol^nung crforbcrlidicn ®elbmitte( gcmftl)rcn. S)em ©bemanne
kic SefugniB einjuräumen, für bic ®I)efrau eine gefonberte 3Bof)nung fclbft
üusjuroä^Icn, ift nid^t angcmcffcn, mcil baburd^ Icid&t SBcranlaffung ju Streitig*
!ritcn unter bcn Gficgotten gegeben wirb, meiere bcn Qwcd bcr 2:rcnnung ju
gefä^rbcn brofien, unb Qufjcrbcm ein fold)cS Siedet bcö @()cmanneö bic C^efrau
in ber 28q^I iljrcö 3lufentf)aItöorteö ju fcf)r befd^ränft. 9lodj weniger an*
gcmcjfcn fmb bic auf einem SJlifetraucn gegen bic e^elic^e ^reue bcr ®t|efrau
beni^cnbcn 93orf(f)riftcn beö franj. 3?cd)teS (code civil 3lrt. 268, 269; ücrgl.
aud^ ^cff. (Sntm. 9rrt. 90, 92) über bic gcrid^tlid^c Scftimmung beä §Qufcö,
in meld&cm bic ©I)cfrau mäfircnb bcr Sauer bcö ©döcibungsprojcffcö ficö auf-
5u6altcn ^at, mibrigcnfallö bcr G^emann i{)r bcn Untcr(}alt ju Dcrfagen unb,
follö fie ber ftagcnbc Xi^til ift, bic ®infteUung bcö ^rojcffcö ju ocrlangcn
berechtigt ift.
§ 1460.
Ter im § 1460 2Ibf. 1 auögcfprod^ene ©runbfag folgt barauö, ba^ burd[) ©egenfeitiae
bic Trennung oon 2^ifc^ unb 93ett boö 93anb bcr S^c, ouf mcld)cm bic gegen* "ppujt^*'
feitigc Untcr^ottöpftid^t bcr (Sl)egatten beruJ)t, nid^t gclöft mirb, unb ftc^t mit»^"®^«^«"*«-
bcm gcitcnbcn SRec^te, foiocit bemfclbeu baö 3nftitut bcr jcitwciügen 2;rennung
wn Sifd^ unb SBett überljaupt betannt ift, im @inf lange (oergt. Scuffert
XXVI, 38, 244, XXXV, 36, XXXV III, 133; fäd)f. ©. 33. §§ 1758, 1759 ; altenb.
C^corbn. §§ 235—237). Sic bcftel)enben SHcd^tc fc^iucigcn jcboc^ barüber, ob
unb inroicmcit unter Umftänbcn aud) bic ©öefrau t)crpf[id)tet ift, bcm ®l)c*
manne roäf)rcnb bcr 3^rennung§äcit bcn Unterhalt ju gen)äl)rcn. S)a nac^
§ 1281 eine fubfibiärc Untcrl^altöpflid^t ber ß^efrau gegenüber bcm 6f|cmanne
anerfannt ift, fo mufe fonfequcnt biefe Untcrfialtöpftidöt anä) roäfirenb bcr
Jrennungöjcit beftcl^cn bleiben.
93on bcm ©runbfage bcö § 1460 9lbf. 1 mad^t ber (gntrourf im § 1460 ©«ibrente.
äbf. 2 gegenüber bcn Scftimmungen ber §§ 1280, 1281 junöc^ft bic 2luö*
no^mc, bafe bcr jum Untcrtialtc oerpf[id)tctc (Sf)cgattc feine 3SerpftidE)tung burc^
©elbja^Iung ju erfüllen Ijat (oergl. fädE)f. ®. 93. § 1759 ; altenb. ß^corbn.
§§ 235—237). 9lud& bic gemcinred&tlid)c ^rajis geljt, mcnigftcnö alö 3legel,
baoon auö, bafe bcr Untert|a(t mäl^J^cnb bcr SErcnnungöjcit in (Selb ju gc*
roä^ren ift (DcrgL Scuffert XXVI, 38, XXXV, 78, XXXVIII, 133). Sicfc
3»Dbififation bcr allgemeinen (Srunbfößc empfief)lt ficb mit SWütffid^t auf bcn
geftorten cf)cüd^en grieben jur SScrmcibung neuer S^^iftigfeiten ber ©t)cgattcn
unb im 3»^tcteffe bcr ©rrcid^ung beö 3">ccfeö ber icitiuciligcn S^rennung üon
a:if<^ unb S3ctt.
634 Scittt). SErennuno tJon £ifd6 unb SBett. SBirfungen. § 1460.
3ur süijrunfl 3)ic im § 1460 3lbf. 3 cntf)altenc weitere 33eftimmung fci^Ucfet pd^ Qn
ßlfonbertcn ^'^^ gemciure^tUd^e ^roriö unb äljttlic^e Seftimmungcn beö föd^f. ©. 8.
^**"*^ fr'au ^ ^^^® "^^^ ^^^ altenb. (g^corbn. §§ 235 ff. an. Sefinben fxc^ fold^c Socken,
e^orberii^" Toxc fic jut gü^tung ciiteö abgefoubetten §außl)alteö crforberlic^ finb, in bem
Sachen, jj^j. gjerfügung ber 6t)cfrau untcriicgenben Sßermogen, toqö inöbefonbcre bei
SCrennung ber ©ütcr ober, roenn bie ß^efrau SBorbct|oltögut befißt, ber
gall fein fann, fo ift eö baö 9?atürlid^ere unb 9lngcmcffenerc, wenn in einem
foId)cn gallc bic ®f)efrQU bicfe ©ac^en jum ^mtde, ber gü^rung beö ab-
gefonbertcn ^aus^alteö benußt. 2)qö fäd^f. ®. 33. § 1758 ermäl^nt unter bcn
ber ©fjefrau oon bem ©fiemoime ^crauöjugcbenbcn Sod^en aud^ bie flieibcr.
Sie Ic^teren gel;ören jnjor aud& nod) bem ©ntrourfe (§ 1285) uid&t jum 33or«
bef)altögute ber (S^efrau. S)q fie jebod^ ber ef)clid^en $Rufenic6ung nid^t unter«
liegen, fo verfielt eö fic^ von felbft, bog bie ®I)efrau bicfclbcn aud& roo^renb
ber J^rennungäjeit ju benu^en bercdjtigt ift.
sBefcftränfunfl 2)q ^{q e\)tlx6)t ^Ju^uiefeung unb SSernjQltung beö ®^emanneö roä^rcnb
liammt ber ^rennungöieit fortbauert unb nod) § 1339, aud^ wenn bie ©Ijegatten in
cbemminea 9^^^*^""*^" (Sütem febeu, bie (Sfjefrau bem 6[)emanne 5ur 33eftreitung ber
Unter^altöfoftcu einen ongemeffenen Beitrag ju leiften ^at, fo ift cö nid^t gc^
red^tfertigt, im 9lnfc^luffe an eine in ber gcmeinred^tUdf)en Suriöprubcn,^ oer^
tretene ainfi^t (oergl. iebod& Seuffert XXVI, 244, XXXV, 36), eine Untere
l)altßüerpflid)tung beö 6f)emanneß gegenüber ber ®t|efrQU roä^renb ber
S^rennungöjeit nur infomeit anjuerfcnnen, als bie ber ß^efrau juftc^enben Sin-
fünfte aus iljrem eigenen Vermögen ober auä einem üon i^r betriebenen
®rn)erbögefd&äftc ju if)rcm ftonbeömäfeigen Unterl^alte nidf)t auöreid)cn. Sine
berartige Seftimmung fü^rt namentlid) bann ju einer unbilligen ^orte gegen
bie Gf)efrQu, menn biefelbc ber unfd^ulbige Xijdl ift. 2luf ber anberen Seite
ift inbcReu |\u berüdfid^tigen, bafe n)Ql)renb ber S^rennungöjeit ber 6f|emann
ber Untcrftflfung üon Seiten ber G^efrau im ^auö^atte unb feinem (Sefcftäftc
entbehren nniö (§ 1275), bofe bie ®cn)ä()nmg beö Unterljolteö an bic (S^cfrau
aufeerljalb ber ef)elid)en Ocmcinfd^aft regctmäf^ig mit größeren Soften uer-
bunben ift, ba^ ferner baö ber ef)elid)en ^iußniefeung unb Sßerroaltung unter-
(iegcnbe Vermögen ber Gfiefrou nur unbebeutenb, baö 3Sorbc^aItögut ber
(enteren ober unb ber ©rroerb ouö i^rer Sürbeit fc{)r er^cblic^ fein farni.
2)iefc STiücffic^tcn fpred^eu bofür, bem ©erid^te bic Sefugnife ju geben, nocb
üKof^gabe beö § 1460 3[bf. 4 bie S3erpflid()tung beö ©fjemanneö jum Unterbaue
ber (£'f)cfrau auf bic S^OIi^^^fl ^^^^ SBeitrageö ju bcfd^ronfen ober and) ben
Gf)cmann t)on ber Unterfjaltöpflic^t Dollftdnbig ju befreien. 3n äl)nlic^cr
Jöeife taficn oudb bic Scftimmungen oerfdöicbcner neuerer ©cfeggcbungen, infi*
befonbcrc beö fädtif. ©. S. unb ber a(tenb. ®l)eorbn., bem billigen ©rmetfcn
beö 9iid)terö balb mel^r, balb weniger 9laum. 3luf bcmfclbcn Stanbpunfte
ftel)cn bic prcnfe. Gntroürfe über ®f)cfdjeibung o. 1844 unb 1856.
9lbrocid)cnb üou ber ^Prajiö beö gemeinen SRed^tcö (©euffert XXVI, 38:
nergl. aud) für baö preuß, SHe^t Urtt;. b. 9t. ®. bei ©rud^ot XX^7I S. 863),
foniie üon bem fäd^f. (S. ^. unb ber altenb. ©^eorbn. ift nad^ roürttemb. Siedete
ber Gljcmann bie @f)efrau mäfirenb ber 2'rennungöjeit nur bann 5u unter-
baltcn ocrpflid)tet, votnn er ber fc^ulbigc J'fjeil ift. SBennglcid) (Srunbc ber
Seit»?. Srennunö i?on Sifdfe unb S3ctt. aDBirfunflcn. §1461. 635
Silligfcit \iä) bafür anführen (offen, fo ift eö bod) alö bcbcnfUd) cradjtet, eine
fo rocit(jef)enbe 9lbn)eicl&ung pou bem ^^Jrinjipc bcö § U60 9lb). 1 au^uerfcnnen
ober and) nur bem ®cric()te bic Sefugniffe cinjnränmen, mit 9iücffid)t auf bic
SJexicJulbung ber @()efrau bic Untert)altöpflic^t bcö G()emanneö jn minbern
ober benfclben üon biefer S}erpflid)tun9 ganj ^u befreien.
Sic aufeerbcm im fäc^f. ®. 'li §§ 1760, 17G1, 1764 fid) finbenben
befonberen SBcftimmungcn flnb im ^inblicfc auf bic altgemeinen SSorfdiriftcn
über bic gegenfeitigc Untert)Q(töpfIicl&t ber (S()egatten (nergl. §§ 1280, 1281
wrb. mit §§ 1492, 1493, ferner § 1488 9[bf. 1) entbel)rli4
§ 1461.
TiCtö) gemeinem Siechte ift ffir bic 6ntfd)eibung ber ^rage, roeld)em ©orse für we
61tant(ieilc njäl)renb ber irennungöjcit bic Sorge für bic ^^Jerfon ber gc- Jinber.**
meinfe^aftlid^en Äinber ju iibcrloffen ift, bic Sc^ulb ober Unfd)ulb beS einen
ober anberen ®{)egatten alö foId)c nidjt unmittelbar mafegebenb. 3n Sr^
mongelung auöbrücfU^er SBeftimmungen mirb angenommen, bafe jene S^'agc
mit 3?ic!ficöt auf baö SBofit ber Äinber unter Serüdpd)tigung ber fonfrcten
t^otfoc^Iic^en 33erl)ältnifjc nac^ ric^terlid)cm ©rmcffen ju entfd)eiben fei (üergt.
Scuffcrt XIV, 43; entfd). b. 9?. ®. in 6it)ilf. XVIII, 39). Sieö ift aud)
ber Slanbpunft ber oltcnb. GI;eorbn. § 240. 9Jad} bem fäc^f. ®. ». §§ 1759,
1749 finb Äinber unter 6 ^abren ber ?Dlutter, Äinber über 6 3öf)ven bem
93atcr jur ©rjicfiung ju übcrioffen, fofcrn nicl)t md) bem ©rmeffen beö 35or*
munbft^aflßgeriel)tcd bei bem anberen Cfiegatten für baö 2Bof)l ber Äinber
tfifcr geforgt ift.
3^a nad^ bem Gntmurfc (§ 1445 9lbf. 1) baö 2'rennungöurtf)eil materiell
bic öebeutung eincö bebingten Sd}eibungöurtf)eileö (}at unb beöl)alb üorauö^
fi(^tli(5 in ber SKcl^rjal}! ber gällc bic £d)cibung ber jcitrociligen J^rennung
oon X\\d) unb S3ett folgen mirb, fo liegt eö am nä(^ften unb ift eö im ^utereffc
ber Äontinuitöt ber ®räiel)ung ber Äinbcr am jroecfmäöigften, roenn in Sln^
fe^ung ber Sorge für bic ^^Jerfon ber Äinber mäfireub ber 2^rennungöjeit bie^
felben aSorfd^riftcn mafegebenb finb, roie nad^ ber Sd)ciöung. Sic OTöglid^fcit
ober, in biefer SÄrt baö aSer^ältnife ju regeln, ift baburd) gegeben, ba6 nad)
§ 1449 fc^on in bem Strennungöurt^cilc ju beftimmen ift, melc^er Gf)egatte
bejro. ba& iebcr ber GI;cgaltcn ber fc^ulbigc 2^I)eil fei^).
3n ©rmangelung entgegenftcl)cnbcr 33eftimmungcn Dcrftet)t eö fi^ üon untcr^oi».
felbfr, bafe eö in 3lnfc{)ung ber Untcrf)altöpflid)t ber Gltern gegenüber ben ^'^^"^^
Äinbcni bei bcn allgemeinen ©nuibfäßcn (§§ 1481, 1482, 1485) ocrbleibt
(oergl. aud) oltenb. GI;ecrbn. §§ 236, 240; fäef)f. ©. ö. §§ 1759, 1749). Sie
änologie ber für ben galt ber Sdjcibung gegebenen bcfonberen 5?orfcf)riften
bfo § 1458 trifft bei ber äcitmciligcn 2:'rcnnung üon 2^if^ unb S9ett nid)t 5U,
0 5)Jc (S. 143 öcbad:te Petition beß anßemcineu biutfcfjcn graucnvcrcinö an
tcn Steid^^tag Bdit eö für büß 9ialürli(fftc, bie Äinbcr im galle tcr Trennung über*
taiq?t ber SJiuttcr ju übcrioffen unb bcn Sßatcr jur Satluno von Untcrfaltföclbcrn su
wn3fli(i6ten.
636 ©Reibung 2C. ^Jroüiforif^c gWagrcgcIn. § 1462.
ba roä^rcnb bcr S^rennungöjcit bic c^eliciic Slußnicfeung uiib SJcrroaltung bcd
©ticmanneö fortbaucrt.
3n ber gcmcinrcd^tlic^cn ^^^rajiö pflegen, wenn ber g^cfrou für bic
S^rennungöjcit bie Sorge für bic ^^Jerfon bcr Minber übcrlojicn wirb, ber ©^c«
mann aber bic Icßtcren ju untcrfialtcn tjcrpflid^tet ift, bcr ß^efrau nic^t nur
für fic fclbft, fonbern aud) für bic i^r überroiefencn ftinber Sllimente ju*
gcfprod&cn ju werben (oergl. aud& altcnb. ©^corbn. § 240; fäc^f. ®. 35.
§§ 1759, 1762). gür eine bcrartige Kcgchmg laffcn fic§ allcrbingß ©rüubc
praftifd^cr ^njcdfmäfeigfeit gcitcnb mad^en. Snbeffcn fönnen biefelben nic^t olö
burd&fd^Iagenb crad^tet werben, um in bicfcr 3tid&tung fpejicUc, oon ben all-
gemeinen ®runbfä|cn obroeid^enbc unb in bic Siebte ber Äinber cingrcifcnbc
33eftimmungen ju rcd^tfertigcn. S)cm praftifd^en Sebürfniffe wirb burcft bic
allgemeinen 93cftimmungen beß 3Sormunbfd^aftörc(^tcd über bic Stnorbnung
einer ^flegfd&aft (§ 1738) in SScrbinbung mit ben aSorfd&riftcn beß § 190
9lbf. 2 unb ben 33eftimmungen über bic ©cfc^äftöfü^ning o^nc ^Auftrag
(§§ 753 ff.) in auöreic^euDcr SBcifc Slcd^nung getragen.
§ 1462.
iprouiforifc^e ^m 9lnfc^fu)lc a\\ baö gemeine Siedet (ocrgl. ©euffert XIV, 143, XVIII,
ÄnSte« 126, XXXII, 146) gcl)t bic OTcljrjal)! bcr neueren ©cfcftgcbungcn baoon aufl,
ec^eibuttfl«. bafe aud& n)äl}renb bcö Sdbcibungöprojejfeö feiner bcr (Sl}cgatten befugt ift,
'*''****■ cinfeitig bic f)äuölid^c (Semeinfd^aft aufjugebcn, fonbern ba^ bie B^i^ff^S^^^^
»orwupfle {)eö Octrcnntlcbenö t)on einer rid)tcrlid)cn SSerfügung abf|ängt, bei bcren ©r-
tl)cilung bcm ridf)tcrlid)en ©rmcjfen balb me^r balb rocniger Staum gelajfen
ift (ocrgl. prcufe. 91. S. SR. II, 1 §§ 723, 724, 727, 728 pcrb, mit bcr prcufe.
91. ®. D. I, 40 §§ 46, 53, bcm § 580 bcr ß. % 0. unb ben §§ 5, 7, 8 bed
prcufe. 9lußf. ®cf. jur 6. % 0. ü. 24. ajlärj 1879; got^. (gficgcf. §§ 140 bi«
143; altcnb. e^corbn. §§234 ff.; fd^roarjb.fonbcröi e^efc^eibungögef. §§ 18,
23). 9lu(^ baö fäc^f. ®. 33. § 1753 pcriangt eine bie 2:rennung julajtcnbc
rid)tcr(icöc 33crfügung; bie S^rennung mu6 aber, ol^nc baß bcm ©rmcffcn bc«
®erid)tcd in biefer Scjic^ung Slaum gclaf)en ift, geftattet werben. S)agcgen
ift nad) franj. Sted^tc (code civil 9lrt. 268, 269) bic ß^efrau, fic mag Rlägerin
ober SScflagtc fein, fdjon fraft bcö ©cfcgeö befugt, bic 3Bo^nung bcö 6^c*
manncö it)äl)rcnb bcö Sd&eibungöprojcf[eö ju oerlaffcn; bod& ift oon bem
©eric^tc baö §auö ju beftimmen, in rocld^cm bic (S^efrau verpflichtet ift jic^i
aufäuljaltcn (ocrgl. oud) Ijcjf. Gntm. 9lrt. 89, 90, 92). 2)icfe bcm bürgerlichen
Siebte angcl)örcnbcn Scftimmungcn ftnb burd^ bic SSorfd^riften ber G. % D.,
inöbcfonbcrc ben § 584, nic^t bcrüt;rt (ocrgl. § 16 3lx. 4 bcö @inf. ®ef, jur
e. 5ß. D.). S)cr § 584 bcr 6. % D. regelt nur baö Sßerfa^ren, wenn x>oi>
läufige 3:rennung beantragt ift, nac^ iJiafegabe ber für einftwciligc Scr-
fügungcu gcltcnbcn Siorfd^riften (ücrgl. ©ntfd^. b. 91. ®. in ©ioilf. VIII, 81 ;
Urtl), b. 9{. ®. bei ®rud&ot XXVII ©. 961).
S)er Gutrourf ^at fid& bem oon bcr SRc^rja^l ber beftel^cnbcn Siedete
ancrfannten ^^ringipe angefc^lofjcn, bafe bic 9lufE)cbung bcr ^äuölid^cn ©emein»
fd^aft loäbrcnb ber 2)aucr bcö Sflcdötöftrcitcö nur auf @runb einer bicfclbe
j
Sd^cibuno 2Q. 5)rctnforlf(5c SWaSrcöcfn. § 1462. 637
gcftottenbcn einftiüeiltgcn SScrfügung jutüffig fein foH. . ®cn ©l^cgatten in Sin-
le^ung an bas franj. SRcd^t nnb bcn S3orfd)Iag bcä ®efc|rcDiforö, ^enf. XV
§§ 49, 50 ncbft 2Rotit)en ©. 395 ff., fraft bcö Oefc^cS bic Sefugnife ju geben,
loü^renb beß ©d^eibungöprajcfleö bie ^öuölidic Ocmcinfd^Qft aufjugeben, rocil
unter biefen Umftanbcn feinem ber Gt)egattcn jugernnt^et werben fönne, ba^
geftortc e^cUd&e Scben fortjufegen, haQ fernere 3i^fQinmenIeben ber 6f|egatten
roäbrenb beö 9ied^töftreiteö aud) leiciit 5u neuen Streitigfeiten SSeranlaffung
gebe unb bic 2[uöfo{)nung erfdiroere, ift com Stanbpunfte beö ^ntereffeö
tdunlic^fter Slufred^ter^altung ber (Sfie aus gefä^rlid^ unb brof)t ju einer SBer-
me^rung ber Sd^eibungen ju füfiren. ©inb bie (Sfiegotteu ni^t bered^tigt,
ofjne rid^terlid^c ©eftattung bie Ijäuölid^c ©emeinfc^aft aufjugeben, fo roirb
berjenige ß^^gattc, roeld^cr eigenmächtig fid^ getrennt l^at, e^er geneigt fein,
jurüd juf e^ren , jumal i^m im öoDc eigenmäd)tiger, nid^t fd^on nad) ben
allgemeinen (Srunbfä|en gerechtfertigter S^rennung ein Slnfprud^ auf Oemftljrung
beö Untertjalteö außerhalb ber l^äuöKd^en ©emcinfd^aft gegen ben anberen G^e-
gatten nid&t jufte^t. 2)ic 9iücffel)r in bie f)äuö[id)c ®cmeinfdf)aft l^at aber,
roie bic Grfaljrung (e^rt, in Dielen gäUcn bie 9lusföf)nung ber ®i)egattcn jur
Solge. S)em prattifd^en S3ebürfmffe wirb anbercrfeitö genügt, menn im SBcgc
cinfhoeiligcr 33crfügung ben ©Ijegatten bie 9luf{)ebung ber l)äuötid)en ©emein^^
fd^Qft, unb jmor über bie ju eng gcjogenen ©rengen bcö prcufe. 31. S. dt. II, 1
§ 724 ^inauö, nadb freiem rid^terli^en ©rmefjcn geftattet merben fann. 5Iuf
biefem Stanbpunfte fteljcn audf) bie prcufe. ©ntroürfe übet S()cfd)eibungen Don
1859 unb 1860. Selbftoerftänblidö bleiben banebcn bie allgemeinen ©runb-
!% über baö 9ledf|t eines ©Iiegatten, ftdö ber ^öuölidien ©emeinfdt)aft ju ent^
jie^en, wenn baö aSerlangcn beö anberen ßljcgatten nad) ^erftcHung ber ^äuö*
U^en ©emeinfd^aft mit ber redf)ten e^elid^en ©cfinnung nid^t ücreinbar ift
(wrgl. §§ 1272, 1273, Sßotioc ju § 1443 oben S. 590; ©nifd^. b. SR. ©. in
eiüilf. XVn, 50, 97, XVIII, 39 ®. 189), unberüfirt.
Um mit bem § 1459 in Uebereinftimmung ju bleiben, ermöfint ber
§ 1462 neben ber ©ntbinbung pon ber SSerpflid^tung ber ©l^egatten jur Ijäuö*
fielen ©cmeinfdbaft aud^ bie ®ntbinbung oon ber SBcrpfliditung jur Seiftung
ber e^clid^en 5ßpid^t afö ©egenftanb ber einftmciligcn SSerfügung.
Site weitere ©egcnftänbe einftmeiliger 93erfügung beieid)net ber § 1462 «nter^ort«*
abf. 1 im 9lnfd^Iuffc an baö befte^enbe SHcd^t bie »tegelung ber gegenfeitigen j£*bi%®?jon
Unterl&aftöpfKd^t ber ©Regatten, bie Sorge für bic ^JJcrfon ber gemeinfd^aft^ *>« Ä^n*»«»^ «•
R^en Äinber inncrl^alb ber im § 1456 Slbf. 2 bcäcidönctcn ©renken, fomie
bic aScrpfiid&tung ber ©l^egattcn jur ©emäbrung bcö Untcr^attcö an bie
Äinbcr im 93erl^oItniffc ber ©Regatten ju cinanber (oergf. Seuffert XXXI,
245, XXXV, 78, XLH, 172; ©ntfc^. b. 5W. ©. in Giüilf. XVIII, 39
S. 189; preufe. 21. S. 9t. II, 1 §§ 724, 725, 727, 729 oerb. mit preufe.
a. ®. D. I, 40 §§ 46, 43, § 580 ber 6. % 0. unb §§ 5, 7, 8 bcö preui
«uöf. ®ef. iur e. ^. D. v. 24. aJlärj 1879; gotl). ®^cgef. §§ 141, 144 ff.;
f^^toorsb. f onbcrö^. ©^c^eibungögef. §§ 19—22; altcnb. ei)corbn. §§ 234—237,
240; fäddf. ®. a. §§ 1753, 1758, 1759, 1749, 1763).
3m Snfilluffe an baö gemeine SHed^t, baö preufe. SHcdit unb bic altenb. ?rre!e«
e^eürbti. ift eö ntd^t für notl^ig erad^tet, bem SHtc^ter in 3lnfc^ung ber SRcgelung ^(?r!S^ffJ!r
638 (3*cibuno Jc. ^>robifonfc&e SKa^rcöcIn. § 1462.
bcr l;icr fraglid^en 93crl)ältniifc im SBcgc cinftiüciligcr SBcrfügung nö^erc
©ireftiücn ju geben. 9lnlangenb inöbefonbere bic Siegelung bcr gcgcnfcitigen
Unterl)altöpf[id)t ber ©Regatten, fo wirb ber SHid)ter bei feiner cinftrociligcn
SBerfügung awd) o^nc befonbere 2)ireftit)e fd^on von felbft benfelbcn aus ber
Sage ber Umftänbe fid) ergebcnben ®efid)t§punften folgen, roeldie ^n ben für
ben %aü ber jeitrociligen SE^rennung von Xi^ä) unb 93ctt gegebenen SSorfd^riftcn
beö § 1460 geführt fiabcn. 3lnberß liegt bie ©ad^c in Slnfel^ung bcr auf bie
Sorge fiir bie ^erfon ber gcmeinfd)aft[id^en Äinber fid^ bcjicl^enbcn SJor-
fd)riften beö § 1461, ba biefelbcn auf ber 55orauöfe^ung berufen, bo§ bcrcitfi
feftftel)t, roeldier üon ben ®f|egatten ober ob bclbc ber fd^ulbige Xf)dl fxnb.
SBill man, foDiel bie S^fP^^^wng ber Sorge für bic ^crfon ber Äinber
roä^tcnb beö Sd^eibungSprojeffcö betrifft, überhaupt eine 9lorm im ®efe|e
auffteUen, fo mürbe faum ctroaö 2lnbercß übrig bleiben, alö bic SSorfd^riften ber
§§ 1456, 1461 mit UnterftcHung bcibcrfeitiger Sd^ulb ma^gebenb fein 5u laffcn
(oergf. fdimarjb.fonbcrö^. @f|efdöcibungögcf. §§ 21, 22). Siefc Untcrftellung roirb
inbcffcn in üicleit gällcn ber SBirflid^feit nid^t cntfprcd)cn unb beßfialb ju einer
unbilligen unb ben realen 95er^ä(tniffcn nid^t entfpred&cnben Siegelung führen.
Säfet man 9laum für bas freie ©rmeffen beö Slid^tcrS, fo wirb meit fx^mx
baö 5Rid;tigc getroffen merben, ba bic tl)atfäd^lid)cn 33cr^ältnif[e, mctd)c 5U bem
^^rojefie gefül^rt tjaben, oft flar unb unbcftritten fmb, aud& bcoor noc^ über
biefelbcn crfannt ift. ®in Scbürfniß, mät;renb ber Sauer be§ Scftclbung««
projeffes in 9lnfe^ung ber Sorge für bie 5ßerfon ber Äinbcr bie regelmöfeigen
3lcd)tc beä SJormunbfd^aftägcrid^tcS (§ 1546) ju erroeitern, liegt ni(^t üor.
2)a6 biefc Siedete bcm SSormunbfd^aftögcric^tc auc^ gegenüber bcmjenigcn
®lterntt)cilc aufteilen, roetd^cm im 5fflcgc cinftmcitiger SBerfügung bic Sorge für
bie ^erfon ber Rinber überroiefen morben ift, Dcrftc^t fid^ t)on felbft.
»auer Saß bic Slcgclung bcr im § 14G2 9lbf. 1 beseid^neten SScrIialtniffc im SBegc
^'^^ ^'«'^""«' cinftrocUiger 3Serf'ügung nur für bic Seit biö jur ©rtebigung beö SHec^töftreiteS
erfolgen fann, entfprid^t bem 3^oedEe unb ber SJatur bcr einftmciligen 58crfügung.
Kntra9sre(^t. Slbmcid^cub oom prcuß. 91. S. 9i. IT, 1 § 724, aber in Ucbereinftimmung
mit bcm fäc^f. ®. 33. § 1753 (oergt. aud^ code civil 9Irt. 268) fann nai)
§ 1462 9lbf. 1 ieber bcr Sliegattcn, ol)nc 9lüdEfid)t barauf, ob er ber Kläger
ober bcr 33ef (agte ift, beantragen, bafe baö ©etrcnntlebcn im SBege einftroeitiger
SScrfügung geftattct rocrbe unb bie Siegelung ber übrigen im § 1462 ^bf. 1
beäcid}neten SSer^ältniffc auf bicfem SBege erfolge. SBirb bic 9luff|cbung bcr
l)äuölid^en (Semeinfd^aft auf 9rntrag beö flagenben ©Regatten angcorbnet, fo
ergiebt fid^ bamit ein 3ntcre?fc aud^ beö anbercn 2;^eilcö, bafe bie Siegelung
beö Snterimiftitumö eine ooUftänbigc fei unb auf bie anbercn im g 1462
9lbf. 1 bcäcid^netcn fünfte fid^ crftrecfe. 9lber aud& ber 9lntrag auf Sluf^cbung
ber 2Serpftidf)tung jur ^äuölid^en ®cmeinfd)aft unb jur Seiftung ber cl^clic^cn
^flid^t muß bem bc!lagten S^^cilc felbftänbig geftattct merben. ©in ^^ftbolten
beö Icgteren in bcr fiäuölid^cn ©cmcinfd^aft roäfircnb beö 5ßrojef|eö ift mit bcr
perfönlic^cn Spannung, ro^Id^e burd) ben ^rojegbcginn eintritt, nic^t roobl
ücrträgli^ unb fann unter Umftänbeii ju großen garten füljrcn, j. 33. mcnn
bie ©^)cfrau falfd^ bcfd^ulbigt ift ober auö ®cn)itfcnöbcb:nfcn ni^t felbft in
gleid^er SBcifc t)orgel)cn roill
©c^etbunö 2C. ^rDbifcrif(fie 9[)?a§reoeIn. § 1462. 639
S)ic gSorfd^rift bcö § 1462 Slbf. 2, racld^c bcn S^itpunft beftimmt, oon 3eit ber
njcfc^ctn an bcr ©rlafe einer einftraciligen SSerfügung jum 3^^*^ ber Siegelung bi^Sa'gc«.
ber im § 1462 9lbf. 1 bejeici^neten 33erf)Qltniffe beantragt werben fann, fd^Iiefet
Rd^ an ä^nlid^e in oetfd&icbcnen Sttuöfü^rungögefefeen jur 6. 5ß. 0. ftd)
finbenbe, ouf ©runb bcS § 16 3lv. 4 beß ©nf. ®ef. jur ©. % D. erlaffene
Sorfc^riftcn an (oergt. preufe. 3liißf. ®ef. n. 24. aKörj 1879 § 7 ; anljalt. 3luöf.
®cf. p. 10. 2ßai 1879 § 10; SÄuöf. ®ef. für Sippe'^2)etmoIb o. 26. 3uni 1879
§ 7, für SBalbed p. 1. ©ept. 1879 3lrt. 4). ©ie empfiel)lt ficfe in ber
forodgung, ba% mit bem 3lntrage auf Sttnberaumung beä ©ü^nctermineö ober
bc« 2:ermincö jur tnünblid^en 33erl)anblung auf bie Klage ber erfte Sd^ritt
§ur ßintcitung beö Sd^eibungSperfa^renö gefd^ie^t unb eö im Sntereffe beß
ffagcnbcn (S^egatten liegt, wenn baQ ©erid^t jugleid^ mit ber ^crminsbcftim^
mung bem 3lntragc auf ©rlafe ber Ijier frag[id)en einftroeiligen SJerfügung
entfpred^en fann, bamit gleidf) pon bem beginne beß ^ßrojeffcß an bie im § 1462
Sbf. 1 bcjeici&ncten SBer^ältnifle geregelt finb. 3luf ber anberen ©eite mirb
bie porgäugige SuftcOi^ng bcr Sabung jum Termine alß SSoraußfe^ung für
We 3uläffigfcit einer einftroeiligen SSerfügung burc^ ein Serüdffic^tigung per«
bienenbeß 3ntereffc beß anberen S^^eileß nid^t geforbert (pergl. aud^ § 584
oerb. mit §§ 820, 815, 806 ber 6. 5ß. D.; entf4 b. SR. ®. in ßipilf. TV,
114 6. 405). dagegen fe{)It cß an einem 93ebürfniffc unb ift eß nid^t ange*
meSfen, fd)on por bem im § 1462 9lbf. 2 bejeid^neten 3eitpunfte eine einftipeilige
3Serfüguug }u geftattcn, jumal burd^ ben § 1462 baß Siedet eincß ©Regatten,
auß jureic^enben ®rünben nad^ äßa^gabe ber allgemeinen ®runbfä6e fid) ber
^öußlic^en ©cmeinfd^aft aud^ o^ne ri^terlid^e ®eftattung ju entäie^en (§§ 1272,
1273), nic^t berüfjrt wirb.
Sie oben angeführten Slußfü^rungßgefefee jur 6. % D. enthalten nod^ srmbieiben
bie bcfonbere Scftimmung, bafe, wenn ber Kläger in bem ©ül)netcrminc ober *^*^5^J*^,^JJ^*"^
in bem Sermine jur münblic^en SScrl^anblung auf bie Klage nid^t erfd^eint,
bie beantrogtc cinftroeilige SSerfügung nic^t ju erlaffen unb auf 9lntrag bie
Aufhebung bcr erlaffenen SSerfügung burd^ ©nburtl^eil außjufprec^cn ift.
6ine bcrartige 83cftimmung ift in Ermangelung cineß Sebürfniffeß, für ben
^ier fraglichen gall etroaß Sefonbercß ju beftimmen (oergl. §§ 815, 806 ber
6. % D.)/ ^^ ^^" ®ntn)urf nid^t aufgenommen.
3)ie 3i*ftfi^^iflfßit beß ®erid{|teß unb in bringenben gäüen beß Slmtß*
gcrit^tefi bcftimmt \xä) naö) ben SSorfd^riften ber ©. % D. §§ 584, 816,
820, 822.
Scfonbere, bie ©id^erftellung beß S3ermögenß ber @I)efrau mälirenb beß ©it^erneaung
S<^eilmngöprojcRcß bejroedEenbc SSorfd^riftcn, roic fie fid^ in perfd^iebenen «jermöliens
©efe^gebungen finben (pcrgL preufe. 21. £. SR. 11, 1 § 729 unb preufe. 31. ®. D. »>« «^«twu,
I, 40 §§ 46, 53; code civü Sürt. 270, 271; Slußf. ®ef. jur 6. 5ß. D. für
?reu§en v. 24. ma^ 1879 § 7, für Reffen p. 4. 3uni 1879 3lrt. 94, für
93a^crn v. 23. gebruar 1879 9Irt. 186, 187, für ©Ifafe^Sotfiringen p. 8. Suli
1879 § 12), jinb im §inblidfe auf bie allgemeinen SQorfd&riften beß el^elid&en
(Sütcrrcd^teß (§ 1292 perb. mit §§ 1005, 1006; § 1328 5lr. 1) unb bie all^^
gemeinen SBorfd^riften ber ß. ^. 0. §§ 814 ff. über bie 3uläfrtg!eit einftmeillgcr
Verfügungen alß entbel^rlid^ eradEitet.
640 ©(Reibung :c. 3)litt]6cilung an baS Sormunbi(J6aft?0cti(6t. § 1463.
^roje^fofien. SSctfc^icbcne SKcd^tc bcftimmcn ferner, bafe ber ®[}cmann feiner G^efrau
oorfc^ul. ^^^^ ^^^ äeftreitung ber Äoften beö Sd^eibungöprojefleS erforbcrlic^en ®c\b-
betrog üorjufdjiefeen rerpflid^tet fei (oergf. ©euffert YUl, 308, XIX, 193,
XXm, 267, XXIV, 180 5Wr. 2, XXXH, 147, XXXHI, 41 ; (Sntfc^. b. 91. ®.
in 6it)ilf. V, 119 ©. 415 ff.; Hxti). b. 3J. ®. bei genner unb SWerfe III, 128;
preufe. ar. S. 9t. n, 1 § 726; gotfj. (Sfiegef. § 144; f c^roarib. f onberö^. e^c^
fd^eibungögef. § 20). 2)iefe grage ftef)t im 3ufQnimen^angc mit ber allgemeinen
^age, ob bie Unterl^attöpflic^t auä) bie ^ßpic^t jur 3;ragung ber Soften eine«
t)on bem Unter()altöbered)tigten gefüfirten 9lec()töftreiteö mitumfaßt ober ob bie
leßterc 5ßfli^t pd^ md|t für ben ©^emonn gegenüber ber ©l^efrou u)cnigftenö afö
eine golge beö ef)elid)en 93er^ältniffeß ergiebt. S)er ©ntmurf ^at haQ 6ine
wie baö Slnbere oerneint (üergf. bie SWotioe ju § 1280 oben ©. 125 unb ju
§ 1488). @in Sebürfnife, für ben ^ier in 9lebe ftefienben fpejiellen goU ctrooö
Slnbcres ju beftimmen, liegt nid)t oor. S)a§ ber (Seemann ber ®l^efrau aus bem
®I)egute ober bem Sonbergute berfctben bejn). bei ber allgemeinen ©ütcrgemcin*
f(f)aft unb ber ©emeinfciiaft beö beroeglid^cn SBermögenö unb ber ©rrungenfd^aft
auö bem ©efammtgute bie jur güljrung beö ^ßrojeffeö erforberlid^en SÄittcI ge«
TOä^ren mu§, ergiebt fid^ auö ben 93orf(^riften beö e^elid^en Oüterred^tcö (ocrgl.
§§ 1321, 1322, 1351 9Ibf. 2, §§ 1366, 1417, 1431 Slbf. 1). ^Dagegen ift ber
©fiemann bie Soften cineö oon ber (S^efrau geführten Sc^eibungöprojejfeö nid&t
auf Orunb ber e^elidien 9lugnie§ung unb SBerroaltung gegenüber ber ®l^cfrau
perfonlid) ju tragen üerpflid^tet (üergl. § 1297 9lbf. 1 9ir. 5, § 1316 abf. 1
9lr. 4, §§ 1418, 1351 9lbf. 2, § 1431 9Ibf. 1).
§ 1463.
switt^eiiuitfl S)ie 93eftimmung beö § 1463 bejroectt, bie proftifc^e 3)urd&fü^rung ber
«(^etJunfl«- ^^^ 33ormunbfdfiaftögeridöte nad^ ben §§ 1456, 1457, 1461, 1546 beigeregten
urt^e« IC Sefugniffe in ben im § 1463 bejeid)neten göüen, in roeld&en 9ied&t unb ^flicl^t
«oTnSTnb- ^^^ gürforge unb 3luffid^t beö SBormunbfd^aftögerid^teö in Slnfe^ung ber bem
W«tt9fleri(^t einen ober anberen ©Iterntl^eile jugemiefenen ©orge für bie ^erfon ber
gemeinfd^aftUd&en Äinber mit 9lürfft(^t auf baö geftorte el^elicfte SSer^ältnife
von befonberer SBid^tigfeit ift, fid^erjufteüen.
II. Sliiflöfiittfi ber 6l^e in %olit Zohtitttlamni.
33orbemerfung.
aufibfungber S)cn iu oerfdjiebenen ©efe^gebungen auöbrüdlid^ auögefprod&enen Saft,
2obe?nrtb«^^^ bie (S:\)t burd) ben SCob eineö ber ©Regatten aufgcloft wirb (oergL preu|.
(s^egatten. 31. S. 91. H, 1 § 434; got^. ©I^egef. § 70; attenb. e^eorbn. § 163; fä^f.
0.95. § 1707; code civil 9lrt. 227), l^at ber ®ntn)urf nid&t aufgenommen,
meil jener ©a| im §lnblic!e auf bie jroeifelfoö Ijöc^ft perfönlic^c 9?atur ber
6^e fiä) Don fefbft Derftel^t unb jubem auö anberen 93efttmmungen fid^ ergiebt,
in TOetd^en bie äuflöfung ber ®l^e burd) ben SCob erroälint mirb (DergL
§§ 1382, 1383, 1440 Slbf. 1). ;
Sluflofuno bcr SJe in ^olßc 2:obe§erf(drunfl. § 1464. 641
9ßiU ein @l^egatte md) bem ^obe bed anberen ©Regatten eine neue
ß§e fd^UcIcn, fo mu^ er ben erfolgten 2;ob bem ©tanbeöbeamtcn nad^roeifen
(§ 1234; SR. ®ef. über bie S3eiirhinbung bcß ^erfonenftonbeö u. f. ro.
V. 6. gebruar 1875 § 45). ©teilt fid^ fpätcr ^erauä, boj^ ber frühere (g^e^
gattc jur ^txi ber ©d^Ue&ung ber neuen ©l^e nod^ am Seben war, fo ift bic
Icfitcre nid&tig, aud) xocnn bie ©Regatten ber neuen ®^e im SJertrauen auf
bie 9li(^tigfeit ber über ben 2;ob beö frül^eren ©Regatten ausgeftellten ©terbe*
urfunbe bie neue 6^e gefd^Ioffen f)aitn (§ 1250 3lv. 3). 9la(^ ben Seftim«
mungen bed ©nttourfed n)irb bie neue @t)e aud^ nid^t gültig^ menn bie frühere
ß^ initoifd^en burd^ ben 2;ob bed anberen (S^egatten aufgelöft mxb (oergl.
SKotiDC ju § 1250 oben ©. 52 ff.).
§ 14«4.
äuö § 1235 crgiebt fid^, bofe, wenn einer ber ©Regatten für tobt erflärt «ufiBfung
ift, ber anbere (S^egatte auf ©runb beö bie SEobeöerflärung auöfpred^enben ^a^bcif
Urt^eileö, Dorbe^altlid^ ber im § 1235 Slbf. 2 bcftimmten SRobififotion, eine erfiäning,
neue 6^e fd&tiefeen barf. S)er § 1464 entfc^cibet bie grage, roeldien ©influfe
ed auf bie frühere @(|e l^at, wenn nad^ ber 2:obederMärung beö einen ®^c*
gatten ber anbere ©t^egatte eine neue (Sf|e fd^liefet, jur 3eit biefer ©(jefd^Hefeung
aber ber für tobt erflärte ©begatte nod^ am Seben ift. 2)a nad^ ben allgemeinen
Orunbföfeen baö bie S^obeöerflärung auöfpred^enbe Urtl^eil nur bie SBermut^ung
begrünbet, ba^ ber für tobt erflärte ©t)egotte bie ©rlajfung ber J^obeserftärung
ni^t überlebt ^abe (§§ 21, 1235 3lbf. 1), fo mürbe in ©rmangelung einer
pofitiDen Seftimmung in bem l^ier Dorauögefefeten galle bie neue ©^e nid^tig
fein unb audb felbft bann nid^tig bleiben, menn injroifc^en bie frül^ere ©fie
burt^ ben Xob beö für tobt erflärten ©l^egatten aufgelöft fein foUte (oergl.
§ 1250 3lv. 3 nebft aJlotiDen ©. 52 ff.). 2)ieö ift ber ©tanbpunft beö fat^otif^en
unb beö gemeinen proteftantifd&en ©^ered&teö, inöbefonbere auä) ber mürttemb.
^rajiö, fomie beö ba^r. Sluöf. ©ef. jur ©. 5ß. D. d. 23. gebruar 1879
Art. 118, 119; bod^ tritt nad^ einer für ba^ gemeine proteftantifdEie ©^e*
red^t üielfad^ vertretenen Slnfic^t Äonoaleöjenj ber nichtigen neuen ©^e ein,
xotnn ber für tobt erflärte ©begatte ftirbt, bevor bie 9Uc^tigfeit ber neuen
6^e geltenb gemad&t ift. 9Benngleid& fid^ nid)t verfennen läfet, ba6 bcr
bejrid^nete 2Beg ben äSorjug ber ©infac^l^eit unb ber Uebereinftimmung mit
ben allgemeinen Orunbfäften ^at, fo fällt gegen benfelben bod& entfc^eibenb
ins ®en)i(^t, bafe er btti Sebürfniffen beö Sebenö m6)t in auöreidbenbem
üRafee SRed^nung trägt. S)ie gärten, meldte fic^ für bie ©fiegatten ber neuen
61^ unb bie Äinber auö biefer ©f|e ergeben, menn man eö bei ben allgemeinen
®runbfä|en bemenben läfet, werben burd& bie 33orfdE)riftcn beö ©ntrourfeö über
fog. 5Putatit)el^en, namentli^ foviel bie red^tlid^e ©tcllung bcr ©Regatten bc*
trifft, Toenngteid^ gemilbert, bod^ feineöroegö befeitigt (ücrgl. §§ 1258,1562—1566).
©iefelben gärten treten allerbingö audt) bann ein, menn ein ©begatte im 93cr^
trauen auf eine über ben 2;ob beö anberen ©Regatten auögcftclltc, in SBirf-
lid^feit unrichtige ©terbeurfunbe eine neue ©t)e fd^liefet. Snbeffen biefer gall fanu
bem l^ier in SRebe fte^enben galle nid^t gleid^gcftellt merben, ba bic ©ad^lagc
«otioc |. Uh-flcrl. 9e\tffiu^. IV. 41
642 auflöfung bcr S6e in golgc SEobeeerfldrung. § 1464.
in bcn beibcn göücn eine oerfd^iebene ift. 3« ienent gaUe ift bie neue ®^e
jugelaifen unb gefd^loffcn in bein ©tauben, bafe ber %oh beö anbeten ®l^e*
gatten geroife fei, in bcm l;ier in 9lebe ftel^enben gaUe bagegen, obn)ol^l
über £eben unb 2^ob- bes anbeten ©l^egattcn Ungeroifel^eit beftanb unb nut bic
aSetntutl^ung beö a;obeß bcgtünbct roat. SJicfelben ptaftifd^en ®troägungen,
roeld^e ba^in gefügt! tiaben, tto^ jenet Ungeroife^eit bem ei^egatten bes für
tobt etflätten ©Regatten bie ©d^tiefeung einet neuen ß^e ju gcftatten (Detgl.
§ 1235 ncbft aWotiDen ©. 19 ff.), brängen aud^ baf)in, bie jugelaffene neue e^e
aufted&t iu et^alten, felbft wenn bet füt tobt etflätte (g^egatte fpätet jurüdEfel^ten
foHte. ®em Sebütfniffe, bem (S^egatten beö leiteten bie SBiebetoctl^eirotlöung
ju etmöglid^en, roitb nur bann genügt, wenn bctfelbe in bie Sage wtfefet roitb,
ttofe bet Ungeroifel^eit übet ßebcn unb 2;ob beö anbeten ©Regatten eine gültige
neue e^e fd^Iiefeen ju fönnen. SlnbetenfaHö njütbe bic SRöglid^feit, bafe bet
füt tobt etftätte 6f)egatte nod^ am Sebcn unb beöl^alb bic neue 6^c nid&tig
ift, in mand^en gäüen nid^t nut ben anbeten ©l^egatten jutüdE^alten, eine neue
ei^e einjugel^en, obmol^l bie fefetete ju feinem unb ju feinet gamilie gcbei^Ud&cm
gottfommen t)ietteid&t in l^ol^em (Stabe roünfd^enöroettl^ ift, fonbetn aud& btitte
5ßetfonen t)on bet ©ingel^ung einet 6^e mit bem jutürfgebliebenen ©Regatten
abjul^alten geeignet fein, ©inen weiteten Untetfd&ieb iwifd^en bem l^iet in 5Rebe
fte^enben unb bem anbeten ^aUt, menn ein (S^egatte im SBctttauen auf eine
in SBitflid&feit untid&tige Stetbeutfunbe eine neue ©^e fc^Iiefet, beftel^t batin,
bafe in bem fegteten gaUe ben füt tobt gel^altenen ©Regatten in bet Siegel ein
SBetfd^ulben nid^t ttifft. 3n bcn gallen bet S^obeöctflätung bagegen liegen bie
SSetl^ältniffe tegclmäfeig fo, ba% entroebet bie SBotauöfefeungen bet ©d^eibung
wegen böötid&et SBettaffung (§ 1443) bcgtünbct, abet nid^t etrociölidl^ finb,
obet bod& ben füt tobt etflätten ©l^cgattcn, namentlid^ im i^inblidEc auf bie
Seid^tigfeit beö l^eutigcn aSctfcl^tcö felbft Don cntfctntcn 2Bcttt^eilcn auö, um
bcöwiHen ein gtobcö Sßetfdöutben ttifft, weil et feine 9lad^tid^t oon fic^ gegeben
l^at. Sluönal^mcn fmb aüctbingö möglid^ ; allein baö Oefc^ l^at bie SBctl^ältniffe
nid^t mit 9lüdEjtd&t auf feltene gäUe, fonbetn nad^ hct 9lcgct beö Sebenö ju
geftaltcn. Slbct felbft in folc^en Sluönal^mefäUen ift eö mifelid&ct, eine ©l^e,
roctcöe feit ^oi)xtn oiclleid&t beftanben l^at unb bie (Stunblage neuen gebeil^*
lid&en gottfommenö unb efielid^cn (Slücfcö gemotben ift, }u ttennen, olö eine
©$e, meldte feit langen Saluten faftifd^ ol^ncl^in nid^t mcl^t beftanben l^at, ate
aufgel^oben ju bel^anbeln, jumat bic ätnnal^me geted^tfettigt ift, ba§ bet ©l^e*
gatte beö füt tobt etflätten ©l^cgattcn, meldtet ttofe bet Ungemife^eit beö 2:obeÄ
beö leiteten fid& jut ©ingcl^ung einet neuen ©l^c cntfd&liefet, bemfetben geiftig nid^t
mcl^t fo nal^c tjctbunben ift, um bei bcffen JRüdfe^t in fittlidfec Ronflifte ju
getatl^en, wenn bie neue ©i)c alö gültig bel^anbclt mitb. S)ic ootftel^enb an*
gcfül^tten ©tünbc fpted^cn aud^ gegen bcn Don bcm code civil 3ltt. 139 ein*
gefc^lagcnen SGBeg, nad^ roelc^cm bic 5Uid^tigfeit bet neuen ©l^c nut oon bem
alö tJctfd&oUcn angefe^enen anbeten ©Regatten gcltcnb gemacht roctben fann,
bie neue ©l^e mitl^in nad& bem ©^fteme beö ©ntmutfeö nut anfed&tbat fein
roütbc. S^av bleibt bei biefem 2Bcge bie neue ©^c in Ätaft, wenn bcr für
tobt erflärte ©l^egatte t)or etfolgtet Stnfed^tung betfelben ftitbt, unb mitb bie
©tötung bet Mul^c bet neubegtünbeten gamilie butd^ bie ©inmifd^ung ©rittet
auflofung bet SJc in ^olgc ^robeSerttdrung. § 1464. 643
©crl^inbcrt. 2lllein aud^ bicfer SBeg geroäl^rt bcr neuen ®^e nid^t bieicnige
©ic^erJ^eit, beten fic bebarf. S)aju fommt, bo& eö bem SBefen ber ®l^c roibcr?
ftreitet unb mit Stud jtd^t auf möglid^e StoQufionen )n)ifd^en bem onfed^tungd^
berechtigten ©Regatten ber frül^eren @l^e unb bem einen ober anberen @l^e^
gatten ber neuen @^e nid^t unbebenfUd^ ift^ ben ^eftonb ber le^teren r>on ber
SBiUfür eines ©ritten abl^ängig ju mad&en. Uebenütegenbc Orünbe fül^ren
ba^er ju ber 9tegel bed § 1464^ bag mit ber Sd^Kegung ber neuen (Si)t bie
jrolfd&en bem für tobt erfförten unb bem anberen ©l^egatten beftel^enbc ®l^e
aufgclöft mirb. 3)amit ftimmt im 5ßrinjipe aud^ bie ajlel^rjal^l ber neueren
©efcfegebungen überein (oergl. preu§. 91. fi. SR. II, 1 § 666; l^amb. 33erorbn.
V. 14. Oftober 1819 airt. 14; brem. SBerorbn. o. 28. 3uni 1826 §§ 21, 29;
lübci. SSerorbn. t). 30. 2)e}ember 1829 § 16; olbenb. Söerorbn. o. 16. gebruar
1844 §§ 14, 18; l^annot). ®ef. t). 23. 2ßai 1848 § 16; fäd&f. ®. SB. § 1710).
3u bemfelben praftifd^en SRefuttate, nur auf einem Umwege, gelangen bie*
ienigen @efeggebungen, meldte, mie bad bab. 2. 91. @ag 232 a unb bie übrigen
in ben Sllotioen ju § 1235 oben ©. 19 ff. angefül^rten Oefe^e, bie länger
bauembe älbmefen^eit ober bie SSerfc^oUenl^eit bed einen ©Regatten ate
Sd^eibungdgrunb für ben anberen ©Regatten bel^anbeln.
2)ie SBegef bed § 1464 2lbf. 1 erleibct nad^ bem britten Slbfage jroei «u«na%men.
ausnahmen. S)ie erfte 2lufinal^me, meiere ben gaU betrifft, roenn ber ©l^egatte penntni^ oon
beft für tobt erflärten ©Regatten bei St^Iiefeung ber neuen &)t roeife, ba§ iu^STlSr^toSt
biefer QAt ber für tobt erMfirte ©begatte noc^ lebt, fd&Kefet ftd& ber lübedf. «rtw^en.
SBerorbn. t). 30. ffiejcmber 1829 § 16 an. 3)iefelbe rechtfertigt fid& burd^ ben
Smerf, meld&cn bie pofitit)e S3eftimmung beö § 1464 oerfolgt. S)iefer 3medt
gel^t nur bal^in, bem ©Regatten bed für tobt erlförten ©l^egatten, meld^er
barauf ocrtraut, ba§ ber lefetcre tobt fei, bie aßöglid&feit ju gemäl^ren, eine
neue güUige @^e auf (Srunb ber 2:obeöernärung einjugel^en. 2)ie jtonfequenj
biefeft ©ebantenft mürbe oieUeid^t ba^in führen, fd^on bie jtenntnig genügen
ju tajfen, ba^ ber für tobt erflärte ©l^egatte bie a^obeßerflärung überlebt l^obe,
bo biefe Äenntnife auf ©eiten beö anberen ©Regatten ber 2;obederfIärung il^re
Sebeutung für bieSd^Uegung ber neuen ©l^e entitel^t. 3nbef[en ift eine fold^e
Steigerung ber mit ber l^ier fraglid^en Sludnal^me für ben anberen ©Regatten
ber neuen ©^e o^ne^in l^ftufig Derbunbenen ^firte ald bebenKid^ erad^tet,
)uma( nur in bem ^aDe, menn bie jlenntnig bed fortlebend bed für tobt
ertWrten ©l^egatten jur Qtxt ber ©d^llefeung ber neuen ©^e pori^anben ift,
eine gegen bie 33orfd^rift bed § 171 bed ©tr. ®. S5. oerftofeenbe ©erbred^erifd^e
©^d^liegung vorliegt. 9[uf ber anberen ©eite empfiei^It ed fid^ aber aud^
nid^t, aud SRücfjid&t auf ben ©ritten nad^ bem SBorbitbe bed tiannot). ®ef. p. .
23. 3Kai 1848 § 16 bie neue ©^e nur bann ate nid^tig ju belianbcln, xotnn
ben beiben neuen ©Regatten bad fortleben bed für tobt erflärten ©l^egatten
befannt mar. 2)a ber Sxotd ber SRegel bed § 1464 3lbf. 1 bal^in gc^t, bem
©Regatten bed für tobt erflörten ©l^egatten bie SRöglid^feit }u Derfd^affen, trog
ber Ungeroill^clt über Seben unb SCob bed legteren eine neue gültige ©^e ein*
juge^en, fo fann ed nur barauf anfommen, ob jener tjon bem fortleben
Äenntnife ^atte, 3lud^ bie 3lüdfid^t auf bie SBorfd^rlften bed ©tr. ®. 33. über
S3igamie fpred^en bafür, bafe bie Renntnife auf ©eiten bed ©Regatten bed für
41*
644 Sluflcfimfl ber Sl&c tu golgc Sobcöerflarunfl. § 1464.
tobt erftärtcn ©Regatten genügen muß. Slnbercrfeitö fann nad^ bent Swerfc
bcr 9legel beö § 1464 auf bie Äenntnife beiS ©ritten, wenn ber anberc g^e^
gotte in Unfenntnife n)ar, fein ©croid^t gelegt werben. Unter Umftänben wirb
in einem fold^en ^aUe ber anbere S^egotte allerbingd bie neue @^e aud bem
©cftd^töpunftc beö Sctrugeft (§ 1259 3lv. 1) an^ufed^ten bered^tigt fein.
gadjtiflfeit 3)ie jroeitc im § 1464 5Kbf. 3 für ben gaU beftimmte STuÄno^me, xomn
er neuen (j^c.j^.^ ueue 6^e üuö eiuem anberen (Srunbe nid^tig ift, folgt auß bem Segriffe
ber Sßic^tigfcit (§§ 108, 1252).
abieijniing 3)ic Äoufequeuj mürbe eö an fid^ mit fid^ bringen, eine 3luöna^me oon
'''^najmen"^' l^^t: 9legel beö 2lbf. 1 aud& für ben galt anjucrienncn, menn bie neue 6l)e
anfei^tbüirfeit anf ed^tbar ift unb ongef ödsten mirb, ba bie legtere in einem fo(d^en ^Ue ald
ber neuen eiK.^^i^j gcfc^Ioffeu aujufe^en ift (§ 1260 3lbf. 2). Snbeffen fü^rt e& ju
Unjutr&glid^feiten, menn uon bem SBiQen bed älnfed^tungöbered^tigten, fei ed
beß miebcr fieiratl^enben ©i^egatten ober beö anberen S^^eileö ber neuen ®^e,
nid&t nur ber 33cftanb biefer @l^e, fonbcrn aud^ ber gortbeftanb ber frul^eren
@l^e beg für tobt erflärten ©Regatten abfängt unb burd^ bie erfolgreid^e äln-
fed^tung eine DicUeid^t t)on bem festeren im SBertraucn auf feine greil^cit ein«
gegangene @^e Dernid^tet merben mürbe. 3)er § 1464 3Cbf. 2 beftimmt beöl^alb
auöbrüdßd^, bag bie 9luf(öfung ber früheren @l^e in Jtroft bleibt, menn bie
neue @^e anfed^tbar ift unb angefod^ten mirb.
anfe^tuna^ äle^ulid^e @rmägungen, mie biej[enigen, auf meldten bie 93eftimmung bed
"urorf** § 1464 Slbf. 2 beruht, bafe bie Slnfed^tbarfeit unb 3lnfed&tung ber neuen e^e
gebliebenen auf bie mä) üKafegobe befi § 1464 Slbf. 1 erfolgte äufßfung ber frül^cren
(g^egatten. ^^^ ^^^^ ©Influfe feiu foü, fpred^eu aud^ bagcgcn, im änfd^luffe an ben bem
fäd^f. ®. 33. § 1710 ju ©runbe liegcnben ©ebanfen im gaUe ber SlücMel^r
beö aSerfd^oücnen bem jurüdgeblicbcnen ©Regatten baö SRed^t beijulegen, binnen
einer furjen grift bie neue e^e anjufed^ten. gür bie 3lncrfennung eines fold^en
älnfed^tungöred^teß (ögt fid^ jmar geltenb mad^en, bag im ^alle ber Stücffe^r
bed für tobt erflärtcn ©t^egatten für ben anberen ©Regatten, menn ber festere
injmifd^en eine neue @t)e gefdiloffcn ^at, fittlid^e unb religiofc Äonflifte cnt*
fte^en fönnen, mcld)e nur burd^ SScmid^tung ber neuen unb 9Bieber^crfteIIung
ber erften ®^e ju löfen fmb. 35iefe Slüdffid^ten fönnen inbeffen gegenüber ben
mit einem fold^en ätnfed^tungdred^te Derbunbenen Un}utr&glid^teiten unb ben
barauö anbererfeitö für ben anberen 2^^cil ber neuen 6l^e unb für bie Äinber
aud ber (enteren fid^ ergebenben ^örten um fo meniger alö burd^fd^tagenb
erad^tet merben, als ber ®^egattc beö für tobt erftärten ©Regatten, menn er
eine neue ©^c fd^Iicfet, ftd^ bie ÜWöglid&feit ber SRüdffe^r beiS SBcrfd^oUenen unb
bie in einem fold^en %aUt baraud für il^n entftel^enben jlonf(ifte ftd^ pergegen«
märtigen fonnte unb mufetc.
«ufbcbuni 3n 9Ibroeid^ung oon ben allgemeinen ©runbföfeen beftimmt ber § 1464
IxtiäT^' ^^l 2, bafe bie 9Iuflöfung ber früheren ©^e in Kraft bleiben foü, ou*
menn bie 2:obederf(ärung nad^ ©d^liefeung bcr neuen ®^e aufgehoben mirb.
2)a nad) § 22 bem Urtl^eile, burd^ xotlä)e& in ^olge ber Slnfed^tungöflage
ba^ bie 2^obeöcrf(ärung auöfpred^enbe Urtl)etl aufgehoben mirb, äSirfung gegen
3)ritte beigelegt ifl, fo mürbe burd^ ein berartigeö Urt^eil in ©rmongelung
einer bcfonbercn SScftimmung bie SBorauöfe^ung für bie Oültigfeit ber neuen
9lufIofunfl ber Sl^c in golgc $£obe8crfIarung. § 1465. 645
unb bie Sluflöfung bcr früheren ®l^c jerftört werben. (Sin fold^eö SJefuItat ift
iebo(]^ in ^ol^ent ®rabe bebenfUc^. 3)cr Seftanb ber einen ober anberen ®^c
borf nid^t x>on ber SBillfür eines S^ben, roeld^er an ber Slufl^ebung ber Xob^^
crfffirung ein red^tlid^eö 13nterejfe ^at unb oon bem Sluögange eines anberen
äroifd^en brüten 5ßerfonen gefül^rten, iunäc^ft Dietteic^t nur Dermögenöred^tlid^c
3roedEe ©erfolgcnben SRcd^teftreiteö abtiöngig gemad^t werben (§§ 23, 24 2lbf. 1),
jumal baö 58erfol^ren in einem fofd^en Sled^töftreite trog ber SSorfd^rift beö
§ 24 2lbf. 2 nid^t biefetben Oarantieen bietet, roie bas SScrfal^ren in einem
Sicd^töftreite, meld^er bie 9lnfed&tung einer ®^c jum (Segenftanbe Ijat.
SSon bem im § 1464 2(bf. 1 anerfannten ^rinjipe mad^t bie tjamb. »««bie unb
SJerorbn. o. 14. Dftober 1819 Slrt. 14 ju ©unfteu ber frül^eren ®^e für ben "'Vi^^/*
goü eine SluSnol^me, wenn bie erftc @t)e eine beerbte, bie jroeite eine unbeerbte
ift. ®cr biefer 3lufinal^me ju ©runbe (iegenbe ©efidjtöpunft, bafe in einem
fold^en gälte bie 9lüdfpd&t auf ba& 3ntereffe ber Äinber ber frül^eren (S^t
überwiege, vermag jebod^ bie ©rünbe, auf roeld^en baß ^rinjip beö § 1464
9lbf. 1 berul^t, nid^t ju erfdt)üttern. ©aju fommt, bafe jene Sluönatime unter
Umftfinben, wenn eö ungewiß bleibt, ob bie eine ober anbere 6{)e eine beerbte
ober unbeerbte ift, ju einer 5ted^tdunfid^erl[|eit in Slnfel^ung beS Seftanbeö ber
crften ober ber neuen 6l^e füf)ren fann.
©injclne Oefefee (l^annoü. ®ef. 0.23. WHai 1848 § 16; otbenb. SBerorbn. sttimm^
V. 16. gebruar 1844 §§ 14, 18) tragen in ber l^ier in SHebe fte^enben aJlaterie ®^''
ben JReligionögrunbfögen tat^olifd^er ©Regatten burd^ bie 93orfd&rift JRed^nung,
bo§ bei fotJ^oUfd^en ©l^en bie (Sültigfeit ber neuen ©Ije nad^ bem fanonifd^en
SRed&te beurtl^eilt werben fott. 93om ©tanbpunfte einer ftaatlic^en (S^cgefeg*
gebung aus fann inbeffen ber SSerfc^iebenfieit beö Olaubcnöbefenntnijfeö. ein
berartiger ©influfe nid^t beigelegt werben.
ajon felbft rerftel^t eö ftd^, bafe, wenn bie ei)e in Oemäfe^eit beö § 1464 erbrec^tiic^e
oufgeloft ift, baö gegenfeitige ®rbrec^t ber frülieren ©Regatten (§ 1971) weg- **'**^""^^""
fäUt. gBel(^en einflufe bie auf fSJrunb beö § 1464 erfolgte Sluflöfung ber
@^e auf bie SBirIfamfeit einer lefetwiUigen SSerfügung äußert, burd^ weld^e ber
eine (g^egattc ben onberen bebad&t liat, fowie auf einen jwifd^en benfelben ge^^
fc^toRencn ©rbeinfegungö- ober SSermäd^tnif^Dertrag , ergiebt fi^ an^ ben
1783 ff., §§ 1948, 1949, 1962.
§ 1465.
S)ie SBorfd^riften beö § 1465 red&tfertigen ftd^ burd^ bie 3lnalogie ber eor^c
»er^ättniffe. SBie ber ©ingang beö § 1465 in SBerbinbung mit § 1456 äbf . 1 1« 'il^er^K-
©og 1 unb § 1458 ftar ftettt, pnben biefelben nur bann 9lnwenbung, wenn
fi^ fpäter l^erauöfteüt, bafe ber für tobt erflärte ©fiegatte nod^ am Üeben ift.
Solange über Seben unb kob beö legteren nod^ Ungewifel^eit beftel^t, ift für
bie im § 1465 bejeid^neten SSerljättniffe lebiglid^ bie burd^ bie 2:obeöerflärung
na^ §§ 21, 1235 3lbf. 1 begrünbete aSermutljung maggebenb, bafe ber für
tobt erflärte ©l^egotte bie ^obeöerflärung nid^t überlebt Ijabe.
646 Q^diäit 2lbftammung. SSorouSfcfeunöcn. § 1466.
Bweiter m^^mtt.
erflct SCitcI.
§ 1466.
«orau«. 3laä) bcr in bcr 3)oftrin imb 5ßrayiö bes gemeinen SRed^tefi »orroiegenb
lÄen «r, t)ertretcnen Sluff affung ift nur basjcnige Äinb ein eJ^elid^eiS, n)cld&cö bie ©j^e*
nommung. frau roäl^renb ber 61^e von bem ©bemanne cmpfongen l^at, roäl^rcnb boöienigc,
o^eitenbefi xotlö)^ bie (S^eftau vor @d^Iie§ung ber @^e von bem @l^emanne empfangen
**** unb nad& ©c^liefeung ber 6l^e geboren l^at, afö ein bur^ nati^folgenbe ©l^e
legitimirteö Äinb angefel^en mirb (oergr. Seuffert Vin, 344, XXI, 200,
XXn, 287, XXXI, 39 ; ©ntfc^. b. SR. ®. in 6it)ilf . XH, 40). ©ine onberc,
namentlid^ aud^ in neuerer Qüt mel^rfad^ rertl^eibigtc Slnftd^t gel^t iebod^ bal^in,
bafe nati) bem fpäteren röm. Med^tc (1. 11 Cod. de natur. lib. 5, 27; Nov. 89 c. 8
§ 1) aud^ basienige Äinb ein el^clic^eö, nid^t bloß legitimirteö fei, roeld^eß bie
©l^efrau vot @d^(iegung ber @l^e ton bem (S^emonne empfangen unb nad^
©d^Iiefeung bcr (Sl^e geboren l^abe. Die erftere 9luffaf[ung l^at in ben ©rbfolge*
gefegen oerfd^icbener tl^üringifd^er ©taaten auöbrücHid^e 3lnerfennung gefunben
(gotV ®cf . D. 2. Sanuar 1844 §§ 19, 22 ; @ef. für Meufe i. 2. r. 10. Dejember
1853 §§ 17, 18; altenb. ®ef. v. 6. SIpril 1841 §§ 17, 18; DcrgL iebodi anbercr*
feitö bie altenb. e^eorbn. v. 13. aWoi 1837 §§ 149, 151). Dagegen fte^en bie
neueren ®efe|büd^er auf bem ©oben ber jmeiten Sluffaffung (t)ergl. preug.
31. 2. SR. II, 2 § 1; ofterr. ®. 93. §§ 138, 155, 156, 161; code civü ärt. 312,
314, 331—333; fäd^f. ®. SB. §§ 1771, 1776, 1780, 1808, 2016, 2018; femer
meimar. (grbfolgegef. v. 6. SIpril 1833 § 16; I|eff. ©ntm. III 3lrt. 1—3, 7, 60 biß
62; Dergl. jebod^ bie 3Rotioe ju bem Icfeteren ©. 178). Slnlangenb bie SBc^
ftimmung beä prcufe. 91. 2. SR., fo l^at biefclbc aUcrbingö in ber Doftrin aud^
bie Sluölegung crfaljren, ha^ borin bie ©rjeugung in ber ®I|e oorauß^
gefegt werbe, eine SÄuöIegung, roeld&er bie neuere baqr. 5ßrajiö folgt. Dagegen
gei|t bie tjorroiegenb in ber Doftrin vertretene unb t)on ber prcufe. 5ßroEiö (DergL
«Plenarbefd^l. b. Ob. SCrib. v. 5. ©cptembcr 1842, (Sntfd&. vm ©. 73) von
j[el)er feftgcF)aItenc 2lnfid^t bal)in, bafe nad^ preufe. SRedfite aud^ baö Don bem
g^emanne vox Sdf)Iiefeung ber ®f)e erjeugte unb oon ber ©l^efrou nad^
(Sbdxiit SBftamtnung. SSoraudfe^unoen. § 1466. 647
(Sd^Iiegung ber @^e geborene jtinb ein el^eßd^ed fei. 3lud^ noc^ franj. Siedete
tinb bem fä^f. @. 33. ift cö übrigenö nid^t unbeftritten, ob ein fold^eö Slinb
ein el^elid^ed fei ober nur bie SteUung eined (egitimirten Jtinbes l^abe.
2)er ©ntrourf |at pd^ benfenigcn (Sefefegebungen angefd^Ioffen, roeld^e bei «^ntpuntt
ber 33eftimmung ber ß^elid^feit nid^t unterfd^eiben, ob baö Don ber ©l^cfrau «ntwurte«.
naä) Sd^Uegung ber @^e geborene j^inb ton bem @^emanne n)äl^renb ber ©^e
ober oor ©d&Iiefeung ber festeren erjengt ift. SSom natürlid&en unb fittlid^en
@tanbpuntte oud mag ein fold^er Untetfd^ieb gered^tfertigt fein; oom gefe^
flebcrifd^en ©tanbpunfte ouö bogegen empfiefilt berfelbe ftd^ nid&t. 3)ie im
§ 1466 beftimmte (Sleid^fteüung trägt baju bei, bie 6^efd^fte§ungen, unb jroar
bolb nad^ bem gel^Itritte ber ©Item, ju beforbern unb fo bie Qaiil ber unel^e^
liefen Äinber ju oerminbem ; fie Dereinfad^t ha& Siedet unb f d^üfet iugleid^ ben
Shif ber ©Item, wie beö Äinbeö, bie 9lu{|e unb ben grieben ber gamilie, in*
bem fie iebe Unterfud^ung barüber, ob bo« Äinb x)or ober nadt) ©d(|lie§ung ber
@]^e erzeugt ift, entbe^rlidt) mod^t. 2)er Sted^ti^fag, bag auc^ badjienige jlinb
ein el^elid^eö, nid^t bfoö legitimirteö ift, n)eld[)eö bie ©^efrau oon bem ©bemanne
©or ©d^lie§ung ber ©^e empfangen unb nad^ ©c^ftefeung ber lejtercn geboren
i^at, ftel^t au§erbem mit bem 5ßrinjipe beö ©ntrourfcö im ©Inflange, ba§ ber
nasciturus nid^t Sled^töfubieft ift (§ 3), mitl^in aud^ nid^t burd& nad^folgenbe
®^e legitimirt werben fann. 3)ie praftifd^e SBebeutung ieneö SRec^töfafeeä aber
jcigt fid& auf bem ©ebiete beö 9led|teö in fold^en gäHen, in meldten burd^
©pejialgefeße ober burd^ 9led^tögef(^äfte, inöbefonbere auf bem ®ebiete beö
£e|en^, gibeifommife* unb ©tammgutöred&teö, bie burd^ nad&folgenbe ©f)e legi=«
timirten Äinber oon einem Sled^töerroerbe auögefd^IoRen jinb unb auö bem
©pejialgefege, bejm. bem Sled^tögefd^öftc fid^ nic^t im SGBege ber 9luölegung
ergiebt, bafe ber Sluöfd^lufe fid& au^ auf bie von ber ©fiefrau oor ber ©^e
empfangenen unb nad^ Sd^Iiefeung ber ©f|e geborenen Kinber erftrerfen foB.
S)a baö Oefefe bie im § 1466 bejei(^neten Äinber in red^tlid^er Sejiefiung
einanber üoUftänbig gleid^ftellt, fo fann eö aud^ nid^t afö angemef[en erad^tet
»erben, nod^ bem SBorgange beö fäc^f. 0. 35. § 1776 bie t)or ber ©l;c empfangenen
unb nad& ©d^Uefeung ber ©^e geborenen Rinber alö fold^e ju bejeid^nen, roetd^e
ate el^elid&e gelten. 33ielmef)r rerbient eö, namentlid^ auc^ im Sntereffe ber
©infad&^eit beö ©efefteö, ben SBorjug, baoon auöjugefien, bafe aud^ jene Äinber
im ©inne beö ©efegeö roirflid^e cl^elid&e ftinber ftnb.
3m rom. SRed^te befielen auf @mnb beö S. C. Plancianum unb im ^n^ »er^ütunö
f^Iuffc an baöfelbe für bm gall, wenn bie ©f)efrau bei Sluflöfung ber ©f)c i^"b«SrjC
burd^ ©d[)eibung fid^ fd^mangcr gloubt, bejn). wenn ber ©fjemann nad& ber «'"** ^"*'«*
©d^eibung bie ©d^roangerfd^aft ber ©fjefrau beliauptet, bie lefetere aber bie
©d^ioangerfd^aft leugnet, bcfonbere aSorfd^riften, n)el(^e tf)eilö baju bienen
foUen, baö Sntereffe ber 3Wutter wegen ber Slnerfennung beö Äinbeö unb ber
SlUmentation beöfclben oon ©eitcn beö ©Ijemanncö ju fidlem, ttieilö bie Untere
fd^iebung eineö frembcn Äinbeö beim, bie ©ntsietjung eineö auö ber gcfd^iebcncn
©l^e ^crrüf)renben Äinbeö ju ücrliinbern. Ob biefc äJorfdjriften gemeinred^tlic^
nod^ ate in ©eltung befinblic^ anjufelien finb, ift beftritten. 93on ben neueren
©efefcgebungen l)ai nur baö preufe. 31. S. dl 11, 2 §§ 41—48 ä^nlid^e, bie
©ic^emng beö ©tjemanneö gegen Unterf(^iebung bejro. ©ntjiefiung eineö Äinbeö
648 ei?elid6e afiftamniunö. empfänönifoclt. § 1467.
bestüccfcnbc Scftimmungen aufgenommen, S3cftimmungcn, beten 33efeitigung von
bcm ®cfe|reoif or, 5ßenf. XV S. 26—29, bereits in SSorfd^Iog gebrod^t roorben ift.
9lud^ ber ©ntrourf \)ai Don ber Slnfna^me berartigcr SBorfd&riften Slbftanb
genommen, ba biefelben ben gegenwärtigen ©itten unb bem praftifd^en Scben
üoHig fremb fxnb, anbcrerfeits bic 33orfd^rtften bcö ©trafrcd^teö (§ 169 befi
©tr. @. 33.) ouöreid^enbcn ©d^u| geroä^ren.
®ad röm. died)i enthält femer bie SSorfd^rift, bafe auf 33eriangen ber
ßrben beö ©liemanneö bic SBittroe, meldte fd^roanger ju fein behauptet, pd^
unterfud^en laffen unb bei ber ®eburt fidt) einer genau Dorgefd&riebenen 85c*
auffid^tigung unterrocrfcn mu§, roibrigcnfaHö fic unb baö Äinb geroiffe 3laä)^
t^eile treffen, aic^nlid^c SJefugnif^c ^at baö preufe. 31. S. 91. II, 2 §§ 26 ff.
}um 3rocdEe ber 93erl|ütung ber Untcrfd^icbung eineö fremben Äinbeö ben ®rbcn
bcö ß^cmanneö ber ®I)cfrau gegenüber eingeräumt. 3n Uebereinftimmung mit
ben übrigen neueren ®efcfegebungen unb bem ®cfc6rcoifor, 5ßcnf. XV ©. 26 ff.,
f)ai ber ©ntrourf aud^ bicfe bur^ ein 33ebürfni6 nid^t gebotenen unb nie in
bafi Äebcn eingebrungcnen SSorfd^riften bcfeitigt.
§ 1467.
empfänflnt^ Db bcr S3en)ciö ber S^^fl^^fl ~" ^^^ i" ^^^ gemeinred^tlidöen 3)oftrin
*"^ beftrittcn — fd&fcd^t^in unmöglid^, unbenfbar ift, fann l^ier bal^ingeftcUt
bleiben. 9lud^ mcnn man baoon auögcfit, bafe biefcr Scmciö in mand^cn
gällen ouf fünftlid^em SBcge erbrad^t merben fann, fo ift bod& biefc 3lrt bcr
SBemeiöfülirung, nad^ meld&er ber Slid^ter unter SBerücffic^tigung aller fonfreten
Umftänbe unb geftüfet auf baö ®utad(|ten ©ad&Dcrftänbiger ju beftimmen ^obcn
mürbe, ju roeld^cr 3cit bie Seimol^nung ftattgefunben l^aben muffe, um ate
Urfad^e ber ©eburt beö betreffenben Äinbeö gelten ju fönnen, mit fold^en
Unäuträgtid^feitcn unb ©d^mierigfeiten Dcrbunben, baß bat)on bic ©^cUd&fcit
ober Unel[)clid^feit bcö Rinbcö, ein aScrl^ältnife, meld^eö für bie mid&tigften
5led^tdoer^ättnif[e bebingcnb unb normirenb wirft, unb in bic gamitien*
intcrefien fo tief eingreift, o^ne ©efäl^rbung beS öffentlid^en 3titerejfcö unb ber
dlnf)c bcr gamilic nid^t obl)ängig gcmad^t werben fann. 6inc fold[)e 83erociö«
fül^rung jujulajfcn, ift um fo bebcnfli^er, als bie Stnfid^ten bcr ^^J^^ffologcn
über bie grage, ju meld^cr 3^^* ^^^ lebenb geborenes M;inb frü^eftenö ober
fpätcftcnö empfongen ift, fd^manfenb unb mibcrfprcd^cnb, au6) [t naä) ben
gemad&ten ©rfal^ningcn unb bem iemeiligen ©tanbc ber SBijfcnfd&aft bcm
SBcd^fel untcrroorfen finb. 2)aju fommt, bafe in ben meiften ^Uen baö ®ut«
ad^ten bcr ©adöücrftänbigcn fid^ roicber auf bie 9lngaben SDritter, inöbefonbere
Don .^cbammen, mürbe ftüfeen muffen, mitf)in einer juoertäfftgcn unb fidleren
t^atfäd^li(^en ©runbtage entbebren mürbe. 3m 3lnf^luffc an bas gemeine
SRcd^t imb bie neueren ©efeggebungen (oergl. ©euffert II, 254, XXIV, 217;
preufe. 2t. 2. SR. II, 2 §§ 1, 2, 19, 21, 40; fädbf. ®. 33. §§ 1771, 1772; code
civü 3lrt. 314, 315; altenb. ®]^eorbn. v. 13. a»ai 1837 § 151 t)crb. mit § 5
beö altenb. 03ef. o. 29. aWai 1876, betr. bic SRe^töDcr^ältniffc au§cre^lid^
©cfd^roä^tcr u.f.m.; l)eff ©ntm. III Strt. 2) ift balier im § 1467 bic fürjcftc
unb bic längfte S)auer ber ©d^roongcrfdjaft bei einem lebenb geborenen Äinbe
(BWä)t «Bftauimuno. (gmpfdnömfocit. § 1467. 649
unb jroor in ber 3lrt gefcglid^ pEirt, ba^ biefc gcfefeHd^e ®mpfängni§jeit einen
abfoluten Äarafter f)ai, mxt^'xn ber Ocgenbemcifi, ba§ im fonfreten ^oUe mit ai>^oiuter
9Iä(tftc^t auf ben SReifcgrab beö Äinbeö bic ©dimangerfd^oft fürjere ober
längere 3^^* gcbauert l^aben muffe, auögefd^loffen fein foll. gür baö röm.
unb gemeine dltöft ift oHerbingS biefe abfolute Sebeutung ber gefe^Iid^en
Äon}eptiond5eit für einjelne gälle beftritten morben; bie ^errfd^enbe SKeinung
legt il^r inbeffen jenen abfoluten ftarafter bei. Slud^ bie franj. 3urisprubenj
^ot bic auf bem ®ebiete beß fronj. Sled^teö ftreitige ^roge, ob bei einem nad^
bem 300. 2:age feit 3luflöfung ber ®^e geborenen Äinbe unter Umftänben ber
Semeid ber e^elid^en 3lbftammung iuläffig fei, überroiegenb verneint. Das
gegen bie ^ftfegung einer gefeftlid^en ©mpfängnifejeit in jenem abfoluten, ben
Oegenberoeiö auö bem ©rabe ber Steife beö Äinbcö auäfd^fiefecnbcn ©inne er-
()obene Sebenfen, bafe baburd^ bic 3ntereffen ber 93et^eiligtcn unter Umftänben
ferner gefä^rbet merben fönnten (Dergf. ofterr. ®. 33. § 157), fann ben obigen
(Srroägungen gegenüber als burd&fd^Iagenb nid&t erad&tet merben, fofern nur
ber gefeglid^en ©mpfängnifejeit eine angcmeffene, aud) feltcnere gäUc, menm
glcid^ nid^t alle möglid&er SBeife Dorfommenben gäüe, umfafjenbe 3luöbcl^nung
gegeben wirb. SBon ber SRegef, bog ein lebenb geborenes Äinb auö einem
nid^t in bie gefegüc^e ©mpfängnifeäeit fallenben Seifd^fafe nid^t erjeugt fein fann,
mad^en ber code civil Wci. 314 unb baö altenb. ®ef. d. 29. SKai 1876 § 5
(t)ergf. aud^ f|cf|. ©ntm. III 3lrt. 2) für ben ^all eine Sluönal^me, wenn baö vov
bem frul^eften gefc^üd^en 2'erminc geborene Äinb für nid^t febcn0fäl)ig erflärt
morbcn ift, eine siuönal^me, meldte gegen bie fierrfd^enbe 5Rcinung aud& für
baö röm. unb gemeine SWed&t Dertl^eibigt mirb. ®egen bie 3lnerfennung biefer
auöna^mc fällt jcbod^ entfd^eibenb ins ©emid^t, bafe eö für bie Scantroortung ber
^age, ob unb unter roeli^en SBorauöfegungen ein lebenb geborene« Minb ate
lebendfäfiig anjufel^cn ift ober nid)t, an auöreid^enben objettioen unb fidleren
3ln^altdpun!ten feljlt. ^aiu fommt, bag ber ©ntrourf aud^ im Ucbrigen bie
yebenöfä^igfeit eines febenb geborenen .Hinbeö auf bem ©ebiete beö ^rioat*
re^tefi für unerl^ebüd^ erflärt.
S)er Umfang ber gefeftUd^en ©mpfängni^jeit ift in ben befte^cnben umfang.
Siedeten oerfd&icben beftimmt, unb beftel^t über bie Sered^nung ber grift Diclfad^
Streit, ©cmeinred^tlid^ umfaßt bie ©mpfängnifejeit nad^ ber I)errf($cnben
Se^rc bie S^xt oom 182. biö 300. Jage einf^IießJid^ oor ber ©cburt beö
Äinbeö (oergl. ©euffert 1, 161, II, 254, V, 175, X, 170, XII, 36, XXXIX, 5);
nacö bem ba^r. 2. JR. I, 3 § 2 $ßr. 9, bem fäd^f. ©. 33. §§ 1771, 1772, 1776,
bem oltenb. @ef. x>. 29. a»ai 1876 § 5 umfafet fie bie 3eit Dom 182. bis
302. Sage, naä) bem code civil 3lrt. 312 (t)ergl. aud^ l^eft. ©ntn). III Slrt. 4)
bie 3eit üom 180. bis 300. Jage, na^ bem preufe. 91. S. 31. II, 2 § 2 unb bem
roeimar. ®ef. t). 6. 3uni 1853 § 3 bie Seit iroifd^en bem 210. unb 302. Jage
t)or ber ©eburt bes Äinbeö. SBcnngfeid^ bei einem lebenb geborenen Äinbe nad^
bem jeftlgen ©tanbe ber SBiffenfd^aft als regelmäßige ©mpfängnißäeit bie 3^'*
imif^en bem 210. unb 280. Jage t)or ber ©eburt beö Äinbes angenommen
mirb, fo ^at bod& ber gntrourf im Slnfd^luffe an bie aßel)rsafir ber beftefienben
SRe^tc mit SRüdfftd&t auf baö 3ntercffe beö Jlinbeö unb jum ©d^ufec ber e^re
ber e^iefrau unb ber JRu^e ber Familie ber Gmpfängnißjeit eine fo roeite
650 (56eli4c abftammuno. JJcftfteHunö bcr Saterf(6oft § 1468.
äludbe^nung gegeben, bag biefe(be au($ fotd^e^ aDerbingd nur feiten oorlommenbe
%&Ut mitumfafet, in rocid&en ein ftinb f^on im Slnfange beö fiebenten bejio.
erft am ®nbe beö jel^nten SRonateß geboren wirb. S)ie gaftung beö § 1467
Wol 1 läfet feinen Steifet barüber, bafe jroifd^en bem 2;age ber (Schürt unb
beö 33eifd^lafeö — abgefcl^en x)on htn ©tüdftagen — minbeftenfi 180 S^age
liegen muffen, bamit baö jtinb ald ein e^elid^eö, unb minbeftenö 300 gonje
Sage liegen muffen, bamit bad Jtinb ald ein unel^elid^ed anjufei^en ift.
sHobifiiation 2)lc im § 1467 3lbf. 2 enthaltene Sßobififation ber ©mpfängni&jeit
«mpfänflnif. ted^tfertigt fic^ baburdö, ba§ in bem bort rorausgefeftten %aUt baö Äinb aus
»«'• «inem Seifd^lafe, melier in ben oor ber ©eburt eine« frül^er geborenen
anberen Äinbeö liegenben 2;i^eit ber im § 1467 Slbf. 1 beftimmten ©mpffingnife*
jeit fällt, nid^t ^errül^ren fann. SBenngleid^ bie beftel^enben ©efefegebungen
biefen gaU nid&t befonberö berüdEfid^tigen, fo ift es bod^ im ^inblidte auf bcn
abfotuten Äarafter ber in ben §§ 1468—1470 über ben ju fü^renben Seroeid
enthaltenen SSorfd&riften nid^t allein lorrefter, fonbem aud& jur äbfc^neibung
fonft leidet möglii^er S^eifel angemef[ener, bie SBeftimmung auöbrüdElic^ auf*
}unel^men.
§ 1468.
ssermut^unfl 3)ic im § 1468 beftimmtc, bem ^ro^dt ber @^e unb ben normalen e^e^
««t?Ä lid^en 33er^ältniifen entfpred^enbe SBermutliung ift nad& bem aSorgange beö
gemeinen SRed^teö (1. 5 D. de in jus voc 2, *) t)on allen neueren Oefeggebungen
anerfannt (oergl. preufe. 31. S. SR. II, 2 §§ 1—4; öfterr. ®. 33. §§ 138,
155, 158; Code civil ärt. 312, 314; altcnb. e^eorbn. § 149; fäc^f. ®. 33.
§§ 1771, 1772; l^eff. ©ntro. III, 2lrt. 1, 4). abroeid^enb oon ber in neuerer
3eit ollerbingfi befämpften, mit ber fierrfd^enben 3)oftrin aber übereinftimmcnben
gemeinred^tlid^en 5ßrajiö (oergl. ©euffert I, 163, XXXI, 39), foroie oon ben
übrigen angcfülirten ©efeftgebungen l^at baö preufe. 21. 2. SR. U, 2 §§ 1, 2
nad^ berjenigen Sluffaffung, meiere baöfelbe — im ©egenfafte ju ber baijr.
5ßrajiö — fonftant in ber preufe. 5ßraf iö gefunben l^at, bie SSermut^ung, bofe
baö Don ber e^efrau geborene Äinb oon bem ®l)emanne erjeugt fei, aud^ auf
fold^c gälle auögebel^nt, in meldten bie gange ©mpföngnifejeit beö ftinbeö in
bie 3^1* ^or ©^licfeung ber ©^e fällt (oergl. bagegen ©cfeftreo., 5ßenf. XV
JU 31. 2. SR. II, 2 §§ 1, 2 nebft aJlotioen ©. 5 ff.). SBenngleid^ jugegcben
werben mufe, ba& erfo^rungömäfeig in ber großen 3Kel^rjaf|l ber gällc, in
meldten ein oor ber ©t)e empfangeneö Äinb nad^ ©d^liefeung ber 6^e geboren
mlrb, ber Sfiemann feine 33aterfd^aft nid^t beftreitet unb bieö btn ©d^lufe
red^tfertigt, bafe in berartigen gällen regelmäßig ber ©l^emann ber ©rjeuger
beö ÄUnbcö ift, fo mufe eö bod^ alö bebenftid^ erad^tet werben, in ben in Siebe
ftel^enben gäUen bicSSermutfiung ber el^elic^en SBaterf d^af t aud^ bann anjuerfennen,
roenn ber (Sl)emann feine SSaterfd^aft beftreitet. 3)aburd&, bafe ber (Seemann
bie ß^elidjfeit beö Äinbcö red^tjeitig anfid^t, mirb bie cuö ber oben gebad&ten
6rfaf|rungötI)atfod!)e an imb für ft^ l^erjuleitenbe 2Bal)rfd^einlid^feit, ba^
er ber ©rjeuger beö Äinbeö ift, in bem SRafec erfd^üttert, bafe unter biefen
Umftänben bie 2Iufftellung ber aScrmutljung, er fei ber ©rjeuger beö flinbcö,
nid^t alö gered^tfertigt angefelien werben fann. 3)ie ©rünbe, auf meieren bie
(Sktliiit StBfiammung. geftftcttunö ber SSaterfci&aft. § 1468. 651
im § 1468 beftimtntc SBcnnutl^ung Umf)t, treffen in Slnfefiung ber t)or ber
©l^c empfangenen Äinber nid&t ju. Snöbcfonbere fel< eö ber SSermut^ung in
ber Sluöbcl^nung beö preufe. SRed^teö in fofd^en gäüen an ber nöt^igen (Srunb?
läge, in welchen TOöl^renb ber Dor ber ß^efd^Ue^ung Hegenben ©mpfängnifejeit
beö Jlinbed ein nöl^creö pcrfonlid^eö SSerl^ältnig, inöbefonbere ein SSerlobnife/
jmifd^en ben lünftigen ©Regatten überall nod^ nic^t beftanben l^at. 3^^^"^ ift
bie SS[u8be^nung ber S3ermutf)ung, abgefel^en Don bem im § 1470 ©afe 2
üorgefel^cnen befonberen gallc (nergl. bie 3Kotit)c ju § 1470) burd) ein brin^
genbe« praftifd^eö Sebürfnife nid^t geboten. S)em Sntereffe beö Äinbeö mirb in
audreid^enbem SRage fdbon baburd^ Stec^nung getragen, bag aud^ in ben \)wc in
Webe ftel^enben gälten bie ß^elid^feit beö Äinbeß von bem ©bemanne am
gefoc^ten werben mu§ nnb bas 3lnfec^tungßred^t burd^ SInerfennung beö
Äinbes bean). burd& Seitabtauf rocgfäUt (§§ 1471—1473). ©er ©tanbpnnft beö
©ntmurfeß fül^rt anä) fcineöwegö ju praftif d^en ©d^mierigfeiten gegenüber ben bie
Seurhinbung ber ©eburtcn betreffenben Scftimmungen beö 5ßerfonenftanbögef.
0. 6. gebruar 1875 § 22, ba nad& bem (Sntmurfe (§ 1471) aud^ baß vor ber
(Sf)t empfangene, nad^ Sd^liefeung ber ©l^e geborene Rinb bis bafiin, bafe bie
anfed^tnng ber ß^elid^feit beöfelben erfolgt iinb ber SRed&töftreit über bie 2ln*
fcd^tungöflage erlebigt ift, alß ein eljelid^eö bebanbelt wirb. 2)ie 2lnomatic,
rotlöit anfd^einenb barin liegt, ba§, obwohl aud^ in ben l^ier fraglid^en gälten
bie Slnfed^tung burd^ ©r^ebung ber Slnfcd^tungöflagc erfolgen mufe (§§ 1471,
1475 aibf. 1), bem flagcnben ©tiemanne bie SSemeiölaft nid^t obliegt, tjer^^
fd^roinbet, wmn man berüdEfid^tigt, einerfeitö, ba§ bie 9lnfed^tungöflage nad^
bem entwürfe bie gorm ift, in meld&er bie Slnfed^tung erfolgt, anbcrerfeitö,
bo§ jene Älage hcn Äarafter einer ncgatioen geftftetlungöflage ^at.
S)ie im § 1468 beftimmte 83ermutl)ung greift in ©rmangetung einer einput einer
entgegcnftel^enben 93cftimmung in fofd^en gälten, in meldten auf ©runb ber ^^^^^l^^
%% 1444, 1462 jcitroeilige 2:rennung üon X\\ä) unb S3ett angeorbnet ift, aud^ ^if<^ u. ©ett.
möl^renb ber 2:rennungöjeit ^ßlafe. 3^ bemfefben Siefultate füfirt, wenigftenö
bem SQBorttaute nad^, aud^ bie gemeinred^tlid^e 5Hegel „pater est, quem
nuptiae demonstrant« (oergl. (gntfd^. b. 5R. ®. in ßioitf. XII, 39 ; anbererfeitö
©euffert X, 267). SKit bem ©ntrourfe ftimmen in ber liier fraglid^cn ^infid)t
femer überein baö preu§. 31. S. SR. II, 2 §§ 1—4, 19, 40, ber code civü
Strt. 312, 315, baö öfterr. ®. S. § 138 nnb ia^ fä^f. ®. S. § 1756. ©a^
gegen nel)men ia& in ©Ifafe^Soti^ringen gettenbe franj. ®ef. n. 6. ©e^embcr
1850 (oergl. ba^ franj. ©H^eibungögef. o. 27. 3uli 1884 2lrt. 2), fomie üer*
fd^iebene neuere auötänbifd^e ®efe|gebungen ben entgegengefefeten ©tanbpunft
ein (t)ergl. öfterr. ^ofbefret o. 15. 3uni 1835; niebcrlänb. ®. S3. 3lrt. 309;
ital. ®. ». Slrt. 163). aiud^ ber ^eff. entro. III 3lrt. 6 unb bie preufe. ©nt^
würfe über @^efd&cibung oon 1842, 1844, 1856 fcfiränfen bie 2lnroenbimg ber
l^ier froglid^en Sßcrmutl)ung für ben galt, menn Trennung oon S^ifd^ unb
S3ett angeorbnet ift, ein. Snöbefonbere foll nad) bem preufe. ©ntro. n. 1856
§ 16, mcnn bie ©l^elid^feit beö oon ber @l)efrau geborenen, mäljrenb ber
S^rennungöjcit empfangenen 5linbeö oon bem ©Ijemanne angcfod^tcn wirb, bie
93ermutl^ung für ben galt feine Slnroenbung finbcn, bafe bie jcitmeilige
2^rennung oon 2^ifd; unb S3ett burd^ ©liefd^eibung ober burd) ben Xob eincö
652 (Sfclic^c «Bftammunö. Seftficttunö bcr Sßaterf^aft. § 1469.
bcv ©Regatten bcenbigt wirb. Durd^ ha& 3lbgeorbnctenl)auö würbe bicfc Sc-
ftimmung inbeftcn obgelel^nt, uub anä) bcr S3crid^t ber Slommiffion bcr crften
Äommcr t). 2. aWärj 1855 über bcn bcr erftcn Kammer im ^af)U 1854 oor-
gelegten ©ittrourf ^ot fid^ gegen bie in ber gebadeten Äommiffton beantragte
3lufnal^me einer berartigen SSeftimmung ouögcfprod^en.
gür bie 5ßid^tonn)enbung bcr im § 1468 beftimmten SBcrmut^ung
mä^renb einer gerid^tlic^ angcorbncten jcitrociligcn S^rennung oon SCifdd unb
Sctt lägt fid^ allcrbingö gcitenb machen, bofe mä^renb ber 3:rcnnung8jeit bie
t{)atfäd&Iid&e SBoraudfeJung Jener aScrmutl^ung, bie el^elidöe Scbcnögemcinfd^oft,
crmangelt; ba inbejfen in göUen ber ^ier fraglid&en 9lrt eine 2Bicberauöföbnung
ober eine, menn aud^ nur Dorübergel^enbe, faftifd&e ^Bereinigung ber ©Regatten
nid)t feiten ift, fo muß cö t)om ©tanbpun!tc beö Sntcrcffeö beß Äinbeö unb
ber ß^efrau aus ate bebcnflid^ cra^tet roerben, bie SSermutl^ung für bie ^ier
fragli(^en gälle ausjufd^liefecn. ©cm G^cmannc bleibt cö felbftocrftänbUd^
unbenommen, bie angeorbnete 2^rennung bei 3ül)rung beö im § 1469 bc*
jcid&neten OcgcnberocifcS als ^nbijium jti oernjcrtljcn.
§ 1469.
®cgenb«wci« ^n bcr gemeinrccötlid)cn 2)oftrin unb 5ßrariö ift cd ftrcitig, welcher
^^mut^ung!^' 9lcid^roeiö erforberlid^ ift, um bie 58ermutf|ung : pater est, quem nuptiae
(Seitenbefi demonstrant ju entfräften (ocrgl. 1. 6 D. de his, qui sui 1,6). gfjad^ einer
w««t. 3lnfid^t fann jene SScrmutfiung nur bur^ bcn Siadiroeiö oon Umftänben cnt^
fräftet werben, meldte bie 93cin)of|nung unmögli^ gemad^t ^aben. 9lad& biefer
SKnfid&t ift ber bireftc Oegenberociö, bafe bcr ©bemann bcr G^efrau in ber
fritifd^en 3<^it ^^^^ beigemo^nt öabe, unjuläffig (ocrgl. ©cuffert I, 162,
XXIV, 207, XXXIII, 280, XLI, 5; ebenfo afe JRegcl (gntfd^. b. SR. ®.
in Gioilf. XII, 39). dagegen bält eine anbere SÄnfid^t bcn ^lad^mciö bcr
Unmöglid^fcit bcr Grjeugung, inöbefonbere bcn 5Rac^roeiö, bafe eine 33ein)ol^nung
unter bcn Gfiegattcn in ber ©mpfängnifejcit ni^t ftattgcfunben l^abe, für aus-
reid&cnb (ocrgl. Seuffert I, 162, II, 186, VIII, 229, XXXVHI, 205; Urtl^.
b. 31. 0. bei Orud^ot XXV S. 1024 ff., 1027 ff). ®inc aWittetmeinung
ocrlangt jroar nid^t bcn 9lad^n)ciö fotd)er 2^l)atfad^cn, roetd^c bie SKöglid^tcit
bed cf|elid()cn 93cifd^lafcö auögcfd^loffcn t)abcn, ^ält aber anbererfeitö bie ein*
fad&e S3el)auptung nid^t für genügenb, bafe ber Seifd^laf innerl^olb ber
!ritifd^en ^cxt nid^t erfolgt fei, fonbern erachtet bie 3)arlcgung fold&cr SJcr*
l)ältniffe für erf orber lid^, nad& meldten baö Unterbleiben beö Scifd^lafcö ab^
Toeid^enb oon bem normalen 3uftanbe alö bered^tigte Folgerung oon fclbft ftd^
ergiebt (ocrgl. Seuffert XIX, 9, XX, 198, XXIX, 4; ocrgl. aud^ X, 267).
58on bcn neueren ®efe|gebungcn laffen baö preufe. 31. S. 91. II, 2 § 2
(ocrgl. Seuffert I, lf)2), bie altcnb. G^eorbn. § 149 unb baö fäd^f. ®. a.
§ 1772 bcn bireften ©egenberoeiö ju, bafe ber Cl^cmann innerl^alb ber
Cmpfängnigjcit ber Gt)efrau nid&t bcigcmoljnt l^abe (ocrgl. aud^ öfterr. ®. ©.
§ 158 unb baju'lSeuffcrt XXI, 8 Slnm. 1). dagegen fann nad^ bem code
civü 9lrt. 312, 313 (ocrgl. au^ l^eff. Gntm. Ili 3Irt. 4) bie aSermut^ung
ber e^clid^cn Grjeugung - - abgefe^cn oon bem gaUe cincö GI)cbrud)eö ber
eöelid&c aBPammung, geftftcduuo bcr SSatcrfd&aft. § 1469. 653
e^efrau (oergl. barüber unten ©. 654) — nur burd5 bcn Jlad^rociß cntfräftct
werben, bafe eö bcm ©bemanne wegen ©ntfernung ober irgcnb eines 3wfoHeö
p^^fifd& unmögttd^ mar, in ber fritifd^en 3^it ^^^ (S^efrau beijuroo^nen.
SJa bie SSermut^ung beö § 1468 ifire (Srunblagc in ber an fid& burd^ 6tanbpun«t
bie e^Iid&e ©emcinfc^aft begrünbeten SBa^rfd^einlid^feit l^ot, bafe ber ®E|emann cntwurteö.
tnncr^ott ber ©mpfängnigjeit beö Äinbeö, foroeit bie legtere in bie 'S^ii
roälirenb ber ®^e fällt, feiner Ehefrau beigeroolint l^at, fo entfprid&t eö ben
ungemeinen Orunbfägen (§ 198), bafe jene 93ermut^ung burd^ ben Seroeiö
cntMftet werben fann, ba§ ber ® bemann innerl^alb ber ©mpfängni&jeit, fo^^
weit biefe in bie 3cit wül^renb ber ®^e fällt, mit ber ©l^efrau bcn Seifd^iaf
nic^t ooUjogen l^abe. @in bringcnbed praftifd^eö Sebürfnife, ben ©cgcnbeweiö
im 3ntercffe cineö größeren ©d^ufteö beö Äinbeö unb ber ©l^efrau unb jum
3wcdEe ber SÄbfd^neibung ooger, unter Umftänben mit er^cblid^en Jloften oer*
bunbencr Seweiöfül^rungen im Slufd^Iuffe an ha& franj. Siedet unb eine
in ber gemeinred(|tlid^en Suriöprubeni vertretene Sluffajfung weiter einju*
fd^ränfen, fann nid&t anerfannt werben. Snöbefonbere ift bem gegen ben
Stanbpunft bcö ©ntwurfeö geltenb gemachten ©eftd^töpunfte, bafe ber 3Ift beö
e^elid&en 93eifd^Iafeö um beöwiUen nid^t unmittelbar in grage geftellt werben
bürfe, weil eö fid^ nid^t jieme, bie ®el)eimniffe beö el>elid^en Sebenö vox
®crid^t ju [teilen, entfd^eibenbeö (Sewid^t nid^t beijumeffen. Slud^ auf anberen
Oebietcn beö SRed^teö läfet eö ftd^ nic^t immer üermeiben, bafe bie ©e^eimniffe
beö el^clid&en Sebenö ben Oegcnftanb gerid)tlid^er Säerl^anblungcn bilben.
9lu§erbem wirb biefer Uebclftanb aud& bann ni^t DoUftänbig befeitigt, wenn
man ben ©egenbeweiö auf ben 5Rad^weiö folc^er S^^atfad&en bcfd^ränft, wcld^c
bie SWöglid^feit beö SBeifd^Iafeö auöfd^liefeen, bo bem Äinbe jur (Sntfräftung
biefeö SRad&weifeö boc^ ber 83eweiö nid)t abgefd^nitten werben fann, bafe trog
jener S^l^atfad^en, auf weld^e bie Unmögfid^feit beö Seif^fafeö gegrünbet wirb,
bcr festere in 5Eßirflid^feit ftattgefunben fiabc. ©cgen einen SRifebraud^ ber
@ibeö)ufd^ie6ung aber fd^ü^t in genügenber SBeife bie 93orfd^rift beö § 410
ber 6. 5ß. C Slnbererfeitö fprid&t gegen ben ©tanbpunft beö franj. SRec^teö,
ba% berfelbe unter Umftänben ju einer großen ^ärte gegen b^n ©bemann
ful^rcn fann, wenn ber (entere — waö feineöwegö auögcfd^lofjen — in ber
Soge ift, auf anbere 9lrt in übcrjeugenber 8S8eife ober bod^ biö ju einem foldf^en
©rabc ber SBa^rfc^einli^feit, ba§ auf einen rid^terlic^en @ib erfannt werben
fann, ben 83eweiö ju fül^ren, bafe er innerhalb ber fraglid^en Qdt mit ber
ßl^efrau ben Seifd^Iaf nid^t ooUiogen ^abe. gerner fommt in 33etrad^t, bafe
ber Segriff ber äbwefen^eit, burd^ beren SJad^weiö aud^ nad^ franj. 5led)te
bie SBermutl^ung entfräftet werben fann, unbeftimmt ift unb SBeranlaRung ju
Streitfragen unb ^rojejfen ju geben brol)t.
Sefonbere Seftimmungen über bie ©rJ^eblid^feit beö 3^u9i^if?^ö oberSeugnit "«*>
®eftänbnif[eö ber ÜJlutter beö Äinbeö, bafe Ie|tereö nid^t üon bem ©Eiemanne tt^^"«^^^
erjeugt fei (Dergl. 1. 29 D. de prob. 22, s ; preufe. 31. S. 5R. II, 2 § 6 ; ofterr.
®. ». § 158; f)^. entw. III 3trt. 1 3lbf. 2; baneben aber § 14 9lbf. 2 3lr.2
bcö ©nf. ®ef. jur 6. ^. D. unb Urt^. b. 91. ©. bei ©rud^ot XXV S. 1027 ff.),
finb jum ©d^ufee beö Sntereffeö beö Äinbeö nid^t für erforberlidö erad^tet. ßö
reichen in biefer i&infid^t bie allgemeinen ©runbfäge ber 6. 5p. D. über bie
654 (EW^t 9t6ftammunö. ScftfteHunfl bcc »aterf^aft. § 1469.
freie 93en)ci8roürbigung nnb bod S^wanife von SScrroanbten bcr ^Parteien (§§ 259,
348 3lx. 3, § 349 3lx. 2, § 358 a. 6. bcr 6. Sß. D.) auö.
üf^arudf ber gßie bcr § 1469 crgicbt, fann bic im § 1468 beftlmmte 93crmut^ung nur
^"***'' burd^ bcn im § 1469 bejcid^neten Scrociö cntfräftet merben. SJaburd^ crl^ält
bicfe 33ermut^ung für bcn gall, xomn bcr ®^emann innerl)alb bcr im § 1469
bcäcid)nctcn 3^it mit bcr ß^cfrau bcn Scifc^taf poUjogcn \)ai, jugtcid^ ben
Äaraftcr einer giftion, nämli^ ber giftion, bafe biefer Scifd^laf bes ©^cmanncö
bic ©rjeugung bcö Äinbes bcroirft ^abe. ®d foH mitl^in bcr mogfid^c el^clid^e
aSatcr alö mirHid^cr el^elid)er aSatcr gelten. 2)emgcmä6 ift in Uebercinftimmung
mit bcr ficrrfd^cnben SÄnfid^t bcö gemeinen 9lcd&tcö (L 11 § 9 D. ad leg. Jul.
de adult. 48, 6 ; 1. 29 § 1 D. de prob, 22, 3) unb bcn meiftcn neueren ©cfeft«
gebungen (preufe. 31. S. S». II, 2 § 5; öfterr. ®. S. § 158; föd^f. @. ». § 1772;
f)ef[. ©ntro. in 3lrt. 1) nomcntlid^ bcr ^iad&rociö uncr^cblid^, bafe bie ®^cfrau
inncrl^alb ber ©mpfängnifejeit eines e^cbrud^cö fid^ fd&ulbig gemacht ^abe, felbft
in aSerbinbung mit anberen 3nbijien, meldte auf bic 93aterfd^aft eines 3)ritten
^inbeuten. dagegen nimmt ber code civil 3lrt. 313 (ocrgl. aud& altenb.
(S^eorbn. § 149) infofern einen abrocid^cnbcn ©tanbpunft ein, als ber @§es
brud& ber ®^efrau in 33erbinbung mit ber SJcrl^cimlid^ung bcr Oeburt beS
Rinbcß bcm ©bemanne bas SWec^t giebt, bic ®^cUc^!eit bcö Slinbcö onjufcd&tcn,
aSom ©tanbpuntte bcö franj. 5lcd&tcä aus, nad^ meld^cm bic SJorauSfefeung,
bafe ber @]^cmann ber 58ater bes Rinbcs ift, fonft nur burd^ bcn 9lad^mcis
bcr pj^qfifd&cn Unmoglid^fcit bes Seifd&Iafes mit ber iß^efrau innerhalb ber
tritifd^cn Qtxt cntfräftet roerbcn fann, i)ai jenes Slnfcd^tungsrcc^t baburc^ eine
befonbere Sebeutung, bai ber (Seemann in bcm ^kv fragli^cn galle feine
SBel^auptung, bafe er nid^t ber SJater bes ÄinbeS fei, auf fünfttic^em SBcgc burd^
alle fd^lüffigen 2:^atfadöen barjut^un bered^tigt ift. 2)iefe Scbeutung bcr ab«
mcic^enben aSorfd^rift bes franj. 3lcc^teS fommt für bm ©ntrourf im ^inblidte
auf bie im § 1469 beftimmtc Slrt bes ©egcnbcmeifes gegenüber ber aSer*
mut^ung bes § 1468 nid^t in Sctrad&t. 6ä fann fid^ bal^er nur fragen, ob
bcr ©l^cmann aud^ in bcm S^^e, in meld&em er inncrfialb ber fritifd&en
3eit bcr (g^efrau mirflid^ beigemo^nt l^at, auf ®runb beS ß^ebrud^cs ber
ß^cfrau in aSerbinbung mit anberen 3nbi}ien ju bcm ©cgenbemeife, bafe baö
£inb nic^t von if)m erjeugt fei, jugclaffcn werben foH. Uebcrroiegcnbe (Srünbc
fpred^en inbeffen gegen bie 3wföff^i^9 ^i^f^ö Scroeifcs. i^at ber Seemann in
bcr fritifd^cn S^it feiner ®^efrau beigcroo^nt, fo ift, mcnn man von gan§
fcltencn unb bcsl^alb feine befonbere Serüdiid^tigung oerbienenbcn gätten ab«
fielet, bic 3RogIic^fcit, bafe ber Seemann bcr aSater bes Äinbes ift, aud^ bann
nid^t ausgcfc^Ioffcn, rocnn bic ©^cfrau beS ©^cbrud&cs fid^ fc^ulbig gemad^t l^at
unb juglcid^ anbere Snbijien me^r ober mcnigcr auf bie aSaterf^aft eine«
dritten l)inbeutcn. ©s ift aber als ein geringeres Uebcl unb als ein geringeres
Unrcd&t anjufe^en, roenn ausnal^msrocife ein roirfßd^ unc^clid^cs Äinb als
Äinb bes e^cmanncs, als xotnn ein in aiBirftid^feit el^elid^cs Äinb als ein um
e^elid^es Äinb bclianbelt wirb.
orabberReife 3)urdö bic Scftimmuug bes § 1469 roirb ferner bie gemcinred^tlic^ fe^r
be« iwnbe«. (^^1-4^.^41^^^ gj.jjgg^ jj{, jj^j. g^emauu, mcnnglcic^ er mit ber SMutter beS ÄinbeS
inncrl^alb bcr Äonjcptionsjcit bcn Seifc^laf ooUjogcn ^at, bennod^ aus bcm
gjcltdfte aBfiammung. geftftettung ber Satcrfcfcaft. § 1469. 655
©rabe ber Steife bed jtinbed ben ©egenbetoeid entnel^men barf^ bag bad jlinb
Qud ienem Seifd^Iafe nid^t erjeugt fein fönne (oergf. bafür ©cuffert VI, 210,
XXI, 9, XI, 11, XX, 9, XXI, 8, xn, 161 ; bogcgen ©euffcrt I, 161, xm,
123, XV, 98, XVn, 115, XVIII, 109, XXI, 199), in Uebereinftimmung mit
ben weiften neueren ©efefegebungen in ©emeinenbem ©inne entfd^ieben (t)ergl.
preug. 3(. S. SR. n, 2 §2; code civü Slrt, 312, 313; altenb. ©^eorbn. § 149
Dcrb. mit § 5 beö altenb. ®ef. v. 29. aWai 1876; fäd^f. ®. ». § 1772). ©ine
aiudnal^me mod^t boö preufe. ä. S. 91. 11, 2 § 21 iebod^ unter geroiffcn 33ors
auÄfefeungen für ben gaU einer nad^ bcm Xobe beö ®f)emanneö erfolgenben
(Seburt beö ftinbed. gür ben ©tanbpunft beö ©ntourfeö fprcd^en biefcEben
erroägungen, mie biejenigcn, weld^e ba ju gefül^rt l^oben, ber im § 1467 be*
ftimmten ©mpfängnifejeit einen abfofuten Rorafter beizulegen (üergl. bie äßo*
ivot gu § 1467 oben ©. 649) unb ben Sßad^roeiö für unerfieblid^ ju erflärcn,
bafe bie S^efrau innerhalb ber ©mpfängnifejeit aud^ mit einem Dritten ben
Seifc^Iaf toBjogen f)abe (t)ergl. oben @. 654).
3m 3iif<i^^wienl^ange mit ber S^age, ob ein ©egenberoeiö gegen bie im sc^wanfler*
§ 1468 beftimmtc SBermutl^ung auö bem ®rabe ber SReife beö Äinbcö julöfftg selttla^Sei*
fein foU, fielet aud^ bie grage, ob jene SBermutl^ung burd^ bzn ^Rad^roeiö ent* '^^*-
fräftet werben fann, bafe bie ß^efrau jur 3^it beö Seif^Iafeö bereitö fd^roanger
gemefen fei (t)ergl. ©euffcrt II, 254, Xin, 123). 3m 3lnfd(|Iuf[e an bie neueren
©efefegebungcn ift aud^ biefer Sßad^meiö burd& bie Seftimmung beö § 1469 für
uner^eblid^ erflärt. SBenngleid^ bie 3:i^atfad&e, bafe bie ß^efrau jur 3^^* beö
Seifc^Iafeö fd^monger mar, bie aWöglid^feit einer auö bcm lefeteren erfolgten
3^gung notl^menbig auöfd^liegt, fo fann man biefen @inn)anb bennod^ auö
benfelben ©rünben nid^t julaffen, meiere gegen bie 3üföffii'^9 beö ©egen*
bemeifeö auö bem SReifegrabe beö Äinbcö fpred^en, inbem bei gü^rung beö
Semeifeö ber ©d^mangerfd^aft roefcntUd^ aud^ ber ©rab ber Steife beö nad^l^er
geborenen Rinbeö mit in SBetrad^t fommen mürbe. 3^bem ftnb gerabc in ben
erjien SRonaten ber ©d^roangetfd^aft bie ©qmptome ber Icfcteren trügerifd^, unb
nmrbe bal^er ber l^ier fraglid^c Seroeiö übertiaupt nur in ben feltenften gäüen
crbrad^t merben lönnen. 3lnberö liegt bie Baä)t in bem galle beö § 1467
Slbf, 2. ©ort fällt ber mit ber ©l^efrau roä^renb ber ©d^roangerfd&aft oolt
jogene Seifd^laf überhaupt nid^t in bie gcfegtid^e ©mpfängnifeeit.
S)aö preufe. 91. S. SR. n, 2 §§ 2, 3 l)ebt alö ©runb ber unterbliebenen 3e»t«unfls.
e^elid^en Seimol^nung befonbcrö baö 3^^9W"9öw"^^i^B9^i^ beö ß^emanneö ""'*J^^*"
voS^vtnb ber gefe^lidöen ßmpfängnifejeit l^eruor (t)ergl. aud^ 1. 6 D. de his, «^manne«.
qui sui 1, e). Umgefe^rt beftimmt ber code civil airt. 313, bafe ber (Sl^emann
bie Slnfe^tung ber ©l^elid^fcit beö Jtinbeö auf fein natürlid^eö Unvermögen
nic^t grunben fonne (Dcrgt. aud^ altenb. ©I^corbn. § 150). 3)ie 9luölegung beö
Slrt 313 beö code civil ift febod^ ftreitig. 2Bä^rcnb bie eine Slnfid^t benfelben bal^in
auölegt, bafe feine Slrt ber 3ntpotenj in Setrad^t fommc, betrad^tet eine anbere
bie 3^9iiti9ö«nfäl^igfeit mit 9lüdEfid^t auf 2lrt. 312 bann alö er^eblid^, rotnn
biefelbe auf einem leidet erfennbaren UnglüdEöfaHe beruht, alfo mä)i oon $Ratur
üor^anben ober burd^ ©d^roäd^e ber Organe l^crbeigcfü^rt ift. 3la6) bem ^eff.
&ntxo. m Slrt. 4 fann bie Slnfcc^tung auf ein äufeerlid^ erfcnnbarcö Um
»ermögen geftüßt werben. S)aö fäd^f. ©. 93. § 1772 erroäl^nt ben gall ber
656 eWi^c a6ftommunö. geRfteDung ber Saterfc^aft. § 1470.
Sciigungöunfäl^igfeit übcrijaupt nid^t bcfonberS. 3[ud& ber ©ntiourf l)Qt es
tjorgejogcn, in bicfer ^infic^t ju fd^rocigen. ©ntfd^cibcnb ift allein, ob ber
Seemann innerhalb ber im § 1469 bejei^neten 3^it mit ber @^efrau ben
Scifd^laf DoUjogen l^at. ©in Sebürfnife, baneben bie ?5^age, ob SKongel ber
3eugungöunfä^igfeit mag biefelbc öufeerlid^ crf cnnbar fein ober nid^t, begrifflid^
bie SSoUjie^ung beö SBeifd^lafeö im Sinne beö § 1469 auöfd^liefet ober nid^t,
im (Sefefte auöbrüdlid^ ju entfd^eiben, liegt nid&t oor, Dielmel^r tann bie 93eonts
mortung bicfer gragc unbebenflic^ ber 3uriöprubenj übertaffcn rocrben.
§ 1470.
empfttMonift S)ie S3cftimmung beö § 1470 ©oft 1 roenbet bad ben SSorf^riften ber
sj^ueftung §§ ^^^^' ^^^^ J" Orunbc Ucgcnbe ^rinjip ,,ber mögliche e^elidfee SSater gilt
bercbe. olfi loirflid^cr SBatcr" aud^ auf bie nad& Sd^liefeung ber 6^e geborenen, aber
Dor Sd^liefeung ber lefttcren oon ber ®l)efrau empfangenen Stinber on. 6nt*
fd^eibenb für bie ©^elid&feit bicfer 5iinber ift bal^er cbcnfallö allein bie S^^at*
fad&c, bafe ber ©^emann innerhalb ber empfängniöjeit mit ber ©^efrau ben
Seifd^laf oolljogen f|at. 3nöbefonbcre ift aud^ in bem ^ier in SRebc ftel^enben
Exceptio gaiie bie exceptio plurium constupratoram audgcfd^loflen. 3)ie Orünbe, meldte
«tap«Tora^m' batiin geführt l^aben, jeneö ^rinjip für bie wö^renb ber ®^e empfangenen
Äinber anjuerfennen (oergL 3Rotioc }u § 1469 oben S. 654), treffen audb
l^ier JU. 3)ie ^lid^tonroenbung jcneö 5ßrinjiped in bem l^ier fraglid^en gallc
würbe um fo meniger gered&tfertigt fein, als mä) bem § 1466 aucö bie x)or
ber ®^c empfangenen unb nad^ ©d^liefeung ber S^c geborenen Äinber nid^t
bloß legitimirte, fonbern e^elid^e Äinber finb. ajlit bem ©ntrourfe ftimmen im
5ßrinjipe aud& baö preufe. SRed^t (ücrgl. 3t. 2. 9t. n, 2 §§ 1, 2; Urt^. beö
Db. 3:rib. bei ©ruc^ot XVII ©. 822 ff.), baö franj. Siedet (code civil ärt 312,
316—318) unb baö fäd^f. ®. 83. §§ 1776, 1777, 1859, 1872 (oergl. Urt^. beö
C S. ®. ju 3)reöben bei Orud&ot a. a. D. S.'822) übercin; bod^ ift nad^
franj. 3?cd&te in bem l)ier in JRebe fte^cnbcn galle in ©cmäfel^cit beö ©runJh^
fafteö „la recherche de la paternite est interdite" (code civil 9lrt. 340) bie ©l^e*
lid^!eit beö Äinbeö regelmäßig burd^ bie frcimillige Slncrfennung oon ©eiten
beö ©l^emanncö bcbingt. 5Äud& gemcinred^tlid^ mirb menigftenö in bem gaHe,
menn ber ©^emann baö Äinb alö baö feinige anerfannt l^at, bie ^räfumtion
„pat>er est, quem nuptiae demonstrant" in bem ©inne angemenbet, bafe biefc
burd^ bie Slncrfennung begrünbete 5ßräfumtion nur buxä) ben öcroeiö ent*
Mftct merben fann, ba^ ber ©ficmann nid^t ber ©rjeuger beö Jlinbeö fein
fönnc (oergl. Seuffert I, 163, XI, 10, XIII, 232, XXI, 200, XXII, 287,
XXIV, 242). Cb in ©rmangelung eincö 3lnerfenntniffcö beö Äinbeö oon
Seiten beö G^emanncö bie aSaterfc^aft beö festeren überfiaupt auf anbcre
SBcifc auögcmittclt roerbcn fann, ob namcntlid^ baju ber S^ad^rociö genügt,
bafe ber ©bemann inncrfialb ber ©mpföngnißseit ben 93eifd&laf mit ber ©^e?
frau oolljogcn f)ot, unb ob in biefcm galle bie exceptio plurium constupra-
torum auögefdötoRcn ift ober nic^t, ift nad^ gemeinem Sted^te beftritten.
»eTPeiöiaft. 3lbn)ci(^enb x)on bem galle beö § 1468 l^at aber ber ©ntwurf ouö ben
in ben Diotiüen ju § 1468 oben ©. 650 ff. bereits bargelegtcn Orünben für ben
SWi^c 3lbftamniun0. ©eltcnbmaifeung ber UncWWeit. § 1471. 657
I|icr in 9?ebc fte^enbcn goU niäjt aud^ bic SScrmut^ung oncrfonnt, bag ber
ß^ctnann inncrl^alb ber ßmpfängnifejeit mit ber ß^cfrau bcn S3eifcf|laf voU=
jogen ^abe; anbcrccfeitö ift er nid)t foiocit gegangen, in bcm I)ier fraglid^cn
gttttc nad) bem SBorgange bed franj. 3lcd^tcö unb einer in ber gcmeinredt|ti=
lid^en 3uridprubenj rielfad^ vertretenen Slnftd^t bie ß^elici^feit beö Äinbeö von
ber freiwilligen Slnerfennung burd^ ben ©fiemann abhängig ju mad^en, ba ber
©ntrourf im 3ntereffe beS Rinbeö aud^ im Uebrigen ben Orunbfog „la
recherche de la patemitö est interdite" abgelel&nt i)ai (t)ergl. §§ 1572, 1580).
3m gaDe beö § 1470 mu§ ba^er, xomn r\a6) ÜRofegabc be« § 1471 bie Un^^
e^elid^feit bcö Äinbeö geltenb gemacht toirb, berjenige, roeld&er fic§ auf bie
(S^elid^feit bes Äinbeö beruft, htn Seroeiß fül^ren, bafe ber ©bemann inner^^
^alb ber (Smpfängnigjeit beö Äinbeö mit ber ©l^efrau ben Seifc^laf DoUiogen
^abe. (Sine äußnal^me mad^t in biefer 83ejiet)ung jebod^ ber § 1470 ©ag 2
für ben gafl, menn ber ©bemann ftirbt, o^ne bie S^elid^feit bes Äinbeö an^
gefönten ju \)Qben, 3)iefe Stuönal^me fteUt pdi gegenüber bem ju ©unften
ber Rinber nodf) weiter gel^enben preufe. SRed^tc (oergl. SRotioe ju § 1468 oben
©. 650 ff.) afe eine angemeffene SBermittelung bar unb enthält eine billige Sluö-
glcid^ung ber nad&t^eiligen Sage, in mcld&e baö Äinb in bem üorauögefegtcn
^Be burd^ ben Xob beö ß^emanneö gerät^. O^ne jene 5!luöna^mebeftimmung
würbe man in üiefen gäUen ju einem materiell unrid^tigen, baö Siedet beö
ftinbeö franfenben 9lefultate gelangen, ba bei einem vor ber 6l)e empfangenen,
aber nad^ ©d^tiegung ber ©l^e geborenen ftinbe erfal)rungömä§ig in ber
Siegel ber Seemann ber SSater beö Äinbeö ift. 2)iefc ©rfa^rungötl^atfad^e üer:^
mag allerbingö für fold^e gfille, in meldten ber ®l)emann von feinem 3ln*
fed&tungöred^te ©ebraud^ gemalt ^at, auö ben in ben Sflotiuen ju § 1468
oben ©. 650 ff. bargelegten ©rünbcn bie SBermutl^ung, ha^ ber ©l^cmann ber
38ater beö vox ber ®^e empfangenen, aber nac^ ©c^liefeung ber 6^e geborenen
ftinbcö fei, nid^t ju begrünben. 3n bem l^ier in JRebe ftel^enbcn gälte liegt
bagegen bie ©ad^e anberö, ba Dorauögefegt wirb, ha^ ber @l^emann bie (Sif)tf
lid&feit beö ilinbeö nid&t angefod&ten l&at, alfo feine ^anblung beö g^emanneö
oorliegt, meldte bie auö jener ©rfal^rungöt^atfa^e l^crjuleitenbe SBalirf^cinlid^*
feit cntfräftet. SBon biefem ©efid^töpunfte auö fann barauf, bafe ber ®l^e*
mann ror feinem SCobc oon ber ©eburt beö Äinbeö ober von ber ©^manger^
fd^aft feiner (S^efrau üietteid^t überall feine Äenntnife erlangt l^abe, erl^eblid^eö
©ewid^t nid^t gelegt werben.
S)a6 bie Seftimmungen beö § 1470 aud^ bann Slnwenbung finbcn,
wenn nur ein 2^^eil ber ©mpfängnifejeit in bie ^üt vox ©d^liefeung ber ®lje
fSBt unb für ben in bie (g^e faUenben SC^eil ber ©mpfängnifejeit ber im
§ 1469 bejeid^nete Seweiö geführt wirb, ift alö felbftoerftönblid^ nid^t be*
fonberö jum äluöbrudte gebrad^t.
§ 1471.
®er § 1471 in SBerbinbung mit ben §§ 1472, 1473, 1475 beruht auf ©eitenb-
bem ^rinjipe, ba^ bie Une^elld&feit eineö uon ber ©i^efrau wS^renb ber ®^e SS?^"ea!ftfSt
ober innerl^alb breil^unbert ^agen nad^ 3lufl6fung ber ®f|e geborenen Äinbeö *>«« **"*>««•
SRotioe |. UtegerL 9t\tifin»^. IT. 42
stecht
658 Siclid&c 9tSftammunö. ©cltcnbmac^uiio ber Unc^eltc^fcit. § 1471.
nad^ 3)k§gabc bcr §§ 1466—1470 t)on 5Wiemanbcm, tocber Don bem ©bemanne
mä) von bcr ®f|cfrau ober bem Äinbe ober einem ©ritten, gcitenb gcmad^t
werben fonn, folange nid^t ber ©l^emonn bic ß^clid&feit beö Äinbeö burd^
einen formeDen, als ein emfeitigeö SÄe^tögefd^äft fxä) barfteUenben SHt (§ 1475)
angefod^ten \)at 9?ur in bem galle, wenn bcr Seemann, o^nc bic ®^elid&feit
beö Äinbeö angefod^ten, ober aud^ ofinc baö SRcd^t ber 9lnfed&tung Dcrforcn ju
l)aben, geftorben ift, ift bic ©eltenbmac^ung ber Unc^elid^fcit bes ftinbeö einem
3cben nod& 9)ia§gabe ber allgemeinen ©runbfäße geftattet. Das Siedet bcö
G^emonncö, bic ®f>eli^feit beß Äinbeö anjufcd&ten, wirb burd^ STnerfennung
beg lefeteren oon Seiten beö ©l^emanneö (§ 1472), foroie burd^ ^^it^l^f^^wf
(§ 1473) audgefd^Ioffcn. ^at ber Seemann in ber einen ober anberen 9lrt
ba& 3itä)t ber 5Knfed^tung verloren, fo pröjubijirt bieö aud^ bem ftinbe, ber
Ehefrau unb brittcn ^erfonen in ber Slrt, bafe bie Unel^elid^feit beö Äinbeö
t)on Sßiemanbem me^r geltenb gemalt werben fann (§ 1471 3lbf. 1).
•eiuttbe« 2)te beftel^enben Siechte gelten in ben ^ier fraglid&cn Sejie^ungen üon
tJerfc^iebencn ©runbfäfeen auö. 3n ber gemeinred^tlid^en 2)oftrin unb ?|Jrafiö
ift ftreitig, ob nur bem ®{)emanne baö Stecht juftel^t, bie SSermutl^ung „pater
est, quem nuptiae demonstrant" aniufedE)ten, ober ob — wie bie ^errfd^enbc
Sßeinung annimmt — aud^ o^ne ba| eine fold^e ^[nfed^tung uon Seiten beö
ß^emanneö erfolgt bejro. bie Unel^elid^feit beö Äinbeö in einem jTOifd^en biefem
unb bem ©bemanne gefül^rten Sled^töftreite feftgeftettt ift, bie Une^elid^feit beö
Äinbeö von einem Sebcn nad^ SKafegabe ber allgemeinen ©runbfäfte alö
^^Jräjubijialpunft irgenb eineö anberen Slec^töoerl^ältniffeö burd^ SBiberlegung
bcr SScrmutl^ung ber ß^cUd^feit geltenb gemad^t werben fann (tjcrgl. eincrfeitö
©euffcrt II, 296, V, 292, VI, 46, vni, 263, XXXI, 39 ; anbererfeitö ©cuffert
II, 186, XI, 10, XXn, 287, XXXIH, 280, XLII, 275, ©ntfc^. b. SH. ®. in
eiüilf. XATII, 38). Slud^ barüber gelten gemeinred^tlid& bie SKnfid^ten auö«
einanber, ob bic STnerfennung beö Äinbeö ron Seiten beö ß^emanncö nur
bie S3ebeutung eineö SBcmeiömittelö ober eineö bie ©eltenbmad^ung ber Une^e«
lid^feit beö Äinbeö, inöbefonbcrc aud^ Don Seiten dritter, auöfc^Uefeenben
Slec^tögcfd^öftcö ^at. 3n ©oftrin unb ^ßrajiö mlrb inbeffen Dorgugöweife bie
crfte Slnftd&t ücrtrctcn (oergl. Seuffcrt 1, 163, XI, 10, xm, 232, XXI, 200,
XXn, 287, XXW, 242). SBon ben neueren ©efefegebungen ftimmt bie aße^r«
jal^l in ben oben l^erporge^obenen fünften mit bem ©ntrourfe, menn aud^ im
©injelnen abroeid&enb, bod^ grunbfäglid^ überein (pergl. inöbef. preug. 91. fi. 91.
n, 2 §§ 7—20, 40, 41; öfterr. ®. S3. §§ 156, 158, 159; code civil «rt. 312—318;
altenb. S^eorbn. §§ 149—153; M- ^^trv. III 3lrt. 2, 4, 7, 8). Streitig ift, ob
nac^ preu6.9I.S.9l. aud^ ba^ Äinb anfed^tungöbered^tigt ift; boc^ wirb biefc gragc
oon bcr preufe. 3uriöprubenj übermiegcnb uerncint (ücrgf. ®ntfd^. b. Db. 2^rib.
93b. n S. 294, 298 ff.), ©inen ÜRittelmeg jroifd^en ben angefül^rten neueren
Oefeggebungen unb ber l^errfd^enben 3luffaffung beö gemeinen SRed^tcö l^at baö
fäd^f. ®. 33. §§ 1774—1778 cingefd^Iagen, inbem nad> bcmfelben Scber, welcher
ein 3ntereRe baran ^at, bie Unel)elid[)feit beö Äinbeö nad^ ÜWafegabc ber alt
gemeinen ®runbfäge burc^ SBiberlcgung ber SBermutl^ung ber @^elid&feit geltenb
mad^en fann unb bie auöbrücflid^c ober ftillfd&roeigenbe Slncrfennung beö Äinbeö
t)on Seiten beö ®^emanneö nur gegenüber bem tefeteren unb bejfen ®rben für
@]&cU$e 3(Bftammung. ©eltenbntaii^ung ber Unelgeltcj^tett. § 1471. 659
l>ad ftinb bic 9?cd^tc eines e^elid^cn Äinbcö begrünbct, bcn Siedeten ©rittet unb
l)eö jtinbed aber feinen Eintrag tl^ut.
SBenngleld^ jugegcbcn werben mufe, bafe gegen bie Sef^ränfung, roeld^cr ©tanbpuntt
naä) ben ©eftimmungcn beö ©ntrourfe« baö 9le^t, bic Unel^elid^feit eineß oon (g„t^urfe«.
ber (S^efrau wäljrenb ber ®^e ober inncrl^alb brei^unbert 2^agen nad) Sluf*
lofung ber 6^c geborenen fiinbeö geltenb ju mad^en, unterliegt, unb gegen bie «orgÄnflige
TOcittragenbe SBirhing, welche ber (Sntnjurf an ben Säerluft beß bem ©bemanne be^eJfÄt
juftc^enben Slnfed^tungöredötcö burd& Slnerfennung ober S^itablauf fnüpft, er^^^uf**»««^«*
^eblid&c Sebenfen, l^ingcfel^en auf bie aügenieinen ©runbföge unb baö Snterefje ^^^
dritter, inöbefonbere beö Äinbeö unb ber ®^efrau, erl^oben werben fbnnen, fo
fällt bod^ onbererfcits neben ber 9lücffid[)t auf baö in großen ©cbietcn beö
bcutfd^en SHeid^eß, namentlid^ in ben Oebieten beö preufe. unb beö franj. JRed&teö
fleltenbe Siedet nor 2lIIem ber ©efic^töpunft entfd^eibenb inö Oeroid^t, ba§ auf
bem oon bem ©ntrourfe eingef(^Iagenen SBege, roenigftenö in großem Umfange,
<ine cin^eitUd^e ©eftaltung ber oielfad^cn burd& bic el^cUd^e ©eburt bebingten
IRed^töoer^ältniffe errcid^t (§ 1477) unb bic Qa\)l fc^roierigcr, baö gamilicnglücf
flefä^rbenbcr ^rojcffe Dcrminbert wirb, roäl^renb mit bem S^ftcmc beö fäd&f.
•@. 93. ber große, mit bem öffcntlid^cn Sntereffe nid^t oereinbarc Uebelftanb ber
iHelatioität oerbunben ift. 2)a ber ©l^cmann alö ^aupt ber gamille junäc^ft
unb oorjugöTOcife burd^ bie grage berül^rt mirb, ob baö fiinb ein cl^clid&eö
ober une^cüt^eö ift, fo liegt eö jubem nal^e, il^m alö bem junädjft Setl^eiligten,
<jlß justus contradictor, gemiffcrmaßen alö bem natürlid^cn Vertreter ber übrigen
gamiHcnglieber, bie ©ntfd^cibung ju übertaRcn, ob baö Äinb alö e^elid)eö
gelten foU ober nid&t. S^^^^^ ^öt banad^ ber ©bemann cö in ber ^anb, baö
itinb, obwohl baöfelbe nic^t üon if)m erjcugt fein fann, trogbem burd^ feine
cinfcitige ^anbtung ju bem feinigen ju madE)cn; allein eö fragt pd^, ob nid^t
ia^ Jled^t beö ©l^emanncö, baö in feiner ®^c geborene Äinb, aud^ wenn baö*
felbe oon il^m nid&t erjeugt ift, alö baö feinige gelten ju laffen, alö eine auö
bem SBcfcn ber 6^e fidf) ergebcnbc SBirfung ber Icgtcrcn aufgefaßt roerben
fann. 93on bicfem ©efit^töpunftc auö mürbe in ber Slnerfennung beö Äinbeö
Don Seiten beö ©liemanneö mit ber biefer Slnerfennung uon bem ©ntmurfe
beigelegten SBirfung eine SBerlcßung ber Siedete beö Äinbeö, ber ©^cfrau unb
britter ^ßerfonen überall nid^t gefunbcn merben fönnen, ba t)on bicfem 2luö*
flangöpunfte auö baö Äinb, wenn ber ©bemann oon feinem Slnfed^tungörcc^tc
feinen ©cbraud^ madE)t, fofort mit ber ©eburt bie Siedete eineö cl^elid^en
Äinbcö erlangt l^at. @ö fann inbeffen bal)ingeftellt bleiben, ob in biefer
'ärt ber ©tanbpunft beö ©ntrourfeö fid^ begrünben läßt. S^benfallö ift
bic ©efa^r, baß ber ©licmann ein in SBatirl^eit unc^clid^eö Äinb, trogbem
er oom ©egcnt^eile überjeugt ift, alö baö feinige ancrfcnnt unb baburd^ bic
<iuf ©runb beö roaliren ?|Jerfoncnftanbeö bem Äinbc unb dritten jufte^cnben
Siedete becinträd^tigt, nur eine fernliegenbe unb alö ein gcringereö Uebel ju
betroc^ten, alö bic ©cfal^ren, meldten baö £inb, bic ®^re ber ©l^efrau unb
baö ©lücf ber gamilic auögcfcfet ift, mcnn eö, uiellcic^t nad^ langen Sauren,
3)ritten geftattet ift, ben ©d()leicr ju lüften unb bie Uncl^clid^fcit beö Äinbeö
nod) geltenb ju mad^en. 3lud& wirb burd^ bic Scftimmung beö ©ntiourfcö
nidjt ctma ein Äonflift mit ben SJorf^riftcn beö Str. ©. 93. über bie 93er*
42*
660 ei)eli(6e ^Ibftammung. ©eltcnbmad&unfl ber Une^clic^feit. § 1471.
änbcrung bcö 5ßerfoncnftatibcd Iicroorgcrufcn, ha bcr § 169 bcö Str. @. 33. tor-
auöfcfet, bafe bic SScränbcrung bcö ^crfoncnftanbcö red^töroibrig erfolgt, mitl^iti
ein bem beftel^cnben 3lec^te roiberftrcitcnbcr 3i*f*önb l^erbeigcfütirt wirb, bicfe
aSorauöfe^ung aber ermangelt, wenn man bem (Sl^emanne baö SRed^t beilegt,.
ha^, wenn au6) frembe, Rinb burd^ Slnerfcnnung ju bem feinigen ju mad^en.
Slnbererfeitö fonn nid^t anerfannt werben, ba| ber ©tanbpunft be« ©ntrourfcft
bie Snterejfen beö Äinbeö in er^eblid^er SBeife ju gefä^rben brol^t. 3n ben
weitaus meiften gölten wirb eö ben 3ntereffen eineö in SBirtlid^feit unel^e*
lid^en Äinbeö met)r entfpred^en, wenn es als cl^elid^eß Äinb bel^anbett wirb^
jumal nac^ bem Entwürfe baö une^clid^e Äinb gegenüber bem une^elid^en
SBater, abgefetien von bem UnterI)altöanfprudE)e (§§ 1571 ff.), feinerlei SRed^te
l^at. Sin ©teile bicfeö Unterl^altsanfprud&eö aber erlangt es ben gefeglid^en
Unterfialtsanfprud) eineö e^elid^en ÄinbeS gegen ben ®l^emann unb beRen
SSerwanbte, fowie alle fonftigen 9ied^te eines efielid^en ÄinbeS. 3^^^^ werben
auf ber anberen ©eite für baö Äinb, wenn ber ©l^cmann t)on feinem 3ln*
fcd;tungsred^te feinen ©ebraud^ mad^t, bie mit ber ctielid^en Äinbfd^aft Der^^
bunbencn SBerpflid^tungen gegenüber bem ©i^emanne unb beffen Säerwanbten
begrünbet, unb erwirbt ber ©gewann mit ber elterltd^cn ©ewalt über baft
Äinb aud^ bie elterlid^e Sflufcniefeung am SBermögen bes legteren; allein biefe
SSort^eile beö ©Ehemannes unb jene uerwanbtfd^aftlid^en ^ßflid&ten beö ÄinbcÄ
treten ^ier, wo es ftdf) regelmäßig um bie Slnerfennung eines Hinbeö fur5e
3eit nad^ ber Oeburt beS legteren Iianbelt, in ben meiften gollen uollig in
ben §intergrunb gegenüber ben SSort^eilen, weld&e bem Sinbe burc^ feine
©l^elid^feit ju S^^eil werben, unb gegenüber ben ^Pflic^ten, weld^e ber ®^c*
mann burd^ bie Sluerfennung beö Äinbeö übernimmt. 9luö ben angeführten
©rünben fann aud^ bem ©efid^tspunfte entfd^cibenbes ®ewidE)t nid&t beigelegt
werben, baß burd^ bie 9lnerfennung beS ÄinbeS üon ©eiten bes ©bemanne«,
bie aß5gtid&feit einer Legitimation bes RinbeS burd^ nad&folgenbe ©^e ober
burd^ ©lielid^feitserflärung abgefd^nitten wirb (§§ 1591, 1583), um fo weniger,,
als eine fold^e Legitimation nur in feltenen gäUen in grage fommen würbe.
2lud^ bic mit bem ©tanbpunfte beS ©ntwurfes tcrbunbene Oefö^rbung ber
Snterejf en ber ©Iiefrau ift nid^t l^od^ anjufd^lagen. 3n bcr großen ÜÄel^rja^l
ber gälle finb bie SBortl^eile, wetd^c ber ©^efrau aus ber Unel^elid^feit bes.
Äinbeö erwad^fen, gegenüber ben Sßort^eilen, weld^e für fic, insbefonbere l^in^
gefelicn auf i^re ©f|re, mit ber ©^elid^feit beS ÄinbeS tjerbunben ftnb, Don
ücrfd^winbenber 93ebeutung. 3^^^"^ braud^t gerabe ouf bie ©Iiefrau am
wenigften SiüdEfid&t genommen ju werben, wenn es fid^ barum ^anbclt, baö-
aSerl^öltnife in einer SBcife ju geftalten, wie eö bem öffentlichen Sntereffe om
meiften entfprid^t.
33on bem 5ßrinjipe, bafe bas Slnfec^tungSred^t nur bem ©bemanne jufle^t
unb ber Serluft feines SHed^teS ©ritten präjubigirt, l^at bcr ©ntwurf —
abweid&enb Dom prcufe. 31. S. 9?. II, 2 §§ 17, 18 — aud^ ju ©unftcn bcr
Segens* unb gibeitommifeanwärter feine Slusna^me gemad^t. ©in genügenber
®runb, biefelben mit Slüdfid^t barauf, bafe es fid) bei i^nen um ein ex pacta
et Providentia majorum abgcleitctcö SSermögcnörec^t ^anbelt, gfinftiger ju
fteüen, wie anberc Srittc, liegt nid&t t)or.
(Siclid&c Slbfiammung. ©eltenbmac^ung ber Uneßclid^feit. § 1471. 661
3n)cifcl^aft tft cd, loic boß SRcd^t, bic Uncl^eU^fcit eines t)on ber ®^c«*»«nfl^wefflf
frau roö^renb ber 6^e ober innerl^alb brei^unbert a^ogen nad^ 9luflöfung htx^zo^^r^^
iSf)t geborenen Äinbeö geltenb ju machen, in bem gofle, in loelc^cm ber Sfie« «^emonne«.
mann, ol^ne bie ©^elid^Icit beS Äinbeö ongefod^ten, aber and) ol^ne boö SRed^t
ber ainfec^tung oerloren ju f)aben, ftirbt, am jroedmäfeigften in einer allen
Sntereffen tl^unlid^ft SRcdinung tragenben 3lrt ju regeln ift. S)em pcrfönlid^en
Äarafter be« bem ®^emanne juftel^enben 3lnfe(^tungöred&teö unb bcm offent*
Ud^en Sntereffe an einer einf)eitlid&en ©eftaltung ber burc^ bie ©^elidjfeit beö
Äinbcö bebingten SRe^töoerl^ältniffe würbe eö oietteid^t am meiften entfpred^cn,
iDcnn in bem be}eid^neten ^aUe baö Siedet, bie Unel^elid^feit bcd 5tinbed geltenb
JU mod^en, gänjlid^ auögefd&Iojfen mürbe, ein 9Beg, meldten ber lieff. ©ntm. III
Slrt. 8 9lbf. 2 in Slnfe^ung beö mä^renb ber ®^e geborenen, aber oor ber*
fclben empfangenen Äinbeö cingefd^lagcn f)at 3lngefid&tö beö bcftcl^enbcn
9ted^ted jcbod^, melc^cö tl^eilö in größerem, t^eilö in geringcrem Umfange bie
®eltenbmac^ung ber Une^eßd^feit beö Slinbeö aud^ nod^ naä) bem 2^obe beö
@^emanneö in bem bejcic^ncten ^allc julägt, unb mit Stüdfid^t auf fold^e
%äUc, in mefd^en ber Seemann oor ber Oeburt beö Äinbeö ober beoor er oon
ber ©eburt beöfetben Äenntnife erhalten l^at, ftirbt, ober in mcfd^en er nad&
erlangter Äenntnife burd^ einen plö^tid&cn 2lob überrafd^t mirb, bcoor er, fei
cd megen Slbroefenl^eit ober am anberen ©rünben, bic beabfid^tigte Slnfcd^tung
inö ffierl fc^cn fonnte, ift eö jebod^ bcbenfUd^, jenen SBeg ju betreten. S)ic
mit biefem SBegc t>erbunbene (Scfa^r einer unbilligen, bem Sted^tögefülife
miberftreitenben Seein träd&ttgung ber Sntcreffen britter 5ßerfonen wirb aller*
bingö in erheblichem aWafee oerringert, wenn man nad^ bem SBorgange ber
meiften neueren ©efeftgebungen (oergl. preufe. 91. S. SR. II, 2 §§ 15, 16, 40, 41 ;
oftcrr. ®. SB. § 159; code civil 3lrt. 317; altenb. (S^corbn. §§ 149—153) bcn
erben beö (g^emanncö baö SRed^t beilegt, bie ©fieüd&fcit beö Äinbeö ju beftreiten,
ba biefe bei ber ^^rage, ob ha& 5tinb ein c^elid^eö ober ein unc^elid^eö ift, in
ber Siegel oorjugömeifc bet^eiligt finb. S)iefer 9Beg gemährt aufeerbcm bcn
aSort^cil, ba§ nad^ bemfefben roegen ber bcn 6rben für bie Sluöübung beö
änfed^tungöred&teö ju fefeenben ^^Jröflufiofrift bie grage, ob baö Äinb ein e^e*
lid^eö ift ober nid&t, in nid^t ferner 3cit jur befinitioen (Sntfc^eibung gefangt
unb baburdö eine ein^citlid&e ©eftaltung ber SRed^töoerl^ättniffe erjielt wirb.
Sroßbem mufe man Sebenfcn tragen, bic 6ntfcf)cibung ber grage, ob bic
S^elid^feit beö Jtinbeö angef ödsten mcrben foU, in bie ^anb ber @rben beö
©^emanncö, gemlffermafeen alö ber SScrtrcter aller bet^eitigten ^crfonen, ju
legen, ba aud^ auf biefem 9Bege baö SntcreJJc anberer ?ßerfonen in auö*
rci(^cnbem 3Wa§c nid^t gefd^üfet mirb, namentlid^ bann nid^t, menn — roaö
nad^ ben erbred^ttic^en Seftimmungen beö @ntmurfeö leidet ber ^alt fein
fann — bie SRutter beö Einbcö bei ber SSorauöfcfeung ber Une^eüd^feit beö
lefetcren alö alleinige ©rbin jum ?Rad^la|fe beö G^emanneö berufen ift (§ 1971 ;
Dcrgl. aud^ § 1384) ober ber fonftige ®rbe nad^ Sage ber ©ac^e fein Sntcreife
boran l^at, bem Rinbe bie (grbfdEiaft ju entreißen. Unter biefen Umftänben
ocrbicnt eö beim ÜJlangel überroiegenber ©egengrünbc ben SSorjug, in bem
^icr fraglid^en gaDc im Slnfd^luffe an bie ^errfd^enbe Seigre beö gemeinen
Sle^teö unb in mefentlid^er Uebereinftimmung mit ben ©runbföfeen beö fä^f.
662 (SbcWijt 2lBfiammuno. OcItcnbmaiunG ber Unc^cliii&fcit. § 1471.
©efegbud^ed cd in 9Infel^ung beö dtccj^te», bie UiteJ^elid^feit bed ilinbed gelteni^
ju niad&cn, bei bcn allgemeinen Orunbfäfien ju belaRcn. S^^cif^I^tift fann ^
fein, ob es fxä) nid^t empfehlen würbe, nad^ bem SSorgongc beö föd&f. ®. 83-
§ 1755 ben ßrben befi ©^emonnefi beliufö ©eltcnbmad&ung bcr Une^cUd^felt
bed Äinbeö eine ^ränuftofrift ju fefeen. gür biefe ätrt bcr Siegelung läfet
fid^ anfül^ren, bafe bie Scerbung bcö ©^cmannes ber ^auptfaU ift, bei roeld^cm
nad^ bem 2^obe beö Gl^emonneß bie grage, ob baö Äinb ein e^elid^efi ift ober
nid^t, in Setrad^t fommt unb bofe eß aus praftifd^cn (Srünbcn an fxd^ münfd&engs^
mcrt^ ift, wenn in SKnfefiung biefcö ^auptfaUeö jene grage möglid^ft balb jur
©ntfd^cibung gelangt, bamit bem Slinbe nic^t nod^ nad& langer Qüi bie @rb*
fd^aft cntriffen rocrben !ann. 3nbeffen fann ein bringenbed praftifd^cö Sebürfniß,.
in biefer einen 33ejiel^ung baö ^Jrinjip befi ©ntrourfeö burd^ eine SpejiaU
bcftimmung ju burd^bred^en, nid&t anerfannt werben. 2)aö eigene Sntereffe
ber (Srbcn entl^ält einen genügenben Stntrieb für biefclben, bie grage moglic^ft
balb }um Sluötrage ju bringen. ®aö Äinb mirb burd^ bie bcmfclben 5ur
©cite ftc^enbe SBcrmut^ung ber ®^elid^feit gegen fpätere angriffe auörcid^enb
gefd^ügt. 3[uf ber anberen @eitc ift cd aud^ unbillig unb ungerecht, bie @rbcn
fd^led&ter ju ftcHen, alä anbcre bet^eiligte 2)ritte. ®icfc Unbilligfeit tritt
namentlid^ bann \)tvvox, wenn bie ßrben beö ß^emanncö fpäter mit bem
Rinbe unb anberen ^ßerfoncn ju ber ©rbfc^aft eincö ^Dritten, j. 83. ju ber
©rbfd&aft beö Orofecatcrö, berufen werben unb ju biefer ^tit bie ^ift 5ur
®eltenbmad^ung bcr Unefieli^fcit beö Äinbeö für bie @rben beö 6^cmanne&
abgelaufen ift. 3n fold^en gällen fann bie t|ier fraglid&c SSeftimmung aud)
JU großen aScrmirfelungcn führen,
«er^ättni^ Sluö bcm § 1471 9lbf. 1 iu 58crbinbung mit § 1475 Slbf. l, nad^
^^^^Mheiu! "'^'^^"^ bie ©rf^ebung ber Slnfedjtungöflage bie gorm ift, in roelcber bie 3ln*
über bie an. f cd^tungöcrf lärung erfolgt unb ha& auf bie 3lnfed^tungöftage crgc^enbc, bie
^llagT Unc^etid&feit beö Äinbcö feftftenenbe Urt^cil lebiglic^ bcflaratorifc^er Statur ift,
mürbe in ©rmangelung einer bcfonberen Seftimmung folgen, bafe, roie in bem
galle beö § 1475 Slbf. 2 auf (Srunb bcr gegenüber bem Stad&Iafegcrid^te ab^^
gegebenen Slnfed^tungöerflörung, fo in bem galle, in roeld^cm bie Slnfcdfitung
burd^ ®r^ebung ber Slnfcd^tungöflage erfolgt ift, auf ®runb ber in bcr ®r*
Hebung biefer ftlage liegenben SKnfed^tung fd^on t)or ber ©riebigung beft
Sled^töftreiteö ein 3eber bie Une^elid^feit beö Sinbeö nad^ ÜRafegabe ber
allgemeinen ©runbfäfec geltenb mad&en fönnte. SJiefem SRefultate tritt bie
bcfonbere Seftimmung beö § 1471 SKbf. 2 entgegen. Sladö Slnalogie ber im
gaDe ber 3lnfed&tung einer ®^e burd^ ©rl^ebung ber Slnfcc^tungöftagc mafe*
gcbenben Seftimmung beö § 1260 9lbf. 1 foU troft ber in ber ®r^ebung ber
Slnfed^tungöffagc liegenben 9lnfed^tung ber ©^elid^feit beö Äinbeö baö leßtcre
nadö allen ©eiten l|in, forool^I gegenüber bem ©bemanne a(ö gegenüber Stritten,
fo lange alö ein el^clid^eö Rinb gelten, biö ber Stec^töftreit über bie Slnfed^tungö*
flage, fei cö burdfi ben 2:ob beö ©l^emanneö ober beö Rinbcö (ücrgt. ben in
ber 3lnm. su § 1476 mitgctl)eilten neuen § 627 a Slbf. 1 ©a6 2 bere.^.O.)
ober burd^ bie red^töfräftige geftftellung bcr Unel^clid^fcit beö Rinbcö (§ 1477)
ertcbtgt ift. 2)er ^ro^d bcr 33eftimmung ift, auf biefe SBeife cincrfeltö eine
cinf)eitlid^c geftftellung ber burd& bie ©^elid^feit bejm. Unel^clid^feit beö Äinbeö
e^elid&e ^ISftamniung. @eltcnbma(6unfl ber UneSefid&feit. § 1471. 663
bcbingtcn SHcd^töDcrl&filtniffc ju erteilen (§ 1477), Qubcrerfeitö eine 3urücf^
nal^mc bcr burd^ bie ®r^ebung bcr ainfed^tungöftagc bereits erfolgten 9lns
fcc^tung ber (g^eHd&fcit beö Sltnbeö, foioie eine Slnertcnnung ber ©tieUd&feit
bcä Äinbeö md) im Saufe bcö Slc^töftreiteö über bie 3lnfed)tungöf(oge mit
28irfung gegen 2)ritte ju ermöglid)en (oergl. § 1476 ©aß 2, 3).
3ft ber 3led&tdftreit über bie 3tnfec^tungöflage in it)rer ©igenfd^aft alö nac^
^ftftellungdflage burd) ben 2;ob beö (g^emanneö ober beö Äinbeö erlebigt ®'^*^*;*f "^
(oergl. ben in ber 2tnm. ju § 1476 mitget^ciltcn neuen § 627 a 3lbf. 1 Saß 2 »»e^taftreite«.
ber 6. ^^}. O.) , f 0 tritt nunmehr bie bis bal^in fuöpenbirt geroefene SBirf ung
bcr in ber ®r^ebung bcr änfed^tungßflagc liegenbcn 2lnfed|tung l^eroor. ßö
fann alfo ießt auf ©runb bcr erfolgten Sttnfed^tung nad^ SWaggabe beö § 1471
9lbf. 1 bie Une^elid^feit beö Äinbeö oon einem 3cben geltenb gemalt werben.
Sag bie Une{)e(id^feit beö 5linbeö aud^ bann t)on einem lieben geltenb
gemad^t merben fann, menn burdi bad auf bie 3[nfedE)tungöf[age erge^enbe
Urt^cil bie Unef)eti^feit bcö Äinbeö rec^töfräftig feftgeftcUt ift, ergicbt fic^
auö § 1477.
3n allen gällen, in meldten auf Orunb beö § 1471 bie Une^elic^feit beö ©eitcnb«
Äinbeö nad^ SWafegabc bcr §§ 1469, 1470 geltenb gemalt roerben fann, erfolgt SAU"
bicfe ©cltcnbmad^ung — im ©egenfaße ju ber alö ein einfeitigeö SRcd^tö« *»« ^m\m
gcfd^äft fid^ barftcUcnbcn Slnfed^tung (§ 1475) unb ju bem 5Red^töftreite über smfedltunfl
bie Slnfc^tungöflage (§ 627 a ber 6.^.0.) — lebigti(^ nad) aJiafegabc ber »»««^«^i*'««*-
aDgemcinen (Srunbfä|e burd& projcftualifdöcn 3lft, fei eö im SBege einer gcft^
ftellungöflagc nad^ ^Kaßgabe beö § 231 ber 6. ^. D., fei eö incidenter alö
^räjubijialpunft bei ®clegenl&eit ber (Seltenbmac^ung eineö von ber Une{)etid()«
feit beö Äinbeö abhängigen 9lnfprud)eö ober bcr Seftreitung einer burc^ bie
®^eli^feit beö Äinbeö bcbingtcn 33erpf[id[)tung.
9Birb bie 6t)elid[)feit beö Äinbeö mit ©rfolg angefod^ten, fo gilt, wie aBirfuna ber
fi6) auö bcr gaffung beö § 1471 3lbf. 1 ergicbt, baö Äinb auc^ für bie 93er^ »«te**«««-
gangenficit, fott)ol)l im 93er^ciltniffc ju bem ©bemanne, alö im SBcr^ältniffc ju
dritten, alö ein une^clid()eö (oergl. preu§. 31. £. 51. II, 2 § 11). 33ieö l)at
jur 3olß^/ ba§ aicd^tögcf^äftc dritter mit bem 5iinbe, bereu SBirffamfeit
burc^ bie ®^eli(^tcit bcö Äinbeö bebingt finb, inöbefonbere 9ted)tögefc^äftc,
njcld^e S)ritte mit bem ©bemanne alö bem gcfcllid&en SScrtrctcr beö Äinbeö
(§ 1503 3lbf. 1, § 1649) gefd&loffen ^aben, rücfroärtö^in l^infällig merbeu.
3nbeffen fann ein Scbürfnife, in biefer 33ejicl)ung — in Slbmcid^ung oon ben
allgemeinen ©tuubfäßcn — nac§ 3lnalogie ber §§ 1270, 1257 burd^ eine
pofitiüc SJorfd^rift jum Sc^ußc beö guten ©laubcnö dritter cinjugreifen, nidE)t
anerfannt roerben. Safe ein fold^cö Sebürfnife nidi)t oorliegt, gctit fd&on
barauö lieroor, ba§ ben bcftelicnbcn iRcd&tcn eine bcrartige Seftimmung
unbefannt ift. 2)ic ^icr in Sctrad^t fommenben gälle finb feiten unb reget
mäfeig üon geringer praftifd^cr 3Bicf)tigfeit. gür bcrartige gällc gemäl^rcn
bie ©runbfäfee über bie Äonbiftionen (§§ 742, 745, 748) unb über ben ©rb*
ftftein (§§ 2068 ff.) auörcid^enbcn 3cf)u6. Qnbcm merben alle bicjcnigcn
9lcd&tögef^äfte, bei rodeten bie ©^clid&fcit bcö Äinbeö nur baö ißlotiv jur
SBornal^mc berfclben gemefen ift (§ 102), burc^ bie Slnfcc^tung in il)rcr SBirf?
famfeit nid^t bcrülirt. Unter Umftänben mirb aufeerbem barin, bafe ber ®^c*
664 (S6elid6e 9tbftammung. ^Iu§[*lie6unfl ber anfe^twng. § 1472.
mann afe gefeglid^cr SBcrtrcter bcs Äinbcö auftritt, eine bie 3lnfed^tung nac^
§ 1472 auöfd^Ucfeenbe ouöbrücfüciöc Slnerfennung gefunben werben lönnen.
antocnbung 3)ic bcfonberen 93e[timmungen bcä § 1471 bcjie^en fid&, roie ber ©im
oosemcineii QctnQ beö § 1471 SÄbf. 1 ergiebt, nur auf folc^e ftinber, roeld^e oon ber (g^c^
örunMÄ^e. ^^^ xüäljxtnb ber 6^e ober innerl^alb brei^unbert 3:agen nad^ Slufföfung ber
®£)e geboren fmb. 2)arauö folgt inöbefonbere, ba% bie Une^elid^feit eineö
(päter atd brei^unbert 2;age nad^ Sluflöfung ber @^e unb aufeer^alb einer
anberen ßfie geborenen Äinbeö ol^ne SBeitcreä üon Sebem nad) SKafegabe ber
allgemeinen ©runbfäße geltenb gemad&t merben, ein fold^eö Äinb auc^ nic^t
burd^ Sttnerfennung üon ©eiten beö frül^eren (gl^emanneö ben ©tanb eineö
efielid^en Äinbeö beö Ie|tcren erlangen fann. 2)amit ftimmen ba^ gemeine
5Red[)t (oergL ©euffert VI, 201, XXIV, 117), foroie baö preufe. 91. S. 31. n, 2
§§ 19, 40 unb baö fä^f. 0. 93. § 1771 übercin (oergl. aud^ i)t% gntro. III
9lrt. 5). dagegen ift eö auf bem ©ebiete beö franj. SRed^teö ftreitig, ob nad^
9lrt. 315 beö code civil aud& in biefem gafle eine förmli(^e 9lnfec^tung ber
ß^elid^teit beö Äinbeö erforbcrlid^ ift (oergl. audf) altcnb. ®^corbn. § 152;
öfterr. ®. 93. §§ 155, 157). S5cr ©tanbpunft beö ©ntmurfeö ift eine Äon^-
fequenj ber im § 1467 beftimmten gefeßlidEien ©mpfängnifejeit unb beö ber
leßteren nad^ bem ©ntrourfe beigelegten obfoluten Äarafterö. 3)cmnad^ mufe
ein fpäter afö 300 S:age nad^ SÄuflöfung ber 6^e unb aufecrlialb einer anberen
®^e gcboreneö. Slinb unbcbingt ein une^elid^eö fein.
2)ie §§ 1471 ff. regeln ferner nur baö 9iedE|t, bie Unetielid^feit eineö
oon ber 6t)cfrau geborenen Äinbeö geltenb ju mad&en. ©urd^ bicfelben roirb
baö auö § 1466 in SSerbinbung mit ben allgemeinen ©runbfägcn fic^ ergebenbe
Siedet eineö 3eben, bie ®^elid^feit eineö Äinbeö wegen Ungültigteit ber @be
(oergl. iebodt) §§ 1562, 1567) ober beö^alb ju beftreiten, roeil baö Äinb nidit
oon ber ©^cfrau geboren, fonbern untergefd^oben fei, nid^t berülirt.
§ 1472.
Griöwcn be« 9luö ber Seftimmuug beö § 1472 in aSerbinbung mit § 1471 ergiebt
?5t?«S ^^^' ^^^' ^^"" ^^^ Seemann baö oon ber ®^efrau roä^renb ber &)t ober
9inerfennung innerhalb breil^uubert S^agen nad^ 9Iuf[öfung ber @l^e geborene jtinb nac^
be« Äinbe». gjjoggobc beö § 1472 otö baö feinige anerfannt ^at, ha» 9ledf|t, bie Une^eüd&feit
beö Äinbeö geltenb ju mad&en, fd^led^t^in für 3eben auögefc^toffen ift. S)ie
(Srünbe, auö meieren ber 3lnerfennung biefe SBirfung beigelegt ift, finb bereitö
in ben 3Botioen ju § 1471 oben ©. 659 ff. bargetegt. 2)ie Slnerfennung fteHt
fi(^ it;rer juriftifd^en Siatur nad) alö ein einfeitigeö 3lec^tögefc^äft bar, bei
lüclc^em ber red&tögefd^äftlidöe SBille barouf gerid^tet fein mufe, ba§ baö ftinb
unter allen Umftänben, aud^ xotnn baöfelbe in SBirKid^feit nid^t t>on bem
(Sl)emanne erjcugt fein foUte, bod^ alö ein e^elid^eö gelten foll. £)a6 ber (S^e*
mann megen ber ß^etid^feit beö Äinbeö roirHid^ S^^^if^I ¥s^r ift i^bod^ nic^t
erforberlid^. So genügt, menn er bie Slbfid^t ^at, bie (g^elid^feit beö kinbeö
auf alle gälle ^in, felbft auf ben gall ^in feftjuftellen, hai baöfelbe roiber ©r^
märten in SBirflic^!eit ein une^elid^eö ftinb fein foUte.
e^cKcfic Slbftammunfl, SluSfiriegunö ber Slnfed^tunö. § 1472. 665
Slbioeidicnb oom prcufe. 31. S. 9t. II, 2 § 16 (t)crgl. a\i6) l^cff. ©rttro. m «u«brüdiid&e
Slrt. 2) fann nod^ bcm § 1472 ©q^ 1 bic 9lner!cnnung nur burd^ auöbrüd* e^wmnj.
lid^e SBillenöcrftärung crfofgcn. Somit ftimmt im 5ßrinjipe — abgcfefien oon
bcm als ftillf^Jücigcnbeö Slncrtenntnife bc^anbeltcn gaKe beö SScrluftcö beß
änfcd^tungörcd^tcö burd^ S^i^oblauf unb einer unten nocS) ju crroä^nenben
3ludna^me — baö fäd^f. ®. 83. §§ 1774—1777 überein. S)er code civil ent*
^ölt — T)orbcl(|Qltli^ ber befonberen Seftimmungcn beö 9lrt. 314 — in bcr
^icr froglic^en Scjtc^ung feine auöbrücfüd^e 33cftimmting. 3)ic Surißprubenj
^ält aud& bie ftiUfd&roeigenbe 9lnerfennung für genügenb; bod& ift ftreitig,
ob, wenn ein Äinb in ber 6^e geboren, ober oor bcr ®^e empfangen
ift (Slrt. 314), bie SBerleugnungöKoge aud) in anberen gällen, als btn im
Srt. 314 fpejiell bejeic^ncten, burd^ ftillfd^rocigenben SScrsid^t befeitigt rocrbcn
fann. 3n bcr gcmeinred&tlidöcn 3tiriöprubenj roirb jmifd^en auöbrücElid^er
unb ftillfdömeigcnber 3lnerfcnnung, fomeit ber 3lner!cnnung nad^ gemeinem
JRcd^te überhaupt eine anbere Sebeutung, alö bie cineö Seroeißmittelö ju*
fommt, ni^t untcrfd^ieben. 3)ie Seftimmung beö ©ntrourfeö, bafe bie 5Kn^
erfcnnung huvä) außbrüdElid^e SBiUenöcrflärung erfolgt fein mufe, cntEiält aller*
bingö eine 9luöna^me oon bcr Siegel beö § 72. Ucbermiegenbc Orünbe
fprcd^cn aber bafür, in bem ^ier fraglid^cn galle nur bie auöbrücfli(^c SBillenß*
erflärung ju berüdffid&tigen. S)a nad^ bem § 1471 ber ©bemann biß jur er*
folgten äCnfed^tung, bejm. biö bal^in, bag bie Unel^eUd^feit beö Stinbeö burdE)
Urt^ell feftgefteUt ift, baß Äinb alö ein el^elid^eö be^anbcln mufe, fo bleibt für
eine Änerfennung burd^ fonflubente ^anblungen nur in feltenen gälten 9laum.
©in Scbürfnife, aud^ bie 3lnerfcnnung burd^ ftiUfd^iocigenbe SBillenöerHörung
für genügenb ju crflären, liegt um fo loeniger oor, alö baö Slnfed^tungöred^t
nac^ § 1473 burd^ Slblauf einer furjen grift ocrlorcn gc^t unb für fotd^c
gällc, in roeld&en ber (Seemann, oline bie ®l)elid^fcit beö Äinbeö angefod&tcn,
aber aud^ o^ne baö legtere auöbrüdtlid^ anertannt ju bc^ben, t)or älblauf ber
grift ftirbt, burd^ bic im § 1469 unb im § 1470 ©ag 2 beftimmtc 85ermutl)ung
bem 3ntereffe beö Äinbeö in auöreid^enber SBeife Dled^nung getragen ift.
ainbererfeitö gemalert bie 9lid&tberürffidE)tigung ber ftillfd^toeigenbcn 9lnerfennung
ben großen praftifd^en SBortl^eil, ba§ fle ©treitigfeitcn barüber, ob unb inroie*
rotii eine ^anblung beö S^emanneö alö fonflubente ^anblung an^ufel^en ift,
abfd^neibet, ©treitigfeitcn, rocld^e ^ier um fo tcid&tcr entfte^en fönnen, alö nad&
§ 1472 ©afe 2 bie SCßirtfamfeit ber 9lnerfcnnung nicbt baoon abliängen foU,
ba§ bic leöterc gegenüber bcm Äinbc erfolgt. 9lu^ um beßroiUen ift eö rat^*
fam, eine 9tnerfennung burc^ auöbrücflid^e aBiUenöerflärung ju crforbcrn, weil
nad^ § 1471 Slbf. 1 bie 9lnerfennung aud^ ©ritten pröiubijirt.
SSerfd^iebene neuere ©efejgebungcn entl^alten bie befonbere Seftimmung, Äennmii ber
bafe baö Slnfed^tungörcc^t beö ®l)emanneö in 9lnfcl)ung eineö nadb ©d^tiefeung ^^^%l\,
ber &)t geborenen, aber oor ber &)t empfangenen Äinbeö bann auögefd^loffen f*«« »• S- ^«
fein foB, wenn bcr (Seemann bei ®ingel^ung ber ®l)e oon bcr ©d^mangerfd^aft ®^'^"•^""«•
feiner ß^efrau Äcnntnife ^attc, bejro. menn er baoon Äenntnife l^attc unb fid^
bei ©d(|liegung bcr @l^c gegen bie 9lnna^me feiner 93atcrfd^aft nid^t ocrmalirtc
(Dcrgl. Code civü 9lrt. 314; öftcrr. ®. 83. § 156; fäd^f. ®. 93. § 1777; ^cR.
©ntro. III 9lrt. 2). ©ine berartige 93eftimmung ift fcbod^, abgcfel^en oon bem
666 e6eri(J6c 5l6ftammung. augfd&Iicgunfl ber 2lnfe*tuno. § 1472.
fafuiftif d^en Äarafter bcrfelben unb obgcfclicn baoon, bafe nad^ bcm ©ntiüurfe
im Ucbrigen baö 3lnfcd^tungörcc&t nur burd^ ausbrüdEIid&e Slnerfcnnung ücr*
loren gelten foU, im ^inbtidEc auf folc^c gällc ate bcbenHid& crad^tct, in rodeten
fid^ naä) ber ©cburt bcö Äinbeö jcigt, bafe ber Seemann ber (Srseuger beö
Einbeö ni(^t fein fann, weil er in ber fritifd&en ^cxt mit ber 5Dlutter be«
Einbeö ben Scifd^Iaf nid^t tJoUjogen ^at.
«njctge ber ©benfoTOeuig empfiehlt fid^ ton bem prinjipiellen Stanbpunftc bcö (BnU
beö Äinbe«. TOurfcö QUO bie Slufno^mc ber im code civil ärt. 314 3lx. 2 fic^ finbenben
©pejialbeftimmung. ^nroicroeit in ber Slnjeige ber ©eburt beö Äinbeö beim
©tanbeßamte burd& ben Seemann etwa eine auftbrücflid^c ^[nerfennung liegt,
{längt üon ber Seurt^eilung beö einjelnen gaUeö ob.
«ncrfennung j)ic Seftimmung beö § 1472 ©aß 2 bejroedft, f lar juftetten , bafe bie
b?m*Ä?nbe. Slnerfennuug, um roirffam ju fein, nid^t gegenüber bem ßinbe ju erfolgen
bvctwä^t, mitl^in bie 3Sorfd^rift beö § 74 ^ier feine 3lnn)enbung finbet. 3n ben
roeitauö meiften gäUen erfolgen Slnerfennungen ber l^ier fraglid&en 9lrt ju
einer S^it, in meld&er boö bet^eiligtc Äinb nod^ im Äinbeöalter fte^t, atfo ge*
fcbäftöunfäljig ift (§ 64 5lbf. 1). aßüfete bie änerfennung gegenüber bem Äinbe
erfolgen, fo mürbe nad& § 66 bie bem lefeteren gegenüber erfolgte 9lnerfennung
in ben bejcid^neten gällen unroirtfam fein. @ö müfetc bal^er in fold^en gällen
bem Äinbe jum !^XDcdc ber (Entgegennahme ber bie 2Inerfennung ent^altenben
SBillenöerftärung beö ß^emanneö ein Pfleger beftellt merbcn (§ 1738). ©in
fold&eö aiefuttat mürbe aber unpraftifdi) fein unb mit bcm Seben nid^t im
©inflange ftel^en. 2luf ber anbercn Seite gemalert bie Seftimmung beö § 1472
Sag 2 bem ©bemanne im ^inblicfe auf bie 83orfd)rift beö § 103 9lbf. 2 in
folcbcn göllen einen größeren Schüfe, in meldten ber ©bemann burc^ 33etrug
eineö S)rittcn ju ber älnerfennung beftimmt ift. Selbftperftänblid^ mufe übrigenö
bie Slnerfennung, roenngleid^ fie nid^t bem Äinbe gegenüber ju erfolgen braud&t,
bod^, um mirffam ju fein, nac^ außen l^in l^eroortreten.
»etfüflunB 2)ic Weitere S3eftimmung beö § 1472 Sa| 3 entfpridE)t bem SBefen bcö
»cbingu«ö ac. ^^^ ©cgcuftanb ber 3lnerfennung bilbenbcn perfonlid^en aSerbättniffcö unb
fte^t mit anbercn analogen SBcftimmungen beö ©ntrourfcö im ©inflange (ücrgf.
§ 1248 äbf. 2, §§ 1594, 1606). SBegen ber ©rünbe, auö melden ber Q;nU
murf ber SSorauöfeßung nid&t gebenft, wirb auf bie üWotiDC ju § 1248 oben
S. 43 Sejug genommen. 2)ie bort gegebenen 2Iuöfü^rungcn treffen anä^
\)kx ju.
atnerfcnnung 2)0 bcr § 1472 uic^t bcfoubcrö bcftimmt, bafe bie Slnerlennung axid^
raioiöe «\*r. ^"^4 legtroillige SSerfügung erfolgen fönne, unb baö ©rbrec^t feine SJeftimmung
^üßung. cntl^ält, nadfi meld^er bie l^ier fraglid&e 9lnerfennung ©egenftanb einer legt-
miliigen 93erfügung fein fönnte, fo ift bie guläffxgfcit ber ^[nertcnnung auf
biefem SBege auögefd)loffen. 6ö folgt bieö uon fclbft barauö, bafe baö Siedet
legtmiQigcr Sßerfügung pofitit) ift unb nid^t weiter reid^t, alö eö bur(^ baö
®efeg auöbriicflid^ jugelaffen ift. ©in Sebürfnife, bie Slnerfcnnung aud& auf
bem aajege legtroilliger aSerfügung jujulaffen, liegt aber nid&t oor. 2)ic SBiber«
ruflidl)feit einer auf legtmilligcr SBerfügung beru^enben Slncrfcnnung mürbe
aud) mit ben ©rünben roenig im ©inflange ftelien, auf meldten bie Un«
juläffigfeit ber Seifügung einer 33ebingung bcrulit.
eWt<^c abftammimg. ?Iußf*lic6uno bec Slnfec^tung. § 1473. 667
§ 1473.
3n Ucbcreinftimmung mit fammtttd&cn neueren ©cfefegebungen f)at ber «««wne^ung
©ntwurf bie SKuöübung bcö bem ©bemanne juftc^enben Sünfed^tungörediteö an 2(„fe^*unfl».
eine furje grift gebunben, ba eö im allfeitigen SntereRe liegt, wenn bie grage, "**^*
ob baö 5linb ein el^cUd^ed ift ober ntd)t, balb jur bcfinitiocn (Sntfd^eibung ge- seitawauf.
lanflt (oergl. prcufe. ST. S. SR. n, 2 §§ 7, 8; ofterr. ®. SB. §§ 156, 158; code
civil arrt. 316, 318; fä# ®. 93. §§ 1775, 1777; \)t% entm. III 3lrt. 7).
aSic in bcn göüen ber §§ 1264, 1447, tiat aud^ ^ier bie grift bcn Äarafter
einer ^ßröflufiofrift (oergl. für baö prenfe. SWed&t entfd^. b. dt. ®. in ßiüilf. XVIII,
62 ©. 290). 6ö berul&t bieö auf äl[inlid&cn ©rmögungen, wie biejcnigen, meldje
ba\)\n geführt l^aben, in jenen gatten bie grift nid&t alö Sßeriä^rungß*, fonbern
ate ?ßräfluftofrift ju be^anbcln (oergl. bie Sßotioc gu § 1264 oben ©. 93).
2)ie I)Quer ber §rift ift in ben neueren ©efeggebungen oerfd^ieben bc^ ^aj!<| ^^^
ftimmt, t^eilö auf ein 3a^r, tl)eite auf 1, 2 ober 3 aWonate bejm. auf 90 a:afle. ^'^''
3)cr Code civil i)ai, je nac^bem ber Seemann am Drte ber ©eburt jur geit
ber legieren anroefenb ober abrocfenb ift, eine üerfd&iebenc grift fcftgcfegt, unb
[fißt im [enteren galle bie grift erft nad^ ber 9liicffebr beginnen. 35er 6nt^
murf \)at fx6^ in biefer S3ejiel^ung bem preu§. 91. S. SR. angefd^lojfen, roelcbeö
nur eine grift, unb jroar bie grift eine« Sal^reö, beftimmt. S)iefe Siegelung
Ijat ben 33orjug ber 6infad)l^eit unb ocrmeibet bie Äomplifationen, roefd^c ftd)
ergeben, wenn man unterfd)eibet, je nad^bcm ber ®l^emann ju ber Qtit, in
welcher er oon ber ©eburt bcö fiiubeö Äenntnife erlangt, am Drte ber ©eburt
onroefenb ober oon bcmfelben abroefcnb ift, etioa im S^il^i^be ober im Sluö^^
lanbe fid& bepnbct. 2)ie Äomplifationen oerme^ren fid) nod), wenn man baö
internationale ^^rioatred&t berücffid&tigt. ^at ber ©Ijemann im 3luötanbe feinen
SBo^nfil unb ift bort für bie Slnfec^tungöflage (§ 1475 3lbf. 1) ein ©erid)td.'
ftanb begrünbet, fo fe^tt eö an einem audrcid^enben ©runbc, für fold&e göHc
bie grift erft mit ber 9lü(ffet)r in baß Snlanb beginnen ju laffen. 3^^^^
fann bie ©ntfc^eibung ber grage, loann bie 5Rücffel)r in baö 3ntanb als erfolgt
anjufel^en ift, unter Umftänben mit Sd^mierigfeiten üerbunben fein, gcmcr
fommt in Seirad^t, bafe es fid^ für hm ©Ijemann um bie ©ntfdfieibung einer
roid^tigen ^oge ^anbelt. Die grift für eine folc^e ®ntfd)eibung barf nid)t
JU furj bemejfen fein, jumal bei einer ^räftufiofrift — abgefe^en oon ben
im § 1473 3lbf. 2 berücrrtd&tigten gftücn beö Stillftanbeö ber SRcd&töpfCege unb
ber ®efdf)äftöunfä^igfeit beö (S^emanneö — ^emmungö^ unb Unterbred^ungö-
grünbe nid^t in 99etradbt fommen unb nac§ § 1475 3lbf. 1 bie 3lnfec^tuug
regelmäßig in ber gorm ber ©r^ebung ber 9(nfed^tungöflagc erfolgen muß.
3Juf ber anberen Seite ift eine einjälirigc grift aud^ für ben etma im 3luö5
lonbe fid^ ouf^altenben (Seemann mit 9lücffid)t auf bie gegenroärtigen SBer-
binbungen weit genug bemeffen, um innerhalb biefer grift für bie ©r^ebung
ber 9lnfed&tungöftage ©orge tragen ju fönncn.
2)ie aSorfdfirift beö § 1473 9lbf. 2 fd)lieBt fidf) ben 33eftimmungcn beö Hemmung »c.
§ 1264 9tbf. 2 unb beö § 1447 9lbf. 3 an unb beruht auf ä^nli(^en Gv^^
roägungen, mie biefc lefeteren Seftimmungen (oergl. bie SRotioc ju § 1264
oben ®. 93 ff.).
668 efecli^e abftammung. anfe^tuitö 2C. aSciirctunö. § 1474.
3lad) bcm ©ntmurfe ift eö auf baß Med^t bcö ®f)cmQnneö, bie ®^cli(i&^
feit eines von einem ©ritten im S^ebrud^c mit bcr ß^efrau erjcugtcn Äinbeö
anjufed^ten, otinc ©influfe, ob er jugleid^ von feinem JRed^te, wegen biefcö 6^e*
brud^eö bie ©d^eibung ju verlangen, ©cbrauc^ mad^t ober nid^t. 3)cr in
neuerer gcit angeregte ©cbonfe, in einem fold^en gaUc baö Slnfcc^tungörcd^t
bed Seemannes baDon abhängig ju mad^en, bag bie @l^e megen bed @^ebrud^ed
gefd^ieben werbe, oerbient feine 33iBigung. 2)a6 es mit ben allgemeinen 9ln*
fd^auungcn über Sttnftanb unb mit ben guten Sitten in SBiberfprud^ ftc^t,
mcnn bcr (Seemann bie ß^elic^feit beö im ß^cbruc^c crjeugtcn Äinbcö an*
fed^ten, bie 6^c ober trofe beö ©^ebruc^eß befte^cn laffcn roill, fann —
mcnigftcnd in biefer SlUgemeinl^eit — olö rid^tig nid^t anerfannt werben. 2)er
6t)emann fann bead^tungßroertlje ©rünbe ^aben, t)on ber ©d^eibung abjufe^en,
}. 33. meil er in biefer ^infid()t religiöfe 33cbenfen f)at. 3^n in foldf)en göUcn
ju iwingen, au^ baß Äinb alß ein efielid^eß in bie gamilie aufjunelimen, Der*
lefet o^ne 3loÜ) bie Steckte beß ®^emanneß. 3)aju fommt, \>a% eine berartige
^Regelung gegenüber bem geltenben 3led)te eine Steuerung enthalten unb
grofee Romplifationen mit fidf) bringen mürbe.
§ 1474.
jperf5nii*€ S)ic 33eftimmungen beö § 1474 entfpred^en ben SSorfd^riften beö § 1263
f "(JlSnTu""' ^-^I&M u>^^ ^^ § 1265 unb berul^en auf ätinlid^en ©rtoägungen, mic tiefe
«fterfcnnung (oergl. bie aWotioe }u § 1263 oben ©. 91 unb ju § 1265 oben S. 94).
c^eiicjfeit. Sie befte^cnbcn Siedete enthalten in ben ^ier fragti^en Sejieliungen feine bc*
fonberen 93orfd)riften, unb gel)en in ber Suriöprubenj, inöbefonbere aud& in
ben ©cbieten beö preufe. unb beö franj. Sied^tcö, bie Sfnfid^ten borüber auß*
cinanbcr, ob unb inmieroeit ber gefegUd^c aSertreter beö 6f|emanneö baö 3In*
fed^tungöred&t beö lefeteren auöüben fann. 3n ber preufe. Suriöprubenj roirb bie
^ragc für ben gall ber ®eifteöfranfl)eit beö 6t|cmanncö oorroiegenb bejaht (uergl.
aud& (Sntfdf). b. Ob. S^rib. ^b. 57 ©. 179), mä^renb für ben gaU einer für bcu
6l)emann angeorbneten 3lbn)efent|eitöDormunbfd)aft aud^ in ber neueren S)oftrin
bie Slnfid^tcn getl^eilt finb. S)aö Dbertribunal tiat für ben Icfeteren ^aU bie
^rage fomol^t uom Stanbpunfte beö gemeinen, wie beö preufe. 9?ed()teß auö
uenieint (oergl. ©euffert I, 164, anbererfeitö XLII, 275).
3)a6 bie 9lnerfennung ber ß^elid^fcit beö Äinbeö, fomie bie Stußübung
beß älnfec^tungßre^teß ntd^t bnvä) ben älbmefenl^eitöpfleger beß @^emanned
erfolgen fann, ergiebt fic^ für ben ©ntmurf fd&on auß ben allgemeinen Sc*
ftimmungen beß SSormunbfd^aftßred^teß, ba nad^ § 1740 bie SSertretungßmad^t
beß Slbmefenl^eitßpftegerß fi^ auf baß SSermögcn beß Stbmefenben befd^ränft.
Dagegen mürben in ©rmangelung einer befonbcren Seftimmung anbere gefefi*
lid^e äJcrtreter beß ®t)emanneö, fomeit benfelben bie ©orge für bie 5ßcrfon ju*
fte^t, ben Seemann aud^ in ben l^ier fragtid^en Sejieljungen ju vertreten
bered^tigt fein (§ 1503 Slbf. 1, §§ 1649, 1728, 1737 3lbf. 4, § 1743). ©ö
läfet fid) ni^t Derfenncn, bafe er^cblid^e praftifd&e ©eftd&töpunfte bafür geltenb
gcmad&t werben fönnen, bem gefe|üd^en SBertrctcr beß geifteßfranfen G^emanneö
ha§f 5Red[)t, bie ©^elid^feit beö Äinbeß anjufedfjten, nid^t ju oerfagen, namentUd^i,
SJeli^e aSftamniunö. Slnfec&tuug. JJo"". § 1475. 669
TOcnu man in Setrad^t jic^t, bofe ©ciftedfranf^cit in bcm (Sntrourfc als Sc^ci^
bungsgrunb nid^t oncrfonnt ift nnb naä) § 1471 ba^ 5linb bis jiir erfolgten
STnfed^tung bcjro. biö jur ©rlebigung beö SÄed^töftrciteS über bic 9lnfcci^tungö*
ffage old ein eJ^elid^eö Äinb betianbelt werben mufe. 9lUein jenen ©efid^tö^
punften fonn im ^inblicte auf ben ^öd^ft perfönlid&en Äarafter beö Slnfed^tungö-
rcd^tcß entfd^eibenbeö ®m\ä)t nid^t beigelegt werben. 2)ajn fommt, bafe, wenn
man bem gefe^lid^en SScrtreter beö geifteöfronfcn 6f)emanneö bas ditä)i eim
räumt baö 9lnfe^tungöred^t auöjuüben, berfelbe cö in ber ^anb ^ot, bie
©^elid^feit beö Rinbeö inbireft baburd^ onjuerfennen, bafe er bie 5ßrä!tufiüfrift
beö § 1473 ablaufen löfet ober bie erhobene Slnfec^tungöflage jurücfnimmt
(§ 1476 ©a^ 2) ober burdf} fein SBcrl^alten im 5ßrojeffe bie Slbroeifung bcr
Snfed^tungöHage bewirft. 2)ie barauö für ben ©l^emann fid^ ergebcnbe ©efa^r
ift l|6^er anjufd^Iogen, als bie termogenöred^tlid^en ?Rad&t^eiIe, roeld^en er auö^
gcfcfct ift, mtnn roftlircnb ber ©eifteöhranf^eit, alfo tJieUeid^t biö ju feinem 2;obe,
bie 3lnfed&tung ber ®{|elid^feit beö Jtinbeö auögefdE)Ioffen ift.
§ 1475.
3)ie 93eftimmungen beö § 1475 lehnen fid^ on bie analogen Seftim? gform bcr stn.
muuflcn beö § 1266 an. Sie ©rünbe, roeldE)e für bie legieren ma^gebenb ^^TÄt^
gewefen ftnb, treffen im SBefentlid^en aud& {|ier ju. 3laä) bem SSorgange beö
Code civil Slrt. 316 eine aufeergerid^tlid^e Slnfed^tungöerflärung für genügcnb
ju erftärcn, empfiehlt ftd^ nid^t, ba auf biefem SBege leidet ©treitigfeiten
barübcr entftel^cn fönnen, ob bie Slnfed^tung red^tjeitig erfolgt ift. Stber aud^
bie Slbgabe einer gerid^tlid^en (Srflärung (oergl. preu§. 91. S. 9t. II, 2 § 7
unb basu ©nifd^. b. 91. ®. in ßioilf. xvm, 62 ©. 290 ff. ; fäd^f. ®. S3.
§ 1775) fann, t)on ber Sluönal^me beö § 1475 9lbf. 2 abgefel^en, alö auö:«
reid^enb nid^t erad^tet werben, ba bei biefer 9legelung bie ©ntfd^eibung ber
grage, ob \>a& ftinb ein el^elid^eö ift ober nid^t, in ber ©d^webe bleibt. S)ie
Unel^elid^feit beö Äinbeö fönnte alöbann auf ©runb ber erfolgten Slnfec^tung
nad^ § 1471 9lbf. 1 von 3ebem nad^ aWafegabc ber allgemeinen ©runbfäfee
geltenb gemalt werben. Die im öffentlid^en ^ntereffe in l^o^em 2»a6e
wünfd&enöwertl^e cinl^eitlid^e geftfteflung beö ©tatuöoer^ältniffeö beö Äinbeö
in einem ^ßrojeffe jwifd^en ben näc^ftbetl^eitigten ^erfonen, nämtid^ jwifd^en
bem ©bemanne unb bem Äinbe, würbe auf biefem SBege nid&t erreid^t werben,
wftl^renb ber ©tanbpunft beö ©ntwurfcö, bafe bie 5lnfed^tung ber (S^elid^feit
beö Jtinbeö burdli ben @l^emann, folange boöfelbe am Seben ift^ burd^ (Srl^ebung
ber Stnfed^tungöftage gegen baö Äinb erfolgt (oergl. aud& l^eff. 6ntw. III «nfet^tunß«.
«rt. 7; ital. ®.33. Slrt. 166), wenigftenö für eine grofee 3a^l tjon gäUen, ben "°^''
Uebelftanb ber 9lelatit)ität Dermeibet (§ 1475 3lbf. 1 oerb. mit § 1471 9lbf. 2
unb § 1477). 2)iefen SBort^eilen gegenüber fann barauf er^eblid^eö ©ewid^t
nid^t gelegt werben, bag bie (Srl^ebung ber älnfed^tungöflage unter Umftönben
mit unnöt^igen Äoften unb aSeitläufigfeiten üerbunbcn fein fann unb biefe Slrt
ber 9legelung bem 3ntereffe ber gamilie, baö SBefanntwerben ber 5Knfed^tung
t^unüd^ft JU Derl^üten, t)ielleid&t in geringerem SWafee 9ledönung trögt, alö
wenn man fxd& mit ber einfad^en Slbgabe einer gerid^tlid^en (Srflärung begnügt.
670 (J6eli*c abftammunö. 3lnfc^timö. Sonn. § 1475.
«nfw^tunfl». 3)o6 bic SÄnfcc^tunflöMagc gegen baö Äiiib ju rid&ten ift, liegt in bcr
geflncr. gj^^^, jj^^ Singe, ba es fid^ barum Ijanbeft, ben ©tatud beß Äinbcs fcftsufteUen.
SlUcrbingö ift anä) bie @f)efrQu an bem aiuögange beö ^^Jrojejfeö unmittelbar
intereffirt, jumal baö in bem leßtcren erge^enbe Urt^eil nad^ § 1477 au(§
gegen fte n)irtt. älUein biefer ©efid^tdpunft tann nid^t a(d burc^fd^Iagenb
cxa6)M werben, um etwa im 2(nfci^luRe an ben bem 2lrt. 318 beö code civil
ju ©runbe liegenben ©cbanfen ju beftimmen, bafe bie Stufed^tungöflage gegen
baö Rinb unb bic ß^efrau erhoben werben muffe. 6inc fold^e, an fid^ anomale
S3eftimmung ift um fo bebenfUc^er, ate biefelbe ju einer not^menbigen Streit*
genofjenfd^aft unb bicfe mieber ju ber $Rot^iücnbigfcit einer cin^eitüd^cn ®nt*
fd^eibung gegenüber bem Äinbe unb ber ß^cfrau fül^rt. 3)a baö 3ntereffe beö
Äinbeö unb ber ®f)efrau an bem Sluögangc beö ^rojeffeö unter Umftänben
ein ücrfd^iebencö fein, bie ß^efrau aber burd^ i^r Sßerl^alten im ^ßrojcffe bem
Äinbe tt)atfäd()IidE) präjubijiren fann, fo ift cö üom ©tanbpunfte beö 3ntcreffcö
beö Sinbeö auö gefäl^rlid^, üorsuf^reiben, bofe bic 2fnfed^tungöf(agc gegen baö
Äinb unb bie 3Jlutter erhoben werben müRe. ®aju fommt, bafe auf biefem
Sßcge bem S:inbc baö S^^gnife ber SJluttcr entjogen werben würbe (§ 348
9Jr. 3, § 349 3lx. 2, § 358 a. Q, ber ß. % D.). 9luf bic fcitenen gälle, in
wetd^en bic ®^efrau von bem ^rojeffc überl^aupt feine Äenntnife erlangt unb
bcö^alb nid^t in ber Sage ift, bem ^ro jeffe alö Skbcnintcrocnicnt in bcr Stellung
cincö Streitgcnoffen beijutreten (§ 66 ber 6. % D. Derb, mit § 1474 b. ®ntw.),
braucht um fo weniger Slürffic^t genommen ju werben, alö nad^ bem iit ber
9lnm. JU § 1476 mitgetl^eilten neuen § 627 a ber S. % O. auf hm l^ier
fraglid^en 9led|töftreit baö Dffiiiafprinjip Slnwenbung finbet unb jubem baö
Äinb in bem ^rojeffc regetmäfeig burd^ einen ^f[eger vertreten wirb.
»«beutunfl SBie im galle beö § 1266 9lbf. 1, l^at anä) l^ier bie ©r^ebung ber SKm
anfe^tung«* fcd&tuugöf (agc eine boppelte Sebeutung. ©incrfeitö ent{)ält fic bie Slnfed^tungö*
«afle. erfförung unb ift infoweit ein red^tögefd^äftUd^cr 9ßt. älnbercrfcitö ift fie
ber projcffuale 3lft, burd^ weld^en ber Sled^töftrcit anl^ängig wirb, welcher
bie geftftcBung ber ß^clid^feit ober Uncl^elic^fcit beö ftinbeö jum ©egen-
ftanbe ^at.
^"«7^ 35crfd^icbene neuere ©efcfegcbungen enthalten bie befonbere Seftimmung,
bafe bem Äinbe, wenn ber ®t)emann bie ®^eUdE)teit beö (egteren angefod^ten
^at, in allen gällcn oon 9lmtöwegcn ein 5lurator ju befteUen fei, foweit baö*
fclbe jxdf) felbft nid&t oertreten fönne (Dcrgl. preufe. 91. S. St. II, 2 § 9 ; öfterr.
®. 93. § 158; code civü Slrt. 318; I)eff. @ntw. III 9lrt. 9). 3>er Entwurf
{|at eine berartige Seftimmung für cntbe^rtid^ crad^tet. 3)a uad^ § 1471 9[bf.2
baö Äinb trog ber erfolgten 9lnfed&tung biö jur ©rlebigung beö Sled^töftrciteö
über bic 9[nfe(^tungöftagc alö ein c^clid^eö Äinb gilt, fo ftel^t baöfelbe biö
bat)in allerbingö unter ber ctterlid)cn ©cwalt beö ®^emanneö. Sluö ben all*
gemeinen 93eftimmungen ber elterlid^en Oewatt unb beö SBormunbfd^aftö*
red^teö ergiebt fid^ inbeffen, bafe in biefem gaUe bem Äinbc bel^ufö ber ^rojefe«
fül^rung ein 5ßfteger bcftcÜt werben mufe unb baö aSormunbf^aftögcrid^t aud^
im Uebrigen aM bem Ocfid^töpunftc, bafe baö 3nteref|e beö e^emanneö ju
bem Sntereffe beö Siinbeö in erl^eblid^em Oegenfagc fte^t, gecignetenfaUö bie
SJcrtrctung beö Ätinbeö bem ©fjemannc entiie^cn unb einem ^ßflegcr fibertragen
S6eli(fee Slbftammung. Slnfecfetung. ^^roicgfä^igfett 2C. §1476. 671
fonn (ocrgt. § 1503 aibf. 1 t)erb. mit § 1651 9lr. h 4 unb § 1738). Slud) im
^inbUcfe auf fold^c göDc, in melden bic eltcrli^e Ocmolt bcö 6l)emanncö
ru^t unb bcö^olb ber äRuttcr bic elterfid^c ©emalt unb bic bamit oerbunbcnc
ajcrtrctungfimad^t juftc^t (§ 1555), ift ein Scbürfnife ju einer befonberen
SSorfd&rift ni^t Dor^anben, ia, wenn ben Umftönbcn nad^ ju beforgen ift bafe
bic ©f^efrou ein bem 3ntcreffe beö Sinbcö entgegengefcgtcß 3ntcrcf[c am 9luö*
göngc be« ?ProjeRefi i)ahc unb beö^alb baö Sntereffe beö Äinbeö in bem
^rojcffe nid^t mit ber erforbcrlid^en Unbefangenheit roal^mel^men merbe, boö
SBormunbfd^aftßgcric^t auf ®runb ber angefül^rten allgemeinen Seftimmungcn
in ber üage ift ii^r bic SScrtretung }u cntjie^en unb jum Qmtdt ber ^rojefe*
fü^rung bem Äinbc einen ^Pfleger ju befteUen.
2>ic Seftimmung beö § 1475 Slbf. 2 regelt bie gorm ber 3lnfeci^tung «nfed^tung
nad^ bem 2;obe beö Äinbeö. SBennglcid^ nad^ bem 2:obe beö Äinbefi ba» crSn^
3ntereRe beö ß^emonneö, bie ©^clid&feit beö ÄinbeS anjufed&ten, regetmä§ig u«««"«^« ^
nur ein geringe« fein wirb, fo fann man bod^ bie gwläfpgfeit ber Slnfcc^tung ^^genäw" '
in bicfem "^aUc nid^t überl^aupt auöfd^lic^en. 9lbgefel|en von bem ibealen
Sntereffc fann ber ©bemann unter Umftönbcn aud^ ein Dcrmögcnöred^tUdöeö
Sntcreffe baran ^aben, bafe baö nerftorbenc Äinb rüdroärtö^in atö ein un^
e^eUd^eö Ainb bc^anbelt merbe. 3^^^^ if^ ^^^ S^K benfbar, bag baö Einb
mit ^interfaffung Don 3lbfömmlingen geftorben ift, ber (gl^emann aber baö
3lnfcd^tungöred&t nodb nid^t verloren \)at unb nad^ bem 3::obe beö Äinbeö
baoon ®ebraud^ mad^en roiD, um ben 9lbt5mmtingen beö lefiteren bie Gigen«
fd^aft c^elic^cr Slbfommlingc ju beftrciten. ®in fold^er galt fann nadd btn
33eftimmungen beö ©ntrourfcö (§ 1473 Slbf. 2 t>erb. mit § 1474) namcntlid^
bann oorfommcn, menn ber (S^emonn lange 3al^re megen (Scifteöfranfl^eit
gefd^äftöunfäl^ig mar unb erft nad^ bem 2:obe beö ftinbeö mieber genefen ift.
3m Uebrigen mirb megen ber ©rünbc, auf meldten bie SBorfd^riftcn beö
§ 1475 Slbf. 2 bcrul^cn, inöbefonbere bie SBorfd^rift, bafe in bem ^ier fraglichen
gallc bie Slnfed&tung nid^t burd& ®rl^ebung ber Slnfed^tungöflage erfolgen
foU, auf bie SKotiDc ju bem analogen gallc beö § 1266 Slbf. 2 (oben ©. 96)
Sejug genommen, ^an fönnte havan benfen, in bem ^ier fraglichen galle,
fofem bie SKutter beö Äinbeö noc^ am fieben ift, biefc alö justus contradictor
gegenüber ber Slnfed^tung von Seiten beö ®l)cmanneö anjufe^en unb bcölialb
ju beftimmen, bafe in biefem galle bie Slnfed^tung burd^ (Srl^ebung ber Sin?
fcd^tungöflage gegen bie äßutter ju erfolgen l^abc. SRit 9tüd(fid^t auf fold^e
gälte jebod^, in meldten Icfttcrc üielleid^t gerabe ein 3ntercf[e an ber geft^
fteUung ber Unc^clid^Ieit beö Äinbeö l^at, ift eö alö bcbenflic^ erachtet, bem in
einem ^rojeffe jroifd^cn ber SWutter unb bem ®^emanne erge^enbcn Urt^cile in
gleicher SBcifc, wie bem in bem 5ßrojeJfe jmifd^en bem ©bemanne unb bem
Äinbe erlajfencn Urt^eitc (§ 1477), SRed^töfraft für unb gegen SlUe beljulcgen.
§ 1476.
1. Sic »orf^rift beö § 1476 Sag 1 red[)tfertigt fid^ burd^ bie Sinologie *"J*6'
mit bem im § 1254 bc^anbetten galle (t)ergl. aud^ §§ 1267, 1276, 1451) unb Ä!!!ij.
cntfpri^t ber aSorfd^rift beö § 1474 Saß 1.
672 @Wi4c SlBftQmmung. 9liife(j6timg. $>rojc§fä5igfett k. § 1476.
3«rüdna^me 2. 3)ic pofttbcu SSorfd^tiftcTi bcö 1476 ©afe 2, 3 fd^licfeen fid^ on btc^
tu«8«nafll! ienigcn aSorfd^riftcn an, n)eld)c für bcn analogen gall gelten, wenn bie 2lm
fcd^tung einer anfed^tboren ®^e burd& ®rl^ebung ber ^Infed^tungötlage erfolgt
ift (ocrgt. § 1268 Derb. mit. bem in ber Slnm. 1 ju §§ 1250 ff. unter II, 5
ntitgetl^eilten neuen § 576 ber 6. ^. D. unb bie Sßotioe ju § 1268 oben
©. 97 ff.). S)a nad^ § 1471 3lbf. 2 ba« ftinb trofe ber in ber ©r^cbung
ber 9lnfed^tungöftagc liegenben Slnfed^tung bis jur ©rlebigung beö SRed^tös
ftreiteö über bie 9lnfed^tungöflage ate el)elid&eö Äinb gilt unb ber (Seemann
nad) bem ©ntrourfe über ben ©tatud beö Äinbeö ju ©unften bcö legteren in
ber ^icr fraglid^en Sejic^ung ju biöponiren befugt ift, fo ift eö, l[|ingefc^en
auf bie Siedete S)ritter, unbebenflid^, mit ber S^rüdEnal^me ber 2lnfed^tungö«
wÄ6rwb"brt '^^Ö^/ fo^ic ^i^ ^^1^ ^^ft i^ ßöufe beö SWed^töftreitcö erfolgten Stnerfennung
»ed^»' ber @l^elid^feit beö 5linbeö bie im § 1476 <3ag 2, 3 bejeid^neten äBirtungen
ftreite». j^ ücrbiubeu. Slnbererfeitö liegt biefe 9lrt ber Siegelung im Sntereffe ber
^Parteien felbft. 3m ^^fommenl^ange mit ber SBorfd^rift beö § 1476 ©afe 2
ftel^t bie S8orfd)rift beö in ber 3lnm. ju § 1476 mitget^eilten, jur Slufnol^me
in baö ®infü^rungögefe| beftimmten neuen § 627 a ber ß. ^. D. üerb. mit
bem neuen § 575 a ber tefetercn (oergl. bie Slnm. 1 ju §§ 1250 ff. unter II, 4),
bo§ bie 9lnfed^tungöflage von bem ©bemanne ju jeber S^it ol^ne ©inmiHigung
beö Setlagten jurürfgenommen merben fann.
sBerftt^ren. 3. 3)urd^ beu iu ber 9lnm. ju § 1476 mitgetl^eilten neuen § 627 a ber
pÄ' ®- ^- ^- ^^^ "ö* 2lnalogic beö burc^ bie ß. % D. geregelten «erfa^rcnö in
®^efad^cn auf ben SWed^töftreit , roeld^er bie 9lnfed)tung ber 6^elid[|teit bcö
Jtinbcö jum ©egcnftanbc l^at, rotnn aud^ in bcfd^ränflem Umfange, ha^
Dffijialprinjip übertragen merben. SBenngteid^ biefe Sluöbel^nung bcö DffijiaU
prinjipcö gegenüber bem geltenben SÜed^te, inöbefonbere gegenüber ber 6. ^. D.,
eine Steuerung cntliattcn mag, unb mcnngleic^ jugegeben roerben mufe, bafe baö
öffentlidöe ^ntcrefle bei ber grage, ob baö Äinb ein el^cUdJicö ober ein une^etid^eö
ift, nid^t in fo ^ol^em SHafee bet^eiligt erfd^eint, roie bei ben ®l[|efod^en, fo trifft
bod^ ber prinjipicHc Orunb, auf meld^em bie ©urd^bred^ung beö 5ßrinjipeö
ber SScrJ^anblungömajimc bei bem SSerfa^ren in ß^efad^en, inöbefonbere bei ben
ftlagen auf 2:rennung ber @fie ober auf UngültigfeitöerKärung einer anfed^t^
baren ®^e, beruht, nämlid^ ber (Srunb, bafe ber Ocgcnftanb beö 9flcd[|töftrcitcö
nid^t ober boc^ nid^t in allen Sejiel^ungen ber freien 2)iöpofttion ber ^Parteien
unterliegt, roeil eö fid^ um jroingenbeö SRed^t l^anbelt unb baö öffcntlid&e
Sntereffc fonfurrirt, aud& l;ier ju. SJafe ber Staat an einer ber majoren
Sad^lage entfpred)enben geftfteDung beö Slatuö beö Äinbeö ein 3ntereffe l^at,
crgiebt fid^ fd^on auö ben Strafbeftimmungen über bie SSeränbcrung beö
^crfonenftanbeö (§ 169 ©tr. ®. S3,). 3" heaä)itn ift ferner, bag eö roegcn
ber t)ielfad^en burd& ben ©tatuö beö Äinbeö bebingten SRed^töocrl^ältniffc jur
aScrmcibung ber fonft cintretenben SSermidfetungen unb Ucbelftönbc im offcnt*
lid^cn Sntereffe liegt, bafe burd^ baö auf bie Slnfed^tungöflagc crge^enbc
Urtl^cil aud^ bann, menn baöfclbe ber Jttage ftattgiebt, ber ©tatuö bcö Äinbc«
einl)eitlidb für unb gegen 9lllc fcftgeftcEt mirb. S)ic gegen eine fold^e STuö^
bcl^nung ber fubjcftiücn SRed^töfraft bcö Urtl^cilcö pd^ crl^ebcnben »ebenfen
verlieren aber erljeblid^ an ©croid^t, menn auf ben Sfted^töflrcit, rocld^cr bie
e6en<6c «Bliammung. 9lnfc*tuno8Haöc. Urt^eil. § 1477. 67^
Änfed^tung ber g^clid^fcit bcß Äinbcö jum ©cgcnftanbc l^at, baö Dffijiat
prinjip älnwcnbung finbct. 3)er Umftanb, bafe regelmäßig baö Äinb in bcm
Slc^töflrcitc burd[| einen gefefelid^en SBertretcr vertreten fein wirb, Dennag für
fic^ allein icnc Sebenfen nid^t ju bcfcitigen, ba nod^ bm Seftimmungen ber
6. 5ß. O. § 52 bem aSormunbfd^aftögerid^te eine felbftänbige ©inroirhing auf
ben Oang beß ^ßrojeffeö nid^t jufte^t.
2)ie Scgrünbung ber SBorfd^riftcn beö neuen § 627 a ber 6. % D. im
©injelnen ift ben aJlotioen beö (ginfü^rungögefefccö oorbe^alten.
§ 1477.
®a ber ©bemann bie ©^elid^feit beö Äinbeö mit SBirfung gegen 2)ritte »«'h»«« ^
anerfennen (§§ 1472, 1471 3lbf. 1, § 1476 ©afc 3), aud^ burd^ 3urüdEna^me aeg^eJl^dtu.
ber Slnfed^tungöMagc ©ritten präjubijiren fann (§ 1476 ©aß 2 tJerb. mit
§ 1471 2lbf, 1), fo ift CS iebenfallö unbebenftid^, bcm bie 3[nfed^tungöftage jurücf*
loeifenben, nod^ mö^rcnb ber Sebend^eit bed @l^emanned unb beö ^inbcd red^ti^
fräftig gcioorbenen Urt^eile Sled^töfroft für unb gegen 9lUe beijulegen. iCagegen
läfet ficö md()t tJerfcnnen, bafe gegen bie 93eftimmung beö § 1477, fomcit nad^
bcrfelbcn — in weiterer 3lbmeid)ung t)on bem 5|Jrinjipe beö § 192 — aud^
baö bie Une^elic()!eit beö $tinbeö feftftellenbe Urtl^ei( 9lcc^töfraft für unb gegen
Sfilc erlangen foU, namentlid)^ [oom ©tanbpunfte beö Sntercifeö ber ®^efrau
auö, crl|eblid&e JBebenfcn crljiobcn werben fönnen. Slllein biefe Sebcnten fönncn, wie
in bcu RöBcn ber §§ 1256, 1269, 1271, fo auc^ ^ier im ^inblirfc auf baö öffent*
lic^e 3ntereffe an einer ein^eitlidben ^ftftellung ber ©tatuöüerl^ältniffe unb im
Einbilde auf bie innere SWatur biefer SBcr^altniflc, mit rocld^er eine ^Relativität
nic^t oereinbar ift, a(ö burd^fd^lagcnb nidE)t erad^tct werben, jumat nad^ bem
in ber Slnm. ju § 1476 mitget^eilten neuen § 627 a ber ©. % D. auf ben
Slcd^töftreit, welcher bie 9lnfed^timg ber (S^elic^feit beö Rinbeö jum ©egen*
ftanbe ^at, infomeit, alö eö fid^ um bie ^eftfteUung ber Une^elid^teit beö
ftinbeö ^anbett, baö Dfpjialprinjip Slnrocnbung pnbet. Unter biefcn Um*
ftönben ift inöbefonberc eine ©efö^rbung ber S^^i^^ffcn ber unmittelbar be*
ttieiligten 6f)cfrau nidi)i ju beforgcn (ocrgl. bie äßoliüe ju § 1475 oben S, 670).
Siringcnbe praftifd)e ®rünbe, weld^e bie Stnomalie, bafe baö Urtf)cil nur für
ben gall ber 3wrüctroeifung ber Älage 3lcd^töfraft für unb gegen küt erlangt,
}u rechtfertigen oermöd^ten, liegen ba^er nic^t oor. SBeiter fommt in 83etradf)t,
bafe bie 3luöbe^nung ber SRec^töfraft auf ben gall, wenn baö Urtl^eil ber
Älage ftattgiebt, ber in ber ^rajiö beö gemeinen unb beö preufe, SWed^teö
fiberwiegenb vertretenen Stuffaffung (tJergl. Seuffert III, 388, XXXVI, 82;
entfc^. beö Db. SCrib. 83b. 37 ©. 345, 33b. 46 S. 219; ©triet^. S3b. 48 S. 260),
foroie bem fäc^f. ®. 83. § 1857 entfprid&t.
25ie im § 1477 aufgeftellte aSorauöfefeung, bag baö Urt^eil mäfirenb ber
fiebenöjeit beö ß^emanneö unb beö Äinbcö red^töfräftig geworben ift, l^ängt
mit ber SBorfd^rift beö neuen § 627 a 5lbf . 1 ©afe 2 ber ß. ^^. D. (oergl. 3lnm.
}u § 1476) jufammcn.
SelbftPerftänblic^ erftredEt Rd^ übrigcnö bie SRec^töfraft beö Urt^eileö
nur auf bie grage, ob baö Äinb nacö SWafegabe ber §§ 1467 ff. alö ein e^e«
flotise I. bfirocrt. «cfelbud^. lY. 43
674 (gl6cn(öe 9tbftammun0. Slnfc^tung bec Slnerfennung. § 1478.
lid^cö ober une^eUd&cß an^^ufc^cn ift, ba nur biefc ?5ragc bcn ©cgcnftanb bcr
Slnfcd^tungöHagc bilbct unb bei bcr le^teren bic ©ültigfcit ber (g^e unb bie
®eburt beö Rinbeö burd[| bie ®^efrau üorauögefefet wirb. 9lu3 biefen teftteren
©ertd^töpunftcn faiin beö^alb bas Rinbeßoer^ältnife trofe ber Seftimmung bcs
§ 1477 gceignetenfattö von jebem ©ritten beftritten unb inöbefonbere von bem
©bemanne ober bem Äinbe eine Älage auf geftftcUung bcö 9lic^tbeftc^enö bcs
(Sltern^ unb Äinbeöücrl^aftnifjcö uad) ÜRafegabc beö in ber 3lnm. ju § 1476
mitgct^eilten neuen § 627 c ber ß. 5ß. D. crl^oben werben.
§ 1478.
«nfe<^tuttfl S)ic aSorfc^rift bcö § 1478 (oergl, baneben bcn in ber 2lnm. ju § 1476
«nerfcnnun« mitgetJ^ciltcn, jur Stufnal^me in baö ®inf ü^rungögefcfe beftimmtcn neuen § 627 b
be9 Äinbe«. j)er 6. 5ß. D.) bcrufit auf ber ©rroägung, ba| eö fic^ im galle ber änfed^tung
einer burd^ ben @f|emann nad^ äßafegabc beö § 1472 erfolgten Slncrfennung
beö ftinbeö im ©runbe um bie 3lnfed)tung ber ®^clic^feit beö ftinbeö öanbcit.
Soweit auö § 1478 ein 2lnbereö fic^ nid^t ergiebt, bleiben auf bie 3ln*
fed^tung beö in bcr ^nerfcnnung beö Äinbeö liegcnbcn einfeitigcn SRec^tögefc^äftcö
bie SSorfc^riften beö aUgemeincn SCfjeifeö (§§ 103, 104, 112, § 113 SJtbf. 3) am
roenbbar. Sluö § 104 9tbf. 3 ergiebt fid^ inöbefonbere, bag, wie in bem ana-
logen gaUc beö § 1473 9lbf. 2, fo aud^ im galle beö § 1478 bic 93orfd^riftcn
beö § 166 entfpred)enbe SInmenbung finbcu. S)ic 3lnatogic beö § 1473 2Ibf. 2
mug aber meiter bal^in fül^ren, mie im § 1473 3lbf. 2, fo aud^ im § 1478
jugteid^ ben § 164 für cntfpredicnb anrocnbtar ju erflören.
Sft ber (Seemann, ol^ne baö SRcd^t, bic Slnerfennung beö Äinbeö anju*
fechten, ocrioren ju l^aben, oor 3lblauf ber grift, innerhalb roefd^cr er bic
(S^etid^feit bcö Äinbeö anjufed&tcn bercd&tigt ift (§ 1473), geftorben, fo crl^cbt
ftd^ im ^inblidfc auf bie aSorfdgirift beö § 1471 5Kbf. 1 bic grage, ob ba^ SRc^t,
bic älncrCennung beö 5tinbcö anjufed^tcn, nac^ bem S^obe bcö @^cmanneö nod^
oon beffen ©rben innerhalb [ber im § 104 bejeid&neten grift gcttenb gemalt
werben tann. ®ine befonbere gcfefctid^c ©ntfd^eibung bicfer ^rage ift ieboc^
nid^t alö crforbcrlid^ crad^tet. 3m ^inblicfc auf bie ^öd^ft perfönlid&c Statur
beö l)ier in 9iebe ftc^enben SScrl^ättniffcö unb nad^ SÄnalogic bcr aSorfd[|rift beö
§ 1262 wirb bic grage ju oerncincn fein,
si^ttöfeit bcr 3ft bic Slncrfcnnung beö Äinbcö nid^tig, fo fommcn bic Söorfd&riftcn bcr
«ncrfennun«. gg i^-j^_i^^^ fjjj^,. ^[^ Slufcd^tung bcr @f|cUd^feit bcö Äinbcö unmittelbar
jur STnwcnbung.
inwiefern bic 9lncrfcrinuitg in fold^en göHcn nid^tig ift, in meldten bcr
roirflid^c aSillc mit bem erflärten SBiUen nid^t übercinftimmt, ift nac^ ben
aSorfd^riften beö allgemeinen 2;^eiteö (§§ 95—99) ju beurtficilcn.
§ 1479.
«orjeitige 3)a gäUc bcr im § 1479 üorauögcfcgtcn 3lrt nid^t fo feiten fmb unb
mÄ'unfl ^^^'^^^^ 1^^"^^^ Oefefebü^er, wie baö preug. 3t. S. SR. II, 2 §§ 22-~25 unb
ber (x^rou. baö föd^f. @. 33. § 1779 (ocrgl. aud^ ;i)eff. entro. III 3lrt. 11—13), fid[| üer*
S^cli^c abftammuno. SSorjcttioc 2BtcbcruerBeirat5uno. § 1479. 675
anlafet gcfcticn ^abcn, pofitb cinjugrcifcn, fo ift cö als bcbenflid^ crad^tct, im
©efcßc über jene gallc ganj ju fd^raeigcn, jumal in ©rmangclung einer be-
fonberen 93eftimmung, mit jtd^ namenttid^ auf bem ©ebiete beö franj. SRcd^teö
gejeigt l^at, S^^^if^f barüber, in roeld^cr Slrt ber Äonflift mä) aEgcmeinen
Orunbfäfeen ju entfd^ciben ift, nid)! ausbleiben roürben. ®ine anbere grage
ift efi, ob es nid^t Den 5ßorjug perbicnen n)ürbc, ftatt ben Äonflitt burd^ eine
pofttiüe SSorfd^rift jU löfcn, auöbrüdffid^ }u beftimmen, ha^ in ben ^ier frag*
iid&en gällcn bic 58ermut^ung ber (Sl^eti^feit beö ilinbeö nad^ 9Ka§gabe ber
§§ 1468 ff, feine Slnroenbung finbcn, fonbem bie grage, ob baö Äinb oon bem
einen ob'cr anbercn 6l)emanne crjeugt ift, nod^ ben aHgemeinen Semeiögrunbfäfeen
f ntf^ieben werben follc. (Segen bie ®infd^Iagung biefeä SBegeö fpric^t inbeffen
— abgefel^en ron ber unftc^eren Orunbloge einer fold^en ©ntfd&eibung unb
ben mit einer foId)en Seroeiöfü^rung ocrbunbenen Sd^ioierigfciten — namentlid^
bic SRürffid^t auf oerfd&iebenc anbere 5Red^tdinftitute, }. 93. bic Sluöftellung von
©rbfc^einen unb bie gül^rung beö ©tanbcöregifterö, bereu Qrotd beeinträd^tigt
wirb, rocnn man für gällc ber l^ier in 5Rebe ftc^enben 3lrt oon ieber 5ßrä*
fumtion abfegen roollte. (Sntfd^eibet man fid) bafür, burc^ eine pofitioc 9}or*
fcftrift 5Borforge ju treffen, fo erfd^cint bie im SBcfentlid^en bem Stanbpunfte
beö fäd^f. 0. 93. unb beö fieff, ©ntio. fid^ anfd^Iiefeenbe 93eftimmung beö
§ 1479 als bic angemcffenfte Sofung, ba fie einerfeitö btn SSorjug ber ©in«
fad^^eit für fid) l^at, anbererfeits an bie allgemeinen 93eftimmungen ber
§§ 1468 ff. fid^ tf)untid&ft anlefint unb bem praftifd&en 93ebürfniffe ©cnüge
leiftet. 9lud^ baö preufe. 21. S. 91. fte^t mit bem ©ntrourfc infofern im 6in*
Wange, aJö es in ben I;ier fraglid^en gfillen bie geraöl^nlid^e Dauer ber
©d&TOongerfd^aft oon 270 S^agen feiner ©ntfd^cibung ju ©runbc legt; bod^
meidet c« jum 9lad^t^ei(c beö Äinbeö infofem ab, ald bie 58ermutbung ber
6^elid^feit bei einer (Seburt biö jum 270. Silage nur gegenüber bem ©b^tnanne
ber früheren 6l)e, bei einer ©eburt nad& bem 270. ^age nur gegenüber bem
©l^emanne ber fpSteren ®^c gilt. 3n bem erfteren gallc foH aber, wenn bie
SSittme toiber bic SSorfd&rift ber ©efefec ju frü^ gc^eirat^ct bot (§ 1241), audb
ber ©b^^tt^öun ber fpätcren ®^e bem Äinbc gegenüber, oon bem gefefelid^cn
ÄinbeSerbred^te abgegeben, alle ?ßfli(^tcn eine« teiblid^en aSaterö o^ne bie Siedete
eines fold^en Iiaben. SRad^ bem ©ntmurfc ift bagegen bie im § 1479 beftimmtc
©mpfängnifejeit nur bann mafegebenb, menn nad^ ben allgemeinen (Srunbfäfeen
fid^ ein Ronflift crgiebt, b, f). mcnn bad Äinb nad^ aJlafegabe ber 93eftimmungcn
ber §§ 1466—1475 ats e^clid&eö Jtinb foroo^l beö Seemannes ber frül^ercn
6^c als beö ©fiemanncö ber fpfiteren ®t)c anjufcben märe. ®in fold&er
Äonflift liegt ni(^t nur bann oor, wenn bie im § 1467 beftimmtc ^mpfängnife-
jeit beö nad^ Sc^licfeung ber fpätcren ®^e oon ber ß^efrau geborenen Äinbeö
}um S^cil in bic 3^it ber früfiercn ®^e, -jum Xl)t\l in bie !^dt ber neuen
ß^e fäUt, fonbem aud^ bann, mmn iene ©mpfängnifejcit nur in bie 3^^* ^^^
frjil^cren ®^c fällt, fofern unb folangc bie ®bclid^feit beö Rinbeö mcber oon
bem ©bemanne ber früfjcren ®f|c, nod^ oon bem ®f)emannc ber fpätcren 6^c
mit 9led^t angef ödsten ift, fei cö, ba^ loebcr bem einen noc^ bem anbercn ein
9lnfed&tungöred^t juftebt, weil foroo^l ber eine alö ber anbere inncrt)alb ber im
§ 1467ibeftimmten ©mpfängniöäcit mit ber SKutter beö Äinbcö ben 93eifd^laf
43'
676 Untcrtaltfipflic^t. SScrbcmerfuno. (§§ 1480—1496.)
tjolljoflcn fjat (§§ 1469, 1470), fei cö, bafe fic von bem ainfed^tungörcd^tc ntäf
feinen (Sebraud; gemacht ober baöfelbe burdb äCncrfcnnung ober burd^ 3^^^
obtauf oerlorcn ^aben (§ 1471 Sttbf. 1, §§ 1472, 1473). dagegen tritt ein
folc^er Äonftift unb bcö^afb bic bcfonbcre Scftimmung beö § 1479 nic^t ein,
wenn ber eine ober bcr anberc ®^emann bie Uneljelid^feit beö ÄinbcS mit
SRed^t angcfod^ten l)at. 3n einem fold&en goUe oerblcibt cd üielmelir bei ben
allgemeinen S3eftimmungen ber §§ 1466 ff., o^nc SRürffid^t barauf, ob ba^
Jlinb innerl^atb 270 S^ogen nad^ Stuflöfung ber früljcren (S^e [ober fpöter ge*
boren ift. Slßcnn ba^er baö Äinb innerlialb 270 2:agcn nad^ 9(uflofung bcr
früheren @^c geboren, bie ®f|clid^feit beöfelben aber oon bem G^emannc bcr
frül^cren 6^e mit SJed^t angef ödsten ift, fo ift baö ftinb nid^t etwa alfi ein
unet)elic^eö, fonbern als ein Jlinb bc§ (S^emanncd bcr fpätcren 6^e anjufe^cn,
fofcrn nid^t aud^ ber ®^emann bcr fpätcren Qf)t bie ß^clid^feit beö Äinbefi mit
SRcd^t angcfod^tcn l^at. ©benfo rerfiält cä ftd^ umgefcl^rt in bem ^alle, wenn
baö Äinb fpäter als 270 2^age nad) 3luflofung ber früfjcren (Bf)t geboren, aber
bie (S^clid^fcit beöfelben t)on bem 6f)cmannc ber fpätcren ®^c mit 5led[|t an^
gcfod)tcn ift.
3tt>eiter Site!.
Sorbetnerlung
ju ben §§ 1480-1496. •
?ri?atr«^t* 1. SBcnnglcid^ bei ber SRegefung ber Untcrfjaltöpflic^t bcr SBcrmanbtcn,
"J^'^^J^**^ namentlid^ roegen ber fubfibiärcn offentlid&cn SlrmenpPcgc, tJiclfad^ boö öffcnt^
^ttitÄpfii^t lid^e Sntcrcffc ju berüdfid^tigcn ift, fo Ijat jene Untcrljaltöpflid^t boc^ ücrmöge
i^rcö SRcd^lögrunbeö einen priDatrcd^tlidfien ftaraftcr unb ift beöl^alb im bürgere
fidlen (Scfcfcbud&e ju regeln. 3)agcgcn bleiben bic baö S3erl|ältni6 bcr 2lrmcm
Dcrbänbc ju ben untcrl;aItöpPid^tigen SSerroanbten bctreffenben SSorfd^riften ber
9trmengcfc|gcbung, inöbcfonbere beö 91. ©cf. über ben Untcrftüfcungörool^nriß-
0. 6. 3uni 1870 unb bcr baju ergangenen Sluöfülirungögefc^e ber einjcinen
93unbeöftaaten (ücrgl. j. 33. § 62 jcncö $R. ®ef. ; preufe. 58[uöf. ®ef. o. 8. aWarj
1871 §§ 65—67), unberüfirt.
»tätüiott 2. Ueber bie rec^tlid^c SJatur unb bic fi)ftcmatifd^e Stellung bcr Unter-
«tttur. j^öitöpflid^t bcr aSerwanbten ge^cn in bcr gcmcinrcdjtlid^cn 2)oftrin bie Sn^
pd^tcn auöcinanbcr. Sßä^rcnb bie ©inen bic SRatur beö Untcrl^altöanfpruc^cd-
alö eineö gorbcrungörcc^tcö betonen unb beöljalb biefe aj?atcrie bem Cbligationcn*
redete jumcifcn, legen anberc baö ^auptgcroic^t auf bic familienrce^tlid^c Orunb^
läge beö 9lnfprud^cö unb red^nen bcö^alb ben tcgtercn ju ben gamilicnrcc^tcn.
3m ©injclncn ^errfd^t inbeffen aud) unter ben 9lnt)ängern biefer 9lnfid^t über
bic juriftifdje Konftruftion beö 33erl)ättniffcö feine Uebercinftimmung. 3)ie
UnterMtöDflid&t. SorBcmccfung. (§§ 1480-1496.) 677
üWcfirja^I ber neueren ©efefebüd^cr, inßbefonbere baö preufe. 31. 2. SR., baö bftcrr.
<S. »., ber Code civil unb bad fäd&f. ®. S., befjänbetu bie Unter^attöpflic^t ber
^erroanbten als einen Xf)til be« gamilienred^tcö.
®er ©ntrourf ift in blefer Sejie^ung ben neueren (Sefelgebungen gefolgt,
^cnngteid^ ber Unterljaltöanfprud^ ber SScrroanbten infofern einen obtigatorifd^cn
Äaraftcr l^^t, als er auf eine Seiftung gerid^tct ift, unb auf benfclben,
forocit nid^t aM feiner bcfonbercn 3latur unb ben befonberen Seftimmungen
bicfeÄ 2:itete ein Slnbcreö fid& ergiebt, bie allgemeinen (Srunbföfee beö Dbli^
flotioncnred^teö 9lnmenbung finbcn, fo ^ängt bcrfelbc bod^ infofern mit bem
gamilienrcc^tc auf ba^ ®ngftc jufammen, alö er auf bem burd^ bie (gin^eit
t>c& S3lutcö unb bie SBanbe ber gamilie lieroorgerufcnen natürlid^en unb ritt==
ticken SBer^öItniifc beruht unb auf biefer ©runblagc oom SRed^te ju geftalten
ift. SJBic bie auf Orunb eine« bingtid^en SRed^töoerl^ältniffeö entfte^enben 9ln*
fprud[|c bem Sachenrechte, fo gel)ören bie auf familicnred^tliddcr (Srunblage
bcrufjenbcn 3lnfpriid^e bem gamilienred^te an unb empfangen bei biefer
fi)ftematifd&en Stellung baö rid^tige Sic^t. S)abei gef|t iebod^ ber ®ntrourf nic^t
baoon aud, ba^ ber Untcrl^altöanfprud^ fd^on burd^ bad ^erroanbtfc^aftd^
Der^ältnife alö ein cin^citlid^er, nur in feinen cinjetnen Seiftungen bebingter
^nfprud^ erjeugt fei, rielmclir betrad^tet er ben gamilienoerbanb nur alfi bie
®runbtage, auf welcher, roie baö ©rbrec^t, fo auc^ ber Untcr^attdanfprud^ beim
Eintritte geroiifcr aSorauöfefeungen jur ®ntftcl;ung gelangt. Solange bicfe
SSorauöfefcungen, nämtid^ auf ber einen Seite bie Scbürftigfeit (§ 1481), auf
ber anbeten Seite bie Seiftungöfätjigfeit (§ 1482), nid^t .oortiegen, befte^t nur
eine Sluöjid&t, eine rcd&tlid&e SRögtid&feit. Stbcr aixä) vDznn jene SSorauö*
feßungen eingetreten Tmb, bel^anbelt ber (Sntrourf ben Unterfialteanfprud^ nid&t
Qld eine clnf|citlid^e Obligation, meldte, einmal cntftanben, folange fortbaucvt,
biö bie eine ober anbere aSorauöfcfcung rocggefallen ift, fonbern alö einen 9lm
fprud^, melc^cr, mic bie pttlic^c ^ffid^t, auf rocld^cr er beruht, fort unb fort
fid^ erneuert, folange jene SSorauöfeßungen begrunbct fmb (oergf. aud& Seuffert
XXXVIir, 86; entfc^. b. SR. ®. in ©ioilf. IV, 60 S. 210). SJiefe bem ©nt^
würfe ju ©runbe liegenben ^ßrinjipien f)aben in einer SRei^e einjelner 93e^
ftimmungcn StuöbrudE gefunben (oergl. inöbef. § 154 3lbf. 2, §§ 1481, 1482,
1487, 1494, 1496). SBegen ber näheren SBegrünbung mirb auf bie befonberen
aRotiüe oerroicfcn.
3. (Scmcinred&tUc^ ift beftritten, ob unb inroieroeit neben ber auf ber unter&ai«.
SScrroanbtfd^aft iiberl)aupt beruljenben Unterljaltöpflic^t ber ®ltern gegenüber ^^JSJ^g,^^,
ben Äinbern eine bcfonbcrc Unterbaltöpflid^t beö ^auöoaterö gegenüber bem «*«' >►«
^auöfinbe beftelit, meld&e in ber uÄterlid)en Oematt i^ren (Srunb t)at, unb ob
namentlid^ bie gefe^tid^e Unterhaltspflicht beö 93aterö gegenüber bem ^aM-^
finbe ate eine mit bem oäterlid&eji 9lie6braud{)e am 3Sermogen beö Äinbeö oer-
bunbenc Saft auf^ufaffen fei (ücrgl. eincrfeitö Seuffert XXII, 153, anbcrerfeitö
Seuffert V, 296, XXXV, 222). 3im ben neueren Oefefebüd^ern fte^t auf
biefem Icfetercn Stanbpunfte ber code civil, inbem er bie Untcrfialtöpflid^t ber
©Itcrn gegenüber ben Rinbern junäd&ft mit ber elterlichen SRu^niefeung, unb
jroar alö eine Saft ber Ic^teren, oerbinbet (oergl. code civil 3lrt. 203, 384,
385). dagegen be^anbeln baö preu6. 31. S. 5R. 11, 2 §§ 63—65, 161, 204,
678 Untcr^altSpflid&t UnMaltgpfKctttöe 9)crfoncn. § 1480.
251—254 (ücrgL baju entf^. b. SR. ®. in ebilf. IX, 76 S. 283) unb ba&
fäd^f. @. S3. §§ 1802, 1837 ff. bic Unterl)a(töppid^t beö SBatcrd gcflenübcr bcn
Äinbcm nid^t alö ein ftorrclat bcö ufttcrlid^cn 9flic6brauc^cd, fonbern a(d einen
Sluspufe beö jroifcften bem SSater unb bcn Äinbcrn beftcljcnben aBcrroanbtfd^aftö*
rcr^ältniffeö. S)icö ift aud^ ber Stanbpunft beö ©ntrourfeö. SBenngleid) bie
elterlid^e Slufenicfeung aud& jum ^roidt beö Unterfjalteö ber Äinber bcftimmt
unb bicfer (Sefid^töpunft in t)erfd;iebcnen Sejic^ungcn auf bic ©eflaltung ber
Unterdaltöpflid^t ber ©Hern, wie ber clterlid^en Slugniefeung oon ©influfe ge^
wefen ift (tJcrgl. bie §§ 1458, 1485, 1535 t)crb. mit § 1299), fo fommt boc^
anbererfeitö in Setrad^t, bafe, wie in beu aRotiocn ju §§ 1501, 1502 nöljcr
bargelegt ift, bic etterlid{)e SRufeniefeung aud^ anbete 3"^^^^/ inöbcfonbcrc bie
©törfung ber 2lutorität ber ©Item gegenüber ben Slinbern, üerfotgt unb bafe
cö ba^er bem 3nf)aber ber elterlid&en ©ewalt überladen ift, über bie in fein
SSermogen faüenben ®infünfte auö bem ber ellerlid^en Slufeniefeung unter«
roorfenen SKermögen beö Jlinbeö nad^ feinem Outbcfinben, nid^t nur im
Sntereffe beö bctreffenben Äinbeö, roeld^cm baö aSermogen gef|6rt, fonbern im
äntereffe ber ganjcn gamilie ju oerfügen. ^lufeerbem trägt eö toefentUdö jur
SSereinfad^ung beö Oefefebud^eö bei, wenn anä) bie Unter^altöpflid^t ber ©Itcrn
gegenüber il)ren unter elterlid^er ©croatt fte^enben Jtinbern lebiglid) oon ber
©nmbloge beö SBermanbtfc^aftöüer^öltniffeö auö geftaltct mirb. 5Daburd^ finb
geiüiffc mit ber Untcrfialtöpflid^t ber ©Item gegenüber ben Äinbcrn üerbunbcne,
auö ber befonberen Stellung ber erfteren gegenüber bcn leßteren pc^ ergebcnbe
SDtobififationen (ücrgl. § 1481 2lbf. 3, § 1482 3lbf. 2, § 1483 3tbf. 2, § 1491
9lbf. 4, 5) nid}t auögefd^Ioffen. 2)em 3ntercffe beö Äinbeö aber, bafe bic aScr*
menbung ber ©in!ünfte auö bem ber elterlid^en ^Rufeniefeung unterroorfenen
SSermögen jum Qvocdc beö Unter^alteö ber ^amilie gegenüber ben ©laubigem
beö Sn^aberö ber elterlid^en ©emalt fic^ergeftellt roerbe, ift burc^ bic Se^
ftimmung beö § 1535 tJcrb. mit § 1299 in auöreid^enbem SRafee SRed^nung
getragen,
««flriff ber 4. Untcr SScnoaubten im ©inne biefeö S^itelö, roic beö ©efefebud^eö
*SSft überhaupt, finb sunäc^ft nur fold&e 5ßerfoncn ju ocrfte^cn, meldte nad^ üWafe-
gäbe beö § 30 ücrmanbt finb (t)erg(. §§ 1466, 1562, 1567). ©oroeit inbeffen
burd^ fiegitimation ober SCnnalimc an Äinbeöftatt ein bürgcrlid^eö aSerroonbt*
f^aftöoer^öftnife begrünbet wirb (§§ 1579, 1583, 1596, 1601, 1620), finbcn
bic SSorfd^riften über bie Unter^altöpflid^t ber aSermanbten, in ©rmangelung
bcfonberer Seftimmungen (§§ 1598, 1627), aud^ auf bieienigen ?ßerfonen
3(nmenbung, auf welche bie SBirfungen jeneö SRcd^töüerl^ältniffeö pdS) erftrerfen.
§ 1480.
Äret«berjum SÄbrocid^cnb tJou ber fjcrrfc^enben Stnfid^t auf bem ©ebiete beö gemeinen
De"Ä^ ^^^^^^ (^«^^flf- ©euffert XXIX, 31, 242, Urt^. b. SR. ©. bei ©ru^ot XXXI
»emanbten. ©. 875), oou bcm code civil 3lrt. 205 ff., bem f(id^f. ©, ». §§ 1802, 1837
biö 1839, bem ofterr, ©. 93. §§ 139, 143, 154 unb ücrfd^icbcnen anberen ©efefe^
gebungen (oergl. fd^leöm.l^olft. Slrmenorbn. o. 29. ©ejember 1841 § 14 ocrb»
mit § 75 beö preufe. 3luöf. ©ef. t). 8. ajläri 1871 ju bcm SR. ©ef. über ben
Unter^altSpflt^t. Unter ^am^flid&tloe ?)crfoncn. § 1480. 679
Untcrftü^unflötool^njtfe o, 6. S^ni 1870; STmienorbti. für bcibe üKcdElcus
bürg uub Slaftcburg d. 21. 3uli 1821 § 2 t)ctb. mit mccf(enb. Sluäf. ®cf. r.
20. gcbtuar 1871 § 7 5U bem SR. ®cf. o. 6. 3uni 1870; tocimar. ^eimatljögcf.
D. 23. gebruar 1850 § 38 ; altcnb. Strmenorbn. o. 9. 2fuguft 1833 § 70), aber
in Ucbcreinftimtnung mit bem prcufe. 3(. S. 91. II, 2 §§ 63—65, II, 3 §§ 15
bis 16 (t)ergl. ferner naff. airmenorbn. v. 18. S)ejcmber 1848 § 9 ocrb. mit
§ 75 beö prenfe. 3lugf. ®ef. v. 8. ajlärj 1871 ju bem 9t. ®ef. über ben Untere
ftüfeungömo^nfig v. 6. Snni 1870) f)ai ber ©ntroiirf bie gegenfeitigc UnterJ^oItö«
pftid[|t md)t ouf aSerroanbte in geraber fiinie befdfiräntt, fonbern aud) für
©cfe^miftcr anerfonnt. 2)oö bic ©runblage ber Unterljoltöpftid^t ber SBer^ ®ewn«ner.
roonbtcn bilbenbc gamilienbanb ift jroar bei ©efd^miftern ^äufig nidi)i ein fo
engeö, bafe lebiglid) t)on bicfer ©runblagc auö bie 9liidbe^nung ber Unter^altös^
Pflicht auf bic ©efd^mifter gered^tfcrtigt mcrben fönnte, jumal na6) bem &nU
würfe ben ©efd^miftcrn untercinanber aud^ ein ^^flid^tt^eilsred^t nid)t juftel^t.
(S» ift ferner jujugeben, bafe bie gcfcftlid^e Untert)altöpflid)t ber ©efd^roifter in
bcnjcnigen Oebieten, in meld&en bicfelbe fd)on gegenmärtig anerfannt ift, er^
fa^rungömafeig ju Dielen ^rojcffen SScranloffung gicbt unb bafe bicfelbe unter
Umftonben, aud) wenn man fie auf bie SJerpflic^tung jnr (Semä^rung beö
not^bürftigen Untcr^alteö befd^rönft (§ 1489), ju großen gärten führen fann.
Siefen ©rroögungen gegenüber mufe iebod^ bic SHücffidfit auf bic offentlid^c
SKmienpflcge alß burd)fc^lagenb erad^tct merben. S3erücEfid^tigt man, in roetd^cm
3Wa§e bic öffentliche 9lrmcnlaft jugcnommen l^at, fo mufe man SScbcnfeu
tragen, bic gcfcfclidic Untcrl^altöpflid^t ber ©ef^mifter in bcnjcnigcn grofjeu
©ebietcn, in meldten bicfelbe gegenwärtig ju 9lcd^t beftc^t, ju befeitigcn unb
baburd() bic öffentliche 2lrmcnlaft nod^ ju cr^ö^en. Um fo bcbcnttidjcr ift ein
fotddcd 33orgei)en, als, mcnn bafi Slnerbcnred^t in roetterem Umfange jur Sin-
crfennung gelangen foUte, bamit aud^ bie 3^^l ber gällc, in meieren ©e:^
fd^wiftcr ^ülföbcbürftig finb, oorauöfic^llicft ficft ücrmcl)ren mirb. SBom ©tanb^
punftc bcö öffentlid^en 3n*c^cffcö aus, meld^eö namcntlicl) in biefcr SWatcrie in
crfter Sinic maBgcbcnb fein mufe, ift cö weit weniger bebenflid), bic gefcftlid^c
Unterhaltspflicht ber ©efd^mifter ba, mo f\c gegenmärtig nid()t bcftef)t, ein*
jufü^ren, atö bicfelbe umgcfel^rt ba, roo [\z gegenmärtig befte^t, 5U befeitigcn.
3tn Slnfd^luffe an eine öl^nlicfte SBorfc^irift beö rom. 9lcd^teö (Kov. 115 c. 3
§ 12, c. 4 § 6) l)ai baö prcufe. 31. S. 91. II, 3 §§ 22 ff. eine gegenfeitigc
Unterhaltspflicht bo: SScrmanbtcn in nod^ meitcrer SKuöbclinung anerfannt,
jroar nid)t in bem ©inne, ia^ bicfelbe bireft crjroungen werben fonnte, aber
in ber Slrt, bafe ein SBerwanbter, welcher fid& ber Unterftüfcung cincd anberen
SScrwanbtcn trofe auöbrücf lieber 2lufforberung cntjic^t, ofine burc^ unt)cr*
fcbulbetefi eigenes Unocrmogen baran ocrljinbcrt ju fein, fein gefcfclid&eß Erb«
rec^t gegenüber bem Sebürftigen ju ©unften beöienigcn verliert, welcher fic&
beö ^ülflofcn angenommen l^at. ©ine bcrartige, bem ©cbiete bcö ©rbrcd^tcS
angcliorcnbc Seftimmung ift jcbod) — abgcfe^en oon ben 93orfd^riften über
bie gntjic^ung bcö ^Pflic^tt^eilcö (§§ 2001, 2003) — im ^inblirfc auf bieSeftir^
frci^eit nid^t als crforberlid^ crad)tet.
9lac^ gemeinem 91cc^tc unb ben meiften neueren ©efe^gebungen befte^t «er.
eine Untcrl^altSpflid^t nur unter SScrwanbtcn, nid^t awä) unter SSerfd^wägerten. ^*'^«*'^*-
680 Untcrtaltßppi^t. Sorauöfe^unöen. § 1481.
©cmcinreci^tUd^ ift aDcrbinaö mitunter aus bcr 1. 20 § 2 D. fam. herc 10, a
oud^ eine gefegtic^c Unterl^altdpPid^t bcd ©d&roiegcrratcrö gegenüber bcr
©d^toiegertod^ter l^crgeleitet lüorbcn; hoä) l)Qt bic Iierrfd^enbc SDietnung ftd^
gegen eine fold^e UnterJ^altöpftid^t erHärt (ücrgL ©ntfd^. b. 91. 0. in ©ioilf.
IX, 44 ©. 152, 153). ^Dagegen f)at baö franj. JRed^t (code civil 3lrt. 206, 207)
mit gemiffen Sefd^räntungen eine gegenseitige Untcr]^altdpflid)t ber ©d^roieger*
eitern unb ©c^miegerfinber onerfannt. gcrner befteljt md) ber fc^teöro. ^olft.
airmenorbn. o. 29. SJejember 1841 § 17 ücrglid&en mit § 75 bcd prciife. 3luöf.
®cf. t). 8. aßärj 1871 ju bem 3J. ®ef. über ben Unterftüfeungöroo^nftg o.
6. Sdini 1870 unter gemiffen SSorauäfefeungen eine gegenfeitige UnterJ^altöppic^t
ber ©tiefeltcrn unb ©ticffinber unb naä) ber fjamb. SBorm. D. o. 14. ©cjember
1883 3lrt. 31 eine UnterJ^altöpflid^t ber ©tiefeltcrn gegenüber ben ©ticffinbcrn.
?fla(i) ber Sluffaffung beö (Sntmurfeö liegt, abgefe^en t)on ben befonbcrcn, mit
bcr Oütcrgemcinfd^aft jufammenl^ängcnbcn S3cftimmungcn bcr §§ 1363, 1425,
1431 SKbf. 1, fein Sebürfnife oor, in Slbroeid^ung t)on bem ^ßrinjipc, bafe bic
Unterlialtspflid^t auf bem burd& bic 93Iut8ocm)anbtfd[|aft gefnüpften gomilien«
bonbc berul^t, bic gefefeUd^c Untcr^alt§pf(id^t aud^ auf SBcrfd&mägcrtc ju er?
ftredEcn, ba biefen gegenüber bic UnterljaltÄpflic^t ber eigenen SScrmonbten
ttusreid^t unb bic äßei^rjal^l bcr beftef)enbcn Siedete ber Untcrl^altöpflid^t eine
fo rocite Sluöbcl&nung ni^t giebt.
§ 1481.
"^^beJ^bä!*'* ®'"^ ^^"'^*^ ^^^^^ *"^ ®cn)äl)ruhg beö Unterf)arteö ift nur bann bc*
«nfpn4 grünbct, toenn unb foroeit bcrjcnigc, töetd^er ben Slnfprud^ auf ®ciuä()ruug
ör^ebenben. ^^^ Untcr^ottcö gcltcub mad^t, wegen SSermögcnölofigfcit unb ©rtDcrb&uufä^ig^
feit ftd^ felbft ju unterl^altcn nid^t im ©tonbc ift. 9lur unter biefcr SBorauö*
fegung fann ba^er ein 9lnfprud^ auf ©croö^rung beö Unterl)alteö oom SRed^tc
anerfannt roerbcn (ücrgf. l. 5 §§ 7, 13 D. de agnosc et alend. lib. vel
parent. 25,8; preufe. 31. S. SR. II, 2 §§ 63, 251, IT, 3 §§ 14, 15; oftcrr.
®. 33. §§ 141, 154; Code civil 3lrt. 205, 208, 209; fät^f. ®. a. §§ 1842,
1844; altenb. 3lrmengcf. t). 9. Sluguft 1833 § 87; fc^lcdro.l^olft. 9lrmenorbn.
i). 29. S)cjcmber 1841 § 14). Db bic Sebürftigteit bcöienigen, mclc^cr ben
2lnfpru^ auf ®eroöf)rung bcö Untcrljaltcö gcltenb mad^t, auf bem eigenen
S3crfd)ulbcn bcd legtercn berul)t, ift, t)orbe^aItU(^ bcr Scftimmung beö § 1490,
uncr^cblid^. 9luc^ in einem foJi^cn gallc ift bie gcgcnfeitigc Unterftüfeung
ber 3}ern)anl)ten fittlid^e ^%\6)i bejm. burd^ bic Stücffid^t auf bic offcntlid^c
3lrmcnlaft geboten. 35amit ftimmcn — abgefet)en ^ier von ber in ben SRotioen
hn § 1490 erörterten S^age, ob unter Umftänben bic Untcr^altfipfli^t megcn
Uiiroürbigfeit beö SScbürftigcn rocgfaDcn ober bef darauf t roerben foH — ba«
gemeine Siedet (ücrgl. Seuffcrt XXIV, 41) unb bie neueren ®efc6büd^cr über*
ein (oergl. preufe. 91. S. $W. Il, 2 §§ 252, 253). Sfuf einem abrocid^enben
Stanbpunfte ftcl^t bagcgen baö württemb. S. 5R. lY, 14 § 1 infofern, atö nad^
bicfent Äinber gegenüber ben ßltern unb ®ro6cltcrn nur bann unterf)altö*
pflid^tig pnb, wenn bie ^ülföbebürftigfeit ber lefeteren nid^t auf eigenem 3Scr*
fd^ulben berul^t. 2)a nad& bem (Sntiourfc baß eigene SBerfc^ulbcn beö Sc«
Unterialtöppi^t. Sorauöfe^ungcn. § 1481. 681
bürftigcn, oorbefialtlid^ bcr Scftimmung beä § 1490; auf bie Unter^altöpflid^t
o^ne ©infCufe ift, fo roirb bie Icfetcrc inöbefonbere aiid) burd& Untcrfud^ungö^
unb Strafl;aft niäji audgcfd^JoRcn (oergl. ©cuffcrt VII, 49; prcufe. DcMaro-
tion 0, 20. Df tober 1822; preufe. ®efv betr. bie Unterbringung ücrroa^rlofter
Äinber, v. 13. a»örj 1878 § 12 Slbf. 2; fäd^f. @.?d. § 1826).
Sluö § 1481 Slbf. 1 ücrb. mit 3(bf. 3 ergiebt [\6), bafe aSermogenölojig^ ©eÄrfff ber
feit im Sinne bed 3lbf. 1 nur bann vorliegt, wenn berjenige, roetd^er ben ^S^tS!'*
9(nfprud^ auf ©emä^rung bed Unterl)a(teö geltenb mad^t, ben Stamm feined
SSermögenö aufgejel)rt ^lat. S)er Sßatür unb bem 3"^^*^ ^^^ Unterf)altö?
önfprud^eö entfpred^enb ift ed jebod^ burd^ bie 33eftimmung beö § 1481 9lbf. 2
ber SScrmogenölofigfeit gleid&geftcUt, menn ber Unter^altöbebürftige nur fold^es
SBermogen ^at, meiere« jur Seftreitung beö Unterl^alteö nid^t t)ermertl)et werben
fann (Dcrgl. ©euffert XXVIII, 228). SBenngleid^ biefc Ie|terc Seftimmung
ald entbehrlich angefe^en werben fann, fo ift bod^ bie Slufna^me berfelben
mit SRüdEpc^t barauf, bajs 2lbf. 1 beö § 1481 3Sermögenölorigteit üorauöfcfet,
afe forrefter unb im 3ntereffe ber 5Deutlid&fcit beö ©efe^eö als ratf)fam
erad[|tet. ©egen ben Stanbpunft bed @ntmurfeö, bag, fo lange ber Stamm
beö 93ermögend jur ä3eftrcitung bed Unterl^alteö audreid^t, eine Unterl^altd«
Pflicht bcr SSermanbten nid^t beftel^t, laffen ^6) öom mirtl^fc^aftlic^en Stanb^
punfte aud allerbingd ^ebenf en ergeben ; allein eine ftttlid^e ^flid^t jur Unter-
ftüftung fann in einem fold&en galle ni^t unbebingt anerfonnt werben. 6inem
aSerroanbten, roeld^cr felbft SSermögen nid^t befiftt, aus ben ©infünften feiner
©nocrböt^ätigfeit aber einen anberen SBermanbten ju unterhalten im ©tanbe
möre, ift nid^t juiurntttl^en, ben Ueberfd^ug feined 93cbarfe0, ftatt benfelben für
fid& jurücfjulegen, jum Unterl&alte jened SSerroanbten ju t)erroenben, fo lange
ber legtere ben Stamm feined SSermogeng nic^t aufgeje^rt i)at £ad ©egern
tl^cil fönnte bal^in fül^ren, ba^ biefcr ben Stamm feinefi SSermogenö ju
anberen 3w><^*^ tJergeubet, ober bafe er fein SBermögen behält, roäl^renb jener
in golge feiner Unter^altdpflid^t [lä) felbft ein Kapital )u fammeln t^er^inbert
fein würbe.
(Sine Stuönal^me von ben (Srunbfäßen beö § 1481 9lbf. 1, bafe bie Unter« ««ter^ai».
i^altftpfli^t erft eintritt, wenn auf Seiten beö ben Unterhalt Seanfprud^enben ^JJJJ*^g^'.
bie Subftanj bcö SSermögenö erf(^öpft ift, mad^t ber § 1481 2lbf. 3 ju ©unften «*«f ^
eine« minberja^rigen unx)erl)eiratl)etcn Äinbeö gegenüber feinen ®lteni. S)er ***™'
natürlid^en Stellung unb Slufgabe ber ©Item entfpricbt bie ^ßflic^t ber Icgteren,
t^c ftinber bur(^ i^re eigenen Äräfte unb SWittel jur Selbftänbigfelt ju
bringen, unb jwar otine SRüdffic^t barauf, ob bie Rinber unter i^rcr clterlid^en
©cwalt ftc^en ober nic^t. ®er burc^ jene Stellung l;erüorgerufeneu fittlid&en
$flid^t imb ben 9lnforberungen wal)rer elterlid^er ©efinnung würbe nid^t
©enügc gefc^e^en, wenn bie SWed^töpflid^t ber ©Item, if|re Äinbcr ju unterl^alten.
erft bann eintreten folltc, wenn bie legteren burd^ ©rfc^öpfung beö Stammes
i^red aSermogend in völlige ^ürftigfeit verfemt ftnb. 9lud^ wirtt)f(^aftlid^ würbe
eine fol(^e Siegelung nic^t ju billigen fein, ba bie Selbftänbigfeit unb bad
fpätere gortfommen ber ftinber gcfid^crter ift, wenn fie bei SBollcnbung i^rer
Sluöbilbung nid^t t)on allen äßittcin entblößt ftnb. 3luf ber anberen Seite
entfprid^t e« aber bcr 9?atur ber Sad^e unb bcr 33illigfeit, bafe, wenn bie
682 Untfr6alt&j)fli*t SSorau&fctiunoen. § 1481.
Äinber eigenes SSermögen befigcn, bic ©iufflnftc beS Icfeteren junäd}ft ju t^rcrti
Unterl;altc Derrocnbet raerbcn, eö mithin itiforoeit bei ber SWegcI beö § 1481
9lbf. 1 bleibt, ©benfo tritt biefcr Sieget gcmäfe bie Unter^altöpflit^t bcr
©Item nic^t ein, wenn unb forocit bic Jtinber burcft eigene ©rroerbötJ^ötigteit
biefer ober jener 3lrt, roeld^c ben Untftänben nad) i^nen jugemutl^et werben
fonn, fid) felbft ben Unterhalt ju ocrfd^affen in ber Sage ftnb. 3« Ä^nlid^er
SBeife, toic ber @ntn)urf, er!cnncn awä) bic beftcfjcnben SRed)te eine geftcigcrtc
Unterhaltspflicht bcr ©Item gegenüber ben Äinbcrn an; hoä) bcgrenjen fie
bie S)auer biefer gefteigertcn Unter^altdppidjt jum 2^^eil in anbcrcr 2lrt; vox^
roicgenb [teilen bicfelben nicftt auf bie 3)tinberiö^rigfeit bcö ftinbeö, fonbern
borauf ab, ob baö leßtcre unter Däterlid^er (Seroalt ftel)t (öcrgt. ©euffert XII,
45, 169; preufe. 31. S. SR. II, 2 §§ 65, 161—164, 204, 287; oftcrr. ®. S.
§§ 139, 141, 220, 221; code civil 3lrt. 203, 384, 385; fäd)f. ®. 33. §§ 1845,
1826; I;cff. ©ntro.III 3rrt. 20, 42). aBenngleid^ bic ©rünbc, auf roeld)en bic
SInerfennung einer intenfiücren Untert)altöpf(id)t ber ©Item gegenüber ben
Äinbern benii^en, bafjin ju führen fd^einen, jene intenftoerc Unterhaltspflicht
auc^ JU Ounften tjolliä^rigcr, aber nod& nid)t jur ©elbftönbigfeit gelangter
ftinbcr an juerfcnnen , fo fann eine fold&e 9luöbcl)nung bod^ ©om Staube
punfte einer (Sefeggebung au^, TOeId)e, roie ber ©ntrourf (§ 1501 9lbf. 1,
§ 1557 3lbf. 1), mit ber SSoIIiälirigfeit beö Äinbeö bie clterlid)e (Seroalt ol^nc
JRüdjid^t barauf auff|örcn löfet, ob baöfelbe im fonfreten gälte nod^ nie^t in
in ber Sage ift, einen fetbftänbigen ^auölialt ju begrünben, nid^t als gcred)t*
fertigt erachtet roerben. SWit ber SSoUiäl)rigfeit bed Äinbcö crleibct bic ©teltung
bcr ©Itern gegenüber bem Jlinbe eine tiefge^enbc 3lcnberung. 3)ad DoUiö^rige
Äinb ift nid^t me^r abl^ängig t)on ben ©Itern unb fann inöbefonbere über fein
33cmtögen beliebig ocrfügen. SJiefcr Slenbcnmg in bem SSer^ältniffc jroifd^en
ben ©Itcrn unb bem Äinbe entfprid^t cö, mit ber 5ßolIiäl;rigfeit beö tefttcren
bic intcnfiücre Unterl^altöpflid)t aufpren ju laffen. (Segen bic Slusbe^nung
bcr Ic^tcren gegenüber üolliftljrigen, nod) nid)t jur Scibftänbigfeit gelangten
Äinbern fprid)t jubem, ba§ baburd^ bcr fd^roierigc Segriff ber separata oeco-
nomia roieber eingeführt roerben roürbc, roeldjcr in ben Ocbicten beö gemeinen
unb beö preufe. Slcd&tcö ju fo jal^treid)eu Streitfragen unb ^rojcffen aScr^
anlaffung giebt. Um fo unbcbenflidjcr ift es, mit ber S3oUiä(;rigfcH bic SRcgel
beö § 1481 3lbf. 1 oI)nc bic SRobififation beö 3lbf. 3 eintreten ju taffen, alö
in ber großen 3)tcl)rial)t ber gäHc bic ©Itern i^ren üoDiö^rigen, noc^ nic^t
5ur ©clbftänbigfcit gelangten Äinbern, inöbefonbcre DoUjä^rigen, unücr^eirat^cten
2^öd)tern, t^atfddjlid) ben Unterhalt gerool)ren roerben, bie (Settenbmac^ung
eineö ©rfa6an)prud)eö aber in ber SRegcl an ber 93eftimmung beö § 754 3tbf. 2
fd^eitcrn roirb. Sollten aber in cinjelnen gAUen bic ©Itern barauf bcftcfjcn,
bafe iene Äinber junöd}ft bie Snbftanj beö SUermögenö jur Seftrcitung bcr
Äoften il)reö Unterf)alteö uerroenbcn, [fo fann barin awä) ni^t fd&lecftt^in eine
Unbilligfeit gcfunbcn roerben, namentlid) bann nid^t, roenn baö bctreffenbc
Äinb einen 93eruf erroä^lt l)at, roeld^cr baöfelbc fpftter, alö bicö bei ben übrigen
Äinbcrn ber ©Itern bcr gall ift, in ben ©tanb fejt, pd& felbft ben Unterl^alt
JU erroerben. Safe aud^ minberiftljrigen ftinbern gegenüber bie 3tuöna^mc beö
§ 1481 3lbf. 3 bann rocgföllt, roenn bicfelben ücr^ciratl)ct finb, red^tfcrtigt fi(^
Unlerjnltöpflid&t. Soraugfc^ungcn. § 1481. 683
baburd^, bafe ftc mit bcr 3Scr^cirat^ung aus bcm engeren gomilicnüerbanbe
oudfc^ciben.
gSBic auö bcm § 1481 3lbf. 3 in SJerbinbung mit 9lbf. 1 fid) ^^^fl^^^t *^" ^/^^^
fmb oud^ in einem fold^en galle, in roeld^em ein 2:f|eil beö ftinbeöoermogenö cemöuen«.
ber elterlid^en ^Rufcnieguug unterliegt, ein anberer 3::i^eil bagegcn ber elterlidjen
Slu^nieftung entjogen ift (§§ 1517—1519), bie ©infünfte biefeö legteren SSer^
mögend junöd^ft jum Untertjaltc befi Jlinbeö ju üermenben, unb jmar axiä)
bann, menn ber SRcinertrag beö ber eltcrlid^en Slufeniefeung unterworfenen 3}er?
mögen« jur SBeftreitung ber Roften bed Unterfialted Iiinreid^t. 9luf einem
onbercn ©tanbpunftc fte^t in biefer ^inftt^t boö franj, 3ic6)t, roett^eÄ bie
Untcr^allöpPid&t gegenüber ben ftinbern junod^ft alö eine Saft ber cltertid^en
^luftniefeung betrod^tet (rergl. code civil 2lrt. 384, 385), 3lud^ nad^ roürttemb.
SRed^te toirb angenommen, bafe bie ©ttern bie ©infünfte bed freien Ätnbeö*
t)enn5gend nur infomeit jum Unterhalte ber ftinbcr in 2tnfprud^ nehmen fonnen,
als bie ©infünftc beö ber elterlid^en ^Rufeniefeung unterworfenen SBermögenö
baju nid^t auörcid^en. dagegen ftefjt mit bem ©ntrourfe baö fäd^f. 0. 33.
§ 1845 unb, toenigftenö nad& ber äuffaffung beö SRcid^ögerid&teö (oergl. ®ntfd^.
in eiüilf. IX, 76), aud& baö preufe. 21. S. S«. II, 2 § 161 im @inf(ange. S)er
©tanbpunft beö ©ntiourfeö wirb ferner in ber ^fJrafiö beö gemeinen SRed^teö
vertreten (oergf. Seuffert XII, 45). S5a ber ©ntrourf auö ben in ber SBor*
bemerfung oben S. 677 ff. bargelegten ©rünben alö bie Orunbfage ber bem
3n^aber ber elterlid^en ©eroatt obliegenben Unterl)altöpflid()t gegenüber bem
ftinbe nic^t bie clterlidje 9Jufeniefeung, fonbern baö jwifd&en ben ©Itern unb
bem Rinbc beftef)enbe 85enoanbtfd)aftöüerI)ättni6 bctrad&tet, fo cntfprid^t eö bem
(Srunbfagc beö § 1481 9lbf. 1, bafe bie ©infünfte beö freien ftinbeöoermogenö
junäd^ft jum Unterhalte beö betreffenbcn ftinbeö oermenbet werben muffen.
©in SBebürfnife, jenen (Srunbfafe im Sntereffe beö Kinbeö auö 9lüdffid&ten ber
SJiUigfeit in ber 3lrt ju mobifijiren, bafe bie Ginfünfte beö freien Äinbeö-
Dermögenö erft bann jum Unterhalte beö ftinbeö üermenbet ju werben 6raud)en,
wenn ber SReinertrag beö ber eltcrlid^en SRufeniefeung unterliegenben 58erm5genö
baju ni^t auöreid)t, fann nid&t anerfannt werben. 6inc berartige (Seftaltung
fü^rt aud) ju ptaftifd) unbefriebigenben JRefuttaten. Sic füfirt bafjin, bafe
na6) 93eenbigung ber elterlid^en Oewalt, alfo nad^ langen Sauren, wenn bei
ber Sdf)lu6red&nung beö 3n^aberö ber eltertid&en ©ewalt über bie Sßerwaltung
beö freien ftinbeöücrmogenö ©treit barübcr entfielt, ob ber leftterc bie Gin*
fünfte biefeö SScrmogenö jum Unterhalte beö ftinbeö ^abe ücrwenben bflrfcn,
eine Unterfuc^ung erforberlid^ wirb, ob unb inwieweit ber SRcinertrag beö ber
elterlid^en Slttfeniefeung unterworfenen SBermogcnö beö ftinbeö jur Seftreitung
ber ftoftcn beö Unterfialteö beöfelben ^ingereid^t f)at STudö fann eine folcfte
Siegelung unter Umftänben bie einer oernünftigcn ©rjieljung unb ber natfir«
li^en ©eftaltung beö ^amilienoerpltniffeö wiberfpred^enbe golge ^aben, ba% bie
Art, in welker bie in berfelben gamiliengemeinfd&aft [\6) befinbenben ftinber
unterhalten werben, eine ungleid^e ift.
3n ber a:^eorie ift eö bcftritten, ob in 5lnfe^ung ber 93ebürftigfeit beö* »e»tui«ii in
jenigen, weld^cr ben Slnfprudj) auf Oewä^rung beö Untcrl^alteö geltenb mad&t, SeKSielt
biefer ober ber 93eflagte beweiöpfli^tig ift. 2)ie 5ßraf iö neigt fidf) ber 9lnfid)t
684 Unter5artepflt(36t. aSoraugfc^unflcn. § 1481.
iu, bafe bcr Älägcr feine Sebürftigfeit alö X\)di bed Älagegrunbeö ju bemeifen
i^abc (oergL ©euffert X, 179, XXVIII, 228). S)icfer iuöbefonberc auä) bem
fäd)f. 0. 83. § 1844 JU ®runbe liegenben Slnfid^t fd^liefet, mie bie gaffung beö
§ 1481 3lbf. 1 flar crfenncn lafet, ber ©ntrourf fid& an. ®a bie fittüd^e ^flic^t
bie ©runblage bcö älnfprud^es bilbet, ooh einer fittlic^en ?ßflici)t jur Unter«
ftüfeung aber crft mit ©ntfte^unö ber 95ebürftigfeit bie 9lebc fein fann, fo muß
bie le|tere aud^ alö SSoraudfefeung ber red^tlid^cn Verpflichtung jur ®:n)ä^rung
bcö Untcr^alteö be^anbclt werben. S)ie Sebürftigfcit erfd^eint fomit ate eine
rcd^töerjeugenbc a:^atfad&e für ben Unterljaltöanfprucft, 3)iefe Siegelung ber
33en)eiölaft rcd^tfcrtigt fid^ aber aud^ burc^ bie praftifd)c ©rroägung, bafe ber
Äläger e^er in ber Sage ift, feine bie 33ebürftigfcit begrünbcnben SScr^ältniffe
barjulegen, alö ber 33e!lagtc in ber Sage ift, feine Se^auptung, bafe ber Äläger
fid^ felbft JU unterl^alten im ©tanbc fei, ju fubftantiiren, ba bem S3e!lagten
bie aSer^dltniffc beö Rlägerö nid^t immer genügenb befannt finb. Safe für
ben Äläger eine SJegatioe ben Ocgenfianb beö Serocifeö bilbet, fann alö burc^-
fd^lagenb nid^t erad^tet merben. SBie in anberen gällen ber 9lrt fann ber
Semeiö gefül^rt merben burd^ ben S3eroeiö pofttioer Sl^^atfad^wi, meiere ben
©d^lujg auf bie SRegatioe geftatten; ©ad^e bcö 93cf lagtcn ift cö bann, imSBcgc
beö Oegenbcroeifeö fold^e 2:^atfad^en barjutl^un, meld)e iencn ©c^lufe mieber auf*
Sul^eben geeignet finb. 3n ben meiften gäHen mirb bcr Älägcr mit ^ülfe von
3ltteften öffentlid^er Se^örben feine S3ebürftigfeit infomeit nad^juroeifen im
©lanbc fein, bafe il)m not^igcnfallö über bie feine Sebürftigfeit begrünbcnben
2^l;atfad^en ein rid^terlid^er ®ib auferlegt werben fann.
md^ SJBä^renb bie 9lrmengefefegebungen ben uon ben 2lrmenocrbänbcn ju
ert^ottung «e. gcroätirenben Unterfialt faft burd^gängig nur alö aSorfd^ufe bel^anbeln unb
süiSe. beöl^alb beim ©intrittc gcmiffer aSorauöfcfeungen balb in meiterem, balb in
befd^ränftcrem Umfange bie ©rftattung ber gelcifteten 3llimente anorbnen (ücrgl.
Urt^. b. SR. ®. bei ©ruc^ot XXIV ©. 513; anbercrfcttö ©euffert XXXIU,
305, XU, 269), fd&liefeen, fooiel ben auf ®runb ber Unter^altöpfli^t ber
Scrroanbten geroäfirtcn Unterhalt betrifft, bie beftel^cnben Siedete ieben Slnfpruc^
auf Jlüdferftattung aud& für ben gall auö, bafe ber S3cbürftigc fpäter mieber
JU beffcren SSermögenöoer^ältniffen gelangen foUte. ®ieö ift inöbefonberc ber
©tanbpunft beö gemeinen, beö preug. unb beö fran). 9led^tcö, mie aud^ beö
fä^f. ®. 33. § 1849. eine 3luöna^me mad[|t ieboc^ baö prcufe. 91. S, SR. II, 2
§ 21 in änfcl^ung bcr ®efc^mifter.
®a berienigc, mcld^cr feiner Untcrl^altöpflid&t ®enüge leiftet, eine i^m
obliegcnbe SScrbinblid&fcit erfüllt, fo crgiebt fid| in Ermangelung einer be^
fanbercn 33cftimmung, meld&c alö ©egcnftanb bcr 58erhinblid&feit nur bie
Seiftung eiueö 33orfcftufjeö bcjeic^nct, an ber §anb ber allgemeinen ©runbfä^c
Don felbft, baß ein SRed^t auf SRüdEcrftattuug auögcfd)loffen ift* ßö fann aDer*
bingö }meifelf)aft fein, ob bie auö bem gamilicnocr^Uniff^ fic^ ergebcnbc
fittlic^e ?ßflid&t bie 9lnerfcnnung einer SRed)töpflid^t j\ur üorbe^attölofcn ®e?
mä^rung beö Unterl)a(teö forbert, ober ob nid^t ieiicr ftttlid^i ^flic^t auc!^
bann genügt wirb, rocnn bie Sllimente unter bem SSorbc^altc ber SRücf^
erftattung für ben gall gcleiftet ober alö geleiftet angefe^cn merben, bag ber
SBebürftige fpäter ju einem fold^en aSermogcn gelangt, meld[|cö ii|m bie SRürf-
Unter^altSppici&t. Soraugfegunöcn. § 1482. 685
erftottuno oljne (Scfäl)rbung fcincö eigenen Unterliattcö unb bcr \\)m oblicgenben
95erpPid)tungcu ermoglid^en roiirbe. Snbeflen ücrbicnt bcr gänjlid}c 9luö-
fcftluß bcö 3lnfprud^cd auf SKücfcrftottung iint bcötoiUcn bcn SSorjug, weil
ein fold^cr Stnfprud^ (eid^t ju jroeifeUjaften unb t)erit)icfelten ?ßrojeffen unb
jur Störung bcö gamtltcnfriebcnö SBeranlaffung geben unb baju mifebrauc^t
werben fonn, einen faunt ju Äräften ge!ommcnen Sebürftigcn in einer bie
^ietät Deriejenben unb gegen bie loirtlifc^aftlid^en Snterejten ücrftofecnben
SBeife fortroö^renb mit Älogen ju beunruhigen, ©ine 2luöna^me ift auc| nid^t
für bcn goll gemad&t roorben, in roeld^em ein SScrmaubter um bcöroiBcn Unter*
f)alt JU gcroo^rcn t)crpflid&tet mar, weil ber SBebürftige nur folc^eö SScrmögen
^attc, meld&cö jur S3cftrcitung bcö Untcrl;alteö nid^t üerrocrtljet werben fonnte
(§ 1481 9lbf. 2); ed feljlt an einem Sebürfnijfe, für bie l)ter in S3etrad&t
fommenbcu feltencn gällc burd^ eine befonbere fafuiftifd{)e Seftimmung SSorforge
JU treffen, ©benforoenig empfiehlt eö fid^, in SKnfcljung ber Unter^altöpflid^t
ber ©cfd^roiftcr eine 9luSnaf)me ju mod&en, ba gcrabe l^icr bie gegen bie Sin-
erfcnnung eines SRüdfforberungöred^teö ()erüorgef|obcnen 93ebenfen befonberö
^eroortretcn.
§ 1482.
2)aö Siecht unb bie 5{5f(id[|t bcr ©elbfterl^altung ge^t ber 5ßflid^t, Slnberc seifuinfl*.
ju untcrftü|en, Dor. 2)ie lefctere 5PfIic§t tritt bcfi^alb nur ein, wenn unb KnfpJliS
fomcit berjcnige, gegen roeld^en ber Unterl^altöanfprud^ gettenb gemad)t wirb, ®«"<»«««««"-
fö^ig ift, ben Unterhalt ju geroäfiren. aJJit biefem ©runbfafee ftimmt auc^
bad gettenbe 9lcd)t überein (oergl. 1. 5 § 13 D. de agnosc. et alend. üb. 25, s;
1. 2 Cod. de alend. üb. 5, 25; preufe. 21. £. SR. U, 2 §§ 19, 29; öfterr. ®. 33.
§ 143; Code civü 3trt. 208, 209; fäc^f. ®. 93. § 1848; I;cff. entm. III, Slrt. 45;
gnlfcft. b. % ©. in (Siüilf. XVII, 53).
SBei SSemeffung bcr Seiftungdfä^igfcit ift nid^t nur baö aSermogen,
fonbcrn oudf) bie ©rroerböfraft bcö in Slnfprud^ ©enommenen in S3ctrad^t ju
jieficn, unb jroar fommt eö babei nid^t barauf an, voa& bcr Icfetere tl)atfäc$Iid&
enoirbt, fonbcrn maö er errocrben fann. Äann er fo oiel burdf) feine Slrbcitö*
fraft ermerben, bafe er aud) ben Unterl^alt befl 93ebürftigen baoon ju beftreiten
im ©tanbc ift, fo ift er auc^ oerpflic^tet, feine Äräfte bcmentfprec^enb
anjufpannen (oergl. ©cuffert XIV, 43, XXIX, 144 ; ©ntf d(). b. SR. ®. in
eioilf. IV, 44 ©. 155).
3[uf bcr anbcrcn ©eitc fann e& aber, oorbeljaltlid^ ber befonberen 93e*
ftimmung bcö § 1482 2lbf. 2, als eine Slnforberung fittlic^er 5ßpid)t nid^t an^
gefe^en roerben, bafe ein SSermanbter, um* einen anbcrcn aScnoanbten unter»
ftü^cn JU tonnen, fid) fo einfcftränft, bafe er felbft feinem ©tanbc cntfpred^cnb
(rergl. § 1488 3lbf. 1, 2) nid&t me^r leben fann. 3nnerf|alb ber burd^ feine
flebenßfteDung gegebenen ©renje mufe er bagegcn nöt^igenfallö auf baöienige
fid^ befdE)ränfen, mad bad ftanbesmögige fieben not^n7enbig mit fid^ bringt.
Slufeerbcm ift bei 83eme{fung ber Seiftungöfäbigfeit bcö in 3lnfprud^ ®e:^
nommenen auf beffen anberraeite SSerpflid^tungen fomeit SRücffic^t ju nehmen,
bog buvö) bie ©emäbrung beö UnterljaUed bie orbnungömöfeigc ©rfüUung iener
686 Unter^altßpflid&t. aSorauöfefeunocn. § 1482.
93erpf(i(^timgeu ntd^t gcfäf)rbct tuirb. @d ift bied fomol^I burd^ bie ätücfitc^t
auf bic ©laubiger bcöicnigen, gegen welchen bcr Unter^attöanfprud[| geltcnb
gemad^t loirb, als burd^ bie 9liitffid)t auf bcn in 9lnfprud^ Oenommcnen
fclbft geboten, weil, xocnn bie Oeroäljrung beö Untcrl^alteö bic golgc l^abcn
würbe, bafe jener feine anberroeiten Söerpfüd^tungeu üorauöficfttlid^ nic^t
ober bod) nid^t mit ©id^ert)cit loürbc becfen tonnen, barin juglcid^ eine ©c^^
fä^rbung beö eigenen ftanbcömdfeigen Unterljalteö liegen toürbe. SBon biefem
ieftteren Ocfid^töpunfte auö fönnte ber im § 1482 9lbf. 1 enthaltene S^faß/
bafe bei SBemeffung ber Seiftungöfät)igfeit bic anbermeiten SScrpflid^tungen beö
in 9lnfprud^ Oenommcnen ju bcrücffid^tigcn feien, iibcrl^Äupt olö entbehrlich
angefc^en roerben. 3m Sntcreffe bcr S)cutlid^feit beö ©efefecö ift cfi icbod^ jur
SScrmeibung fonft leidet entftc^enber 3w)eifel ratl^famer, auöbrüdElic^ im ©efcfec
barauf l^injuroeifen, bafe in bcm oben bejeid^neten ©inne aud^ auf bie anber*
locitcn SSerpflid^tungen SRüdffic^t ju nehmen fei. ©afe biefer ^inrociö ju
bcm aJlifeocrftänbniffc fiiliren fönnte, alö ob bei Ermittelung ber Sciftungö*
fäl)igfeit aEe ©d^ulben ol[|ne SBcitereö in 2lbjug ju bringen feien, ift nid()t ju
beforgen.
«rwdterung ggou bcr SRcgcl, bafe bic Untcrl^altöpflid^t nur eintritt, menn unb fomeit
Jaitfipw ^^^ i" Slnfprud^ ©enommenc ben Unterhalt oljne ®cfäl;rbung beö eigenen
ber eitern, ftanbcömöfeigcn Unterlialteö ju geroä^ren im Staube ift, ma^t bcr § 1482
3lbf. 2 ieboc^ im Slnfc^tuffe an eine ä^nlic^e in ber S)oftrin unb ^ra^iö beö
gemeinen, mic beö preu§. 9lcd[}teö, inöbefonbere aud) üom Meid^ögerid^tc, ücr*
tretene 3luffaffung (oergl. ©nlfd^. b. 9fl. ®. in ßioilf. IV, 44 ©. 154; Urtf). b.
SR. ®. bei ©rud^ot XXV S. 113 ff. unb im preug. 3ufl. aJlin. S3l. oon 1880 ©. 327 ;
ferner ©euffert XLII, 275) ju ©unftcn minberiä^riger unoerl^eirat^etcr Äinbcr
gegenüber ben ©Itcrn eine 2luöna^mc. 3n ben im § 1482 3lbf. 2 bcjcicftnetcn
göHcn foH baö 33erm5gen unb bcr (Srmcrb ber ©Itcrn in einer bcm fittlid^en
33er^ältnif|e jroifd&cn bcn ®ttern unb Äinbern unb ber ©tellung ber erftcren
gegenüber ben Icfetcrcn entfpred^enbcn SBcifc jum gcmeinfd[iaftlid^cn Untcrl^allc
ücriücnbet roerben. S)icfe tntenfiüere Unterl^altöpflid^t bcr ©Itcrn wirb bur^
\>a^ natürlid^c ©efüf)l, bic engere gamiliengcmeinfddaft unb bic 3lufgabc ber
©llcrn, i^rc Äinbcr jur ©clbftänbigfeit ju bringen, geforbcrt. Sluf bcr anberen
Seite cnlfpric^t eö aber ber natürlid&cn ©ac^lage unb bcr Sittigfcit, bafe auf
biefc befonbcrc Untcr^altöpflid^t bcr (Sltern bic Seftimmung beö § 1481 9lbf. 3
feine 9lnmenbung pnbet. ©olangc bic Äinber eigeneö SScrmögen f)aUn, fann
ben ©Itcrn bic im § 1482 9lbf. 2 beftimmtc 83efd)ränfung ibreö eigenen Unter»
l)altcö nid^t jugemut^et merben. 2lu(ö ift bie ^ier fraglid{)c ©rrociterung bcr
Untcrl&altöpPid^t ber ®ttern roegen ber für bie Icfetcrcn bamit ücrbunbencn
^örte nid^t gered^tfertigt, folange ein anberer 5ur ©eroölirung beö Unterhalte«
ücrpflid^tetcr 93erroanbtcr oor^anben ift. S)ie ®efal)r, bofe in golgc bicfcr
©ubfibiarität ber befonberen Unter^altöpflid^t bcr ©Itern bie Icfetercn, ftatt
jid^ felbft cinjufd^ränfen, möglid^ft beftrebt fein mcrbcn, bie Unter^altöpflid^t
oon fid& auf anbcrc SSerroanbte, inöbefonbere bie ©rofecltcrn, abjuujüiläen,
liegt fern. SSon fclbft Dcrfte^t eö fic^, bafe bic ©Itcrn fid^ junäd^ft fo*
lücit ein juf darauf en i&abcn, alö bicö mit il)rer ScbcnöfteUung vereinbar ift.
2)aB biefc gefteigerte Unter^attöpflid&t mit bcr aSolljälirigfcit ober ber SBer*
Untcrtaltöpfli^t. SSorauöfcftunoen. § 1482. 687
l^etrat^ung bed jtinbed aufbort entfpnd^t bem § 1481 älbf. 3 unb ben ©vunben,
ouf weisen bic Icfctcrc Scftimmung beruht.
3u ber gcmcinrec^tli^en X^tom unb 5ßrayiö gelten bie Slnfid^ten bar* ««»««laii in
über ouöcinanber, ob berjcnigc, tüel^er ben Untcr^Qltßonfprudd gcitcnb mad^t, ^^aeXnV**'^
bic ficiftungfifä^igfeit bcfi S3cflagtcn ober ber Icfetcrc [eine Sciftungöunfäfiigleit f*^»8Wt.
ju bciueifcn ^obe. 2)aö Dbcrtribunat ju Scriin \)at ^iä) in bem te^tcren ©inne
(oergl. Scuffcrt I, 233), baö SReid^iögeric^t in bem crftcren ©innc Quögefprod^cn
(entfd^. b. 9t. ®. in (Sioitf. IV, 44 S. 154*, 155). 3m ©cbictc beö preufe. 91. 2. SR.
liiot burc^ bic preufe. ©cfloration v. 21. 3uH 1841 (oergf. boju VLxii). b. SR. ®.
bei ®ru(^ot XXIX ®. 926 unb XXXII ©. 132) bic Slnfic^t, bafe ber »e^
flagte beroeiöpffic^tig fei, gefeßU^e 9lnerfennung gefunbcn. SBic aus ber
gaffung bcÄ § 1482 mit geniigenbcr ®cutUd)fcit erl^cUt, fa§t bagcgen ber
<Sntn)urf bic Sciftungöfö^ig{eit bed 3e{(agten ald eine SSoraudfegung für bic
@ntftel^ung beö Unter[)Q[tdanfpruc^ed, a(ö eine rcd^töcrjcugenbe 2:()Qtfac^e auf.
gür bic 33c^Qnblung ber Seiftungöunfäl^igfeit olö einer re^töl^inbernben unb
bcd^alb Dom ^eflogten }u bemeifenben S^atfac^e (ä§t fti^ allerbingd ber prQ{*
tifd^e ©efi^^punft gcitcnb mad^en, bag cd für ben j^löger unter Umftönben
mit ©d&ioicrigfcitcn oerbunben fein fann, bic Seiftungöfäl^igfeit beö Seflagtcn
ju f ubftantiiren , nienn i^m bic SBermögenfi^ unb (Snüerböocrl^ältniffc beö
lefcteren nic^t nä^cr befannt finb. S)iefcr 93ortl^ciI n)irb inbeffen huxä) ben
onbercrfeitö mit biefcr ftonftruftion ücrbunbcnen praKifc^en Slad^t^cil Quf-
gewogen, ba% auf biefem SBege bem Scflogtcn ber Seroeiö ber SRcgotiüc auf*
erlegt wirb, bafe er anbercö S3erm5gen unb weiteren ©rmerb, alö t)on if|m an^
gegeben, nid^t l^abe. Unter biefen Umftfinbcn oerbient cö ben SSorjug, bie
Seiftungöfä^igfeit beö Seflagten alö re^töerjeugenbc S^J^atfad^e iu be^anbeln,
ba biefe 9luffaffung ber fitttid^cn ®runblage ber Unter^a[töpfiid[)t am mciften
cntfprit^t; benn von einer fittli^en ^flid()t jur ®en)äl)rung beö Unter^alteö fann
nur bie SRebe fein, menn unb fomeit ber in Stnfpruc^ ®enommenc nad& SRafegabc
ber 33cftimmungen beö § 1482 ben Unterhalt ju geroä^ren im ©tanbc ift.
9luö allgemeinen ®runbfä&cn ergiebt fid^ übrigenö üon felbft, bafe ber Äläger
feiner Scmeiöpflid^t burd& ben $Rad()n)eiö genügt, bafe ber Seflagte na^ feinen
aftioen SBcrmögenöoerl^ättniffen unb feinen (Srroerböoer^ältniffen ol^ne ®cfal^r*
bung beö eigenen ftanbeömägigen Untcr^alteö ben Unterf)a(t ju gemä^ren im
©tanbe fei. SBill ber SSctIagte feine Unter^altöpflic^t mit SlüdEfid^t auf anbcr*
weite i^m obliegcnbc SBerpflid^tungcn abtcl^nen, fo ift cö feine ©ad^c, bie
ejiftenj fold^cr aSerpflid^tungcn ju beioeifen. ©benfo liegt i^m ber Semeiö
anbcrcr befonbercr, für bic 93emcffung ber Sciftungöfä^igfeit er^ebli^er Um*
ftänbe ob, j. 9. ber 99en)ciö ber Se^auptung, bag er loegen feiner 5lrännid^feit
}u feinem eigenen Unterhatte me^r mic gemö^nlid^ bebürfe. 2)a bie Seiftungö*
ffi^igteit beö ^ettagten ^^orauöfegung für bic Sntfte^ung beö Unterl^altö*
anfprud^eö ift, fo ücrfte^t eö f\d) von felbft, ba6 bic grage nid()t in bie gnwngö*
üoUftredungöinftanj Deriülefcn rocrbcn fann (oergt. Scuffcrt VI, 204; (Sntfc^.
b. JR. ®. in 6iDitf. IV, 44 ©. 154).
2)aö fäd^f. ®. S. § 1848 ©ag 2 cntfjält noi) bie auöbrürfU^e S8e*
ftimmung, ba^ im gallc ber Sciftungöunfäf)igfeit eincö 33criüanbten ber lefetcrc,
rocnn er fpäter ju 9Jermögen fommt, für bic )ßergangcn(;eit nad^jujal^Ien n\ä)t
688 Unter6altgpfli(6t. Sufammentrcffcn meuteret Scrcd^tigtcr. § 1483.
üerpflic^tct ift. S)cr ©ntrourf fjot eine bcrortigc Scftimmung alö cntbe^rtid^
nid^t aufgenommen. 3)iefelbe folgt üon fetbft borouö, bofe nodd § 1482 für
bic Sauer bcr Seiftungöunfäi^igfcit eine SBerpflic^tung jur Ocmä^rung bed Unter«
l^alteö überf)aupt nic^t jur @ntftcf)ung gelangt.
§ 1483.
3ufammen* 2)ic befte^eubeu siebte entl^alten feine befonberen S3eftimmungcn für ben
me^m«"«e* S^H/ wenu ber SBerpftid^tete bei bem 3ufammentreffen bed Untcröaltöanfpru^c«
ret^ttflter, tuel^rerer S3ercd()tigter nid^t im ©tanbe ift, allen 9lnfprü^en ©enügc ju feiftcn.
3n (grmangetung einer befonberen Seftimmung würbe feiner biefcr Slnfprüd^e
bem anbcrcn oorgef^en, ba, foüiel ben Slnfprud^ für bie 3wfunft betrifft, feiner
ber Derfd^iebenen STnfprüd&e ald t)or bem anberen cntftanben angefe^en, gegenüber
feinem bcr STnfprüd&e mithin geltenb gemad^t werben fann, ba& burd^ bie Se*
friebigung beöfetbcn anbere bem SScrpftid^tetcn bereits obliegenbe Untcr^altö*
üerbinbUc^feiten gefä^rbet werben würben (§ 1482 9lbf. 1). ®ie oerfc^iebenen
3tnfprüd&e würben ^lä) ba^er gcgenfeitig befd^rönfen. Um ben barauö fid^ er*
gebenben ©d^wierigfeiten mogIid()ft ju begegnen, anbererfeitö ber mit bcr ©runb«
tage bcr Unter^attöpPid()t im (Sinflange ftebenbcn änforbcrung gerecht ju
werben, bafe bie naä) bem gamilienbanbc bem SBerpflicötctcn nä&er fte^enbcn
SBerwanbten ben entfernteren oorge^cn, beftimmt ber § 1483 9l6f. 1 Saß 1,
entfprec^enb bem § 1485, bafe bcr Slnfpruc^ bedienigen üorgeljcn foH, welcher
nad) bcr gcfegtid&cn ®rbfo(ge juncid^ft als 6rbe bcö SSerpflic^tctcn berufen fein
würbe (§§ 1965 ff.). SBon biefem ^^rinjipc mad^t \cboä) ber § 1483 Slbf. 1
©ag 2 bie burc^ 9lücffid()ten bcr 5|8ietät unb ber SiUigfeit gebotene SKuönal^me,
ha^ ber Unter^attöanfprud^ ber ©efddwifter bem Unter()altöanfpruc^e bcr 33er*
wanbtcn in gerabcr Sinie nad)ftel;t. 3)ie ©rünbe, auö welchen auf bem ®e*
biete beö (Srbred&tcS bas (Srbrec^t ber ®cfd)wifter im SSerf^ältniffe ju ben Sßer*
wanbtcn in gerabcr Sinie jum k^exl anberö georbuet ift (§§ 1966 ff.), treffen
^ier nid^t ju.
eine« 35ie Scftimmung bcö § 1483 2tbf. 2 regelt baß SSerfiältnife beö bem
a^^^JJlJ^tJJl* ©fiegatten bes SJcrpflid^tcten gegen bicfcn juftcfjcnbcn Unter^attöanfprut^e«
' (§§ 1280, 1281) JU bem Untcrfialtöanfprud&e bcr SBcrwanbten beö aSerpflic^teten.
35icfe Slrt bcr SRegcIung red^tfertigt fic^ einerfeitß mit Slüdfuc^t barauf, ba6
cö einem normalen gamilienoer^ältniffe entfpridjt, wenn baö 93ermögcn unb
bcr ©rwcrb bcs einen ®t|cgattcn, foweit nötbig, jum gemcinf^aftlic^cn Unter*
t)alte bcö anberen ®()cgatten unb feiner nod) minberjäfirigcn, unücr^eirat^etcn
kinber ocrwcnbet wirb, anbererfeitö mit ^iüctfic^t barauf, bafe bad bie 6^e*
c^aikw ücrfnüpfenbe ^anh nä()cr unb enger ift, alö baö bcr fonftigen SBer*
wanbtcn.
eine« Dq bcr im § 1454 beftimmtc Untcrl^altöanfprud^ beö gefd()iebenen 6^e*
i^^aumZt flotten nacö bem ©ntwurfc nid^t ben Äarafter eincö gewöhnlichen (Sntfd&äbigungö*
onberen anfprud)cö \)at (ocrgt. bie ÜJlotioc ju § 1454 oben ©. 617 ff.), fo mufe aud^ baö
»eret^tiöten. 55^^,^^^^^}^ j^j^j^^g Untcr^altöaufprud^cö JU bem Unterl;altöanfprud&c beö fpäteren
©Regatten unb bem bcr SBcrwanbtcn beö 58erpflid)tcten befonberö gcorbnet
werben. S)ie Scftimmung beö § 1483 3lbf. 3 läfet fid^ gegenüber bem gc*
UntcrSaltßpfli^t. SSertältnig ju bcn Sl&cöatten. § 1484. 689
fd&icbencu 6t)cgatten ol^ne grofec praftifd^e ©döroierigfeitcn nid^t burd^fü^rcn.
S)ie aSorfc^rift bed § 1483 3lbf. 3 trägt ben oerfc^icbcncn SBüdEfic^tcn in cincc
ber Sifligfcit unb bcn natürlid^cn SScr^ältniffen cntfpred^cnben SBeife 9{ed()nung.
§ 1484.
®cr § 1484 regelt bos 33crl^ättni6 ber gegenfcitigcn Unterf)altöpf[id)t ^^mm
ber @f)egatten ju ber ber SSerroanbten beö unterfialtöbebürftigen ®f)egatten i^ammt
(t)crgl. anä) § 1454 2l6f. 1). ®a ber Unterfiattöonfprud^ ber ©fiefrau gegen^ g^^^^J^^t^^
über betn ©bemanne bur^ bie S3ebürftigfeit ber erfteren nid^t bebingt ift su b«
(§ 1280), fo ergiebt [id& aus § 1481 fd&on Don felbft, ba^ ber G^emann dov**'^^^«^""^-
bcn Sßerroonbten ber S^efrou tjoftet ; benn ber Unter^altöanfprudd ber ®f)efraii
gegenüber bem (Sl^emonne bttbet einen ^^eil i^reö SSermögenö. Solange
biefcö aber jum Unterhatte ber (S^cfrau auöreid)!, tritt bie Unterl^altöpffic^t
ber aSerroanbten nid&t ein (ocrgl. ©euffert XXVIII, 228). 3lnberä liegt bn-
gegen bie ©ad&e in 3lnfe^ving ber Unterf)oItöpfIidöt ber ©fiefrau gegenüber
bcm ©bemanne, ba biefe Unterl^altäpffid()t ebenfalls nur eine fubfibiäre ift
(§ 1281). a»it SRücffi^t auf bas na^e aSer^öItnife jroifd^en bm e()cgatteii
fann es nid()t jroeifelfiaft fein, bafe ber (Sfjegatte bes Sebürftigen üor ben
SöerTOanbten bes Unteren ^aften mu§. S)ies ift insbefonbere aucft ber Stanb^
punft ber franj. ^urisprubenj unb in üerfd^iebenen ^ßartifufargefe^en auD--
brücftid) anerfannt (najf. SKrmenorbn. d. 18. ©ejember 1848 § 9; attenb.
9trmengef. v. 9. Sluguft 1833 § 83 ; meimar. $eimatf|Sgef . ü. 23. gebruar 1850
§ 39; oergl. mö) preufe. 2lusf. ®ef. v. S.Tl&xi 1871 § 65 ju bem 3f. ®ef.
über bcn UnterftügungSroo^nfife v. 6. 3uni 1870). Sie im § 1484 ©a^ 2
beftimmte Slusnal^mc üon ber Siegel entfprid&t ber ©d^IuPeftimmung beö § 1482
Äbf. 2 unb berul^t auf äfinlid^en ©rroägungen, mie bie lefetere. 2)a6 ferner
nad| § 1484 ©afe 3 bie 3}orfd()riften bes § 1487 entfpred^enbe Slnroenbung
finben foUen, rcd^tfertigt [\ä) b\\v6) bie 9lnatogie ber SSerfiältniffe.
§ 1485.
3in Ucbcreinftimmung mit bem preufe. 91. 2. 9i. II, 3 §§ 17, 18, ber stei^enfoiae
f^Iesm. I^otft. 3lrmenorbn. v. 29. ©ejember 1841 § 14, ber franj. Suris^ unÄts*
prubenj unb bcm ^ejf. 6ntm. III 9lrt. 43 ge^t ber § 1485 oon bem ^rinjipc pmtiQcn.
ouS, bafe bie UnterJ^attSDcrpftid^tung bie aSermanbten beS Sebürftigen nad)
aWafegabc bcrienigen Drbnung trifft, in melc^er bicfelben als gefe|;lid)c ®rben
bes Sebürftigcn berufen fein mürben. ®ies ?5rinjip red^tfertigt fid) burdd bie
©rmägung, bafe berienigc, metc^cr bcm 93ebürftigen auf ®runb bes gamilien-
oerfiältnlifcs fo nal^c fielet, bafe er beffen präfumtioer näd&fter gefefelid^cr
erbe ift, auä) junäc^ft jur ©rfüUung ber auf bem gamilienbanbe unb ber
baraus fid& crgebenben fittlid^en 5ßflid&t beru^enben Unterljaltspflid^t berufen
erfd^eint.
aus ienem ^rinjipe in SSerbinbung mit bem § 1965 folgt, bafe bie 9lb^ Ämlinae.
fömmlingc bes 93ebürftigen. ftets t)or bcn älfjenbenten beS legtcren (}aften. 3^^
Stotioe |. Mrserf. Ocfetfbuc^. IV. 44
690 Unter^altöpPi^t. Drbnung unter ben Serwanbtcit. § 1485.
bcmfclben SRcfuttatc führen au^ bie oben angeführten JRet^te. dagegen finb
nod^ bem baqr. S. SR. I, 4 § 7 3lt. 2 unb bcm noff. 2lnncngef. o. 18. ©ejcmber
1848 § 9 bie 2lficnbenten üor ben ®ef jenbenten ücrpfßd^tct. Db bieö aud^ ge«
meinrec^ta* bcr goU, ift bcftritten. 5Daö fä^f. ®. 33. §§ 1837—1839, 1842
cntfd^cibct bie grage nid^t ouöbrücHic^. gür bie Haftung ber STfjenbenten vot
ben ©efjenbcnten läfet jid^ anführen, bem SBcfen ber 3lbftammung cntfprct^e
cö, bofe iunäd()ft bieienigen für ben UntcrJ^olt elneß ÜJlenfc^en ju forgcn Wtten,
oon roctd^cn ber tegtere abftammc, wie benn ouc^ baö SSermögcn bcr Slfjcnbenten
naturgemäß baju bcftimmt fei, auf bie ®ef jenbenten ju üererben. SBie eö bem
normalen Saufe ber S)inge nid^t entfpred^e, menn ha^ 93ermogen ber SJefjen*
beuten auf bie Slfjenbcnten jurüdEfalle, fo fei eö anomal, bafe bie erfteren bie
tcfeteren unterl^altcn müßten. Slufeerbem fomme ber mirt^fd^afttid^c ©efid^tö*
punft in S3etrad()t, ba& bie jungen Sräfte nid^t ju fel^r betaftet unb in il^rer
freien 33emegung gehemmt werben bürften, bamit fie befto beffer für fid^ unb
bie eigene S)efjenbenj ju forgen in ber Sage feien. Ueberroiegenbe Orünbe
fprec^en iebod^ für ben entgegengcfefetcn Staubpunft beö ©ntmurfeö. 9lbgefcl^en
baoon, bafe berfetbe ben meiften neueren 3led^ten entfprid^t, erfd^eint eö alö
eine SKnforberung ber 5ßietät unb bcö iiinbeöoerf|äItni{feö, ba§ junäd^ft bie
Äinber i^re bebürftigen ®Itern unterfialten. S)ie ©aftung ber 3lfjenbcnten beö
93ebürftigen üor ben 2)efjenbenten füfirt jubem in t)ielen gälten ju großen
.gärten für bie erfteren. ®ö miberftreitet bem ©efü^te, baß bie Slfjenbenten
gejmungen werben foUen, fic^ in i^rem 9llter nod^ einjufd^ränfen, obgleich
mo^l^abenbe Slbfömmlinge beö bebürftigen iur ©emä^rung beß Unterl^atteö
an biefen im ©tanbe finb.
4^aftun8 ber @ine Weitere ^onfequenj beö im § 1485 @ag 1 auögefprod^enen ^rinjipeö
»»mmanfle j^^ ^^^ j^.^ Uuter^altöpflic^t ber ®ef jcnbenten ficft m(I)t nac^ ber SRä^e beö
etammen. ©rabeö nä)ttt, fonbcrn baß an bie ©teile eineö oerftorbenen 9lbfommlingeö
nad^ 3Kaßgabe bcö § 1965 beffcn Äinber treten (ücrgl. aud^ fäd^f. ®. S3.
§§ 1842, 2035). ®emeinred()tlid^ ift bcftritten, ob für bie Untcrl^altöpflic^t ber
2)efjenbcnten bie 9läf|e beö ©rabcö ober bie ©rbfotgeorbnung entfd^eibct. 3)aö
^rinjip beö ©ntmurfcö fü^rt aud^ in ber ^ier fraglid^en ^infi^t ju einem
bem natürlichen ©cfül^le unb bcr S3illigfeit cntfprcd&enbcn SRefultate.
^aftunfl bcr Qu ©rmaugclung oon Slbfömmlingen beö Sebürftigen fmb, wie auö
*Kr § 1485 t)erb. mit bzn §§ 1966 ff. fidö ergiebt, felbftt)erftänblid& unbefd^abet
«efo^miftern. bcr ©d^lußbcftimmung beö § 1482 2lbf. 2, junäd^ft bie ©Item beö 93ebüriftigcn,
unb jmar abgefcl^en oon bem 3luönal^mefallc beö § 1485 ©afc 2, ber SSatcr
oor ber ÜJluttcr jur ©cmäl^rung beö Unterl^attcö ocrpflid^tet, fobann bie 95or^
eitern nad^ ber 3l&\)t bcö ©rabcö unb in Icfttcr Steil^e bie Ocfc^miftcr. SJaß
bie ©efd^mifter erft nad^ ben Slfjenbcnten haften, obwohl fie nad^ ber gcfcfes
lid^en ©rbfolgcorbnung, wenn nur ein Slternt^eil nod^ am Seben ift, mit bem
Icßteren fonfurriren unb bie Sßoreltcrn auöfd^ließen, cntfpri^t bcm preuß.
3lcd^tc unb ber Scftimmung beö § 1489, nad^ meld^er fie — im ©egenfafee
JU ben Slfjenbcnten — nur jur ©cmä^rung beö notl&bürftigen Unter^attcö
Dcrpflid^tct fmb. 2)ie Haftung bcr ©Itcrn t)or ben 33oreltem ifl oon allen
neueren Siebten anertannt (ocrgl. mürttcmb. S. SR. IV, 11 § 1, IV, 12 § 1;
bapr. S. 9t. I, 4 § 7 5Rr. 1; preuß. 31. S. 9t. II, 2 §§ 64, 65, 107, II, 3
Untcr6altg^)flid&t. Dcbuunö unter bcn 9Sertt)anbten. § 1485. 691
§§ 17, 18; Code civil 2lrt. 203; öftcrr. (S. 93. §§ 141, 143; fädif. 0. 93.
§§ 1837—1839; fii^icön). ^otft. 3lrmcnorbn. ü. 29. ©cjcmbcr 1841 § 14;
naff. SCrmcngcf. o. 18. 35cjembcr 1848 § 9; rocimar. ^cimotl^ögcf. o.
23. gebruar 1850 § 40; attcnb. airmengcf. v. 9. Sluguft 1833 § 83). 2)a^
gegen Ift getneinrecbtlid^ beftrittcn, ob unb inroieioeit bie üäterlid^en 9lfjen*
beuten t)or ber SJluttcr bejro., wenn nid^t bem SSoter, fonbern bem TOciteren
SKfjenbenten bie mttxliä)t Oeroatt jufte^t, andj üor bem Sßatcr oerpflid^tet
ftnb (t)crgl. ©euffert XI, 154).
SÄnfongenb bie Unterl^altßpflid^t ber ©Item, fo l^aftet ixaä) gemeinem *«?*««« kea
SRed^te, bem ba^r. S. 31., bem preufe. 31. 2. SR., bem öfterr. (S. 93., bem fät^f. fe?*TOumJ.
®. 93., bem naff. 3lrmengef. unb bem meimar. öeitnot^ögef. ber 33aler vox
ber 3Mutter; bagegeu liegt mä) bem roürttemb. S. 31. IV, 4 §§ 6—8, bem
oltenb. airmengef. unb bem code civil 9lrt. 203 (oergf. aud^ f)t% ©ntm. III
Slrt 43, 20) bie Unter^altöpflid^t beiben ®ltern gemeinsam ob, nac^ bem
Code civil febod^ nur infomcit, alö bie elterü^c Sluftniefeung am SBermögen
beg Ainbed jur 93eftreitung ber Soften bei^ Unterhaltes nid^t auöreic^t
(Slrt. 384, 385). 2)er ®ntn)urf ^at fid^ ber erftcn ©ruppe oon 9lcd()ten an^
gefd&Ioffen. 3)iefe Slbmeid^ung oon bem ^rinjipe bcö § 1485 (oergl. § 1966) •
entfprid^t ber natürli^en Stellung bed 93aterö ald bed ^aupted ber ^amitie,
feiner beoorjugten ©tellung gegenüber ben Äinbem, insbefonberc ber i^m am
Vermögen ber festeren jufte^cnben elterlid^en ^Juftniefeung, femer ber e^eli^en
Slujniefeung unb aSermattung am Säermögen ber ß^efrau unb ber ^^Sflid^t beö
©i^emanneö, bie el^elid^en Saften ju tragen; bicfe ©tellung bcö SOaterö red^t^
fertigt eö aud^, il^m felbft nacb 93eenbigung ber eltertid^en Oemalt, fomle für
ben gall, wenn bie ©Itern in getrennten ®ütern leben (oergl. § 1339), iunä^ft
bie aSerpflid^tung jum Unterl^alte ber gemelnfamen Äinber aufjuertegen (oergl.
aber §§ 1458, 1465). ®a iebod^ bie elterlid^e SRufeniefeung, wenn au^ nid^t «usna^me.
allein, bo^ jugleid^ jum Unterhalte bed 5tinbed beftimmt ift, fo erf^eint ed
billig, rotnn in ben 9ludnal^meffillen, in meldten ber ajlutter fd^on bei Äebjeiten
beö aSaterö bie elterlid()e SRufeniefeung jufte^t (§ 1559 Slbf. 2 oerb. mit
§§ 1440, 1464, § 1564), bie aJlutter t)or bem 93ater l^aftet, jumal biefelbe eö
in ber $anb ^at, auf bie elterlicbe SRuftniefeung ju oerjid^ten (§ 1537) unb
baburd^ JU bemirfen, bafe ber SSater ber 3legel beö § 1485 ©a| 1 gemäfe oor
i^r )um Unter^lte bes jlinbed oerpflid^tet ift.
Safe in ©rmangelung oon ©Item bcö 93ebürftigen bie Unterhaltspflicht M*«»« ^
bie aSoreltem nad^ ber Sftä^e beö ©rabeö trifft (§ 1485 üerb. mit §§ 1968, „^"'J^*^^.
1969), ol^ne Unterf^ieb jmifd^en ben pfiterli^en unb ben mütterlid^cn 9Sor* ^<« •^«»^«s.
eitern, ftebt mit ber ^errfd^enben Slnjxd^t beö gemeinen 5le^teö (oergl. ©euffert
Xm. 265, XXXI, 242; (gntf^. b. 31. @. in 6it)ilf. IV, 44 ©. 154, 155),
mit bem franj. Siebte, bem preufe. 21. S. 31. II, 3 §§ 17, 18 unb bem fäd^f.
®. 93. § 1839 im einftange. ©agegen folgen baö baqr. S. 31. I, 4 § 7
3flr, 1, baö öfierr. ®. 93. § 143 unb baö meimar. ^eimati^ögef. v. 23. gebruar
1850 § A(r ber älteren gemeinrec^tlid^en Slnfid^t, nad^ melier bie väterlichen
2(fienbenten vox ben mütterlid^en ^aften. @in genügenber ®runb, in biefer
SEBeife bie mütterlid^en ®ro6eltem ju begünftigen, liegt nid^t t)or.
44*
692 nntcr]&altövfü(^t. Haftung nicl&rcrec SSctpPid&tcter. § 1486.
§ 1486.
'^r^wr^eT*!' 3n bcr flemcinrcd&tli^en Suriöprubcnj ift beftrittcn, ob, wenn SRc^rerc
7euig ßer/ jut ©croä^tUng beö Unterhalte« gtcld^icitig t)crpfli^tet fmb, biefelbcn [olibarifc^
vfii(^teter. ^^^^ ^^ glcid^eit 2^f|eilen ober gcmeinfd^aftlid^ in bcr 2lrt Ijaftcn, bofe ber ©injcinc '
®5"^*>«* na6) aSer^ältnife fcincö SScrmögcnd unb feiner Sciftungsfäl^igfeit beijutragen
f)ai. 5Dcr oberfte ®eri(^töf|of für »apern (©euffert XXXI, 242), bafi Sleidbö*
obcr^Qnbefegerid&t (entfd&. XXIII, 98 ©. 301 ff.) unb baö 9leid^ögcrid&t (entfd^.
in eit)ilf. IV, 44 ©. 150 ff.) I^aben fidö, wenn aud^ in ber Segrünbung jum
S^l^eit unter einanbcr abrocid^enb, für bic Solibar^aft auögcfprodjen, ber erft?
gebadete ®erid^tsf|of jebod^ in ber Strt, bofe' bem ©injelnen bic ®inrebe ber
mel^reren ©trcitgenoffen jum ^rotdt ant^cilömäfeiger SSertfjeihmg ber SBer*
pftid&tung auf bic mehreren 93erpflid^tetcn nat^ TOofegabe ifirer SBermogenös
Dcr^ättniffe juftel^e, TOö^renb baö SRcid^ögerid^t bic 3uläffi9fcit ber ®inrebe ber
2^f|cilung uncntfd&iebcn gelaffen \)at. ©icfctben Streitfragen ^aben fid^ im
aBcfentlid^en in ©rmangctung einer auöbrücftid^en S9cftimntung beö code civil
aud& auf bem ®ebietc bed franj. SRedötcö erhoben. ®ie f|errfd()enbe SKcinung
gel^t iebod^ bal^in, bafe ber ©injetne nur ant^cilömäfeig I^aflc. 3)as preufe.
31. £. -W. II, 3 § 20 beftimmt, bafe mel^rere gteid^ na^e SSenpanbte gemein*
fd^aftlid^, jcbod^ nad^ SRafegabc ifircs SBermögenö, ben Unterhalt ju beftreiteu
^aben. Ueber bic 9luölegung biefer Seftimmung, inöbefonbcrc über ben bem
31. S. 31. cigent^ümlid()cn 83egriff ber ©emeinfc^afttid^feit, gefien inbeffen bie
Slnfid^ten auöeinanbcr. 3)aö preufe. Dbertribunot l^at bie Scftimmung ftet&
bal^in ausgelegt, bafe beim SSorl^anbcnfein mehrerer glcid^ na()er SBerroaubten
ber Unterl)altganfprud& gegen Slllc in einem gemcinfc^afttid^en aSerfa^ren
geltenb gemad^t rocrben muffe unb bafe eine auf folibarifd&c SBerl^aftung
geftüfete illagc unftattfiaft fei (^räj. 3Jr. 1202). 5Dicfer Stuölegung ^at aud^
baö SReid^ögerid^t fxc^ angefd^toffen (®rud&ot XXIV ©. 1036 ff.). 3lad) bem
fäd&f. @. 33. §§ 1839, 1842 Ijaften mel^rcre glcid^ na^e aSorettern ju gleid^en
2^^cilen, bie Slbfömmlinge nad^ äRa^gabc il^reö ©rbant^cileö (ocrgl. aud^ ^cff.
entro. III 9lrt. 43, 44), nad& bem altenb. ®cf. o. 9. Sluguft 1833 §§ 73, 75
getrennt lebenbc ©Item ju gleid^cn 2'f|cilen, bic ®ro6e[tern Don Däterlid^er
unb von mütterliddcr ©eite je jur ^ätfte.
etanbpunft ^[yg ^em ©efid^töpunftc bcr Untl[)cilbarleit bcr Seiftung fann eine
entwürfe«, ^aftuug beß ©injelncn auf ba« ®anje beim SSorl^anbenfcin mel^rerer glei^*
jeitig SBcrpftid^teter nid^t fd&led^t^in l^ergeteitet roerbcn (§ 340); benn ald
©egenftanb ber Unterfialtdpfliddt ift nid^t bic Herbeiführung bcö SRcfultatc^
anjufcl^en, ia^ ber 93cbürftigc mirflid^ unterfialten roerbe, ba bieß nid)t in
ber SRad&t bcö SSerpftid^tetcn liegt, fonbern bie SBcfricbigung ber Sebürfniffc
bcö Sered^tigtcn burcft ®en)äl^rung ber baju erforbcrlid^cn SWittcl. S)ic
Unterfialtöpflidtit ift ba^er inforoeit t^eilbar, als bie cinjclnen Seiftungen
tl^eitbar fmb, roeldfie bic Sefriebigung ber Scbürfniffe bcö 33ere^tigten
- Iierbeifül^rcn foUen. 2)a ber Unterl^alt nad^ bem ©ntrourfe (§ 1491) reget*
mäfeig burd& bie ®ntrid^tung einer ®ctbrente ju gcmäl^ren ift, fo 'mürbe t)ou
bem ®efi^täpunftc ber Untficilbarfcit an^ eine »Haftung beö Sinjetnen auf
baö ®anse no^ Sllafegabc bcö § 340 ft^ nur für bie Stuöna^mefälle einer
9?aturalolimentatiou unb aud^ für biefc gälte nur infomeit ergeben, als bic
1
Unter^altejjfüd&t. |)aftunfl mcFjrcrcr aScrpfli^tetcr. § 1486. 693
cinjcinc Sciftung eine untJ^cilbore ift unb nid^t an bie ©teile ber uut^eilbaren
Seiftung eine t^eilbare tritt (oergl. § 341). 3fm Uebrigcn löfet fid^ auö ben
ungemeinen Orunbfäfeen beö ®ntrourfeö eine [oUbarifd^e Haftung beö ©injetnen
nid^t ableiten, ^m (Segent^cit roürbe bie 3lnerfennung einer fofdden ©olibar»
baft fid^ Q(d eine 9lu8naf|me x>on bem ^rinjipe beö § 320 borftellen, eine
Stuöna^me, n)cfd&e nur burc^ bringenbe praftif^e (Srünbe gered&tfertigt werben
fönnte, jumal ber ©ntrourf oudfi im Uebrigen an bem ©runbfage feftgcl^alten
^at, bafe eine folibarifd^e 33erbaftung im 9lff gemeinen nur im galle eineö
®elifteö (§§ 713, 714) einjutreten l)abc. 6ö Idfet ftd^ allerbingö nid&t Der«
fennen, bafe für bie ©olibar^aft beß ®injelnen beim SSorl^anbenfein mel)rerer
gfeid^jeitig aSerpflid&teter , l)ingefe^en auf bie ©runblagc ber Unter^attöpftid^t
unb ^ingefel^en auf baö Sntereffe beö 33ered^tigten unb ber Keincren 9lrmen*
oerbänbc, meieren bie oorläufige Aufbringung ber Untcrl)aItdfoften oft fel^r
fc^roer fällt, er^eblid()e (Srünbe geltenb gemad^t werben fönnen. 2luf ber
onberen ©eite bringt aber bie ©olibarbaft, tro| beö im § 337 anerfannten
Slegrefered&teö ber ©efammtfd^ulbner unter einanber, bie ©efafir mit fid^, bafe
ben einjelnen SSermanbten eine ju grofee Saft aufgebürbet mirb, namentU^ in
fold^en göUen, in meldten eö fid^ um bie Untcrl^attöpfiid&t ber ©efd^mifter
^anbett. 2)er (Srunblage ber Unter l)attdpPid&t unb ber Silligteit mürbe eö
DicUei^t am meiftcn entfpred()en, eine gemeinfc^aftlid^c Haftung ber ®injelnen
nad^ SMafegabe i^rer IBeiftungöfä^igfeit anjuorbnen. ®egen bicfen SSBeg fprc^n
jebo^ bie bamit perbunbenen praftifd^en Sc^mierigfeiten. Sine SScrtl^eitung ber
Unterbaltdpflidöt unter bie mehreren gleid^jcitig SJerpftid^tetcn naä) SBerfiältniß
il)rer SSermogend* unb ©rmcrböoerböltniffe ift nur in einem gegen alle 3Rit*
üerpflid^teten gleid^jeitig eingeleiteten, gemeinfc^afttid()en 93erfaf|ren burc^füfjrbar,
fefet alfo üorauö, bafe ber 93ebärftige feinen 2lnfprud) ftctö gegen alle SSer*
pflidfjteten jugleic^ ergebt. Daburd^ mirb aber bie SBerfoIgbarfeit beö SKnfpruc^eö
unter Umftönben fe^r erfd&mert. 3)ajiu fommt, ha% eine fold&e gemeinfd&aftUd^e
•Haftung not^menbig eine SBerlängcrung unb aSermefjrung ber ^Projefte mit fid^
bringt. 6ö mufe bei biefem SBcge eine Darlegung ber SSermögenö* unb
©rroerböoer^ältniffe ber einjelnen aJlitoerpflid^teten jum ^xmdc ber SJergteid^ung
unb ber banad^ fid^ rid^tertben 33eftimmung ber 9lntt)eitc ber ®injclnen in
ollen göUen erfolgen, aud^ in folc^en, in meieren bie 2eiftungöfä^igfcit beö
Ginjelnen, für ftd^ betrad^tet, einem ä^^cifet überall nid^t unterliegt, gerner
mürbe, f obalb baö aSerbältuife ber fieiftungöföbigfeit imter ben SWituerpflid^teten
fid& fpäter roefcntlid) änbert, ftetö aud& eine 3lenberung in' ben Slnt^eilen ber
©njelnen eintreten muffen (§ 1493), roenngteid^ burd^ fene 9lenberung bie
Üeiftungöfäbigtcit beö ©injclnen überhaupt gar nid&t berührt werben mürbe. Unter
biefen Umftänben oerbient eö ben 3Sorjug, im 9lnfc^luffe an baö im § 1485
für bie ^Reihenfolge ber «Haftung ber einjelnen 93erroanbten beftimmte ^rinjip
ben ©njelnen für benjenigcn 9lntbeil ^aften ju laffen, ju metd^cm er alö
gefeftlid^er (Srbe beö Sebürftigen berufen fein mürbe. 2)ie üom Stanbpunfte
beö Sntereffeö ber 33erecbtigten unb ber Heineren Slrmenücrbänbe gegen eine
bloö ant^cilöroeifc Haftung fid^ er^ebenben Sebenfcn werben tbeilö burd^ bie
SSorfd&riften ber ß. 5p. D., weld()e bem ?}ered()tigtcn bie 2Woglid^feit gewähren,
atte jugteid^ SSerpflid^teten bei bemfelben Oerid^te alö ©treitgenoffen ju ocr*
694 Unterl^altöt^flic^t. SetftungdunfSl&igfett eines SSertDattbten. § 1487.
llm^ (§§ 57, 36 3lx. 3 ber ©. 5ß. D.), t^citö burt^ bic »eftimmungcu bcd
§ 819 bcr 6. 5ß. D. über bie cinftrocilißen SBerfügunßen, t^cife burd^ bie in
einer flrofeen 3o^I ^^on Sludfü^rungdacfcfeen ju bcm SR. @ef. über ben
Untcrftülungörool^nfife v. 6. 3uni 1870 (oergt. inöbefonberc prcufe. Sluöf. ®ef.
t). 8. aWärj 1871 §§ 65—67) fic^ finbenbe SBorfd^rift roefentUd^ gcminbert, bafe
auf Slntrag cineö Slrmcnoerbanbeö bie SBeriDonbten im SSeriüoltungöroegc burt^
fofort üoflftredEbare ©ntfd^eibung jur ©rfüBung ber Unter^altöpflid^t angcl^alten
werben fönnen. 3"^^^"^ ^Qt ber § 1487 Slbf. 2 für ben galt, wenn bie Siedete«
t)erfoIgung gegen einen jur ®en)ä^rung bcd Unter^oltcd oerpflid&teten 93cr^
TOQnbtcn im Snianbe auögefc^Ioffcn ober erl^cblid^ erfd^mert ift, befonbere S3or*
forge getroffen, gerner ergiebt ber § 1487 2lbf. 1, bafe inforoeit, alö beim
SSor^anbenfcin melfirerer SBerioonbten, roeld^e, i^re Seiftungöfä^igfeit Doroud?
gefegt, nad^ § 1485 )ugleid^ }ur ©etoö^rung bed Unterl^alteö Derpf[id|tet fein
mürben, bcr eine ober onbcre nid^t im ©tanbc fein foUte, bcm S3cbürftigcn
ben auf i^n faüenben 2;i^eil bcß Untcrl^altcß ju gcroäl^ren, bie anberen SBer*
manbtcn für bic 2)aucr ber Sciftungßunfä^igfcit jcncö SSermanbtcn btn Unter«
l^alt allein ju gemä^ren »erpflid^tct finb.
S)cr 3ufa6 im § 1486 ©a| 2 ift im Sntcrcffc bcr 2)cuttid[)fcit bed
©cfcgcö namcntlid^ mit 9lüd^id^t barauf ald angemcffcn erachtet, bag nad^
§ 1966 neben ben (Scfd^miftcrn mä)i untcrl^attöpflid[)tigc Ocfd&roiftcrfinbcr jur
®rbfd()aft berufen fein fönnen unb bie ©cfd^roiftcr beä Scbürftigcn oor ben 93ör«
eitern als ®rbcn berufen fxnb, nad& § 1485 aber bie SBcrmanbtcn in geraber
Sinie oor ben Oefd^iuiftern in Slnfc^ung bcr (Scmäl^nmg bcd Unterl)altcd haften.
§ 1487.
seifiung«- SBcnngtcic^ bie S3eftimmung bcß § 1487 2lbf. 1 nur alß eine Äonfequenj
«nmreit ^^^ g ^^gg gjj^j j ^^jj j^^g ^^^ entrourfe ju Orunbc licgenben 5ßrinjipcö
»«nottnbten. fid^ barftcDt, bafe bic Untcrl|altöpflid)t eine fort unb fort fid^ crncucrnbc 93cr*
binblid^feit ift (ocrgl. bic SBorbcmcrtung oben 6. 677), fo ift bod& bie Auf«
na^me ber Seftimmung im Sntcrcffe bcr Scutlid^feit bcß ©cfcfecß alß ratl^fam
crad^tet (oergl. aud& fä*f. ®. 33. §§ 1839, 1842; ^eff. ©ntn). III ärt. 44).
aiuß ber Scftimmung bcß § 1487 3lbf. 1 in SBcrbinbung mit §§ 1485, 1486
ergiebt fxä) übrigcnß mit genügenber Älarl^eit, bafe burd^ bicfelbe ni^t ctma
eine Haftung für frembe ®d()ulb bcgrünbct mirb. SBcnn bal^cr einer ber ju«
gleid^ SBcrpffid^tctcn ober ber }unäd()ft aScrpflic^tctc mä) eintritt beß 33c^
bürfnifefalleß bcmnäd()ft Iciftungßunfä^ig wirb unb bie oon bcmfelbcn für bie
3cit oor bcm eintrittc bcr Sciftungßunfäl^igfeit ju 'ja^tcnbcn SlUmcnte im
SBcgc bcr 3wöngßi)oUftrcdEung nid^t bcigctricbcn mcrbcn fönnen, fo fann ber
33cbürftigc mcgcn bicfcß SKußfallcß nid^t ctma bie übrigen aKitocrpffi^tctcn
bcjm. ben Dlad^ocrpflid&tctcn mic Bürgen für bic SBcrgangenl^cit in Stnfpruc^
nehmen, fonbern bic errocitcrte aScrbinbli^fcit ber übrigen üRitocrpftid^tctcn
bejm. bic SBcrbinblid^feit bcß ^Rad^ocrpflidötctcn tritt nad^ ÜMafegabc beß § 1487
Slbf. 1 nur für bic 3ufunft, t)on bcr 3cit bcß (gintritteß bcr Seiftungß«
unfä^igfeit bcß anberen aScrroanbtcn an, ein. ®inc außplfßmcifc Haftung für
. Untcrialtßpflidfet. 8cifhm08unfäbiflfeit eine« SBertwatibten. § 1487. 695
bic aSerganflen^cit würbe mit bcm ^^Jrinjipc bcö § 1486, bofe beim SBorJ^anben^
fein mel^rerer glci^jeitig SBerpPid^teter bie ©c^ulb eine getl^cilte ift, nid^t im
©nf lange fte^en unb ift burt^ ein Scbürfnife nid^t geboten.
®ie an ä^nlic^e SBorf Triften beö fäddf. ®. 33. §§ 1839, 1842 unb «e^inbcrunfl
befi ^ejf. ®ntn). III 9lrt. 44, fomie an bie ^ßrajis bed gemeinen Sled&teö €rf,^»^un8
(Seuffert III, 266, XXVm, 228) unb bed preufe. Sfled&teö (©triet^orft XIX ^^'jf *^Jf^"^'
©. 141) ftc^ anfd^Uefeenbe Seftimmung bed § 1487 2lbf. 2, meldte im ©egen^
fafte ju ber Söeftimmung beö § 1487 3lbf. 1 fot(^e gölle im äuge ^at, in-
toetd^en bie Seiftungäfäfjigfeit in ber 5ßcrfon beö betreffenbcn aSerroanbten fort:=
bauert, ift burd^ ben eine rafd^e 2)urd&fül^rung er^eifd^enben 3w>^* ^^^
Unter^altöanfprud^eö geboten. 2lud^ in ben l^icr fraglid^en gällen tritt aber
bie Unter^altöpflid^t beö STOitDerpflid^teten bejro. beö 3flad^oerpflid^teten nad)
aRafegabe beö § 1487 äbf. 1 nur für bie 3ufunft ein.
5Daö fäc^f. ®. S3. § 1339 bcftimmt auöbrüdEIic^, bafe in einem gaUe ber »«a«^
im § 1487 9lbf. 2 bejeid^neten 2lrt ben übrigen SBermanbten ber giüdEanfprud^ m^^iu>
gegen ben aJlitocrpPi^teten oorbel^alten bleibe (oergl. auc^ l^eff. ©ntm. III "***!^®*^'
Art. 44). Der ®ntn)urf l^at bie ©ntfc^eibung ber t?rage, ob unb inroiemeit
in bem ^ier fraglidien gaUe nad^ ben allgemeinen ©runbfäfeen ein ©rfa^-
anfpru^ ber übrigen in golge ber SBeftimmung beö § 1487 3lbf. 2 in Slnfprud)
genommenen SSenoanbten gegen ben an fx6) juncid&ft SSerpftic^teten begrünbet
ift, ber SBijfenfd^aft unb ^rariö überladen. SBenngteid) ber im galle beö
§ 1487 äbf. 2 erfafttoeife ^crangejogene 93erroanbte im SSerl^ältniffe ju bem
junöd^ft SSerpflic^teten eine SSerbinbliddfeit beö [enteren erfüllt, fo ift eö bod^
bebenfli^, barauf eine unbebingte ©rfafepflidfit beöfelben ju grünben. 35ic
gälle fönnen fo liegen, bafe ber junäd^ft 5JerpfIid)tete üon bcm (Eintritte feiner
Unter^altöpflid^t überall feine Eenntnig erlangt l^atte unb beö^alb nad) % 1492
ein Unter^altöanfprud^ gegen bcnfetben für bie SSergangcnl^eit überall nid^t
begrünbet, aud^ nad^ ben allgemeinen ©runbfäften über bie Oefd^äftöfül^rung
ol^ne Sluftrag in ©rmangelung eineö utiliter gestum ein ©rfaftanfprud^
gegen benfelben nic^t gered&tfertigt fein mürbe. 2)ie unbebingte 6rfa|*
pPic^t beö junäd^ft jur (Seroäl^rung beö Unter^alteö SBerpflid^tcten pofitiD
JU beftimmen, ift burd^i ein SSebürfnife md)i geboten unb um fo bebenllid^er,
alö bie ©rfalpPid^t ju großen gärten führen fann, menn bie JJcrmögenö^
oer^ättniffe beö 5unäd()ft 33erpPid()teten ft(^ injmifc^en in ber airt geänbert
l^aben foBten, bafe er jefet nad& äWafegabe beö § 1482 jur ©emö^rung beö
Unterl^alteö ni^t me^r im ©tanbe fein mürbe. Daju fommt ber fafuiftifd^c
Äarafter einer fold^en 93eftimmung unb bie ®efa()r, bafe barauö bei ber S3c=^
urt^eilung öJ^ntid^ liegender, im ©efefee nid^t befonberö berüdfftd&tigter gälle
ein argumentum e contrario entnommen roerben fönnte. 9luö biefcn ©rünben
empfiel^It eö fid^ inöbefonbere aud^, im ©efe^c barüber ju fd^meigen, ob unb
inmiemeit in bem ö^nlic^ liegenbcn gallc, in mcld^cm ein aSermanbter burd>
einftmeiligc rid)ter{id&c Verfügung ober im aScrroaltungömcge jur ©emä()rung
beö Unter^alteö angel^alten, jene SBcrfügung bejro. bie ®ntfd&eibung bec
SSermaltungöbel^örbe aber bemnäddft roieber aufgehoben ift, meil bie aSer-
binbU^feit beö in Slnfprud^ ©enommenen ftd& alö unbegrünbet ermiefen ^at,
bem le|teren ein 6rfafeanfprud& gegen ben miriflid^ 93erpfi[id()teten juftel^t.
696 Untcr6altepf(i*t. UmfaiiO; SKaß. § 1488,
§ 1488.
Srtatti^ ®cmcinred)tlidö ift cd ftreitifl, ob bcr Unterhalt aud^ bie jur (Sittroicfc^
pmt. Iimg unb Sluöbilbung beß Oeiftcö crforberlic^cn Soften umfafet. ^laä) bem
prcufe. ar. y. dl. II, 2 §§ 63—65, 107, 204, 251—254, II, 3 § 14 bcflrcift
ber Unterhalt ben ficbcnöbeborf einfd()Uc&U^ bcr Rranf ^eitöf oftcn ; jcbod^ finb
©Item gegenüber ben Äinbcrn and) bic Äoften ber ©rjie^ung ju tragen Der^
pflicbtet. SKuf bemfelben SBoben fielen baö franj. Siedet (code civil ^[rt. 203,
205, 384, 385) unb ber l^cff. (gntto. III airt. 20, 42, 45. ©agegen erftrcrfcn
haQ öfterr. ®. 33. §§ 139, 143 unb boö fäd&[. @. 33. § 1846 nid^t nur bie
Unterbaltöpflid^t ber ®(tern, fonbcrn aud^ bie UntcrboltöpPidöt anberer SScr?
GrMetjjiitflft* löonbten bei Kinbern auf bie Soften ber ©rjiebung. ©er (Sntrourf [d^tiefet
fic^ ben jule^t bejcid^neten ©efegbüd^crn an. S)ie burd& bic SSerroanbtj^aft
begrünbete natürlidde unb fittüd^c ^pid^it bringt cö mit [xd), bafe in ©rmange*
lung ber ©Uern bie übrigen unterl^altöpflid()tigen SBermanbten bei einer nod&
bcr ©rjiebung bebürftigen '^erfon für bie gciftigc ©ntroirfelung unb bie 2luÄ*
bitoung bcrfelben ju einem befonbcren Sebenöbcrufc ©orge tragen müRen.
2)iefc ©rroeitcrung bcr Unterbaltöpflic^t entfprid)t aud^ ben Sntereffcn beö
Staates unb bcr ©efcllfd^aft. Um fo mel^r cmpfiel)lt eö fid^, bie Unterbaltd*
pfüd^t il}rcm Sn^atte nad& in bcr gebad()ten 3lrt ju beftimmen, ald nad& oer*
fd)icbcnen 3lrmengefe6gebungen fetbft ber t)on ben STrmenoerbänben ben Äinbcrn
5u gcroälircnbc Untcrbalt audd bic Äoftcn ber 6rjicf|ung, einfddliefeli^ bcß
Unterrid^tcö unb ber Sluöbitbung ju einem 33crufe, umfaßt (ücrgl. j. SB.
bat)r. 9lrmengef. t). 29.* Slprit 1869 3lrt. 10; bab. 3[rmcnpflegegef. t). 5. aWai
1870 § 18; an\)ait 3luöf. ®cf. ü. 29. Suni 1871 §§ 1, 2 }u bem 91. ®ef.
über ben Unterftüfeungörool^nfib; fäd&f. 2lrmcnorbn. §§ 23, 24). SBaö im
©inäcincn jum Sebenöbebarfe ober ju ben Äoften ber Grjiebung, fomie ber
33orbiIbung ju einem befonbcren Sebenäberufc gebort, läfet fid& im ©efege
nid^t nfil)cr beftimmen. 3nöbefonbcrc läfet audj bie gragc, ob bie Äoften für
ein Uniocrfitätöftubium ju ben 3f{imenten ju red^neu' finb (oergl. preufe.
31. S. 9t. II, 2 § 117), eine allgemeine ©ntfd^cibung nid^t ju, oiclmebr ift
biefc grage in icbcm einjcincn gallc unter S)eräcfficbtigung ber fonfreten S8er«
bältniffe ju entfd^ciben (oergt. Seuffert IX, 190 9lr. 3; loegen ber ÄoUationd^
pftid^t § 2158). I)agegcn ift eö alö angemeffen crad^tet, bie 5loften ber Jaufc
befonberä beroorjubebcn, ba fonft, namentlid^ im Jßinblicfe auf bie Scfeitigung
bc§ 2^aufjioangcö, 3'^ci^l barüber cntfteben fonntcn, ob bie Unterbaltöpflidöt
aud^ auf biefc .Hoftcn fidf) erftrecfe.
i^roje^foften. sj^^jg ^er SScftimmuug bcö § 1488 äbf. 1 ergiebt ficb anbererfeitö , bofe
bie Unterbaltöpflidtit nid)t aud& bic SBcrpflid^tung umf afet , . Sd^utben bcö 93e«
bürftigen ju bcjabicn (1. 5 § 16 D. de agnosc. et alend. lib. 25, s), unb
ha^ namentlid) ^rojefefoften nidjt ju ben 9Uimcnten geboren. 3)ie Äoftcn
oon '^^rojcftcn, mcld)c baö aSermögen betreffen, Ijabm mirt^fd^cftüd^ ben
Marafter i)on Slufmcnbungcn jum ©d()u6c unb jur ©rbaltung bcö aSermögcuö
unb fönncn baber, mag bcr ^rojCR gemonncn ober ücrtorcn unb bemgemäfe
bie Slufmenbung eine crfolgreid)C gcmcfen fein ober nid^t, niemals ju ben Äoften
bcö Unterbalteö gered)uet mcrbcn. 3"J^if^^ÖQft<^i' erf(^eint bie grage in 9lm
Unter6artöpf(id&t. Umfang, TOafe, § 1488. 697
fc^unfl bcr Soften fold^cr ^rojeffe, rocld^c bic pcrfönlid^en aSerfjöttniffc bcö
UntcrIjQltöbcrcdbtigtcn, j. 93. bcn ©tatuä, bie Sc^cibung ober Ungüttigteitö-
crftfirung einer (S^e^ jum ©egenftanbc öaben. S)en Sdiuft fold^ier perfönlidden
SRcd&te fann mon tnöglidierroeife olß ein cbcnfo bercd&tigtcö 93ebürfni6 be*
trachten, wie ben jur ©rboltung beö Sebcnö unb ber förpcrUdjen unb geiftigen
©cfunb^eit erforberüd^cn Unterhalt, ^mmer^in würbe barin aber eine über
baö bcftebenbe JHed^t, rocnigftenö nod^ ber öerrfd^enben Slnfid^t, binoudge^cnbe
3lußbeWng beö 33egriffed beö Unterhaltes liegen (oergt. Seuffert XXX, 84).
"X^diu fommt, bafe nad) htn SBeftimmungen bcr 6. % D. §§ 106 ff. über baö
Slrmenrecftt bic proseffualifc^e SSerfoIgung unb SSertbcibigung von SJed&ten,
fofern biefelbe nic^t üon üornl)erein alö auöfid^töloö crfd&eint, bei Unoermogen
beö 33cred^tiglen audfi oftnc Sltifroenbung von Jioften möglid) ift. ®ie Sluö-
be^nung ber Unterl^altöpflici^t auf bic ^rojefefoften würbe baber unmittelbar
nid)t bem Unterbaltöbcrcd)tigten, fonbern bem giöfuö bchxo. bem Slnroafte unb
bem (Seric^tdDoUjieber ju (Sute fommen. 3^^ ^^^^" (Sunficn aber bcn jur
©eioälfirung beö Untcrbalteo SBerpflid^tetcn ju betafien, fehlt cd an einem ge^ '
nügcnbcn (Srimbc. 9ln(angenb ferner bie.Äoftcn eineö ftrafgcri^ttidfien SSer«
fd5renS~gcgcn htn Unter^altöbcrcc^tigten, fo fallen biefe bem le^tcrcn nur
bann jur iioft, menn er oerurtbcitt wirb. Sic ftellen fid^ bann alö eine ^otge
ber von bem Untcrl)altdberccl)tigtcn begangenen unerlaubten ^onblung bar
unb fonnen bcöbalb bem Unterbaltöpflic^tigcn nidfit jur Saft gelegt merben.
3lur in 9lnfebung ber Äoftcn ber SBcrt^cibigung f önnen äfinlid^e S^^^^i^I öuf*
geworfen m'cfbcu, wie in 9(nfcT)ung ber Üoften fold^er i^rojeffc, mcldjc bie
pcrfönlic^cn SSerbältniffe betreffen. Gntfc^eibenb ift jcbod^ aü$ in biefcr Sc«
jiebung, bafe bic Str. ^. C. §S 140, 141, 150, 497, fomcit biefelbe eine SSer*
tl^cibigung ,^um S(^u|e beö SKngcflagten für not^roenbig erachtet, bur^ bie
3Jorf (Triften über bic üon 3lmtöroegen crfolgenbe Seftellung cincö SBcrtbcibigerö
genügenbc JJorforgc getroffen bat, baf^ aud^ bcr Unbemittelte biefeö Sd)u|cß
nic^t entbehrt, unb ba§ eine SSerpflid^tung bcöfclbcn jur S^ejablung ber Äoftcn
ber SScrtbcibigung nur bann eintritt, wenn er in bic Äoftcn beö SSerfa^renß
ücrurt^cilt wirb. (Sine anbere J^rage ift, inmieroeit bem ^n^aber ber cltcr-
lic^cu ©eroalt fraft ber cltcrlid^cn ^JJulnicfeung gegenüber bem Äinbc bic
Äoftcn eines -üon bem Ic^tercn gefübrtcn 9tcd)täftrcitcö, foroie bic Äoftcn ber
3Jert^eibigung beö Äinbc© in einem gegen baöfelbe gerid^tcten ftrafrcc^tlid^cn
aScrfa^ren auferlegt werben f ollen (ücrgl. fädfif. ®. 93. § 1820). ,^n biefcr
öinfi^t fmb bie «orfd&riftcn beö § 1531 9[bf. 1 3lx\ 5, fJ unb 9lbf. 2 ücrb.
mit § 1530 9lbf. 2 SRr. 3, .4 ' mafegcbenb.
2)ie SRcgcI bes S 1488 9Ibf. 2, baß bcr Untcrfialt in bem aWafee ju gc^ a»o^ be«
währen ift, wcld&cö ber gefammten ficbcnöftcUung beö 95credf|tigten cntfpricfit, ""**^^*"**'-
fte^t mit bem gcltenben SHcc^tc im (SinFlangc (ücrgl. prcug. 91. ^, ^M. II, 2
§§ 64, 204, 252, 253, II, 3 §§ 14, 15; öfterr. ®. 93. §§ 139, 154; fäd^f.
®. 93. §§ 1846, 1847). S)ct burd) bie ajerwanbtfc^aft begrünbeten fittlid()en
5PPi(^t würbe bei 3}erwanbten in geraber !^inic bnxä) bie ©cwä^rung beö notl^^
bürftigcn Unterhaltes n\6)t genügt werben. 9Uis ber Scftimmung bes § 1488
9lbf. 2 crgicbt fid^ oon felbft, bafe bei bcr 93eftimmung bcs ^JWafecs bes Untere
kaltes aud^ bic 33crmögcnsoerl)ältniffe bcs einjclnen Serpflid^tetcn infoweit in
698 llnter6aItßi)fH*t. Umfanö, 5»a§. § 1488.
Sctrad^t iu jiel)en finb, alö biefelben rocßen her jioif^cn bcm SBcrp^iii^tctctt
unb bcm berechtigten beftc^enben befonbercn 93eiicl^ungen auf bic Scbcnö-
ftellung bcö lc|teren t)on ©inpufe fmb.
eef(9raneung ©eweinred^ttic^ unb aud^ auf bem ©cbiete beö preufe. Slc^teö ift eö
bMniffe ber nic^t unbcftritten, ob, wenngleidEi ber ©ci^roicgeroatcr gegenüber bcr ©d^roieger*
»Ski un *^^*^^ J""^ Unterl^atte ber festeren bircft nid^t üerpflici^tet ift, bod& ber ©o^n
bei 33emcffung beö il^m oon bem SBater ju geroäl^renben Unterl^atteö verlangen
fann, bafe i^m t)on bem 33ater aud& bic SKittel jum Unterifiatte feiner ©^efrau
gemalert merben, menigftenö bann, menn ber ©o^n bie ®^e mit ©inroilligung
bcö SBaterö eingegangen ift (oergl. entfd^. b. 31. ®. in ßioilf. IV, 44 ©. 152;
Urt^. b. 9t. 0. bei ©rud&ot XXV ©. 1032). 5Der ©ntmurf ge^t bat)on aus,
ba^ bei ber 93cftimmung beö ÜJlafecö bcö ju gemäl^renbcn Unterl^alteö nur bic
perfönlid&en 93ebürfniffe bed Sered^tigten, ni(^t aud& bie feiner gamilie, inö*
befonbere aucb nid^t bie feine« ©Regatten, ju berürfitc^tigcn finb. 2)ie Orünbc,
auf TOcld^en bie befonbere Seftimmung bcö röm. SRed&tefi (1. 20 § 2 D. fam.
herc. 10, 2) bcrul^t, ba^ ber ^ausoater aut^ bie Ehefrau bcö in oäterlid^er
®emalt fte^enben ©ol^ncö ju unterhalten ücrpflid^tet ift, treffen t)om ©tanb«
punfte beö ©ntmurfeö auö nid(|t p, ba nad^ bem [enteren — abmeid&enb oom
röm. Siedete — bcr Sn^abcr ber eltcrtid&en ©emalt in einem fold^en gaUe
ni^t bic cf)diä)tn Saften )u tragen bot. ^m Ucbrigcn feblt cd aber an einem
Scbürfniffe, unb ift cd burd& SRiidEfid^ten ber Silligfeit nid^t geboten, t)on bem
auö bem ^Begriffe bcö Unterl^alteö fid^ crgebenben ©afee abjun)ei(^cn, bafe bic
Unterbaltöpfli^t fid() nur auf bie ^erfon bcö Scred^tigten bcjicl^t 2)ic ©be*
frau bcö Ie|tcren fann, foroeit nötbig, oon il^ren eigenen SBerroanbten bie ®c?
mäfirung bcö Unterbalteö bcanfprud&cn ; ebenfo ftc^t bcn Äinbem bcö Se«
bürftigen fraft eigenen SRcd^tcö ber Unterl^altöanfprud^ gegenüber ben SSoreltcrn
JU. ®ie 9luöbebnung ber Unterl^altöpPid^t ber ©ttcrn gegenüber bcm ftinbc
auf bie }um Unterbaltc bcö ©begatten bcö Ie|tcren erforberlidben aWittcI, fo*
fern bie ©Uern bie ©inmiUigung jur ©^cfd&licfeung ertbeilt ^aben, f onntc jubem
ieid()t babin fübren, bafe engberjige ©Itern auö gurd&t t)or ber ©rroeitenmg
il^rer Untcrf)altöpflicbt ibrc ©inmiHigung jur ©befd^Iiefeung ücrfagcn unb ba^
burd^ SBeranlaffung ju ©treit unb Unfriebcn im ftreife ber gamilie geben.
«ot^bttrftißcr S)ie Sluönabmefällc, in rocld^en bic UnterbaltöoerpPid()tung auf bic ®c*
Unterhalt, ^jj^^j.^^^ ^cö notbbürftigcn Untcrbaltcö bcfcbränft ift, fmb in ben §§ 1489,
1490 bcftimmt. ©ine Definition bcö notbbürftigcn Unterbalteö ift nid^t alö
angemeffcn erad&tct. SBaö baju gebort, ift im cinjetnen ^allc nad& ben fon*
fretcn Umftänben ju beurtbeiten. 9ln fid^ mürbe eö nal^c liegen unb baö
Slid^tige fein, auf baöienige üRafe abjuftellcn, mcld^eö bic öffcntlid^c SÄrmen-
pflege gemäbrt; allein biefcr 3luön)eg ift mit 9?üdEfi^t auf fold^e ©cbiete bcö
2)cutfd^en 9ieid^cö, in meldten eine auf ®cfe^ berubenbc öffcntlid&c 3lrmcns
pflege in oollem Umfange nad^ Sßafegabc bcö ®efe|cö über bcn Unterftüfeungö-
roobnfife D. 6. 3"ni 1870 ntd()t beftebt (©Ifafe^Sotfiringen), untbunlid^. Uebrigenö
bcftimmt fid^ audfi in bcn gällen, in mclcben bcr 3lnfprud^ auf bcn notb-
bürftigcn Unterbalt bef^ränlt ift, bcr 3inbalt bcö ju geroäb^cnben Unterbalteö
nadö § 1488 3lbf. 1 ; nur in Slnfcbung beö iülafeeö biefeö Unterbalteö tritt ber
Unterfd^ieb jmifd^en ftanbeömäftigem unb notbbürftigcm Unterbaltc berpor.
llntcr6aIt8pfK(6t. SRotfibürftiöcr Unterhalt. §§ 1489, 1490. 699
S)er an eine jiemtid^ verbreitete gemeinred^tlid^ie ^^Jrajid fi^ anfd^liefeenbe, »eerbigimfl«.
aud^ für ba^ preufe. Stecht (üergl. preu&. 2t. S. SÄ. II, 1 §§ 434, 435) ücrtretene ''*^*"
unb im föt^f. ®. ». § 1846 auöbrüdli^ anerfanntc @runbfa| be« § 1488
äbf. 4 (oergl. code civil 3lrt. 385 9lr. 4) red^tfertigt [id& burd^ bie %it)ägung,
bofe, tüie bie Unterljattöppid^t, anä) bie SeerbigungöpPic^t ate eine aus bem
gamilienbanbe refultirenbe fittlid&e ^ffid^t jtd& barftellt, foroeit niddt bcr ®rbe
md) § 2055 bie Soften ber )9eerbigung beö @rb[a{ferd ju tragen t)erpf[id()tet
ift. 6fi würbe gegen bie 5ßietät oerftofeen, roenn bem äJerftorbenen, roeldicr
bid an feinen 3;ob ftanbedmögigen Unterhalt genoffen f)at, naä) feinem 3;obe
nur ein notl^bürftigeö Segräbnife auf Soften ber öffentlid^cn Armenpflege ju
2:^eil werben foBte. 2)ie Seftimmung beö § 1488 3lbf. 4 empftcl^It fid^ femer
um bcdmiüen, weil bie 9lrmcngcfe|gebungen faft burd^gängig bie Soften beö
Segräbniffed ju ben Untcr()a{tßfoften red^nen, meldlje eo. von ben Slrmen?
oerbonben ju trogen finb (oergt. j. 33. fäd^f. 3lrmcnorbn. o. 22. DKober 1840
§ 23; bai)r. 2lrmengef. v. 29. Slpril 1869 Slrt. 10; bob. 9lrmenpflegegef. n.
5. aWai 1870 § 18 ; preufe. äuöf. ®ef. v. 8. SWärj 1871 § 1 ju bem 9t. ®ef .
über ben Unterftüßungönjo^nfil o. 6. 3uni 1870; mürttemb. Sluöf. ®ef. ü.
17. april 1873 Slrt. 1).
®ur(^ § 1488 Slbf. 4 foU jcbod^, mie bie gajfung ergiebt, nur bie priüQt:j
red&tlid^e SBerp^id^tung , bie Äoften ber 93eerbigung ju beftreiten> nid^t eine
prioatred^tli^e SBerpffid^tung, für bie Scerbigung ju forgen, beftimmt merben.
auf bie geuerbcftattung befonbere Stüdffid^it ju nehmen unb beö^alb ftatt non
^^eerbigung" oon ,,93eftattung" ju reben, ift niddt alß erf orberlidd , überbieö
ate ni^t unbebenftid^ erod^tet, ba biefelbe einerfeitß, menigftens jur 3cit, etmaß
Slufeergemö^nlid^ed , anbererfeitö mit befonberen Soften üerbunbcn ift, beren
2^ragung ben unter^altdpflid^tigen SSermanbten nic^t o{)ne SBeitered angefonnen
werben fann.
§ 1489.
2)ie in ben SRotiücn ju § 1480 oben ©. 679 ^en)orgef)obenen Se^ ^Ä^
benfen, meldte gegen bie 9lusbe^nung ber Unter^a(tspf(id()t auf bie ©efd^miftcr «ef^mifur.
fpred^en, müjfen jebenfallö bafiin fül^ren, biefe S8erpflid()tung auf bie ©c-
roo^rung beö nottibürftigen Untcrl^oltcö ju befddränfen. 2)amit ftimmt aud^
bafi preufe. 21. Ü. dl. II, 3 § 15, roeld^cö für jene 2luöbe^nung ber Unter^altö^
pPid&t ate SSorbilb gebient ^at, überein.
§ 1490.
Sßä^renb nac^ ber, menigftenö in neuerer Qdt, in ber S^^eorie imb uwoürbigfeit
5Projiö oorjugöroeife vertretenen 2luffaffung bcß gemeinen SRcd^teä (1. 5 ©ebürftiflen.
§§ 11, 23 D. de agnosc. et alend. lib. 25, s; 1. 4 Cod. de alend. IIb. 5, so)
ber Unter^altöanfpruc^ beö SBebürftigen im galle ber Unroürbigfeit beö legieren
gänilic^ perroirft wirb (ocrgl. bafür ®ntf(^. b. SR. ®. in ßioilf. V, 40; bagegeu
©euffert XXXVII, 39), ge^en baö prcui 21. S. 9i. II, 2 §§ 252, 253, boö
Sfterr. ®. 93. § 795 unb baö fod^f. ®. S3. § 1854 baoon auö, bag bem 23c*
bürftigen wegen Unwürbigfeit beö (enteren ber not^bürftige Unterhalt in
700 Unter6artöpfli(f)t. ?Rot6bürftiger UutcrM^ § 1490.
feinem galle entjogcn roerben fann. 2)er oode civil entJ^öIt in ber ^ier frag^
ticken ipinfidfit feine bcjonberc Seftimmung; boä) wirb für baö franj. SRcd&t
bie 9lnfxd^t üertreten, bofe ©rbunroürbigfeit bcö ^ebürftigen bie gönjlid&e 33er*
lüirfung beö Unter^altöanfprud^eö jur golgc ^abe.
»eft^räntunö ®a bie bei normalen Syer^ältniffen burd) boö gamitienbanb unter no^en
""bü^tifl"en^' SerwQnbten begrünbete Su^^iflunfl «nb Siebe bie Orunbfage ber jur SRe^td*
unterhalt, pftid^t erijobenen fittlid^en 5ßflid^t ber gegenseitigen Unterftüfcung im galle ber
23cbürftigfeit bilbet, fo laffen [id^ Dom prinjipienen ©tanbpunfte quo er^eb«
Üc^e ©rünbe bafür anführen, bie Unterl^altöppid^t ber SBenüanbten in fold&en
gällen^ in roefd^en ber Sebürftige burd^ unwürbigeö 93erl^alten baö gamilien*
bonb jerriffen l^ot, gönälid^ lüegfallen ju laRen. 3n fold^en gäßen, in roeld&en
ber Sercd^tigte ftd) gegen ben aSerpflic^teten fo betrogen fiat, bafe biefer i^m
ben 5ßflid)tt^eil f^xi entjiefjen berechtigt fein roürbe, fprid^t für ben ganjlid&en
SBegfall ber Unterljaltöpflid^t aud^ bie 3lnaIogie ber SBorfd^riften über bie 6nt«
jicf)ung beö ^fliri^tt^eileö. Stann ber aSerpflid&tete für bie Qdt nad) feinem
Sobe bem S3cred)tigten Sllleo entjie^en, fo fd^eint eö um fo meljr i^m geftattet
iDcrbcn ju müfjen, bei feinen Sebjeiten bie Oemä^rung beö Unterljatteö ju
ocrroeigern. gür bie SSermaubten ift eö ol;ne 3w)eifel Don großem SGBert^e^
wenn biefetben in fällen ber f)icr froglid^en 9Irt nid)t mefir genöt^igt ftnb,
mit bem 93ebürftigen jum 3nJecfc ber ®en)ät)rung beö Unterf)alte^ an benfelben
in 93e5ief)ungen ju treten, unb wenn für biefelben bie ®efa^r befeitigt wirb,
mit bem Sebürftigen über boß aUofe ber ju geroä^renben Sllimente in xotiU
läufige unb foftfpielige ^rojeffe tjermicfeft ju merben. 9luf ber onberen ©cite
ift bie Slußfid^t, im goUe unmürbigen S3erl)altenö auf bie offenttid^e 9lrmen*
pflege ongemiefen ju merben, für ben S3ebflrftigen ein 9lntrieb, nid^t bur^ bie
9trt feines 5}ert)altenö baß gomilienbanb ju jerreißen, ha bie mit ber ®e*
lüä^rung üon Unterftü^ungcn uon Seiten ber öffentlichen SIrmenpflege oer*
bunbenen S8efd)ränfungen unb ^JiQd&tl)eile meit mel^r empfunben werben, otö
bicfcnigen, n)eld)e bie 33efd)ränfung ber Unterbaltöpflid)t ber SSermanbten ouf
bie ©croäfirung beß not^bflrftigen Unterl)Qlteß mit fid) bringt. ®egcn ben
gänjlicfien 9lußfdölufe ber Untcrtialtßpflid^t in fällen ber l^ier froglid^en SÄrt
fällt inbeffen bie Slüdfi^t auf ben abrocic^enben Stanbpunft beß preufe. 91. S. 9i.
unb beß fäc^f. ®. SB. unb bie SiüdEfidjt auf bie öffentlidfie 9lrmenlaft entfc^eibenb
inß ®tvox(f)i.
eioene« 9lnlangenb bie einjetnen im § 1490 beftimmten gäHe, in.meldjen megeu
Uilib^it brt Unmürbigfcit beß 33eredf|tigten ber 9lnfprud& beß lefeteren fic^ auf ben not^«
»cbürftiQ«,. dürftigen Untcrl)Qlt befd)ränfen foU, fo entfprid)t eß ber rtttlid&en ®runblage
ber Unterl^altßpflid)t, bafe biefc 93efc^ränfung ganj allgemein eintritt, roenn bie
33ebürftigfeit beß 33ered)tigten auf eigenem fitilid^en 3?erfd^ulben beß SBered&tigten
berul^t. 3n fold^en 'gälten ift bie auf ber Serroanbtfc^aft berul^enbe fittlid^e
^IJflid^t, lücnn audfi n\(f)i aufget)oben, fo boc^ eine weniger intenfioe. 3)icß mufe
aud^ auf ben Snl^alt ber Unterf)altßpflid&t jurücfroirfen. 3^19^^^^ erroeift bie
Sefdtiräntung auf bie ®en)ät)rung beß Unterljalteß in gällen ber liier fragli^en
9lrt fid6 alß eine l)eilfame, im altgemeinen 3nteref)e liegenbe SKa^nung gegen
2:rägl)eit unb 9lußfcf)n)eifungen. 3^ weit ge^t bagegen bie SSorfd^rift be«
preufe. 91. iJ. ?H. II, 2 § 253, nad) meld^er ber Sebürftige in allen gäflen, in
llntcr^alt^pflic&t 9lot^bürfHßer Untcrbalt. § 1490. 701
loeld&en er burd() eigene Sc^iitb verarmt ift, ftd^ mit bcm not^bürftigen Unter*
^Qlte begnügen mufe. ?lur fittlic^eö 33crfd()ulbeti beö Scbürftigen oermog eine
fold^c öcfd^ränfung ju re(^tfertigen. 9luf ber onbcren ©cite ift eö jebod^ alö
bebenflid) erachtet, bic 33efc^ränfung von einem fdjroeren [ilttid^en 95erfd()ulben
abhängig ju mad&cn, ba biefc Quatififation beö 3Jerfd()uIbenö ju iinbeftimmt ift
imb bic Slnroenbbarfeit ber l^ier fraglidfien Seftimmung ju fel^r ju beengen brof|t.
Die weitere Seftimmung beö § 1490 3(bf. 2 fd^Iiefet fid^ bem preuf^. »erbauen,
31. S. SR. II, 2 § 253 unb bem fficbf. ®. 93. § 1854 an. 2lucb in ber gemein* Äung
red^tlid^en Suriöprubenj finbet [xi) bie Slnfid&t üertrcten, bafe eine SBcrroirfung -^^^^i^^
beö Unterl^altöonfprucbed nur in fold^en göDicn ftattfinbe, in mefcben ber S3c* beWSt.*
rec^tigte fi^ gegen ben 33erpfli(i^teten fo betragen l}ai, Dofe biefer iljn ju enl*
erben bcreti^tigt fein mürbe (oergl. Seuffert V, 285, XXVIII, 229). Dagegen
feitet eine anbere, in ber neueren 2^^eorie unb ^rariö beö gemeinen SRed^teö
Dormiegenb Dertretene ^Infidöt auö ber 1. 5 § 11 D. de agnosc. et alend.
lib. 25, 8 in SBerbinbung mit ber 1. 4 Cod. de alend. IIb, 5, «s baö meiterge^enbe
5ßrin}ip ab, ba^ bie Unterbattöpflid^t megfäUt, wenn ber Sebürftige bie ibm
gegen ben in 2lnfpru(^ genommenen Sßermanbten obüegcnbcn üenoanbtfcbaft*
lid^en ^fli^ten fo fd^imer üerleftt bot, bafe nad) rid&terlid}em ©rmeffen bic ®c*
roobrung beö Untcrbaltcö burcb biefen SBermanbten atö eine auö bem gamilicn*
banbc bcroorgcbcnbe fittUd^e ^flid^t bcöfelbcn mä)t mebr angefebcn mcrbcn
fann (oergl. ©ntfci^. b. 91. ®. in Gioilf. V, 40). aSenngteicb biefeö ^rinjip
ber ©runblagc ber Unterbaltöpflicbt an fid) am meiften cntfpred()cn mag, fo
eignet eö ftd5 bodö nic^t baju, in biefer 9lrt alö 9tcd()tönorm bi«gcftcIU
ju mcrben. ®a baöfetbc ju menig greifbar ift unb ben 9li(i^ter, ftatt iljm für
feine ©ntfd^cibung auöreid^cnbc objeftioe 21nbaltöpunfte an bie ^anb ju geben,
in weitem Umfange auf bie ©ittlicbteitönormcn pcrroeift, fo ift eö in feiner
praftif(^en Slnmcnbung mit großen Sd^micrigfeiten unb ©efa^ren ücrbunbcu
unb bro^t eine Duelle Don 5ßroje|len }u merben. Diefelben ©rünbe, roeldjc
bic ©cfelgebungen beftimmt b^bcn, bie ©nterbungögrünbc fpcjieU feftjufteücn,
fprc^en im SDßefentlicben bafür, aucb W^ benfelben 2Beg }u betreten, jumat
bieö mit ben neueren Oefcßbücbern , inöbefonbere mit bem preufe. 31. 2. 9t.
unb bcm fädfif. @. 93., im (Sinflangc fte^t.
®er jrneitc ©afe beö § 1490 3lbf. 2 bejmecrt, mit diMfid)i auf bie 93c*
ftimmungen beö ©ntmurfeö über baö ^^ffid()tt^eilörcd&t unb beffen ©nt^icbung
(§§ 1975, 2001 ff.) für bleienigcn bier in 93ctrad|t fommenbcn göUe SBor*
forge ju treffen, in meldten im SBcrbältniffc beö Unter{)altöpflid()tigen ju bem
Untcrbaltöbered^tigten ein ^fli^ttbeilörcd^t nicbt beftebt.
3)ic 93orf(i^rift beö § 1490 3lbf. 2 gcmäbrt nur bemjcnigcn SBcrpflid^teten, «nwiriuna
melier bem 93erecötigten ben 5ßflid^ttbeil ju entjic^cn befugt fein mürbe, baö »cfÄrung
Mc^t, ben Unterbalt auf ba& notbbürftige aJlafe ju befd^ränfen. Sßenn ^ö^^^^^^j^J^tj'^l^^^^
beim SBorbanbenfein mel^rcrer jur Ocroöbrung beö Unterbalteö juglcid^ 33er* anbewr'
pflid^teter ber 93ercd)tigtc fid^ gegen einen berfelben fo betragen bot, bafe biefer ««"«»""«"•
ibm ben 5ßflid&ttbcit ju cntjic^cn bered^tigt fein mürbe, fo mirb baburd^ bie
SBerbinblic^feit ber übrigen aRitücrpffi^tctcn, bem 93ercdötigten ju ben ouf fie
faDcnben Slnt^eifen nad^ §§ 1486, 1488 3lbf. 2 ftanbcömäfeigen Unterhalt ju
geroäl^ren, ni^t berütirt. ©benfo tritt, mcnn berjenigc aSermanbte, gegen
702 Untcrl&altöpfli^t. 5trt bcr Srfünung. § 1491.
roeld^eii ber Sered^tigte in ber angegebenen airt f\ä) üerfel^It |at, ftirbt ober
leiftungöunföl^ig roirb, bie SBerbinblid&feit beö SßitDerpflidöteten bcjro. bcö 3la6)^
oerpftid^teten m6) SKofegabe ber §§ 1485— 1487' unb bed § 1488 2lbf. 2 ein,
o{|ne bafe biefelben jxd^ gegenüber bem SBered^tigten auf ienc SSerfelfilung berufen
fönnen, bo i^re Unterl^altöpflid^t nid^t eine von jenem aSerroanbten auf fxe
übergegangene, fonberjt in ilirer 5perfon neu jur (gntftel^ung gefommene SBer*
binblid^teit ift. 3lu(i^ berjenige S3cm)anbte, rocld^er Dor einem Sßerroanbten
haftet, ber bem »ered^tigten bcn ^fTidött^eil ju cntjie^en bered&tigt fein würbe,
fann ftd^ auf eine r>on bem legieren gegen ben SRad^oerpfficftteten begangene SSer*
felilung nid^t berufen. SBie bie SSerfe^Iung beö Sered^tigten gegen einen SSer*
lüanbten ben anberen aSenoanbten nid^t jum SSort^eile gcreidfit, fo bürfen bie
(egtercn auf ber anberen ©eite burd) bie im § 1488 2lbf. 2 beftimmte S3efd^ränfung
aud^ nid&t leiben. Dieß ffarjuftellcn unb ber fonft leidet mogfid^cn 9luffaffung
entgegenjutreten, alö ob biefelben für ben in j^olge ber l^ier fraglichen S3c*
fd^rönfung eintretcnbcn Sluöfall an bem ftanbeßmäfeigen Unterhalte bed
Sered^tigtcn tiafteten, ift ber 3^^* ^^^ 93eftimmung beö § 1488 2lbf. 3.
^mntunq ©urd^ bie 93cftimmungen beö § 1490 wirb felbftoerftänbli^ baö SRed^t
cxiiefung«. beö Unterfjaltöpflid^tigen, roeld^em bie (Srjiel^ungögemalt über ben ^ered^tigten
rw^e«. jufte^t, jum 3^^^^ ^^^ (Srjie^ung geeignetenfallö eine Sefd^rähhmg bcö
Unter|altcö auf baö not^bürftige SWafe eintreten ju la^tn (oergt. STrt. 222
beö itat. (S. S3.), nid^t berührt.
fbct bcr Oe«
wft^ng beS
§ 1491.
2lbn)eid^enb Dom gemeinen Siechte, bem preu§. 91. S. 91. unb bem.
unteri^iteT 5ftcrr. ®. ^., naä) meldten in @rmange(ung befonberer 93eftimmungen baö
©erid^t nad^ feinem ©rmeffcn barüber ju entfd^eiben f)at, in roeld^er Slrt ber
Unterhalt ju geroäl^ren ift, ob namentlid^ in (Selb ober in 9iatur (üergl.
©euffert X, 264, XXIV, 41, XLII, 213; Urt^. b. 31. ®. bei ©rud^ot
XXV ©. 468, XXXI ©. 414), fteUt ber § 1491 Slbf. 1 im «nfd^luffc on
bcn Code civü 3lrt. 209—211 unb an ben J^eff. @ntn). III Slrt. 47 bie Siegel
auf, bafe ber Unterhalt burd^ ©ntrid^tung einer Oelbrentc ju gewähren
ift. 3^^ 3^^*^ ^^ aSermeibung oon ©treitigfeiten unb 5ßrojeifen ift eö
iebcnfallö angemeffcner, bie Slrt ber ®cn)äl|rung beö Unterfialteö gefeglid^
JU regeln. 3laäf bem SSorgange beö fäc^f. ®. 33. § 1850 bem SSerpflid^teten
bie SBalEil jroift^en ®etb* unb 9laturatleiftung ju überladen, empfiel[|lt
fid^ nid^t. ®ic 9Jaturalleiftung entfprid^t ollerbingö oft bem Sntercffc bcö
aSerpflid^itcten am meiften, bagegen ben inbioibuellen aSerl[|ältniffen unb
ben Slnforbcrungen ber 5ßietät am menigften, namentlich in folc^en gfillcn,
in meieren Slfjenbcntcn ber Untcrl^alt t)on ©citen ber ©efjcnbenten ju ge*
malfl^en ift, ober in meldten ein fd^led^tcö SSer^ättnig smifd^en bcn Sctl^ciligten
beftelit. gSä^lt in fold^en göüen ber SScrpflid^tctc bie 9laturalleiftung, fo fann
baburd^ bem Sered&tigten ber Unterl^altöanfprud^ unter Umftänbcn fattifdö
Döllig illuforifc^ gemad^t werben ober eö mirb biefe Slrt bcr Oeroä^rung bcö
Untcrlialtcö eine ftcte Quelle üon ©treitigfeiten unb 5ßrojeffen, namentlich au^
über bie grage, ob bie cinjclncn 9Jatura(lciftungen bem ^Knfpru^c auf ftanbcö*
Untcr6aItSpfIi*t 2lrt bcr erfüttunQ. § 1491. 703
mäfeigen Unterhalt enffprcd^cn. 3)icfc Ucbelftänbc rocrbcn bcfcitigt, wenn man seibrente an
bic ©eroäl^rung bed Untcrl^altcd burdfi ©ntrid^tung einer ©elbrcnte alö bie *^*^"
SRegel ^inftellt, baneben aber bem ©erid^te bie SBefugnife giebt, auf 5lntrag beö
35erpPi^tcten bcmfclben ju gcftatten, bcn Unterhalt in anberer Slrt ju ge-
roö^ren, fofem befonbere Umftänbc eine fold^e (Seflattung red^tfertigen (Dcrgl.
ou^ ^ef[. 6ntn). in Slrt. 47). 3)ic 33orf(^rift beö code civD, weld^e bem
^flid^tigcn, abgefcl^en von bem aSer^ältnii^e jmifd^en @(tern unb Äinbern, mit
©ene^migung beö ©erid^teö bie JlaturatoerpPegting ganj ober jum ^{|ei( nur
bonn geftattet, menn berfclbe baares ®elb ju geben nid^t in ber Sage, mofit
ober noci^ im ©tanbe ift, in feinem ^aufe Dbbad^ unb an feinem ^ifd^e ben
Unterwelt ju gewähren, jie|t ber Sluäna^me ju enge (Srenjen. 3lud^ in onberen
gfillen fann nod^ ben inbioibueüen SBerl^ältniffen bie Slaturalocrpffegung uollig
angemeffen unb unter Umftänben, nomentUd[| xomn ber Scbürftigc ein bem
S^runte, bem ÜBüfeiggange ober überl^aupt ber Sieberlid^feit ergebener ober ein
leid^tfmniger, üerfd&menberifd^er 3ßenfd^ ift, im ^inblide auf bie mit ber
SloturatoerpPegung oerbunbene Ginfd^ränfung ber grei^eit unb t^atfäd^Iid^e
S3ex)ormunbung beö ^Berechtigten unentbe^rlid^ fein.
2)ie aSorfdfirift beö § 1491 3lbf. 3 entfprid^t bem § 663. Sie befte^enben «otwi»-
SRed^te gelten jmar ebenfalls baDon auö, bafe bie Slfimente im SSorauß ju ^«iJJImtr
leiften finb (oergl. ©euffcrt III, 56); bagegen ^aben fie, abgefel^en tjon bem
öfterr. ®. S3. § 1418, bie grift, für meldte bie 3SoraufiIeiftung erfolgen mufe,
gcfefelid^ nid^t nä^er beftimmt unb bie grage nid^t auöbrüdClid^ entfd&icben, ob,
wenn innerl^alb ber Qtit oon bem einen S^ermine jum onberen bie Unterlialtö*
Pflicht erlifd^t, boö im 93oroud (Seteiftete Derl^ältnigmögig jurüdFgeforbert
roerben fann. 3)ie praftifc^en Orünbe, ouf meldten bie 93eftimmung beö § 661
beruht, muffen bal^in fül^rcn, bie SSorfc^riften beö § 661 oud^ auf ben ju
gewä^renben Unter^olt für entfpret^enb anmenbbor ju erflären (üergl. aud&
§ 724 aibf. 7).
3)ie im § 1491 9lbf. 4 beftimmte Sluönal^me t)on btn SSorfd^riften «oneutreni
beö § 1491 abf. 1—3 ift burd^ bie Stellung unb bie Aufgabe beö SSer* vlJXum-
pflid&teten, meld&em jugleid^ baö ©i^ie^ungöred^t gegen ben Sered^tigten ju* pff^^tw^km
fielet, geboten unb namentlid^ um beöroitten nid|)t ju entbel^ren, meil nad^ ben ^^^^
Seftimmungen beö § 1491 Slbf. 1, 2 ber Sered^tigte biö bobin, ba§ burd)
gerid&tlic^eö Urt^eif eine onbere 93eftimmung getroffen ift, bie Oemäbrung beö
Unter^olteö in einer ©elbrente verlangen fann. 3)ie älnroenbung biefer SRegel
mürbe in ben ^ier froglid&en %&Ucn ju einem unangemeffenen SRefultate füliren.
3tuf bemfelben ©tanbpunfte ftefien im SBefentlid^en ber code civil 2lrt. 211
unb bcr ^cff. ©ntro. ni ärt. 42, 47, wergtid&en mit airt. 20. 3)ic 5ßorfd&rift
beö § 1491 Slbf. 4 ge|t iebodfi nomentlid^ infofem toeiter, alö fie einem
jjeben jur ©emäl^rung beö Unter^olteö SSerpflid^teten, me(d^em boö Sr^ie^ungö^
re^t gegen ben S3ered&tigten jufte^t, nid&t bloö ben (SItem, baö im § 1491
SIbf. 4 beftimmte SRed^t beilegt, alfo inöbefonbere au^ bem SBormunbe, meld^er
jugleid^ unter^altöpflid^tig ift. S^x SSermeibung von 3rorifeln fügt ber iweitc
©oft beö § 1491 SCbf. 4 tiinju, bafe bie Sefugnife beö 5Bormunbfd&aftögerid&teö,
loegen aRifebraud^eö beö ©rjie^ungöred^teö einjufd^reiten (§§ 1546, 1684),
unberührt bleibt.
704 nntcr6alt«Pfli4t. Srt ber grfüUunfl. § 1491.
sudito^meit 2)a nodö bcm Gntrourfc (§§ 1501, 1557) bic eltcrlid^c ©croaft mit bcr
Sttra^flTflw! SSoUiä^rigfeit beß ftinbeö becnbißt wirb, baö leitete ober in t)iclcn gfillcn
"^'j^^^"'mit biefctn S^itpunftc bic p^iflfcit, fid^ fclbft ju untcr^oltcn, noä) nlc^t er*
longt t)ot unb bcd^a(b aud^ nad^ ä3eenbigung ber eüerlid^en ©emolt t)on ben
eitern unterhatten werben mufe, fo ift eö erforberli^, ben [enteren ou^
für biefe ^z\t einen angemeRenen ©influfe auf bie ^anbtungö^ unb fiebcnö*
weife beö Äinbed ju fidlem, bamit baöfelbe nid^t» feine ©elbftänbigteit unb bie
Unter^altöpflit^t bcr ©(tern mifebraud&cnb, auf beren ftoften bie ^At ber
eigenen erroerböfäliigteit roiUfürlic^ ^inauöfd^icbt nni bie ben ©(tern oblicgenbe
fiaft beö Unterhaltes burd) bic 9lrt feiner §anblungö* unb Scbenöroeifc un*
gebü^rlid^ erfc^rocrt. Slud) bie befte^enbcn SRed^te geroäl^ren ben 6(tern in ber
einen ober anberen 2lrt bie aßöglld^fcit, aud^ nac^ Scenbigung ber elterlid^en
©eroalt tl^atfäc^lid^ auf bie ^anblungd^ unb Sebendroeife i^rer nod) unter^altd«
bebürftigen Äinber bur^ bic ä[rt ber Ocroä^rung beö Unter^alteö einjuroirten
(Dcrgl. preufe. 31. ü. 5R. II, 2 § 254; code civil 2(rt. 211; ofterr. ®. ». § 173;
fäd&f. ®. 93. §§ 1850, 1805; |cif. ©ntro. III 2lrt. 42). 9fadSi bem aSorbilbc bcfi
öfterr. ®. SB. unb befi lieff. (Sniro. in ben l)ier fraglichen gällen bie elterlid&e
©croalt ober bo^ bie ©rjic^ungögeroalt über bie ^tit ber 3)Unberiät)rigfcit
^inaud JU crftredcn, würbe mit bem ^^Jrinjipe beö entrourfeö, bafe baö Äinb
mit ber SSoUjöl^irigfcit alö felbftönbig anjufe^en ift, nic^t im (Sinitangc
ftel^en. ®el()t man einmal bauon auö, bag mit jenem 3^itpunfte bic nötbige
Steife für bic ©elbftbeftimmung erreicht ift, fo mürbe cö unbillig unb nid^t
gercd^tfcrtigt fein, in feieren gällen, in meldten baö Äinb uermöge bcr bc*
fonbercn 2lrt fcineö 93erufeö ober roegen Oebred^en in jenem S^itP^nftc bic
gäfiigtcit, fidö fclbft ju unterhalten, nod^ ni^t erlangt ^at, ober bemfelben,
wie bicö j. 93. bei 2:öc^tern oft ber gall ift, nad& ben SScr^ältniffcn beö ©tanbcö
bie Grgreifung eincö eigenen @rmerbö)n)eigcö nid^t jugemut^ct werben fann,
bie elterlidie ©cwalt ober bic (Sriieliungögewalt wegen bcr SJlogli^fcit, bag
baö Äinb feine ©elbftänbigtcit auf Soften bcr ©Item mißbrauchen fonnte, all*
gemein ju Dcrlängcrn. 3?ad^ ber Sluffaffung beö ©ntwurfcö wirb bem Sntcrcffe
beö Äinbcö, wie bem 3ntcreffc ber ©ttern in einer angcmeffcncn Slrt burd^ bic
an bic ä^nlid^c SBorfd&rift beö code civil 2trt. 211 fid^ anlcl^ncnbc unb aud^
bem ©tanbpunfte beö preufe. 91. 2. 91. unb beö fäd^f. &. ^. fic^ näliernbc
93eftimmung beö § 1491 Slbf. 5 Slcd^nung getragen. 3)ic eitern erlangen
baburd^ bic äßöglidöfcit, an Stelle ber ©cwä^rung beö Untcrlfialteö burd^ eine
Oclbrcntc fofort bie JlaturalDcrpPcgung im ^aufe eintreten ju laffcn unb auf
biefe SBcifc fid^ eine t^atfäc^lid^c Scoormunbung über baö Dielleid^t auf 9lb*
Wege geratljcne Äinb ju fid&crn. 9luf ber anberen ©eitc finb bie Äinbcr gegen
SBillfür unb mifebräudöUd^c Sluöübung beö elterlid^en 93eftimmungörcd&tcö
burc^ bic aSorfd&rift gefd^üfet, bafe baö Oerid^t eine bic 93cftimmung ber ©Item
abänbernbe Gntfd^eibung treffen fann, fofern befonberc Umftänbe eine fold&e
©ntfd^cibung red^tfertigen. Um fo mc^r ift biefe 2lrt bcr 9legelnng auörcid^cnb,
um ben ©Item ben not^igen ©influfe ouf bic J&anblungö* unb Scbenöwcifc
ber unterlialtöbebürftigcn kinber ju fid&ern, alö bic Icfttercn, folangc fic in
bem ^auöftanbc ber ©Itern untcri&alten werben, ben ©Itern finbUd^en ©c^orfam
fd^ulbig unb benfelbcn in beren ^auöwefcn unb ©cwcrbe in einer i^ren
nntcr^altepfli^t. Unterhalt für bic SScroangen^cit. § 1492. 705
Äröftcn iinb il&rcr ScbenfiftcUung cntfprcd^cnbcn 5Bcifc uncntflcItUd^ Äicnftc
ju Iciften Dcrpffid^tet fmb (§§ 1498, 1499) unb aufecrbcm nai) § 1490 Stbf. 1
bcr änfpnid^ befi Scbürftigcn fid^ auf bic ©eroäl^rung bcö notdürftigen
Unterhaltes befd&rfinft, wenn bcffcn Sebürftigleit auf eigenem fittlid&en SSer^
fd^ulben beruht. S)aö im § 1491 3lbf. 5 ben ©Itcrn beigelegte SRcd&t tritt
übrigcnö nur gegenüber ben nid^t unter ©riiel^ungdgcroalt ftel^enben Äinbem
ein. ©te](|t baö Äinb unter bcr ©rjicl^ungfigeipalt eines ^[nbcren, als bcs
untcr^altspflid^tigen ©Itcrnt^ciles, fo gerodl^rt bas bicfem 9lnbercn juftel^enbc &:^
jie^ungsred^t ein auSreid^enbeS äßittel, auf bic ^anblungs^ unb SebenSroeife
bes unterl^altsbcrcd^tigten ftinbcS einjuioirten.
§ 1492.
3n Uebcreinftimmung mit bcr in bcr 3::§coric unb ^ßrajis beö gemeinen «sewa^nma
JRcc^tcS Dorroiegenb ocrtrctenen, uom SWcid^ögcric^te aud^ für baS prcufe, SRcd^t am unter^ue«
crf anntcn 3luffaffung (uergt. ©euffcrt 1, 83, IV, 255, XII, 164, 278, XVII, 250 ; ^^^ we »er-
Urt^. b. 51. ®. bei Oruc^ot XXXI ©. 414 ff.; a. a». ©euffcrt XXXIX, 109; ^""^*"^ *
Dcrgl. aud^ XXXIV, 123), fomic in Uebcreinftimmung mit bem föc^f. ®. 83.
8 1849 — bic übrigen Ocfefebüd^cr entfd^eiben bic grage nid&t auöbrüctlic^ —
fd^üefet bcr ©ntrourf bic 9ia^forbcrung Don Sllimcnten für bic S8crgangcn](|cit ««WKe^un»
gmubfäfelic^ aus. ©S cntfprid&t bicS bcr Sluffaffung beö entrourfes, bafe ^^x^nl
©cgenftanb bcr Untcrl^altdpflidöt nid^t bic cinjelncn Seiftungen als fold&c pnb,
fonbcrn bic Sefriebigung ber 93cbürfniife beS Sered^tigten burd& Darrcid&ung
bcr baju crforbcrlid^cn ÜBittcI, ba§ mitl^in bic 3llimcntation nid^t bcr aufeer*
I;alb bes 3W^aItcs bcr Obligation liegcnbc 3^^* bcr Seiftung ift, fonbcrn jum
Sn^alt ber fieiftung fclbft mit gebort (uergl. auc^ bic 3Hotit)e ju § 1486 obctt
S. 692). Ginc Sefriebigung t)on S3cbürfnif[cn für bic SBcrgangenl^cit ift bcr
Statur bcr Sac^c nad^ nid^t moglid^, Unmoglidfifeit ber Seiftung aber l^at S3c?
frciung bcs ®d&ulbncrs jur golgc, foroeit bicfclbc nid^t auf einem uon bcm
Sc^ulbncr ju ucrtrctenbcn Umftanbc bcrul^t (§ 237). SSon bcm ^Prinjipc, bafe
bcr Untcrfialt für bic SScrgangcnl^cit nid^t geforbert werben fann, mad^cn bas
fäd^f. ®. SB. § 1849 unb jum a;^cil au^ ^mk unb ^ßrafis anbcrcr SRcd&tc
(pcrgl. ©euffcrt XXXin, 306, XXXIV, 123) für ben gall eine 3luSnal^me,
roenn bcr Scrcd^tigtc, um pd^ ju erhalten, ©d^ulbcn mad&cn mußte. SluS
oügemcincn ©nmbfäßcn läfet [xö) inbcffcn biefe 3lusnal|mc — abgefc^cn üon
bcm gallc eines aSerjugeS (§§ 247, 251) unb abgcfcl^en von bcr eine allgemeine
Scantmortung nid^t julaffcnbcn grage, inroiemeit in bcm l[|ier fraglid^cn galle
ous bcm ©efid^tspunftc bcr ©cfc^äftsfü^rung ol^ne 3luftrag ober bcr ungered^t^
fertigten Sereid^crung ein ©rfaftanfprud) bcs Scrcd^tigten gegen ben SBer*
pflid^tctcn \\ä) Iierlcitcn löfet — nid^t begrünbcn. 6inc fold^c äuSnal^me
pofitio 5u bcftimmen, ift aber namcntlid) mit JRüdffid^t auf fold&c gällc be-
bcnllid^, in meldten bcr SSerpPid^tetc von feiner Unter^altSpjlid^t überall feine
^tcnntnig gcl^abt Ijat unb in meldten bcrfclbc nad^ 3)laggabe feiner gegenmfirtigen
3Scrm6gcns=j unb ©rmatsucr^ältniffc jur ©croä^rung beS Unterhaltes nic^t
mc^r im ©tanbc ift. 9Iuf bcr anbcrcn ©cite wirb burd^ eine fold^c SluS^*
na^mc allein bcm SBebürfniffe anä) nid)t genügt, ba fic ben SBcrcc^tigtcn, um
SRotioc h. bfirgerl. Gefetbut^. IV. 45
706 llntcr^altöpfK^t. Unterhalt für bic SScröanoenJeit. § 1492.
ftd^ bcn Sltifprud^ für bic SBergangenl^cit ju ertiolten, nöt^igt, ©d^ulben $u
mad^cn, unb if>ni bcn fd^tüierigcn Scn)ciö aufbürbet, bofe er; um [\ä) ju unter«
«uftna^mc Ijaltcn, ©d&ulbcu I|obc mad^en muffen. Sluö bicfcm ©runbc rcid&cn auc^ bic
^löe^ugeör ^%"^^^"^" Onmbfäfec über bic gofgcn bcö SBcrjugcö ni^t aufi. SDcr (Snttourf
beftimmt bcö^alb, bafe ber S3crcd)tigtc, mcnn it}m bcr Untcrl^aU nic^t geroäl[irt
ift für bic SJcrgangcn^cit Slad^jal^Iung bcr ©dbrentc bcjro. in fold^cn goBcn,
in mclci^en bcr Untcrliolt in onbcrcr 3lrt, ate burd^ (Entrichtung einer ©clb*
rentc, ju gewähren ift, Gntfd^äbigung unbcbingt t)on ber 3cit an forbem fann,
in mcld^cr ber SBcrpflid&tctc in SBcrjug gclommcn ift, ol^nc bofe eö bcd weiteren
SBcmcifcö beborf, bnfe er in golge bcö SSerjugcd, um fi<j^ ju untcrl^alten, ^[uf«
wcnbungcn fcincrfcitö lüirflidj gcmad^t I)Qt. 3^^^ ^W ^^^f^ öcftimmung
ba^in, bafe bcr Scred^tigtc, nad^bem er bcn SBcrpflid^tctcn in SBerjug gefcßt ^ot,
oud^ bann für bie SBcrgongcn^cit bcn Untcrl;alt ju forbcrn bered^tigt ift, toenn
er in SBirfli^fcit, um fid^ ju unterl^alten , 9lufn)cnbungen überall nic^t
gcmad&t, j. 93. mcim er fid^ cingefd^rönft l^ttc ober oon einem ©ritten auö
9Bol^ltf|ätigfcit unterl^altcn ift. SlUein, abgcfcl^en baoon, bafe eö bcr Silligfeit
mel)r entfprid^t, rocnn bieß nid^t bem in SSerjug gcfommcncn SBcrpflic^tctcn,
fönbern bem Scred^tigten )u @utc tommt, fprcd()en übcrroicgenbe praftifd^e
©rünbc bafür, in bcr I|ier fraglid^en Scjicijung eine einfädle, burd&greifcnbe,
bcr ÜBcl^rjal^l ber gälle cntfpred^cnbc 9iorm aufjuftcllcn. 3n bcn meiftcn
gällcn mirb aber bie ©ad^c fo liegen, bafe ber 33ered^tigtc oon ber 3^* ^
ä^crjugcö bed SSerpfli^tcten an fid^ für 9{ed)nung bcd lc|teren unterhalt unb
eine ctmaige 8Bo](|Itl|ätigfcit dritter nid&t im Sntcreffe bed . SScrpflid^tctcn er*
folgt. 2lud^ aus bem Oefid&tspunfte empficljlt fid^ bicfe ärt ber SHegelung,
meil, roenn ber Sebürftigc mn bcr 3^it bcö SSerjugcö beö 35erpf(id^tcten an
o^nc SBcitereö SfJad^jal&Iung ober Gntfd^öbigung für bie 35crgangenl^eit Der*
longcn fann, ©ritte fid) leidster baju Dcrftcljcn rocrbcn, bem öcbürftigcn
gegen Slbtrctung feines Slnfprud^cö auf bie rüdfftänbigen Sllimente bic
not^ige ^ülfe iu gcroäfiren, ba bie ©cfd^äftöfül^rung o^ne 3luftrag immer nur
eine imfid^erc ®runblagc für einen Grfa^anfprud^ gegen bcn SScrpflid^tetcn
barbietet,
im ?faae ber 5ßraftifd&c SHüdfid^tcu muffen aber weiter ju ber Seftimmung fül^ren,
«ec^M^nai«. jj^^ bcr berechtigte für bic aSergangen^eit 9lad&}aI|Iung ober ©ntfd&äbigunR
aud^ t)on ber S^it an forbern fann, in wcld^a* ber Unterl&altdanfpruc^ rcd^tfi*
Ilängig geworben ift, unb jwar tlficilö im ^inblicfc auf fold^c gätte, in welchen
ber öebürftigc nid^t in bcr Sage ift, bcn SSerpffid^teten burc^ Slufforbcning
jur ©rfüHung bcr Unterl)altöpflid)t in SSerjug ju ocrfcfeen, unb in weld^cn bcr
SScrpflid^tcte nad^ Sage bcr Sad^c aud^ burd^ bic 5t(agerl^ebtmg nid^t in äkrjug
fommt (§§ 245, 246), tl^cilö um bie Sebenfen unb 3wcifcl ju befeitigen,
wcld^c barauö entnommen werben fönnen, bafe nat^ ben attgemeinen (Srunb*
fägen bcö @ntwurfeö bcr ©egenftanb unb bie siatur einer $}erbinb(id^teit bun^
baö ben 93ef(agtcn oentrt{)ei(cnbe Urt^eit, abgefcl^en baoon, bag baö (entere
bie aSerbinblid^fcit in unanfcddtbarer SBeife fcftftellt (§ 191), nid^t gc*
änbert wirb,
»efonbere SSou fclbft ocrftc^t cß fid&, bo^ burd^ bie S3eftimmungcn bcö § 1492
Tratb^. ctmaige ©rfa^anfprüd^c bcß 93cbürftigcn gegen bcn aScrpflid^tcten aud bem
Untecl&alWad&t. äcnbcrung bcr aSecJaltniiTe. § 1493. 707
Oefld^töpuntte ber Ocfd^äftöfül^rung ol^ne Sluftrag ober ber ungcrcdjtfertigtcn
Scrcid^erung unberührt bleiben. Slud^ bleibt für bm %aU beö SBerjngeo bcm
"Sercij^tigten unbenommen, auf Onmb beö § 247 9lbf. 1 ben il|m buvdj beu
SBerjug t>crurf ödsten toeitcrgel^enben Sd^aben geltcnb ju mad^cn, menn er nad)-
iuroeifen vermag, bofe i^m in golgc beö 58erjugcö ein fol^er meitergefienber
Sd^obcn errood^fen ift.
Snroieroeit ein dritter/ welcher bem SBebürftigcn ben Unterfiält in ber erf«ii«nfpru<5
^fid^t gemährt ^ot, bie ©cfd^äfte befi SBerpflid^tcten ju beforgen, von bcm ^
Unteren @rfa| forbern fann, rid^tet fid^ ncid) ben allgemeinen ©runbfagcn
<DergL inöbefonbere §§ 753, 754, 755 äbf. 2, § 758). 3n einem folgen
gallc fann felbftoerflÄnblidd ber SSebürftige, bo bemfclben ber il^m ron bem
aSerpjlid&tcten gefd^ulbcte Unterl^alt burd^ ben ©ritten gemalert ift, auf ®nmb
i)eÄ § 1492 für bie SSergangehl^eit feine 2lnfprüd&e gegen ben SScrpflic^tetch
«rieben.
§ 1493.
3Iuö § 190 2lbf. 2 ergiebt fid^, bafe eine S3erurtl[ieilimg beö SJcrs «wnberung
;)fli^teten aud^ ju erft fünftig fällig merbenben 9Uimenten erfolgen fann. btiaSJ^r^S
Sie Scftimmung bcd § 1493 gewahrt nad^ Slnalogie befi § 724 3lbf . fi ^^^.^^[„.„^
©afe 1, 2 bem JBcred^tigten mie bem SBerpflid^teten bie SÖloglid^feit, für ben
gall, bafe nad^ bem im § 686 äbf. 2 ber ©. 5ß. D. bejeid^neten 3eitpunftc
eine mefentlic^c Slcnberuttg ber SSer^ältniffe eintritt, meld&e für bie SBerurt^cii?
lung jur ©ewä^rung beö Unterl^alteö ober fiir bie Seftimmung ber^ö^c ber
'äfimentc ober ber 3)auer i^rcr ©ntrid^tung mafegebenb nrarcn, eine ber Süer^
änbcrimg entfpred^enbc 9lbönbenmg bed früheren Urtl^eileß ju enoirfen. ®iefc
ÜDlöglid^feit ift eine Stonfequenj beö ^rinsiped, bag ber Unter^altöanfpruc^
fort unb fort fid& erneuert (uergl. bie SBorbcmerfung oben ©. 677). Sic
red^ttid^e Slatur beö Untcr^altöanfprud&eö wirb babur^, bafe berfelbe feiner
(gpiftenj unb feinem 3nl^alte nad^ burdd Urt^eil feftgeftellt ift, nidjt berül^rt,
ba bicfe gcftftellung eine 9lorm für bie S^ifi^^ft ^»^'* ^^^i^^ ^^ aSoraußfefeung
bitbct, bag eine mefentßd^e Slenbening ber für bie SBerurtl^eilung niaggebenb
geroefenen aSer^ältniffe nid^t einlritt Snöbefonbere fann eine 9lenberung biefer
Ser^oltniffc aud^ eine anbere 3lrt ber Unter^altögewäl^rung, alö bie bififier
•gcwäljrte, bebingen (§ 1491 Slbf. 1, 2). fflic aM ber gaffwng ber 3Sorfc^riften
beö § 724 aftf, 6 Soft 1, 2 cr^eDt, ift bie erfolgte äSerurtl^eitung jebod^
infofem auf bie Semeiölaft Don 6influ§, alö bie Icfetere bemjenigen obliegt,
H)eld[|er bie Slbänbcrung beö Urt^eileß beantragt- 2)iefc 9lrt ber Siegelung bei*
Seweiölaft, meldte oon im Seftimmungen ber §§ 1481, 1482 (ocrgl. oben
©. 683, 687) abweidet unb gegenüber bcm ^rinjlpe, bafe ber Unter^altöanfprucft
fort unb fort ftd^ erneuert, jum 9Iad^t^cilc beö 93erpflid^tcten allerbingö
einen pofitiDcn Aarafter an fid^ trägt, ift burd^ praftifd^e Stücfftd^ten unbebingt
geboten, SÄit ber aSorfd^rift beö § 1493 ftel^t aud^ baö gcttcnbe SRed^t im
(ginf lange (mgl. Seuffert X, 262, 145, XXIX, 144; ©ntfd^. b. 91. W.
in eioilf. IV, 44 6. 155, V, 25 ©. 98 ff,; code civü Slrt. 208, 209; ^ejf.
4Sntro. III airt. 46).
45*
708 Unter]6alt«»?fli(i&t. ÄonfurS bcS SSci*fIi(i&tctcn. § 1491
§ 1494.
ÄoKfura S)cr § 149tl fprid^t eine Jtonfcqucnj quo, roeld^c auö bcr bcm ©nttourfe
pp^tet«: ju ©runbc licßenbcu Sluffaffunfl über bic juriftifd^e Slotur bcd Untcr^oltfi^
öettenb* onfpnid(ieö als eineö in j[ebcm Slugenblicfe beim 3wt^cffcn ber erforbcriid&en
ina(^uns *>«» t^atfäd()li(i^en SBoroudfefeungen neu entftclienbcn JRed^tcö pd^ ergiebt (ocrgL bic
S"i« aSorbemerfung oben S. 677). ®a nacft bicfcr Sluffoffung ber »ebürftige für
bie ^Sfuitft ^^^ 3iifw"ft ff^i" erroorbcncö SRed^t auf (Serofildrung bcö Unterliatteö , infi*
u un t, jg^^j^jj^^^ ^^^ j^^j^ bebingtcfi gorberungöred^t, l^at, fo folgt aud § 2 ber
Äonf. D., bo6 in bem Äonfurfe über baö aSermbgcn bcö SBerpflid^tetcn ber
Unterl^altdanfprud^ für bie 3wfunft nid^t gcltenb gcmad&t TOcrbcn fann, anberer^
feitö, bofe bcr ©emeinfd^ufbner trofe bcö Äonfurfcö aus ben il[im nad^ ben
§§ 118, 120 bcr Äon!. D. jum Untcrljaltc angcmicfcncn äßitteln imb (m^
feinem nid&t in ben Äonfurö foUenben Sßermogen unb ©rmcrbc bcm JBebürf*
tigcu nad^ SRofegabe bcö § 1482 ben Untcrl^alt ju gcroäl^ren DcrpfCid^tct ift
imb er ftd& ber ©cltcnbmad^ung bcö Untcrf;altöanfprud^eö gegenüber nid^t auf
bic SBorfd^rift bcö § 11 bcr Äont. D. berufen fann, ein SRcfuItat, mcld^eö bcm
uatürlidöcn ©cfü^Ic unb bcr auö bcm ^amilicnbanbc pdf) crgcbenben pttfid&eit
5ßflid^t, namcntUd), wenn man bic UntcrJ^altöpffid)! bcr ®ltcrn gegenüber ben
fiinbcrn inö Slugc faßt, burc^auö entfprid^t (t)crgl. aud& ©cuffert XXXVIII,
86 ; naff. SBcrorbn. v. 28. ©eptember 1859 § 88). SÖßcnnglcic^ ber § 1494 nur
alö eine Äonfequcnj bcr bcm ©ntrourfc ju ®nmbe licgcnbcn STuffaffung über
bic iuriftifd^c SRatur bcö Unterl^altöanfprud^cö fid^ barftcUt, fo ift cö bod&, ba
ein bireftcr 3luöfprud^ über biefe 5Ratur im ©efcgc nid&t gegeben ift unb nid&t
ioof)I gegeben mcrbcn fann, alö angcmcffcn crad^tct, jene ftonfcqucnj, meiere
ganj befonbcrö geeignet ift, bic prinjipiclle 9luffaffung bcö ©ntmurfcö flar^^
iuftellcn, auöbrütflic^ im Ocfcfec l^croorju^ebcn.
für bie «er. S)ic ©cftimmung bcö §^ 1494 bejic^t ftd^ aber nur auf bic Ocitcnb*
gcngcn^eu. ^^^^^^ ^^^ Untcr^altöanfpruc^cö für bic 3ufunft. ©omeit bcrfclbc f(^oit
Dor bcr @röffnung bcö Aonfurfcö jur @ntftcl^ung gclommcn ift unb nad^
§ 1492 für bic aScrgangcnl^cit geforbert mcrbcn fann, ift bic ®cltenbmad&ung
bcr bctrcffcnbcn gorberung im Äonfurfc nid^t auögcfd^loffcn (§ 2 bcr
Äonf. D.). ein S^tx^^l fann fid) in bicfer ScjicI&ung jebod^ für ben galt
crl^cbcn, menn bic nad& ÜRafegabc bcö § 1491 Slbf. 3 in SScrbinbung mit § 661
im aSorauö ju bcroirfenben Seiftungen bei bcr Eröffnung bcö Äonfurfcö bereitö-
fällig finb. 5Da nad& § 661 Slbf. 3 bcr SKnfprud^ auf baö im SBorauö jui
Sciftcnbc mit S3cginn berienigen grift alö ermorbcn gilt, für toctd&c im
aSorauö JU Iciftcn ift, fo fönntc barauö gcfd^loffcn werben, bafe, menn bie grift
bei eroffnung bcö Äonfurfeö bcrcitö begonnen l^attc, aud^ bic für biefe grifi
üorjulciftcnbcn Sllimcntc, fomeit biefelben auf bie S^xt m6) ber (Sroffnung bcö-
ilonfurfcö falten, in bem Icfetercn gcltcnb gemadjt werben fönntcn, anbcrcrfcitö bic-
©cltcnbmad^ung berfelben aufecrl^atb bcö Honfurfeö für bic S)aucr bcö Ie|tcrctv
nadj § 11 bcr Äonf. D. auögefd^loffen fei. 2)iefcm unjmcrfmäSigcn unb mit
bcr 9latur ber Untcrl^altöpflid^t nid^t im einftangc ftcl^cnbcn Slcfultatc tritt
bcr Sd^lußfafe bcö § 1494 entgegen. 2luf bie formale Äonfcqueni ber SBc^-
Untcr]&aIt«pfK(5t. SScfceiung burd6 Sctjic^t, Soraugrciftung. § 1495. 709
ftimmung bcfi § 661 9lbf. 3 fann um fo rocnxgcr baö cntfd^eibcnbc ©etoic^t
gelegt tucrben^ ate bur^ jene 93cftimmung Dornel^mlic^ eine bem Untcrl)a(td«
jiocde cntfpred^enbe 9lrt bcr Ocroä^rung ^at feftgcfejt rocrbcn follcn.
§ 1495.
S)ie »eftimmung beö § 1495 Stbf. 1 rcd^tfertigt fic^ burd^ bie fittlid^e «erü^t
Orunbfoge ber Unter^altöpflic^t unb bie giücffic^t auf baö wegen ber offenfe j;||«a"K
lid^en Slrmenpflcge fonfurrirenbc öffcnttid^e jfntercife (oergl. ouc^ ©euffcrt
X, 263; entfd^. b. % ®. in Siüilf. IV. 60; fäd^f. @. ». § 1852).
Üb na^ gemeinem Siedete über noc^ nid&t föKige SUimente ber ^ier «eraWi^ über
fraglid^eii Wct ein SBergleid^ mirtfam gefd^toRen werben fann unb ob berfelbc ju "^*"'"'*-
feiner ©ültigfeit ber rid^terlid^cn 5ßrüfung unb Seftfitigung beborf, ift ftrcitig
(DergL L 8 § 2 D. de transact. 2, is, 1. 8 Cod. de transact 2, u; Seuffert V, 285,
X, 263, X\ail, 244; ©nifd^. b. dt. ®. IV, 60). 3)aft preufe. 5K. S. 91. 1, 16,
§§ 412--414 »erlangt jur ©ültigteit gerid^tti^e »eftätigung. gür ^ßreufeen
ifi biefc aeftimmung iebod^ burd^ ®ef. ü. 11. 3uU 1845 oufgel^oben. S)ie
übrigen ®efc|büd^er entfd^eiben bie grage nid^t [pejicH. Slud^ ber (Sntwurf
liat in biefer ©ejie^ung eine befonbere SBorfc^rift nid^t aufgenommen, baoon
auftge^enb, bag bie Unwirtfamfeit eined berartigen ^ergleid^ed aud ber 93c«
ftimmung bed § 1495 W)l 1 ftd^ gcnügenb für alle bieienigen ^Ile ergiebt,
in meldten ber gefeglid^e Unter^altdanfpruc^ geminbert mtrb.
^er § 1495 älbf. 2 enlfc^eibet bie ^age, inwieweit eine 93orauö(eiftung Befreiung
bcn 8ur ©ewfi^rung bcö Unterhalte« öerpffid^teten in älnfe^ung ber auf bie ^"^* ®'„'^'"''
3ufunft entfaDenben ältimente befreit. S)ie abfolute Statur ber Unterl^altd«
Pflicht, auf weld^er bie Seftimmung bcö § 1495 älbf. 1 beruht, bringt es mit
fic&, ba§ eine jum 3w)cdfe ber OewSl^rung bcö Unterl^altefi für bie 3wfunft
erfotgcnbe SSorauöleiftung afe fotd^c ben SBerpflid^teten von ben fpöter jur
®ntfte^ung fommenben Unterl^altdoerbinblid^feitcn nid;t befreien fann. SBcnn
ba^er bcr Sebürftigc bie i^m jum S^ecfe ber Sefriebigung fünftiger Sc^
bürfniffe üon bem 93crpßid^teten gewfil^rten äßittel fd^on t)or bem @intrittc
biefer fünftigen Sebürfnijfc anberweit oerwenbet ober ücrliert, fo mufe ber
SSerpßid^tcte nochmals Iciften. älnbcrd liegt bie 8ad^e j[ebod^ bann, wenn bie
93oraudleiftung nur infoweit erfolgte, ald ber äSerp^id^tete gefeglid^ baju
oerpflid^tet war. 3n einem fold^en gallc ^at bcr 93eburftige ein gegenwärtig
fd^on beftel^nbed gorberungdred^t auf 93oraudleiftung ber ällimente für einen
gewiffen ^ufünftigen 3<^itraum unb ift ba^er bcr Sc^ulbner nad^ § 231 be?
red^tigt, biefcd {jorberungöred^t burd^ 93ewirfung ber Seiftung aufju^eben.
^ierburd^ wirb bie 9leuentfte^ung oon ällimentationdanfprüd^en in bem S^iU
räume, auf wcld^cn bie geleifteten ällimente ftdd be}iel[icn unb weld)er uon bem
©efege ald ein ein^eitlidder äßoment angefe^en wirb, auögefd^loffen.
inwieweit eine gefeglid^e SSerpftid^tung jur 93oraudleiftung befielt,
ergiebt ber § 1491 «bf. 3 (oergl. aud^ § 1454 Äbf. 1). 3luf bie gegenfeitige
Unter^altfipflid^t bcr e^egatten (§§ 1280, 1281, 1460, 1462) ift allerbingö bie
aSorfd&rift bcö § 1491 ä[bf, 3 ni^t für cntfprcd^enb anwenbbar crftärt,
wä^renb bcr § 1495 9Tbf. 2 aud& für jene Untcrl^altöpflid&t gilt. 3nbeffen
710 llnterMtmli^t ericfi^en. §1496.
fann aud^ in bcn §äDen ber Untcr^altdpflU^t ber S^egatten^ namcntüd^ iDctm
äritnjciligc SCrcnnung dou STifd^ unb »ctt Dcrffigt ift (§§ 1460, 1462) fclbft:^
verftänbUd^ eine bem Qxüedt bed Unter^olted cntfpred^enbc 9[rt ber ©etoo^rung
bes (enteren, mitl^in naä) Sage bed einzelnen 'Sa\it& aud^ S3oraud(etftung
für eine bcn Umftänben nad^ angcmeffene ^ft Derlongt werben. 9Cud^ in
bicfen gäUen fel)lt eö bo{|er nid^t an einer gefeßlid^en SBerpflid^tung jur 98or*
auöleiftung, unb bebarf efi für biefc gällc feiner befonberen S3orfd^rift, Änberft
liegt bogegen bic Sod^e in ben gfiHen beö § 1491 5Kbf. 4, 5, in roctd^en ber
aSerpflid^tete felbft bie grift, für welche bie SBorauöIeiftung erfolgen foU, ,ju
beftimmen ^ot. ©omit in gäDen biefer Slrt ber aSerp^idjtete bad i^m ju-
fteljenbc ä3eftimmung8red()t nid^t baju migbroud^t, unt fid^ von ber Unterfioltd^
pflid)t für bie 3wfunft auf einen fotd&en S^i^i'^um ^inauö ju befreien, auf
n)eld^en, angenief[ener SBeife bie SBoraudleiftung nid^t audgebe^nt werben barf,
bcftimmt ber § 1495 Slbf. 2 audbrüdlid^, bafe in bicfen gääen bie SBoraud*
leiftung bcn SSerpffid^teten nur inforoeit befreit, alö bicfelbc für eine am
gcmejfcne grift beroirft ift.
ucbcr. Slnlangenb bie Uebertragbarleit beö Unter^altöanfpruc^eö (t)ergt. ©ntfd^i-
Änun9. i>- 3t- ®- i" eioWf- IV, 42) uub bic Sulfifftgfeit ber Slufre^nung gegenüber
einem fotd&en, fo fmb in biefer SRid^tung befonberc, ben 3roedE biefefi 2lnfprud^cft
fid^ernbe Seftimmungen nid^t crforberlid^. 9lud § 749 9h:. 2 ber 6. 5p. D. Derb,
mit §§ 296, 1022, 1207, 288 beß (gntrourfeö (oergl. audö § 295) crgicbt fid^, ba^
infomeit, alö nad^. § 749 9lr. 2 ber 6. 5ß. D. bie ^^Jfänbung ber auf gefe|tic&er
aSorfd^rift beru^enbcn Sllimentenforberungen auögefd^loffen ift, auc^ ber ^ier
fragltd)e Unter^altdanfprud^ ntc^t übertragen, burd) 9{cd^tdgefd^fift nid^t einem
^liefebrau^e untermorjfcn ober werpfänbet unb auc^ nid^t im SBegc ber Sluf*
rcd^nung von Seiten bed 93erpflid^teten aufgel[|oben werben fann.
§ 1496.
2ob bed 3(uö ber 9latur unb bem ^nl^alte ber Unterl^altduerpflid^tung folgt, bag
*Är iJicfelbe für bie 3ufunft mit bem 2:obe beö »ercdjtigten erlof(^en mufe. SHc^t
pfuc^teten. ntinbcr entfprid)t eö ber perfonlid^en (Srunblagc ber Unterljialtöpflid^t, ba^ bic
legtere mit bem i^obe bed SSerpflid^teten wegfällt unb auf bie @rben ald folc^c
nid^t übergebt, ^ied ift auc^ ber Stanbpunft bed gemeinen Stec^ted (oergL
Seuffcrt VI, 205, XXX, 2; @ntfd&. b. 9t. ®. in ©ioilf. IV, 60 ©. 211) unb
ber meiften neueren ©efc^gcbungcn (altcnb. Strmengef. t). 9. 9lugufi 1833
§ 84; Weimar, ^eimati^ögef. v. 23. gebruar 1850 § 43; fäd&f. ®. 93. § 1853)»
2)aß rom. 9le^t mad&t icbod^ eine, in ber gemeinred^tlid^en 3uridpruben} im
Siniclncn fel^r beftrittene, 3Tußna^me ju ©unften beö l^od^ft bebürftigen
aSaterß gegenüber ben ©rben beö Äinbeö (ocrgl. 1. 5 § 17 D. de agnosc. et
alend. IIb. 25,3; @ntfd^. beö 9t. ®. in ©iüilf. IV, 60 @. 211). S)aö prcufe.
31. 2. 91. enthält jwar feine auöbrüdElid^e Sntfc^eibung ber grage, ob bie
UntcrJ^altöDcrpflid^tung für bic 3i*fi*"ft «lit bem 3:obc beö SBcrpflid^tctcn
crlifd^t; boc^ wirb bicfelbc non ber Suriöprubenj bejaht. 9luf bem ©ebietc
beö frauj. 9icd)teö ift bagegen bie SScrerblid^fcit ber Unter^altöpflic^t in @r*
mangctung einer befonberen gefefelid^en ®ntf (Reibung feljr beftritten.
Untcr^altepffiÄt. erlcf^cn. §1496. 711
6in Scbürfnife, im Stttcrcffe bcö 93crc(^tigteu ober bcr nad) bem unoererbuc^*
©rblaRcr jur Ocwaljrung beä Unterhaltes üerpffid^teten aSerwanbteu ober im ^^pfif^J«^"^'
3ntercf)c ber SlrmcuDerbfinbc burd^ pofitioe SBeftimmung bic Unterljaltöpflid)t
für oererblid^ ju erftären, fann nid^t anerfonnt rocrben, jumol im §inblicfc
auf bic 33orf(^riften bes § 1485 bcm 33cred)tigten felbft reflelm&6ig ein gefeft::
li^eö ©rbred^t bejn). ^ßpid^ttlieifercd^t gegenüber bem jur ©cibä^rnng beö
Unterfjalteö SJerpflid^teten jufte^t unb baburd) ein ©rfafe für ben SBegfolI beö
Untcr^altöanfprud&ed gerofiljrt wirb. S)ic Siegel, bafe bic Untcr^oltöoerpffid^s
tung für bic S^if^nft mit bem SJobe beft Sered^tigtcu ober beö 33erpPid^teten
crlifc^t, erleibet iebod^ nac^ § 1496 ©afe 2 infofern eine SWobififation, als
jene Siegel auf bie im SBoraud 5u bcmirfenben, jur 3cit beö SCobeö beö 93es
red^tigten ober SSerpflic^tcten bereits fälligen Seiftungen feine Slnroenbung .
finben foU, meil biefe Seiftimgen nad) Sßaggabe ber ^orfd^riften bed § 1491
3lbf. 2 unb bes § 661 2[bf. 3 als bereits jur Seit bes 2:obcs bes »ercd^tigten
ober äSerpflid^teten ermorben gelten. @ine S)isl^armonie mit ber 93orfd^rift beS
§ 1494, nad^ mcfd^er ber Sebürftige in 3[nfel)ung ber im SSorauS ju bes
mirfenben, bei (Sroffnung beS ÄonfurfeS bereits fälligen Seiftungen ni(i^t als
Äonfursgläubiger be^anbelt werben foU, ergiebt fid& aus ber Seftimmung beS
§ 1496 Safe 2 nid^t, ba iencS&orfd&rift nur bie 3lrt ber ®cltenbmad)ung bes
äfnfpntd^eS auf bie ermorbenen Seiftungen in einer jmedmägigen SBeife }u
orbnen beimectt. 93on fetbft Dcrftel^t es ftd^ ferner, bag ber nad^ § 1492 bem
SBered^tigten iuftel)enbe Slnfprud^ auf Slad&jal^lung ober ©ntfd^äbigung für bic
SSergangen^eit aftio unb pafftu Dcrerblic^ ift.
Ueber bie SBeriäldrung bes Unterl^altsanfprud^es fmb befonbere S3e* «eriä^nmfl.
ftimmungen nid^t aufgenommen. 9luS ber juriftifd^en Statur bes Unterlfl^ItSs
onfprud&es unb bcr SBorfd^rift beS § 154 3ttf. 2 ergiebt ftd^ mit genügenber •
Älar^eit, baß bie SBorfd^riften bes § 160 unb bes § 184 äbf. 2 auf
jenen SJnfpnid) feine änroenbung finben, ba§ Diclme^r bic fünftige Stlimen*
totion burd^ SSerJä^rung nid&t auSgefd^Ioffen werben fann. Slnbererfeits
fann es einem 3wJcifeI nid^t unterliegen, baß ber bem SBered&tigtett auf
®runb bes § 1492 juftel^enbe 9lnfpru(j^ auf 9ta4i}al)lung ober @ntfd^äbigung
für bie SBcrgangenlfieit ber furjen SBeriäl^rung nad) äHafegabe bes § 157
unterliegt. 9lad& § 168 ift iebod[i bie aSerjälEirung bes ^nfprud^es unter ben
bort bejcid^neten SBorauSfefeungen gehemmt. Gincr 9luSnai|meoorfd^rift bebarf
CS in biefer SBcjicliung Ijicr nid^t.
7 1 2 9{e*tß»crl)artni6 ateiffien ©Item unb Jtinbcm. gamilicnname. § 1497.
dritter ffitef.
'^ec^fjg>Der^äCfni| gwifc^cn gttern und e^eCic^cn
L StOflemeiite aSorfd^riftem
§§ 1497-1500.
«eficnfionb 3)ie §§ 1497—1500 regeln bie au« bem SRed^töüerJ^ältniffe jioifd^en
aaBweimn ®ft^^>i ^^"^ e^eüd^cn Äinberit fid^ ergcl)cnben, von ber elteritd^en (Seroalt un*
öorfc^riften. abfionglgen Sejie^ungen, foroeit bie lefeteren nid^t im 3wf^"^«^c^^^ön9c "^it
anberen befonberen 3Haterien georbnct fmb (ücrgl. in biefer ^infid^t § 40
3l6f. 1, § 168 ©afe 2, §§ 1238, 1481 9lbf. 3, § 1482 2lbf. 2, § 1491 Slbf. 5,
§§ 1610, 1632). Unter e^elid&en Rinbem ftnb junäd^ft bie im § 1466 be:=
jeid^neten Äinber ju t)erftel;en. 3nroieroeit bie l^ier fraglichen Seftimmungen
auf Äinber aus ungültigen @^en, auf unel^elid^e, legitimirtc unb an Äinbeö*
fiatt angenommene ftinber ^nrocnbung finben, ergiebt fid& a\\& ben befonberen,
biefe SBer^ältni^fe betreffenben SBorfd^riften (ocrgt. §§ 1562—1569, 1579, 1583,
1601, 1621, 1622).
§ 1497.
Mamillen- Sie JBeftimmuug beö § 1497 fte^t mit bem geltenben SRed^te im 6im
ber«T«Je». 'föuge (t)crgl. preufe. 21. 2. 31. II, 2 § 58; öfterr. ®. ». § 146; fot^f. ®. ».
§ 1801). SRed^t unb 5|Jflid^t beft e^clid^en Äinbeö, ben gamiliennamen be«
aSaterß ju fflfiren, ftellt fid& alö SluöfCufe ber S^G^^örigfeit bcö Rinbeö ju ber
t)äterlid&en gamilie bar unb bilbct inforocit einen SBcftanbtl^eil bcö 5ßrioat^
red^teß unb fpejieK bcö gamilienred^tcö (oergl. bie SBorbemerfung ju Äit 8).
3)ie offentlid^rcd^tlid^e ©eite bcö 9lamenrcd^teö, inöbefonbere bie Seftimmungen
über bie Sulfiffigfcit einer älenbcrung bcö gamiliennamenö, gepren bem SBer^
roaltungöred^te an unb fommen btH)alb l^ier nic^t in grage.
»omamcn. 9lad& § 22 bc^ 91. ©cf. übcr bie Scurfunbung bcö ^erfonenftanbeö unb
bie ß^efdöliefeung d. 6. gebruar 1875 foH in baö ftanbeöamtlid^c ©eburtö»
rcgifter aud^ ber Sßorname bcö Rinbcö eingetragen roerben. Seftimmungen
über SRcc^t unb 5ßtlid(|t, bem Äinbe ben SSornamen beijulcgcn, finben fid)
roeber in jenem ©efefee, nod^ aud^ in ben neueren ©cfefebüd^ern (t)crgL iebod^
Iicff. 3nftr. für bie ©tanbeöbeamten v, 9. Sloocmber 1875). Slud& ber ©nt*
rourf l^at in biefer Scjicl^ung ^bie 9lufnal)me einer befonberen SSorfd^rift ate
entbcljrlid^ erachtet, bat)on auögel^enb, bag bie S3eUegung beö Sßornamenö a(ö
3luöftu6 ber 5ßflicl)t unb beö SRcd^tcö ber ©orge für bie 5ßerfon beö Äinbeö
crfd^eint (§ 1502 9Jr. 1). ®agegen gel^orcn bie S^agen, meldte Strtcn von
SSornamen eingetragen roerben bürfen (uergl. baö. in ben ©cbictcn beö fronj,
Slcdjtcö gcitcnbe franj. ®cf. ü. II. Gerniinal XI) unb unter roefd^cn SBorauö^
Stcd^teöcrjaltnig Steiften eitern uub 5*mbcrn. Oc^crfam. §1498. 713
fegungen eine Slenberung beö SSornamend iuföfftg ift, bem öffentdd^cn
Siechte an.
aSegen ber ©rünbe, aM weld^en ber ©ntmurf iiber ben ©taub bcö etanb.
Äinbeö fd^weigt (pergl. prcufe. 21. 2. 31. 11, 2 § 59; öftcrr. ®. S. § 146) wirb
auf bie SWotioe ju § 1274 ©. 106 ff. üermiefcn.
§ 1498.
SBenngleid^ ber ©ag, bag bad eljeUc^e Jliub feinen Sltern, folange eö Aintut^er
unteu beten ©rjiel^ungögeroalt ftel^t, finblid^en ®el|orfam fd^ulbig ift, fidj nur ^^^^^
ate ein SfuöfCug ber ben @(tern jufteljenben @riie^ungdgeroa(t barftellt unb
beft^alb a(d entbe^rlid^ ober nid^t aÜ l^ier^er geprenb betrachtet rotvhm tann
(oergL §§ 1504, 1506), fo ift ed bo(6 im Slnfd^luife an bie aWe&rjal^l ber
neueren ©efefebüd^cr (preufe. 31. S. 91. II, 2 § 61; ba^r. S. 91. 1, 4 § 3 SWr. 2;
öfterr. ®. ». § 144; fäd^f. ®. S3. § 1805) atö angemeffen erad&tet, imm ©ag
im ©efegbud^e im 3ufammenl[iange mit ber iebenfaUö ]()ierl;er gel^orenben, md)t
ald felbftDerftänb(i(^ ansufe^enben meiteren ^eftimmung auöbrücfHd^ aM^
jufpred^en, ba^ bad jtinb, aud^ xotnn cd nid)t unter ber ©rjiel^ungdgemalt ber
6(tern fte^t, ben (enteren finbUd^en ®et)orfam fd^utbig ift, folange eö mw
benfelben in bereu J&auöftanbe unterl^alten wirb. S)ic neueren ®cfe6büd^cr
bcfd^ränten jum S^^eil bie ®el^orfamgpf{id^t aüerbingö nur auf bie 2)auer ber
D&terßd^en ®en)alt bejn). ber elterlid^en @rjie]^ungdgen)a(t. Sagegen erftredt
bafi fäd^f. ®. 33. § 1805 in Uebereinftimmung mit einer aud^ für baö gemeine
Sle^t ücrtrctenen Sluffojfung bie ®c^orfamöpflid^t aud) auf bie . nod^ in ber
^fiudlid^en ®emeinfd^aft ftel^enben Jtinber ol^ne 9tücfrid)t barauf, ob ben 6(tern
bie ®r}ie^ungdgemalt nod) }ufte]^t. 3luf bie ä^^atfad^e ber ^äudlid^en ©emein^
fd^aft fann jebod^ bad entfd^eibenbe ®emid^t ni^t gelegt merben. Slud ber
f)fiudlid^en ®emeinfd^aft ergiebt fid^ iioar, bag bad in biefer ftel^enbe, mcrnv^
gleich uoHiÄl^rige, Äinb, mie jeber Slnbere, meld^er einem fremben J&audftanbe
onge^ort, fid) ber pudlid^en Drbnung fügen muß, wenn cd nid^t ber ®efaljr
audgefegt fein miU, bag bie @ltern i§m bie J^äudlid^c ®emeinfd^aft lünbigen;
allein eine rctfttlid^e 5ßflid^t bed Äinbed jum finbtid^en ®el^orfam wirb burcft
bie blofee 3wO^P>^iflf^it jum ^audftanbe ber ©Itcrn nod) nid^t begrünbct.
(Sine fofd^e — oon ber fittlic^en ^flid^t jur ß^rerbietung gegenüber ben
Gltern oerfd^iebene — ?ßPid^t fann oielme^r nur bann anerfannt werben,
menn ein meitered äßoment, nSmlid^ eine fami(ienred^tlid^e Slbl^ängigfeit, I;in«
jutritt. S)ied ift aber ber gall, menn bad Äinb oon ben ®Itern in bereu
^audftanbe unterl^alteu mirb. 3n biefem galle entfprid^t cd ber natürlid^cn
©abläge, bag bad ^aupt ber Mudlid^en ®emeinfd^aft dou bem n)irt{)fd)aftlid)
ttod^ unfelbftänbigcn ftinbe finblid^en ®eI;orfam oerlangen fann. ©in fold^ed
Siedet ber 6Iteru ift uamentlid^ mit 9lfldEfid^t barauf, bafe bie elterliche ®eroalt
nad& bem (gntiourfe mit ber SBoIIiÄ^rigfeit bed ftinbed enbigt (§§ 1501, 1557),
bad (entere aber mit biefem 3^itPui^'Ft<^ ^^^ mltn fällen bie n)irt^fd)aft(id^e
©elbftönbigfeit nod^ nic^t erlangt l)at unb bed^alb von ben S(tern unterl^altcn
werben muß, aud ben in ben SRotiuen ju § 1491 oben S. 704 ff. bereitd Ijeroor«
gehobenen ®runben nid^t }u entbel^rcn. Sm ^inblide auf bie praftifc^c
714 9{cd6tgöerl6a(tni6 sirifcficn ßltcrn unb Äinbcrn. fCicnftlcifhmöcn. § 1499.
Sd^wicrigfeit, im cinjctncn gallc ju crmittctn, ob bcm DoIIiäljrigeu Äinbc bcr
Untcrfialt t)on bcu ©Itcrn auf ©runb bcv gefe|Iid^cn Untcrl^altdoerpflid&tunfl
geroätirt wirb ober nic^t, ift cd jcbod) old rat^fam crad^tct, in bicfcr ^injid^t
nid^t 5U uuterfd)eibcn, jumal barauö eine ©cfäfirbung ber Äinbcr fid) nid^t
crgicbt, rocil bicfe eö in bcr §anb f;abcn, bcu §aiiöftanb bcr ®ltcrn icber^
j^cit 511 ücrioffcn, locnn pc fid) fclbft ju unterhalten im Staube fmb. Um
übrigens anjubeuten, bafe bic 5ßftidjt beö ftinbcfi jum ©c^orfam feine abfolutc
ift, foubern nur infomeit bcftebt, alö ba^ fittlid^e SBcrl^ältniß jwifd^cn ben
©Kern unb Äinbern unb biejenige 5Äbf|ängigfcit ber lefeteren t)on bcu erftercn
cö mit fitft bringt, ate bereu 3luöflufe bie 5ßflid^t jum ©c^orfam fxd^ bor«
ftellt, beäeid)nct ber § 1498 ben oon bem Äinbc ben ©Itcrn gefd&ulbctcn ©eljorfam
alö finblid)en ©eljorfam. ®ä oerftcfit pd^ von fclbft, bafe namcntlid^ bie ?ßflid&t
cincö üoUiä^rigen Äinbeö jum ®et)orfam auf fold^e Slngelegenl^eitcn ^6) nid^t
crftrcrft, in locld^en baö SRed^t bcm Hinbc in golge bcr SBccnbigung ber eltcr«
Ud^cn ©eroalt eine eigene entfd&licfeung gcftattet bcjro., roic j. 83. bei bcr StuÄ«
Übung potitifd^er Siedete unb ^^flidjten, verlangt.
cbdflfeit- 2^aß fftd^f. ©. 93. § 1805 bcftimmt, o^nc in bicfcr S3cjiel|ung jroifd^cn
^^t^ittT fold^en Äinbcrn, meldte nod^ bcr ©rjiel^ung bebürfcn, unb anberen erroad^fencn,
aber nod& in ber l)äMlxi)tn ©emeinfd^aft mit ben ©Itern ftclfienben Äinbern
511 unterfd^eibcn, bafe bie ©Itern, wenn fic baö Äinb burd^ angemeifene aWittel
Ijäuölid^er ^ndjt nid&t jum ©c^orfam ju bringen vermögen, obrigfcitlidöeö
Ginfd)reitcn ücraulaffen fönnen. !3n ben Gntrourf ift eine berartige bcfonbcre
93cftimmung nid)t aufgenommen. 3n 2lnfeöung bcr noc^ unter ber etterlitften
©räicliungdgctüalt ftc^cnbcn Äinbcr ift eine fotd&c 93eftimmung im ^inblictc
auf bic aSorfd^riften beö § 1504 9lbf. 1 Sag 2 unb Slbf. 2 cntbcJ^rlidö. ®ic
9ludbct}nung bicfcr SBorfd^riftcn ober aud^ nur bcr aSorfd^rift befi § 1504
9lbf. 2 auf üoUiäl^rige Äinbcr tann aber Dom Stanbpunfte beö ©ntrourfcö
am, mä) rocld&cm bic elterliche ©eroalt mit ber SSoÜiäl^rigfcit bed Äinbeö
cnbigt, nic^t als angcmcffcn erachtet rocrbcn. 3^^^^^ roürbe icne 9luöbel^nung
gegenüber bcm überroiegenb gcltenbcn SRcd^tc eine nid^t unbcbcnflid^c 9lcuerung
cntljaltcn, rocld)c burd) ben ©cfid^töpunft, bafe ba& gcroöl^nlidt)e ^^Jrojcfeocrfal^ren
jur ©rjroingung beö Slnfpruc^cö auf ©eljorfam roenigcr geeignet fei, nic^t
gcrc(^tfcrtigt roirb.
a^cerbietunfl. aScrfdjicbcnc ©efcßbüd^cr Ijcbcn bic 5ßflid)t beö Äinbeö jur ©^rerbictung
gegenüber ben ©Itcrn befönberö Ijcroor focrgl. baijr. S, iH. I, 4 § 3 9tr. 2;
preufe. 21. S. $H. II, 2 §§ 61, 249; öftcrr. ©. ». § 144; code civil 3lrt. 371).
Xcr ßutrourf fd^rocigt oon bicfcr aScrpflic^tung, ba bie änerfennung ' bicfcr
fittUc^cn i^flid&t alö einer SRcdjtöpftic^t neben ben auf bicfcr fittlid^cn ^flid^t
bcruf)cnbcn bcfonbercn Seftimmungen (oergl. §§ 1238, 1610) eine fetbftänbige
rc^tli,d5c Sebcutung nidjt f)at.
§ 1499.
«ienf»' Xa|3 baö Äinb, folangc cö bcm c^auöftanbc ber ©Itcrn angcl^ort unb
'^''Ärt:*^** unter bereu ©rjicfjungögcroalt ftcl^t, ijcrpffid^tct ift, in einer feinen Kräften
unb feiner Scbcnßftcllung cutfprcdjcnbcn 9Bcifc ben ©Itcrn in bereu §auörocfen
3?cd&tebcr]&ältni6 jn?ifd&cn (altern unb Äinbcrn. Dicnftlciftunocn. § 1499. 715
unb Ociocrbc uncntgcltlid) 3)icnftc ju Iciftcn, cntf priest nid^t aBein bcr abittttför"«*>ker
Ijängigcn Stellung eines fold^en Äinbeö gegenüber bcn ©ftern, fonbcrn and) «rlu^Lt^
bem @riie(;ungSimecfe unb bcxx naturiid^i SBert)ö(tniffen bcS^Seben&> nament(id) ^^^^^'
in ben Ärcifcn tteinerer Oeroerbebetriebc unb 9l(fcrn)irtf)fd6aften. 3luö biefcr
©runblage erglebt fi^ aud) wn felbft, ba§ bic SBerpflidjtung cineö foldjcn
iftinbeft ju unentgeltlid^en ^teuften bcr 9(rt nid)t bauen abhängig gemad^t werben
tann, ob boöfelbe x)on bcn ®Itern ober auö bcn ©infunftcn beä eigenen SBer«
mögenö unterhalten wirb (oergL ©eufferti, 354, VII, 196, VIII, 59; preufe.
91. S. 9l.IL 2 §§121—123). 3)a6 unter bcr §eran5ie{)ung beö Äinbergu
ben Ijier fraglid^cn 2)tenftcn bcr Unterrid^t unb bie Sludbilbung bedfefben nid^t
leiben barf (preufe. 91. S. 9*. II, 2 § 122), braud)t nid^t befonbcrö vorbehalten
3U loerben. @d folgt bied aud ber 6riiel)ungdpflid^t. ©egen einen 3)ligbraud^
beö f)\cx in 3?cbe ftebenben SWed&tcö ber Gttern fd&ügen bie S3cftimmungen beö
§ 1546.
Ob unb inn^iemeit aud^ ein nic^t unter ber @r5iel^ungdgen)alt ber Altern auf omnb
ftel^enbefl Äinb, inöbefonbere, wenn baöfelbe fonieit Ijcrangeioadjfen ift, baß uiJS^^StL
es fid^ felbft ju unterijalten im ©tanbe niöre, ben ©Itern unentgeltUd^ ®ienfte fleiufi^rung.
ber l)ier fraglid^ien 9lrt §u leiften Dcrpflic^tet ift, folange-tö bem ^auöftanbe
ber @ltern angeprt unb oon benfelbcn unterhalten wirb, ift in ber gemein^
red^tlid&en 3:^eorie unb 5ßrarift beftritten; boc^ neigt namentUdb bic 5ßrariÄ fid^
ba^in, jene grage ju . bejahen unb in bem bejeid^neten . galle bem Äinbc einen
9tnfprudb auf aSergfitung für bie üon il;m ben ßltern geleifteten ©ienfte in
©rmangclung einer barauf gerid&tetcn 33creinbarung ju uerfagen (oergl.
Seuffert IX, 174, XVII, 256, XXI, 47, XXIV, 116). Sicö ift aud& ber
Stanbpuntt befl baijr. S. 91. I, 4 § 3 5Rr. 2. 2)a9 fäd)f. ®. S3. § 1806 oer^
pfli^tet bie $tinber, folange [xc in ber ^Sudlid^en ©emeinfdbaft ber @(tem .
fte^n, bad preu§. §K. 2. SR. II, 2 § 254, folange fie, loenngleid^ nad& auf* •
gcl^obcner oatcrlid^er Oeioalt, uon ben ©Item noä) ernäljrt werben muffen, ju
unentgeltlidben 3)ienften ber l)ier fraglidben 9lrt. ©aß einem Äinbc, folange
cd bem ^audftanbe ber Sltan angebbrt unb uon ben le^teren unterl^alten
merben muß, weil cd felbft ftd^ ju unterl^alten nid)t* im Staube ift, bie SBer^
pflid^tung auferlegt wirb, ben @(tern in ber im § 1499 beftimmten 9lrt uiu
entgettlid^e S)ienfte 5u leiften, entfprid^t bcr familienrcd^tli(^en 9[b^dngigleit,
in u)cld)cr ein fold^cö Äinb gegenüber bcn @ltern pd^ befinbet, unb fte^t mit
ben 9lnfd^auungen im SSolIc burd^aud im (Sinflange. 3^^^f^i^ofi^^ ^'^9^ bie
Sad^c in 9(nfeljung fold^r Äinber, n)el<f)c felbft fi^ bcit Unterhalt ju oer*
fd)affcn in ber Sage finb unb meieren gegenüber bcöl)alb eine Unter^altöpflid^t
bcr ©ttern nid^t mcl^r bcftcdt, bie aber gleidj)n)obl im ^aufiftanbe ber ßltern
uon bcn legteren nod) untci*l^alten merben. Sicfclben prattifd^en ©rroägungcn
ieboc^, tocld&e bcn ©ntmurf bcftimmt l)aben, im § 1498 nid^t ju unterfd^eiben,
ob bic @ltem }ur ®eioäl|rung bed Unterhaltet an bad Ainb gefe|lid^ uerpflic^tct
fmb ober nid^t, muffen bal)in füljren, au^ ^ier von einer fold&en Unter-
fc^eibung abjufel^cn. 3"^^^^ t^äflt bie baburd) l;croorgcrufenc Grrocitcrung
bcr gefefelid^cn SBcrpflid^tung bn: Äinber, it)ren ®ltcrn uncntgcltlid^ 3^icnfte
5U leiften, ba ju bei, bic oiclen Slrcitigfciten, wenn and) nid;t oöUig ah
iufd)neiben, fo bo^ ortjcblid) j" verringern, mctdjc, wie bic Orariß Ic^rt,
716 gfecfitgücrjartnig atoifcfien Sltent unb Äinbcrn. Stuöpathing. §1500.
namcntüd^ in bcn ©ebieten beö gemeinen 9led^ted wtQtn ber ^rage entftcl^en^
ob unb inroieroeit Äinber, iDctd^e p^ felbft ju tinterf>alten im ©tonbc finb,
' ober von bcn @ltern in beren ^oufiftanbc unterhalten merbcn, für bie mä^renb
biefcr 3cit t)on ifjnen ben 6Itern in beren .gaudwefen ober ©erocrbe geteiftcten
^ienfte eine Vergütung beanfprud^en fönnen. S)urd^ bie 93eftimmung bed
§ 1499 n)irb ein fold^er älnfprud^ QUdgefd^loffen^ fofern nic^t eine anbermeite
oudbrücflid^e ober ftiQfci^n)eigenbe SSereinbarung crgiebt^ ba% bie ©em&^rung
bcfi Unterl^alteö wie bie Seiftung bcr ©ienfte in ©rfüUung einer befonbercn
Dertrogömäßigen SSerpflid^tung erfolgt ift, ein SRefuItat, meld^eö and) mit ben
allgemeinen S3eftimmungen bcö Dbligationenrec^ted (ocrgl. § 559 5Kbf. 2, § 567
9ttf. 2, §§ 586, 748 3lbf. 1 ; @ntfd&. b. dl. ®. in ßioilf. IV, 33) im @in«ange
fte^t unb bie Äinber nid&t gefäl[irbet, ba biefclben, wenn pe tjolliä^rig unb
fefbft fid^ 5u unterl^alten im ©tanbe finb, cö in ber ^anb l^aben, iebcr Qni
bcn ^auöftonb bcr ©ttcrn ju oerlafjen bejn). burd^ 5Bertrag fid^ eine SJer^
flütung für i|re S)ienfte ju fiebern.
3)a(j bie Äinber badjenige, maö fie in ©rfüUung ber il[incn nad^ § 1499
obliegenbcn SSerpffitfttung crmerben, ben ®ltem ermerben (preufe. 21. 2. SR. II, 2
§ 123), bcbarf feines befonberen SluöbrudEcö (wrgl. § 1518). ©oroeit ia^ ©r*
morbene nad^ ben allgemeinen ©runbfäfeen iiber ©teüoertretung (§ 116) bcn
©ttcrn nid^t bireK erworben wirb, finb bie Äinber baöfclbe btn Tefeteren ju
übertragen unb ^craußsugcben x)erpflid^tet.
§ 1500.
«uftiiattung SBennglcid^ im Slnfd^IuRe an bie SBeftimmungen beö rom. unb gemeinen
bic**Stern. SWccftteß, mä) meldjcn ber (g^efrau, il^re eigene SBermogcnöfoftgfeit Dorauö*
oeitenbef gcfcftt, cüi Slufprud^ auf ©cwäiirung einer dos gegen if)ren SBater unb i^re
****• üäterUd^en Slfjenbcnten, ouö befonberen ©rünben aud^ gegen i^re SWutter 5Us
fielet, bie meiften neueren Oefefegebungen grunbfäfclid^ eine SBerpffi^tung ber
eitern, ilirer Xod)tcx bei beren SBerl^eiratl^ung eine 3ludftattung mitjugeben,
anerfonnt unb jum S^^eil biefc SSerpPid^tung — im ©egenfafee jum rom. unb
gemeinen 9ted&te (oergt. ©euffert XII, 275, XXXIV, 310) — aud& ju ©unften
ber ©öl^ne für ben gaU i^rer SSerljeirati^ung ober ber (ginrid^tung einer ab«
flcfonbcrtcn 3Birt^fd^aft auögebcl^nt l^aben (oergL rofirttemb. S. JR, IV, 13
§ 1; bai)r. 2. SR, I, 6 § 13 SRr. 4—7, § 14 5Rr. 2; preufe. 31. 2. SR. II, 2
§§ 232 ff. — ©efefereoif., «ßenf. XV §§ 176 ff, nebft 3»otioen ©. 136 ff. — ;
öften-. ©.83. §§ 1220—1224, 1231; fad^f. ©.83. §§ 1661—1666), fo ift bod^
onbererfeitö in bzn mid^tigeren neueren 9tcd&ten, namentlich im preug. 31. 2. JR,
imb im fäd^f. @. 83., ber Umfang ber SBerpflid^tung auf bie ©emäl^rung einer
Sluöfteuer, b. l). cined inbegriffen Ijauptfad^lid) ber Ginrid^tung bed ^aud«
tuefens unb pcrfönlid^en 83ebürfniffen bienenber beroeglid^er ©egenftänbe, be*
fd&ränft. 3m prcufe. 31. 2. % ift iubcm bie 3luögeftaltung ber SJerpflid^tung
alö einer Slcd^töpflid^t nic^t burd)gefül)rt, inbem baö legtcre ben Äinbern bie
©eltenbmad^ung bcd Sludftattungdanfprud^eö im SBege bed ^rojeffed oerfagt
unb bei bcm unjureid^enben SRittel einer moralifd&cn 33ceinfluf|ung bcr wiber«
ftrcbcnben ©Itcrn burc^ ein 33erfal)rcn t)or bem SBormunbfd^aftögerid&te fte^en
Slcd&tgverlfealtmg itoifc^en eitern unb Äinbcm. Sluöftattuno. §1500. 717
geblieben tft. Das franj. SRcd^t Ijot jbogegen unter 3l6Iel^nung ber in bcn ^ro^:
Dinjcn beö gefd^riebcncn ated^tcö gettenbcn ©runbfäfce beö röm. Slcd^tcs [i6)
bem in bcn 5ßroDinjen beß (Scrool^nl^citÄred^teS gettcnben ©afec „ne dote qui ne
veut" angefd^foffen unb bcr STuöftattungdpPid&t bcn Äarofter einer 9led&tdpPid)t
überl^aupt t)erfagt (code civil Slrt. 204). S)cm franj. SRcd^tc finb baö bab.
S. fR. ©afe 204 unb ber ^ejf. ®ntit). III, aWotiüc ©. 164 ff., gefolgt.
%ux bie äludgeftaltung ber 9ludftattungdpf(id^t ald einer ^led^tdpflid^t etanbvuntt
laffen fid^ crl^cbUc^e ©rünbe gcitenb mad^en. @ö wirb baburd^ bic ©ittc ber «„twurfc«.
©croä^rung t)on ÄUÄftattungen, namentlich gegenüber egoiftifd^ benfenben unb gii<^t.
Ijortl^erjigen ©Item, geftärK unb auf bicfe SBeife bie Söegrünbung neuer ^aM-^ onerfennun«
locfen begünftigt. Sie Slnerfennung bcr Srufiftattungöpflid^t alö einer Sied^tö* ^"'JpIS?**'
ppid^t fid^crt ferner eine glcid^mä^e unb geredete S3cl^anblung ber »er«
fcbiebencn Äinber, ein ©efid^töpunft, weld^er namentlich für fold^e gälle x>on
Sebeutung ift, in meldten bic Jlinber aus Dcrfc^icbcnen ß^cu flammen ober
bafi eine ober baß anbere Jlinb bcn SBerfül^rungcn fd^ted^tgefinntcr 6ttcrn
feine $anb nic^t ^at bieten roollen. Ucbcrmiegenbc Orünbc fpreci^en inbeffcn
für ben ©tanbpunft beß franj. 9led^teß, lücld&cm baß prcuß. 91. 2. k.,
^ingcfe^en auf baß prattifd^e SRcfultat, fe^r nal^c fommt. SBiH man fidf;
audj über bic ©d)roierig(cit l^inmcgfcgen , wcld^c in ber gcfcfeUd^cn Sc^
ftimmung ber 5Ärt bcr atß Slußflattung 5u gcn)äl;renben ©egenftönbc liegt,
in änfe^ung bcrcn bie (ofale ©ittc unb bie ©tanbcßfitte mannigfad^c JBer*
f^icbenl^eiten aufmeifen, fo bleibt bodj bie größere ©d^roierigfeit bcr 35c^
ftimmung beß SRaßcß bcr Slußftattung bcftcl^en. S3ci 9lußgcftaltung ber
9lußftattimgßpPid&t alß einer 9lcd)tßpflid)t muffen bie gltcrn für ücrpftid&tet
crftärt werben, fd^on bei Scbjcitcn einen SC^eil ifireß Äapitalücrmögcnß bem
Äinbe Ijcraußjugcben, unb, felbft romn man bem Äinbc ben ©cmeiß bcr ©rofec
biefeß 3Sermogcnß auferlegt unb mit bem preufe. 91. S. 91. unb bem ofterr.
©. S. von einer ÜRanifcftationßpPid)t bcr 6ltcrn abfielet, aud^ bie Scftimmuug
beß äRagcß, porbe^altlid^ einer anborrociten @ntfd^eibung beß @eri^tcß bei
offenbarem aWi^braud^c beß Scftimmungßrcd&teß, ben ßttern überläßt, fo werben
bod^ bic nid^t gfinilid^ außjufd^Iiegenbcn ^crtianbtuugen über bic $ö()c be&
aSermögenß ju großen Unjuträglid^feiten fül^rcn. 3nßbefonbcre fann baburd^
bcr Ärebit bcr ©Kern gefä^rbet werben. SBiK man allen biefen Unjutröglid)-
feiten abl^elfcn, fo gelangt man jur 9Inna^me einer nnooBtommenen unb
praftifd^ wcrtljiofen Obligation. 3Slaä)t man aber mit ber 9rußgeftaltung bcr
9[ußftattungßpf{id^t a(ß einer 9Ied^tßpf{id^t ©mft, fo werben bie @(tcrn ju
cmpfinblid^ getroRcn. Qnbcm l^at pdö in benienigen 9lcd)tßgebieten, inweldjcn
gegenwärtig bie 9i[ußftattungßpf(id)t a(ß 9{ed)tßpf(id)t überhaupt nid)t ober bod)
in nur unoollfommener 9lrt befte^t, baß Sebürfniß einer 9(enberung beß SRed&tcß-
nid)t fühlbar gemad^t. @ß fann barauf oertraut werben, baß in bcr großen
äßc^rja^I bcr gällc bie ©Itcrn i^ren gut gearteten unb bie tinbUd)e ^^etät
nic^t außer 9ld^t (affcnbcn Rinbern a\\& freiem 9rntricbe unb nad^ i^ven
Äräften baßicnigc gewähren werben, waß bic ftinber ju i^rem gorttommen
bebürfen. iCieß wirb aud^ boburd) beftätigt, baß in benienigen ©cbicten, in
wcld()cn gegenwärtig eine gefe|Ud)e 9lußftattimgßpfli^t befte^t, ^ßrojeffe, weld^c
bie CrfüHung bicfcr SScrpflid^tung jum (Segenftanbc l^abcn, nur feiten finL
718 Ste^tßüerWtnig i^lfien (SItcrn imb Äinbern. Suöftcittunfl. §1500.
aWit SRcd^t lüirb fcrncu in bcn SDlotiücn beö l^cff. ©nttöurfeö l^eröorge^obcn,
böfe baß ©cfcfe ^ro5eRc iroifd^cn ®Itcrn unb ftinbern ol^nc briiigcubc (Srünbc
nid^t julaffcn foH unb bafe boö ©cfül^I bcr aibl^ängigfcit ber ßinbcr von
&texn, rodä)t& b\\x6) bie iRid^tanerfcnnung ber 3[uöftattung8pf[id^t ate einer
JHed&tepflid&t geftärft wirb, iubircft olö Seförberungömittet l&8uölid&er 3"^*
xinb Drbnung loofilti^ätig wirft.
Ke(^tii($er SBcnngleid^ ber ©ntrourf bic SRed^tepflid^t ber 3(ufiftottung Derneint, fo
luJftQUunT i^^ ^^ ^^^ ^^ ^inblicfe auf baö befte^enbe SRec^t, auf bic beftel^enbe ©itte unb
bcn Äarafter ber 9luSftattungögen)äI;rung ate einer fittlid^en ^ffic^t für an^
gemcRen erad^tet, bie SBirffamfeit folc^er Sied^tögefd^äfte, burd^ TOcId^e Don bcm
ajatcr ober ber SDluttcr einem Jlinbe wegen beflen SBerJ^cirati^ung ober ©rrid&tung
eines eigenen ^außftanbed eine ^udftattung vertragömägig iugefi^ert ober
gewölirt wirb, gegenüber bcn SBorfd^riften über bie Seiftung einer ^lic^tfd^ulb
(§§ 737 ff.). Über ©d^enfungcn (§§ 440, 449) unb über baö abftrafte ©d^ulb^
oerfpred^en (§ 683) ju begünftigen bejro. S^f^U weld&e in biefen 9lid&tungcn
fic^ erl^cben fönnten, abjufd^neiben. Sluf biefen ©rroägungett bcrul^en bie
S3eftimmungen beö § 1500, ba^ ein SRec^tögefd&öft ber bejeid^neten 3lrt nic^t
atö ©d&entung gilt, ba% baö SBerfpred^cn einer fötd^cn Sluöftattung an feine
befonbere gorm gebunben ift unb baö )ur 3(uöftattung ©eleiftete nid^t beö^alb
jurüdEgeforbert werben fann, weil eine SSerbinblid&feit jur Stiftung nidjt
beftanben ^at (oergl. § 182 3lbf. 2, § 664 ©aft 2). 2tud& üon ber franj.
3uriöpnibeni wirb tjorwiegenb angenommen, ba^ bie 3iiR^<^^^9 ^^^^ ®^
Währung einer Sluöftattung üon ©eitcn ber ©Item an baö Äinb nid^t bcn
Äarafter einer Sd^enfung, fonbem bcr Erfüllung einer natürlic^n SJerbinb«
lid^fcit l^abe (t)crgl. ferner für baö gemeine 3it6)i in ^nfel^ung ber ©ewäl^rung
einer 3luöftattung an ©öf;ne Seuffert XII, 275 SRr. 2). S)arauö, hai bic
bejeid^netcn Sled^tögefd^öfte nid&t ©d&enfungen fmb, folgt namentlid^, baß bicfelben
nid^t bcn für Sd^enfungen gettenben befd^ränfenben Sorfd&riften beö § 449,
bcö § 1353 9lbf. 2, beö § 1399 5lbf. 1, bcr §§ 1661, 1728 (tJcrgl. iebod^
! § 1731) unb ber §§ 1839, 1952 unterliegen.
3m ©injelfien ift 5U ben Seftimmungen beö § 1500 nod; golgenbcö ju
bemcrten :
<8iei(^penung 1. 2)ic bic äwric^^i'ung ober ©ewä^nmg einer 9luöftattung begünftigcnbcn
unb eötne. SSorfd&riftcn bcö § 1500 bejie^en fidfj nid^t nur auf bie a:öd^ter, fonbcrn aud^
auf bic Sö^ne. ®er red&tlid^e Seweggrunb ber Sluöftattungögewäl^rung üer-
bient in beiben 9lid^tungen bie gfeid^^ ^erüdfid^tigung ())erg(. wfirttemb. 2. 91.
IV, 13 § 1; preufe. ä. S. 9i. II, 2 §§ 232, 233; öfterr. ®.». § 1231; ©cuffert
XII, 275 5Rr. 2). 2)ie Orünbe, wetd&e bafür angefübrt werben fönnen, mit
bem röm. Siedete unb bem fäd&f. ®. 33. § 1661 bie SRcd&tfipflid^t ber 3luöftattung
nur in 3lnfel^ung bcr 2^öd^ter anjuerfennen, fommen fiir ben ©ntwurf nicftt
in S3etrad^t.
«uftfiattung 2. 3lnv bie Don bem SBater ober t)on ber Sßutter, nid^t aud^ bie Don
"^anSm" cmbcrcu Slf jenbenten , gewährte ober jugefid^erte SKuöftattung foU bie öe-
«fjenbeiuen. güuftigungcu bcö § 1500 gcnicgcn (tJcrgl. württemb. 2* 91. IV, 13 § 1 ; preufe.
31. S. 91. II, 2 §§ 235, 236 ; fäd[|f. ®. 83. §§ 1661, 1662). (Sin genugenber
©runb, bie 9Sorfd^riften bcö § 1500 aud& auf bie t)on anberen Slfscnbenten
gic(]&tea^cr6attm§ iwlfdjcu eitern imb Äinbern. Stuöftathmö. §1500. 719
jugeft^crte ober getuä^rtc äluöftattitng au&2ubcl)ncn. Hegt nid^t x>ox, ba für
bie »eiteren 3lficnbcntcn eine fittlid^c ?ßf[id)t jur Slufiftattungögcwöljrung,
roeld^c bie ©runblage ber befonberen 93eftimmungen beß § 1500 bilbet, reget-
tnagig nid^t begrünbet ift.
3. S)ic befonberen SBcftimmungen bcö § 1500 finben nur 3lnn)enbung umfang unb
ouf eine 3luöftattnng, welche bem ftinbc wegen beffen 5Jerl&ciratF)ung ober ^"ffattung"*'
Gnrid^tung eineö eigenen |)audftanbed burd^ SSertrag }ugeftd^ert ober gen)ä[)rt
n>irb. S)cr SlufibrudE ,,9Iuöftattung" begreift fol^e beweglid^e ©egenftfinbe,
wclcj^c l)auptfäd5(i(i^ ber (Sinrid^tung beö ^auömefenö unb perföntid^en ^ebürf^
niffen ju bienen beftimmt finb. SWid&t ift unter ,,3luöftQttung" bie röm. dos
ju oerftel^en, b. ^. ein ^eirat^ögut, beffen ßrträgniffe baju beftimmt fmb, bie
Saften ber e^e tragen ju Reifen (oergl. preufe. 21. 2. SH. 11,2 §§ 233, 243;
fäd^f. ®. 83. § 1661). S)ic befonberen SBeftimmungen beß § 1500 3lbf. 1 finben
ferner infoweit feine älnioenbung, a(ß bie älußftattung baß ben Umftfinben beß
galleß, inßbefonberc ben SBermögenßoer^ältniffen beß SBaterß ober ber ü)2utter,
entfpred^enbe SWafe überfteigt. S)er ©runb, roeß^Ib in ben göBcn beß § 1500
9lbf. 1 bie älußftattung nid^t alß Sc^enfung gilt, beruht barauf, bag in biefen \
'^ ^7^^^ SPcn einc(ünooIlfommene 3lußftattungßpfCid^t angenommen mirb. SBon biefem
^ 7 ©tanbpunfte auß ift in icbcm einjelnen gallc ju prüfen, roicroeit nad^ ben
^^*^ fonh*etcn SBerl^ättniffen bie ^ßflic^t beß SBaterß ober ber 9Kutter fid^ erftretft.
@rgtcbt biefe Prüfung, bag bie jugeftd^erte ober geroötirte Slußftattung baß ben
Umftänben beß einjelnen galleß, inßbefonbere ben SSermogenßoerl^ättniffen beß
aSaterß ober ber SKutter, entfpred&enbe Sliafe überfteigt, fo fällt infomeit bie
causa, meldte ber Seiftung ben Äarafter ber Sd&enfung nimmt, meg. S)iefc
<Sinf(^ränfung ber iBorf^riften beß SIbf. 1 ift für bie 9(nn)enbung unb bie
Sragroeitc oerfd^iebener anberer SBeftimmungen (oergf. inßbefonberc bie §§ 1352,
1353, 1399 äbf. 1, §§ ,1661, 1728, 1731, 1839, 1952) von großer praftifd(ier
S3cbeutung unb beßl^olb im § 1500 Slbf. 3 befonberß jum SlußbrudEc gebracht.
4. 9luf bem ©ebicte beß gemeinen 9led()teß ift eß beftritten, inmieroeit ®ero«^r.
berjenige, rocld^er, ol^ne gefefelid^ baju uerpflid^tet ju fein, eine dos beftellt l()at, ^"p",JJ**
für baß alß dos ©eteiftete megen eineß 9)lange(ß in feinem Siedete l^aftet. S^ic
^errfd^cnbe SDlcinung nimmt, geftügt auf bie 1. 1 Cod. de jure dot. 5, la, an, bafj
ber SSefteDer nur im galle eineß torl^ergegangenen ©otaloerfpred^enß, anberen-
fallß aber nur bann megen eineß äßangeiß in feinem Siedete l^afte, menn er
bie Haftung burd) ein befonbereß SSerfpreci^en übernommen ober ftdj eineß
dolus fd^ulbig gcmad^t fiabc. änbere ftellen bagegen bem gaUe beß üorfier-
gegangenen S)otaloerfpred)enß ben galt gleid^, in welkem obne t)orl^erge()enbe
iBerppid^tung eine Sad)c fofort jur dos gegeben morbcn ift. 3lud^ über bie
ißorauAfe^ungen beß Gintritteß unb ben ^ni^alt ber ^aftpfli^t gelten bie Sln^
fk^tcn außeinanber. @inc Haftung beß 93eftelterß ber dos megen eineß 3Rangeto
ber alß dos Eingegebenen Zaä^cn ift gemeinrec^tKd^ nid^t begrünbet. 3lai) bem
prcufe. 5K. S, fR. I, 5 §§ 518 ff. Derb, mit I, 11 §§ 1047, 1048, foroie nac^
iem Code civil 2trt. § 1440, 1547 finben bie oUgemeinen ©runbfäfte über bie
^mäl^rleiftungßpflid^t bei luftigen SBertrögen älnmenbung. 2)agegen ftnbet nac^
bem fflc^f. ©. 83. § 949 eine Haftung wegen eineß SDlangcIß im SRed^te ober
luegen eineß SWangelß ber gad)e nur bann ftatt, wenn berjenige, welcher bie
720 -SRc^tööcrJ^ärtnii s^if^cn SItern unb Wintern. 3lu£*ftattung. § 1500.
ShißftQtlimg gewährt, eine fofd^c Haftung befonberö tibernommcn ober einer
abfid^tlid)en ^enac^t^eiligung bed Snüerberd [\ä) fd^ulbig gemad^t l()Qt.
S)er ©ntwnrf gel^t bavon auö, ba%, wenngleid^ bic 3ufid&crung nnb
(SeiDöljrnng einer 9lnöftottung in ben göUen beö § 1500 nid&t alö ©c^enhmg
gilt boä) bie Slnwenbung bcr aDgenteinen ©nmbfagc Aber bie ®cn)äl^rleiftungö*
pPid&t bei SSertrögen (§§ 370 ff., §§ 381 ff.) mit bem ©efid&tßpunfte, ba§ bic
3lnöftQtlungögcn)äF)rung eine grcigebigfeit entl^ölt unb als bic ®rfüllung einer
rittlid^cn 5ßftidf)t fid^ barftellt, nid&t im ©inflangc [teilen unb ben SBater bcjm.
bie SWutter ju I)Qrt treffen mürbe. 2)er ben SBeftimmungett beö § 1500 ju
Orunbe liegenbc ©ebanfc einer unüollfommenen Slußftattungöpflid&t red^tfertigt
eö nur, bic gcfd^eljenen ©rfüDungsaftc aufredjt 5u er{)alten unb in 3lnfel^ung
ber ®erofi^rlciftungöpflid)t bie SBorfdJtiften über bie ®cmfil^rlciftung3pPid[it beö
©d^enferö (§§ 443, 444, 448 9lbf. 2) für entfpred^enb anmenbbor ju erflären
(ucrgl. aud^ § 58 Safe 4), nidjt aber bem ®eber eine SBerüoUftänbigung bcr
©rfüUung in bemfclben Umfange aufjucrlegen, alö menn aus einer üerlragö*
mäßigen Obligation gcleiftct märe.
Bermui^ung 5. SBcuu bcrfenigc ®Iterntf;ci[, roeld^er bem Äinbc eine 9luöftattung gc=
Äli«ibeS ^ö^^'t' aScrmögen beö Jlinbeö in ^änbcn l^at unb baö alö Sluöftattung ®c*
citcrnt^diefi. Iciftctc oljuc näJ^crc Seftimmung erfolgt ift, fo fann bcr S'^^cifet fid) erl^eben,
ob bie Sluöftattung alö auö bem eigenen SBermogen beö auöftattcnben ©(teni*
ttieileö ober alö auö bem SSermögen beö Jtinbeö gemalert anjufel^cn, ob mitljin
ber ©Iterntlieil bcmnöd^ft ba^ ©eleiflctc bem Rinbc auf beffcn SOermogcn anju^
red^nen bere^tigt ift ober nid^t. 9Jad^ röm. unb gemeinem 5Red)te gilt in einem
fold^cn gallc bie SBermut^ung, bafe baö bem Äinbc alö dos ®clciftcte oon bem
etterntl^eilc auö bem eigenen SBermögen alö Sibcvalität gcleiftct fei (oergl.
I. 7 Cod. de dot. prom. 5, u; Scuffcrt XX, 45); bod^ ift bic 3lnmenbbarfcit
bicfer S3cftimmung auf fold)c göllc, in weld&cn bem iibcrlebcnbcn ©Regatten
an bem SBcnnögen beö jlinbcö ber bcutfd^rcd^tlid^c SBeifife juftcl)t, nic^t un*
beftritten. 9luf bem ^oben beö vom. 9led^tcö ftel^t aud^ baö franj. Siedet
(code civil Slrt. 1546). S3on berfelben Sluffaffung geljen bic aRotioc ium
§ 1661 beö fäd^f. ®. 83. auö, loelddcö bie 9lufnal}mc einer entfpred&cnben SBc*
ftimmung megen ©elbftüerftftnblid)feit alö entbel^rlidj erad)tct Ijat. ©agegen
ftellt baö mürttemb. S. SR. IV, 13 § 5 unb — mit 9luöna^mc beö gaUcö^
luenn bie ®ltein ba& ^eirat^ögut iljrer minberiäl)rigen J^od^lcr ol^nc oberoor*
munbfd)aftlid&c ®encl)miciung auögejaljlt l)obcn — aud) baö öfterr. ®. 33.
§ 1224 bic entgcgengefcfete JBcrmutl^ung auf. ©aöfclbc gilt na^ preufe. 91. S. 9L
II, 2 §§ 243, 245—247, wenn ein ©Itcrntl;cil bem Äinbc über feine gcfefelid^c
9luöftattungöpftid)t l)inauö bem Äinbc eine 3uit)cnbung (üKitgabc, 33rautfd)a6)
mad)t. Ob bic JBcrmutljung, ba§ bic Surocnbung an& bem SJcrmögcn beö-
Äinbeö gemad^t fei, and) bann eintritt, toenn bem Äinbc oon bem 6ltcrntl|cilc
nur bic bem erftcren nad^ 91. S. dl II, 2 §§ 232—234 gcbii^renbe Sluöftattung.
o^nc aSorbc^alt gemalert ift ober ob in einem foldjen %aUe umgcfcl^rt eine
Sdjenlung Dcrmut^ct morbcn foU, ift beftritten. S)aö ^icid^ögcrid^t ^at fi^»
in lefetcrem ©innc auögcfprod&en (oergl. ©rud^ot XXIV S. 1029 ff.).
2)cr Gntrourf Ijat bic gvagc für ben ^all, menn baö SBcrmögcn beö-
Äinbeö üon bem ß(terntl)eile, tocldjer bic 9luöftattung gcmä(}rt l&at, alö bem*
Sttecli^c (ättoalt 3uftanbiöfeit. Snl&alt. §§ 1501, 1502. 721
flcfc^lid&eti SScrtrctcr beö Jlinbeö ücrioaftet worbcn ift, 5u Ounftcn beö ©Itcrn^
tl^eilcfi eittfd&iebcn. @ö foU in bicfcm galle ücrmut^ct werben, ba^ bic 3luö^
[tottung, forocit ba& SScrmögcn beö ,ftinbeö l)inrei(i^t, auö biefcm SBcrmogen
gcroö^rt fei (§ 1500 9lbf. 2). gür biefc SBcrmut^ung fprid^t neben bem Um*
ftanbe, ba^ für ben 6Itcrnlf|eiI eine SRed&tdpffid&t jur ©croft^rung einer Sluö^
ftattung nid^t befielet bie ©rroagung, bog berfetbe als gefe^Iic^er Vertreter bed
Äinbeö nic^t nur bered^tigt, fonbem ücrmogc ber il^m obliegcnben ^flid^t, für
baö 9BoI)I beö Äinbeö ju forgen unb bemcnlfprcd^enb mit bem t)on i^m per*
roolteten SBermogen beö Äinbeö ju üerfa^ren, oerpfli^tet ift, bem Äinbe auö
beffen 33ermögen ju ben ^icr fraglid&cn S^ecfen eine ben aSerJ^ättniffen ent
fpred^cnbe Sluöftattimg ju geroäl)ren, unb ba§ er in feiner ©igenfd^aft afe
gefeßlid^er SSertreter beö Äinbeö auc^ feine SSeranlaffung l^atte, bei ber ®e*
mäl^rung ber äluöftattung einen SSorbe^alt )u mad^en ober bie Sinroilligung
beö Äinbeö einäul^olen, menn er baö SSermogen beö (enteren baju oerroenben
wollte. S)aö S3ebürfni6, für ben in SRebe ftcl^enben gall burd^ bie SluffteHung
einer gefe^licften 3Jermutl)ung einjugreifen, ift um fo me^r angejcigt, alö baburd^,
bafe bie 9lcd)töpfli4|t jur ©eroä^rung einer 9luöftottung verneint ift, ber burd&
bie Sermut^ung ju befeitigenbe 3"^^if^l f^^ Derftärft. dagegen fel^It eö an
einem genügenbcn (Srunbe, für anbere %äUt, in roeld&en baö SBcrmogen beö
Äinbeö üon bem 6lterntl;eile, roetd^er bie Sluöftattung gemälirt Ijat, üermaltet
morben ift ober für ben gall, in meld^em berfelbe ©d^ulbner beö Äinbeö ift
unb fiel) ber S^^ifel crliebt, ob er bie 3luöftattung an 3al)Iungöftatt geleiftet
^abe, nodö ber einen ober onberen SRid^tung l;in eine SBermutfiung aufjuftenen.
S)ie S3erfdE)iebenl^eit ber §öUe lögt eine allgemeine gefegU^e @ntfc^eibung nid^t
)u. ^nfomeit mug eö ba^er bei ber auö ben allgemeinen ®runbfä|en fid^
ergcbenbcn Seroeiölaft Dcrbleibcn, b. \). ber ©Iternt^eil, melier bem Äinbe bie
gen)äl)rtc Sluöftattung anrechnen will, mufe ben 3lc(f)tögrunb barlegen, metd&er
ein fold&eö Siecht für i^n begrünbet, fei eö eine mit bem Äinbe getroffene
3Sereinborung ober eine gered^tfertigte ©efd^äftöfü^rung o^ne Sluftrag.
IL eitetlidie »ttoalU
1. SKllgemeine SSorfd^riften.
§§ 1501, 1502.
1. 1. 2lud& noc^ im neueften röm. SHed&te ^at bie Dötertid^e (Seroalt, crterii<^
roenngleid^ nid&t in bem SKa&e, roie bieö nad^ älterem rom'. SReddtc ber gall mar, ®*"^'*
bodji üormiegenb ben Äarafter eineö ben 3»itereffen beö ^auöoaterö bienenben staraitn,
^crrfd^aftöredöteö über baö ^auöfinb, eineö ©genred^teö beö ^auöoatcrö, 3"^".
niJit ben Äarafter einer avA bem naturtidien ScJiiupcbürfnt^c beö ^auö* Mtenbe«
' ftn^g^ ^eroorgeflangenen^, ber ?^ür)orge beö lefeteren bienenben ©döußgcroalt. '***^*-
5)aö bem ^auöuater fraft"Ter üälerlic^cn ©eroalt juTßlienbc ^gungs* unb
aSerroottungöred^t am JBcrmogen beö ^auölinbeö roirb — abgefel^en oon ben
fallen, in rocld)en ber ^auöoatcr auöna^möroeife über bie Subftanj beö aSer*
mogenö ju verfügen befugt ift unb in rocld&en er, roenigflcnö nad^ ber lierr*
notioe |. barfierl. Oefe^bud^. IV. 46
722 eiterlid&c ®tm\t Suftänbiöfett. Snßalt. §§ 1501, 1502.
f^cnbcn, in ncueftcr 3cit iebod^ roicbcr bcfätnpften Slnfid^t, im Flamen bcö
flinbcö ju J^Qitbeln f)at (tjcrgl. 1. 8 §§ 4, 5 Cod. de bon. quae üb. 6, ci ; entf<l&.
b. SR. ®. in SitJilf. X, 42 ©. 150, XV, 41 ©. 194, XVI, 24) — , afe ein
ciflcnnüfeigcö SRed^t von bcm ^ouöoatcr nid^t im 5Ramcn bcö Äinbcd, fonbern
im eigenen 9iamcn ausgeübt. S)ie ^ßflid^t unb bad SRcd&t bcr SBertretung beß
f(f)ufebebürftigcn Äinbcö ift mit ber üäterlid&en ©eroalt nid^t oerbunben. S)ie
legiere bauert, unabliängtg von bcr ©djuftbebürftigfeit beö Äinbeö, fort, fo^
lange ber ^aufitater lebt ober bis er baö Rinb auö feiner Oeroalt entläßt. 3m
©egenfafee 5um röm. SRed^te l^at bafi beutfd&e 3ted^t beß SRittelalterö — ob
aud& ha& ältere beutfd&e Stecht, ift beftrittcn — ber üäterlid^en ©emalt infofem
einen oormunbfc^aftlid^en Äaratter im mobernen ©inne beigelegt, als ber
^auöoater WW unb SRed^t bcr gürforge für baö ^auöfinb aud& in »er*
mögenöred&tltc^er S3ejie^ung ^at unb. ote gefcfelid&er aSertreter beö minber*
jährigen Äinbcö im Flamen beö leftteren ju iianbeln bcred&tigt ift. ©oneben
ftel^t il^m aber, älinlid^ mie nad& bem neueften röm. SRed^te, fraft eigenen
SRed^teö bic 9iu|ung unb aSerroaltung in älnfel^ung bcö SSermögenö beö ^auö^^
finbeö ju. 2luc^ enbtgt biefeö ?Rcdf)t beö ^auöoaterö nadf) ber ^errfc^enben
Srnfid^t nid^t mit bcr aSolljä^rigfeit bcö Äinbcö, fonbern erft mit ber 3tb^
fonbcrung bcö lc|tercn auö bem eltcrlid^en ^aufe ober mit ber ^eirat^ bcr
S:od^ter.
S)iefe ©runbfäfee bcö beutfd&cn 9led)tcö finb auf bie Ocftaltung ber
oäterlid&cn ©eroalt im gemeinen SRcd^te nid^t o^nc (Sinflufe geblieben. Sic
gcmeinred^tltd^e ^rajiö ftellt übcrroiegenb baö minberiäl^rigc ^auöRnb in ^n^
feliung ber ©cfd&äftöfäi^igfcit bem geroaltfrcien SRinberiä^rigcn glcid& unb
giebt bem ^auöoater alö Sluöflufe feiner oätcrlid^cn ©eroalt neben bem alö
einem eigenen Siebte il|m juftel^enben Jlufeungö- unb SSerroaltungörcc^tc am
aScrmögen bcö Äinbeö bie rcd^tlic^e ©teUung eineö gefcglid&cn SSertreterö bcö
minberiäf)rigen Äinbeö nad^ SÄnalogie ber 3icö)tt unb ^ßflid^tcn eincö 3Sor*
munbcö, jcbodö ol^ne bie bcfonbcren 33cfd&ränfungen, roeld^en ber tefttere bei
ber oormunbfd)aftlid&en SSerroaltung unb JBcrtretung unterliegt (oergl. ©euffert
VII, 197, XV, 113, XXXV, 297, XXXVII, 40; ©ntf^. b. St. ®. in ßioilf.
X, 42, XV, 41, 42, baneben iebod^ XVI, 24). Sluc^ barin ift ba& ge^
meine SRed^t beutfd^en JRcd^töanfc^auungen gefolgt, bafe bie oäterlid^e ©croalt
aud^ nadf) il^rcr oermögenöred[|tlid^cn ©eitc ^in burd^ bie 3lbfonberung beö
Äinbeö oon bcm §auöf)alte bcö SSatcrö. ober bufJ lBcrI)ciratIiu uq Scr S^ocfttcr
-aufgeboten roirb.
Iffuf bem Soben bcö gemeinen SRcd^teö, roie baöfelbe in ber ^ßrajiö jtd^
geftaltct I|at, fte^en in ber l)icr fraglichen Scjieljung im SBcfentlid^cn baö prcu§.
31. S. SR. (II, 2 §§ 125, 165, 166, 168, 210, 228 ; »ergl. bancbcn preufe. @ef.,
betreffenb bie ®efd^äftöfä^ig!eit a»inbcriä^riger u. f. ro., o. 12. 3uli 1875 §2;
preui ©ef., baö Staatöfdöulbbuc^ betreffenb, o. 20. 3uli 1883 §§ 7, 9, 24)
unb baii fä# ©. 33. (§§ 1811, 1821, 1822, 1829—1833); bod^ ^at baö
crftere bie beiben Scftanbt^cile ber mobernen gemeinred^ttidöen üätertid^en
©eroalt, bie oöterlid^e S8ormunbfd&aft über baö minberiä^rige ^auöfinb unb
baö bem röm. Siechte entftammenbe, mit ber SSoUiö^rigfeit beö Äinbeö
nid^t enbigcnbc eigene JRufeungös unb SScrroaltungörcd^t bcö aSaterö am SJcr*
eitcrli^e &maÜ. 3urtanbig!ctt. Sn^alt. §§1501, 1502. 723
mögen bcÄ Äinbcö nid&t in bcr fd^arfen unb Maren SEßcife gcfonbert, wie bieö
no* bem fod&f. ®. ». bcr gaU ift. 9luf bcnt ©cbietc bcö preu§. 21. S. di.
flehen bal^cr au6) bie Slnftd^ten über bcn Umfang ber bem JBatcr fraft feiner
t)öterüd^en ©eroalt jufte^enben SSertretungdmad^t auöcinanber (oergl. VLxtf). b.
91. ©. bei ®rud&ot XXIV ©. 1042 ff., XXIX ©. 927 ff.). 3lud^ barin rocid&t
bafi prcu§. 21. S. SR. von bem fäd&f. ®. 93. ab, bafe nad^ bem erfteren aud&
T)oBiä^rigc ^anßtinfccr nid^t nur in ber ajerfügungöfreil^eit, fonbern aud^ in
bcr ©efd^äftöfä^igfcit bcf^ränft fmb.
3m ©cgcnfafec jum gemeinen SRcd^tc unb bcn auf gemeinrcd&tlid&er
©runblage berulicnbcn ©cfeggebungen \)ai bie üäterlid^e ©eroalt in SübedE
(aSorm. D. x>. 1820 §§ 1, 2), in Hamburg (33orm. D. r>. 14. 2)ejembcr 1883
^rt. 6 ücrb. mit bem Iiamb. Stabtr. III, 6 9Irt. 7, 17), foroie nad^ bem
öftcrr. ©. S3. §§ 147, 149, 150, 152, 172, 173 bur(^auä bcn Äarafter
einer Däterlid&en aSormunbfd&aft, roeld^e — abgefc^en von geroiffen im ofterr.
<S. 83. oorgcfcl^encn 2ludna^men — , roie jcbc anberc SSormunbfd^aft, mit bcr
aSoüiäl^rigfcit bcö Äinbcö cnbigt, bem Sßater aud& fein eigencö Sßufeungd'
re^t am SBcrmogen bcö Äinbcö geroöljrt; bod^ ift nad& bem öftcrr. ®. 83.
bie ©tcllung bcö SSatcrö ate 3nl&aberö ber üätcrlidficn ©eroalt roefenttid^
freier geftaltet.
2luf bcr ©runWage bcö 33ormunbfd^aftöprinjipcö ift bie Däterlid&c ©eroatt
ferner geregelt oon bem frarij. SRcd&te unb bcffcn SRad^foIgern (oergl. code civil
mrt. 372—382, 384, 389, 390; bab. 2. 31. Safe 372—382, 384, 389, 390; ital.
®. 83. 2Crt. 220—228; l^cff. (Sntro. III 2lrt. 18, 21—25, 31—33, 38, IV 2lrt. 45),
T)on ocrfd^icbenen fd^roeij. ©efefeen, inöbefonbcrc bem jür. ®. 83. §§ 251, 259,
261, 263, 268, 275 unb bem bünbner. ©. 83. §§ 59, 60, 62, 63, 67, 100, ferner
von bem rocimar. ©cf. v. 27. SWärj 1872 §§ 1, 4, 17. 3laä) allen bicfen Siedeten
l^at bcr 33atcr fraft bcr Dciterlidden ©eroalt ^ßjtid^t unb SRed^t bcr ©orgc für
bie ^crfon unb baö SSermögen bcö Äinbcö, einf(^He6lid^ ber 5ßpid^t unb bcö
3lcdbtcö bcr SSertrctung bcö Icfetcren, unb cnbigt bie t)äterlid&c ©eroatt mit bcr
8SoUiä^rigfcit bcö Äinbcö. 5Die ©tcllung bcö SSatcrö ift icbod^ mel^r ober
weniger freier geftaltet, a(ö bie eincö SSormunbcö. 2lud& ftc^t in Uebcrein«
ftimmung mit bem gemeinen SRcd^te unb bcn auf gemeinred&tlid^er ©runblage
bcru^cnbcn ©cfcfegebungcn bem 3nl^aber ber oäterlid^en ©eroalt alö eigencö
5lcd)t bie ^lufenicfeung am aSermögen bcö Äinbcö ju; bod^ cnbigt bie lefetere
mit bcr aiJoUiäl&rigfcit bcö Äinbcö, nad^ franj. SRcd^tc unb bem bab. S. SR.
(oergl. aber ®inf. @b. jum bab. £. 91, VIII 9lr. 3) f(f)on mit bem ad&tjel)ntcn
ficbcnöja^rc bcöfelben. 3lad) franj. SRcd&te befielt aufeerbem bie @igentl|ümli(^feit,
ba^ mit bem S^obe bcr aJluttcr bie bem SSater roä^rcnb beftc^cnbcr 6^e fraft
bcr oöterfid^en ©eroalt juftcl^enbe SScrroaltung bcö SScrmögcnö bcö Äinbcö fid^
für bcn überlebcnbcn 33atcr in eine gcfefelid&c SSormunbfc^aft umroanbelt unb
bcr SBoter alöbann, roenn aud^ in etroaö befd^ränftcr 3Beife, bcn allgemeinen
©runbföfecn bcö SBormunbfd^aftöred&tcö unterliegt (code civil 2lrt. 389, 390;
Dcrgl. entfd^. b. SR. ©. in Straff. XI, 55, XVI, 96). 3n ber preufe. SR^eim
prooinj l^at nad& ber preufe. SSorm. D. o. 5. Si^ü 1875 § 95 bcr SSater nad^
bem a:obc bcr SKutter bie ^fli^ten unb SRcd&tc eincö gefcfelid^en SSormunbeö
im ©inne ber prcu^. 93orm. Ö. (oergl. baju ®ntfd^. b. SR. ©. in ©traff. XVI, 96).
46*
722 eitcriid&c ®emlt Suftanbiöfeit. Snßaft. §§ 1501, 1502.
fd^cnbcn, in neucfter ^ext {cbod^ roiebcr bcfämpftcn Slnfid^t, im SJorncn bcö
Äinbcö iu \)anbdn f)at (tjcrgl. 1. 8 §§ 4, 5 Cod. de bon. quae lib. 6, ei ; (gntfd^.
b. % ®. in eioilf. X, 42 ©. 150, XV, 41 S. 194, XVI, 24) — , ofe ein
cigcnnüfeigcö SRed^t üon bcm ^auöüQtcr nic^t im 3lamtn bcö Äinbcfi, fonbern
im eigenen Flomen ausgeübt. S)ic 5ßfH(f)t unb baö SHed^t bcr JBertretung bcö
fd^ufebebürftigen Äinbeö ift mit bcr »äterlid^en ©eroalt nid^t oerbunben. Sic
tefetcre baucrt, unob^ängig üon ber ©döugbcbürftigfcit bcö Äinbeö, fort, fo*
fange bcr ^auötater lebt ober biß er baö ftinb auö feiner ©eroalt entläßt. 3"^
©egenfatfc jum röm. 3le(f)te §at baß beutfd^e 3ted^t bcö ÜKittelalterö — ob
and) baö ältere beutfd^e Siedet, ift bcftritten — ber Däterlid^en ©eroalt infofeni
einen t)ormunbfd^aftlid[ien Äaratter im moberncn ©inne beigelegt, alö ber
^auöoater $flic^t unb 9ted^t bcr ^^rforge für baö ^auöfinb aud^ in oer^
mögcnöred^tltd^er S3ejiel^ung ^at unb alö gefcfelid^er aScrtrcter bcö minber^
jährigen äinbeö im Flamen bcö legteren }u ^anbeln bcrc^tigt ift. daneben
ftcl^t il^m aber, ä^nlid^ roic nad^ bcm neueften röm. SRcd^te, fraft eigenen
9led^tcö bie 9lu|ung unb SSerroaltung in ^nfci^ung bcö äScrmögcnö bcö ^auö^
finbcö }u. äluc^ enbigt biefeö ^tc^t bcö ^auöoatcrö nad^ ber l)errfd^cnbcn
9lnfid&t nid^t mit ber aSolliä^rigfcit bcö Äinbeö, fonbern crft mit ber 9lb*
fonbcrung bcö Icfetercn aM bcm eltcrlid^en ^aufe ober mit ber ^ciratl^ bcr
S^od^tcr.
S)icfc ©nmbfäfee bcö beutfd^cn JHcd&tcö finb auf bie. ©cftaltung bcr
oöterlid^cn ©croalt im gemeinen Siedete ni^t o^nc @inf(ug geblieben. S)ic
gcmeinred^tUd&c ^rajiö ftcllt übcrroicgenb baö minbcrjäl^rigc ^auöfinb in Sin-
fc^ung bcr ©cfd^äftöfä^igfcit bcm geroattfrcien aWinbcriäl;rigcn glcid& unb
giebt bcm ^auöoatcr alö äluöflug feiner oätcrlid^cn ©eroalt neben bcm alö
einem eigenen SHcc^te i^m juftel^cnbcn Jlufeungö:^ unb JBcrroaltungörcc^tc am
aScrmögcn bcö Äinbeö bie red&tli^c Stellung cincö gefcfelid(|cn 93ertreterö bcö
minberjälirigcn Äinbeö na^ a:nalogie bcr SRcd^tc unb ^füd^tcn cincö SSor-
munbeö, icbocf) o^nc bie befonbcrcn Sefd^ränfungcn, roeld^cn bcr lefetcre bei
bcr oormunbfd^aftlid^en SScrroaltung unb aScrtrctung unterliegt (ocrgl. ©cuffert
VII, 197, XV, 113, XXXV, 297, XXXVII, 40; (gntfd^. b. SR. ©. in (Sioilf.
X, 42, XV, 41, 42, bancbcn jcbod^ XVI, 24). 3lud& barin ift ba^ gc*
meine 3lcdf)t beutfd^cn 3lcd^töanfd^auungen gefolgt, bafe bie oäterlid^c ©croalt
aud^ nad^ i^rer ocrm5gcnörcd[|tlid^cn Seite ^in burd^ bie Slbfonberung bcö
Äinbeö oon bcm §auöl|altc beö SBatcrö ober bufJi l[?crT)eiratBunp 5cr STot^tcr
-mtfrjc^ötcn roirb.
*3ruf bcm Soben bcö gemeinen SRcd^tcö, roic baöfelbc in bcr ^ßrajiö ftd^
geftaltet ^at, fielen in bcr ^icr fraglid^cn Sejic^ung im aBcfcntlid^cn baö prcufe.
at. S. SR. (II, 2 §§ 125, 165, 166, 168, 210, 228; oergl. bancbcn preufe. ©cf.,
betreffcnb bie ©cfd&äftöfä^igfcit aWinbcriä^rigcr u. f. ro., t). 12.3uli 1875 §2;
prcufe. ©cf,, baö Staatöfd^ulbbud^ betreffcnb, o. 20. 3uli 1883 §§ 7, 9, 24)
unb ba& fäd&f. ©. ö. (§§ 1811, 1821, 1822, 1829-1833); bo^ ^ai baö
crftcre bie beiben Scftanbt^cile ber moberncn gcmeinrcd^tlid^cn Dätcrlid&cn
©croalt, bie oäterlid&e Söormunbfd^aft über baö minberiä^rige ^auöfinb unb
baö bcm röm. SRcd)tc cntftammenbc, mit bcr aSolliä^rigfcit bcö Äinbeö
nid)t cnbigenbc eigene ^Rufcungö* unb S3crroaltungörcd)t beö SSaterö am SScr^s
eiternde ®malt. Suftänbiöfctt. Sn^alt. §§ 1501, 1502. 723
mögen bcö Äinbcö nid^t in bcr fd()orfen unb Maren SBeife gefonbert, wie bieö
nod) bcm fäd^f. 0. 93. ber gaH ift. 3luf beut ©cbietc bcö preu§. 21. S. 91.
flehen bal|cr auä) bie Slnfid^ten über ben Umfang ber bent SSater traft feiner
»äterlid^en ©eroalt juftc^enbcn SBcrtretungömad^t auöcinanbcr (oergl. Urt^. b.
91. ®. bei ©rud^ot XXIV S. 1042 ff., XXIX ©. 927 ff.). 3lud& barin rocid&t
baö preufe. 31. S. % üon bcm fö^f. ®. 93. ab, bafe nad^ bem erftercn aud&
üottiäl^rigc ^auöfinber nid&t nur in ber Söerfügungßfrcil^eit, fonbem aud^ in
ber ©cfd^äftöfä^igfeit befd^ränft finb.
3m ©egenfafec jum gemeinen SRed^te unb ben auf gemcinred^ttid^er
©runblagc berul^cnben ©efeßgebungen l)at bie oätcrtid^e ©ematt in SilbedE
{SBorm. D. r>. 1820 §§ 1, 2), in Hamburg (5ßorm. D. t). 14. Sejembcr 1883
^xt. 6 Derb, mit bem l^amb. Stabtr. III, 6 2frt. 7, 17), fou)ie nad^ bem
ofterr. ©. 33. §§ 147, 149, 150, 152, 172, 173 burc^auö ben Äorafter
einer Dätcrlid^en 33ormunbfd^aft, meld&e — abgcfe^en x>on geu)iffen im ofterr.
@. 93. Dorgefcl;enen 3lußna^men — , wie jcbe anberc SSormunbfd&aft, mit bcr
SBoIljäl^rigfcit bcö ftinbeö cnbigt, bem Sßater aud& fein eigenes SHufeungö*
re^t am SScrmogen bcö Äinbeö gemährt; bod^ ift nod^ bem ofterr. ©. 93.
bie ©tellung bcö SBatcrö alö 3n]&aberö bcr üöterlid^en ©ematt mefenttid^
freier gcftaltet.
Sluf bcr ©runbtage bcö aSormunbfd^aftöprinjipcö ift bie Däterlid^e ©emalt
ferner geregelt tjon bcm franj. SRcd^te unb bcffen SRad^fofgem (ücrgf. code civil
an 372— 382, 384, 389, 390; bab. S. 91, Sag 372—382, 384, 389, 390; ital.
©. 93. 2Crt. 220—228; l)eff. ©ntn). III 3lrt. 18, 21—25, 31—33, 38, IV 3lrt. 45),
Don ocrfd^icbcnen fd^meij. ©efegen, inöbefonbere bem jür. ©. 93. §§ 251, 259,
261, 263, 268, 275 unb bem bünbner. ©. 93. §§ 59, 60, 62, 63, 67, 100, ferner
von bem mcimar. ©ef. r>. 27. äHärj 1872 §§ 1, 4, 17. 5Rad& allen bicfen 9lcd&ten
^at bcr SSater fraft ber üätcrUd&en ©emalt ^fixä^t unb 9led&t ber ©orgc für
bie ^a-fon unb baö SSermogen bcö Äinbcö, cinf^Iicfelid^ ber ^flid[|t unb bcö
3lcdf)tcö ber 33ertrctung bcö Icfeteren, unb cnbigt bie t)ötertid&c ©ematt mit ber
^oüiä^rigfcit bcö flinbcö. 2)ie ©tcUung bcö SSatcrö ift jcbod^ me^r ober
rocnigcr freier geftattct, afö bie eineö SSormunbeö. Slud^ fte^t in Uebcrcim
ftimmung mit bem gemeinen 9lcd)tc unb ben auf gcmeinred&ttid^er ©runbtage
bcru^enben ©efcftgebungen bem Snl^aber bcr üätcrlid^en ©ematt alö eigcneö
5lcd)t bie ^lufcnicfeung am aSermögen bcö ftinbeö ju; bo6) cnbigt bie tefitcre
mit ba- 9SolIiä]&rigfeit bcö ftinbeö, mä) franj. 9led&te unb bcm bab. S. 9i.
(Dcrgt. aber 6inf. ®b. jum bab. S. 91. VIII 9lr. 3) fd&on mit bem ad^tje^nten
Scbcnöia^rc bcöfelbcn. 9iad^ franj. 9led^tc bcftel^t aufeerbem bie ®igentl)ümtid^fcit,
bafe mit bcm S^obe bcr üRutter bie bcm 33ater möl&renb befte^enbcr 6l^e froft
bcr Dätcrtid^cn ©eroatt juftel^enbe SSerroattung bcö 93ermögenö bcö ftinbeö fxä)
für ben übcrtebenbcn 93ater in eine gcfcBlic^c SSormunbfc^aft ummanbelt unb
bcr 38ater atöbann, rocnn aud^ in ctroaö bcfdöränftcr SBcifc, ben atlgemcinen
©runbfägen bcö SSormunbfd^aftörcd^tcö unterliegt (code civil 3lrt. 389, 390;
Dcrgl. entfd^. b. 91. ©. in ©traff. XI, 55, XVI, 96). 3n bcr preufe. 9l^ein^
proüinj l^at nad& bcr preufe. 58orm. D. t). 5. 3wli 1875 § 95 ber 93atcr naä)
bcm a^obe bcr 9Kuttcr bie ^ftid^ten unb 9Jcd^te eineö gcfctlid^en 93ormunbeö
im ©inne ber preufe. SSorm. D. (ocrgl. baju ßntfd^. b. 91. ©. in ©traff. XVI, 96).
46*
724 erterlic^c ®cwM. Suftonbiofcit. Snftart. §§ 1501, 1502.
stanbpunft 2)em ©itttüitfcluiigößangc bcö SRcditcö folgenb i)(\i bcr ©ntrourf bie citcr*
«ntnmrfe*. Iiö)<^ ©eiOQlt DOH einet einl)citlid^en ©runblagc aus geftoltct unb babci bQ&
natürli^c Sdiu^bebürfnife beß Äinbcö jum 9(uögangöpunfte genommen. 3)cm:^
w fti"(b^' gemöfe befjonbelt er bie eltetlidöc ©croalt if)rer mcfentlidjen ®runb(agc noc^
Äatafter ber olö einc tjotmunbfdöaftlidöc im mobemen ©innc ber 3[}ormiinbfci^aft, b. f).
^STmott" ^"^ ^^^ ^^"^ Snterejle bc§ Äinbcö bienenbcö Sc^n^inftitut, welijeö für ben
3nl)Qber ber elterüd^en Oeroalt bie ?5f[id)t unb baö diciit, für bie ^erfon mie
baö 33crm5gen beö Äinbeö [ju forgen, begrünbet (üergl. § 1502 9}r. 1 ocrb,
mit § 1648). SQBie bei bcr SBormunbfd&nft, umfafet ciud) bei ber elterlidjcn
©croatt jene 5pflid)t unb jenes 9lcd)t bie gefe^Ii^c aSertretung beö Rinbe&
(Dergl. § 1503 3Ibf. 1 ocrb. mit §§ 1648—1651). 9luf ber anberen Seite
mu6 aber im 9lnfd)Iunc an boö befte^enbe 3i^d;)i ber Umftanb, bojj bie elter^
li^e (Seroalt fid^ alö ber red^tlidjc STuöbrucf eincö natürlid)en, [ittlidjen SSer^
flältnifjcö barftcüt unb biefelbc auf gegenfeitigeö 33ertrauen unb auf gegen«
fettige 2iebe gegriinbet ift, bafjin fü^iren, ben 3nf)aber ber elterlid^en (Seroatt
bei feiner üormunbfc^aftli^en aScrroaltung crl)eb[id^ freier ju ftellen. S)iefc
freiere ©tellung jeigt fid) namentlid^ barin, bafe bie SSertrctungömad^t
bcö Snfiabcrö ber clterlid^en (Seroalt crficbtid) roenigcr befd&ränft ift alö bie
beö gScrmunbcö (oergf. §§ 1507, 1511 — 1515 mit §§ 1657, 1663, 1666^
1669—1671, 1674—1682), bafe ein (Segenüormunb nic^t beftettt roirb (§ 1647)
unb bcr 3n{)aber ber clterlid)cn ©eroatt nid)t ber ftänbigen 9luffid)t bcö SBor-
munbfc^aftögcrid^tcö unb ben bcr SJurd^fiUjrung bicfer Sluffic^t bienenben, btn
95ormunb befd&ränfenben Seftimmungen unterliegt (oergl. §§ 1544—1552
mit §§ 1659, 1683 — 1689, 1705 9ir, 1, 2). SDiefc freiere Stellung befjölt
ber aSater nad& bem ©ntrourfe auc^ bann, roenn bie ®E|e burd) ben S^ob ber
aKutter aufgeloft ift. 5Daö Softem beö code civil, nad^ roe(d)em mit bcm 2:^obe
ber ajlutter bie üfttcrlid^c (Seroalt fid) in eine gefeglid&c 93ormunbf(f)aft oer?
roanbelt unb ber aSater oon ba an im 3BefcntIid)en roic ein anberer SBormunl>
ber Äontrole eincö (Scgenüormunbeö unb beö gamittenratl^eö untenoorfen
roirb, geroäfirt jroar ben Äinbern einen größeren Sd)u| gegen aßi^braud^ von
Seiten beö burd^ bie ajluttcr nid^t mcl)r fontrolirtcn SJaterö, crreid^t aber
biefen ©rfolg nur auf Äoftcn ber natürlid^cn Stellung unb ber 9lutorität bc&
95atcrö unb entfprid()t nid^t ben 3lnfd^auungen beö bcutfd^en SBotfcö. ©urcfy
bie freiere Stellung bcö 3n^aberö ber elterlichen ®croalt, foroic burcö bie
weitere Seftimmung bcö ®ntrourfcö, bafe bie eltcrlid^e ©croalt für ben 3n^aber
ber tegtcren jugleic^ baö di^6)\ bcr 9lu|fnie6ung am SSermögcn bcö Äinbcö alö
ein binglid)eö $Hcd)t begrünbet (§ 1502 5Rr. 2, §§ 1516—1537), crlcbigcn fic^
bie Sebenten, bafe eine auf ber (Srunblagc beö SSormunbfd^aftöprinjipcö auö*
geftaltcte elterlicf)c ©eroalt bcm 3n{)abcr bcr Icgteren nid)t bie nött)ige ©ncrgie
unb 9lutoritdt gegenüber bcm Äinbc ju gcrocil;ren ucrmögc.
eiterige ^lulaugcnb bie cttcrlidjc ^Jufnicfeung, fo Icifet fid) allerbingö nid^t ucr?
9iu|nie^unfl. ^^^^^^^^^ ^^^ j,„^^ j^jg SScrbinbung bcr elterlidjcn Shignicfeung mit ber elterlidjcn
©croalt alö eines S3eftanbtf)eilcö bcr Icßtcrcn uom Stanbpunfte bcö ©ntrourfcö auö-
ein frembartigcö, bcm pormunbfdjaftlid)en Äaraftcr bcr elterlid)en ©croalt nid^t
entfprcd)enbcö (Slcment in bicfc £)ineingctragen roirb unb bafe barauö geroiRc
Sdiroicrigfcitcn imb ^{crroicfetungcn fi^ ergeben. 2luf bcr anberen Seite
(51tcrlid6c Octoalt. Suftaiiblgfeit. Sn^aft. §§ 1501, 1502. 725
tpric^t abcv gegen bie reine S)uv(^füf|rung beö üormunbfd)aftUc^en Äarofterä
in biefer SRid&tuug junftd^ft fd)on bic Xi)ai)aii):, ba^ mi) bem in bem roeitauö
flrofeten 2:()eilc 2)eut|d^Ianbö geltcnbcn SRec^te bie Dätcvlid^e ©eroalt für ben
SBoter baö 91ed)t ber ^lu^nieüung an bem SSermögen beö Äinbes begrünbet.
2)ic Scibeljaftung biefcö 9Ied&teö ift aud) fcincöroegö afö ein SReft altrömifc^er
tttnfdiauungen über ha^ SBefen ber üäterlid)cn Oeroalt anjufeljen, fonbern
cntfprid^t bem ©ntioicfelungögange beö beutfd)en dtedjk^, njcldjeö, von feftenen
tttuönabmcn abgegeben, mit bem Döterlidjen OJlunbium üon je^er bie SRug«
niefjung an bem SSermögen beö Äinbeö Derbunben f)at. gür bie SBeibeJ^ottnng
ber eltcrlid^en 9iuftnie6ung fpred^en aber aud& überioicgenbe innere ©rünbe.
'©er 3nbaber ber clterüd^en (Seroalt ift bcrecbtigt, bie ©inliinfte beö bem Äinbc
geijörenben Sßermögenö für ben Unterljalt beö Äinbeö jn oerroenben (§ 1481
^b). 1, 3). er ift ferner bercd)tigt, bie 9Irt ber Ocrociljrung beö Unter^alteö,
foiüic bic 9lrt ber ßrjiel;ung unb baö SKafe ber bafür aufjurocnbenben koften
ju beftimmen. 9luögaben biefer 3trt geftatten ifirer SJatur nad^ bem (Srmeffen
«inen roeiten Spielraum. ®ö fönnen ju biefen 9luögabcn and) 9luögaben für
ben 3nfjaber ber elterlid)en ©eroalt felbft unb für bie übrigen ÜKitglieber feiner
gamilic gepren. 3m elterlid^en ^aufe, im ©d^oofee ber gamilie, fott baö
Äinb erjogen werben unb, roenn bieö in einer feinen SScrfjältnifjen entfpred)en*
ben 9lrt nur baburd^ gefdiebcn faun, bafe bic eintünfte beö bcmfclbcn ge*
l^orenbcn SJcrmögenö jum ftanbeömcifeigen Unterijalte ber eitern unb ber
fonftigen äRitglicbcr ber gamilic mitoerroenbet ro:rben, fo roürbe nmn bem
3nl)ober ber elterlid)en ©croalt aud) bei einer rein üormunbfd^aftlid^en Stellung
eine fofd)c 93erroenbung acftatten müfjen ; benn eö roürbe, roenn ba^ Äinb reid&
ift, bic eitern aber arm finb, mit einer vernünftigen erjieljung nid)t vereinbar
fein, bafe in berfetben gamitiengemeinfd)aft baö Äinb feinem 9{cid)t(;ume, bic
eitern i^rcr Slrmutb cntfpredjenb lebten. W\i ber Stellung beö Sn^obcrö ber
cltcrlid^en ©croatt gegenüber bem Äinbe roürbe eö ferner nid^t im einflangc
fte^cn, roenn er bcmfclbcn in irgenb roeldjcr gorm für baö aJlafe ber jum
3rocrfe beö Untcrl)alteö auö ben einfünften beö ÄinbcöDcrmBgcnö gemachten
2Iufrocnbungcn oerantroortlid^ fein folllc. er roürbe bal)er, aud^ roenn man
ben Dormunbfd)aftlid)cn Jlarafter ber eltcrlid^en ©croalt fd^le^tbin feftbalten
looUte, bod) in ber SScrroenbung ber einfünfte beö bem Äinbe gebörenbcn
5Bermogenö tt)atfäd}lid) faft unbcfd^ränft fein, eine foldje Stellung beö 3i^
^obcrö ber elterlichen ©eroalt unterliegt aber nad& außen Ijin, inöbcfonberc
gegenüber feinen ©laubigem, ernflcn Scbcnfcn. er fann über bie einfünftc
beö bem ftinbe gcl;örcnbcn 93crmogenö, roic über feine eigenen, frei verfügen;
er vcrroenbct fic, oljnc bafür verantroortlidj ju fein, nad) ^Belieben in feinen
3lugen, aber feinen ©laubigem finb fic entjogen, ba fie bem Slinbe gel)ören.
Stile bicfc 93cbenfcn rocrben bcfeitigt, roenn man bem 3"^ciber ber eltcrlid^en
©croalt bic SRufenicfeung am aScrmögen beö Äinbeö alö ein cigcneö dlcd)i
einräumt. ®em 3»tcreife beö ttinbcö, bafe bie einfünftc beö bcmfclbcn gc*
^örenben SBcnnögenö in ^olgc ber clterlicbcn ^Jugniefeung iljrcm ^mcdc, vor*
jugörocife jum Unterhalte beö Äinbeö unb ber gamilie 5u bienen, nid^t entjogen
rocrben, roirb burd) bic Seftimmungen ber §§ 1532, 1534, 1535 in auöreid^enber
3Bcifc Slcd^nung getragen. Ser Unterl;alt beö Äinbeö unb bie SSermeibung
726 erterli*e ®ctx>alt. Suftanbtofcit. ^nWt. §§ 1501, 1502.
Don SKbred^nimgcn 5n)tfd)cn bcm 3nl)abcr bcr clterlid^en ©eroolt unb bcm Jlinbe
über bic Sßcrroenbung bcr ©infünftc, foroic bic ^crbeifül^nmg einer angcmeffcncti
Stellung beö 3n^aberö ber elterlid^en Ocroalt nod^ aufeen finb nid^t bcr einjige
3n)ccf bcr cltcrlid^en Slufeniefeung. 2lud) nod^ anbere, nid^t minber fd^toer in^
Oeroicöt faUenbe Stad^t^cilc entftcljen, roenn man ben üormunbfd^aftlid&cn
Äarofter ber clterlid&en ©eroalt aud^ in 3lnfc^ung ber ®infünfte beö bcm Rinbe
ge^örenben SBcrmögenö fcftfioltcn wollte. 2)ic ©tellung beö 3nl)obcrd ber
elterlichen ©croalt gegenüber bem Äinbe mufe eine felbftänbige fein; baft
natürlid^e SBer^ältnife ift, ba^ bic (SItern bcm Rinbc ben Unterhalt geben;
biefcß SBer^ältnife wirb Dcrfd^oben, wenn ber Unterhalt beö Äinbcö unb mtU
leid&t auä) ber ®(tem nidjt aus bcren SKitteln, fonbern quo bcnen beö ÄinbcÄ
beftritten wirb, menn ber 3nf)aber ber eltcrlid^en ©eroalt über biefc SKittel
nid&t fraft eigenen SRcd^tcö, fonbern nur afe SSertreter beö Äinbeö ücrfügt unb
biefem bafür, roenn aud^ nid&t rcd^Iid^, fo bod[| fittUd^ Dcrantroortfid^ ift. 2)Qft
natürliche ©cfü^I ber Slbl^ängigfeit beö Äinbeö t)on bem 3nl)aber ber elteriid^ca
©eroalt !ann baburcö unter Umftänben fd^roer gefd^ftbigt roerben. 2)er ©afe
beö attröm. SRedjteö, ba^ Slttcö, roaö baö Äinb erroirbt, bem Snl^abcr ber
Däterlid^cn ©eroolt gel^ort, ift l^cute nid&t mefir möglich. 9lber ber bemfelben
}u ©nmbe liegenbc ©ebonfe, bafe baö fRcä^i bic natürliddc 9lbl)fingigfeit beft
Äinbcö Don bcm 3nf)abcr ber eltcrlid^cn ©eroatt ancrfeimcn unb in ber ©e*
ftaltung ber beiberfeitigen 95ermögenöüerl)ältniffe, forocit tl^unlid^, ium SiTuö*
brudfe bringen muffe, ift, folange ba^ Äinb minberiä^rig ift unb bcr (Sriiel^ung
ber ®Itcrn bcbarf, aud^ l^eutc nod^ richtig imb finbet in bem eigenen SRcdfite
beö Snl^abcrö ber elterlid^en ©eroalt an bcu ©intünften beö bem Äinbc ge*
^örenben SBcrmögenö feinen ben je^igen 58erl;öltniffen cntfprcd^enbcn 3liiöbrucf.
üRit SlüdEfidit auf ben 3ufammenf)ang, in rocld)em bem 5Borftcl)enbcn nac^ bie
elterliche ^lufeniefeung mit ber im Uebrigen bcm 3nljaber ber elterlid&cn ©eroalt
jugcroicfencn Stellung gegenüber bem Äinbe ftel)t, foroie im SntcrcRe bcr 95er*
einfad)ung unb lcid()teren §anb^abung beö ©efcgbu^eö bel;anbett ber ©ntrourf
bie clterlid^e SRu^niefeung nid&t alö ein Don ber cltcrlid^cn ©eroatt oollig unab*
^ängigeö, neben berfelben beftel)cnbeö SRed^t, fonbern alö einen, allerbingö mcl)r
afjibentatcn, 93eftanbtl|eit ber etterüd^en ©eroatt.
»üucr 2. 3luö bem ^rinjipe beö ©ntrourfcö, bafe bic eltcrtid^c ©eroatt, analog
^^^ ber ©d^ufel^errfd&aft beö aSormunbeö, eine ©d)u6geroatt ift, ergiebt ^4 i<t%
biefelbe fo lange ju bauern f)at, alö bic ©d^ufebcbürftigfcit baucrt. a)Jan
fönntc baran benfcn, baö ®nbc ber ©d^ufebebürftigfeit nad^ bcr ttiatfäd^lic^en
SJorauöfc^ung ju beftimmen, bafe im ein5clncn gälte bic ^erfon bcöÄinbeö
eine felbftänbige Sebcnöftellung erlangt licib'e. ®icö roürbV "bann ober allgemein
gelten muffen forooI}l für ^auöfinber alö für fotd^e Äinber, roel^c nid&t unter
cttertid^ier ©eroalt ftctjcn. SBcnnglci(^ bie SBeftimmung einer fold^en ©nbigungöart
ber ©d^u^geroatt tl^corctifd^ic ©rünbc für ftd^ Ijaben mag, fo fto^t biefelbe bod^
auf bic f^roerften praftifd^cn Sebenfen, rocil bic ©rfüüung ber bejeic^neten
gefe^Iiddcn SSorauöfcftung beftrcitbar unb britten ^crfoncn nic^t mit ©eroifeljcit
crfidjttid^ ift. ©d}on im Sntcrcffc bcr aScrfcbröfidierl^cit mufe mau beöl)alb
bie ttjatfäd)Iid()c SSorauöfe^ung ber ©d^u^gcroalt fo beftimmen, bafe biefelbe an
icncn aJlftngctn nid^t leibet unb babei bod^ im 3)urd)fd()nittc baö SRid&tige
©Iterlicfic ©ctoalt. Suftdnbißfcit. Snßalt. §§ 1501, 1502.
727
Cti/
trifft. S)icö fül^rt aber ba5U, wie bei nid^t unter ctterlid^er Ocroalt ftc^enben «oaia^riyfeit
Äinbcrn (§§ 1633, 1703), fo aud^ bei ^auöfinberit bie ©d^uftgeroalt mit bem
3luatrittc aud bem 3lltcr ber SWinberiäfirigfeit cnbigen ju laffen (§§ 1501,
iSST^f. 1). ©arauß, )S(i^ bie (ydporfamöpfrid^t (§ 1498) unb bie ^flid&t,
bie elterlid^e (SinroiDigung jur (Singel^ung einer @^e einju^olen (§ 1238;
üergl. aud& § 1610), nid)t auf bad 9Uter ber SDlinbcriälirigfcit bcfd^ränft ift,
fann ein (Segcngrunb nid&t entnommen werben, ba burd^ biefe ^flic^ten bie
red&tüd&c Stellung beö Äinbeö britten ^^Jerfonen gegenüber nid^t berührt luirb.
SWit bem ©tanbpunfte beö ©ntrourfefi, ba§ bie eltcrlid&e ©cmatt mit ber SSoII*
jö^rigfeit beö Äinbeö enbigt, ftimmen au§cr ben oben ©. 723 angeführten
9te(f)ten aud& baß in 3iaRau, foroie baö in SBraunfdfimcig geltenbe SRed&t
(braunfc^ro. ®ef* o. 19. SKoi 1876) überein. ®benfo \<xi ber 12. beutfd^e
3uriftcntag in feiner erften unb iweiten Slbt^eilung 1875 bie S^agc, ob bie
t)äterfid^e ©eroalt, inöbefonbere alö ®runb ber 33efc^rfinfung ber ®efd^äft3=*
fäl^igfeit, fraft beß ©efefeeß mit ber aSoUiäfirigfeit beß Äinbeß crlöfdjen foU,
einftimmig bejaht (S3b. III ©. 82 ff.). 6inc anbere grage ift cß, ob cß uid^t an*
gemeffen fein mürbe, nad^ bem Vorgänge beß gemeinen Slcd^teß unb beß fäd^f. ®. S.
unb in Slnnä^erung (nw, baß preufe. 31. S. SR. mit ber aSoBiäi^rigfeit beß Kinbeß
jtoar jebc Sefd^rönfung ber ®efd^äftßfä^igfeit beßfelben unb bie SSertretungß*
ma^t beß 3n^aberß ber e(terlid(ien ®en)a(t megfallen, im Uebrigen aber bie
elterlid&c ®en)alt biß bat|in fortbauern ju laRen, ba^ baß Äinb im SBer^^
Ööltniffe ju ben ©ttern eine felbftänbige Scbenßftellung erwirbt ober eine ®^c
fd^Ilefet. 2)a eine gortbauer ber ©rjie^ungßgeroalt regelmäßig t^atfäd&Iid)
außgcf(f)foffcn ift, fo mürbe baß gortbauernbe im SBefentüd^en bie efterlid&c
Slu^mefeung feilt. §ur eine fold&e ©eftaftung fann man anfüfpren, bafe baburd^
baß gamtlienbanb geftörft werbe unb eß billig fei, ben (Sttern, folange bie*
felben bem Äinbe ben Unterhalt gewähren müjfen, oermoge beß aied^teß ber
cltcrlid)en Slu^nießung am SBcrmögen beß Äinbeß einen 6inf[u§ auf bie 35er*
waltung biefeß 33erm5gcnß unb bie grud&tjiefiung einjurftumen, bafe eß aud^
unnatürtid^ crfd^eine unb ju Streitigfeiten unb ^rojeRcn jwifd^en ben ®Itcrn
unb Äinbcrn SScranlaffung geben fönne, wenn oon bem Eintritte ber SSoU*
iöbtigfeit an \^(i& Äinb, weld^eß im (^(tern^aufe tjerbtcibc, ben ©Item auf
aie^nung unb ®cgenred^nung gegenflbergeftellt werbe, ftatt in fold&en gällen
Unterbalt unb SRuJung gegen einanber aufjured^nen. 2)ie ®rünbe jebod^,
weld)e ben Entwurf beftimmt l^aben, bem Snl^aber ber elterlid^en ®ewatt alß
fol(f)cm baß SRedfet ber elterlid^en ^lußniefeung bcijulegen, fowic bie ®rünbe, auß
welchen ber (gntwurf bie im § 1481 9lbf. 3 beftimmte intenfiüere Unter^altß*
pflid&t ber 6ltem gegenüber ben Einbern nid^t über baß ällter ber SKinber*
jä^rigfeit beß Äinbeß l)inauß erftrccft l)at (t)crgl. bie SRotiDc ju § 1481 oben
©. 682), fpre^en überwiegenb bagegen, bie eltcrlid^e Jlugniefeung über jenen
3citpunft f^inauß fortbauern ju laffen. (Sine fold^e ßrftrecfung ber elterlid&en
9lugnie6ung fü^rt, entgegen bem ^rinjipe beß ©ntwurfeß, bafe mit bem Seit*
punftc ber aSolljä^rigfeit beß Äinbeß bie ©elbftänbigfeit beö (enteren eintritt,
JU bem 3lefultate, bafe fold&e Äinber, namentlid^ ü:öd(|ter, weld^e fid^ nid^t »er*
t)eirat^cn unb nad& ben obwaltenben SSer^ältniffen nid^t in ber Sage finb,
einen fctbftänbigen ©rwcrbsäweig ergreifen ju fönnen, in üermögenßred^tUddev
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728 etteclid&e ©etoalt. Suftänbigfcit. Snl&att. §§ 1501, 1502.
©cjtcfiung biß jum 2^obc ber ©Itcrn unfclbftänbig unb Don ben ©Itern abljängig
bleiben würben unb balß man roiebcr mit bem fdirocr ju foffcnben unb ju
^rojeffen aSeranlaJfung gcbcnbcn S3cgriffc ber separata oeconomia würbe
red^nen muffen. I)ancben fommt in SBetrad^t, ba^ bie ganje Äonftruftion ber
clterlidien ^Ku^nicgung in bem ©ntrourfe ouf bie mit ber SÖlinberjö^rigfeit bes
Äinbeß üerbunbene Scfd^ränfung ber (Sefd^äftsfäl^igfcit beö Äinbed unb bcRen
regelmäßige Vertretung burd^ ben Sn^ober ber elterli^en Oemalt gegrünbet
ift. 2)ic clterlid&e 5Ru|nie§ung am SSermögen beß üolliätirigen Äinbcß mürbe
ba^er alß ein bcfonbereö 3nftitut, ä^nli^ ber e^elid&en SRufenicfeung, außgeftattct
werben muffen unb inßbefonbcre 93eftimmungen über 3)ißpofitionßbefd^ränfungcn
beß an fid^ gefd^äftßfäl^igen Äinbeß, ft^ntid^ ben ®ißpofitionßbe|d()ränfungen
ber (S^efrau in 3lnfcl(|ung beß ©^cguteß (§§ 1300 ff.)/ not^ig mad&en. 6inc
foldie ©eftattung ift aber, foroeit fic oermeiblid^ ift, megen ber auß bcrfelben
folgenben mefir ober weniger Dermidfelten 9led5tßoerl^äItniffe alß angemeffen
nic^t JU erad^ten.
©fier fönntc eß in ^xa^t fommcn, ob eß nid^t, um bie mit bem
SBcgfalle ber elterlid^en ^lu^nie^ung nadE) ©intritt ber SBolljä^rigfeit beß Äinbeß
unter Umftänben tjerbunbenen Unjuträglid^fciten unb ©trcitigfeiten ju Der«
meiben, fid^ empfcl^Ien mürbe, eine bem ©ebanfen beß § 1340 entfpred&enbe
Söorfd^rift aufjuncl^men (oergl. ital. ®. 93. Strt. 234). S^beffen ift aud^ eine
berartige, bem in 2)eutfd&Ianb geltenben Siedete jubem unbefannte a3orf(^rift
alß entbe^rlid^ erad^tet.
SBic gegen bie gortbauer ber cltertid^en SRufeniefeung über bie Orenjc
ber äHinbcriä^rigfcit ^inauß, menbct ber ©ntrourf fid^ anbercrfeitß gegen baß
franj. SRed^t, nad^ meld&em bie clterlid^e ^luftnießung fc^on üor ber 33olIiäf)rig*
!eit beß Sinbeß mit bem uollcnbeten ad^tjef)nten Sebenßjalire cnbigt. 3)iefe
Seftimmung beß franj. Sled^teß ^at roefentUd^ ben 3"^^*/ i^ oerliinbcrn, ba§
bie (SItern auß ©igennug bie ©manjipation beß Äinbcß ober i^re ©inmilligung
JU einer ©f^efd^tiefeung beß tegteren Derroeigcrn, ba nad& bem code civil bie
citerlid&e SZuJnicfeung mit ber ©manjipation ober ber SSerl^eirat^ung beß
Äinbcß wegfällt. SDaß franj. 3nftitut ber ©manjipation ^at ber ©ntwurf nid^t
aufgenommen (oergl. bie WHotivc ju §§ 1557—1561 unter 1); bagegen
wirb aud^ nad^ bem ©ntwurfc burdf) bie ©d^liefeung einer ©fje üon ©eitcn beß
Äinbeß bie elterliche SRu^nießung beenbigt, fofcrn bie ©^e üon bem Äinbc mit
ber naä} ben §§ 1238, 1239 crforberüd^en ©inwilligung beßienigen ©Itcrnt^eilcß
gefd^Ioffen ift, weld^em bie clterlid^e Slujniefeung jufte^t (§ 1536). S^rogbem
empfiehlt cß ftc^ nit^t, bie eltcrlid^c Jlußnicfeung nad) bem Sßorbilbe beß franj,
SRcd^tcß fd^on oor ber SSolIiä^rigfeit beß Äinbeß enbigen ju [äffen. 3)ic Orünbe,
auß weld^cn ber ©ntwurf bie clterlid^e 9lu^nie6ung ate einen 93cftanbt{)eit ber
e(terIidE)cn ®ewalt beljanbelt, finb gegenüber bem auß einem ajlifetrauen gegen
bie Uncigcnnüßigfeit ber ©Itern entnommenen S3ebenfcn entfd^icben alß über*
wiegenb ju betrad^ten.
SBegen ber grage, ob eß fid) empfiel^It, bie clterlidEjc ©ewalt cinfc^licfelid^
ber elterlichen Slugniefeung unter Umftänben über bie 3)tinberiä^rigfeit beß
Äinbeß fiinauß ju t)erlängern, wirb auf bie SKotioe ju § 1557 Scjiig gc^
uommen.
eiterliÄc ®öMlt. Suftanbigfelt. Snßalt. §§1501,1502. 729
3. 3n Äonfequcnj bcö Dormimbfc^aftlid^cn Äaraftcrö ber elterlichen «ermögen«.
©ctüalt finb bem ©ntiourfc bieienigen, bcm ueueftcn röm. SRcd^tc nod) an* ^^^Äinbe«.*^*
getjorenbcn unb rocnigftenö jum ^l^eil in baö gemeine Siedet übergegangenen
33cftimmungen, weld^c ftd) alö 3lußflu6 bcö a[tr5mifcf)cn Söegriffeö ber Däter*
Ii(Öen ©eroalt unb bcö bamit im engen S^fammen^ange fte[;enben romifd^en
gamilicngüterred)teö barfteUen, fremb. 3n Uebcrcinftimmung mit hcn neueren
©efe^bü^ern ge^t ber ©ntrourf inöbcfonbere baoon aus, ha^ baö ^auötinb
nid&t minbcr ücrmögetjöfä^ig ift, roie baö geroaltfreie Xlinb. Sftit bcm ©a^e
beö oItr5m. ätec^tcö^ bag baö ^auöfinb, roaö eö erroirbt, bem ^auöDatcr er?
wirbt, ift DoUftänbig gebrod^cn (ocrgl. prenfe. 21, S. dl II, 2 § 124; öften\ ®. ».
§ 149; fäd)f. ®. 33. § 1810). SDafe bicienigcn ©cgcnftänbe, meldte baö Äinb burd^
feine unter bic SSorfd^rift bcö § 1499 fallenbe 9lrbcit erroirbt, bem betrcffenbcn
(Sltemtl^cile crroorben werben (ücrgl. § 1518), ift fein 9luöp[u6 ber clterlid^en
©eroalt unb befd)rftntter aScrmögenöfä^igfeit, fonbern ergiebt fid^ auö ben
allgemeinen ©runbfäften. üRit ben neueren ©cfe{}gebungcn ift bem ®ntrourfe
femer bie 33eftimmung beö röm, unb gemeinen 9led)teö unbefannt, baft ber
^auöt)ater einen bem ^auöünbe angebotenen, ton biefem auögefd^lagenen @rroerb
für fid& mad^en fann, eine 33eftimmung, rocld^e ebcnfallö mit bem ^rinjipe
beö altröm. Sled^teö jufammen^öngt, bafe baö ^auötinb not^roenbigeö ©rroerbö«
organ beö ^auöüaterö ift. 5Dlit ber änerfennung ber üoUen 93ermogenöfäl)ig* ©o«. ^er-
teit bcö ^auötinbeö ift aud^ bem ^rinjipe ber fog. 5ßcrfoneneinf)eit, b. 1^. bem ^'^"*"""^'
Safte beö röm. SRed&tcö, bafe roeber burd^ 9lcd^tögefd5äfte noc^ burd^ anbcre
iuriftifd&e S^^atfa^cn jroif^en bem ^auöoater unb bcm ^auöfinbe eigcntlid&e
SRcc^töDcr^ältniffe begrünbet roerben fönncn, aud^ ein SRcd^töftreit iroifd^cn ben*
fclben nid&t mbglidf) ift, icber SBoben entjogen. 3iad^ bem ®ntrourfc fmb beö*
l^alb inöbcfonbere aud^ @d)enfungen beö ^auöoaterö an baö ^auöfinb guläfftg.
®amit ftimmen bie neueren ©cfeftgebungen (oergt. ferner für baö gemeine
SRe^t entf^. b. SR. ®. in Sioilf. XVI, 21; Sciiffcrt XLII, 307) ebcnfallö
übcrcin. 3»roicrocit ber 3nl^aber ber elterlichen ©eroalt bei SRedötögcfd^äften
unb Sled^töftreitigfciten groifd^cn i^m fclbft unb bem Stmbt von ber gefeftlid^cn
Vertretung auögcf^loffen ift, ergiebt § 1651 oerb. mit § 1503 3lbf. 1.
3la^ bcm SSorgange ber neueren ©efcggcbungen ^at ber Sntrourf aud^ vefuiienrei^t.
bic mit bcm ©croaltbcgriffe beö altröm. 9led)tcö jufammen^ängenbc, auf ber
Safiö ber äScrmögcnöunfä^igfcit bcö ^auöfinbeö erroad)fcne unb auf l)iftorifd^er
©runbloge bcniljcnbc ©intbeilung bcö Äinbeöoermögcnö in peculium castrense
unb quasi castren.se, ])eculiuin adventicium reguläre unb irreguläre nid^t Über*
nommcn; Diclmc^r unterfcl)cibet ber (Sntrouxf im Stnf^luffc an bie neueren ©cfeft*
gebungen (oergl. preufe. 91. 2. 9i. II, 2 §§ 147— 157 ; öftcrr. ®. Ö. §§ 149—151;
Code civü 2[rt. 384—387; fäc^f. 0. 33. § 1811; roeimar. ©ef. o. 27. aWärj 1872
§§ 4, 7 ; ^eff. ®ntro. III 9lrt. 25) nur jroifd^cn fold^cm SBcrmögcn bcö ftinbeö,
rocl^eö ber elterlid)en ^}{uftniegung, unb fold^em, roeld^cö ber Icfttercn nid^t
unterliegt (freieö 33ermögcn), be^ro. jroifd^cn fold)em SJermögen, in 3lnfel)ung
bcffen bem 3n^aber ber clterlid^en ©eroalt bic cltcrlid&e SBermögcnöuerroaltung
juftc^t, unb fold&em, in 9lnfel|ung befjcn bie eltcrli^e Söcrmögenöocrroaltung
auönol^möroeifc auögefcI)loffen ift (§§ 1510, 1516—1519). 3lud^ baö röm.
Snftitut bcö peculium profecticium, rocld^eö^ rocnnglcidö cö mit ber 9lnerfcnnung
730 ertcrlid&c ©ciralt. 3uftänbiöfett. Snltalt. §§ 1501, 1502.
bcr aScrmögcnöf/ü^igfeit bcß. ^auöfinbeß fcincörocgö uiwcrcinbar ift, bo6) mit bcr
im ttitröm. Siechte anerfnnntcn SBermogcn^nfä^igfcit De« ^auöfinbcö unb bcr
Icbenölänglic^cn Dauer ber Däterlid^cn ©erooft in engem 3*if«»«'wc'^^önge ftcl&t
unb ber baburd^ bebingten cigcntpmiid&cn Drganifation bcr romifd^en gamilic
feine Sntftel)ung unb Sluöbilbung üerbanft, l^dt feine Slufna^me in bcn ®nt^
murf gefunben. 35er Umftanb, bofe icncö 3nftitut in ben ©ebictcn bcd
gemeinen 5Red)teä foft gfinjlid^ unprnftifc^ unb, abgefe^en t)on bcm baijr.
2. 51. 1, 5 § 3, in feine ber neueren ©efeggebungen übergegangen ift, jeigt, bafe
boßfelbe ben bcutfd^en ©itten unb Slnfd^auungcn niddt entfprid^t unb ate ein
Sebürfnife nid)t empfunben wirb. Daß Snftitut ift um fo entbcbriiddcr, ate
einerfeitö bie eltcrlid^c Oewalt mit bcr SBoIIiö^rigfcit beö Äinbefi cnbigt, anbcrcr*
feitö baß 9lufgebcn beö rom. 5ßrinjipeö ber 5ßerf oneneinbcit, fowle bie 3lncrfennung
bcö ^rinjipeß ber freien ©teKücrtretimg unb bie ®runbfä|e oon ber 93iirg?
fddaft unb bcm Ärebitauftrage bie S3egrimbung äbnlid&er 9icd^töüerl|ältniffc
crmoglid&cn, \m flc baß peculium profecticium mit fid) bringt, rocnnglcid^ am
5uerfennen ift, ba% bie mit $ülfc iener SRcd^tßfögc ju bcgriinbcnbcn SRcd&tß^
ücrl&ftftniffe mit ben red^tlid^en ©eftaltungcn beö peculium profecticium imb
bcr mit biefem in SSerbinbung ftcfienbcn actio de peculio fic^ nid^t ooll*.
ftänbig bedfen.
Haftung für 4. 2Jiit bcm ^ßcfuftcnrcd^tc beö rom. JReddtcß unb bcr ganjcn familicm
be««tabSL" red^tlid^en Stellung beß römifd&en ipaußoatcrß gegenüber bcm ©außfinbc,
inßbefonberc eincrfcitß mit ber SSermogcnßunföi^igfeit beß lefttcrcn unb ber
Äonjentration alleß ©rmerbeß beßfelben in ber §anb beß §außoaterß, am
bcrcrfcitß mit ber SBcrpfli^tungßfä^igfcit beß ^außfinbeß, fiöngen ferner bie
^^sif^mT ^°9- ö^i^ftiäif^C" Älagen beß röm. JÄcddtcß (actio de peculio, tributoria, de in
rem verso imb quodjussu) auf baß ©ngftc jufammcn. ©ic bcjroecfcn, gcgcm
über ber Sonäcntration beß ©rmcrbcß beß ^außfinbcß in bcr $anb beß ^auß^
üotcrß bcn 9lnforberungcn bcr SiUigfeit unter gemiffen SBoraußfc^ungcn in
ber SBcife Slcd^nung ju tragen, bafe ber ^außoater auß bcn 9icd)tßgcfc^äftcn
beß J^außfinbcß in größerem ober geringerem Umfange I)aftt)ar loirb. 9Som
©tanbpunftc beß ©ntrourfcß auß pnb mit JRüdffid^t auf bie Orunblagcn, auf
meldten bie cftcrlid^c (Scroatt aufgebaut ift, unb im ^inblidPc auf bie all^
gemeinen ©runbföfee über bcn Sluftrag, bie SSoDmadjt, bcn itrcbitouftrag> bie
®efd)Sftßfüf|ruug o\)\k 9luftrag unb bie ungercd^tfcrtigtc S3ercid^erung bcfonbcre
Scftimmungcn über bie §aftpfHd()t beß 3nt|aberß ber elterlichen ©cmalt ate
foId)cn für bie @cfd&(Sftßfd)u(ben beß ^außfinbcß cntbc^rlid^. Damit ftimmcn
im 5ßrinjipc aud) bie neueren ©cfcfegcbimgcn übcrcin (ucrgl. preufe. 91. 2,91. 11,2
§§ 126—130; fädjf. ©.33. § 1825); bod^ ift in einigen bcrfclbcn bie oHcr^
in«H bingö praftif^ mistige grage, unter melden aSoraußfe^ungen ber aSater bcm
Tnfl®S?n^ Dritten, mcld^er bcm Äinbc Unterhalt gemährt ober jum 3roecfc beß Untere
*^"Äinb"" ^^^*^^ ^^^ ^^"^ ^^"^^ SWcd^tßgcf^äftc gcf^Ioj^en bot, jum ©rfafcc ocrpflid)tet
ift, in 9lnfnüpfung an bie actio de in rem verso beß rom. SRcd^teß bcfonberß
geregelt (oergf. preufe. 9f. S. SH. II, 2 §§ 129, 130; feid^f. ®. 33. § 1825).
9[ud) in bicfer ^infi^t reid)cn inbeffen bie allgemeinen ©runbföfee, inßbefonberc
bie Söcftimmungcn über bie ®cfd)äftßfüf|rung obnc 9luftrag unb bie ungcrcd^fc?
fertigte S3ercid)crung (oergl. namcntli^ §§ 753, 755 ©a| 2, § 758), fomic
eitcrlid&c ©clralt. Suftänbiofcit. Snl&alt. §§ 1501, 1502. 731
bic SBorfd^rift bcö § 1492 auö,. um bcm praftifd^en SBcbürfniffe ju genügen.
Um fo menigcr cmpfiel^lt eö pd^, für bcn ^all, ba§ ein Dritter einem ^auö*
finbc Unterwelt gemährt \)ai, bcfonbcre S3eftimmiingcn ju geben, al« blefetben
fragen {td& oud^ bann ergeben, n)cnn einem anberen Untcr^altöbered)tigten
ber Unterhalt nid^t ron bem rerpflid&teten SBermanbtcn, fonbcrn von einem
©ritten gemölirt ift. 3ln ber ^onb ber allgemeinen Orunbfäje in SBerbinbung
mit bcm § 1495 3lbf. 2 crlebigt [\ä) aud& ot)nc ©d^mierigfcit bic in ben ©e-
bieten bcfi gemeinen 9lcd()teö unb bcö prcnjj. 91. S. SR. ftrcitig geroorbene grage,
ob ber SJoter gegen ben ©ritten, wcldder bcm Äinbc ben not^igen Unterhalt
öcrfd^afft f)at, eine mirffamc ®inrebe barond entnel^men fann, bofe er baö
Äinb mit bem erforberlidben ®elbe u. f. m. t)erfe^en, baö Äinb aber bie i^m
gemöl^rtcn 2)HttcI onberroeit Dcrmcnbet fiobc (ocrgl. ©euffert IX, 306, X, 61,
XVII, 64 ; VLxÜ). b. 9?. ®. bei ®rud&ot XXV ©. 1029 ff., 1033 ff.). Soweit
na^ § 1495 Slbf. 2 eine aSorauöIciftung (oergl. § 1491 5ttbf. 3—5) jum
3n)erfc beö Unterhaltes für bic 3wf"iift ^^^ 3Serj)flic^teten befreit, ift bic ©in*
rebe begrünbet, ba inforoeit ber ©ritte bem SSerpfHddteten eine Sluftgabe nid&t
erfpart, benfclbcn t)on einer SBerbinblid^tcit nid^t befreit, mitfiin ein ©efd^äft
bes SBcrpflid^tetcn überfiaupt nid^t gcfül^rt f)at. ®incr befonberen Seftimmung
bebarf cö inßbcfonbere aud& für bcn ^all nid^t, in mcld^em ber SSatcr oorauö*
fe^cn fonntc, bQ§ fein Äinb bic bcmfctbcn jum ^xocdc beö Unter^alteß ge-
gebencn ÜJlittcI ocrfd^Iciibern ober flbcr{)anpt anbcrmcit ücrrocnbcn merbc
(ocrgf. 1. 16, 1. 10 § G D. de in rem verso 15, s), bo, fomeit ber SSatcr nad)
§ 1491 9lbf. 4, 5 bic grift für bic 93orauöIciftimg }u beftimmcn ^atte, bic
SSorauötciftung i^n von ber Untcr^altftpflid^t nur inforoeit befreit, ald bic
SBorauäleift'ung für eine angemcffene grift bcroirft ift (§ 1495 9lbf. 2).
©bcnforoenig mic für bic ®cf^äftöfd)ulbcn bcö ^ouöfinbcö l;aftet nad) ©ewt«*
bem entwürfe ber 3nt)aber ber elterlichen &maü afö fold&er für bic ^^t^^j!^
©diftöfd^ulbcn bcö ^auöfinbeö. ©amit ftimmt and) baö bcftcficnbe SRcd^t
überein. Ginc anbere gragc ift, inmicrocit ©Itcm wegen SScmadjIäffigung ber '
i^nen obriegcnbcn 9lufftd^t über baö Äinb (§§ 1504, 1506) auö bcm ©cficbtö-- ,
punftc einer iljncn fclbft jur Saft fallenbcn unerfaubtcn ^anblung für bic
©cliftc ber Äinbcr ocrantwortlic^ pnb (oergl. prcufe. 91. S. 5H. 11, 2 §§ 139 i
biö 146; Code civü 9lrt. 1384; föd^f. ®. S3. §§ 779, 1824, 1825). 3n biefer
^infid^t bebarf eö inbeffen im gamilicnrcc^tc feiner befonberen S3eftimmungen,
ba bic allgemeinen ©runbfäfcc über unerlaubte ^anbtungen (§§ 710, 713) in
auöreid&enbcr SBcifc SSorforgc getroffen ^aben.
SEBcgen ber befonberen aSorfd^rift beö fft^f. ®. 33. § 1826, bafe, wenn
ein Äinb ©d^trben jugefügt ober ein SSerbrcdjcn oerübt l;at, für ©d^abcnö^
erfafc, ®elbftrafe unb ftoften beö Strafoerfaljrcnö ober beö Slc^töftreiteö ber
©tamm bcö SJermögenö bcö Äinbeö ^aftet, bafe aber ber burd^ bcn Unterhalt
im ©efängniffc unb burd^ bic 93ertl[ieibigung bcö ftinbeö Derurfad)tc 9lufwanb
in ©rmangclnng eigenen aSermogenö bcö Äinbcö auö bcm bcö SSatcrö ju be*
jaulen ift, wirb auf bie 2«otioc ju § 1488 oben S. 697 unb ju §§ 1528,
1530, 1531 9lr. 5, 6 ocrwicfen.
5. SBom ©tanbpunftc beö ©ntwurfeö auö, nad& welchem bie efterlid&e ©«Wäft«'
©emalt mit ber SSoUiä^rigfeit beö Äinbeö enbigt, fommen neben ben aU* ^*Ä^*
732 ertcrli^c ©ctoalt. 3«ftanbiofeit. Sn^alt. §§ 1501, 1502.
flcmcinen SSorfd^riftcu über bic bcfd^ränftc (Scfd^äftöfäliiflfcit aKinbcriä^riflcr
(§§ 65, 66) bcfonbcre Seftimmunöen über bie S3ef^ränfung bcr (Sefc^äftö-
fdt)igfcit bejiD. bic ©ißporttionöfäljigfcit eiucä ^auöfiubcä alö foId)cn, wie f\t
im preu§. 91. 2. 5H. II, 2 §§ 125, 105, 166, im fäd)f. ®. 33. § 1821 unb im
gemeinen 9?cd)te fid^ fiiibcn, nid&t in grage. ®a bic aBir!fam!cit beö oon
einem minbcrjätjvigcn ^anßfinbe vorgenommenen 9lcd)tögefd^äfteß Don bcr
©inroilligung ober (Genehmigung beö 3nf|Qbers bcr elterlichen ©cmalt als beö
gefefclid^cn Sßertreterö beö Äinbeö abhängig ift (§§ 65, 1649, 1503 9lbf. 1),
bQö minberjä^rige ^auötinb oI;nc bie ©inroiUigung beö 3nf)abcrö ber cltcrlid)en
Oeroatt alö beö gcfcftlid^cn SSertreterö beö Äinbeö and& bie im § 67 bc*
ftimmte crroeitertc ©cfdjäftöfätjigfeit nid^t erlangen fann, fo ift ha& mit ber
elterlichen ®emalt Dcrbunbenc SRcd^t ber SRugniefeung am SBermogen beö Äinbeö
gegen ^eeinträd^tigung burd) SHed^tögefdjäfte ober Sicc^töftreitigfeiten beö Äinbeö
irofi bcr Seftimmungen ber §§ 1521, 1528 auöreid^enb gefd^üfet, unb aud) in
ben gällen, in meldten bem 3nf)aber ber elterli^en ©eroatt auöna^möroeife bic
aSertretungömad^t nic^t jufte^t (Dcrgl. §§ 1510, 1546, 1550, 1553, 1554, 1556,
1650, 1651, 1503 äbf. 1, § 1738 Slbf. 1), ift burd^ bie bef^ränfte Oefd^äftö*
fät)igfcit beö minberiä^rigen ^auöünbcö unb bie Sßot^roenbigfcit bcr SScrtrctung
beöfelben burd) einen anberen gcfcjfid^en SBertrcter ber ©efa^r einer Se^^
cinträd^tigung ber elterlid^cn ^lufeniefeung burd& boö ^auöfinb in genügcnber
2Beife uorgebeugt (t)crgl. § 1532). 3luö ben Seftimmungen über bie
befd^ränfte ®efd)dftöfä^ig!eit 5minbcriat)riger in Säcrbinbung mit ber SSor*
fddrift, bafe bic ettcrlid^e Ocioolt einfdjlicfelid^ ber clterlid)en 9lufenic§ung
mit ber SSoUici^rigfeit beö Äinbeö cnbigt, crgiebt ftdj) ferner oon felbft, bafe
ben ?Sorf^riften beö röm. unb beö gemeinen SJed^teö über ha^ S. C.
s. c. Mace« Macedonianum, meldte auf bem (SiHinbfabc ber aScrpflid^tungöföI)igfeit beö ^a\i^
finbeö in aSerbinbung mit ber aScrmögenöunfäljigtcit beju). bcr ©iöpofitionös
bcfc^rän!ung beö ^außfinbcö in 3lnfc^ung ber Stboentiäien unb mit bcr lebcnö*
(äugtid)en ®auer bcr oätcrlic^cn (Semalt berul^cn (oergl. aud^ mürttemb. 2. 91.
II, 28 §§ 2, 3; ba^r. 2. 91. IV, 2 § 4) fcber Sobcn entjogcn ift.
Beneficiam jj^j^ i)ic 93iUigfeitögrünbc, u)eld)c baö röm. 9lec^t einerfeitö im ^inblicfe
petoiltiae. ouf bic aScrpf(id)tungöfä^igfeit, onbcrerfcitö im ^inblidc. auf bic SSermogenö^
unf&^igfeit beö ^auötinbeö unb auf bie Suläffigteit ber ^ßerfonalcfcfution
Dcrantafet l^aben, bem Äinbe, nad^bem baöfelbc aM ber päterlic^cn Ocroalt
auögetreten ift, ol;nc babei einen betrad^tlid)cn a;]^eil beö rätfrlid&en 9Ser^
mögenö erl)alten ju l&aben, gegen bie auö ber 3cit ber uäterlidjen ©ewalt
t)en'ülÖrenbcn ©d&ulbcn, mit 9Iuöna^mc ber S)eliftöfd^ulben, eine ä^^t I^«8 i^^ö
beneficium competentiae ju 2^^eil mcrben ju laffcn, treffen nad) bem ©i)ftemc
beö ©ntiüurfeö nid^t ju. 3"^^"^ M* ^i^f^ (Sinrcbe ber Äompetenj aud^ ben
neueren ©efefcgebungen fremb.
«eiiament«. 2)0^ bic cltcrlid^c ©cioalt qIö fofdjc — abwciddenb uom röm. unb ge*
^*^Äu!be«.^** nxcinen 9led^te, aber in Uebereinftimmung mit ben neueren ©cfe^gcbungen —
auf bie a:eftamentöföl)igfeit beö öauötinbeö o^nc ©influö ift, crgiebt ber § 1912
(uergl. bic aJJotiDC jum 6rbredE)te).
^rojewa^ifl. 2)ie ^4Jrose6fäl)igteit beö ^ouöfinbeö rid[)tet fic^ nad) .§. 51 9lbf. 1 bcr
^"'" 6. ^. D. in aSerbinbung mit ben aSorfdJiriften beö (Sntmurfeö über bie
ertcrlt^c ©ctralt. Suftänbiofcit. Snlfealt. §§ 1501, 1502. 733
©cfc^ftftöfö^ifltcit ÜKinbcriä^rigcr (§§ 65, 67). S)cr 9lbf. 2 bcö § 51 bcr
€. ^^ D. ift nad^ bcm (Sntrourfc ßegcnftanböloö, ha bie clterlid^c (Seroalt ftctö
mit bcr gSoUifi^rißfcit beö Äinbcö cnbigt.
9Iud} in 9rnfef|inig bcr Dcliftöfö^igfcit mod^t bcr ©ntiuurf feinen Unter- ^jeiiftafd^tö-
fd)ieb äwifd^en ^auöfinbcrn unb gcnjaltfreicn Äinbcm (ücrgl. prcug. 31. S. dl '**^"
II, 2 §§ 134, 135 t)erb. mit I, 5 §§ 33—36 unb bem preufe. ®cf. über bic
®ef^äftöföf)ig!eit aWinberiä^riger v. 12. 3uli 1875 ; öfterr. ®. SB. §§ 152,
248, 866; fäd&f. ®. S3. §§ 1823, 1912). (gö finb in bicfer Sejieliung bic
allgcnicinen ©runbfäfec mafegebenb. Snroicrocit bie ©laubiger beö Äinbeö
awi) wegen 2)eIiftöforbcrungen if|re Sefriebigung aus bem bcr elterlid^en
9iugnie§ung untemjorfcncn SSermögen nertangen fonnen, barübcr oergf. § 1528
nebft aWotioen.
II. Das gcgenroftrtig in bcm größten S^l^cile ©eutfri^Ionbö [)errf^enbe 3«f»anbiflfett
Stecht !ennt ein doUcö burciigcbitbcteö clterliti^cö SSet^t nur für ben SSater, '*'S*^*"
nid^t für bie SKutter. 2)ie t)äterlic^e ©eroalt, ni^t bie clterlid()e ©eroalt, bilbet ^itera^e
bie ©runblage beö citerlidben 9led&teö. ©ine ber Dclterlid^cn ©eroalt grunb- ©«»«it ber
fäfeli^ gfci^fte^cnbe mütterliche ©eroalt ift bem gemeinen SRec^tc unb ben auf
gemeinrec^ttid^er ©runbfagc berul^enben neueren ©cfcggebungcn, inöbefonbere ®^f^t^**
bem preufe. 91. S. SR., bem oftcrr. ®. 33. unb bem fäd^f. ®. 33., unbetannt. 3m
SBergleic^e ju bem umfaRcnben Siechte, roelc^eö iene SRec^tc bcm SSater olö 3n*
l^aber ber Dfitcrlid^cn ®croalt einräumen, legen bicfelbcn nad^ bem 2^obc
bcö SBatcrö bcr ÜJlutter nur fe^r bef(^ränfte clterlid^e SSefugniffc bei. 9ln bem
(grjicliungörcd^te Ijat ftc einen gcroiffen 9Int^eiI, aber aud^ inforoeit ift fie mcljr
ober rocniger unfclbftönbig gefteUt. ®er ®d(|roerpunft beö ©rjie^ungöred&tcö,
roie bie ganje Sorge für baö 83ermogen beö Rinbcö, cinfc^lie§(id& bcr 93er*
tretung beö Icgtcrcn, gel)t uielmctir auf 'bic ftaatlid^cn Organe bcr SSormunb*
fddoft, ben 58ormuub unb bie Dbert)ormunbfd^aft, über unb nur in bcr ©tellung
eincö burd^ obrigfeitlic^cn S3eftcllungöaft berufenen SSormuubcö fann bie SWutter
bicienigcn Sefugniffe ganj ober t^eifrocife mittelbar erlangen, roelc^c bcm SSater
fraft eitcrnre^tcö juftc^cn. (Sin Siedet ber ^lufenießung am SScrmogen beö
Äinbcö ftefit bcr aWuttcr alö folc^er nur auönal)mörocife partifularrcd)ttid(| ju.
3m ©injclncn gcftallct fid^ nad^ biefer ®ruppc t)on SRed^ten bie ©tellung
ber ÜJhitter nad^ bem 2^obc beö SSaterö f olgenbermafecn :
9[nlangenb }unäd^ft baö Srjie^ungörcd^t, fo liegt baöfclbc gcmeinred^tlid^
nai) bcm 2:obc bcö SSaterö in bcr §anb bcr Dberoormunbfd^aft (1. 1 Cod. ubi
pup. 5, 49; 1. 1 D. eod. 27, 2). S)ic lefctcre ift aber infofem gebunben, alö bie
fähige SWutter einen Slnfprud^ barauf f|at, bafe il;r bic 9luöübung bcr ©r«
jicl^ung junäd^ft übertragen roerbe. ©oroeit bie SRutter nic^t juglcic^ 93ormunb
ift, roirb bcm SSormunbe beö Äinbcö ein gcroiffcr ©influfe auf bic ®rjief)ung,
aud^ rocnn biefc ber SRuttcr überladen ift, inöbefonbere ein 2lufftd^törcd()t, ein«
geräumt (t)crgl. ©cuffert XXXI, 247). 9lel^nlid& ift bie ©tellung bcr aJlutter
in 9lnfcl^ung beö ©rjie^ungörcd^teö nad) bcm roürttemb. Slcd&tc (uergt. roürttemb.
2. 31. IV, 11 § 1, IV, 12 § 1), bcm ba^r. S. 31. 1, 7 § 11 SRr. 3, bem preufe.
a. S. 91. II, 18 §§ 315, 320, 322, 326 (ücrgl. §§ 241—246, 237, 308—314),
ber preufe. SSorm. D. v. 5. 3uli 1875 § 28, bcm fäd^f. ®. 33. §§ 1875, 1886,
1923, 1924; bcm oftcrr. ®. 33. §§ 216—218, ber lübccf. 93orm. D. 0. 1820 § 26,
734 ertcrlid&e ©cwalt. Suftonbißfeit. 3n6alt. §§ 1501, 1502.
ber l^atnb. SSorm. D. o. 14. 2)cjcmbcr 1883 3lrt. 22 unb bem entm. bcr bapr.
aSorm. D. v. 1874 § 60. 9lad^ cinjelnen biefcv Ocfefegcbungcn, inöbefonbcre
nad& bcr praife. aSorm. D. unb bcm ©ntro. bcr bat)r. aSorm. D., ift icbod^ baö
©rjiclöwiigörcdjt bcr ÜKuttcr infofern unabl^ängicjcr unb fcftcr gcftaltct, alö i^r
baö Grjic^ungörcd^t, wenn aud^ unter 3luffid)t bcö aSormunbcö, unmittelbar
fraft bcä ©efefeeö juftc^t unb nur auö er^cblid^cn Orünben ron ber Ober-
t)onnunbf^oft entjogen werben borf. 3n t)erfd^iebencn fleineren SRec^tögebietcn
beö gemeinen Slec^teß, namcntlid^ in cinjelnen baririfd^cn Sanbeöt^cilcn (oergl.
and) Hppc^bctm. aScrorbn. v. 1786 §§ 17, 21, 22), Tmb bic aSBirfungen bet
aSormunbfd&aft auf baö ®riiel^ungörcci[|t ber 3Rutter überhaupt nid^t auö^
gebel^nt. @d gilt bied namcntlid^ ba, mo ber übericbenben äßutter, menn auc^
feine mütterüd^e ®croatt, boc^ bcr Seifig an bem Äinbcöücrmogen eingeräumt
ift ober fortgcfcftte Oütergcmeinfc^aft ftattfinbet. 3n ^ßreufecn fmb berartigc
partifularrcd[)tti(i)e Scfoubcrljcltcn in Slnfc^ung beö (Srjie^ungörcc^ted ber
äßuttcr burd^ bic prcufe. aSorm. D. v. 5. 3uU 1875 § 28 ocrbrängt.
Sic aSertretung bcö Äinbcö unb bic gcfammte aScrmögcnöocrnjaltung
legen bic ju biefcr ©ruppe gcljörenbcn JRcc^tc nac^ bem 2^obe beö aSaterö,
üorbe^altUd^ bcd ber SWutter fraft beö cl}elid^en (Süterrec^tcö , inöbefonbcre
eincö S3ei[tgrcc^teö ober bcr fortgefcfetcn ©iitergemeinf^aft, juftc^enbcn aScr*
TOattungö* unb aSertrctungörcd^tcö (ocrgl. preufe. aSorm. D. o. 5. 3uli 1875
§ 95), in bic iganb eincö bcm Sinbe beftcUten aSormunbeö; bod^ i)ai nad)
gemeinem SRed^tc unb bcr SRcIjrjaljt ber auf gcmeinrcd^tlid^cr ©runblagc bc*
ruijcnben (Sefcßgcbungcn bic äftuttcr ein oorjugörocifcö, mt\)t ober roenigcr
fcftcö Slnrcd^t, alö aSormunb i^rer Äinbcr bcftcUt ju merben (uergl. preufe.
2t. 2. JA. II, 18 § 186; preufe. aSorm. D. t). 5. 3uU 1875 § 17 SRr. 3, § 18;
ofterr. ®. SB. § 198; fäd^f. ®. SB. § 1890; Ijamb. aSorm. D. t). 14. 3)ejcmbcr 1883
9W. 7, 13; entm. b. bapr. aSorm. D. t). 1874 § 30 SRr. 3, § 34). 3nd*
bcfonbcrc fann nad& ber preu^. aSorm. D. a. a. D. in Ermangelung eincö uon
bcm aSater nad^ SUafegobe bcö § 17 Sßr. 2 benannten aSormunbcö bic aWutter
nur bann übergangen mcrbcn, wenn UmftÖnbc eingetreten finb, roeld&e i^rc
33cftcllung alö nad)t^cilig für bcn 3Künbcl erfd^einen laffen. 3n einer 3lnja^l
f Icincrcr SRcd^tögcbictc ift bic SWutter nac^ bem S^obe bcö aSatcrö olfine rocitcre
SefteUung gcfcglidjier aSormunb i^rcö Slinbeö (ocrgl. j. 33. lippcsbctm. SScrorbn.
t). 1786 §§ 17—22). 3n anberen fleineren SHcd^tögcbictcn, j. 33. in Sübccf
(aSorm. D. t). 1820 § 23 9ir. 3), ift bagegen bic aWutter uon bcr aSormunb*
f^aft gänjlid^ auögefd^loffen.
(Sin SRcd^t bcr SRufenicfeung am aScrmögen bcö Äinbcö ftc^t gemcinred^tlid&
unb nad^ bcn auf gemeinred^tlic^er ©runblagc bcrul^cnbcn ©cfeggebungen
bcr aßutter nid^t ju. ©icfcr ©runbfag mirb icbod^, jroar nid^t formell, ober
praftifdö nid^t uncr^cblii^ burd^broc^cn burd^ bic S3eftimmungcn bcö c^cUd&cn
©ütcrrcc^tcö, meldte ^äufig audjj bcr übericbenben SKuttcr geroijfc SRugnicfeungö*
rc^tc an bem uon bcm aSatcr bcn Äinbern jugcfaUcncn aSermögen gewähren, unb
burd^ 5a^lreid^c aSertröge, bnxä) meiere bcr SRutter gegen Ueberna^mc ber aSer*
pflcgung bcr Äinber bcr 93cjug ber ©infünftc bcö ÄinbcöocrmBgcnö überroicfen
mirb. yiad) cinjelnen SRcd^ten ]it\)t bcr übericbenben SKutter aber aud& unab*
ijcingig von bem ftatutarifd^en, b. f|. güterred^tlid&cn, JUefebrauc^e bcö über«
erteriicfee Octoalt. 3«ftänbiofeit. Snfcalt. §§ 1501, 1502. 735
lebenben ©Regatten ber gefeglid^c ^iegbrauc^ an bcm SSermögcn bed ftinbefi
ju (üerfll. roürttcmb. 2. 91. IV, 9 § 2, IV, 11 § 1, IV, 12 § 1; otteub. (Srb^
folflcgcf. 0. 6. aprit 1841 § 66; erbfolgcgcf. für ditxi^ \. S. t). 10. S)c^
jcmber 1853 § 61; fc^njarjb. f onberö^. ©ufjeffionöorbn. o. 8. 3)ejember 1829
§§ 139—143 ; olbcnb. ®cf. v. 24. 3lpril 1873 ärt. 44 unb v. 10. Sonuar 1879
Sil. 42). 3n benicnigcn preufe. fianbeßt^cilcn, in n)el(^cn, loic j. S. in 9Joffau,
bcn (Sltern bic gcfefeUc^e ^lufenicfeung am SBemtögen ber Äinbcr bid^cr juftanb,
pnb biefc Scfugniffc burcft bic prcufe. SSonn. D. (oergL § 95 baf.) nid^t bcriil^rt.
3m ©cgcnfafec jum gemeinen Sled&tc unb ben ouf bicfem bcru^cnbcn
©efcfegebungen ^at pd^ in einer gröfecrcn 9lnjal&l von ?ßartifutan:ed^ten oer*
fc^iebener SC^eilc SJeutfcblonbö, nomenttid^ in folc^en Ocbieten, in meldten baö
el^elid^e ©üterred^t bem über(ebcnben ©Regatten meitgel^enbe SBermaltungö^ unb
Slufcniefeungörcd^tc an bem gcfommtengamilienoermögen gemöl^rte, eine ber üäter-
lid^en ©ematt mefendgteid^e, nadf) bem 2:iobc bed ^aterd eintretenbe mütterliche
©croalt entroidcU, welche baß ^tcd^t ber @rjief|ung, fomie ba& ditä)t ber SBer*
toaltung imb 9{u^ung beö ftinbeßoermögend einfd^UegUd^ ber gefeglid^en
SBertretung bcö Äinbeö in bcmfelben Umfange, in welchem blefe Sefugniffe
bem SBater jufte^cn, umfaßt unb ba^er bic 3lnorbnung einer SSormunbf^aft
über bie jtinber nac^ bem 2;obe beß äSaterß außfd^Uegt. @ine folc^e müttcr^
lid^e ©eroalt ift namentlid) in einer SRci^e bapr. Statuten anerfannt (oergl.
gntro. ber ba^r. 83orm. D. u. 1874 § 2), fentcr für 9leu§ L 2. burd^ bie 33erorbn.
t). 2. 3uli 1864 § 2, foroie burc^ baß rocimor. ©cf. o. 27. aWörj 1872 über
bie elterliche ©eroalt, roeld^cß bm ©ebanfcn einer ber cltcrlid^en ©eroalt bcß
SBaterß gteid^fte^enbcn mütterlid^cn ©croalt felbftänbig burcbgebilbet ^at. 93on
ben neueren ©efcfebüd^ern ift es ferner Dor 9niem baß franj. SRcd&t, roeld^eß
bic red^tlid&e ©Icid^ftellung ber übcrlebenben SWuttcr mit bem übcrlebenben
SBater für ein groftcß 5Hcd^tßgebiet in ber $auptfad()e burc^gefcfet ^at. 9Jad^
bcm Code civil ftef|t baß Äinb, folange beibe @ltern leben, unter ber clterlid&cn
©eroalt bc« SBatcrß (ärt. 372 ff., 384, 385, 389). SBirb bie e^e burd^ ben
Zob ber aRutter aufgelöft, fo roirb ber übcrlebenbc SBater üon SRed^tßroegen
SBormunb ber Äinbcr unb ^at baß SRcd^t ber SBcrmögcnßoerroaltung unb
ber SBcrtretung ber Äinbcr nur in ber ©tcHung eincß gcfeftlid&cn SBormunbcß
(SCrt. 390). ©aneben oerbleibt if|m alö Slußflufe ber clterlid^en ©eroalt baß
@riiei|ungßred()t unb ber eltertii^e ?2iegbraud^ am Vermögen beß jlinbeß. 2)ie
gleid^e Stellung bcß gefeglid^en SSormunbeß unb aud^ bie übrigen bcieid^neten
eltertid&cn Siedete ^at, roenn bie 6^e huvä) ben 3:ob beß Sßaterß aufgelöft roirb,
bic übcrlebenbc SWutter ; bod^ ftc^t i^r baß Siedet . ju, bic aSormunbf i^aft ab«
julc^nen, unb fann ber SSatcr i^r einen SRat^geber beiorbnen (Slrt. 372 ff.,
SCrt. 384, 385, 390—394). Sluf ber ©runblagc beß code civU ^aben fobann
ber ^eff. (Sntro. III Slrt. 18—40 unb bad itat. @. ». ärt. 220—239 bie
cttcrlid^c ©croalt unb bie ©teidöftcBung ber SWutter mit bcm SSatcr in ber
Sri burd^gcfü^rt, bafe fic einerfeitß bie elterliche ©eroalt bcß SBaterß beim
a^obe ber SKutter nid)t ju einer fontrotirten SBormunbfc^aft abfd^roäd^en,
anbererfeitß ber SRutter nac^ bem 2^obc bcß SJaterß bic üoUe elterlid&e ©croalt
einräumen. 9lac^ bcm ital. 0. 33. 9lrt. 235 fann jeboc^ ber 3Sater aSorfd^riften
über bic 6r}icl|ung unb SScrroallung geben, von roeld^cn bic a)}utter of)ne
736 ®rtcrli(öc ©emalt. Suftanbiöfcit. 3n6alt. §§ 1501, 1502.
©enelimigung bcr oormunbfdöaftlid&cn Sluffid^töorgane nid)t obrocid^cn barf.
Ein 33erjici^t auf bie cltcrlidjc ©eroaft ift ber SWuttcr fo wenig naä) bcm f)e?f.
©ntiD. ate mä) bem xial ®. 33. gcftattet; a\xä) ftcl)t bem SSatcr baö 9lcd)t,
einen SWatfigcber ju ernennen, nid)t ju.
®er bax)v. &nivo. einer SSorm. D. t). 1874 § 2 trägt bem Dorjugöroeifc
in bai)r. Statuten Wufig üorfommenben SSer^öItnifJc einer mütterlid^en Oeroatt
baburd) auöbrüefUd^ SRedfinung, bafe er biefelbe, wo jie beftefit, aufrecht erlfiält.
dagegen ift burd^ bie prcufe. SSorm. D, §§ 11, 95 in beren ®ettungögebietc
bie mütteriid)c Oemaft, roo fie biöfier beftanb, alö fotd^c befeitigt unb bie
5Wutter uorbcl;aItIid^ ber Sefugnijfe, meldte (Sttern ober ®l[iegatten fraft gefc^
lieber 5Ru|nie6ung am SSermögen ber Äinber ober fraft e^elid^en ©ütcrred^tcö
juftefien, auf ia^ JHec^t ber (Srjie^ung unb baö oorjugßroeifc Slnred&t auf
Uebertragung ber 33ormunbfd^aft (oergt. oben ©. 734) befd&räntt. 3nSbefonbere
f)at aud^ in ber prcufe. 9lf|einprot)inj bie SWutter bie Stellung cincö gefcfelic^en
SSormunbeö oertoren.
©tanbpunft 2)er (Sutmurf ift bei ber (Sntfd^eibung ber ^^ragc, meldte Stellung bcr
cittwurfe». SKutter gegenüber x\)xzn fiinbern nad^ bem J^obe beö SSaterö einjuröumen ift,
baDon ausgegangen, ha^ mit ber grunbfäjlid^ anerfannten ooUen ^anbtungö«
tw <w\«n"^ f^'^^Ö^^^* ber grauen auf bem ©ebiete beS ^rioatrcd&teä junäd^ft jebe 91ötl[|igung
wegfällt, btn grauen ba, roo fie nad^ ben natürtidjcn JJer^ältmffen jum
§anbe(n berufen finb, biefcö ^anbetn ju oerfagcn. S)ie9 fü^rt bal^in, bie
SWuttcr, roenn nac^ Sage ber SSerfjättniffe bie natürliche clterlid^e Sd^u^pflic^t
in Slnfel^ung il^rer Äinber an fie Ijerantritt, aud^ red^ttid^ bem 95atcr grunfes
fäfelid) gleid^juftellcn. Solange beibe ©Item leben, tritt boö clterlid^e SRed^t
ber 3Jlutter jurüdf. S3ei bcfte^enber ®^e ift baä Uebergemid^t beö 35atcrö in
bcr 5Ratur ber 2)inge bcgrfinbet, unb mu^ i^m, t)orbcl)altlid^ bcö 9lnt^eilcS
bcr 3)hittcr an ber Sorge für bie ^erfon ber Äinber nad) SRafegabc bcö
^^»aifbe?** § 1506, bie elterlid)e Ocroalt beigelegt werben, ^zwn aber ber SSater geftorben
TOutter iia($ ift , fo ift Co bic SWuttcr, roeld)er nad) ber 9latur ber S)inge bie elterliche
^'^ttUrV^'* S^ufepftic^t, wie biefelbe bisher Don bem 58ater ausgeübt würbe, jufäUt, unb
entfprid()t eö biefer natürlichen ^^flic^t, wenn i^r audd red^tlid) eine biefer 5ßfli(^t
entfpred^enbe, ber Stellung bcö SSatcrö grunbfö^lidb gleidj)fommenbe elterlid^e
Stellung eingeröumt wirb, ©ö liegt ätoar bcr ©inwaub na^e, bafe eö etwas
älnbercö fei, bic grauen für befähigt ju crtlären, i^ren eigenen Oefd^äftcn
üorjuftcljen, unb ftc für geeignet ju Ijalten, frembc (Sefcl)äftc mit ©rfolg ju
füljrcn, bafe uielfad), bcfonbcrs in ben l)ö^cren Stönben, ben grauen bie
n5t{)ige ©inftd^t unb Erfahrung fel)lc jur Uebernal)me bcr oft fd)wierigen
®efcf)äftc bcr SSermögcnöocrwaltung, bafe itjncn bie männlidjc Äraft unb
9lutorität mangele, 'weldje bic ©rjieljung ber Äinber erforbcrc, mit anbercn
SBortcn, bag cö praftifcf) 93ebcnfcn unterliege, nadb bem 2'obc beö 'JBaterö bcr
aJlutter bie ooUe eltcrlid^c Stellung einjuräumen, weld^e if)r im ^rinjipe oor?
äuent^alten fein Orunb oorlicgt. S)icfcm ©inwanbc gegenüber ift aber barauf
Ijinju weifen, ba^ eö nid)t cigentlicf) frembc (Scfd^äftc finb, beren 93cf orgung
ber ajJuttcr l)icr übertragen werben foH, bafe cö fid^ t)iclmel)r um bie Sin*
gclcgcnl)eiten iljrer nä^ften 3lngel)örigen, ilirer Äinber, f)anbelt. ®d ift nid^t
ein öffentltd}eö 9Imt, burd^ welches ber aWutter frembc (Scf^äftc Don aufecu
eiterli^c @cm\t Suftanbiöfeit. Sn^alt. §§ 1501, 1502. 737
überroicfcu werben; t)iclmef)r l^anbelt ed fid^ roefeutUd^ bod^ nur um eine ©r-
lüciterung i^rer familienrc^tUc^cn Stellung, um eine voUzxt (Seftaltung il^reö
j^auöfroulid^en unb mütterlld^en Serufcä. 2)ie aWutter foU nid^t aus iljrem
natürlid&en Serufc ^erouögel^oben, fonbern im ©cgent^eil nur ron ©d^ranfen
befreit werben, weld^e fie bisher in ber ©rfüBung bed H)v eigenen SBerufeß
beengten. 3)em ©ntrourfe liegt nid^tö ferner, als ber Oebantc ber fog.
©manjipation ber grauen. @r qt\)t t)ielmel^r t)on ber ©rroägung auö, bafe
boö aWifetrauen, meld&eö frühere 3al[irl[iunbertc in bie göl^igteit ber grau ju
einer Dolten ©rfüDung ii^reö clterlid^en Serufeö festen unb bei ber Unfic^er^eit
ber 3«ftSnbe, ber ©d^roierigfeit ber 9Jed()tdücrfolgung u. f. m. Dielfad^ fegen
mußten, nad^ ben SSerl^ältniffen ber ©cgenroort nid^t me^r bered^tigt ift. Sen
t)om praftifi^en ©tanbpunfte au0 fi^ erfiebcnben Sebenfen ift ein entf^eibcnbcö
©eroid^t nid^t beijumeffen; in btn weitaus meiften gälten fann bie g&^ig-
feit ber äHutter jur Uebernol^me biefer Dolleren ©Itcrnpflid^t nid^t mo^l
in 3n>^ifcl gcjogen werben. Die große aWelirjalil ber gälle aber ift es,
welchen boö SRed&t feine SRegel ju entnehmen ^at, wäl^renb für bie geringere
3af|t ber SlnönaJ^mefälte in auöreic^enber aSBeife bur^ befonbcre Seftimmungen
SSorforge getroffen werben fann. ©erabe oom praftifci^en ©tanbpunfte auö
ift eö weniger ju cmpfel^len, wegen ber t)erl^altni6mäßig feltenen gälle bie
großen SSorjüge ju opfern, weld^e bie 3lnerfennung ber elterlichen ©ewalt ber
aWutter für bie große SDlel^rial^il ber gälle bietet (t)ergl. aRotioc b. preuß. SSorm. 0.
V. 1875 ©. 63). Snöbefonbere ^xnb ed audj) praftifd^e SSort^eile, wcld^e bie
Slnerfennung ber elterlid^en ©ewalt ber SKutter mit fid^ bringt, ©ie füljrt
ju einer großen SBereinfad^ung ber 5Berl)ältniffe. SBie fie cinerfeitö bas innere
gamilienleben vox ber fid& einbrängcnben (Sinmifd&ung üormunbfd^aftlid^er
Sfufftd^töorgane bewahrt, fo Derminbcrt fie anbererfeilß in er^eblid^er SBeife
bie ©cfd&äfte ber aSormunbfd^aftßgerid^te, cntlaftet bie burd^ bie neuere ©efcj*
gebung auf anberen ©ebieten mel^r afe frül^er in 9lnfprud^ genommene 2:^ätig«
feit ber ©taatöbürger auf bem ©ebiete ber SSormunbfd^aftöoerwaltung unb er?
fpart fo nid&t allein bem ©taatc, fonbern aud^ ben ftinbern unb ben ©taatö-
bürgern nid&t uner^eblid^e Sloften unb Sludgabcn. 9lid&t ju rerfennen ift, baß bie
Slnerfennung ber elterlid}en ©ewalt ber SHutter für umfafjenbc SRed^tögebiete
eine große Steuerung enthält. 3ndbefonbere fällt gegen ben ©tanbpunft beö
Entwurfes fd[)wer ins ©ewid^t, baß bie preuß. 33orm. D. t). 5. 3uli 1875 Se?
benfen getragen l^at, biefcn ©d^ritt ju tl)un, unb bie bei ber S3eratl[iung jcncö
©cfefceö in biefer SRid^tung geftellten 2lnträge nid^t burd&gebrungen finb (ocrgt.
93erid&t ber ^erren^außfommiffton o. 1875 3lx. 39 ©. 24, 38; S3eri(^t ber
Äommiffion beö 3lbgeorbnetenl(iaufeS § 12 v. 1875 9lr. 311 ©. 1846; SBer^^
l^anbl. beß ^errenl^aufeö o. 16. SWörj 1875, 10. ©iftung ©. 124, 125).
Slllein nad^ ber ©rflärung ber Slegierung im J^errenliaufe finb eö in ber
^auptfad^e, wie eö fd^eint, 9lüdEfid^ten auf bie SSerljältniffe ber öftlid^en Sanbcö«
t^eile gewefen, wel^e bie preuß. ©efeggebung abgel^alten liaben, fid^ in biefer
grage bem 3^8^ anjufd^ließen, weld^em anbere neuere ©efeggebungen oorjugö'
weife gefolgt fmb. gür bie ©efefegebung beß SReid&eß fallen inbcffen biefe auß
ben 3wftänben einjelner Sanbeßtlieile beß preuß. ©taateß entnommenen ^c^
benfen, felbft wenn biefelben für biefe Sanbeßttieile in bem Doraußgefcfeten Um*
SRotiM |. bflrgerl. «efefbuc^. IV. 47
738 eiterltd&c ©eiralt. Büftänbiöicit. Sn^alt. §§ 1501, 1502.
fange begrünbct fein foDten, ocrl^äItm6mä|ig roenigcr inö ©eroic^t, als für bic
Oefeggebung beö prcufe. ©taateä. 2)aä 5Heid& fann nid^t barauf Dcrjid^tcn,
feine (Sefe^gcbung naä^ bemjenigen 3uf^nittc ju geftalten, weld^en ber SSilbungö-
juftanb feines SBoItcS im (Svofeen unb ©anjen oerträgt unb erforbert; es barf
es roagen, bic etwa in ber ©ntroidelung jurücffte^enben 58olfStf)eile mit fic^)
fortjujieljen. 9lber jene 33ebenfen fönnen in fo l|ol[iem aWafec als begrünbct
überhaupt nid&t anerfannt werben. 6rfaF)rungsmäfeig pflegt in einer weniger
fortgefd)rittenen Scüölfcnmg bic grau l^intcr bcm 2)lanne an inteDeltucllcr
Begabung !eincsroegs jurüdEjuftelien. 3tn Durd^fd^nittc ift ber SilbimgS-
juftanb in ©eutfd^lanb jubcm geroi^ fein geringerer als berienigc ber
romanifd^en Sänber. .^at in biefen Säubern bie aWutter fic^ ber i^r burd^
bie bortigc ®efc|gebung geftelltcn Slufgabc geroad^fen gejeigt, fo ift cö aud&
für bie (SJcfcfegebung beö 3Deutfdj)en üHeid&eö praftifd^ unbcbenflid^, bie elterlid^c
©eroalt ber SKutter anjuerfennen, üoUenbs, wenn man mit bem ©ntmurfc
(§§ 1538—1543) geroiffe fafultatioe 6inf(^ranfuugen ber cltcrlid^cn (Seroalt
ber SWutter jutägt, ©infd&ränfungeu, für welche ein Sebürfnife roeit me^r in
bm aSerl^ältniffen ber Isolieren ©täube, als in bencu ber niebereu ©täube
liegt. 3n granfreic^ erl)oben ftd& bei ber S3cratl^uug bes code civil in ber
^ier fraglid^en 9iid&tung ä^nlic^e 33ebenfcu. 2Ils ein Si^fl^ftönbuife an bic
legtcrcn würbe in bas ©efe^ bic 33eftimmung aufgenommen, bafe ber aSater
bered^tigt ift, ber SKutter einen SSat^geber beijuorbnen. 3wi Oebietc ber
preufe. 9J^cinprot)inj \)ai jcbod^ bas praftifd^c Sebürfuife faft niemals baju
gcfüfirt, uon biefem 3lusfunftsmittcl ©ebraud) ju mad)eu (rergl. aWotioe ber
preufe. 33orm. D. ©. 63), ein 3^^^^^"/ ^^6 in biefem ©ebietc bie SÄuttcr fid^
ber if)r geftellten 3lufgabe gcroad&feu gezeigt l|at. 3)iefclbc ©rfal^rung ^at
man, fouiel befannt, aud^ in benicnigcn bcutfd^eu Sled^tsgcbicteu, in meldten
eine mütterlid^e ©eroalt anerfannt ift, in Dollem SHafec gemad^t.
(giteriid^e 3lod) ciu ©inmaub, roeld^er gegen bie 3lnerfeunung ber elterlid^cu ©eroalt
ÄutS ^^ 3)lutter erlioben roerben tonnte, bebarf ber SBerüdEfid^tigung. 9tad^ § 1502
ift mit ber elterlichen ©eroalt aud^ bie elterlid^c Slufeniefeung am SSennögen
bes ÄinbeS oerbunben. ©egen bic elterlid^c Siufeniefeung ber überlebenben
SRutter loffcn fid^, roennglcid^ in geringerem SWafee, äl)nlic^c Sebcufen gcltcnb
mad^en, roie biejenigcu, roeld^c gegen bic Slnerfcnnung eines burd^ @rbrcd[|t
ober boö eliclid^c ©ütcrrcd^t bcgrünbctcn SJicfebraud^eS bes überlebenben (S^c-
gatten an bem SJermogen ber Äinber fpred&en, roeld&cs bic lefeteren oon bem
uerftorbcuen (S^egattcn geerbt \)abtn. 9Kon fann namentlid^ auf bie Un?
Suträglid^feiten ^inroeifen, rocld^c fid^ ergeben fönnen, roznn von mel^rcren
Äinbern bas eine ooUiäl^rig gcroorben ift, bicfes jur Uebernal^mc ber üäter-
lid^en SBirtl^fd^aft geeignet fein roürbe, eine fold^e Ucberna^mc aber in golgc
ber 9hifenic§ung ber SKutter an beu SSermögcnSont^eilen ber übrigen uod()
minberiäl^rigen Äinber auf ©d&roierigfcitcn ftöfet. Snbcffen, roenn man einmal
ber ÜKutter aus überroiegenben ©rünben im Ucbrigen grunbfäfelid^ bie gleid^c
Stellung einräumt, roie bem aSater, fo fann man aus bcnfelben ©rünben, ous
roeldjen ber ©ntrourf mit ber elterlid^cn ©eroalt beS SSaters bie clterlid^c 9lnp
niefeung oerbinbet, aud^ ber aWutter bic elterlid^e SWufenicfeung nid)t ocrfagcn.
2)aju fommt, ba% bei normalen SBerl^ältnlffen, rocld^e eine ©olibarltät ber
61terli*c @malt 3uftanbiöfeit. Snßalt. §§ 1501, 1502. 739
3ntcrcffeu bev ®ltcrn unb bcv Jtinbcr mit fic^ bringen, bic angcbcutcten
©ddroicrigfcitcn im aSBcgc bcr SScreinigung ber S3ctf)ciUgten ifirc Söfung
finbcn werben.
aSon ber grunbfäfelic^cn ©leid^fteDung bcr c{tcrUcf)cn SHedjte bcr SDlutter naä) »«*
bcm 2;obc bcö aSaterö mit bcn elterlichen SRec^ten bcö SSatcrö ma^t bcr ©ntmurf blTeilS^^
- abgefe^cn von ben in ben §§ 1538—1543 für bie etterlid^e ©croalt bcr ®^'»«" |>"'
^iDJnttcr beftimmten SJcfonbcrliciten — nod^ infofern eine 9(uönal)mc, qIö im
©cgenfofee jn ber clterlid^en ©ewalt bcö SBoterö (§§ 1548—1551) bic cltcrlid^c
Oeroatt ber SKutter baburd^ beenbigt mirb, bafe bie aWutter eine neue 6^c
fd&Iiefet (§ 1558). SBegcn ber Orünbe, auf meieren biefe Slbroeid^ungcn in
bcr ©cftaltung bcr elterlid^eu ©cwalt bcr 3)tutter bcruficn, mirb auf bic
aWotioc ju bcn §§ 1538, 1558 oermiefen. 3n ben anotit)cn ju § 1538 finb
a\xä) bic ©rünbe bargctegt, auö meldten bcr ©ntmurf ber aJlutter baö SRcti^t,
auf bic eltcrlid}e ®croalt ju ücrjid^tcn, nid^t beigelegt l^at (Dcrgl. § 1561).
®ie 3tegel bcö § 1501 2lbf . 2 , bafe bie cltcrlid^e ©ematt erft nad^ bem etcuun«
S^obe bes »aters ber aJlutter juftel)t, erlcibet gewijfe 3lußna^men. 3n einjelnen „orbeTxTbc
rocnigcn gällen l^at bcr ©ntrourf ber 3Wutter bic elterliche ©croalt einfC^liegtid^ ^^ «a*«s-
bcr cl|clid)cn Jhiftniefeung fd^on üor bem Silobc bcö SSatcrö eingeräumt (uergl.
§ 1557 2lbf. 2, 3, § 1559 2lbf. 2 t)crb. mit §§ 1440, 1464, 1558, 1560, ferner
§ 1564). Slufecrbcm ftcl^t in bcn roi^tigften gällen bcö SHu^enö bcr elterlid^cn
ökioalt beö SSaterö bie eltcrlid&e Ocroalt mit äluöna^me ber bcm SSater ücr*
bteibenbcn clterlid^en Jlufeniefeung ber aJhittter ju (§§ 1554, 1555). 3m
Uebrigen tl^eilt bie 3Hutter bei Scbicitcn beö SSatcrö nur in einem gcroiffcn
Umfange bic Sorge für bie 5ßerfon bcö Kinbcö (§ 1506). 3)ic cltcrlid)c
©eroalt ift, folangc bcibc ®ltem om Sebcn finb, uicftt alö bcrgcftalt bcibcn
6ltern gcmcinfam juftel^enb gebadet, ba§ bic 3)hittcr in eine iebe entftcl^enbc
iJüdEc eintritt.
IIT. SBie bie S^ffung beö § 1501 crglcbt, fcnnt ber ©ntmurf nur eine crteru^e
elterlid&e ©croalt, eine ©cmalt beö SSaterö ober ber SRuttcr über baö minbcr:^ Ster"
iät)rigc Stinb, nic^t, mic ba& röm. SRed^t (1. 4, 6 D. de his qui sui 1, e ; uergl.
aud& mürttcmb. 2. dl. IV, 22 § 6; bapr. 2. JR. I, 5 § 1, § 7 5Rr. 6, 7) eine
üätcrtid^c ©eroalt beö uäterlid^en ©rofeüatcrö über feinen ©nfel. 3)ie Sin-
crfenuung einer fold^cn bcn neueren ©cfefegebungen (uergl. preufe. 33orm. D. u.
5. 3iili 1875 §§ 11, 17 3lv. 5; föd^f. ®. ». § 1808; ofterr. ®. ». § 147; code
civil 3lrt. 372, 373; roeimar. @cf. u. 27. aKärj 1872 § 17) unbe!annten grofe*
elterlichen ©eroalt im röm. SWed^te l)ängt mit ber röm. gamilienorganifation,
ber Icbenölänglid&en Dauer bcr uäterlii^en ©eroalt unb bcm uorroiegenb t)cr==
mögenöred^tlid^en Starotter bcr Icfetercn jufammen. 3ft ber 3ttl|aber ber cltcr*
lid^en ©croalt nod^ minberjä^rig (§ 1233) unb bcölialb felbft nod^ unter bcr
clterlid&cn ©eroalt feineö aSaterö ober feiner 3Kuttcr (uergl. §§ 1557—1559,
1509, 1536), fo rulit bie clterlid&e ©eroalt roä^renb ber aKinbcriä^rigfcit (§ 1554)
unb roirb, foroeit nid^t nad^ § 1555 an ©teUic bcr ru^cnben elterlid^en ©eroalt
bcö minberjäl^rigcn SBaterö bie elterlid^e ©eroalt ber uoHia^rigen SRuttcr tritt,
eine SJormunbfc^aft über bie Äinber beö minberjälirigcn 3nl^abcrö ber elter^
lid^en ©croalt eingeleitet (§ 1633). 2)ie ©rofecltcrn ^aben nad^ §§ 1635,
1637 icbo^ ein oorjugöroeifcö 9lnred^t, alö SSormünber beftellt ju roerben.
47*
740 erterli^e @cn>alt. ©oröc für bic 3>erfon uub ba§ SBermöocn. § 1503.
2. ©orgc für bic ?ßcrfon unb baö SScrmögcn bcö Äinbeö.
§ 1503.
Knioenbunfl 2)ie Seftitttmung bc8 § 1503, toeld^e bic bort bcjcid^nctcn SBorfd&riftcn
«orSdftcn bcö SBormunbfd^aflörcd^tcö auf bic cltcrlid^c Ocroalt für cntfprcc^cnb anrocnb*
Id^ftSer ^^^ erf tärt, ift eine Äonfequcnj bcä Dormunbf(i5oftüd^en Äaraiftcrö ber Icfeteren
unb burd^ bic Slnalogic bcr SJer^ältnijfc gered^tfertigt. SBcgcn ber naiveren
S3egrünbung wirb im SlUgcmcinen auf bic aJlotioe ju ben bctrcffcnbcn, im
§ 1503 attegirten SSorfd^riftcn 33cjug genommen, unb ift ^ier nur nod^ gofgcnbeö
l^eroorju^eben:
«crtretunfl«. 1. ^nroicTOcit waö) ben beftc^enben Siedeten ber Snl^obcr ber elterlichen
^^^^' Ocroalt gcfejtid^er SBcrtreter beö minberiölirigen Äinbeä ift, würbe bereits in
ben aWotioen ju §§ 1501, 1502 oben S. 722 ff. bargelcgt (ücrgl. inöbef. für boö
gemeine SRed^t entfci^. b. 91. ®. in Sioilf. XV, 41, 42). 9lad& bem ©ntrourfc
ift, mic bic gefeßlid^e S8ertretungömad(|t beö SSormunbcö, fo aud^ bic bed 3n*
{)abetö ber clterlid^en Oeroalt nad^ aufeen l^in prinjipieE eine unbcfc^rfinfte,
\oxüo\)l auf bem ©ebietc ber Sorge für bic ^^Jerfon, afe auf bcm ©ebietc bcr
©orgc für baö Sßermögcn, unb nur inforoeit auögefd()Ioffen ober bcfd&rfinft, alö
bic« im ©efc^c bcfonberö beftimmt ift (oergf. § 1503 rerb. mit §§ 1649—1651,
1653, 1661; §§ 1507, 1511—1515; § 67; § 1232 Slbf. 2 oerb. mit § 1238
9(bf. 4; § 1248 Slbf. 1, §§ 1254, 1263, 1265; §§ 1267, 1271, 1276 oerb. mit
§ 1254; § 1277 3lbf. 5, § 1341 9lbf. 2, § 1431 3lbf. 2; §§ 1451, 1476 ©afe 1
Dcrb. mit § 1254; §§ 1474, 1588, 1589, 1600, 1612—1614, § 1629 äbf. 5,
§§ 1630, 1911, 1912, § 1933 3lbf. 1, §§ 1941, 1942, § 1948 3Ibf. 4, §§ 1957,
1958, 1960, 2020, 2043, 2044, 2094 3lbf. 6). gSBegcn bcr Orünbc, auö roeld^cn
ber ©ntrourf, namentlid^ aud^ auf bcm Ocbiete ber ©orgc für baö SBcrmögcn
beö Üinbeö, üon bcr Unbcfd^ränftf)cit ber SBcrtretungömad^t auögct)t unb bic
lefeterc nur burd^ bic 3lufftcIIung cinjefner beftimmter, greifbarer Sategoricen
befc^ränft, wirb auf bic 3Kotit)e ju § 1649 ocrroicfcn.
Kuefc^iieBung Slntangcub indbefonbere bic Sluöfd^Iicfeung bc« 3nl[iaberß ber eltcrlid^cn
*^lflen" ®emalt von bcr gefefelid^en SScrtrctung beö Minbcö im gatte einer ÄoEipon
Äonifion b« bcr 3ntcreffen (§ 1503 t)erb. mit § 1651), fo entfprid^t eine folddc 3[uö*
gntercffen. j^j^jj^^yj^g jj^ Slllgcmcinen bcm beftcljcnbcn 9lcd)te (oergf. bai)r. S. 91. I, 7
§ 38 9lr. 1; prcufe. 31. S. 9t. II, 18 §§ 28-34; öfterr. ®. ». §§ 271, 272;
Code civil 3lrt. 420; fäddf. ®. SB. § 1827; meimar. ©ef. t). 27. üRärj 1872 § 9).
®ic Scftimmungcn beö ©ntrourfeö gc^en icbod^ jum Soweit TOciter. ^9lamcntlid&
ift nod^ preufe. 9led^tc bcr SSatcr bei ©ef^äften, meld&c feine ^auöfinbcr unter
einanber abfd^licgcn, an bcr ®rtf|cilung bcr ©inmilligung nid^t be^inbcrt,
mälirenb nac^ bem ©ntrourfc (§ 1503 t)crb. mit § 1651 9Jr. 1) ber 3nl)aber
bcr elterlid^cn ®cmalt bei fold^cn 9led^tsgefd^öften feine Rinber nic^t vertreten
unb baf)er ju folgen 9led^tögcfd^äftcn aud^ feine ©inroiBigung ober Qit-
nel[imigung (§ 65) mirffam nic^t crtf)cilen fann.
@in genügenbcr ©runb, in bicfcr Sejicl^ung baö ^rinjip ber ©leid^?
ftcBung beö 3nl[iaberö ber eltcriid^en ©ematt mit bem 33ormunbc ju burd^*
bred^en unb burd^ fafuiftifd^c aSorfd^riften für ben 3nl[iaber ber cttcrlid^cn
erterli^c ®en)alt. ©oroc für btc ?Vrfcn unb baß SBcrmogcn. §1503. 741
Ocroalt cliüaö Scfonbcreö ju bcftimmcix, liegt icboc^ nidjt üor. 33ic ©r^
toägungcn, auf wcld&cn bic Scftimmungcn beö § 1651 berufen, treffen oud^
für bcn Snl^aber ber eltcrüd^en Oeroalt ju (ücrgl. bie aJlotioe ju § 1651).
©afe burd& bie Uebertrogung jener Seftimmungen ouf bie elterlid^e Oeroalt,
nomentlid^ foroeit biefelben ben ^nl^aber ber elterlid^en (Seroatt t)on ber gefegt
lid&en 3Sertretung bei 5He(i^tögefcl^äften jroifd^cn bem Kinbe unb einem anberen
Slbfömmlinge beß 3nl^aberfi ber ellerlid^en ©eroalt auöfd^liegen, ju tief in bie
©elbftänbigfeit unb bie natürlid^e Stellung beö Snl^aberö ber elterlichen
©ewolt gegenüber feinen Jlinbern eingegriffen unb eine ju weit gel^enbe ®in^
mifd^ung S)ritter in bie gamilienoerliältnijfe Dcranlafet werbe, ift ni^t ju
beforgen.
2. S)ie Slnroenbbarfeit ber SBorfd^rift beö § 1653 auf bie clterlid&e ^sntf^eibutt«
©eroalt ift für folc^e götte t)on SBebeutung, in welchen bem Sn^aber ber ^'^i^'^T^i:''^*
etterlid^cn ©eroalt auönal^mdroeife bic ©orge für bie ^erfon ober bic ©orge ««««^tc«.
für baö SSermögen bes Äinbeö nid^t jufte^t unb bedl;al6 bie eine ober anbere
einem Pfleger übertragen ift (r>ergl. §§ 1510, 1546, 1550, 1553, 1738). 2)ie
beftcfienben Siedete cntljalten in biefer Sejic^ung befonbere Scftimmungen nid^t.
3. ®le entfpred^enbe Slnroenbung bes § 1660 fü^rt bal&in, bafe über bie «norbnwnflcn
aSerroaltung ber Jßermögenögegenftänbe, roeli^e baö Äinb burc^ ©rbfolge ober fV^^inoe"'
burd^ SBermäd()tni6 ober als ^flic^tt^eil ober burd^ S^w^^i^^^ng unter fiebcnbcn «^"»«i*»««-
crroirbt, Don bem ®rblaffer burd^ Icfctroillige SSerfügung begro. von bem
3uroenbenben burd^ SBeftimmung bei ber 3ww)cnbung nad^ aJlafegabc beö
§ 1660 aud^ für ben 3nt)aber ber elterlid^cn ©eroalt, fei bieö ber ^ater ober
bic SWuttcr, binbcnbe 9lnorbnungen getroffen rocrbcn fönnen. 33ie befte^enben
SRed^te befc^rönfen fic^ auf 33orfd^riften barübcr, inroieroeit berartige für ben
SSormunb getroffene Slnorbnungen üon biefem ju befolgen finb (oergl. bie
üHotioe ju § 1660). S)er rormunbfd^aftlid^en ©runblagc, auf roeld&er ber
©ntrourf bie elterlid^e ©eroalt aufgebaut l^at, entfprid^t cß inbeffen, bie SSor*
fd)riften beö § 1660 aud^ auf bie leßtcrc ju übertragen. 35ßegcn ber ©rünbe,
TOcld^e ben ©ntrourf bcftimmt l;aben, bem 93ater nid^t bie Sefugnife ein*
juräumen, traft feiner clterlid^en ©eroalt unb als 9JadS)roirfung ber leßteren
für bie SWuttcr als S^^aber ber elterlid^en ©eroalt berartige binbenbe 2ln^
orbnungen ju treffen, roirb auf bic SRotioe ju §§ 1538, 1655 oerroiefen.
4. 3n ben befte^enben SHed^tcn finbcn ficb befonbere 33eftimmungen sc^enfmtßcn.
barübcr, inroieroeit eine Sddcntung t)on bem Sn^aber ber elterlichen ©eroolt
für bod Äinb ober Don bem lefeteren mit ©inroilligung ober ©enel^migung beö
3nl)abcrd ber eltcrlid^cn ©eroalt oorgenommcn rocrbcn fann, in ber SRcgel
nid&t (oergl. 1. 2 Cod. de bonis quae IIb. 6,6o; roeimar. ©cf. u. 27. SDJärj 1872
§ 6). 3)em oormunbfd&aftlid&cn Äarafter ber cltcrlid^cn ©croalt entfpridjt eö,
in bicfcr 83ciicf|ung biefelben Scftimmungcn ju treffen, roie für bcn SSormunb
(§ 1661). 3(nlangcnb bie im § 1661 Safe 2 beftimmte 2lufinal^mc, fo t)cr*
fte^t eö fic^ oon felbft, bafe bei Scantroortung ber grage, ob nad^ ben S8er^ält=^
nijfcn beö Äinbcö eine ©d)cnfung burd^ eine fittlidjc ^^jpidjt ober bic auf ben
Slnftanb ju ncl^mcnbc 9lü(ffid^t gcrcd^tfcrtigt roirb, aud) bic aScrmögenöoer^ält?
nif[c beö Äinbcö in Setrad^t ju jic^cn finb unb bag insbcfonbcre ber Snliabcr
ber clterlid^en ©croalt, foroeit bemfclben an bem Vermögen beö Äinbeö bic
742 eiterlid&e ©civalt. ©orgc für Me 3)crfon uub ba8 aSermögen. § 1503.
clterli(j&c 9lufenie§ung juftc^t, auö biefem SScnnögcn fold^e ©d^cnhingcn nid^t
madden fonn, roeld^c ein orbentlid^cr ^ouöoater nidjt oud bcm ©tommc fcineö
SScrmogcnö, fonbem auö bcn laufcnbcu ®innal)men }u mad^en pflegt. Donad)
werben bie göDe, in roeld^cn eine ©d^enfung anö bcm ©tarnnie befi ftinbcß*
tjermögenö burdS) ^ine fittlid&c ^ßflid^t ober bic anf ben Slnftanb ju neljmenbe
SKüdfid^t gcred^tfertigt roirb, önfeerft feiten fein, ©in Sebürfnife, in ^Slkn
biefer SÄrt bie SBirtfomfeit ber ©d^enfnng von ber ®enel|mignng beö 58or*
munbfd^aftögerid&teö abl^ängig ju mad^en, liegt für bic eltcrlid()e Oeroalt
ebenforoenig t)or, roie für bie SBormunbfd^aft (oergf. in biefer SBcjiel^nng bie
aRotioe JU § 1661).
^vmnhmQ 5. <^\^ cntfpred^cnbe Slnroenbung beß § 1662 ift cbcnfallö eine Äonfequenj
««im^öfien be« bcö oormunbfd^afttid^en ÄQrafterö ber elterlid^en ®en)att unb burc^ bie SRüdfrid^t
Äinbc« in auf bie ©id^erlfieit bcö Äinbeö geboten, ©ine üKobififation crleibet bic Siegel,
SS^en" bog ber 3n^abcr ber eltcrlid&cn ©eroalt SBcrmögendgcgenftSnbe bcö Äinbcö
ni(^t in eigenen Siufecn oenücnben borf, icbod^ burd^ bie S3cftiinmungcn bcö
§ 1523 3lbf. 2, 3 in 3lnfc^ung fold^cr ücrbraud^borcn ©ad^en, roclc^e }u bcm
ber eltcrlid^en ^Jujnicfeung unterliegcnbcn 95crmogen bcö Äinbcö gcl^oren
(ncrgl. äKotiüc ju § 1523). @in praftifd&eö Scbürfnig, bic S3eftimmungen
beö § 1523 3lbf. 2, 3 oud^ auf baö nic^t ber clterlid^en 9?ufenie§ung, ober
ber SSerroaltung bcö Snl^abcrö ber cltcrlid^cn aScnraltung unterTOorfene
äJcrmögcn beö Äinbcö auöjubc^nen (§§ 1516—1519), liegt nid^t oor.
3)urdd baö jnjifd^cn bcm 3"f)öbcr ber eltcrlid^cn ©croalt unb bcm Äinbc
befte^enbe nal|c 33erl[|ältni6 loirb eine fold^e, bcm bcftcl^enbcn Steckte jubem
unbetanntc Segünftigung bcö erftcren nid^t gered^tfertigt.
«nieguHö ber ß, 2)ie Untcrmcrfung beö 3nf|aberö ber elterlid&cn ©croalt unter bie
flcböretlbe« SSorfd^riftcu bcf §§ 1664, 1665, 1667 über bic ^Anlegung von aRünbclgclbcrn
Weiber, j-^^j^f j{|g{jg j^jj ^^j^ Dormunbfd^aftlid^cn Äarafter ber cltcrlii^en ©emott, t^cilö
mit ber a3eftimmung beö ©ntmurfeö, ha% auf bic cltcrlid^e Slufenicfeung an
oerbraud^baren ©ac^en bic SBorfc^riften ber §§ 1018—1020 über ben Slicft-
braud^ an uerbraud^baren ©a^en feine Slnmcnbung finben foDcn (§ 1523), im
3ufammenl^angc unb ift burd^ bic SRüdffid&t auf bic ©id^erlicit beö Äinbcö um
fo met)r geboten, alö ber Slnl^aber ber elterlid&cn ®croalt, oon Slnönal^mcfänen
abgefcf)en, mcber in feiner (gigenfd^aft alö SSerroaltcr nod^ in feiner ©igcufd^aft
alö 9lu^nic6cr beö Äinbcöocrmbgcnö jur ©ic^crl)eitöleiftung ocrpflii^tct ift
(§ 1524).
«ufHaümc 7, gine bcm § 1659 entfprcd^enbe SBorfd^rift l^at ber ©ntrourf für bcn
«ermb^eue. :3nl|öber bcr elterlichen Oeroalt nid^t gegeben. 2)cr Icfetcrc foD, t)orbe^altlid)
iHT^cic^niife«. geroifier 9luönal)men (§§ 1547—1551), roeber in Slnfebung bcö bcr clterlidden
^lujnicfeung unterliegcnbcn SBermögenö bcö Äinbcö (§ 1522), nod^ in Sin-
fcl)ung bcö freien, aber feiner SScrroaltung unterliegcnbcn SSermögenö bcö
.Stinbcö jur 9lufnal)me eincö SBcrjctd^niffcö unb jur ©inreid^ung cincö fold^cn
öeiteube« an ba^ SBormunbfd^aftögerid^t Dcrpflid^tct fein. 2)amit ftimmen baö gemeine
^'** SHed^t (©cuffcrt XIT, 44, X\'II, 258) in ainfcl^ung foroof)l bcö adventicium
reguläre alö beö adventicium irreguläre, baö bai)r. 2. % IT, 9 § 6 3lx. 7
unb baö preu§. 91. S. 91. roenigftcnö in 9lnfel;ung bcö ni^tfrcien Äinbcö-
uermögenö übevein. 3n 9lnfcl)ung bcö freien 3Sermögenö ift bcr 33ater nad)
eiterli^c ©ctoalt. ©orge für bic g>erfon imb ba« SSermogcn. § 1503. 743
prcu§. a. S. 31. II, 2 § 159 t)crb. mit II, 18 §§ 984, 990 inuentorifationö^^
pPid&tig. Uebrigcnö ift cö ftrcitig, ob unb iniDicroeit bic lanbrcd^tlid^en 33e?
ftimmimgcn über ba^ dttd)t bcö SSotcrö auf bie üonnunbfd^aftlid^c aSeriüaltung
bcö freien Sßertnögcnö bnxä^ bie preufe. $?ortn. D. t). 5. 3;uli 1875 überf)aupt
ald befeitigt ausuferen finb. 3lad) ber preu^. 5Borm. D. §§ 12, 35 ift ber
SSater ate gcfefclid^er Jßormunb feines burd^ SSerl&eiratl^ung, getrennte §quö^
^oltung ober ©ntlajfung auß ber Dätertid^en ©eroalt getretenen minberjäl^rigen
ftinbeö oon ber 5ßfCid^t jur Slufna^mc eines aSermögenöDerjeid^nijfcö befreit.
3)agegen liaben anbere neuere Oefeßgebungen bem 3nl)aber ber eltertid^en ©e-
TOalt eine fold&e ^^i(i)i ganj aflgemein auferlegt (t)ergt. code civil 9lrt. 600,
601, 384, 385, 451; fäd&f. ®. ». § 1813; roeimar. ®ef. v. 27. Tl&^ 1872 § 12;
Ifibetf. aSorm. D. t). 1820 § 43 ; l[iamb. aSorni. D. v. 14. ©ejember 1883 ärt. 6, 24;
brounfd^ro. »erorbn. v. 6. a»ai 1828 § 1). Der l^eff. ©ntro. III 3lrt. 30 oerpflid[|tet
baö aSormunbfd^aftögerid^t, bafür ju forgen, ba§ baß ben Äinbern bei fiebjeiten
beiber @Itern ober eineö ©Itemtl^eileö anfallenbe 58ennögen von Gelang ur^
funbtid^ feftgefteDt werbe. §ier unb ba, fo in einjelncn S^fieilen t)on ^olftein,
Don Äurl^effen (t)crgt. anä) bapr. S. SR. I, 5 § 5 3lx. 4), finbet ficb ferner bie
Seftimmung, bafe roenigftenö beim 2:obe ber SRutter ein 5Berjeid(ini& auf*
genommen werben foll.
SBenngleiti^ für bie Snüentarifationöpfliciöt beö 3nf)aberö beu elterlichen etanbpunfi
©croalt fi^ anführen läfet, bafe baburd^ bie ©idjier^cit beß Äinbeö ex\)ö\)t wirb e„troi*rff8.
unb ein oielleid^t gebotenes ©infd^rciten beö SSormunbfd^aftsgeridited nid^t
bapon abböngig bleibt, ob baß le|tere oon einem 93ermögenßanfaQe an baß
Äinb jufälliger SBeife Äunbe erlangt l|at, bafe ferner ein S^^ücntar bie
©runblage für bie bem 3nf)aber ber elterlid^en ©eroalt bei Seenbigung
ber leftteren obliegenbe SRec^nungßlegung (§ 1503 t)erb. mit § 1700 3lbf. 1)
bilbet, fo fpred^en boc^, ljingefcl[ien auf baß auf Siebe unb 33ertrauen
gegrünbete JBerl^ältnife jroifd^en ©Item unb Äinbern, fomie auf bie grofeen
Seläftigungen unb bie ©inmifd&ung beß 93ormunbfc^aftßgerid^teß in baß Snnere
beß ^amilientebenß , meldte mit ber 3nt)entarlfationßpflid^t üerbuuben finb,
übermiegenbe ©rünbe bafür, bei normalen SSerljältniffen üon einer folc^cn
^liflid^t abiufe^en. 3)ie Seftimmung einer fo tief eingreifenben Äontrolmaferegel
paftt nid^t ju bem allgemeinen ©runbfafte beß ©ntmurfeß, bafe ber Sn^aber
ber elterlid^en ©cmalt oon ber Dberauffid^t beß SJormunbfd^aftßgerid&teß in ber
Siegel befreit fein foll. gür ben gall ber Seerbung eineß in ©ütergemein-
fd[|aft lebenben ©Iternt^eileß burd^ bie Einber (oergl. §§ 1382, 1384, 1386,
1387, 1434) mürbe jubcm ber befonbere Uebelftanb fid& ergeben, bafe ber über^^
lebenbe ®lterntl^eil ben 33eftanb beß ©efammtguteß, mithin aud^ fein eigenes
SJermogen offen ju legen l^ätte, ein ©rgebnig, welches für ben gall ber 3lm
ertcnnung ber Snoentarifationßpflid&t beß 3nl[iaberß ber elterlichen ©emalt alß
Siegel Slußiml^imeoorfc^riften nötl)ig ma^en mürbe. 3)afür, bafe in folc^en
fällen, in meld&en baß Äinb SBcrmögen ermirbt, roeldbeß nid^t ber aSermaltung
beß Sn^berß ber elterlid&en ©emalt unterliegt (§§ 1510, 1738 9lbf. 1), baß
i^ormunbfd^aftßgerid^t unoerjüglic^ Don bem aSermögenßanfalle Äunbe betommt
unb in ber Sage ift, fofort eine 5ßftegfcbaft anorbnen ju fönnen, ift burd^ bie
i^orfc^rift beß § 1738 9lbf. 2 geforgt.
744 ©rterlid^e ©ehjalt. (Soi'öc für bte 5)erfon unb fcaß ffiermoflen. § 1503.
©i(^er^eit9- 8. ©benfoTOeiug, wie bie Sitoenlarifationdpflid^t, liegt bem ^nl^abcr bcv
leifiung. ^^^^i^^^j^ ®mali waä) bem (gntrourfe als SRegcl bie aSerpflid^tung ob, tDegen
öeiicnbc« beö feiner elterüd^cn 9lujnie6ung unterliegenbcu aSermögcnS bcö Sinbcö (§ 1524)
ober Toegen beä freien, aber feiner aSerroaftung untcrlicgenben 93crmögenö beö?
felben bem festeren ©id^erfieit ju leiften. ®ieö ift aud^ ber ©tanbpunft beö
gemeinen SRed^teö (oergt. 1. 8 § 4 Cod. de bon. quae IIb. G, si ; ©euffcrt XIX,
238, XX, 48, XXIX, 147 ; entfd^. b. dl 0. in ßioilf. X, 42 ©. 150) unb
ber neueren ©efefcgcbungen, roenigftcnß in 9lnfe^ung bcö nid^tfreien Äinbeö«
Vermögens (oergl. preufe. 31. 2. 9i. II, 2 § 178, II, 18 §§ 992, 993; ba^r.
2. 91. II, 9 § 6 3lx. 2; code civil STri. 601 ; fäd&f. @. 33. § 1814; meimar. ®ef.
0. 27. 3Wärj 1872 §§ 13—15). dagegen beftimmt ber ^ef|. (Sntn). III 2trt. 30,
bofe naä) bem S^obe eineö ©tterntl^eiles ber überlebcnbe 6ttemtl)eil regelmäßig
für boß in feiner SßerroaÜung befinblid^e Äinbcöoermögen ©id^erl^eit befteUen
miiffe. ^m 2lnfd^luife an baä gemeine SHed^t, meld^eö ben Äinbern ein gefcg-
lid^cö ^ßfonbred^t an bem 93ermögen bcö SSaterö gemalert, räumen inbeffen
oerfd^iebene neuere ©efe^gebungen ben Äinbern allgemein einen gcfefelid^cn
2:itel }ur SBefteUung einer §i)potl[ief an ben Immobilien beß SSaterß ein (ocrgl.
baDr. ^ppot^efengef. v. 1. 3uni 1822 § 12 9lr. 7 ; roürttemb. 5ßfanbgef. v.
1-5. Slpril 1825 3lrt. 33; meining. 5ßfanbgef. d.15. 3uli 1862 Slrt. 14; l^ieff . barmft.
^fanbgef. o. 15. September 1858 § 15, lefttereö jebod^ nur nod& J^rennung ber
6^e burd^ 2^ob, ©d^eibung ober tliatfäd^Iid^e S^rennung), roöl^renD onbere
(Sefefegebungcn ben Äinbern einen fold^en 2;itel nur unter befonberen 58orauö=
fegungen, im galle ber (Sefä^rbung beö Äinbeßoermögenö, geben (ocrgl. prcufe.
21. Ä. SR. II, 2 §§ 178, 187, 463; fäd^f. 0. 33. §§ 1814, 1815, 391; mcimor.
®ef. ü. 27. mävi 1872 §§ 13—15; ^eff. ©ntro. III 9lrt. 31, 32 t)ergUd)en mit
ben 3Kotiocn ju IV 3lrt. 40—41) ober jroifd^en bem freien unb unfreien
JünbcSoermögen in ber 9lrt unterfd^eiben, baß ben Äinbern ein Siedet auf SSe:=
ftellung einer ^^potl^ef in 9Infel)ung beö crfteren unbebingt, in älnfe^ung beö
ieftteren nur unter ©infd&ränfungen eingeräumt ift (altenb. §r)pot^. D. t).
13. Dftober 1852 § 37 ; .^^pot^. D. für SReufe \. S. v. 20. 9iooember 1858 § 37 ;
^Xjpotf). D. für 3leu6 ä. 2. t). 27. gebruar 1873 § 39; Dergl. aud^ fd&marjb.
rubolft. ^^potld. D. D. 6. Suni 1856 §§ 17—19). S)ie beutfd&c Äonf. D. ge^
mäl^rt nad^ näf)erer 93eftimmung bcö § 54 5lr. 5 (oergl. baju ®ntfd^. b. 9t. ®.
in ßioilf. XVII, 10) ben Äinbern nur ein SBorjugöred^t roegen i^rcr gorbc*
rungen an ben ©emeinfd&ulbner in Slnfel^ung if)reö gefeglidj) ber Sßerroaltung
beöfelben unterworfenen 33ermögenö.
etanbDunft Siefelbcu ®rünbe, xodijt ben ©ntmurf beftimmt ^aben, ben SSormunb
cntiDurfefl. regelmäßig Don Jeber ©id^erl^eitöleiftung ju befreien unb bem 5Dtünbel einen
gefegtid^cn 2:itel jur Seftellung einer ^ijpotljef an ben Immobilien nid^t ein*
äuräumen (oergl. bie SKotioe ju § 1689), treffen aud) bei ber elterlid^cn (Seroalt
JU. ©iefelben roerbcn l)ier nod) erl^eblic^ oerftärft burd^ bie 9tüdftd^t auf baö
natürlid^e unb nal^c 9Ser{)ältniß jroifd^en ®ltern unb Jlinbern. ®aju fommt,
baß ber ©ntrourf in anberer 9lrt, nameutlid^ burc^ bie Scftimmungen über
bie eltcrlid^e 9lugnießung an rerbraudjbarcn ©ad^en, an gorberungen, Slfticn
auf Sn^aber, ®runbfd)ulben unb ©igentljümerl^^pot^eten (§§ 1523, 1526) unb
über bie entfpred)enbe 9lnroenbbarfeit ber- aSorfd)riften über bie Slnlegung von
eitcritdjc ©ctoalh (£ovöc für bic ^Vcfon unb baf^ Scnnöoen. § 1503. 745
aKüiibcIflctbcrn (ocrgl. § 1503 STbf. 1 t)crb. mit §§ 1664, 1665, 1667), bcu
Jlinbcrn eine größere ©id^crl^eit im SScrglcid^e ju bem bcfte{)cnben 9led)tc
geitJöl^rt ^ot Unter bcfonbcrcn a5orauöfc|uugcn tarn inbeffcn and) naä) bem
©ntrourfe bcr Su^abeu bcr cltcrlid^en (Scmolt jur ©id^erlieitölciftung an*
gegolten werben (oergf. §§ 1524, 1547, 1549—1551). S^i blefen 3ruänaf)me^
fäDen rcd^net ober ber ©ntrourf nid^t aud^ ben %aU, menn nur nod^ ein
ßlterntl^eil am 2eben ift. @ine befonbere ©efä^rbung beö Sinbeö fann in
biefem galle unter fonft normalen SBcrl^ältnifjen n\ä)t o^ne SBeitcreö ancrFannt
werben, S5a§ üRifetrauen gegen ben überlebenben ®Iternt^ei(, mcldjeö barin
fid^ funbgeben würbe, Xöcnn man benfelben allgemein für üerpflid^tet erFlörcn
wollte, Sid^erlieit ju leiften, ift nid^t geredjtfertigt unb wiberftreitet bem natür;:
lidjen ©efü^le.
9. 2)a6 auf bie auö ber ©orge für bie ?ßerfon unb baö SBermögen bcö «erbinb.
Äinbeö jwifdien bem ^nl^aber bcr elterlid^en ©ewalt unb bem Äinbe ent^^fewöe^ür
ftel^enbcn gSerblnblid^feiten bie SBorfd^riften ber §§ 1696—1698 unb beö § 1700 ^»« ^«'1''"^
3l6f. 1 entfpredjenbe 9lnwenbung finben follen, entfpridjt bem rormunbfd&aft^ "" mögen. "'
lid&cn Äarafter ber elterlidjen (Sewalt. SBie bei ber SSormunbfd^aft (oergl.
§ 1688 3lbf. 2), fönnen bic l)icr fraglid^cn Slnfprüd^e beS 3n^aberö bcr elter==
liefen ®ewatt ober bes Äinbeö, fofcrn beren Erfüllung an ftd^ fd^on üor
SBeenbigung ber elterlidben Oewalt oertangt werben fann, aud^ wälirenb beö
Scftel^cnö ber le^tercn geridjtlid^ verfolgt werben ; bod^ ift nad^ § 168 bie Sßer=
iä^rung wä^renb biefer 3^^*/ überl^aupt wälirenb ber 3Äinberiä^rigfeit beö
Rinbcö, gel^cmmt.
3m ©injclncn ift nod^ ^otgenbeö ju bemerfen:
a) S)a6 ber 3nl)aber bcr eltcrlidden ©cwalt in 9Infcl^ung ber (Erfüllung ^a^tunß für
bcr i^m oblicgenbcn SScrbinblid^fciten für bie 3lnwenbung ber Sorgfalt eines ctnefoÄ-
orbcntlidjen ^ausoatcrö haftet (§ 1503 3lbf. 1 t)crb. mit § 1696 9lbf. 1), fte^t "*^" *«"«-
jwar nic^t mit ben Söeftimmungcn bcs gemeinen Jled^tcß über bie ipaftpflid^t
beö SBormunbeö, aber mit ben SBeftimmungen biefcö 9ted^teö über bie $aft^
pfli^t beö aSatcrö wegen beö feiner SSerwaltung unb Jlugung unterliegenben
Rinbcöoermögcnö unb im SBcfentlid^en aud) mit ben SBorfd^riften beö preufe.
91. S. SR. im (Sinflangc; bod) foH nad^ ben Icgtercn, foüiel bie Haftung ber
}u bem nic^tfreien SSermögen beö Äinbcö gcl)orenbcn Kapitalien betrifft, bei
ber S3eftimmung beö Orabcö bcr aScrfd)ulbung auf bic perfönlid^e ^öliigfeit
unb ®infid|t beö SBatcrö 9lücfftd|t genommen werben (ocrgl. preufe. 91. £. 91. II, 2
§§ 276, 281 ücrb. mit II, 1 § 595, I, 21 § 132, 11, 1 §§ 554, 555, ferner
II, 18 § 275, preufe. SSorm. D. §§ 11, 32). S)aö franj. SRcc^t ent||ält in bcr
^icr fraglid^en S3cjiel)ung feine auöbrücflid^c SSorfdirift. S)arauö folgt, bafe
ber 3nl)aber ber elterlid{)cn Ocwatt, foweit er bie Stellung eincö ^Jlicftbraud&crö
^at, wie biefer, foweit er bic Stellung eincö gcfe6lid)en 93ormunbeö l|at, wie
ein Söormunb, bie Sorgfalt eincö orbcntlid^cn ^auöoatcrö anjuwenben I)at
(Dcrgl. Code civil 9lrt. 601, 450, 389, 390). S)iefelbe Haftpflicht trifft ben
ajotcr troft feiner üftterlidden SBormunbfd^aft nad) bem l^amb. dic6)ic (ocrgl.
Ijamb. SSorm. D. v. 14. ©ejember 1883 9lrt. 6, 19). S)aöfelbe ift für baö
ofterr. ®. 93. anjunclimcn (oergl. § 228 baf.). Sagegen ^aftet nad^ bem
fä# ®. 93. §§ 1817, 1949 unb bem wcimar. ®ef. v. 27. m&xi 1872
746 Slterli^e ©etoalt. ©orgc für bie ^erfon unb baS Sermoocit. § 1503.
§§ 11, 42 bcr SBatcr, rote bcr SBormunb, nur für bie Slnroenbung ber Sorg-
folt, Tücl^e er in bcn eigenen Slngelegen^eiten anjtiroenben pflegt.
S)er @nttDiirf gc^t baoon aM, ba^ a\i^ ber nati'irlid^en ©runblage ber
elterlid&en ©eroalt ein auöreid^enber ®riinb, in ber ^ier fraglid&en Sejiel^ung
bod ^rinjip ber ©leid^fteUung beö 3n^öberd ber elterlid^en ©eroalt unb beö
SBormunbeö ju ©unften beö erfteren ju burc^bred^en , nici^t entnommen
roerben fann.
«entnfuiifl^}. b) 9lnlangcnb bie cntfprcd^enbc Slnroenbung beö § 1G97, fo Derfteljt eö
vmt' p^j^ ^jjjjj j^(5j^^^ jjQ^^ foroeit bcm 3n^Ql>er ber elterlid&en ©eroalt bie elterlid&e
^lufeniefeung jufte^t, t)on einer Si^f^J^Jö^li^ng feine !){ebc fein fann, ba er bie
3infen ju jaulen unb ju empfangen l(iaben roürbe.
örfo« »on c) 3ti 2lnfe^ung beö 3lnfpru^eö beö Snl^aberö ber elterlichen ©eroalt
iDeJblmflen. ^uf ©rfafe t)on Slufwenbungen enthalten bie befte^enben 3lec^te meiftenö
feine befonberen Söeftimmungen ober bcfcfiränfcn \\6) auf bie ©ntfc^eibung
ber Srage, inwiefern ber SSater SBerroenbungen, roeld^e er auf ©runb feineö
^liegbraud^ö:' unb SSerroaltungörec^teö auf baö Vermögen beö .<linbeö gemacht
I;at, erfefet verlangen fann (oergl. preufe. 21. i?. 91. II, 2 §§ 168, 276 Derb,
mit I, 21 § 124, II, 1 §§ 586 ff.; fäc^f. ©. 93. §§ 1835, 1690). 3laä) bem
(Sntrourfe foüen auä) in biefer ^inftd^t rocgen Slnalogie ber 33erl|ältniffe 5Us
näd&ft bie betreffenben SBorfd^riften beö SBormunbfd^aftöred^teö (§ 1698) jur
Stnroenbung fommen. 2)anebcn pnben in 9lnfcl&ung beö ber elterlichen 3lu$'
niegung unterliegenben SJermögenö beö Äinbeö nad^ § 1520 aud& bie aSor^
fc^riften über ben SWiefebraud^ (§ 1010) entfprcd&enbe 3lnroenbung, roaö für
fotd^e gfiHe t)on SBebeutung ift, in rodeten ein 9lnfpruc^ auf ©rfafe von 33er=
roenbungen nad^ SRafegabe beö § 1698 rerb. mit § 1696 3lbf. 1 nid&t be*
grünbet ift.
d) Sie SSorfdiriftcn ber §§ 1696, 1698 finben aud) in Slnfe^ung ber
3Rutter inforoeit entfpred^enbe 2lnroenbung, alö berfetbcn roä^renb beftel^enber
®l^e nadö äßafegabe beö § 1506 neben bem SSater alö bem Snl^aber ber ©croalt
bie ©orge für bie ^erfon beö ftinbeö obliegt. 6ö ergiebt [xä) bieö, oline
bafe eö in biefer 93ejiel^ung einer befonberen SBeftimmung bebarf, auö ber
3lnalogie, ba bie äftutter inforoeit eine ber Stellung beö Snl^aberö ber elterlid^eu
©eroalt gleid^fommenbe Stellung einnimmt
jCvrau«flo6e o) Daß ber Sn^aber ber elterlid^en ©eroalt baö t)on i^m Derroaltetc
«evmftflen«. 33ermögen nad& SBeenbigung ber elterlid^en ©eroalt l^erauöjugeben ^at, roirb
«eAnun « ^^^ ^^^^ SWed&ten anerfannt (oergl. Scuffert III, 337, ©ntfc^. b. SR. ©. in
UßTfl/ eioilf. X, 42 ©. 150; preuß. 91. 2. 5H. II, 2 §§ 231, 275 ff.; coile civil
9lrt. 389, 390, 469, 470; fäd^f. ©. S. §§ 1835, 1688, 614, 615, 623, 030;
^*»X* l}eff. entro. III 9rrt. 36). Dagegen geljen bie beftel^enben Siechte barin auö*
einanber, ob ber 3nl^aber ber elterlichen ©eroalt über feine SSerroaltung nad^
93eenbigung ber elterlid^cn ©eroalt SRcc^nuug ju legen t)erpf(id^tet ift. ©emein=
rec^tlid& beftcl^t, roenigftenö nac^ ber lierrfd^enbcn aWeinung, eine folc^e Sßer*
pf(id)tung beö SSaterö nic^t; t)ielmel)r ift eö Sac^e beö ftinbeö, roewn baöfelbe
burc^ pf(id)troibrige 9.^erroaltung beö 93aterö fic^ beeinträchtigt glaubt, feine
9lnfprüc^e ju begrünben (oergl. 1. 8 § 4 Tod. dt» bon. quae IIb. 6, si; Seuffert
(glterri*e ©eiralt. (Som für bic ^erfon unb ba8 aSermögen. § 1503. 747
TU, 337, XIII, 44, XX, 48, ©ntfd). b. 31. ®. in Sioilf. X, 42 ©. 150).
Dies ift Qiid^ ber ©tonbpunft beö fäd^f. ®. S. Q. a. D. unb bcö wcimnr.
®ef. T). 27. aJIärj 1872. S)Qö prcufe. 21. S. 5R. fd^roeigt in bicjcv S3eäicl)un(|.
3n bcr prcufe. SDoftrin wirb aber bie 9lnfid^t vertreten, bafe ber SBater in
ermnngelung einer entgegenfte^enben S3eftimmung md) allgemeinen ©runbfägen
über feine aSerroaltung mä) Seenbigung ber väterlichen ©eroatt JHed^nung ju
legen ^abe (t)ergl. au^ preufe. 31. ®. O. I, 22 §§ 28, 29 5Rr. 1). pr ben
SBater als gefefelid^cn aSormunb ift bie SBerpflid&tung beöfelben, nad^ SBcenbi^
gnng ber gefefetid&en SSormunbfc^aft feiner Äinber Sicc^nung ju legen, bnrd^
bie preufe. SBorm. D. §§ 12, 67, 83 auöbrüdElid^ anerfannt. 3lud^ mä) franj.
Siedete ift ber SBater foroo^l in feiner ®igenfc^aft als 3nt|aber ber elterlichen
Oeroalt, roie in feiner ©genfd^aft alö gefefelid^er SBormunb feineö Äinbcö ju
ber l)ier fraglichen JRed^nungölegung öerpflid)tet (oergl. code civil 3lrt. 389,
390, 469, 470). 2luf bemfelben Söoben ftel^en in biefer ^infid^t ba& öfterr.
®. 95. § 150 unb bie fiamb. aSorm. 0. v. 14. ©ejember 1883 SÄrt. 6, 54—57,
70; bo^ ge^en biefc SHec^te (t)ergl. aud& in 5lnfel)ung beö bem näterlic^en
gtiefebraud&c nid^t nnterliegenben ÄinbeßDermögcnö fd^TOorjb. rubolft. J&i)pot^. O.
t). 6. 3uni 1856 § 19) infofern weiter, als nad& benfelben aud; roäl&renb ber
Sauer ber oäterlid^en SBormunbfd^aft eine 9led()nungölegung an bie Ober-
üormunbfc^aft ftottfinbet bejro. angeorbnet werben tann.
SBenngteic^ aus bem ©efid^töpunfte ber ben ©Itern fc^ulbigen ©(jr- ©tanbpunrt
erbietung unb ber t^unlid^ften SSermeibung t)on ^rojejfen jioifd^en ®ltern unb «ntwtfrfe«.
ftinbem gegen bie SBerpflic^tung beö Snl^aberö ber elterlidden ©eroalt, nad)
Seenbigung ber legteren über feine SSerroaltung SRed^nung ju legen, 93ebenfen
hergeleitet werben fonnen, fo fprid^t bod) für bie 3lncrfennung einer fold^en
33erpftic^tung, abgefel^en oon bem rormunbfc^aftlid^en Äaratter, roetd&en bie
elterlid&e ©eroatt nad^ bem ©ntrourfe l^at, entfd^eibenb bie ©rroägung, bafe oljuc
bie 3lnerfennung jener 5ßflid^t in vielen gällen bie 9tnfprfic^e beö Äinbeö gegen
ben 3n^aber ber elterlid^en ©eroatt roegcn äJerlegung ber bem festeren ob^
liegenben 5Pflid^ten ber SSerroaltung praftifd^ illuforifd^ unb bie ©rfüllung ber*
felben lebiglid^ von bem guten Jffiillen beö Snljaberö bcr elterlid^en ©eroalt
abl^ängig fein würben, jumal ber le^tere nad^ bem (Entwürfe jur ©inreic^ung
eineö SScrjeic^niffeö über baö 33ermögen beö ftinbcö regelmäßig nid^t üerpflid^tet
ift. 6ö fann auc^ nid^t allgemein jugegebcn werben, bafe iad 33erlangcn beö
Minbeö, bafe ber 3nl^aber ber etterlid^en ©ewalt nad^ 93eenbigung ber lejfteren
über feine 33erwaltung 9lec^nung lege, mit ber i^m t)on bem Äinbe gefd&ul*
beten ©l^rerbietung in SBiberfprud^ ftelie; im ©egent^eil fonn bie SBerweige*
rung ber 3luötunftöert^eilung alö 9lrglift ftd^ barftellcn unb gewiffenlofcn
©Itern alö SKittel bienen, fid^ ben geredeten 9lnfprüc^en ber Äinber ju ent*
cntjiel^en. S)ie ^eroorgcljobenen praftifd)en SlüdEftd^ten finb für ben ©ntwurf
aud& beftimmenb gewcfen, bie auö ber SBorfd^rift beö § 1700 9lbf. 1 in SBerbinbung
mit bem § 1503 3lbf. 1 unb bem § 777 weiter pd^ ergebenbe SBerpflid^tung
bcö Snl^abcrö ber cltcrlid^cn ©cwalt, auf 35ertangcn beö Äinbcö bm Offen* off«»«
barungöeib ju leiften, ni^t burcb eine pofitioc SBorfd)rift auöjufd&ließcn ober ^"*"«*"**-
ju bcfd&ränfen. ßrft burd) ben i)ini\utritt biefer Sl?crpf(id^tung gewinnt bie
^^erpflid&tung jur 9lcd)nungölcgung alö 9Jccf)töpflid)t praftifd^c $<ebcutung.
748 Sltcrlid&e ©etvalt. ©orgc für bic ^erfon unb baß Scrniöflcn. § 1503.
SScrfd^icbcnc neuere Oefefee I)aben oUerbinflö ganj allgemein ben Äinbern baö
SRedjt verfagt, dou iliren eitern ble Seiftung beß Dffenbaningöeibcö ju oer-
langen (uergl. baxjx. ®ef. jur Slußf. ber 6. 5ß. O. o. 23. gebruar 1879 3Irt. 85;
bab. ®ef., betr. bie (Sinf. ber 91. 3xift. ©efe^c, o. 3. aWfirj 1879 § 36). S)a^
gegen ^at ba^ roürttcmb. ®ef. jur Sluöf. ber 6. 5ß. O. ü. 18. äugiift 1879
9Irt. 18 von einer fold&en 2ludnal;me 3lbftanb genommen. 3" ^^^ öuf biefeö
®efefe fid^ bejieljenbcn Sommiffionsberid^tc ber jmciten roürttcmb. Äammcr
S.346 wirb mitSRed^t bcmcrft, bafe eine fotd)e Scfd^ränfung ber 3Äanif eftationö*
pftid&t eine nic^t immer geeignete ^ereinjie^nng Don Sifirfrid&^^'i ^^^ 5|Jictät
nnb SKoral in baö Sled^tögebiet enthalte unb in einjelnen göUcn ungered)t
unb l^art mirfen fönne, iubem in!onfequcnt fei, ba ^rojeffe ber Äinber gegen
i^re eitern unb bamit eibeßjufc^iebungen jener gegen biefe nid^t burd^ baö
®efe6 t)erf)inbert werben fonnten. 3lud^ bie 6. % D. l)at in ben beiben
gällen, in meieren fic ben Dffenbarungöcib fennt (§§ 711, 769), feine 9tuö^
na^me ju ®unftcn ber eitern gegenüber ben Äinbern gemadjt. 33efonbere
©rünbe, in biefcr ^infid^t gerabc htn Su^aber ber elterlichen ©ematt ju
begünftigcn, liegen nic^t üor.
»eroeiMa^ ^in^ in 9lnfel)ung ber 33cn)eiölaft bei entfd)äbigungöanfprüd&cn beö Äinbeö
wegen SSerlufteö ober SSerfd^Ied^terung üon 58erm5gendgegenftänben löfet ber ent?
wurf eö l;ier, wie im SSormunbfd^aftörcd^te, bei ben allgemeinen ©runbfägen
bewenben, b. 1^. ben Snl^aber ber elterlichen ©ewalt trifft bie SBewciölaft, bafe
er in 3lnfef)ung ber fraglid)en ©egenftänbe bie iljm obliegcnbe ©orgfalt angewenbet
fiat (oergl. bic 3Äotit)e ju § 1324 oben ®. 283 ff.). 2)iefe ©ninbfftge fommcn
aud^ bann jur Slnwenbung, wenn eö fic^ um fold^e Seftanbtl^eile beö Äinbefi*
oermögenö ^anbelt, weld^e jur 3cit beö 33eginncö ber SBermogenöocrwaltung ober
im Saufe beßfelben oorlianben gewcfen, faftifcb ober niemals in bie Verwaltung
bcö Sn^aberö ber etterlid^en ©ewalt gel ommen finb ; benn bie bem legteren ob*
liegenbe Sorge für baö SSermögen ift oon einer Uebergabe bes 93erm5genö an
ibn nid&t abl)öngig, üielmel^r liegt eö il^m fraft bcö ©efefecö ob, ben SBeftanb bcd
SJermögcnö feftjufteUen, bie in biefer ^infi^t nötl^igen erlunbigungen ein*
jujiel^en unb bie geeigneten Sd^ritte ju tl)un, um fid) bic 3nl)abung ju oer«
fd^affen. Sic ©tellung beö S^^öbcrö ber elterlichen ©ewalt gegenüber bem
ilinbe ift infoweit ä^nlid^ ber Stellung beö eiiemanneö gegenüber ber eiief^^au
nad^ iDlafegabe beö gefefelid^en el^elid^en ©üterrcd)tcö (oergl. bie SDJotiüc ju
§ 1324 oben S. 284 ff.); nur infofem beftel)t ein Unterfdjieb, atö eö mit ber
Sorge für ba^ Sßermögen beö Äinbcö regelmäßig nid^t Dcreinbar ift, wenn
ber 3n^aber ber elterlichen ©ewalt bem Äinbe bie Snl^obung überladen ^at,
bie Berufung auf eine fold^e Snl^abung beö iUnbeö i^n batier von feiner SScr«
antwortlid^feit nid^t unbebingt ju befreien vermag.
S)er § 1700 2lbf. 1 bejielit fid^i nur auf ben gall ber Secnbigung beö
9lmteö beö SJormunbeö. Die bort beftimmte aSerpflid&tung muß ben 3n^abcr
ber elterlid^en ©ewalt inbeffen anä) fd^on Dor ber Seenbigung ber lefetercu
treffen, wenn er bic cltcrlid)e Sßcrmögenöocrwaltung ocrtoren l^at (§§ 1546,
1550, 1553) ober baö SRuIicn ber ettcrlid^en ©ewalt bcöfelben eingetreten ift
(§§ 1554, 1556). ©cmgemäfe erftrecft ber § 1503 3lbf. 2 bic SBorfdjrift beö
§ 1700 9Ibf. 1 aud^ auf biefe gdlle.
©Iterltd^c ©civalt. ©orgc für bie ^erfon imb baö SSecmöoen. §1503. 749
3m Uebrigcn ift bcr 3n^abcr bcr eltcrtid^cn Ocmalt tuäfircub bcr SDauer
bcr Ic|tcren — im ©egcnfafec jum SSormuubc (§ 1687) — jur SHcd^nungSlegung
nid^t Dcrpflid^tct. 35ic SBerpflid^timg, bcm SBormunbf^Qftögcrid^tc über bie SBcr*
mögcnöoerroalhmg pcriobifd^ SRcd^nung ju (cgcn, würbe mit bem ©runbfafee beö
©ntmiirfeö, bafe bcr Sn^ober ber eltcrtid^en ©eiualt einer ftönbigen Sluffid^t
bcß SBormunbfd^Qftßgerid^teö nid^t unteriuorfen unb inöbefonbere aud^ von ber
3noentorifatlonßpPid^t befreit fein foU, nid^t im ©inflange [teilen. Slud^ bcm
gettcnbcn SRec^tc (oben ©. 746 ff.) ift ganj überroiegenb eine fold^c SScr*
pflid^tung unbcfannt.
SBegen ber ©rünbc, meldte ben ©ntrourf beftimmt f)abcx\, über bie SBcr^
pflid^tung ber @rben bcd Snl^c^berd bcr elterücfien ©eroalt jur 9led^nungd^
icgung, über bie 31nerlennung ber Sled&nung t)on ©eitcn beö Jlinbcö unb bie
SBerpflid^tung beö lefeteren jur ®rtl^eitiing einer Quittung über bie J&erouögabe
bcö SBermögenö befonbcre S3eftimmungen nid^t oufjunel^men, wirb auf bie
aWotioe ju § 1700 SSejug genommen.
3m 3iifommenbange mit ber SBerpflic^tung beß 3n^aberö bcr elterüd^en ««f»««*
Ocrooft, nad^ SBeenbigung bcr Icfeteren bcm Jlinbc baö oermaltete SBermögen berunur^au
Ijcrauöäugcbcn , beftimmt baö fäd^f. ®. S3. § 1836 nod&, bafe ber SBater megen ^** **"^^*-
bcö Slufmanbcö für ben Unter^olt bcö Äinbeö einen Slbjug mod^en barf, mcnn
er jur SBeftrcitung biefeö Untcr^altcö mcgen eigener SBcrmögenölojigfeit ©diutbcn
mad^cn mußte ober menn bcr Slufroanb mit ©inmilligung beö Äinbeö ober,
fofcrn biefeö minberjäbrig war, mit ©inroilligung beö il^m bicrju bcftettten
33ormunbeö t)on bem ©tamme beö SBcrmögenö beftritten mürbe. ®ine berartigc
befonbcre SSeftimmung ift iebod^ cntbcJ^rlid^. 5J)ie allgemeinen ©runbfäftc
rcid^cn in biefer ^infid&t auö. 25a nad^ § 1481 Slbf. 3 bem minberjäl^rigcn
unocrI)cirat{|ctcn ftinbe feinen ©Itcrn gegenüber ber Untcr^attöanfprud^ ol^ne
9lücf|xd&t auf ben Stamm beö il^m gel^örenben SBcrmögcnö jufte^t, fo ücr^
fte^t eö [i6) von felbft, bafe, folange bie ®(tern nad^ üBafegabe beö § 1482
Stbf. 1 im ©tanbe finb, bem Äinbc ben Unterhalt ju gcmäl^ircn, ber 3»^^ciber bcr
dtcrlic^cn ©ematt ben oon i^m ju bicfcm S^ccfe gemad^tcn Slufroanb t)on bcm
Stamme bcö Einbcöücrmögcnö nid^t in Slbjug bringen fann. JBcnn bagegen
bie eitern nad^ aRafegabc bcö § 1482 äbf. 1 nid^t im Staube finb, ben Untcrfialt
auö eigenen aJlittcln ju beftreiten, fo fann bcr 3tti&öbcr ber cUcrlid^en ©cmalt
ju bicfcm 3wcdEc aud^ ben Stamm beö Äinbcöuermogenö ücrroenben (§ 1482
9lbf. 2 Safe 2) bcjro., menn er ju bicfcm 3n>^tfe Sc^ulbcn gemacht })at, nad)
aWofegabe bcö § 1698 ücrb. mit § 1503 Slbf. 1 ©rfafe feiner 2lufrocnbungen au^
bem Stamme bcö Äinbeöocrmögenö t)criangcn. ©aöfclbc gilt, wenn ber 3n^
l^abcr bcr cttcrlid^cn ©ematt im Sntcreffe bcö Äinbeö auf bcffcn ®rjie^ung unb
Äuöbilbung einen größeren STufroanb gemad^t l^at, alö er nad^ feinen fojialcn
unb fonftigcn aScrl)ältniffen vermöge feiner gcfc|Iid&cn Untcr^altöpflid^t (§ 1488)
ouö eigenen SRitteln ju beftreiten oerpflid&tet mar (oergl. jcbod^ § 754 9Ibf. 2).
f) S)ie SBeftimmung bcö § 1503 Slbf. 1, baß auf bie Haftung bcöMt"nfli>e«
SBormunbfd^aftörid^tcrö gegenüber bem Äinbe bie 58orfd[)rift bcö § 1702 ent? munbSüft«.
fprcd^cnbe STnmcnbung pnben foll, red^tfertigt fid& auö benfelben ©rünben, auf '^**"»'
meldten bie aSorfd^rift bcö § 1702 beruf)t, unb mirb bcöl^alb auf bie aJlotiüc
ju § 1702 Dcrmicfcn.
750 (Rlkxliijz ©etoalt. ©orflc für btc ^Vr[on be5 Äinbeß. § 1504.
§ 1504.
«rsie^uitfl«. @inc bcr wid^tigften ©citen bcr ©orflc für bic ^crfon bcö Äinbeö in
äS. t^atfäcftlic^er ^infic^t tft bic Sorge für bic ©riicfiung bcöfclbcn. SB&^rcnb
flcmcinrcc^tlid^ bicfe Sorge oielfoc^ nid^t alß Slußflufe bcr oätcrlid&en ©croolt,
fonbcru alö ein baneben befteljenbcö fclbftäubigcö citerlid&eö SRed^t oufgefafet
wirb (ücrgl. eutfd^. b. 9t. ®. in ßiüilf. XVLl, 31), eine äluffaifung, weld^c
auä) in bem fäd^f. ®. 33. §§ 1802—1805 jur 3tncrlcnnung gelangt ift, bc^
Ijanbelt ber ©ntrourf bic Sorge fiir bie ®rjicf)ung bcö Äinbeö olö einen SBc^
ftanbtlieil bcr eltcrli^cn ©croalt (oergl. aud^ prenfe. 91. S. 91. II, 2 §§ 74 ff. ;
öftcrr. ®. 95. §§ 147, 148; codo civil 3lrt. 372—379; meimar. @ef. o. 27. aJMrj
1872 § 4). ©icfe 3lrt bcr Scl)anblung cntfpric^t nid^t allein bem t)ormunbs
fd^oftlid^cn .Haraftcr bcr clterlid^cn ©croalt (§§ 1648, 1655), fonbern oerein*
fad&t aud^ baö ©cfcfe. ^nsbefonbcrc ergicbt fid) barauö üon fclbft, ba^, forocit
bcr ÜJluttcr, aud^ roenn fic nid^t ^nl^abcr ber ettertid^en ©emalt ift, bic Sorge
für bie (Srjicl^ung bcr Äinbcr juftc^t, auf bicfe Sorge bie Seftimmungen über
bie eltcrlid)e ©croalt, namcntlid^ bic 93eftinimungcn über baö 9lcd^t bcö 95or-
munbfd^aftögcrid^tcö, rocgen SWifebrandicö bc« 6rjiel)ung8rcd&tcd unb 5Ber*
nad&läffignng bcö Hinbcö cinjufd&rcitcn (§ 1546), cntfpred^enbc 2lnroenbung
finben (ocrgl. §§ 1506, 1558 Safe 2, §§ 1456, 1461, 1462, 1465, 1570, 1565
Sag 2). ®inc weitere .Honfcqucnj bcr 5)e^anblung bcö 6r}iel)ungöred&ted ate
eines SScftanbtOcilcö bcr cltcrlid)cn ©croalt ift es, bafe baßfelbe formell fo lange
bauert, als bie eltcrlid^e ©croalt, regelmäßig alfo biö jur SBoUiäl^rigfcit bcö
Äinbed (ücrgl. jcbod^ § 1509). 9lnbererfcitö folgt aber aus bem 93cgriffc unb
3roedEc bcö (gräic^ungörcc^tcö, baß baöfclbc nur fotange unb inforoeit auö^^
geübt rocrben barf, alö im ^ntcrcffc bcö Äinbcö ein 93ebürfni6 baju Dorl)anbc!i
ift (ocrgl. fäd^f. ®. 93. § 1805). Sine barübcr l&iimuögel)cnbc 2luöübung beö
®rjiel^ungörcc^teö roürbc fid& als ein SRißbraud^ bcö ©rjic^ungorcd&teö bor*
fteÜcn, rocld&er unter Umftftnben ju einem ©infd&rciten bcö SSormunbfd^aftö*
gerid^tcö auf ©runb bcö § 1546 SBcranlaffung geben fötmtc.
;)ini)ttit. ®en ^nljalt bcr ©rjicl^ungögcroalt im ©efefec naiver ju bcftimmen, ift
nid^t für crforbcrlidi crad^tet, ba bcrfclbc a\i% bem 93cgriffc bcr ®rjicl)ung unb
ber Statur ber Sad^c fid) oon fclbft ergicbt. S)ic ®rjiel)ungögeroalt umfaßt
banad^ bic 5ßflid^t unb baö 9ied^t, in einer bem ^^ntereffe, ben gä^igfeitcn unb
Einlagen, foroie ben fonftigen SBerl)ältniffen beö Äinbcö cntfprcc^cnben SBeife
für bic förperlic^e, geiftige unb inöbefonbere auc^ pttlid^e 9luöbilbung beö
,viinbeö iu forgen (ocrgl. preuß. 91. Ü. SW. II, 2 §§ 108, 122; öftcrr. ©. 93.
§ 139), baöfclbc ju einem beftimmten Scbcnöbcnifc fällig ju mad&en (»crgl.
Seuffert I, 81, XII, 169; preuß. 91. ü. 9t. II, 2 §§ 108—117; öftcrr. ®. 93.
§ 148 ; fäd^f. @. 93. § 1804) unb jur ©rreid^ung biefer Siele überl^aupt bic
.^anblungcn bcö Äinbcö ju leiten (ocrgl. öftcrr. ®. 93. § 144; l^eff. 6ntro. III
9lrt. 21), nid^t bagegen bie JBcrpflic^tung, bic Äoften ber (grjie^ung ju be-
ftreiten; oiclmc^r ift bicfe SiJerpflid^tung alö 9luöftuß bcö SBerroanbtfc^aftö-
ücrljoltniffcö nad) fclbftänbigen ®runbfä|en geregelt (§ 1488). S)ie nähere
S^eftimmung barübcr, ob baö Äinb in geroijfcn Äcnntniffcn unb in rocld^en,
nid^t allein im 3ntereffe bcö Äinbcö, fonbern auc^ Dpm Stanbpunfte bcö
eiterlid&c Oeiralt. ©crßc für bie ^^crfon beö Äinbc?. § 1504. 751
•Staatörooljleö aus unterrichtet werben mufe, bleibt bou Unterric^tögefefecu ber
einjelnen S3iinbcöftaoten überloffen. ©oroeit bic leiteten in biefer Seiieljung
bcfonberc Scftimmungcn uid&t getroffen ^obcn, entfd&cibet ber ©rjiei^ungö'
berechtigte üom ©tanbpunitc beö ^ntereffeö beö Äinbeö ouö, in weld^er
Ülrt bie 6rjicl)ung beö leßtercn bcljufs förperlid&cr, geiftiger unb fitt^
lid^er 21udbilbung erfolgen foU. 2Birb burd^ -öUfebraud^ beö ©rjie^ungö'
re^teß ober burd^ ^^Jcrna^löffigung beö ftinbcö bcffcn geiftigeö ober leib*
tid^eö SBol^I gefäl^rbet, fo i)ai boö aSormunbfc^oftögerici^t naä) aWafegabe beö
§ 1546 bie jur 9lbn)enbung ber ©efal^r erforberlid&en aWaferegeln ju treffen.
®ie Seftimmungen beö § 1546 reid^en auc^ auö, um bem Äinbe gegen einen »«ftimmunö
SRifebrauc^ beö in ber ©rjiel&ungögeroalt entfialtenen JRed^teö, ben SBeruf beö* «erufes,
felben ju beftimmen, ben erforberlid^en Sd^ufe ju geroäl^rcn. Darüber l)inauö
burc^ bcfonberc 5ßorfc^riften, wie fic fid^ in oerfd&iebenen neueren ©efc^gebungen
finben (Dergl. preufe. 31. Ü. 91. II, 2 §§ 110—117; öften\ ®. 33. § 144;
föd^f. ®. 83. § 1804), ein Eingreifen beö aSormunbfd&Qftögeric^teö in boö ben
ßltcrn iuftel)enbe Siedet ber 33eruföbcftimmung ju cnnöglid^cn, ift burd^ ein
93ebürfnig nid^t geboten unb fowo^l mit Stüdftd^t auf bie regelmäßig ben
©Item gegenüber ben Äinbern obliegenbe Unter^altöpflid^t afö im Sntereffc
ber Slutorität ber ©Itern nid^t alö angemeffen erod^tct.
®benf owenig ^at ber ©ntwurf eö für nöt^ig gel^olten, uqc^ bem SJor- gj^c^JJjL^^g
gange beö code civil 3lrt. 374 (oergt. a\\6) t;eff. ®ntw. III, 21) im Oefefee be« Äinbes.
bcfonberö jum 9luöbrudfe 5U bringen, bafe ber ßrjiel^ungöbered^tigte ben Slufent*
l)alt beö .^inbeö beftimmen !ann. S)ag berfelbe infoweit baju bered^tigt ift,
alö ber ^rocd ber ©rjiel^ung eö crforbert, folgt dou felbft auö ber 6rjiel(>ungö::
gewalt. 9luf ber anberen ©eite ift aber jene 93efugni6 nid^t bloö ein Sluö-
fluß ber ©rjiel^ungögewalt, fonbern ber ©orgc für bie ^^Jerfon beö Äinbeö
überhaupt. So fann berjenige, wetd^em biefc ©orge juftel^t, j. S3. wenn baö
Äinb blbbfinnig ift unb beölialb üon einer ®rjiel(>ung überall nid^t bic Siebe
fein fann, bie im Snterejfe eineö fold^en Äinbeö not^wenbige 33cftimmung
über ben Slufentl^att beöfelben treffen.
®ie ^flid^t unb baö Siedet ber ®rjiel)ung cnüjält nalurgemöfe aud^ bic citeriit^c«
93efugni6, bic jum ^xo^dc ber @rjiel)ung gefaßten Jöefc^lüffe gegenüber bem ^^"'^*"*^*'
Äinbe burd^jufüf)ren. ®aö Hinb ift bem ^nbaber ber ©rjiel^ungögewalt in^^
foweit ©e^orfam fc^ulbig (§ 1498) unb ber Sni^aber ber ©räiel^ungögewalt
befugt, bie 2)urd^fül^rung ber getroffenen üBaßregeln burd^ Slnwenbung am
gemeffener Suchtmittel (oergl. § 127 ber @ew. D.) ju erjwingen (1. 3 Cod.
de patr. potest 8, 47; baijr. iJ. 31. I, 4 § 3 5Rr. 1; preuß. 21. S. dt, TI, 2
§ 86; ofterr. ®. S3. § 145; cod(^ civil 9lrt. 375—383; fäd^f. @. 33. § 1805).
Gine naivere 33eftimmung über bie Slrt unb bie SWittel ber l^äuölid&en S^d^t
ift webcr erforberlid^ nod^ angemeffen. S)er erjie^ungöbercd&tigtc \)at in
biefer ^inftc^t bie ben fonfreten Umftänben entfpred^enbe S3eftimmung ju
treffen, ©egen ajlißbrau^ f^üfcen bie 93orfd)riften ber §§ 1546, 1559 unb
baö ©tr. ®. SB.
3m 3lnfd^luffe an äljnlid&c SBorfcf)riften beö befteljenben SHed^tcö (oergl. untcrpu^unfl
1. 3 CJod. de patr. potest. 8, «7 ; 1. 9 § 3 D. de offic procons. 1, le ; 1. un. Cod. de "^JJ'y^Jfl^^^^
eroend. propinquorum 9,«; preufe. 31. S. SR. II, 2 §§ 87—89; fäc^f. ®. 33. 7w<^t.
752 eiterlici&c ®cmlt ©orge für bic 3)erfon bcö Äinbeß. § 1504.
§ 1805) bcftimmt ferner bcr § 1504 2tb). 2, bafe bas aSormunbfc^aftöfleridjt
bcn erjie^ungöbered^tigten auf beffen 9lntrag burd^ geeignete Sroangömaferegcln
in ber 9luöübiing beö ettertid^cn ^\xä)txz(f)U^ na6) üerftanbigem ©rmeffcn ju
unterftüfecn f)at Die naivere SBeftimmung ber bcm aSormunbfd^aftögerid^te ju
®ebote fte^enben 3wQngft* iinb Äorrcftionömittet ift ben, fei eö reic^ögcfeftti^,
fei eö lonbcögefeglid^ ju treffenbcn SSorfd^riften über baö SBerfal^ren ber ^Jßoxf
munbfd^aftögeridjte ju überladen. 2)ic 33orfd&riftcn beö § 1504 gewähren bem
(grjieliungöbered^ttgten insbefonbcre aud& bie SWöglid^feit, baö Derroa^rlofte
Äinb mit J^ülfe beö SBormunbfd^aftsgerid^teö in einer 6rjicl^ungö=» ober SBcjfcrung«^
onftolt unterjubringen. Da eö fic^ liier ober tcbigli^ um eine Unterftüfeung
beö clterlid^en Qud)txe6)k& l^anbclt, fo fann boö Sßormunbfd^aftögerid^t, fofem
nic^t bie SBotauöfcgungen beö § 1546 vorliegen, nur auf Slntrag beö S3c*
red^tigtcn einfd^reiten unb gegen bcn SBiUen beö legteren bie auf Slntrag ge^
troffenen SKa^regeln nic^t aufredet crl^alten. Uebrigcnö gc^t ber ©ntmurf bat)on
auö, bafe baö SBormunbfd^aftögcrid^t, mcnn bejfen Unterftü|ung in Slnfprud^
genommen wirb, meber Derpfliddtet nod^ bered^tigt ift, bem 9lntrage unbcbingt
ftattjugebcn; oielmeljr ^at baöfclbe felbftänbig ju prüfen, ob bie ®emäl(irung
einer Unterftügung burd^ bie fonfreten Umftänbe gcred^tfertigt ift. Die jum
2:i)eil auf einer anberen Sluffaffung berul)cnben, formalen SBorfd^riften beö
Code civil 9lrt. 375 ff. Über baö SRed^t beö Snl^aberö bcr elterlidden Oemalt,
bie Ginfperrung beö Äinbcö ju verlangen, Derbicnen feine Billigung. Die-
felbcn finb aud^ in folc^en neueren ©efeggebungen, meldten im Ucbrigen ber
Code civil alö SBorbilb gcbicnt fiat (oergl. ital. ®. 93. 3lrt. 222 ; l^ejf. ©ntro. III
Slrt. 22—24), il^reö rein formalen Sarafterö entHeibct; in 93aben finb burc^
baö ®cf. ü. 23. Dejember 1871, betr. bie (ginf. beö ©tr. ®. 93., 3lrt. 2 bie
entfpred^enben SJorfd^riften beö bab. S. 91. ©afe 375—383 gänjlidö bcfeitigt.
Vfcii^tfeite Die bem elterlid^en ©rjie[)ungörcd)te entfpre^cnbe 5ßflid^tfeite fällt jumeift
crjtejutifl«. ^^^ ftttlid^cn ©ebiete anfieim, SRed^tlid^ äufeert fie il^re SBirffamfeit einerfcitö
aeipcit in bcr 2RogIid^feit ftaatlid[)en ©dE|u|eö gegen ^ßflid^troibrigfcit beö ©rjie^ungös
berc^tigten (§ 1546), anbererfeitö in ber Unroirffamfcit eincö SBcrjid^teö auf
»crjic^t baö eraiel^uugöred&t (§ 1561 t)crb. mit § 1502 9lr. 1, § 1504). Dicfer ®runb^
fag bef|errfd)t aud^ baö geltcnbe SRedjt, roenngleid^ man eö regclmäfeig nic^t
für not^ig erad)tct l^at, bcnfclbcn auöbrüctlid^ außjufprcd)cn (ücrgl. ©euffert
I, 82, XXVIII, 140, XXXI, 23; ©ntfd). b. SR. ©. in ßioilf. X, 32, XVII, 31;
Code civil airt. 1388). 9luö ber UnmirJfamfeit beö 33erjid;tcö auf baö ©r*
iicl}ungörcd|t folgt jebod^ nid^t, bafe ein 33crtrag, burc^ meldten einem 3lnbcrcn
bic ©räie^ung, iuöbcfonbcre bie 93eruföauöbilDung, beö ftinbeö übertragen
mirb, übcrfjaupt ungültig ift; ungültig mürbe nur bie SBcftimmung fein, bafe
bic Scfugnife beö ßräicl)ungöbcred^tigten, baö Äinb icberseit jurüdEiunel)men,
auögcfd[)loffcn fein foüte. 3KadE}t berfclbe t)on biefcr 93efugni6 ©ebraud^ (ücrgl.
§ 1505), fo fann bcr Dritte, üorbeljaltUd^ befonberer 93eftimmungen (t)crgl,
§§ 130—132 bcr ©em. D.), bie Durd^fül;rung bcö 5Bertrageö nld&t erjmingcn
(ücrgl. ©euffert XXVIII, 140; (Sntfd). b. % ©. in SiDilf. X, 32). ©ö
gilt bieö namentUd^ auc^ für fold^e göHe, in meldten baö ftinb auf 3ln*
trag bcö Gräie^ungöbercd&tigten in eine Grjiel^ungö^ ober 93efferungöanftalt
oufgenommcn ift, felbft menn burd^ tWcglcmcntö foldjcr SÄnftalten ober bur^
eUerli^c ®tXoM. Sorge für bic 9)crfon bc8 Äinbeß. § 1505. 753
befoubcre SBcftimmung bic Sefugnife bes ©rjie^ungöbcred^tigtcn, baö ftiub
jcbcrjcit jurüdEjunel^men, auögcfc^IoRcn fein foUte (üergl. braunfdjm. ®ef. d.
22. ©ejcmbcr 1870 §§ 2—4, betr. bic ®rrid^turtg einer (Srjic^ungSanftalt in
Scocrn); boä) fann bic9lnftatt, rocnn nad^ Sage bcr ©ad)c biirdd bic 3^^"cf^
na^me bcfi ftinbcö aus bcr 2lnfta(t boö 2Bol)I bcö Äiubcö gefäfirbet werben
würbe, bas ©infd&rciten bed SJormunbfc^aftögeriditeS nad^ aWafegabc beö § 1546
Dcranloffen. 5Daburd& roirb gegen launenhaften, baö Sntereffc beö Äinbeö gc^^
fä^rbenbcn SBiberruf bcr ©ttern auöreid^cnber ©d^uß geroftl^rt, n)äf)renb bic
3utaifung binbcnber SBcrträgc bcr f raglid^en 9trt mit ©rjiel^ungös ober Seffcrungs-
onftaltcn, abgcfclien t)on bcn bagegen fpred^cnbcn prinjipiellen Scbcnfen, leidet
}u aßiSbräud&en auf Äoftcn bcr elterlichen Siedete führen fönntc. ^nroieiDcit
bic befonbercn lanbcögefcfelid&cn SScftimmungen über bic 3wangderjie^ung ücr:^
roa^rloftcr Äinber (oergl. SKotiüc ju § 1546) unberührt bleiben, wirb baö
©infül^rungdgcfel ergeben.
Sllö äuöflufe bcr ©orge für bic 5ßcrfon beö Äinbeö ^cbt bcr § 1504 «"tP*i»-
Slbf. 1 neben bcr Sorge für bic ©rjic^ung noc^ bic 3luffid[|t über baö Äinb ''^**^*'
bcfonberö l^croor, um barauf ^injurocifen, ba^ bic 5ßflid^t bcr ©orge für bic
^crfon aud^ im Sutcreffe 2)rittcr burd) Seauffic^tigung ju erfüllen ift unb
im gatte bcr ^lid^tcrfüHung biefcr ^ßftic^t bic SBorauöfcftung für bic im § 710
beftimmtc aScrantroortlic^fcit beö fraft ®cfe|eö Sluffic^töpflid^tigcn vorliegt.
§ 1505.
S)cm Siedete, für bic 5ßcrfon beö Äinbeö ju forgen, mufe ba^ Siedet jur«nfpru(^ auf
©cite ftc^cn, bic ^crauögabe beö Äinbeö üon 3ebcm ju verlangen, iDcld&er ^«VÄe«*
boöfclbc mibcrrcd^ttid) Dorcntl^ätt, bamit bcm S3ercc^tigtcn bic aWöglid^fcit ge-
fiebert roirb, ben jur 2luöübung feincö SRcd^tcö unb feiner biefem Sterte cnt*
fpred^enben 5ßf(id^t crforbertid^cn faftifd^en 3wftanb l)crbeijufül(ircn. 2)cr
SSlnfprudö auf ^crauögabc beö Äinbeö ift nid^t Sluöflufe beö SRc^teö ber gcfefe-
lid^en SSertretung beö Äinbeö, fonbern ftcl^t bemienigen 6ltcrntt)cilc, metd&cr
baö SRed&t ber ©orge für bic 5ßcrfon beö Äinbeö ^at, aud^ bann ju, menn er
t)on ber gcfefclid&cn SSertretung auögefc^loffen ift, alfo namentlid^ aud& bcr
aJluttcr, forocit bcr te^teren, aud^ wenn fic nid^t 3nl)abcr bcr clterlid^en (Scroalt
ift, baö JHcc^t ber ©orge für bic "ißcrfon beö Äinbeö beigelegt ift (üergl.
§§ 1506, 1456, 1461, 1462, 1465, 1558, 1565, 1570). SRit bcm Gntrourfc ftimmcn
in biefcr Sejic^ung baö gemeine JRed^t (ocrgt. ©euffcrt XXV, 33; ©ntfd^. b.
SR- ®. in eioilf. X, 32, XVIII, 39) unb ba^ fäd[)f. ®. ». § 1807 überein.
®aö preufe. 31. S. SR., ba^ öfterr. ®. 93. unb ber code civil cntl^altcn auö*
brüctlid^e Seftimmungcn in biefcr SRid&tung nic^t; bod& mirb aud^ Don bcr
preufe. gwriöprubenj ein 3lnfprud^ beö ®rjic^ungöberec^tigten auf ^erauögabe
beö Äinbeö ancrfannt.
3)cr 3lnfpruc^ auf ^crauögabc beö Äinbeö ift aber nur gegen benienigcn
begrünbet, rocld^cr baöfelbc mibcrrec^tlid^ oorcnt^ält. 9luö btn allgemeinen
S3eroelögrunbfo6cn (§ 194) ergiebt fx6) übrigcnö t)on felbft, bafe eö ©ac^c beö
ScHagten ift, im Sßcge bcr ©inrebc bic befonbercn Umftänbe barjulcgcn unb
JU bemelfen, meldte i^m baf^ SRcd&t geben, bcm Älägcr, trofcbcm bcrfelbc a\\ fid;
nott9€ I. Mrgcrl. «efe|»u4. IV. 48
754 (grtcrli(^e &tmlt ©orflc für bic ?>crfon bcö JMnbe«. § 1506.
boö 9Jed)t f)at, für bic ^crfon beö Äinbcö ju forgen, baö Äinb oorjuent^oltcn
(ocrfll. §§ 1456, 1461, 1462, 1465, 1546). Safe eine fold^c ©inrcbc auö bcr
ücvtraflömäfeigen Uebertaffung bcr ©orgc für bic ^rfon nicfit entnommen
werben fann, folgt aud ber UnmirCfamleit beö SScriic^ted auf bad 9lec^t bicfcr
©orgc (§ 1561; üRotioc ju § 1504 oben ©. 752). (Sbenforoenig Dcrmag bcr
Umftanb eine roirffame @inrcbc ju bcgrünbcn, bafe bem ScWogtcn mcgcn bcr
2tlimcntation beö Äinbcß ein ©rfafeanfprud^ gegen ben Jtläger juftc^t {t)crgl.
§ 233), ba icbcnfallö ber obfolutc Eoralter ber bem Äläger bem Äinbc gegen-
über obliegcnben ^flic^t einer fofd^en ©inrebe cntgcgenftcf)t (©cuffert I, 82).
Burürf* Ocgcnübcr bem mibcrftrcbenben Äinbc fclbft ift ber ®Itcmt^eiI, mcld^em
^Xmm* ^'^^ ®ö^9<^ f"^ ^^^ ^^^^ ^^* ^"^^^ i^P^^*' ^^Ö"f® Dur(^fü^rung feine«
Äinbe«. jRcd&tcö unb feiner ^flid^t bic erforberüc^cn aRaferegcln burd^ eigene üRac^t
burd&jnfefeen befugt. 3nöbefonbcrc fann er baß flüd^tigc, bic Slücffe^r Der*
mcigcrnbe ftinb mittete S^^öngeö jurücffü^rcn, ju bicfcm 3^^*^ ^t)er a\x6)
mä) nuöbrücflid^cr Seftimmung beö § 1505 5Äbf. 2 poHjcilid^e ^ülfc in
9lnfprud& ncl^men. S)ic Slufnaljmc bicfcr lefetcrcn, bic ftompctenj unb ^ßflidjt
ber ^^Joliäcibc^orbc jur §ülfelciftung feftftettenbcn 93eftimmung ift ate angcmejfen
croddtct, um ben S^^^if^ i« bcfcitigen, bafe nic&t baö 5Bormunbfd^aftögcri^t,
fonbcrn unmittelbar bic baju beffer befäfiigtc ^^Solijcibel^örbc in bem Dorauö-
gefegten galle ,§ülfe iu Iciftcn unb bic ^^Jolijcibcl^örbe aud& nic^t ein ©rfut^cn
bcß aSormunbfc^aftßgcrid&tcö abjumarten f)at (ocrgl. öfterr. ©. 35. § 145; ^eff.
eutio. III 9lrt. 21). Sluä ber ^flid&t bcr ^oUjeibeprbc jur .^ülfelciftung
crgicbt f\ä) genügenb au(j^ boß cntfpred)cnbe $Wcd[|t, SBorauöfcgung ber 3luö*
Übung cincö 3rocingcd gegen bas Äinb ift iebod^ felbftocrftänblic^, bofe bem^
jcnigcn, mcld^er ben ^roanci ausübt ober bic polijeilid^e ,^ülfc jum Qxocdt bcr
3urücffüf)rung beö flüchtigen Äinbcö in Slnfpruc^ nimmt, baö Siedet bcr ©orgc
für bic ^crfon beö Äinbcö roirflic^ juftef|t.
§ 1506.
Änt^cii ber ^u Ucbcrcinftimmung mit bem gemeinen SHcd^tc (©cuffert XXV, 33;
6"rflTfürMe®"tf*- ^- ^' ®- '" ®i»iff- ^VII, 31) uub bcr 3We^rja^I ber neueren ©cfcfe*
?trfon bes gcbuugcn (ücrgl. prcufe. 31. S. 91. II, 2 §§ 64, 74; öfterr. ®. S3. §§ 144, 147, 148;
*'"*''*• ba^r. £. m. I, 4 § 3 9h\ 5 ; fäd^f. ®. SB. § 1802 ; anbcrcrfcitö code civil 9lrt. 203 ;
373—379, 384, 385; meimar. ®cf. v. 27. 5Kärj 1872 § 4) gemährt ber § 1506
mä^rcnb beö S3cftel|cnö bcr ®^c neben bem SBater aud& bcr SKutter fraft eigenen
Slcd^tcö einen Slntficil an bcr ©orgc für bic 5Perfon beö Rinbcö, iebot^ mit
bcr 33cf(^ränfung, bafe i^r bic nad& § 1502 5»r. 1 in SBcrbinbung mit § 1503
9lbf. 1 unb § 1649 in ber ©orgc für bic ^erfon an fic^ mit enthaltene gefc^^
liddc 83crtrctung beö Äinbeö nid^t juftcljcn unb im ^dik einer SSerfc^ieben^cit
bcr SUcinungen jwifdjcn SBatcr unb 9Kuttcr ber Sater entfd^cibcn foU. 35iefc
9lrt ber ©cftaltung, meldte bie ©orgc für bic 5ßerfon beö Kinbcö, fowcit bic*
felbe t()atfäc^(id^er Statur ift, mfil^renb befte()cnbcr @^c rcd^tlid^ nic^t nur bem
33ater, fonbcrn bem SBatcr unb ber SKutter gemcinfam, icbod^ tmter Serürf*
fid^tigung beö natürlid^en Uebergemic^tcö beö 93aterö ate beö ^aupteö bcr
^omilie, juroeift, entfprid^t ber natürlid^cn Stellung ber SIÄuttcr, roie ben
erterlid&e ©cwalt. (Sorge für bic |)crfon bcö ffinbc§. § 1506. 755
foftifdK" SScr^ältniffen, unb trägt baju bei, bic Stellung bev 3)Jutter bcn mnbcxn
unb Dritten gegenüber ju einet felbftänbigeren ju ntad^en unb bie 9Iutorität
ber aSutter ju ftärfen. ^nöbefonbere ftef^en il^r bie in ben §§ 1504, 1505
beftimmten, mit ber ©orge für bie 3}erfon Dcrbunbenen SHcd^te fraft eigenen
üHc^teö ju; nur infofern ift fie befd&ränft, ote fie biefelben ni^t im gßiber^
fpru^e mit ber ©ntfc^eibung bes aSaterö auöjuüben bered^tigt ift. Slnbererfeitö
ift fic aber t)on ber gefeglid&en SBertretung beö Äinbeö aud^ in bcn pcrfön^^
nd}en Stngefcgenl^eiten beß lefctcren auögef^Ioffcn. ©old^e Sttfte, rocld&e bcn
^cc^tdjuftanb beö Äinbeß beftimmen unb betreffen, fonn fie roirffam überl^nupt
nic^t Dornel^men, inöbefonbere fte^t il^r nic^t baö mit ber gefe^Iid^en Sßer:*
tretung Dcrbunbene Slcd&t ju, ju SHed^tögefd^äften beö ÄinbeS bie ©inmilligung
ober ®cnel)migung ju ertl^eilen (§ 65). Oemö^nfid^ mirb ba& ber 3Huttcr
mäl)renb 93eftel^en8 ber 6^c neben bem Sater iuftel^enbe SRed^t alö „©rjicl^ungd^
rc(f|t" bejci^net. S)iefe 33ejeid)nung ift {ebod^ ju eng. Sie trifft nur eine
Seite ber t^atfdd^Ud^en ©orge für bic ^erfon beö Rinbeö; fie umfaßt nid^t
aud^ bie 5ßflege beö Äinbeö in Ärantf)citöfäUcn ober in fold^en fällen, in
mclcbcn von einer (grjie^ung beö Äinbcö, j. 83. ro^nn baöfelbe blöbfmnig ift,
übcrljaupt nid^t bie SRebe fein fann. Um au^ biefc gäUe ju bedEcn, beftimmt
ber § 1506 «bf. 1 ganj allgemein, bafe bie ORuttcr bic 5ßflid^t unb baö SHcd^t
[jat, für bie 5ßcrfon beö Äinbeö ju forgen, jebod^ mit ber 33ef^räntung, bafe
iljr bie gefe|Hd^c 35ertrctung beö Äinbeö nid^t juftcl^t.
aSä^renb beö SJefte^enö ber ©l^e l^ot aber bie 3Äutter, roic bic gaffung
beö § 1506 mit genügenber 2)euttid[|feit erfennen lägt, bie ^flic^t unb bnö
iHcdjt, für bic 5ßcrfon beö Äinbcö ju forgen, auf @runb beö § 1506 nur neben
bcm a^atcr. gällt roä^renb beö Söeftc^euö ber ©be bic ^ftid^t unb baö 9icd)t
beö aSatcrö, für bie ^^crfon beö Slinbeö 5u forgen, mcg, fo l^ört bamit aud)
^pid^t unb SHccbt ber SRutter, für bic ^erfon beö Kinbeö ju forgen, auf,
forocit i^r biefc ©orge nit^t auf Orunb anberer gefc6lid^er Seftimmungen,
inöbefonbere in bcn gällen beö 9iubenö ber cfterUdf)en Ocroalt beö SBatcrö,
unabhängig üon bem 93ater juftcfit (oergt. §§ 1461, 1462 t)crb. mit § 1456,
ferner § 1555). 58[ud) bie aßutter ^at ba^er bic 5ßflid^t unb baö SRe^t ber
©orge für bic ^4icrfon beö Äinbeö in fold^cn gällen nid^t, in roeld&cn ber
aSatcr bic elterlid&c (Seroalt oerroirft l^at (§ 1559), ober i^m bicfelbe in 5ln==
fcf)ung ber ©orge für bic ^^Jerfon burd^ baö a^ormunbfd&aftögcric^t entjogen
ift (§ 1546) ober bie eltertid&e ©croalt beö 58atcrö in golgc ber ®ntmünbigung
beöfelbcn roegen aSerfd^roenbung ru^t (§ 1555 3lbf. 2). ffiegen beö (ginfluffcö,
mclcbcn ber SBater feiner ganjen ©teltung nad^ auf bie 3Kutter auöübt, ift eö
bcbcnflid), ber SWuttcr in icnen gälten bic ?ßPid^t unb baö SRed^t ber ©orge
für bic ^^Jcrfon beö Äinbeö, rocnn aud^ nur in bem im § 1558 ©afe 2 be*
seid)nctcn Umfange, bcijulcgcn. gin »ebürfnife in biefer Slid^tung ift um fo
roeniger anjuerfennen, alö geeignctenfallö baö ajormunbfd&aftögerid^t feinen
änftanb nehmen roirb, bic 3Äuttcr in ben in SRcbc ftcljcnben gällcn jum Sor*
munbc }u bcftellen. 9lud^ ift eö nid&t auögcfd^loffen, bafe ber SBormunb, fomeit
nadf) Sage ber ©ad&e ein »ebenfen nicftt obwaltet, ber SRutter unter feiner
9fuffid^t bie Sorge für bie ^Mon beö Äinbeö übcrtäfet. 3roar Ift bie aJhittcr
jur Ucbcrna^mc ber SBormunbfd&aft bcjro, ber ©orge für bic ?ßerfon beö
48*
75C erteclid&c ©cttjalt. ©orßc für bic ?)cr[on be3 Ämbrt. § 1507.
Äinbcö in ben in SRebc ftc()cnbcn gällcn nic^t ocrpflid^tet, inbcjfcn wirb bic
aRutter, wenn fic überl^aupt 3ntercjfc an bcm Äinbc l^ot, eine foId)e lieber«
na^me nid^t Qb(et)nen. ^aju fommt bag ed ftd^ ^ier um feltene $&Ue l^anbclt.
3n allen anbeten gälten, in roclc^en ber 58ater bic cfterli^c Oeroalt ausjuüben
oerl^inbert ift, tritt naö) ben §§ 1554, 1555 TOä^rcnb beftel^enbcr 6^e an
©teile ber ru^cnben elterlid^cn ©eroaft bed SBaterö bic cltcrlid^c ©croalt
ber STOutter, mit Sluönol^me ber bcm 95atcr Dcrbleibenben elterlid&en 9lu6«
niegunfl.
2)a6 auf bic nad& § 1506 ber SRutter juftcl^cnbc ©orgc für bic ^crfon
bt& Rinbeö bic SSorfd^riftcn über bic ettcrlid^c ©cmatt cntfpred^cnbe änrocnbung
finben, crgiebt ftd^ Don fclbft baraud, ba^ jene @orgc ftc^ ald ein Slnt^cil
an ber cltcrßd^en @eu)alt beö SSaterd barftcDt (Dcrgl. bic 9)lotit)c }u § 15(H
oben ©. 750).
§ 1507.
(sntiaffung SBcrfd^icbcttc ncucrc ©efelgebungcn (ocrgl. bic ÜRotit)c ju § 1657)
VmetaawV^^^tt bic 3luön)anberung eines aÄünbetö ober bic entlaffung bcöfclbcn auö
©erbanbe. bctti ©taatöücrbanbc von ber Oencl^migung bcö aSormunbfd^aftögcridötcS ab*
l^ängig. S)agegcn cntl|a(ten bic bcftcljcnben Steckte eine bcrartigc Scftimmung
in 2tnfcl^ung ber ^auslinbcr regelmäßig nid^t. S)ad württcmb. ®cf. v.
15. 3luguft 1817 § 3 bcftimmt jcboc^, bafe minbcrjä^rigc ^auölinbcr jur Sluö*
roauberung neben ber 3wftimmung bed ^audoaters auc§ ber 3wftitnmung ber
SBormunbfd^aftSbcprbc bcbürfcn, fofcrn nic^t ber SSatcr jugleid^ mit oud«
manbert. S)iefer 33cftimmung fd^tießt bic 35orfd^rift bcö § 1507 fid^ im
SBefcntlid^cn an. Der tiefgreifenbc ©influß, TOctd^cn bic ®nttajfung auö bcm
©taatßücrbanbe, mag biefelbc jum Si^edEc ber 9luömanbcrung auö bem SRcld^fi^
gebiete ober jum S^JcdEc ber (grroerbung ber ©taatöangclförigfeit in einem
anbercn Sunbcöftaatc beantragt merbcn, in priüatred^tlic^cr unb namcntlid^
in pofitifd^cr SBcjie^ung auf ben 9led6tösuftanb bcö Äinbcö äufecrt, unb bic
©rroägung, ba§ ber 33em)altungöbcl)örbc, meldte über ben SIntrag auf @nt*
lajfung iu entfd^eibcn f|at, ein 9?cd^t, bic Slngcmcffcn^eit bcö Slntrogcö oom
©tanbpunfte beö Sntcreffcö bcö Äinbcö auö ju prüfen, nic^t juftc^t (ücrgl.
§§ 13 — 18 bcö SR. @ef. über bic ©rroerbung unb ben SBcrluft ber
Sunbcö^ unb ©taatöangcl^örigfcit v. 1. 3unl 1870), red^tfertigt eö, Dorju*
fd^reibcn, baß — cntfpred&enb bem § 1657 — ju bcm Slntragc bcö 3n^abcrö
ber cltcrlid^cn ©eroalt auf Sntiaffung bcö Äinbcö auö bem ©taatöDcrbanbc,
b. 1^. ju bemicnigcn 9lftc, auf ®runb beffen bic ©ntlajfung nad^ ben an^
gcfülirtcn 33eftimmungcn bcö 5R. ®ef. t). 1. 3uni 1870 regelmäßig crt^citt
werben muß, bic ©cncl^migung beö 35ormunbfd^aftögcrid&tcö erforbcrtid^ ift.
9lur bann foll cö bicfer ©cnel^migung nid^t bcbürfcn, mcnn ber 3n^abcr ber
cltcrlid^cn ©eroalt glcid^jeitig beantragt, il^n fclbft an& bcm ©taatöocrbanbc
JU cntlaffen, ba nad^ § 19 beö gebadeten SRcid^ögcfcfecö bic ©ntlaffung, infofern
nid)t babei eine Sluönafimc gemad^t roirb, fraft bcö ©cfcfecö fid^ iuglcid^ auf
bic nod^ unter oätcrlid^cr ©eroalt ftcf^cnbcn minberiäfirigcn Äinbcr crftrcdft.
©in 93cbenfcn gegen bic Sltifnal^mc ber SBorfd^rift bcö § 1507 in boö bürgere
(5Iternd6e @ett>alt. ©orge für bie f erfon bcS J«nbee. § 1508. 757
lid^c Ocfcftbud^ fann a\x6) barauö mä)t entnommen werben, bafe eö fid^ l^ier
um ein publliiftifc^eö aSertiättniß l^anbelt unb eö beßfialb an ftd^ ©ad^e beö
öffcntUd^en SRccfited fein mürbe, bie SSorauöfefeungen bes 3lntroged auf ®nU
laffung im ©injelnen nä^cr ju refletn. 2)a baö 9t. ®ef. o. 1. 3uni 1870
bariiber fc^meigt, wie bie in bem Slntrage auf ©ntlaffung enthaltene SGBiUenö^
crHärung, um red^töroirffam ju fein, befd^affen fein mufe unb inroiemeit bie*
fclbe inöbcfonbere t)on einem gefefclid^en JBertreter beö ju ©ntlaffenben mirffam
abgegeben werben fann, fo tritt infomeit baö bürgerli^e ditäji ergfinjenb ein.
eine anbere grage ift, ob eine ©ntlaffung, meldte ertfiei(t morben ift, obmol&l
ju bem 2lntrage beö ^nl^abtrö ber elterlid^en Oemalt bie ©enel^mtgung beö
SBormunbfd^aftögeric^tcö nid^t ert^eilt, ber 2lntrag ba^er nid^tig mor (t)ergl.
§§ 1514, 1681 3lbf. 2), bennod^ ben SScrluft ber ©taatßangel^örigfcit bemirft.
S)icfc gragc ift inbeffen ^ier nid&t ju cntf(^eiben, fonbem auf ®runb ber
»eftimmungen beö 5H. ®ef. x>. 1. 3uni 1870 (oergl. § 13 5«r. 1, §§ 14, 18 baf.)
ju beantworten.
SÄnbere SäHe, in meldten ju einem bie 5ßerfon beö Äinbeö betreffenben
SHcd^töaftc bie ©enel^migung beö SBormunbfd^aftögcrid^teö erforberlid^ ift, fmb
in ben §§ 67, 1589, 1600, 1613, 1629 9lbf. 5, § 1630 beftimmt.
SBcgen ber ®rünbe, auö meldten ber ©ntmurf baoon 9Ibftanb gc*
nommen ^at, in ben gaüen, in meldten bie ©ene^migung beö SBormunbfd^aftö*
gcric^teö ju einem 9led&töafte erforberüd^ ift, bem SBormunbf^aftögerid^tc
wegen ©rt^eitung ber ®cnef|migung gewijfe Direftioen an bie ^anb ju geben,
Dergl. bie SBotioe ju § 1674.
§ 1508.
S)er Sled^töjuftanb in ©eutfc^Ianb in betreff ber retigiofen erjiel^ung ÄeiifliUie
ber Rinber ift ein aufeerorbentlid^ bunter. Die Sanbcögefefce befolgen in biefer ^'^*^""8-
Sejic^ung bie abwei^enbftcn ©runbfäfee. 2^^eifö ftellen pc fcfte, fowo^l ben
SBater alö bie SKutter abfolut binbenbc S^lormen auf, tl^eifö geben fie bem
SBater ein meljr ober weniger auögebe^nteö 33eftimmungöred)t, t^eilö erflären
fie SBerträge ber Eltern über bie religiöfe ®rjie{)ung für juläffig unb gcftatten
eine 9lbweid^ung oon ber gefefelid^cn Siegel nur burd^ einen fold^en Sßertrag.
3lad) bem 2^obe beö SBaterö ift regelmäßig bie SWutter audj nad) fold)en
Steinten, weld^e prinjipiell junäd^ft bem (Srjieliungöbered&tigten bie ®ntfd&eibung
überlaffen, nid^t bered^tigt, traft beö il(|r juftelienben ©rjiebungörcd^tcö eine
2lenberung in ber religiofen ©rjiei^ung eintreten ju laffen. SBielfad^ leiben aber
bie tanbeögefe|tid^en S3eftimmungen an Unflar^eit unb Unoollftänbigfeit, an
UnDoDftänbigteit infofern, alö fxe gröfetentlieilö nur bie religiöfe ®rjiel)ung ber
Äinber au^ !onfeffionell gemifd^ten ®^en regeln unb felbft innerljalb biefer
SBegrenjung jum j^tieil nur ben gall inö 9tuge faf)en, wenn bie G^cgatten
beftimmten, in bem ©cfeße nät)cr bejeid^netcn Äonfcffionen angefioren^). §in*
1) Scrfll. preug. 2L ?. 8?. H, 2 §§ 76—83 in SSerbinbunfl mit bct Seffaration
ü. 21. aiotjembcr 1803 unb ber 5tab. D. ü. 17. 9Iuouft 1825; franff. ®cf. t). 5. Sep-
tember 1811, beftattgt burd6 ®cf. \>, 30. ©csemfcr 1819; banncu. SSerorbn. U. 31. SuU
758 eiterii^e ®emlt. Sorge für bic 3>erfoit beS Äinbc§. § 1509.
gefefien auf biefc 93crfc^iebcnl^cit unb Sürfcnl^Qftigfcit beö bcftcl}cnbcn Sied^teö
unb l^ingefelden auf bic Ucbclftänbe, rocld^c fid^ in bcnjcnigen Sled^tßgebietcn,
in weld^en cö, wie in einem S^^cilc beö gemeinred^tlid^cn unb beö franjöfifd^^
vcd^tlid^en ©cbicteö, an befonberen 33eftimmungen über bie rcligiöfc ©riiel^ung
bcr ftinbcr überhaupt fcf|lt, barauö ergeben fönncn, bafe beim ©cbweigen beö
©cfcfeeö ber SBille beö icitigcn ©rjie^ungöbcrec^tigten über bie grage bcr
religiöfcn ©rjic^ung ber Äinbcr cntf^cibct, bic ©ntfc^eibung baljcr möglid^er^
weife toecbfclt, laffen fid^ erbcblicfie Orünbc bafür geltcnb mad^en, bie religiofc
ßrjicbung bcr Äinbcr als einen Sluöflufe beö clterlid^cn ©rjicbungdrcd&ted,
mit{)in, üon biefem Ocfid^tepunftc aus bctrad^tct, alö einen S3eftanbtf)eil beö
bürgerlid&en 9led^teö im bürgcrlid^cn Oefefcbuc^e burcb befonberc Seftimmungen
cinbeitüd^ iu regeln, um ben angebeutetcn Ucbelftänben t^unüd^ft entgegen*
jutreten. ®cgen eine fold^c Siegelung fällt inbeffen cntfc^cibenb inö ©croid^t,
bafe bic lanbeögefcfelici^cn S3eftimmungen norroiegenb bem öffentUd^cn SRec^te,
nämlid^ bem interfonfcffionellen Äirc^cnftaatörcd^te, angcl)örcn unb bafe bie*
felben norroiegcnb t)on biefem Stanbpunfte auö bie religiofc @r)iel)ung ber
Äinbcr geregelt, namentlid^ baö Siecht beö erjie^ungöberec^tigten @ltcrnt^eilcö,
bic religiofc (Srjicbung beö Äinbcö ju beftimmen, in Dcrfd^iebcncr SBeife balb
mel)r balb roeniger befd^ränft l^abcn. 3luf ber anbercn Seite ift eö aber auc^
bcbcnflid^, bie in SHebc ftel^enbe grage im ©efefcc ganj mit ©tillfcbmcigcn ju
übcrgel^en, weil alöbann S^^^if^l barüber b^troorgerufen merben fönnten, in*
miemcit eine Scfd&rönfung beö ©rjicbungöbcred&tigten in 3lnfebung ber religiofen
®rjiel)ung bcr Jtinber burd^ bic fianbcögefcge juläfftg bleibt. S)iefcr S^cifcl
wirb burd) bic 33eftimmung beö § 1508 befeitigt. 3)a biefelbc fid) alö eine
Skfd^rönfung beö md) § 1504 bem 3nt|abcr ber eltcrlid^en ©eroalt iuftc^enbcu
®rjict)ungörcd)tcö barftellt, fo cmpficl^lt eö fid^, biefelbc nid^t in ba% ©in^
f übrungögefe^ ju ücrrocifcn, fonbem in baö bürgerliche ©efe^bud^ aufjunel^men.
§ 1509.
sorflc für bie jijc SBcftimmung beö § 1509 cntl)alt eine 3)lobififation beö bem ©ntrourfe
''"xoljtfr' JU ©runbc liegenbcn, in bcn üKotiücn ju § 1557 näl)er begrünbeten ^Unnjipeö,
bafe bic Sliefd)lie6ung beö Äinbcö bic Seenbigung bcr elterlid)cn ©croalt nid)t
5ur golgc \)(it (t)ergt. aud^ § 1655). 2)icfc TOobififation, roclcbe fid^ üon bcr
prinäipielleu ©runblage beö ©ntrourfcö, bafe bie ^ciratl^ beö Äinbcö auf bcfjen
®efcbäftöfäl)igfeit o^nc ©influfe ift, nidEjt entfernt, rechtfertigt ftdb burd& bic
1826; furbcff. @cf. to. 13. «pril 1848 §§ 3, 4 Derb, mit ber Scrorbn. u. 13. 9lpril
1853 § 4; bolft. ®ef. ü. 4. Suli 1863 §§ 6-11; fcfelcßm. SScrf. u. 23. ^pril 1864
9flr. 3; uaff. ßbift ü. 29/26. SWari 1808; bapr. Sbift u. 26. Wlai 1818 §§ 12-18,
II. Serfaffunoöbcilaflc; ivürttemb. gbift v. 5. Dftotcr 1806 § 6; fa4f. @ef.
ü. 1. 9locemBcr 1836 §§ 6—20 unb u. 20. Suni 1870 § 20; orofeb. M- ®ef.
u. 27. JJebriiar 1826; ^üeimar. ®ef. ü. 7. DftoSer 1823 §§ 51 ff.; inctflenb.fd)n?cr.
aSiTorbn. u. 25. Sanuar 1811 9lr. III unb 30. TOära 1821; olbenb, Scrfaffunflö-
urfunbe d. 22. 9flocembcr 1852 9lrt. 34; 6ab. @ef. D. 9. DftoBcr 1860; braunfd&n).
®ef. u. 10. gWai 1867 §§ 5-11 ; tvalbedP. ®c[. u. 28. Wari 1827; lippe^betm. SSercrbn.
ü. 9. SKäri 1854 unb 7. Dftobcr 1857.
e«crK*c @tm\t ©orße für ba§ SScrmögcn be« ÄinbeS § 1510. 759
grroöflunft, ba& in golgc her SBerl^cirat^ung ber a;oc§tcr in tJ^atfäd^Iid^cr ^m
fxä)t an ©tcDc ber gürforge bcr ©Itcm für bic 5ßcrfon bcr a;od^ter bic bcm
©bemanne fraft bed el^clic^cn SScrl^ältniffcö oblicgenbe gürforge für bic 5ßerfon
bcr ß^cfrau tritt imb eine ©inmifd^ung dritter in bie el^elic^cn aSer^ältniffe,
fon)eit fol^c nid^t wegen bcr befd^räntten ©cfd&äftöfäl^igfcit ber ©(jefrou ju
beren ©d^ufee notl&roenbig erfc^cint, tl^unlic^ft ju oermeiben ift. Sie ©orgc für
bie 5ßerfon ber DcrJ^eirot^cteti 2^od^ter auf ©eiten beö 3n^aberö bcr elterlichen
Ocroalt ouc^ inforoeit roegfoUcn ju lajfcn, ate biefelbc bie gefefelic^e SBertretung
in pcrfönlid^cn Slngclegcnl^eitcn ber 2:od^ter umfafet (oergl. öfterr. ®. 83. § 175),
würbe mit bcm ©runbfafee, bafe bie mlnberiä^rige (g^efrou in bcr (Scfd^äftö-
fä^igfeit befd^rftnft bleibt, nid^t im ©inflange ftel;en unb cmpfiefilt fic^
oud^ nid^t mit 9iücffid&t auf bie ©c^roierigfeit einer fc^arfen Slbgrcnjung
jmifd^en ben perfönlid^n unb btn Dermögcnöred^tlidf^en Slngelegenticitcn. ©in
Söebürfnife, bie minbcrifil^rigc (gl^efrau in i^ren pcrfönlic^cn 3lngelegenl^eitcn
allgemein für gefd^äftdfä^ig ju ertlären, ift um fo meniger anjuerfennen, als
berfelben in ben roic^tigftcn l^icr in SBctrad^t fommenben pcrfönlic^en JBcr*
^filtniffen burc^ befonbere SBeftimmungen (§§ 1254, 1263, 1265, 1267, 1271,
1276, 1451) bie t)oUe ©efd^äftöfä^igfcit beigelegt ift.
SBon felbft ücrftcl^t cd fid^ übrigens, bafe baö SRcd^t unb bie ^^flic^t beö «*««jj;«r
Sn^oberö ber elterlichen ©eroalt, bafi SSermögen bcr minberiä^rigen ß^efrau ^*Vem
}u Dcrroalten, nid^t weiter reid^cn fann, als bie ®^efrou felbft, wenn fie gef^äftö^ ©bemanne.
fä^ig märe, jur äJerfügung über i^r SJermogen befugt fein roürbe. S)oö bcm
©bemanne fraft beö cl^elid&en ©üterrcd^tcö juftc^cnbc ditä)t, baö aScrmögcn bcr
g^efrau ju oerroalten (§§ 1317 ff.), untcrfd^eibet fid^ rocfcntlid^ von ber bcm
3n^abcr bcr elterlid^en ©eroalt obliegenben Sorge für baö SBcrmögcn ber ücr^
^cirat^cten minberiä^rigen S^od^tcr; benn bcm ©bemanne ift bad 33crroaltungä*
rec^t non bcm ©efefce alö ein eigeneö, norjugöroeife ben 3ntercffen bcr &)t
bienenbeö SHeddt ücrlicl^en, roä^rcnb bcm Sn^ober ber eltcrlid^en ©eroalt boö
SUcrroaltungöred^t Icbigtid^ im Sntcrcfie beö ftinbeö beigelegt ift. ^icrauö ergiebt
fid^ baö gegenfeitige 33erl^ältni6 ber Sted^te beö Sn^abcrö ber clterlidjcn ©eroalt
unb ber Siechte bed ®^emanncd mit genügenber Klarheit, fo bag cd einer
befonberen biefed SJcrljältnife rcgclnbcn SSeftimmung (ücrgl. fäd^f. ®. 33. §§ 1646,
1928, 1929) nld^t bebarf.
®inc 9luöbel^nung bcr a3orfd)rift beö § 1509 auf ben mtnbcrjäljrigcn suenit^c
unter elterli^er ©eroalt ftcl}enbcn (Seemann (§ 1233) ift nid^t als angcmcffen %^^^,l'
erad()tet, ba bie SBerliältniffe bc^üglic^ beöfclben rocfentli^ anberö liegen. 2)ie ^etrat^cten
t^atfäd^lid^e gürforgc für bie ^^Jerfon ber minberiäl)rigcn ®l)cfrau ift natura ®*^^"'
gcmäfe ©ad^c bcs (glicmanncö unb bcö^alb erftrccft bie eltcrlid&c ©croalt fid&
nic^t auf bicfe gürforgc. 3Ran fann ober nicbt umgcfc^rt bie tljatfdd^lid^c
^rforge für ben minbcriätjrigcn ©Ijcmann bcr ®licfrau juroeifcn. 6ö mufe
boljer ouc^ inforoeit bei ber clterlidjcn ©eroalt bcroenben.
§ 1510.
3)ie bcm § 1287 fic^ anfdilicfecnbe »cftimmung beö § 1510 Safe 1 ^^^'f^^^^
bcrubt auf äl)ulid)cu ©rrofigungen, roie bic Seftimmung beö § 1287, unb »erwaituna.
760 Slterltdöc ®eu>alt. (Sorge füc baö Sermögen bc« Äinbcö. § 1510.
«usfd^nc^ung fann bcsl^alb im Slllgcmcincn auf bic aKotioc ju § 128 7 oben ©. 168 ff. Sejug
nun%*r"tter Ö^^ommcn rocrbcii. 3w>if^<^»^ ^cn bcibcn Seftimmungcn bcftcl)t allcrbingö in*
foTOeit ein Unterfd)ieb, olö bic im § 1287 jugelaRcnc Slnorbnung in bie üer*
mögenörcd^tlid^e ©teüung beö Seemannes gegenüber ber ©l&cfrau eingreift unb
beöl)Qlb einen rein t)ermogenöred)t[id)cn Äorafter f)at, lüä^renb bie 33cftimmung
bcö § 1510 einem Stritten geftattet, in bic bcm offentlid^en JRed^tc angc^orenben
SBcftimmungcn über bic t)ormunbfd)aftfici^c SBerroottung bcö 3ni^öbcr8 ber
elterlichen Oeroalt befd^rän!enb cinjugreifcn. ®ic SRürffic^t auf boö Sntereffc
bcö Jlinbcö forbert icbod(|, hm l^ier froglid^cn Slnorbnungen eincö 3)ritten
reci^tUd^c aBirffam!cit bcijulcgen, jumol aud) baö bcftcl^cnbc SRcci^t bie SBirtfam*
feit bcrfclben anerfcnnt (pcrgl. Nov. 117 c. 1; ©euffert III, 343, XII, 43;
preufe. 31. S. SR. II, 2 § 160, II, 18 § 37 uerb. mit ber preufe. SSorm. D. o.
5. 3uli 1875 § 87 unb ba ju Urt^. b. 9t. ®. bei ©ruc^ot XXIX ©. 929 ff. ;
öftcrr. 0. 93. § 149 ; code civü arg. 3lrt. 387 — bic Sutäffigfcit ber ©nt*
jic^ung ber aScrmögcnöoerrooItung ift bcftrittcn — ; föd^f. ®. 93. § 1811 ; mcimar.
®ef. V. 27. anärj 1827 § 7 ; \)c% (Sntn). III Slrt. 25). Srocifel^aft fann cö
freiließ fein, ob nid^t bic 93cftimmung beö § 1738 Dcrb. mit § 1503 3lbf. 1 unb
§ 1650 bcm 93ebürfniffe genügen mürbe. 3» baö Süormunbfc^aftöred(|t (tjcrgt.
SWotioc ju § 1738) ^at ber ©ntmurf eine bcm § 1510 entfprcd^enbc SJorfd^rift
im §inblidfe auf bic SBorfdjriften ber §§ 1738, 1650 nici^t aufgenommen,
baoon auögcl^enb, bafe cö in ben gällcn ber ^icr fraglld^en 2trt regelmäßig
mcl^r im 3ntereffe bcö SHünbclö liegt unb aud^ ber Sntention bcö ©ritten mebr
entfpredf)c, menn bic gürforgepflid^t bcö SSormunbcö in Slnfc^ung ber ju-
gcmenbcten ©egcnftänbc erft mit ber 93eftcUung beö ^flcgcrö megfaUe, ba ber
2luöfd^lu6 beö aSormunbeö t)on ber SBcrmögcnöücrmaltung fc^on cor biefem
geitpunfte unter Umftänben mit großen Sßad^t^cilen ocrbunbcn fein fonne.
Snbeffen ift bic ©ad^lagc bei ber cltcrlid^cn ©eroalt unb ber JBormunbfc^oft
in ber ^icr fraglid^cn 93ejiel^ung nid^t burd^roeg bic glcid^e. ®ie gäHc, in
roeld^en ein ^Dritter bcm Sn^aber ber cltcrlid^en ©eroalt mißtrout unb bcö^alb
ein Sntcrcffc baran l^at, ben Icgtcren t)on oornl^erein in 9lnfcl^ung bcö ju-
geroenbeten 93ermögcnö oon ber aScrroattung gänjlid^ auöjufd)lie6en, fmb
häufiger. Slnbcrcrfeitö fommt in 93ctrad)t, baß ber, rocnnglcid^ oon ber 93er*
roaltung auögef^lof[ene, ©Iterntl^cil, t)on bcm 3ntercffe feineö Sinbeö geleitet,
fid) roeit c^cr baju oerftcl^cn roirb, rocnn ®cfal;r im 93eriugc ift, alö ©cf^äftö-
fü^rer o^ne Sluftrag ber 93crroaltung beö bctreffenben aSermögenö fid^ Ju
untcriiel^cn, alö ber bcm SHünbel ferner fte^cnbc 93ormunb. S)icfe ©rroägungcn
rechtfertigen bic 3Iufna^mc bcö § 1510, tro^bem in baö 93ormunbfd^aftöred)t eine
glcid^c 93eftimmung nid^t aufgenommen ift. ®urc^ bic 95orfd^rift beö § 1738
9lbf. 2 ift jubem 93orforgc getroffen, baß, rocnn ber ^all beö § 1510 eintritt,
baö SSormunbfd^aftögcrid^t unocrjüglid^ Äenntniß baoon erlangt, um bic nadd
§ 1738 3lbf. 1 notljrocnbig roerbenbe 5ßfIegfdE)aft in 3tnfc^ung bcö nad& § 1510
jugeroenbcten SSermögenö fofort einleiten ju fönnen.
3m ©egcnfaßc ju ben im § 1660 (ocrgl. § 1503 3lbf. 1) bejcid^nctcn
Slnorbnungen eineö ©ritten über bic 9Scrroaltung ber jugeroenbcten SBcrmögenös
gcgenftänbe geftattet ber ©ntrourf bcm Sßormunbfc^aftögerid^tc von einer Sin*
orbnung ber im § 1510 beftimmten 9lrt feine Slbrocid^ung. 3)a bie in gotgc
eitcrlid&e @etü(dt ©orgc für ba8 aScrmöflcn beö JHnbeö. § 1510. 761
einer fotd^cn Sttnorbnung notJ^toenbig rocrbenbe ^ßffegfc^oft bic Sßatur einer,
roennglcid^ befonberen, SBormunbf^aft l^at unb im SBefentlici^en ben für bie
SBormnnbfd^oft gegebenen Seftimmungen nnterliegt, fo oermag eine 3lnorbnung
ber ^icr froglid^en 9lrt baö Sntereffe beö Rinbed nid^t jn gcfäfirben. Um-
geklärt mufe c« oielmel^r oom ©tanbpun!te bcö Sntcreffed beö Äinbcö ouö be*
bcnflid^ erfd^einen, bie SBirfung ber l^ier fraglid^en Slnorbnung eineö ©ritten
biird& bie cntfprec^enbc 3lnroenbbQrfeit beö § 1660 9lbf. 1 ©q| 2 abjufd^roäd&en,
jumal bieö gegenüber bem geltenben SRed^te ate eine SfJcuemng fidf) barfteüen
würbe. 3luö biefen (Srünben ^at ber ©ntrourf axi6) für boö SSormunbfd^aftö*
rcc^t boüon 9lbflanb genommen, auf bie im § 1738 2Ibf. 1 ©ag 2 bejeid^neten
SInorbnungen bic SBorfdf)rift beö § 1660 Slbf. 1 ©afe 2 für entfpred^enb on*
menbbar }U erf(ären.
Sßerfddiebenc Siedete erflären bie Seftimmung beö ©ritten, bafe bem ««rtttter ber
SBoter bie SJcrroaltung unb ber SRiefebrauc^ ber bem Äinbe jugeroenbeten ©egen^ ^gegJJ'üblS*"
ftänbc nic^t juftelien foUe, inforoeit für unmirffam, alö baö Äinb jene (Segen« fJSi*J**I^
ftänbe ofö 5ßPi(^ttl|eil ermirbt. 6ö ift bieö nomentlidd ber ©tanbpunft beö
foci^f. ®. 83. § 1812, foroie bef lierrfd^enben Sluffaffung beö gemeinen SRed^teö
(Seuffert m, 71; entfd^. b. % @. in eioilf. IX, 76; a. 2R. ©euffert
III, 343) unb beö franj. Slec^teö. ©agegen fann na6) preufe. 31. S. SR. II, 2
§ 155, II, 18 § 38 in STnfe^ung ber bem ftinbe qIö 5ßflid(|tt^eil J^interlQJienen
Oegenftönbe bem SSoter burd^ bie Slnorbnung beö ©ritten jroar bie Söerroaltung,
nic^t aber ber oätcrlid^e S^iefebraud^ entjogen werben (oergl. ©ntfd). b. SR. ®.
in Cioilf. IX, 76). SRac^ ber Sluffa^unja beö ßntmurfeö finb meber bie im
§ 1510 bejeidiineten SInorbnungen nodd bie 3lnorbnung, bafe bem Sn^aber ber
elterlid^en ©emalt in Slnfel&ung ber jugeroenbeten ©egenftönbe bie elterlid^e
5Ru|nie§ung nid^t jufte^en foUe, alö S^norbnungen anjufel^en, roeld^e ben S3e*
badeten, baö Rinb, belaften ober bef darauf en; uielmel^r l[ianbe(t eö fid^ um 9ln*
orbnungen, roeld^e im Sntereffe beö ftinbeö eine oon ben gefeglid^en S3e*
ftimmungcn abroeid^enbe Siegelung ber efterlid^en ©eroalt in geroiffen SRid^tungen
bejielen. 3Inberö liegt bie ©ad^e allerbingö bann, romn ber ©ritte bie 9tn?
orbnung in ber gorm einer roirMid^en Sebingung ober Stuftagc getroffen liaben
foUte (oergl. §§ 1981, 1982).
SBegen ber ©rünbe, auö roeld^en ber ßntrourf für tejtroiüige SBerfügungen 5*^""-
ber f)icr fraglirfien Slrt eine bcfonbere erleirfiterte gorm ber ©rrid^tung nid^t
jugetaffen \)ai, roirb auf bie ÜHotioe jum ©rbred^te oerroiefen.
SBie bie elterlidje SRuJniefeung fid^ geftaltet, roenn ber 3nl)aber ber elter^
lid^en ©eroalt nur t)on ber clterüdden SBermogenöocrroattung, nic^t aud^ t)on
ber elterlichen SRufeniefeung auögefd^loffcn ift (§ 1517), ift in ben §§ 1532,
1533 n&i)tx beftimmt.
©ic Seftimmung beö § 1510 ©afe 2, bafe bie 5Borfd(iriften beö § 1290 surrooation.
entfprcd&enbe 9lnroenbung finben foUen, berul^t, roie biefe, auf bem ©ebanfen,
ba§ baö l^ier fraglid^c 93ermögen ben Aarafter eineö SSermögenöganjen liaben
unb o§ne SRüdfic^t auf bie roirt^fd^aftlid^e gorm beöfelben ber elterlid^en SSer-
mogenöoerroaltung bauemb entjogen fein foU.
SSerfd^iebene neuere ©efefegebungen enthalten nod) bie Seftimmung, bafe «"«^'^"«^»«fl
bem 3n^aber ber elterlid^en ©eroalt bie elterlid^e SBermogenöoerroaltung foroie VÄUen""
762 Srtcrnd6c Qktoalt Sorge für baS »crmoflen beö Äinbtf. § 1511.
bie elterlid^e SRufeniefeuitg in Slnfcl^ung bcö ©rbt^eUcö, tocldjicr bcn ftinbem
iufäUt, Tocil bcr 3n^abcr ber elterlid^cn ©cmalt für erbunroürbig crtlärt \%
nid^t aufteilen foUc (ocrgl. code civil STrt. 730; fäd^f. ®. ». § 1811; tociman
®cf. V. 27. aftäri 1827 § 8; ^eff. entro. III 9lrt. 356). 9lad6 bcm fäd^f.
®. ^. § 1811 gilt bod ©leid^e qu^ bann, nienn ber SSater rec^tmagig enterbt
ift. ®a bie elterlid^e SBermaltung unb Sßußniefeung an bcm ben Äinbern in
golgc ber @rbunn)ürbig!eitöerflärung ober ©uterbung jufattenben aScrmogcn
nici^t ein SlußPufe beö ©rbredjteö, fonbern beö elterli^en SSer^ältnijfcö ift, fo
fann eine Scftimmung ber fraglid^en 3lrt auß crbred^tUd^en Orünben nic^t
gered)tfertigt werben. 3lber aud& t)om familienred^tli^en ©tanbpunfte ouö
liegt boß S3ebürfni§ einer foldf)en Seftimmung nid^t vor, bo, foroeit mit SRüct
fid^t auf bie 5ßerfönlic^feit beö Sn^aberö ber eltcrlid^en ©eroalt im Sntcreffe
beö Äinbeö ein ©infd^reiten beö SBormunbfd^aftögeric^teö erforbcrlic^ wirb, bie
SBorfd^riften ber §§ 1546 ff. auöreiddcn.
»etrieb eine« ©öfe infoTOcit, alö baö Äinb nad& SÖtafegabe bcö § 67 ein ©rroerbögefc^äft
Qtmu% felbftanbig betreibt, in SKitfctiung bcö jn biefem Setriebe freigegebenen S8er*
^"ä? b*** wögenö bem 3nl^aber bcr elterlid^en ©cmalt bie SScrroaltung nid^t iufte^t, braucht
nid^t befonberö beftimmt ju roerben. ®ö ergiebt fid(i blcö Don felbft barauö,
bag baö 5linb inforoeit einem SoUiä^rigen glcic^ftei^t.
§ 1511.
öene^miBung sßadj} röm. SRc^tc Übt bcr ^auöoatcr bie SBcrroaltung bcö oibentlidjcn
*N<^ttn«"" ' älboentijiengutcö felbftanbig unb in eigenem 3iamen aM\ bod^ ift er über bie
fler^te«. (gubftanj bcö Slbocntijicngutcö ju Dcrf ügcn nid&t bercd{)tigt ; bie 33erfügung ift
öeitcnbeö nid^tig. 9iur bie SSeräufeerung leicht Dcrbcrblid^cr unb unnü^cr Sadf)en unb
^'**' eine fog. not^iücnbige aSeräufecrung ift i^m gcftattet. 3n biefen Sluöna^mc^
fällen ift ju bcr aSeräufecrung bie obcroormunbfd^aftlidje ®enel)migung nid&t
crforberlic^. 3u Slnfe^ung ber ju ben 9lboentijicn gc^5renben gorberungen
TOirb bem SSatcr nac^ äKafegabc ber ©runbfäße über ben uneigcntlid^en SRiefe-
braud^ oiclfad^ baö 3led)t ber ©iniicl^ung unb ber aSeräufecrung beigelegt. ®in
3icc^t, baö minbcrjäl^rigc ^auötinb ju oertretcn unb burd^ 9ied(|tögcfd^äftc ju
ucrpflidjtcn, ftcl^t bcm SSatcr traft feincö aScrroaltungö^ unb ©enufered^teö
nic^t JU. Db er in bcn oben bcicid^ncten 9luöna^mcfäUcn einer geftatteten SScr?
au^crung im 5Ramcn bcö ^auöfinbeö l^anbcln mufe, ift bcftrittcn (ocrgl.
(Sntfdf). b. SR. ®. in 6iüilf. X, 42, XV, 41, 42, XVI, 24; Seuffert X, 181,
XIV, 100, XVU, 65). 3n 9Infcl^ung beö bem oätcrlid^cn SBcrroaltungö^ unb
®euuftrcc^tc nid^t untcrliegcnben ÄinbcöoermBgenö f)at ber SSater bagegeu,
loenu von \\)m bie oormunbfd^aftli^c SSerroaltung biefcö aScrmögcnö gcfül^rt
mirb, bie ©tcüung cineö aSormuubcö (ocrgl. ßntfdfj. b. 31. ®. in ©ioilf. XV, 41
S. 195).
SBic in ben 3notipen ju §§ 1501, 1502 oben ©. 722 bereitö ^eruor*
gcl)obcn mürbe, giebt bie l^cutige gemeinrec^tli^e 5ßrajriö bem SBater neben
bcn Siechten ber t)äterlid)cn ®cn)alt allgemein aud) bie Siedete cineö natür-
lid)en ^ormunbeö beö minbcriälirigcn $)auöfinbcö. Sluf bicfe uäterlid^e ^or*
®Iterri(6c ©ctoalt ©oroe für baß Scrrnößcn bc§ Äinbcö. § 1511. 7G3
munbfci^Qft pnben jebod) na($ einer ©ntfd^eibung beö SRei^ögerici^tes (ocrgl. ®ritfd).
in ßioilf. XV, 42) ni(^t bie pofitioen S3efd)ränfungen ber 33ertretungstnQ(i^t 9In^
locnbung, lüeld^en nad) bem betreffenbcn aSormunbfd^Qftöredjtc ber SSormunb
unterliegt; tjielmel^r ftel^t naä) jener @ntfc!^eibung bcm 33ater als bem natura
U^cn SBormunbc beö minberjä^rigen Äinbeö baä 9ied)t üoUftänbiger üermögenö-
redS)tIic^er Vertretung }u, foioeit nid^t aus bem SBefen unb ber 9Jatur ber
üormunbfd^aftlici^en SBermaltung unb 55ertretung, alö einer SSertretung frember
^^Jerfonen, in t>ermögenörec^tlid^er Sejie^ung alfi einer SSermaltung fremben
SBermögcnö in frembem SntereRe, Sefc^räntungen fic^ ergeben. $arti!ulav==
rec^tUd^ ift jeboc^ ber SSatcr in oerfd^iebenen gcmeinred^tüd&en Oebieten bei
33eräu§erung ,t)on 3mmobilien minberjäfiriger Äinber, in ä^nlid^er SBeife, mie
ber 5ßormunb, an gerid^tlid^e ober oberüormunbfd^aftlid^e ®cnel;migung ge^
bunben, fo inöbefonbere in ,§annoücr (SSerorbn. ü. 4. September 1867 t)erb.
mit bem preu§. Sluöf. ®ef. jum ®. 3i. ®. o. 24. Slpril 1878 § 26 9?r. 2),
in Äur^effen unb SRaflau (oergl. ©euffert III, 334, XIII, 241, XVII, 258 a. ©.)
unb in SBürttemberg.
^ad) bcm preufe. 91. S. 5R. II, 2 §§ 168—174 ift bie bem aSater in 9lm
fe()ung beö nid^t freien ftinbedoermogens äuftet)cnbc SBerroaltung auöbrüdUd)
nur in 2[nfcl)ung fold^cr Kapitalien, meldte ben Äinbern jur befonberen
©id^crl^eit üerfd)rieben pub, unb in ^Betreff ber a^eräufeerung, SSerpfänbung
imb bauembcn 93eloftung von ®runbftüden unb ®ered&tig!eiten befc^ränft.
Sie ^eftimmung beö § 170, bafe ber Sßater, folange bie Äinber minbcrjä^rig
ftnb, audji bei anbercn SSermögenöftüdfcn iu ©ubftanjücränberungen, meiere
ein SJiefebr andrer nid^t o^ne bie ©inroiüigung bes @igentl)ümerg tjornel^men
fonn, ber ©inroittigung beö SBormunbfd^aftögerid&teö beborf, ift auf baö SSer?
trctungöred^t beö SSaterö gegenüber Stritten nidf|t ju bejiefien (oergl. Urtt). b.
SR. ®. bei ®ru^ot XXIX ©. 927 ff.). 3n ^Infel^ung beö freien Äinbcö*
Dermbgcnö l^at ber SSater, folange ba^ Äinb minberjä^rig ift, bie Stellung eineö
ajormunbeö (II, 2 § 159, II, 18 §§ 984 ff.); eö ift jebod) beftritten, ob nid)t
biefeö bem SBater jufte^enbe SHedit ber üormunbfd^aftlid^en SBerraaltung in ^rcufeen
burc^ bie preufe. 33orm. D. t). 5. 3uli 1875 § 102 alö befeitigt anjufel^en unb
beö^alb bem Äinbc in 9lnfet)ung beö freien SBermögenö immer ein 5ßftegcr
iu beftcllen ift (oergl. bagegcn 3al^rb. ber Gntfd). b. Äommerger. VI, 29).
3la^ ber preufe. SJorm. D. ift ber 3?ater alö gefefelic^er SSormunb feineö burd)
85erl)eirat^ung, burd; getrennte §auöl^altung ober burd^ ®ntlaffung auö ber
oäterlid^cn ©eroalt getretenen minberjäl^rigcn ilinbeö in ben gällen beö § 42
ber SJorm. D., inöbefonbere bei ber Sßeräu^erung ober SSelaftung unbemegtid&er
©ad^en, bei geroiRen SRiett)- unb ^45ad)tt)erträgen über unbeioeglid^c Sad^en,
bei ber aSeränbcrung ober Sluflöfung, foroie ber 3Jeubegrünbung ober Ueber?
nol^me eineö ©rmerbögefd&äftcö, bei ber ®ingel^ung med^felmägiger SBerbinblid^^
feiten, ber ©rt^eilung einer ^rofura, ber 3lufna^mc oon S)arlet)en unb ber
Uebcrnafime frember a3crbinblid^feiten, wie jeber anbere SBormunb an bie ®e*
nelimigung beö Sßormunbfd)aftögeri4lteö gebunben; bagegcn ift in benjenigen
gälten, in mel($en cö fonft ber @enel)migung beö ®egenüormunbeö bebarf
(§ 41), bie SBertretungömad)t beö SSaterö alö gefefelidjcn SSormunbeö nid)t
befd)ränft (§ 20 9lbf. 4). Scrfclbc ift baljcr uamentlidj über äBertf)papiere,
764 ertcrri(i&e ®tmlt Sorge für ba0 SBcrmSgen beö Äinbe«. § 1511.
Kapitalien unb bie für eine gorbcrung beftetttc Sici^cri^cit frei ju Derfügcn
bcrcd^tigt.
3nroicrocit nad) franj. SRc^te n)ä()renb bcö SBeftc^enö bcr 6l^e auf bie
bem aSatcr fraft feiner eltcrlid^cn (Seroalt juftel^cnbc 33erroaltung bcö Äinbcö-
oermögenö (code civil 3lvt. 389) biejenigen SBcfd^ränfungcn änroenbung finbcn,
roeldicn ein SBormiinb unb nad^ Sluflöfung bcr e^e burd^ bcn S^ob bcr ß^c*
frau auci^ ber SJater als gefefelici^cr SBormunb fcincö ftinbcö unterliegt (code
civü 9trt. 390), inöbefonberc bie SSorfc^riftcn bcö code civil 3(rt. 457 (tjcrgt.
baju (Sntfc!^. b. 91. ®. in 6ioiIf. XI, 81), rocld^e bcn aSormunb bei ber Stuf*
nal)me eineö S)arfel|enö, bcm üBerfaufc oon ©runbftürfcn unb ber 33claftung
von ©runbftücfen mit ^Qpot^eten an obcroormunbfd^aftlici^e (Genehmigung
binben, ift beftritten.
9?ad(l bem fäd)f. ®. 33. § 1818 ift ber Sßater bercd)tigt, bcroeglidje ©ad&en
ber minberjä^rigen Äinber ju pcräufeern. ©agcgen fann er unberoeglid^c
©ad^en, rocnn bie Äinber minberifil^rig finb, nur mit ©enc^migung beö SSor*
munbfd&aftögerid^teö t)erau§ern. S)aöfclbe gilt oon Äoftbar!citen, ®oIb* unb
©ilbergeröt^cn, ©efammtfad^cn, öffentUd^en Ärebitpapicren unb 9lfticn. 3m
Uebrigen f^at er baö SRcd&t, feine minbcrjä^rigcn Äinber auc^ in 9lnfel^ung
i^rcö SBcrmogcnö ju vertreten (§ 1821). 3)aö roeimar. ©ef. o. 27. SRära 1872
§§ 4, 5 mad^t von ber Siegel, bafe bcr 3n^aber ber ctterüd^en ©eroalt baö
Rinb }u tjcrtreten unb inöbefonbere bie ju bem 38crmogen beö fiinbcö
gel)orenben ©egcnftänbe frei ju ocraufeern befugt ift, eine 2luönal^mc in 21^
fel^ung ber SSeräufeerung unbcroeglid^er ©ac^en unb bcr biefen gleid^ftc^cnbcn
®ered)tfame, foroie in 9lnfe^ung ber 3lufna^me von 2)arle^en. 3^ biefen
9led^tögefd&äften ift bie ©ene^migung beö SBormunbfd^aftögeridjiteö erforberlid^.
stttnbpunft 5Dcr ©ntrourf l[iat burd^ bie im 8Befentli(^cn ben SBorfd^riften beö SBor«
^'**"f;;j"'^*^ munbfdjaftörcc^tcö (§§ 1674, 1676) fid(| anfc^Uefecnbcn »cftimmungen bcö
«agemeinen; § 1511 bic ^a\)l bcricuigcn ^äDc, iu vDclä)cn bie SBertrctungömad&t beö 3n*
fiaberö ber elterlid^cn ©eroalt in 2Infe^ung foli^cr 9le^tögcfd(|äfte, roelc^e auf
baö ber eltcrüd^en SScrroaltung untcriiegenbe SBermögen beö Äinbeö fid^i bejie^cn,
baburdö eingcfd&ränft wirb, bafe ju ben fonftigen allgemeinen ©rforbcrniffen
ber SBirffamfeit bcö betreffenben 9led(|tögefd^äftcö afö rocitercö ©rforbernife bic
©encfimigung bcö aSormunbfd^aftögerid^teö l^injutrcten foU, gegenüber bem
geltenbcn SRcd^te nid^t unerljcblid^ uerme^rt (ücrgl. aufecrbcm § 1341 3lbf. 2,
§ 1431 3lbf. 2, §§ 1957, 1960, 2020, 2024, 2043, 2044, 2094). 2){efe
rocitcrge^enbe Scfc^ränfung ber SBertretungömadjt beö 3n^aberö bcr clterlid^en
©eroalt rcd&tfertigt fid^ t^eilö burd^ ben oormunbfd^aftlid^en Äarafter, rocld^cn
bie eltertid^e ©croalt nac^ bcm ©ntrourfe ^at, tl)cilö burd^ bie SHüctild^t auf bie
Si^cr^eit bcö Äinbcö, ba nad; bcm ©ntrourfc bcr 3nl)abcr bcr clterlid^en ©croalt
JU einer ©id^cr^eitöleiftung regelmäßig nid^t oerpPid&tet ift unb bem fiinbe
aud^ ein gcfcfelic^cr ;i:itcl auf ScftcUung einer ^i)potl)c! nic^t juftc^t (ocrgl.
S. 744 ff.). Sluf ber anbercn ©eite ift aber ber ©ntrourf in bcr Scfc^ränfung bcr
5ßertrctungöma^t bcö 3nl)abcrö bcr cltcrlid^cn ©croalt nid&t fo rocit gegangen,
bafe er bcn le^tcren in bicfcr 93cjiel^ung bem SSormunbc ganj glcid^ftellt. ä^roft
bcr 93cftimmimgcn beö § 1511 ift bie ©tcHung bcö 3tt^ttbcrö bcr elterlichen
©croalt, fooicl feine SBcrtrctungömad^t betrifft, nad^ bem ©ntrourfe eine
eitcrll^c Oetuatt. ©ürßc für baö SSermö0cn beö Ätnbcö. § 1511. 765
crl^eblid^ freiere ald bie beö SSormunbeö. Slbgefel^eu baüou, bofe bic 93c*
ftimmungen beß § 1674 3Ir. 4, 5, 7, 8, 13 auf bie clterli^e ©eroalt nid^t
übertragen fmb (oergf. auci^ § 2044), finben aud^ bie bzn SBormunb bc-
f^ränfenbcn SSorfd^riften ber §§ 1669—1671, Dorbe^altlic^ ber im § 1547
beftimmten 3tuönal;me, auf bcn Snl^aber ber ettcrlid^en ©eroolt feine 2ln=^
wenbung. 3)ur(i^ biefe 3lrt ber Siegelung wirb einerfcitö bem 3ntereffe beö
Äinbeö, anbcrcrfcitö bem geltenben Siedete unb bem natürlid^en SBer^ältniffe
jioifd^en ben ©Hern unb Äinbern in angemeffener SBeife SRed^nung getragen.
33a ber ®runb ber bem 3nl)aber ber cltcrlid^en (Seroalt eingeräumten freieren
Stellung nid^t in ber mit ber elterUc^en (Bemalt regelmögig Derbunbenen
elterlichen Jlufeniefeung, fonbern in bem natürlidf)en SSer^filtniffe jroifd&en ben
eitern unb Rinbcrn liegt, fo ift eö au^ nid(|t gercdjtfertigt, jroifd^en bem ber
elterlid&en Siufeniefeung unterliegenben Kinbeöpermogen unb bem freien 33er*
mögen ju unterfc^eiben unb in älnfel^ung beö le^teren bie SSertretungömad^t
beö Sn^aberö ber elterlid&en ©croalt in gleid^er SBeife ju befd^ränfen, roic bie
eineö SSormunbeö. ®inc fold^e ®leid)ftellung ift um fo weniger gered^tfertigt,
alö in bem i&auptfaHe beö freien Rinbeöoermogenö, mcnn nämlid) ein dritter
bem Äinbe SBermogen mit ber 33eftimmung jugerocnbct l)at, bafe bem SnI&aber
ber elterlid^en ©eroalt jroar bie SSermögenöuerroaltung verbleiben, aber bie
elterliche ^{u^nicgung an bem jugeroenbeten äSermögen nic^t juftelien foQe
(§ 1517), ber ©ritte gerabe baburc^, bafe er bem 3nl|aber ber elterlid^en ©e*
roalt bie SBermögenöoerroaltung nid^t entjie^t, ju erfennen giebt, ba§ er bem*
felben in biefer ^infid^t üoUeö JBertrauen fd^enfe. Qvibtm finb bie gäHe, in
meieren baö Rinb freieö Sßermögen biefer 2lrt ^at, feiten. 3ft bem 3nl)aber
ber elterlid^en ©eroalt aber jugleid& bie SBcrmögenöperroaltung entjogen unb
beöl^alb eine ^ßflegfd^aft angeorbnet (§ 1738), fo finben, roie auc^ ber ©in*
gang beö § 1511 erfennen läfet, in 3lnfel^ung beö ber SBcrroaltung beö ^flegerö
unterliegenben SBcrmögenö nid^t bie JBorfd&riften beö § 1511, fonbern beö
§ 1674 unb bie fonftigcn bie SSertretungömad^t beö SSormunbeö befd^rfinfenben
Seftimmungen nad^ SWafegabe ber §§ 1743 ff. STnroenbung.
3)ie naivere SBegrünbung ber einjelnen Seftimmungen beö § 1511 ift ^^)«
roegcn il;reö Sufammen^angeö mit ben beftel^enben SBormunbfd^aftöred{)tcn ben
3Hoti»en ju bcn entfpred&enben Seftimmungen ber §§ 1674, 1676 oorbel^altcn.
$ier ift wegen ber bem 3nf|aber ber clterli^en ©eroalt im 93crgleid^e mit bem
SSormunbe eingeräumten freieren ©teHung im ßinjelnen noc^ golgenbcö
^eroorjul^cben.
1. aSie auö § 1503 3lbf. 1 in SBerbinbung mit ben §§ 1649, 1511 ft^ ^„^^IHn-
ergiebt, fann nad^ bem ©ntrourfe ber 3ni^aber ber elter lid^en ©croalt, Don fe^unaber'
S^enfungen (§ 1503 9lbf. 1 tjerb. mit § 1661) abgefel^en, über bie gorbcrungen, S«*»«"*"«««-
roeld^e ju bem feiner eltcrlid^en SSerroaltung unterliegenben SBermogen beö
Äinbeö gehören, mit Sluönal^me ber im § 1511 3lbf. 1 3lx. 2 unb im § 1651
9lr. 3 (oergl. § 1503 SIbf. 1; preufe. 91. S. SR. 11, 2 § 169) bejeidjneten , frei
verfügen. @ö gilt bieö inöbefonbere auc^ Don ben Slnfprüd^en auö ig^pot^efen
unb ©runbfd^ulben, foroie üon SBertl&papieren. ®ine Uebertragung ber aSor*
fd[iriften beö § 1669 auf bie eltcrlid^e ©eroalt ift baburd^ auögefd^loffen , bag
eö bei ber le^teren an einem ©egenoormunbe fe^lt. @tatt beffen bie 93er*
Ginjelnen.
766 (älterlid&e ®e\mlt ©croc für baö gSermoflcn bc8 Äinbc«. § 1511.
öufecrung uub SciQftuug oou c^i)poll^cfen, ©runbfc^ulbcu unb SBcrt^papiercn
in allen gäücn an bic (Scncfimigung bcö SBormiinbfci^aftögcric^tcö ju binbcn,
lüürbc — ganj Qbgcfcljcn von ber baburd) bcn 93ormunbfd&aftsgcrid)tcn
errood^fcnbcn großen ©cfd^ftftölaft bcrcn ©rleic^terung burd^ bic SSorfc^rift bcö
§ 1669 lücf entließ mit bejroccft wirb — mit ber burci^ bic natürlid^en ajerj^ölt-
niffc angcjcigten freieren ©tcUung bcö 3nf)abcrä ber elterlici^en (Seroalt nic^t
Dcreinbar nnb aud^ üom ©tanbpunftc bcö Sntcreffcö bcö Äinbcö auö bcbenflid^
fein, ba in manchen gällen, um 9tad)tlicilc oon bcm Jlinbc abjurocnben, eine
fd)Ieunige SBerfügung über ^^potlicfen, ©runbfc^ulben unb aSertlipopierc
crforberlic^ wirb, ber mit ber €inl^otung ber ©cncl^migung beö SBormunbfd&aftö*
gcrid^teö immer ücrbunbenc 3<^it^^riwft bcm Äinbe bal^er unter Umftänbcn
jum erheblichen 3?ad)tljcile gercid)cn fann. Ste^nlid^c ©rroägungen fpredjcn
auc^ bagegcn, bic aSorfd^riften ber §§ 1670, 1671 auf bic efterfid)e ©eroolt ju
übertragen. 3)aö natflrli(i^c Sßerl^ältnife jroifd^en ®(tern unb Äinbern bürgt
bafür, bafe ber 3n^aber ber eltcrlid^en ©emalt feine SScrtretungömaci^t in
3lnfe^ung ber liier fraglid}cn, an fid) über bic (Srenjen einer geroöl^ntid^en
SSermögenöDcrroaltung nid^t l^inauögel)enben ®efd)äfte nid)t auf Jloften bcö
Äinbeö mifebraud^en roerbe. ^ür bic 9luönaf)mefäne, in meldten ber 3nl^aber
ber eltcriid&en (Semalt bic in 9tnfel^ung ber SBermögenöoerroaltung ober ber
cltcrlid^en Sfiufeniefeung iljm oblicgenbcn aSerpflid&tungen ücrlc^t ober in SBer^
mögcnötJcrfaU gerätf) unb in beiben gällen juglcid) eine crl)eblid^e ®efä{|rbung
ber 9led(|te bcö Sinbeö für bic 3wfunft ju beforgen ift, gemalert ber § 1547
bic aKögIid)!eit, bic SBertrctungömad&t bcö Sn^aberö ber cltcrlid^en (Scroalt in
9lnfcl)ung ber ^x)poÜ)ttcn, @runbfdf)ulben unb 3Bert^papierc, mie ber ju bcm
93ermögen beö Äinbeö gc^örcnben Hoftbarfeiten nad& SRafegabc ber §§ 1670,
1671 JU befddränfen. Um fo bebcnflid^er ift eö, bcn 3n^aber ber eltcrfic^cu
(Semalt in bcn l)ier fragtid)cn SBcjic^ungen bcm SSormunbc glcid^äuftellen, atö,
mie bie obige Ueberfic^t (®. 762 ff.) jcigt, au^ baö beftc^enbc 3lcd^t überroiegenb
bic 3Sertretungömad^t beö 3n^abcrö ber elterlid^en ®emalt in 9lnfe^ung ber ju
bcm aSermögen beö Äinbeö geljorcnben gorberungen, inöbcfonberc aud^ ber
,^i)pot^cfen, ©runbfd^ulben unb 9BcrtI)papierc, nid^t befdirönft unb namentlid^
awd) bie preufe. SSorm. D. v. 5. 3uli 1875 eö nid)t für erforberlic^ crad)tct
I)at, bcn aSater alö gefefelid^cn SSormunb feineö Äinbeö in bcn l^icr fraglid&cn
S3ejieljungcn 93cfd^ränfungcn ju untcrroerfen.
(Sine 9luönal^mc Don bcm ^rinjipe, bafe ber Sn^aber ber eltcrlid&en ©ematt
in ber SBcrfügung über bic jum Sicrmogen beö ftinbeö gctjörenbcn gorberungen,
cinfd^Iic^Iid) ber §i)potl)cfen, ®runbfd)ulben unb SSBertfipapierc, nid)t befd^ränft
merben barf, empficlilt fid^ aud) nid)t für fold(|c gällc, in meieren bcm Rinbc
eine gorberung, .§r)pot^ef ober CSrunbfd^ulb auf CSninb eineö Sfled&tögcfd^äftcö
ermorben ift, ju mcldicm eö na^ § 1511 ber ©enc^migung beö aSormunb^
fd^aftögcrid&teö beburfte. 3"^^^^ ^^^^^h wenn ba& Icgterc bie ©cnefimigung ju
bem SRcd^tögefd^äftc in ber 3Jorauöfefeung ert^eilt l)ai, bafe bie auf ©runb bcö
91cdE)tögefdf)äfteö bem Minbe alö 3lequioatcnt erroorbcnc gorbcrung, i&qpotl^et
ober ©runbfd^utb bcm Hinbe crl)alten bleibe, in ^olgc ber bcm 3nf)aber ber
eltcrlid^en ©emalt Dufte^enben unbefd^ränften 33crtretungömac^t icne ©rmartung
beö aSormunbfd^aftögeric^tcö getftufd^t merben, inbem ber 3ni^aber ber elter^
ettcrli^e ©ciwalt. ©orgc für ba8 Sermööen beö Äinbcß. § 1512. 767
lid^en (Scroalt über baö bcm Jlinbc crroorbene 3(cQuit)oIcnt jum Jlad&t^cilc bcö
Rinbc« fofort ju Dcrfiigcn in bcr Soge i[t. 3nbcf{cn ift baa 93cbürfni§ einer
folc^en, bcm geltenbcn 9led)te unbefannten 3ludna^mebeftimmung um fo lücnigcr
anjuertenncn, ate baö SSormunbfd^aftögerid^t, n)eun cä bem Snljaber ber elter^^
Ud^cn @cn)oIt ju mißtrauen äScranlaHung l^at^ bie ®enel)migung ju bem
9led^tÄflefd)äftc nid&t ertljeileu wirb. Ueberbicß mürbe eine berartige Sluß^
na^mcbeftimmung im Sntercffe ber ©idjierl&eit bed 3Serfel)rcö bebenflid) fein,
ba 3)rittc nid^t miffen fönnen, ob bie betrcffenbe ^orbcrung, ©runbfci^ulb ober
^ijpot^ct bem Rinbe auf ®runb eines 9led^tögef(^äftcö erworben ift, roeld^eö
ber ©ette^migung beö SSormunbfd^aftdgerid^tes beburfte, unb bie ©rmittelung
biefed Sod^oer^olteö oft mit SBeittauftgleiten Derbunben ift.
2. Slbmeid^enb uon bem 33ormunbfd(iaftärec^te ift jn ben im § 1674 conftige
5lr. 4, 5, 1, 8, 13 bejcid&neten 3?eci^tögefci^äften bei ber elterüdden ©eiualt bie ^In^'bcrJBor"
Oene^migung bcö aSormunbfd^aftdgericöteö mi^i üorgef^rieben. SBenngleid^ *"""g?tf"'
jujugeben ifi, ba§ namentlid^ für bie Uebertragung ber 33eftimmnngen beö
§ 1674 9lr. 4 nnb 5 fil^nlid&c ®rünbe geltenb gemad^t werben fonnen, roic bie*
icnigen, ouf mcld)en jene 93eftimmungen berufen (ocrgf. bie SWotioe ju § 1674),
fo fäHt bod^ gegen bie Uebertragung bcr l^ier fraglid{)en Seftimmungen auf bie
clterlid^e ©emolt entfd^cibenb inß Oeroic^t, bafe biefelbe bem in ben meitauö
meiftcn Sled^tögebieten geltenbcn Siedete gegenüber ate eine Steuerung ^\i^ bar*
fteHt unb baö Sebürfnife einer 9lenberung beö geltenbcn Sied^teö in ben Ijicr
fraglidden 93cjic^ungen nid&t l&eroorgetreten ift, in ©rmangelung eineö bringeuben
praltifd^cn Sebürfniffeö aber man Slnftanb nel^mcn mufe, in bie auf einer
natürUd^en ©runblagc berul^cnbe unb beöl[ialb mit ber äSormunbfd^aft nid^t
o^ne SBcitereö glcid^jufteUenbe elterlid^e ©eroalt befd&ränfenb cinjugrcifen. Sin*
(angenb inöbefonbere ben 93ertrag über bie äluöeinanberfe^ung in Slnfel^ung
einer 6rbfd(iaft, fo fommt weiter in 93etrad[|t, bafe in ber großen 2Rel|rja{)I ber
gällc nur foId(|e ©cgenftänbc ju ber 6rbfd&aft gel)oren werben, über wetd^e ber
3nl^ober bcr elterlid^en ©ewatt aud^ fonft frei ücrfügen fann, wäl^renb eö in
3[nfel^uttg onbcrer ©egenftänbe bei ben 93eftimmungen beö § 1511 oerbleibt.
gür fold^c i^älle, in meldten ber 3nl(iaber ber elterlid^en ©ewalt felbft SWit-
erbe ift, gewährt bcr § 1651 9lr. l oerb. mit § 1503 Slbf. 1 beut Äinbe ben
nöt^igcn ©c^u^
§ 1512.
©ur^ bie bem ^wedfe ber Sßorfc^riften beö § 1511 unb ber ©adjlage ucuriaffunÄ
entfpred^enbe SJorfd^rift bcö § 1512 foDcn bie fonft leidet möglid^en 3">cife( ajermaSen«.
über ben ©inn unb bie SE^ragwcite beö § 69 befeitigt werben, wcfd^cr bie bort flegenftÄitben
bcicid^nctc SBirfung baoon abi^ängig mad^t, bafe bem Äinbe bie oon bcm*"" "' "'
fclben jum Snjcdfe ber ®rfüUung eineö oon i^m gefd^Ioffenen SBertrageö T)er5
roenbeten aScrmögenögcgcnftänbc oon bem gefcfelid^cn SBertreter ju fold^em
3wedEe ober ju freier SScrfügung redf)tögü(tig übcrlaffcn ftnb. 3luö § 1512 in
SBerbinbung mit § 69 ergiebt fid^ juglcic^ inbireft oon felbft, bafe ber 3nl|abcr
ber eltcrlid^en ©ewalt fotd^e ©egcnftänbc, ju beren SJeräufeerung bie We*
nel^migung beö SSormunbfd^aftögerid^teö nid^t crforberlic^ ift, bem jlinbe jur
768 Srtcrltc&c ©ctoalt. ©orQc für boö SSermöflcn bcö Äinbc«. §§ 1513—1515.
©rfüHung bcr ^Bcrpftid^tungen auö einem Don bcmfelbcii gcfc^Ioffeiicn SBcrtrogc
ober }u freier SBerfügung überlaffen fanu. ®a eine fold^e Ueberlajfung fidji
als eine gcnercDe (Sinroittigung bcö gefefeUdden SBcrtreter« ju einem größeren
ober geringeren Äreife tünftig von bem Kinbe oorjunel^menber SRed^tftgefd^äfte
fara!terifirt, fo tonnte bic allgemeine 3wläfiigfeit einer fofc^en UebcrfaRung
t)on bem ®efid)töpun!te aus, bafe bie ©rt^eilung einer generellen ©inroiUigung
}u 9led^t3gefd)äftcn bed Ainbed Don Seiten bed gefe^Ud^en Vertreters mit bem
Smedfe ber von bem Oefefee ju SRedjitdgefci^äftcn eines SRinberiä^rigen oor^
gefd^riebenen ©inmilligung (§ 65 Slbf. 3) regelmäßig nid^t ocrcinbar unb bcö-
Ijalb ate unmirffom anjufe^ien fei^ beim gönjlic^en @d^roeigen bed @efe|ed
in 3w)eife( gejogen werben. 9lud& ouö biefem ©runbe empfiehlt fic^ bie Sluf-
na^me beö § 1512, obrool^I ber birefte 3ni^ölt beöfelbcn oieUeid^t fd^on aus
bem Q^tdt ber Seftimmungen beö § 1511 hergeleitet merben fönnte.
e'm*" • ®'*^^ Seftimmung, ha% ber Snl^aber ber etterlid^cn ®emaft audji in
»ermö^rt folc^en gfillen, in meldten er bem ftinbc SBermogenSgegenftänbe ju freier 83er*
bes Ätnbe«. ^ügnng übertaten fann, bem Äinbe quo beffen ©tammoermogen ©egenftänbc
}u biefem S^edEe o^ne (Senel^migung beö 93ormunbfd^aftögerid^teö nid(|t über«
laffen fofl, ift im ^inblidEe auf bie allgemeinen ©runbfäfee über bie SScr*
antwortlid^feit beö Sn^aberö ber elterfid^cn Ocroalt (§ 1503 9lbf. 1 ocrb. mit
§ 1696) alö entbel^rlid^, ani^ im ^inblidfe ouf fold^e Sötte, in meld&en baö
äSermögen beö Äinbeö nur geringfügig ift, alö ni^t angemejfen erad&tct
§ 1513.
«ag. ermfit^-' 5IBegen ber 33egrünbung beö § 1513 mirb auf bic 3Kotit)e ju ben analogen
%" aSorfdjiriften beö § 1675 »ejug genommen.
gef<l^äften.
§ 1514.
Q^MMun ®^^ Seftimmung beö § 1514, weld^c ein attgemeineö 5ßrinjip für aDc
be« sorm. dled^tögefd^öfte entljölt, ju loel^en bie (Genehmigung beö SSormunbfc^aftögeric^teö
®cri<5te«. crforbertid^ ift (oergl. §§ 1507, 1511, 1341 3lbf. 2, § 1431 3lbf. 2, § 1547
üerb. mit § 1671, §§ 1589, 1600, 1613, 1629 Slbf. 5, §§ 1630, 1957, 1960,
2020, 2043, 2044, 2094), red^tfertigt [\6) burd^ bie 3lnalogie ber SBorfd&riften
bcö § 1681. ©ö mirb beöl^alb auf bie aRotioe ju § 1681 üerroiefen.
§ 1515.
ein?«^lril n ®^^ bcftci^enben SRedöte enthalten eine bem § 1515 entfpred&enbe SSorfd&rift
"eTOcrw!" jroar oietfac^ für bcn aSormunb (tjcrgl. bie SKotioe }u § 1663). dagegen ift
9ef<5Äfte«. ^^^ geltenben SRed^te auf bem ©ebiete ber clterlid&en ©ematt eine berartigc
aSorfrfirift unbcfannt. S)ie Uebertragung berfelbcn auf bie elterliche ©ematt
empfiel^lt fid^ aber im ^inblirfe auf ben t)ormunbfd^aftlid(|cn Äaraftcr ber
legteren unb in ber @rn)ägung, ba% bie 92eubegrünbung eineö @rmerbögefd(|äfteö
gan j außerhalb ber gcn)ol)nltd^en SSermögenöoermaltung liegt, burd^ baö Sntcreffe
beö ^inbeö nur in feltenen Ratten geboten fein mirb unb für baö fiinb
Sltcrticftc ©ctualt. ©orge für baö SSermoflcn. § 1515. 769
immer mit einer größeren ©efa^r t)erbunben ift. 9Inberö oer^ält fic^ bagegcn öortfü^runft
bie ©aci^e in 5lnfe^ung ber Fortführung eines befte^enben ©rroerbögefd^äftcö, gnierb«.
mag baöfelbe bereits beim 93eginne ber elterlichen ©eroalt jum SBermögcn bcö fl*f<^«tte8.
Äinbeö gehören ober bem Slinbe fpäter buri^ ©rbfolge, 9SermädE)tniJ3 ober
©d^enfung jugefaUen fein. 2)ie gortfül^rung eines befte^cnben ©rroerbö-
gef^äftes Hegt ni^t außerhalb ber geroöbnlid&en SBerroattung, t)ielmel)r befielt
bie ©orge für bie (grfiattung bes SSermögenS l^ier gerabe in ber Fortführung
beß ®rroerbsgefd&äftes. Um fo me^r ^at ber ®ntrourf Slnftanb genommen,
bie SSorfd^rift beä § 1515 auf bie .Fortführung eines ju bem SJermögen beö
Äinbes ge^örenben ©rrocrbsgef^äfteS ausjube^nen, als bie in bem StegicrungS-
entwürfe ber preufe. SBorm. D. enthaltene S3eftimmung, bafe aud^ ju ber "^oxU
fefeung eines bem äWünbct ge^orenben ©rroerbsgefd&äftes burc^ ben SSormunb
bie Oene^migung beS SBormunbfd&aftSgeric^teS erforberlid) fein foHe, auf SBer^
anlaffung ber ilommiffion bes |)erren^aufeS oon bem Sanbtage im Sntereffe
bes SSerfe^reS unb ber 3nbuftrie unb weil bas Oefd^äft nic^t bis jur ©nt-
fd&eibung bes Sßormunbfd^aftsgerid^tes ftillc fteljen fönnc, geftrid^en morben
ift (ocrgt. preufe. SSorm. D. § 42 9Jr. 9). S)a6 aud^ bie 3lenberung eincö
©noerbsgcfd^äfteS infomeit, als biefelbe -- roas eine a;^atfrage ift — alö
Sßeubegrünbung eines (Srroerbsgefd^äfteS fid^ barftcHt, ber (Sene^migung beß
SBormunbfcftaftsgerid^teS bebarf, tjerfte^t fid[) üon fclbft. ©arüber fiinaus ju
einer 2(enberung im S3etriebe beS @rrocrbsgefd[|äftes bie (Genehmigung beS 33or*
munbfdf)aftsgerid^tes ju verlangen (oergt. preufe. SBorm. D. § 42 3lx. 9), ift
praftifd^ nidbt burd^fül^rbar unb im ^inblicfe auf bie allgemeinen ®runbfä|c
über bie S3erantroortlidf)feit bes Snl&aberß ber elterlichen ®emalt bei Führung
ber ajermögensoerroaltung (§ 1503 3lbf. 1, § 1696) entbet)rlid&. ^nforoeit
ftimmt ber § 1515 mit bem § 1663 übercin. 3lbroeid&enb pon ber SJorfc^rift ^"JJ^[']"ö
bes § 1663 foH aber ber 3nbaber ber elterlid^en ©eroalt, t)orbcf)altlid[| ber eni^bs.
33eftimmung beS § 1511 3lx. 9, nad^ roelc^er ju einem 93ertrage über bieSSer? Q«^«^«?'«^. |
öufeerung eines ju bem SBermogen beß ÄinbeS ge^örenben ®rroerbsgefd)äfteß
bie ©enei^migung bes SSormunbfd&aftSgerid^teS erforbcrlid^ ift, nic^t, roie ber
SSormunb, in 3lnfefiung ber 9luflöfung eines ju bem SSermögcn beS Äinbeö
gcliörenben ©rroerbsgefd^äftes an bie ©encl)migung bes SßormunbfdjiaftSgerid^tcs
gebunben fein. S^av greift in vielen FöDen bie Sluflöfung eines befte^enben
erroerbsgcff^äftes, namentlicl), roenn basfelbc ein ererbtes ift, in bie SJer^ält^
niffc bcs ÄinbeS tiefer ein, als ber beginn eines ©rroerbsgef^äftes, jumal bie
Siquibation eines ©rroerbsgefd^öfteS erfa^rungsmäfeig oft mit großen aSerluften
uerbunbcn ift. ^nbeffen ift bie Sachlage bei ber elterlid&en ©eroalt unb ber
33ormunbfdöaft in biefer ^infid^t nid&t bie gleid^e. 5Der 3nl)aber ber elterlid^en
©eroalt bot roegen ber mit berfelben regelmäßig ocrbunbenen elterlid^en 3lu%'^
nießung ein eigenes Sntereffe baran, ben tjort^eilljaftcn betrieb eines ©rroerbs^
gefd(|äftes für bas Äinb fortiufeßen (oergl. § 1527). dagegen roirb ein aSor^
munb, welcher bem 3Rünbcl jubem meift ferner fte^t, leicf)ter geneigt fein, ben
»etrieb eines ®rroerbsgefd{)äftes aufjugebcn, um ber mit ber Ueberroad^ung
beßfelbcn Derbunbenen größeren SJiü^e unb aSerantroortlid^feit überl)oben ju
fein. S)aju tommt, baß ber 3n^abcr ber elterlid^en ©eroalt einer regelmäßigen
äufpd&t beß aSormunbfd&aftSgerid^tes nic^t unterliegt unb baljer otinebin e^er
770 ertcrli^c Sluftniefeunfl. SorBcmcrfung. (§§ 1516—1519.)
in ber Soge ift, baß ©nocrbögcfc^äft tl[|Qtfäd)ttci& clngcl^cn ju [äffen. 3)ic äuö*
bc^inung bcr SSorfd^rift bcß § 1515 auf bic Sluflofung beö ©rrocrbögcfc^äftcö
ift mithin für bic cltcrlid&c ©croalt t)on üicl geringerer proftifd^er Sebeutung,
als für bie SBomtunbfd^aft. 3n ©rmangelung eine« bringenben praftifc^en
33ebürfniffeö ift ober bie ©inmifd^ung beö SSormunbfd^aftfigeric^teö in bie SBer^
TOaltung beö 3n^abcrö ber eltcrlid^en ©eroalt überl^aupt unb inöbefonberc bei
ber gü^^uufl ßitieö ©rroerbögefd^öftcÄ ju üermeiben.
Äcrafter ber gßie bie gaffung beß § 1515 Mar ergiebt, l^at bie SBorfcftrift bcöfelben
^^^^^^v ^^^ lebiglid^ ben Äaraftcr einer DrbnungöDorfd^tift. ®er SHangel ber Oene^migung
»or?*dft' ^^^ SSormunbfci^aftägerid^ted ift mithin auf bie SBirffamfeit ber in bem S3e*
triebe beß nid^t gcncl^niigten ©rrocrbögcfd^äftcft oon bem Sn^aber ber elterlid^en
Oeroalt gefd^Ioffenen SRed^tögefd^äfte ol^ne ®influfe. Db bicö aud& ber ©tanb*
punft ber prcufe. SBorm. D. ift, crfd&eint jroeifet^aft (oergl. § 42 Sir. 9 mit § 44
baf.). 33er gegent^eiligc ©tanbpunft bro^t aber nid&t nur bie ©id^er^cit beß
SBerfel^reß in l^o^em ©rabe ju gefäl^rben, fonbem ift aud^ ^ingefc^en auf baß
Sntereffe beß Äinbeß bebenftid^, namentlid^ rocnn man bie von bem Sn^abcr
ber elterlid^en ©croalt im Setriebe eineß fold&en ©rroerbßgefd^äfteß oors
genommenen SSeräufeerungßgefd^äfte inß 9luge faßt unb berüdffid^tigt, ba§ bie
^ier fragUdf)cn SRed^tßgefd^äfte aud^ t)ortl|eill^aft für baß Äinb fein fonnen.
3)iefe 33ebenfen treten namentlid^ bann l&crt)or, roenn baß ©rroerbßgefd^äft
üielleid^t fdf)on längere 3cit l^inburd^ betrieben ift unb erft je^t ber ÜJlangel ber
©ene^migung beß SBormunbfd^aftßgerid^teß jur ©pradiie fommt. S^rofe beß
Äara!terß ber SBorfd^rift beß § 1515 alß einer Drbnungßoorfdjirift l^at biefelbe
infofern immer nod^ pra!tifd(ien SBert^, alß bie Uebertretung berfelben bie
S8erantroortlid^!eit beß Sn^aberß ber elterlid^en ©eroalt gegenüber bem Äinbe
begrünbet (§ 1503 Slbf. 1, § 1696) unb bem 5Bormunbfd(iaftßgeri(^tc bic
S3efugni§ jum ©infc^rciten nad^ SWafegabc ber §§ 1547 ff. geroä^rt. gemer
l^at bcr aKongcl ber ©cncl^mlgung beß SBormunbfd^aftßgeri^tcß nadji § 1527
2[bf. 2 bie roeitere golge, bafe in einem fold(|en galle bie bcfonberen Seftim^
mungen beß § 1527 3lbf. 1 über bie elterlid^e SRufeniefeung an einem ju bem
SSennögen beß Äinbcß gel)örcnben ®rroerbßgef(^äfte feine 3lnroenbung finben.
älß eine angemeffene ©rgänjung bcr Drbnungßoorfc^rift bcß § 1515 erfd^eint
aufeerbem bie Scftimmung beß § 1511 SRr. 9, meldte bie rec^tlid^e SSBirffamfeit
ber bort bcjeif^nctcn, auf bie Segrünbung eineß ©rroerbßgefd&öfteß abiielenben
5led&tßgcf(^äfte von ber ©enel^migung beß 9Sormunbfd^aftßgerid(|tcß ah
gängig mad^t.
3. ßltcrlic^c Jlugniclung.
§§ 1516-1519.
x)er elter. ^n bcu ÜKotiocu JU §§ 1501, 1502 ftub bcrcitß bic ©rünbc bargelcgt,
^'mlT ^"^ melden ber ©ntrourf bie Unterfd^eibungen bcß vorn. SRcc^tcß jroifd&cn
unteriiegeiu pecullum castrense unb quasi castrense, adventicium reguläre unb irreguläre
»ermbgen! aufgcgcbcn l^ut uub im 3lnfc^luffe an bic neueren ©efefegebungen nur jroifd^cn
fold&em aScrmogen beß Älnbeß, rocld^eß ber elterlid^en SRufeniefeung unterliegt.
erterlid&c 9tu^nic§un0. Sorbemccfuitö. (§§1516—1519.) 771
unb STOifc^cn freiem SSermögcn bcö Rinbeö, b. 1^. folci^em SBermögcn besfelben
unterfd^eibet, toeld^efi, aud^ menn bcm S^l^aber ber elterlid^en Oeroalt bie
elterliche aScrroaltung juftc^t, von bcr elterlid^en ^lufeniefeung auögefd^f offen
ifl (oergl. oben ©. 729).
3laä) § 1502 3lv. 2 ftnb regelmäßig qUc ju bem aSermogcn bes £inbe« §«o« ^««
ge^örenben Oegenftänbe ber elterlichen Slugnießung unterworfen (Dcrgl. preufe. «crmTJln«.
ä. Ä. 91. II, 2 §§ 156, 157 unb baju entfd&. b. SR. ©. bei ©rud^ot XXIX
©. 927 ff.). S)aö freie Sßermögen beö Äinbeö bilbet bie 3ludna^mc, unb ^ot
bed^alb berjienige, meld^er ftd^ auf eine fold^e äludnal^me beruft, biefelbe nad^
oUgemeinen ©runbfäften (§ 194) ju beroeifen (uergt. ßntfc^. b. SR. D. §. ®.
vn, 3 ©. 26). S)ie 9luöna()men pnb in ben §§ 1516—1519 auöfd^liefelidji
beftimmt. 3>idbefonbere gel^t ber @ntmurf baoon a\i^, bog oud^ folc^e SRed^te,
an meldten, meil biefelben fraft pofitiüer Seftimmung nidjit übertragbar finb,
burdji Sted^tögef^äft ein Sliefebraud^ nid^t begrünbet werben fann (§ 1022),
I wie ber e^clid^en 9iu|niegung, fo auc^ ber elterlid^en 9lugniegung unterliegen.
i 5Rur inforoeit als bie JRed^te ifirem Sn^alte nad^ burc^ einen 3lnberen als ben
Sered^tigten nid^t genügt werben f'önnen, finb biefelben fetbftoerftänblic^ aud&
üon ber etterlid^en 5Ru6nie§ung audgcfd^loffen (oergl. bie aWotioe ju § 1285).
I SBerfc^iebene Mcd&te ^aben üon ber Siegel, ia^ baö SSermogen bed Rinbeö «we^nun«
j ber elterlid^en 5Ru|nie6ung unterliegt, nod^ in anberen gäUcn, als ben in ben "^aS^
§§ 1516— -1519 be}cid{)neten, Slußna^mcn beftimmt.
3)ie ©rünbe, ouö weld&en ber ®ntwurf bie in üerfc^iebenen Sted^ten fid^
finbenbc SSorfd^rift nid^t oufgenommen ^at, ba§ ber ®rbtl)eil oon ber elter^»
' Hd^en 33erwaltung unb Slufeniefeung auögefd^loffen ift, wetd&cr ben Äinbem
jufäDt, weil bcr 3nl^aber ber elterlid{)en ©ewalt red^tmäfeig enterbt ober für
erbunwürbig crflärt ift, finb bereits in ben SKotitjen ju § 1510 oben @. 762
bargelegt.
9lad& röm. unb gemeinem Siedete fällt ferner baö ©enufered^t beö 93aterö ««*
weg unb tritt baö 33erl)ättni6 beö adventicium irreguläre ein, wenn ber SBater ?«? 3^?
JU einem von bem Äinbe ju mad^enben ©rwerbe feine S^f^nimung Der« ^^"'JJ,"^^'"
weigert (1. 8 pr. Cod. de bon. quae lib. 6, «1 ; oergt. aud& ital. ®. S3. 3lrt. 229), «rwerbe.
®ne berartige Seftimmung (oergl. § 1288) ift iebod^ weber oom ©tanbpunfte
beö Sntereffeö bes Äinbeö, nod& t)om ©tanbpunfte beö S^itereffed beß 3nl^aberö
ber elterlid^en ®ewalt aus burd^ ein Sebürfnig geboten. Snöbefonbere ift
biefelbe nid^t erf orberlid^ , um baö ber elterli^en Slufcniefeung unterliegcnbe
Sermögen bcö Äinbeß gegen bie mit einem ©rwerbc bed festeren Derbunbenen
Serbinblid^feiten im SBer^ältniffe beß 3ii^öberd ber elterlid[ien ®ewalt unb beö
iUnbeß iu einanber (§§ 1528, 1530 3ttf. 2 5Rr. 2) ju fd^üfeen, bo baß «inb
ein 9led&tßgefd^äft, iuxä) weld^eß eß nid^t lebiglic^ ^Ic^te erwirbt ober lebiglic^
t)on aSerbinblid^feiten befreit wirb, ol)ne ©inwilligung ober ®enel^migung beß
3n^aber« ber elterlid^en ©ewalt regelmäßig überl^aupt nid&t tornel^men fann
(§ 65), gegen bie mit bem (Srwerbe einer ©rbfd^oft ober eineß SBermäd^t*
nlffeß Dcrbunbenen 33erbinblid^feiten aber bie erbred^tlid^en 95orf(^riftcn über baß
3noentarred&t (§§ 2092 ff., § 1881) außreid&enben ©^ufe gewähren.
Saß ®enugred^t beß SSaterß ift nad^ röm. unb gemeinem SRed^te aud^
bann außgef d^loffen , wenn baß Äinb jufammen mit bem SSater gefefelid^er
49 •
772 eiterlid&c ?lutnic§un0. aSorbcmerfung. (§§ 1516—1519.)
©rbc eineß anberen Äinbeö bcß SBaterö roivb. Dicfc 33cftimmung ber Nov. 118
c. 2 ^ängt mit ber l^iftorifd^en ©ntiüirfclung bcfi röm. ©rbrcd^teß jufammcn.
9Som ©ianbpunftc bcö ©ntrourfcö auö fet)It es an jcbem (Srunbc, biefclbc nu
überncl^men.
6in loeitcrer gall beö adventicium irreguläre ift nad(| röm. unb gemeinem
Mcdite bann bcgrünbet, roenn bcm ©rrocrbc beö oäterlici^en ©cmigred^ted ein
gefe^Iidieö J&inbernife cntgegcnfte^t, maß namentlid^ ber gall ift bei Sd^cn*
fungen ber @^efrau an ba& ^auöfinb unb bei folc^en SScrfügungen, meldte
im 2;eftamente ju ®unften einer bem ©d^reibcr bcß 3^cftamenteß unterworfenen
^erfon getroffen finb. 3)a ber ®ntmurf baß Sd^enfungßoerbot unter ©Regatten
unb bic Seftimmungen beß S. C. Libonianum nid^t aufgenommen ^at, in ben
gälten bcß § 1916 aber bie 3wmenbung an ben 9tbfommling einer bei ber
SCeftamentßerrid^tung mitroirfenben ^erfon nid&tig ift, fo ift bamit jener SBor?
fd^rift beß röm. SHedfiteß ber Soben entjogen.
sc^n. 5Die aSorfd&rift beß preufe. 91. S. 9t. 11, 2 § 150, bafe Se^en, meldie ben
Äinbern vcxlkljcn ober in 3lnfef)ung beren fie in bic ©efammte^anb mit auf*
genommen roorben ftnb, fobalb bie 5linbcr jum Scfiße gelangen, in SScjicI^ung
auf ben SBater bcm freien SSermögcn jugerec^net werben foücn, entfd^eibct bie
gcmeinrec^tlid&e Äontrooerfe, ob ein Selben jum peculiam castrense gehört ober
nid^t; fie fiängt mit ben an ben Scl(icnßbefig urfprünglid^ fid^ fnüpfenben mili*
tärifd^en 5DienftIeiftungen jufammen unb ^at gegenroärtig i^re ©runblage tJöHig
t)er(orcn.
sRemunera. gfjac^ bcm prcufe. 91. 2. 91. II, 2 §§ 151, 152 foUcu fcmcr äum freien
eJ^nhSiltix. 3Sennögen gel^ören bie 33eIo[)nungen bcß glcigeß unb ber ®efd&icf[id)fcit, meiere
ben Äinbern oon i^ren ©Item ober aud^ dou 9lnberen ju 2;()eil merben, foroie
alle ®efd^en!c unb SBcrmä^tniffc, met^e btn Äinbern an^ ®rfcnntlidf)feit für
geiciftete 2)ienfte ober für erroiefene (Sefälligfeitcn 5uflie6en. 3m §inblidfe
auf bic aSorfd^rift bcß § 1517 feljlt eß an einem 33ebürfninc, in ben bcicid^netcn
9lid^tungen befonberc Scftimmuugen ju geben. 3laä) § 1517 ^at ber ©ritte,
meld)cr bem Äinbc eine berartige S^menbung macf)t, eß in ber §anb, burc^
feine S3eftimmung bic cltcrlid^c ^hifenie^uug außjufd^licfeen. 2)aju fommt,
bafe ber ©ntrourf aud^ fonft für fog. remuncratorifd^e S^cnfungen be-
fonbere 3Jorfd^riftcn nid^t aufgenommen l^ot (ocrgl. aßotiüc ^u § 1412
oben S. 497).
Grfpavniffe. 3um frcicu 33crmögen red^net baß preufe. 91. S. 91. II, 2 § 153 aufeer*
bem ailieß, maß bie Äinber üon bemienigen crfparen, maß il^nen oon ben
©Item JU if)rem Untcrl^alte aufecr bem oäterlic^cn §aufe ober fonft ju i^ren
9Iußgaben angeroicfeu ift. gür biefc Seftimmung läfet fid& jmar gcltcnb
mad^en, bafe fic ein ©porn jur Sparfamfcit ift. ^n Uebereinftimmung mit ben
meiftcn übrigen 9icd&ten \)ai inbeffen ber ©ntrourf eine berartige 33eftimmung
alß entbebrlic^ erad^tet.
iJatfK»« ©emeinred^tUd^ ift beftritten, meldten Äarattcr bie ^ßatfiengcfd^ente l^aben,
flcfc^cnfc. ^^ bicfclben im 3Jt)cifeI ben ®Itern ober ben Äinbern jufommen unb ob fie
im (enteren galle bcm peculium castrense ober quasi castrense ober ben
9(bücnti3icn jujureddncn finb. Sßad^ bem prcufe. 91. 2. 91. II, 2 § 157 gel^ören
ertcrlid^c 9lujjme§uno. greicg aSermöflen. § 1516. 773
^Satl^cngcfd^cnfe ju bem nid^tfrcicn SBermögcn beö Äinbeö. 33cr ©utiDUvf I)at
eine 93eftimmunfl über ben ÄaraKcr ber 5ßat^engefdbenfe nid&t aufgenommen,
ba ber Icfetcre l^äufig in ben ocrfd^iebcnen (Segenben unb bei bcn pcrfd&ie*
benen ©tcinbcn J^erfömmlid^ ein ücrfc^iebener ift. 3n ©rmangelung einer
auöbrüdflic^en Scftimmung beö ©eberö ift mit SlücffK^t auf bie Sitte unb
ben Oegenftanb beö ^ßatl^engefd^enfcö ju entf^eiben, ob baöfelbe für bie (SItern
ober für baö Rinb beftimmt ift. 3ft leßtereö ber %aU, fo unterliegt baö
5ßat^engefcl^enf nad^ ber 5Regel beö § 1502 ber elterlid^en 9lugniefeung, fofern
nid^t ber ®eber ein 3lnbered beftimmt ^at (§ 1517) ober bie gefd&enfte ©ad^c
JU ben im § 1516 bejeirfineten ©ad^en gef)ört.
3n 3lnfe^ung ber nacft ben §§ 1516—1519 ber elterlid^cn ^Rwfeiii^fewnfl ®^^'J^^^^^^
entjogencn ©egenftänbe verbleibt bem 3nl)aber ber eltertid^en ©eroalt 5ßflid^teiterii<^en®e-
unb SRcd^t ber SSermögenßoerroaltung in berfefben SBeife, wie in STnfeliung bcö "^H,^'^^*
ber eftcrlidjen S'Ju^niefeung unterliegcnben SBermögenö (pergl. bie aWotiüe ju frei«t «er.
§ 1511 oben ©. 765). 9lur in 3(nfel)ung bcrjenigen ©egenftönbe, rocid&e baß "'^^'"•
Äinb burd^ ben i^m nad^ aJlafegabc beö § 67 geftattetcn felbftönbigen Setrieb
eines ©rroerbögef^öfteö erroirbt (§ 1518), ift nad& SRafegabe beö § 67 aud^
bie eltcrlid^e SBerroaltung auögefd)toncn (tjergl. aJlotiüe ju § 1510 oben ©. 762).
ein SScbürfnig, in ben gäÜen ber §§ 1516—1519 im Uebrigen audfi bie
elterlid^c SBerroaltung auöjuf^tiegen, liegt nid^t oor. 3lud^ nad& bem geltcnben
SRed^te fielet bem SBatcr in 9lnfel)ung beö bem tjäterlid^en 9tie§braud&c ent-
jogenen SSermogenö beö Äinbeö roftfircnb ber üHinberjä^rigfeit beö teßtercn
regelmäßig baö SRcd&t ber oormunbf^aftlid^en SSerroaltung ju (oergl. ©ntfd^.
b. m. ®. in (Siüilf. XV, 41 ©. 195 ; preufe. 91. 2. 9ff. 11, 2 § 159, II, 18
§§ 984 ff.; fäd&f. @. SB. §§ 1811, 1816; code civil 2lrt. 387, 389, 390; Ijeff.
(gntm. III Slrt. 25). 2Bie in ben a«otioen ju § 1511 oben S. 763 bereitö
ermähnt rourbe, beftel^t jebod^ in 5ßreu§en bie Streitfrage, ob nid^t baö bem
SBater nad^ bem preui 21. S. SR. II, 2 § 159 jufte^enbe 3led(|t ber üormunb^
f(^aftlid&en 58crn)altung burd^ ben § 102 ber prcu§. SBorm. D. befeitigt ift unb
TOegen ber SBerroattung beö freien Sßermögcnö in allen %&Uzn eine ^^Jflegfd^aft
onjuorbnen ift (oergl. bagegen 3a^rb. ber 6ntfd&. b. Äammerger. VI, 29). ®aö
fö^f. ®. 33. § 1816 enthält ferner bie befonbere Seftimmung, bafe, roenn ber
aSater bie Sßerroaltung ol^ne bcn 9iiefebraud^ l|at, ben Äinbern, folange bie*
felben minberjä^rig fmb, ein SJormunb ju beftcHen ift. 5Diefe aKaferegcf, meldte
eine Äontrofc in ber SRiditung bejroecft, bafe ber SBater bie ©infünfte beö
JBermogenö nid&t in feinen ''Jlni^cn oerrocnbet, entfprid^t jebod^ nid^t ber natür-
Ud^en ©teUung beö 93aterö gegenüber ben Äinbern unb füt)rt ofine 9lot^ eine
®inmifd^ung dritter in baö innere gamilienteben unter ©d&äbigung ber
Autorität beö Sn^aberö ber e(terlid)en ©eroatt ^crbci.
§ löK).
3)ie öcftimmung beö § 1516 cntfprid^t bem § 1285 unb finbet i^re 3um perföui.
We^tfertigung in ber Sßatur unb bem Sn^edfe ber betreffenben ©ad&en. SBegen ?efS!
ber Mengefd^enfe Dergt. ©. 772. ^«'^*»
774 eitcrti^c Sfluftnicfeung. greicö Sctm50cn. §§ 1517—1519.
§ 1517.
öuipenbunflcn 3)ie JBorfd&rift bcö § 1517 bcrul^t auf äJ^nli^cn ©rroägungcn, toic bic
^'***''' aSorfd^riftcn bcr §§ 1287, 1510. ©ö loirb beö^alb auf bic SKotltje ju bicfcn
^Paragraphen, ©. 168 ff., 759 ff., Scjug genommen. 3n ben ÜRotioen ju
§ 1510 ift audö baö mit bem § 1517 im SBcfcntlidden übereinftimmenbe gcftcnbc
Siedet bereite mitget^eilt.
§ 1518.
ftrwcrb 2)er ©ebanfe, bafe ber ©rroerb beö Äinbeß burd^ felbftänbige 3;i^fitigfeit —
bur(^ «r 1 1, .^ @egenfafee ju ber unter bie SBorfd^rlft beö § 1499 fallenben arbeit — bem
v&ttxlxä)tn Sliefebraud^rcd^tc entjogen ift, f|at fd&on im röm. unb gemeinen
Siedete in ben S3eftimmungen über ha^ peculium castrense unb quasi castrenae
eine geroiffe, roenngteid^ befd^ränfte, Slnerfennung gefunben (oergl. @ntfd[|. b,
91. ®. in ßiuilf. XVI, 24). 3n ben neueren SRerfiten ift bicfer ©ebanfe meifl
grunbfäftli^ anerfannt (oergl. preufe. 31. S. SR. n, 2 §§ 148, 149 ; code dvü
Slrt. 387 ; ital. ®. 93. ärt. 229 3lv. 4 ; ^cff. ®ntro. HI 3lrt. 25). 5Rur baö
fa# ®. 93. §§ 1806, 1810, 1811 lä§t eö in »nfe^ung beö fetbftänbigen ©r^
TOerbeß ber Äinber burd^ il^re Slrbeit bei ber SRegel bemenben, bafe baft SBer»
mögen beö Äinbeö bem 9lie§brau^e beö Sßaterö unterliegt. Ueberroiegenbc
©rünbe fpred^en bafür, ben l^ier fraglid^cn ®rmerb beö Äinbeö alö freies
SJermögen ju bebanbeln. ©erfelbe l^at feiner 9latur nad^ nid&t ben JlaraKer
beö Äapitaleö, fonbern laufenber einnahmen unb eignet fic^ fd^on bcöbalb
n)irtl^frf)aftlid& nid&t baju, ©cgenftanb ber Slufenicfeung ju fein (uergl. bie
SWotipe JU § 1289 oben ©. 175). ©aju fommt, bafe eö ein angemeffener
Sporn jum ^leifee ift, roenn bem Äinbe bic %x\xd)tt feiner felbftänbigen S^b^^fl^
feit t)oU unb ganj Dcrbleiben. 3m 2lnfd(|luffe an ben § 1289 erflärt ber
^Tü% etac« ^ ^^^^ ^^^^ allgemein aber aud& bieienigen ©egenftänbe für freieö 3Serm5gen,
'erwerM/ mcld^c baö Äinb burd^ ben il^m nad& aWafegabc beö § 67 gcftatteten felb*
flef<^äfte«. [tfinbigcn betrieb eineö ©rmerbögefd^äfteö, inöbcfonberc burc^ Umfafegcfcbäfte
im 93etriebe eineö fold&en ©rrocrbögcfd^äftcö, ermirbt. S)iefelben ©rünbe,
meldöe ju ber entfprcd^cnben SSorfdE)rift beö § 1289 geführt l^aben (ocrgl.
ÜHotioc JU § 1289 oben S. 176 ff.), muffen auc^ ^tx ba^in führen, ienen ®rmerb,
o^ne 9läctfid&t barauf, ob unb inmierocit berfclbe im einjelnen goUe nur afö
Äapitalcrioö fid) barfteUt, t)on ber Siu^niefeung ju befreien. 3)em 3nl^aber
ber elterlid^en ©emalt mirb baburdf) ni(^t ju nalie getreten, ba er eö in feiner
§anb i)ai, ob unb roieoiel von bem feiner elterlichen SRufeniefeung unter*
liegcnben ^Bermögen er bem Rinbe jum Setriebe beö ©rmerbögcfd^öfteö über«
laffen roiH.
§ 1519.
eurrogation. 2)ic SSorfd^rift bcö § 1519 ©afe 1 beruht auf ä^nlid^en ©rroägungen,
mie bie bcö § 1290 (oergl. aucb § 1510 ©afe 2). ©ö mirb ba^er auf bie
SJlotioc iu § 1290 oben S. 177 ff. oermiefcn. 3n 3lnfel()ung bcr ©egenftänbe,
n)cld)c auf ©runb beö § 1516 ju bem freien aSermögen geboren, foD bie
eitetIi(J6e 9lu^nlc§un0. Sorf^riften üBcr bcn 9He&braud&. § 1520. 775
SSorfd^rift bcö § 1519 Sag 1 jcbod^ feine ainroenbung finben, toeil bie Sßor^
fd&rift bcfi § 1516 lebiflfid^ in ber befonbcren ©igenfd&aft unb Sn^^dEbeftimmung
bcr im § 1516 bejeid^neten ©egenftönbe fid& grünbet unb beöl^otb feine SBcr:^
antaffung t)orIiegt, bie Surrogate jener Oegcnftänbe, foroeit bicfelbcn nid&t
roieber unter bie Scftimmung beö § 1516 fallen, bem freien SSermogen juju^^
red^nen. 3lud^ bie SBorfd^rift beö § 1285 erftredtt fid^ nid^t auf bie Surrogate
ber bort bejeid^neten ©ac^en alö fold^e.
§ 1520.
2)ie Seftimmung beö § 1520, roeld&e im 5ßrinjipe mit bem gemeinen «mocnbuna
Siedete unb ben neueren ©efefegebungen (preufe. 31. 2. SR. II, 2 § 168; code ©orfc^riften
dvü 3lrt. 384, 601; ffid^f. ®. 33. §§ 660, 1811; roeimar. ®ef. v. 27. ^^^^^l^^^"^'
1872 § 4) im ©inflange ftel^t, fd^Iiefet fxd^ bem § 1292 an unb berulit auf
ä^nlid^en ©rroägungen, wie biefer. ®ö wirb bal^er rocgcn ber näheren SRed^t-
fertigung beö im § 1520 auägefprod^enen ©runbfafteß auf bie SJlotioe ju § 1292
©. 180 ff. Sejug genommen.
Sieben ben befonberen 33eftimmungen ber §§ 1521—1537 finb weitere «fbip*
bcfonbere 33eftimmungen, burd^ metd&e einjetne SJorfd^rlften über ben Sliefe-
broudö t)on ber Slnroenbung auöbrüdflid^ auögcfd^IoRen, mobifijirt ober ergönjt
werben, nid&t für erforberlid^ erad&tet. 3^^^ f^^^ ^^Ber ben in ben §§ 1522
bis 1524, 1526 fpeiieU bejeid^neten SSorfd^riften über ben ?lie6braud& nod& t)er^
fd^iebene anbere SSorfd^riften über ben SJliefebrauc^ jur Slnroenbung auf bie
cIterUd)e SRufcniefeung nid^t geeignet. S^beffen bebarf eö inforoeit feiner
befonberen 93eftimmung, ba bie Unanroenbbarfeit biefer anberen nid^t fpejiell
bejeid^neten SSorfd^riften fid& mit genfigenber Ätar^eit aus ben übrigen 93c-
ftimmungen beö ®efe|cö ergiebt. 3iiöbcfonbere fommt in biefer 33eiiel^ung
neben ben 33eftimmungen ber §§ 1521—1537 in SSetrad&t, ba^ bie eltcrtid&c
Sflufenielung fraft beö ®efe|eö entfielt (§ 1502 5Rr. 2). ©emiffe 5mobififationcn
ergeben fid^ ferner Don felbft barauö, bafe baö Äinb in ber ®cf^äftöfäf)igfeit
befd^ronft ift unb bem 3n^abcr ber elterlid^en ®en)alt neben ber elterlid^en
SRugniefeung regelmäßig iugleicf} bie elterlid&e aSermogenöoerroaltung jufte^t,
fomeit bieö ober nidfit ber goB, ber gn^aber ber elterlid^en ®en)alt nad)
§ 1532 t)on ber eigenen Stuöübung ber elterlid^en SJufenießung auögefd^loffeu
ift unb bie legtere für SRed^nung beö ^n^aberö ber elterlid&en ©ewalt von bem
Äinbe burd^ ben für bie SSermögenöoerroaltung berufenen gefe|Iid^en Vertreter
beöfelben ouögeübt wirb. 3m ©injelnen laRen fic^ biefe SKobififationen burd)
baö ®efe6 nid^t entfc^eiben; vielmehr muß biefe ©ntfd^eibung ber SBiffenfd^aft
unb ^ßrafiö überlaffen werben.
Xa bie elterlid^e 5Ru|nic6ung fraft beö ®efe6cö entfte^t, fo ergiebt fx(^ eimraflUTu^
ouö § 837 oon felbft, bafe biefelbe ben Sd^u^ ber bona fidea beö ®runbbud^eö ciJunbbudj.
nid^t geniefet. ©in fold^er Sd&ug ift burc^ ein S3ebürfni6 nid^t geboten unb
würbe audb mit bem ®runbgebanfen beö § 1521 nid&t oereinbar fein.
Slnbererfeitö ift eö aud^ nid^t erf orber li^, ium ©c^uge dritter bie
Eintragung ber eltcrlid^en Slufeniefeung üorjufd^reiben (ocrgt. aud^ fäd^f.
®. 33. §§ 1670, 1819; abweid&enb preufe. ®cf. über bcn (Sigent^umöerwerb
776 eiterrid?c 9flu6nic§uno. Sorfd&riftcn u6ct bcn Sfliefebrau*. § 1520.
ü. 5. aWai 1872 § 12), ba nad^ § 1521 bie cltcrlid^c giufenicßung ol&nc^in
infotocit tücgfäUt, ate bcr ©ritte ein jum SBcrmögen beß Rinbcß ge^öretibcd
cingetrogeneö -Jlcd^t roirffam erworben f)at. S)a6 bie ©intragung bcr elterlid^en
^lufeniefeung in boö ©runbbud^ ou^ ni^t äuläffig tft, wirb fid^ auß ben SBor-
fd^riften bcr ©runbbud^orbmmg ergeben.
a»ict^» unb gin S3ebürfni6, bem Sn^aber ber elterlid^en ©eroalt in weiterem Um*
vTXe. föuge, alö bieö naä) § 1008 ber gall ift, bie aHoglid^feit ju gcroä^ren, hroft
ber eltcrlidjen 9?u|nie6ung über bie Sauer ber leßtcrcn ^inauö mit SBir!fam*
feit gegenüber bem Äinbe Sßiet^* unb 5ßad^toerträge in 3lnfel^ung ber ber
clterlid)en ^lußniefeung unterliegcnben ©egcnftänbc abjufd^lie6en, um ibm auf
biefc SBcife einen angemcRcnen Ertrag bcr cltcrlid^cn ^lufenicfeung ju fid&ern,
liegt nid^t oor, jumal bcr 3nf)abcr ber clterlid^cn ©croalt Dcrmögc bcr i^m
i^ufte^cnben cltcrUd^en Scrmögensocrroaltung aRietl^' unb 5ßa^tocrträgc auc^
über bie ber eltcrlid^cn ^fugniefeung unterliegcnben ©egcnftänbc, Dorbc^altUd^
bcr S3cftimmung bcö § 1511 9Ir. 4, auf ben 9tamcn bcö Äinbcö abfd^Ucfecn
fann unb, ofinc fid6 ocrantroortlid) ju madjcn, obfd^licgcn barf, roenn bied bem
3nterene bcö Jlinbcö entfpri^t.
Grfa^ ber »e. SBfil)renb ber ©igent^ümcr bem Slicfebraud^cr bie Äoften, meldte bcrfelbe
fofteT auf bie ^eroorbringung ber bei 93eenbigung bcö SlicPraud&cö nod^ nid^t
getrennten J^^ücfite inncrl^alb ber ©renjen mirtlifd^aftlid&cn Sßcrfal^rcnö ocr*
roenbct l)at, nad^ SKafegabe bcö § 1009 ju erfefeen t)crpPid)tct ift, l;at nod&
ben aSorfd^riften über bcn ißicfebraucb umgelel^rt bcr Slicfebraud^er in ©r-
mangclung einer anbcrioeiten SScreinbarung bem ©igent^ümer bie Moften,
iDcl^c oon bem Icgtcren auf bie ^croorbringung bcr bei bem beginne beö
9lic6braud^eö nod^ nid^t getrennten, bem Slicfebraud^cr jufaUcnbcn grud^tc
ücrroenbct finb, nid^t ju erfc^en. ©3 tä^t fid^ nid^t uerfcnncn, baß bie
ainmcnbung ber allgemeinen ©runbfägc über bcn Slicfebraudb in ber ^icr frag*
lid^cn S3cjicl}ung in einjelnen göDcn ju einer Unbilligfeit gegen baö Äinb
führen fann, ba bicfcö nid^t in ber Sage ift, fic^ bcn ©rfa^ ber ^ier frag-
lid^cn Soften cor bem ©intrittc ber eltcrlid^cn Sflußnicfeung auöbcbingcn ju
fönncn. 3nfofcrn ift bie Sad^lage bei bcr clterlid^en 5ßutnicgung eine anberc,
löic bei bem ^tiefebraud^c. ©ö fd^eint bal^er nal^c ju liegen, bem Äinbc bei
bem ^Beginne ber elterlid^cn "Jin^nicfeung einen bem § 1009 fid^ anfd&lie§enben
©rfaganfprudb ju geben. 3nbcffcn bie ©rünbc, roeld&e bcftimmcnb gcrocfcn finb,
für bie cJ^clid^c Slujnic^ung cö in biefer §infid)t bei ben SSorfd^riftcu über
bcn Siiefebraud) bcrocnbcn ju laffcn (oergl. bie SKotioe ju § 1292 oben 3. 187 ff.),
treffen für bie roiditigften ?^älle, nämlic^ für bicicnigen gälle, in meldten
löä^renb bcftcl^cnbcr cltcrlid^er ©cmalt bem Äinbe burd& Verfügung cincö
Stritten, inöbefonbere burc^ le|tn)illigc SSerfügung, SScrmögen jugerocnbct
mirb, aud^ bei bcr cltcrlid^cn Slufenicgung ju. ©^cr fonnte bie a^nrocnbung
ber allgemeinen ©runbfägc in fold^en gäUcn Sebenfen erregen, in meldten
bcr Snl^abcr bcr cltcrlid^en ©eroalt t)or bcr ©rnte ein ©runbftüd für baft
Äinb fauft unb bcr Äaufprciö aud& mit SRüdErid^t auf bcn äßcrt^ ber bem
^nl^abcr bcr eltcrlid^cn ©croalt fraft bcr elterlid^en 5Ru|nic|ung jufallenbcn
ßrnte bemeffen ift. 3lllcin in folc^cn göDcn ift baö £inb burd& bie aDgemcincn
©runbfägc über bie SScrantroortlid^feit bcö S^b^bcrö ber ctterlid^cn ©eroatt
©tcrli^c «utiiucgimö. ©eßenftanb. Snöentar. §§ 1521—1523, 777
bei ber 3lufiübung bcr aSermögcndücrrooItung (§ 1503 3Ibf. 1, § 1696) gcnügcnb
(jcfi^üfit. 3lud^ im ^inblicEc auf bcii %a\l, rocnn bic cttcrlidic ^lufenicfeung
beö 93atcrö burdi bic eltcrlid^c Slufenic^ung ber 3Hutter abgclöft wirb (§ 1501
abf. 2, § 1559 9lbf. 2), bcbarf cö im Sntereffc bcö Äinbcft eines befoubcrcn
Sc^ufeeö nid&t. 3)a ber § 1009 »orauöfefet, bafe bie grüd^te bem ©igen*
t^ümcr jufaDcn, in bem l^icr in SRebe fte^enben gallc aber nid^t baö Äinb,
fonbern bie an Stelle beö SSoterö eintretenbc SKutter vermöge ber elterlici^en
Slugnie^ung ©igent^iimer ber grüd&te wirb, fo wirb in biefcm §aDe ouß bem
§ 1009 ein 6rfa6Qnfpnid& gegen baö fiinb nid&t Ijergcleitet werben fönnen.
§ 1521.
S)ic 3Jeftimmnng bcö § 1521 beruht im 2Bc)entIid^en auf benfelben öeßcnftanb
®rünben, meldte für bie entfprec^enbe Se^anblung ber e^elid)cn ^tu^nicfeung jm^nieftung:
mofegebenb geroefen finb (oergL § 1293 nebft SKotioen oben S. 103 ff.), ©ie baMemciuge
fte^t anäi int ©Inf lange mit benjenigen ©rroägungen, roeld)e ben ©ntmurf ^''^^^^^^J^*"*^
überhaupt oerantafet l^aben, bie elterlid^c 5Wuftnie6ung mit bcr eltcrlid&en
©cioalt ju ücrbinben (oergl. bie aßotioe p §§ 1501, 1502 oben S. 724 ff.). 3ft
bem 3n^aber ber eltcriid&en ©eroalt bie clterlid^e 3iu|nic6ung nid^t ju bem
3roedEe eingcränmt, um il^m einen Don feiner Dormunbfd^aftlid&en ©tellung
lodgelöften 93crmögenßoortl^eil jujuroenben, fonbern um i^m bie üJlöglid^fcit jn
geben, in einer feiner Stellung gegenüber ben Äinbern angemeffenen Sffieife
über bic ©infünfte bcß Äinbeöoermögenö im gemeinfamen ^utereffe nac^
eigenem ©rmeffen oerfügen üu fönnen, fo ergiebt fid& barauö t)on felbft, bafe
alö ©egenftonb ber elterlid^cn Jluftnicfeung bod SBermogen beö Äinbeö nur in
bcrfclben SBeife angcfel^en rocrben fann, roie roenn bie elterliche Slufenicfeung
ate binglic^eß 9lcd&t überl^aupt nid&t bcftänbe. S)ic Sebcnfen, meldte an fid^
gegen biefe Oeftoltung ber clterlid^en -Kufeniefeung oom Stonbpunfte beö
berechtigten auö fic^ ergeben laffen, erlcbigen fid^ burd) bie befdbränttc
Ocfd^äftöfä^igtcit beö Äinbeö, rocldjc ben 3n^abcr ber elterlid&en Oeroalt gegen
roillfürlid^e ©inroirfungen beö Äinbeö auf baö ber elterlidiien ?lu|nie|ung
unterliegenbc SBermogen in auöreid^enbem SMafee aud^ bann fd^üfet, wenn bem
3nl^aber ber eltertid^en Oeroalt bie Sßermögenöoerrooltung auönal^möroeife
nic^t iufteW.
§ 1522.
Sie SSorfc^rift beö § 1522 l^at bereitö in einem anbercn S^f^mmem ^^n^ntw^
^ange in ben aWotiocn ju § 1503 oben S. 742 ff. ilire Segrünbung gefunben. ""^ ''"^^
Äuöno^men oon bem Orunbfaftc, bafe bcr Snl^abcr ber cltcrlid&cn (Seroalt nid^t
inoentarifotionöpflic^tig ift, finb in ben §§ 1547, 1548, 1599, 1623 beftimmt.
§ 1523.
9iod^ bem geltenben iHcd&tc finben auf bie jum nid^tfreien ^^^"^^gen ^JJ«J^n^*j»j'ß
beö Äinbeö gei^brenben perbraud^baren Sad^en im Slllgemeinen bie ©runbfäfec boren s^n*
über ben uncigentlid^cn Sliefebraud^ an ocrbraud^baren Sad^en Slnrocnbung.
776 eiternde SRu^cgung. Sorfd&riftcn üBer bcn Sfllegbrau*. § 1520.
ü. 5. aWai 1872 § 12), bo nod^ § 1521 bic elterlid^c Slu^nicßung ol^ncl^in
inforocit tocgfällt, als bcr 2)ritte ein jum SBcrmögcn bcö Einbeö gcl^örcnbcö
eingetragenes Siedet roirffam erworben l^at. 2)a6 bie ©intragung ber cfterli^en
^iufeniefeung in boß Orunbbud^ oud^ nid^t juläfftg ift, wirb Tid^ ciuß bcn SSor-
fd^riften bcr ©runbbud^orbmmg ergeben.
mm> unb ©in Sebürfnife, bem ^nl^iaber ber clterlid^en Oeroalt in lüciterem Um^
Jmäne. fange, als bieö nad^ § 1008 ber gall ift, bic aÄogli^feit ju gewähren, fraft
ber elterlid^en 9lufenie6ung über bic 3)aucr bcr leßtcrcn Ijinaud mit SBirtfam^^
feit gegenüber bem Äinbc 2)Hett)* unb ^ßad^tocrträgc in 3lnfef|ung ber bcr
cltcrlidjen ^lugnieftung iinterliegcnben ©cgcnftänbc abiufd^Ue6en, um i^m auf
biefc SBeife einen angemeffenen ©rtrag ber cltcrUd)en Slufenicfeung ju fidlem.
Hegt nid^t cor, jumal bcr 3nf)abcr ber elterlichen (Scmalt vermöge ber i^m
pftcl^cnbcn cltcrlid)en SScrmögcnöDcrroaltung SÄictti' unb 5ßod^tücrträgc aud^
über bic bcr clterlid^en ^lufcniefeung untcriicgenbcn (Segcnftänbe, Dorbct^altlid^
bcr S3eftimmung beö § 1511 3lv. 4, auf bcn 5lamen bcö Äinbcö abfd^Iicfecn
fann unb, of)ne fid6 Dcrantroortlid) ju mad^cn, abfd^licfecn barf, rotnn bied bem
3ntcrenc beö Hinbcö entfpri^t.
erfot bcv »e- äßäljrcnb bcr ®igcntl)ümcr bem 9lic§braud^cr bic Äoften, rocld^e berfclbc
^^ofteT' t^wf bie ^croorbringung bcr bei Seenbigung bcß ^liefebraud&cö nod& nid^t
getrennten J^rüd^tc innerhalb bcr (Srcnjcn tt)irtf)fdiaftlid^cn Serfa^renö oer*
roenbct l)ai, mäf SKafegabc beö § 1009 ju crfefeen DcrpPid^tet ift, ^at nad&
bcn aSorfd^riftcn über bcn SfJiefebraud^ umgclc^rt bcr Slicfebraud^er in ®r*
mangclung einer anberrocitcn 33creinbarung bem ©igent^ümer bic Äoftcn,
racldic von bem Icfetcrcn auf bic .§crüorbringung bcr bei bem 33cginnc beö
Slicfebraud^cö nod6 nid^t getrennten, bem SJlicfebraud^er ^ufallcnbcn grüc^tc
üeriocnbct finb, nid^t ju erfc^cn. ©3 (äfet fid^ nid^t »erfcnncn, bafe bic
3lnn)enbung ber allgemeinen ©runbfäfec über bcn ?Ricfebrau(^ in ber Ijier frag*
lid^en Scjieöung in cinsclncn göDcn ju einer Unbilligfcit gegen bad ftinb
führen fann, ba biefcö uid^t in ber Sage ift, ftc^ bcn ©cfaj ber {)ier frag*
Ud^en Soften üor bem Eintritte ber elterlid^cn SRufenieöung auöbcbingcn ju
fönnen. Snfofcrn ift bic ©ad&Iagc bei bcr cltcrlid^cn 9lu|nie6ung eine anberc,
loie bei bem SRiefebraud^e. ©ö fd^eint bal^er nal)c ju liegen, bem Äinbc bei
bem ^Beginne ber cltcrlid^cn 'Jiuftnicfeung einen bem § 1009 fid^ anfd&Iie6enbcn
©rfafeanfprudö ju geben. 3nbcffcn bic (Srünbc, rodele beftimmenb geroefcn finb,
für bic eficlid^c siu^niegung cö in biefer ^infidjt bei bcn Sorfd&riften über
bcn Siicfjbraud^ bcroenben ju laffen (ocrgl. bic SKotioc ju § 1292 oben 3. 187 ff.),
treffen für bic roid^tigften ?5öUe, nämlic^ für bicienigen gälle, in meldten
loäl^rcnb beftcl^enbcr elterlicher ©croalt bem Kinbc burd^ SSerfügung eine«
dritten, inöbcfonbcrc burd^ legtroillige Verfügung, SSermögen jugeroenbet
wirb, oud^ bei ber eltcriid&en Slu^nicfeung ju. ©I^cr fönntc bic Sinrocnbung
ber allgemeinen ßrunbfäftc in fold&en gäUcn SSebenfen erregen, in meldten
ber Snl^abcr ber citertidien ©cmalt t)or bcr ©rntc ein ®runbftüdt für bafl
Äinb fauft unb ber Äaufpreiö aud& mit SRürfftd^t auf ben Sßcrt^ bcr bem
^n^abcr bcr eltcrlid^en ©cmalt fraft bcr elterlidien SRu^niefeung jufaDenben
©rntc bemeffen ift. Slllein in folc^en göDcn ift baö ftinb burd& bic allgemeinen
(Mrunbfä^c über bie SBcrantmortUc^feit beß 3n^obcrö bcr clteriid^cn Oemalt
efterlid&c 5flutmic§uno. ©eöenftanb. Snüentar. §§ 1521—1523. 777
bei bcr Studübung bcr SBcrmögcnöticrtüQttung (§ 1503 W)l 1, § 1696) gcnügenb
gcfd^üfit. 3liici^ im ^inbfidfe auf bcn gall, wenn bie ctterlid^e ^lugnicfeung
beö SBatcrö burd& bic cttcrlid^c Siufenicfeung bcr 3Kutter abgclöft roirb (§ 1501
9lbf. 2, § 1559 3lbf. 2), bebarf es im SntcrcRc beö Äinbeö eines befouberen
©c^ufeed nid^t. 2)a ber § 1009 oorauöfefet, bafe bie grüd^te bem ©igeiu
t^ümcr jufaUcn, in bem l;ier in Mebe fte^enben ^alle aber nid^t baö Äinb,
fonbern bie an ©teile beö Sßaterd cintretenbc ÜRuttcr uermöge bcr elterlid^en
^lußnicfeung ©igent^ümer bcr grüd^tc wirb, fo wirb in biefcm galle aus bem
§ 1009 ein ®rfa^anfprud& gegen baö Sinb nid^t l^ergcleitet werben fönnen.
§ 1521.
S)ie Sieftimmung beö § 1521 beruf)t im SBcfcntlid&en auf benfelben «eocnfianb
©rünben, meldte für bie entfprcc^cnbe Se^anblung ber e^cli^en ^jufenicfeung 3ju^„*^uii«:
mafegebenb geroefen finb (pergl. § 1293 ncbft ÜWotiücn oben S. 103 ff.), ©ic badiemeiitge
fielet aud^ im Ginflaugc mit benienigcn ©rroägungen, meldte ben ©ntrourf ^^^jJ^^^J^JJ ^^^
überhaupt oeranla^t f)aben, bic elterlid^c Jiufenicfeung mit ber clterlid^en
©croalt ju ücrbinbcn (oergf. bie aWotioc ju §§ 1501, 1502 oben S. 724 ff.). 3ft
bem Sn^öber ber elterlid&en ©croolt bie eltcrlid^c 9lufenie§ung nid^t ju bem
3medEc eingeräumt, um il^m einen oon feiner oormunbfd^aftlic^en ©tellung
[oögclöftcn SSermögcnßoort^eit jujuroenben, fonbern um i^m bic 3HögIid^feit ju
geben, in einer feiner Stellung gegenüber bcn Äinbem angcmeffcncn Sffieife
über bic ©infünftc beö Äinbcöocrmögenö im gcmcinfamcn 3ntcref|c nad^
eigenem ©rmeffen verfügen ju fönnen, fo crgiebt fic^ barauö oon felbft, ba§
aU ©egcnftanb ber ettcrtid&cn SJluftniejjung baß Sßermogen beö Äinbeö nur in
bcrfclben SBcifc angefc^cn werben fann, wie wenn bic elterlid&e Jlufenicfeung
alö binglic^eö 9lcc^t übcr^oupt nid&t beftänbe. S)ic Scbcnfcn, welche on fxd^
gegen biefe (Scftaltung ber eltcrlid^cn ^lufenicfeung oom ©tanbpunfte beö
33ered^tigtcn auö fic^ erf)cben laffen, crlcbigen fid^ burdi bic bcfcbrfintte
©ef^öftöfä^igfeit beö Äinbeö, meldte ben Sn^öber bcr clterlid&en ©cmalt gegen
loiDüürlid^c ©inroirfungen beö ftinbeö auf baö ber elterlid^cn ?lufenic|ung
unterlicgenbe SBcrmögen in auörcid^enbcm SMa^e aud^ bann f^ü|t, wtnn bem
3nl^obcr ber eltcrlid^en Oewalt bie ajcrmögenöocrmaltung auöna^mörocifc
nid&t juftef)t.
§ 1522.
S)ic aSorfd^rift beö § 1522 l^at bereitö in einem anbcren 3»fömmem ^>»«jt«^
^ange in ben 9Hotioen ju § 1503 oben ©. 742 ff. ibre Segrünbung gcfunbcn. ''^''" '^
Sluöna^men oon bem ©runbfofee, bafe bcr 3nl^abcr ber clterlid^en Ocroalt nid^t
inoentarifationöpflic^tig ift, finb in ben §§ 1547, 1548, 1599, 1623 bcftimmt.
§ 1523.
3l(id) bem gcttcnbcn 9ied&tc finben auf bic jum nid^tfreien ®^^"^ögen ^««^^^^^^^^^^
beö ftinbeö gc^örcnben oerbrau^baren ©adycn im 3lllgcmcincn bic Orunbfägc SareTsa^^en!
über ben uneigcnttid^cn Slicfebrauc^ an oerbraud^barcn ©ad^cn Slnrocnbung.
778 ertcrlid6c 9flu$nie§un0. SScrbrauibarc ©ad&en. § 1523.
©eitcnbe« ©g ctflicbt fid^ blcö tii ©onangclung entgcgenftc^cnbcr Scftimmungcn au«
'*'*'' bctn aud^ bcm gcltcnbcn Steckte ju ©runbc licgcnbcn 5ßrinjipc, bofe auf bic
eücrlid^c Jlufinicfeung bic SBorf^riftcn über bcti SRicfebraud^ Slnrocnbung pnbcn
(pcrgl. 1. 8 pr. Cod. de bon. quae lib. 6, ei; gntfc^. b. SR. ©. in 6iüUf. X, 42
©. 151 ; prcufe. 31. 2. SR. H, 2 §§ 168, 169, I, 21 § 173 ; code civil 3Irt. 384,
587, 601 — baju entfd^. b. SR. ®. in Straff. XV, 65 — ; födif. ®. ».
§§ 1811, 660, 623, 1819, 1670). Slad^ röm. unb gemeinem Med&te foH icbo^
in ben fällen, in roeld^cn bem Sßater auöna^möroeife eine SSeräufeerung bcr
jum unfreien SSermögen beß Rinbeö gel^orenben (Segenfionbe geftattct ift, im
galle ber SSerou^crung ber ©rlöö roieber jum ©tamme bcö Äinbefioermögcnd
^gefd^lagen werben (1. 8 § 5 Cod. de bon. quae lib. 6, ei ; ©euffert XVII, 65),
unb baö preufe. 91. S. SR. IT, 2 § 174 beftimmt, ba^/ wenn ber SBater (Srunb*
ftücfe ober ©ered&tigfeiten, roeld^e ju bem unfreien SSermogen beö Äinbeö ge«
^ören, mit (Genehmigung befi SBormunbfd^aftögerid&teß btoö beö ^lufienö wegen
oeräufeert, ber ßrlbö entroeber anberroeitig ju (SrunbftüdEen auf ben SRamen
beö Rinbcö Dermenbet ober auf $i)pot^ef angelegt ober oon bem SSater bc*
fonbere ©ic^er^eit bafür befteDt merben mufe. 5Kud^ nac^ bem fäd&f. ®. 89.
§ 1818 unb bem franj. SRed^tc (code civil 9lrt. 457) ift anjunel^men, ba§,
xomn JU einer 83eräu|erung bie Oene^migung ber oberoormunbfd^aftlid&en
S5el)5rbc erforberlic^ ift, bic le|terc i^re ©enc^migung von Sebingungen ab*
gängig machen fann, meldte ben &r(öö für baö Kinb fid^erfteUen (pcrgL
entfc^. b. 91. 0. in ©ioilf. XI, 81).
eianbpunft ^^^ ^iubUdEc auf bie freie ©tcUung, meldte ber Sni^aber ber clterlid^en
«ntwurfcö. Oeroalt in älnfe^ung ber SBcrmogenöocrroaltung einnimmt, ift bic Slnmenbung
gii^tanmen. bcr SSorfd^riftcu über ben Jüe^raudb ant)erbraud^baren©ad^en(§§1018— 1020)
?^riftai'übevöwf ^i^ elterliche Slufeniefeung an Dcrbraud^baren ©ad^en Dom ©tanbpunftc beö
. *>«« 3ntcref[cö beö Äinbeö auö afe bebenflid^ erad^tet, jumal bem 3nl|aber ber
«ic^brau«^. ^{jg^jj^^j^ ©eroalt grunbfäglid^ eine SSerpflid^tung jur ©ic^er^eitöleiftung nid&t
obliegt (§ 1524) unb bem Äinbe auc^ ein gefeglid^er SCitel jur 33cftenung
einer ^ppotl^ef nid^t eingeräumt ift. Slbgefe^en oon ben wenigen gäOien, in
weld&en bie Oene^migung beö SBormunbfd^aftögerid&teö ju einer SJcräußerung
oorgefc^rieben ift (§ 1511 5Rr. 1, 2), ^at ber 3nl)aber ber elterlid^en Oeroalt
cö in ber $anb, ha& 5Bermögen beö Äinbeö in ®clb umjufegen, inöbefonberc
aud^ bie gorberungen beö Äinbeö einjujie^en unb bic SBertljpapierc ju ucr*
äußern. ®a bie eltcrticfte Jlufiniegung an bem ieweiligen 33ermögen bcö
.Vlinbcö beftet|t, f o würbe bei Slnwenbung ber SBorfd^riften über ben Jiicfebraud^
an oerbrauc^baren ©ac^en auf bic elterlid&e ^iußniefeung ber 3nl(iabcr ber
elterlid^en ®cwalt in ber fiagc fein, fid^ in 3lnfef|ung bcö ganjen Äinbeö*
oermögenö ober boc^ cineö großen 2:()ei(eö beöfelben jum gewö^nli^en ©c^ulbner
JU mad&en, o^ne ba^ baö 5linb gegenüber ben ©laubigem bcö 3nl^aberö bcr
clterlid^cn ©eroalt in anberer 9lrt, alö burd^ baö im § 54 5Rr. 5 bcr Äont. D.
beftimmtc aSorjugörcdjit gcfd^üßt wäre. 29cfonbcrö gefä^rbet würbe baö Sntcreffc
bcö Äinbeö bann fein, wenn ber Sn^aber ber clterlid^en ©cwalt beim Seginnc
ber elterlid^en ^Rufiniefeung bercitö überfdiulbct fein follte. 9luc^ bcr ^wtd
ber §§ 1535, 1299, bem Hinbe ben Unterhalt auö ben ©infünftcn feincö SBer*
mögenö gegenüber ben ©laubigem beö Sn^aberö ber eltcrlid^en ©ewalt ju
eiterlid&e gRu^mefeutiö. Serbrau(J6bare Sachen. § 1523. 779
fidlem, roürbc inforocit, ate bic SSorfd^riften über ben Jlicfebraud^ an t)er*
btttud^borcn ©ad^cn Slnroenbung finbcn toürben, oercitclt werben. 2tuf ber
anbcren ©cite ift aber aud) Dom ©tanbpunfte beä Snterefjcd beß Snl^abcrg
ber clterlid^en Oemalt aus fein 33ebürfni6 t)or{)anben, jene SSorfd^riften auf
bie elterlid^e Slugniejjung ju übertragen. 5Die befonberen SSorfd^riften über
ben SRie^braud^ an uerbraud^baren ©ad^en fxnb in fold^en fallen allerbingö
nid^t ju entbel^ren, in roeld^en mit bem ^Riefebraud^e nid^t aud) baö SRed^t ber
SBermogenöDenooItung ^anb in §anb ge^t. ©oU in biefen gällen bem 3lki^
braud^er in 2lnfef)ung ber Derbraud^baren ©ad&en bie SKöglic^feit gemälirt
»erben, ben ofonomifd^en ©rtrag ju jic^en, fo ift ber fog. uneigentlid^e 9lie6==
braud^ bie einjige möglid^e furiftifd^e gorm. STnberö oer^fitt es ftd^ aber bei
ber elterlid^en Slufeniefeung, ba ber 3n^aber ber elterlid&en ©emalt Iraft ber
il&m regelmäßig jugleic^ pfte^enben elterlid^en SBermögenöDerroaltung bie jum
SBermögen beö Äinbeö ge()8renben oerbraud^baren ©ad^en, inöbefonbere aud^
baft baare ®etb, in anbere Oüter umfefeen fann, roetd^e if)rer 9ktur ober
il^rem juriftifd^en Sn^alte nad^ o^ne SBcrbraud^ einen ®rtrag ju gewähren ge*
eignet finb. ©omcit aber bem Snl^oter ber elterlid^en ©eroalt bie aSermögenö-
oerroaltung nic^t jufte^t, ift er nad^ § 1532 überhaupt t)on ber eigenen Shiß-
Übung ber elterü^en Jlufeniefeung auögefd^loffen, unb l^at ber für bie SBer*
mogenöDerroaltung berufene gefe|Iid&e SSertreter beö Äinbeö, roeld^er im Slamen
beö festeren für Sied^nung beö Snl^ctberö ber efterlid^en ©eroalt bie eltcrlid^c
Slufeniefeung auöübt, bafür ju forgen, ba§ aud^ von ben oerbraud^baren Qaä)cn
ein angemeffener ©rtrag crjielt roerbe. 3)er 3luöf^Iu6 ber Slnroenbbar!eit ber
SSorfd^riften über ben S^iefebraud^ an Derbraud^baren ©ad^en entfprid^t außer*
bem bem ©runbgebanfen ber elterlid^en Jlufinießung, baß ber Snljaber ber
elterli^en ©eroalt biejenigen ©infünfte beö ÄinbeötJermögenö erl^alten foU,
roeld^e o^ne bie elterli(^e SJußnießung bem Äinbe jufommen roürben. 3le^nlid^e
©efid^töpunfte finb eö, roelc^e ju ber Seftimmung beö § 1294 gefüi^rt ^aben,
baß auc^ auf bie e^elid&e Jlugnießung an üerbraud^barcn ©ad^en . bie 38or*
fd^riften ber §§ 1018—1020 feine Slnroenbung finben füllen.
Um iebod^ ben 3Inforberungen beö Sebenö geredet ju roerben bejro. bem ^^^^*^^
3nf|aber ber elterlid^en ©eroalt nid^t nur im eigenen 3ntereffe, fonbern aud& in «nfe^un«
im S^tereffe beö Äinbeö felbft unb ber ganjen gamitie, foroeit nöt^ig, bie ^*"^jj^'^ J^'
ÜRoglic^feit 5u geroä^ren, mit J&ülfe ber ju bem unfreien Säermogen bcö sa^^en,
Äinbeö geprenben uerbraud^baren ©ac^en ben biöl^erigen §auöl)alt unb feine
roirt^fdiaftlid^e ejiftenj ju erl^alten, geftattet ber § 1523 3lbf. 2, 3 bem 3n^
lieber ber elterlid^en ©eroalt, biejenigen ju bem unfreien 33crmögen beö Jlinbeö
geprcnben ©ad^en, roetd^e burc^ SSerbraud) genügt ju roerben pflegen (§ 780
Slbf. 1), j. 33. 33orrätf)e oon Sebenömitteln, Brennmaterial u. bergl., nad)
feinem freien ©rmeffen (oergl. aud^ § 1294 ©afe 2), anbere oerbraudt)bare
©ad^en aber, inöbcfonbere ©elb (§ 780), bann ju t)erbraud)en unb '"»*.««*
in eigenem Flamen ju üeräußern, roenn baö $8ormunbfd)aftögerid(|t cö brs^swmunV
genehmigt l;at, baß er biefelben oerbrauc^e ober in eigenem Slamen ^^j^*^
Deräußcre. 3m galle einer fold&en tfiatfäd^lic^en ober red^tlid^en SJerfügung
ift ber Sn^aber ber elterlid^en ©qroalt aber t)erpflid)tet, nadi Seenbigung feiner
elterlid^en Jlufenießung bem Äinbe ben SBert^ ju erfefeen, roeldien bie ©ac^en
780 ertcrIW;c 9lutnie6unfl. ©id&erJ&citßleiftunö 2C. §§ 1524, 1525.
jur 3^it ^^^ SScrfügung l&atten. S)a baß SBormunbfd&aftögcrid^t bic im
§ 1523 9lbf. 3 beftimmtc (Scnel^migung aud^ generell ertljeilen fann, fo bieten
bic Scftimmungen bcö § 1523 Slbf. 2, 3 ein angcmeffeneö aRittel, um, no*
mcntfid^ in Heineren SScrfiältniffen, bem prnftifd^en 33ebürfniffc bcö Sebens ju
genügen. SSon felbft oerftel^t eö ftd), bofe boö aSormunbfd&aftegerid&t geeignetens^
fallä bic ®rtt|eilung ber Genehmigung Don einer Sid&er^eitdleiftung obl^öngig
mod^en fann (ocrgl. § 1524 ©o^ 1). SlBgcmein oorjufdireibcn, bafe baö SSor*
munbfd&aftögerid&t bic ®enef)migung, roenn ber Sn^aber ber clterUc^cn (Seroolt
Sid^er^eit n\ä)t leifte, nur unter befonberen Umftänben ertl^eitcn foKe, ift
cinerfcitö mit Slücffidit auf baö geltenbc iMed^t, oon roeldiem ber ®ntmurf
burd^ bie 3lufnaf)mc einer berartigcn SSorfd^rift nod^ roeiter fid^ entfernen
mürbe, alö bicö nad^ ben Seftimmungen beö § 1523 o^ncl^in ber ^aU ift,
onbercrfcitö um beämiUen als bebenfUd^ erod)tet, roeil bie SluffteUung einer
foldien Siegel bie (Sefa^r mit fid& bringt, bog baö 93ormunbfd^aftdgerid&t oud&
in fold&cn gälten, in meldten bic UeberlaRung bcß ju bem unfreien 5Bcrmögen
beß Minbeö gctjorenben ®elbcß an ben Sn^aber ber elterlichen (Seroolt im
3ntercf[c nid^t nur beö ftinbes, fonberu aud^ ber ganjen gamilie in ^ol^em
®rabe münfdicnßmert^ ift, in ©rmangclung ber ©id&erleiftung aus Seforgnife
einer ®efäl)rbung beö .Hinbcö unb ber eigenen SBerantroortlid^feit bie ®c*
nel)migung ju crtf)eilcn Slnftanb nehmen unb auf bicfe SBeife ber 3w>^/
meldten bie S3cftimmung bcö § 1523 Slbf. 3 ücrfolgt, gerabe in foldien göDcn,
auf meldte biefelbe oorjugßroeife bered^net ift, oercitelt merbcn wirb. 9iat^famer
ift eö beßt)alb, oon ber 2luffteUung einer gefegtid^en Siegel in ber ^ier frag«
lid^cn ^infid^t überljaupt abjufebcn unb bie ®ntfd&eibung bem oerftänbigen
ermeffcn beö 33ormunbfd)aftögerid^teö unter ScrüdEfid^tigung ber Umftänbe beß
cinjelnen galleo ju übcrlaffen. 2)a§ baß SBormunbfd^aftßgerid^t ftc^ bei feiner
(Sntfd&eibung von bem :3"tcrcffe beß Hinbeß leiten laffen mufe, oerfte^t fic^
üon felbft.
SBcgen ber ©rünbe, auo meldten ber ©ntrourf bie Seftimmungen beß
§ 1523 Slbf. 2, 3 nid^t aud^ auf bie ju bem freien SBermögen beß .Hinbeß ge*
I)örenben Dcrbraud^baren Sad^en außgebe^nt l^at, finb bie aJtotioe ju § 1503
oben 3. 742 ju ücrgleid^en.
§ 1524.
6i(^i-^eiM* j)ie ©rünbc, axi^ meldten ber ^n^aber ber elterlid^en ©emalt grunb«
* *""^ fSglid^ t)on ber SSerpflid^tung ber ©idierl^eitßleiftung befreit fein foU, finb bc«
reitß in ben 3Motioen ju § 1503 unter 9lr. 8 oben S. 744 ff. bargelcgt. Die
SJorfd^riftcn ber §§ 1005, 1006 T^nb burd^ bie befonberen Sorfd^riften ber
§§ 1547, 1550, 1532 erfefet.
§ 1525.
crfüDung por 3)ie entfpred^cnbc Slnroenbung beß § 1296 auf bie eltcrlid^e Slu^nieSung
»eenbtflung ^^^t^^^^jg^ ^^ ^^^^ j,jg Slualogie bcr a8ert)ättmffe. ®ß wirb in biefer »e»
^ttini€|utifl. jici^ung auf bie SWotioe ju § 1296 oben S. 198 ff. Sejug genommen.
SIterU(!&e ^lu^nicfeuno. S^rfewunöen ?c. § 1526. 781
§ 152«.
®cmcinred)tlid& finbcii auf bie bem üätcrüd^cu SJerroaltiings* unb 3lk^^ ^ eiterige
braucfißrcd^tc untcrroorfcnen gorbcrungen bic SSorf^riften über ben 9lic6braud) ' T*^r"^
an gorbcrungcn im Slllgemcincn 9lnmenbunn. 3)ic l^crrfd^enbe SWciuung giebt ^«^"nfl«" he-
bern ^licfebraud^er einer ^orberung nic^t nur ein 3lcd[|t auf Sesiebung bcr ©cuenbe«
^üd^te, fonbcrn ouc^ baö Siedet ber ©iujiebung unb an bem Seiftungögcgcn-
ftanbe, je na6) ber Statur beß (enteren, ben eigcntlicben ober uncigentlic^cn
5lie6braud&. Slnbere geben noä) lüeitcr unb bcbanbeln iiax SUelbroud) an einer
^orberung ganj naä) ben ®runbfä|en über bzn -Jüeöbraudi an cerbraud)^
boren ©ad^en. 9lnlangenb inöbefonbere bie ju ben Slboentijien gel^örenben
Oelbforberungen, fo nimmt bic ^rariö überroiegenb an, bafe bcr Süater fraft
feined Däterlid^cn ?lie§braud^ä* unb 93ern)altungöred)te§ befugt fei, biefelbeu
einjujie^en unb ju Dcröufeern; bod& mirb uielfad^ bie ©infcbrönfung binju^
gefügt, ba^ ber SSater baö erbobene (Selb ni^t in ben eigenen Jlu^en oer-
rocnben bürfe unb überhaupt über bie Oelbforbcrung ni^t ju feinen eigenen
inbioibuellen JJermögenöjroecfen ücrfügen fönnc (ücrgf. Seuffert IT, 307, X,
181, XVII, 65, XXIX, 230, XXXIIT, 236; ®ntf^. b. SR. ®. in ßinitf. X,
42 S. 151, 152). 2)aö preufe. 21. 2. 91. II, 2 § 169 geroäbrt bem SSatcr
auöbrürfli^ baö 3ied&t, fraft feineö üäterlid&en iicrroaltungö* unb 3iic6braud|ö^
red^teö auöftel^enbc ftapitalien nad) (Sutbcfinben einjujieben, anbenücit ju be^
legen ober aud^ fid^ felbft jum ©dfiulbner bcr Äinber bafür ju beftcUen. ®ine
wegen ifirer S3ebeutung unb 2^ragracite uiel beftrittene 9Iuönabme mad)t baö^^
fclbc aber für fold^c ^äUe, in rodijcn baö Äapital ben Äinbern jur Sid)erbeit
befonberö t)erfd)rieben ober bie Sermaltung bcö Sßaterö barüber burcb befonbcre
©efe^e ober burcb auöbrüdflid&e SBiBenöerflärung eingefd)ränft ift.
9lad^ franj. Siebte finben auf bic elterlidje JJu^niefeung an ^orberungcn
bic aSorfd^riften über ben Sliefebraud^ an gorberungcn Slnmenbung (ocrgl. code
civil airt. 579, 601). Der ^Ueßbraud^ an Älapitalien gemäl)rt bem S3ercd;tigten
nid^t nur ein SHcd^t auf SSejic^ung ber S^n^cn (code civil 3lrt. 582, 584),
fonbcrn, roie bic Suriöprubcnj annimmt, audi baö SRed^t ber ©injicbung (ocrgl.
entfd^. b. 9i. ®. in ßioilf. IX, 87; Gntfd), b. 9i. 0. in Straff. XV, 65).
5Daö fäd&f. ®. ». §§ 1811, 660 unterftellt ben Dftterlidjcn SUcfebraud)
an gorbcrungen of)ne SMobifitation ben ®runbfä6en über ben 3iiePrau(^ an
gorbcrungen (§§ 625—628). 3)er 5Bater ^at ba^er baö Siecht bcr einjicliung
unb an bem cingejogcnen ®egcnftanbc, je nad^bem ber Icgtere ju ben oer^^
braud^baren gebort ober nid&t, ben uncigcntlid^en (§ 623) ober ben cigcntlid^en
Slicgbraud^.
5Dcr (gntmurf gef)t baoon auö, ba§ fein Sebürfnife oorliegt, bem Snbaber stanbpimft
bcr dtcrlid^cn ®croa(t fraft ber eltcrlid^cn Jlngnicfeung in 3lnfef)ung bcr ju (jntrou'te«.
bem nid&tfrcien SSermögen bcö Slinbcö gcbörenbcn gorbcrungen, Slfticn auf
3nl^Qber, ®runbfd^ulben unb (Sigentbümerl^tipotfiefen meitergcl)cnbc Slcd&tc bei^
julcgcn, alö baö Siedet auf Sejicl^ung ber grüdbte, ba er Dcrmögc bcr iljm
regelmäßig juglei^ juftcbenbcn elterlichen SBermögcnöücrwaltung in ber 2agc
ift, foroeit cö im 3ntereffc bcö Äinbeö angemcffcn erfc^eint, bie gorbcrungen
782 elterliche ?lu^nte§uno. emcrtööefd&äft. § 1527.
beö legtercn ju fünbigcn, einjuiie^en unb baö erhobene ®etb anberroeit ju
belegen , unb bic eltcrlid^e 3iu|nic6ung ftd^ f raft ®efc|ed aud^ ouf bcn ein-
gejogenen ©cgenftanb ber gorberung crftrecft. Slud^ für fotd^e gälle, in
roctd^en bcm 3nl&aber ber elterdd^en ©eroalt auöna^möroeife bie aScrmogend-
ücrroaltung nid^t iuftel)t, ift im .^inbUdEe auf bic 33orfd^riften bc§ § 1532
fein 33cbürfni6 oor^anbcn, bemfctben roeiterge^enbe Siedete bcijulegen.
Unter ben im § 1526 für nid&t anroenbbar erflärten Sßorfd^riften über
bcn ^liefebraud^ {)at ber ©ntrourf nid^t aud^ ben § 1002 allegirt, ba ber lefitere
nid()t überl^aupt unanroenbbar ift, fonbern bie 3lnroenbung bcöfelben fid^ burd^
bie befonbere SSorfc^rift beä § 1526 unb burd^ bie bcm 3nl^aber ber elterlid^cn
©croott juftc^enbc SSermögcnöoerroaltung nur in anbercr Slrt geftaltct. S)ie
9lUegation bcß § 1002 im § 1526 fönnte baf)er ju 3Ki6i)erftänbnif[cn SScr^
anlaffung geben.
§ 1527.
(sueriu^e SBcungtcid^ befonbere SSorfd^riften über hm Siicfebraud^ unb über bic
ün"dnemT. et)eUd^c Jlufenicgung an einem ©rroerbdgcfd^äftc in ben ©ntrourf nid^t auf*
SSähe genommen pni^ nnb in bcn beftcf)cnben Siedeten aud^ über bie ctterlid^e 9tu^
nic^ung an einem ju bem SBermögen beö Äinbeö gef)orenbcn Grroerbdgcfc^äfte
befonbere SSorfd^riften fic^ nid^t finben, fo ift cd bod^, namcntlid^ mit SRürf*
fic^t barauf, bofe nad^ bem S^obc beö Sßaterö ber 3Kuttcr bic etterü^c 3ln^
niefeung suftel^t, nad^ bem (Sntrourfe ba^er fünftig oiel I)äufigcr gälte ein*
treten werben, in roeld^cn ju bem SBermögcn bed Äinbcö ein ber elterlid&en
Slufenicfeung untcrliegcnbcö ©rrocrbögefd^äft gcl)5rt, als angcmcjfen cra^tet,
bie cttertid^e 5lu|nie6ung an einem fold^cn ©rrocrbftgcfd^äftc burd^ befonbere
Seftimmungen ju regeln, um bic ©rl^altung beöfetben, roeld^es oft einen rocrt^-
DolIen 33cftanbtf)eil beö iKinbcöDcrmogcnö auömad^t, für baö Äinb ju er«
möglid^en ober bod^ ju crleid^tern. Um fo unbcbcnflid^cr ift eö, l)icr burd^
befonbere 33orfd^riften cinjsugrcifcn, als ber Umftanb, bag ber 3n^obcr ber
cltcrlid^en ©croalt juglcid^ ber gcfcftlid^c SBcrtretcr beö fiinbcö ift, eine einfädle
unb iroccfmäfeigc Siegelung beö $8erl^ältniffeö juläfet. S)er 3luffaffung bcß
aSerfe^reö entfprid)t eö, baö ©rroerbögefd^äft roirt^fcfiaftlid^ alö ein ®anjeö ju
betrad^ten unb bemgcmä| baoon auöjugeljcn, ba§ bic cltcrtid^e 5Ruftnie6ung
nid^t bic cinjclnen ju bem ©rrocrbögcfd^äftc ge^örenbcn ©egcnftftnbe alö fotd&c
ergreift, wie bicö na^ § 1038 bei bem Slicfebraud^c an einem ganjen Sßcr*
mögen allerbingö ber gall ift, fonbern ba^ bic cltcrlid^e Slugnicfeung an bem
®rroerbögcfd&äfte alö fold^cm bcfte^t. 2)aö ©egentl^cil roürbc aud^, folangc
baö ©rroerbögefd^äft betrieben roirb, praftifd^ ju bcn größten SBcrroidfelungen
führen unb baö Sntereffe beö Rinbeö gcfä^rbcn. SBon jenem Sluögongöpunftc
auö fann man aber baö 5Ber^ältni| roieber in oerfd^icbcncr Slrt geftaltcn.
3Jlan tann bie 9lu|nicgung an bem ©rroerbögefd^äfte alö ©anjcm nac^ bcn
©runbfäftcn beö SJlicfebraud^cö an pcrbraud&barcn ©ad^en regeln. ®egcn
eine berartige ^Regelung fpred^cn aber im SBcfcntlid^cn biefelbcn ®rünbc,
rocld^c bcn ©ntrourf bcftimmt l^aben, von einer fold^cn Siegelung bei bcm
Sließbrau^e unb bei ber c^clid^cn Slufeniefeung abjufc^en. 3)icfel6c roürbc
(Slterlid&e Jlu^nieBunö. ®rrrcrb8flcfd6äft. § 1527. 783
au^ mit ben ©rünbcn nid^t ocrcitibar fein, roeld&e ba^in gcfül^rt ^oben, bic
SBorfd^riftcn über ben SJlie^braucft an oerbroud^baren ©ac^en üon ber 3ir\^
roenbung auf bie cttcrUd^e Jlnfeniefeung auöbrüdlid^ audjufd&Iießen (oergl.
§1523 3lbf.l ncbft a»otit)en oben ©. 778 ff.). 2)a bem3n^aber ber elterlid&en
Oeroatt jngtcid^ bie eltertidie SBermögcndoerroaltuug iuftel^t unb nad^ § 1532
aud^ in benjenigen gällen, in roeld^cn bieö audua{)mön)eife nid^t ber %aU ift,
bic SScrrooItung befi Äinbefioermögenö unb bic Slußübung ber elterlid^en SRufe-
nie^ung in bcrfelben $anb Dcrcinigt finb, fo liegt eö am näd^ften unb entfpric^t
cfi auc^ bem (Srunbgebanfcn unb bem '^rotdt ber an bem jeroeiligen Äinbeö-
vermögen befte^enben etterlid^en SRufiniefeung am meiften, roenn baö ©rroerbö-
gefd&äft üon bem Sn^abcr ber elterlid^en (Seroalt im Jlamen beö Äinbeö be^^
trieben, bem 3nl(iaber ber elterlid^en (Seroalt aber fraft ber elterlid&cn Jiut-
niefeung ber auf (Srunb beö 33etriebeö beö ©rroerbögefd^äftefi fid^ ergcbenbc
SReingeroinn überlaffen roirb. S^eifel^aft fann es fein, roie biefcr ©eroinn »eie^^nung
berechnet roerben, ob als befinitioer ©croinn nur baß nad^ Seenbigung beö oewhlne«.
©rrocrbögefd^äfteö enbgültig fi(^ ergebcnbe ©efammtrefultat in Setrac^t
fommen ober ob bem Sn^abcr ber etterlid^en ©eroatt ber jä^rtid^ feftgeftellte
©efd&äftögeroinn o^ne SRücffid^t barauf, ob ber Stamm beö urfprüngtic^en
©efd^äftöoermögenö burd& früf)er eingetretene SSerlufte nod^ oerringert ift ober
burd^ fpätere 33erlufte oerringert roirb, alö Jlu^ung befinitio jufallen foU.
gür biefe lefeterc 9lrt ber Sc^anblung fprid&t bie 9lnalogic ber aflgcmeinen
©runbfäfee über ben 9lie6braud& in Sßcrbinbung mit ber ©rroägung, ba§ cß
im ©efd^äftöteben üblid& ift, bcl^ufö ber ©croinnbercd^nung beftimmtc STb-
I fd^nitte ju mad^en (ocrgt. SKrt. 108 beö §. ®. S3.), ferner bie SRüdfpd^t ouf
ben Slufeniefeungöbered^tigtcn, roeld^er, roenn ber iä^rtid^e ©eroinn junöd^ft jur
Sluögleid^ung ber SBerlufte anberer 3a^rc ücrroenbet roerben mufe, ^Rufeungen
auö bem 93etriebe beö ©rroerbögcfc^äfteö tJielleid^t niemalö bcjie^en roirb, ob*
rool^I baö JU bem ®rroerbögefdE|äfte gel^örenbe älltiooermogen ein bebeutenbeö
I fein fonn, 6ö tonnte bieö für ben Sn^aber ber eltertid^en ©eroalt ein 9lntrieb
fein, baö ®rroerbögefd^äft, oielleid^t jum großen Slad^tl^eile beö Äinbeö, gän5lid)
aufjugeben, um fid^ auf biefe SBeife bie 9lufeungen an ben einjelnen ju bem
erroerbögefd^äftc qt^ioxtnbtn ©egenftänben ju »erfd&affen. 9luf ber anberen
Seite fommt inbcRen in 93etrad^t, bafe, roenn ber ©croinn cineö Sa^reö ju*
näd^fi jur Sluögleic^ung ber aSertufte anberer 3al)re Dcrroenbet roerben mufe,
bieö baju beitragen roirb, baß ber 3nl^aber ber elterüd&en ©eroalt fid^ «id^t
auf Roften beö Äinbeö in eigenem Sntereffe auf teidytfinnige ©pefutationen
einläßt, fonbcm bei bem Setriebe beö (Srroerbögefd&äfteö oorftd^tiger ju SBcrfc
flcl^t. i)iefer bem 3ntereffe beö Äinbeö unb ber (Srl^altung beö Äinbeö*
pcrmögenö entnommene ©efid^töpunft ift alö ber cntfd^eibenbe ju betrad^ten.
85ei ber ©eftaltung ber eltertid&en SJlufenießung, roeld^e ju ber clterlid^en ©e*
roolt on ftd& nur alö ein unroefentlid&er Säeftanbt^cil l(|injutritt, fann in erfter
fiinic nur baö 3ntereffe beö Äinbeö maßgcbenb fein, ©egen bic ©cfal^r, baß
ber 3nl^<^ber ber elterlid^en ©eroalt baö @rroerbögefd^äft jum 3laä)if)e\U beö
Äinbeö aufgeben fönnte, ift baö lefitere burd& bie ben Snliabcr ber elterlid&en
(Seroalt bei ^ü^rung ber Serroaltung treffenbe 93erantroortlid^teit genügenb
gefd^ä|t. @ö roürbe |ebod^ ju roeit gelten unb unbillig gegen ben Sn^aber ber
784 mexUiit «Rufenieguitö. 9SerbinbIi(j&!citcn m Äinbcö. § 15-28.
elterlichen ©emalt fein, toenn berfetbe and) ben bereits belogenen ©eminn
eines Sal^rcö in golßc fpäter cintretenbcr SSerlufte, fei es oud^ nur bis jum
SelQufe ber nod^ Dor^anbenen Sereid^erung, roieber ^erauSjugeben üerpflid^itet
fein follte. 3m Uebrigen laffen fid& allgemeine Orunbföfte über bic (Scminn-
unb aSerluftbered^nung im ^inblidfe auf bie oerfd^iebcnen ^ier in Setrad^t
fommenben 33ert;ältniffe im ©efe^e nid^t oufftellen. ^anbelt es fic^ um bic
9leubegrünbung eines ermerbsgefd^äftes, fo roirb bas SSormunbfd^aftSgeric^t bei
©rtljeilung ber ©enel^migung (§ 1515) bafür ©orge ju trogen ^aben, ba|
biefe ©runbfäfte fcftgeftellt werben.
SBie bie allgemeine gaffung bes § 1527 Slbf. 1 ergiebt, be^ie^t berfelbc
fid) foroo^l auf ben gall ber Fortführung eines beftelienben, als ben ber ^c^
grünbung eines neuen (SrmerbSgefd^ciftcS. ^lad) § 1527 2lbf. 2 foHen jebo^
bic Seftimmungen bcS § 1527 2lbf. 1 feine Slnroenbung finben, roenn bas
©cfd^öft o^ne bic nad^ § 1515 erforberlid^c ©enel^migung bes ^ormunbfd^afts-
gcridites begonnen roorben ift. Diefe SSorfd^rift ift eine angemcffcne ©rgänjung
ber nur ben Äarafter einer Drbnungsoorfd^rift an fid) tragenben SSorfd^rift
bes § 1515.
3)as im § 1527 9lbf. 1 geregelte aSertjältnife bauert fo lange fort, als
ber 3nl^aber ber ctterlidöen ©emalt bas ©rmerbsgefdiäft im Flamen bcS Äinbes
t^atfäditid^ betreibt. SESann ber Setrieb bes ©rmcrbsgefd^äftcs t^atfäd^lid^ auf-
gefiort f|at, ift unter S3crüdffid^tigung ber Umftänbe bes cinjelnen galles feft-
aufteilen.
m^ftfcuJöcr. ®"^^ ^^^ öeftimmungen bes § 1527 9tbf. 1 ift es übrigens felbft-
na^me bc5 ' ücrftönbUdö uid^t ausgcfd&loffen, bafe ber Sn^abcr ber elterlid^en ©emalt burc^
SäfteV. SSertrag mit bem ftinbe ein ju bcm Vermögen beS Ic^teren ge^örenbes
©nocrbsgefd^öft uadj ben ©runbfögen über ben 3Ue6braud6 an pcrbraud&baren
©adien übernimmt unb baS ©rroerbsgefd^äft aisbann für eigene SRed^nung unb
auf eigenen 5Jlamen betreibt. 3^"^ 9lbfc^tuffc eines foldjen SSertrageS mufe
aber bem Äinbe ein Pfleger beftellt werben (§ 1651 3lx. 1, § 1738), unb au&er*
bem ift baju bie ®cnef)migung bes Sßormunbfd&aftSgerid^teS erforberlid^ (§ 1674
31t. 14). )Dlit ®cncl)migung beS a3ormunbf(^aftSgcrid^teS tann ferner ber Sn-
liaber ber clterlidjen ©croalt bie ju bem ©rroerbsgefd^äfte gel)örenben oerbraudd-
baren ©ad&en, inöbefonbere ein üorl)anbcnes SBaarenlagcr (§ 780 3tbf. 2), nad)
aJlaögabe beS § 1523 3lbf. 2, 3 in eigenent 5Ramcn tjcräufecrn unb es baburd^
ermöglid^en, bas ©cfd^äft für eigene SRed&nung unb in eigenem Jlamen fortju-
füfiren. 2)aburd^ wirb, namentlid^ in tleineren SScrl^ältniffen, ben 93ebürfnijfen
bes praftifdjcn Sebens in angemeffener Sßeife Sied^nung getragen.
§ 1528.
eteuung ber gj^^^ gemcincm Steckte fonnen bie ©laubiger bes ÄinbeS mcgen ber Don
^' irinbl« ' biefem oljne ©inroilligung bes SBaters roftl^renb ber iiDauer ber uäterlid&en ©e*
©cueubc« watt gemad^ten ©c^ulben aus bem bem Döterli^en 9tie&braud^e unterliegenben
^*«^* aScrmögen Scfriebigung nid^t pertangen, insbefonbere aucft nidjt megen ber
2)cliftsfc^ulbcn ober ber gefejlid^en SScrbinblic^feiten bes fiinbes. 3)asfelbe
6acra*e SRu^nicgimö. Serbinbli(J6fciten bcß Äinbeg. § 1528. 785
(jilt iiadi prcufe. 21. 2. 31. II, 2 §§ 201, 202 in »nfe^ung ber aScvbinbli^fcitcn
awQ 9lcd&tßflefd^öftcti bcö Äinbcd, foroeit burd^ Icgtcre o^nc ©inmiDigimg beö
aSatcrö überhaupt eine SBcrbinblid^feit beft Äinbcä begrünbct mcrben fann (tjcrgl.
11, 2 §§ 125—133, 165, 166). dagegen Ijoftct wegen ber auö unerlaubten
^anblungcn beö Äinbes entftanbencn SSerbinblid^feiten beöfetben anä) baö
nid^tfreie SBermögen, iebod^ nur in Ermangelung t)on freiem SBermSgen
(11, 2 §§ 134, 135, 167, 203). Db unb inmieroeit aud& wegen gefefeli^er
aSerbinblidifeiten bed Äinbeö boö nid^tfreie SScrmögen bcö festeren pon ben
©läubigcrn in 9lnfpruc^ genommen werben fann, ift im preug. 91. S. SR. nidbt
befonberö beftimmt. S)aö ffld^f. ®. S3. §§ 1821—1824, 1826 beruht auf bcm
^^rinjipc, baß bic ©laubiger beö Rinbeö wegen red&tögefd^äftlid^er, ol^ne ©in*
milligung bcö SSatcrö gemad&ter neuer ©c^ulben beö Äinbeß an baö bem oater*
liefen Sßicfebraud^e unterworfene SBermögen fid^ nid^t fialten fönnen, ba| ba*
gegen bad lefetere wegen ber Deliftöfc^ulben unb ber gefeftlid&cn Sßerbinblid^^^
feiten beö Äinbeö ^aftct. 2)aö franj. SRed^t entl)ält in ben l^ier fraglid&en
Sejiel^ungcn überhaupt feine befonberen S3cftimmungen.
®a bie elterlid^e ^Rufiniefeung nad^ bem ©ntwurfe nid^t beswcctt, bem ©taubpunit
3nt)aber ber eltcrlid^en ©ewalt einen Don feiner Dormunbfd^aftlidjen Stellung ©„twurfcö.
loögelöftcn Sßermbgcnöport^eil jujuwenben, fonbern ftd^ nur alö bie ber Stellung
beö Snl^aberö ber elterlid^en ©ewalt entfpred^enbe gorm barfteUt, in weld)er
i^m bie ©infünfte beö jeweiligen Äinbeöüermögenö jur freien SBerwenbung im
3ntcreRe einer normalen ©eftaltung ber SSer^ältniffe innerhalb ber gamilic
überwiefen werben (§ 1521), fo ift eö eine Ronfequcnj beö ©runbgebanfenö
ber elterlid&en ^lujniefeung, bafe bie ©laubiger beö Äinbeö wegen aller aSerbinb^^
lid^feitcn beö festeren bie S3efriebigung auö) auö bem ber elterlid^en ^fufeniefeung
unterliegenben SBermftgen beöfelben ol^ne iWiidEfidöt auf bie elterlid^c ^lu^niefeung
uerlangcn fönnen. 35aö ©egentfieil würbe a\xö) mit bcm QntercRe ber ©lau*
biger nid^t oereinbar fein. 2)aö 3ntereffe ber le|teren verbietet eö inöbefonberc
ouc^, bicfelben wegen ilirer Slnfprüd^e auö unerlaubten §anblungen beö Äinbeö
ober wegen folcfier 3lnfprüd&e, weld^e auö einem auf baö freie SSermögen beö
Hinbcö ftd^ bejiel)enben SRed^töuerl^ältniffe entftanben pnb (§ 1530 9lbf. 2 3lx. 2),
junäd&ft an baö freie SSermögen beö Äinbeö ju oerweifen, ba burd& eine fold^e nur
fubribiärc .^aftung beö nid^tfreien SBermögenö nad^ außen für bie ©eltenbmad^ung
ber SNcd^te ber ©laubiger bie größten Sd&wierigf eitcn unb SBeiterungen fid& ergeben
würben. Slel^ntid&e Erwägungen finb eö, welche für baö ebelii^c ©üterre^t
ju ber entfpred^enbcn SSorfd^rift beö § 1311 geführt ^aben. 2)ie Sad&tagc ift
bier nur infofern eine anbere, alö eö mit SRüdEfid^t auf bic bcfd&ränftc ©e«
fcfjäftöföfjigfeit beö Äinbeö unb ben barauö fidi ergebenben SKangcl ber ^^Jrojcß«
fäl)igfcit beöfelben, fowie mit SlüdEfid^t auf bie mit ber elterlid&en Jlnjuießung
regelmäßig c^janb in §anb gel^enbe elterlid&e SBcrmögenöücrwaltung beö Sn-
l;aberö ber cltcrlid^en ©cwatt im Sntereffe beö Icfetercn ber im § 1312 beftimmten
9luönat|men oon ber $Hcgel beö § 1311 l)ier nic^t bebarf. 9lud& in ben fallen,
in wcld^en bem Sn^aber ber elterlid^cn ©ewalt bie SBermbgenöoerwaltung auö^
nabmöwcife überl)aupt nic^t ober in 9lnfct)ung eineö 3^l)eileö beö Äinbeö*
pcrmögenö nic^t jufte^t, ift berfelbe baburd^ genügenb gcfd^ügt, baß rec^tö*
gefdt)äftlid)e aScrbinblid^feiten beö ftinbeö wirffam nur burc^ ben gefeilteren
VloÜvt ^ biitqttl. Ocfe^bu«^. IV. 50
786 erterlidfec Snu^nicguno. ScrbinbliiSfciten bc3 Äinbc«. § 1528.
SBertrcter bcö (enteren, bcjro. nur mit ©inioiDigung ober ©enel^migung befi
gcfcßUd^cn Sßertrctcrö bcgrünbet rocrbcn fönncn. 9luf blc Sludno^mcfäDc, in
roeld^en baö Äinb in gcioiffem Umfange gefd^äftöffil^ig unb projcfefä^ig ift
(ocrgl. inöbcf. § 67, ferner §§ 1254, 1267, 1271, 1276, 1451 »erb. mit § 1536),
braud|t um fo weniger 9lücffid^t genommen ju werben, als in bem Jßouptfane,
nämlid^ in bem %aUt bcft § 67, bie erweiterte Oefd^äftöfä^igfcit beö Sinbefi
nur auf Orunb einer oon bem gefeftlid^en SBertreter beöfelben unter Ocne^migung
beö SSormunbfd^aftögeric^teö crtl^eilten ©rmäd&tigung eintreten fann. 3m Uebrigen
wirb wegen ber S^ragweitc beö im § 1528 audgefprod^enen ?ßriniipeö, namentlid^
fooiel baö SRed^t ber ©laubiger betrifft, bet|ufd itircr 93efriebigung oon bem
Sn^aber ber eltertid^en ®ewalt bie fofortige ©rfüUung einer bemfefben gcgcm
über bem Äinbc obliegenben SSerbinblid^feit ju ©erlangen, ju beren ©rfüUung
er wegen ber elterlid^en SHu^niefeung erft nad^ Seenbigung ber lefeteren oer*
pflid^tet ift (üergt. § 1523 SIbf. 2, 3), auf bie aWotioe ju § 1311 ©. 254
S5cjug genommen.
Swangs* 3m ©egenfoße ju ben §§ 1314, 1315 beftimmt ber § 1528 weiter, bafe
Doaftrecfunfl. ^^^ ^^^ 3njangöooUftrcc!ung gegen baö ber elterlid^en Stugniefeung unterüegenbe
aSermogcn beö Äinbeö ein gegen baö (entere DoIIftredfbarer SCitel genügcnb ift.
S)ie 3lna(ogie ber für bie efielic^e Jlufiniegung gegebenen SBorfd^riften ber
§§ 1314, 1315 trifft bei ber elterlid^en Sflufiniefeung nid&t ju. Diefe aSor^
fc^riften berufen einerfeitö barauf, bofe bie ©laubiger ber (g^efrau nic^t wegen
aUer SSerbinblid^feiten ber tefetercn, fonbern nur wegen ©^egutöoerbinblid^*
feiten (§§ 1311, 1312) bie SBefriebigung aud^ auö bem e^egute o^ne SlüdErid&t
ouf bie el^elic^e 9lu|nie6ung verlangen fonncn, anbererfeitö barouf, bafe bie
(Sfiefrau als fold^e proje^fä^ig ift. 3^^ beiben 93ejiel^ungen ift, wie oben ouö*
geführt würbe, bei ber elterlid^en 9lu|nie6ung bie Sachlage eine onbcre. ^ier
fe^tt cß an einem Sebürfniffc, jum Sd^ufce ber elterlid^en ^tufenieftung be^ufö
ber SnJöngSooUftredEung gegen bafi ber elterlichen SRufeniefeung untcrlicgenbe
SSermögen neben bem DoUftredbaren 2^itel gegen baö Äinb nod^ einen poB-
ftredfbaren 2^itel gegen ben 3nl(iaber ber etterlid&en ©ewalt ju ©erlangen. ®inc
fold^e SBorfc^rift würbe, ba ber lefetere na^ § 1528 wegen ber elterlid^en Sßufe-
niefeung in feinem galle, felbft bann nic^t ber Sn'^^S^'^öllftrecfung wiber*
fpred^en fann, wenn baö gegen baö Äinb ergangene Urtl^eil materiell unrichtig
ober baö Äinb in bem ^rojeffe nid&t oon bem 3ii5(iaber ber etterlid^en ©ewolt
©ertreten gewefen fein foUte, auf eine überflüfrige Formalität ^inauölaufen.
Slngefid^tö ber im erften ©afee bcö § 1528 enthaltenen Scftimmung fann cö
jweifell^aft fein, ob ber auf bie ^orauöfegung ber 3^AnSd©onftretfung fid^
bejiel^cnbe S^fofe überhaupt nöt^ig ift. Slatl^famer ift eö jebod^, benfelben in
baö ©efefe aufjunefimen, ba auö ben neben ber matericDred^tlid&en Seftimmung
beö § 1528 ©aft 1 in ©eltung blcibenben projeffuolifd^en SBorfd^riften ber
6. ^. D. (oergl. §§ 712, 713, 745 baf.), fowie l^ingefe^en auf bie SBcftimmung
beö § 1904 9lbf. 1 in SBerbinbung mit ber Grwägung, bofe ber 3nl&aber ber
elterlid)en ©ewalt bie 3nl|Qbung ber ju bem nid^tfreien SSermogen bcö Äinbcö
gel^örenben ©ad^en nid^t alö 5Bertreter beö Äinbeö, fonbern fraft ber cltertiddcn
5Ru6nie6ung in eigenem 9kmen liat (ocrgl. §§ 1520, 984), ber 3w)eifel fid^
ergeben fönnte, ob lebiglid^ auf ©runb eineö ©oDftredfbaren SCitclö gegen boö
erterli(5c 9fltt$nic§iin0. aSerbmbft^feiten bcg Kinbeg. § 1529. 787
jtinb bie B^ctngdDoDftredung gegen bad nid^tfreie SSermögen bed Slinbed aud)
bann juläffig fei, wenn ber 3n^abcr bcr citerlid&cn @malt fi6) jur ^erauö-
gäbe ber ju pfänbenbcn ©ad^en nid^t bereit erflärt.
Sttu« § 1528 in SSerbinbnng mit § 1521 ergiebt fid^ üon fclbft, bQ§ im ^f^'^^l^
Äonfurfe über boS Sßermögen beö Äinbcö bie citerlid&e Stufen icfeung bem Siedete
bcr ©laubiger, bie fonfurömä|ige S3cfriebigung aud^ auö bem bcr elterlid^cn
Slufenicjjung unterlicgcnben SJermögen beö Äinbeß ju Dcriangen, meidet unb
bofe, rotnn ber Ronturß por ber völligen 93ert^eilung ber äWaffe becnbigt ift,
bie nod^ oorl^anbene ÜRoffe, foroeit bicfelbe nid^t jur 3^it ^^^ (Sröffnung beö
Äonfurfeö ju bem freien SBermögen bes Äinbcö gel;ört tjat — maö nöt^igcn-
fttUö oon bem ßinbc bcroiefen rocrben mufe — , ber burd^ ben Äonfurö über
boö SSermögen beö 5linbeö nid^t aufgel^obencn efterlid^en Slulnicfeung unter*
liegt. 9lnbererfeitö ergiebt fi^ auö § 1530 9lbf. 3, bafe, foroeit auö bem üor
ber Eröffnung beö Äonfurfeö üorl^onbenen freien SBermögen beö Äinbcö Sd^ulbeu
berid^tigt finb, meldte im SBcrpItniffe jmif^en bem Snl^aber ber elterlid^cn
©cwalt unb bem Äinbe ju einanbcr bem bamalö bcr elterlid)cn Jlufeuicfeung
unterliegenben 33ermögen jur Soft fielen, ober aud^ umgefe^rt, nad^ üKofegabc
beö § 1530 9lbf. 3 bem einen SBcrmogcn auö bem anberen, unb jiüor nid^t
nur auö bem Seftonbe beö tefetcren jur Qtxt ber (Sröffnung beö Äonfurfeö,
fonbcrn aud^ auö bem fünftigen Säeftanbc bcöfclbcn, ©rfafe ju leiften ift.
§ 1529.
Xxt Seftimmung beö § 1529 beruht auf o^nlid^en ®rmägungen, mic bie ""«'['
entfpred^enbc 33eftimmung beö § 1313 unb fte^t mit bem Orunbgcbanfcn bcr brt*Äinbt«
cltcrlid^cn Slufenicfeung, bafe bcr SJnl^abcr ber elterlid^cn ©emalt bie griid^tc ß*^*" ^""^•
beö ÄinbcöPcrmogcnö nur infomeit bejic^en foll, alö biefclbcn ol^ne bie citcr*
lid&e SRufeniefeung bem Äinbe jugefaDen fein mürben, im (Sinf lange. 5Dcr
§ 1529 unterfc^cibet fid^ üon bem § 1313 jcboc^ infofem, alö er nid^t bloö von
ber gefefelid^cn Unter^altöpftid&t gegenüber SJcrmanbtcn beö Äinbcö (§§ 1480 ff.),
fonbcrn allgemein oon ber gefefetid^en Untcrt)altöpf(ic^t gegenüber einem
©ritten rebet, um aud& fold^e gälle ju bcdfcn, in meldten baö Äinb nad^ aWafe^
gäbe ber §§ 1280, 1281, 1454 feinem ©Regatten, bcjro. einem gefd^iebencn
©Regatten Unterhalt ju gemäl^ren oerpfIi(^tct ift. ©old^c göllc fönnen mit
Stüdffid&t barauf Dorfommcn, bafe na6) § 1536 bie eltcrüd&c Slufenicfeung
bur^ ©d^ücfeung einer ®^c von ©citen beö Äinbcö nid&t becnbigt mirb,
njcnn bie &)t oon bem Icfetcrcn ofinc bie nad^ ben §§ 1238, 1239 er*
forberlid^e ®inmilligung beöicnigcn ©Iternt^cifcö gcfd&loffcn ift, rocld^cm bie
eltcrlid&c Slufeniefeung jufte^t. Dagegen fällt nid&t unter bie 93eftimmung beö
§ 1529 bie Unterl^altöpPid^t beö unc^elid^en SSatcrö gegenüber bem unef)c*
Ud^cn Äittbc, ba biefelbe burdb bie fieiftungöfä^igfeit beö SSatcrö nid^t bebingt
ift (§§ 1573, 1574). 2)aöfetbe gilt oon bcr im § 1577 beftimmten SSer*
binblic^feit beö SBaterö eineö uncl&elid&en Äinbcö gegenüber ber 9Jlutter beö
lefetcren, 5umal biefe SSerbinblid^feit noc^ bem ©ntrourfe überhaupt nid^t ben
Äarofter einer gcfefelid^en Unterl^altöpflid^t, fonbcrn einer ©ntfd^öbigungö*
oec6inbUd(|feit ^at SBcgcn ber julcfet bcjcid^netcn 33erbinblid&teitcn fönnen
50*
788 elterliche 9Jufeme§unö. au^ölciiimg. Saften. §§1530,1531.
bic (Sjldubiflcv, luic wegen iebcr anberen äJerbiubüd^fcit, fd^on naä) SRofegabc
bes § 1528 bic Sefricbigiing aud) auö bcm bor cltevUc^cu ^lugnicfeung unter-
licgcnbcn SScrmögcn üevlongcn.
3m Uebrigeu wirb auf bie ilfottoe ju § 1313 oben ©. 256 ff. ocnüiefcn.
§ 1530.
3iu««iei(^unfl ®ie bcui § 131H eutfpred)cnben S3eftimmungcn bcö § 1530 (ocrgl. prni^.
*'Äkr9^- 2. 9{. II, 2 §§ 107, 203; fäcf|f. ®. Ö. § 1826) rechtfertigen fid) burc^ bic
unbbcmfrcien5[uQiogie bcß § 1316. ®ö Wirb bcsl^alb auf bie Stuöfü^rungen in ben 3)totiüen
i^crmöaeu. ^^^ g ^^^^ ^^^^ ^^ ^ßo ff. «cjug gcnommcu.
3m ©iujcinen ift jcbod) nod) ^^olgcnbeö ju bemcrfcn:
1. 2)cn 33crbinbUd^teitcn aus unerlaubten .^anblungen f)at ba* ©ntwurf
l)icr fo wenig, wie im § 1367 9lr. 1, bie in ben §§ 1571, 1577 beftimmtcn
9[}crbinblid)feiten beö unel^eUd)cn 33atcrö gegenüber bcm unc^clicbcn .Hinbe unb
beffen tWuttcr g(eid)gefteUt. ®inc fold^c ©Icidfiftcllung würbe üom ©tanb«
punftc beß (Sntwurfeö aus, weld)er biefc SScrbinblid^teiten, wcnnglcid^ bicfelbcn
materiell auä einer unfittlid^en \^anblung cntfpringen, nid^t als 2)eüftö*
Obligationen beljanbctt, einen burd^auö pofitiocn Äaraftcr Iiabcn. 2)urd) ein
praftifdtieö Skbürfnife ift fie aber nid)t geboten.
2. Da nad) § 1518 baß oon bcm Äiubc auf ©runb ber 33orfdt|riftcn bcß
§ 67 fclbftcinbig betriebene ®rwerbßgefd&äft ju bcm freien 33crmogcn bcß
SEinbeö gehört, fo fann cö, o^nc bafe cß in biefer .^inftd^t einer befonbercn
Seftimmung bebarf, nid^t iweifcn)aft fein, bafe bic auß bem ©ctriebe cineo
fold)cn ©rwcrbßgefd^ftftcß cntftanbcncn SSerbinblid^fcitcn bcß .Hinbcß unter bic
5Jr. 2 bc6 § 1530 9rbf. 2 fallen. 3)aßfelbc gilt im ^inblidfe auf ben § 1518
auij oon ben 93crbinblid)teiten bcß Äinbcß auß 2)icnft' unb Slrbcitßücrljftlt*
niffen (ocrgl. aud& § 1316 9lr. 2 ocrb. mit § 1289).
§ 1531.
Saften Dic bcftcljcnbcn 9tcdE)tc cntljaltcn in Sttnfeljung bcr mit ber elterlichen
*9^iLÄ?mfl^^ oerbunbcnen Mafien t^cilß über(;aupt feine, t^cilß nur wenige bc-
' f onberc Scftimmungen (oergl. code civil SKrt. 385 ; fäc^f. ®. S. §§ 1826, 1828).
9ladE) prcu^. Siedete ift inßbcfonbcre bcftrittcn, ob bcr 93atcr bie ftoften cincß
in älnfc^ung ber Subftanj bcß nidE)tfreicn SBermögenß gefüljrten ?|Jrojef[eß auß
feinem eigenen SScrmögcn ju tragen I)abe. 2)ie Seftimmungcn bcß § 1531,
wold)c bie 93orfdE)riften bcr §§ 1003, 1041 crfe|en, fd^licfecn fid) ben Seftim*
mungen bcß § 1297 an unb bcrul)cn auf ben gleid^en ©rwägungen, wie bicfc.
3)ic 9h*n. 5 unb 6 bcß § 1531 weid)en oon ben cntfprcd^cnbcn 33cftimmungcn
bcß § 1316 3Jr. 5, 6 nur infofern ab, alß bic 9Jr. 5 beß § 1531 bic Moftcn
cineö oon bem Minbc gefüljrten Sted^tßftreiteß, fofcrn bic iBcrbinblid^fcit bcfi
Äinbcß im SSerljättniffc beßfclbcn unb beß 3nf)aberß ber clterlid^cn ©cwalt ju
cinanber nic^t bcm freien 33crmögen beß Minbeß jur Saft fällt (§ 1530), bcm
Sn^abcr ber elterlid&cn ®ewatt, oorbeljattlid^ bcr auß § 1531 9Ibf. 2 p*
crgebcnbcn 33efd^ränfung, ganj allgemein jur Saft legt unb aud^ bic 9Jr. 6 bcß
eiterii^e 9Jutniefeunö. 3lu3fd6Iu§ b. eltcrl. aJcmaltung. §§ 1532, 1533. 789
§ 1531 bie aSerpflici^hmg beö Snl^abcrö bcr cltcrlid^cii (Scraalt jur 2^raflung
bcr bort bcjeid^nctcn Äofteu bcr SSert^cibigung beö .Hinbcö nid^t baüon ah
Ijänflig mad^t, bafe ber 3n^abcr ber cltcrlid^en (Seroatt ju ber SJcrtdcibigung
feine SinwiUigung ober (Senef)migung crt^eilt \)ai. S)icfc Slbraeic^ungen be-
rulieu t^eilö barauf, bafe bei ber elterlichen SRufenicfeung eine Unterfdjcibung,
rocld^e ber Unterfd^cibung jroifd^cn (S^cgutöoerbinblirfifeiten unb anberen 33er*
binblic^feiten (§§ 1311, 1312) cntfpricf|t, nid&t ftattfinbet (§ 1528), t^cils
barauf, bafe baö Äinb regelmäßig nid^t gefd^äftöfä^ig unb projcfefäljig ift unb
bcß^alb bic ^ier fraglid(|en Sled^tö^anblungen regelmöfeig pon bem 3nl)aber ber
eltcrlid&en Ocroalt als bem gcfeglic^en 33crtreter beö Rinbeö üorgenommcn
werben muffen bejn). ju il)rer äBirffamteit ber (Sinroilligung ober ®enel)migung
bcd 3n^aberß ber elterlid&en ©eroalt bcbürfcn. Unter biefen Umftänben tonnen
bie bejcid^neten Slbrocic^ungen einem 33ebenfen nid^t unterliegen, um fo weniger,
alö ber § 1531 2lbf. 2 ben Umfang ber bem Sn^aber ber elterlid)cn ©croalt
gegenüber bem Äinbe obliegenben 33erbinblidE|feiten ber bier fraglid)en 9lrt in
angemeffener SBeife begrenjt, 3m Uebrigen roirb rocgen ber 33egrünbung ber
einjclnen S3eftimmungen beö § 1531 auf bie Sluöfü^rungen in ben ÜRotioen
ju § 1297 oben ©. 199 ff. perroiefcn.
2)ie ®rünbe, auö rocldden bcr ©ntrourf bie Unterfialtöpflid^t ber ®ltern
gegenüber bem Äinbe nid^t alö eine iJaft ber elterlid^en ^Jujniefeung, fonbevn
alö 3luöflu6 ber SBerroanbtfd^aft bel;anbelt, fmb in ber äJorbcmerfung 5U ben
§§ 1480—1496 oben S. 677 ff. bargelegt.
§§ 1532, 1533.
3)ie §§ 1532, 1533 regeln baö aSerljältuife ber elterlid)en Jiufeniefjung «»crii^e
in benieuigen gällen, in welken bem 3nl)aber ber elterlid)en ©eroalt in b^riu^Ä
9lnfc^ung bcö bcr. cltcrlid()en Jlufeniefeung untcrliegenben äJennögcnö bcö ^^«'^ «^*«'^"^^"
Äinbeö bic clterlidjc SScrmögenöoerroaltung nic^t juftcl^t. Soldf)e gällc fönncn *'^^""'*""^*
nac^ bem (Sntrourfe eintreten, roenn ein Sritter na(^ äWafegabc bcö § 1510 in
3lnfel)ung ber bort bejeid^neten ©cgenftänbe bie 93ermögenöoerroaltung bcö
v^>nl)abcrö ber clterli^en ©eroalt, nid^t aber jugteid^ bic elterlidjc ^Wu^niefeung
auögefd()loffen l)at, rocnn bem 3n^aber bcr clterlid)en ©croalt burd) baö ^^or*
munbfc^aftögcrid^t bic elterliche ©eroalt mit 3luönal}mc ber cltcrlid()cn 3h\p
nicfeung (§ 1546) ober bic SSermögenöocrroaltung cntjogcn ift (§§ 1547, 1548,
1550, 1623), roenn bie cltcrlidjc ©eroalt rut)t (§§ 1554—1556) ober roenn ber
3u^abcr ber cltcrlidjen ©eroalt in golgc bcr ©röffnung beö Monfurfeö über
fein äScrmögen bic elterliche il^crmögcnöocrroaltung Dcrlorcn l)at (§ 1553).
"ilad) bem in großen SRcd^tögebicten geltenben iMed)tc, inöbefonbere naä) bem
preuß. diente, uerlicrt in ben meiftcn unb roiddtigften ber l)ier in 9{cbc ftcfjcnbcn
J5äUc ber 3»I)abcr bcr uätcrlid)en ©eroalt mit bcr 93crroaltimg bcö Äinbeö-
ocrmögenö aud^ ben 3licßbraudö, namcntlid^ in ben gäUen beö Monfurfcö,
bcr ©ntmünbigung roegen SBcrfc^roenbung, bcö SBerluftcö ber väterlichen
©eroalt roegen aSißbrauddeö foroie beö !}tul)enö bcr Döterlic^en ©croalt (ucrgl.
preuß. 21. y. m. II, 2 §§ 206, 268, 256 — 265). 9iur in bem galle,
rocnn ein dritter bei einer ^^i^cnbung an baö Minb bem ÜJater lebiglid) bie
790 erterlt^c «ftu^nicgung. «uef^Iug b. eltcrl. Serttjaltung. §§ 1532, 1533.
SUermögcnöDeriüaltung, nid^t jufllcic^ bcii Slicfebraud^ cntjogcn l^at, tritt and)
naä) prcufe. SHec^te im ^rinjipc ein äl^nlid^cö SSer^öItnife ein, wie naä) bcm ©nt^
raurfc in ben gäUen beß § 1532 (ocrgf. preufe. ST. S. SH. II, 18 §§ 977 ff.). 3la^
anbercn 5led)tcn bagegen, inöbefonberc naä) gemeinem Siedete (oergl. ©enffcrt
VII, 198, XXIV, 201) mb bem fäcftf. ®. 83. §§ 1815, 1816, 1834, jic^t aüc^
in fonftigen gällcn ber ^ier fraglif^en 3lrt ber 5Berluft bcr mit ber oäterlid&en
Oeroalt üerbunbenen aSerioaltung nidjt ben SBerluft bcö Sliefebrouc^eö nad&
ftc^; bod^ entl^alten biefe Steckte feine befonberen Seftimmungen barüber, wie
in fo(dE)en gölten baö 93erl^ä(tnig red^tlid^ fic^ geftaltet, ob unb inn)ien)eit bem
93ater ber 9liegbraud^ ate ein binglid^eö 9ied^t oerbleibt ober ob ber Stiegbraud^
fic^ in einen pcrfönlid^en Slnfprud^ auf bie ©infünfte umroanbelt (pergl. code
civü Slrt. 618).
(sntiie^ung ^er @ntn)urf Qd)t junäc^ft bavon aus, bag in fold^en göllen, in xotlä^cn
l'Xm^^^^ Sn^aber ber elterli^en ©eraatt in 3lnfel(|ung beö ber elterlichen 3lup
jiuftnic^ung. niefeung unterliegenbcn Söermogenö bie elterlid^e Söermögenöoerroaltting nic^t
juftefit, bemfelben icbenfaUö nid^t bie eigene 3luöübung ber etterlid&en 3lup
niefeung mit bcr baju erforbcrlic^en niefebrftud&lic^en ^Serroattung gelaffen
rocrben barf, weil ein fold^cö SBer^ältnife jmifd^en bem Sn^aber ber elterlichen
©eroolt als Siu^niefeer unb bem jur ^ermögenöoerroaltung berufenen gefcfc«
lid&en Sßertreter beö Äinbcö ju Äonfliftcn fül^rt unb auf bie SBermogenös
üerroaltung jum 9]ad^tl^eile beö Hinbeö l^emmenb unb ftorenb cinjuwirfen
brol^t. Snäbcfonbcre muffen in ben göUen, in welchen bem Snl^aber bcr
elterlidjcn ©emalt wegen ©efäl^rbung beö Äinbeö burd& ba& JBormunbfd&aftö^
gerieft bie Sßermögenßoermaltung entjogen ift (§§ 1546, 1547, 1550), biefelben
®rünbe, meldte eine bcrartige Sßaferegel ücranlaffen, im Sntereffe beö Äinbeö
notl^roenbig ba^in führen, bem Snl^aber bcr elterlid^en ©emalt aud& bie mit
bcr eigenen 3lußübung bcr Jlugniefeung pcrbunbene nicfebräud^lid^e 3Sermaltung
JU nefimen, wenn nic^t bie ©ntjie^ung bcr elterlichen Söermögcnöoermaltung,
menigftenö jum Xf)t\i, illuforifc^ gemalt werben foH. 3lbcr aud^ in ben
gälten, in welchen an bie Stelle ber rul(ienben cltcrlidEien ©emalt beö SSaterö
mit Sluönal^me ber bem lefeteren ücrblcibenben elterlichen Jiufenicfeung bie
clterlid^e ©ematt bcr aWutter tritt, entfprid^t cö ben natürlid^en 83er|oltniffen
am meiften, roenn bie mit bcr elterlid^en SRufenicfeung t)erbunbenen Meinen
äSerwaltungöl^anblungcn beö täglichen ^öuölic^en fiebenö ber äßuttcr über^
wiefcn merben unb bie ftbrcnbe ©inmifd^ung beö 5Baterö bejro. beö bemfelben
bcftelltcn SSormunbcö ferngcl(ialten wirb.
^rinsipiette ©inc ttubcrc gragc ift, mie, um jencö ^id ju crreid^en, baö JBer^ältnife
0cpoitun9 ^^ jmcdtmftfeigftcn unb in einer ben pcrfd^iebencn Sntereffen gleid^mäfeig
»er^Äitniffes. gicdf)nung tragenben SBeife redtitUc^ ju geftalten ift. (So bieten fi^ in biefcr
§infidS)t t)crfdS)icbenc SBcge bar. 9Kan fann in ben l^ier fraglichen gällcn bcr
eltcrlid^cn ^u|nicgung ben £araftcr eineö binglid^cn 9led^teö gönjlid^ nehmen
unb ben 3»^ßber ber elterlid&cn ©cmalt fraft ber elterlichen Slufeniefeung auf
einen pcrföntid^cn Slnfprudj) gegen baö Äinb auf ben jä^rlic^cn Ueberfd^ufe
ber ©infünfte beö 5tinbcöt)erm5genö befc^ränfcn. Dber man bcl^ölt audd in
bicf cn gälten bie elterliche Sßufeniefeung alö ein binglid^cö Siedet bei, fd^lic^t
aber ben 3n^aber ber cltcrlidf)en ©eroalt t)on bcr eigenen 9luöübung ber elter«
ertctltd&c gfluftnießung. Sfugf^Iug b. elterl. SScrttaltuuö. §§ 1532, 1533. 791
liefen 9lu^nieguitg auö unb lögt bie legiere für Sled^ttung bed ^t^^^^t^^td ber
elterlid^en ©cttjalt von bcm Äinbc burc^ btn für bic aSermogetiöoertüaltung
berufenen gcfelUd^en SBertretcr bcöfelbcn ausüben. ®er erftere SBeg tft bem
Äinbe infofern (jünftiger, ate er boö Sted^t ber eltcrlidöen SRufeniefeung ju einem
nur perfönlid^en Slnfpruc^e abfd^njöd^t. Sluc^ geroöl^rt er bem jur SBermögenö^
pcrwaltung berufenen gefeglic^en Söertreter beö Äinbeö gegenüber bem 3nf)aber
ber ettcrlid^en (Seraalt eine freiere unb felbftänbigere ©teUung. Snßbcfonbcre
ift nadö bem erften SBege, nad) roeld^em bie gefammte SBermogenöoerroaltung,
einfd^liefeltd^ ber gruc^tjiel^ung, für SHed^nung beö Einbeä erfolgt unb bem
Sn^aber ber elterlichen ©eioalt nur ein perföntid^er Slnfprud^ auf ben Ueber^
fd^ufe beö SReinertrageö juftel^t, ber gefefilid&e SBertreter beö Äinbeö ber ^ßflid^t
einer fein Slmt erfd^merenben boppelten 5led&nungdfübrung überl(|oben, inbem
er alö fold^er nur bem SSormunbfd^aftdgcrid^te^ nic^t aud^ in Slnfel^ung ber
3luöübung ber Slufeniegung bem 3nl)aber ber elterlichen ©emalt 9ledE)nung jU
legen üerpflic^tet ift. Ueberroiegenbe ®rünbe fpred&en inbeffen für ben jrociten,
oon bem ©ntmurfe eingefdtilagenen 9Beg. ©erfelbe ^at, wenn man einmal
baoon ausgebt, bafe in ben ^ier fraglichen gällcn bie elterliche SRufcniefeung
überhaupt befielen bleiben foll, bie 9ledS)tötonfcquenj für fid^ unb bie ^Analogie
bcÄ § 1006, meld^er für ben Sliefebraud^ eine äl^nlid^e 9Sorfd^rift, mie bie beö
§ 1532, trifft unb burc^ ben § 1292 aud^ auf bie eJ^clid^e ^lufcniefeung für
anmenbbar crflärt ift. 2)ie Siegelung beö ©ntrourfcö ^at ferner ben SSorjug,
bafe fie baö l^ier in JRebc ftelienbe 33erl^äftni§ unb baö Oefeg er^eblidE) oer*
einfad^t unb baö befonbere 3nftitut einer ben Üaralter eineö binglid&en SRed^teö
entbel^renben elterlid^en Slufiniefeung üermeibet. 2)ie 3luögcftaltung biefeö bc^
fonberen Snftituteö im ©injelnen ift jubem mit perfd^iebenen ©d^roierigfeiten
üerbunben unb mad^t eine Steige fafuiftifc^er, perioirfelter 93eftimmungen notb-
menbig, namentlid^ über bie 3^^* ^^^ gäUigfeit beö Slnfprud^eö auf ben
Ueberfd^ufe beö SRcinertrageö, foroie über ben 3citpunlt, in welchem ber ©rfafe
ber SefteDungöfoften unb ber SBerroenbungen nac^ SRafegabe ber §§ 1009,
1010 pon bem Sn^aber ber elterlid&en ©eroalt in ben f)ier fraglichen gällen
oerlangt werben fann. alle biefe Sd^roierigfeiten unb biefe befonberen Se^
ftimmungen werben permicben, wenn bem 3nl)aber ber elterlid^en ©emalt bie
elterlid^e 9lugniegung alö binglid^eö 9ted^t Derbleibt. £a}u fommt, bag baö
3lu|ungörec^t beö 3nl(iaberö ber elterlid^en ©cmalt vermöge beö biefem Siedete
ocrbleibenben binglid^en ftaraftcrö in \)oi)^vtm 2Ra§e gefdöüfct ift. ©r mirb
inöbefonbere ßigent^ümer ber getrennten grüc^te, unb finb bie legieren ba^er
bem S^griffe ber ©laubiger beö Äinbeö entjogen. 3lamentlic^ für ben praftifcb
mid^tigften unb am tiöufigften Dorfommenben gall ber mbenben elterlid^en
©emalt (§ 1554) mürbe bie Ummanblung beö binglic^en SFled^teö ber ^Jug*
niegung in einen perfonlid^en Slnfprud^ auf ben Ueberfd^ufe beö Steinertrageö
eine bebenflic^e ^firte gegen ben 3nbaber ber elterlid^en (Semalt enthalten,
wenn man pc^ üergegenroärtigt, bafe baö 9iuben ber elterlid^en ©cmalt ber
Siegel nad^ ol[|ne iebeö 33erfd^ulbcn beö ^n^aberö ber elterlid^en ®emalt eintritt.
2)ic S3illigfeit erforbert, ba§ berfelbe l)infid)Mici& ^^^ JJugniefeung nicbt weiter
befcjirönft wirb, alö unbebingt notbmenbig ift unb baö 3ntcreffe beö Äinbeö cö
er^eifcjit. S)em 3ntei^cf[c beö Äinbeö aber wirb oöllig baburd^ genügt, bafe
792 eiterlict^e 5Ruf niegimg. Sluöf (j^hife b. efterl. »cm^artmia. §§ 1 532, 1533.
bcr 3rif|Qbcr bcr ctterlid^cn Ocwatt oon ber eigenen 3luöübiing ber eltcrlid)cu
^tufeniefeung außgefd^loffen ift, foroie burd^ bie weitere 33eftimmung, bafe er
bic Verausgabe ber 5tufeungen nur inforoeit verfangen fann, alö biefelben ju
ber gortfül^rung einer orbnungfimäfeigen 33ern)altung unb ju ber Scftreitung
ber Saften ber 5iufenie§ung nic^t erforbcrlic^ finb, unb bafe, rocnn bie elter-
lid^e ©eiüalt ru^t ober mit 3ludnaf)mc ber efterlidfien 5Ru6nie§ung burc^ ia^
33ormunbfd)aftßgerid^t entjogen ift, bem 3n^aber ber eftcrlid^en ©eroalt mithin
aud) bie ©orge für bie 5ßerfon beö Rinbeö nid^t juftcl^t, auö ben bemfelben
l)erauöjugcbenben ^Jufcungen auc^ bic Äoften beö Unter^alteö beö ilinbeö iu^
foroeit üorroeg entnommen werben fönnen, alö fie bem 3nl&aber ber elterlid^en
©eroatt jur Saft fallen. 2)ur(^ biefe SMöpofxtionöbcfd&rönfungcn in Slnfe^ung
ber elterlid^cn Slufeniefeung ift inöbefonbere einer ©inroirfung beö 3n^aberö
ber elterlid^en ©eroalt auf bie SSerroaltung ber ^lugniefeung unb ber ©efabr
üorgebeugt, bafe berfelbe bejro. beffen ©laubiger beliebig auf bie erjielteii
Blutungen üermöge beö bem crfteren juftel^enben Sigent^umdred^teö greifen
unb baburd^ eine orbnungömäfeige unb gebeil^lidfie SBerroaltung l^inbern unb bie
(grfüUung ber bem 3nl}öber ber elterlichen ©eroalt fraft feiner elterlichen 3lu%'
niefeung unb feiner Unter^altöpffid^t gegenüber bem Üinbe obliegenben 33er^
pflid^tungen gefäl^rben fönnen (üergl. aud^ §§ 1584, 1535). 3luf ber anberen
Seite pcrftef)t eö fid^ aber oon felbft, ba^ ber jur SSermogenßoerroaltung be^
rufene gefefclid^e 3Sertretcr beö Äinbeö bei ber Slrt ber SBerroaltung beö Äinbeö*
t)ermögenö, foroeit bieö mit bem Sntereffe beö itinbeö oereinbar ift, aud^ baö
Sntereffe beö Sn^aberö ber elterlid^cn ©eroalt ju berüdtfid^tigen unb baö SSer^
mögen beö Äinbeö, namentlid^ aud) inforoeit, alö baöfelbe in oerbraud^baren
Sad;en unb ^^tberungen befielet (§§ 1523, 152G), orbnungomÄfeig jum ^roccfe
bcr grud^tjiel^ung ju oerroalten t)at.
(SimeU)eitfn. 3m (Sinäclnen ift noc^ golgenbeö J^eroorju^eben :
5Durd& bie »eftimmung beö § 1532 9lbf. 1 ©afc 1, bafe bie eltcrlicije
9lufeniefeung für SRed^nung beö 3nl&aberö ber etterlidfieu ©eroalt oon bem Minbe
burdfi ben für bie SSermbgenöoerroaltung berufenen gefefelidfecn SSertreter beö
Äinbeö auöjuüben ift, roirb ffargeftellt, bafe bered^tigt unb oerpflic^tet ju biefcr
3luöübung nidtit etroa bie ^^icrfon beö gefeglid&en SSertrcterö, fonbcrn baö Hinb
felbft ift unb biefeö l^ier roie in anberen Sejiel^ungen nur burc^ feinen gefelj^
tidjcn SBertreter oertreten roirb.
eofortine SSon bem 5ßrinjipe, bafe in ben gällen, in roeld^cn bem 3nl)aber ber
*iS"«er ^'^^^'^^^^^ ©croalt in 9lnfe^ung beö ber elterlid^en :1iu^niefeung unterliegcnben
binbiic^tctteii. SJermögenö beö Jtinbeö bie Söerroaltung nid^t juftel^t, ber .Harafter ber elter=
lid^en iDIugniefeung, t)orbe^altlic§ ber aM bem § 1532 fid^ ergebenben Slk*
fd&räntungen, nid^t geänbert roirb, mad^t ber § 1533 bic rocitere 9luöna^me,
bafe bcr 3w^öber ber ©eroalt, roenn er ju ber ©rfüllung einer gegenüber bem
.Stinbe idm obliegenben Sßerbinblid^feit roegen ber etterlici)en Slu^niefeung erft nad^
bereu öeenbiguug ücrpflic^tct ift (§ 1523 2lbf. 2, 3, § 1521 pcrb. mit § 988
9tbf. 2), in ben gällen beö § 1532 bie Seiftung fofort ju beroirfen bat. S)ie
l^rpflid^tung ju ber fofortigeu Öeroirfung ber Seiftung tritt ^ier an bie ©teile
ber äluöfc^tiefeung uon ber eigenen 9luöübung ber elterlid^en 'Jtugniefeung imb
red^tfertigt \\d) burd) bie $Hürffid)t auf bie Sic^er^eit beö Minbeö, weld}e in
Sltcrliic ?ftuJime§uno. Un\)crau6erli4feit. §§ 1534, 15:]5. 793
bcn l^ier in Sctrad&t fommcnben göUcn rcflclmüfeig gefäl^rbet ift. 5Wur in btn
gäUen beö gtuf^cnö ber eltcrlid^cn ©croalt foU bic »eftimmung bcö § 1533
3lbf. 1 feine älnmcnbnng finbcn, ba bie 3lnrocnbung berfelben auf biefe gäUc
ju einer unbilligen ^artc gegen ben ^nljaber ber elterlichen ©ciuatt füfiren
würbe unb burc^ baö Sntereffe bes Äinbeö in bicfen gällcn nidt|t geboten ift.
Unter bie Seftimmung beö § 1533 3lbf. 1 fällt aud^ ber galt, in raelc^eni
ber Sn^ober ber elterlid^en (Seroatt nac^ ajlafegabe ber §§ 1292, 988 9lbf. 2
jur ©rfüllung ber im § 988 3lbf. 2 bejeid^neten SBerbinblic^feit wegen ber
elterlid^en 9lu|nie§ung an fxd) erft na6) Seenbigung ber legieren üerpflid)tet
ift. SBenngleic^ bie ratio beö § 988 3lbf. 2 bafür geltenb gemad^t werben
fann, für ben bort bejcid^neten gall von ber Seftimmung bcö § 1533 9lbf. 1
eine Sluönal)me ju madien, fo ift eine fold(|e 9luönaf)mebeftimmung bod) im
^inblirfe ouf bie Seltenheit eines fold&en galleö unb bcn fafuiftifc^en Äarafter
einer bcrartigen Söorfdirift atö ongemeffen nid^t erad^tet, jumal ouö ber 9In*
wenbung beö § 1533 2lbf. 1 auf biefen galt eine erfieblid^e Unbilligfeit fidb
nid^t ergeben wirb, ba ber Snljaber ber elterlid^en ®ewolt bie Siiif^*^ ^^^
geja^lten ©umme bejie^t unb bic gortbauer ber elterlichen ^iugnie^ung in
bengSllen, auf welche bie Seftimmung beö § 1533 9lbf. 1 3lnwenbung finbet,
für ben 3nl)aber ber elterlid^cn ©ewalt o^nel)in alö eine Segünftigung ^xä)
barftellt.
§§ 1534, 1535.
©emeinred&tlid^ ift beftritten, ob ber oöterlidSie 9lie6braudj ber 9luöübung immauBer.
nad^ übertragbar ift (ocrgl. bafür Seuffert ^^ 296; bagegen Seuffert XX, 222). ^'^^mT
9ludt| bie neueren Oefe^büdjer entfd()eiben bie gragc nid^t ouöbrüdlid&. Sa- ^«f*«** *>«^'
gegen erfennen bie meiften 9led)te an, bafe bie ©laubiger bcö SBaterö fid& giu^nir^uim.
bet)ufö i^rer 93efriebigung infoweit an bie ©infünfte beö Hinbeöücrmögenö v^^a„buna ber
Ijalten fönnen, alö baburd^ bie Untcrl)altöpPid)t beö Sßaterö gegenüber bem S»^*^^*«-
Äinbe nidEit beeinträd^tigt wirb. 9tod^ weiter ge^t baö fäd)f. &. 33., nad^ «eitenbe«
welchem bie ©laubiger bcö SSaterö ju ifirer Sefriebigung bie grüd^te beö bem '*^*^"
Päterlid^en 9Ue6braud}e unterliegcnben Sßermögenö nur infoweit in 9lnfprud)
netimcu fonnen, alö nid(|t bie Äoften ber ©r^altung beö ©egenftanbeö beö ^tiefe-
braud^eö fowie ber Unter()alt bcö 93aterö unb ber gamilienglieber, ju bereu
Untcrljalte er gefefelic^ verpflichtet ift, barauö ju beftreiten finb (t)ergl. preufe.
91. \i. i«. II, 2 §§ 205, 206; öfterr. ©. 93. § 105; fäd^f. ©. 93. § 1820). S)aö
olbenb. ®ef. t). 24. 9lpril 1873 9lrt. 44 § 4 fdjliefet bic ^^ifänbung ganj nuö.
2)ie gemeinrec^tlidje ^]5rajL'iö läfet bie Stt^^^fl^^ollftredEung in baö ofttcrlic^e
5iie6braud)örecl|t tl^cilö unbcfc^ränft ju (Seuffert Y, 296, XXXV, 222), ttjeilö
mit ber SDiafegabe, bafe ben Äinbern auf ©runb ilirer Unterl)altöbcrec^tigung
ein einfprud&öredS)t eingeräumt wirb (Seuffert III, 338, XXII, 153, 281).
3)iefe le^tere 9fuffaffung wirb aud^ pon ber frauj. Suriöpnibenj (uergl. code
olvil 9lrt. 385) vertreten.
gür ben gall beö Monturfeö über baö äSermögen beö nu^nie^ungö^
bcred)tigten ®lterntl)eileö geljört nad^ § 1 9lbf. 2 ber Honf. D. ber '9iiefebraud)
jur .ttouf urömaff e , foweit er nid)t, wie bicö nad) bem preufe. 91. ü. 5H. U, 2
794 eiterlid&e gflutme§unß. Unueraugerri(i6fcit. §§ 1534, 1535.
§ 206 unb m(i) bcn olbciib. ©efcfecn o. 10. 3lpril 1879 Slrt. 52 uub 2. äpril
1879 3lrt. 35 ber gall ift, mit bcr (groffnung bcö Äonfurfcö erlifd&t. 9luö
bcn 5Ru6ungcn fann aber bcr Oemcinfd^ulbncr bic aWittcI bcanfprud&cn, rocld^c
ju feinem angemcffcnen Unterfialte unb baju erforberlid^ finb, um eine
gefcfilid&e SBcrpffid^tung beöfclben jum Unterhalte feiner e^efrau ober jum
Untcrlialte unb jur ©riiel^ung feiner Äinbcr ju erfüllen.
©tonbpunft Sleljnlid^e Erwägungen, wie biejcnigen, auf welchen bie SJorfd^riften bcr
«ntimfrf«« §§ ^^^®' ^'^^^ bcruf)cn, muffen bal^in führen, bafe — abroeid^enb pon bcn
für ben gjiefebrauc^ gettenben Söorfc^riften ber §§ 1011 biß 1013 — bie Siedete,
meiere burd^ bie elterlid^e Sßufeniefeung on bcn ju bem SBcrmögen beö Äinbeö
gel^örenben ©egenftänben begrünbet finb, wegen il^rcr familienrcd^tlid^en ®runb^
läge nid^t Dcräugert unb belaftet merben lönnen unb ber ^fänbung nic^t
unterliegen, foroie bafe in 3lnfcl^ung bcr 5ßfänbung bcr auf Orunb ber eltcr-
lid^en STtulniefeung oon bem 3n^aber bcr elterlid^cn ©eroalt erroorbenen grüd^te
bie aSorfd^riftcn beö § 1299 entfpred^cnbe 2(nroenbung finbcn. Um aber im
Sntcreffe bcö ÄinbeS bie ©inmifd^ung brittcr, bem Äinbe fremb gegenübcr-
fte^enbcr ^erfonen in bic 33erroaltung beö Äinbcöücrmögenö t^unlid&ft ju
pcrmcibcn unb ju t)crl(|inbern, ba§ bcr S^edE ber im § 1535 bcftimmtcn
^45fänbungöbefd^rfinfungcn ücreitett werbe, fqH bie S3cftimmung bcö § 1534
Sog 1 für bcn gall, bafe bcr Snl^abcr ber elterlichen ®croalt nad& TOafegabe
bcö § 1532 von bcr eigenen 2(uöübung auögcfd^loffcn ift, aud^ auf bcn nad^ bcn
S3cftimmungcn beö § 1532 bem 3>n]^abcr bcr ctterlid^cn ©croalt juftelienbcu
Slnfprud^ auf Verausgabe bcr 3lufeungcn, folange biefcr nod^ nid^t fällig gc^^
roorbcn ift, Slnroenbung finben. ferner foU ieucr Slnfprud^ aud^ nad& ©intritt
ber gäUigfeit bcöfelbcn nur mit ben im § 1299 bcftimmtcn Scfc^ränfungcn
ber ^fänbung unterliegen, bamit nid^t bie auf Orunb bcö 3lnfprud&cd bem
Snl^abcr bcr elterlichen ©croalt l^erauöjugebcnben Slufeungcn itirer 93cftimmung,
junäd^ft jur ©rfüUung ber im § 1299 2lbf. 1 bcjeic^nctcn Unterl|altdt)erpflid&'
tungen bcö Snbabcrö ber elterlichen ©eroalt ju bienen, burd^ bie ©laubiger
bcö lefetcrcn entjogen roerben fönncn. S)em ©rroerbe ber grüd^te auf ©runb
bcr elterlichen ^iulniefeung, roenn bie Icfetcre von bem 3nl^aber bcr eltcrlid^cn
©eroalt felbft auögcübt roirb, ftel^t im galle bcö § 1532 materiell bic gättigfeit
bcö Slnfprud^cö auf ^erauögabc bcr 9lu|ungen glcid^.
aSie im gallc beö § 1298, braucht neben bcr UnDcräufecrlic^fcit im
VinblidEe auf bie §§ 1022, 1207 bie Siid^tbclaftbarfcit ni^t bcfonberö ^croor*
gehoben ju roerben; bagegen ift cö, roie im § 1298, fo auc^ Ijier mit SRüdEficbt
auf bie aSorfc^rift bcö § 312 crforbcrlid^, bie Suläffigfcit bcr ^fänbung ber
bier fraglid^cn SRcd^te auöbrürflid^ auöjufd^licfecn, ba bcr Sßatcr bie Sluö-
Übung berfclbcn, inöbefonbere burd^ SBcrmictl^ung ober SBcrpat^tung, einem
Slnbcrcn übcrlaffen fann.
Äonfurfl 9luö bcn §§ 1534, 1535 in SScrbinbung mit § 1 3lbf. 1 ber Äonf. D.
S^SÄen ^^Öiebt fic^ t)on felbft, bafe aucb im gatte ber ©röffnung beö Äonfurfcö über
©eroou. baö aSermögen bcö 3n{|abcrö bcr cltcrlid^cn ©croalt bie SRec^te, roeld^ic bur^
bie elterliche Jlugnicfeung an ben jum aSermögen beö Äinbcö gebörenbcn
©egenftänben begrünbet fmb, foroic ber nad^ ben Seftimmungcn bcö § 1532
bem 3n^abcr bcr cltcrlid^cn ©croalt juftclicnbc 3lnfprud^ auf ^erauögabe bcr
eitcrlid{>e 9lii^iuc6unö. |)etrat]& be8 Äinbcö. § 1536. 795
?lu6ungcn, forocit bicfcr jur 3^'* ^^^ ©röffnung bcö Sonfurfed iiod^ nid^t
fällig ift, ni^t jur Äonturßmaffc gcl^ört, (otoic bofe bic ju bicfcr ^tit auf
©runb bcr cltcrlid^cn Slu^nicfeuufl Don bcm Sni^abcr bcr cltcrlidticn ©croalt
bereits ermorbcnen grüc^te unb bcr im § 1532 bcicid&nctc, ju jener ^di
bercilö fäUigc Sttnfpruc^ auf ^craußflabc bcr Slugungcn nur mit ben aus
§§ 1535, 1299 fid^ crgebcnben Scfd)ränfungen jur Äonfurömaffe gcjogcu
werben tonnen.
3m Ucbrigen wirb jur Scgrünbung bcr §§ 1534, 1535 auf bieäRotiue
JU §§ 1298, 1299 ücrroicfen.
§ 1536.
2)ie SRcgel beö § 1536, bafe bic cltcrUci^c 'äRugniefeung burd^ bic Sd^liefeung ^f^^^^^
einer &)t von Seiten bed 5linbcd bccnbigt wirb bejm. nid^t eintritt, wenn bic siui^nietung
clterlid^e ©ewalt crft nac^ Schließung bcr ®^e beö Äinbeö erlangt roorben ift ö^ew\f^„g
(ücrgl. § 1501 Slbf. 2, § 1559 SIbf. 2), cntl&ält eine aWobififation bcö bcm be« «inbe«.
©ntwurfe ju ©runbc Ucgcnben ^^rinjipcö, . bafe bie clterlid^c ©croalt burc^ bic
«fecirat^ bcö Äinbcö nid^t bccnbigt wirb (oergL § 1509). ®icfc SRobifitation
red^tfertigt fid^ t^cilö, unb jwar porjugöweife, burd& ben ©cjtd^töpunft, bafe
bic ©infünfte bcö JUnbcöocrmögcnd jur 93eftrcitung bcr Äoftcn bcö eljcUd&cn
^auöl^altcö bcr Siegel nad^ nic^t ju entbehren fxnb, tl^cilö burd^ bic ©rmägung,
bofe, wcnigftcnö im gallc bcr SBcr^ciratljung bcr J^od^tcr, bic ^auptgrünbc,
auö welchen bcr Entwurf bic elterliche SRufeniefeung mit bcr cltcrlid&cn ©cwalt
ocrbunben l^at, wegfallen. ®a bic 2:od&tcr nac^ il^rcr SBcrJ^ciratl^ung ben
Unterhalt in crfter Sinic nid^t mcl^r üon ben ©Itcrn, fonbern pon bcm 6l^c*
manne empfängt (§ 1484), fo bient bic cltcrlid^c Slufcnicfeung regelmäßig nid^t
mel^r alö 9luöglcid^img für ben pon im (Sltcrn ben Äinbcrn ju gcwäl^rcnbcn
Untcrl^alt. 3lud& tritt bcr ^rotd bcr cltcrlid^cn SRufcnicßung, baö ftinb be^ufö
Stärfung bcr eltcrliddcn 2(utorität auc^ in pcrmogcnörcdötlid^er SBcjic^ung oon
ben @ltem abl^ängig ju mad^cn, im gallc bcr SBcrl^eirat^ung bcö Äinbcö,
namentlich bcr aScrl^eiratl^ung bcr 2^oc^tcr (pcrgl. § 1509), in ben hinter?
grunb. S)aju fommt, baß aud& nad^ bcm geltenbcn Siedete bic elterliche 9lu6*
nießung burd^ bic ^clrat^ bcr ä^od&ter ganj allgemein, burd^ bie SBcrl^cirat^ung
beö ©ol^ncö wcnigftcnö bann bccnbigt wirb, wenn mit bicfcr SBcr^cirat^ung,
waö t^atfäd^lid^ mciftenö bcr gall fein wirb, eine Slbfonbcrung Don bcm cltcr*
liefen ^auö^altc ücrbunben ift. 3laä) ocrfc^iebencn SRcd^tcn l^at aber aud^ bic
aScrlJlcirat^ung bcö ©oljncö alö fold^c bcrcitö bic S3ccnbigung bcr elterlid&en
9tu6nicßung jur golgc (ocrgl. Scuffcrt XI, 52, XXIX, 148, XXVII, 144;
prcuß. 31. 8. 3*. II, 2 §§ 168, 210 ff., 228, 229; fäd&f. ®. ö. §§ 1811, 1832,
1833; Code civil 9lrt. 476, 384; Weimar. ®ef. d. 27. aWärj 1872 § 17;
braunfd^w. ®cf. o. 19. aWai 1876 ; ^eff. ©ntw. III 3lrt. 25, 38).
Sßon bcr Siegel beö § 1536 ift icbod^ für ben Sali eine 3luöna^mc bc* «u^na^me.
ftimmt, baß bie ©^e oon bcm Jlinbc o^ne bie nac^ ben §§ 1238, 1239 er*
forberlic^c ©inwiUigung bcöicnigcn ©Itcrnt^cilcö gcfd^loffen ift, wcld^cm bic
clterlidbc aiußnießung juftel^t. S)icfc bcm prcuß. 31. 8. 3t. II, 2 § 228 unb
bcm württcmb. 2. 91. IV, 13 § 6 fiel) anfdjlicßenbc 9luönal^me bcrulit auf bcr
796 ßlterli«c SRuftnieguiiö. Seraid&t. § 1537.
©rtüäguug, bafe bcm Sn^abcr bcv clterlid^cn Ocioalt burd^ bic rcd^tgmibrigc
^anblung bcö Äinbeö baö SRed^t bcr eltcrlid^en "Jluftnic^ung nid^t eutjogcn
roevbcn borf. ©icfclbc greift aud) bann ^^ita|, wenn bcr betreff cnbe 6IterntI}eil
feine ©inroiUigung jur ©J^efc^lie^ung auö einem nidfet gcred^tfertigten (Srunbe
Dermeigert, baö Äinb aber bie ®l)c gefd()loffen {)at, oljne baf^ juüor bie citer-
tid)e Einwilligung b\xv6) ric^tertid^cö Urtl)eil nad) SKafegabc beö § 1238
9ttf. 3, 4 erfe(}t roorben roav, ha, folange ber 6(tcrnt^ei( jur 6rtl|eilung ber
©inroiUigung Ted^tßtrfiftig nid)t Derurt^eitt ift, bic 6inn)iUigung nac^ ben
§§ 1238, 1239 erforberli^ bleibt. 2Bcld)en einfluß eö auf bie gortbauer ber
elterlid^en Jlu^nicfjung bot, wenn ber betreff enbe 6ltcrntl)eil bie crforberlicbe
©cnelimigung nad^tröglic^ nad^ Sc^tiefeung ber ®^e ertbeilt, ift in (Sr=
mangetung eineö )8ebürfniffe8 unb jur SSermeibung pon .Hafuiftif im Öefefec
niddt befonberß entfd()ieben. 3m SKUgcmeinen wirb baoon ouöjuge^en fein,
baft in einem fold^en galle bcr SBerftofe gegen bie bem betreffenben (Sltern^
t^eile fddulbige ^ictät unb bamit auc^ bie an biefen SBcrftoft gefnüpfte golge
wegfällt, bic elterliche Jiufeniefeung mitl)in nad^träglic^ beenbigt wirb.
§ 1537.
«ersieht auf ^lad) xöm. JRcd^tc t)at ber SJeri^icöt beö SSaterö auf bad oäterlid^e Süefe»
51u%n\*Ä* ^^o"^ß^^i)t ^^^^ ^ic SBirfung einer bem §auötinbe t)on bcm ^auöoater
gemad[)ten gcwöl;nlic§?n Sdjcntung (1. 0 § 2 Cod. de bon. quae Hb. 0, ei) ; bie
gemeinred&tlidöe ^IJrajiö fielet iebod^ einen fold^en aSerjid^t alö redE)tögültig an
(ocrgl. Scuffert xn , 44 S. 63). 3luf bcmfelbcn 33obcn ftel^t bad bai)r.
y. dL 1/ 5 § 6 9lr. 5). 3m Uebrigen enthalten bie befte^enbcn Siechte feine
befonberen 33eftimmungen barüber, ob unb unter welchen SSorauöfeftungcn auf
bic Däterlidde ober elterliche 3lu|nie6ung Dcrjid^tet werben fann; bod& ^at bie
äJorfc^rift beö fäd)f. ®. ». § 1811, ba^ bie t)ätcrlid&e ©ewalt crlif^t, wenn
ber ^^ater beren 3luf Hebung uor ®eridE|t erf lärt, für ben gall bcr äJoUiä^rigfeit
beö Hinbeö mit 9iücffid&t auf ben 3nl)alt bcr oätcrlid^cn ©ewalt gegenüber
üolljäbrigeu Äinbern im proftifd(|en Stefultatc bie Sebeutung eiueö ciufeitigcn
ä5eräici)ted auf ba& ufttcrlid^c 9lie§braud^ß* unb Sßerwaltungörcc^t. Sic franj.
Surißprubcuj Ijält einen ^erjid^t auf bie elterlidbc ShißuicBung für iuläffig.
3ui<MPflreit. 9lac^ § 1561 uerb. mit § 1502 würbe in ®rmangclung einer befonberen
Öeftimmung ein sycrjic^t beö 3nl;aberö bcr ettcrtid&cn ®ewalt auf bie eltcp
lid^c 'Jingnicfeung im ©anjcn alö ©cfammtrec^töocrl^ältnife unjuläffig fein,
inöbefonbere aud^ im äßege eincö 3Scrtrageö mit bem .Slinbc nid^t bewirft
werben fönnen. 6ö ift febodö bic elterliche 9Ju6nie6ung an fidb fein wefent^
lid^er 33eftanbtl)eil ber elterlichen ©ewalt, unb wirb burc^ ben SBcgfall bcr*
felben bic mit bcr clterlid^en ©ewalt ucrbunbenc Sorge für baß äJcrmögcn
beö Hinbeö nic^t berüljrt. gerner fommt in öctrac^t, bafe ber o^Oöbcr ber
elterlichen ©ewalt oermöge bcr elterlichen SRufeniefeung bic im § 1531 unter
9Jt. 4— 6 bcjeic^ncten 3"if^Ji/ Stiftungen unb ttoftcu nad^ § 1531 Slbf. 2 nur
infoweit 5u tragen Ijat, als biefelben ben Setrag ber 5ßu6imgen nid^t über-
fteigcn, bafe bie unter 9Jr. 1 - 3 bafelbft bcjeid)nctcn, ol)nc 3lücffidf|t auf ben
betrag ber ^tufeungen oon bcm Snljabcr bcr cltcrlid)cn ©ewalt ücrmöge ber
ertcrlidK ©ctralt bcr aWutter. ©eiftanb. §1538. 797
cltcrüc^cu Slufenicfeung ju traflenbcn Saften unb Äoftcii ober bcu 33etra9 bor
9lu|imgcn beö gonjcn Äinbcdoermögend faum jcmate erreid^cn tücrbeii.
.^iernad^ brol)t bic SwIöR^J^S ^^^ SJcrjid^tcö auf bie elterlid^c ^lu^nicßuug baö
Äinb anä) in t)crm59cnörcd)tUd^er ^infid^t nid^t ju gcföl^rbcn; uielmc^r wirb
bicfelbc bem ftinbc rcgcImäStÖ "^^^ i^^^ 33ortI|ciIc gcreid^cn. 6ö ift baf)cv blc
Scftimmung bcö § 1537, l^ingcfe^en auf bad Sntcrcffe bcö Äinbcd, a(ö un-
bcbcnfUd^ unb als angcmeffcn ju erachten. ®ic ©rünbc, auö rocld^en bcr
©ntnjurf einen einfeitigen Sßerjid^t bes @l}emanned auf bic etjetid^c 9Jug«
nicfeung unb SBcrroaltung nic^t jugelaffen ^at (oergl. bic 3)2otipe ju § 1327 oben
©. 295), inöbefonbcrc ber ®efidS)töpunft, bafe bcr S^eniann fxd^ einfcitig feinet
aSerroaltungöpflidtit in Slnfel^ung beö ©^egutcö nid^t cntjie^en fann, treffen
^ier nidfit ju, ba bic elterlidje Slufenicfeung mit ber ^^Jffid&t beö 3nl|aberß ber
elterlid^en Ocroalt, für baö 33ermögcn bcö ftinbeö ju forgcn, nidjit, wie bieö
bei bcr c^eltc^cn ^tuftniefeung unb aScrroaltung ber §all ift, in einem inneren
3ufammenl)ange ftel^t, fonbern iene 5JifIidf)t trofc bcö SScrjid^tcö in voUzm Um-
fange unb mit ©rmciterung bcöfclben ouf bie ^rudS)tjtel)ung beftel&en bleibt.
3ft bie Swiöffung bcö SScrjic^tcö einerfeitö oom Stanbpunftc bcö ftinbcö aM
unbcbcnflid^, fo ift biefclbc anbcrcrfeitö in benienigen fällen, in meldten auö*
nal^möiocife bie elterlid()c 9iutjnie6ung fd^on bei öcbseitcn bcö SBatcrö bcr
Onutter juftclit (§ 1559 2lbf. 2, §§ 1564, 1567) unb beöl)alb bie lefeterc Dor
bcm SBater jur ©cmälirung bcö Untcrl^altcö an baö Äinb ocrpflid^tct ift
(§ 1485), burd^ SRücffidSiten bcr »iUigteit gegen bie Sltuttcr geboten.
®ic 3wIol!"Hfl ix^ö SSerjic^teö burd^ cinfeitigc (grfförung bcö 3n^aberö ?^orm,
bcr eltcrlid^cn ©emalt entfprid^t bcn S3eftimmungcn bcr §§ 1015, 1016. 9Wit
SHücffic^t barauf aber, bafe cö fid^ ()ier um einen 33crjid^t auf bic cltcrlid^e
"Jlu^nicfeung im ®anjcn l)anbclt unb bicfer SSersidfit aud^ im Sßer^ältniffc ju
«dritten, inöbefonbcrc aud^ gegenüber bcn (Gläubigern bcö 3nl)aberö bcr elter*
liefen Ocmalt, pon 93ebcutung ift, bcftimmt bcr § 1537 ©afe 2, bafe ju bcr
aSirJfamfeit bcö SJcriid&tcö eine por bcm SSormunbfd&aftögerid^tc abjiugcbenbc
©rffärung crforbcrIidE) fein foH.
^nmicrocit ein 93cr5id)t auf bic cltcrlid&c Stu^niefeung in 9lnfel)ung ein-
jelncr bcrfclbcn untcrliegcnbcr ©cgcnftänbe mögüd^ unb juläffig ift, rid^tet
)id) nad& § 1520 in :öcrbinbung mit bcn §§ 1015, 1016, 1025.
4. eitcriid&c ©cwalt bcr SWuttcr.
§ 1538.
SBcnnglcic^ ber ©ntmurf bcr SWuttcr eine bcr eltcrlid^en ©cwalt bcö 3uorbimnfl
33atcrö grunbfäjlid^ glcid)ftcl)cnbe eltcriid&c ©croalt einräumt, fo l)at er bodE) «ct'ftttntc«,
3lnftanb genommen, bicfen SdEjritt fo unbebingt unb porbcljaltöloö ju tf)un,
mie bcr ^cff. ©ntrourf, baö itaL ®. 83. unb baö ipcimar. ®cf. p. 27. SWärj 1872
(oergl. bie ajlotipc ju §§ 1501, 1502 oben ©. 735 ff.). 5EBenn cö für unbcbcnflic^
crad&tct ift, bcr iDiuttcr bic cltcrlid^c Ocroalt ju geben, fo ift bicö in ber
©rroägung gcfd^cf)cn, bafe cö au(^ in etma porlommenben fd^micrigeren ^^er^
^ältniRcn bcr SKutter regelmäßig an bem einen ober anbcren itir na^c ftcl^enbcn
798 ®rtcrli(6c ©ctoalt ber TOutter. Setftanb. § 1538.
Sßcrtüanbtcu ober grcunbc nic^t fel^Icn wirb, rocld&cr il^r crforberlic^cufoUd ate
if)r Sßcrtraucnömann mit diatf) unb 2^^at beiftcl(|cn fann unb roiD. @ö ifl
ieboc^ anjuerfcnncn, bafe cö immer einjelne gälte, namentlid^ in l^o^eren
©tänbcn, geben wirb, in rocidicn bie 3Rutter einer fotd^en ©tüße bebarf, gleid^«
n)ol(|l aber nad& il^rer ^ßerfönlidfifeit ober ben fonftigen SJerJ^öItniffen ju beforgen
ift, bafe fie entoeber nid^t im ©tanbe ift, felbftänblg ben SBeiftanb eine« fofd^en
aijertrauenömanneö ftd^ ju oerfd^affen, ober bafe pe bem Statte begfelben nic^t
benjenigen ©influfe einräumt, meieren baß ®efeg, inbem baöfelbe il^r bie elter*
fid^e ©emalt unbefc^rönft anoertraut, oorousfe^t. 9Kit SlüdETid^t auf folc^e
SlusnaJ^mefälle allgemein ju beftimmen, bafe in allen göDen ber Sßermogenö*
Derroaltung ber SRutter in berfelben 9Beife, mic bieö nad^ franj. 3ted&tc bei
ber gefefelid^en SBormunbfd^dft ber STOutter ber gaU ift (oergl. code civil
Slrt. 390, 420), unb aud& pon anberen Siedeten für ben gaU ber gül^rung ber
33ormunbfdE)aft burd^ bie SDtutter in ä^ntid^er 3lrt oorgefd&rieben wirb (tergl.
oftcrr. ®. 93. §§ 211—215; mürttemb. S. SR. I, 16 § 6; ba\)x. 2. 91. I, 7 § 6
3lx. 7 ; tiamb. SSorm. D. d. 14. 3)e jember 1883 2lrt. 7, 21, 48 9lbf . 3), ein
ftönbiger ©egenüormunb ju beftellen fei, würbe ein SBicberaufgeben beö 5ßrinjipefi
fein, bafe ber SWutter eine ber Stellung beö SBaterö grunbfäfelid^ gleid^e
©teHung eingeräumt werben foU. ®d würbe burd^ eine fotd^e Seftimmung
üormunbfd^aftUd^en Organen in weitem Umfange wieber ©ingang in baö
innere gamifienleben geftattet unb bie fonft mit ber elterlid&en ®ewalt
Derbtmbene freie unb fetbftänbige (Stellung wieber ju einer fontrolirteu
SSormunbfd^aft l^erabgebrüdEt. 3)em Sebürfniffe wirb Dollftänbig genügt,
wenn 93orforge getroffen wirb, bafe für 9luöna^mefälle ber gebadeten Slrt ber
aWuttcr ein Seiftanb beftellt werben fann, wetd^er innerl^alb beö i^m i\u
gewiefenen größeren ober geringeren SBirfungöfreifeö im allgemeinen eine bor
Stellung eines ©egenuormunbeö gleid^fommenbe Stellung einnimmt. 3)er
§ 1538 beftimmt bie einjelnen gäHc, in wetd^en baß SBormunbfd^aftögerid^t
ber äftutter, weld^er bie elterlid^e ©ewalt juftel^t, einen fold&en S3eiftanb ju
beftellen l^at.
tt«f S)a ber SBater regelmäßig am bcften ju beurtfieilen im Stanbe fein
be«*^«otirt, wirb, ob ein Sebürfnife porlicgt, ber 9Kutter nad^ feinem S^obe einen SSer*
trauendmann beijuorbnen, fo giebt ber ®ntwurf bem SBater nac^ bem SSorbilbe
beö code civil 3lrt. 391, 392 alö Sluöflufe feiner elterlid^en ©ewalt bie Sefugnife,
burd^ Ic^twilUge SBerfügung nad^ SRafegabe ber im § 1538 3lbf. 2 in biefer
^infid&t für entfpred^enb anwenbbar erflärten 58orfd^riften beö § 1636 bie
S3eftellung eine« fold^en Seiftanbeö ber SWutter mit ber SBirfung aniuorbncn,
bafe baö 33ormunbf(^aftögeri(^t auf ®runb biefer Slnorbnung einen »eiftanb
ju beftellen ^at. 3m 9lnfdS)lufJe an biejenigcn SRed^te, nac^ weld^en ber SBatcr
befugt ift, bie aWutter oon ber nad^ feinem 2^obe cinjuleitenben SBormunbfc^aft
übcrl(iaupt ober wenigftenö bann gänjUc^ außjufc^liefeen, wenn er fefbft glcid^*
jeitig einen anberen 5Bormunb ernennt (oergt. 1. 1 D. de lest. tut. 26,«; 1. 21
§ 2 D. de tut dat. 20, 5; Nov. 118 c 5; preufe. Stt. S. SR. n, 18 §§ 141, 186;
Bfterr. ®. ». §§ 193, 198; fä^f. ®. 83. §§ 1886, 1887, 1890; preufe. 5Borm. D.
t). 5. 3uli 1875 § 17 5Rr. 2, § 21 9lr. 6; ®ntw. ber bapr. SBorm. D. § 30
9Jr. 2, § 32), bem JBater baö not^ weitergel^enbe Siedet einjuräumen, bie 2)lutter
eitecli^c ©ctpalt ber SKuttcr. »eiftanb. § 1538. 799
üon bcr cltcriic^cn ©cwalt auöjufd^ticfecn, ift mit SRüdll^ä&t auf bic 3lat\xx ber
elterlichen Oeroalt afe eines auf bcr natürtid^en unb fittUd^en ©teUung ber
@(tern gegenüber bem Äinbc berulienben 5Bcrl^ältniffcö rocber prinjipiell gercd^t^
fertigt, noä) burc^ ein prattifc^eö Sebürfnife geboten.
Sic grage, ob, wenn ber Sßatcr bie SBefteBung eines von i^m benannten
33etftanbed angcorbnet bat, biefcr aber baß 9lmt nid^t übernehmen fann ober
aus bered^tigten (Srünben nid^t übernel^men rolU ober fpötcr wegfällt, ftatt beä
pon bem SSater benannten Seiftanbeö ein anberer Seiftanb oon bem SBor* ,
munbfd&aftfigeric^te ju ernennen ift, ^at ber ®ntmurf ebenforoenig roie ber code
civil burd& eine befonbere Seftimmung entfc^ieben, ba bie Scantroortung ber
gragc t)on ber 9luötegung ber betreffenben 9lnorbnung bcö SBaterö abl^ängt.
9lld einen weiteren gaU, in rocld^em baö SBormunbfc^aftögerid^t ber auf ««tiag
anutter einen SBciftanb befteUen mufe, bejcid&net ber § 1538 Slbf. 1 3lx. 2 ben ^" ^""•''
gall, wenn bic STOutter bic 93cftellung beantragt. Saß franj. SRed^t (code civil
SIrt. 394) geftattet ber aWuttcr fogar baö JRed^t, bie gcfefetid&c SSormunbfd&aft
abjuleldnen. Slud^ t)erfd&iebene anbere JRed^te, inöbefonbere baö gemeine SRed^t,
bic preufe. 9Sorm. D. § 23 9lr. 1 unb bie ^amb. SBorm. D. o. 14. Sejember 1883
Slrt. 7 (ücrgt. ferner bar)r. ©ntm. einer SBorm. D. § 39), oerpflic^ten bie aWutter
nid&t, bie SBormunbfd^aft ju übernehmen, mä^renb baö fäc^f. ®. 8. §§ 1890
biö 1892, 1897 unb bie brem. aSorm. D. o. 14. SWai 1882 § 23 3lv. 1, § 24
in biefer ^infid^t auf bem entgegengefefeten ©tanbpunftc ftel&en. 3n Ucber^
cinftimmung mit bem l^cff. ©ntm. III 9lrt. 19, bem itat. ®. S3. 9lrt. 221, 231
unb bem roeimat. ®ef. d. 27. SWorj 1872 § 1 ge^t ber ©ntrourf bauon auö,
bafe eö mit ber 9latur bcr eltcrtid^cn ©ematt, meldje für ben Snliaber ber*
felben in erfter Sinic einen Äreiö oon 5ßfli(^ten begrünbet (§ 1502 3lx. 1,
§ 1561), nic^t Dcreinbar fein mürbe, ber ÜWutter baö SRcd^t einjuräumen, bic
eltcrlid&c ®malt abjutclinen. Um fo meniger fann il^r aber, menn fic iljrcr
Slufgabe allein fid^ nid^t gcmad^fen fül(|lt, baö Siedet Dcrfagt merben, Don bem
aäormunbfd^aftögerid^tc bic 93cftellung cincö Seiftanbeö mit bcr SBirfung 5U
erbitten, bafe baöfelbc biefem 9lntrage ftattgeben mug.
3n ben im § 1538 9lbf. 1 5Wr. 3 bcjcid&ncten gällen foU ferner baö «"f ««»rb-
aSormunbfd^aftögcric^t im 3ntcreffc bcö Äinbcö bered^tigt, mie t)erpPidötct fein, „SSbfSa?«/
bcr STOutter aud^ oon.3lmtön)egen einen 33ciftanb ju bcftcUcn. Diefe SBorfd^rift q^^^m.
bient namentUd^ baju, bieienigen Scbenfen ju befcitigen, meldte gegen bic 9ln*
erfcnnung bcr eltcrlid^cn ®emalt bcr SRutter auö ber mangelnbcn gä^igfcit
ber lefeteren entnommen merben tonnen. Da bic ©rünbe, meldte eö im 3nter*
cjfe bcr Äinbcr not^ig erfd^einen taffen, bcr SWutter rocgen bcö Umfangcö unb
ber befonberen ©d^roierigfeitcn bcr 3Scrmögcnöoerroaltung einen Sciftanb ju
bcftellen, oicHcid^t erft nad^ bem 3;obc bcö SBatcrö l^erDortrcten, fo ift bem
%ater baö Siedet, bie ^cftcDung eineö ^eiftanbeö burdd baö SSormunbfd^aftö^
gerid^t in ben gebadeten gällen ju oerbicten, nid^t beigelegt. Sem 3ntcrcffc
bcö Äinbeö mufe eine folc^c Dätcrlid^c Slnorbnung meid^cn.
• gSic auö § 1503 abf. 1 in SBcrbinbung mit § 1660 l(|cn)orge^t, ift 3t®JJJ^J\„
übrigenö ber Söatcr in ber Sage, auf bic cltcrlid^c SBcrmögcnöoerroaltung bcr hl^v^t^t
STOuttcr infofem cinmirten ju fönnen, atö er in 2lnfcl(|ung ber bem J^inbc
l^interlaffcnen 33erm5gcnögcgenftänbc über bercn fBcrmaltung nac^ SKafegabc
800 (5[terII(J6c ®cn?alt ber SMutkr. ©ciftanb. §§ 1539—1542.
bcö § 1660 9lnorbmingcu für bic aRuttcr a(ß Su^abcr ber cltcrlid^cn ®c\mli
treffen tarn, lüeld^c von ber 9)Juttcr ju befofocn finb (§§ 1545, 1547, 1550).
2)em aSatcr mä) bcm äJorgange beö ital. ®. 93. 3lrt. 235 a(ö Sluöffufe feiner
elterlichen Öeiualt noci^ SKaögabe ber ^l^orfd^riftcn beö § 1636 bie weitere
Sefugnift ju geben, über bie ©rj^iel^ung ber Äinber unb allgemein über bic
äJerraaltnng beö Ikrmögenö beö Aiinbeö o^ne SRüdfid^t barauf, ob baö Ükr*
mögen üon i^m bem Hinbe ^interlaffen roorben, binbenbe 9lnorbnungen für
bie aKutter 5u treffen, ift auö benfelben ©rünben für bebcnflid^ eradjtet, am
u)e(d)en bem äJater, roie ber SRutter, baö Siecht perfagt ift, fraft ber elterlichen
©eroalt berartigc binbenbe 9lnorbnungen für bcn SSormunb ju treffen. ®ö
wirb in biefer S3eiief|nng auf bie üßotioe ju § 1655 unb ju § 1660 Sejug
genommen.
sBirhuiöä. ®ie Seftimmung beö § 1539 9lbf. 1 Qm&ljxi bie a)lögacf)feit , ben
llmnm. Wmfang beö gBirfungöfreifeö beö »eiftanbeö je nac^ bem SBcbürfniffe beö ein^^
seinen ^-alleö in jroedEentfpred^enber SBeife ju beftimmen (uergl. au^ code civil
9lrt. 391). S)emgemäfe nui6 über ben Umfang beö SBirfungöfreifcö beö Sei«
ftanbeö bie SefteUung entf^eiben (§ 1539 9lbf. 2 Safe 1). ©afe, wenn bie S9e^
ftellung auf (Srunb einer 3lnorbnung beö i^aterö erfolgt, beffcn Slnorbnung
aud) für bic Seftimmung beö Untfangeö beö 2Birfungöfreifeö beö S3eiftanbcö
mafegebenb fein foU (§ 1539 9lbf. 2 ©afe 2), ift eine Äonfequenj beö bcm
Später mä) § 1538 3lx. 1 beigelegten SHe^teö unb cntfprid^t bcm code civil
9lrt. 391. 3)er britte Saft beö § 1539 9lbf. 2 bejmcdft, bie äroeifel abjufi^neibcn,
lueld^e fxc^ im ^inblidc auf bie Seftimmung beö § 1539 9tbf. 1 in 2lnfcl;ung
ber Oültigfeit ber JkftcUung crt;eben fönnten, wenn bei ber 93cftcUung ber
SBirfungöfreiö nid^t beftimtnt ift.
§§ 1540-1542.
^fii<^tcn unb 33ei bcr 9luögcftaltung ber ©tellung bcö öeiftanbeö gegenüber ber
»eittanbel ^""^^ "^^ ßinjelncu ^at bcr ©ntiourf an bie öeftimmungen beö öfterr. ®. 33.
§§ 212—215, ber I;amb. SSorm. D. o. 14. 2)cicmber 1883 9lrt. 21, 48 9Ibf. 2
unb in gemiffer 3Bcife aud^ an bie 93eftimmungen bcö bai)r. 2. 91. I, 7 § 6
9lr. 7 über bie 3lffiftenten unb 83ciftänbc ber bie 33ormunbfd)aft fü^renben
2)hitter, fomic an bie a3orfd)riften beö franj. Sted^tcö über ben Sciftanb unb
über ben ©egenoormunb (code civil 9lrt. 391, 420 ff.) angcfnüpft ®ie
SHutter, aud) mcnn iljr ein Seiftanb beftellt ift, bleibt allein biejenige, loeld^c
fraft ber mit ber cltcrlidticn ©ematt oerbunbenen Sorge für bic ^erfon unb
baö 'Vermögen beö J^inbeö f)anbelt; fie ift ber gefefelid^c iöcrtretcr beö Äinbeö
unb fül)rt inöbefonbere aud) bie SJermögcnöocrmaltung. 2)er 33eiftaub foll
aber innerhalb feincö SBirfungöfrcifcö bic iDhitter bei 5luöübung ber elterlid&en
©emalt unterftüfeen, mie ein ©egenoormunb (§ 1654) bic SRutter bei 9luö*
Übung bcr elterlichen Oeroalt überwad^en unb ieben gaU, in n)cldE)em baö
33ormunbfd^aftögerid)t ju einem ©infc^rcitcn berufen ift (§§ 1544 ff.), bei
(Srterlid&c Oetralt bec SKutter. »ciftanb. § 1543. 801
bcmfclbcn jur Slnjcigc bringen, aufecrbcm in bcn im § 1541 bcjeid^nctcn gäUcn
bei 3luöübung bcr elterlichen ©eroalt mitroirfcn.
Slnlangenb bie SWitroirfung beö SSeiftanbeö bei SWed^tßgefd^äften, fo ift 3Ritn»irfunfl
ber Umfang feiner SUitroirfung infofern ein weiterer, roic ber Umfang ber ^^mn^
aWitroirfung eines ©egenoormunbeö, als bie ©ene^migung beö Söeiftanbeö
innerhalb feineö SBirfungöfreifcß nid&t nur ju iebcm SRed^tßgefdtiäftc erforberlid^
ift, jn roeldbem, roenn eö von einem SSormunbe vorgenommen roürbc, bie ©e^
nel^migung beö @egcnr)ormunbcö(§1669)erforberIid^ märe, fonbern aud) ju jebem
SRed^tögcfc^äfte, ju rocfc^em, roenn eö t)on einem SBormunbe vorgenommen
mürbe, bie ©enc^migung beö SSormunbfc^aftögerid^teö erforbertidb fein mürbe
(oergl. inöbcf. § 1674). Sie ©ene^migung beö 93eiftanbeö, metd^e iebod^ nad^
§ 1541 SKbf. 1 6a6 2 burd^ bie ©ene^migung beö aSormunbfd^aftögerid^teö
erfegt mirb, tritt l)ier an bie ©teile ber ©enel^migung beö Söormunbfc^aftös
gcrid^tcö. 3nbeffen erlcibet biefer ©a| bie 3Kobifi!ation, bafe eö inforoeit bei
bem (Srforbemijfe ber ©cne^migung beö 93ormunbfdt|aftögerid^teö öerbleibt,
alö JU bem SRed^tögef d^fifte , menn ber SSater ber Sn^aber ber eltcrlid^en
©croalt märe, bie ©ene^migung beö SSormunbfd^aftögerid^teö erforberli^
fein mürbe (Dergl. § 1341 3lbf. 2, § 1431 abf. 2, §§ 1507, 1511; § 1547
Slbf. 1 oerb. mit §§ 1670, 1671; femer §§ 1589, 1600, 1613, 1629
äbf. 5, §§ 1630, 1957, 1960, 2020, 2043, 2044, 2094). STud^ bebarf cö in
biefen gäUen neben ber ©cnel^migung beö 93ormunbf^aftögerid^teö ber ©e:^
nel^migung beö SBeiftanbeö ebcnforoenig, mie nac^ bem Sormunbfd^aftöred^te
ber ©ene^migung beö ©egcnoormunbeä in fold^en fällen, in meldten bcr
SBormunb fd^(ec^t^in an bie ©ene^migung beö SBormunbfc^aftögerid^teö gebunben
ift. 3nbeRen ift eö angemefjen, roenn, roie nad^ § 1680 ber ©egenvormunb,
fo f|ier in atten gällen t)or ber ©ntfdieibung beö SSormunbfcfiaftögerid^teö über
bie ©encl^migung eineö in ben SBirtungöfreiö beö Seiftanbeö faüenben SRec^tö-
gefc^äfteö ber SBeiftanb geprt roirb, ber lefetere mithin namentUd^ audb in ben
Rotten, in meldten feine ©enc^migung burd^ baö 93ormunbfd&aftögerid^t erfeftt
rocrbcn foU, ni^t üöüig übergangen roerben barf.
Die 93cftimmung beö § 1541 Slbf. 3, bafe, roenn ein S3eiftanb beftellt^ct smifflung
roorben ift, bie SBorfcbriften ber §§ 1666, 1668 für ben SBirfungöfreiö beö °'" ®*'''"''
JBeifianbeö cntfpred^enbc 9lnroenbung finben foUen, empfief)lt fid& im ^inbticfe
barauf, bafe bie SRutter gerabc in 2lnfel^ung ber 3lnlegung ber ju bem 93ers
mögen beö Äinbeö gel^örenben ©eiber porjugöroeife ber Unterftüfeung eineö
Seiftanbeö bebürftig fein roirb.
3)ic 93eftimmung beö § 1542 red^tfertigt fid^ burdb bie 3lnaIogie beö
§ 1682.
§ 1543.
2)ic Seftimmung beö § 1543 9lbf. 1 entfprid^t bcr 3lnatogie ber Stellung »crutung,
beö »eiftanbeö mit ber eineö ©egenüormunbeö (vergl. § 1647 9tbf. 4, §§ 1684, »'^^^J^^a *'•
1686, 1696, 1698, 1710, 1711). 35er ^ufafe im § 1543 3lbf. 2 folgt an^ ber »etfionbffe.
ofjefforifd&en SRatur ber Seiftanbfd&aft im Sßer^ältnif^e jur eltcrlicben ©eroalt
ber aWuttcr.
.IRotive |. bfirgcrl. Oefe|}6u<9. IV. ol
802 (grterli*c ©etualt. gürf orge b. SBormunbf (]&aft^geri(6tcö 2C. §§ 1544; 1545.
5. gürforgc unb Sluffid^t bcö SBormunbfd&aftögcrid&teö.
Scfdiränfung bcr elterlid&cn Ocroalt.
§§ 1544-1553.
Bfürforflc unb SBcnttßtcid^ blc ©tcHung bcö Snl^aberö ber eltcrlid^cn ©cioalt gegenüber
«"wmiiib? l>^ Äinbe nac^ bem ©ntrourfc begrifflid^ bie eine« SBonnunbcd ift, fo mufe
f(^ft«. biefetbe bod), wie bereits in anberem Swfömmenl^onge mel&rfad^ l^eroorge^oben
sS?mdncn, ift, HiU SRürfftd^t ttuf bttö notürfid^e unb nal^e aSer^ältnife jroifc^en bem 3n^
Ijaber ber elterlid^en ©eroalt unb bem Äinbe notl^rocnbig freier geftaltet unb
jur SSermeibung bed (Einbringend oormunbfd^aftUc^er Drgane in bad innere
Familienleben unb jur Äufred^terl^altung ber Slutorität befi Snl^aberö ber
ctterUd^en ®malt bie gürforge unb 2luffid^t beß SBormunbfd^aftögcrit^teö auf
ein möglid^ft geringes SRafe, b. ^. foroeit befd^ränft werben, als bies anberer*
feits mit bem S^tereffe beS Äinbes, mit ber ©id^erung besfelben gegen
aWifebraud^ ber elterüd^en ©eroalt unb gegen ©efäl^rbung burd^ ben 3n^aber
ber elterlid^en Oematt Dercinbar ift. SBon biefem ©ebanfen ausgei^eitb unb an
normale aSerl^ÄÜniffe an!nüpfenb, l^at ber ©ntrourf im älnfc^luffe an bas über^
roiegenb geltenbe SRec^t (oergl. bie SRotipe ju §§ 1501, 1502 oben ©. 722 ff.)
bie ^ürforge unb SKuffid^t beS SBormunbfd^aftsgerid^tcS bei ber elterlid^en ®e^
roalt nid^t als eine regetmäfeige, organifirte unb präoentioe, fonbern als eine
nur in SBeranlaffung befonberer Umftönbe roirffam roerbenbe geftaltet. aus
biefen ©riinben finb namentlich bie SBorfd^riften ber §§ 1684, 1686, foroie bie
ber ftänbigen Jlontrole burd^ bas SBormunbfc^aftSgeric^t bienenben ^orfd^riften
ber §§ 1687, 1688 über bie aSerpftid^tung beS SSormunbes, bem SBormunb*
fd^aftsgerid^te über bie SJerroaltung beS Vermögens beS 3RünbelS periobifd^
3?cc^nung ju legen, auf bie elterliche ©eroalt nic^t übertragen (oergl. in biefer
^inpd^t aud^ bie SRotioc ju § 1503 oben ©. 719).
§ 1544.
bei 3wr Segrünbung beS bem § 1683 entfprec^enben § 1544 roirb roegen
ÄÄ ^^^ Swfömmen^anges biefer »eftimmung mit bem SBormunbfd&aftSred^te auf
ber eiterigen bie STOotioe }u § 1683 Sejug genommen. SBennglcid^ bie Seftimmung im ^im
öemait, j^j. ^^ ^^^ g ^^^^ .^ SBerbittbung mit bem § 1788 2lbf. 1 Saft 1 unb bem
§ 1743 als entbel)rlic^ angcfe^en rocrben fann, fo ift biefelbe bod^ im 3ntereffe
ber ©eutlid^fcit beS ©efefeeä unb als eine angcmejfene ©inleitung beS mit bem
§ 1544 beginnenben Unterabfd&nitteS aufgenommen.
§ 1545.
wegen SBerbeu oon bem 3nt|aber ber elterlichen ©eroalt bie für il^n bei 9lus*
Don^'Ä "^""9 berfelben oerbinbli^en Slnorbnungen eines Sritten (§ 1503 3lbf. 1 oerb.
nungen mit § 1660) uic^t befolgt, fo madt|t bcrfclbc fidE) jroar einer Säerlefeung ber xf)m
s?nttcr. .^ 3(nfef|ung ber aSermögensoerroaltung obliegenben 93erpflid^tungen im ©Inne
erterlidEc ©ctoalt. Sef^ranfuns bcrfelben. § 1546. 803
l)c« § 1547 fd^utbig; allein bic locitcr im § 1547 für boß ©infc^rcitcn beö
SBormunbfd^aftögcrid^tcö im gallc einer fold^en SBerleJung beftimmtc SBorauö*
fegung, bafe in gofgc biefer SSerlegung eine erl^ebli^e ©efä^rbung beö ÄinbeS
für bie Swfunft ju beforgen ift, wirb in ben t)ier in Siebe fte^cnben gällen,
in mcfd^en ber Sn^aber ber clterlid^en Oeroalt bie für il^n üerbinbtici^en 2lns
orbnungen eines ©ritten nid^t befolgt, häufig nid^t vorliegen. Um bie SBe^^
f ofgung jener 3lnorbnungcn, foroeit nid^t bas SBormunbfd^aftögerid^t nad^ aWafe*
flabe beö § 1660 eine Sffbroeid^ung oon benfelben bem 3n^ober ber elterlid^en
■©emalt gemattet fjat, pd^erjuftetten, mufe ba^er baß 83ormunbfd^aftßgerid^t für
befugt erflärt werben, bie jur ©id^erung ber Sefofgung not^menbigen SKafe^
regeln o^ne JRüdffid^t barouf ju treffen, ob bie TOd^tbefotgung eine ©efäl^rbung
icß Äinbeß für bie 3w^"ft l^erbeijufül^ren brol)t.
§ 1546.
3m Sffnfd^fuffe an bie grofee 3Jle^rial^f ber befte^enben Äed^te (oergl. «efä^rbuufl
1. 1 § 3, 1. 3 § 5 D. de IIb. exhib. 43, so; 1. 5 D. si a parente 37, ia;*'*'SSie«.***
©euffert XXXVI, 203; ©nifd^. b. % (S. bei genner unb STOedEe III, 251;
entf4 b. % ®. in 6imlf. XVII, 31; mürttemb. S. 91. IV, 11 § 2; ba^r.
S. 91. I, 5 § 7 5«r. 2; preufe. 31. 2. 91. H, 2 §§ 90, 91, 266 unb baju
3a^rb. b. ©ntfd^. beß Äammerger. I ©. 53 ff., 56 ff.; öfterr. ®. 35.
^§ 177, 178; fäc^f. ®. 93. § 1803; meimar. ®ef. o. 27. gjlarj 1872 §§ 16,
112; f)amb. aSorm. D. o. 14. 3)ej. 1883 3lrt. 62) bejroedEt ber § 1546, bem
ilinbe in fotd&en gcillen gegenüber bem S^^aber ber elterlid&en ®eroalt rid^ter^
li^en ©d^ug ju geroöl^ren, in meldten ber Icjtere burd& fein 83erl^alten
baß geiftigc ober feiblid^e SBo^l beß Äinbeß gefäl^rbet. 3m franj. dlt^tc
fe^ft cß an außbrfldtfid^en Seftimmungen , metd^e in fold^en gällen
ein rid^terlid&eß ©infd^reiten jum Sd^ufee beß Äinbeß ermoglid^en. 2)aß
©d^meigen beß code civil in biefer ^infid^t l^at aber im ®eltungßgebiete beß
franj. 9led^teß ben 9Bunfd& nod^ fofd^en 33eftimmungen l^eroorgerufen (oergl.
bie aWotioe beß ^eff. @ntro. ju III 2lrt. 40), unb fpötere 9lod&folger beß code
<;ivil (f)t^. entro. III Silrt. 40; itaL ®. 33. Slrt. 223) l^aben biefe SüdEe beß
franj. 9led^teß außgefüUt.
9ln[angenb bie 83oraußfefeungen, unter meldten ein ©infd^reiten gegen m^btaudt
ben 3n^ober ber elterlid^en ®emalt auß ben ^eroorgel^obenen ®efid^tßpunften ju* ^.^^^^^^
lafftg fein foll, fo red^net ber ®ntrourf \>af)\n in mcfentlid^er Uebereinftimmung re^t««, «er-
mit ben oben ongefül^rten Siedeten junäd^ft bie gälle, menn ber S^Wber ber ""*"^^""«-
'Clterlid^en ®emoft burd^ SDlifebraud^ beß 9led&teß, für bie ?ßerfon beß Äinbeß
}u forgen, inßbefonbere burd^ SKifebraud^ beß ©rjiel^ungßred^teß, ober burd&
aSemod&Iöffigung beß Äinbeß beffen geiftigeß ober leiblid^cß 5lBol|f gefö^rbet.
^injelne ®efe6gebungen oerlongcn alß 5Boraußfe|ung beß (Sinfd^reitenß eine
,,erf|ebtid&e" ®efdl)rbung (oergl. fäd^f. ®. 33. § 1803; meimar. ®ef. § 16)
ober „grobe" aSernad^Iäffigung (meimar. @ef. § 16) ober einen „fd^rocren"
tmi6braud& ber elterlid&en ®ematt (bagr. 2. 91. I, 5 § 7 5Rr. 2). 2)er @nU
murf ^at berartige 3^^fäfe^ "^^t aufgenommen, baoon außge^enb, bafe eß im
3nteref|e beß Äinbeß ratl^famer ift, bem SSormunbfd&aftßgerid^te in ben in Mebc
51 •
804 ertcrlidfee ©ciralt. S3cf4ranfunö bcrfcIBen. § 1546.
ftcl^cnbcn fällen möglid^ft freie $anb ju laufen, anbercrfeitö bie 9flicl&tQufna]&me
fold^er S^fäfee and) oöm Stonbpunftc beö Sntcrcffcö bcö 3n^aberd bcr citerftd&crt
(Setüolt aus um beöroillen unbebcnffid^ erfd^cint, vocil n\6)t jeber aRifebraud^ bc&
SRcd^tcö, für bie 5ßcrfon beö Äinbcö i\x forgen, ober jcbe aSemad^läffigung bcft^
Äinbcö o^nc SJBeitcreö bie ®ntjiet)img bcr elterlid^en Oeroalt jur golgc J^aben^.
fonbcrn baö SBormunbfd^oftegcrici^t nur crmä^tigt fein foll, je nad^ ber Sage
beö ^allcö bie jur 2lbmenbung ber ®cfäl^rbung bes Äinbeö nad& feinem ®rmcffea
crforbcrlid^en SKogregeln ju treffen. 3)a6 bie ©rroeitcrung bcr Sefugnife bed«
SBormunbfd^aftögcrici^tes nad^ SKafegabc bcö § 1546 ju einer unangemeffencn
unb mofefofen ©inmifd&ung beöfelben in bie inneren gamilicnoerl^ältniffe au^
nur bei geringfügigen 9lnläffen führen fönnte, ift um fo roeniger ju beforgen^
alö ber Sn^aber ber elterlichen Oeroaft nid^t unter ber ftänbigen 9luffid&t beö-
aSormunbfd^aftögerid^tcö fte^t. 2lud^ baö preufe. 31. S. 31. II, 2 § 266 ge^
ftottet eine ©infd^ränfung bcr oäterlid^en ©eroatt in 2lnfef|ung ber ©rjie^ung
fd^on bann, wenn ber SBatcr bie legtere pemad^täfjtgt.
Kiwanbiutifl. 3u bcr crftcu Äategorie oon göUcn gepren inöbcfonberc aud^ 3Hi§^
l()anblung beö Äinbeö (preufe. 31. S. 3t. II, 2 §§ 90, 266 ; ba^r. S. 31. I, 5 § 7
3lx. 2), aSerleitung beöfelben jum Sofen (preufe. 31. S. 51. unb ba^r. S. SR.
a. a. 0.), Seftimmung bcö ftinbeß ju einem ben Steigungen, ^^igfeiten ober
ben fonftigen SBer^ältniffen beöfelbcn nid&t cntfprcc^enbcn Söerufc, 33emad&=^
Iciffigung ber ©orge für bie ©rnäi^rung unb Pflege beö Äinbeö (preufe. 31. fi. 3t.
a. a. D.; öfterr. ©. 93. § 177).
e^riofe« ober gcmcr foB Tiaä) bem § 1546 ein (Sinfd^reiten bcö S3ormunbfd&aftö^
Ä"tmb*e« gcrid^tcö ftattl^aft fein, menn eine ©efäl^rbung beö geiftigen ober leiblidlicn
3nfto6er«. ggo^Icö bcö Äiubcö iu golge el^rlofen ober unfittfid^en aSer^altenö beö 3«*
l^aberö bcr efterlid^en ©emalt für bie 3wfw"ft jw beforgcn ift (oergl. 1. 3 § 5
D. de IIb. exhib. 43, so: „ob nequiüam patris«; ©cuffcrt XXXVI, 203;
mürttemb. 2. SR. IV, 11 § 2). (So mufe bcr ©cfa^r oorgebeugt werben
fönnen, bofe baö fd^Ied^te Seifpid ber ©ftern einen ücrberblid^en ©influfe auf
bie Äinber äußert, felbft menn jur 3cit eine fittlid^e SBcrma^rlofung ber Äinber
nod^ nid^t eingetreten fein follte. 3^1 ^^i* würbe cö aber gelten, nad^ 3lnalogie
beö § 1640 SRr. 3 unb bcö § 1705 3lx. 2, bem SBormunbfd^aftögerid^te lebiglid^
auf ®runb ber 2^^atfad()c, bafe bem Sn^aber bcr elterlid^cn ©croalt bie
bürgcrlid^cn e^renrcd&te abcrf annt ftnb, bie Sefugnife ju geben, gegen,
ben Icgtcren einjufd^reitcn. 3luö icner S^atfad^c für fi^ allein fana
nid^t ol)ne SBcitereö ber Sd&lufe auf eine ©cfäljrbung bcö Äinbeö gejogcn
rocrben. 3lud^ bie Slnalogie ber angeführten SBeftimmungen beö SJormunb^
fd^aftörcd()tcö über bie Unfdl^igfcit bcö SBormunbcö (Dcrgt. § 34 9lr. 6 bcö^
Str. 0. 93.) fann alö jutreffenb nid^t erad^tet merben, ba, roenngteid^ bie
elterliche ©emalt einen pormunbfdöaftlid^cn Äaraftcr ^at, bod^ jmifc^en bem
Sn^aber ber etterlid&en (Seroalt unb einem 33ormunbe ber bei ber ©eftaltung
ber cltcrlid&en ®eroa(t im ©injelncn aud^ in anberen 93ejiet)ungen nid^t um
berüdEfid^tigt gelaffene roef entließe Unterfd^ieb bcftel^t, bafe ber SSormunb ein
i^m übcrtragcneö 3lmt bef leibet, roa^renb bie eltcrlid^e (Seroalt auf einer natür*
lid^en ©runblagc berul)t. ferner fommt in a3etrad&t, bafe bie mit bcr 3lb*
crfennung ber bürgcrlid)cn S^renrcd^tc t)crbunbene SBirfung ber Unfä^igteit,.
erterltie ®cmll fflc[d&ranfunö bcrfclBcn. § 1546. 805
"SSonnunb ju fein, fraft bcö ©cfc^cö nur roöl^renb bcr im Urtl)cile bcftimmtcn
3eit baucrt.
Siegen bie SSorauöfegungcn bcö § 1546 üor, fo ^ai baö 33ormunbfd)oftö:jaft ^«^3»*^'
flcrid^t bic jur 2(brocnbung bcr ©efa^r erforberlid^cn SKafercgetn ju treffen. ^^^^^^'
^ic 3lrt biefcr ÜJlafercgeln mu^ bei bcr SBielgeftaltung beö fiebenö bem ocr?
ftänbigen 6rmcf[cn bcö SJormunbfd^aftögerid^tcö überladen roerbcn (ocrgl. ouc^
prcufe. 91. 2. S». II, 2 § 90; fät^f. 0. S. § 1803; TOcimar. ®ef. ü. 27. a»ärj 1872
§ 16). 2lte eine bcfonbcrö mic^tige aWaferegcI, roeld&e in oie(en gällcn fi^ ^^^ brin"ur\e«
baö einjige wirffame ÜRittel crroeifcn roirb, um bod Äinb i)or bem fd^Icd^ten iHnb^in
©inftuffe ber ©Itern unb vov weiterer fittlicf)cr SBcrroalirlofung in gofgc S8cr^ ^^Q^tm
nac^Iäfftgung ber 6rjiel)ung 5u bemafiren, f)ebt ber § 1546 bie Unterbringung Bramuietc.
beö Äinbeß jum ^xocdc ber ©rsie^ung in einer geeigneten gamilie ober in
tincr ©rjicfiungös ober Sefferungöanftalt ^eroor (oergl. preufe. 2t. £. 5H. II, 2 «ntjie^nß
§ 91; braunfd)«). ®ef. über polijeilid&e aRagregeln gegen Äinber v. 22. ®e:= ^'SeroSt'mu"
jember 1870 § 1; roürttcmb. ®ef., betr. 2(cnberungen beö 5}Jolijeiftrafred^teS «"»««^««*^«
V. 27. S5ejember 1871 3lrt. 12; fäc^f. ®ef., ba§ SSolföfc^ulroefen betr., v. 26. SKpril "*""^""^'
1873 § 5 ; anf)alt. ®ef. v. 29. Scsember 1873 2lrt. 1). ©ofern baö ^ntcreffe
beö Äinbeö eö erforbert, fanu boö S3ormunbfc^aftögericI)t oud^ bie eftcrlid^c
®en)ott mit Sludnaljme ber eltcrlid^en 9lu^niefeung ganj ober t^eilroeife ent*
iiefien (oergl. 1. 1 § 3, 1. 3 § 5 D. de lib. exhib. 43, »o; ©euffert XXXVI, 203;
preufe. 3(. S. 5R. II, 2 §§ 91, 266 ; fäc^f. ®. 93. § 1803 ; roeimar. ®ef. t). 27. SRärj
1872 § 16). Sßirb bie mit ber eftertidjcn ®croQlt oerbunbene Sorge für bic
^erfon unb baö SBermögen beö Äinbeö bem Sn^aber ber elterlid^en ®en)att
ganj entjogen, fo mürbe eö an fid^ fonfequent fein, oud) bie elterlid^e yiup
nicßung roegfaüen ju laffen, ha biefelbc nad) bem ©ntmurfe einen b(oö
ofjefforifd^en S3cftanbtt)cif ber cltcriid^en ®en)olt bilbet unb bem Snl^aber ber
eltcrlid^en ®cmQlt feinen von feiner oormunbfd^oftlidjen Stellung abgelöftcn
aJcrmogcnöoortl^ei( ju ocrfd^affen bejmedt (oergl. bcff. Qnttü. III 9lrt. 38, 40,
ital. ®. 83. 3lrt. 233). 2lUein auf bcr anbcrcn Seite ift ju crmägen, bajj uom
familienred^tlid^en Stanbpunfte auö eine ©ntjicljung ber c(tcriid^en ®eroa[t
nur infoioeit gerechtfertigt ift, alö bie ®rrcid)ung bcö äi^cdcö im 3ntcref[e
beö Äinbeö cö crf)eifd^t, baö 3ntercf)e beö Äinbeö aber, namcntlid) im ^inblicfc
auf bie 9[5orfdjriften ber §§ 1532, 1533, aud) in ben I)icr oorauögcfefeten gällen
eine gdnjlic^e Sntjictiung bcr cltcrlici^en Jluftniefeung nid^t erforbert, ha% ferner
bie ©ntjietiung bcr leßteren unter Umftftnbcn für bie oielleic^t unfd^ulbigc
SKutter eine gro§c §ftrte fein fann unb burd^ bie gortbauer ber eltcr^
lid^cn Sftujniefeung eine 2(bred^nung jroifdjen bem Snbaber ber clterlid^en
©cmalt unb bem Äinbc mcgcn bcr für ben Unterhalt bcö Icßteren auf-
gcroenbeten Äoften oermiebcn roirb. gerner fdllt inö ®eroidöt, bafe eö bebenflid^
ift, an eine SBerfügung bcö 93ormunbfc^aftögeri^teö ben SBerfuft bcr mit bcr
elterlichen Slu^nicfeung ücrbunbcnen SJcrmögenöoortbeile ju fnüpfen. Sie
natürlid)e ®rcnje bcr 3wftänbigfcit bcö Sßormunbfd^aftögeridöteö ift burc^ bie
Sorge für baö 3ntereffc beö Äinbeö gegeben. 3^^^ mürbe bie ®ntjicf|ung
ber cltcrlid^cn ®emalt, menn fid^ baran alö notljrocnbigc golgc ber SSerluft
bcr etterlid^en SRußniefeung fnüpftc, leidet ben Sd^cin unnötf)iger ®e^äffigfeit
erhalten. Sie Unbefangcnl^cit bcö 93ormunbfd)aftögcrid^teö mürbe barunter
806 eiterlid&c @c»alt. »cf^ränfung bcrfclbcn. § 1546.
leihen, uub baß legiere her SBerfud^ung außflefegt fein, ftd^ oon bcn int 3ntercjfe
beö Äinbeß erforberlid^cn üKaferegeln burd^ bic Küdftd^t auf ben babur^ für
bcn gn^aber ber elterlid^en ©eroalt eintretenben SJermogcnöocrluft abl^alten
ju laffen. SBoUte man bal;er aud^ bie clterfid^e Slufenicfeung unter geroiffen
aSoraußfcgungen üoUftönbig roegfallcn laffen, fo würbe bic ©ntfd^eibung barübcr
im SBege beö orbcntUd^en ^ßrojeffcö jroifd^cn bem 3n^aber ber cltcrUd^en Oeroalt
unb bcm ßinbc erfolgen muffen, gär bie S^toffung eineß fo ge^äffigen SSer^'
fat)renß liegt aber fein Scbürfaife cor. aWit bem ©ntrourfc ftimmen in biefcr
^infid^t aud^ baß gemeine Mec^t unb bie neueren ©cfcggcbungen übercin (prcu§.
a. 2. % II, 2 §§ 90, 91, 266 Dcrb. mit II, 2 § 268; fäc^f. ®. 95. §§ 1803, 1815;
meimar. ©ef. §§ 14—19).
Suftänbigfeit 9lbn)eic^enb uom gemeinen Med^te, naä) roeld^cm ben ©Itcrn bie ©rjie^ungß*
^*f^Hiu"*" gemalt nur burd& Kic^tcrfprud^ cntjogen merbcn fann (Dcrgl. aud& ital. ©. 93.
9eri<^te«. 3irt. 233), aber im ®inflange mit bcm prcufe. 21. 2. 91. II, 2 § 91 unb bem
fäc^f. ®. 93. § 1803 (oergl. aud^ ^cff. entro. III ärt. 40) meift ber ©ntmurf
^flid^t unb Siedet, in bcn gällcn beß § 1546 gegen bcn 3nl&aber ber cltcrlid^en
©eroalt einjufd^reiten, bem SSormunbfd^aftßgerid&te ju. ®ß cntfpridöt bicß bcm
Dormunbfd^aftlid&en ßarafter ber elterlid()cn ©croalt unb cmpftel^It fid^ jur
aSermeibung fangbauember unb ge(|öfjtger, bcn gamilienfricbcn jcrftorenbcr
'ißroicffc.
«ormunb- 5JBirb auf ©runb beß § 1546 bcm Sn^aber ber clterlid^en ©croalt bic
^Äejiinfl* Icfeterc ganj ober tl^eitrocife cntjogen, fo ift bem Äinbe in ©cmä^^eit ber
ber elter. §§ 1533^ 1733 ciu SSormunb bcjm. ein ?ßflcger ju beftcUeh. ®ieß ift namcntUd^
****** aud^ bann ber gall, romn bcm SSatcr bic eltertid&e ©croalt juftd^t. 6ß tritt
alfo in bcn l^ier in SRcbc ftel^enben gällen nid^t bie elterliche ©croalt ber
3Jluttcr an Stelle ber bem SBater cntjogcncn eltcrlid^cn ©croalt (ücrgl. aud^
^cjf. entro. III Slrt. 40; ital. ©. 93. Slrt. 233; rocimar. ©cf. §§ 14— 16).
©ine gegcntlieiligc 93eftimmung roürbe bei ber 9lbl^ängigfeit ber SKuttcr oon
bcm 5Batcr unb bcm ©inftuffe beß Icfttcrcn auf bie ÜIKutter ben ©rfolg ber gc*
troffencn aWa^regcl in üielen gäUcn oereiteln ober eine Störung beß e^elid^en
griebenß l^eroorrufcn unb eine bcn natürlid^cn SScr^ältniffcn nid)t entfpred^cnbe
Stellung ber SKutter gegenüber bem aSater in 3lnfe^ung ber Äinber mit fic^
bringen. 9luö bcn gleid&en ©rünben l^at ber ©ntrourf Slnftanb genommen, in bem
l^cr in Kebe ftcl^cnben gallc ber ÜJiutter bic Sorge für bic ^erfon beß ftinbcß,
roenn aud^ nur in bcm im § 1558 Safe 2 bcjeid^netcn Umfange, ju über*
laffen (ocrgl. bie aWotioe ju § 1506 oben S. 755 ff.) SBirb bcn ©Itcrn baß Slcd&t,
für bic ?ßerfon beß Äinbeß ju forgen, in bcm Ijicr fraglid^en gallc Dcrfagt, fo
mufe aud^ bic entfpred)cnbe ^fUd^t roegfallcn, ba in familienrcd[|tlid^en 33cr*
pltniffen ^ftid&t unb SRcd^t ^d& nid^t trennen laffen.
Swana«* jQj) uni) iumicrocit bic auf fojialpolitifd^en ©rünben beru^enben unb
^ToÄermit bem öffentlichen SRcd&tc im engftcn S^^f^mmcnl^angc fte^enben, auf ein
Ätnber. cugcrcß ©cMct [\^ bcfd&ränfcnben SBorfc^riften beß § 55 3lbf. 2 beß Str. ©. 93.
(oergl. aud^ § 56 2lbf. 2 baf.) unb bic auf ©runb biefcr SSorfd^riftcn er*
laffcncn lanbeßgcfcfelid&cn 93cftimmungcn über bic Sw^ö^S^erjicI^ung oer*
roal^rloftcr Äinber (oergl. inßbcfonbere preufe. ©ef. o. 13. SDlärj 1878 unb o*
23. 3unil884; altenb. ©cf. o. 20. SKöri 1879; mecflenb.fd^roer. äJerorbn. v.
eitcrlid&c ©etoalt. 33efd6ränfung betfclben. § 1547. 807
10. Dftober 1882; ferner quo bcr 3eit vox bem § 55 Slbf. 2 bc« ©tr. ®. 93.:
braunfd^ro. ®ef. t). 22. ©cjember 1870; itjürttcmb. ®ef. t). 27. Scjcmbcr 1871
Slrt. 12; fäc^f. ®. 33. t). 26. 9lpri( 1873 § 5; ar\\)alt ®ef. d. 29. SJejcmbcr 1878)
neben bem bürgerlidfien ®efe6bud&e aufred&t ju cxi)alitn fein werben, ift bem
©infü^rungöflcfege üorbe^alten. 3m 9lnfd^IuRc an bcn jenen SSorfd^riften ju
®mnbe Uegenben ®ebQnfen auö ®rünbcn beö öffentlid^en Snterejfcö unb beö
3ntere{fcö beö Äinbeö bem SBormunbfc^aftögerid^te burc^ baö bürgerlid^ ®efet;^
bud^ gan) allgemein bad Siecht beijtilcgen, nad^ äßaggabe bed § 1546 aiid)
bann gegen ben Sn^aber ber elterlichen ®eiualt einjufd^reiten, wenn baß ftinb
eine ftrafbarc ^anblung begangen f)at unb mit SRüdEfid^t auf bic Sefd^affenfjeit
ber Unteren, auf bic 'ipcrfönüd^feit beö 3nf|aberö ber eltcrlid^en ®emalt unb
bie fonftigen 2ebenöt)cr^ältniffe beö Äinbeö bic ©efa^r roeiterer fittlid^er JBer-
mofirlofung beö ftinbeö begrünbet ift — unb jmar ol^nc Untcrfd^icb, ob bie SSer*
ma^rlofung beö Hinbeö auf ein SSerfd^ulbcn beö 3ii^ctberö ber elterlid^en
®en)aU }urücf geführt merben fann ober ob berfelbe feinerfeitö äßleö get^an
I>at, um ber SScrma^rlofung beö Äinbeö, fomeit bicö in feinen Kräften fteljt,
Dorjubeugen — , ift Dom priDatred&tli^en Stonbpuntte auö ate bebenflid^ erad)tet;
aud^ ift eine foldjc Stegclung burd^ ein praftifc^eö 93ebürfnig nid^t geboten,
jumat bie Seftimmung beö § 1504 bem 3nf|aber ber elterüd^en ®eroalt bic
SWöglic^fcit geroäfjrt, baö ocrmafirloftc Äinb mit ^ülfe beö ?Jormunbfd^aftö«
geri^teö in einer ©rjiel^ingö? unb 93efferungöanftalt unterjubringen. SBeigert
fic^ ber 3nl)aber ber elterlid&en ®eroalt ol^nc genügenben ®runb, biefe SDioferegcl
JU ergreifen, obwohl biefelbe im Sntereffe beö Äinbcö jum S^ecfc ber ®rjiel)ung
beö (enteren fid^ a(ö not^n)enbig ermcift, fo !ann in einem fold^en %a\lz ba^
3Sormunbf(^aftögerid&t auö bem ®efi^töpun{te ber 33ernad^Iäffigung ber (Sr^
jic^ung beö Äinbeö unter Umftänben nunme{)r oon älmtömegen na^ aJlafe«
gäbe beö § 1546 eingreifen.
§ 1547.
@ö entfprid)t bem uormunbfd)aftic^en Äarafter ber elterlichen ®en)alt, ©efä^rbung
bafe, mie im galle ber ®efäl)rbung ber ^erfon beö Äinbeö (§ 1546), fo aud) »emö^en«
im gallc ber ©efä^rbung ber SBermögenöred^te beöfetben bem SBormunbfcöaftö- ^«« ä*"^««-
geriete unter geroiffen näf)er ju beftimmenben SBorauöfefeungen bie SKöglic^feit
eröffnet wirb, jum SdE)ufte ber Sied&te beö Äinbeö in bie elterlid^c ®eroalt
einjugrcifen; bod() empfielilt eö fid^ l)icr, wo eö fid^ nid^t um boö geiftigc
ober leiblidje äßo^l, fonbern um ben @cbu^ ber SBermögenöred^te beö $tinbeö
^anbelt, baö einfd)reitcn beö SBormunbfd^aftögerid^teö allgemein an bie ftrengerc
SJorauöfegung ju fnüpfen, bafe eine erl^eblid&e ®cfä^rbung ber Steckte beö
ftinbeö für bie 3wfunft ju beforgen ift. S)em 3Sormunbfd[iaftögerid^te fd^on
beim SBorl^anbenfein irgcnb einer, menn auc^ nid&t er^eblid^en, ®efät|rbung
boö SRec^t beö ßinfd^reitenö beijulegcn, mürbe ju toeit ge^en unb mit ber
grunbfäfelid^ anerfannten freieren unb felbftänbigercn Stellung beö 3n^aberö
ber elterlichen ®malt bei 2luöübung ber elterlid^en SBermögenöoerroaltung
ni^t üereinbar fein. 9lucö ift eine folc^c 3luöbe^nung ber 33efugniffe beö
aSormunbfc^aftögerid^tcö burd) bie SRüdftdbt auf baö Sntereffe beö ftinbeö
ni^t geboten.
808 (Sftcrltcfie ©eiralt. Öef^ränfung bcrfcIBcn. § 1547.
83erie|uu8 ^n Ucbcrcinftimmung mit bcr in Softrin unb ?ßrajid bcd ßcmcinen
p^5t*flw. 9led&tcö oorroicgenb ücrtrctcnc 3lnfid)t (Dcrgf. ©cuffcrt III, 336, VII, 198,
XXIX, 147 ; 0. m. Scuffcrt II, 306) unb im SÄnfd^Iujfc an ä^nlid^c S8or*
fd&riften ücrfd^iebcncr neuerer ©cfcßgebungcn (oergf. öfterr. ®. 93. §§ 149, 176
biß 178; lübed. SJorm. D. o. 11. Oftober 1820 §§ 1, 2, 24; braunf^ro. SScrorbn.
ü. 6. aßai 1828; fäcbf. ®. 93. § 1815; roeimar. ®ef. r>. 27. Oßärj 1872
§§ 14, 16 ; ^amb. SSorm. 0. d. 14. ©ejember 1883 Slrt. 62 ; code civil arg.
arrt. 444, 618; ^eff. ©ntro. m 3lrt. 31 ; itat. ®. 93. Strt. 233) erKört ber § 1547
ein ©infd&reiten beö SSormunbfd^aftögerid^tes junäd^ft bann für iuläffig, wenn
ber Snl^aber ber eltcrlid^en ®eroalt bie in Slnfel^ung ber aSermögendoerroaltung
ober ber elterlichen Slußniefeung i^m obliegenben JBerpfTid^tungen perlegt unb
jugleid^ eine ert)eblic^e ®effi^rbung ber SRed^te beö Äinbefi für bie 3wfw"ft
ju beforgen ift (ücrgl. anä) §§ 1005, 1006, § 1328 9lr. 1, § 1705 5Rr. 1).
SBciter foll aber baß SSormunbfd^aftögerid^t aud^ einzugreifen befugt fein, vomn
bie erbeblid^e ®efä^rbung ber SBcrmögenöred^te beö Äinbeö barauf beruht, bafe
öennbgen»' bcr SuJ^ttber bcr elterlid^en ®emalt, gleid^oiel aus roeld^er Urfad^e, feinerfeitö
^iTabert* ^^ 93ermögenöDerfan gerätt). S)a es fid^ l^ier immer junädbft nur um bie
©rgreifung von ©id^er^eitsmafercgeln lianbelt, fo fonn es auf bie Urfad^e beö
aSermögenöocrfalles, inöbcfonbere barauf, ob ber legtere burd^ ein SSerfd^utben
bes 3n^abers ber elterli^en ®croalt l)crbeigefül^rt ift, nid^t anfommen. S)er
3Sermögenst)erfaU bes lefeteren fann namcntli^ bie ©efa^r für bas Äinb mit
fid^ bringen, bafe bie bem Äinbe ge^örenben, in ber 3n^abung bes 3n^aberö
ber elterlicben ©eroalt befinblid^en ©ad^en oon ben ®räubigern bes legtereu
gepfänbet unb, wenn biefer bie ®r^ebung ber Snteroentionsffage unterlagt,
jur 93efri0bigung Jener ®(äubigcr perroenbet merben, ober bod^, ba§ bas Äinb
in foftfpielige Snteroentionßprojejfe rerroidelt wirb. 2)er Stanbpunft beö (SnU
murfes fd^liefet ftd^ jubcm in biefer ^injtd&t bem in großen SRed^tsgebicten
geltenben SRed^tc an (oergl. preufe. 31. S. SR. II, 2 §§ 179, 182, 267 ; föc^f.
®. 93. § 1815; meimar. ®ef. § 14) unb ftefit mit ber 93eftimmung beö
§ 1553 im ©inttange, bafe bie bem ^In^aber ber eftcrlicben ®eroaft juftc^enbc
'^ermogensoerroaltung bccnbigt wirb mit ber SRed^tsfraft bes 93efd^lujfes, burd^
loeld^en bcr 5ionfurs über bas aSermogen besfelben eröffnet mirb.
läfft^^^^be« ®^" Sebürfnife, außerbem nod^ ben gatt ^icr befonberö }u berüdEfi^tigen,
unte"S2ite« loeun ber Sn^aber ber eiterlid^en ®eroalt bie i^m obliegenbe ?ßfli(^t jum
be« Äinbc«. Unterhalte bes Äinbcs oerna^töfftgt (oergl. § 1328 5Rr. 2; preug. 31. S. SR.
II, 2 §§ 206—209), liegt nidE|t oor, ba in einem folc^en galle bie SSor*
fc^riftcn beö § 1546 (ocrgl. bie SRotiue ju § 1546 oben S. 803 ff.) auöreid&enben
Sd()ug gcroäbrcn.
"V^etf "*' 2)ic 3lrt ber jur 3lbroenbung ber ®efabr erforberlitfeen SJlaferegeln übei>
'*^'"' lägt ber entrourf, mie im ^alle beö § 1546, fo a\i6i f)kx bem oerftönbigen
©rmejfcn beö SJormunbf d&af tögcrid^tcö ; boc^ ^ebt bcr § 1547 3lbf. 1 Sag 2 alö
angcmcffeuc, julöffige SRaferegeln befonberö beroor bie 3Inorbnung ber ©inrcid^ung
TBermöflen«, eiues aSermögenSocrjeid^niffeö (ocrgl. bie aKotioe ju § 1503 oben ®. 742 ff.),
mie^nif. ^^^.^ ^^.^ Sluorbnung, bafe ber ^n^aber bcr elterlid)cn @zmlt na^ SWafegabc
ber aSorfd^riften beö § 1670 bie ju bem feiner aScrroaltung untcrliegenben
äJermögcn beö ftinbcö gcbörcnben ftoftbarfeiten unb aSertbpapiere, mit ©m
®rtcrrid&c @tmlt ScWränfung bcrfelben. § 1&47. 809
fd^Iufe bcr ^^pot^cfenbriefc unb (Srunbfc^ulbbricfc, ju l)mtcrlegcn ober bic auf €inierie«ung
DonSBert^
papieren ic.
bcn 3nf|abcr lautcnbcn ©d)utbt)crfd^rcibunßen unb 2lfticn beß Äinbeö auf bcn '**" ®*^*'
5?atnen bcö ßinbcö utnfd^reibcn ju laffen ^obc (ocrgL roeimar. ®cf. o. 27. aWörj
1872 § 14). 3ft eine ford^e Hinterlegung ober Umfd^reibung erfolgt fo foUen
na^ § 1547 3[bf. 1 ©afe 3 bie SBorfd^riften bcö § 1671 entfpre^enbe 3ln^
TOcnbung finben. 2)ic Ucbertragung biefcr JBorfd^riften auf bie elterlid^e ®e?
roalt unter ber bcieic^neten SSorauöfeßung ift — I)ingefe^cn auf bie bem 3nt)abcr
ber elterlichen ©ewalt in 3lnfe^ung ber ju bem SSermögen beö Äinbcö ge«
l^örenben Jtoftbarfeitcn unb SBertl^papiere, mit 6infd)Iufe ber Hr)potf|efen6ricfe
unb (Srunbf^ulbbriefe, grunbfällid^ eingeräumte unbefc^ränfte SSertretungö^
mad^t (oergl. SHotioe ju § 1511 oben ©. 765 ff.) — tjon befonberem praftifd^en
SBert^e. ©iefft baö Sormunbfc^aftögeri^t in ben gaDen beö § 1547 fic^ üer^^
anlaßt, anjuorbnen, bafe ber Snl^abcr ber elterUd^en ©eroalt bie bort bejeid^s
netcn ©egenftänbc ju fiintcrlegen bejn). bie Snl^aberpapiere bcS Äinbefi auf
bcn Flamen beö (enteren umfd^reiben ju laffen f)abe, um bie bem Äinbe
broI)enbe Oefa^r abjuroenben, bafe ber Sn^aber ber elterlid&en ©eroalt biefclben
in feinen 9lufeen oerrocnbe, fo ift eö, um bie ©rreic^ung beö 3^^*^^ i^
fidlem, angejeigt, ben 3nl^aber ber elterlid^en ©eroalt aud& in ber obligatorifdöen
unb binglid^en SSerfügung über bie l^interlegtcn ©egenftänbc bejro. über bie
auf ben 9lamen beö Äinbeö umgef^riebenen Rapiere ju befd^ränfen. ©afe baö
a3ormunbfd^aftögcri4|t, roeit nad^ bcn §§ 1670, 1671 ju ber ©rl^ebung ber
l^interlcgten ©egenftänbc bcjro. jur ©rfefeung ber umgefd^ricbcnen ?ßapiere burd^
Sn^aberpapierc unb ju bcr ©ri^cbung bcr Icttercn bic ©enc^migung bcö SSor«
munbf^aftögerid^tcö erforbcrlid^ ift, üon bcr SBcrfugung bcö Sn^aberö bcr
cltcrlid^cn ©croalt Äcnntni§ erlangt, nügt in fold^cn gäUcn nid^t mc^r, in
rocld&en bcr Sn^aber bcr cltcrHd^cn ©eroalt bic auf ©runb beö SRcd^tögcf^äftcö
erlangte ©egenteiftung bereits in feinen Saugen tjcrrocnbct I|at. 2)ie burd^
§ 1547 abf. 1 Safe 3 in SScrbinbung mit § 1671 beftimmte SBcfc^ränfung bcr
SScrtrctungömad^t ift auc^ ni^t ctroa oon bem ©efid^töpunttc auö alö cntbcIirUd^
anjufelien, bag baö SSormunbfd^aftögcrid^t in ben t)orauögcfe|tcn fällen von
bem Sn^abcr ber elterlichen ©croalt nad^ SWafegabc beö § 1547 9lbf. 2
©id^crl^citötciftung verlangen unb bcmfclbcn cücntucll nad^ § 1550 bie SBcr«
mogcnöocrroaltung gänjlid^ cntjiciöen fann, ba eö foroo^l im Sntcrcffc beö
ftinbcö alö bcö Snijaberö bcr cltcrlid^en ©croalt liegt, bic ©ntjic^ung ber SSer«
mogcnöocrroaltung möglid^ft einjufc^ränfen unb bic bem Äinbe broljcnben ©e*
faljrcn t^unlic^ft auf anbercn SBegen abjuroenben. 93crmag bie SBorfd&rift bcö
§ 1547 2tbf. 1 Safe 3 auc^ nic^t ju pcr^inbern, bafe bcr 3nf)abcr ber clter*
lid)cn ©eroalt baö Äinb in anberer 3lrt f^äbigt, fo roirb bod^ bur^ biefelbc
bie Sicherung beö SSermögenö beö Äinbcö crl)cblid& geförbert, namcntlid^ in
ben iat)lrcid^en gälten, in rodeten bcr §auptbcftanbtl^cil beö ttinbeöDcrmogcnö
gerabc in SBcrt^papicrcn bcfte^t. 9loc^ rocitcr ju ge^cn unb bem SSormunb*
f(^aftögn:id&tc bic SBcfugnife beijulegcn, unter ben im § 1547 bcjcic^ncten 5Bor*
auöfcfeungcn anjuorbncn, bafe bcr 3inl)abcr ber elterlichen ©croalt bic im § 1669
bcjeic^netcn, an bic ®enet)migung beö ©egenoormunbeö gebunbenen Sicdbtö*
gefc{)äftc nid(|t olinc ©ene^migung bcö SSormunbfAaftögerid^teö oorne^men
tonne, ift icbod^i angcfid()tö beö geltenbcn Slcdbteö unb rocgen bcr Äom*
810 Sfterlic^c ©ctoalt. SSefc^ränfunfl bcrfelBen. § 1547.
plifotioucn uub ©d&tüicriflf citcn , rocl^c eine fold&c Seftimmung im ^InWicfc
auf baß Sntcreffe bcr Sid^cr^cit bcö 5Bcrfc^reä not^rocnbig mit fid& bringen
mürbe, alö bcbenflid^ cra^tet. ©omeit nad& ben fonfreten Umftänben blc be»
fonbercn, im § 1547 3lbf. 1 ©a| 2, 3 bejeid&ncten SKaferegeln nid^t ouöreid^en
ober nid)t anroenbbar ftnb, bleibt nur bie änorbnung ber ©id^er^eitöleiftung
bejro. bie ©ntjie^ung bcr aSermögenöoerroaltung nad^ äRofegabe bcö § 1547
äbf. 2 unb bcö § 1550 übrig.
^m^^ 9lac^ ber bem § 1689 äbf. 1, 2 entfpred^cnben 33eftimmung bcö § 1547
ei ung. ^^^ ^^ ^^jj ^^^ aSormunbfd^aftögerid&t ferner ju ber 3lnorbnung befugt fein,
bo§ ber 2n\)abtx ber elterli^cn Oemalt ©ic^crfieit ju Iciftcn l^obe (oergl.
auc^ Seuffert XXIX, 147; lübcd. »orm. D. ü. 11. Dftober 1820 § 24;
prcu6. 31. S. 31. II, 2 § 179 ; fcici^f. ®. ». § 1815 ; meimar. Oef. § 14). 35ie
3utäfftgfcit biefer Slnorbnung ift jebod^ baoon abhängig gemad^t, bofe bie im
§ 1547 9lbf. 1 bejcic^nctcn SKaferegeln jur 9lbroenbung ber bcm Äinbe
brol^cnbcn Oefafir nid&t auSreid^enb crfd^eincn. Slufeerbem ergiebt fid^ auä
§ 1550 ©ag 2, bafe bie angeorbnete Sid^cr^eitßleiftung nid^t erjroungen
merben, fonbern bafe, wtnn bie Befolgung bcr Slnorbnung unterbleibt, baft
aSormunbfc^aftßgeric^t bem Sn^o^er ber elterlichen ©eroalt nur bie SBermogcnö*
Dcrroaltung entjie^en fann. 3)iefc 3lrt ber Siegelung entfprid^t nid^t allein bem
preufe. 21. S. 91. II, 2 §§ 182, 267 unb bem fäd^f. ®. 93. § 1815 (uergl. aud^
^cff. ®ntro. III Slrt. 34 Slbf. 2), fonbern empfiehlt fid^ aud^ beö^alb, roeil bie
bireftc ©rjroingbarteit ber ©id^er^eitdleiftung unter Umftänben für ben Snl^aber
ber elterlichen ©eroalt rocgen ber bamit für it)n uerbunbenen Erebitgefa^rbung
grogc .gärten mit fid^ bringen unb gegen baß eigene ^ntereffe beß Jtinbcß
ben SSermögenßoerfall unb bie Untergrabung bcr roirt^fd^aftlid^cn ©siftenj
bcß 3nf)aberß ber clterlid^en ©eroalt unb feiner ganjen gamilie ^erbei?
führen fann.
«ntiietjung Unterbleibt bie Befolgung ber Sttnorbnungen, rodele üon bcm SBor^
«ermJSeti«* munbfd)aftßgcric^tc in ©emöfelieit ber Scftimmungen beß § 1547 getroffen
perwttitunfl. ^^jj^ j^ f^^^ ^Qg S3ormunbfd[)aftßgerid&t nad& § 1550 ju bem äufeerften aWittcl,
ber ©ntjicliung ber aSermögenßücrroaltung, greifen. 6ß genügt baju fd^on bie
obieftioe 3tic^tbefolgung ber Slnorbnungcn, SBie in ben gälten beß § 1546,
Dcrbleibt iebod& bem Sn^aber ber cltcrlid^cn ©eroalt, oorbe^altlid^ ber auß ben
§§ 1532, 1533 fid^ crgebenben 3Jlobififationen, bie elterlid^e 9lufenie§ung
(oergl. in biefer Sejie^ung bie SKotioe ju § 1546 oben ©. 805). S)amit
ftimmt aud^ bie aßc^rja^l ber beftcl^cnben Mtditt überein (oergl. Seuffert VII,
198; preufe. 91. 2. di. II, 2 §§ 182, 267 oerb. mit § 268; lübedt. SSorm. 0. § 24;
fäc^f. ®. 93. § 1815; rocimar. ©cf. §§ 14, 16; ^eff. ©ntro. III 9lrt. 34 aibf. 2).
3lacl^ franj. Siedete (code civil arg. 5lrt. 601, 618) tann bagegen bie elterliche
Slufenicfeung, roie jeber anberc Sliefebraud^, roegen 3)U6brauc^eß entjogen roerben,
roenn ber Jiu^niefeer bie ifim oblicgenben SBerpflid^tungen gröblid^ Dcrlefct
(ücrgl. aud^ bai)r. S. 31. II, 9 § 8 9ir. 6). (gbenfo ift nac^ roürttemb. Siedete
(oergl. roürttemb. S. 9t. IV, 11 § 2) bie (Sntjiel^ung bcr elterlid[|en Siulniefeung
neben ber ©ntjietjung bcr aScrroaltung juläffig.
Supänbiflfeit äßegen ber ©rünbe, auß roeld^cn ber ©ntrourf bie 5ßflid^t unb baß Siedet,
(Berichte«.' unter ben SBoraußfefeungen beß § 1547 gegen ben ^nl^aber ber elterlichen
eacrli^c ©etoalt. Scfd^ranfuno bcrfdbcn. §1548. 811
©Ctoalt ciniufd^rcitcn, abrocid^cnb vom gemeinen SRcd^tc unb bem ital. ®. 33.
Slrt. 233, bem SBormunbfd^aftdgcrici^te übertragen l)at, wirb auf bie ÜJiotioe
ju § 1546 oben ©. 806 Sejug genommen.
3ft bem Sn^aber ber cltetUd^cn Oeioalt nad^ äßafegabc ber §§ 1547, ^fiefl^d^ft
1550 bie aSermögenöocrroaltung cntjogcn, fo tritt inforoeit ntd&t an ©teile ber ^^^^T^^j.
cltcrlid^en (Semalt beö SSaterö bie elterlid^e Oeroalt ber 3Äuttcr, fonbcrn eö ift, ««rtnbgcni*
mie in ben gäUen beö § 1546, auf (Srunb beö § 1738 eine ^flcgfc^aft an^ '*'^«^*««8-
juorbnen (üergl. aud^ Ijeff. @ntro. III 9lrt. 31; ital. ®. S. 3lrt. 233; roeimar.
©ef. D. 27. anärj 1872 §§ 14, 16).
§ 1548.
2Bät)renb nad& gemeinem Siedete, bem öftcrr. @. )ö., bem franj. Siedete ffiteb«.
unb bem fäc^f. ©. 83. bie SBieberoer^eiratfiung beö SBaterö auf bcffen SteUung JeJ^^JÄ
bcn Äinbcrn gegenüber, inöbefonberc aud^ in Slnfe^ung ber SJermögcngs bereiteri.
pcnoaltung, ofinc ©influfe ift, legt eine gro^e Qa\)l anberer Siedete bem 3[}ater ^^^^'
ober überhaupt bem Überlebenben ®lterntf)elle, menn er eine neue @^e fd^liefeen ®S{^t*'
will, bie SSerpflic^tung auf, t)or ©d^liefeung ber neuen @^c bem SSormunbfd^aftö-
gerid^te ein ?Jerjeidbni§ beö feiner SSerroaltung unterliegenben Äinbeöoermbgenß
cinjurcid^en unb ftc^ mit ben Äinbern ber früheren ®t)e megen beö SBermögenö
bcrfelben, inöbefonbcre megen beö von bem üerftorbenen ®ltemtl|eilc ererbten
SSermögenö, auöeinanberjufejen. 3^"^ ^^Kit bcftimmen bicfe Siechte aufeerbem,
ba^ ber bctrcffeubc ©Iterntljeil ben Äinbern wegen beö SBermögenö berfelben,
iDeld^eö feiner äJerroaltung unterliegt, ©id^er^eit ju leifku l)Qbt (oergL bie
3ufammenftellung bicfcr Siechte bei ö. ©ic^ercr, baö 3leic^ögcfc| über btc
SSeurfunbung bcö-^erfonenftanbeö u. f. w. ju § 38 unter 9lr. VI). 3" ^^^\^^
©ruppe oon Siedeten geprt inöbefonbere aud^ baö preufe. 91. S. di. II, 1 § 18,
II, 2 §§ 187, 188, 191, II, 18 §§ 970 ff. Saöfelbc üerpflic^tct ben SBater,
rocnn er fid^ roieber t)er^eiratl)en will, jur äluöeinanberfeßung mit feinen
Jtinbem unb jur geftftellung iljreö SBermögenö unter 3iiiicl)W"8 ^i"^^ Äuratorö.
SKu^erbem mufe ber SBater baö SBermögen ber Äinber auö poriger ®l)c (ob
baruntcr nur baö mütterlid^e SSermögen ober aud) anbercö Vermögen ju oer*
fte^en, ift beftritten) auf feine ©runbftüdEe unb ©ered^tigfeiten eintragen laffen;
bo^ l^at biefe ©intragung nur ben Äarafter einer oormunbfd&aftlid^en Kaution
nac^ aWaggabc ber §§ 427, 428 II, 18 3(. S. SR. ^ann ober roill ber SSater
bie Sid^ertieit nid^t leiftcn, fo mirb il)m bie aSerroaltung beö SSermögenö ent*
jogen. ©obalb bie SBerpflid^tung ju biefer ©i^erlieitöleiftung eingetreten ift
(oergl. 21. 2. SR. II, 2 § 187; än^. § 89), ift ber SBater oerpflid)tet, bem
aSormunbfc^aftögericbte baoon 2lnjeige ju mad^en. Jöerfdumt er bicfe ^ftic^t
corföfelid^, fo oerlicrt er ben Siiefebrauc^ (II, 2 §§ 199, 200).
gür bcn Sejirf beö Dberlanbeögerid&teö 6öln fc^reibt ferner bie preufe.
aSorm. D. v. 5. 3uli 1875 § 95 3lbf. 2 t)or, bci% ber SBater, roelc^er ju einer
neuen ©^e fd^reitet, baö SBermogen ber ftinber unter SRitroirfung eineö t^ffcgerö
bur^ ein oon bem SSatcr bem aSormunbfc^aftögcrid^te cinjureic^enbeö aSer?
jei(^ni& feftjuftellcn ^at. 5Rad^ franj. SHed^tc t)at ber SSater nac^ bem 2^obc
ber ÜRuttcr alö gefefelid^er SJormunb bie 5ßflidl)t jur ©inrcic^ung eineö aSer*
8 1 2 eitccU^e ©ettjalt. Sefd&ränfuno bcrfclbcn. § 1548.
mögcnöocrjcit^niffcö fc^on beim Segtnnc ber SBormunbfd^aft (code civü Slrt. 390,
451, tjcrgl. au6) Ml entro. III STrt. 32). 5Dicfc ^flid&t ift burd) bic prcufe.
SBorm. D. § 95 2lb|. 2 ücrgli^cn mit § 35 9lbf. 2 bcfcitigt unb bur(^ bic
angeführte Seftimmung crfcftt. SBie mä) franj. SWe^tc, bcburftc eä aud^ iiad^
bem fQd)f. ©. S3. für bcn gall ber SKicbcrocrl^ciratliung beö aSatcrö feiner
befonbercn Scftimmung, um ben Seftanb bed ÄinbeöDcrmögenö burc^ ©in^
rcic^ung eines SBeräcid^niffcö fcftjuftellen, ba ber SBatcr naä) bem fäd^f. ®. 33.
§ 1813 allgemein iuoentarifationöpflid^tig ift. 2)aö rocimar. ®ef. o. 27. SKärj
1872, nac^ mefd^em ber Sniiaber ber elterlichen Oeioalt ebenfalls unbebingt
jur einreid)ung eincö SBermogcnöücrjcid&nijfeö üerpflic^tet ift (§ 12), legt bem
93atcr für bcn galt ber 2Biebcrücrl)ciratl)ung aufeerbem bic a3erpflid)tuug jur
©id^erl^eitöleiftung ober ^ur Hinterlegung ber Sn^aberpapicre auf. Somcit
^ierburd^ ^inreid^enbe Si^er^eit nici&t ju erlangen ift, foU bem SJatcr bic SBcr*
mögendoerrooftung, unbefc^obet beö bemfelben t)crb(eibenben ^ticfebraud^eö, cnt^^
sogen werben (§§ 14, 15).
®*^J^""** 3n Ucbereinftimmung mit ben befte^enben SRed^ten gel)t ber ©ntiourf
cntwurfcö. iunäd^ft baoou aus, bafe bic SBicberocrlicirat^ung beö SBotcrö auf bcn gort-
beftanb ber clterlid)cn ©croalt, einfd^lie6lid& ber clterlid^cn Slufeniefeung, oI)ne
bfr^tuÄ« ©influfe ift, yiad) § 1558 wirb aUcrblngö bic elterliche ©eroalt ber aKutter,
©ewait ber Dorbcl^atttid^ bcr 5ßfticf|t unb beö 9tedE)teö ber tljatfäcfilidöen gürforgc für bic
««"«• vjierfon beö Äinbcö, baburd^ becnbigt, bafe bic 5öluttcr eine neue ei)e fd^tiefet.
S)iefe ücrfd^iebeuc SSc^anblung beö SSatcrö unb ber 3Äuttcr red^tfcrtigt fic^
aber nid^t allein bur(^ bie SRüdEjtc^t auf baö gcttenbe Siedet, fonbern aud&
burd^ bie ©rroägung, bafe bie ©efaf^r einer ©ntfrembung beö roieber lieirat^enben
©Itemtfieileö gegenüber ben Äinbern ber frülieren G^e erfa^rungömöfeig im
galle ber SBiebcrocrljcirat^ung beö SSaterö roeit geringer ift, atö im galle ber
8Biebert)er^eiratf|ung ber SDlutter. 3mmerl)in ift jcboc^ aud^ im erftcrcn
galle mel^r ober roeuigcr bie ®efal)r einer SSerbunfelung bcr SBcrmögcnö?
ücr^ältniffc ber Äinber auö ber früheren ©^c begrünbct unb cö beö*
l^alb jur Sßermeibung einer foldben 33crbunfctung unb jur 3lbfc^neibung
fünftigcr ©treitigfciten atigejeigt, bem 3nl)aber ber elterlidöen ©croalt,
o^ne Unterfcfiieb jroifd)cn SSatcr unb 2Wuttcr, nid^t nur bic SJerpflid^tuug
»erm»0cn«. aufjucrlcgcu, üor Sd^liefeung ber neuen 6lje bem SSormunbfd^aftögcrid^tc
peraeic^nifr ^^^ SBcrjcid^nife beö feiner SSerroattung untcrliegenbcn 3Scrmogcnö ber Äinber
einjureid^en, fonbern aud^, wenn er unb baö Äinb ben anberen S^^eit
8(u«€inanber« beerbt l)aben , bie Sluöeinanberfegung in 9lnfe^ung ber ©rbfd^aft, unb
f«»unfl. ^^^^^ ^jg 3icQd t)or Sd^licfeung bcr neuen ®f)c, l)crbcijufüfircn (oergl. aud^
§§ 1404, 1734). S)a jcbodö unter befonberen Umftcinbcn bie gortbauer ber
©cmcinfdbaft im 3;i^terefie ber 9lufrcd^tcrf)altung ber biöl^erigen SBirtlifd^aft
unb ber Subfiftenj bcr gamilie liegen unb inöbefonbere oon biefem ©cfidlitö«
puntte a\i& and) bem Äinbc oortljcilbaftcr fein, ba ferner unter Umftänben
bie Dollftänbige Sewirfung ber Sluöcinanbcrfegung fid^ länger |)injieljen fann,
fo ift eö angemcffcn, bem 9Jormunbfd5aftögcric^tc bic 33efugnife beijutcgen,
auönaljmöweife au^ befonberen ©rünbcn t)on bcr Sluöeinanbcrfeßung oor
©d^licfeung bcr 6^e abjufel)cn, unb auf bief« SBcifc bem SBatcr ober bcr
aWutter oI)ne por^erige Stuöcinanberfctuug bic SGßieberoerl^eirat^ung ju crmög«
eitcrlt*e ©Ctoalt Scfd6ran!ung bcrfclbcn. §1548. 813
lid^en (ocrgl. § 1242). ©clbftoerftänblid^ ift axiö) nic^t auögcfc^Ioffen, bafe in
änfc^ung cinjelncr ©cgenftänbc, j. 35. cinjelner (Srunbftüdfe, bic Oemcinfd^aft
auö bcfonbcrcn ©riinbcn fortgcfc^t roirb. ©ofe jum Sw^^rfe bcr 3lußemanber5
fcfeung bem Äinbc ein ^Pfleger beftcUt werben mufe, ergiebt fid^ quo § 1738
rerb. mit § 1503 5ttbf. 1 unb § 1651 3lx. 1. ©in »ebürfnife, bie Sluöeinanbcr*
fcfeungdpflid^t auä) auf anbcrc bem Äinbc unb 3nl)abcr ber elterlichen (Seroalt
gcmeinf^aftlid^ jufte^enbc ©rbfd^aften auSjubc^nen, liegt ni^t t)or. 2)er
mid^tigfte unb ^auptfall mirb burd^ bie SBorfd^rift beö § 1548 getroffen.
Sßon ber SJerpftid^tung beö 3n^aberö bcr eltcrlid&cn ©eroalt jur ©in*
rcid^ung eineö SSermögenöocrjeicibniffeS geftattet ber ©ntrourf ju ©unften beö
Sn^aberö ber elterlichen ©eroalt in feinem galle eine 9luöna^me, aud^ bann
nid^t, roenn nadd ^^" fonfreten SScrJ^ältniffen jebe ©efälirbung beö Äinbcß afe
auögefd&loffen anjufel^en fein foUte. S)ie Slufnal^mc eineö foId)cn SBerjeid^niReö
ift roegen ber fonft leidet nad& bem S^obe beö SSaterS entftel^enben ©treitig«
feiten unter allen Umftänben jroedEmäfeig unb fann bem Sn^aber bcr elterüd^en
©eroalt, o^nc bafe bemfelben baraud eine er^eblid^e Seläftigung erroäc^ft, im
3nteref|c beö Äinbcö unbebingt auferlegt roerben. S)ic ÜKutter ift o^nel)in
nac^ erfolgter SBieberoerl^eirat^ung auf ©runb ber §§ 1558, 1503 9lbf. 1 Dcrb.
mit § 1700 9lbf. 1 jum Qmtdt ber SRedfinungölegung ein aSerjei^nife ouf*
junelimen ocrpftid^tet.
3?a eine regelmäßige 9luffi(^t beö SSormunbfd^aftögeri^tcö bei bcr ctter« «njeifle
lid&cn ©eroalt nid^t ftattfinbet, fo ift bem Sn^aber ber cltcrlid&en ©eroalt „^„t^^^aftl
oufecrbem bic 93crpflid^tung auferlegt, oor ©d&liefeung ber S^e bem aSor* itvid^tt.
munbfd^aftögerid^tc Don ber beabpd^tigten (S^efc^liefeung Slnjeige ju machen,
bamit baöfclbc bie erforbcrlid&cn Slnorbnungen ju treffen in ber Sage ift.
3Bcitcrc 93erpflid()tungen, inöbcfonbcrc bic SBerpftic^tung jur Sid()cr^citös ©ii^crwt«»
Iciftung, foUcn mit ber SBicberoerl^ciratlöung beö SSatcrö nid^t oerbunben fein. ^**^*""^
©urdd bie 9Bicben)crl)eirat^ung beö 33atcrö alö fofd)e roirb baö Sntereffc beö
Äinbcö in ocrmögcnörcd&tlid^er 33ejie^ung rcgclmafeig nidbt in ber 9lrt gc«
fä^rbet, baß jum Sd^u^c beö ftinbeö bem SBater bie ^flidöt jur ©id^erl^eitö*
Iciftung aufjucrlegcn unb für ben gall, bafe er bicfer ^-ßflid^t nidöt na^«
fommt, bem aSormunbfd&aftögcric^te bie Sefugnife einzuräumen ift, bem
SSater bie aScrmögcnöucrroaltung ju entjic^en (§ 1550). 2)ie allgemeinen Sc*
ftimmungcn beö § 1547 reid^cn auö, um baö Äinb im gaDc ber SBieber?
t)er()eirat()ung beö SSaterö gegen bie bem 5iinbe barauö ctroa erroad^fenben
©efatjren ju fd&ügcn. aWit ber aBieberoerl^eirat^ung alö fold^er bic 33er«
pflic^tung jur Sic^er^eitöleiftung ju rerbinben, fann für ben 93atcr große
gärten mit jtc^ bringen unb jur S^trüttung feiner SScrmögenöücr^ältniffe
führen, roenn er eö nid^t tjorjie^t, ftatt Si^er^eit ju leiften, bic elterliche
SöcrmogenöDcrroaltung ju ocrlieren. @inc bcrartige ©rfd^roerung empfieljlt
fic^ mä) nidEit t)om Stanbpunftc beö 3ntcrcffeö beö Äinbcö auö, ba in oiclen
gällcn bic SBiebcroertieirat^ung gerabc mit SRücffid^t auf baö 3ntcreffe beö
Äinbeö erfolgt unb auc^ im Sntereffe beö Icfetcren liegt. S)iefc 33ebenfen
roerben auc^ bann nicbt befeitigt, roenn man bem 93ormunbfd^aftögerid^tc bic
SBcfugniß beilegen rooUte, unter 33crüdftd^tigung ber fonfreten 33cr^ältnif[e
bem SBater bic SSerpflid^tung jur Sid&crlicitöleiftung ju crlaRen. 3n üielcn
814 (5rtcrrid6c ®malt Sßcfc^ranfunfl berfclben. § 1549.
gällcn Toirb cd bem SBonnunbfcl^aftögcrici^tc an objcftbcn Slnl^atepunftcn für
eine Diöpcnfotion fcblen. Slufeerbcm tft ju beforgcn, bafe eine berartige Sc-
ftimmung in bcn Dcrfd^icbencn Xl)txkn bcö Slci^eö ju einer oerfd^iebencn
^^JrQfiß fül)ren unb fo bem 3w)e(fc beö ®efeftbud|cö, au6) in ber fiicr frag-
lid^cn ÜJlatcrie einljeitlic^eö 9?ed|t jU fd^offen, gefäfirben fonnte. ®egcn bic
33erpflici^tung jur (5id|cr^eitö(eiftung fpri^t ferner baö, nantentlid^ in einer bie
perfönlid^en JJntereffen fo tief berü&renben SKaterie wie biefer, fd^rocrroiegcnbe
Sebenfen, bafe bie Slnerfennung einer foldöen 33erpf(id&tung gegenüber bem in
grofecn SRed^tögcbieten geltenben 5Weci^te alö eine erl^eblid^e 9leucrung fid^ bar*
ftellcn mürbe. 2lud& bie 93orf(^riften beä preufe. 31. S. SR. über bie Art unb
bcn Umfang ber ©i(^erl^eitdleiftung finb ber 3lrt, bog biefelben in bcr grofeen
aWel^rial^l ber %Süt gegenftanbdloö finb.
«ntaie^ung Um bic (SrfüHung ber bem 3nl|aber ber elterlichen ®emalt in ©emaß?
»ermögen«, ^txt btx Scftimmungcn beö § 1548 oblicgenben SJerpflid^tungen pd&crju*
«ejtoaitung. ^i^ji^n bejTO. bic für bcn %aü bcr ^lid^terfüttung bem ftinbe bro^enben ©e^
fafircn abjuroenben, legt bcr § 1550 bem SSormunbfd^aftögcrid^te bie Sefugnife
bei, bem 3nf)abcr ber elterlid^en ©cmaft bie SBermögenöocrmaltung üu ent*
jicl^cn, menn bie ©rfüUung jener 3Serpf[id^tungen unterbleibt (ocrgl. aud^ preug.
31. S. 91. n, 2 §§ 182, 267; meimar. ®cf. ü. 27. 3Rärj 1872 §§ 14, 15).
Db Don biefer Sefugnife erft nad^ oorgängiga* Slufforbcnmg ®ebrauc^ ju
mad^en, ift bem oernünftigen ®rmeffen bed SSormunbfc^aftägerid^teö unter
33erüdfpc^tigung ber Umftänbe bcö fonfreten galleö ju überlaffen. 3lu6erbcm
«Hmbemi^. i^^Qjl^t bcr § 1242 bic B^l^ffung jur 6f|efd^lie6ung von ber ©rtl^cilung eines
3eugniffeß beö SBormunbfd^aftögerid^teö obi^ängig, bafe ber Sn^aber ber cltcr*
lid^en ©eroalt bie im § 1548 bejcid^neten SBerpflid^tungen erfüllt ^at (t)ergl.
preufe. 31. S. % II, 1 § 18 unb bie SWotioc ju § 1242 oben ©. 33).
b^'SSiiS^n ^^^^ ^^^ Sni^aber ber etterlid^en ®eroalt bic SBermogcnöDcrroattung
shume^ung. cutjogcn, fo ücrbtcibt i^m bie eltcrtid^e Sflugniefeung nad^ SKafegabe ber
§§ 1532, 1533 (oergt. aud& preufe. 31. S. 3t. II, 2 §§ 182, 267 ücrglic^cn mit
§ 268). ®ie lebiglid^ bcn Äarafter einer ©trafbeftimmung an ft^ tragenbe
aSorfd&rift beö preufe. 31. 2. S». II, 2 § 200, bafe bcr SBatcr bcn 9lic6braud&
oerliert, roenn er bie i^m obtiegenbe 3lnjcigc an bad SBormunbfd^aftögerid^t
Dorfäglid^ Dcrfäumt, empfiel^lt ftd^ nid^t unb ift burd^ ein praftifd&cfi Scbürfnife
nid^t geboten. S)ie aSorfdiriften ber §§ 1550, 1242 reld^cn auö, um bie ®r«
füBung ber im § 1548 bcjcid^neten aSerpftid^tungcn ju fidlem.
^aftung^be« ©bcnforocnig ift eö burd^ überroiegenbc praftifd^e ®rünbe gered^tfertigt,
«Regatten, im 3tnfd^tuffc ttu ät)nlid^e SBorfd^riften bcö franj, SRec^tcö (code civil 3lrt. 395 ;
Dcrgt. aud^ ^cff. ©ntro. III 3[rt. 27) pofitio ju beftimmen, bafe roegen 9Hd^t?
crfüHung bcr bem 3nl^aber bcr eltcrlid^cn ©croatt nad^ § 1548 oblicgenben
aScrpflid^tungen ber neue ©begatte beöfelbcn atö Sürge haftet.
§ 1549.
Äofteiiber 3lnlangenb bic öeftimmung bcö § 1549 3lbf. 1, fo roürbe cö, rein
?ijrS iuriftifc^ betrachtet, ba& SRiditigc fein, bic im § 1549 Slbf. 1 bezeichneten Äoften,
^itsieiftung. joiDcit bicfclbcu in 3lnfc^ung be« bcr elterlid&en Slugnicfeung unterliegenben
ertcritcftc ®ctt?alt. IBcfiränfuiiö. SBaifenratJ. §§ 1550-1552. 815
SBcrmogcnö cntftanbcn finb unb bic 9lii6wnflcti jenes SBermögcnö nW^t über*
fteigen, bem ^n^aber ber efterlid^cn ©etoalt (t)ergl. § 1531), im Uebrigen bo^
gegen, inSbefonbere inforoeit, ate bicfclben in 3lnfe^ung beö freien SOermögenö
beö Äinbeö entftanben ftnb, bem leiteten jur Saft ju legen (uergl. § 1530
aibf. 1 9lr. 2, § 1689 Slbf. 5). 3m Sntereffe ber einfad&^eit bcß ®efe|eö unb
mit SRüdtfid^t barauf, bafe bie l^ier fraglid^en Äoften burd^ baö SBerl^alten bed
3n^aberö ber clterlid^en ©eroalt ober bod^ burd^ Umftänbe, roeld^e in ben SSer-
l^ältnijfen befi legtcren liegen, tjerantafet fmb, ift eö jebod^ alö unbebenfUd^
crad^tet, jene Äoften ofine Unterfd^ieb nnbebingt bem Sn^aber ber elterlid^en
©eroalt }ur Saft }u legen.
aOBegen ber Segrünbung beö § 1549 2lbf. 2 wirb auf bie auc^ l^ier
roegen Analogie bcö aSer^altniffeö jutreffenben Sluöfül^rungen in ben ÜJlotiüen
ju § 1689 Sejug genommen.
§ 1550.
S)ie SBcftimmungen beö § 1550 ^aben bereits in ben Sßotioen ju §§ 1547, «ntaie^una
1548 oben ©. 810, 814 itjre Segrünbung gefunben. «er^en«.
oenoaltiing.
§ 1551.
^ie Seftimmung beö § 1551 @a| 1 folgt baraug, bag bie bort be$ «uf^ebung ic
jei(^netcn Slnorbnungen Sluöffufe beö bem aSormunbfd^aftßgcric^te jufte^enben ^^^l
Sluffid^töred^teö finb. SBegen ber SBeftimmung beö § 1551 Sag 2 roirb auf »»nn-
bie 3KotiDe ju § 1689 Dcrroiefen. Sluö ber entfpre^enben 3lnroenbung beö ••^*****-
§ 1689 9lbf. 3 ergiebt fid^ namentlid^, bag baö SSormunbfd^aftögeric^t bie ^v^
^ö^ung, SSerminberung ober äluf^ebung ber befteUten Sid^er^eit nur anorbnen
fann, fotange bie elterliche ©eroalt beö 3n^aberö, roelt^er bie ©ic^erl^eit ju
leiften ober geleiftet I>at, nid^t beenbigt ift.
§ 1552.
S)ie an ä^nlid^e 58orf^riften beö roeimar. ©ef. v. 27. STOärj 1872 § 112 sRitwirtung
unb ber bab. 3Baifcnrid(|ter*3nftru!tion ü. 17. 3uU 1879 § 16 (oergl. aviä)^^^^^^^
preufe. ©cf., betr. bie Unterbringung rerroal^rlofter Äinber, t). 13. STOärj 1878
§ 9) ftd^ anfd^liefeenbe Seftimmung beö § 1552 bejroedEt, baö in baö SBormunb*
fd^aftöred^t (§ 1725) aufgenommene Stiftitut beö ©emeinberoaifenrat^eö aud&
in SKnfe^ung ber unter efterüd^er ©eroalt fte^enben Äinber in ber im § 1552
be}eid^neten äßeife nupar ju mad^en. @ö roerben baburd^ namentlid^ bie
aSorf^riften ber §§ 1546, 1547 im 3ntereffe oerroa^rlofter ober in il^ren SRed^ten
gefä^rbeter ^auöKnber eine größere praftifd^e Sebeutung geroinnen fönnen.
2)em ©emeinberoaifenrat^c, entfpred^enb bem § 1725, ein roirflid^eö Sfufftd^tö*
recbt über bie unter elterlid^er ©eroalt ftel^enben Äinber beijutegen, roürbe
bagegen mit ber ©teöung beö 33ormunbfd^aftögcrid&teö gegenüber bem 3n^aber
ber elterlichen ©eroattlnid&t tjereinbar fein. Stellt bem aSormunbfd^aftögerid^te
gegenüber bem Snl^aber ber clterlid^cn ©eroatt ein regelmäfeigeö, jur ®im
816 etcrlid&c ©ctoalt. Äonfurö beö Snbaberß. §1553.
mifd&ung in bic gamilicnoer^altniffc bcrcd^tigcnbcö Slufftc^törcd^t nid^t ju, fo
!ann ein fold^eö au^ bem ®emcinben)aifcnrat(|e ald einem untetftügenben
Organe bed SJormunbfd^aftggerid^ted nid^t eingeräumt n)erben.
3m Uebrigen wirb wegen beö Snftituteö beö ©emeinbemoifenrat^eö, ins*
befonbere roegen ber ©rünbe, auö meld&en baöfelbe überhaupt in boö Oefe^
bud^ aufgenommen ift fomie wegen ber ben Sanbeögcfeggebungen in 9tnfel^ung
biefeö 3nftituted tjorjube^aftenben SSeftimmungen unb wegen ber S'^ogc, in*
mierocit bie ©emeinbcmaifenrät^c wegen SSerCe^ung ber i^nen oblicgcnben
^PPid^tcn prioatreditlic^ oerantwortlid^ fxnb, auf bie SMotioe ju § 1725 oer*
wiefen.
§ 1553.
BeenDiguns S)a nad& § 1534 iu »erbinl/ung mit § 1 3rbf. 1 ber Stonl D. bie Sichte,
«ermsj^enf' weld^e burd^ bie elterlid^e 9iuftnie§ung an ben ju bem SBermögen beö ßinbed
'''T*^"" gel^örenben ©egenftönben begrünbct finb, im galle ber ©röffnung beö ßonfurfeö
ironfur«. über baö SJermögen beö 3n^aberö ber elterlid^en ©ewalt nic^t jur Ronhirömaffe
gel^orcn, fo fel^It eö an einem auöreid&enben ©runbc, nad^ bem SSorgange beö prcufe,
21. S. % II, 2 §§ 206, 268 m\> ber olbenb. ©efefee jur aiuöfü^rung ber Äonf. D.
0. 10. Slpril 1879 SKrt. 52 unb ü. 2. Slprif 1879 Silrt. 35 mit ber Eröffnung beö
Äonfurfeö über baö SBermögen beö 3^fia6crö ber elterlid^en ©ewalt bie elterlid^c
5Rugnie6ung überhaupt beenbigen ju {offen, um baburdö itn 3ntereffe beö Rinbeö
ben Ucbergang ber niefebräud^Ud^en SBerwaltung beö Äinbeöoermögenö ouf ben
Äonfuröoerwalter ju tjer^inbem (oergL § 1 3lbf. 2 ber Äonf. D.). S)agegen
empfietjlt eö ftd^ im 3nteref[e beö Äinbcö, an bie SWed^tötraft beö Scf^Iuffeö, burd^
welchen ber Äonfurö über baö SBermögen beö 3nf|abetö ber elterlid&en ©ewalt
eröffnet wirb, ben SSertuft ber elterlid^cn SBermögenöoerwaltung }u fnüpfen,
eineötl^eitö um baburd^ bie eltcrlid&e 9?ugnie§ung ben aM ben §§ 1532, 1533
fid^ ergebenben, eine jwedentfpred&enbe ^erwenbung ber Slufeungcn fid^emben
Scfd^ränfungen ju unterwerfen, anbererfeitö um bie bem SBermögen beö Rinbeö
bro^enben ©efal^ren abjuwenbcn, weld^e mit ber ©röffnung beö Äon!urfeö über
baö 93ermögen beö 3n^aberö ber elterlid^en ©ewalt wegen ber ÄoBifion ber
3ntereffen beö legieren unb beö Äinbeö, fowie wegen beö SBermogenöoerfaUeö
beö 3n^öbcJ^s ^^ elterlid^en ©ewalt me^r ober weniger immer Derbunben finb
(oergl. ani) §§ 1547, 1550). Sttuf ä^nlid^en ©rwägungen beruht bic 93e«
ftimmung beö § 1705 3lx. 2 in SBerbinbung mit § 1640 9ir. 2, bafe ein 5Bor*
munb an^ bem ©eftd^töpunfte ber Unfä^igfeit entlaffen werben mufe, wenn
über baö SBermögen beöfelben ber Äonfurö eröffnet wirb, ferner bie SBeftimmung
beö § 1327 5ftr. 3, bafe bie e^elid&e ^lugniefeung unb SScrwaltung mit ber
SRec^töfraft beö Sefd^luffeö enbigt, burd& weld&en ber Slonfurö über baö SBer^
mögen beö ß^emanneö eröffnet wirb. Safe in biefem galle nid^t nur bic el^e*
lic^e SBerwaltung, fonbem aud& bic el^elid&e SRu^niefeung beenbigt wirb, ^at
feinen ©runb in bem engen inneren Swfßtnmen^ange, in weld^cm jene SBcftanb*
tfieite beö el)emännlid&en Sled^teö mit einanber fte^cn. SBie ber ©ntwurf, läfet
awä) baö preufe. 21. 2. SR. II, 2 §§ 206, 268 in bem ^ier fraglichen galle bic
Scenbigung ber SBerwaltung beö SBaterö in Slnfe^ung beö nid^tfreien SBer*
mögenö beö Ainbeö fraft ©efegeö eintreten ; bagegen wirb baö nac^ bem preufe.
elterliche ©etoalt. Äonlurß beö 3nr)a6ere. §1553. 817
3t. S. SR. II, 2 § 159 bcm aSater jiiftel)cnbc d{ed)t bcr üormunbfd&oftlid&cn Sßer^
loaltung bcö freien Äinbcdüerraögcnö bnxö) bic ©röffnung bcö Ronfurfeö über
baö aScrmögen beö SSaterö nid^t berührt, ba md) bem prcug. 31. S. 9i. bcr
©cmcinfc^ulbncr als fold^cr nid^t unfähig ift, SBormunb ju fein, ^nbeffen ift
es bcftritten, ob unb inroieroeit in biefer ^infid^t bie lanbrcd^tlid^en aSorfd^riftcn
in 5preu§cn burd& bie prcug. SBorm. D. v. 5. 3uli 1875 § 102, besu). § 21
3lv. 4 t)erb. mit § 63 3tbf. 2 als befcitigt anjufel^en pnb. 3^ ^i^^^n ä^n^
ü(^en SRefuItate, wie ber ®ntrourf, füt)ren audb bic S3eftimmungcn bcö föd^f.
®. 33. § 1815 unb bcö rocimar. ®ef. t). 27. SKörj 1872 § 14; bod) tritt md)
biefcn Oefeggcbungcn bcr SBerluft ber SSerroaltung nid^t froft bcö Oefefeeö ein.
Sfnbcrerfeitö ftimmcn biefelben barin mit bem ©ntmurfe übercin, bafe bem SSater
troft ber ©ntjie^ung ber SSermaltung burtfe baö SBormunbfc^aftögerid^t bic elter-
Ud^e ^lufcniefeung tjcrbleibt. 3lud^ nad^ franj. Siedete ift bic ©röffnung bco
Äonfurfcö über baö SScrmögen bcö S^l^öbcrö bcr eIterUdE)cn ©croalt auf bic
cltcrlid^c Jlufenicfeung ol^ne ©influfe (t)erg(. code civil SKrt. 384). 3)agcgcn
nimmt bie franj. S^riöprubenj on, bag bem 33ater unter Umftönben auf
®runb bcr SKnalogie bcö 3lrt. 444 beö code civil im ^alle beö Äonfurfeö bic
aSermögcnöüerroaltung cntjogen roerbcn fann. 3lefinlidö ift ber ©tanbpunft
ber gemeinred|tlid&en ^jjrayiö (ücrgl. ©euffert IIl, 342, XXIX, 147). ©ebt
man auö bcn oben angefül^rtcn ©rünben baoon auö, ba§ cö im Sntereffe beö
Äinbeö angemeffen ift, bcm ^nl^abcr ber elterlichen ©emalt im gallc beö Slon-
hirfeö bie eltertid^e SSermögcnöücrmoItung ftctö ju entjicl^en, fo bicnt eö jur
SBereinfad^ung beö 9Seröältnif[eö, bcn SBcrIuft ber eltcrlid&cn SSermögenöocrroaftung
mit bem im § 1553 5Kbf. 1 bejeid^nctcn g^itpunttc fraft beö ©efefeeö eintreten
ju laf[en. 3)ie ©rünbe, auö meldten baö 3lmt bcö aSormunbcö in einem
fold^cn gatte nid&t fraft bcö ©efefecö bcenbigt mirb, fonbcrn eine ©ntlafjung er*
forberlid^ ift, treffen bei bem 3n^aber ber elterüdöen ©cwalt nid^t ju, ba beffen
SRed^t nid^t auf ber Seftellung burd^ baö a3ormunbfdE)aftögeridbt, fonbcrn un^
mittelbar auf ©cfe| berul^t, ber Snl^aber ber cltcrlidEien ©cmalt jubcm einer
regelmäßigen Auffielt bcö aSormunbfd&aftögcrid&tcö nic^t unterliegt.
SBäfircnb nad^ bcm prcufe. 31. S. SR. ber SBatcr bur^ bie ©roffnung bcö 5Bieb«rcin.
ftonfurfcö bie gSerroaltung bauemb mliert, beftimmt bcr § 1553 3lbf. 2, bafe 'cSns'/
baö SBormunbfd^aftögerid^t bem Sn^aber bcr cftcrlid^cn ©cmalt nad^ Scenbigung «^»«»««0.
beö Äonfurfcö, mag bie legtere burd^ Sluf^cbung ober ©inftcUung beö Äonfurc*
Derfa^renö f)erbeigefüfirt fein, bie SSermögenöocrmaltung mieber einräumen
fann. (So mürbe ungercd^tfertlgt fein, bicfelbe bem 3n^abcr bcr eltcrli^en
©emaft länger t)orjuent]^aIten, alö bieö burd& bie Umftänbc im Sntcreffe bcö
ftinbeö geboten ift. gür biefe aSeftimmung fprid^t aud^ bie Slnalogic bcö
§ 1551 ©ag 1.
S)ie 58orfc^rift bcö § 1553 Stbf. 3 red&tfertigt ftc^ burc^ biefelben ©r^
roägungen, auf meldten bie SSorfc^riften bcö § 1553 3lbf. 1, 2 berul)cn. S)cr
^auptfall, in roeld&em bic Seftimmung beö § 1553 Slbf. 3 t)on Sebeutung ift,
ift ber, wenn bie üRutter roä^renb ber S)auer beö Äonfurfcö über iljr SBcr^
mögen bie elterlid^c ©emalt erlangt (§ 1501 aibf. 2, § 1559 3lbf. 2). 3lbcr
and) im gaUe ber Segttimation (§§ 1579, 1583) ober ber Slnna^mc an ftinbeö*
ftatt (§§ 1601, 1621) fann jene Seftimmung praftifd^ mcrben.
SRotioc |. bflroerl. Oefe^bui^. lY. 52
818 eitcclid&c ©ettjalt. SRulfeeii. § 1554.
6. SWul^cn unb Sccnbigung bcr ettcrüd^en (Scroalt.
§ 1554.
wu^en 2)cr § 1554 regelt, abgefel^en von bem im § 1556 bcjeid^ncten fpejiellen
^''S"^*" gaUe, bieienigen %mt, in rodeten bie elterliche ©emolt, roeit ber 3n^aber ber^
felben an il^rer 3ludübung red&tlid^ ober t^atfäd^lidö oerl^inbcrt ift, biö jur
SBefeitigung beö ^inbemiffeö rul^t. 3n biefen gäHen mu6, foroeit nid&t nad^
§ 1555 an ©tette ber rul^cnben eltcrtid^cn ©croalt bcö ^atcrö bie ettcrlid^c
©eroalt ber aWutter tritt, roäl^renb beö 9lul)enö ber elterlichen ©eroalt naci^
§§ 1633, 1703 9lr. 3 eine SBormunbfd^aft über baö Äinb eingeleitet werben,
dagegen foll bie elterliche Siufeniefeung bem Sn^aber ber elterlichen ©eroalt,
trogbem bie le|tere im Uebrigen ruljit, nad^ SBafegabe ber §§ 1532, 1533
verbleiben. ®em 3n^aber ber eltcrlid&en ©eroalt in ben Ijier fraglid^en
gätten roä^renb bcö SRul^end ber elterlichen ©eroalt bie mit bcr elterlichen
^Jlufenie^ung oerbunbenen SBermögcnßüort^eile ju entäicl^en, ift im ^inblidfe
auf bie in biefen gäHen eintretenben, im § 1632 bcftimmten 93cfd^ränfungcn
ber elterlichen ^lufeniefeung im 3ntercffe bcö Äinbeö nid^t geboten unb
roürbe anbererfeitö in ben meiften l^icr in grage tommcnbcn gäUen eine
unbiKige §ärte gegen ben Snljiober ber elterlichen ©eroalt mit fid) bringen.
3luC6 in bem gaKe, in roeld^em bie elterliche ©eroalt in golge ber ©nt-
münbigung beö Snl^aberß bcr elterlichen ©eroalt roegen SBcrft^rocnbung rul^t
(§ 1554 Sabf. 1 ©ag 1 Dcrgl. mit § 70), ift cd nic^t gerechtfertigt, baö
Sinken ber elterliC&en ©eroalt auC^ auf bie elterliche Siulnicfeung auöjubel^nen,
jumal felbft in ben fallen, in roelC^cn bem Snl^aber ber elterlichen ©eroalt
auf ©runb beö § 1546 bie elterliche ©eroalt entjogen ift, bemfelbcn bie elter^
liC^e 5Uu6nie6ung verbleibt, ajlit bem ®ntrourfe ftimmen in biefer 93ejie^ung
baö gemeine SleC^t (oergl. L 8 pr. D. de Ms qui suil, e ; ©euffert XXIV, 147),
foroie bie meiften neueren ©efcggebungcn überein (oergl. ba^r. S. 9t. I, 7 § 37
iflv. 1; Code civil SKrt. 141, 384; fäd^f. ©. ». § 1834; roeimar. ©ef. x>. 27. 3Rftrj
1872 § 19). dagegen roirb nac§ preufe. 91. S. 91. n, 2 §§ 260—265 in itn
gälten beö 9lu^enö ber üäterlid^en ©eroalt ber Däterlid^e 9lie§braud& an bem
SSermögen beö Rinbeö, forocit berfelbe nid^t jur SBerpflegung ober ©riiei^ung
beö Äinbcö ober jur Unterftüfeung beö SBatcrö crforberlid^ ift, biö jur S3e*
feitigung beö ^inbcrniffeö jur ©ubftanj gefd)lagen. 3m galle ber @nt^
münbigung beö aSaterö roegen SSerfd^roenbung aber tritt überhaupt nid^t nur
baö 9lul^en, fonbern ber bauernbe aSerluft ber Däterlid^en ©eroalt, einfd^liefelid^
beö oätcrlid^en 3liePraud^cö, ein (31. S. 91. II, 2 §§ 255, 256). 9lad^ bem
Öeff. ®ntro. III 9lrt. 18, 25 (oergl. aud& ital. ©. ». 2lrt. 228, 231) umfaßt
baö 9lu^en bcr elterlid^en ©eroalt auC& bie elterlid&e 9lu6nic6ung.
öefc^äft«* Slnlangcnb bie einjelnen gäHe, in roeld^en nad^ bem ©ntrourfe bie clter*
beÄbtV ^^^^ ®^^^ft ^^^" ^^^' fö f^^^* ^^^ SBcftimmung bcö § 1554 Slbf. 1 ©oft 1,
bafe bie elterlid^e ©eroalt nil^t, roenn ber Sni^öber ber elterlid^en ©eroalt
gefd^äftöunfäldig ift, mit bem geltenbcn Siedete im ©inllange (oergl. inöbcfonbere
1. 8 pr. D. de his qui sui 1, e; 1. 20 D. de statu hom. 1, 6; 1. 25 Cod. de
nupt. 5, 4; ©euffert XXIV, 201 ; ba^r. S. 9i. 1, 7 § 37 9lr. 1 ; preufe. 9t. S. 91. II, 2
ertcrli^c Oeiralt. 3?u5en. § 1554. 819
260—263; oftcrr. @. S3. § 176; fftc^f. ®. ». §§ 1834, 1927; wcimar. ®cf.
D. 27. 3Rörj 1872 § 19; Ijieff. ©ntro. m ärt. 18; code civü arg. 2lrt. 141).
äte Säue bcr ©cfd^äftöunfft^igfcit fommcn l^icr nur bie gällc in Setrad&t, in
TOcId^cn bcr 3nl(iabcr bcr citcrtid&cn Oeroalt bcö Söcmunftgcbraud^cd beraubt
ober wegen ®eiftcÄtranfI)eit entmünbigt ift (§ 64 Slbf. 2). ©otange bie ©nt*
münbigung nid&t erfolgt ift, fann aDcrbings ber S^itP^^nft/ i« roeld&cm bie
©efd^äftöunfä^igfeit unb bamit baft Slul^cn ber etterlid&en ©cnjalt eintritt,
ungewife fein; allein oon ber ©ntmünbigung barf I)ier baö SRu^en ber elter-
Ud^en ®malt nid^t abl^ängig gemad^t werben, ba bad 3ntere{fc unb bcr Sd^ug
bcö Äinbeö baburd^ gefä^rbet werben würbe (ocrgl. aud^ für baö preufe. SRed^t
®ntfd6. b. Äammerger. II, 21). 3luf benfelben Erwägungen berul^t bie SBor^
fd^rift bcö § 1704 5»r. 2, bofe baö 3lmt beö aSormunbeö traft beö ©efefceö mit
bem ©intritte bcr ®ef(^äftdunfä^iglcit beöfclbcn beenbigt wirb.
a)cr 3latur ber ©ad&c unb bem oormunbfd^aftlic^en Äarafter bcr elter? »ef^ränrte
U(^en ®ewalt (oergl. § 1640 3lx. 1, § 1705 3lv. 2) entfprid^t es ferner, bafe ®;Jf/j|;['
bie eltertidöe ®ewalt aud^ bann ru^t, wenn unb folange ber 3n^abcr bcr elter*
liefen ®ewalt in ber ©cfcböftöfö^igfcit befd^ränft ift (ocrgl. §§ 65, 70, 71). SÄuf
bemfelbcn SBoben fielen baö öfterr. ®. 83. § 176, baö fä(^f. ®. 93. § 1834, baö
Weimar. ®ef. o. 27. üßärj 1872 § 19 unb ber ^eff. ©ntw. III airt. 18, wä^renb
gcmcinrcdEitlid^ beftritten ift, ob bie ©ntmünbigung wegen SSerfd^wenbung bie
Äußübung ber oäterlic^en ®ewalt ^inbert (ocrgl. ©euffert XXIV, 201). 9lad&
franj. 3led&tc ift bie 3uorbnung eineö Seiftanbcö wegen SBerfd^wenbung, oon
bcr SJorfd^rift beö Slrt. 513 beö code civil abgefel^cn, auf bie ®efd^äftöfä^igfeit
unb bcö^alb aud^ auf bie elterlid^e ®ewalt o^ne ©influg (oergl. aber bab.
S. dl Sag 513 a). 5nad& bem preufe. 91. fi. SR. II, 2 §§ 255, 256 ^at bagegen
bie ©ntmünbigung wegen ^erfd^wenbung, wie erwähnt, fogar ben bauernben
aScrluft ber oftterlid^en ®ewalt jur ^olfl^- ®i^^ 33eftimmung gcl(|t inbef[en
über ba& ä3ebürfnig unb ben ^rotd l^inauö. älbweid^cnb oon bem fä^f. ®. 93.
unb bem weimar. ®ef. fnüpft übrigenö ber ©ntwurf baö Stufen ber etterlid^cn
©cwalt nid^t an bie 93eoormunbung, fonbern an ben Eintritt ber befd^ränften
©cfd^äftöfö^igfcit, ba bie legterc bcr wirllid^e ®runb beö SRu^enö ber ®ewalt,
bie SBcoormunbung nur bie golgc ift.
9llö Solle t^atföd^Ud^er 33crl(|inberung bcr äluöübung bcr eltcrlid^en ®e$ zffat\(i<^ii^
walt, wetd^e baö 91ul)cn ber Icfetcrcn jur golge ^aben, werben gemeinrcd^tlid^ f//^*"]^^JJ^
unb in ben neueren ®cfc6gcbungen namcntlid^ anerfannt längere 3lbwcfenl(ieit, *>er (Bcwoit.
Ärant^cit ober §aft (oergl. preufe. 21. S. 9t. II, 2 § 260; öfterr. ®. 93. § 176;
code civü Slrt. 141; fäd&f. ®. 93. §§ 1834, 1982, 1990; weimar. ®cf. o.
27. 3Rärj 1872 §§ 19, 86, 91 ; l^cff. Entw. III 3lrt. 18). Eö empfiel^lt fi(§
icbo(^ nid^t, im ®efc6c nur einjclnc beftimmte gäHe t^atfä(^li(^cr SBcr^inbcrung
iu bcjieid^ncn, ba alle ^icr in SBctrad^t fommcnbcn ^ällc, in weld^cn ba& 93e?
bürfnife einer allgemeinen oormunbfd^aftlid^en gürforge für baö ftinb wegen
t^atfäd^lid^cr SSer^inberung bcö 3ni^obcrö bcr cltcrlid^cn ®cwalt oorlicgcn fann
unb beöl^alb nad^ bem oon bem Gntwurfe fcftgcfialtenen prinjipicllcn Unter?
fd^iebe jwift^en SBormunbfd^aft unb 5ßflcgfd^aft bem Äinbe ber crforberlit^e
©d^ufe ouf bem SBege bcr eltcrlid^en ©cwalt bejw. ber Slnorbnung einer SBor*
munbfd^aft, nid^t auf bem SBege einer immer nur auf einjclnc beftimmte SKn*
52*
820 ertcrlid&c ©eiualt. dtuicn. § 1554.
gelegen^eiten ober einen beftimmten Kreis oon älngelegenl^eiten ftd^ beiiel^enben
5ßflegfd^aft, geroöidrt werben mufe, im SBorauö fid^ nic^t überfc^en laffen. Sluf
ber anberen Seite würbe cö inbejfen, J^ingcfe^en auf bic mit bem 9lu^cn ber
elterlid&en Ocroolt, namcntUdö anä) für bic ©cftaltung ber ctterlid^en 9lu^
niefeung (§ 1532), Derbunbenen cinfdö^^ibenben golgcn unb bie an ieben ber:^
artigen SBed^fel ftd^ fniipfenben Unjuträglid^feitcn, ju meit gelten, wenn man
baß Stufen ber elterlichen ©eroalt, f ofcrn nur baö Sebürfnife einer allgemeinen
oormunbfd^aftfid^en Sü'lo^ÖC Dorliegt, ol^ne 9lücffi(^t barauf eintreten laffen
moHte, ob bie t^atfäd^Iid^e aSerl^inberung beö 3n^aberö ber elterlid^en ©croalt
nur eine uorüberge^enbc ift ober nid^t. 3ft bic S3e^inberung eine oorauö?
fi(^tUd^ nur Dorüberge^enbe, fo lann bem ©d^ufebebürfnif^e beö Äinbeö burd^ bie
Slnorbnung einer 5ßffegfd^aft für einjclne bcftimmtc 2lngelegen]^eiten ober einen
beftimmten Äreiö oon 3lngetegen^eiten nad^ aOlafegabe beö § 1738 in auö^
reid^cnber SBBeife genügt roerben. 2)er § 1554 5!l6f. 1 ©ag 2 mad^t bcö^atb
baö 9luf|cn ber eltertid^cn Oeroalt wegen tl^atfäd^Ud^er SBcrl^inbcrung beö Sn?
I(iaberö, bie ©eroalt auöäuüben, baoon abl^öngig, ba§ in gotge jener SBcr^^
l^inberung bie 9tot^roenbigfeit einer allgemeinen gürforge für bic ^erfon unb
baö aSermögen beö Äinbeö roä^renb einer oorauöfid^tlid^ längeren 3^it fid^ er?
giebt. 3la6) § 1554 2lbf. 1 ©ag 2 foll jeboc^ aud& bei bem SSor^anbenfein
biefer aSorauöfefeung baö SRu^en ber elterlichen ©croatt erft bann eintreten,
roenn biefe 93orauöfe|ung oon bem aSormunbfd^aftögerici^tc feftgcftcUt ift. 3n
ben l^ier fraglid^en gällen baö SRu^en ber elterlid^en ©eroalt unb ben Eintritt
ber bamit oerbunbenen, aud^ im 93erl(|ättni5fe ju ©ritten Tiefe äufecrnbcn 5Bir^
fungen an baö rein tl^atfäd^lid^e, l^infid^tlid^ feiner äSorauöfegungcn leidet
jroeifel^afte 33orfeanbenfein ber ^erl^inberung ju fnüpfen, roürbc, namentlich
Dom ©tanbpunfte ber ©id^erl^eit beö SBcrlel^reö auö, in ^ol^em ©rabc bebenflicfe
fein. ^}lu^ bemfelbeu ©runbe mu§ baö Stufen ber elterlid^en ©eroalt in biefen
gällen biö ju bem S^itpwnfte fortbauern, in roeld^em ba& SSormunbfd^aftö^
gerid^t bie Scfeitigung ber SSer^inberung feftgeftellt ^at. 33iefen ®rroägungcn
gegenüber fann auf baö S3ebenfen, ba^ burd^ biefe 2lrt ber Siegelung bem
SSormunbfd^aftögcrid^te ein }u roeitgefeenber @influ§ auf bie elterlid^e ©eroalt
unb bie bamit oerbunbene elterlid^e ^Jugnicfeung eingeräumt unb bic ©ettcnb^
mad^ung biefer an ftd^ projefefä^igen SRcd^te in 5u roeitcm Umfange bem SRcd^tö-
roege entjogen rocrbc, erfeeblid^eö ©eroid&t nid^t gelegt roerben, um fo roenigcr,
atö aud^ bie SSerfügungen beö SSormunbfd^aftögcrid^tcö nacfe SRaggabc ber }tt
treffenben rcidöögefcglid^cn bejro. ber lanbeögefcglid^en SSorfd^riftcn burd^ SRcd^tö-
mittel angegriffen roerben fönnen.
Borge für bic 2)ie SRcgcl bcö § 1554 3lbf. 1, bafe, roenn unb f olangc ber Snfeaber ber
Ä M elterlichen ©eroalt in ber ©efcfeäftöfäfeigfeit befcferänft ift, bie clterlid&c ©croalt
awnber* bcöfclbcn mit aiuönal^mc ber elterlid^en SWulnicfeung rufet, erlcibct iebocfe burcfe
bei^Ä'^er«, bic Scftimmuug beö § 1554 3lbf. 2 für ben gaU eine SRobififation, roenn bic
clterlid^e ©eroalt roegen SBinberiäferigfeit beö ^nfeabcrö bcrfclben rufet. S)ic in
biefem galle bem Snfeaber ber elterlid^cn ©eroalt eingeräumte größere ©clb*
ftänbigfeit in 2lnfefeung ber 5ßflid6t unb beö SRcd^teö, für bic ^erfon bcö Äinbeö
JU forgen, entfpricfet ben natürlid^cn SBerfeättniffcn unb ift anbererfeitö un^
bebenflid^, ba jene ©elbftänbigfeit fid^ nid^t auf bie SScrtretung bcö Äinbcö in
ßltcrli^c Ortüalt. Stufen. § 1555. 821
bcffcn pcrfonlid^cn ängclegenl^citcn crftrcdEt, fonbcrn nur bic t^atfäd^ßc^c ©orgc
für bic 5ßcrfon bcft Äinbcö betrifft Qu§crbcm in 9lnfc^ung bicfcr ©orge bcr
gcfcfeli^e SBertrctcr bcö Äinbcö bic im § 1540 bcjcid^netc ©tellung cineö 93ei*
ftonbcö f)abcn foH (oergt. aud^ preufe. 58orm. 0. v. 5. 3iuli 1875 § 28).
S)a na6) gemeinem SWed^te bie SSormunbfd^aft über 35erf(]^roenbcr nur »»« &*"< *>«
eine SBcrmBgcndDormunbfd^aft ift, fo ^at gemeinred^tlici^ bic ©ntmünbigung mimbigung
beö 3n^abcrfi bcr Daterlid^en ©cmalt mcgen SSerfd^menbung auf bic bem 3Sater Jl^JJJ"^^®*'^'
juftc^nbc @riiel(|ungögcn)Qlt über fein Äinb feinen ®inffu§. 33ad Olcid^e gilt '^" "
nad^ franj. JRed^te, roenn bem 3n^aber ber clterlid^en ©croolt ein 93ciftanb
wegen aSerfd^roenbung jugeorbnet ift. 3laä) bem fäd&f. ®. S3. §§ 1987, 1988,
1998 bejic^t fid& bic SBormunbfd^aft über einen SBcrfd^menbcr jmar nid^t nur
ouf bcffcn SBermögen, fonbcrn audji auf bic 5ßcrfon beöfelbcn. ®a jcbod^ nac^
bem fäd^f. ®. 83. §§ 1802—1805 baö erjicl&ungöret^t nid^t Sluöflufe ber üäter*
Ü6^m ©eroalt, fonbcrn bcö ©Itcmrcd^teß überl^aupt ift, fo roirb anjuncl^men
fein, ba& burd^ bic Seftimmung beß § 1834, nad^ rocld^er ber SBater, folangc
berfelbe unter SBormunbfddaft ftc^t, bie üäterlid)c ©croolt über bie 5ßerfon bcr
^inbcr nid^t audüben fann, baö ©rjiel^ungörcd^t bcö 9!}atcrö im ^allc bcr
33ct)ormunbung beö legtcrcn roegen SBcrfd^roenbung, t)orbel;altUd^ ber ©eftim«
mung beö § 1803, nid&t berührt roirb. Sagegen l^at nad^ preufe. 3lcd^tc,
fofern man nad^ biefem bic oätcrlit^c 6räict)ungögeroalt alö 9luöf[u§ bcr
»öterlid^cn ©croalt 5U betrad^ten l^at (oergl. bic Ueberfd^rift ju 91. S. SR. II, 2
nnb bie §§ 74 ff. baf.), bie ®ntmünbigung beö 93atcrö roegen SSerfd^roenbung
mit bem SBerlufte ber Döterlic^cn Oeroatt (91. S. dt. II, 2 § 256) aud& ben
Scriuft bcr (Sräic^ungögcroalt jur golgc, jumat bic 33ormunbfd^aft roegen
aScrfd^rocnbung naä^ bem 31. 2. 3t. II, 18 §§ 349, 350 unb bcr preufe, SBorm. 0.
t). 5. 3uli 1875 §§ 81, 83, 27 n\ä)i eine Mofee »ermogenöüormunbfc^aft ift.
3lud& nad^ bem roeimar. ®cf. o. 27. ajlärj 1872 §§ 4, 19, 89 ru^t im gaUc
bcr Scoormunbung beö 3nf)aberö ber eltcrtid^en Oeroalt roegen SBerfd&roenbung
bic erjic^ungögeroatt, ebenfo nad^ bem l^cff. ©ntro. III 2lrt. 18, 20—24. Die
Scftimmungcn beö § 1554 fd^Uefeen fidö in biefer ^infic^t ben julcfet gebadeten
©efcfegcbungöroerlcn an, ba cinerfeitö nad^ bem ©ntrourfe bie aSormunbfc^aft
über SBcrfd^rocnber feine blofec aSermBgenöüormunbfd6aft ift (§§ 1726, 1728,
1648, 1730), anbererfeitö bic 5Bcrfd^rocnbung fi(^ alö ein Softer barfteUt unb
häufig in anbercn fittlid^cn geilem, j. 39. bem ^ange jur 2;runffud)t, ifiren
Orunb ^at unb bcö^atb ju beforgen ift, bag cö auf bic ©rjicl^ung bcr Äinber
einen nat^tJ^ciligcn ©inftufe äufeern roerbc, rocnn bem roegen 93erfd^rocnbung
cntmünbigten ßltcrntbeUc bic felbftänbige ©rjic^ung ber ftinber übcriaffen
bleiben foDte. SBirb bem roegen aScrfd&roenbung cntmünbigten (Stternt^eilc baö
3lcd&t, für bie ^^Jerfon beö .Hinbeö ju forgcn, oerfagt, fo mu§ auc^ bic ^flic^t
biefer Sorge rocgfallcn, ba ^flid^t unb SWed^t fid^ f)icr ni^t trennen laffcn.
§ 1555.
5iad& gemeinem Siedete unb ben auf bem 89obcn bcö Icljtcren ftcl^enben cjteiu«^ ee«
©efefegebungen, roeld^en eine eltertid^e ©eroatt bcr ^Kutter unbctannt ift, roirb «umMm
im gaüc beö Slu^cnö ber Dftterlid^en ©croalt eine aSormunbfc^aft über baö ^°« ^*«
822 erterlid&e ©ctoalt. JRul&eit § 1555.
wu^en« Jiinb angcorbnct (ocrgl. preu§. Sl. S. 91. II, 2 § 263 unb preu§. SBorm. O.
«UÄt). 5. 3uli 1875 § 11; fäd^f. ®. 33. §§ 1834, 1875). S)Qd franj. Siedet läßt
®"**'** jtoar naä) bem S^obc beö SBatcrß bic cttcrlid^c ©eroalt bejro. bic gcfcfeüd^c
aSonnunbfd&aft ber aWutter eintreten (code civü ärt. 372, 373, 384, 390); bo^
gegen ^ot baöfelbe in 3lnfel(iung ber grage, ob an ©teile bes bel(|inberten
aSaterö fd^on roä^renb ber &)t bie Sßutter jur 2lußübung ber ©eroalt gelangt,
ein fcfteö, aUgemeineö 5ßrinjip nid^t aufgeftettt. 3lur für ben gall, in roeld^em
ber aSater roegen 2lbroefen^eit oermifet roirb, beftimmt eö auöbrüdfUd^, ba§ bie
aKutter bie Stuffid^t über bie Äinbcr l^at unb in SRüdfftd^t auf beren ®rjiel(|ung
unb auf bie SlJerroaltung beß SBermögenö berfelben aUe SRed^te beö 35aterd
ausübt (code civü 2lrt. 141, 149). 5!luf ©runb ber änatogie ber Slrt. 141,
149 beß code civil nimmt jebodb bie 3uridprubenj an, bafe au^ in bem §alle,
in roetd^em ber SSater roegen ©eifteöfranf^eit nid^t im ©tanbc ift, bic elterlid^e
©eroalt, b. f). bie SRet^te in 3tnfel(iung ber ^erfon beö fiinbeö, auöjuüben, bie
SWutter inforoeit fd^on roä^renb beftel^enber 6^e an bie ©teile beö SBaterd tritt;
bagegen roirb x\)x in biefem gallc bie SSerroaltung beß Äinbeßoermögenß nid^t
überlaffen. 93on ben neueren ©efeggebungen, roetd^e bie elterlidde ©eroalt ber
aWutter aner!annt ^aben, roirb grunbfä|Iid6 in ben göDen, in roelci^en ber
SSatcr roä^renb ber @^e an ber STußübung ber elterlichen ©croalt oer^inbert
ift, bie Slußübung ber letzteren ber aKutter jugeroiefen, mitl^in eine SBormunb«
f d^aft über baß Äinb nid&t angeorbnet (uergl. ital. ©. 35. ^xi. 220 ; roeimar.
©ef. V. 27.aKärj 1872 § 19; ^eff. ®ntro. III Slrt. 18).
Dem ^ßrinaipe biefer festeren ©efefegebungen f)ai ani) ber ©ntrourf in
Ronfequenj ber ©rünbe, an& roeldden berfelbe nad6 bem S^obe beß SSaterß bie
eltertid^e ©eroalt auf bie aßutter übergeben läßt (oergL § 1501 3lbf. 2 nebft
aRotioen oben ©. 736 ff.), fid^ angefddloffen. 33ie ©rünbe, meiere btn ©ntrourf
beftimmt l^aben, in ben l|ier fragtid^en fällen nid&t aud^ bie elterlid&e Sluft*
niefeung auf bie aWutter übergel^en ju laffen, fonbem biefelbe nad& aRa§gabe
beß § 1532 bem SBater Dorjubel^alten, fmb bereitß in ben aJlotioen ju § 1554
©. 818 bargelegt.
33a nad^ § 1555 3lbf. 1 bie elterliche ©eroalt ber aKutter nur eintritt,
folange bie elterlid^e ©eroalt beß SBaterö nad^ aKafegabe beß § 1554 ru^t, fo
folgt barauß, bafe im galle tl^atfftd^lid^er aSer^inberung beß aSaterß ber aKutter
bie elterlid&e ©eroalt nur bann iuftel^t, rocnn bie 31otl|roenbigfeit einer au*
gemeinen ©orge für bie ^erfon unb baß aSermögen beß flinbeß roa^renb
einer Doraußfiddtlid^ längeren S^ii [xäf ergicbt unb biefe 88oraußfe|ung burd^
baß aSormunbft^aftßgerid^t feftgcftcHt ift. ©in bringenbeß praltift^eß SSebürfnife,
in fold&en gölten, in roeld^en ber SBater an ber 2lußübung ber elterlid^en
©eroalt burd& Slbroefenl^cit ober Äranf^eit ocrl^inbert unb ©efal^r im SBerjugc
ift, bie elterlid^c ©croalt ber aKutter o^nc SRücirtd^t barauf eintreten ju laffcn,
ob nad^ § 1554 bie SBoraußfeßungen beß SRu^enß ber elterlid^cn ©eroalt beß
SSaterß begrünbet fmb, liegt ni^t oor, ba inforoeit bie 5Borfd&riftcn über bie
Slnorbnung einer ^flegft^aft (§ 1738) unb über bie ©cfd6äftßfü^rung
oline aiuftrag atß außreid^enb ju erad^ten fmb. S)aju fommt, baß eine ber*
artige Seftimmung roegen ber Unbcftimmtl^eit ber SBoraußfefeungen, von roeld^en
banad^ bie SBertretungßmad^t ber aJlutter abpngig fein roürbe, bic ©id&er^eit
eitcr(i*c ©etoalt. SRu^cn. § 1555. 823
beß aSertc^rcß ju gcfäl^rbcn bro^t. Qroav cntljiattcn bic §§ 1306, 1358 für ba^
cl^clid&e ©ütcrrcd^t ä^nlid^c SBorf d&rif tcn ; aUcln bic Sat)l fold^cr g^Hc o\)nc
ein bringcnbeö praftifci^cs ©cbürfnife ju t)crmcl)ren, ift bcbenflid^ unb fompti^
jirt bod @efe|.
58on betn 5ßrinjipc bcö crftcn SIbfaßeö mad^t ber jrocitc Slbfafe beß § 1555 ^JJJ^^JJj'
junöd^ft für ben ^aH eine ä(udnQl()me, roenn bie elterlid^e ®troali beß SSaterß sjater« loeeen
in golge ber ©ntmünbigung beßfclben wegen SSerfd^rocnbung rul)t. SBit gtüdffid^t ^^^j^^S^j,«^
auf bic 3lbl(|ängig!cit ber ß^cfrau von bem ©bemanne ift eß bebenflit^, in
bicfem galle an ©teile ber ru^enben ettcrlici^cn (Scraalt beß JBaterß bie clterlidfic
©croatt ber SRuttcr treten ju laffen. 3Bie in bem %aUt, wenn bem 35atcr
auf ®runb beß § 1546 bie etterlid^e Oeroalt burd^ baß SBormunbfd^oftßgeridjt
entjogen ift (oergl. äRotioe ju § 1546 oben ©. 806), foU ba^er auä) in bem
l^icr in Siebe ftcl(ienbcn gaUe eine 58ormunbfd)aft über baß Äinb angeorbnet
werben (§ 1633). S)a im gatte ber @ntmünbigung beß SBaterß wegen SBer*
fd^menbung nad^ § 1554 bie elteriic^e ©emolt beß iBoterß oud^ in 3lnfel(iung
ber Sorge für bie 5ßerfon beß Äinbeß DoIIftänbig ru^t, fo fann in biefem
gallc oud^ bie SRuttcr bie if|r fonft nad^ aWafegabe beß § 1506 jufte^enbe
©orge für bie 5ßerfon beß Äinbcß, meldte ftd^ tcbiglid^ olß ein SÄnt^eit an ber
bem aSater jufte^enben etterüd&en Oeroalt barfteHt, nid^t außüben. 3Begen ber
©rünbe, an& meieren ber ©ntrourf S3ebenfen getragen ^at, ber SButter in
biefcm galle bie ©orge für bie 5ßerfon beß Äinbeß, wenn aud6 nur in bem
im § 1558 ©aft 2 bejeid^neten Umfange, ju übcrlaffen, wirb auf bie ajlotioc
JU § 1506 oben ©. 755 ff. SSejug genommen.
2)cm golle ber (gntmünbigung beß SBaterß wegen Sßerfd^wenbung btn .J?*J}*^^
gaU gleid^jufteUen, wenn bie elterlid^e (Sewalt beß SBaterß wegen SWinber* iesfdben.
iäl^rigfeit beßfelben ru^t (t)ergl. § 1233), bie SWutter aber DoUiä^rig ift, erfd^cint
nld^t alß geboten. S)ie 2lnatogie ieneß gaUeß trifft ^ier nid&t ju. 33a§ bic
aWinberjäl^rigfcit beß aSaterß auf bie aJlutter einen bem Äinbe ft^ftblid^cn
6inffu§ außüben werbe, ift nid^t ju beforgen. Slnbercrfcitß fann eß aud6 nid^t
alß unpaffcnb unb alß mit ber natürlid^en ©teUung ber ©Regatten ju einanbcr
unoereinbar erad^tet werben, wenn in biefcm galle bie ajlutter bic clterlid^e
©ewalt außübt. S^bcm ^anbelt cß fid& um fcltene göHe, für wetd^c burd)
eine befonbere fafuiftifd^e Seftimmung im Ocfegc SBorforge nic^t getroffen ju
werben brandet. Släumt man in bem ^icr fragtid&en gallc ber ÜKutter bic
elterlid^e ©cwalt ein, fo ift eß baß 9iatürlid^ftc unb 9iä(^ftliegcnbc, i^r audö
in 2lnfel(iung ber tl^atfäd&lid6en ©orge für bic 5ßcrfon beß Äinbeß im SSer*
^ältniffe ju bem minberiä^rigen SBater (ocrgl. § 1554 3lbf. 2) biefelbe ©teHung
cinjuräumen, wie fte nad^ § 1506 bic 5Kutter ^at, wenn bem SBater bie eltcr*
lid^e ©cwalt juftel(|t. Sie 3lnwenbung beß § 1554 9lbf. 2 oline bie im § 1555
3[bf. 1 ©ag 2 beftimmte 9Jlobififation würbe ju einem unangemcffencn 9lc*
fultatc führen.
eine weitere SÄußna^me üon bem 5ßrinjipc beß § 1555 3lbf. 1 mad^t «"t^^J"»« *>^>^
ber § 1555 3lbf. 2 für ben gaU, wenn bie ©l^e ber eitern beß Äinbeß (bur^
©d^eibung ober in golgc 2:obcßerflärung, § 1464) aufgclöft ift. 3« biefcm
galle treffen bie aSoraußfcfeungcn, auf welchen bic Siegel beß § 1555 3lbf. 1
berul^t, nid&t ju. eß fc^It bic ©olibaritöt ber Sintereffcn unb baß na^e per*
824 eiterli*e ©ehjalt. S?u]ben. § 1556.
föntid^c SSerl^ältnife bcr @ltcm, toctd^cö baö SBcrtraucn rcd^tfertigt, ba^ bic
5Kuttcr roäl^renb bcö 9lulJ|cnö bcr cltcrlid^eu Ocroalt bcö SBatcrö bic cttcrlid^e
(^ctoalt im ©innc bcö leiteten auöübcn unb inöbcfonbcrc and) bcffcn 3nterc{fc
in Silnfc^ung bcr i^m ocrblcibcnbcn cltcrlid^cn SWulnicßung gcbü^rcnb toal^r*
Ildamen werbe (ücrgl. § 1532). 6ö ift ju bcforgcn, bafe bcr ®intritt bcr
cltcrlid^cn ©croatt bcr ÜJluttcr in biefcm ^alle ju Äonfliftcn führen unb unter
bcm 9Bc(^fct bcr clterUt^cn ©croalt bcö SBaterö unb bcr bcr 3Kuttcr baö
Sntcreffc bcr Äinbcr fcibcn würbe.
®a§, TOcnn unb forocit anä) bic cltcrlid^e ®croott bcr üKutter ru^t ober
bcr eintritt bcrfclbcn traft bcö ®cfc|cö auögcfd&loffcn ift (§ 1553 3l6f. 3,
§§ 1554, 1560), bic Sßorfd&rift bcö § 1555 Slbf. 1, üorbet)alta(i& bcr SBcftimmung
bcö § 1554 3lbf. 2, feine 3lnn)enbung finbet, crgicbt fxä) quo bcn §§ 1554, 1633
bejn). bcm § 1553 9lbf. 3 unb bcm § 1560 t)on fctbft unb brandet bcö^alb
uid^t bcfonbcrö auögcfprod^cn ju werben. 3" bcn bejcid^netcn gäHen muß
ba^cr mä) bcn §§ 1633, 1738 eine SBormunbfd^aft bejm., foroeit nur bic
clterlid^e SBcrmögenöücnüaltung für bic SDlutter auögefd^loffcn ift (§ 1553
2lbf. 3), eine ^^ftcgfd^aft angeorbnet werben.
§ 155(;.
unbetannt- 2)ic $8cftimmung bcö § 1556 bcjwcdt üorncl^mlic^, in fold&cn fällen,
^miiien! iu wcldjcu bcr gamilienftanb eincö 3)linbcriäl^rigcn nid^t ju ermitteln, fei eö,
fionbe« beä jj^^ ^^ ^[^^ ginbcltiub obcr bcm 3nf)abcr bcr citcriid&en ©ewatt weggenommen
ober fonft abtianbcn gcfommcn ift, bic Slnorbnung einer SSormunbfd^oft über
baö Äinb ju ermöglichen, ba nadd § 1633 ein SWinbcrjä^rigcr nur bann einen
aSormunb erfjatt, wenn er nid^t unter cltcrlid^er ©cwolt ftel(|t ober bic cltcrlid^c
©cwalt auf bic elterliche SRufinicfeung bcfd^ränft ift, bicfc SSorauöfcgungen aber
in bcm ^icr in SWebc ftel)enben gälte in ©rmangclung bcr befonbcrcn S5e?
ftimmung bcö § 1556 nid&t feftjuftcBcn fein würben. Um {cboc^ einen feften
3citpuntt für bcn eintritt bcö Slu^cnö bcr cltcrlid^en ®cwalt ju gewinnen,
fnüpft bcr § 1556 baö SRu^cn bcr cttcrtid^en ©cwalt an bic weitere 33orauö:^
fegung, ba§ bic 9lid^tcrmittclung bcö gamilicnftanbcö oon bcm 3Sormunbfd^aftd^
gcrid&tc feftgcftcUt ift. dagegen ift eö alö bcbcnflid^ crad^tct, aud^ baö Sluf^
I)örcn bcö 5fiul)enö bcr cltcrlid&cn ©ewatt in biefcm gallc üon einem Sluöfprud^c
bcö SSormunbfd^aftögcrid^teö abpngig ju mad^cn, ba eö burd& ein bringcnbcö
praftifd^cö Sebürfnife nid^t geboten crf(^eint, in biefer ^inficbt bcm Snl^ober
bcr eltcrlid^cn ©cwatt bcn 9Bcg beö 5ßrojcffeö abjufd&ncibcn. S)cr § 1556 be«
ftimmt beöl)alb, bafe in bcm l^icr fraglichen gaüc bic clterlid)c ©ewalt auf
©runb bcr befonbcrcn 5Borfd^rift bcö § 1556 biö 5U bcm 3citpunfte ru^cn foD,
in wcld^cm bcr gamilicnftanb bcö Atinbcö befannt geworben ift. ebensowenig
liegt ein 33cbürfni6 üor, in biefcm "gallc, abwcid^enb oon bcm ^|$rinjipe bcö
§ 1554 Slbf. 1, auä) bic cltcrlid^c ^iufeniefeung ru^en ju lajfcn. eine bcrartige
9lbwcid|ung würbe im ^inblidc auf fold&e gälte, in wcld&cn baö Äinb bcm
3nl^abcr ber eltcrtid&cn ©ewalt weggenommen ober fonft ab^anben gcfommcn
ift, audö nidE)t angcmcifen fein.
gltctiid&c ®ctt>alt. Secnbißung. (§§ 1557— 15G1.) 825
§§ 1557-1561.
23ie §§ 1557—1561 betreffen bie Sccnbigung bcr elterfid^en ©^"^olt- J,*^"^S"^?„
2tte Seenbigungögrünbe finb in bcn §§ 1557—1560 ancrfannt: I'ob unb ©eroait
SBoDiäldrlgfeit bcs ftlnbeö, 2:^ob bed 3n^öbcrö ber elterlid^en (Scroalt unb
S^obefierllärung ber Icgtercn, Slnnal^mc bcÄ Äinbcö an Äinbeöftatt, SBicber*
ocr^eiratl^ung ber aKutter unb SBerroirfung ber elterlid^en ©eroalt burd^ bie
SBerurt^eilung beft 3nl|aberö bcrfelben ju geroiffen grei^eitdftrafcn rocgen eincfl
gegen baö .Uinb ober on bem ftlnbe begangenen Sßerbred^end ober SBer*
gel^enö. SBBeitere SBeenbigungfigrünbe finb bem ©ntrourfe unbefannt. Safe auf
bie elterlid&e ©eroalt nid&t Derjid^tet roerben fann, ift im § 1561 auöbrüdlid^
beftimmt. Safe ferner eine Seenbigung ber elterlid^en (Seroatt burdö ©manji*
pation^ 9(n[egung eined gefonberten ^aud^alteg unb burd^ äier^eirattiung bed
Äinbeft auögefd^loffen ift, crgiebt fxä) auö bem ©d^roeigen bcö ®efe|ed (oergt.
in festerer ipinfi^t auä) bie §§ 1509, 1536). SBäl^renb jur Scgriinbung ber
in ben §§ 1557-1561 enthaltenen ?)eftimmungen auf bie befonberen SWotioc
JU bcn einjelnen ^aragrapl^cn Derroiefen roirb, ift ^ier nod^ golgenbeö ^eroor^
5U^eben :
1. 33ic im röm. SRed^te anerfannte Secnbigung ber oätcrlid&en (Seroalt «»»«««**•
burdö ©manjipation i)at fid& auc^ im l^eutigen gemeinen Sled&te behauptet, ob^
roo^l i^r praftifd&e 93ebeutung faum nodji jugeftanben roerben fann, feitbem ^tOft.
bie Seenbigung ber oäterlid^en ©croalt burd& 9lnlegung eines gefonberten
^auälialteö beö Äinbcs unb burd^ a3erl)eiratl^ung ber Xüd)kv ancrfannt ift.
3nbeffen ift baö ^nftitut ber @manjipation, roenngleid^ jum 3:^t)eit in anbercr .
®eftatt, anä) in oerfd^iebene neuere Oefeftgebungen übergegangen (ocrgl.
preufe. Sr. 2. SR. II, 2 §§ 214 — 230; ofterr. ®. ». § 174; fäd^f. ®. 33.
§ 1831; Code civil Slrt 372, 384, 477-487). 3^rer SBirtung na^ beenbigt
bie @man}ipation gemeinred^tlid^ bie Dermogendrcc^tlid^en SBirfungcn ber
üäterlic^en ®croalt, md) bem preufe. 21. 2. 91. unb bem fäd^f. ®. 33. bie
Däterlid^c ®croalt, nad^ bem code civil bie elterlid^e ®eroalt bcjro. bie gefefe-
lid^c 93ormunbf(^aft bed SSaterö ober ber äßutter. äßä^renb aber nad)
gemeinem JRed&te unb bem fäd^f. ®. 33. bie ©manjipation auf bie ®efd^äftö*
fäl^igfeit bcß entladenen minberjä^rigen Üinbeö ol^ne ©influfe ift, erlangt baß
Icfetere nad^ franj. 9fledj)te, roelc^eö eine emanjipation erft nad& jurücfgelegtem
15. 2ebenÄia^re be« Äinbeö sulöfet, eine erroeiterte ®efd&äftöfä^igfeit, fo baft
badfelbe nur nod& in befd^ränftem Umfange eine« Dormunbfc^aftlid^en Sd^u|eö
bebarf, roeld^er Icfetere burd^ eine blofee Äuratel geroäl>rt roirb. Slud^ nad)
bem preug. 21. 2. 91. bat bie erft nad^ 5urütfgelegtem 20. 2ebenöial)re juläffige
Smanjipation eineö minberiö^rigen ©ol^neö jugleid^ bie SBirfung einer SBoll*
iä^igfeitöerflärung. S)iefe lefetere SBirfung ift jebod^ burd^ § 97 bcr preufe,
SSorm. 0. o. 5. 3uli 1875 befeitigt. dagegen roirb oon ber l^crrfd&enben
aWeinung im ^inblide auf § 12 ber preufe. SBorm. 0. bie ©ntlaffung eineö
minberiä^rigen So^neß in bcr 2lrt, bafe ber ©ntlaffene minberjä^rig bleibt,
nod^ als iulöffig eraddtet.
2)er ©ntrourf ge^t baoon auö, ba§ ber oormunbfd^aftlid^e Schüfe, roeld^er ®taiibpunft
bem Äinbe biß 5ur ^olliäldrigfeit roegen ber befd^ränften ®efd^äftßfä^igfeit entwürfe«.
826 ertcriid&e ®malt »ecnbißunö. (§§ 1557-15610
bcöfelbcn (§ 65) gcioäl^rt werben mufe, bem Äinbe, fofonge blc 6ltem leben,
mittels ber elterlid^en ©eroalt gewährt werben foB. gür bie gälte, in roelci^en
boö Äinb auönal^möroeife vox erreid^ter SBoUiäldrigfeit eineß fold^en ©d^ufeefi
nid^t bcbarf, ift burd& baö 3nftitut ber SBoUiä^rigfeiteerHärung (§§ 26, 27)
bie SJtoglid^feit geroä^rt, bad jlinb felbftönbig gu [teilen unb bie ^eenbigung
ber elterlid^en (Seroalt Ijerbeijufüi^iren (§ 1557 oergl. mit § 26). 2)ie SSorauö^
fefeungen ber SBolliöl^rigfeitderflärung (§ 27) würben jebcn ©inn verlieren,
wenn man bem 3«^ober ber elterlichen ©eioalt baneben gcftatten roottte, burd^
©manjipation bie ©clbftänbigfeit bes Äinbeö ju beroirfen. SJaöjenige SBer*
^ältnil ermeitertcr ©efd^äftßfä^igfeit beö Äinbeö aber, melddeö baö franj. Siedet
mit ber ©mangipation eintreten lägt, ift bem @ntn)urfe unbefannt, unb ffillt
bamit t)on felbft bie ^lot^roenbigfeit weg, S3eftimmungen über ben ©influfe
einer fold^en Smanjipation auf bie gortbauer ber elterlid^en (Semalt }u
treffen (uergl. übrigens §§ 67). ©iejenigen ®rünbe ferner, meldte baö
gemeine 9Jed&t unb baö fädj)f. ®. 93. mefentlid^ beftimmt ^aben, ntbtn ber
fog. emancipatio Saxonica bie auöbrüdflid^e ©manjipation beizubehalten, fönnen
Dom ©tanbpunfte bed @ntmurfed aud nid^t in ^^age fommen; benn nad^
biefen Siechten ift bie uäterlid^e (Seroalt neben ber Dormunbfd^aftlid&en Sd^uft*
geroalt jugleid^ ein felbftänbiged SBermogenöred^t beö 93aterd, beffen Seenbigung
im 3nteref[e beö Äinbeö, inöbefonbere beö Dolliä^rigen Äinbeö, man ju
erleid^tem ftrebte, roä^renb nad6 bem ©ntrourfe bie elterlid^e 9lu|nie6ung nur
einen afjejforif^en, von ber oormunbfd^aftlic^en Stellung beö Sn^aberö ber
elterlid^en Oeroalt nid^t loögetöften Äaralter ^at. 33ie SRöglidEiIeit beö SBer-
jid^tcö auf bie eltcrlid^e SRufeniefeung ift ber lefcte 9left beö gemeinrecbttidben
(Srunbgcbanfenö ber (Smanjipation. S)iefe ORoglid^fcit geroä^rt aber ber
§ 1537. aCßie ber ©ntrourf, l^aben aud& baö roeimar. (Sef. t). 27. aMärj 1872
§ 17, baö braunfdEiro. Oef. t). 19. SKai 1876, ber ^eff. ©ntro. III 3lrt. 28 unb
für bie preufe. Sllieinprooinj bie preufe. SBorm. D. o. 5. 3uli 1875 § 97 baö
3nftitut ber ©manjipation befeitigt.
»gefoiiberter 2. ®emeinred^tlid(| roirb bie Däterlid^e Oeroalt burd& Slnlegung eineö
*""* " abgefonbcrten ^auö^alteö beö Äinbeö beenbigt. 3m ©injelnen fmb bie SBorauö^
fe|ungen biefer 93eenbigungöart ber üäterlid^en Oeroalt fel^r beftrittcn. Slucft
barüber gelten bie SBeinungen auöeinanber, ob bie Slbfonberung beö Äinbeö
üon bem üäterlid^en i&auöl(ialte nur bie üermogenöred&tlid^en folgen ber Däter*
lid^en ©eroalt auftebt ober bem Äinbe jugleit^ bie 6igenfd&aft ber SSoDiä^rig*
feit beilegt, ^m Slnfd^luffe an baö gemeine Stecht ^aben aud^ bie meiften
Sanbeögefe^gebungen biefe 93eenbigungöart ber oälcrlid^cn Oeroalt, roenngleicft
im ©injelnen abrocid^enb, bod^ im 5ßrinäipe anerfannt (ocrgl. preufe. 21. 2. 91.
II, 2 §§ 210—227; bat)r. 2. 9f. I, 5 § 7 3Jr. 4; roürttemb. 2. 91. II, 18 § 7;
fäc^f. ®. 93. § 1832). gCßä^renb na^ bem fäd^f. O. 93. biefe 93eenbigung
ber t)ätcrli(^en Oeroalt auf bie ©ef^äftöfä^igfeit beö Äinbeö ol^ne ©influfe ift,
^at mä) prcufe. 91. 2. 91., roeld^eö ben Ijier fraglid&en 93eenbigungögrunb nur
für ©öl^ne anerfennt, bie auöbrücflidjc ober ftillfc^roeigenbe ©inroilligung beö
SBaterö, ba§ ber nod) minbcrjälirige ©ol^n, roeldder baö 20. 2ebenöial^r jurücf«
gelegt l)at, ein befonbereö Oeroerbe für eigene 9led^nung anfängt, jugleid^ bie
SBirfung einer 33olliäl(irigfeitöerFtärung, eine SBirfung, roelc^c icbod^ burc^
eiterli*c ©etöalt. Seenbigung. (§§1557-1561.) 827
§ 97 bcr prcufe. SBorm. C v. b. 3utt 1875 bcfcitigt ift. 9lud^ naäi bcm öftcrr.
®. 83. § 174 treten So^ne, obtüol^l bie Dätcrlidie ©etoalt mit ber SBolIiäi^rlgfeit
aufl^ört (§ 172), vox erreid&ter 83oUiäl(iriflfeit, b. i. bem DoUcnbeten 24. Scbenä-
ial^re, bann auö ber Däterlid^cn ©eroalt, roenn ber SBater il^nen nad& iurücf-
gelegtem 20. fiebendja^re bie gü^rung einer eigenen ^auft^oltung geftattet.
2)0 nad^ bem ofterr. ®. 83. DermBgenßred^tlid^e SBBirfungen mit ber Dätcr*
liefen ©eroalt nid^t üerbunben jinb, fo f)ai \)kx bie ©eftattung ber gü^rung
eines eigenen ^oufll^altcö offenbar nur bie S3ebeutung einer aSoUiä^rigteitö-
erftärung, einer Sluf Hebung ber nad^ § 154 mit ber Däterlid&cn ©eroalt Der*
bunbenen befd^räntten ©efc^äftöfä^igfeit. S)en übrigen ©efcggebungen, roeld&c
mit ber 93olliä^rigIeit bed Äinbed bie Döterlic^e begro. bie elterlid^e ©eroalt
auf Igoren laffen, ift bie 83eenbigung berfelben bur^i Sin legung eines abgefonberten
$auöl(ialted unbefannt, fo inflbefonbere bem franj. SRed&tc (code civil 2lrt. 372,
384; Dergl. iebod^ bab. S. SR. Sag 476a), bem ^ejf. ©ntro. ni 3lrt. 38, 25, bem
roeimar. ©ef. v. 27. aWärj 1872 § 17 unb bem braunfd&ro. ©ef. d. 19. SBai 1876.
S)er ©ntrourf ^at fid^ biefen legtercn ©cfeggebungen angefd^loffen. 25a etonbpunit
nad^ bem (Sntrourfe mit ber SSoUiäl^rigfeit bed EinbeS aud^ bie Dermögend* sntwurfei.
red^tlid^e Seite ber elterlid&en ©eroalt beenbigt roirb (§ 1502 3h. 2 Derb, mit
§ 1557 3lbf. 1), fo fann ber Dorroiegenb bem gemeinen SRed^te, bem preufe.
21. S. SR. unb bem fäd^f. ©. 33. ju ©runbe liegenbe ©eftd^töpunft, einem doU=^
jährigen Äinbc bie 3Möglid^feit ju geben, burd^ 2lnlegung eines abgefonberten
$ausl(ialtes bie üermögensred^tlid^en SBirfungen ber näterlid^en ©eroalt ju
befeitigen, nid^t in grage fommen. Solange aber bas Äinb minberjälirig ift,
liegt fein 93ebürfni§ Dor, neben ber aßöglid&feit ber SBolliäl^rigfcitscrflärung
(§§ 26, 27) unb ber ©rroeiterung ber ©efd^äfisfä^igteit naä) ÜRafegabe bes
§ 67 bie SBecnbigung ber elterli^en ©eroalt überhaupt ober boc^ nad^ ber
DermögenöredSitlid^en Seite l)in burd& separata oeconomia anjuerfennen unb
bamit bcm fd|)roicrigen Segriffe ber lefftcren in baS bfirgerlid^c ©efegbud^
©ingang ju oerfddaffen. 2)ie 33eenbigung ber oormunbft^aftlid^en Seite ber
elterlid&en ©eroalt burd^ bie Slnlegung eines eigenen ^aus^altes roürbe jubem
DorauSfefeen, ba^ ber leftteren im allgemeinen 2:^eile beS ©efe^budbes bie
SBirtungen ber SBoHjäi^irigfeitSerllärung beigelegt roürben, ba fonft bie %oxU
bauer bes normunbf^aftlid&en Sd^u|es für baS Äinb nid&t ju entbel^ren roäre.
3. 2)ie befte^enben SRed^tc, aud^ fold^e, roel^e, roic bas gemeine ««««t^ be«
JRec^t, bas preufe. 31. S. SR. unb bos föc^f. ©. S3., bcn Safe „^eiratlj mad)t **"^'-
münbig" nid^t anerfannt ^aben, lajfen burd^roeg bie uäterli^e bejro. elterlid&e ®*i*^t**
©eroalt mit ber SBerl^eiratl^ung ber SCod^ter aufhören. 9iad^ Dcrfd&iebenen
SRed&ten roirb aud^ burd(> bie aSerbcirat^ung bes Sol^nes bie näterlid^e ober
elterlid^e ©eroalt über benfelben beenbigt. Db bies insbefonbere aud^ nad^
gemeinem SRed^te ber gall, ift beftritten (Dergl. Seuffert XI, 52, XXIX, 148;
preufe. 31. 2. SR. II, 2 §§ 228, 229; öfterr. ©. 93. § 175; fäd&f. ©. 93. § 1833;
code civü 2lrt. 476, 384 ; ^ejf. (gntro. III 3lrt. 38, 25 ; lübedE. SBorm. 0. v.
11. Dftober 1820 §§ 2, 81; roeimar. ©ef. v. 27. SKärj 1872 § 17; braunfd^ro.
©ef. D. 19. aJlai 1876; l&amb. SBorm. D. d. 14. 2)ejember 1883 Slrt. 6, 63).
Soroeit bie angefül(irten SRed^te ben Safe „§eirat^ mad^t münbig" ni^t
anerfenncn, roirb bem nod& minberjäl^rigen, in golge ber SJer^eirat^ung aus
828 (Srtcrri(J6e ©eivalt. SSccnbigunfl. (§§ 1557—1561.)
bcr üäterfid&cn (^Jcmalt getreteneu Äinbe auf bem SBege ber SSormunbfd^aft
bcr erforberüd^e ©d^ug geroäl^rt. 3nöbefonbere tritt im ganjen Umfonge be«
preufe. ©tootes, forooljt in ben ©ebietcn beö preufe. 91. S. 91., ate in ben
Oebieten beö gemeinen unb beä franj. JRed&teö an bie ©tcUe ber oäterlid^cn
(Semalt bie gcfefelid^e SBormunbfd^aft bed SBaterö nad^ SWafegabe ber Seftim*
mungen ber preufe. S8orm. D. ü. 5. Suti 1875 (oergf. preufe. S[. 2. 31. n, 2
§ 229; preufe, SBorm. D. §§ 12, 99), roä^renb na^ bem föd^f. ®. S. §§ 1833,
1876 ber minberjä^rigen Dcr^cirat^cten S^oc^ter ein SBormunb beftellt wirb.
«tai^unrt 2)^ 5^^ gjjj „©eirat^ mad^t münbig" feine aufnähme in bem ®nt*
entrourfc«. iDurfe gefuubeu f)at, baä minberjä^rige Äinb mitl)in trog ber S5ert)eirat^ung
uod& beö üormunbfd^aftlic^en ©d^u|es bebarf, fo ift eö oom ©tanbpunfte beö
©ntmurfcö auö fonfequent, bem Sinbe jenen ©d&ug aud& fenxer mittels ber
elterlid&en ©croalt ju 2;i^eil merben ju tajlen. 3)ie abmeid^enben Seftimmungen
beö gemeinen SRed^teö, beö preufe. 31. 2. % unb beö fäd^f. @. S3. \inb im
2Befentlidöen barauf jurücf juf ül^ren , bafe nad^ biefen ^Hed^ten baö oäterlid^e
9lie6braud)dredbt mit ber bamit üerbunbenen Serroaltung beö Äinbeöocrmögeuö
einen roefentlid^en Scftanbtl^eil ber üSterlid&en ©eroalt auömad&t unb beöl^atb
bie gortbaucr ber Unteren nad^ SGBegfall beö oäterlid&en ^liefebrauddöred^teö,
roeld^eö man mit ber ^eiratl; beö Äinbeö roegfaHen laffen rooUtc, bem 33egriffe
ber üäterlid&en ©eroalt nid^t mc^r entfprad). S)iefe ®rroägungen treffen aber
für ben ©ntrourf nid^t ju, ba nad^ bemfelben bie oormunbfd^aftlid^e ©eite ber
etterlid^en ©eroalt baö aÖSefentlid^e ift unb bie eltcrlicbe ^lufeniefeung nur einen
af jefforifdjen 95eftanbtl^eil bilbet. 2:rogbem aud& naö) bem ®ntrourfe bie elter*
lid)e ^lugniefeung regelmäßig burd^ bie 33erl|eiratl^ung beö Rinbeö beenbigt roirb
(§ 1536), fe^lt cö bafier an einem auötcidienben ©nmbe, anä) im Uebrigen
bie elterlid^c ©croalt, üorbefialtlic^ ber im § 1509 beftimmten äRobififation,
mit bcr ^ciratl^ beö ftinbeö enbigen ju laffen. Snöbef onbere fe^lt eö aud& an
einem ©cbürfniffc, bie clterli^c ©eroalt in biefcm galle in eine gefcglid^e 93or*
uumbfc^aft beö biö^erigen ^nl^aberö ber elterlid^en ©croalt umjuroanbeln. 6ö
ift nic^t abjufctien, roarum ber legtere nad^ ber 33erl|eiratl^ung beö Äinbeö bie
roeniger freie ©tcllung eineö SSormunbeö gegenüber bem .siinbe liaben foll,
jumal ber 3nl|aber ber elterlichen ©eroalt nac^ bem ©ntrourfe in Slnfe^ung
beö freien Äinbcöüermogenö bicfclbe freie ©tellung einnimmt, roie in älnfe^ung
beö ber elterlichen Sßugniefeung unterliegenben 3Sermogenö (oergl. bie SRotioe
JU § 1511 oben ©. 765). 6iu burdEifc^lagenber ©runb für bie Umroanblung
ber elterlid^en ©eroalt in eine gefeglid^e aSonnunbfd^aft fann aud6 barauö nid^t
l)crgeleitet roerben, ha^ eö mit bem begriffe einer gefefelic^en SBormunbfd&aft
ücreinbar fein roürbe, an ©teile beö betreffenben ®lternt£|eileö geeignetenfollö
aud& bem ©l^emanne bie SBormunbfc^aft über bie minberjäl^rige ®l^efrau ju
übertragen unb bamit bie auö ber ©tellung beö ®^emanneö gegenüber ber
@l)efrau etroa ju entnelimcnben Sebenlen gegen bie Slblc^nung beö ©afeeö
„.^eiratl^ mat^t münbig" abjufd^roäd^en ; benn roollte man bem SSormunbfd^aftö«^
gcrid^te bie Scfugnife einräumen, an ©teile beö gefeftlit^cn SSormunbeö
geeignetenfallö ben ©bemann alö SSormunb feiner minberiäl^rigen ©l^efrau ju
beftellen, fo roürbe baburd^ bie gefeglid^e SSormunbfd^aft ber ©Itern bie im
Sntereffe ber 93erfe^röfidtierl)eit erforberlid^e fidlere ©runblage entbel^ren. S)aju
elterliche ©cttjalt. SSccnbigunfl. (§§ 1557-1561.) 829
fommt, baß bcr ©ntrourf im Ucbrigcn eine gefe|Iid^c SBormunbfd&aft überhaupt
nid^t Icnnt, burd& bic Slnerfennung einer fold^en in bem Ijier in iHcbe ftel^enben
einjelnen ^alle ba^er bie Sinfod^^eit bed ©efegbud^ed ot)ne 3loti) geftört
n)erben n)ürbe.
4. S)er »cftimmung bcö preufe. 91. S. 91. II, 2 § 256, bafe bie Döter^ rnnthtun
l\6)t ©croalt in golgc ©ntmünbigung beö 93aterö wegen SSerfd^roenbung auf^ roeflenlß«-
Idört, ift bereite in ben SWotioen ju § 1554 oben S. 819, 821 gcbad)t. 3lad) ^^wenbunß.
bem ©ntrourfe rul^t in bicfem gallc bie clterli^c ®tmali mit 2luöna^me bcr
elterlichen ^Wulniefeung (§ 1554 2lbf. 1).
5. S)aö preufe. 91. S. di. II, 2 §§ 257, 258 löfet bic üäterlid&e ©eroalt aufeer^- ««ri«ff<« ^
bem bauernb ouff)ören, rocnn ber SBotcr, um \i6) feinen Untert^onenpflid^teu
JU entjiefien, quo ^ßrcufeen fi^ entfernt ober bic Äinber oorfä^lid^ l^ülfloö o^nc
aiuffid^t t)crlä§t. 5Bom ©tanbpunftc beö ©ntrourfeö an^ bcbarf cd in biefcr
9lid[|tung befonberer 83cftimmungen nid^t ; oielmefir rcid&cn bic SBorfd&rif ten ber
§§ 1546 ff. über bie Sefugnife bcö SBormunbfd^aftSgcrid^tcö, gegen ben Snl^abcr
bcr elterlid^cn (Seroalt cinjufc^reiten, bejro. bic SSorfc^riften bcö § 1554 2lbf. 1
über baö 9lu^cn bcr cltcrlid^cn ®croalt auö. Unter Umftönben fann in bem
gaDc, rocnn bcr Sn^abcr ber elterlichen ©eroalt fein Äinb norfäglid^ ^ülfloö
t)crtaffcn \)at, auf ©runb beö § 221 bcö Str. ®. 33. in SBcrbinbung mit § 1559
bie eltcrlid^e ©croatt aud^ fraft bcö ©cfcfecö oerroirft rocrben.
6. ®a nod^ preufe. 91. ü. 91. IT, 11 § 1199 ÜJlond&e unb 'JJonnen nad) *|^«'
abgelegtem Äloftergclübbe in 9lnfcf|ung aller rocltlit^cn ©efd^öfte alö nerftorbcn ^*
angcfeljien rocrben, fo beenbigt baö üfoftcrgclübbe bcö Sßötcrö aud) bic oätcrlid)c
©croatt. aWit ber oon bem ©ntrourfe anerfannten SRcd^töffl^igfcit iener ^ßcr-
fönen fällt aud^ biefe Äonfcquenj oon felbft roeg. Uebrigenö fann bcr ©intritt
bcö Sni^öberö ber elter lidöcn ©croatt in ein Äloftcr baju führen, bafe baö 33or-
munbfd^aftögerid&t bemfctben geeignctcnfallö mä) 3Jla§gabe beö § 1546 roegcn
SBemadlitäffigung ber x\)m gegenüber bem Äinbc oblicgenbcn 5ßflid^ten bcr
©orge für bie 5ßerfon bcö Icfeteren bie cltcrlid^e ©eroalt cntjicf)t.
7. ®ine bem § 1709 cntfprcdj)cnbe Söorfd^rift f)at bcr ©ntrourf bei ber
clterti(^en ©croatt nid^t für crforbcrlid^ crad^tet. 3)ie Uebertragung bcr auf
Sinigfeitörüdffid&tcn berulienben S3cftimmung beö § 603 auf ben SSormunb
rechtfertigt fi^i im J^inblidEc barauf, bafe ber SBormunb Dcrmögc bcr angemeinen
83ürgerpflid&t gejroungen roirb, eine fo fd^roerroiegenbc SBcrpflid^tung, roie fic
bie SSormunbfc^aft mit fid^ bringt, ju übernehmen. S)aö ©Icid^e gilt aber
nid^t oon bem Snl^aber ber elterlid&en ©croatt. S)cr Siegel nad^ roürbe jubcm
für bie entfprec^cnbc 9lnroenbung bcö § 603 nur in bem gaüc 3laum fein,
roenn ia& unter elterlicher ©croatt ftel^cnbe flinb Dcrftorben ift. S3cim fRnf)^\\,
ber ©ntjiel^ung ober ber SBcrroirfung ber etterlid&cn ©croatt unb in anbercn
göUen, in roeld^cn bie Icfttcrc beenbigt roirb, roirb bcr Snl^abcr bcr eltertid^cn
©croatt faft immer Renntnife baoon l^aben ober bod^ ^aben muffen, baß feine
^nftion alö gefcfttid&er SBertrctcr erlofd^en ift. 3« bem galle aber, in roetd^cm
baö ftinb Dcrftorbcn ift, roirb er regclmä§ig aud^ bcr 6rbe bcö Äinbeö fein;
aufeerbem ftefien il^m bic S3orfdj)riften über bie ©efd^äftöfü^rung obne Sluftrag
unb über ben S3ereid^erungöanfprud& jur Seite. Sollte aber aud^ in cinjclncn
göDen ber 3nl|aber ber cttcrtidSien ©croatt ol^nc bie Uebertragung bcö § 603
830 ®Itcrlid&c ©ettjalt. Sccnbiflung. § 1557.
tDirflid^ in Slac^ti^cil fommen, fo fann bicö für 'x\)x\ gegenüber ben auö bcr
elterlichen ©croalt unb ber bamit ucrbunbenen cltcrlid^en SWu^nicfeung i^m
ern)ad[lfenben Sßort^eilen nicftt inö ©eroid^t fallen.
©ewcifiiafi. 8^ Sefonbere S3cftimmungen barüber, roen bie Scroeiötaft trifft, wenn
bie gortbaucr ber elterlichen (Seroalt beftritten ift, finb alß entbc^rlld^ erad^tet.
3)ie ®ntf(^cibung bicfer j^^age an ber $anb ber attgemeinen ©runbfäge
(§§ 193, 194) bleibt beRer ber Suriöprubenj überlaffen (Dcrgl. ©euffert
Xn, 339, XV, 36; (Snifd). b. dl. ®. III, 74 ®. 355, XIIT, 63 ©. 178,
VII, 3 ®. 26, XIV, 71 ®. 213 ff., XVII 25 S. 103).
§ 1557.
tob bc4 1. 5)(j^ i)urc^ ben Zob beö Jtinbeß bie üormunb)ci)aftlid)e Seite ber
clterlid^en ©eroalt crlif^t, ift fclbftt)erftänblid&. ^Dagegen fann eö an fxäf nid^t
ot)ne SBeiterefi für felbftüerftänbtic^ erachtet rocrben, ba§ bie elterlid^c ©eroalt
mit betn 2^obe beö Kinbeö aud^ nad^ ber ocrmögcnöred^tlit^cn ©citc ^in vo\U
ftänbig erlifd&t, rote fd&on barauä ^eroorgelit, bafe nac^ einjclnen Siedeten bie
"Jiulnicönng unter geroiffen SJorauöfcfeungen fortbcftel^t (uergl. Nov. 118 c. 1, 2;
©rläuterung o. 9. aKärj 1819 jum bab. 2. 5R. ©aß 384). SGBenngleid^ na^
ber 9lrt, roie bcr ©ntrourf bie elterlid&e Slugnicfeung geftaltet ^at, bie 3urid*
prubenj t)orauörid&tlid() au^ beim Sd&roeigen beö ©efeßcö bal^in gelangen
roürbe, bafe audö bie eltcrlidjc SHußnicßung mit bem 2^obe beö Kinbcö erlifd^t,
fo ift eö bod) alö ratljfam unb ber SBollftänbigfeit roegen alö angcmeRen er*
a^tet, im § 1557 9lbf. 1 auf ben ^ier fraglid&en SBeenbigungögrunb ^in?
äuroeifen (üergl. audE) fädif. ©.33. § 1829; ital. ©.33. 9lrt. 232).
fßomitxxQs 2. S)ie ©rünbc, aus roeld&en burd& bie SSoUjäl^rigfcit beö Hinbeö bie
elterlid&e ©eroalt beenbigt roerbcn foU, finb in ben SKotioen ju §§ 1501, 1502
oben ©. 726 ff. bereitö bargelegt. Dbrool^l biefer 35cenbigungögrunb fi^ fd^on
au^ ber »eftimmung beö § 1501 Slbf. 1 ableiten läfet, fo ift bod^ beffen
^eroorl)cbung an biefer ©teUe bei ber großen praftifc^en Scbeutung beöfelben
unb ber erheblichen Steuerung, rocld^e mit beffen Slnerfennung für einen großen
3:^eil beö beutfc^en SRed&tögebicteö eintritt, ebenfo angemeffen alö geboten.
BouiÄ^rifl* s)Q^ ber aSoHiä^rigfcit beö Äinbeö bie aSoHjä^rigleitöerflärung beöfelben
ei-fwrunfl. aud) iu ber ^ier fraglid^cn c^inftdtit gleid^fte^t (oergl. öfterr. ©. S3. § 174;
^eff. @ntro. III 3lrt. 38; roeimar. ©ef. t). 27. ä»ärj 1872 § 17; braunft^ro.
©ef. D. 19. aRai 1876; ^amb. SSorm. 0. v. 14. ©ejcmber 1883 2lrt. 6, 63,
68), brandet im i^inblicte auf bie 35orfd6rift beö § 26 nid^t befonberö ^eroor*
gehoben ju rocrben. Slud^ im Ucbrigen ift in bem ©ntrourfe, abgefel^cn von
bem anberö liegenbcn gattc beö § 1233, mit SRücffid^t auf bie SBorfd^rift beö
§ 26 ber aSoUiä^rigfcitöcrflärung neben ber SBoUjä^rigleit nid^t befonberö gc*
bad^t. 3)aö aKifeoerftänbnife, bafe bie SBoHiäl^rigfeitöcrflärung in ber ^ier
fraglid^en §infid^t ber SBoHjä^rigfeit nid^t gleid^fte^e, roeil eö fid^ nid&t bloö
um bie ©tellung beö aWinberjä^rigcn, oon rocld^cr bcr § 26 junäd^ft fprid^t,
fonbern iugleid^ um Siedete Sritter ^anbele, nämlid^ um bie Sled&te beö 3n*
l^aberö ber clterlid^en ©eroalt^ ift nid^t ju beforgen.
ßrtcrfid&e @ctt>aU. »ecnbigung. § 1557. 831
SSon benieiügcn ©cfcggcbungcn, nad^ rotlä)tn bic eltcrlldic ©cwalt burd^ ^^^^^^^^^
bic SBoniä^rigtcit bcö Äinbcd bccnbigt wirb, loffcn baö öftcrr. 0. 93. §§ 172, "'Ät
173 unb baö roclmar. ®c[. v. 27. $Körj 1872 § 18 unter geroiffen SBoraus*
fcfeungcn eine SBcrlängenmg ber oäterIi(!bcu bejro. ber ettcriid&en ©eroalt über ^**siX^**
bie aSoHiäl^rigleit bcö Äinbeö ^inoiiö eintreten. 9lm toeiteften gel^t in bicfer
^infid^t baö öfterr. ®. 93. 2luö geredtiten Urfad^en fann bie §ortbaucr ber
Däterlid&en Oemalt über bie SBoIIiöi^rigfeit beö ftinbeö l)inauö auf 3lnfuc^en
befi aSaterö t)on bem ©eric^tc bcroiUigt werben. Site geredete Urfad&en toerben
folgenbe gätte bejeid&net: wenn baö Hinb ungeadEitet ber SSoUjä^rigfeit wegen
fieibeö« ober Oemüt^ögebred^en fid^ felbft ju oerpftegcn ober feine angelegen-
f)eiten ju beforgen niddt oermag, ober wenn eö fid^ roä^renb ber SWinberjäörigs
feit in beträd&ttid&e Sd^ulben üerroicfelt ober fold^er 93ergel(|ungen fid^ fdEiulbig
gcntod&t ^at, wegen roetd^er eö nod^ ferner unter genauer Sluffxd^t gehalten
werben muß (üergl. aud^ § 251 beö ofterr. 0. 93.). 3tad^ bem rocimar. (Sefefte
baucrt über unoerl^eiratl^ete Äinber, roclt^e wegen ®eifteöfranf^cit, Oebred^lic^^
feit, SBerfd^roenbung ober Slbtoefen^eit fonft ju beoormunben fein würben, bic
eltertid^e ©eroalt einfd(|lic§Iid) ber clterlld^en 5Wufenie6ung fort, foroeit baö
SBormunbfddaftögerid^t na^ oorgenommcncr ©ad^untcrfuc^ung bie gortbauer
beftätigt. S)ic etterli(^e ©croatt enbigt bann in gleid^er SBcife, roic eine in
berartigen gäUen angeorbnete SBormunbfd^aft.
3luö bem Dormunbfd&aftlid^en Äarafter ber elterlid^en ©eroalt folgt, bafe «»««^p»«'«
eine SBerlängerung ber etterlid^en ©croatt über bie SSoDiä^rigfeit beö Rinbeö cntwwrfes.
llinauö iebenfattö nur für fold&e göBe in grage fommen fann, in roetd^en baö
aSormunbfd&aftögcrid^t einen ©runb jur 93eoormunbung ooUiä^riger ^crfonen
anertennt, alfo für fold&e gölle, in roeld&en baö Äinb roegen ©eifteöfranfi^ieit
ober a3erf(^roenbung entmünbigt (§ 1726) ober bcö Dormunbfd^aftlid^en ©d^ufeeö
nad^ aRo§gabe bcö § 1727 für bebürftig erflärt ift. gür eine SBcrlängerung
ber eltertid^en ©eroalt in berartigen gälten lä§t fi^ anführen, bafe f)ier bic
©d^ufebebürftigfeit beö Äinbeö unb bamit bie fitttid^e 5ßflidöt ber ©Itern, für
baöfelbe ju forgen, fortbauere, baö bicfcm natürtici^cn aSerliättniffe entfpred&enbc
red&ttid&e S3erf)ältni6 aber bie ettcrlidöe ©eroalt fei, ba§ ferner in gotge ber
gortbauer ber mit ber clterlid&cn ©eroalt Dcrbunbencn ctterlid^en Jlußniefeung
bie Slotl^rocnbigfeit einer Sttbret^nung oermieben roerbe, roenn, roic in ben ^ier
fraglid^en gälten aUerbingö meiftenö ber galt fein roirb, bie ©Item baö Äinb
aud^ über beffen SBoDiä^rigfcit l^inauö 5u unterf)altcn oerpftit^tet feien. 3n*
bejfen biefen ©rroägungcn gegenüber falten cntfd^eibcnb inö ©eroid^t bie-
icnigen in ben aHotiücn bcö S8ormunbfd6aftöred^tcö ju § 1729 bargelegten
©rünbe, roeld^e ben ©ntrourf beftimmt liaben, im 3ntereffe ber 33erfe^rö*
fid^cri^eit aud^ eine gcfcfetid^c üßormunbfd^aft ber ®ltcrn über Doltiä^rigc
Rinbcr nid^t anjucrfennen. 3^^^^"^ fi^9t fein genügcnber ©runb oor,
jroif dden fold&en gälten, in roeld&en baö Äinb bereitö beim (Eintritte ber
SBoltiä^rigtcit bcö Dormunbfd&aftlid^cn ©d^ufeeö nad^ aWafegabc ber §§ 1726,
1727 bebarf, unb jroifd^cn fold^en gälten in roeld^cn biefcö 93ebürfni6 crft
fpäter nad^ 93eenbigung ber eltcrlidE)en ©croatt eintritt, }u unterfd^eiben unb
in ben erftcren gälten bic cltcrlid^e ©eroalt ju Dcrlängcm, in ben Icgtcren
gälten aber nid&t rolcbcr bic cltcrlid^e ©croatt, fonbcrn eine ftrengeren ©runb^^
. x
\
832 eitcrli^c ©etralt. S^ccnbigunfl. § 1557.
[ä|cn unterlicgenbc 9Sormunbfd^aft eintreten ju laRen. ©ine [o(d^c Siegelung
gefö^rbet aufeerbcm bie SSerfe^röfid^er^eit, bo bcfiufö geftftellung ber Scgiti-
mation ber ©Itern ate SBertreter bed Dottjä^rigcn Jtinbeä immer unterfud^t
werben müßte, ob ber ©runb jur Seoormunbung beö Äinbeö fd^on jur Qüi
ber SSoUjä^rigfeit bes lefeteren oorl^anben mar ober erft fpöter eingetreten Ift.
33ad ©i)ftem wirb erfieblid) oereinfad&t, roenn uolliä^rige 5ßerfonen in attcn
gällcn unter ber 'Bormunbfd^aft beftellter SSormünber ftelien. 2)em natürlid^cn
aSerl^ältniffc jroifd^en bcn ®ltern unb i^rcn üolliä^rigen, beö oormunbfd^aftlid^en
©d^ugeö ober nod^ bcbürfenben Äinbern ift baburd& in ausreid[|cnber 3Beife
SWed^nung getragen, bafe bcn ©Item burd^ bie Seftimmungen ber §§ 1729, 1733
ein oorjugöroeifeö Slnre^t auf Uebertragung ber SBormunbfd&aft unb eine freiere
Stellung alß SSormünber il^rer DoDiäf^rigen Äinber eingeräumt ift.
lob befi ?n. 3. 2)cr § 1557 3lbf. 2 roeift junäd^ft ber aSoIlftänbigfeit megcn barauf
ciuxm^&t» i^in, ba6 bie elterliche (Semolt beö ^nbaberö burc^ ben 2^ob beö legteren (oergl.
waitK. preufe 31. S. 3?. II, 2 § 270; fädif. ®. 93. § 1829) unb burd^ bie Slnna^mc
beö Äinbes an .Slinbeöftatt beenbigt wirb (uergl. aud& § 1520 üerb. mit
§ 1014 3lbf. 1, ferner § 1626). 5Die ®rünbe, auö meldten mit ber Slnnabmc
an Äinbeöftatt für bie leiblid&en ©ttcrn bie 93eenbigung ber clterlid^en ©eroalt
oerbunben ift, ftnb in ben SKotiüen ju § 1626 bargelegt.
erKämnß *' ^^"^ ^^^'^ ^^^ ^u^aberö ber elterlichen ©eroalt ftellt ber § 1557
9lbf. 2 ferner bie ©rlaffung beä Urtfjeileö gleid), burt^ roeld^cö ber 3inf|aber für
tobt erflört roirb (oergl. § 1327 5»r. 4, § 1704 3lx. 1). @ntfpred&enb bem
§ 1501 aibf. 2 tritt baf|er in einem fold&cn gaUe an ©teile ber clterlid&en
©eroalt bes für tobt erflärtcn aSaterö bie elterlid&e ©eroalt ber SKutter. Diefe
9lrt ber Slegefung fd^afft einfädle unb Ware SScrJ^ältniffe. Ueber ben ©influfe
ber SCobeöerflörung auf bie ettertid^e ©eroalt beö für tobt ©rllärten ganj ju
fdbroeigen unb eö in bief er S3ejiel^ung lebiglid^ bei ben allgemeinen ©runbfäfeen
na6) aWafegabe beö § 21 beroenben ju laffen, ift bebcnflid^, ba fonft im galle
ber giüdffelir beö für tobt erflärten Snl^aberö ber elterlid^en ©eroalt ober beö
Slad^roeifeö feines in SBirftid^feit erft fpätcr erfolgten a;bbeö bie ©üttigteit
ber SRed^tögefdbäfte, roeld^e von bem auf ©runb ber 2:obeöerflärung an Stelle
beö für tobt erflärten ^ni^aberö ber elterlid^en ©croalt getretenen gefefilid^en
aSertreter beö Slinbeö für baö legtere gefd&loifen finb, in grage geftcüt werben
unb aud) bie gortbauer ber elterlid^en 5Rutfnie6ung ju aSerroidelungen SKnlafe
geben fönnte. 9luf ber anberen Seite fel^lt eö aber an einem genügcnben
©runbe unb roürbe eö unbillig fein, bem für tobt erflärten ^nl^aber ber elter*
lid^en ©eroalt bie lefetere aud^ im galle ber Mdhl)t nocS) länger Dorjuent^
ISialten. 35eö^alb geroäl^rt ber § 1557 2lbf. 3 nad^ Analogie beö § 1332 bcm^-
felben bie aKögiid^feit, bie elterlid^e ©eroalt burd^ eine l^ierauf gerid&tcte,
gegenüber bem SBormunbfd&aftögerid^te abjugebenbe SBiUenöerflärung jurfi*^
juerlangen. 2)a6 in einem fold^en galle baöienige SSermogen beö ftinbeö,
roeld)eö o^ne bie S3ecnbigung ber elterlid&en ©eroalt freieö a3erm5gen beö
ftinbeö geroefen fein roürbe, aud^ nad^ ber SBieberJ^erftcHung ber elterlid^cn
©eroalt freieö SSermogen beö ^nbeö ift (üergl. § 1332 oerb. mit § 1331
2lbf. 1 Saß 2), fann nid&t jroeifel^aft fein unb bebarf beö^alb feineö bc^
fonberen äluöbrudeö.
eitcrlid&c ©ctoalt. »cenbiöuno. § 1558. 833
®in Scbürfiiig, in gteid^er SBcife oud^ an bic S:obedcrt(ärung beö «obe«-
ftinbcö bic »eenbigung bcr elterlid&en ©eroalt p fnüpfen, ließt nid&t üor, ba "'"«&**
i^icr bie 9lfirffid&t auf bic älufred&ter^altung bcr von bcm 3in^aber bcr cltcr*
liefen Oeroalt qIö SScrtrctcr beö Äinbeö gefd^Ioffcnen Sied^tögefd&äfte lüd&t in
gragc fommeu fann. Slnbcrcrfcitd roürbc eö in bicfcm gallc unbillig fein, wenn
ber Sn^aber ber cltcrlid^cn Oemalt im galle bcr SRüdffel^r beö für tobt er*
Härten Äinbeö für bie 3njWcnjeit bie SSortl^cilc bcr elterlid^en Sßuftniefeung
unbebingt einbüßen foUtc. Slud^ bic Orünbc, auf rocld^en bie SSorfd&rift beö
§ 1703 3lbf. 1 S«r. 1 beruht, treffen ^ier nid&t ju , ba im galle ber Slü*
tc^r beö Äinbcö bod& immer mieber ber biö^erigc Sn^abcr bcr elterlid^en Oe«
walt alö fold&cr eintreten mürbe, fofcrn nid^t injmifdEien axi^ einem anberen
Orunbc bie cltcrlid&c ®emalt beenbigt fein foUtc.
9tti9t
§ 1558.
I)ic ©inmirfungen, meld)c bic Sd^licfeung einer neuen G()c auf bie »ieberwr*
Stellung bcr ©Itcrn gegenüber ben Äinbem auö einer frül^eren 6^e mit [xä) ber^wS.
bringen, mad^cn fid^ bei ber SButter naturgemäß in pl^crcm Orabc füljlbar,
mie bei bcm 93ater. S)ementfpred^cnb uutermirft anä) baö geltenbc JRcd&t auö
bcm Ocftdötöpunftc ber ©cfäljrbung ber 3ntcreffen ber Äinbcr auö früherer
6l)e bie bcr SJlutter fonft gegenüber ben Äinbern juftel^enbcn Sted^tc im galle
bcr SBicbcrücrlicirat^ung ber 3Äutter regelmäßig meit cingreifenbercn Sc-
fdöränhmgen, alö bie bcm 93ater gegenüber ben Äinbcrn juftclicnbcn SRcd^tc im
gallc ber SBieberücrl^ciratliung beö SSaterö.
9lnlangcnb inöbefonberc baö ber 3Buttcr 5uftcl^enbe 6rjicl^ungörcd[)t, fo ®ä*2?**
ücrlicrt bie 3Buttcr nad^ rom. SHed&tc burdb i^re SBicberöerl)ciratl)ung iebeö
SRcd^t auf bie Ucberlajfung ber ©rjic^ung bcr Äinber (Nov. 22 c. 88). ©d^on
baö gemeine SWed^t ficljt bagegen in ber aBicbcröcrlöcirattiung ber aSutter feine
unbebingte SWötfiigung für bie Dberüormunbfddaft, bcr 3Äuttcr bie ©riiel^ung
iu ncl^mcn, fonbern nur einen Slnlaß, ju ermägen, ob ftc ber SWutter bie Gr*
jic^ung ber Jlinber ferner ju bclaffen i^abc. S)cnfelben 6tanbpunft nel^mcn
bic meiften neueren ©efefegebungen ein (ocrgl. preuß. 31. S. 9i. II, 18 § 317;
preuß. SBorm. D. v. 5. 3uU 1875 § 28 unb baju Stcgicrungömotiüc ©. 70;
fäd^f. 0. SB. §§ 1892, 1977, 1923; öfterr. @. 33. § 218; entro. b. bai)r.
33orm. D. t). 1874 § 60 nebft ÜKotiuen ©. 71). 3lad) franj. SHcd^tc (oergt.
Code civü ärt. 372, 373, 390, 395, 396), bcm ^cff. (Sntm. III 3lrt. 19 biö 26,
bcm ital. 0. 93. 3lrt. 237 unb bcm meimar. ®ef. ü. 27. SWärj 1872 §§ 1, 3, 15
fann ber 3Äuttcr baö il^r alö Sluöffuß bcr cltcrlid&cn ©eroalt juftclienbe
Grjic^ungöred^t auf ©runb bcr SBiebcröcr^cirat^ung übcrl^aupt nidbt entjogen
werben; bod^ ift nad& bcm ital. ©. 33. bcr gamilienratl; 9lnorbnungen bcjüglid^
bcr 6rjiel)ung ber Äinber mit gcrid&tlid(icr ©enc^migung ju treffen befugt.
3ft bic aKutter, roenn ftc eine ncxic G^c fd^licßt, SSormünbcrln i^rcr
Äinber, fo verliert fic gcmcinred^tlid^ bic 33ormunbfd^aft. 2)iefer ©runbfafe
ift aud^ in oielcn ^partifularrcd^tcn feftgclöaltcn, inöbefonberc in Dcrfdöicbenen
bai)r. Statuten (ocrgl. aud) ba^r. ©ntro. einer 33orm. D. § 30 9lr. 3, §§ 37, 87),
anottoe i. Mrqttl Gffe^bud^. IV. 53
834 ertcrlidbc ©eiralt. SBccnbigung. § 1558.
foiüie im prcufe. 3(. C. 9J. II, 18 § 188. dagegen IjaUn bie mciften
«eueren ©efcfegebungeu biefc imbebingte Unfäl)igfeit bcr roieber l^ciratl^enben
aßuttcr iur gortfütining bcr SSormunbfd^aft aufgegeben unb eö in ba§ me^r
ober weniger freie ©rmeffen ber Dberöormunbf^aft gcftellt, barüber 5u cnt-
fd^eiben, ob e§ im befonberen goflc jroedfmofeig fei, bcr SDluttcr bie SSormunb*
fd^aft ju belaifcn (oergl. fä# 0. 93. §§ 1892, 1977; prcufe. «orm. D. § 17
gjr. 3, §§ 21, 64). Sluf bicfem »oben fteljen aud) ha^ franj. SRcd^t in SSm
fel;ung ber gefe|Iid)en SSormunbfdjoft bcr aJlutter (code civil 2lrt. 390, 395,
396), foTOie in Slnfcl^ung ber mit ber clterlid^en ©croalt bcr aWutter ocrbunbcnen
SScrmögcnöoerroaltung ber deff. ©ntm. III 9lrt. 26—28 «nb baö itol. ®. 95.
2lrt. 237—239. Sogegen oerliert uad& bem loeimar. ®ef. o. 27. aJlärj 1872
§ 15 bie aWutter atö 3nf|aber ber elterlid^cn ©croalt, xümn fic eine neue G^c
fd^Iiefit, otjue Unterfd^icb bie aSermogenöocrmattung (oergl. ferner brcm.
tBorm. D. o. 14. 9Woi 1882 § 9, 80). 3lud& nod^ ben bagr. Statuten, meldte
ier 3Butter bie cltcrüdbe Oeroalt geben, mirb bie lefetere burd) bie SBieber-
Dcr^cirat^ung ber 2)lutter beenbigt.
9Jad6 bem code civü 3lrt. 386 unb bem ital. 0. 93. 2trt. 232 ^at ferner bie
SBiebcrocrliieiratijung ber 3Äuttcr ftctö ben Sierluft ber elterlid^en ^lu^nicfeung
jur golge. 9lad^ bem roeimar. ®cf. § 15 bagegcn uerbtcibt bie le^tcrc bcr
äßuttcr. 2)adfe(be fd^eint aud) nad^ bem Ijcff. ßntm. ber goD 5U fein,
©tonbpunft 3n TOcfentliddcr Uebereinftimmung mit bem geltenben 9?ed&te gel^t bcr
entiwfrfes. ©iitmurf juiiäd^ft baoon aus, bafe ber SWutter, rocldjc eine neue G^e fd^Iicfet
unb baburd) in ein Slbpngigfcitdoer^öltnig ju einem ben Slinbcrn aud bcr
frül^crcn G^e frembcn SJlannc tritt, üon bem ©efid^töpunftc ber ®efäf)rbung
bcö Sntereffcö bcr Äinber aus iebenfallö ein 3led)t auf bie Sorge für ba&
95ermögen unb auf bie gcfejjlic^e SSertrctung berfelben in pcrfönüd^cn Sin«
gclcgenf)eitcn alö Sluöffufe ber eltcrlid)en ®eiüalt nid^t ferner gemährt mcrben
fann (ocrgl. anä) § 1707, 1733 Slbf. 3). 3m ^inblicfe auf bie freiere
Stellung beö 3nI|aberS bcr citerlid&en ©cmalt ift cö aber aud& afö bcbcnflid)
erad^tct, bem Grmcffen beö SSormunbfd&aftögcrid^tcß ju übcrlaffen, ob bcr
äßuttcr iene 9tcd^tc in bcr gorm ber cltcrlid&cn ®en)alt belaffcn merben foUcn,
S)er Gntmurf läfet bcßl^alb jene SRcd^te ber SWutter burd) bie SBiebcrocrlieiratfiung
bcr Ic^tercn fraft beö ®efefeeö cnbigen, geftattet aber bem SBormunbfd^aftö*
gerid^tc, bie aRutter mit 3"ftimmung il)reö Gl)cmanneö jum SSormunbe U)vtt
Äinber ju beftcHcn, in mcld)em galle biefclbc, wie icber anbcre SBormunb, ben
allgemeinen @runbfä|cn beö SBormunbfdöaftörcd^tcö, inöbefonbere ber regel-
mäßigen Sluffid^t beö a}ormunbfd)aftögerid^tcö, untenoorfen ift (ocrgl. §§ 1635,
1638, 1040 3lx. 4, § 1641). 3n)cifel^aft fann eö fein, ob man mit ber SBieber?
ücrf)ciratl)ung ber 3Äuttcr aud^ ben Sßcriuft bcr elterlidjcn Slugnießung i^cr-
binben ober bicfe ber 2Ruttcr nad& SÄa^gabc bcr §§ 1532, 1533 be*
laffen foU. gür bicfe Icgtcre Slltcrnatioe fann man neben bcr Slnalogic
beö § 1546 geltcnb mad^cn, bafe bie clterlid)e ^Jufenicfjung infofern, atö bie*
fclbe aSermogenöoortfieile gemäl^rc, ein fclbftänbigcö SRcd&t fei unb ber Sertuft
biefeö 9Jed()tcö in golgc bcr 2BiebcroerI)cirat^ung fic^ bal^cr materiell atö
eine Strafe barftelle, bafe fein geniigenber ®ninb vorliege, bie Siedete ber
micbcr l;ciratl^cnben a)htttcr loeiter ju bcfd)rfinfcn, alö burd^ baö Sntcreffc
elterliche ©eiwalt. ^ccnbigiuid. §1558. 835
ier Äinbcr aus bem ©erirfjtöpunftc bcr ®efäf;rbung ber Icfeteren geboten fei, ba^
ferner bic elterli^e 5Wu|nie6ung bic Äinber in eine bem notürlid^en 33erl)ä(tniv|c
jroifd^en ßltern unb Äinbern entfpred^cnbe Slb^ängigfeit bringe unb, fomeit bcr
"Sßutter bie Unterljaltöpflic^t obliege, aud^ jur aSermeibung Don 3lbred)nungen
fid^ empfel^le. Ueberroiegenbc Orünbe fpred^cn jebod^ baffir, im Slnfd^lnffe an
baö fronj. Sted&t mit bcr SBieben)er^ciratl)ung ber SÄnttcr and) ben SSerluft
ter citerlid&en 5Rn|nie6nng eintreten ju (offen. Sic gortboncr ber cltcrtidjen
Dtugniefeung fül;rt baljin, boß, wenn baß SSermogcn ber Sinber auö ber früficren
<Sl)t ein crl^cbUd&cö ift, bie ©infünftc biefeö a3ermögcnö.änm 2:f)eil in eine frembc
gamilie übergel^cn. Sic Unjutroglid&fciten, mcld&e überl;anpt mit bcr elterlid^cn
9lu|snie§ung ber Sßultcr in geroiffem 03rabc Dcrbunben fein fönncn, wenn ein
'2^^eil ber Äinbcr bie aSoIIiäl^rigfcit crreid&t \)at (oergl. oben ©. 738 ff.), treten
im gallc ber 3Bicben)crI|eiratt)ung bcr aWuttcr mcl^r l^crüor unb werben weniger
Icid)t auögegtid)cn. 3lu(i& fann bie gortbauer ber cltcrlid^en Siufeniefeung baju
beitragen, in mand^cn, üiellcid^t im 3ntereffc ber Äinbcr nid^t münft^cnöroertlj
crfd^einenben gällcn bie 9Bicben)erI|cirat{)ung bcr SJluttcr ju beförbern.
©agcgcn ift es nad) bem SSorgangc bcö franj. 9led(|tcö unb bcö meimar. ^^atf«««*«
Ocf. unb in ^[nle^nung an ben äi^nndjen ©tanbpunft ber preufe. SSorm. D. ^^^^erfw.****
<jtö unbcbcntlid& erad&tet, bcr SJlutter, and) roenn fic eine neue (Sf)c fd^Iicfet,
bic tljatfäd^tid^c ©orge für bic 5Pcrfon ber Äinbcr ate ein residuum ber eltcr?
üd)cn ©eroalt, unabfjängig üon bem Grmeffen ber Dbcroormunbf d^af t , jcbod)
-mit bcr ajlobifitation ju bclaffen, bafe in 9lnfcl^ung ber 2luöflbung bicfcr Sorge
t)cr SBormunb bcr Äinbcr bie im § 1540 bejeid^netc ©tellung eines Seiftanbcö
•l^ot. S)urd^ biefc SKobififation roirb ben Äinbern auörcid^cnber ©d^ufe gegen ©c-
fälirbung gewährt (oergl. aud& § 1554 äbf. 2). Saö 3lcd5t bcr SKutter in
9lnfcl)nng bcr tljatfäd^lidjcn ©orgc für bic ?ßcrfon bcr Äinbcr nod& weiter ein-
jufd&räntcn unb bem SBormunbc ber legtcrcn bei Sluöübung bicfcr ©orgc eine
*3Bitwirfung in bem ©innc einjuröumcn, ba§, wie im gallc beö § 1506 bcr
aSater, fo l^ier ber SSormunb bei 3)tcinungöt)crf^iebenl^citen ju entfd^eiben I;abe,
würbe über baö Scbürfnifj l^inauögc^en unb bem Einbringen Dormunbf^aft-
lid&cr Organe in baö innere Familienleben oljnc 9lotl) in ju weitem Um-
fange SHaum geben. Saö 9tatürlid6c ift, ber ÜRutter junäd^ft bic ©nt-
fd^cibung ju überlaffen. ©laubt ber 33ormunb, baft burd^ bic ©ntfdöeibung
bcr aRuttcr baö 2Bof|l beö Äinbcö gcfäljrbct werbe, fo ^at er bem Sßormunb*
fd^aftögerid^tc Slnjcigc 5u mad^en unb baö ©infd&reitcn beö (efeteren nac^
IKafegab^ beö § 1546 ju üeranlaffen. S)cr ©tanbpunft beö ©ntwurfeö in
ber bicr fraglid^cn Sejic^ung ftimmt im SBcfenttid^cn mit ber preufj. Sorm. C
§ 28 überein.
S)a bie bcr 3Äutter naä) *9)la6gabe beö § 1558 ©aß 2 ücrblcibenbc tljat^
fäd^lid^e ©orgc für bic 5ßcrfon beö Äinbcö fid) alö ein residuum ber hnxd) bic
SBiebcrocrl^ciratl^ung beenbigten eltcrlid&en ©ewatt barftcUt, fo Dcrftel^t eö fid)
von fclbft, bafe infoweit bic Süorfddriften über bic eltcrlid^c ©ewalt, inöbefonberc
bie ^orfd^riftcn beö § 1546 über baö ©infd^rciten beö 93ormunbfd^aftögcrid)tcö
<t)ergl. § 1685 Saft 2), fowic bie »orfdjriftcn ber §§ 1554, 1556, 1557,
1559—1561 über ba& 9?ul)en unb bie Secnbigung bcr elterli^en Okwalt cnt*
fprcc^enbe STnwcnbung finben muffen.
53 •
SR«!^t.
836 eitcrii^c @ctt?art Secubiguno. Sßcrnjirfuno. § 1559.
§ 1559.
Berwirfunö ©afe fold^c Seftimmuiigcu, wctd^c an bic Scgel^ung geroiRcr ftrafborcr
^'"slmaa ^" ^öi^Wungcn ober an bic SBcrurt^eilung bcö 3nf|aberö bcr cltcrtid^en ©cwatt
Tücgen getüiRer ftrafbarcr ^anblungcn bcn SBcrtuft bcr cltcrlid&cn (Seroalt an^
bem ©efid^töpunfte bcr ©efäljrbung bcr Si^tcrcffcn bcö Äinbcö fnüpfen, bcni
^JJrbatrcd^tc angcprcn unb nid^t in ba& ®ebict bcö Strafred^tcö Ijinübcrgreifcii^
fann nid^t jiücifcl^aft fein. ®ine anberc ^ragc ift, ob cä fold^er Seftimmungcii
neben bcn SSorfd^riftcn bcö § 1546 über bic ©ntjic^ung bcr cltcrti^cn Ocroott
burd^ baö 33ormunbfd^aftögerid^t überhaupt noc^ bebarf.
oeitmbes Slntangcnb baö geltcnbc SRcd^t, fo laffen baö rom. unb baö gemeine SHedjt
bcn SBcrluft bcr Däteriid^en Ocroalt fraft Oefefecö eintreten wegen (Singe^ung
einer blutfd&änberifd&cn SSerbinbung, ferner — obrool^I bieö nid^t unbeftritten
ift — wegen Sluöfcftung bcö Äinbcö unb roegen SSerfuppcIung ber 2:od^ter-
9lud^ naä) bem ba^r. S. SH. I, 5 § 7 3lx. 2 l^at bic 3luöfciung, SScrfuppelung
ober SBerfü^rung ber Äinber, foroic überhaupt fd&mcrer 2Rifebrau(I) bcr pätcr^
lid^cn ©croatt bcn SScrluft ber lefeteren jur golgc. 2)agegen ift bem fSd&f. ®. 93.^
bem ofterr. ®. S3. unb bem l^eff. ©ntu). eine SBcrmirfung bcr elterUd&en ©eroalt
in golge ber Segcl^ung geroiffer ftrafbarcr §anbtungen ober in golge ber
93erurtl)cilung rocgen fold^er unbefannt. 9lu^ bcr code civil enthält eine bcr*
artige Seftimmung für bic elterlid^c ©eroalt nid&t; bic gäl^igfcit jur gü^rung
einer SBormunbfd&aft unb bcmgcmofe aud^ bic gcfcglid^c SBormunbfd^aft bcr
©Itcrn l^ört jcbod^ von SRcd&törocgcn auf, roenn bcr SBormunb ju einer peim
lid^cn ober cnte^rcnbcn ©träfe tjcrurt^cilt roorben ift (code civil a[rt. 390, 443).
gemer tritt nad^ bem code penal 9lrt. 334, 335 ber SScrluft bcr elterli^en
©eroalt bircft ein, wenn bic ©Item fid& ber gerool^nj^citömäfeigcn SScrfuppclung
ilircr minberiäl^rigcn Jlinber fd^ulbig mad&en. ©in franj. ©ef. o. 7. S)ejembcr 1874
9lrt. 3 beftimmt aufeerbcm, bafe bic ®ltern bic eltcrtidjc ©eroalt ücrlicrcn^
wenn pe i^re Äinber jum gcrool^n^citömäfeigen Scttcln anl^alten. 3n 93aben
f)at na6) bem bab. 6inf. ©ef. jum bcutfdöen Str. ©. 93. v. 23. S)ejembcr 1871
3lrt. 14 3k. II bic aScrurtl^eilung cineö ©Itcrnt^cilcö wegen SBcrübung bcr ia
§§ 173—183 bcö ©tr. ©. S. bcjeid^netcn ^anblungcn in 93cjug auf ein eigeneö.
Äinb baö ®rlöfd^en ber bem Dcrurtlöeilten (Stterntl^cilc bur^ baö bab. 2. JR.
Saß 148—153, 371—374, 384 eingeräumten Siedete unb S3efugniffe über bie
5JJerfon unb baö SSermogen bcö Äinbcö, mitl^in inöbefonbere aud^ beö SRed&teö.
bcr cltcrlid&cn ©eroalt unb ber eltcrlidjcn SRugnießung, fraft ©cfcgcö jur golge.-
3n 3lnfebung bcr gcfcfeliddcn SSormunbfd&aft bcr (Sltcrn (2. 91. Saft 390) ift an
Stelle bcö burd& baö angeführte ©ef. Slrt. 2 3lx. I aufgehobenen 2. 91. Saft 443.
ieftt ber § 34 9lr. 6 bcö Str. ©. 93. mafegebenb. 3lud& baö roürttemb. 9le^t be*
ftimmt, bafe bicienigen 2lf jenbcnten, rocld^c wegen geroiffer an bem betrcffcnbcu
iJefäcnbenten begangener ftrafbarcr ^anblimgen (93lutfd)anbe, Sluöfeftung, SBer«
fuppelung, oorbebad&tcr Äorpcrperleftung, roibcrrcdjtlid^cr ©efangenl&altung,.
2:öbtung, beroaffneten Sluflaucrnö in mörberifdder äbftddt) ober rocgen Unter-
brüdCung beö gamilicnftanbcö rcd^töfräftig ju Sw^t^auöftrafc, Slrbeitö^auö^^
ftrafc ober geftungöftrafc ocrurtl^eilt roorben fxnb, aller ©Itcrnrcd^tc oertuftig.
fein foUen (oergl. roürttemb. ©ef. t). 5. September 1839 3lrt. 19, 27). genier
ertcrild&c Ociralt. Sccnbigung. SScnrirfuno. § 1559. 837
i)crliercn naä) bcm bai)r. Str. ®. S3. v. 10. SRooembcr 1861 3U1. 226
atfjenbentcu, roeld^c wegen ber bort bejcid^neten, an i^ren Slbfömmlingcn
begangenen SSerbrcd^en unb SSerge^en gegen bie ©ittüd^feit ju einer Strafe
Derurt^eilt fmb, baburd^ gegenüber bem migbraucbten Äinbc aDc ans ber elter*
lid^en ©eroalt jKefeenben Siedete. 9luf einem anbercn ©tanbpnnfte fte^t baö
preuß. JRed^t. ©aöfelbe fennt jroar anö) ben SSerluft ber tJäterlid^en ©croalt
wegen SBcrurt^eilung im ©trafüerfa^ren. ©ntfd^eibenb ift aber roebcr bie
befonbere 9latur ber ftrafbaren ^anblung, nodj ber Umftanb, bafe bie lefeterc
gegen baß Äinb ober an bem Äinbe rerübt ift, fonbern nur bie Slrt bejro. bie
^oI;c ber Strafe. 2)ie t)8terfi(i^c ©eroaft l^ort auf, wenn ber SBater wegen
grober SBerbredjcn ju bot^ter unb fd&mal^Hd^er 3w^tl^auö* ober geftungßarbeit
ober ju jebniäfiriger ober lebenölönglicber ©efängnifeftrafe ober jur Sanbeö-
verweifung oerurtl^cift ift (tJergl. preufe. 31. S. SR. II, 2 §§ 255, 259).
Cb unb inwieweit bie angefübrtcn lanbeögefeglidjen Seftimmungen,
weld^e an bie Segel^ung gewiffcr ftrafbarer $anblungen ober an bie SSer^
urtl^cihmg wegen fot^er ober an bie SBerurtbcilung ju gewiffen Strafen ben
SSerluft ber elterlid^en ©ewalt fnüpfen, burti^ baö Str. ©. S3. (ücrgl. Ginf.
©cf. jum Str. ©. S. §§ 3, 6) afe aufgel^obcn ansufel^en, ift beftritten; bod^
wirb iiberwiegenb angenommen, bafe biefelben infoweit nod^ in ©eltung fmb,
afö fie — waö wenigftenö bei ben meifteu ber %aU ift — nid^t eine SBcftrafung
befl S^l^äterö, fonbern nur bie Äonfequenjen aufl ber Statur unb ber begriffe
lid&en ©egenfeitigfeit ber redbtlid^ ancrfannten gamilieuDerl^ättniffe ju jieljen
bejwedfeii.
©er ©ntwurf ^at ftc^ im ^Prinjipc bcnienigen SRcdjten angefd^Ioffen, etonbpunft
weld^c in gewiffen gaDen eine gefeftlid^e SBcrwirfung ber elterlid^en ©ewalt ent^uVe«.
wegen ftrafbarer ^anblungen beß 3nf|aberß ber elterlichen ©ewalt anerlennen.
SBenn ber tefttere burd) fd^ere ftrafbare ^anblungen bie natürlid^c ©runblage
ber elterlid&en ©ewalt serftört unb fid& beß SBertrauenß imwürbig jeigt, wetd^eß
baß ©efe^ burd^ Uebertragung ber clterlid^en ©ewalt in i^n gefegt bot, fo ift
cß prinjipieU gered&tfcrtigt, bafe ba& ©efeg felbft bie bemfelbcn ert^eilte SSoU*
mad&t juriictnimmt. 3n fofd&en gälten bie ©ntjiebung ber elterlid^en ©ewalt
crft von bem Ginfd^reiten beß 93ormunbfd^aftßgerid^teß abl^angig ju machen,
ift audö ^^ beßwiHen bebenflid^, weil ber Snl^aber ber elterlid&en ©ewalt einer
ftänbigcn Slufftd^t beß 93ormunbfd()aftßgerid^teß nid^t unterworfen ift unb beß-
balb ba^ lefeterc Dielleid^t gar nid^t ober erft fpöt t)on ben betreffenben S^b^t-
fad^en Äenntniß erlangt. S^bcm fel^lt eß an einem genügenben ©runbe, in
ben f)\cv in Siebe ftel^enben gäflen bcm 3nl^aber ber elterlid^en ©ewalt bie
clterli^c Slugniefeung ju belafjen. Snßbefonberc tritt ber ©eft^tßpunft, jum
3wede ber Stärfung ber clterlid^en 2Iutorität baß Äinb audd in Dermögenß*
rec^tlid^er SBejiebung t)on ben Sltern abl^ängig }u mad^en, \)xn ganj in ben
^intergrunb. 3)er JBegfall ber elterlid^en Sßufenießung ift feine Strafe, fonbcni
bie golge beß SBegfaHeß feiner SBoraußfefeungen. SBei ber SBcftimmung ber
gälte, in weld^en bie elterlid^e ©ewalt fraft ©efefteß verwirft fein foll, fann
iebod^ nid)t cntfd()eibenb fein, baß ber Snl^aber ber elterlid^en ©ewalt überl^aupt
wegen eineß SBerbred^enß ober 33erget)enß ju bicfer ober jener Strafe »er?
urt^cilt worben ift — ein Stanbpunft, auf weldjem baß preug. 31. 2. %
838 eiterlid&c ©cttjalt. Sccnbifluno. SScrnjirfung. § 1559.
ftel;t — , fonbcru eö fönncn nur fold^e ftrafbarc öanbluugcn in gragc fommciv
vDdä)e, tücil fic gegen baö Äinb ober an bcm Äinbe begangen finb unb nad^
ben f onfretcn Umftänben fid^ qIö ein fd&rocrcr SBerftog gegen bic Ked&töorbnung.
nnb boä Sittengefcg barftellen, ben ftd&eren Sd^diß red^tfcrtigen, bafe bie
natfirlid^c (Srunbtagc ber etterlid^cn ®croaU, ein bcr 9iotur nnb bem ©itten^
gefefee entfpved)enbe§ SBerJ^oltnife iroif^cn bem Sn^aber ber elterüd^en Oemalt
nnb bem Äinbe, serftört ift nnb bic gortbaucr bcr cUerlid^en ©eroalt in ^olge
ber burdö bie ftrafbarc ^anblnng an ben 2^ag gelegten ©efinmmg beö 3«-
l)aberä bcr etterlid&cn ©eroatt gegenüber bcm Äinbc mit bcm 3ntercffc bc&
Ic^tercn unucrtraglid^ fein roürbc. '3Jlan fann von biefcm Sludgangdpnnttc au&
roiebcr ücrf djicbcnc 2Bcgc einfd^lagen ; man fann faf niftifd) Dcrf alircn nnb nad^
bem 33organgc beö roürttemb. nnb beö bab. 3lcd^tcö and bcm ©ebictc be&
Strafred^teä beftimmtc, ben bcicidbnctcn Jlarafter in bcfonbcrem ®rabe an ftc^
Iragenbc ftrafbarc ^anblungcn, roie bic SScrbred^cn ober SBcrgcl^en gegen bic
Sittlid^fcit, f|cranögrcifen ober baö ^^Jrinjip im ®cfc|c felbft jnm 5lnöbrnde
bringen. S)iefcr lefetcre Sffieg i)crbicnt ben Sßorjug. ©ine Scfdbränfnng anf
SSerbred^cn nnb aSergcl^cn gegen bic Sittlid^fcit nad^ bcm SBorgange bcö bab.
©efegcß ift nid^t gcred&tfertigt, ba aiid^ anbcrc gegen ha^ Äinb ober an bcm
Äinbc begangene ftrafbarc ^anbhingcn, j. SB. SBcrbrcd^cn nnb SBergel^en gegen
baö Seben nnb bic ©cfunb^cit ober gegen bic 5JJcrfon beö Äinbcö ober in
93esic^ung auf ben 5JJcrfoncnftanb, geeignet ftnb, ben 8d&lu6 ju rcd^tfcrtigcn^
ba^ bic natürlid&c ©rnnblagc ber elterlichen ®eroa(t gcfd^rounbcn ift. 2luf
biefen ©rünben, foroie auf bcr ©rroägung, ba^ bcr ©intritt ber aSerroirfung
rocgcn ber mit berfclbcn i)crbunbcnen, aud& im SScrl^ältniffe ju dritten fid^
änfeernben tiefgreifenben golgcn an einen fcftcn unb fixeren S^i^pw^ft nnb
eine Icid&t fcftjufteUenbc Xl)ai\a6)t gefnüpft werben mufe, bcrul^t bic SSorfd&rift
beö § 1559 aibf. 1 ©ag 1.
»cflrünbiinfl ^m ©injclncu ift nod) golgcnbeö ju bcmcrten:
im etnjeinen. ^j^g S8crbrcd&cn ober aSergclicn mufe gegen baö Äinb ober an bcm Äinbe
gjyj begangen fein. ®egcn ba^ ftinb ift bic ftrafbarc ^anblung begangen, rocnn
b€t ftrafbüren baö Äiub burd& bicfclbc tJcrlcfet ift. 3n biefcm Sinne roirb baö 3Bort
4>onWttnfl, ^^ gegen" aud) in oerfddiebencn ©teilen beö Str. ®. S. gebrandet (oergL
§ 221 9lbf. 2, § 247 baf.). 5Ber aber alö burd) eine ftrafbarc .^anblung
oerlefet anjufe^en ift, rid&tct fic^ nad^ ben ®runbfö|en beö Str. ®. 83. (ocrgL
§ 65 baf.; ©ntf^. b. 5t. D. ^. ®. IX, 44 S. 150 ff.). Sllö fold^e ftrafbarc
§anblungen, rocld^c an bem Äinbc begangen fmb, fommen bicicnigen, üieltei^t
mit ©inroilligung beö lefetcren begangenen, ftrafbaren ^anblungcn in Sctracbt,
bei melden ba& Äinb alö fog. not^roenbiger J^eilncljmcr betl&ciligt gcrocfcn
ift. 2^al)in gehören j. 93. Snceft, roibernatürlid^c Unjuddt, SBornal^mc un-
jüdjtiger ^anblungen an Üinbcrn (ocrgl. § 176 9?r. 1, 3, § 174 9ir. 1 beö
Str. ®. 33.).
bcr Giu rocitercö Grforbcruife ift bie red^töfräftigc SScrurt^cilung beö 3n^
»eftrafuttfl. j^^jj^^-g ^^^ cltcrlid^cu ©cwalt rocgcn cincö ber bcjcidjnctcn SScrbrcd&cn ober
aSerge^en ju einer 3wd)t^auöftrafc ober ju einer ©efängnifeftrafe üon fe($ö*
monatiger ober längerer 3?auer. 3luv ein erl)eblid;cr aSerfto^ gegen bie ®efc6c
ber 5}atur, baö Sittengefcg unb bie 9ted()töorbnung ocrmag bie aSerroirtnng
eiterlid&c ®cu*alt S?ccabiöuno. SScnvirfunö. § 1559. 839
bcr cltcrlid^cu @c\mlt traft (Scfcfccs ju rcdötfcrtigcu. Xic SScrurtl^ciluug einer
bic Sauer Don fcci^ö 9)tonatcn überftcigcnben Oefängnifeftrofe alö 33orauö-
feftung {)iujufteHcn, ift jebod^ als bebcntlid^ erachtet, ba bei mand^cu bcr
gcrabc l^ier in SBctrad)t fommenbeit ftrafbarcu ^anbhmgen, j. ^. bei bcm
SScrge^cii bcr Sluöfcfeung, lucrm baftfclbe oon leibUd^eit ßttern gegen \^v Äinb
bcg'angcn ift ober bei ber SBorna^mc unjüd^tiger öanblungen mit Minbern
(oergl. § 221 3lbf. 2, § 176 beö ©tr. ®. 33.)/ beim SSor^anbenfein milbernber
Umftänbc bis auf eine fe^ömonatige Strafe I)eruntergegangcn roerben fann.
Sic SBeftimmung beö § 1559 3lbf. 1 Safe 2 bcjioedEt, bic 3w)eifc( obju* 3wfammen.
fc^neibcn, lueld&c fi^ in bem gallc ergeben fonncn, menn wegen beö Biif^mmcn^ mdjwrcr
trcffcnö beö gegen baö Minb ober an bcm Äinbc ücrubtcn SBcrbred&cnö ober ftrat&arer
SScrgc^cnö mit einer ober mehreren anbercn ftrafbaren fianblungcn nad) aßajjs ""^*"'
gäbe beö § 74 beö Str. ©. S. ouf eine ©cfammtftrafc erfannt ift. Sa bic
gcfcfetid^c ^ermirtung ber ctterU^cn (Sen)alt burd^ bic Sd^mcre ber gegen baö
Äinb ober an bem Älinbc begangenen ftrafbaren §anbtungcn bcbingt ift, fo
muß bic wegen ber Icfttcrcn Dcrmirftc ®injelftrafc cntfdöeibcn (ocrgl. axiij § 76
beö Str. 0. S.). ^raftifd^e Sdjroicrigtcitcn fönnen fid) barauö nid^t ergeben,
ba bei Slnmcnbung beö § 74 baö Str. ©. S3. bic Dcrmirften ©injclftrafcn bei
SBcrmeibung ber 9Ud(|tigfeit in bcm Strafurt^eilc immer erfennbar gcmad&t
mcrben muffen (ocrgl. ©ntfd^. b. 91. ®. in Straff. II, 96 S. 235). gür
bcn %aü, aber, bag bieö trofebem unterblieben imb aud^ nad^träglid^ nid^t er^^
folgt fein foUtc, braud&t etmaö Scfonbcreö n\6}i oorgcfclöcn ju merben, meil
bctrcffenbcn galleö baö SBormunbf^aftögcridjt naä) § 1546 immer nod) in bcr
Sage ift, bic eltcrlid^c ©emalt nad^ feinem ©rmeffen ganj ober tficitmeifc, mit
Sluöna^mc bcr clterliddcn Jhifenicgung, ju cntjicl)cn. .§at ber 3n^aber ber
cltcrliddcn Ocmalt mcfirerc ücrfd^iebcnc SBcrbrcdöcn ober 33crgcf|cn an bcm
l^inbc ober gegen baö Äinb ober baöfelbc 93crbrc<^cn ober 93ergct)en me^rmalö
burd^ mehrere felbftänbigc .^anblungen oerübt, fo foll in biefcn gäUcn nid^t
bic oerwirftc ßinjclftrafc, fonbern bic erfannte ©efammtftrafc cntfd^cibcn.
Surd) baö mcl)rfad^c Scge^cn ftrafbarer ^anblungen an bcm Äinbc ober
gegen baö Äinb, mcld&c iufammengenommen ju cina' Strafe bcr im § 1559
9(bf. 1 Saft 1 Doraudgcfcfttcn 3lrt ober ^ö^c führen, mirb bic geringere Strafe
mürbig!eit ber einjclncn ftrafbaren ^anblung aufgewogen.
illaä) § 1559 3lbf. 1 Safe 1 tritt bic gcfcfelic^c aSerroirhmg bcr elter^ ^eitpunrt
li^cn ©emalt nur ein mit bcr 9icc^töfraft beö Strafurt^eileö. Ser ©ntmurf »irtuno k.
lägt mitfiin fot^c gälle, in meldten auö bcfonbcren ©riinbcn, namcntlid)
nnrgcn 2lbioefen^cit ober ©eiftcölrant^eit beö SScfd^ulbigtcn, baö Strafocrfal)rcn
nic^t burd^gcfüljrt werben fann (ocrgl. inöbef. §§ 168, 170, 203, 208, 319,
327 ber Str. ^4$. C), unberü(frtd)tigt. aBcnnglcic^ für fold^c gällc ber 3luöweg
moglid) wäre, bic aScrwirfung ber elterlichen ©ewalt an ein biefclbc auö«
fpred^cnbcö Sioilurt^cit ju fnüpfen, fo ^at ber ©ntwurf bennod^ 9lnftanb gc^
nommen, in biefen i^-öHcn bic ©eltenbmad^ung ber aSerwirfung im 3Begc beö
3ioilpvo5cffeö ju geftattcn. Sa in bcn Ijicr in grage fommenben ^vollen bic
cltcrli^c ©cwalt mit Sluönabmc ber clterlid^cn 3hifenic§ung rut)t ober bod)
burd) baö 5iormunbfd&aftögerid()t entjogcn werben fann (§§ 1546, 1554), fo
fe^lt eö an einem praftifc^en Sebürfniffe, ha^ ©efefe burd) befonbere, ienc
840 (Slterlicfie ©cu^alt. Sccnbigung. aSernjirfung. § 1559.
%äUt berüdEfid^tigcnbc SSorfc^riftcn ju fompüäircn. ®ö würbe aud^ bcm
©efü^Ie tüibcrfprcd^cn, lebiglid^ jum 3^^^^^ ^^^ Sefeitigung bcr cItcrUd&cu
SRugniefeung bcm Äinbc eine Si^Ufiöge auf bcit SKuöfprud^ ber SBerroirhmg
bcr eltcrlid^cn Ocroalt ju geben.
3laä) bcm § 1559 9lbf. 1 Safe 1 foH, mc au© bcm bcftlmmten 9trtifcl
„gegen baö Äinb" fid^ crgiebt, in Uebcreinftimmung mit bem roiirttcmb. unb
bcm bab. Siedete bie 93ern)irtung ber efterlid&en ©eroatt nur eintreten in 3In*
fel)ung beöienigen Äinbcö, gegen roeld^eö ober an roeld^cm baö 58erbred&en ober
aSergefien ücrübt ift. ©in unbebingtcr ©d)Iu6 von bem SSerl^alten beß 3ji^
l^abcrs bcr elterlidjcn ©eroalt gegenüber bem einen Äinbe auf baö fimftige
3Serl^alten beöfetben gegen anbere ftinber ift nic^t juläffig, namenttid^ nid)t,
roenn cß fid^ um fofd^e SBergel&en Ijanbett, roie Sluöfefeung unb ÄorperDcrfefeung.
aWan btntt j. S. an ben ^aU, roenn Äinber aus rerfd^iebenen ®^en üorl^anben
fmb. ©öcntucll ift baß ajormunbfd&aftsgcrid^t in ber Sage, geeignetenfallö
bem 3nl^abcr bcr eltcrtidöcn ©eroalt aud^ in 9lnfel)ung ber anberen Äinber
bie elterlid)c ©eroalt nadft SWafegabe beß § 1546 entjic^en ju fönnen.
etettuns ber 3ft bic cltcrlid^c ©eroalt beß SSatcrß tcrroirft, fo tritt aM äbnlid^en
^n",*j;j^",©rünben, roie in bem gaUe, roenn bem SBater bie elterlid&e ©eroalt na^
TOirfuiifl aJlafegabe beß § 1546 burd^ baß SBormunbfdiaftßgeridöt cntjogcn ift, roäbrenb
'^ssaters/* bcftc^cnber e^e nie bie eltcrtid^e ©eroalt ber aWutter ein; t)ielmcl|r mufe auf
©runb beß § 1633 bem Äinbc ein SBormunb befteUt roerben (t)ergl. Sliotiüc
ju § 15-16 oben ©. 806). 3rud& bie tf^atfäd&lidic ©orge für bie ^erfon beß
ftinbeß fte^t in einem fold^en galle ber SHuttcr nic^t ju. Sßegen ber ©rünbe,
auß roeld)en ber ©ntrourf Sebenfen getragen l^at, ber 3Äuttcr in biefem galle
bie Sorge für bie 5ßerfon beß Äinbeß, roenn aud^ nur in bem im § 1558
Safe 2 bejeid^neten Umfange, ju überlaffen, roirb auf bic SWotioe ju § 1506
oben S. 755 ff. Sejug genommen. S)ie gegen ben ©intritt ber elterli^en ©eroalt
ber SRutter fpred^enben ©rünbc fallen aber fort, rt)mn bie @f)e burd^ Sd&eibung
aufgelöft ift. 9Kit Slüdftdfit auf bie ber 9lnertennung ber elterlid&en ©eroatt ber
äßuttcr JU ©runbc liegenbe gefefegeberifd^c ratio crfdicint eß bal^cr angemeffen,
ben gall bcr Sd)eibung bem galle beß ^obeß beß aSaterß gleid^jufteHcn unb,
unbefd^abet ber befonberen Seftimmungen beß § 1456 2Ibf. 1 Safe 2, ber ge^
fd)iebeucn SDluttcr bie ctterlid^e ©eroalt ju übertragen, fei cß, bafe bic SBer^
roirfung bcr elterlid^en ©eroalt beß SBatcrß fd&on roölircnb befte^enber (Sf)c
erfolgt ift ober erft nad) ber Sd^eibung eintritt. S)er Umftanb, bag nac^
§ 1555 3lbf. 2 im gaDe beß SHuljcnß bcr elterlid&en ©eroalt beß SBatcrß bic
clterlid)c ©eroalt auf bic 3Jluttcr bann nid)t übergcljcn foll, roenn bie G^e
gefd)iebcn ift, unb bafe aud^ in bcm galle, roenn bem 33ater bie eltcrlidbc
©eroalt burd() baß SBormunbft^aftßgeric^t entjogen ift, nad^ erfolgter Sd&cibung
nid^t bic clterlid^c ©croalt bcr SKuttcr eintritt, fann ^icr nid&t mafegebenb fein.
3lbgefel)cn ba^on, bafe in ienen grillen ber aSerluft ber elterlid^en ©eroalt nid^t
unbebingt ein bauernber ift (oergl. §§ 1551, 1554 2Ibf. 1), bel^ält in ienen
gällen ber SSater bic elterlid)c Slufeniefeung nad& SKafegabc bcr §§ 1532, 1533.
SDicfc gortbauer bcr cltcrlid)cn Stufeniefeung fönnte aber leidet eine Quelle von
Streitigfeiten roerben, roenn in jenen gftUcn bic 3)hitter bic elterliche ©eroalt
im Uebrigcn erlangen roürbe. Söei ber SJcrroirfung ift bagegen bcr SBcrluft
ertcrlidpe ©ctwalt. SSccubiöimg. Sßcnrirfunö. § 1559. 841
ber ctterlid^cn ©croalt ein bauerubcv, unb tjcrliert ber SBatcr ani) bie 9iu^*
lücgung; eine ©effi^rbung beß Äinbes burd^ einen JBed^fel ber e(tcrlid)en
©eroalt jroifd^n btn Qc\(i)kitntn ®(tcrn unb ein Slnlafe ju Äollifionen äiuifd^cn
bcn legieren ift bo^er in biefem %aUe nic^t ju beforgcn, wenn ber SWutter bie
etterlid^e ©en)a(t axid) fd^on vor bem S^obe bed SSaterd itberlaffen luirb. ^urd^
bie allgemeine Raffung beß § 1559 9lbf. 2 wirb jugleid^ aud^ ber ö^nlid^ licgenbc
galt gebedft, in toeld^er bie 6I|e auf ©runb beß § 1464 in golge 2^obeßcrfIärung
oufgelöft ift. 3n biefem gaUe fann bie Seftimmung beß § 1559 3lbf.'2 bann
praftifcft werben, menn bie für tobt erflärte SWutter nac^ ©ingeljung einer
neuen Gf|e von ©eiten beß 33aterß fpäter jurüdfe^rt unb ber legtere bie etter*
li^e ©emalt über bie Äinbcr auß ber früheren ©^e injroifd^en obn: fpäter
oermirft ^at. 3n einem fold^en galle gel^t auf ©runb beß § 1559 3lbf. 2 in
Sßerbinbung mit § 1560 bie clterlid()e ©emolt, oorbel^altlid^ ber auß ben bc^
fonberen Seftimmungcn ber §§ 1465, 1456 ftc^ ergebenben SKobififationcn,
mit bem im § 1557 Slbf. 3 bejeid^neten S^Wpw'^ftc fd^on üor bem Sobe beß
SSaterß auf bie aWutter über. Gbenfo bel^ält bie aWutter, roenn ber für tobt
erflärte SBater jurüdffel)rt, nad&bem biefclbe eine neue (Sl^e gefd^loffen \)at, bie
?JfIid^t unb baß JRed&t ber Sorge für bie ^JJcrfon ber Äinber auß frül)erer
@i)c nad& SWaögabe ber §§ 1558, 1465, 1456, mcnn ber aSater bie elterlid)c
©eroalt über bie Äinber ocrroirft l^atte. SSerroirtt er biefelbc nad& feiner SRüdf^
fel^r, fo gef|t bie ?ßflid^t unb baß SWed&t, für bie 5ßcrfon ber Äinber ju forgen,
alß residuum ber elterlid^en ©eroalt nad& SJlafegabe ber §§ 1558, 1560, 1565,
1456 nunmehr auf bie SDlutter über.
2)ic Seftimmungen beß § 1559 bejieben fid^ nur auf bie elterlid^e «<r»irfung
©eroalt; boc^ fmb biefelben aud^ auf fold^e gäÜe analog anjuroenben, in («leUm^'e.
welchen ber TOutter, obroofil i^r im Uebrigen bie elterlid^c ©eroalt nid&t juftel)!,
bie tliatfäd&lid^e ©orge für bie ^erfon ber Äinber übertragen ift, ba bicfe
©orgc fid) alß ein SBeftanbtl^eil ber elterlid^en ©croatt barftellt (oergl. §§ 1506,
1558, 1565, 1570). dagegen finben bie SSeftimmungen beß § 1559 feine
2lnroenbung auf bie fonftigen, ben Gltern beigelegten SRec^te, ba biefelben nad^
bem Gntrourfe nic^t Slußflufe ber elterlid&en ©eroalt finb. Gß gilt bicß inß^
befonbere ton bem Siedete ber ©inroilligung jur ©^cfd&ließung beß Äinbeß
(§§ 1238, 1239), üon bem Unter^altßanfpru^e ber eitern (§§ 1480 ff.), von bem
JRed^te auf tinbli^en ©e^orfam unb bem SRed&te auf Ijäußlid^e S)ienfte, foroeit biefe
festeren Siedete nid^t mit ber ©rjie^ungßgeroalt Derbunben fmb (§§ 1498, 1499),
unb tjon bem elterlid^en Ginroilligungßre^te ju ber 9tnnaf)me beß Äinbeß an
Äinbeßftatt (§ 1610). 2)ie ©rünbe, auß roeld^en ber ©ntrourf eine SBerroirtung
beß elterlid^en ©inroilligungßred^teß jur ©l^efd^ließung beß Äinbeß nid&t m^
erfannt ^at, finb bcreitß in ben äßotioen ju § 1238 oben ©. 27 angefülirt.
Änlangenb baß JRed&t auf finblid^en ©el^orfam unb ha» Siedet auf l|äußlid)c
3)ienftc, fo muffen biefe SRed^te, foroeit fie mit ber Unter^altßpPid^t im 3"*
fammen^ange fte^en, eben biefeß S^f^i^n^ci^^^^^S^ö roegen fortbauern. Sm
roieroeit bie ©Itern ben Unterl|altflanfprud& gegenüber ben Äinbcrn ücrroirfen
fönnen, ift im § 1490 befonberß geregelt. S)aß JRed^t ber GinroiUigung 5ur
Slnnalime beß Äinbeß an Äinbeßftatt aber barf ben Gltern, aud^ roenn fie nad)
aßafegabe beß § 1559 roegen eineß gegen baß Äinb ober an bem Äinbe ter*
842 ßltcriid&c ®cmlt Hnfä^iöfcit. SScrii^t §§ 1560, 1561.
übten SScrbrc^enö ober 9Scr(jeI)enö üemrt^cilt finb, um bcöiüillen uid^t gc«
nommcu werben, weil bas Äinb burd^ bic 2lnna^mc an Äinbeöftatt feiner
natiirlid&cn gamilie [)äufig üollftänbio cntfrembet wirb. S)a6 bic in ben
§§ 1636, 1690—1692, 1712, 1713, 1715, 1716 ben GUcrn beigelegten 35c^
fugnifje mit ber SSerroirtung ber elterli^en (Seroalt wegfallen, ergiebt ^lä) von
fclbft bavan&, bafe biefe »efugniffe nad) §§ 1636, 1693, 1718 ein Sttuöflufe
ber mit ber eltcrtid^en ©ewQlt Dcrbunbenen ©orge für bie 5ßerfon unb ba^
3Scrmögcn beö Äinbeö finb.
§ 1560.
unfa&iflfett, ®ie ©rünbe, an^ weld^en in ben gölten beö § 1557 9(bf. 2 unb ber
üU"uut?. §§ 15'^8' 15^9 ^^^ beftc^enbc ctterad)e ©eroalt eineö ©Iternt^ileö beenbigt
lanflen. wirb, müffcu bal^lu führen, bafe ber ©Iternt^eil, roeld^er bie elterliche ©eroalt,
roenn biefe i^m jugeftanbcn tjotte, nad^ ben SSorfd^riften beö § 1557 SKbf. 2
unb ber §§ 1558, 1559 verloren Ijaben roürbe, biefelbe au^ nid^t erlangen
tann. SBie iebod& im gallc ber 2^obeöerflärung ber für tobt ertlärte Sn^aber
ber cltcrlid&en ©croalt bie lefetere burd^ bic im § 1557 2lbi. 3 bejcid;netc ©r^
flärung iurüdferlangen fann, fo mufe aud) bemienigen (Slternt^cile, roeld&er,
bcüor il;m bie elterlid&e ©eroalt juftanb, für tobt crflärt ift, aber fpöter jurürf^^
feljrt, bie 2)toglid^feit gegeben roerben, nad) SKafegabc beö § 1557 9lbf. 3 bic
cltcrlidde ©eroalt ju erlangen, rocnn bic le^terc ol^ne bie 2:obeöerflärung i^m
iuftc^cn roürbe. 2)ie 58orfd^riftcn beö § 1560 fönnen, abgefel^en oon bem
galle, roenn bie für tobt erflörtc SRutter nacb bcm 2^obe beö SBaterö jurüdf^
kl)vt, namentlid^ bann praftifd^ roerben, wenn bie SWutter nad^ 9lufl5fung ber
©Ijc burd() Sd&eibung cor bem ^obe beö '^aterö eine neue (S^c gefc^loffen l|at
ober roenn bic 3Kutter, bcoor baö Sluljcn ber elterlid&cn ©eroalt beö SSaterö
eingetreten ober beoor bcrfelbe gcftorbcn roar, nac^ SRaßgabc beö § 1559 oer*
urt^eilt ift.
s
15(51.
«erii<^t auf 2)ic Scftimmuug beö § 1561, rocld)c foroo^l ben einfeitigen alö ben uer?
^'"öwaa!** tragömöfeigen äJerjid^t umfafet, rcd^tfertigt ftd& baburc^, bafe bie ©runblagc beö
in ber clterlid^en ©eroalt liegenben JWcd^teö bie biefem 3ied&te cntfpredbenbe
^flidit ber eitern bilbet (ücrgl. aud) bie 2)lotir)c ju § 1504 oben 3. 752),
ßine 9)lobififation crleibct bie Seftimmung beö § 1561 burd) bie '15orfd)rift
beö § 1537, nad& roeld^cr auf bie eltcrlidie Stugniefeung, obroo^l biefelbe nad}
§ 1502 ein S3eftanbtf)eil ber elterlid)en ©croalt ift, oon bem 3n^aber ber clter*
lid)cn ©eroalt oerjid^tet roerben fann.
Sinbcr auö mijÜQcw ei^cn. SRc^te-ftcIIitnö. § 1562. 843
mtxkx Txttl
6er ^itiöex au^ ungüCfigen ^^cn.
§ 15f)2.
Saö gemeine SWed^t uub bie a)lcl^rjQf)l ber neueren ©efefegebunßen bc* «e<^täneaun0
fianbeln Äinbev q«S einer nid^tigen Gf)e grunbfä^Iic^ als uncl^cUdje Äinber. airt\üSti8eit
9hir bann, wenn luenigftenö einer ber ©Regatten bei Sd^tiefeung ber G^e in ®^-
gutem ©lauben war, gelten bie Äinber, unb jroar in allen Sejiel^ungen, alö ©cuenbe^
eljelid^e, iebodd mit ber aWobififation, ba^ bem md)t in gutem ©tauben be- *^**'
finblidöen @lterntl;eitc unb beffen SSerroanbtcn bie JRe^te ber eljeli^eu SBer^
manbtfd^af t gegenüber ben Äinbcrn oerfagt merben (oergl. bagr. S. 9J. I, 6 § 44 ;
ofterr. ®. SB. §§ 160, 752, 756 Derglid&en mit bm SBerorbn. d. 8. Dftober
1856 unb 3. 3uni 1858; code civil SHrt. 201, 202; fäd^f. ©. S. §§ 1771, 1809,
1843, 2039 ; got(|. S^egef. o. 15. Sluguft 1834 § 23 unb got^. ©rbfolgegef. v.
2. Sanuar 1844 §§ 19, 33; altenb; S^eorbn. v. 13. SWoi 1837 §§ 7, 283 unb
attenb. erbfotgegef. ü. 6. Slpril 1841 §§17, 28; ©rbfolgcgef. für Sleufe i. £.
ü. 10. SJejember 1853 §§ 17, 27, 28, 3lx. 3; loeimar. ©rbfolgegef. o. 2. Januar
1844 §§ 16, 26, 27 3lv. 3 unb toeimar. ®ef. über bie elterlid^e ®malt v.
27.2Rarj 1872 §§ 1, 2; l)cR. ©ntro. II 3lrt. 59- 62). Sagegen ^aben mdy
preufe. 91. 2. 91. II, 2 §§ 50—55 (oergt. Urt^. b. 51. ®. im preufe. 3uft. 3Kin. 331.
1882 9lr. 33 ©. 283 ff.; ©ntfdj. b. 9t. ®. in Gioilf. XVIII, 62; ©efefereo.
^cnl XV ©. 30), bie auö einer nid^tigen ®^e erjeugten Äinber o^ne SlüdEfid^t
barauf, ob bie @(tern bei ber @()efd^(iegung in gutem ©tauben maren ober
nid^t, in 3lnfet|ung il^rer unmittetbaren ®ttern alle9lec^te ber e^etic^euÄinber;
fie treten aber nid^t in bie gamitie befi SSatcrö ober ber aWutter unb ftet)en
beö^atb ju beren Stfjcnbenten ober Seitenüerroanbtcn in feinem Sßermonbtfdöaftö*
oer^öttniffe, aud^ fül^ren fie in ber 9legel ben ®efd^tedbtönamen ber äßutter.
Unter fidl^ fetbft aber ^aben fie alte 9led)te ef)etidjer Äinber. S)er gute ober
böfe ©taube ber ©ttcrn ift nur infofern üon ©inftuß, atö, rotnn beibe Cltern
ober aud& nur einer berfetben miffentlid^ eine ni^tige ©^e gefd)toffen I;aben,
fie über bie auö ber nidjtigen ©^e erjeugten Hinber tetne ©Iternred&te erlangen.
Soweit fie jcbod^ ben Slinbern ©rjiebung unb SiJcrpflegung geroäbren, t)aben fie
benfelbcn gegenüber bie Stellung Don ^Pflegeeltern.
3n ©rmangetung einer befonberen Seftimmung würben nidjt nur bie ®tan»>p«nft
Äinber auö einer formungültigen ©l;e, fonbcrn, üorbeljalttidd ber SSoi-fd^rift entwürfe«,
beö § 1252 SKbf. 1, au^ bie Äinber ouö einer nid&tigen ©^e, beren 9lid^tigteit ©e^nMung
nid^t auf einem gormmangel bei ber ©t|efd)lie6ung beruht, nad& § 1202 9lbf. 2 *^*'?^y^*//^*
unel^elid&e Älinber fein. SSon biefem ©runbfage mad^t ber § 1562 Jcbodb für
ben galt eine 9fuönat)me, roenn bie 9lid()tigfeit ber ©^e auf einem anberen
©runbc alö einem gormmangel bei ber ©l^efdjtiefeung beruht. 3n biefem
gälte folt baö .Uinb, rocld^cö bie ©t)cfrau nad^ ber Sdjliefjung ber ©l)c unb.
844 Äinber auö mutigen ß^ca SRcc^tSficHunö. § 1562.
beüor bic tcßtcrc oiifgctoft ober für ungüttig erllärt roorbcn ift, empfangen
ober Dor bcr ©c^ücgung ber (Sf)t empfangen unb nad& ber ©d^Iie§ung ber
le^tercn geboren f)at (oergl. § 1252 Slbf. 2, § 1466), ol^ne Slüdfri^t barauf,
ob bie Gltern bei ber Sddliegung ber Glje in gutem ©tauben waren ober
nid&t, öorbeljaltUd; bcr ouß ben §§ 1563—1566 fid^ ergebenben näheren Sc-
ftimmungen unb aWobififationen, grunbfäfeUci^ alö ein c^elid^eö angefe^cn
werben, fofern es bei aSorauöfefeung ber ©ültigfeit ber ©^e nad^ ben alU
flcmcinen SBorfc^riften über bie eljcli^c 3lbftammung (§§ 1446—1479) alö ein
eljelid^cö Äinb anjufefien wäre. 2)er ©tanbpunft beß gemeinen Slcc^teö unb
bcr bem lefeteren fotgenben ©cfefegebungcn, bafe bei ber ©eftaltung beö dtcdfi^^
Tjerl^öltniffeä bcr Äinber aM nid^tigen 6^en bie JRüctfi^t auf bie ©Regatten
ber allein entfd^eibenbe ©efid^töpunft fei unb beö^afb eine 9lbweic^ung oon
ben aus ber ^lid^tigfeit ber ©^e fid^ ergebenben Äonfequcnjen au^ in 9In*
feljuug ber ©teflung bcr Xlinber aus einer fotdien ©l^e fid^ nur bann red^t^
red^tferligc, wenn wenigftenö einer ber 6f|cgattcn bei ber ©^efd&liefeung in
gutem ©tauben gewefen fei, fann als angemeffen nid)t anertannt werben.
Slud) ben Slüdffid^ten ber Silligfeit gegen bie Äinber muß in gebü^renber
SBeife 9led^nung getragen werben. Siefe SRiidffid^ten fül^ren aber ju bem
©tanbpunfle beö ©ntwurfeö, ia^ bie ©igenfd^aft bcr l^ier fraglid&en ftinbcr
otö el^elid&er Äinber grunbfä|Ud) nid^t t)on bem guten ©tauben ber Gltcrn
ober audd nur eineö ©Itemtl^eilcö abl^angig gemad^t werben barf. ©ö würbe
für bie Äinber auö einer formgültig gefc^toffenen ©{)e eine große ^ärte fein,
wenn biefelben, nad^bem bie ©^e aufgetoft ober für ungültig erflärt ift, fd)le^t'
Ijin in bie Stellung unel^elid&er Äinber jurüdgebrängt werben foltten (§ 1252
3lbf. 2), obwohl fie biö bal^in jufotge bcr »eftimmung beö § 1252 STbf. 1
nid^t allein tl|atfödölid&, fonbem aud& im 3?ed^tölebcn bie ©tellung el^elid^cr
Äinber eingenommen unb fid^ für cljclid^e Äinber gel^altcn l^aben unb von
3lnbcren bafür gel)alten worben finb. 3luf einer äl^nlid&en ©rwägung berul)t
aud^ bie Seftimmung beö fanonifd&cn SRed^tcö, baß, wenn bie ®^e in facie
ecclesiae gefd^loffcn worben ift unb bie ©Regatten lebcnölönglid^ in 83ejiel|ung
auf bie ©ültigfeit ber ©^e luiangef ödsten geblieben finb, bie 9lid^tigfeit ber
©^c jur 3lnfcd)tung ber Segitimität ber Äinber nad^ bem 2^obe ber ©Itcrn
nid^t mel^r foH gelienb gemad&t werben fönnen (c 11 X. qui filii sint leg.; pcrgl.
©ntfd). b. SR. ©. in ©ioilf. IX, 57 ©. 257 g. ©.). gür ben ©tanbpunft
beö ©ntwurfcö fällt ferner inö ©ewid&t, baß er im ^ßrinjipe mit bem in ben
großen ©ebieten beö preuß. 21. 2. 91. geltenben Siedete im ©inftange fte^t unb
aud) anbere neuere ©efe|gebungen fid) bem ©runbfafee beö preuß. Slec^teö in
biefer Sejiel^ung angefd^loffen fiaben (oergl. fd(iweis. Sb. ©ef., betreffenb bie geft-
ftellung unb Seurfunbung beö ©ioilftanbeö unb bie ©(le, v. 24. ©^riftmonat
1874 3lrt. 55). ©ö ift weit weniger bebenflid^, ben ©runbfag beö preuß.
SRed&teö auf bie übrigen 9Jed^tögebiete beö SReid&eö auöjubefinen, alö umgefel^rt
jenen ©runbfaft ba, wo berfelbe biöl^er bcftanben unb ju äRißftänben nid^t
gefül)rt l^at, ju befeitigen unb baburc^ in biefen 9led^tögebieten bie tcd)Ü\ä)t
Sage ber ^ier fraglid^cu Äinber ju ücrfd^led^tcrn.
^ormgftitifl. 2)er ©utwurf läßt bic ©fjclid^fcit ber Äinber auö nid^tigcr ©^e inbcffen
feit berede. ^^^^^ ^^^j^ cintrctcu, wenn bic 9iid&tigfeit bcr ®{)c nic^t auf einem gormmangel
Jtinbcr auö niijtiöcn S^en. g?c(6tfa^er5äftni6 su bcn Sltcnt. § 1563. 845
bei bcr @öcfd^Uc§ung bcrul)t. 2)ic Sluöbcbnung Quf formungültioc (Sf)cn
fc^citcrt, abgcfc^cn bavon, ba^ bicfelbc in bicfcr SlUflcmcinl^cit ju locit flcl)en
würbe, baran, bafe bie aSorauöfegungen, unter wetd^en bei einer form«
ungültigen (g^e bie ß^clidöfeit ber aus einer fold^en erjeugten Äinber anerifannt
werben foU, in einer fidleren unb praHifd^ unbebenMicben SBei[c fi^ nid^t feft*
[teilen unb begrenjen (offen, juntot nod^ bem ©ntrourfc eine fomtungüttigc ®(je
in aDen gälten ol^ne SBeitereö nid^tig ift, eine UngüItigfeitöcrflSrung ber*
felben nid&t ftattfinbet (§§ 1252, 1253), »uö ä^nlid&en ©rünben wirb im
§ 1258 eine fomtgültigc ©bc ooraußgefe^t (t)erg(. bie SKotioe ju § 1258
oben S. 68). 9lud& ba& geltenbc SRed^t, wcnngleid^ boöfelbc in biefer ^inftd^t
jum 2:^eil beftritten ift (üergl. ebenbafelbft), bebanbelt bie Äinber auö einer
nidbtigen @l^e, beren Slid^igleit auf einem gormmangel bei ber @befd^liegung
beruht, Dorwiegenb ol^ne Siädfid^t barauf, ob bie Altern ftd^ im guten
(Stauben befonben, alö unel^elid^^. 2)ieö ift inöbefonberc, wie fid^ quo bem
preu§. 31. 2. SR. II, 2 § 50 crgiebt, aud^ als ber Stanbpunft beö preufe. 9lcdöteö
anjufeben.
§ 1563.
3m galle bcö § 1563 gelangt ba§ ^rinjip bed § 1562 jur reinen 25urd&* ««*« ®J«"-
fül^rung. 2)aö ftinb gilt in alten Sejiebungen, inöbefonbere aud^ in erbred^t- cWttet^
lid^er Sejie^ung, fomobl im SSerbältniffc ju bcr SWutter unb ben müttcrlid)cn
SBermanbten als audl) im SBerl^ältniffe ju bem SSater unb ben näterlid^en SBer-
wanbten alö ein cl^elid6eö Äinb. 3)iefc 2Irt ber Regelung, meli^e bem gc*
meinen Med^te unb ben in ben SWotioen ju § 1562 oben ©. 843 angefübrtcn,
bem 5ßrinjipc beö gemeinen 9led^teö folgenben ©efeggebungen, inöbefonbere bem
fäd(if. ©. S., bem ofterr. ©. 33. unb bem franj. SRed^te, entfprid&t (oergl. aud)
fcbweij. Sb. ®ef. o. 24. ßbnftmonat 1874 Slrt. 55 äbf. 1), red^tfertigt pd^ burd^
Müdffi^ten ber SBilligfeit unb ber ©c^onuug bcr ©Itcrn. Um i^reö guten
©taubenö willen f ollen fie ntd^t ben S^ad^tl^eiten auögefegt werben, weldje für
fic in fojiater unb anberer $infid&t ficb ergeben würben, wenn man baö Äinb
nid^t in allen Sejicbungen alö ein ebeli^eö be^anbeln wollte. 2)er Stanb*
punft beö preug. 91. fi. 91., nad^ weldf)cm baö Jlinb aud) in biefem galle nid^t
in bie gamilic ber äRutter unb beö aSaterö eintritt (Dcrgl. aWotioe ju § 1562
oben ©. 843; äbnli^ in 2lnfel^ung beö ®rbred(|tcö nad& bo: üäterlid^en Seite
f|in aWommfen, erbred&töentw. § 23 nebft aJlotiüen S. 149), wirb ienen SRücf-
Rd^ten nid&t in auöreid&enbem ÜJlafee geredet. Sl^erfelbe fann, fooiel baö SSer*
^ättni§ beö JUinbeö gegenüber ben müttertid^cn 33erwanbten betrifft, für bcn
Entwurf aud^ um beöwiOen nid^t maggebenb fein, weil nad^ bem ^^rin}ipe
beö § 1568 — abweid&enb vom prcufe. SRed(|te — baö unel^flid^e Äinb in bie
gamilic bcr äRutter tritt.
5)ie SRid^tigteit bcr ©bc fommt in bem galle beö § 1563 nur infofern «erwitni^
in »etracbt, alö, torbe^altlic^ ber Sßorfd^rift beö § 1252 (vcrgl. baju iebod) *"*'*" ^"""*
bcn in ber Slnm. 1 ju Su^ IV Slbfd^n. 1 Sit. 1 §§ 1250 ff. unter III mit*
getbeilten neuen 2lbf. 2 beö § 139 ber ß. % D.) in 3lnfebung beö Äinbeö bie*
ienigcn SBorfddriftcn cntfprecbcnbc 9lnwentung finbeu foDcn, wcl($c für bcn
846 Äiuber au8 ni^tigen ßßen. 9ieä)U\)ciWtm 5u ben Gltern. § 1564.
gQlI ßelten, wenn bie 6^e gcfd^iebcn ift unb bcibc G^cgattcn für bcn fd)ulbigctt
St^cil crHärt fiub (ücrgl. §§ 1456—1458, 1555 Slbf. 2, § 1559 9lbf. 2). ©ö
rcd^tfertigt fid^ bieß biird^ bic Slnalogie ber SBcr^ältniitc
Slntangcnb bcn ©iigang bcö § 1563, fo fd^Iicfet berfelbc fic^ ber gajjung
bcs § 1258 QU (ocrgl. bie SKotbe 5U § 1258 oben 6. 69). SBic in bem
Halft fides goiie bc9 § 1258, ift Qud) f)ier mala fides superveniens ol^ne ©influö. S)amit
«upenrenien». ^jj^^^ jj^^g gcltenbc 9Jed^t Donülcgenb überein (oergl. im Uebrigen bie SRotiue
ju § 1258 oben ©. 70 ff.).
§ 1504.
Ottteröiaube 2)ie Seftimmungen beö § 1564 ftel^en, abgefe[;en baoon, bafe fic nid)t
^'onetn.'^*" ttur bem Äinbe ben SBerroanbten beö äSoterö gegenüber, fonbern aud; bicfen
bem Äinbe gegenüber bie burdj bie (S^eli^feit beö legieren bebingten 9led)te
beilegen, mit bem gemeinen JRed^te nnb ben bem tefeteren im ^Prinjipe folgenbcn,
in bcn SKotioen ju § 1562 oben S. 843 mitgetl^eilten 9ied)ten im ©inflangc
(oergl. aud^ fd^roeij. 33b. ©ef. v. 24. ß^riftmonat 1874 5lrt. 55 2lbf. 2). SBon
bem preufe. 31. S. 31. II, 2 §§ 50—54 (oergl. ferner ©efegreo., 5|Jcnf. XV S. 30 ff.)
roeid)en biefelben barin ab, ba6 nad) jenem baä Äinb loeber in bie gamilic
ber aJIutter nod& in bie beö SSaterö tritt; bagegen ftimmt baö preug. 9?ec^t
barin überein, bafe in bem l^icr oorauögefe|ten golle ber SSater elterlid)e SKcd^tc
über baö Sinb nid)t erlangt. S)er ©ntrourf ge^t baoon anö, bafe bie 3lüctrid)t
auf bie gutgläubige ajlutler bai^in füf^ren mufe, bem Äinbe aud^ gegenüber
ber üäterUd^en gamilie atte auö ber el^elidden SSerroanbtf^aft fi^ crgebenben
Siebte einjuräumen. SBoDte man baö ©egentljeil beftimmcn, fo mürbe bic
3)lutter nid)t allein in moralifd&er §inftd&t eine 3urüdEfefeung erfal^ren, fonbern
anä) iti materielter ^infic^t bann erJ^eblid) bceinträd&tigt merben fonnen, wenn
ber SSater oor feinen Slfsenbenten oerfterben foHte. 9luf ber anberen 6eite
mürbe eö aber eine nid)t ju red^tfertigenbe ^ärte gegen bie SSerroanbten beö
SBaterö fein, menn man jmar bem Äinbe gegenüber biefen aSermanbtcn,
niä)t aber ben lefeteren gegenüber bem 5linbe bie burdd bie (g^eüc^feit bebingten
Siechte beilegen moUte. ©afe auö biefer Siegelung, meld)e nur bem SSater bic
an& ber SSaterfc^aft fidj crgebenben STted^te (oergl. §§ 1238, 1480, 1498, 1499,
1501 3tbf. 1, §§ 1610, 1636, 1690—1693, 1712, 1713, 1715, 1716, 1718,
1729, 1966, 1975) ocrfagt, er^cbli^e Äomplifationen fid^ ergeben fonnten, ift
nic^t }u beforgen unb bei ber ©ctten^eit ber I;ier in SSctrdd^t fommenben
gälle icbenfallö nid^t oon entfd^eibenber Sebeutung. 3n erbred^tlid&er 93e^
jie^ung ergicbt fid^ ouö bem @afee, bafe ber SSater bie auö ber SSaterf^aft fid^
crgebenben Siechte nld)t ^at, bie Äonfequenj, ba^ er in 9Infel^ung ber Seerbung
beö Äinbeö unb ber 9lbfömmlinge beö le|tercn alö oor bem ©rblaffcr per*
ftorben anjufeljen ift.
ciurU(*e Safe in bem galle beö § 1564 bie elterlid^e ©ematt nic^t bem SBater,
®*^"^^- fonbern ber 3Jlutter iuftel&t, ift ebenfallö eine Äonfccjucnj beö ©ageö, ba& ber
SSater in biefem galle bie auö ber Sßaterfc^aft fid^ crgebenben Siedete nid&t l^at,
in Söerbinbung mit ber oon bem Entwürfe grunbfäfeKd^ anerfannten elterlid^en
©cmalt ber el^elid)en aJlutter über ifire Jlinbcr (oergl. anbererfeitö § 1570).
Äinber au3 uic^tiöcn ßl&en. 9ie4t§ücrr>altni§ su bcn Grtcrn. § 1565. 847
Sroar tritt bie ettcrlid&c (Scroaft bcr Sßuttcr regelmäßig erft nod^ bem 2^obc bcö
S$atcrö ein ; bie Sinologie beö § 1559 3lbf. 2 f priest inbcifcn bafiir, ber aJluttcr
in biefem galle bie clterlid^e ©croaft fd^on Dor bem ^obe beö SSaterö ein=
jurournen.
aSon fclbft rcrfteljt cö fid& übrigens, bafe burd^ bie Sßorfdjriften bcß
§ 1564 bie Scftimmnngen bcö § 1252 (oergl. bajn iebod& ben in bcr SJTnm. 1
ju 83ud) IV aibfd^n. 1 2:it. 1 §§ 1250 ff. nntcr III mitgell)eilten neuen 2lbf. 2
beö § 139 bcr 6. 5p. D.) nid^t berührt werben.
§ 1565.
3m goDe bcö § 1565 ift im JBcrgleicf^c 3U bem gallc beö § 1563 bie ««ter
fiage ber 2>hitter mcgen i^rcr im § 1565 Dorauögefefeten mala fides junödjft G^mara«
infofern eine ungünftigcre, ate in 3lnfel)ung beö Äinbeö bieienigen aSorfd&riften ""«*"
cntfpred&enbe änmenbwng finben foUen, meldte für ben %a\l gelten, menn bie 6l)c
gefd^icben unb bie ß^efrau oHein für bcn fd&ulbigen 2:()cil erflart ift (§§ 1456,
1457). ©ö red^tfcrtigt fid^ bie entfpred^enbe Slnrocnbung biefer SBorfd^riftcn biird)
bie 3lnaIogic bcr SBcrfiattnifie. Slufecrbem aber ericibct im goUe beö § 1565 baö
^rinjip beö § 1562 jum 9lad^t{)eUe ber 2Wuttcr bie meitere SWobififation, baft
i()r in SÄnfcl^ung beö Äinbcö übcrl;aupt mcitcrgeljcnbc SRed^te nid&t juftel;en
follen, olö ber «ncl^eUd&cn SDhitter in Stnfel^ung irjreö unel^elid^en ftinbcö
juftcl^en. ®a inbeffcn nadd § 1568 nw)ifd()cn einem unel)elid()cn Äinbe unb bcr
3Kutter beöfetben grunbfäfetid) biefelben Siedete unb SBerbinbli^feitcn bcfteljen,
wie wenn baö Äinb ein ef)clid)eö märe, fo tommcn Ijicr nur bie Sluöna^mcn
jcncö (Srunbfafeeö in 99ctrad)t.
©ine foId)c 3luöna[jme beftci^t nad^ § 1570 in 9lnfel;ung ber cltcrlid&en «uM^ueBung
©eroalt. 2Rit Slüdfidjt barauf beftimmt § 1565 Safe 2, bafe nad& bem Sobe ^^SJSJlIfbt"
beö aSaterö (§ 1501 3lbf. 2) unb nad^ SBcrroirtung bcr clterlidjcn ©eroalt beö^ ««**«•
fclbcn (§ 1559 3Ibf. 2) bie TOutter, roie nad^ § 1570 bie une^elid&c aJtutter,
nur bie 5|Jflid&t unb baö SRed^t, für bie ^crfon beö Äinbcö ju forgen, nad^
3JIaBgabe bcö § 1558 Sa| 2 l^at. ®afe an Stelle bcr ruljcnben eltcrlid^en
©eroalt beö SBaterö nid^t bie clterlid^e ©eroalt ber aWutter tritt (§ 1555 9lbf. 1),
crgicbt fid^ fd)on auö § 1565 Safe 1 ocrb. mit § 1555 3lbf. 2. ©ine rocitcrc,
bie äTiutter im galle beö § 1565 trcffcnbe, auf bem obigen ©efic^töpunftc bc^
tulienbe SBcfd^ränfung bcr SRcd^te ber 3Mutter ift in einem anbcren 3«fömmens
I)angc beftimmt (§ 1729 9lbf. 3, 5; ncrgl. aud^ § 1734 SIbf. 3 Dcrb. mit § 1565
Saft 2). Sonftige aM ber cliclid^cn aKutterfd^aft ftdd ergebenbe SRcd^tc, roeld)e
nid|t au^ bcr uncl)elid)cn Sßutter juftcl^cn, fommen nad) bem ©ntrourfc nidjt
in grage.
9Wit ber ^Regelung beö § 1565 ftimmen im ^rinjipc baö gemeine SRcd^t
unb bie übrigen bem gemeinen SWed^tc folgcnbcn, in bcn ä)totiücn ju § 1562
oben S. 843 angeführten ©efeftgebungen überein, foroeit fid^ nid^t aM bcr
obrocid^cnbcn ©cftaltung bcö 9lc(fttör)cr]^öltnif|cö jroifd)cn bem uncl^clid^cn ftinbe
cincrfcitö unb bcr 3)hittcr bcöfclben unb ben müttcrlid)cn 9Jerroanbtcn anbercr^
feitö aud^ In ber Ijicr fraglid^en 99cjie^ung 2lbroeid^ungen ergeben. 9(uf einem
ünbcrcn 99obcn fte^t nur baö prcufe. 9f. S. 91. infofern, alö nad^ bemfetbcn baö
848 Äinber au8 ni^tioen GJen. Stcdfetöwrl^altni^ 5« bcn dlUux 2c. § 1566.
ftinb, wie in bcm gallc bed § 1563 (oergl. ÜBotioc su § 1563 oben S. 845),
fo audd ^ier ni($t in ein ^erroanbtfd^aftdoerliaHnig ju bcn SSenoanbten bed
aSatcrö unb ber ÜJlutter tritt.
Sludd im SaDe beS § 1565 bleiben bie SBorfd^riften bed § 1252 mit ber
auö bem neuen äbf. 2 beö § 139 ber 6. % C. (üergl. änm. 1 ju Suc^ IV
Sttbfddn. 1 STit. 1 §§ 1250 ff. unter in) fxd^ ergebenben aWobififation iener SBor^
f^riften felbftperftänblid) unberührt.
§ 1566.
ifiiafides 2)ad ^rinjip beö § 1562, nad^ weld^em bie Äinber aus einer nichtigen
tf^^Mten. ®^^ Qw4 ^^^ ^^^^ ^^^^ '^ci^^^^ ©fiegatten afe efielic^ gelten foBen, mufe not^
wenbig bal^in füfiren, ben Äinbern in bem ^alle beö § 1566 gegenüber ben
Gltern alle burd^ bie ©l^eli^feit bebingten Siebte beijulegen. ätnbererfeitft
muß bie Stellung beö SSaterö unb ber SRutter gegenüber ben ftinbern in
biefcm gaUe fonfequent fidd nad^ bcnjenigen 35orfd^riften rid^ten, roel^e in
ben §§ 1564, 1565 in 9lnfcl^ung beö in mala tide fxd) befinbenben SBaterö bejn).
»er^äitni^ j)er in mala fide fid^ befinbenben SKutter gegeben finb. ©emgemfife fann in
mnn, bem l|ier in Siebe ftel)enben galle bie clterlid^e ©eroalt roeber bem SBater no^
ber aWutter unb bie Sorge für bie ^erfon beö Äinbeö ber ÜRutter nur mi)
SWaggabe beö § 1558 Safe 2 überlaffen werben. 3)em 9Sater muffen femer
aud^ bie fonftigen aus ber SSaterfd^aft fid^ ergebenben Siechte oerfagt werben.
3n 9lnfe^ung ber SRutter ift eine gleid^e Seftimmung nid^t erf orberlid^ , ba
nadö ^^^ § 1568 bie $Kutter aud^ gegenüber bem unel|elid&en Kinbe — ab*
gefefien von ber elterlid^cn Oeroalt (§ 1570) unb bem im § 1729 SKbf. 3, 5
befonberö geregelten SRed^te auf Uebertragung ber SJormunbfd^aft über i^r
t)oUiäf)rigeö Äinb — biefelben SRcd&te l^at, wie gegenüber bem e^elidden Äinbe.
SU ben ebenforoenig bebarf baö SBerJ^filtnife jroifcöen bem Äinbe unb ben SBer^^
*iMert«*" roanbten ber 2Butter im ipinblide auf baö ^rinjip beö § 1568, na^ roeld^em
aud^ imifd^eu ben SSerroanbten ber äßutter unb bem unehelichen ßinbe biefelben
SRec^te unb SBerbinblid^feiten beftel^en, roie wenn baö Äinb ein e^elid^eö wöre,
für ben ^ier in Siebe ftel^enben gall einer bcfonberen Siegelung. 3weifel^aft
fann eö bagegen fein, ob in biefem galle, wie in bem galle beö § 1564, trofe
ber mala fides beö SSaterö ^mifd^en bem ilinbe unb ben ^ermanbten beö SSaterö
ein SSerroanbtfd^aftöüer^ältnig begrünbet ober ^ier baö ^rinjip beö § 1562
weiter ba^in mobifijirt werben foU, bafe bie aSerwanbten beö SSaterö, unbe*^
fd)abet ber SSorfc^riften beö § 1236, nid^t alö SSerwanbte beö Äinbeö gelten.
3ör bie erftc, in bem fd^wcij. 33b. ®cf. t). 24. ß^riftmonat 1874 2lrt. 55
älbf. 3 anerfannte äHtcrnatioe lägt fid) bie Äonfequen} beö im § 1562 am
genommenen ^rinjipcö unb bie für bie 3lnnal)me beö legieren mafegebenb go*
wefene Slüdfid^it ber Silligfeit gegen baö Äinb fowie ber Oefic^töpunft geltenl>
mad^cn, bafe burd^ eine ber jweiten 3llteruatiüc cntfprcd^cnbc SBeftimmung eine
aWittclftufe ber ß^etic^fcit gcf^affen wirb. 3»i>cffcn Tinb bie für bie jweite
3llternatit)e fprec^enben ©rünbc alö überwiegenb ju erad^ten. 9lad^ § 1252
fiub bicHinber an fid) unc^elid)c Äinber. Sen Slürffid^ten ber Silligfeit gegen
Rinfccc auö m^tiöcn G^cn. SRcc^tSucrl). su bcn SItcrn 2c. § 1566. 849
bic Jiinber wirb in audrcid)cnbcr 9Bcife iWcdönuiig getragen, xocnw biefelben
überf)Qupt alö c\)cl\d)c Äinber ancrfannt unb il)nen ben Eltern gegenüber bie
'Siedete eI|cUdöcr Äinbcr beigelegt werben. SGßcnn in bem galle beö § 156J^,
b. f). in bem golle, in wcld^em nur bcr ß^emann bei bcr ®^cfd^lie§ung fid)
in mala fides bcfunben t|at, beftimmt worben ift, bafe bie Äinbcr aud^ im
5Jerl)altniffe ju ben SBenoanbten beö SJaterö als elictid^c gelten f ollen, fo ift
bied ^Quptffi^Ud^ aud 9lädtfi($ten ber SSiQigfeit gegen bie in gutem ©lauben
befinblidö gerocfene Sfluttcr ber ttinber gcfd^efien. S^iefc SRüdfic^ten fallen aber
in bem l^ier in 9lebe fte^enben ^allc, in roeld^em aud^ mala fides bcr ajtuttet
uoraudgefe^t wirb, weg. @d fann barin, bag baö £inb burd^ bie Ungßltigfeitd^
erflärung ober 3luflofung ber nid^tigen 6^e (§ 1252) auö ber Stellung eineö"
c^eli^en 5linbed gegenüber bcn SSerwanbten bed SSaterd gebrdngt wirb, aud^
ni^t eine unbillige ^firte gegen baö ilinb gefunben werben, ba baöfelbe bod^
immer gegenüber ben Eltern biefelbe Stellung be()filt unb bie nid^tige @^e i(|m
an fidd gegen bie SSerwanbten beö Sßaterö, wcldde bei ber Siid^tigfeit ber 6f|e
feine Sd^ulb trifft, Siechte 5U Derlei^en nid^t geeignet ift. 3n einem fold^en
^alle, in weld^em beibe Ehegatten bie S^orm ber Ei^efd^lie^ung migbraud^t
tiabeu, um gegen ein SBerbotögcfeß nad& außen bic red^tlidde Stellung wirflidder
G^egatten ju erlangen, in 9lnfel)ung beö Äinbeö aud^ in bem a3erl)ältniffe ju
ben SSerwanbten beö SBaterö bie auf ber ©i^elid^feit berutienben üerwanbtf^aft^
lidden 93ejie(>ungen eintreten ju lajfen, ift um fo mifelid^er, alö bieö gegenüber
bem geltenbcn iHec^te, inöbefonberc aud) gegenüber bem auf bem S3oben beö
im § 1562 anerfannten ^rinjipeö ftcfienben preufe. 21. £. SR. (oergl. bie a)totioe
ju § 1562 oben S. 843), eine erf|eblid)e 3ieuerung fein würbe. 2luö ber aU^
gemein gefaßten Seftimmung beö § 1566 SÄbf. 2 ergiebt fidd namentli^, baß
jwif^en bem Äinbc unb ben SBerwanbtcn beö 93aterö weber ber gefefelid^c Unter*
baltöanfprud) nod) baö gefeglid^e @rb^ unb ^flid^tt^eilöred^t, nod^ bie burd^
ba& 93ormunbfd^aftöred&t mit ber SBerwanbtfd&aft üerbunbenen Sled&te (§§ 1635,
1729), nod^ bie auf Spejialgefetjen ober auf ^rioatbiöpofitionen beru^enben,
t)on ber ©^elid^feit abi|ängig gemad&ten SRed&te entftefien. 3lnbererfeitö fann
eö nad^^ber Raffung beö § 1566 9lbf. 2 nid^t jweifeltiaft fein, ba% baö Hinb,
fouiel baö äSerIjältniß beöfelben ju bem 93ater betrifft, auc^ gegenüber ben
aSerwanbtcn beö 93aterö alö el(ielid(|eö Hinb beö lefeteren in 83etrad&t fommt,
baß alfo namentlid^ bei ber 93eerbung beö iBaterö baö @rbred)t ber $$erwanbten
beöfelben burd^ baö Erbred^t beö Slinbcö auögefd^loffen bejw. befd^rönft wirb.
Xa baö Ainb nac^ § 1562 audd in bem ^alle beö § 1566 alö ein eljelid^eö
Äinb anjufelicn ift unb beöl^alb nid^t unter bie aSorfd&rift beö § 1236 3Ibf. 2
fällt, burd^ ben § 1566 9lbf. 2 aber eine red^tlid&c SBerwanbtfd^aft im Sinne
beö § 1236 äbf. 1 jwifd^en bem ttinbc unb ben 83erwanbtcn beö SBoterö Der*
neint wirb, fo ift eö im Sntercffc ber 2?eutlid&feit beö ©efcfeeö alö angemeffen
erad()tct, im § 1566 äbf. 2 bie äBorte ,,unbefdöabet ber aSorfd&riften beö
§ 1236" einiufd^alten.
aSon fclbft Derfte^t eö p^ boß aud^ in bem gallc beö § 1566 bie SBor*
fd^riften beö § 1252 mit ter aM bem neuen 9lbf. 2 beö § 139 ber 6. ^. D. pd^
crgebenben SWobififation jener SBorfd&riften (oergl. bie Slnmerfung ju Sudd IV
Slbfd^n. 1 STit. 1 §§ 1250 ff. unter III) unberüfirt bleiben.
SRottvc |. bttracrl. Ocfefbu^. IV. . 54
850 Slinter au§ anfcd&tbwircii u. anoefod&tcncn Ghm. Sied&tSfteHunö. § 1567.
§ 15G7.
«inber quo £\y \^xc fttubct Qw^ ciitcr anfecl)tbaren, für ungültig erflärten Gf|c bcn
b«en Snb^o^* Äinbcrn aus einer nid&tigen 6^c gleid^fteljcn ober, fofcrn fie nur t)or bcr
gefo^tenen Ungüttigfeitöerflänmg erjeugt finb, unbcbingt alö el^elid^e gelten, ift gemein*
red^tlid^ bcftrittcn unb ^ängt mit ber grage jufammen, ob bie Ungültigfeitö-
V^t erfförung einer anfed^tbaren 6^e bic Icfetere rürfroärtöl^in ücrnicötet ober nur
bie aSirfung einefi Sd^eibungßurtfieileö ^ot. Stuf bem Sobcn ber jroeitcn
Sluffaffung fte^en baß gotl). e^egcf. v. 15. »ugnft 1834 §§ 135, 136, 104
üerb. mit bem got^. ©rbfolgegef. o. 2. Sanuar 1844 § 18, bie altenb. eijcorbn.
t). 13. Tlai 1837 § 283 Derb, mit bem oltenb. ®rbfolgegef. ü. 6. 3lpril 1841
§ 7, baö Weimar. (Srbfolgegef. v. 6. 3Ipril 1833 § 16 unb baö Grbfolgegef.
für 3leu6 i. S. v. 10. SDegember 1853 § 17. ©agegen f)at baö preu&.
21. S. % II, 2 § 57 bic anfed&tbaren unb für imgüUig erflärten e^cn
ben nid^tigcn ®^en in ber l^ier fraglid^en Sejiel&ung ouöbrücflid& glei^*
geftcBt. 3lud) im öfterr. @. 83. § 100 oerb. mit ben SSerorbn. v. 8. Dftober
1856 unb u. 3. 3uni 1858, im franj. JRed^te (code civü Sjlrt. 201 rerglid^cn mit
3lrt. 180 ff.), in bem l)ejf. ©ntm. II SKrt. 59 üerglid^en mit 3lrt. 48 ff. unb im
fc^weij. S3b. ®ef. v. 24. G^riftmonat 1874 9lrt. 55 t)erglid)cn mit 3frt. 50 ff.
roirb in ber ^ier fraglichen JRid^tung ein Untcrfd^ieb jroifd^en nichtigen unb
anfed^tbaren e^en nid&t gemad^t. ©benfo ftellt baö fäd^f. @. SB. §§ 1809,
1843, 2039, menngleid^ nad^ bem § 1771 baf. bie in einer nur anfechtbaren
@f)e geborenen ilinber im 3SerI)ältniRc jum SSater, loic jur 2Kutter ftctö ate
c^elid^e anjufe^en finb, bem praftif d^en 9lefultatc nad^ bie nidf)tige unb bic
anfecf)tbare ®^e infofem ganj gleid^, ate ber SBater, menn er bcr fd^ulbige
2^l;eil ift, roeber bie t)äterlicf)c ©emalt über bie ftinber, nod^ einen 3llimentationö*
anfprudö gegen biefclben Ijat, aufeerbem in einem fold^en gaUe forooljl ber SJatcr
als bcffen SBoreltern t)on Döterlid^cr ©eite t)on bcr ©rbfolge in baö SBermogcn
ber in einer foldE)cn 6t;e erjeugten Äinbcr unb bereu Slbfommlinge auö*
gefd^loffcn fmb.
etanbpunft Xct tiai) § 1260 T)erglid[)cn mit § 1252 eine anfed[|tbare 6l|e, wenn fie
entwürfe«, augcfoc^tcu ift, il)rer SBirfung nad^ einer nid^tigen e^e gleid^fte^t, fo müjfen bic
»e^anbiuns ©^inbe, auf mclddcu bie SBorfd^riften ber §§ 1562—1566 bcrubcn, ba^in
ber ftinber fü^rcu, icuc Sßorfd^riftcu auf ben ^all, menn eine anfcd&tbare &)t angefod&tcn
ai.3e^eu4cr..^^^ im aiufc^luffc au bcu § 1270 mit ber im § 1567 bcjeid^netcn aJlafegabc
für cntfpred^enb anroenbbar in erflörcn (oergt. bie SWotiDc ju § 1270 oben
®. 102). 3;n ben gällen beö § 1567 mit SRüdfi^t barauf, ba^ ber bie ß^c an*
fec^tenbe et)egatte burd^ feine eigene entfddlicfeung baö jroifd^cn bem Äinbc unb
bcr üäterli^cn gamilic auf ©runb ber (S^c befteljenbc Sanb befcitigt, ein
9Sem)anbtfd)aftöDerl^8ltnife jioifd^en bem ftinbe unb ben SBcrioanbten bcft
aSaterö aud& bann außäufd)lie6cn, romn ber anfed&tcnbe ©begatte bei bcr ©fte*
fd^liefeung in gutem ©lauben, ber anberc 2:()eil nid&t in gutem ©lauben war
(ücrgl. aJiommfen, erbred&tßcntiD. § 24 S. 150), fann alö angemejfen nid^t
crad)tct merben, ba cincrfcitö bem gutgläubigen ©fiegattcn, melc^em ein Slm
fed&tungßgnmb jur Seite ftellt, nid)t jujumut^cn ift, bie G^c fortjufefeen,
anbcrerfeitö SRudffid^ten ber SiHigfcit unb bcr Sd&onung bafür fprcd&cn, troß
Une6eli(6c Ähibcr. JRcd&tSücrJ. ^ur SWuttcr u. bereit JJamiric. § 1568. 851
ber erfolgten Slnfed^tung ber 6^e in einem fold^en göUc bie Äinber anä) im
SSerl^ältniffe ju ben SBcrroanbtcn beö SBaterd alö el^elidde ftinber ju be^anbeln.
3Bürbe man baö ©egent^cil beftimmen, fo fönnte baburd^ ein nid^t geredet-
fertigtet inbircfter S^ariQ gegen ben anfed^tungöbered^tigten ®f)egatten aM^
fleübt werben, oon feinem 9lnfed^tungöred&te feinen ©ebraud^ jii mad^en.
S)a aud^ bei einer anfed^tbaren ®l^e ber goll ijorfommen fann, ba%
ieibe ©Regatten bei ber ßfiefd&liefeung bie Slnfed^tbarfeit ber 6I;e gefannt f)abtn,
nSmlid^ bann, wenn btc &)c wegen @{|eunmänbigfeit eines @^egatten ober
wegen aWangelö ber Einwilligung befi gefe§lid&en SSertreterö eines ©Regatten
iinfed^tbar ift (§ 1259 5Rr. 3, 4), fo mufe im § 1567 aud& ber § 15G6 für
cntfpred^enb anwenbbar crHärt werben.
t^uttfter 5£itel.
^ec^t^vexR&tttxx^ 6er utxe^etxc^en ^xnbex.
I. 9(((0eitteine SSiirfd^riftem
§ 1568.
%ei ber 9legehnig bed 9led^tdDer^ältniffed ber unel^elid^en Hinber ift ber aagcmeme
Entwurf baoon auögegongcn, bafe regelmäßig nur bie burd^ elielid&e aibftam- ^Jjj**'
tnung oermittelte 33erbinbung biejenige fittlid^e @runblage gewäl^rt, weld^e bie
^orausfe^ung familienreddtlid^cr ^flid^ten unb Siebte bilbet, bag indbefonberc
nur baö fefte S3anb ber ®(ie unb bad baburd^ begrünbete Familienleben eine
«uflreiddenbe (Sarantie für bie ©rfüllung jener ^fttd^ten unb bie iwerf*
«ntfpred^enbc 3Iudübung jener SRed^te bietet.
1. 33em üorftcl^enb bejeid^ncten Stuögangftpunftc eutfpred^enb unb in eteuung ju
Äonfcquenj beö im § 30 2lbf. 3 bereits ausgefprod&enen ^rinjipes l^at ber ''^"fl^^Se""^
•(gntwurf jwifd^en bem unel^elic^en Äinbc unb beffen 2lbfömmlingen einerfeits »önwe«.
unb bem unel^elid^en Sßater unb beffen SBerwanbten anbererfeits familienred&t^
lic^e SBejie^ungcn, insbcfonbere bie aus bem e^elid&en ©ttern^ unb Äinbcs*
4)erl^ältniffc [xä) ergebenben ^flidjten unb SRed^te, grunbfäglic^ nid^t anerfannt.
5£)ie burdö bie 9latur jwifd&en bem unel^clid&cn Äinbe unb feinem ©rjeuger
ijcfnüpften S3anbe führen in ben wenigften gäHen ju einer innigeren aSer*
binbung jwifd^en beiben. üHeiftenö fte^t ber 9Sater bem une^elid^en Äinbe
-gleid^gültig unb fremb gegenüber, ©r betrad^tet basfelbe als eine Saft -unb
i)at fein Snlereffe an bem 2BoI|lergel^en, ber forperlid^en unb geiftigen 9luS*
iilbung besfelben. 2ln bem Familienleben unb an bem SJermögen beö
SBaters nimmt bas une^elid^c Äinb in ben feltenften gällen unmittelbaren
iHntl^eil, unb wenn ber SBater bie Süerpflegung unb ®r}iel|ung bcSfelben
übernimmt, fo gefd&iel^t bies nur }u oft in feinem eigenen finonjiellen
54*
856 Uncl)cli$e Äinbcr. 9tc$tcUccB. jur SWuttcr u. bcrcn gainilic. § 1568.
fd^icbencn 9lcd)tcn fid& finbeii, nit^t Qlß onocmeffcrt erod^tct ftnb, lüirb auf bic
3Äotiüc }um ©rbrcd&te ücrwicfcn.
gfefineffunfl 3lbiücid)cnb üon bem franj. SRed^tc (oode civil airt 334— 339, 341, 342 ;
TOutterWaft ücrgL bab. ©ef. ü. 9. 5Dejcmbcr 1875 § 12 unb p. 3. SWäri 1879 § 145),
aber in Ucbcrcinftimmung mit bcm gemeinen 3icä^ie unb btn übrigen auf
flemeinred^tUd^er ©runblage beru^enben ©efefegebungen, inftbefonbcrc bcm
preufe. 31. £. 91. unb bcm fäd^f. ®. S3., ift mä) bcm ©ntrourfc bic ©ntftel&ung
bcr vtä)tlii)tn 83cjiel^ungcn bcä uncfielid^cn Äinbefi ju ber aKuttcr unb bcr
mütlcrlid&en gamtlic nid^t von bcr (frciroiUigen ober criroungencn) 3lnerfcnnung
bcö Äinbcö oon ©citen ber Sßuttcr abfjängig gemad^t, fonbcm lebiglid^ burd^
bie SC^atfad^c bcr ÜButtcrfd^aft bcbingt, eine 2:£)atfac^c, bcrcn gcftftellung im
^roicfeDcrfa^rcn mit fcinerlci Unjuträglic^fcitcn ücrbunbcn ift. ©c^on iefet
i^at bog $rinjip bcö franj. JScc^teß burd^ bic SSorfc^riftcn bcr §§ 15, 22 bcö
31. 03ef. über bic 83eurfunbung bcö ^^Scrfoncnftanbcö u. f. xo. x>. 6. gcbruar
1875 in ®cutfd)lanb feine materielle SJcbeutung im SBefcntlid^cn oerloren.
3cncö ^rinjip fann übcrbicö um fo mcnigcr alö angcmeffcn crad^tet werben,
alö baburd) bie Sage une^ctid^cr ^inbcr gegenüber fold^cn SRüttcrn cr^cblid)
ungünftiger gcftaltet mirb, wcld^cn baran liegt, i^rcn gc^ltritt ju ocrfieimlid^en
unb bcö ^inbeö fid^ ju cntlebigcn.
c^ewibrifle jßon bcm ^rinjipc, bafe unc^clid^c Äinber im SBcr^ältniffc jur a)Iuttcr
oeitenbifl ^"^ ^^^^" SBcrmaubtcn ben c^cliddcn Hinbern glcid&ftel&cn, mad^t baö röm.
«e(^t. JHcd^t in Slnfcl^ung bcr ex damnato coitu procreati eine Sluönal^mc. S)ic auö
einer bcrartigcn SScrbinbung erjeugten Hinber werben aud& im aScr^ältniffc
jur aWutter ignorirt; inöbcfonbcrc roirb il^ncn aud^ gegenüber bcr lc|tcrcn ein
@rbrcc{)t t)crfagt. Db unb inwicmcit biefe Sluönal^mc gcmcinrcd^tlid^ nod^
(Seltung l|at, ift bcftritten. 3"^ Slnfd^luffc an baö röm. Siedet l^abcn icbo(^
Diele ältere beutfd^c Siedete, inöbcfonbcrc aud^ ba& mürttemb. S. 9t. unb baö
bai)r. S. 91., bic l}ier fraglid&cn Äinbcr, namcntlid^ in crbre^tlid^cr Sejic^ung,
imgünftiger geftcUt, alö anbcrc imcl|clid&c Äinber. 3laä) roürttcmb. SRcd^tc
bcftcl)t jroifdjcn iencn Äinbern unb bcr SHutter, abgefc^cn oon bcm Slnfprucfte
bcr crftcren auf nott)bürftigc Sllimcntc gegen bic aJluttcr unb bie müttcrlid^cn
©rofecltcrn, lein Gltcrn^: unb Äinbcöocrt|ältni6 , inöbcfonbcrc aud^ fein gegen*
fcitigcö ©rbred^t. 3luf bemfelbcn ©tanbpunfte fte^t baö franj. 9icd&t. 3^
C^ebrud) ober SBlutfd^anbe erjeugte Äinber merben in rcd^tlid^cr ^inrid^t
fd)lcd^t^in fo betrad^tet, alö ob fic toeber SSatcr nod^ Butter ^aben. S)tefe
9lcgel crleibct nur infofern eine Sluönal^mc, alö fene Äinber oon i^rcn ©Item
Sllimcntc ju forbcm bered^tigt fmb. 2)ic 3lncrfennung c^emibriger Äinbcr ift
auöbrürfli^ oerboten unb bie Süaterfd^aftöflagc mic bic aWuttcrfd^aftöflagc in
allen göBcn auögcfd^loffcn (code civil Slrt. 335, 342, 762—764, 908, 911;
ocrgl. bab. @cf. o. 21. gebruar 1851 § 1). Sagegen ^aben bie meiftcn
neueren ©cfcftgcbimgcn, inöbcfonbcrc baö preufe. 31. £. 91., baö öftcrr. ®. S5.
nnb baö fäd&f. ®. 83., bic Untci-fc^cibung jmifc^en cl)cn)ibrigen ftinbcrn unb
anbercn uncf|clicf)cn ftinbcrn aufgegeben (oergl. auc^ meining. ®ef. u. 9. ©cp*
tember 1844; coburg. ®cf. v. 28. 3uli 1858 3lrt. 28, 35 ff.; flot^. ®ef. o.
1. 3uli 1869 3lrt. 12 t)erb. mit bcm gotb. Öcf. o. 7. 3uli 1844 § 20; altcnb.
©cf. ü. 29. aJlai 1870 §§ 4 ff. oerb. mit bcm altcnb. ®ef. o. 6. 3Ipril 1841
Unejelid&e ftinbcr. Sicc^töuer^. jur SKutter u, bcren gauülic. § 156S. 857
% 20; ferner in erbrcd^tlidöcr ^infid&t ^olft. SBcrorbn. o. 4. Suli 1863 § 4;
franff. ®cf. v. 22. Sluguft 1865 § 1; Weimar. @cf. o. 6. STpril 1833 § 19;
<Sef. für SReufe i. S. ü. 10. 5Dejembcr 1853 § 20 ; fonbcrß^. Suf jeffionöorbn.
V. 8. Scjember 1829 §§ 15, 16), ©treitig ift, ob unb inwieweit bic l)ier in
!Rcbc ftel)cnben SBcftimmungen iiber bie ©ouberftcUunfl ber etieroibrigen Äinber
iurd^ baö Str. ®. 93. in SBcrbinbung mit § 2 beö ®inf. ®ef. ju bemfeifccn alö
befeitigt an^ufel^en fmb.
S)er ©ntmurf ^at, abgcfcl)en von ber 33cftimmung beö § 1586, feinen ®t»j^«n«k
Unterf^ieb iwifd^en efietoibrigen unb anberen ime^eUd^en ßinbern gcmad^t. entmurfe«.
SBon bem ©efic^töpunfte ber ä[bfd)re(fung ober ber Strafe aus lägt fid^ bie
'ä(udfd[)liegung el^emibriger ftinber oon ben familienred^tlid^en unb erbredjtlid^en
Sejiel^ungen ju ber SRutter unb ben SSerroanbten ber (enteren nid[)t red^t^
fertigen. S)ad ©egent^eil l^iege bie Ainber megen bed SSerbred^end ober S3er^
flel^enö ber üHutter beftraf en. ©benf oroenig oerbient baö SKotio beö code civil :
^la manifestation d'un desordre cache n'est Jamals, pour Tinteret social, coni-
pensee par la reparation d'un dommage indi\iduel" (Slöber, fritifd^e 93eiträge
S. 94) 93eifaU, ba \>a& 93elanntn)erben beg (Sl^ebruc^ed ober ber 93Iutfd^anbe
burd^ ben äluöfc^Iug ber auö einer fold^en SSerbinbung (jeroorgegangenen Jlinber
Don ber mätter(id^en ^miüe in ber 9lege( bo^ nid^t oer^inbert mirb. STud^ baö
3nteref[e ber @r^altung bed gamilienfriebend, ber Sc^ug bed (enteren gegen
Störung burd^ bie ^lage auf älnerfennung eineö im ©^ebrud^e erzeugten
jlinbed gegen bie @^efrau tann aid burd^fc^lagenber ©runb, ben \)\cx in Sftebe
fte^enben ftinbern bic ftlage auf Slnerfennung gegen i^re ajhitter ju üerfagcn,
uic^t angefel^en werben. 9lur baö fönnte in 3toeifel gejogen werben, ob bei
fold^en aud einer ftrafbaren 93erbinbung ^eroorgegangenen unb oieUeid^t ben
©egenftanb befi ^affeß auf Seiten ber aWutter unb ber mütterlid^en SSer*
wanbten bilbenben ^inbern biejenigen fittlic^en SSorauöfegungen unb na^en
Weiterungen pori^anben finb, weld^ie bie ©runblage beö t^miliem unb @rb«
te^teö bilben. ^ie Slüdfic^t auf baö ^ntereffe iener o^ne^in unglüdtlid^en
ilinber unb auf bie 9Dk(}ria^( ber befte^enben Siedete ift iebod^ alö überwiegenb
ju erachten. Xaju fommt, bafe ftinber auö einer formgültigen, aber injeftuofcn
<S^e nad& üWafegabe ber §§ 1562—1566 fogar alö eljelid^e Äinber gelten,
^egen ber ©rünbe, auö welchen ber ©ntwurf t)on bem ©runbfage, bag e^e^
wibrige ftinber n\(S)t ungünftiger alö anbere une^elid^e ftinber be^anbelt werben
foUen, aud^ für ben ^^all feine äluöna^me gemad^t ^at, wenn im (S^ebrud^e
«rjeugte ftinber bei ber S3eerbung ber Sfluttcr mit bem ©bemanne fonfurriren
<oergl. fäd&f. ®. S. § 2051; weimar. ®cf. t). 6. Slpril 1833 § 58; altenb. ®ef.
D. 6. 3lprit 1841 § 64; ®ef. f. JReufe {. S. o. 10. S)ejcmber 1853 § 59), wirb
ouf bie Sßotioe beö ©rbred^teö oerwiefen.
3m 3lnf^luffe an eine weitoerbreitete, {ebod^ feineöwegö altgemein an* »wutfinber.
«rfannte, inöbefonbere aud^ oom JReid^ögcrid^te jurüdEgewiefene gemeinrcd[)tlid&c ®tiSt**
^rajiö (oergl. bafür Seuffert VIII, 65, IX, 189, XI, 245, XV, 143, XIX,
166, XXVI, 46; bagegen Seuffert V, 200, XII, 344, XXV, 40, XXXII, 252;
(Sntfdd. b. SR. ®. in Gioilf. V, 44) werben aud& oon Dielen neueren @cfe^^
flebungen fog. SBrautfinber ben el)elid&en ftinbern gleidEigeftellt. 3m Ginjelncn
fjerrfc^t aber in 58[nfct)ung ber SBorauöfegungen unb beö Umfangeö biefer
858 Unefieficfc Äinbcr. SiccfetcücrJ. sur SKuttcc u. bcrcn gamilic. § 1568.
©kid^fteUung, inöbcfonbcrc anä) gegenüber ben aSenoanblcn bcü SSaterö, feine
Ucbcieinftimmung (üergt. fäd&f. @. ». §§ 1578, 1661. 1809, 1837, 2018, 2025,
2039, 2565; oltcnb. (Sef. v. 13. Sann ar 1869; wcimar. ®ef. v. 6. älpril
1833 §§ 16, 26 unb t). 27. üRärä 1872 §§ 1, 2; ®ef. für SReug j. S. o. 10. 3)c^
jcnibcr 1853 g§ 17, 28; anmalt. ®cf. v. lO.üKoi 1879 §8 5ttbf. 5). Wogegen
ift bcm prcufj. fftcd^te noc^ 2luf^ebung ber Seftinimungen beä prenfe. 91. 2. 91.
II, 2 §§ 592—595, 597 burd) boö prcufe. (Sef. ü. 24. SKprit 1854, foroie bem
öfterr. 0. 93. unb bem franj. Siedete ber Unterfti^ieb jnjifd^en Sroutfinbcru
unb anbercn une^elid&cn ftinbern unbcfonnt. SÄudd bic qoÜ). ©efefec d. 7. 3uni
1844 (Dcrgl. § 19) unb t). 1. Suli 1869, baö coburg. ®ef. ü. 28. Suti 1858 unb
bas tneining. ®ef. t). 9. September 1844 (arg. 2lrt. 42) enthalten feine be^
fonberen S3eftimmungen über 83rautfinber.
ctttnbvunft 2)cr ©ntrourf l(iat [\^ biefer lefeteren ®ruppe oon SHecftten angefd&loffen.
entwürfe«. 2)ie Sebeufeu, welche gegen bic Slnerfennung famiUenred^tUd^er 93ejiel)ungen
jroifd^en bem unelieüd^en Äinbe unb beffen SBater fpred^en, treffen bei 33raut*
finbern in)ar nid^t in bem[elben 3ßage ju. 3lxdi)t feiten, namentKd^ in fold[)en
gallcn, in welken bie Sd^Iicfeung ber beabfid^tigten 6^e unter ben SSer^
lobten, j. 93. burd^ ben Xob ber 93raut, unmoglid^ getoorben ift, mirb baft
9}er(|ft(tnig jmifc^en bem ^rautfinbe unb bem SSater ein fo nal^eö unb
inniged fein, bog eö an ftd^ unbebenfüd^ fein mürbe, baö jtinb einem e^e::
liefen jlinbe in famiUem unb erbred)t(i(^er 93ejie^ung ganj gleid^jufteDen.
3"beffen bie gälle liegen feineöroegö immer fo. "SJlan benfe nur an folcbc
gälle, in meldjen baö SBerlobnife burd^ ben SSräutigam aufgetjoben ift ober
berfelbe bie 2lnerfennung beö Äinbeö üerroeigert unb feine SSaterfddaft im
Sßege beö ^rojeffeö auögemittelt merben mug. ^aju fommt, bag eö ftd^
mit ber ^eiligfcit unb SBürbe ber 6^e nid^t verträgt, mit einer immerhin
unfitttid^en ®efd()(ed^tögemeinfd^aft g(eid[)e SSirfungen mie mit ber &^e ju
Derbinben. 6ö mürbe bieö bie ®efaljr einer Seförberung ber Unfxttlid^feit
unb beö Konfubinateö mit fid^ bringen. Um fo weniger fann ein Sebürfnife
anerfannt werben, ju ®unften ber Srautfinber von bem 5ßrinjipe, baß nur
bie burdd bie 6f|e «ermittelte ®rjeugung bie ®runblage beö gamilicm unb
©rbredöteö bitbet, auö SRüdEfid^ten ber SBiUigfeit eine 2luönal^me 5U mad^en,
alö bie öfonomifd^en unb polijeilid^en @rfd)merungen ber S^efd^Ueßung, meiere
früljer uielfad^ bie SBeranlaffung gegeben ^abcn, bafe bie 5Berlobten ben 93ei^
fd)Iaf antijipirten, burd^ bie neuere ®efe6gebung befeitigt finb. SBill ber
Bräutigam, mcnn bie @f|e unmöglid^ geworben ift, bem im 93rautftanbc er^
jeugten Äinbe bie Stellung cineö cbelid^en Äinbeö uerfd^affen, fo bieten ifjm
baö 3nftitut ber 9lnnaf|me an Hinbeöftatt unb baö Snftitut ber Legitimation
burd) ®i)elid&fcitöerflärung bie geeigneten aWittel. ©egenübcr benienigen 9?ed)ten,
weldie bie 93rautfinber in größerem ober geringerem Umfange ben e^etid&en
Äinbevn gleid^ftellen, ift überbieö nad^ bem ©ntiourfe bie Sad^lage infofern
eine mefcntlid) anbere, alö nad) bem entwürfe burc^ baö 33erlöbni6 eine SJer«
binblid&feit ber SSerlobten 5ur ©ingeliung ber ß(;e nid^t begriinbet wirb, aud^
irgenb wcld&e gomioorfdöriften für ©ingel)ung beö 33erlöbniffeö nid^t aufgeftellt
finb. 2)amit ift bem Snftitute ber SBrautfinber bie ®runblage, auf weld^er baö^
fclbe [jiftorifdb fid) entwicfelt l)at unb praftifd) allein burd^fü^rbar ift, entsogen.
Unelicnd&cÄiiiber. gamilicnnaincn. grtcrIi(J6e ©ciralt. §§1569,1570. 859
§ 1569.
2)ic SBcftimmung bcö § 1569 cntfprid^t bcm ^^Jvinsipc, bafe bad uueljc- jamiueiu
lidöc Äinb nur 511 bcr SRuttcr, lüd&t and) iu bcm SBatcr in einem gomilien^ uw4u<j!rt
ücröältniffc ftc^t, unb ftimmt mit bcm gemeinen 9ted)tc.(üei(jl. (gntfd&, b.9i. ®. 仫*»««-
in 6iDitf. V, 45) unb ber 3ÄeF)rsaI|t ber neueren Oefefegcbunflcn übercin
(preufe. ar. S. 9t. II, 2 § 640 unb 3lnl;. § 94; öfterr. ®. 33. § 165; fäd^f.
®. 93. § 1801; mecHcnb. fircl. Sßerorbn. t). 19. Sonuar 1844; fonbcrö^.
93crorbn. 0. 6. 2)eäembcr 1843 ; meining. @ef . n. 9. September 1844 airt. 10 ;
Coburg. @cf. v. 28. 3uU 1858 2lrt. 36; SBerorbn. fiir JReuß f. il. v. 29. 3lprir
1864; lübcd. SBerorbn. t). 22. SuU 1865; gott). ©ef. ü. 1. 3uU 1869 Slrt. 13;
oltenb. ©cf. 0. 29. SWai 1876; t)ergl. aud^ §§ 22, 25, 26 bcfi M. ®ef. über
bic 93curfunbung bcö ^erfonenftanbeö u. f. ro. t). 6. gebruar 1875). S)a6,
mcnn bic ÜKuttcr burc^ Sd&licfeung einer &)c bcn Familiennamen bcö ®f)c-
manncö erhalten i)ai, baö unel)clid)e Äinb bcn Familiennamen erfjält, meld&cn
bic OJIuttcr Dor ©d^licfeung bcr 6^c geführt l)at, berufit auf bcr (Srmägung,
bag baö fRe6)t ber 3Äuttcr, bcn Familiennamen bcö G^emanncö ju führen,
ein ^öd^ftperfonlid^eö ift , baö und^elid^e iSinb aud^ nid^t bcr Familie bcö @^e^
manncö, fonbern ber Familie ber SWutter angeprt.
SSerfc^icbcnc Siedete gcftatten, bafe baö. une^clidde Äinb mit ®in«)iUigung §ß^r«no u^
bcö gSatcrö bcRcn «Tlamcn fü^rt (ücrgl. mürttemb. ®cf. ü. 5. September 1839 „S,S«'bi«
airt. 28 5Kr. 5;' öfterr. ®. ». § 164; meining. ®ef. t). 9. September 1844 ««*««•
Slrt. 10; Coburg. ®ef. ü. 28. 3uli 1858 Slrt. 36; gotl^. ®cf. ry. 1. 3uli 1869
Slrt. 13; t)eff. @ntn). II Slrt. 54). Sine bcrartigc, bcr familicnrec^tlid&en
Stellung bcö und^clic^cn Einbeö miberfprcdöenbc unb bic leßtcrc Dcrbunfelnbc
prioatrcd^tlid^c Scftimmung ift icbod^ nid&t ju cmpfel^lcn. SJafe nadd franj.
Siedete baö t)om 33ater ancrfanntc .Hinb bcn Flamen bcö SBatcrö erfiält, l)öngt
mit bcm Don bem ©ntmurfc nic^t aufgenommenen 3nftitutc ber Slnerfcnnung
iufammen.
2)ie Fi'^aC/ ob unb inioieioeit baö unc^elidjc ^inb bcn Staub bcr 3Äutter «tanb.
t^cile (üergl. prcufe. Sl. S. 9i. II, 2 §§ 640, 642; often:. ®. 93. § 165;
meining. ®ef. v. 9. Sept. 1844 Slrt. 10; f|cff. ßntu). II Slrt. 54), l^at ber
©ntiourf l)ier, wie in anberen äfinlid) liegenben Föö^n (ocrgl. §§ 1274, 1497
ncbft bcn üJlotiDcn ju § 1274 oben S. 106 ff.), unbcrfltjrt getaffen.
§ 1570.
®cmeinred)tlidö unb nadd bcn mciften neueren ©efeßgebungen ftc^cn eiternde
uuctjclic^e Äinber unter aSormunbfd^aft; bod^ mirb, wie ber c^elid^en 2Buttcr ®*j^tJ[{eJ!'
nac^ bcm 2^obc bcö SBatcrö, fo aud^ ber uncljicli^cn aWuttcr ein balb mcl^r ^^^^^^^^^
balb weniger Don bem ßrmeffen bcr Dbcrrjormuubfd^aft abljöngcnbcö Siecht «wi^t.
auf bic ©rjie^ung bcö uncl^elid^cn Äinbcö cingcrömnt. 3nöbcfonbere beftimmt
bic prcufe. SBorm. D. v. 5. 3uli 1875, o^nc in bicfcr SBciic^ung jmifcficn bcr
ct)clid^cn unb bcr uncljclidjcn üJJuttcr ju unterfd^ciben, bafe ber SRuttcr bcö
ÜJhinbctö bcfien erjic^ung unter Sluffid^t beö Sßormunbcö suftc^t, il)r bicfcö
Gr5icf}ungörcdöt aber aM crt)cbli(^en ®rünbcn mi) Slnljörung bcö Sßormunbcö,
fomic bcö SGBaifcnrat^cö, burdj baö aSormunbfd^aftögcridjt entjogcn loerbcn
860 Uncjeli*c Rtnber. eiterli*c ©ctrart. § 1570.
fann (DcrcjL 31. £. SR. II, 2 § 614 ncbft Stn^. § 95, II, 2 §§ 621—625, II, 18
§§ 315, 320, 321; prcufe. äJorm. D. §§ 11, 12 2ll)f. 2, § 28; öftcrv. ©.».
§§ 160—170; fäd)f. ®. 33. §§ 1874, 1875, 1922, 1923).
Slud^ bieicniöcn Siedete, rocld^e bcr cl)clid&cu aWuttcr itQd) bem ^obc bcö
aSatcrö bic cUcriid^e (Seroalt übertragen (üergl. bic üHotioe ju §§ 1501, 1502
oben ©. 723 ff.), ernennen eine elterliche (Seroalt ber 2Butter über xl)x une^elid^cö
^inb nid^t an; nur nacf) bem roeimar. ®ef. u, 27. SKärj 1872 §§ 2, 4, 15, 16
ftcl)t aud^ bcr unefielic^cn ÜWuttcr bie oollc cltcrlicbc ©eroalt elufd^Hefelid^ bcr
tBcrroaltunfl bcö SBermögenö, ber aSertretunß unb ber eltcrüd&en SlufcnieSung
ju. ©aöfelbe ift nad^ bem ^eff. ßntro. III ärt. 55 ber gall, icbod^ mit ber
"^a^^abt, bafe baö SSormunbfdöaftflgerid^t, je nac^bcm roegen bcr 5ßerfonlid^feit
ber a)2utter für bic ©räic^iing beö Äinbeö ober für bie SScrroaltung bcß
bem lefitcrcn gcljorenben SBcrmögcnö bcfonbcrc SJorforgc notl^g crfd&eint, einen
tBormunb ober Kurator für ba^ Äinb beftellen fann.
3n eittigen Heineren SRed^tögebicten, fo in iiDtedElenburg*6d&rocrin, in
SBalbccf (Söorm. D. v. 21. Dftober 1844), in JReufe ä. 2. (SSerorbn, o. 2. 3uli
1864 § 2), l^at bie SKutter jroar nid^t bie elterüd^e ©croalt über i^r uncfic^
lid^cö Äinb, aber bie ©tellung eines gcfcßUd^cn SBormunbcö (ocrgl. aud^ t;amb.
aSorm. D. o. 14. Sejember 1883 3lrt, 1 3lbf. 2). Db nad& franj. 9]ccötc bcr
3ßuttcr neben ber auf bic ^erfon beö oon if)r anerfannten unebelid^en ftinbcö
fid^ bcjicl^enbcn clterlid^cn (Scroalt aud^ bic gcfcfetid^c aSormunbfd^aft über baö
Äinb, alfo bie 93crmogcnöocrroaltung unb bic SBcrtretung jufte^t, ift beftrittcn.
3laä) bah. S. 91. ©afe 393 a ift bie 3)lutter, roenn fie befannt ift, SBormunb beö
uncl^clid&cn Äinbcö (oergl. febod^ § 4 bcö bab. ®ef. o. 21. gebruar 1851).
9lu(^ baö ital. ®. SB. Slrt. 184 gicbt bcr ajluttcr in Stnfcl^ung beö oon i^ir
anerfannten une^clid^en Äinbeö bie gcfefelid)c SBormunbfd^aft, roeld^e mit 2luö^
nal^mc ber eltcrlid^cn Slufinicfeung bcr eltcrlid^en ®croalt ooÜftänbig glcid^ftcbt
unb inöbefonberc aud) nur tiad) aRafegabc bcr Scftimmungen lUcr bic cltcrlid^c
®croalt entjogen toerbcn fann.
tgtanbpuiift 2)cm ^rinjipc beö § 1568 in SSerbinbung mit bem § 1501 2lbf. 2 roürbe
«ntSSfrfe«. Co cntfprcdbcn, roenn, mic ber cl^cli^cn SKutter nad^ bem S^obc beö SBatcrö,
fo ber uncl^clidjcn SDluttcr mit bcr (Seburt beö Äinbeö bie eltcrti^c ®eroalt
über baöfelbc übertragen roürbe. 3n biefcr Söcjic^ung ift ieboc^ bic im
§ 1570 bcftimmte äliobififation mit Slüdfid^t auf bic Söerfd&icbcnl&eit bcr Sa(^'
läge für uot^rocnbig crad)tet. 2)ie in bcn SÖlotiocn beö ^cff. (Sntro. III
©. 173 für bic Ucbertragung ber elterlichen ®croalt auf bie uncl^elid&c aJhittcr
gcltcnb gemad^tcn ®rünbc, cö fei oon ber natürlidjcn aJIuttcrlicbc ju erroarten,
bafe fic für ibr Äinb nadd Äräften forgen roerbe, unb eö roerbc burd^ bicfc
3lrt ber Siegelung bic ©taatöaufildöt einer aßcngc läftigcr aSormunbfd^aftö«
Äuftwricfiunß bcftcHungcn überf|oben, werben burd^ bie mit bcr 9lncrfcnnung bcr cltcrlidiicn
^' ©ÜSül?'" ©croalt bcr unehelichen aWutter für baö Äinb, inöbefonberc für bcffen förper*
lid^cö unb geiftigeö 2Bof|l, oerbunbencn ®cfa{)rcn überroogen. Sie SSorauö*
fegungen, oon roeld^cn bcr ©ntrourf auögcgangen ift, roenn er bic Ucbertragung
bcr clterlid^cn ®croatt auf bic ct)elid)e 3Kutter alö unbebenftid^ erad^tet ^at,
treffen bei ber unetjclid^cu 3)luttcr tficilö überl&aupt nid^t, t^cilö roenigftenö in
einer großen 3öl)l üon gftUcn nid^t 5U. S)ic (Srfaljrung Icl^rt, bafe uncbclid^c
Unc5eIi(J6c Äinbcr. elterliche ©ctralt. § 1570. 8G1
Äinber in forpcrlic^er roie in gciftißcr ^infid^t nur ju oft ücnr)al)rIoft werben.
S)aö Sntcreffe biefcr joldlrcid^cn Äinbcr unb mittelbar ber Ocfellfd^oft crlicifd^t
cö brinflenb, möfllid^ft fixere ©aranticen ju fd^affcn, bafe bicfclbcn in förpcrlid&er
unb flciftiflcv 93cjici|un0 eine gute Sluöbilbung erfioltcn unb ju nüglid)en
©liebern ber menfd^tid^cn ©cfellfd^aft erjogen werben* SJiefe Oaranticcn
würben ober regelmäßig fel^len, wenn man ber une^elid^en üKutter bic elter-
lid^e ©ewalt über i^r une^cliddeö Äinb einräumen wollte. §at bie unel)elid)e
SRutter an fxi) Qud& bic gfi||igfeit, bie mit ber eltcrlid^en ©ewolt oerbunbcnen
^fii^ten unb Siedete ju erfüllen be^w. ouöjuüben^ fo mangelt ed il^r bodd ju
oft on bem guten SBillen unb bem genügenben ®rnfte. 3n t)ielen fällen l^at
bie unel^eli^e SRutter für ba& unel^elid^e Ainb nid^t bad gleiche ^ntereffe unb
bie gleite l^ingebenbe^ baö 3}efte beö 9i\nbt& im Sluge ^abenbe Siebe^ wie bie
cftelid^e aWutter für il^r e^elid^eö ftinb; üielmel^r üertjält fie fid^ gleid&güttig
gegen bad unel^elid^e kinb unb betrad^tet badfelbe wol)l gar als eine brüdfenbe
Saft. SDaju fommt, bafe bie unel^elid^e SRuttcr feiten einen feften i^auöftanb-
t)at, bafe fie, um il(irem Grwerbe nad^juge^en, l&fiufig von bem Äinbe getrennt
ift unb badfelbe gegen eine billige 93ergütung fremben ^erfonen überläßt^
weld^e babei weniger bad Sntereffe beö JJinbeö ald il^r eigenes Sn^^^cffe berfldf^
fid^tigen. 3i\\ä) tnfofeni ift bic Sad^lage bei ber une^elidden unb ber d)dxä)cn.
SRutter eine rerfd^iebene, als bie leßtere in ber SHcgel erft nad^ bem 2^obe bcö-
SSoterd, alfo meiftenö erft in gereifteren Salären, bic elterlid^e ©ewalt erlangt*
9llle biefc Sebenfen werben aud^ baburd) nid[)t befcitigt, bafe man bie
33efugniffe bcö SBormunbfd^aftögerid&teö, ber aWutter bic elterlidöe ©ewalt ganj
ober t^eilweife ju cntjie^en, gegenüber ben Seftimmungen beö § 1546 erweitert;
benn wenn ber ättutter bic eltertidöe ©ewalt übertragen unb eine SBormunb*
fd^aft ba^er nid^t angeorbnet wirb, fo fel^lt ed an einem Organe, weld^cd-
pfiid^tmögig bie äludübung ber ber SRutter übertragenen ^jli^ten unb Steckte
überwad^t unb fraft feiner Slmtdpflid^ ia& äSormunbfd^aftdgeric^t t)on einem
^JlUgbraud^e ber elterlid)en ©ewalt in ^enntnig fe^t, um basfelbe ju einem
®infd^reiten ju oeranloffen. S)arauf, bafe britte ^erfonen, inöbefonbere anbcrc
SSerwanbte bed ^Unbed, bem aSormunbfd^aftdgerid^te red^tjeitig älnicige mad)en
werben, ift bei une^elid^en Äinbern mit einiger ©id^er^eit nid^t }u red^nen.
@benfowenig reid^t cd an&, wenn etwa bad älufft^tdre^t bed SBaifenrat^cd
bei ben unter ber elterlid^en ©ewalt ber aßutter ftelienben une^elid)en Hinbern
nad) Sßaggabc bed § 1725 audgebc^nt würbe, ba ed regelmögig an einer
äufeercn Slnrcgung jur 3ludübung biefer Sluffid^t unb an bem nötl^igcn 3«*
fammenl^ange mit bem 93ormunbfd()aftdgcrid[|tc fc^lt, wenn nid()t jugleid^ eine
93ormunbfd^aft gefül^rt wirb. SBirb bagegen in allen gälten eine SBonnunb^
fd^aft angeorbnet, fo fann ber SBaifenratt) audd in SÄnfel^ung ber uncl^elid)en
Hinber eine gebeil(|lid^e SBirffamfeit entwirfein.
Gin wcitcrcd 83ebenfen gegen bie Uebertragung ber clterlid^en ©ewalt auf
bic unc^elid^c SRutter ergicbt fid^ baraud, bag mit ber eltcrlid^en ©ewalt bic
Sorge für bad SBermBgen cinfd^licfelid^ ber gcfefelid^cn SJertretung rcrbunben
ift. 6d liegt bic ©efa^r na^e, bafe in t)ielen gällen Icid&tfinnigc SKütter bad
etwa üor^anbene SSermögen bed Hinbed, namentlidj bie von bem äSater ge^
Iciftctcn Unterl)altdgelber ober eine t)on bcmfclben gcjal^lte 9lbfinbungdfumme^
862 Unefcli* c Äinber. QXUüiiic ©oralt. § 1570.
nid&t im äntcreffe beö Äinbcs, fonbcrn im eigenen Suterefie oeriocnben würben
unb auf biefe SBeife bcr S^td beö nad^ ben §§ 1571 ff. bem Äinbe gegen bcn
une^elid^en 93ater jufte^enbcn Unter^attdanfprud^es vereitelt toerben tonnte.
2ßit 9tM[xä)i auf biefe ®efa^r ift j. S. in aWerflenburgsScöroerin, loo bic
SRutter bie Stellung eines gefeilteren 93ormunbed fyit, burd^ SJerorbn. ü.
26. 3uni 1847 § 2 bie SRutter in bem 93em)Q(tung3« unb SJerfügungdred^te
über bie Don bem une^elid^en 93ater }u ^a^tenben 9Dimente pielfad^ befd^ränft
unb für Derfd^iebene ^cille bie Aonturren) eined SSormunbeö bejm. ber Ober-
Dormunbfd^oft oorgefdyrieben. ferner beftimmt bad bab. @e[. o. 21. ^ebniar
1851 § 4, ha^, mennglei^ bie SAutter SSormunb bed une^eü^en Stinbes ift
(bab. 2. dl. @ag 393 a)/ boc^ bie Atage auf Unterl^att gegen ben unel^etid^en
93ater nur oon einem befonberö ju emennenben ^ormunbe geltenb gemalt
merben fann. ^urd^ bie äludfc^liegung bed äSertretungdred^ted mirb indbefonberc
aud^ ber @efal^r üorgebeugt^ bag (ieberßd^e ober lei^tfinnige SRütter ba^ 9Ied)t
ber gefeglid^en iBertretung bed ftinbeö baju migbrauc^en^ pon oerfc^iebenen
^^erfoncn, meldte mit \\)x innerl^alb ber ©mpfängnifeeit beö ftinbcö ben 33eis
fd^Iaf DoUjogen l^aben^ betrügli^erroeife auf ben Flamen bed ftinbeö 9(Umente
ju forbern. Sic l^eroorgel^obenen Sebenfen fprcd^en im 2Befentlid&en aud)
bagcgen, bcr aWutter bic Stellung einefi gefe|Hd&en SJormunbcfi ju geben.
^^niesun ^^^^ ^^ une^clid&cn ÜRutter im Ucbrigen bic elterlid^e ©cmalt pcrfagt,
u«n e ung. ^^ ^^^^^ ^^ ^^^ ^^ ^.^^^ auörcid^cnben (Srunbe, i^r bie mit ber leßtercn »er*
bunbcne elterlidde Slu^niefeung einjuräumcn. Sollten bie ®infünftc auö bem
Sßermögcn bed ftinbcö Ueberfc^üffe ergeben, fo ift eö für ba^ fpStere gort^
fommen beö ftinbcö oon grofeem SBcrt^e, menn biefe Ueberfddüjfe für baö ftinb
angelegt mcrben. 2)icfelben bcr une^elid^cn ÜKuttcr ju fiberlaffen, ift um fo
bcbenflid^cr, als in oicicn gSUcn bie ime^elid^cn ÜRütter leid^tfinnige unb ocr-
fddrocnberifd^c 5ßcrfonen ftnb. 3wbcm liegt eö im Sntcrcffc ber Sittlic^fcit,
mcnn bcr uncl^elid^cn SKutter {eber auö il^rer Unfittlid^feit l&croorge^enbc, aud)
nur inbircite, SUermögcnöoortl^cil cntjogen wirb.
x^otfÄd^iii^c SGßcnngleid^ bcr ©ntrourf auö ben angeführten ©rünben 2lnftanb gc^
^fpSon"b€«* nommen l^öt, ber uncI)eUd&en 3Äutter bie elterlid^e ©emalt über baö unc^elid^c
Äinbc«. jiijij, J^ übertragen, fo ift eö bod& im Slnfd&luRc an baö iiberroiegenb gelteubc
JHcd^t alö unbebenfHc^ crad)tct, ber üJlutter nad^ SÄa^gabe beö § 1558 Sag 2
(ocrgl. a\x6) %% 1565, 1566) bic tf|atfäd[)lid)e Sorge für bic 5ßcrfon beö ftinbcö
afe ein felbftänbigcö, i^r fraft beö ®ejc6cö jufte^enbeö SRed^t unter STufud^t
beö beftcUten Söormunbcö ju übertaffen, jumat bcr § 1546, roeld&cr nebft ben
übrigen Sßorfd^riften über bic efterlid^e (Scroalt aud^ auf bic nad^ § 1570 bcr
unel)elidöen 3)lutter 5uftel)cnbe Sorge für bic 5ßcrfon beö ftinbcö analoge 5ttm
TOcnbung pnbct (oergl. § 1685 Sag 2 ; aWotioe ju § 1558 oben S. 835), bic
Wrcnjcn für bic Sulöffigfcit beö einfd&reitenö beö SSormunbfd^oftögcrid^teö
weit genug gcjogcn \)at, um icbcr ©cfal^r eineö aJHfebraud&cö jum 9lad^tf>cilc
beö SBo^leö beö ftinbcö roirffam entgegentreten ju fonnen. 5Ra^ bem 3ßor«
gange beö gcltcnbcn 9led^tcö unterfd^eibet bcr ©ntrourf aud^ nid&t, ob bic
unet)clidöe SOJuttcr felbft noä) unter clterlid^cr ©cmalt ober wegen 3)tinber*
iö^rigfeit imter aSormunbfd^aft ftcf)t. 2lud) roenn bie uncl^elid^e a)lutter notö
minberiä^rig fein foUte, würbe eö bcn natürlid^cn ajcr^oltniffen nid^t ent-
nnel&cli*c Äinbcr. (göcrli^c ©eiralt. § 1570. 863
fprcd^cn, fic üon bcr 5ßfftd^t, in bcm im § 1570 bcjcid^nctcn Umfange für il)r
Äinb ju forgcn, ju entbinben (ücrgl. aucl^ § 1554 Slbf. 2, §§ 1565, 1560
ncbft bcn fDlotmn ju § 1554 oben S. 820).
3n 3tnlel)nun9 an eine and) für ba^ gemeine Siedet Dertretcnc, t)on bcr efsio&ung»*
l^errf^enben üReinung icbod^ nid^t get^cilte atnfiti&t (üergL ©euffert lY, 230, b« ««»«.
XII, 163, XXVII, 32) erleibet nad^ üerfd^iebcnen neueren ©efcfcgebungcn baö
®riiebungöred)t ber une^elid^en ajlutter infofern eine üRobififation, alö bic«
felbcn nadd 9lblauf ber erften Sebenöja^re beß Äinbeß bcm uncl^eUd^cn SBatcr,
wenn biefcr wegen ©rfüüung feiner Unterl)aUdpflid&t in 3lnfpnic^ genommen
mirb, ba& Siedet geben, baö Äinb fetbft in ^Pflege 5u nel^men unb ju erjie^en,
öorbe^alttid^ ber SBcfugnife beö SBormunbfd&aftßgerid^teö, bcr aWutter bie SBer-
pflegung unb Srjic^ung beß ftinbcö auf Äoften beß Söaterß femer ju be*
laffen, fofcrn bicß burdd baß Sntcreffe beß Äinbcß crforbert mirb (ücrgl.
prcug. Sl. S. SR. II, 2 §§ 622—625; malbecf. aScrorbn. o. 3. 3anuar 1780
§7; anl^altbcff. SScrorbn. o. 30. Sßai 1815; fä^f. ©.SB. § 1870; gotf). ©ef.
V. 1. Suli 1869 Slrt. 9 ; altenb. ©ef. t). 29. 3)lai 1876 § 16). ©agcgcn l^aben
qnberc ©efeftgebungen jeneß 9led&t beß SBatcrß außbrürftid^ außgcfc^loffcn (üergl.
mccttenb. aScrorbn. v. 23. 3uni 1847 § i lit. d; fonberßl). ©ef. n. 12. 3luguft
1844 §§ 13—15; rubolft. ©ef. t). 31, Sßai 1850 §§ 10—12; meining. ©ef.
V. 9. September 1844 3lrt. 20; Coburg, ©ef. n. 28. 3uli 1858 SUt 5, 8).
Sa nadö bem ©ntmurfe (§ 1574 t)crb. mit § 1491 9lbf. 1) bcr uneljelid)c
SBater bcm Äinbe bcn Unterhalt immer in einer ©clbrente ju gemäfircn ^at,
fo fällt bamit bic ©runbtagc beß t)on bcn angefül)rten ©efc|cn ancrfannten
^}icl^ungßrcd^teß beß a3aterß meg. 3(ber aud^ abgefcl^en baoon fann t)om
Stanbpunftc beß 3ntcreffeß beß Äinbcß auß ein fold^cß ©rjic^ungßred^t beß
SSatcrß auß bcn in bcn 2)iotioen ju § 1568 oben £. 852 ff. bargcfteUtcn 03rünbcn
olß angemeffen nic^t crad^tet merbcn.
3n Sttnfcl^ung ber rcligiofcn ©rjicl^ung beß unefielid&cn Äinbcß bleiben, «eitgtöfe
wie an^ § 1658 fid^ ergiebt, bic Sanbeßgefefce unberührt (oergl. preufe. 31. S. SR. ®'^^"*""*'
II, 2 § 642 Dcrb. mit bcm preufe. ©ef. v. 14. SWärj 1871 unb ber preufe,
aSorm, D. o. 5. 3uli 1875 § 28; nojf. aSerorbn. v. 22./26. SDiärj 1808; meimar.
ebift 0. 7. Dftober 1823 § 54; ^annoo. aScrorbn. t). 31. 3uli 1826 § 6; malbecf.
aSerorbn. v. 28. SDJärj 1827 § 3; fäd&f. ©ef. t). 1, Sioocmbcr 1836 § 10;
hatjt. SJcligionßcbiK t). 26. SKärj 1818 § 21 ; franff. ©ef. v. 5. September
1811 Slrt. 5 ücrb. mit bem franff. ©ef. d. 30. S)ej. 1819; furljeff. ©ef. i\
29. Cftober 1848 § 3 oerb. mit ber aScrorbn. d. 13. 3lprit 1853 § 4 9Jr. 3;
inclning. ©ef. v. 9. September 1844 3lrt. 12 3lbf. 4 ; Coburg, ©ef. t). 28. 3uli
1858 Slrt. 37; bab, ©ef. o. 9. Dftober 1860 § 1). S^iefcr aSorbc^alt entfpric^t
bcm § 1508 unb bcn ©rünben, auf meldten biefe Icfetcrc SBcftimmung bcrut)t.
aScgcn bcr göl^igfcit bcr une^elid^en SKutter, jum SBormunbc i^rcß ©ormunb>
unehelichen Äinbcß beftcllt ju merbcn, ücrgl. § 1640 3lx. 4 ücrb. mit § 1637 ^^"^*'
?lbf. 3. ®ic ©rünbc, auß loelddcn bcr (gntmurf — abmei^cnb üon bcm preufe.
ajccftte (ocrgl. prcufe. 31. S. SR. II, 2 § 614, 3ln^. § 95 unb prcufe. aSorm. D.
t). 5. 3uli 1875 § 12) — eine gcfcfelid&e aSormunbfc^aft beß müttcrlid&en ©rofe*
t)atcrß über bcn unef|clid[)en ©nfcl nid[)t ancrfannt \)at, finb in bcn aJlotioen
JU § 1635 bargclcgt.
864 llntcr6anepfli(6t bc8 unehelichen Satcrß, ©eftaltuno. § 1571.
II. Uttter|aIM)ifl^t be« nttel^el^eti Sätet«.
§ 1571.
«rfotf<$un9 SBä^rciib boö rötn. Siedet eine Unterl^altöpflic^t bcö unc^clicftcu iBateri^
uite^it($en uur fcincu im Äonfubinate erjeugten Äinbern gegenüber anerfennt, fte^t nod^
«aterf<^aft gemeinem Siedete auf ®runb eines unbcftrittcnen ©emol^n^citdred^teö unb nod^
&eumbe9 ben meiften neueren beutfd^en ®efe|gcbungen jebem nne^cRd^en ftinbc ein
**** Unterfialtdonfprud^ gegen ben natürüd^cn SBatcr ju, imb jmar wirb berjenige
q[ö 93ater bed une^elid^en Rinbed in ber ^ter frQg(id)en SSejie^ung angefel^en^
n)eld)er mit ber ÜÄutter beö Hinbeö innerhalb ber gefefiUc^ nfi^cr beftimmtcn
Smpfängnigjeit beö (egtereu ben 93eifä^laf t)oU}ogen ^at. Ob unb inmiemeit
biefc 33ermut^ung ber SJaterfc^aft burd^ ©cgenbemeiö, inöbefonbere burdf> ben
(Segenbemeiö entfrfiftet werben tonn, bofe inneri^otb jener 3cit aud^ oon einem
SÄnberen ber Seifd^Iof mit ber SKutter bed Äinbeö ooUjogen fei, ift, wie bie
aWotioc JU § 1572 beö 9läf|ercn ergeben, gemeinred^tlid^ fel)r beftritten unb
audd t)on ben neueren ©efefegcbungen üerfdjieben beontroortet (oergl. bagn
2. SR. I, 4 § 7 3lx. 5, § 9 3lv. 4; preufe. SK. S. dt. II, 2 §§ 612 ff.; preufe. ®ef.
V. 24. 3lpril 1854, burd& ®cf. t). 1. aWärj 1869 auf bie lanbrec^tli^en ©ebietc
ber ^rooinj §annoocr unb burd& ®ef. v. 23. 3Kärj 1873 auf baö preuß.
3ttbegebiet audgebef)nt; öfterr. ®. ». §§ 163 ff; fä^f. ®. 93. §§ 1858 ff.;
württcmb. ®cf. x>. 5. September 1839 § 28 3lv. 4; najf. ©bift d. 21. ©eptember
1816; anf^alt^beff. SJerorbn. ü. 30. Wiai 1815, ®rläuterungen jur anl^att. 2. D. V,
VI, VIII §20, beffau^öt^. dec. II p. 1850, anl&alt. ®ef. t). I.3uai864, betr-
bie ^ßublifation üerfddiebener anl^ott*beff. 33erorbn. für bie bernburg. 2anbedtl[|eile ;
medftenb. SSerorbn. v. 23. 3uni 1847; olbenb. 3)effaration d. 7. 3uni 1845;
fonbcröl). ®ef. t). 12. SÄuguft 1844; rubolft. ®ef. t). 31.ÜRal 1850; meining. ®ef.
t). 9. ©eptember 1844 ; weimar. ®efc6e ü. 13. 2lpri( 1829 unb 6. 3uni 1853 ;
®ef. für SRcufe ft. 2. d. 4. 3anuar 1854; coburg. ®ef. o. 28. 3uli 1858; got^,
®ef. t). 1. 3uli 1869; altenb. ®cf. d. 29. a»ai 1876).
Ueber ben 9led^tdgrunb beö bem une^elid^en Rinhc gegen ben unel^elidjeit
SSater jufteljenben Unter^aftöanfprud^eö ge^en in 2)oftrin unb ^rayiö bie ^Uu
fid)ten auöeinanber. 3lad^ ber einen, namentlidd in ber bapr. 5ßrariÄ jur
3lnerfcnnung gelangten 3lnfid^t l^at ber Slnfprud^ ben Marafter eineö Seliftö:?
anfpruc^cö (Seuffert XXX, 222). Siefer 3lnrid)t tommt am n&ä)^ttn biejenige
9lnfid)t, wefdde ben Slnfpnid) auf bie burd) ben Seifd^Iaf mit ber SWutter be^^
grünbete 3WögIid&feit ber SBaterfd^aft ftfigt unb biefc ®[eid(|ftellung ber mog=^
lid^en 93aterfd[)aft mit ber mirflidöcn SSaterfd^aft bamit red^tfertigt, ba§ ber
ilonfumbent, • mcnn audj fein S)elift, bod^ eine unfittlid)e ^anblung begangen
f)abe (üergt. bagegen Seuffert XXXV, 27). ®ine britte, in ber 2:öeorie unb
^JJraEiö üormiegenb Dertretenc, inöbefonbere audd ^^^^ ^^^ preufe. imb ffid^f-
^^Jrariö befolgte, 3lnfid)t füfirt bie Unterl|aUöpf(i^t beö uucl;eüd(|en SBaterö auf
baö burd) bie natürlidde SBermanbtfc^aft jroifdöen bem une^elid^en Äinbe unb
feinem aSater ^eroorgerufenc S?cr^filtni6 juriidE, betrad^tet ben Slnfprud^ ba^er
alö einen familicnredötlid)cn Slnfprud^ (ocrgf. Seuffert III, 254, IV, 255, XII,
333, XVI, 117, XX, 99, XXXI, 196, XXXV, 27, XXXVII, 314; ©nifd).
Untcrßalt&Dfli^t beß unelfteli^cn SSatcrg. ©cffartiing. § 1571. 865
b. SR. C. §, ®. XXin, 68 ©. 197 ; (Sntfd). b. % ®. in ßbilf. VII, 102
S. 340; entfdd. b. SR. ®. in ©traff. XIII, 41). ©ine üicrtc 2lnfi^t grünbct
bic Untcrl)altöpflidöt jroar an6) auf bic S^wsung, icbod^ nid^t auf eine baburd^
üermittcite baucmbe Sebcnöbejictjung jroifd^cn SBater unb Rinb, fonbcrn auf
bic eine in fid^ abgcfd&Ioffcne 2:i|atfad(|c bcr 3^^9wng (©cuffcrt XI, 42).
@nbli(i& wirb anä) bie SReinung Dert^cibigt, ba§ bic Unterl^altepffid^t beö un?
cl^eKd^en 93otcrö überf)aupt icbeö materiellen SRed^tögrunbeö entbel^re unb als
eine auf SRücffid^ten bcr SiÜigfcit berul^enbc gefefelidic SBerbinblid^feit fid^ bar-
fteHe, beren gunbamcnt bie 2:i^atfad^e bes 93eif(i&Iafeö fei (ücrgl. Seuffert
XII, 162, XIX, 47, XXVn, 261).
3m Oegcnfafee jum gemeinen SRed^te unb ben angefütirten, auf gemein«
red^tüd^er (Srunblage beru^enben ©efeßgebungen ücrfagl baS franj. SRed^t bem
unehelichen Äinbe, fofcrn baö lefttcrc oon bem unefielid&cn SSater nid^t freU
roillig anerfannt ift, leben Unterl)alt3anfprud& gegen ben unel^elid^en SBater,
inbem cd ben (Srunbfa| aufftcHt: „la recherche de la paternite est interdite".
SRur im galle ber ©ntfü^rung, mcld&cm bie ^ßrajiö ben gall bcr SRotl^jud^t
glcid&fteüt, ift eine aJaterfd^aftöflage julöfftg (code civü 9lrt. 340, 342).
S)cm franj. Siedete ift baö bab. S. SR. gefolgt; bod& l^at ba^ leßterc bic
STußna^mcn, in roeld&en bic ©rforfd&ung ber SJaterfd^aft im ^rojeffe juföffig
ift, errocitert (bab. S. SR. ©aß 340, 340a; ©ntfdE). b. SR. ®. in eiüilf. XV, 73).
5[u6erbcm ift in Saben burd^ ®ef. ü. 21. ^cbruar 1851 aud^ ben nid^t am
erfannten unc^elid^en Äinbem ein Unterl^altöanfprud& gegen ben uncfielid^en
SBater, b. 1^. gegen benienigen, meld^er innerhalb ber gefefeUd^ beftimmten
©mpfängnifejeit mit ber ajlutter bcö Äinbeö ben Seifd^taf üolljogen \)at, unb
iroar unter SKuöfd&Iufe ber exceptio plurium constupratorum, eingeräumt.
3^m ^ßrinjipc bcö franj. SRedE)teö ^at fic^ aud^ ia& grofefi. f)eff. ®cf. t).
30. 2Rai 1821 angefd^toffen. S^aöfelbc ücrbietet bic unmittelbare ©rforfd^ung
bcr unef|clid^cn Sßatcrfd^aft im ^rojcffc unb föfet bie 3)urd^füf)rung eineö STm
fprud&cö auö ber unc^clid^en SSaterfd^aft nur auf ®runb eincö auöbrürflidden
ober ftiUfd^TOcigcnbcn Slnerfenntniffcö ober ®eftänbnifycö ju; boc^ ift ber
Scrociö eineö fold^cn 9lnerfenntniffeö ober ®eftänbmffeö burd& icbeö ^troei^
mittel geftattet (oergt. Scuffcrt XI, 199; ©ntfd^. b. SR. ®. in (Siüilf. V, 99).
9luf ät)nlid^er ®runblagc berul^cn aud^ bie 93eftimmungen bcö lief}, ©ntm. III
3lrt. 48—50. — 33ergl. über bic auf bie Suläfjtgfcit bcr «ßaternitätö!lage fi^
bcjieficnben auölänbifd^en ®efeggcbungen SReubauer in ber 3citf^^- fü^ ^^^^9^«
SR, gS. m ©. 321 ff., IV S. 362 ff.
aSic in bcr ®efe6gcbung, wirb aud^ in ber juriftifd^en unb oolfömirtf)* »iffen^aft^
fd^aftlid^cn fiitcratur bic ?5^age nac6 S^IäffiS^f^it ^^^ ®rforfcf)ung ber un? ^IJngfnT»
cficlidöen a3aterfd|aft im ^ßrojcffc jum ^rotdc bcö Unter^altcö bcö unc[;clid^eu ^»"«ö«-
Äinbcö burdö ben uncl^clid^en SSater uerfd&ieben beantmortet^). 9lud^ ber bcutfd^e
*) Son benienißen ©dSriftfiefferit, toeld^e fulfe auSfübrlidfecr gegen baö ^^rinaiü
bed gemeinen Ste^ted oudgefprod^en l^aBen, mögen l^ier (eci^orgel^oBen werben:
3ad5aria, fritif^e 3eitfd&r. für ?Re4t§tt>iffenfc^aft unb ©cfc^gebung im «uö-
lanbe X ©. 1 ff. (1838); araolb, über bic Sefd&rdnfimg ber IDefloratiünß- unb
Stlimentationöfragen (1851); SBeber, baö Siedet ber unebelid&en ^nber in bcr ©d&n?ela,
STotfve |. »flrgerl. Oefc|6u<l^. IV 55
866 Unterl^altöpflid^t beS unel^elid^en SSaterS. ©eftaltung. § 1571.
3uriftcntafl |at in bcn 3al^rcn 1862, 1863 jxd^ mit jener grage befc^fiftißt.
2luf bem britten beutfci^en Suriftentage würbe uon bcr betreffenbcn äbtl^eilung
ber Eintrag angenommen, aud)ufpred^en, bag bie 9lUmentationdf(age mit an«
gemeffenen Scfd^rfinhingen, inöbefonbere burc^ bie exceptio plurium con-
cumbentium, jujuloffen fei. 3n ber jmeiten ^Icnaroerfammlung ieneö 3turiften«
taged mürbe jeboci^ befd^Ioffen, bie 93erl^anb(ung ber Baä^t auf bie ^oged«
orbnung bed nfid^ften ^uriftentageö }u fegen (Dergl. SSer^anbL bed britten
3uriftentageö S. 220 ff., 131 ff.). 3n ber jmeiten ^lenarperfammlung bed
oiertcn beutfd&en 3uriftentaged !am bie Sac^e oon 9leuem jur S3erl)anblung.
2)er 3lntrag, bafe im beutfd^en 3i^if9^^6f>wc&c bie 5ßaternitätÄHage nic^t an;^
ertannter uneI)eUd^er Ainber nid^t injulaffen fei, mürbe abgelel^nt, bagegen
folgenber Slntrag Don ber ajlel&rl&eit angenommen:
„2)ie ^aternitätßflage ift in jenen S^l^eilen 3)eutfci^Ianbö, mo fie jur
3eit noä) im ^rinjipe befielet, in bie engften ©renjcn einjufcöränfen; in einem
gemeinfamen beutfd^en ©efegbud^e ift biefelbe jebo^ nur in äludnal^mefäUen
jujulaffen" (oergl. aSerl^anbl. beä vierten beutfc^en 3uriftentogeö ©. 132 ff.).
9vü^m^ 2)ie Orünbe, meldte gegen bejm. für bie S^I^^Rw^fl ^^^ ©rforfd^ung ber
b« ©atef"^ aSaterfd^aft im 5ßrojeffe jum S^cdEe ber S)urd&fü^rung befi Unter^altöanfprud^efi
f(^ft«Haße. jjgg une^eüd^en Äinbeö gegen ben unel^eliti^en SJater gcltenb gcmad^t werben,
Tmb t^eilfi redjtUci^er, tlieilö pttUd&er, t^eife oolteroirtl^fc^aftlic^er 3iatur.
®egen bie 3^Iöffung ber SSaterfd^aftöflage beruft man fid^ Dor Slttem auf bie
Ungemife^eit ber SSaterfc^aft. 3)ie ©rjeugung fei eine in ein 9laturgel^eimni§
gefüllte ^^atfad^e, beren ä3emeid unmöglid^ fei unb aud^ auf inbireftem SSege
nid^t mit l^inreid^enber ©id^er^cit erbrad^t werben foune. 2)en une^elid^en
jlinbern gefd^el^e beö^alb burd^ SSerfagung ber älUmentationönage, beren
®runb, bie SBaterfd^aft, fie nid^t beroeifcn tonnten, lein Unred^t, ebenfomcnig
wie bemjenigen, meld^em ein fonftigeö SRed^t, meld^eö er nid^t bemeifcn fonne,
verloren gel^e, ba eö bem ©taate nur obliege, bemeiöbare Siechte ju fc^üfeen.
©teUe man aber, um ben Semeid ber aSaterfd^aft ju ermbglid^en, SSermut^ungen
auf, fo ffil^rc bieö ju f^reienben Ungered^tigf eiten ; eö fül^re ba^in, einem ÜÄenfd^en,
@. 36 ff. (1860); ©raun, baö Snftitut ber Saterf^aftöflage, furturBiftorif(i6 unb öolf«-
wictl^fti^aftK^ beleud^tet, in ber äSierteliairSfd^rift für SSoItetüirtbfdbaft t>on ^aucj^er unb
5DK*aeli§, H. Salftrg., H ©b. ©. Uff. (1864); toon grc^borff in ben «nnalcn ber
grofe^eraofll. Bab. Ocrid&te S3b. 44 5ftr. 6, 7 (1878);
bon benientgen ©d^riftftellem anbererfeitg, n^eld^e, menn aud^ im Sinjelnen ab'
ivet^enb, im 3BefentIt(i^en an bem ^rtnaipe bed gemeinen diti^M feftbalten:
Sföber, fritif^e »citragc (1837); @ett, tBcoretif^^praftifcSe 9lu«fü5rungcn m
?cl6re über bie rc^tlicfien SerBältniffe bcjügfi^ bcr au§ereBeIid&en Äinber, inöbefonbere
©. 150 ff. (1850); »uf*, ^xi}, für ciöil. 9>ra;riÖ Sb. 46 ©. 215 ff. (1863); Don Ärawel,
Sir*, für ciöil. ?)ra;rig Sb. 50 ©. 341 ff. (1867); Suengncr, m E^eorie unb ^varx&
ber ^limentationdDflid^t (1879); Fockema Andreae, hoogleeraar te Leiden, de
defloratie en het onderzoek naar het yaderscbap, uit het rechtsgeleerd magaz^n
(1886); uergl. femer Ed. Fuzier-Uerman, de la protection legale des enfants contre
les abus de rautorite patemellü (memoire couroxme par Tacademie de l^gislation
de Toulouse), Paris 1878 ®. 29 ff., inöbefonbere ©. 42 ff.; Alexandre Dumas fils,
la recherche de la paternite, 1883.
Untcrtaltgpfüid&t be^ unebcli^cn Saterö. ©cftaltung. § 1571. 867
Toeld^cr in aBirtüd^fcit DicUcid^t gor nid^t bcr SBater fei, oor feinen SRit^
mcnfc^en bie SBoterfd^aft jujufd^rciben unb bie SllimentQtion eines i^m fremben
Äinbeö aufjubürben. SDaju fomme, ba^ burd^ bie 3uIaRung ber SBaterfc^oftö--
Kaße bie UnfittUd^teit beforbert werbe. Die Sw^üwng jener Äloge untergrabe
bie ©ittlid^feit beö roeiblid^en Oefd&Ied&teö. S)ie SBiberftanböfeaft beö Unteren
gegen bcn S^nreij jur Unjud&t roerbe gefd^roäd^t burd& bie 2lußfi(j^t, ber ©r^
nftl^rungdpflic^t bed aud bem unfittUd^en Umgange etma l^eroorgel^enben Jtinbeg
überhoben ju fein, ©d&omlofen grauenßperfonen lege bie Sllimentotionöttage
bie ^erfud^ung na^e, fid^ mehreren ^Rännern ^injugeben^ um atebann nad^
S3efinben ben SDBol^Il^obenbften unter benfclben megen ber 9llimcnte in Slnfprudii
ju nehmen. SKid&t minber mürben unter Berufung auf bie Unterl^altöpflid&t
eine äßenge oon ©rpreffungen unb ^Betrügereien oerübt. 2)urdö bie l^ier fraglid^en
^rojeffe roerbe ferner bcr grieben unb boß ®IüdE oieler gamilicn untergroben,
unb feien tabetlofe ÜRänner ben Singriffen fd^amfofer grauenöperfonen unb
frember Slinber auögefefet. Slucb oerftofec eS gegen bie guten ©itten, ben
©fanbal ju geftotten, roeld&er mit ber SSer^anblung fold^er ^rojeffe oerbunben
fei, jumal bie legteren fid& afe eine Quelle Don aWeineiben erroiefen. S)ie ®r^
bitterung, meldte burd^ bie @r^ebung ber ällimenten{(age jmifd&en* ber äßutter
bed ftinbeö unb bem 33eflogten l&erporgerufen roerbe, bringe ferner ben 3lad)^
if)t\l mit ftcb/ bag baburd^ bie @ingel^ung ber &)t jmifd^en ben @(tem bed
jlinbed Dielfad^ ge^inbert merbe. Serüdfid^tige man jubem bie groge Qaf)l
Don ^rojeffen, roeld^e burd^ bie S^I^^ff^ng ber ällimentationdflage l^eroor«
gerufen roerbe, foroie btn bamit oerbunbenen S^iU unb Äoftenaufroanb unb
Dergleid^e man bamit bad meift nur geringfügige ?lefu(tat fold^er ^(imentem
tlagen, fo fei auö allen biefen Orünbcn bem 5ßrinjipe beö franj. 3led&ted,
roeld^ed bie fämmtüd^en J^eroorgel^obcnen 3la6)tf)zik Dermeibe, ber ^JSorjug
}u geben. ^tnt& ^rinjip ^abe {td^ aber aud^ infofern ald nü^Iid^ erroiefen,
ate in ben Sänbem beg franj. 9led^ted, indbefonbere auc^ in ber preug. W)t\nf
propinj unb in SR^einba^ern, im 3SergIeid&e iu ben Säubern, in roeld^en ber
une^elicbe 93ater a(d fo(d^er roegen Sllimente in älnfprud^ genommen roerben
fönne, bie 3^^! ber une^elidfecn Äinber eine er^eblid^ geringere fei. 2)ic @r«
fa^rung l^abe ferner ge}eigt, bag bie ^inbedmorbe unb Slbtreibungen burd^
bcn ©runbfaß beö franj. SHed^teö feineöroegö oerme^rt feien, roä^renb anberer*
feitö bie ben une^elid^en Äinbcrn fo günftigen SBorf^riftcn beö preufe. 3t. 2. dt.
bcn Äinbeömorb nid^t ju ücrl^üten ober ju oerminbem oermod&t l^ätten. Sbenfo«
roenig ^abe baö ^rinjip beö franj. Sted^teö eine größere %erroa^r(ofung ber
unehelichen Einber jur golge; bcr ©influfe ber SHeligion unb ber ©itte fü^re
bal)in, bafe auc^ o^nc 3w>ang ber une^elid&e SBater feine 5ßflid^ten ooUftÄnbiger
erfülle, alö roenn er erft burd^ bie 3llimentenflage baju angebalten roerbe; im
lefitcrcn galle gelje bcr uneticlid^e 33ater bapon auö, ba^ mit ber S3ejal)lung
einer geroiftcn ©umme Sllleö abgcmad&t fei. ©afe geroiffen^afte unb (|riftllci^
gefinntc SRänncr aud^ olinc Klage i^rer une^jclid^cn Jiinber fid& annti)mm
würben, rocnn fie bie 3Kittel baju bcfäfeen, gc^e auö ber großen 'S^\)l frci^
williger Stnerfennungen in ben Sänbern beö franj. SRe^teö ^eroor.
S)iefc ®rünbe fxnb eö im äBcfcntlid^cn, roeld^e üon ben ©egnern bcr
^atcrfddaftöflage gcltcnb gemacht roerben, rodele auc^ bei ber ^erattiung bcö
55*
870 Uttter5artöpflt(6t beö une6cfid6cn SSaterg. ©cftalhwö. § 1571.
einem fett Sol^rl^unbertcn anerfonntcn ©erool^nl^eitsreci&te berul^t. SBenngtcid^
baö leitete im Sttnfd&tune an eine mifeoerftanbene ©teile beö fanonifd&en ditä)it^
ftd^ gebilbet \)at, fo mürbe badfetbe ftd^ boc^ nid^t erhalten ^aben unb burd^
fo ja^Ireid&e ©efeje älterer unb neuerer 3rit anerfonnt roorben fein, wenn ber
i^m ju (Srunbe liegenbe ©ebanfe nid^t roirflid^ aus bem SRed&töbeTOufetfein
unb bem fittUd&en ©efü^Ie beö aSoIfeS gefd&öpft roärc. 2)iefeö aWoment ift eft
vox SttHem gemefen, roeld^eö ben beutfd^en 3uriftentag obgefialten f)ai, fld() für
ba§ franj. 5ßrinjip ju entfd^eiben, obrool^I bie 83er^anblungen im Uebrigen
eine gro^e Hinneigung ber ÜJicI^rl^eit ju jenem ^ßrinjipe erfennen laffen.
3u berüdEjtd^tigen ift ferner, ba§ burd& Sefcitigung ber SHimentenfloge
bic Sage ber unelielid^en Rinber t)oroufifid6tlid^ fid() nod^ fd&ted&ter geftaltcn
mürbe, qIö biefelbe ol^nel^in fd^on ift, bafe baburd^ ber forperli^en unb geiftigen
SSermol^rlofung, roeld&cr gerobe biefe Äinbct befonbcrd audgefeftt Ttnb, 93orfd()ub
geleiftet ju werben brol^t. 3)a unel^elid&e £inber nur ju oft fd&lcd&t crjogen
merben unb eine ?ßffan}fd^ule beö Safterfi unb ber SSerbred^en pnb, ba bei
unel^elid&en Jttnbern S^obtgeburten, wie aud^ frül^jeitige ©terbefflUe üicl
l^äufiger t)orfommen, otö bei el^elid^en ftinbem, fo muß eö aud^ im 3ntcr^
effe ber ©efellfd&aft als in ^o^em ®rabe bebenttid^ crad^tet werben, bem
unel^elid^en Äinbe ben Unter^oltöanfprud^ gegen ben uncl^elidöen SJater
ganjlid^ ju entjie^eni). S)er ©inmanb, bog bie Sllimentenf tagen in ben mciften
gälten einen irgenbmie cr^eblid^en ®rfolg bod^ nid&t \)ätim unb ba§ gemiffen-
^afte ajfänner olinel^in i^reö unebelid&en Äinbeö fxd[) annehmen mürben, fann
alfi begrünbet nid^t anerfonnt merben. Um bie SBirfungen ber SKimentem
flagen in biefer JRid&tung ju erfennen, mufe man weniger auf biejenigen ^Ut
fe^en, in roeld&en eö jur Älage fommt, alö auf biejenigen, in meldten ber uns:
el^elid&e SSater feiner SBerbinblid^feit ol^ne Klage nad^fommt. S)a6 aber in
biefen legteren gölten ber unebelid&e 35ater, aud& menn bic bro^enbc Klage
nid&t im ^intergrunbe ftänbe, aus freien ©tüdfen feine fittlid^e ?ßflid&t erfüllen
mürbe, fann, mie bei ben SSer^anblungen bc§ britten beutf^en 3uriftentageft
mit gied^t geltenb gemad^t ift (üergl. SSer^anbl. m ©. 266), für bie 3Re^rja^l
ber gäHe fd^merlid^ als jutreffenb angefefien merben, am menigften in ben
unteren SBolföflaffen. 3^^ 93emeife befi ©egentl^cileö pflegt man fid^ auf bie
in ben ©ebieten beö franj. 9lcd&teö angeblid^ i^öufig Dorfommenben freiwilligen
9tnerfennungen ber une^elid&en Äinber t)on ©eiten ber unel^elid^en SJäter ju
berufen. 2Bie jebo^ bie ÜJiotiüe beö oben ©. 868 SÄnm. 1 gebadeten franj.
©efefeentwurfeö ergeben, erreid&t in granfreid& bie Qaf)i ber anetfannten um
ef|elid&en Äinber faum ben 14. S^l^^if ^^ ©efammtja^l ber unel^elid^en Kinber.
S)ancben ift ju berüdfid^tigen, ba^ nad^ bem franj. Siebte bie änerfennung
beö unet)elid&en Rinbeö burd& ben unel^elid&en SSater für ben legteren nid^t bloft
*) Uebcr bic traurige Sage ber une^elid^en, nid^t ancrfamitcn Äinbec in Sranf-
rcid^ unb bic barauß für bic Bürgcrlici&c ©cfcDfc^aft entfte^cnben ©efa^rcn ticrgl. bie
?WotiDc bcß oBen ©. 868 9lnm. 1 crtoä^ntcn franj. ©cfc^entttjutfcö, ferner bic oben
©. 866 9lnm. 1 angeführte abBanblung Don g«jicr'4)crman ®. 31 ff. 3n ber le^tcrcn
toirb inßbefonberc au(b auf bic ücrbältniBmagig febr gro§e S^^l uncbclt^er ffinbcr
unter ben 9Serbrc(6em unb ben 3>roftituirten bingetoiefen.
Untcr5artßpfltd6t bc8 unc6eltd6cn SSaterö. ©cftaltung. §1571. 871
^flid^tcn, fonbcrn aud^ Sflcd^tc begtünbet, ixt^ ätoifd^cn bem anerfanntcn nn^
c^clic^cn Rinbc unb bcffcn Satcr in gctoiffen Slid^tungcn ein bcm SScrJ^ältniffe
e^ctid^cr Äinbcr anatoßcö aSerl^ättnife befielet. 9lber auä) abgcfcl^en baoon f önncn
bic in granfrcid^ in biefcr SBcjicl^ung gcmad^ten ©rfa^rungen im §inblicfe auf baö
bort fc^r verbreitete Äonfubinat für bic SBcrbältniffe in 3)eutfc^Ianb nid&t otine
SBeitereö mafegebenb fein. STud^ ber ©inroanb, bafe baö jum ^niede ber
SlUmcntation beö Jlinbed t)on bem unel^elid^en 95ater geja^Ite (Selb bem Äinbe
bod& nur feiten ju ®ute fomme, fann roenigftenö bann als begrünbet nid^t
erad^tet werben, wenn ber Unter^attöanfprud^ nid^t ber 5Wutter beä Rinbeß,
fonbern bem Icfetercn eingeräumt wirb unb bie SSormunbfd&aft bie orbnungö^
mfifeigc 9Sem)cnbung ber ©eiber im 3ntereffe beö Jlinbeö übermad^t.
SBciter fommt in S9etrad&t, bafe bie Sefeitigung beö Unter^altöanfprud[)eö
beö unelielicben Rinbcö gegen ben unel^elid&en SSater bem ©rfotge nacb auf eine
SBegünftigung unb ©ntlaftung ber SBo^Itiabenben binauöläuft, mäbrenb biefelbe
anbererfeitö bic öffentlid^e SIrmenlaft nid^t unerl^ebtid^ ju ücrmclircn brobt, ba
bie aJlutter unb bcren 9lfjenbenten i)&n^Q bie aWittel jum Unter^olte beö Jlinbeö
nid^t ober bod^ nid&t in ouöreid^enbem ÜRa^e befiten.
3)ie oiclfad^ aufgeftellte Sel^auptung, ba^ bie S^^^ffung ber SBaterfd^aftö^
flagc infofern nad^t^eilig mirfe, alö fic bie Unfittlid^feit beförbere unb baju
beitrage, bie ^a\)l ber unebelid^en Äinbcr ju uermebren, entbcfirt feber fid&eren
(Srunblage. 9lud^ menn bic Qaf)l ber unebelid^en Äinber in ben SRed^tögcbieten
beö franj. JRcd&teö eine geringere fein foBte, alö in benienigen ©ebieten, in
meldten bie ©rforfd^ung ber SBaterf^aft im 5ßrojeffe jutäffig ift, fo red^tfertigt
biefe 2^bötfad&e für fid^ allein nod^ feineömegö ben ©d^Iu§, ba§ bie geringere
3abl ber unebelid^en ©cburten in jenen ©ebieten auf baö ^Prinjip beö franj.
SRed^teö in 9lnfe^ung ber SSaterfd&aftöflage iurüdEjufübren ift. 3)ie größere
ober geringere 3^^^ ber unebelid^en ©eburten fann auf ben ücrfd^iebenften
Urfad^en beruben. 93or 2lUem ift bobei bie polijeilid&e ober öfonomifd&e ®r*
fd^merung ber red^tmäfeigcn Segrünbung cineö §auöftanbeö oon ber größten
S3ebeutung. Äuö biefem ©runbe fönnen namentlid^ bieienigen ftatiftifd^en
9lad&n)eifungen nid^t mebr alö maßgebenb angefeben werben, meldte auö einer
3eit bcrrübren, in roeld^er bie poUjeitid&en 93efd^ränfungen ber ©b^fci^K^u^Ör
bie 93efd^ränfungen beö ©emerbebetriebeö unb ber freien 9iieberlajfung, foroie
bic ©ebunbenbeit beö ©runbeigcntbumcö nod& nid^t befeitigt marcu. SBie
unjuoerläffig eö ift, auö ber Qa\)l ber unebelid^en ©eburten auf ben ©influß
ber ©cfefegebung in Slnfebung ber SSaterfd^aftöflagc ju fd&Iießcn, crgiebt fi^
barauö, baß fclbft in Sänbern, in meldten in biefcr Scjiebung eine einbcitlid^c
©cfeggebung beftebt, bod^ bic ^af)l ber uncbelid^en Äinber in ben einjelnen
^^Jrooinjcn eine febr oerfd&icbene ift. Ueberfiaupt aber ift eö nid&t juläffig,
auö ber ücrbättnißmäßigcn ^a\)l ber unebelid^en ©eburten obne SBeitereö auf
bie ©ittlid^feit in einem 3SoIfe ju fd^Iicßen (ücrgl. JRofd^er, ©ijftem ber SBoIfös
mirtbfd^aft I § 249 9lnm. 1). Um fo meniger fann auf ben ©inmanb, baß
bie 3ulaffung ber ©rforfd^ung ber SSaterfd^aft bic Unfittlid^feit ju beförbern
brobe, ©emid^t gelegt roerben, alö nad^ bem ©ntmurfe ber Untcrbaltöanfprud^
nid^t ber SDluttcr, fonbern bcm Äinbc juftebt unb ber erfteren, abgefefien oon
bem im § 1577 jugctaffcncn 3lnfprud^e auf ©ntfd^äbigung roegen ber @nU
872 Untcr5alt§pfli(6t bc§ uncWÜen Satcrg. ©cftaltung. § 1571.
binbungö* unb SBod^cnbettöfoftcn, jcbcr 3[nfprucö gegen ben unehelichen aSater
Dcrfagt ift. 3)er ©rroogung aber, bafe burd^ bie Unjuläffxgfeit bcr ©rforf^ung
ber SSttterfd^aft bie Sffiiberftanböfraft beö weiblichen (Sefd^led^teö gegen ben
9lnreii jur Unjud^t geftarft werbe, fte^t bie anbere ©rroagung gegenüber, bafe
baburd^ anbcrerfeitä bie Sttngrifföluft bcö männlid^cn ©efd^led^teö gefteigert unb
bie ®efa]^r oermel^rt roirb, bafe SDBoUüftlinge o^ne ©d^eu aud^ unbefcboltenc
SWäbd^en ju oerfüfiren fud&en. 3n ben SMotioen bcs me^rfodd ermähnten
franj. ©efcgentu). o. 16. gebruar 1878 wirb borgelegt, roie fe^r bie Sitten^
lofigfeit in grttnhreid^ feit bem Slnfange biefeö S^^^^i^nbertö jugenommen
l^abe unb roie biefe S^^o^^^ roefentlid^ gerabe auf bafi ^rinjip befi 2lrt. 340
beö Code civil jurüdEjufü^ren fei. ©ine Seftätigung finbet bieS in ber Strenge,
mit roeld&er bie neuere franj. ?ßrafiö jebe auf 2^äufd^ung, unjuläffigen SRoni*
putationen ober auf SRifebraud^ ber Autorität beru^enbe SSerfü^rung unb
©d^roängerung als eine unter ben 3lrt. 1382 beö code civil fatlenbe, jum
©d^abenserfafe oerpflid^tenbe ^anblung anfielt unb bei Seftfegung ber ^nU
fd^äbigung trog beö 2lrt. 340 beö code civil au^ auf bas oon ber SSerfü^rten
geborene flinb SRürffid&t nimmt (oergl. bie ÜRotioe bcö gebadeten franj. (Sefeg^
entrourfeö ©. 10 ff. unb ^ßud^elt, 3eitfc^rift für franj. ßioilre^t II ©. 336 ff.,
XVII, 653; fto^ler, Sa^rbuc^ für bie Dogmatil XXV ©. 279 ff.).
Slntangenb femer baö gegen bie B^loffung ber ©rforfd^ung ber 93ater*
fd^aft erhobene Sebenfen, ba| biefelbe ju ffanbalöfen ^rojeffen SBeranlaffung
gebe, bafe fie ©rprefjungen unb Betrügereien aller 3lrt jur golge l^abe unb
baö T^ömilienglüdE unb ben e^elid^en ^rieben untergrabe, fo tjcrmögen biefe
©efid^töpunfte eö nid^t ju red^tfcrtigen, einen bem Sied^tögefü^le unb bem fitt?
lid^en ©efü^lc entfpred^enben älnfpruc^ beö une^etid^en jtinbeö ganj ju be^
feitigen. Sä§t boc^, mie ermähnt, bie franj. 5ßrajiö troft beö 2lrt. 340 beö
code civil, rotlä^tx gerabe bie SBermeibutig oon ärgernifegebenben ^ßrojeffen unb
©tönmgen beö ^äuölid^en ©tüdfeö bejroecft, auf (Srunb beö Slrt. 1382 beö
code civil (Sntfd^dbigungöftagen roegen 93erfül^rung aud^ gegen oerl^eirat^ete
äHänner ju, Klagen, meldte geroife nid^t minber geeignet ftnb, 3lergerni6 ju
geben unb ben Iiäuöli^en ^rieben ju ftören, meiere nid^t minber, roie bie
SBaterfd^aftöflage, geeignet finb, ju (Srpreffungen unb Betrügereien mifebraud^t
JU roerben. Daju tommt, bog auö l^öl^eren 9tüdfld(|ten aud^ auf anberen
Oebieten bie SwI^Ü^^Ö ^o^ Ätagen, meiere ju einer ©torung beö gamiliem
friebcnö füfiren unb ju ®rpreffungen unb SBerleumbungen mifebraud&t roerben
ifonnen, fid& nid^t gönjUd^ oermeiben läfet. S)a6 mit ber SuWffiflfcit ber ®r*
forfd&ung ber SSaterfc^aft 3Ri6ftänbe tjerbunben fmb, fann nid^t beftritten roerben.
SSollftänbig taffcn fie fid^ burd^ bie Oefefegebung aud^ nid^t befeitigen. 3n*
"beffen roerben biefelben reid^lic^ aufgeroogen burd^ bie für bie Slnerfennung
beö ^ier fraglichen Unter()altöanfprud^eö angefül^rteu Orünbe. 3i*i^"^ roerben
fie baburd^ geminbert, bafe nad^ bem ©ntrourfc jener 9lnfprud^ nid^t ber
SKutter, fonbern bem Jiinbe jufte^t unb nur oon bem SSormunbe beö legteren
gettenb gemad^t roerben fann (§ 1571 oergt. mit §§ 1570, 1633, 1649),
bafe ber Slnfprud^ auögefd^loffen ift, roenn bie 3Jlutter beö Rinbeö inner*
dalb ber fritifc^en 3^it mit SKe^reren ben S3eifd^laf oolljogen ^at (§ 1572),
unb bafe nad& § 1576 ein SSertrag, inöbefonbere ein SBergleid^, jroifd^en
Untcrßaltöpflidfet bcS uiic5elid6en SSatcrg. ©eftaltung. § 1571. 873
bem 93alcr unb bcm uncficlid^cn ftinbc über bie Untcrfiattöücrpfficj^tung bcä
Icfetcren für bic S^f^^^ft ^^^ ©encl^migung bcö aSormunbfd&aftögericötcö ju-
läffifl fein foU. aScgcn bcr gragc, ob cd fxc^, um bcm 93ebcnfcn entgegen-
jutretcn, ba§ burd^ bic S^tl^ffung ber aSaterfd^aftdftage bie 'S^\)l bcr SRcineibe
erJÖcblidö ücrmc^rt werbe, cmpfie^If, bic 3wläffigfeit bcö ©ibcö in ben ^ier in
Siebe fteficnben 5ßro jcjfen iu befd^ränfen, roirb Quf bie 3Wotiüe ju § 1572 ücrroiefen.
3ur Untcrftügung bed von bem (Sntrourfe eingenommenen ©tanbpunfteö
Dcrbicnt enblid^ nod^ bie SC^atfad^e Ijcnjorgelöoben ju werben, ha^ in neuerer
3eit ttudö i^ ^^^ Säubern bcö franj. ^rinjipcö, inöbefonbere in granhrcic^ unb
^ollanb, eine SRcaftion gegen ieneö 5ßrinjip fic^ geltenb gemacht l)at unb oon
ttugcfel^cncn ©eiten uielfod^ Stimmen für bie 3lbfd^affung beöfclben ober bod^
für eine SÄbänberung beö 3lrt. 340 bcö code civil im ©innc einer (Srroeitcrung
bcr S^ilöffigfcit ber (grforfc^ung ber SBaterfd^aft fid^ crl^obcn ^aben (üergl. bie
SBcr^anbl. bcö brittcn beutfd^cn 3uriftcntageö (1862) III 6.236; SRioicr in
ü. ^olfeenborffö SRcd&tötcEifon (1876) II S. 294 unter „^aternitätöflage";
gujicrs^erman in bcr oben ©. 866 3lnm. 1 crnjöljnten 3lb^anbl. S. 42 ff.;
91. Dumas (fils), la recherche de la paternite, 1883 ; 3lnbreQe, ^rof. in Seiben,
in ber oben ©. 866 3lnm. 1 bcjcidöneten 3lb{|anblung). SBon befonberem 3ntercffe
in biefcr Sejie^ung ift bcr bereits me^rfad^ angeführte, am 16. ^cbruar 1878
Don me{|reren äKitglicbcrn bcö franj. ©cnatcö bei bem festeren eingcbrad^tc
©efegcntrourf, betr. SKbänbcrung bcö 3lrt. 340 beö code civil. 2)iefer ©cfcfe«
entrourf fd^lie|t [id^ jroar formell bem Spfteme beö code civil an, ift aber
materiell gegen baö ^IJrinjip bcö 9lrt. 340 gcrid^tet, inbem er oorfd^lägt, bie
ftlagc auf 9lncrfennung ber SBaterfd^aft nid^t nur im gallc bcr ©ntfü^rung
unb Jiot^jud^t, fonbern aud^ im galle bcr 93erfül)rung, foroie im galle beö
für baö unei)etid^e ßinb begrünbeten Seftgftanbeö iujutaffen. ferner fc^Iägt
ein im 3Rai 1883 t)on bcm 2)cputirtcn SHioct bei ber franj. 2)cputirtcnfammcr
eingebrad&tcr ©efeftcntiourf oor, bie ©rforfd^ung ber SSaterfd^aft allgemein ju
geftatten, „pourvu qu*il y ait preuves ecrites ou faits constants ou temoignages
suffisants", aufeerbem bcr ÜRutter, romn ber SBater fie ju l)eirat^en fid^ rocigert,
einen 3lnfprud& auf ©d&abenöcrfa^ gegen benfetben ju geben (ocrgt. 21. 2)umaö
a. a. D. 6. 7 ff.). SBcitcr ^at im 3uni 1883 ber internationale Äongrefe de la
protection de l'enfance fid() ba^in auögefprod^en, bafe eine Klage beö uncbclid^cn
Ainbeö auf Unterhalt gegen ben unel^elidben SSater iu}ulaffen fei, fofern nid^t bic
üßuttcr notorifd^ Icid^tfertig fei ober fofern nid^t ber Tlann beroeifc, bafe bic
üWutter in berfelben 3^it aud^ mit anbcren SKänncrn 33ejiel|ungen gehabt ^abe
(ücrgl. 21. 2)umaö a. a. D. ©. 46 2lnm.). Safe in S3abcn baö ^rinjip beö franj.
SRed^teö burd& bie üon bcm bab. ®cf. v. 21. gebruar 1851 jugelaffene ©rnäfirungö*
tlagc beö une^elid^cn jtinbeö gegen ben une^elid^en SSater aufgegeben ift, würbe
bereitö oben ©. 865 ^crDorge^oben. 3n neuerer 3^^* ^oben ficb allerbingö
Stimmen für bie 2lufbebung biefeö ©efefeeö erl^oben, namcntlidd, nad^bem bic
93eftimmung beö § 6 ieneö ©efegeö, nad^ mclcber bcr SSemeiö ber ^^atfad^e
beö 93eifdölafeö mit bcr ajlutter innerhalb ber fritifd^cn 3^^^ burcb 6ibcös
jufd&iebung unjulöffig mar, bnvä) § 14 bcö (Sinf. ®cf. jur beutfd&en 6. 5ß. D.
befeitigt morben ift (ocrgl. 33raun unb v. gre^borff in ben S. 866 2tnm. 1
angefül^rten 2lblöanblungen).
874 Untcr5art8t)fli(5t bcS unc^clid^en ^aitx^. ©cftaltunö. § 1571.
3m ©injelncn ift ju § 1571 nod^ gotgcnbeö ju bemcrfcn:
s«et^t«flrunb 1. ^ttbcm bct § 1571 bcftimmt, bofe bcr SBatcr bcd une^clid^en 5ltnbc«
mmi^t bcm Icfttcren md) SWofegabe bcr §§ 1572—1576 bcn Untcrl^olt ju gewähren
üerpfli^tct ift, bringt er jum flarcn Sluöbruclc, ba§ ber ©ntrourf in ©cmäfe^cit
bcr obigen 9Inöfü^rungen (ocrgt. oben S. 868) bie ^icr fragtid&c UnterJ^ottö^
pftid^t auf bie roirflid^c aSatcrfd^aft ftü|t unb bal^er atö eine famitien^
red^tUd^e, aud bem <5tatud beft Slinbcd ftd^ crgebenbe Stcrbinblid^feit be^
t)onbelt, n)cf(I)e icbod^, ba fie nid^tdbeftorocniger eine gefc|lid&e Obligation
ift, wie bie gefefeUd^e Untcrl^attftpflid^t bcr SBcnoanbten, ben allgemeinen
©nmbfäfecn bcd Dbligationenred&tcö unterftc^t. SBenngteid^ es nid&t bie 3[uf*
gäbe beä ©efcfieö ift, ju fonftruiren, fo mu§ bod^ bie ree^ttid^e Slatur
ber Untcr^attöpflid^t flargeftcllt werben, um einen feften anmalt für bie
93cantn)ortung aller berienigen gragen ju geben, TOcld&e ber gcfeßUd^en 6nt*
fd^eibung fid^ entjie^cn ober auö fonftigen ©rünbcn eine audbrüdlid&e @nt«
fd^eibung im ®cfege nid^t finben. 35ic neueren @efc|gebungen bcbienen ftd^
)iaii bed SKudbrucfeö „aSater" oietfad^ beö SKudbrudtes „©d^roängercr" ober
„©rscugcr", ofine icbod& ben erftcren SÄudbrudE gänjlid^ ju ücrmeiben (ocrgt.
preufe. ®cf. D. 24. Sttpril 1854 §§ 15—20; fäd&f. ®. 33. §§ 1858, 1859, 1862,
1864, 1870). 3)er ©ntrourf ^at bem Sluöbrucfe ,,S3ater" ben aSorjug gegeben,
weil er bcr gcroä^lten Konftruttion unb bem ©ebanfen am meiften entfprid&t,
baß es ficfi l^ier, fooicl bcn Unterl^alt§anfprud& beö une^clid&en Äinbeft betrifft,
um eine 2lu§naf)me oon bem im § 30 3lbf. 3 ausgefprod^enen ©runbfa^e
lianbclt, nad^ mcld&cm burd^ bie unc^elid&e 9lbftammung ein ajernjanbtfd^aftft*
ücrWItnife jroifd^cn bem unefielid^en Jlinbe unb beffcn SBater nid^t begrünbet
mirb. 2)er SluöbrucI ,,®rjeuger" fönnte inöbefonbere ju bem SDlifeoerftänbniffe
führen, als ob bcr ©ntrourf berienigen, in i^ren JtonfcQucnjen jum S^^eit ju
onbercn SRcfuItaten füfircnben S^^coric fid^ angefd[)Iof[en i)aie, meldte bie Unter«
^altspflid^t nid^t auf ein ©tatudt)crl^ä(tnig, fonbcrn auf bie eine in fid^ ab^^
gcfd^loffenc 2:^atfadöe ber ©rjcugung grünbet.
Unterhaus. 2. SGßcnngleid^ bcr ®ntmurf bie Unter^altfipflid^t bc« une^elid^cn 3Satcrd
oätwiiij^ gegenüber bcm Äinbe auf bie SSatcrfd^aft jurüdEfü^rt, fo erfcnnt er bod^
«faenbcnten. infoiocit uur ciu 93ern)anbtfd()aftöoerl^äItni6 jmifd&en bem unc^elid^en Äinbe
unb bejfen SBater, nid^t aud& jmifd^en bem erftcren unb ben 93crmanbten befi
*M A*^* SSatcrö an. ®cmcinrce^tlid& mirb bie Untcr^attfipf[id&t bcr tjäterlid^en STfjcn*
beuten gegenüber bcm ftinbc nid^t nur oon ben Sn^ängem ber 2)cIiftdtl^corie
unb ber @rjeugungöt^corie, foroie von bcnicnigen, xotlci)C bie Unter^attöpflid&t
beö unedeli^cn 93atcrö afe eine an ben Scifd^Iaf mit bcr SRuttcr beö Äinbeft
gefnüpftc gefcgiid&e Obligation auffaifcn, fonbcrn Dormiegcnb in S^^eoric unb
iixanQ aui) von ben 55crtl^cibigern ber SScrmanbtfd^aftöt^eorie verneint, inbcm
bie Icgtcren baoon auftgel^cn, ba§ bie burd^ bie une^clid&c äbftammung bc?
grünbete 93ermanbtfd&aft gen)o^nI)citörcdf|tlid^ nid^t über bie 5ßcrfon befi une^c-
lidbcn SSatcrö I)inauö anerfannt roorbcn fei (ücrgl. ©euffert III, 175, IV, 50,
unb üßotioe XXII, 241). 3lu^ nac^ bcn meiften neueren ®efeggcbungen
finbct eine fubfibiarc Haftung ber oätcrlid^en Slfjenbcnten nid&t ftatt (t)crgl.
preufe. ®cf. V. 24. 9lpril 1854 § 20; öfterr. ®. 93. §§ 165, 166; fäd&f. ®. ».
§§ 1858, 1873, 1874; mürttemb. ®cf. v. 5. September 1839 9lrt. 28 9lr. 3;
Untcr6art8pflt(6t bc8 imcjelt^cn SSatcr«. ©cftaltung. § 1571. 8.75
tncining. ®ef. o. 9. ©cptcmber 1844 9lrt. 22; fonbctö^. ®ef. o. 12. Sluguft 1844
§ 4; rutbolft. ®cf. t). 31. SWoi 1850 § 2; rocimor. ®cf. t). 6. Suni 1853 § 2;
®cf. für gicufe ä. S. ü. 4. 3uni 1854 § 13 «bf. 2 ; Coburg. ®cf. ü. 28. 3uU 1858
Slrt. 13, 14; got^. ®cf. v. 1. 3uU 1869 3lrt. 1, 11, 12; altcnb. ®cf. v. 20. aßai
1876 § 20 arbf. 2). auf bcmfclbcn »oben ftcl^t in SHnfc^ung bcr ancrfonntcn
unc^clid^en ftinber bod fronj. JRe^t. 2)agcgen ift im boijr. S. 91. 1, 4 § 7
5lr. 1, im preufe. ä. S. 91. II, 2 § 628 unb in ciitjetncn ficincrcn Sted^tß^
gebieten (oergt. für Äur^cffcn bie l^anau. SSerorbn. t). 5. 3lovtmbtx 1750;
anmalt. SSerorbn. d. 30. aWai 1815 § 18 ncbft dec. II v. 1850 § 6) eine ^af^
hing bcr t)äterlid)cn 3lfjcnbenten onerfannt. 3n 5Preufeen ift biefelbc jebocf)
im ®eltungögebietc beß ®ef. o. 24. Slpril 1854 (oergl. § 20 baf.) bcfcitigt.
Obwohl baö unel^clid^e Äinb burd) bie natürlid^en Sanbe beö SBluteö etanhpunft
anä) mit ben üäteriid&en Slfjenbenten ücrbunben ift, fo würbe ed boc^ ju meit «„t^tf««.
ge^en, in 2)urc^brec^ung beö 5ßrinjipeö beö § 30 W)l 3 in Slnfe^ung ber
Unterdaltöpflid^t ein SSermanbtfd&ttftöocr^ältniS jmifd&en bem unc^elid^en Äinbc
unb ben Däterlid^en 9lfjenbenten onjucrfennen. 3)od burd^ bie 3<^^9i*^fl ^^'
grünbctc natürlid&e aSer^ältnife smifd^en bem unel^elicben Äinbe unb beffen
SSater läßt es jmar atö eine notürlid^e unb fittlid[)c 5ßf[id[)t beö lefcteren er-
fd&einen, bem kinbe ben Unterhalt ju gemäl^ren. dagegen fonn für bie
aifjenbcnten beö SSaterö, meldte bem une^elid&en flinbc im Seben regelmäßig
DöÜig frcmb gegenüberftel^en, eine folc^e ftttlid^c ^fli^t lebiglid^ auf ®runb
ber natürfid&en SSermonbtfd^aft nid^t anerfannt werben. 2)er 3^^*/ meldten
bie 9lebttftorcn beö preufe. 21. S. JR. tjcrfolgten, menn fie bie oäterlid&en Slfjcn«
beuten, unb jmttr fd&on t)or ber üffuttcr für unter^oltöpflicbtig erflörten,
nämlid^ bie SSer^ütung beö jlinbeömorbeö burd^ SBefeitigung ba* ®eIbDer(egen^eit
bcr aJiuttcr, ücrmag bie |>aftung bcr üätcrlid^en Slfjenbenten ni^t ju red&t«
fertigen, jumat bie ®rfa^rung gejeigt l^at, ba§ oHc SScgünftigungen, meldte
baö 21. S. JR. ben uneJ^elid&en Jlinbern f)at ju X^til roerben laRen, bm Jlinbeö*
morb nid^t verringert ^aben. ©benfomenig fann bie Slücffid^t auf bie ®rs
leid&terung bcr 2lrmenlaft für fic^ allein burc^fd^Iagenb fein, namcnttid^, rocnn
man berüdffid&tigt, bafe naä) ben früf)er in ^Preußen gemad^tcn ©rfa^rungcn
bie Haftung ber t)ätcrlid&en 2lficnbenten in üielcn gällcn jur S^trüttung beö
SBo^Iftanbeö unb beö gamilicnfriebenö geführt ^at (t)ergt. ben SHcuterf^en
2lntrag in ber 2. preufe. ftammcr t). 16. ©cicmber 1851 — 2)rudffad^en
3lx. 22 — unb ben SBeric^t ber ftommiffion ber 2. Mammer über biefen 2lntrag
t). 17. aWoi 1852 — 2)rurffad&en S«r. 318 — , foroie bie aWotiüc beö ©ntm. beö
preufe. ®ef. t). 24. 2fprU 1854 ©. 17 — Drucffad&cn, 1. Äammer, III. Segiö^^
latur^ II. ©igungöperiobe 1853 9?r. 8 — ; ferner ®efe^ret)., ^nf. X^'
©. 185 ff.).
3. 3lad) § 1571 ftel)t bcr Untcrlialtöanfprucb gegen ben unefjelidden «eitenb.
SBatcr nid&t ber ÜRutter beö unc^elid^en Äinbeö, fonbern bem le^tercn ju. un?e"iSit*^
atudb crgiebt fid& auö § 1570 in SSerbinbung mit §§ 1633, 1649, Daß bcr ««fp«^«»
bem Äinbe juftel^enbc 2Infprud) nur von bem SSormunbe beö 5linbcö, mithin h\t mute.
Don ber SDlutter alö SScrtrcter beö Minbeö nur bann geltcnb gemad)t werben «eitenbe*
fann, wenn fie 5um 3Sormunbe beö le^teren befteUt ift. 3m ®egenfa|e ju 5*«**-
bicfer Siegelung räumt eine rocitocrbreitete gcmeinred&tlid&e ^^rariö, obn)ol)l
876 Uiitcr&art§pfli<i&t fceS uncbclifrn SktcM ©cftaltunfl. § 1571.
bcr ^ier fragliche 3(n)pru(^ feiner 3laiux nai) ein Snfpruc^ beö HinbeS ift
iinb Deshalb an ftd^ oon bcm 'Sormunbe bed (enteren geltenb ju mac^n ift,
ber ^JAutter bas dted^t ein^ gegen ben unehelichen 93ater auf Seiftung ber
miimcntc ju Hagen (oergl. Seuffert V, 292, XI, 43, XVn, 50, XXXU, 49,
XXX UI, 280, XXXV, 28). Ueber bie rec^tüd^ 9latur öicfed Älagerec^tcö
ber ^lütter ge^en jeboc^ Die älnftd^ten in Softrin unb ^ro^id auseinanber.
iHad) ber einen 3(nftcf)t ftc^t Der 3Rutter ba^felbe nur als äSertreter bcs ftinbed
i^u, na6} einer anDeren 9(nftd^t {lagt bagegen bie 3Rutter aus eigenem 9Ie(^tc.
^iefe (entere älnfici^t i^ai in 92a{fau unD in Sc^IeSroig gefeglic^e 9(nerfennung
gefunben (oergl. naff. ©bift v, 21. September 1816 § 4; fc^ledw. ^tent o.
9. September 1863 § 2; genner unb äRecfe, cioilred^tl. ©ntfc^. b. oberfteu
©ericftts^. ^:^reu&end, II S. 131, V, 51 S. 99, IX, 78 S. 204 ff.). Rubere
@e)e^gcbuugen röumen ber 3Kutter jmar nic^t ein eigenes Stecht auf Unterhalt
bes ftinbeS gegen ben unehelichen SSater ein, geben i^r aber balb in weiterem,
balb in geringerem Umfange bad Siecht, alö 3$ertretcr bed Slinbed ftatt Ded
^ormunbed gegen ben unehelichen äJater auf Seiftung ber Slümente }u flagen
(oergl. mccflenb. SSerorbn. o. 23. 3uni 1847 § 2; coburg. ®ef. ü. 28. 3uU
1858 2trt. 18, 22, 27; fäd^f. ®. 93. §§ 1865, 1866; altenb. ®ef. t). 29.5mai 1876
§§ 13, 14). ßinjelne ©cfefee fd^reiben oor, ba§ bie 5[Umentenflage üon ber
•äWutter in ©emeinfd&aft mit bem 3Sormunbe erhoben werben muffe (oergl.
fonbcröf). ©ef. u. 12. 2luguft 1844 §§ 3, 9, 27 ; rubolft. Oef. t). 31. ü»ai 1850
§§ 1, 7, 25). 9iadf) Dem roürttcmb. ®ef. o. 5. September 1839 art. 28 3h. 1
9lbf. 2, 3 fann bie 3)lutter in SBerbinbung mit i^rcm 35ater ober einem für
baö .Hinb befteUteu Pfleger bie Miage auf Slnertennung ber SSaterfd^aft unb
Untcrl)aa ergeben. Sagegen fte^t md) preufe. 5Recf|te (21. S. 91. II, 2 §§ 612,
614—617, 2ln^. § 95, II,. 18 §§ 967, 968; preufe. SBorm. D. o. 5. 3uli 1875
§§ 11, 12, 27), mö) bem öfterr. ®. 99. § 166, bem bab. ®ef. ü. 21. gebruar 1851
§§ 4, 6, ber an^olt. 9Scrorbn. o. 30. aJIai 1815 §§ 2— 9, bem meining. ®ef.
ü. 9. September 1844 3lrt. 8, 12, 36 unb bem got^. ®ef. o. l. 3uli 1869
2lrt. 1, 7, 8 baö 9(ed^t, ben Unter^attöanfprud^ bed 5iinbeö geltenb ju machen,
nur bem SSormunbe be3 Kinbed ju; boc^ nimmt bie preug. ^rapd an, ba§
bie äßutter mit Stücffid^t auf i^re fubfibiäre Unter^altdpflid^t nac^ allgemeinen
®runbfögen aus eigenem ?lec^te befugt fei, gegen ben une^elid^en SSater auf
©rfüUung ber 3llimeutationdpfIid^t gegenüber bem 5linbc ju Magen (oergt.
©ntfc^. b. Db. SCrib. »b. 76 S. 213; Striet^orft 93b. 94 S. 220, 99b. 62
S. 134).
etatibpunft @in 93ebürfni6, in 2Ibroeic^ung üon ben allgemeinen ©runbfäften ber
«ntJurfe«. 2Wutter beß Kinbeö, aud^ wenn fie nid&t SSormunb ift, fei eö aUgcmeiu ober
unter gemiffen 93oraudfe|ungen unb @infd^rän!ungen in Slnfe^ung ber ®eltenb:s
mad^ung beö Unterl^altsanfprud^ed bie gefeglid^e 93ertretungdmad^t beijulegen,
fann nic^t auertannt merben, indbefonbere aud^ nic^t üon bem ®efid^tdpuntte
auÄ, auf biefe SBeife ben 93en)eiö ju erleid()tern unb miberfpred^enbe Urtl^cilc
über ben 3tnfprud^ bed Rinbed unb über bie älnfprüd^e ber SRutter auf @nt$
binbungd^ unb SBod^enbettdfoften }u üermeiben (oergl. in btefer 93e}iel^ung
meining. ®ef. ü. 9. September 1844 9lrt. 36; fäc^f. ®. 93. §§ 1865, 1866;
altenb. ®cf. d. 29. aotai 1876 §§ 13, 14). Solange nad^ ben früheren
Unter6altet)flid&t bcß imc^cItÄen SJatcrß. (Seftaltunfl. § 1571. 877
?ßrojc§(jcfcgcn in einem jTOifd&en bcm SBormunbc be§ iinef)cUdöen Äinbeö imb
bem unel^elid^en 93atcr anhängigen SRed^töftreite roegen beö Untcr^altöanfprud^eö
bc« Äinbeö bie 3Jlutter beö le^tcrcn beim SBiberfprud&c beö Setlagten nid^t
als 3ß"8c jugelaffen bejm. nid^t beeibigt werben fonnte, tag eö allerbingö im
Sntereffe ber Durd^fü^rung beö Unter^oltöanfprud^eö, rotnn bie Äfage von bcr
SWutter, fei eft aus eigenem SRed^te, fei eö aU SSertreter beö Äinbeö, crl^oben
werben tonnte, bamit i^r bie SKöglid^feit ber ®ibeölciftung gegeben rourbe.
S)icfer Oefic^töpnnft fann ober jeftt nid)t me^r alö mafegebenb angefe^en
roexbtn, bo nad& ben SSorfd^riften ber 6. 5ß. D. (oergL inöbcf. § 358) bie SSer*
ne^mung ber SUntter qIö QtuQt unb eventuell audö beren nod^träglid^e Se*
cibigung o^ne StüdEfic^t auf ben 2Biberfprud& beö Seflagten jutöffig ift. 2)urd&
befonbere S3eftimmungen aber in bie allgemeinen ©runbfä^c über bie JRec^tö*
traft ber Urt^eile (§ 192) einjugreifen, fann alö angemeffen nid^t erad&tct
werben, jumat ber Entwurf (oergl. § 1577) bie ©ntfd&äbigungöanfprüd^e ber
ÜJluttcr in ber ^auptfac^e befeitigt ^at. 0\)nz bringenbe praftifd^e ©rünbe
empfiehlt eö fid[) um fo weniger, ein a5ertretungörcd)t ber ajluttcr in ber \)kx
fraglicfien SSejie^ung anjuertennen, alö baburd^, ba| nur ber SSormunb ben
Unter^altöanfprud^ gcltenb ju mad^en befugt ift, bie öcbenten gegen bie 9lm
crtennung biefeö 3lnfprud^eö wefenttid^ geminbert werben unb nur auf biefe
SBeifc bie ©arantie üor^anben ift, bafe bie 3llimentengelbcr aud& wirtlid^ i^rer
SBeftimmung gemäß üerwenbet werben.
Db nad^ allgemeinen ©runbfägen auö ber fubfibiären Unterl^a(töpf{id(|t
ber aKutter ein felbftänbiger 3lnfprud^ ber festeren gegen ben une^elid&en SSatcr
I)ergeleitct werben fann, bafe bicfer feine Unterl^altöpflid^t gegenüber bcm Rinbe
erfüllte (üergt. ©cuffcrt XIV, 145, XVn, 49 ; entfd(). b. 3t. ®. in Sioilf. V,
101 unb in 9lnfef|ung ber preuß. ^|$raf iö oben ©. 876), bebarf in (Srmangelung
eineö 93ebürfniffeö einer befonberen gefe^tid^en ®ntfd()eibung nid^t.
©ine anbere grage ift, inwieweit bie SRutter rücfftänbige 9llimente ju
f orbern bered^tigt fein foU. 3)iefe grage ift in ben SKotiüen ju § 1574 im
3ufammen^ange mit ber grage erörtert, ob unb inwieweit baö Jtinb tjon bem
une^clid^en SBater für bie Söergangenl^eit 3ltimente beanfprud^en bejw. ein
2)ritter (Srfa^ ber üon if)m bem Äinbe geleifteten 9Uimente üon bem une^elidf)en
93ater verlangen fann.
4. Der § 1571 gewal^rt Jebem une^elid^en Äinbe o^ne tlntcrfd^ieb ben unter^u«-
Untcr^attöanfprudö. 2)ie 33eftimmung beö riJm. JRed^teö, weld&e ben in ®^e* eÄriger
hvuä) ober SStutfd^anbe erjeugten Rontubinenfinbern ben Unterfialtöanfprud^ «tnbw.
gegenüber bem SSater oerfagt, ift in baö gemeine SRed^t unb bie neueren ©efej^
gebungen nidf)t übergegangen. 9lud& nad^ franj. Slecbte finb bie e()ewibrigen «eitenb«»
Äinber t)on bem 33ater Unterhalt ju forbern bered^tigt (code civil 9Irt. 672), *'*^**
obwol^[ bie 3lnertennung berfelben unjuläffig ift (9trt. 342). ®inc 9luönat)me
mad^t iebod^ baö preufe. ®ef. ü. 24. Slpril 1854 §§ 9, 13 9Jr. 1 infofern, alö
eö ben 9lnfpruc^ eineö von einer oer^cirat^eten grau im ®f)ebrud^e erjeugten
Äinbeö unbebingt auöfd^Iiefet. Dagegen ift gemeinred)tlid& nad^ ber i)errf(I)cnben
Slnfid^t in einem fotd^en gallc ber 9lnfprudf| nur infoweit unjutöffig, alö ber
©aft npater est quem nuptiae demonstrant" entgegenftel^t (oergl. ©euffert IT,
186, 296, V, 176, 292, VI, 46, XXII, 287, XXXIII, 280, XXXIV, 87,
878 Untcrl6altöpflt(j&t bc§ une^clicfieii Saterß. ©cftaltung. § 1571.
XXXV, 267), roä^renb nac^ einer anbeten Slnfid^t ber 9tnfprud6 anä^ in
bem f)icr in SRcbe ftcf)enbcn gallc von bem Äinbe unbebingt geltcnb gemad^t
werben fann (oergl. ©euffert IV, 234). 3la6) preufe. «. S. 91. II, 2 §§ 1 ff.,
§§ 615 ff. unb mi) bem öfterr. @. 93. §§ 138, 158 ift ber Untcr^altöanfpmd^
bed ^inbefi in bem bejeid^neten ^alle havon abijöngig, bog ber Seemann bte
@^cUd)feit bed Sinbeö mit ®rfoIg angefod)ten l^at.. Dagegen fc|t naö^ bem
fäd&f. ®. 33. §§ 1860, 1778, bem roeimar. ®cf. ü. 6. 3uni 1853 § 3 mf. 4
unb bem altenb. Oef. r>. 29. aWal 1876 § 6 bie ©urd^fü^rung ieneö Slnfpruc^eö
nur ben anä^ in bem ^rogeffe jmifc^en bem une^elid^en Später unb bem ftlnbe
}u(öffigen 3la6)ro^i& Doraud, bag ber (Sl^emann mit ber SRutter bed Jlinbed in
ber frilifd&eu 3^it t>cn Seifd&taf nid^t üoUjogcn 1)abt. ®aö coburg. ®ef.
t). 28. 3uU 1858 3lrt. 29, 31 mac^t bie ©eftenbmad^ung beö Untcr^altö^
anfpruc^ed beß Äinbeö gegen ben unel^elic^cn Sßater üon ber 3wftitnmung beö
®l^emanneö ob^ängig, eö fei benn, bo^ ber (entere bie S3eftrofung wegen 6^
brud^ed beantragt ober auf ©d^eibung geffagt ^abe.
etanbpuntt 35om ©tonbpunfte öeö ®ntrourfeö au0 bebarf cö in ber ^ier fraglichen
üntnmrfc«. .^iufid&t einer befonberen Seftimmung nid^t. 3)a nad& bem § 1571 ber Untere
t)altsanfprud^ nur einem une^efid^en Äinbe jufte^t, fo ergiebt fic^ baraus von
felbft, bafe, menn unb folange bie Unelielid^feit eincö üon einer ß^efrau geborenen
Äinbeä nac^ äRofegabe ber SSorfd^riften ber §§ 1471 ff. nid^t gcüenb gemad^t
werben fann, aud^ bie ©eltenbmac^ung beö im § 1571 beftimmten Unterhalts*
anfprud^eö auögefd^toffen ift. Äann bagegen nad^ [tmn a3orfd[)riften bie Um
e^elic^feit eines fofd&en Äinbeö geltenb gemad^t werben, fei cö, baß ber ©bemann
bie 6f)elic^!eit beöfelben mit ©rfotg angefo^ten f)at ober, o^ne baö SRedfit ber
Slufec^tung oerloren p ^aben, geftorben ift (§ 1471), fo fe^ft eö an einem
auörcid^enben (Srunbe, bem oon ber (S^efrau geborenen, wenngteid^ im 6^e*
bru(I)e mit bcrfelben erjeugten, unet)e[id&en £inbe ben ^ier fraglid^en Unter^altö*
anfprud^ gegen ben unel^elid^en SBatcr burc^ eine pofitiüe SBcftimmung ju
üerfagen. ©elbftoerftänblid^ mufe aber in einem fold^en galle, fofern niddt bie
Unefielid^feit beö Äinbeö nad^ Sßafegabe beö § 1477 burd^ Urt^eil mit SBirtung
für unb gegen ©ritte feftgefteßt ift, bie nai) §§ 1468, 1470 ©afe 2 begrünbete
SBermutl^ung ber ©l^elid^feit t)on bem Äinbe, weld&eö gegen einen ©ritten olö
ben une^elid^en 9Sater ben Unter^altöanfprud& ergebt, burd^ ben im § 1469
beftimmten (Segenbeweiö entfräftet werben.
gSerfd&iebene fd^weij. Med^te, j. S3. baö jür. ®. 93. § 291 lit. b,
fd^Iiefeen im 3ntereffe ber ®{|c unb beö el^elid&cn griebenö ben ätnfpruc^ eineö
im (gt)ebrud^c erjeugten Äinbeö bann auö, wenn ber unel^elid^e 3Sater jur ^tii
ber ©d^wängerung üerl^eiratliet unb bieö ber aWutter beö Äinbeö betannt war.
@ine berortige Seftimmung ift jebod^ um beöwiUen in l^o^cm Orabe bebenfüd^^
weif baburd^ ben ®^emännern in 3lnfel^ung ber Unterl^altöpflid^t gegenüber
ben oon ifinen wäfirenb beftefjenber (g^e erjeugten une^elid^cn Einbern ein
Freibrief auögeftellt wirb (oergl. bie SSertianbf. beö britten beutfd^cn 3uriften*
tageö ©. 238).
Slntangenb bie in 93[utfd&anbe erjeugten Äinber, fo fönnen aud^ biefe ben
im § 1571 beftimmten Unter^attöanfprud^ felbftoerftänbUd^ nur infofem geltcnb
machen, alö biefelben nid^t nac^ § 1562 a(ö cl^elid^e ftinber anjufc^cn finb.
Unter^altöpfliÄt be« une6eli(6cn »atevö. ©cftaltunö. § 1571. 879
5. SBeld^cn ©inftufe cö auf ben im § 1571 bcftimmtcn Unterlialtö^ «inP«fe »>«
anfprud^ \)at, wenn baö unel^clid^c Rxnb burd) nad^folgcnbc 6^c ober burd^ ^'^^oJJr^'*"
©l^eUcl^fcitöerflärung Icgitimirt wirb unb baburd^ gegenüber einem anberen «*>option.
SKanne old bemjenigen, welcher als une^elid&er SBatcr wegen Sciftung oon
Sllimcntcn in 2Infpruci^ genommen mar, bie rec^tUc^e (Stellung eines e^etic^en
Äinbeö erlangt, ift mit 9lüdEftd&t auf bie ©etten^elt bcr ^ier in 9lebe ftetien^
ben gälle im ®efe|e nid^t befonberö entfd&icben. Sluc^ bie befte^enben $Red&te
entfd^eiben bie §rage ni^t.
©benfomenig bebarf eö einer befonberen gefegtic^en (gntfd^eibung ber
grage, inroicfem ber dier fraglid^e Unterl^altßanfprud^ baburd^ berül^rt wirb,
ba§ baö Äinb fpäter oon einem 2)ritten an Sinbeöftatt angenommen wirb.
2)ie (gntfd&eibung ergiebt fid^ auö ben SSorfd^riftcn ber §§ 1625, 1627
Slbf. 2 in SSerbinbung bamit, bafe ber une^elid&c SSater, foüiel feine Untere
^attöpflid^t gegenüber bem une^elid^en Äinbe betrifft, nad^ § 1571 atö teib*
lid^er SScrmanbter beö angenommenen Äinbeö ansufcl^en ift.
6. 3)er § 1571 gemährt nur bem unc{|clid&en Rinbe, nic^t aud& beffen Unterhaus.
3lbfommlingen einen Unter^attöanfprud^ gegen ben unel^elid^en 93ater. S)amit "aMömtiinge
ftimmt baö gcitenbe JRed&t überein ; nur nad^ f ranj. SRed&t ift eö ftreitig, ob »>«« «tno««-
ber une^cli^e SBatcr gegenüber ben e^elid^en Slbfömmlingcn feines anerfannten
natürlid^en Rinbes unter^altspflid^tig ift. ©ine berartige 9luSbe^nung ber
Unter^altspf{id[)t bes unel^elid^en SSaters mürbe ju meit füEiren.
7. 5lad& bem ©ntrourfe bcfte^t eine Unter^altspf[id()t nur beS une^elid^en unter^u«*
aSaterS gegenüber feinem unel^etid^en Äinbe, nid^t aber aud& beS lefeteren gegen^^iii^^^gegeti*
über bem erftercn. 3)ies ift aud[i ber ©tanbpunft beS gemeinen SRec^tes unb ^^^l^^^
ber aKetirjal^I ber neueren (Sefefegcbungen. dagegen ftnb nad^ bem prcufe,
2t. S. 91. n, 2 § 638 une^elid^e Äinber i{|re notlileibenben ©ttern unb ®ro|*
eitern in ©rmangetung anberer baju nä^er Derpflid^teter ^erfonen ju unter*
ftüften üerpffid^tct. 9lud^ nad& franj. SRed^te liegt bem üon feinem SBater an«
ertannten unc^elid^en Äinbe eine fubfibiäre Unterl^altspflidöt gegenüber bem
une^elid^en SSater ob. 3)er ©tanbpunft bes franj. SRed&teS in bicfcr Sejielöung
fann inbeffen für ben ©ntrourf nic^t in S3etrad&t fommen, ba bcrfelbe mit bem
oon bem ©ntmurfe nid^t aufgenommenen Snftitute ber Stnerfennung im 3^**
fammenl^ange ftel^t. S)ie burd& bie S^^tfl^^Ö oermitteltc natürlid^e SBcrbinbung
oermag für {td^ aDein eine Unterl^aUspfliddt beS une()eUd^en 5tinbes gegem
über bem unefielid^en aSater nid^t ju rcd^tf crtigen , ba es an ber fittlid^en
Orunblage für eine fold^c ^ßflid^t fe^It.
8. 3Intangenb bas SSerpttnife ber Unterpltspflid&t beS unefielid^en »er^ärtiüfc
aSaterS ju ber Unterlialtspffid^t bcr SRutter unb bcr fonftigen SBcrmanbten bcs unterJJu«*
ÄinbcS, fo ift gemeinrcc^tlid^ nad^ ber Ijcrrfd^cnben Slnfid^t ber SSatcr oor ber vmt ber
üßuttcr unb ben mütterlid^en 33erroanbten bes Äinbes ocrpflid^tct, bem Icgtcrcn J^^^""^
ben Untcrplt ju geroäl^ren (oergl. ©euffert XII, 35); bo^ mirb au^ bie kcX'
Slnfid^t ocrtlieibigt, bafe ber Söatcr unb bie SHutter folibarifd^ oerpflid^tet feien,
einem j[eben berfelben aber baS beneficium divisionis jur ©eite ftefie. Uebrigens
ift aud^ ba, roo bie primäre UntcrpItSpftic^t bcS SSaterS anerfannt mirb, ber
Setrog bcr oon bemfefben ju leiftcnben 2llimente burc^ ben ©crid&tsgcbraud^
880 Unterr)alt8pflid6t bc8 unejclid&cn SSaterg. ©cftaTtung. § 1571.
in bcr Mcgct fo gcrintj feftgeftcDt, bafe t^atfäd^tid^ bie primäre Untcrl^altspftid^t
bcö SSatcrs ouf bie ©eroä^rung bcö not^bürftigcn Unter^oUcö jid^ befd^rättft,
bejio. fidfi nur als eine SSeitragöpffid^t jum Unterhalte befi Äinbeö geftaltet
(üergf. ©euffert VI, 203, XII, 163, XXV, 132). 3m Slnfd^Iuffe an bie ^err^
fc^enbe Sluffaffung beß gemeinen ^Reä^ic^ ertennen anä) bie meiften neueren
Oefeggebungcn im ^ßrinjipe eine primäre Unter^oltöpflid^t beö 93aterß an;
boc^ ift bie festere regelmäßig ouf bie Oeroäl^rung bcö not^bürftigen Unter^^
l^alteä befd^ränft ober ha& 3Ka6 beö ju geroä^renben Unterhalte« unter Sejug^
na()me ouf bie Sebürfniffe eineö bem Souern* ober gemeinen ©ürgerftonbe
ange^örenben äinbeö ober nad^ einem SWinimum unb 3Rafimum in ber ärt
feftgefefet, bo§ bie ju leiftenben 3ltimcnte jum üöUigen ftonbeßmäfeigen Unter*
^olte beö Äinbeö tJ^atfäd^Ud^ nid&t ouöreid^en (tjergl. mürttemb. S. SR. IV, 18
§§ 2—5 unb mürttemb. ®ef. o. 5. ©eptember 1839 9lrt. 28 2lbf. 1, 2; bogr.
S. SR. I, 4 § 7 3lx. 1, 5, 8; preufe. 91. 2. SR. II, 2 §§ 612, 621, 622, 626,
627, 629, 630, 635—637 unb preufe. Oef . t). 24. 2IpriI 1854 § 12 ; öfterr. ®. ».
§§ 166—168; anmalt. SSerorbn. t). 30. SRoi 1815 §§ 10, 11, 16—18, 22;
f(I)Ieön).^olft. ?Jatent v. 14. 9Wai 1839 § 3; fc^feöro. 5ßotent r>. 9. ©eptember
1863 § 1; fonberöt). ®ef. ü. 12. Sluguft 1844 §§ 3, 8, 10; rubolft. ®ef. d.
31. a»ai 1850 §§ 1, 6; SReufe ä. S. ®ef. t). 4. Januar 1854 §§ 7—9, 13).
9lnbere SRed^te üerpffid^ten ben unelielid^en 93oter überliaupt nur jur Sciftung
eineö Seitragcö für ben Unterl^olt beö Äinbeö. S)er Seitrog bcftef)t ober nid^t
in einer Quote ber Unterl)oltöfoften, fonbern mirb innerfjolb eineö in ben meiften
biefer SRed^tc beftimmten SRinimum unb aRofimum unter Serücffid^tigung
gemiffer 9lnt)altöpunfte, inöbefonbere beö Stanbeö ber äRutter unb bcr aSer*
mögenöDerfjältniRe beö SSoterö, t)om SRid^ter in ®elb feftgefegt (tjcrgl. noff.
©bift t). 21. ©eptember 1816 §§ 3, 4; roeimor. ®ef. o. 13. STpril 1829 §§ 1,
2, 4, 5, 8 unb t). 23. gebruor 1850 §§ 38 ff. ; meining. ®ef. o. 9. ©eptember
1844 9lrt. 13—17; Coburg. ®ef. t). 28. 3uli 1858 2lrt. 1, 5, 6; gotl^. ®ef.
t). 1. 3uli 1869 Slrt. 1, 4-6; fäd^f. ®. 93. §§ 1858, 1862—1864; oltenb. ®cf.
t). 29. aRoi 1876 §§ 4, 8—10). 5Rad& einer britten ®ruppe oon SRed&tcn liegt
bie Unterfioltöoerpffid^tung bem SBoter unb ber SRutter gemcinfd^aftlid& ob,
bod^ in bcr Slrt, bog ber SSotcr fubfibiär allein ^oftet. Dieö ift bcr ©tonb=
punft bcö fronj. 9lcd)tcö in 9lnfel)ung bcö dou beiben ©ttern onerfonntcn
notürlid^cu Äinbeö. (So roirb angenommen, bofe iebem ©Iterntlieile in biefem
goUe bie Unterl^ottöpffidit junäd^ft jur ^älfte obliegt (ücrgl. oud^ ^cff. ©ntro.
m 3Irt. 57). 5Rad^ bcr mcdflcnb. 3lrmenorbn. ü. 21. 3uli 1821 unb ber
mcrficnb. aScrorbn. r>, 23. 3uni 1847 § la ftnb ber SBoter unb bie aRutter
foUborifc^ jum Unterliolte ücrpflid^tet ; bod^ giebt bie 5ßrafiö bem SSoter bie
exceptio divisionis, fo bo& bei Sebjeiten bcr ÜRutter, fofcrn bicfelbe i^ren
3lnt^eil }u Iciftcn im ©tonbe ift, ber SSoter nur pro rata j^oftet.
@incn t)on ben biö^er ongefüfirtcn SRed^ten tjöllig obrocid^cnben ©tonb*
punft nimmt boö bob. ®ef. o. 21. gebruor 1851 §§ 2, 3 ein, inbcm boöfelbe
bem une^elid^cn Äinbe nur bann einen Unter^oltöonfprud^ gegen ben aSoter,
unb jmor ouf ®en)äf)rung beö notl^bürftigen Unter^otteö, giebt, menn bie
SRuttcr boö Äinb ju unterhatten untjcrmögenb ift Sluönal^möroeife legt
oud) bie onliott. aScrorbn. t). 30. üRoi 1815 § 18 ber ÜRuttcr bie primäre
UntcrWtgpfIi(]&t bc§ unc^elid&cn SatcrS. ©cftaltung. § 1571. 881
Unterhaltspflicht auf, wenn bicfetbc bereits früher ein unel^clic^cs Äinb
geboren l^at ober wenn fte ol^ne genügenben ©riinb bas ©rbieten bes 5Baterö,
ftc ju eJ^elid&en, ablehnt (»ergl. ©rläut. jur anl^alt. 2. D. Xxi. V, VI, VIII
§ 20 9lbf. 2).
3)le Slrt unb SBeifc, wie bas bab. (Sefefe bas SJcrljäUnig ber Unterl^altö:^ etaubpuntt
pfli^t bes SSaterS ju ber Untcr^altspflid&t ber ÜHutter geregelt l^ol, empfiel^lt cnt^urfes.
fxd^ nid^t. S)iefelbe würbe für ben weitaus größten ^l^eil ber beutfd^en 9ied&tS:=
gebiete eine roefentlid^e Steuerung entl^atten. ©ie entfprid^t aud^ nid)t ber
©runblage, auf welcher bie Unter^altSpflid^t bes aSaters beruht. 2)ie notür^
lid^e unb fittlid^e 5ßflid^t beS SSaterS als bes (SrjeugerS bes Äinbes bringt cö
mit fic^, bafe berfelbe ebenfalls ju bem Unterhalte bes Äinbes beiträgt unb bic
Saft biefeS UntertialteS nic^t ber SKuttcr junäd^ft allein auferlegt wirb. S)a6
bie ÜJiutter bem uncl^elid&en Äinbe ungleid^ nä^er fte^e, reid^t nid^t aus, ben
©tanbpunft bcs bab. (Sefeges ju redjtfertigcn, ebenfowenig ber (Seftd^tspunft,
ba| baburd^ ber Unfittlicbfeit beS weiblid^en ©efd^lec^tes energifd^er entgegen^
getreten werbe. S)icfer SSort^eil wirb baburd^ aufgewogen, bafe anbererfeits
burd& eine fold^e Siegelung bie Slngriffsluft beS männlid^en Oefd^led^tes gegen
wo^l^abenbe grauenspcrfonen oerftärft wirb. 2)ie UnterlialtSoerpflid^tung beS
SSaters üon bem Unoermögen ber 3Rutter, baS Äinb ju unterfialten, abl)ängig
JU mad^en, liegt aud^ nid^t im 3ittereffe beS Äinbes. Oerabe in fold^en
fällen, in weld^en bic 2Kutter im ©tanbe ift, bas Rinb allein ju unterhalten,
ift am erften bie aRöglid^feit gegeben, bie von bem SSatcr gejalilten SKlimenten-
beitrage ju einem Kapitale für baS Einb ganj ober jum 2^^eil anjufammetn,
wenn bic SKuttcr bem Kinbe gegenüber fic^ bereit erflärt, bie Soften bes
Unterhaltes allein ju tragen. 9lnbererfeitS läuft bie ©eftaltung ber Unterf)atts*
Pflicht bes SSaterS nad^ bem SBorbilbe bcS bab. ©efefees t^atfäd^lidö barauf
l^inaus, bafe biefelbe fd^on bann nid^t eintritt, rotnn bas Äinb ben not^bürftigen
Unterhalt ^at, ol)ne bem öffentlichen Slrmenwefen jur Saft ju fallen. 3n
gewiffcr ^infid^t fann aDerbingS jene Oeftaltung baju beitragen, bie 'S^\)l ber
9llimentationsprojeffe ju üerminbern, aber bo^ nur jum B^abtn ber Äinber,
inbem bie ÜJiutter bei ber oorausfxc^tlid&en aSergeblid^fcit einer ^ßrojegfü^rung
nid^t feiten in i^ren SluSgaben für bas ftinb über bie SJla^en fid^ einf(^ränfen
wirb. S3on befonberem ©ewid^te ift ferner, bafe ber 33cweis, bic ajluttcr fei
niäjt ücrmögenb unb erwerbsfähig, in ber SHcgel erljebliclien ©d&wicrigfeiteu
begegnet unb bamit bem Äinbe bie SRed^tSoerfolgung erfc^wert wirb, ein Um«
ftanb, weld&cr anbererfeits infofern ju einer 3Sermel)rung ber ^rojejfc fül(|ren
fann, als ber SSater nid^t feiten barauf bauen wirb, bafe ber betreffenbc Seweis
nic^t erbrad&t werben !5nne.
©daließt man fid& bem t)on bem bab. ©cfe^e betretenen SEßege nid^t an,
fo bieten fic^ wieber oerfd^iebene 9lrten ber Siegelung bar. (Sntweber läfet
man ben SBater in erfter Sinie haften, bcfd&rönft aber feine SSerpflic^tung auf
bie ©ewä^rung bcS notl|bürftigen Untertjaltes, b. l). auf bic ©ewäl^^ung bes-
ienigen, was bas ftinb, je nad^ bem 9llter, in wcld^em basfelbe ftet)t, ol^ne
9lüdEfid(|t auf eine bcftimmte SebenSftellung braud[)t, ober man ftellt auf bic
SBerpflidf)tung jur ©cwäl^rung bes ftanbcsmögigcn Untcrt)alteS (§ 1488 9lbf. 2)
ab unb ocrpflid)tet ben 33ater nur, gcmeinfd^aftlic^ mit ber TOutter bcjw. ben
VtoHw |. bttrgerL 9t\t!^bü^ lY. 56
882 Untcr^altgpPiid&t bcö unehelichen SSaicrß. Oeffaltung. § 1571.
müttcrlid^cn SBcnüanbtcti tiefen Unterhalt bem ftinbe ju gcipa^rcn. ©in
britter SBeg ift ber, es bei ber Unter^oltöpfKd&t ber 2Rutter unb ber fonftigen
^^erroanbten beö Äinbeö ju belaffen, ben 33ttter aber, unter geftfeftung eines
"JRinimum unb ü)lajimum unb unter SScrüdfici^tigung feiner 33erm5genßüer^älts
niffe, foroie beö Stanbcö ber aMutter, jur ©eroä^rung eines Unterhaltsbeitrages
anju^alten. 3)iefer festere SBeg empfiehlt fid^ nic^t Slbgefe^en baoon, bafe
er weniger einfad^ ift unb fid^ oon ben @runbfö|en über bie Unterhältst
Pflicht ber aSenoanbten me^r entfernt, fällt gegen benfelben entfd^eibenb ins
©eroid&t, bafe bie geftfegung eines aWinimum unb üJJarimum für ein fo großes
einfieitlic^eö SRed^tSgebiet, wie eS fünftig bas beutfd^e fein wirb, bei bcrSSerfc^ieben«
^cit ber l^ier einf^lagenben SBerl^öItniffe, insbefonbere ber 5ßreife unb ber Sebcns^
bebürfniifc in ben oerfc^iebenen S^^eilen Seutfc^Ianbs, niä)i am ^ßlage ift. Ueber«
roicgenbe (Srünbe fpred^en für bie ßinfij^lagung bes erftcn SSJeges. S)ie primäre
UnterbaHspüid^t bes une^elid^cn Katers entfprid^t nid^t nur bem befte^enben
3leci^te in weitem Umfange, fonbem ift aud^ innerlid^ begrünbet. Der aSater
eines unetieli^en Einbes mufe infomeit bem SSater eines el^elid)cn MinbeS gteid^^^
geftellt werben, ^roav ift bie ©ad^Iage infofern nic^t bie gleidje, als bie Se*
ftreitung beS Unterhaltes für bie el^elic^en jlinber ju ben e^elic^en fiaften
gehört (oergl. § 1339) unb als ber c^elid^c SSoter ben ®enu§ bes grauen-
unb ÄinbeSoermögenS unb ber l^äuslid^cn ©icnfte ber ß^efrau, wie bes ÄinbeS,
bejm. gegen bie 6l)efrau einen SKnfprud^ auf einen angemeifenen Seitrag jur
Prägung ber e^elid^en Soften ^ot (üergl. §§ 1275, 1283, 1339, 1499, 1501,
1502 3lr. 2). 2lllein bei bem el)elid&en, wie bei bem unel^elid^en 93ater ift
cntfd^eibenb, ba^ im fojialen, wie im SRed^tSlcben ber 3)Jann üor bem 3Bcibe
ftel^t unb berfelbe junäc^ft berufen ift, basjenige ju Derbienen unb ju befd^affen,
was notl) tl^ut, unb jwar gilt bies ^ier um fo mel^r, als bie a)2utter burd&
bie für baS ftinb unentbeJ^rlid^e 5ßPege üielfad^ an ber ©ntfaltung i^rer
(SrwcrbSfroft gel^inbert wirb. S)aS Sebenfen, bafe es im ^inblidfe auf bie
l)eroorge^obene SBerfd^iebenl^eil ber ©ad^lage unbillig fei, wenn ber une^elid^e
aSaler bie Äoften bes Unterhaltes bes unel^elic^en Äinbes allein ju tragen ^abe,
unb bafe es auc^ im 3ntcreffe ber SJerminberung ber Unfittlid^feit nid^t rat^fam
fei, ber 2Kulter bie Saft beS Unterhaltes bes Äinbes ganj abjunc^men, erlebigt
fid^ baburd^, bafe bie Unterl&altspflid&t bes unc^elid&en SSatcrS auf bie ®e*
Währung bes notbbürftigen Unterhaltes bef^räntt fein foll (§ 1573). Slud^
bieS cntfprid^t, wcnigftens im praftif^cn SWcfultate, überwiegenb bem in Deutfd^-
lanb geltenben Siechte. 3)er familienred^tlic^e Karafter bes l^ier in 9iebe
ftel^enben UnterlialtSanfprud^es fte^t einer fold^eu Scfd^ränfung nid^t entgegen,
jumal es feineswcgs geboten ift, alle Slonfequenjen besfelben l^ier ju jie^en.
2)ie Scbenfen, wcld^e oom Stanbpunftc beS ^ntereffes ber une^elid^en ftinber
unb ber 3Serbcfferung i^rer Sage aus gegen jene S3efd&ränfung an fid^ erl^oben
werben fönnten, ücrlieren im SCBcfentlid^cn il)r ©ewid^t, wenn ber SBater cor
ber aWutter jum Unterhalte beö Äinbes Dcrpflid^tet ift. Die SWutter ift als^
bann in ber Sage, bas, was fie befigt ober erwirbt, für fonftigc weitere S3e*
bürfniffe beS Äinbes, insbefonbere für eine angcmcffene ©rsiel^ung besfelben,
tjerwcnben ju fönncn.
Unter6altg|)f(id6t beö uncjeltd&cn Saterö. ©cujf i§ bcr SSatcrf (^aft. § 1 572. 883
§ 1572.
3)a bcr ©ntrourf ben im § 1571 bcftimmtcn Untcrl^altdanfpruiäö beö un^ »*»«« '>er
c^etid&cn flinbcd auf bic SSatcrfd^oft grünbet, fo toürbc nat^ allgemeinen ©runbs «"tcrfS^.
föjen bem Jlinbe bcr Seroeiö obliegen, bafe bcr t)on i^m auf (Sewä^rung
bed Untcrl^alteö in Slnfprud^ ©enommene bcr une^elid&e 93otcr fei, unb rourbc
ber SRid^ter noc^ § 259 ber 6. 5JJ. D. unter 33erüdfxd)tigung beö gefammten
3n^altcd ber aSerl^anblungcn unb beö ©rgebniffcö einer etwaigen Seroeiöauf*
na^me, ol^ne an befonbere }iüi(rcd^tßd[ie ^röfumtionen gebunben )u fein, nad^
freier Uebcrjcugung ju entfd^eiben l^aben, ob bie bel^auptete SSoterf^aft erroicfen
fei ober ni^t (oergl. SRotioe ju § 1571 oben ®. 868 ff.). ®iefcr 2Beg ber
(Srmittelung bcr SBaterfddaft, roeld&cr im ©trafoerfatiren mafegebenb ift, wenn
eö fid^ bei biefem, j. 33. im goUe beö Snjefteö, um bcn Scrociö ber aSatcrfc^oft
l^anbclt, unb meieren aud& ber ©ntmurf für fofcftc gälle eingefd^lagen f|at, in
benen auf bie burd^ unc^clid^e ®eburt oermittelte notürlid^e SBerroanbtfdiaft
boö im § 123(3 beftimmte ß^e^inbemife gcgrünbet roirb (oergt. bie SRotiüc ju
§ 1236 oben S. 21), rourbe bei ber S3eratl^ung beö preufe. ®ef. o. 24. 3lpril
1854 in ber Hommiffion ber jrociten Jlammer oon üerfd^iebenen Seiten befür«
roortet, jebod) mit 6 gegen 5 Stimmen abgelehnt (2)rudff. Sir. 181, jroeite
Äammcr, IIT. Segiölaturperiobc, IT. Seffion ©. 8, 9). 2)iefcö Softem ift
benn aud^ in feiner Slcinlieit von feinem ber beftefienben 5Hec^te bei bem ^ier
fraglid^cn Unterl^altöanfprud^e burd^gefül^rt. 2)aöfelbe ift aud^ auö praftifd^en
®rünben nid&t ju empfefiten. 2)ie 3^^' ^^^ äUmentenprojeffe ift eine fel^r
grofee, unb erfd^eint eö fomo^l auö biefem ©runbc a(ö oud^ im ^inblidfc auf
bcn S^cd beö Unterf)altöanfprud^eö angemeffen, benfelben, inöbcfonbere aud^
in feinen 93orauöfc|ungcn, fo ju geftalten, baß berfclbe in möglid^ft einfad^cr
SBcifc burd&gefü^rt roerben fann, o^ne anbererfeitö bic ©nmbfage beö ^n^
fprud^eö aufjugeben unb bem Sntcreffe beö auf Oeroä^rung beö Untcrl^attcö
in Slnfprud) ©enommenen ju na^c ju treten. SBoHte man, fooicl ben Seroeiö
ber 83aterfd^aft betrifft, t)on ieber befonbcren 93eftimmung abfeilen, fo mürbe
nic^t nur eine grofee Unglcid^mäfeigfeit ber S3eurtf)eitung in ber ^|$rariö ber
©erid&te in ben ocrfd&icbenen ;?f)eilen 2)eutfdölanbö, fonbern aud() eine crliebKd^c
S8ermel|rung ber Sllimentcnprojeffe ju beforgen fein.
3luö bicfcn ©rauben gel)t ber ©ntmurf im 9lnfd^tuf)e an baö gemeine
SRed&t unb bic neueren auf bem Soben beö gemeinred^tlid^en ?ßrinjipeö fteljcnbcn
©efeftgebungen junäd&ft baoon auö, bafe jur SSegrünbung beö {)ier fragtid&en
UnterJ^altöanfpruc^eö bie Se^auptung unb ber Sla^roeiö genügen foll, bafe ber
in Änfprud^ ©enommene mit bcr aWutter beö ftinbeö innerlialb ber ©mpfängnife*
jeit ben 93eifd&Iaf oolliogen ^at (ücrgt. Seuffert IV, 148, XVII, 115, XX, 9,
10, XXIV, 117; preufe. ST. S. 51. II, 2 § 618, II, 1 § 1077; preui ©ef. o.
24. Slprit 1854 § 15; öfterr. ©. 93. § 163; fäd^f. ©. 93. § 1859; bab. ©ef. v.
21. gebruar 1851 § 2; meimar. ©ef. t). 6. 3iuni 1853 § 2; meining. ©ef. v.
9. September 1844 2lrt. 11; coburg. ©ef. o. 28. 3uli 1858 2lrt. 2; got^.
®ef. V. 1. 3uli 1869 Slrt. 2; altenb. ©ef, o. 29. aWai 1876 § 5; fonberöl^.
©ef. 0. 12. aiuguft 1844 § 5; rubolft. ©ef. o. 31. 9)iai 1850 § 3; ©ef. für
56*
884 Unterfcaltßpfli^t bcS uiic6cli*cn »aterö. 35ctt)ri8 bcr Saterf *aft § 1572.
gteufe &. S. t). 4. 3anuar 1854 § 11). Db in ber 9IufftcIIung bicfcr 58er*
tnutl^ung bcr SBaterfd^aft eine Slbrocid&ung t)on ben allgemcincu 93cn)ciögrunb*
fäfeen liegt ober ob nid^t fd^on bie Icgteren t)on felbft bal^in führen mürben,
auf ®runb jener 2:i^atfac]&e ben Seroeid ber aSaterfd^aft junäd^ft afe erbracht
anjufe^en, üorbel^altlid^ beö ©egenberoeifcö anbercr Xf)ai]a6)cn, meldte ben auf
jene S^l^atfad^c gegrünbeten ©d^Iufe bcr SSaterfd&aft ju entfräften geeignet finb,
fann Ijier ba^ingefteUt bleiben. ^ebenfaUö cmpfiel^lt fid& bie Slnerfennung
biefer SSennut^ung aus praftifd^cn ©rünbcn, um bie 3)urd^fü^rung bcö Unter*
^altöanfprud^eö ju erleid^tcm. Snbererfeitö mirb burd^ biefe ben natürlid^cn
83crl|ältniffcn fid^ anfd&Iicfecnbc SBermutEiung bcm afe unel^elid&en SBater iit
SlnfprudE) ©enoninicnen nid&t ju nal^c getreten, fofem bem festeren nur ber
©egenberoeiö nid^t üöBig abgefd&nitten wirb.
©eflendewci«. Ob uub inwieTOeit bie S3ermutf)ung, ba^ berjenige ber une^elidEie SSater
ift, roeldier mit bcr SWutter beä 5linbeö innerl^alb ber 6mpfängni§jeit ben
Seifd^Iaf DoUjogen ^at, burd^ ©egcnbemeis cntfröftet merben fann, ift in ben
befte^enbcn 9led)ten fel^r oerfd)ieben beantroortet. SBon bcfonberer SBid^tigfeit
ift in biefer S3ejief)ung bie gragc nad& ber 3wläfftgfeit ber fog. exceptio plurium
concumbentium.
Exceptio ©emeinre^tlid) ift biefe mit bcr Streitfrage über bie red^tlid&e Statur
^^'^nti'um '^^^ ^^^^ fraglid^en Untcrf)oItöanfprud)eö in engem 3^fötnmenl^angc fte^enbe
'grage fe^r beftritten. 2)ie eine, in bcr ^ßrajiö oormiegenb vertretene, ins*
*S^t** befonbere aud^ für bie gemeinred^tlid^en Oebiete 33ar)ernö burd^ 5ßlenarbcf(^lu&
beß l^öd)ftcn ®erid)teö t). 23. 3uni 1841 afe mafegebcnb ancrfannte 9lnfid^t er*
Hart bie (Sinrcbe für unjulöffig unb läfet bie me{)reren Äonfumbenten folibarifd^
l^aften (ücrgl. ©euffert IX, 167, X, 171, XVI, 117; genner unb SRedEc III,
115, V, 117). 9tad^ einer anberen 3lnfic^t I;at bie ©inrebe bie SBirfung, bafe
baburd) bie 93crmut^ung ber 9Saterfd^aft icrftört wirb unb beßl^alb feiner
bcr ftonfumbentcn Iiaftct (oergl. genncr unb aßcde I, 9; ©euffert XXXVII,
314). (Sine SWittcImcinung l^ätt bie (Sinrebe jmar an fidd für unjuläffig,
nimmt aber an, bafe, rotnn bie 93crpf(id)tung eines bcr Äonfumbcnten in
redE)töt)erbinblid)er SBeife fcftgcftcllt fei, bie anberen Äonfumbcnten nic^t
me^r in 9lnfprud^ genommen roerben fönnen, ba nad^ bcr Slatur ber ©ad&c
nur einer bcr (Srjcugcr beö Äinbcö fein fönne (©euffert XXXV, 27).
3[ud& ift bie 3lnftd^t ücrt^cibigt, bafe jcbcr ber mehreren Äonfumbcnten
pro rata [)afte.
2)ie ®efc|gebungen nel^men in bicfcr gragc ebenfallß einen fe^r ocr*
fd&iebenen ©tanbpunft ein. ®in 2^^eil bcrfclben fd&Ucfet bie ®inrcbc au0
(ücrgl. preufe. 21. S. 31. II, 2 §§ 619, 620 — aufgcl^oben im ©citungsgebiete
bes prcufe. ®ef. d. 24. 3tpril 1854 — ; fäd&f. ©. S3. § 1872; bab. ®ef. o.
21. Februar 1851 §§ 2, 5; meimar. ®ef. v. 6. 3uni 1853 § 3; meining. ®cf.
t). 9. September 1844 3lrt. 19; fonbersr;. ®ef. o. 12. Sluguft 1844 § 7;
rubolft. ®cf. V. 31. anai 1850 § 7; ®ef. für gicufe &. S. x>. 4. 3onuar 1854
§ 11; altenb. ®ef. v, 29. 3Äai 1876 § 18; anijalt aSerorbn. o. 30. ÜBai 1815
§§8, 9; gotl;. ®ef. ü. 1. 3uli 1869 Slrt. 1, 2, 8; medftenb. SBcrorbn. v.
23. 3uni 1847 § Ib). SSon ben angefül;rten ®efe5gebungen beftimmt iebod^
Unterjaltö^jflid&t be« une^clid^cn Saterö. SctreiS ber Satcrf d&af t. § 1 572. 885
ba^ bob. ®ef. t). 21. gcbruar 1851 § 5 SIbf. 2, bafe nad) ©r^cbung bcr Älagc
flcgcn eine beftintmte SKannöpcrfon unb naä) ©inlaffung ber lefetercn auf bie
Älage baö Älagerec^t gegen jeben ber übrigen Äontumbenten erlifd^t. Slud^
bttö meimar. ®ef. t). 6. Sunt 1853 § 3 fd)reibt t)or, baß, rocnn bie Älage
gegen einen ber fionfumbenten angefteHt ift, auö bemfelben Älagegrunbe gegen
einen anberen Äonhimbenten eine Älage nic^t nte^r erl^oben werben lönne.
3laä) bcnt fonberöE). ®ef. v. 12. 3luguft 1844 § 7 unb bem rubolft, ®ef. t).
31. 3Hai 1850 § 5 ift bagegen bie Älage gegen bie übrigen Äontumbenten
noc^ jutöffig, wenn ber juerft Gelangte von ber Älage red^töfröftig entbunben
ift, naci& bent preufe. 21. S. SR. II, 2 §§ 619, 620, ber anmalt. SSerorbn. ü.
30. aßal 1815 §§ 8, 9 unb bem meining. ®^. v. 9. ©eptember 1844 9lrt. 19
aufeerbem aud^ bann, wenn ber juerft in Slnfprudd genommene Äonfumbent
feine ^ßflid^ten ju erfüllen unüermögenb ift.
6ine anbere ®ruppe von ®efe6en fnüpft an bie 2^l^atfac^e, bafe bie
aWutter beö Äinbefi innerl^alb bcr ßmpfängnifejeit mit aWel^reren ben Seifd^laf
DoUjogen ^at, bie golge, bafe bie mehreren Äonfumbenten junäd^ft nur pro
rata unb nur fubfibiär aud^ für ben 3lnt^eil ber 3lnberen Ijaften. . 3)al^in ge^
^oren baö Coburg. ®cf. v. 28. 3uU 1858 3lrt. 10, 25, 30 unb, mie me^rfad^
angenommen mirb, aud^ baö havjx. 2. 91. I, 4 § 9 9lr. 4, mä^rcnb 9lnbere
bie aSorfd&riften bcö legtercn bal^in auslegen, bafe gegenüber bem Äinbe eine
folibarifc^e Haftung bcgrünbet ift.
©ine britte ®ruppe oon ®efc^en Iä§t bagegen bie exceptio plurium
concumbentium mit bcr 2Bir!ung ju, ba§ baburd^ ber Unterl^altöanfprudE) beö
Äinbeö üoüftänbig auögefcbloffcn mirb (oergl. preufe. ®cf. t). 24. 3lpril 1854
§ 9 gir. 1; furl^eff. SSerorbn. d. 23. gebruar 1798 § 2; f^aumb.Iipp.
aSerorbn. o. 2. SWai 1828; olbcnb. aut^ent. Seffaration d. 7. 3uni 1845;
roürttemb. ®ef. t). 5. ©eptember 1839 3lrt. 28 5Rr. 4).
3)a ber innere ®runb bcr Unter^altöpflid^t beß uncbeIidE)cu SBaterö nur ©tanbpunft
in bem burd^ bie S^i^gwng }n)ifd&en bem Äinbe unb bem ©rseuger gcfnüpften ent»?rfe«.
Sanbe ber Slutöoermanbtfd^aft gefunben raerben fann unb anä) -ber ©ntrourf
jene Unterl)altdpf(id)t auf bie SSatcrfd^aft als Sflcd^tsgrunb jurüdffü^rt (§ 1571),
fo fann es nid()t jroeifelbaft fein, bafe Dom Stanbpunfte bcr iuriftifd[)en
Äonfequenj aus bie 3;i^atfadöe, bafe innerbalb bcr ©mpfängniöjcit bie ÜJiutter
mit mehreren ben 33eifd&Iaf uolljogcn l;at, als erl^cblid^ eradE)tet merben muß, ßuiaffung ber
5DaS bie ©runblage ber Unterbaltspflidtit bilbenbe natürlid)e »cr^äftnife jroifc^en "~*"''
bem Äinbe unb bem Äonfumbenten ift in einem foldien galle nid^t fcftftcUbar unb
besl^alb für bas 9led)t nid&t oorfianben. 3^^^ ^^t ^^^ ©ntrourf bei ber e^e*
liefen Slbftammung an ber roirflidticn aSaterfdtiaft nicbt ftreng feftgc^alten,
fonbem jur Segrünbung bcr ©fielidöfcit eines von ber 6^efrau geborenen
Äinbes bie mögliche SSaterfd&aft bes ®t)emanneS für genügcnb crttärt unb inS^
bcfonbere ben ®inroanb, bafe inncrfialb ber ®mpfängni§jcit aud^ t)on einem
Slnberen mit bcr ©l^cfrau bcr öcifd^Iaf üoBjogen fei, nid^t jugelaffcn
(§§ 1468—1470). Snbeffen bie ®erid)tspun!te, melcbe ju biefer SHcgelung
geführt ^aben, nämlid^ bas S^tcreffe ber SBürbe ber 6^e unb ber ©rbaftung
befi ^amilienftanbcs (uergl. bieSWotioe ju § 1469 oben S, 654), festen l^ier
gänjlid^. ©benfomenig treffen bier bie ©rünbc ju, auf meldten bie Seftimmung
886 Untcrbaltn^fli^t befi une^eli^en S5aterö. »ctociß ber Satctf *aft. § 1 572.
bed § 1580 berul^t^ bQ§ jur Legitimation eined fiinbed burd^ nad^folgenbe &ft
bic tnöglid^c SBatcrfd&aft bcö (g^emanneö genügen foD (»ergl. bie ÜHotioe ju
§ 1580), bo ^ier bie 9lü(f fixten auf bcn ©c^ufi ber gamilienintereRen nid^t
in Setrad^t fommen. ®ö fann ftd^ bal^cr nur fragen, ob übcnüiegenbe ©rünbe
praftifd^er Qmtdmä^xQtüt bafür fpred^en, aud^ ben l^ier fraglid^en Unter^altd^
anfpruc^ an bie möglid^e SSaterfc^aft ju fnüpfen, bie Ie|tere ber roirflid^en
aSaterfd^aft inforoeit gleid^ufteHen. Safe ^xoedm&^xQUit&vn^dfttn für eine
fold&e ©eftaltung fid^ geltenb mad^en laffen, ift nid^t ju ocrfennen. 5Ramenttid^
fommen fojialpolitifc^e Orünbe in 33etrad&t. ^ält man an bem ©rforbemiffe
ber tt)irfU(^en SBaterfd^aft feft unb läfet bemgcmäfe bie exceptio plurium con-
cumbentium ju, fo ift nid^t ju öermeiben, bafe eö eine änjo^I unel^elid^er
Äinber geben wirb, für welche eö an einem ©magrer fel^It unb meldte, bei
aSermogenfilofigfeit unb ©rroerböunfäbigfeit ber ÜRutter bejro. ber mütterlid^en
SBerroanbten, ber öffentlid&en Slrmenpflege jur Saft fallen unb jur 33ermel^rung
befi ^Proletariates beitragen !5nnen. 35iefe Sebenlen bürfen inbeRen nid^t über^
fc^äfet werben; bie ©efa^r liegt oorroiegenb in bem Ueberl^anbnel^mcn ber um
ebelid^en Äinber überl^aupt, nic^t barin, bafe einjelne Äinber an ben ©rjeugcr
fid^ nid^t l^alten fönnen. gemer mag bie Seforgnife nid^t ol^ne jeben ©runb
fein, bafe bie 3wtof[ung ber exceptio plurium concumbentium ju einer SSer^
mebrung ober bod& SSerroeitläufigung ber Sfiimcntenprojejfe fü^re, ba SKand^er
mit §ülfe biefer ©inrebe feiner SBerbinblid^feit fid^ ju entfd^lagcn üerfud^en
werbe, fomie bafe in golge ber 3^Iöffung jener ©inrebe bie l^ier fraglid^cn
5ßrojef[e ju miberroärtigen SSer^anblungen unb ju einer unbegrünbeten Rom*
promittirung unbet^eiligter britter 5ßerfonen Slnlafe geben fönnten megen ber
aWittel, toeld^e ber Settagte antoenbe, um bie ©inrebe ju befräftigen, unb bafe
bie 3Jlutter aus 9lotl^ ober ©d^am ftd^ leid&t oerleiten laffen lonne, ben ftatt^
gel^abten Umgang mit anberen 3Rännern eiblid^ abjulefinen. SlUe biefe S3e*
benfcn muffen inbeffen jurücftreten oor ben Unjuträglid^feiten, roetd^e mit bem
Sludfd^Iujfe ber in JRebe ftefienben ©inrebe oerbunben finb. 5Bor Sniem liegt
eine fd&roere Ungered&tigfeit barin, Semanben, meld&er ber ©rjeuger beö um
e^elid^en Äinbeö in SBirMid&feit nid^t ift ober beffen SBaterfc^aft menigftenö
üoBig ungewiß ift, loeil fcftfte^t, bafe innerhalb ber ©mpfänguifeieit anä) von
einem 9lnberen mit ber SWuttcr beö Äinbcö ber 99eifd&laf ooBjogen ift, ate
©rjeuger ju bel^anbeln unb jur ©rnä^rung eines üicHeid&t fremben Äinbeö ju
nöt^igen. 3)eö 3Beiteren erfd&cint eö in l^ofiem ®rabe anftofeig unb baö JRed&t&s
gefügt oerle^enb, bafe baö ftinb, ober t^atfäd^Iid^ bie äßutter, in ber Sage fein
mürbe, unter ben mehreren S^l^äH^^^ benjenigen auöäuroä^Ien, welcher i^r
wegen feines 93ermogenö ober auö fonftigen ©rünbeu als ber angcmejfenfte
erfd)eint, bejm. bie mehreren S^^ölter fämmtlid^ nad& einanber in änfprud^
JU nel)mcn, jumat ber 3)lutter bamit jugleid^ bie oerfül^rerifd&e ©elegen^eit ju
©rpreffungsoerfud^cn geboten mirb. 9Ud^t minber ift ber SttuSfc^lufe ber ©inrebe
besljatb oermerf lid) , roeil er einen Slnlafe jur Unfittlid^fcit unb Sieberlic^feit
in fid^ birgt, ba eine grauensperf on , mel^e einem gefjltritte jum Opfer ge*
falten ift, fid^ fold^enfallö leidster oeranlafet finben fann, auc^ anberen SWännern
fid& f)injugeben, um i^re unb bes ju erroartenben ÄinbeS Sage ju Derbef[crn.
S)as 3)irnenwefen unb bie ^roftitution werben auf biefem 2Bege, ftatt gc*
Unterlfealtöpfüc^t bcö unehelichen Satcrö. S3ett)ciö bcr aSatcrfiJ&aft. § 157:2. 887
minbcrt, gcförbcrt. 3n ber S^^öffung ber exceptio plurium concumbentium
liegt gerabc a\x6) naä) biefcr JRid^tung ^in eine angcmcffene SBermittehmg
äroifd^en bcm 5ßrinjipc bcö gemeinen SRed^teö unb bcm ftrengcn 5ßrinäipe beö
franj. SRec^teö. ^r bie S^^Iöffiing ber ©inrcbe fäljt ferner ins ®en)id)t ber
®ang, roctd^cn bie preufe. ©efefegcbung genommen f)at. 2)aö preufe. 21. S. %
fd^Uefet bie ©inrebe aud ; bagegen \)ai man fie burd^ boö ®ef. d. 24. 9lpril 1854
jugelaffcn, unb jmar nod^ ben einge^enbften ©rroägungen, unb an ber §anb
ber in ber langen Sw'if^^njcit gemad^ten 6rfaE)rungen. 2)ic ^ier unb ba
^croorgetrctene SKcinung, eö l^abe jid^ babei um einen nid^t geglücften SBerfud)
ge^anbclt, bie (Srunbfäfte beö 3t. 2. dt. unb bcö franj. SRed^teö ju üermittefn,
entbehrt, fooiel roenigftcnö bie 3wlöffung bcr l^ier fraglid^en ®inrcbe betrifft,
ber Segrünbung. SBenn im 3lnfange ber (Geltung beö ©efe^cö com 3a^re 1854
bie Urtl^eilc über bie Sicuerung jum 2^^eil ungünftig gelautet ^aben, fo Hegt
bie ©rflärung l^ierfür nal^e. 3ebc Soölöfung oon bem beftcl^enben SRed^te in
einer roid^tigen grage ftöfet im SÄnfange auf SBiberfprudj). 3!n ber fpätcren
3cit l^abcn fid^, foDiel befannt, Älagen nid^t erl^oben.
©emeinrcd^tlidt) Ift beftritten, ob bie auö bem 99eifd&Iafc innerhalb ber oegeribttDei«
©mpfängnifejeit l&ergeleitete SBermut^ung burd^ einen auö bem ®rabeber9teifcj"r «Sterbe«
bcö neugeborenen ftinbeö entnommenen SBcmeiö befcitigt merben fann (ocrgt. ^^"^^*
bafür ©euffert XII, 161, XX, 9, XXV, 250; bagegen ©cuffert XIII, 123,
XV, 98, XVII, 115, XVIII, 109, XX, 10, XXXIV, 86). 2)ic meiften
neueren ©cfegc laffen biefen Semciö nid^t ju, inbem fie t^ieife überl^aupt icben
©cgenbcroeiö auöfc^Iiefeen, t^eilö auöbrütflid^ bie Unjuläffigfeit icncö ®in^
toanbcö l^eroorfieben, tl^cife ben (enteren nic^t befonbcrö gegenüber ber 5ßrä*
fumtion üorbcl^alten, bafe berienige alö bcr ©rjeugcr gelte, mcld^er innerhalb
bcr Iritifd^cn Qäi mit ber SRutter beö Äinbeö ben SBeifd^Iaf ooUjogen ^abc
(ocrgl. fa^f . ®. SB. § 1859 ; f onberö^. ®ef. v. 12. Stuguft 1844 § 6 ; rubolft.
®ef. 0. 31. 2»ai 1850 § 4; meimar. ®cf. o. 6. 3uni 1853 § 2; mcining.
®ef. 0. 9. September 1844 Sttrt. 11; ®ef. für »ieufe ö. S. d. 4. 3anuar 1854
§ 11; Coburg. ®cf. o. 28. 3uli 1858 2lrt. 2; got^. ®cf. t). 1. 3uU 1869
Slrt. 2; altenb. ®ef. t). 29. ÜKai 1876 § 5; bab. ®ef. t). 21. gcbruar 1851
§§ 2, 5). dagegen mirb in SBürttemberg jener ©inroanb burd& eine fonftante
5ßrafiö jugcfaffen (oergl. ©cuffert XX, 9). S)aö prcufe. ®ef. o. 24. Slpril
1854 §§ 15, 9 ermähnt jenen ©inmanb jmar ni^t befonbcrö ; ba baöfclbc aber
bie exceptio plurium concumbentium für juläfftg erflärt, fo fann in 6r*
mangelung einer entgegenftel)cnben Scftimmung ber SSerociö bcr Swi^attung
bcr SKuttcr mit einem Stnbcren inncrl^alb ber ©mpfängnifejcit aud& burd^ bie
Sefd^affenl^cit beö Äinbeö jur S^it bcr ®eburt bcöfelben geführt werben. 2)icö
ift aud& bcr Stanbpunft bcö ©ntmurfcö. 3)urd& eine befonbere Seftimmung
barauf ^injumcifen, ift alö cntbcfirlid^ erachtet. 3lnbcrerfeitö fc{)It eö an einem
auörei^enben ®runbc, burd^ eine pofitiDC SBorfdE^rift biefe 2lrt bcr Scroeiö-
fü^rung auöjuf^Iicfecn unb baburd^ bie Siedete bcö Seffagten ju bcfd)ränfcn.
dagegen fann nad& bcm ©nlmurfc — abmeid&cnb t)on bcr mürttemb. ^rariö
(ocrgl. ©cuffert XX, 9), aber in Uebercinftimmung mit bcm preu§. ®ef.
ö. 24. 9lpril 1854 — baö ftinb bie exceptio plurium concumbentium feiner*
fcitö nid^t burd^ ben SJa^rociö cntfräftcn, bafe bcr gicifegrab jur ^txt bcr
888 UntcrBaltö^flid&t beö unc^cKd&cn SSaterS. ffletteiö bcr Satcrf 4aft. § 1572.
©eburt in SBerbinbung mit bcr Qtxi bcö mit bcm 3)rittcn g^pffogcncn Sei-
fd^Iafcs bic Slnnalimc ber ßrjcugung beö Jlinbcö burd^ bicfen 3)rittcn aus-
fd^Ucfee. aWit SRüdffic^t Quf bic unfxd&crc ©runblagc eines fold^en S^ad^roeifc«
unb bic praftifdE)cn ®cftci[)töpunfte, auf rocld^en bic S^laffung jener exceptio
juglcid^ beruht, empfiel)(t eö jtc^ nid^t, jenen Slad&rocis ju ®unften beö Jtinbeö
unb ju Ungunftcn beö 33e!(agten ju gcftatten. ^ot bie SKutter beö Äinbeö
innerhalb bcr 6mpfängni6jeit mit äUcl^rcren bcn Seifd^laf ooUjogcn, fo lofet
fid& bie SBatcrfdiaft mit gcnügenbcr ©emife^eit nid^t feftftellen.
sinmanb bcr 06 bcr ©inwanb beö 99cflagten, bafe bie SKutter beö Rinbeö bereits jur
^WairbeT 3^it beß mit berfelben »olläogenen Seifd[)lQfcö fd^manger gcmefen fei, Scad^tung
TOutter. t)erbicnt, ift nod^ gemeinem Sled&te ftreitig (oergl. einerfeits ©euffert XIII,
123; anbererfeitö genner unb aKede I ©. 17, III ©. 234). ?Jad^ beraWe^r*
iaf)l ber neueren ©efeggebungen ift jener ©inmanb als unerl)eblid& ju erad^ten
(ocrgl. fäc^f. ®. 93. § 1859; bab. ©ef. v. 21. gebruar 1851 §§ 2, 5; fonbcröl^.
©ef. ü. 12. Sluguft 1844 §§ 5, 6; rubolft. ©ef. v. 31. 3Jlai 1850 §§ 3, 4;
meimar. ©cf. o, 6. 3uni 1853 § 2; meining. ©ef. v. 9. September 1844
9lrt. 11; Coburg, ©ef. v. 28. 3uli 1858 2lrt. 2; gotl^. ©cf. v. 1. 3uU 1869
3lrt. 2; ©ef. für SWeufe ä. S. t). 4. Januar 1854 § 11; altcnb. ©ef. ü. 29." aWoi
1876 §§ 4, 5). 2)QS preufe. ©ef. o. 24. 5IpriI 1854 § 15 fd^meigt aud^ in
biefer SBcjictjung. ©arauö ergiebt fid), ba § 9 9lr. 1 jenes ©efefecS bie
exceptio plurium concumbentium juläfet, ^ci^ bie 2^f;atfa^e bcr ©d^roangerfc^aft
bcr ajfuttcr jur 3eit beö 93eifd|Iafcs inbireft jum 5fladE)n)cife jener ©inrebc oer«
iDcrt^ct werben fann. 9tud^ nadf) bcm ©ntrourfe ift bics nid&t ausgefd^loffen.
9lufecrbem ergiebt fid& aus § 1572 9lbf. 2 ©afe 2, ba^, mcnn bie SRutter
mäl^rcnb ber im § 1572 9lbf. 2 ©afe 1 beftimmten ©mpfängnifejcit üon einem
anbercn Äinbc entbunben mar, ein in biefc ©mpfängnifejcit, aber Dor bie S^it
jener ©ntbinbung fallcnber Scifd&Iaf mit ber 3Ruttcr für bie SSatcrfd&aft in
9lnfc^ung beö fpäter na^ jener ©ntbinbung geborenen Äinbeß nid^t in Setrac^t
fommt, ba in einem fold^cn galle bie Dor jene ©ntbinbung fallcnbe 3cit nid^t
5u ber (Smpfängnifejcit beö nad&^cr geborenen Äinbes gcl)ört.
cfeinwonb b«r Slnlongcnb bcn ©inmanb bcr 3cugungöunfät)igfcit, fo ift berfetbe in bem
imTaÄ loni'^^ö^- ®^l ^- 12. 9luguft 1844 § 6, bcm rubolft. ©cf. v. 31. aKai 1850
§ 4 unb bcm bab. ©cf. o. 21. gebruar 1851 § 5 auöbrücftid) für juläfrig
crHärt, mäfircnb bic übrigen neueren ©cfcggcbungcn in biefer Scjicl^ung bc-
fonbere 93cftimmungcn nidt)t enthalten. 9lud^ ber ©ntmurf ^at eö, unb jroar
tf)cilö auö bcn gteid^cn ©rünbcn, mic bei bcn SSorfd^riften über bic c^eUd^e
9tbftammung (oergl. bic aJiotioe ju § 1469 oben ©. 655 ff.), t^eilö mit 9lüct=
fidt)t auf bie 3wIoffung bcr exceptio plurium constupratorum üorgcjogcn, in
biefer ,^infid^t ju fd&rocigen.
3lcf)nlidt| liegt bic Sad)t in 9lnfcf|ung beö ©inmanbcö bcr nid^t erfolgten
iramissio seminis (ocrgt. Scuffcrt XVIII, 253).
äBcgcn beö Ginroanbes, baß bie ajlutter beö iiinbes eine S^cfrau fei,
loirb auf bie SDlotioc ju § 1571 oben 3. 878 99c jug genommen.
bcruujurec^. S)a& bcr ©inmanb bcr Unjurcc^nungsfäl^igfeit jur ^cii beS Söeifd^Iafeö
""Tit^'^' (oergl. Scuffcrt VI, 47, XTI, 162) oom Stanbpunfte beö ©ntmurfcs aus.
Untcr5altgpflid&t be« uncjea^en SSatcrö. SeiDciö ber SSatcrfd&aft. § 1572. 889
njcld^cr bcn ^icr fraglidicn Untcr^altöanfprud^ auf bic roirflid^c 33aterfd&aft
grünbct, unerl^ebltdö ift, !ann einem S^cifel nid^t unterliegen,
5Dad preufe. ®cf. v, 24. 3lpri[ 1854 §§ 9, 13 fd^Iiefet ben Ui^t^^^öltö:^' «»«^^^^^^^^
onfprud) bcö une^elid^en Äinbeö nid^t nur bann an&, roenn bie äftutter bcö bersiut"«.
Ie|teren roäl^rcnb ber Äonjeptionöjeit mit mehreren aJJannöperfonen ben Sei-
fd&Iaf üoDjogcn \)at, fonbern aud) bann, wenn biefelbe eine in gcfd^Ied^tlid^er
SBcjie^ung befd^oltene ^erfon ift. 2)iefe 33eftimmung berul^t auf bem ©ebanfen,
bafl in einem fold^en galle ber an fid) aud ber J^l^atfa^e ber 33oUjiel^ung bes
Seifd&lafe« mit ber 3Butter beö fiinbcö innerhalb ber ©mpfängnifejeit auf bie
33aterfd)aft ju jie^enbe ©d^lufe erfd^üttert merbc unb eö beöl^alb nid)t gered^t^
fertigt fei, aud^ unter foId[ien Umftänben bcnjenigen, lueld^er mit ber äftutter
beö Kinbeö innerEialb ber ©mpfängnifeäeit ben 99eifd&laf ooUjogcn ^abe, auf
®runb biefer ^tiatfad&e als S3ater beö Äinbeö ju be^anbeln, rocnnglei^ ber
t)oDe Seroeiö, bafe innerhalb jener S^it ^^^ t)on einem 3lnberen ber 33eifd^Iaf
mit ber SMutter üoUjogen fei, nid&t foUtc erbracht werben fönnen. 2)iefe 9lrt
ber Siegelung, meldte eine 9lnnä^erung an baö ^rinjip beö franj. JRed^tcö
bejmedft unb aud^ üerfc^iebenen fd&meij. Ocfefegebungen ju ©runbc liegt,
empfiehlt fid& iebod^ nid&t. 3)ie S3efd^oIten^eit ber aßutter beö Äinbeö ift
feincdroegö unbebingt geeignet, bic SSaterfd^aft ungemife ju mad^en, unb gel^t
ed beöi^alb iebenfalld ju meit, ben äluöfc^Iug beö Unter^altöanfprud^eö beö
Äinbeö fd^Ied&tl^in baran ju fnüpfen. 3Han benfe j. S. an fold^e ^-älle, in
meieren bie SDlutter jmar frül^er fd^on einmal aufeere^elid^ geboren ^at, aber
unter Umftänben, n)eld[)e i^ren gel^Itritt in einem milberen unb entfd^ulbbareren
Öid^te crfd)eincn laffen, ober in meld&en biefelbe trofe il^reö früheren, oielleid&t
fd^on Sa^re lang jurüdfliegenben ge^Itritteö, i^rer ganjen 5ßcrfönlidt)feit unb
i^rem ganjen SSerfialten nadE) unter Serüdffid^tigung ber übrigen Umftänbc
fid^ alö glaubroürbig barfteHt, ober in meldten bie aJJuttcr ben neuen ge^Itritt
im Srautftanbe begangen ober mit bem Seflagten im Konkubinate ober in
einem Sßaitreffenocr^ältniffe gelebt f)at. 3n bcrartigen fällen ift jroar bie
SKutter alö eine fd&on Dor ber betreffenben ©d&mängcrung in gefd&led^tlid[)er
^infi^t befd[)oItcne ^^erfon ju bejeid&nen, unb bod) wirb gerabe in gällen
biefer Slrt bie SSaterfd^aft oft am mcnigften ungewiß fein. 2)a§ in folc^en
gällen bem unef)elid^en Äinbe ber Untcr^altöanfpruc^ abgefd^nitten mirb, mürbe
fd&on bei ber Serat^ung beö prcufe. ©ef. o. 24. Slpril 1854 in ber jmeiten
Mammer Don Derfdfiiebenen Seiten ate eine ^örte unb ein aßangel jeneö
®efe|eö bejeidinet (ucrgl. ftetiograpf). Serid^te über bie aSerl^anbl. ber jroeiten
.«ammer 1853/54, S3b. 2 ©. 632, 636, 640). 2)aju lommt, bafe ber »egriff
ber Sefd^olten^eit roegen feiner Unbcftimmtl^eit unb 3)e^nbarfeit pra!tifd& in
^ol^cm ®rabe bebenflid& ift. gür einen 95eflagten, roeldicr nid^t jagten mill,
bietet bie ©inrebe ber SSefd^oIten^eit ein ermünfd^teö aßittcl, bcn SSerfud^ ju
mad^en, fi^ feiner 5ßf[id^t ju entjic^en. B^wgen, meldte bereit fmb, über ben
JHuf einer grauenöperfon in gefd^Ieditlid^cr Sejic^ung 9lad^tl^ei(igeö auöjufagen,
meldte an fid^ üicDeidE)t unoerfänglid^e S)inge in auögefd&müdtcr unb gefärbter
SBcifc öortragen, finben pd^, namentlid^ unter ben greunben beö Sef tagten
ober unter ben geinben ber SRutter, nur ju leid&t. Sluf biefc SBcife bicnt
jene ©inrebe nid^t nur baju, bic ?Projef[e ju Dcrme^ren unb bie ©urd^füi^rung
890 Untcr5artöpfli*t beö uneßcli^en fBaktt^. ©ciüeiö ber Satcrf^aft. § 1572.
bcgrünbctcr Slnfprüd^e ju crfd^roctcn ober gar ju ücrciteln, fonbcrn fic gicbt
aud^ JU aJlctnciben unb Toibcrroärtigen SScri^anblungcn ätniafe (t)cr9l. otidj
SBeri^anbl. bcs brüten bcutfd&en Suriftcntageö ©. 229, 238).
©ieienigen göHe, in meldten bie SBcfd^otten^eit ber üRutter ben Seroeid
ber SSaterfd^aft audjufd^Iiegen ober bie legtere DöDig ungeiDig }u mod^en ge^
eignet ift, laffen fxd& aud^ nid^t einjeln im ©efefee beftimmen. 3)afi preufe.
®ef. D. 24. Slpril 1854 § 9 3lx. 2 l^at eS allerbingö unternommen, eine Steige
oon gäUen bcfonberd ^eroorjul^eben, in roeld&cn megen ber 93ef(^ottenl^eit ber
SÄutter aud& ber UnterEialtöanfprud^ beö ftinbeö audgefdöIoHen fein foll (oergL
§ 13 baf.). Sniein eine berortige fafuiftifc^e Siegelung bringt, abgefelien baoon,
baft bie im ©efefie bejeic^neten gäUe pufig in concreto nid^t jutreffen unb
afebonn ju garten unb Ungered^tigleiten führen, bie ©efal^r mit fid^, ju
3meifeln unb ©treitigfeiten alter Slrt aSeranlaffung ju geben, roie bieö bie in
bem preufe. (Sef. v. 24. äpril 1854 § 9 9lr. 2 aufgefüfirten fpeiiellen gäUe
in rei^Iici^em SKafee getl^an l^abcn. SBie menig jutreffenb bie legieren jum
großen SCfieil finb, ift fd^on bei ber 93erat{;ung ieneö ©cfefeeö oon Dcr«
fd^icbenen ©eiten ^eroorge^obcn roorben.
älud^ ber äluömeg empfiehlt ftd^ nid^t, btn Unterl^altdanfprud^ fd^on
bann auöjufd^Uegen, xotnn Umftänbe nad^gemiefcn werben, auö meldten fid^
bie SBal^rfd)einlid|)fcit ergiebt, bafe mäfircnb ber 6mpfängni§jeit aud^ üon einem
Slnberen mit ber 9Kutter beß Einbeö ber S3eifd&Iaf üoBjogen ift. ©egen biefen
SBeg crl^eben fid^ äf|nlid&e Sebenfen, wie gegen bie S^^^ff^^fl ^^^ ®inrebc ber
33ef(^oIten^eit. 2lud^ ftellt berfelbe fid^ afe ein S3rud& mit ben allgemeinen
9led^tdgrunbfä|en bar, nad^ meieren eine red^tUd^ bebeutfame 2:^atfad^e nur
bann SBirfung äußert, rotnn fie roirMid^, nid^t bloß mal^rfd&cinlid^ t)orl^anben ift.
9luft ben Dorfte^enben Srmägungen gelangt ber 6ntmurf ju bem SRefut
tote, ba§ bie a3oterfd[)aft eincrfeitö immer, anbercrfeitö ober aud& nur bann
gegeben ift, menn baö Seiroo^nen in bie ©mpfängnifeieit fällt, eö fei benn,
bofe innerhalb biefer ^tii aud^ t)on einem Slnberen ber 33cifd^laf mit ber
aKutter ooUjogcn ift.
cmpfänflnift. 3)ie SJeftimmung beö § 1572 9lbf. 2, meldte bie ©mpföngnifejeit gefefeUd^
begrenjt, fc^Iiefet fid^ bem § 1467 an unb beruht auf äl&nlid&en ©eftd&tö*
punften, roie bicfe festere 33eftimmung (oergl. bie ÜRotioe ju § 1467 oben
©. 648 ff.). Sffiic im gaUe beö § 1467, bat aud& f|ter bie im § 1572 3tbf. 2
beftimmte ©mpfängni^jeit einen abfoluten Äarofter. 6ö roirb ba^er roeber ju
©unften beö Äinbeö nod^ ju ©unften beö Seflagten ber Seroeiö jugelaffen,
bafe baö Äinb nermöge feiner Sefd^affen^eit jur ^eit ber ©eburt alö auö einem
nidE)t in bie empfängnifejeit fallenben SBcifd^Iafc ^errüfircnb anjufcfien fei. 2)ied
ift anä) ber ©tanbpunft beö gemeinen 3led&tcö (Seuffert XXIV, 117) unb ber
SKci^räabl ber neueren ©cfeggebungcn. 9iur nad) bem meining. ©ef. o. 9. ©ep*
tember 1844 3lrt. 11 3lbf. 3 foU auönafimöroeife bei einer grül^geburt unb
nad^ bem ©ef. für SHeufe ä. ö. o. 4. Januar 1854 § 11 forool^l bei einer
grül^geburt alö bei einer Spätgeburt ein nic^t in bie gefeglid^ beftimmte
®mpfängni§jeit fallenber S3cifd)laf im Sntereffe beö Äinbeö bann berüdfid^tigt
roerbcn, roenn ba^ 3lltcr ber S^ud^t nad^ bem llrt^eile ©od^oerftönbiger
mit ber 3<^it beö Seifd)Iafcö übereinftimmt. (Sine berartige 9luöna^me tjerträgt
seit.
Unter5alt^i)flid&t be8 uncfteli^cn SSater«. Setveiß ber aSaterfdfeaf t § 1572. 89 1
fid^ inbeRcn nid^t mit bcn Orünben, roeld^c übcrl^aupt jur Slufftcllung einer
gefcllic^en ©tnpfQitgnifejcit fül^ren. 3)le im § 15 9lbf. 2 bcö preufe. ®ef. v.
24. 3fpril 1854 in biefer ^infid&t bcftimmte äuönaf)me bejic^t fid& nur auf
ben goQ einer gc^Igeburt unb fommt beöl^olb nur für bie ©ntfdiäbigungö*
forberung ber SKutter, nid^t aud^ für ben Unterlialtdanfprud^ beö Äinbeö in
Setroc^t.
Slnlangcnb ben Umfang ber gefefelid^en 6mpfängni§äeit, fo f)ai bie gemein* "«"fanfl »>«
red^tUd^c 5ßraji8 bie bei el^elid^en Äinbern mafegebenbe ©mpfängnifejeit au^ «mp^^ngni^
auf bie unel^eli(^en ftinber angemenbet (uergl. ©cuffert XV, 98, XVII, 115,
XVIII, 108, XXIV, 117, XXXV, 27). 3)em gemeinen 9ted&te fmb in biefer "^^^^^
»cjie^ung im «ßriniipe gefolgt baö ofterr. ®. S3. §§ 138, 163, ba% fäd^f. ®. ».
§§ 1771, 1859, baö bab. ®ef. v. 21. gebruar 1851 § 2 tjerglid^en mit bem bab.
S. fR. Safe 312, baö gotf). ®ef. t). 1. 3uli 1869 airt. 2 unb baö altenb. ®ef.
v. 29. aKai 1876 § 5. dagegen l^at baö preufe. 31. 2. 9t. n, 1 § 1077, II, 2
§ 618 ben für bie e^elid&e ®eburt mafegebenben S^i^^^um t)om 210. biö
302. 3:oge (II, 2 § 2) bei unetjelid^en ilinbern auf ben 3«t^öW"^ ^^^ 210. biö
285. SCage eingefd()rän!t unb auc^ baö preufe. ®ef. d. 24. 3lprU 1854 § 15 l^at,
abmeid^enb üon bem 93orfd^lage beö ®efefereDiforö, ^enf. XV S. 551, biefe
2:ennine beibehalten. 3)em preufe. SRed^te l^aben fid^ angefc^Ioffen baö fonberöl).
®ef. ü. 12. Slug. 1844 § 5, baö rubolft. ®ef. ». 31. SÄai 1850 § 3, baö meining.
®ef. ü. 9. September 1844 3lrt. 11, baö roeimar. ®ef. o. 6. 3uni 1853 § 2
unb baö ®ef. für SReufe &. S. v. 4. Januar 1854 § 11. ©inen ü)UtteImeg ^at
baö Coburg. ®ef. t). 28. 3uU 1858 3lrt. 2 eingefd^Iagen. ©aöfelbe bejei(^net
alö bie regelmäßige ßmpfängnifejeit ben 3^i*^öum oom 210. biö 280. 2;age,
beftimmt aber baneben, bafe, menn nad^ ärjtlid^cm ®utad^ten eine grü^* ober
Spätgeburt anjunel^men, bcrjenige alö aSater bcö ftinbeö ju betrad^ten fei,
meld^er ben Seifd^Iaf mit ber SKutter bei einer grü^geburt innerhalb bcö
3eitraumeö t)om 180. biö 210., bei einer Spätgeburt innerhalb beö 3eitraumcö
t)om 280. biö 300. 2:age t)or bem 2:age ber ©ntbinbung üolljogen l^abe.
SBenngleid^ bie ®rünbe, meldte bafür maßgebenb gemefen finb, bei el)c* stanbpunet
Ud^en ftinbem ber ©mpfängnifeeit bie im § 1467 beftimmte 3luöbc{)nung ju entwerfe«.
geben, bei bem l^ier in Siebe fte^enben Unter^altöanfprud&e beö unel^eHd^en
Äinbeö nid^t in glcid^em SKafee inö ®eroidE)t fallen, fo ift eö bod^ an unb
für ftd^ baö 9läl^ertiegenbe, bie ©mpfängni^ieit bei e^elid^en unb unel)elidE)cn
Äinbern gleid^ ju bemeffen, ba, xoznn überfiaupt bie 9Dlöglid[)feit anerfannt
wirb, bafe baö Rinb auö irgenb einem Seifc^tafe in ber im § 1467 beftimmten
3eit ^en)orgeE)en lann, bicö aud^ ^inftd^tlid^ eineö unel^elid^cn Jlinbeö gelten
muß. Um fo unbebenflid^er ift eö, oon einer 33efd()ränfung ber ©mpfängnifejcit
bei une^eli(^en Äinbern 9lbftanb ju nehmen, alö ber (Sntrourf bie exceptio
plurium concumbentium juläfet unb }um ScTOcife bcrfelbeu aud^ bie SBefd)affcn*
^eit beö Äinbeö jur 3^it ber ®eburt oerroert^et werben fann. gür bie ®leid)*
bel^anblung fpri(^t ferner, bafe man bei ber Scgitimation burd^ nad^fotgenbe
@^e boä) n\d)t umf)in fann, bie für bie el^elidtien Minber mafegcbenbc (Smpfängniß?
jeit für anmenbbar ju erklären (§ 1580), ba, roenn man bort t)on anberen
®runbfä|en auögel)cn mollte, cigent^ümlid&e JBcrroicfctungen ni^t auöbleiben
mürben.
892 Untertaltgpfliit bcS unc^cHien aSatcrt. S3ett>cig bcr SSatetf^aft. § 1572.
«ibe«* 9lnlangcnb bcn Setüeis 4cr im § 1572 3Ibf. 1 bcjcid^ixetcn S^^atfad^cn,
lufc^w&ung. ^^ j„^^ ^^^ ©ntTOutf Cd iix bicfcT ^inftcl^t, nomcntUc^ auä), fooicl bic 3"*
läffigfcit ber Sibcöbclation jum ^roedt bes Seroeifcö ber SßoBjic^ung bcö Sei*
fdblafcö betrifft, bei ben allgemeinen ©runbfägcn beö ^ßrojeferec^teS beroenben.
®ö loffcn fi^ aUerbingö geroid^tige ®rünbe bafür anführen, naö) bem SBor*
gange beö bab. ©cf. o. 21. gebruar 1851 § 6 unb beö preu§. ®ef. v. 24. aiprit
1854 §§ 16, 17 bie ©ibeöbclotion ganj audjufd&Iiefeen bc^m. ju befd^ränfcn
(oergl. anö) fd&Ieöro.l)olft. 5ßatcnt t). 8. Sluguft 1826 § 1; Coburg. ®ef. o.
28. 3u(i 1858 9lrt. 24), um ju üer^üten, bafe bie S^täffisfcit ber ©rforfd^ung
ber 3Saterf(l^aft burd^ bic ©ro^ung mit ber ©ibeöbclation ju ©rprcffungen
mifebraud&t werbe, unb um bcr mit ber ^wlaffung ber ©ibeöbelotion oer*
bunbenen, in ^rojeffen ber l^ier fraglid^en 2lrt, mie bie ®rfal^rung le^rt, befonbcrs
naEielicgenben ®efa^r beö aKeineibcö cntgegensutreten. Sla^bem jebod^ bic
^ragc, ob bie ©ibesbclation in ber bcjeid^netcn SRid^tung auöjuf erliegen ober
ju befd^ränten fei, bereits burd^ bie ®. ^. D., meIdE)e beroufet bic einengenben
SSorfd^iriften beö beftefienben Slcd^tcö in bicfer Sejie^ung befeitigt l^at, in ocp
neinenbem ©inne entfd^ieben roorben ift (6inf. ®ef. jur ®. % D. § 14 9lr. 2 ;
ücrgl. aud& bab. ®ef. v. 3. aßärj 1879 § 145), ift eö alö bebenflid^ erad^tct,
biefen befte^enben 9ledötö|\uftanb ol^nc bie jroingenbftcn ©rünbc miebcr ju
änbem. SBenn bie 6. ^. D. auf anberen ®ebieten fctbft bie ©ibeßbclation
auöfdilicfet bcjn). bef darauf t, fo gcfd^ic^t bieö bod) nur ba, roo bic Dffijiat
majimc im öffcntlid^cn 3ntereffe jum ^roedt ber ©rmittelung ber materiellen
SBa{)rl)cit $Iag greifen mufe. Sielet man aber aud^ Don ber burd& bic
6. % D. gefdtiaffenen SWed^tölagc ab, fo mu§ boc^ 9lnftanb genommen roerben,
bem SSorgange beö bab. unb beö preufe. ©cfegcö ju folgen. 2)ic ßibcö*
äufd)iebung bilbct in ben meitauö meiften gälten baö cinjige ober boc^ baö
allein auöreidE)cnbe 33emeiömittel für ben üoltjogenen 33eifdt)laf. 3)ic SSerfagung
bcrfelben ift im ©rgcbniffc in ja^lreid^en gäHen gleid^bcbeutcnb mit bem SSer*
böte bcr ©rforfd&ung bcr SSaterfdjaft überhaupt. S)aö prcug. ®efe| ift auc^
nid^t fo mcit gegangen, fonbern ^at nur bic älufcrlcgung beö 6ibeö bcjm. bie
^umeifung bcöfclben an ben einen ober anberen 2^^eil in baö ©rmcffcn beö
®erid^teö gcftellt. 3n bcr ^rayiö geftattet eö fid) aber bod^ fo, bafe eö meiftcnö
auf eine ©ibcölciftung t)inauöfommt. 2)aju fommt, bafe bie ®cfa^r bcr 3Rcin=
eibe burd& 9luöfd^Uc§ung ber ©ibcöbclation faum eine geringere mirb. 5llö
cinjige B^^gin wirb bcr Siegel nad) bic SÄutter in 33etrad)t fommcn, unb eö
läfet fid^ bcämcifctn, ob bie Seforgnife, eö fönnc ein SWcineib gefd^morcn
merbcn, in äinfcl^ung ber SDiutter meniger bcgrünbct ift, alö in 3lnfe^ung beö
alö aSater in 2lnfprud^ ®cnommcnen.
9(Kerfc«ntmft ^laä) bcm prcufe. ®ef. t). 24. aipril 1854 § 13 9tr. 2 fott bie SBatcrfc^aft
uneJeiWn ^'^ Stcd^tögrunb beö bem une^clid^en Kinbc eingeräumten Untcrl^altöanfpru^cö
«aterwaft. Qud^ bauu alö fcftftcl^cnb angenommen roerben, menn baö Äinb jur Scgrünbung
feineö 9lnfprud)eö ein auöbrüdlidE)eö in einer öffentlid^cn Urfunbc abgcgebencfi
9lner!cnntni6 ber SSaterfd^aft t)on ©citcn beö ©c^mängercrö beijubringen
ücrmag. Eine älönlid[)e Sebcutung l^at bie Slncrfcnnung ber SSaterfd^aft nad^
franj. SRcd&tc utib bem grofelicrjogl. ^eff. ®cf. o. 30. SRai 1821 (oergl. 6ntfd&.
b. 31. ®. in eioilf . V, 99 ; ^ejf . ®ntn). III 9lrt. 50). 2)ic übrigen neueren
Unterlfeampfli^t beg unc^clidöen 9?atcrö. Wla% ©aucr. § 1573. 893
Ocfefegcbungcn enthalten über bic Scbeutung ber 9lncrtennung ber unehelichen
SSoterfd^aft befonbere S3eftintmungen nid^t. (Semeinreti^tlid^ ift beftritten, ob
biefelbe lebigtid^ ben Äarafter eines Semeiömittefö ober einen red^tögefd)öfts
lid^en Raratter ^at ober bod^ ben (enteren ^aben fonn.
2)er ©ntwurf fd&rocigt in bicfer SBejie^ung. ^Daraus ergiebt fid^, baß
bie Slnerfennung ber SBaterfd&aft alä fold^e nid^t einen fonftitutiüen Äarafter,
fonbcm nur bie SRatur eineö Seroeiömittelö l^at, ba bic SJerroanbtfd^aft, foroeit
nid^t boö (Sefeft auöbrüdflid^ ein 3lnbereö beftimntt, ber ^rioatbispofition ent*
jogen ift. ®in Sebürfnife, in ber f|ier fraglid^en Sejie^ung bic allgemeinen
©runbfäfee burd) eine pofitioe Seftimmung ju burd&bred)en, ift nid^t üor^anben.
3nn)icrocit im einjelnen %aUt baä 3lnertenntni6 ber unehelichen 38aterfcl)aft
jum Qxotdt ber Oemä^rung beö Unterl^alteö an boö unc^elidde Äinb otö ein
güttigeö obftrafteö Sd^ulboerfpredien in 3lnfel)ung ber Sßerpftid^tung jur
Seiftung Don 3llimenten aufgefaßt merben fann, ift nadt) ben SSorfd^riften ber
§§ 683, 684 JU beurtfieilen.
§ 1573.
3)ie ©rünbe, rt)zld)c ben (Sntmurf beftimmt ^aben, bie Unter^oltös ^Jioti^*
üerpflidE)tung beö unehelichen SSoterö auf bie ©eroä^rung beö notl)bürftigen uÄ't
Unterljalteö ju befdfiränfen unb Don ber S^ftfefeung eines 3Jlinimum unb
aßajimum für ben oon bem une^elidben SSater ju leiftenben Untcrfialtßbeitrag
abjufel^en, fxnb bereits in ben aWotioen ju § 1571 oben ©, 881 ff. im 3ufammen*
l^angc mit ber Segrünbung ber im § 1571 beftimmten primären Unterhältst
pflid^t bes SBaterS bargelegt.
9Bas bic (Semälirung bes not^bürftigen UnterfialteS umf afet, ift im
§ 1574 burd^ bie entfpred^enbc Slnmenbung bes § 1488 beftimmt. 3n biefer
33e}icl^ung wirb bal)er auf bie SRotiDc ju § 1574 Dcrroiefen.
9lnlangenb bie gcit, mä^renb roeldber ber aSater bes unel)elid)en Äinbes «eamn bw
bem lefeteren Unterhalt ju gewähren öerpf(icl)tet ift, fo ergiebt fxdj) aus § 1571 ^"p^?^"*'
ocrb. mit § 3 in ©rmangelung einer entgegenfte^enben Seftimmung t)on felbft,
bafe jene aSerpflic^tung mit ber (Seburt bes Äinbes, aber aud^ erft mit biefer
jur ©ntfte^ung !ommt. ®ö fann batier üor ber ©eburt bes ÄinbcS auf Seiftung
Don Sllimenten nid^t geflagt, berjenige, meld&er mit ber SWutter bes Äinbes
ben S3elfd&laf DoUjogen l^at, aud^ nid^t etma im SBege einftroeiliger 33erfügung
fd^on t)or ber Oeburt beS Äinbeö jur 3öf|tung von Sllimenten angeljaltcn
roerben, um bic bem Äinbe t)on bem aiugenblicfe ber (Seburt an gebü^renbcn
Sltimentc im SSoraus ju fidlem. S)ie l^ier unb ba in ber gemeinred[|tlid)cn
5ßrajis vertretene entgegengefefetc 3luffaffung (oergl. ©euffert V, 290, IX, 165)
ocrblent feine ^Billigung unb ift um fo meniger geredf)tfertigt, als erft nad^
ber erfolgten Oeburt beS SlinbeS bie SBaterfd^aft als ®runb ber Unterlialts*
pflid^t nad^ Sttafegabe bes § 1572 fid^ feftftellen Idfet. 3)amit ftimmt bie preufe.
5ßrajtS tjormiegenb überein (oergl. and) fonbersl). ©ef. o. 12. 3luguft 1844
§§ 31, 36; rubolft. ®ef. x>. 31. SRai 1850 §§ 28, 31; ®ef. für JReufe ä. S.
ü. 4. Sonuar 1854 § 11).
3)ie jeitlid^e (Srenje, bis ju meld^er bie Untcrl)altSpflid^t bes unefielid^en ^wr.
SOaterS ftd& erftredEt, ift in ben beftefienben Siedeten fel)r t)erfd[|icben beftimmt.
894 Unter6artöpf!i(6t bcß unej&cli^cn Satcr§. 9Dla6. Stauer. § 1573.
(»euenbed ®cmcinrcd[|tH(f) baucrt bic Untcr^altöpflid^t folangc, bis baö Äinb fid& fclbft
^^^' crI)Qltcn tann; fic lebt aber toieber auf, fobolb baö Kinb burd^ Äronf^eit ober
aus onberen ©rünbcn roieber unfäl^ig wirb, fic^ felbft ju unterhalten (oergt.
©euffert XXI, 238 unter I, ferner XLl, 107). ®ine roeitoerbreitete 5ßrajiö
läfet iebodö mit bem S^itpunfte, in TOcId^cm baö Äinb fid^ felbft ju unterhalten
im ©tanbe ift, b. l|. im Sw'^ifcf "^i* ^^^ oollenbeten tJierje^nten Sebenfiial^re
bcöfelbcn, bie Unter^a(töpflid)t bauernb cnbigen unb nur bann über biefeö
Lebensalter l)inauö fortbauern, wenn beim Eintritte befi Ie|teren baö Äinb
noä) in einem ^ülföbebürftigen 3uftönbe ft^ befinbet (oergl. ©euffert VI, 203,
VII, 49, XI, 41, 245, XXI, 238, XXIV, 243). 3n anberen gemeinred^tU^en
(Sebieten crfennt bic ^rariö eine aScrpflid)tung beö SBaterö überhaupt nur bis
jum Dicr je^nten, I)öc]&ftend a(^t}e()ntcn iJcbenöiafire bed Äinbeö an (Seuffert 1, 228).
93on bcn neueren OJefe^gebungen läfet ein S^eil bie Unter^altöpftici^t
beä unel^elid)en 33aterö regelmäßig mit bem üoücnbcntcn Dierje^nten Sebenö^
jaljre bcö iiinbeö auffiörcn, jcbodö bann auc^ über biefen 3^itpunft l^inauö fort*
baucrn, lücnu baö Hinb auö befonberen (Srünben fi^ felbft nid^t unterhalten
fann (ücrgL preufe. 31. 2. 91. II, 2 §§ 633, 634, 637 — baju Urtl). b. 91. ®.
bei ©ruc^ot XXXIl ©. 131 ff. — unb preufe. ®cf. d. 24. 9(prit 1854 § 12;
rubolft. ®ef,t). 31. SOlai 1850 §§ 13—15). 3n biefcm Sinne mirb Don ber
^^Jrariö aud^ bie 93eftimmung beö mürttemb. SSed^teö, ba§ bie Unterl^altö«
pffi(^t beö 3Saterö folange fortbauert, biö baö Äinb fid^ felbft ernähren fann
(iDürttcmb. 2. 5H. IX, 18 § 2; mürttemb. ®ef. ü. 5. September 1839 ärt. 28
3lr. 1), gc^anbliabt. 9luf bemfelben SSoben ftel;en bie anmalt. SSerorbn.
0. 30. 3na\ 1815 §§ 21, 23 unb baö fonberöf). ®ef. v. 12. Sluguft 1844 §§ 16
biö 18, jeboc^ mit bcr 9)lobifitation, bafe biefc ®cfefte baö üoUenbete fünfjel)nte
2cbenöia^r bcjm. bie Konfirmation alö regelmäßigen ©nbpunft ber Untertjaltö-
pflid&t bejcidincn.
3lad) einer anberen ®ruppc oon Siedeten enbigt bie Unterl^altöpflid^t
unbebingt, wmn baö ilinb ein bcftimmteö 2ebenöalter erreid&t iiat, unb jroar
ift tf)eilö baö ooUenbete oierje^nte Lebcnöja^r (ocrgl. Ijannoo. ß^eocrlobungö-
fonftitut. ü. 5. Suni 1733 § 5; fäd)f. ®. 33. § 1862; bab. ®ef. t). 21. gebruar
1851 § 3; meining. ®ef. v. 9. September 1844 3lrt. 13; ®ef. für Sleufe. ölt. 2.
D. 4. 3anuar 1854 § 7 ; Coburg. ®ef. i). 28. 3uU 1858 3lrt. 5 ; got^. ®cf. o. 1. 3uli
1869 3lrt. 4; altenb. ®ef. t). 29, Ü)lai 1876), tEjcilö baö jurüdgelcgte breiael)ntc
(0ef. für SHeufe. j. 2. o. 26. Df tober 1822 § 13), t^eifö baö ooUenbete fünfje^ntc
2cbenöiaf)r beö Rinbeö alö jeittid&e ®ren5c feftgefefet (rocimar. ®ef. t). 13. aipril
1829 § 4). 3laä) bem naff. (Sbifte o. 21. September 1816 § 4 bauert bie Unter*
^altöpflid^t bei OTäbd&en biö jum ©intritte in b«aö fünfäc^nte, bei Knaben
biö 5um (Eintritte in baö ac^tjef)nte 2ebenöia^r unb nad^ bem fd^Icöm.
I^olft. Siedete ift ber SSater fo lange bem Kinbc Unterfialt }u gemä^ren oer*
pflid^tet, biö baöfclbe einen eigenen Staub ergreift ober baö ad^tje^ntc
2ebenö|al)r jurüdfgelcgt l)at (oergl. fdileöro. ^olft. patent o. 14. 9)lai 1839 § 3;
prooifor. ^^Jatent für Sd&leömig u. 9. September 1863 § 1).
^aö franj. 9led)t \)at bie Unter^altöpflid&t beö une^elid^en SBaterö
gegenüber bem anerfannten natürlid^en Rinbe an eine ^citfli^c^ä^ ^i^t ge*
bunben (uergl. aud^ l^eff. ©ntm. III Slrt. 59).
Untcr5art8i)fli(j&t b. uneBcI. SSaterö. Analogie ber bec aSertranbtcn. § 1574. 895
SBennglcid^ ber ©nttourf bic l^icr fraglidje Unterf|altspfttd)t auf bie ©tanbpunrt
aSotcrfc^aft unb bic baburd^ jroifc^cn bem uncl^clic^en Jlinbc unb beffen (Srjeugcr ©„t^urfc«.
I^crüorgcrufcnc bauernbc Seknöbcjic^ung grünbct unb biefer ®cjtd[|töpunft an
fid^ ba^in fül)rcn ntüfetc, jene Unlerl^altöpPid&t, roic bie gcfefelid^e Unter*
^aitöpfftd^t ber aScnoonbtcn, auf bie ganjc Scbcnöjcit bcö Äinbeö ju er*
ftrcden, fo fommt boä) anbercrfeitfi in 33etrad)t, bofe bic fittlid^en Sejic^ungcn
jrolfd^en bcm uncfielic^cn Äinbe unb bcjfcn SBatcr rocnigcr intcnfiü finb, wie
bei e^cli(^en Sinbcrn, unb bafe eine auf bic gonje SebcnSjeit bcö Äinbcö fid^
crftredcnbe UntcrtiaItftpflidE)t bcö SBatcrö auf bic freie Scrocgung beöfclbcn
in n)irt^fd^aftlid[)er unb fojialer Scjicl^ung ju ftörenb cinroirfcn unb für if|n
eine ju brüdfenbc öaft fein mürbe. 3)afür, bofe eine fofd^c 9luöbel^nung ber
Untcr^altöpflid^t aud^ burd^ ein prattifc^eö SSebürfnife nid^t geboten ift,
fprid[)t, bafe bic abrocid&cnbc SBorfc^rift bcö prcufe. 91. S. 91., nad^ TOcId&cr ber
unc^cUc^c SBatcr o^ne 9lüdEfidE)t auf bic an fid^ aufgcftcUtc 3lltcrögrcnjc baö
,*tinb auc^ barübcr ^inauö ju untertialtcn Dcrpftid^tet ift, rocnn cö auö bc*
fonberen Orünben ju jener 3^^ ober 5U einer fpätcren 3^^* (ücrgl. Urtf)eil
b. SR. ®. bei ®tnä)ot XXXIT ©. 131 ff.) ficfi fclbft ju untcrJjaltcn ni(^t
tjcrmag, in ber 5pra)ciö wenig jur ®cltung gelangt ift. 9lte angemeffenc Stltcrö*
grenjc crfd^eint baö jurüdfgclegte üierjcl^ntc Scbcnöia^r. darüber ^inauö*
jugc^cn, würbe für große SRcd&tögebietc eine SScrfd^ärfung ber Untcrf)altös
pflid^t bcö uncl)cUd^cn SBatcrö mit fid^ bringen. 3)cr Umftanb, baft bic SÄei^r*
iotfl ber SRcd^tc auf baö jurücfgclegtc üicrjcljnte 2cbcnöiaf)r abfteUt, xmh bafe
fclbft in fol(^cn ©cbicten, in rocld&cn baö ©efeg, ofinc nähere ^räjijtrung ber
2)aucr, ben uncl^clid[)cn SBatcr für untcrfialtöpflid&tig crflärt, biö baö Äinb fid^
fclbft erhalten fann, bic ?Prajiö mclirfad^ unb namcntlid^ in SBürttemberg baju
gelangt ift, bic Untcrljaltöpflid^t mit bcm iurücfgclcgtcn üicrjc^ntcn Scbcnöia^rc
cnbigen ju laffen, bcroeift, bafe ben 3lnforbcrungcn bcö Sebcnö burd^ biefc
aiuöbc^nung ber Untcrfialtöpflidöt ®cnügc gcfd)ict|t. ©ine 5ßcrfon in jenem
Slltcr ift aud^, oon befonbcren, ni^t cntfdE)cibcnbcn göBcn abgefc^en, im
©tanbc, ben crforbcrlid^cn Scbcnöuntcr^alt nac^ bcm äflafeftabc notf)bärftigcr
Sllimcntc fid^ fclbft ju ücrbicncn. ®icfc 3lrt ber Siegelung bietet ferner ben
3Jortl)cil, bafe fic cö crmoglid&t, bic Untcrf)altöpflid&t bcö unef)clld^cn 33atcrö
alö eine oon ber fonfreten öebürftigfcit ber flEinbcö unabl^ängigc ju geftattcn
unb baburc^ bic praltif(^c 3)urd^fü^rung bcö ^ier fraglid^en Untcrl)altöanfprud^cö
cr^eblid^ ju oercinfad&cn (ücrgl. in biefer ^infid^t bic fßloim ju § 1574
unter 9ir. 1).
§ 1574.
S)cm familicnrcd^tlid^cn Marattcr bcö auf ber aSatcrfd^aft bcru^cnbcn Mnaiogic ber
Untcrl)altöanfpru(^cö bcö unc^clidicn Äinbcö entfpric^t cö, bic aSorfc^riften ^"^^^0«^^^^^^
über bic gcfc6lid()c Untcrlialtöpflid^t ber Säcrroanbtcn (§§ 1481—1496) auc6 ö«f "^"*^«"-
jenen Untcr^altöanfpruc^ inforocit ju übertragen, alö nid^t burd^ bic SBer*
fd^icbcn^cit ber ©od^tage unb JHürffid&tcn praftifd^er grocdEntöfeigfcit 3lb*
meid^ungen geboten fmb. 3n biefer c^infidEjt ift golgcnbcö ju bemerfcn:
1. S)cr § 1481 mad^t ben ainfpnid^ cineö aScrmanbtcn mit ber auö wobtft.
Sbf. 3 für ein minberjä^rigcö unücrl)ciratf|cteö Äinb fid& crgcbenben SKobififation '""**"*"•
896 Unter]6aTt§i)Bi4t b. uncßel. SSatcrö. analogie ber bcr SJerttjanbten, § 1 574.
»ebfttftiflieit t)on ber Scbürftigfcit bcö Sercd^tigtcn abhängig. ®icfe SBorfd^rift ift auf
ben Untcrl)a(tsanfpnid& bc§ uncljelid^cn fiinbcö nid^t übertragen.
älnlangcnb ba^ beftel^cnbe SRe^t, fo fc^t gemcinred&tlid^ bcr Untcrl^altö^
anfprud^ bcö unef)clid)en Äinbeö an fid) bie Söebürf tigfeit beö le^tcrcn oorauö ;
inbeffen nimmt ein allgemeiner ©erid^tfigebraud^ biefe 33ebärftigfcit bis jum
t)oUenbetcn 14. Sebcnöia^re bcö Äinbcö ol^ne allen Scroeid an (üergl. ©euffert
XXI, 238 unter I). 5ßad^ bem prcufe. SRcd&tc (preu§. 31. S. SR. II, 2 §§ 633,
634, 637 ; preufe. ©ef. o. 24. Slpril 1854 § 12) ift bic Unter^altöpfCid^t bcö
unel^clid)cn 93aterä iebenfaUö bis jum üoBcnbetcn 14. Scbcnsjafirc eine un*
bebingtc; ob [ie in ben 3luönal)mef allen, in mefdE)en fie barüber ^inauö fort-
bauert, nur einen fubfibiären Rarafter ^at, ift beftrittcn (ocrgl. jcbodd Urt^.
b. 5R. ®. bei ®rud[)ot XXXII ©. 132). lud) nad^ ben in bzn aWotiocn ju
§ 1573 oben ©. 894 angcfüfirten SRed&ten, meldte bie Untcr^altöpflid^t beö
unet)elid^en 33aterä äcit(idE) befd^ränlen, ift bic Icfeterc nid^t uon ber Scbürftigfeit
bcö Äinbcö abhängig. S)agegcn beftimmen baö fonberölj, ®ef. v. 12. Sluguft
1844 §§ 16 ff. unb baö rubolft. ®ef. v. 31. 3Kai 1850 §§ 13 ff., bafe bie
Untcrl)altöpflic^t aufhört, wenn baö Äinb ju eigenem SBermögen gelangt, Dor*
auögcfegt, bafe bie biöponiblen (Sinfünfte bcö Icgtcren fo Diel betragen, alö bic
iöl^rlid&cn 3l(imentengelber. 9lud& nadi^ franj. SRcd&te ift bie Unter^altöpflid^t
bcö 3Saterö gegenüber bem anerfannten natürlid^en Äinbc eine fubfxbiörc (ocrgl.
aud^ ^cff. entm. 111 9lrt. 59).
®em ber Untcrbaltöpflidit beö uncfjcli^cn SBaterö ju ©runbc liegenbcn
©cbanfen mag cö an fid^ cntfprcd&en, biefelbc nid)t eintreten ju laffcn, mcnn
baö Äinb gcnügcnbcö 3Sermögcn befißt ober burd^ eigene Äroft feinen Untere
f)alt fid) ju ücrfd&affcn im ©tonbc ift. 5ßraftifd^ cmpfiel^lt eine folc^c ©c*
ftaltung fid) inbejfcn nid^t. Unel^clid^e Äinber bcrifecn in feltcncn gällen
eigenes aSermögen; eine 3luönal)me tritt in bcr Siegel nur ein, xotnn bie
aKutter frü^jeitig ftirbt, unb aud) ^ier fällt i^nen alö ©rben gcmö^ntid^ nur
mcnig ju. S)ie ©rmcrböfäl^igfcit bcrfelbcn ift cbcnfallö faum t)on Sebeutung,
ba nad& bem (Sntmurfe bie Untcrl^altöpflid&t mit bem äurüdEgelcgtcn 14. Sebenö*
ja^rc bcö Äinbcö crlifd)t (§ 1573). Snfofcrn trifft man bcr Siegel nac^ fc^on
an \iä) baö Slid^tigc, xomn von ber aSermögcnölofxgfeit bcjro. errocrböunfä^igfcit
beö unct)clid()cn Äinbcö alö aSorauöfcfeung bcö Untcrfialtöanfprud^cö abgefc^en
mirb. 5Daö Achtere ift aber namentlid^ beöl^alb geboten, weil anbcrenfoHö bem
unc^elid^cn Äinbc bie Älagbcgrünbung unb bamit bic Slcd&töocrfolgung erl^eblic^
crfd)n)crt, aud^ bie Sage bcöfclbcn immer eine fdfiroanfcnbe bleiben mürbe, ba
bcr unel^elid^e SSatcr felbft nad& feiner 33erurt^cilung unter Berufung auf eine
in btn l^icr fraglid^cn SBcrl^ältniffcn beö Äinbcö eingetretene 9lcnberung feine
aScrpflid^tung ju bcftrciten im ©tanbe fein mürbe (§§ 1493, 1574). Slufeerbcm
mürbe bie aScrmcl^rung ober bod^ aScrrocitläufigung bcr Sllimcntcnprojcjfe bic
unauöblciblidf)e golgc fein,
aeifluitö«' 2. Slud^ bie Seftimmung bcö § 1482, nad^ mcld&cr bcr Unter^altö*
^^Ä*''* anfprud) bcö el)elid)cn Äinbcö, menn aud^ mit einer gciüiffcn gjlobififation,
üon bcr Sciftungöfä^igfcit bcö aSatcrö abhängig ift, eignet [\6) nid^t jur
Uebertragung auf ben Unterl)altöanfprud) beö une^clid^cn Äinbcö. S)aö
Sfntcrcffc bcö Unteren crforbert bringenb, ben Untcr^altöanfprud^ von bcr im
Untcr6art5pPi(i6t b. uncjef. SSatcrc. 9fnaIogieberberS5crn)anbten. §1574. 897
§ 1482 bcftimmtcn Seiftungöfä^igfcit nxä)i abEjängig ju machen, gür eine
große ^q\)1 t)on 5ßcrfonen, inäbefonbere für fold^e, roeld)e bem bicncnbcu
©tanbc angehören, foroie für einen erl^ebUdien Xf)dl ber gabrifbcüölferung,
würbe bann boö ®efcfe fo gut wie nid&t gef4lrieben fein. S)ic Uebcrtragung bcö
§ 1482 auf ben Unterl^aftöanfprud^ bcö uncl^elici&en Einbeö würbe aurf) mit
bem in einem großen Jl^eile 3)eutfd^Ianbd geltenben 9ledE)te, inöbefonbcre mit
bem preuß. 31. 2. di., foüiel bie bid jum iurüdEgelegten 14. Sebenäial)re bcö
fiinbeö begrünbetc UntcrEjaltöpfli^t betrifft (üergl. Urtf). b. dl. ®. bei ©rud&ot
XXXII ©. 132) unb mit ben in ben 3Äotiöcn ju § 1571 oben S. 880 an^
geführten SRed^ten, meldte für bie Semeffung beö Unterhaltsbeitrages ein
Sttinimum unb äßafimum feftfegen, in SBiberfprud^ fte^en, inbem jene SHe^te
bie geftftcllung ber Seiftungöfäf)igfeit bem ©jetutionöftobium überlaffen. (Se*
meinred)tlici^ ift allerbingö beftritten, ob bie l^ier fraglid^e Untcrl^altßpflidöt
oon ber Seiftungsfä(;igfeit beö unelielid^en SSaterö abl^ängig ift. S)er ©inmanb,
ia^ unelielic^e Äinb fönne nic^t beffer geftellt fein, als baö eliefic^e Äinb,
wiegt nid^t fd&roer gegenüber ber 3;f)atfac]&e, baß bei e^elid^en Äinbern ber
SSater auö eigenem STntriebe felbft baö SCBenige, maß er ^at, mit ifincn tl^eift,
bei uneI;etidE)en Äinbern bagegen ber SBatcr fid^ meift nur gejmungen jur Oe-
Währung beö Unterhaltes an biefelben t)erftet)t.
S5ie befonberen Säorfc^riften über bie Seilreibung oon 9lUmentengcIbcrn
gegen 5ßerfoncn bcs ©olbatenftanbeö (t)crg(. preuß. ®ef. v. 24. SHpril 1854
§ 21) tommen angefid)tft ber SBorf^riften ber ©. 5ß. D. § 749 Sir. 5, 6, 8
ntd^t weiter in SSetrad&t.
3. 35a ber Unterfiaftöanfprud^ beö unehelichen Äinbeö von ber fieiftungö^ «nbere m\>u
fätiigfcit beö aSaterö nic^t abl)ängig ift, tjielme^r ber Sfnfpruc^ infoweit ben ^'""'"'"•
Äarafter einer gewöJ^nlid^en gorberung ^at, fo finb bie 33eftimmungen beö
§ 1483 nic^t anwenbbar.
4. S)ic SBeftimmung beö § 1484 fommt im ^inbürfc barauf nid^t in
S3etrad)t, baß nad& § 1573 ber une^elid^e SSoter nur biö jum üoUenbeten
14. Sebenöja^re baö Äinb ju unterhalten t)erpflid[)tet ift.
5. 2)ie §§ 1485, 1486 fxnh jur Uebertragung nid^t geeignet (oergt.
§ 1571,
6. 2)ic Uebertragung bcö § 1487 ift ni(^t geboten, ba ber in feinen
SBorauöfegungcn von ber 2eiftungöfäf)igfcit beö une^eüc^en SSatcrö nid&t ab*
gängige sänfprudf) auf Untcr{)att wie iebe anbere g^orberung einen Seftanbtfieil
beö aSermögenö beö une^elid^en Äinbeö bilbct unb bie UnterJ^altöpftid^t bor
mütterlichen aSerwanbten beö Äinbeö nad& ben aUgemeincn ©runbföfeen (oergl.
§ 1568 oerb. mit § 1481) von felbft ^(afe greift, wenn baö SBermögen bcö
Äinbeö jur ©r^altung beöfelben nid)t auörci^t bejw. nid)t t)erwert{)bar ift.
7. 3nbem ber § 1574 ben § 1488 für entfpred^enb anwenbbar erflärt, ««ä»*« »>««
beftimmt er ben Segriff beö not^bürftigen Unterl^alteö, auf weld^en nac^"uit^Uter
§ 1573 ber 9lnfpruc^ beö unel^elidEien Äinbeö gerid&tet ift, unb ftellt burc^ bie
83ejugna^me auf § 1488 Kar, baß bie SBerpffid&tung beö une^elid^en SBaterö ben
gefammten Sebenöbebarf, bie Äoften ber Staufe, ber ©rjiel^ung beö Äinbeö unb
ber SBorbilbung beöfetben ju einem befonberen Sebenöberufe, fowic bie Segräbniß*
SRotivc t. bflrgerl. dele^buc^ IV. 57
L
898 HntcrJ^alttpflid&t b. unelSel. SSatcr«. ^Inaloßtc ber bcr 9Sertt>anbtcn. § 1574.
foften untfofet. SBenn anä) 3lbf. 1 unb 4 bcö § 1488 tjorncl&mlid) in Sctra^t
f ommen, fo fmb bod^ aud& khl 2 unb 3 nid^t auöjufd^UcBen, bo fic jur görbcrung
bcö SScrftänbnincß jener bciben Slbfäfee biencn, inöbefonberc ber Segriff beö notl^
bürftigcn Unterfialteö erft burd^ ben bie SSefonberljeit beö ftanbeömäfeigen
Unterl^alteö ^erüor^ebenben SIbf. 2 in baö redete Sid&t gefefet TOtrb. 2Bit bem
Gntrourfe ftimmen, ^ingefc^en auf baö praftifd^c SRcfultat, int SBefentlid^en bic
gemeinred)tlid()e ^rajiö unb bie mciften neueren ®efe|gebungen übcrcin; bod^
be^anbeln bicfelben jum 2^^cil ben Slnfpruc^ auf ©rfafe ber SCauffoften alö
einen nidE)t bem Äinbe, fonbcrn ber SKutter beö (enteren juftel^enben 2lnfprud&
(oergl, ©euffert VI, 203, xn, 163; preug. 31.2. SR. II, 2 §§ 612, 635, 636
ncbft 3lnl&. § 84, II, 1 § 1016 unb preufe. ®ef. v. 24. Slpril 1854 §§ 7, 12;
onl^alt. SBerorbn. t). 30. a«ai 1815 §§ 10, 11, 16, 17, 22; fäd&f. ®. S3.
§§ 1358, 1861—1864, 1371; fonberöl^. ®ef. t). 12. Sluguft 1844 §§ 3, 10;
njboIft.®ef, t)om 31. aWai 1850 §§1, 6; meining. ®ef. v. 9. September 1844
5Irt. 2, 14—18; ®ef. für 3leu& ä. S. t). 4. Sonuar 1854 §§ 7—9; meimar.
®ef. t). 13. aipril 1829 §§ 1, 2, 5, 6; Coburg. ®ef. o. 28. SuU 1858 SKrt. 3,
5, 6, 9; gotl^. ®ef. t). 1. 3uli 1869 2[rt. 1, 3—6, 10, 14; altenb. ®ef. t).
29. 3Äai 1876 §§ 4, 7—10, 17).
8. S)ie §§ 1489, 1490 fc^eiben t)on felbft auö, ber § 1490, abgefc^en
baoon, bafe bic ®runbe, ouf meldten biefe Seftimmung berul^t, ^ier nid^t ju«
treffen, fd^on beöl^alb, meil ber 3lnfprud& beö unehelichen Jlinbeö fid^ ftctö ouf
ben not^bürftigen Unterl^alt befd^ränft.
«rt ber «e. 9. Slnlangcub bie 3lrt ber ®en)äf|rung ber 3lUmente, fo follen in biefcr
'untSSSite*«* ^^iic^^^O ^w^ Slbf. 1, 3 beö § 1491 entfpred^enbe Slnroenbung finben. 2)ie
3Sorfd^rift, bafe ber Unterl^alt ftetö bur(^ ©ntrid^tung einer ®e[brente ju ge»
währen ift, bient jur SSermeibung von ©treitigfeiten über bie gel)örige ©r?
füllung ber Unter^attöpffid^t. 3)em uneJ^elic^en ^ater, obtoo^I bemfelbcn auö
ben in ben SRotiDcn ju § 1568 oben ©. 851 ff. unb in ben aWotioen ju § 1570
oben ©. 863 bargelegten ®rünben baö SRed^t ber ®rjiel|ung beö Äinbeö nic^t
eingeräumt ift, im Slnfd^Iuffc an eine größere 3ö^( t)on SRed^ten, inöbefonbere
an baQ preufe. unb fäd^f. Siecht, bic Sefugnife ju geben, baö Rinb, nad^bem
baöfclbe bie erften Sebenöialire jurüdEgefegt l^at, felbft in Pflege ju nehmen
(Dcrgl. in biefcr ^infi^t bie SRotioe }u § 1570 oben ©. 863), ift im 3ntereife
bcr 6rjief)ung bcö Äinbeö nid^t alö angemeffen ju crad^ten. ©5 ift ani) eine
unbillige ^ärtc gegen bic SRutter, bic Icfetcre t)or bic Slltcrnatioc ju ftellen,
cntroeber bic Äoften beö Unterl^altcö für bie 3^^^"!* ^^^^^ tragen, ober baö
Äinb, obmo^l baöfclbe bcr 3flatur nad& bcr ÜJhitter oiel nfil^cr ftel^t alö bem
5Bater, bem Icfetcrcn allein übcrlajfcn ju müjfen. 3)aiu fommt, bafe auf
©citen beö unel)clid&cn SSatcrö l^äufig ©igennug bic SCriebfeber ift, menn er
felbft baö Rinb in Pflege ju nehmen beantragt. 9lbgefe^cn Don ben gSHcn,
in meldten bem aSater baö SRe^t eingeräumt ift, baö Äinb felbft in 5ßflege ju
ncl^men unb ju crjiel)cn, gcl^t aud^ baö geltcnbc Stecht überroiegenb baoon
auö, bafe bcr Untcrfialt von ©eiten bcö unel^cli^cn SBaterö burd^ ©ntrid^tung
einer ®elbrcntc ju gemä^ren ift. ®ö entfprid^t bieö inöbefonbere ber gemein*
rcd&tlid&en ^Prajiö, bem prcufe. Siedete (oergl. preufe. 55.fi. SR. n, 2 §§ 621
biö 627 unb preuB. ®cf. ü- 24. SÄpril 1854 § 12), bem fäd&f. ®. ». §§ 1862
Untcr5alt8pfli<6t b. uncljcl. ffiater?, Slnaloflie ber bcr SScriüanbtcn. § 1574. 899
6iö 1864, 1870 unb bcm bab. ®cf. v. 21. gcbruar 1851 § 3, fotoic bcn übrigen
oben 6. 898 angefül^rtcn ©cfeften.
3)aburcb, bafe ber Unterhalt ftctß burd& ©ntrid^tung einer Oelbrcntc ju
fleroä^rcn ift, ergiebt fic^ von felbft bie Unanmcnbbarfeit ber SSorfd&riften bed
§ 1491 Slbf. 4, 5. dagegen ift 3Ibf. 3 bcfi § 1491 jur entfprecj^enben 21m
loenbung geeignet (oergl. anä), fouiel bie JJorfd&rift beä § 661 SIbf. 3 betrifft,
fäc^f. ®. a. § 1863; fonberö^. ®ef. v. 12. 3luguft 1844 § 19; got^. ®ef. u.
1. 3uli 1869 3lrt. 5).
10. ®ie ®rünbe, auf welchen bie SBeftimmung beö § 1492 beruht, "«J«[^J**'f
treffen aucb bei bem Unterljaltdanfprud^e bed unehelichen Rinbed }u; benn gangen^it.
iDenngleicJ^ biefer Slnfprud^ ni^t biird& bie Sebürftlgfeit beö Äinbeö bebingt unb
ber Unterhalt ftetd burcb ©ntrid^tung einer ©elbrente ju gewähren ift, fo f)at
ber 2lnfprud^ bocj^ in ber l^ier fraglid^en Sejic^ung nid&t ben Äarafter einer
gcroöl^nUcben ®eIbforberung, fonbern ®egenftanb beöfelben ift anä) in biefem
gatte bie Scfriebigung ber Sebürfniffe beö Äinbeö burcb S)arrei(j^ung ber baju
crforbcriicben ©elbmittel. S)iefe SluffaRung mu§, mie bei ber Unter^altdpfli(^t
ber JJerroanbten unb inöbefonbere bei ber unbebingten UnterJ^altöpftid&t beö
G^emanneö gegenüber ber ©^efrau (ocrgl. § 1492 mit § 1280 2lbf. 2), fo
aucb ^i^ JU ber Siegel füt)ren, bag für bie 93ergangen^eit SlUmente nid^t
gcforbert werben fönnen. ®ie im § 1492 t)on biefer SHegel beftimmtcn Sluö^
nabmen aber finb f)itv ald angemeffen ju erad^ten. Ser ®runbfQg, bag
Sllimente aud^ von bem unebelid^en 5{inbe für bie Vergangenheit nidbt ge^
forbert werben fönnen, mirb, obroobi in ber gemeinrec^tlid&en ^uriöprubenj
bie älnfid^ten barüber au&einanbergeben, boc^ üorroiegenb auc^ von ber gemein^
red&tUd^en ^ßrayiö anerfannt (üergl. Seuffert I, 83, IV, 255, xn, 164, 273,
XVII, 250; bagegen xn, 35 9}r. 2), mäljrenb umgefebrt bie prcufe. 3und^
prubenj ben Slnfpruc^ beö Äinbeö auf 2l(imentenrüdEftänbe Dorroiegenb für
jutäfrig erflärt. Seßtereß ift anä) ber ©tanbpunft ber medlenb. SSerorbn.
V. 23. 3uU 1847 § 1 c. ©agegen liegt bem fäd^f . ®. S3. §§ 1868, 1869 unb
Derfcbiebenen anberen neueren ®efeggebungen (oergt. attenb. ®ef. v. 29. aJlai
1876 §§ 11, 12; Coburg. ®ef. v. 28. 3uli 1858 SJlrt. 14; gotb. ®ef. v. 1. 3uti
1869 2lrt. 8; mcining. ®ef. v. 9. September 1844 2lrt. 22; fonbcrftb- ®ef. v.
12. 3Iufluft 1844 §§ 37—40; rubolft. ®ef. v. 31. aWai 1850 §§ 32—35) bie
crftere 3luffajfung ju ®runbe, inbem biefelben bapon ausgeben, ba| ben S3ei^
trag ju bem Unterbalte beö Jtinbeö für bie JJergangenbcit bcricnigc, meld^er
baö Äinb unterbauen l)a\, bcjro. bie 3Jluttcr bed Äinbeö ju forbern bered)tigt
ift. Das fädbf. ®. 93., baö gotb. ®ef. unb bafi altenb. ®cf. ftellen in biefer
^inftcbt JU (Sunften ber SJlutter, rvcnn biefe bcn rüdfftänbigen Setrog forbert,
bie SBermutbung auf, ba| ftc bcn Unterbalt gcroäbtt b^be, roäbrenb baft
fonberöb. unb baö rubolft. ®ef. ber ÜButtcr ben Slnfprud) auf bie rütf*
ftänbigen 9ltimentengclber obne SRücffid^t barauf geben, ob ber aiufmanb
für bie Sllimentation mirflid^ t)on ibr beftritten morben ift. 3ft bie
QHuttcr beö Äinbcö oerbciratbct, fo foll na^ bcm föd^f. ®. 33. unb bcm
altenb. ®ef. uermutbet mcrbcn, ba| ber ©b^^^nn berfctben roäbrenb ber
3)auer ber ®be bie Jtoftcn beö Unterbaltcö beö Äinbcö für bie aScrgangcn^cit
teftritten ^abc.
57 •
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900 Unter5alt§pfli(6t b, unedel. SSaterg. Stnaloöic bec ber SSertoanbten. § 1574.
2)a§ ber 3lnfprud^ bcö Äinbeö für bic aScrgongen^eit anä) in btn 3luS^
nal^mcfällcn bcö § 1492 bann auSgefd()loifcn ift, racnn unb forocit ein 3lnberer
bem Äinbc für ben unetielid^en 33aler ben Unterlialt geroälirt f)at, üerfte^t fic^
t)on felbft, ba inforoeit bic aSerbinbIid)feit bem Äinbe gegenüber erfüllt ift.
Snraieroeit aber berjenige, weld^er für ben unc^eli^en SSater bie Äoften beft
Unterl^atteß bcö Äinbe§ beftritten l^at, bicferfjalb üon bem SBater ®rfaft feiner
Slufroenbungen üerlangen fann, ift nad^ ben Seftimmungcn beö Obligationen^
red^tcö, inöbefonbere ben S3eftimmungen über ben Sttuftrag unb bic ©efd^äftö*
füf)rung ol^nc 9luftrag, ju beurtf)cilen. 3n biefer 53ejief|ung f)ier befonbere
Seftimmungen ju geben, ift burd& ein 93ebürfni§ niä^t geboten, inöbefonbere
liegt ein SJcbürfnife nic^t üor, bie Sßermut^ung aufsuftellcn, ba^ bic SRutter^
toeldöc bie rüdfftänbigcn 9llimente forbert, ben Unterl^alt für bic SSergangen^
l^eit gen)äf)rt ^abc ober bafe bieö, roenn fie ücr^eiratljet ift, n)ä(|renb ber S)aucr
ber S^c üon bem (gfjemannc berfelben gefd^cficn fei. 3m ^inblictc auf ben ©runb«
faß ber freien Semeiöroürbigung bcbarf eö axi^ praftifd^en ©rünben bcrartigcr
93ermutf)ungen nid^t. ®ic Slufftellung berfelben ift au^ üom ©tanbpunfte
beö Sntercjfeö bcö uncl^clic^en SSaterö aus gcfäfjrlid^, ba fic bal^in führen
!önnte, ba^ ber Icgterc boppclt ocrurttjcUt roirb, baö eine OJlal ju ©unften ber
ÜRutter bejro. beö ©^emanneö berfelben auf ®runb ber nid^t mibcrtegten 35crs
mutl)ung, baö anbcrc SBlal ju Ounften eineö ©ritten, roeli^er in $Birfli(^feit
ben Unterhalt beftritten unb bie ©efd^äftc bcö unel^elid^en Sßaterö geführt ^at.
xenbening n. 2)ic Ucbcrtragung bcö § 1493 auf ben Unterfjaltöanfprud) ift burd^
«er^iffe. ^^^ Slualogic gered^tfertigt. 9lud^ gemeinred^tlid^ mirb eine älbönbcrung bea
jur Ocmälirung beö Unterl)alteö t)crurtl)cilcnben ®rfenntniffeö beim SBed&fcI
ber aScrfiältniffe für iuläffig crad^tct (©cuffert X, 53). 9luf bemfclbcn ©oben
ftel)t baö prooif. ?ßatent ü. 9. ©cptember 1863 § 2 für ©c^Ieömig. 33aö
preufe. 91. S. 9i. f|at in ber l)icr fraglid^en 93cjiel)ung nur bic in § 627 II, 2
fidö finbenbc 33orfd^rift, ba§ bei ber Scftimmung ber SScrpflegungö^^ unb @r^
jicf)ungöfoftcn nad^ ®clbe auf bic mit junel^mcnbcn Saljrcn ma^fenben S3c*
bürfniffc beö Äinbeö JRüdfftdöt genommen merben foU (ocrgl. gegen bicfc Sßor*
f^rift Ocfeßrct). ^ßcnf. XV 6. 183). 25aö Dormatige preufe. Dbcrtribunat
^at angenommen, ba% ber burd^ Urt^eil einmal feftgcftelltc SlUmcntcnfag un*
abcinberli^ fei (ücrgl. Striet^orft 8b. LXXXVI ©. 153). 5Daö fä^f. @. 33. § 1864
unb ücrfd^icbenc anbere neuere ©cfefigebungen geftatten eine 9lbänbcrung bcö
©rfcnntnijfeö nur bei einer 9lcnbcrung ber 93crmögenöocrl)ättniffc beö SSatcrö
(ücrgl. roeimar. @ef. ü. 13. 9lprit 1829 § 3; meining. Oef. ü. 9. ©cptember
1844 9lrt. 15; Coburg. Oef. ü. 28. ^uli 1858 3lrt. 6; altenb. ®cf. v. 29. a»ai
1876 § 10 9lbf. 2), baö Oef. für 3teu6 ä. S. ü. 4. 3uni 1854 § 9 jubcm
nur auf Slntrag beö Äinbeö. S)aö fonberö^. ®ef. ü. 12. Sttuguft 1844 § 10
giebt bem Äinbc für ben galt ein SRcd^t auf @rl)öl)ung beö Sllimcntcnfaßcö,
roenn baöfelbc in eine langmierigc Äranf^eit ücrfallen foUte.
S)urd^fd^Iagcnbe Orünbc, bic SBorfd^riften bcö § 1493 l^icr in ber einen
ober anberen SRid^tung ju mobifijiren, finb nid^t Dor^anben. Snöbefonberc
fann auf baö Scbcnfen, ba§ bic 3ulajfung einer SIbänberung bcö nur ®c*
mo^rung beö Untcrljalteö ücrurtficilcnbcn ©rfcnntniffeö nad& SKafegabc bcö § 149S
in aSerbinbung mit § 724 9lbf. 6 Saß 1, 2 bic o^ncl^in fd^on grofee S^f)l ber
Unter]5aItöDfIic&t beS uncßelid^cn Satcrö. fficrerBIiifeit. § 1575. 901
SÄUmcntationäprojeffc cr^eblid^ ju pcmtcl^rcn bro^c, gegenüber ben ©rroägungen,
auf lüeld&cn bie SSorfc^rift beö § 1493 beruht, entfd^cibenbeö ©eroid^t n\6)t
gelegt roerbcn, jumal nad& bem ©ntmurfe bei S3emeffung ber ällimentc auf bie
SJcrmögenöüer^ältniffe beß uncl^elic^cn aSaterö feine 9lütffid)t ju nel()men ift,
fonbern nur bie jeroeiligen S3cbürfnifye beß Äinbeß in Sctrad^t fommen.
12. SKetd^cn 6inftu§ ber Äonfurß über boß aSemiögen beö uncl)eUd^en Äonrur« bes
SBaterß auf ben Unter^altßanfpruc^ beö Rinbeö t)at, ift in ben beftel^enben ^^'^^
9le(j^ten nic^t befonberö entfd^ieben unb in ber Softrin beftritten. 3lad) ber
einen 3lnridöt erlifd^t ber Unterfialtöanfprud^ mit ber ©röffnung beö Äonfurfeö.
6in anbere Slnfid^t gebt babin, ba§ aucb bie in ber 3^f^^ft fäDiS loerbenben
SlUmcnte im Äonfurfe atö ftonfuröforberungen ju liquibiren feien. 6ine brittc
9lnfi^t fd^Iiefet bie ©eltenbmoc^ung beö Unter^altöanfprud^cö für bie 3wfi*nft
im Äonf urfe auö. 3)iefer 2lnfici&t folgt ber ©ntrourf, inbem er ben § 1494 für cnt^
fprcc^enb anroenbbar erflcirt. S)ie entfpred^enbe STnroenbbarfeit ergiebt [\6)
t)on felbft, menn man baüon auögel^t, bofe ber Unterbaltöanfprud^ beö un*
c^elid^en Stinbcö, meil auf bem burc^ bie SBaterfd&aft begrünbeten natürlid)en
SSerbältniffe berufjenb, alö familienred^tUd^er Slnfprud^ fortbauernb fic^ erneuert
(§ 2 ber Äonf. D.). 2lber aud& metm man in ber Unterl^altöpflidöt eine eins^
l)eitlici&e Obligation mit bebingten mieberfebrenbcn fieiftungen feben moUte,
crfd^eint eö iebcnfallö jmecfmäfeig, ben § 1494 für entfpred^enb anrocnbbar ju
erflären, 33erfä^rt man anberö, fo fonnen namentli^ im gaUe beö 3uftanbe*
fommcnö eineö Qrüani&mxQUxä)e& Unsutröglic^feiten fid^ ergeben. Der 9ln^
fprucö auf bie nac^ ber J!onfuröeröffnung entfallenben fieiftungen mürbe alö
ein }ur 3^it ^^^ i?onfuröeroffnung begrünbeter, wenngleich bebingter, SSer*
mögenöanfpruc^ an ben Oemeinfcbulbncr, mitbin alö ftonfuröforberung er*
fc^einen (§§ 2, 60 ber Äonf. C). ®r mürbe bal^er, mag er Uquibirt fein ober
nid&t, üon bem ^xoanQ^r)txcikiö)c getroffen merben (§ 178 Äonf. D.), unb fo
!önnte eö fommen, bafe baö unel^elic^e Äinb mit ben roenigen ^rojenten,
meiere üielleid^t für baöfelbe entfallen, fid^ für bie ganje übrige ^tit
alö abgefunben anfe^en müßte, roä^renb ber une^elid^e SSater fpäter
JU neuem SSermögen gelangt ober bod^ fo piel oerbient, ba§ er o^ne
Sefd^roer baö Jtinb ernähren fönntc. S)ie golge ber Uebertrogung beö
§ 1494 tft bie, bag baö une^etic^e £inb nid^t bloö nac^ ^eenbigung, fonbern
aud^ mä^renb beö Äonfuröoerfa^renö [x6) an ben SSater l^alten fann (§11
Äonf.D.); nur ift felbftüerftänbtid^ baöienigc, roaöbieferauö ber Äonfurömaffe
jum S^tdt feiner Sltimentation erbält, bem 3w9riff^ ^^^ Äinbeö entjogen.
§ 1575.
1. ©cmeinred&tlid^ ift beftritten, ob bie SBerpflid^tung beö SSaterö beö «emBiic^feit
unebelid^en Slinbeö, biefem ben Unterbalt }u gem&liren, auf bie @rben beö serpiii^tunfi.
SBaterö übergebt. S)ie Streitfrage ftebt in engem 3itfömmen^onge mit ber rnttnui
groge, meldten red&tlid^en Äarafter bie ^ier froglid^e SJerpflid^tung ^at. 3)ie **"**•
gemeinred&tlic^e ^rajiö l^at überroicgenb fic^ für bie SBererblid^feit jener SBer*
pfli^tung cntfd^ieben (pergl. ©euffert XI, 42, XIX, 47). Damit ftimmen im
^rinjipe aud& bie meiften neueren ©efefegebungen überein (oergt. preufe. 9t. S. SR.
902 nnter5oItßpflid5t beö unc^eliicn »atcrö. SßcrcrBIi^fcit. § 1575.
n, 2 §§ 647—652, 2ln^. § 97 unb prcufe. ®cf. t). 24. STpril 1854 § 19;
loürttetnb. S. 9i. IV, 18 §§ 2, 3 unb roürttcmb. ®cf. o. 5. September 1839
Slrt. 28 S«r. 3; hax)x. S. 9*. IV, 12 § 2 3lx. 11; fäd)f. @. ». § 1873; fonberö^.
®cf. ü. 12. STuguft 1844 § 4; rubolft. ®ef. o. 31. 2Rai 1850 § 2; ®cf. für
SReufe ä. 2. t). 4. 3anuar 1854 § 13 ; Weimar. ®ef. d. 13. 2tprir 1829 § 8 ;
an^Qlt. SBerorbn. p. 30. aWai 1815 §§ 24—27 nebft dec. II t). 1850; mcining.
®ef. ü. 9. September 1844 SKrt. 26, 29; Coburg. ®ef. o. 28. 3uU 1858 Slrt. 11,
41; gotf). ®ef. t). 1. 3uU 1869 Slrt. 11; altenb. ®ef. ü. 29. aWai 1876 § 19).
SBon bcn angefüfirten ®cfe6gebungcn erfenncn jobod^ einige bie SSerpflid&tung
ber 6rben nur unter befonbcren Scfd^ränfungen jum Sd^u^c beö ©rbred^teö
ber cf|cli(^en Rinber beö (Srblofferö an. So bcftimmt bas prcufe. Ä. 2. 31.,
roeld^eö inbeffen im ®eltungögebiete beö preu§. ®ef. ü. 24. 9lpril 1854 im
foroeit aufgel^oben ift, bafe, menn ber SSater üor DoBcnbeter ©rjic^ung beö un*
cl)elid^en Äinbeö ftirbt, baö lefetere bie 3luöfefeung beö ba5U nod^ gc^Ienbcn
auö bem SRad&Iajfe foU forbern fönnen, iebocj^ mit ber OBobififotion, bafe baös
felbe nur auf bie ^lußungen beö SRad^lajfeö angeroiefen werben unb bicfc nic^t
überfteigen barf. Sinb alle üor^anbencn Einber ober einige bcrfelben nod^
unerjogen unb finb bie SRußungen beö 3flad^Iojfeö ju il^rer aller @rjicf)ung nid)t
l^inreid^enb, fo fott ben e^elid^en Rinbcrn nod^ einmal fo üiel alö bem um
eJ^elid^en auögefefet werben. S)em preufe. 21. 2. SR. finb in biefer SSejie^ung
bie anmalt. SBerorbn., baö meining. unb ba^ Coburg. ®efe^ im SBefcntlid^en
gefolgt. 2)aö fäd^f. ®. 83., ba& got^. unb altenb. ®efeg befd&ränfcn ben 9ln^
fprud^ beö une^elid^cn Äinbeö gegen bie ©rben beö 33aterö, wenn biefer e^elic^c
Rinber l^interläfet, in ber SBeife, bafe bie auf bie ©rben überge^cnbe 93cr*
pflid^tung ju bem Unterlialtöbeitragc für baö une^elid^e Ätnb aufbort, rotnn
baöfelbe oon ber ^cxt beö SE;obeö beö ®rblafferö on auö beffen ^Rad^Iaffe fo t)iel
erhalten l)at, ate ber gefefelid^c ®rbtf|eil eineö el^elid^en Rinbeö betrögt.
3m 5Knf(j^luffc an bie Scfttmmungen beö rBm. 9led&tcö über ben Unter«
^altöanfprud) ber ftontubinenfinber gegenüber ben @rben il^reö SSaterö (Nov. 89
c. 12 § 6) bcftimmt baö franj. Sled&t, bafe bie ben cf)cwibrigen Rinbem ton
i^ren ®[tern gefdjulbeten Sllimentc audb auö bem 9lad^Iaffe geforbert werben
fönnen, bie ©röfee biefer 9llimente aber nac^ ber 3^^! unb ber 93efd&affenl^eit
ber ©rben beftimmt werben foU (code civil 9lrt. 762). Db unb eoentuett unter
weld^en 58orauöfe|ungen .nad^ franj. 9led)te bie Unterfjaltöpflid^t ber ©Item
gegenüber anerfanntcn natürlichen Äinbem auf bie ßrben ber erftcren über*
gef)t, ift beftritten.
etanbpunft S)ie rec^tlid&e SRatur beö t|ier fraglid&en Slnfprud&eö a(ö eineö auf ber
entwürfe«. ^Satcrfd^aft berufjcnben familienred^tli(i^en Slnfprud^eö weift an \\ä) barauf ^in,
ben (enteren, wie im gaUe beö § 1496, mit bem S^obe beö unel^elic^en SSaterö
erlofd^en ju lajfen. 9lUein bei einer fold&en ®eftaltung fann baö uucJ^eü^c
Äinb erf)eblid^ leiben, unb [jwar namcntlid) bann, wenn ber tjcrmögenbe SPater
frül^jeitig ftirbt. 2)aö ftinb foId&enfaHö leer auöge^en ju laflcn, miberftreitet
bem 3le(^tögefül)Ie unb bem 3tttereffe ber offenttid^en Slrmenpflege. 9Wan
würbe baju gebrängt werben, bem unetietid^en Äinbe jur Sluögleid^ung ein
©rbred^t gegenüber bem unef)elid)en SBater einjuräumen, ein Sluöweg, gegen
welchen inbef|en cbenfaHö cr^eblid^c 93ebenfen fpred^en. 3lnbererfcitö ift aDer«
Untcr^altöpfltcfit bc8 unehelichen SSater«. aScrerbli^feit. § 1575. 903
binjjfi Qudö bic 3lnerfennung beö Ucbergangeö bcr l^ier fraglid^cn Uuterl^altö*
pflid&t auf bie ©rbcn bcd unc^clid^cn SSaterd ni^t cintoanböfrei. 3roar taim
borauf fein Oeroicj^t gelegt werben, bafe eö anftöfeig unb für bic ®rben tni|lid&
fei, rocnn naö) bem 2::obe beö ©rblafferö eine t)icneid&t geheim gefialtenc SScr^
pflid^tung ber fraglid)cn Slrt jum äSorfd&einc fomtne. 3)od ©Icid^e tft aud|
bcjüglid^ perfd&iebcncr anbercr Sd&ulbcn möglid^. 9lud^ ber ©efid^töpunft fann
afe cntfc^cibcnb nic^t in 93ctrac^t fommcn, bofe bic |)aftung ber ßrben unter
Umftänbcn oon Uebcrlid^cn grouenöpcrfoncn ju Betrügereien unb ©rpreffungen
benugt roerbcn fann. ^Dagegen ift nid^t ju ücrfennen, bafe bie Sage ber e^e^^
lid^cn ftinber bed unehelichen SSatcrd bei ^e^anblung ber Unter^altdpflici^t ald
einer gcroö^nlid^cn 9lad^Io&t)crbinbIid)feit infofern eine ungünftige roerben fann,
a(d biefelben unter Umftänbcn n)eniger ald bad uneldelici^c jlinb ober DicUcid^t
gar nid^tö ouä bem 3Ja^Iaffe i^rc« SSaterö crlialten. ®egen eine fold^c Sc^
na(j^tt)ei(igung ber c^elid^en Sinber fd^ügen aud^ bic Befd^rönfungen bed
preufe. 31. 2. SR. ober beö fäd&f. ®. S3. nid^t uoUftänbig. S)ie 9iu^ungen
bed 92ad^Iaffed, aus meldten nad^ bem preug. 91. S. % bic unehelichen
Sinber bie STlimente be^ictien follen, fönnen leid&t me^r betragen, alö ber
2lntf)eil beö einjelnen e^elid^en Äinbeö an ber Subftanj beö Jla^taffeö.
3ubem fprid^t gegen bicfe 3lrt ber ^Regelung, bafe baburd^ bic c^elic^en
Äinbcr auf lange S^it i" ^^^ ©iöpofition unb Sßcrroert^ung beö ganjcn 3Jad^*
lafjeö befci^ränft fmb; benn, foD ber Slnfprud^ beö une^elid^en Äinbeö nic^t
illuforifd^ gcmad^t merben, fo mufe bie ©ubftonj beö 9iad)[affcö rid^ergcfteUt
merben. Slufeerbem mü§te man bem unel)cUd&cn Äinbe ein Siedet auf Sted^nungö^
legung einräumen. SBie bcr ©efeftreoifor, 5ßenf. XV 3Sloixvz ©. 334, ^erpor^
^ebt, ^abcn jene Seftimmungcn beö prcufe. 21. 2. 5R. aud^ }u uielen Qtozi^dn
SSeranlajfung gegeben, unb burd& baö ®ef. p. 24. 2lpril 1854 ftnb biefelben
in 5ßreufecn befeitigt. Slnlangenb aber ben t)on bem fäc^f. ®. 83. eingcfd&Iagencn
SBeg, fo erreicht aud^ biefer ben beabfic^tigten Qioed bod^ nid^t ooOiftänbig,
meil beim SSor^anbenfcin oieler une^elid^er unb meniger e^elid&er ftinber ber
ben Icjteren nad& 93efriebigung bcr ^Infprüd^c ber erftercn ücrblcibenbc 6rbt^eil
weniger betragen fann, alö ber 5ßflid^ttl^eil. ®egcn bie pon bem preufe. 31. S. SR.
unb bem fäd^f. ®. 93. eingefd^lagenen Söege fprid^t aufeerbem, bafe fie infofern
eine ^albc SKaferegel fmb, alö fie anbere pPid^tt^eilöbercd^tigtc ©rben, inö*
bcfonbere ben ©Regatten beö ©rblaffcrö, nic^t fc^ü&en. Um biefem Sebentcn
JU begegnen, fönnte man bcftimmen, bafe bie pjlid&tt^eilöbered&tigtcn ©rbcn beö
une^eUd^cn äSaterö iebenfaQö ba^ erhalten foUen, maö i^nen alö ^f[id^tt^cil
jutommen würbe, wenn ber 3lnfprud& beö une{)cUdt|cn Äinbeö nic^t beftänbe,
Snbeffen aud& biefer 2Beg fomplijirt in bebenfli^er Süeife baö ®efe6. S)icö
tritt inöbcfonbcre bann ^erüor, wenn aufeer bem ^flid&ttl^eilöbered{)tigten nod^
anbere ©rben fonfurriren, meieren jene SBcftimmung nid^t ju ®ute fommcn
würbe, ^ub^m fc^Iiefet biefer 9Beg feineöroegö auö, bafe baö uncl)clic^c Äinb
fi6) bcffer fte^en fann, alö eincö bcr el^elid&cn Slinber. ©benfowenig empfiehlt
cö fic^, um ben mit bem Uebcrgange ber Unter^altöpflidöt üerbunbenen 93c*
beuten iu begegnen, ben Unter^altöanfprud^ beö Rinbeö — fofern ber ©rbe
fic^ barauf beruft, bafe ber 3lnfprud^ benienigen 93etrag übcrfteige, mctdfjec
bem Äinbe alö ^f[id}ttl)cil jwfommen würbe, wenn baöfelbe, bejw. beint
bei itinbeft.
904 Untec6aIt3pfa(St bc8 unc6cli*en Saterö. a}ererbri(^rcit. § 1575.
S3orl)anbcufciit tncl^rcrcr unc^clid^cr Slinbcr bic fämmtlid&cn unc^clid^cn
Äinber cljctid^c Äinbcr roärcn — , auf bcn 33ctrag iencö ^füdött^eileö ju
bcfd^ränfcn. (Sine berartigc Scftimmung fomplijirt nxä)t minbcr bas
©cfeß unb nötl^igt baju, bem uncfielid^cn Äinbc rocitgc^cnbc SRed^tc
in 9lnfef)ung bcr Slcgulirung bcö 5ftad^Iaffe8 bcö ücrftorbcncn 93atcrö ein*
5uräumcn; [ic geljt autf) infofern über boö Sebürfnife ^inauö, atß fic jebem
®rben bie 33cfugni§ giebt, bcn STnfprud^ beß unehelichen Äinbeö auf ba& be*
jeid^nete SKafe iu befd^rönfen. SBcrgegenroärtigt man fid^, bafe eine Scnad^^
tt)eiligung ber pflid&ttl^eilöbcred&tigten Srben, inöbefonbere bcr cfieli^cn Äinber,
burd^ bie Serüdffid&tigung bcö Untcr^altäanfpruc^eö beö unc^elid&en Äinbeö t^at«
föd^Iid^ ftc^ nur feiten ergeben wirb unb bafe ber SRa^Iofe iebenfalld in atten
bcn gälten üoH l^aften mufe, in roeld)en bcr uncl^elt^c SSater Dcrtragömäfeig
jiir ©croä^rung einer Slbfinbungöfummc fid^ ücrpflid^tet ober fonft bie gefefe^
lic^e Obligation in eine oertragfimöfeige ücrroanbelt ^at, fo oerbicnt eß im
9lnfd^Iuffe an baß in roeitcm Umfange geltenbe Siedet ben SBorjug, für bcn
unbefd^rönften Uebergang bcr Unter^a(tßpflid&t auf bie ßrben beß une^clid^cn
SBatcrö 5u entfd^eiben.
2ob^ ^ 2. 5Dic aSorfd^rift beß § 1575 2lbf. 2 ergiebt fid& auß bem 3rocdfe ber
"""**'* Unterl)altßpf[i^t.
»crjä^riütg. 3, lieber bic aSerjötirbarfeit beß ^icr fraglid&en Untcr^altßanfprud&eß im
©anjcn fd^rocigen bic meiften neueren ©efcfegcbungcn. 3n ber Softrin ge^en
bie ^[nfid^tcn barüber außeinanbcr. 5ftur baß bab. ®ef. ü. 21. gebruar 1851
§ 5 2lbf. 3 cntl)ält in bicfer .^infid^t eine bcfonbere SBorfd^rift, inbcm baßfclbe
beftimmt, bafe baß Älagercd^t beß une^elid^cn ftinbcß auf ^Alimentation in allen
göHcn mit Slblauf eincß Sa^reß, t)on ber 3cit ber Oeburt beß Äinbeß an ge*
red^net, crlifd^t. Diefc grift wirb jcbod^ nid&t alß SScqälörungß*, fonbern alß
^räflufiofrift aufgefaßt. 9lud^ in ücrfd^icbencn fd^rocij. Oefclen ift eine furjc
grift }ur STnftcllung bcr Älage beftimmt.
2)a nad^ bem ©ntrourfe bcr UnterJ^altßanfprud^ beß une^elid&en ftinbeö
alß ein familicnred)tlidöer 9lnfprud& gcftaltct ift, fo unterliegt berfelbc in ®r*
mangelung einer befonbercn entgegenfte^cnben SBorfd^rift, ebenforoenig wie ber
gefe^tid^e Unter^altßanfprud^ bcr SSerroaubten, nac^ § 154 9lbf. 2 ber 93cr^
jälirung (oergt. bie 2ßotit)c ju § 1496 oben S. 711). 3)ie praftifc^en ®rünbe,
meldte bafür geltcnb gemad^t merben fonncn, ^ier eine bcfonbere Seftimmung
über bic SScriö^rung ober prätlufiüc Scfriftung beß Unter^altßanfprud^eß im
Oanjcn aufjunclimcn, inßbefonbcre ber Ocfid^tßpunft, bafe baburd^ bic S3e^
bcnfcn gegen bie SuWffifl'rit ^^ ©rmittelung bcr SSatcrfc^aft im SBege beß
^rojeffeß unb gegen bic aScrerbUd^feit bcr Untcr^altßpflic^t abgef^mäc^t mürben,
oerlicren burd) bie 3wlciffung bcr exceptio plurium concumbentium {§ 1572)
crlieblid^ an ©emid^t, mäl^renb auf bcr onberen ©eite burd^ ßinfü^rung einer
furjcn aScrjälirung ober präfluriocn Sefriftung für ben Slnfprud^ im Oanjen
bie SSllimentationßprojeflc üermelirt ju mcrbcn brol^en. 2)aju fommt, bafe eine
fold^c Seftimmung für bcn größten 2:^eit ber beutfd^en SRec^tßgebietc eine
mefcntlic^e 9icucrung fein mürbe, ein Sebürfnife für bicfelbc aber in ben bc«
treffenben SRcd^tßgcbictcn nic^t ^croorgetreten ift.
Untcc6artöpflid6t bcß une6cli(6cn SSaterö. SSertrag. § 1576. 905
2)ic 33eriäl^rung bcr cinjclnen Sllimcntcntciftungen rid&tct fid; imc^ § 157.
©in S3cbürfnife, auf bic SScriäl^rung beö 3[nfpruc^es, toelc^er bemjcnigcn, bcr
bcm Äinbc Unterhalt gcroäl^rt \)at, nad) SKafegabe ber SSorfd^riftcn über bic
(Scfd&äftöfül^mng o^nc Sluftrag suftc^t, bic SSorfd&riften ber §§ 157, 159 für
anrocnbbar ju erflären, bamit bcr 3"^^^ bcr furjen SSeriöl^rung nid^t ocreitelt
werbe (pcrgt. gcnitcr unb SKecfc II, 51 ©. 131), liegt n\6)t t)or. SlUcrbingö
mag eine bcrartige Seftimmung geeignet fein, einen geroijfen Sd^ug in ben
^üen JU bieten, in roü6)tn aSerioaubte baö ftinb junöd^ft of)ne ben SBillen,
bic ®cfd)äfte beö SSatcrö ju füfiren, atimentirt l^aben, fpäter aber unter 3^^*
l^ütfenafime beö § 755 mit ©rfaganfprüd^cn gegen ben SSater J^croortrctcn.
Slnbercrfcitö !ann aber eine foi^c SBorfd&rift btn Oefd^äftöfü^rer ouc^ fc^r
^ort treffen, ©aju fommt, ba§ bicfelbc bcm bcftcl^cnbcn 5Rc^tc frentb ift.
§ 1576.
©emcinrec^tUcö ift eö ftreitig, ob ein 33crg(eid& äroifd&cn bem SSater unb «ertrag,
bcm uncj[|eli(^cn Äinbc über bic Unterfioltöpflic^t beö erftcren für bic 3ufunft * »erS*
juläffig ift unb ob eocntuell bic SBorfd^riften beß röm. SHe^teft, roeld^c ju einem «eitenbes
SBcrglcid&c über leßtmillig jugcroenbetc Sllimcnte obrigfcitlid^c Scftätigung er* ***^^
forbern, auc^ auf jene Untertjaltöpflic^t ainroenbung finben (oergl. ciner:^
fcitö 8euffert V, 285, XVIII, 244; anbererfeitö ©euffert X, 263). ®ie
mciften neueren ©efeggebungen crflären einen berartigcn SBerglcid^ unter
(Sene^migung beß SBormunbfdiaftßgeric^tcß für iuläffig (ocrgl. roürttcmb. S. 9i.
IV, 18 § 4 unb TOürttemb. ®ef. t). 5. ecptembcr 1839 2lrt. 28 3lx. 1 ; preufe.
Oef. t). 11. 3ua 1845 § Ib unb preufe. aSorm. D. p. 5. 3uli 1875 § 42
3lx. 8; öfterr. 0. SB. §§ 170, 223; fäd^f. ®. 93. § 1867; fonbcrßf). ®ef.
t). 12. auguft 1844 §§ 21-25; rubolft. @ef. t). 31. a»ai 1850 §§ 18—22;
meining. 0cf. p. 9. ©eptember 1844 Slrt. 21 — toelcöeß Icfttere iebodö aufecr*
bem 33eftätigung beß fompetcntcn ©crid^teß oorfd^reibt — ; mccflenb. SSerorbn.
0. 23. äuli 1847 § 3c; ®ef. für SReufe ä. S. t). 4. Januar 1854 § 10; Coburg.
®ef. V. 28. Suli 1858 3lrt. 7, 20; roeimar. ®ef. t). 27. üffärj 1872 § 10;
onl^alt. aSerorbn. t). 30. SBai 1815 § 28; altenb. ®ef. ü. 29. ÜJlai 1876 § 15).
S)cr familicnred&tlid^e ftarafter beß l^ier fraglid^cn Slnfprud&cß unb bie stanbp^n't
barauß fic^ ergebenbe abfolute 9iatur bcßfelben mug an fid^ ba^in führen, ba^ «ntwurfe«.
auf bcnfelbcn für bic 3wfunft ebenforoenig t)crjid^tet werben fann, wie nad&
§ 1495 9lbf. 1 auf ben gcfcftlid^cn Unter^altßanfpruc^ ber aSerwanbten. Ueber«
micgenbe ®rünbe fpred^en inbcjfen bafür, im 2lnfd&luf[e an bic aßctirjo^I bcr
9Jed|tc einen SBertrag, inßbefonbcrc einen SBcrglcid^, jmifd^en bem 5ßater unb
bem une^eUd)cn Rinbe über bic Unter^altßperpflic^tung für bie 3i('^u^f^ füi^
juläffig JU erflärcn, bic SBirffamfcit cineß folgen SSertrogeß icbod& t)on ber
©ene^migung beß aSormunbfc^aftßgeric^teß ab^öngig ju machen (t)crg(. § 1681).
2)ic 3uIaRung berartiger 33erträge liegt foroo^l im Sntcreffe beß une^clid&en
Äinbeß alß beßicnigen, welcher alß SSater in 9lnfprud) genommen ift, unb
fü^rt ju einer SBerminbcrung ber Saf)l ber Sllimcntcnprojeffe. S)em alß 3Sater
in Snfprud^ ®cnommenen liegt oft oiel baran, burd^ 3o^I^^9 ^^^^^ Slfr»
finbungßfummc t)on ber fonft lange Sö^rc fid^ ^injie^enben, feine freie SBc^
906 Unter6altöpfli4t bcö une5clid&en SSaterö. gntbrabungelofien 2C. § 1577.
iDcgung ^inbcrnbcn unb üietteid^t mit ©törung feiner gamUicnDcrpltniife t)er^
bunbencn Untert)ttltöpflt(j^t fid^ befreien ju fönncn ; anbererfeitö ift aber aud^ für
ba^ fiinb ber ©mpfang einer Slb^nbungöfuntme oft in l^o^em ®rabe erioünfc^t,
namcntlid^ roenn ber 3luögang eineö 5ßrojejfeß ungeroi^ ift ober bie SBer^
mögcnöüerpitniffe beö ?ßf[id&tigen unfid^er finb ober ber Sludmittelung be«
fünftigen 5ttufent^altes bcöfelben melleiciöt ©c^roierigfelten ftd^ entgegenftellen.
33er Umftanb, baß bie Oenel^migung beö SSormunbfcJ^aftögcrtci^ted crforbertid^
ift unb bie SBcnoaltung ber 2lbfinbungöfummc nidjt ber aJlutter, fonbern bem
SBormunbc bcö Äinbeö juftel^t, bürgt bafür, bafe baö Sntcrejfe beö Slinbed unb
ber fubfibiär üerpffid^teten mütterlicj^en SBenoanbten, foroie baß Sntereffe ber
öffentlichen 3lrmenpflcge gewahrt roirb. 2)ie SBorfd^rift beß § 1576 bejie^t ft^
inbcffen nid&t bloß auf fofd^e SSerträge, burd^ roeld^e auf ben Unter^altß*
anfprud^ für bie 3"f^ttft Ö^^^i ober t^eitioeife überhaupt oerjid&tet roirb,
fonbern au^ auf fotd^e, welche nur bie 2lrt ber Oeroä^rung beß Unter^alteß
in einer t)on ben gefe^Ud^en 23orfd^riften abnjeid&enben SBeife regeln. ®ß fann
ba^ingcftellt bleiben, ob nid^t fold[ie SSerträge f^on nad^ allgemeinen ®runb^
fö^en juloffig fein würben oon bem (Seftd^tßpunfte auß, ba§ bie abfolute
SRatur ber gefefelid&en Unter^altßpflid^t fid^ nur auf bie älUmentation über*
liaupt, nid^t ouf bie 2lrt unb Sßeife, roie fie gewährt werbe, bejicl^e. S^bem
fallß empfic[)(t eß fid&, aud) berortige SBerträge wegen beß ©influffeß, n)clcf)cn
biefelben inbireft auf baß 2Bol^I unb bie ©rsiel^ung beß Einbeß äufeem, fowic
jur SSermeibung oon ©treitigfeiten unb ^rojcffen an bie (Genehmigung beß
3Sormunbfd^aftßgeri(^teß ju binben.
»efrciung 3)0^, abgefc^eu üon ber befonberen 33eftimmung beß § 1576 9lbf. 1, im
^""mmT^ Uebrigen bie 33orfc[)riften beß § 1495 entfprec^cnbc Slnwenbung finben foUen,
rechtfertigt fid^ auQ ben ©rünben, auf weld^en bicfc Icftteren berufen, unb
burd^ bie rcd^tlid^c 5ftatur beß Unterl)altßanfprud&eß.
§ 1577.
(Sntöinbunfl«. I. ^m 3lnfd^[ujfe an bie gemcinred^tlid^e ^^Jrajiß (oergl. Seuffert IV,
©oc^enJett«- ^55, V, 290, XIV, 40 3lnm. 2, XXVII, 233, 261 ; gcnner unb aßecfe IX,
toftcn. 78 ©. 205) geioäfircn bie meiften neueren Oefeggebungen ber SKutter beß un*
eljclid^en Äiinbcß gegen ben ©d&roängercr einen 3lnfprud& auf ©ntbinbungß* unb
©eitcnbe« gBoc^cnbettßtoftcn (oergt. preufe. 91. S. 9i. II, 1 §§ 1016—1028, 1077, 1078,
^''^^ 1083—1087, prcufe. ©ef. ü. 24. Sttpril 1854 §§ 7—11, 15—20; ofterr. ®. 33.
§ 1328; fäc^f. ®. 33. §§ 1858, 1861; naff. (Sbitt t). 4. ©eptember 1816 §§ 3, 4;
roürttemb. ®ef. v. 5. ©eptember 1839 SKrt. 28; fonberß^. ®ef. ü. 12. SJluguft
1844 §§ 3, 7, 11, 12, 20, 28, 36—39; rubolft. ®ef. o. 31. 9Kai 1850 §§ 1, 5,
6, 17, 25, 28, 31, 32, 35; Weimar. ®ef. t). 13. äpril 1829 § 6; meining. ®ef.
V. 9. September 1844 3lrt. 1, 2, 4, 10, 25, 28, 30; ®ef. für Sleufe ä. S. o.
4. Sanuar 1854 §§7, 8; Coburg. @ef. ü. 28. 3u(i 1858 Slrt. 1, 3, 4, 10, 25,
28, 30; gott). ®ef. o. l.Suli 1869 9lrt. 1, 3, 14, 15; altenb. @ef. t). 29. Tlai
1876 §§ 4, 7, 18).
Uebcr bie redöttid()e Sßatur beß ^ier fragüd^en Slnfprud^eß finb in ber
üDottrin bie Slnfid^ten getfjcilt. 3Jad^ ber einen 3lnrid)t gehören bie Äoften ber
Unter^altßvfK^t fccö uncl&elicfeen Saterö. entBinbunoßfofien 2C. § 1577. 907
©ntbinbung unb bcö SBod^cnbcttcö 5u bcn 3(Iimentcn beö Äinbcö. 2:ic
l^errfdicnbc 5Änri^t bcl^anbclt bogcgen jenen 9lnfpru(^ q[ö einen bor
aWutter jufte^enben 3lnfprud^. S)iefe leitete 2lnfid)t ift and) in ben neueren
©cfefegcbungcn burc^gängig jur Stnerfennung gelangt. Ueber ben 9ledötßgrunb
biefeö ber SRutter eingeräumten Slnfprud^eö beftcl^t iebod^ ebenfalls eine 93er^
fd^iebentieit ber OJleinungen. SBä^rcnb berfetbe nac^ ber einen 9tnfid)t ben
Äarafter eine« Selittöanfprud&eö l)ai (üergl. Seuffert IV, 255, XXVII, 261),
faffen 3lnbere benfelben alö einen auf 93iUigteit berul^enben älnfprud^ ex
lege ouf.
Slufi allgemeinen ©runbfägen fann ein 2(nfprud) ber SDlutter auf (Srfag «»«"bpuntt
ber ©ntbinbungö* unb SBod^enbettöfoften nid^t abgeleitet werben. Snöbefonbcre a„t»urfe«.
läfet fid| berfelbe, felbft im galle ber SBerfii^rung ber SRutter, auö bcm ©eftd^tö*
punftc eines gegen bic Icftterc oerübten S)elifteö nid^t red&tfertigen, ba ber Seifdjlaf
mit iljrcr ©inroilligung oolljogen ift, bie 2:l)eilnat)me on einer unfittlirfien
^anbtung aber nid^t eine Ouelle t)on SRed^ten für ben S^l^eitne^mer ju fein
uermag (üergl. 1. 12 § 1 D. de fürt. 47, 2). SBennglcid^ ber älnfprud^ ^iernad)
einen pofitipen Äarafter l^at, fo ift eä bod), ^ingefe^en auf baö in bcn
roeitauö meiften (Gebieten beö ^eid^eö geltenbe $Re^t, fomic auö 9iücfftd|ten
ber S3illigfeit unb ber ©efeggebungöpolitif alö bebentlid^ erad&tet, benfelben
}u perfagcn. 3nsbefonbere ift ju beforgen, ba§ bie SScrfagung beö äln-
fprud^eö baju beitragen mürbe, baö ol)nc^in mcl)r gcfäf)rbete 2eben ber
unc^clid^en Äinbcr nod& in l)5f)crem älJafee ju gefä^rben, ben Äinbeömorb
JU beforbern unb überhaupt bic j^affl ber J^obeßfälle in ben Steigen ber
neugeborenen uneljclid^en Äinber ju üerme^ren. SBeiter fommt in S8etrad)t,
bafe burdi bie STnerfennung beö Stnfprud^eö bic ben Unterftü^ungöfaffen ob*
licgenbc 2aft (ücrgl. §§ 20, 57 beö SH. ®ef., betr. bic ftranfenücrfidierung ber
Arbeiter, ü. 15. 3uni 1883) crlci^tcrt mirb.
3m ©inäclncn ift jur Segrünbung ber SBorfdiriftcn beö § 1577 noc^
golgenbeö ju bemerfen:
1. ÜJJan fann bcn ^ier fragtid^cn Slnfprud^ ber SKulter Dcrfd^iebcn Äarafter
gcftalten, entroebcr alö einen Unterfialtöanfprud^ ober alö einen unmittelbar 9(„|pnf^e8.
ouf ©efefe berufienben geroöl)nlid&cn ©rfaffanfprud^. gür bcn erftcren 3Beg
Iä§t fid^ gcltenb mod&cn, ba§ bcrfclbc bcm gcfcggcbcrifd^cn SWotiüc, auf mcld)cm
in nid^t geringem ÜJJafec bic Slncrfcnnung beö in Siebe fte^enben Slnfpruc^cö bc^^
rul)t, nämlidö bcm ©cfld^töpunftc ber ®rl)altung beö 5linbcö, fid^ nä^cr an*
fd^tiefet unb bcn 3ufammenl)ang biefeö Stnfprud^cö mit bcm Unterl)altöanfpruc^c
beö Rinbeö jum Sluöbrucfe bringt, foroie, bafe cö ber Sad^lagc unb bcm S^erfe
beö 2lnfprud^eö met)r ju entfpred^cn fd)cint, menn ber 93ater beö unc^elid^en
Äinbeö ben jur Dcdung ber Ijier fraglid)en Äoften crforbcrlid^cn Setrag fofort
noc^ ber ©cburt beö JUnbeö im SSorauö j\u entrid^ten t)erpflid)tct ift. 2)iefen
Grroägungen gegenüber fällt inbcffen entfd&cibcnb inö ®zm6)i, ba^ bic (Sc*
ftaltung beö 3Infprud)eö alö cineö ®rfa6anfprud)eö nic^t allein üormiegcnb bcm
geltenben SHcc^tc entfpridit, fonbern oud) baö ©efeß er^cblidö pcreinfad^t, inbem
biefc 9lrt ber Siegelung eine SRcilic anbcrcr 33eftimmungen, namentlidö barüber
entbe^rtid^ mad|t, ob ber Slnfprud^ aud^ für bic SBcrgangen^cit, ob er auc^
gegen bie ßrben beö SBerpflidjtcten unb im Monfurfe gcltenb gemacht unb ob
908 llntcrjartt^pflid&t bcg uiieMi^en ffiatcrß. entHabmiöSfoften 2C. §1577.
ci* burd) 35crtrQg jiüifd&cn bcr SWuttcr unb bcm SBcrpflid&tetcn anberracit bc*
ftimmt roerbcn tann. Saju tommt, ba^ bcr (Scrid^töpunft beö Unterhalts*
anfprud^icä in 9Infe^ung ber ©ntbinbungöfoftcn nid^t jutreffcnb ift, wenn bcr
9lnfprudö, roic bicö nad^ bcm (Sntrourfc ber ^att ift, erft mit bcr Ocburt bcö
Äinbcö entftctit, unb bafe a\i6) in 2lnfc^ung bcr SBod^cnbcttöfoftcn ba^ SScr-
Ijältnife ^iö) praHifd^ bo^ ba^in gcftaltcn würbe, bafe in ©rmangclung einer
freiwilligen SSorauöfciftung t)on ©eiten bcö aScrpftid^tctcn bic SKuttcr jene Soften
erft nad^ 3Ib[auf bcr fcd^ö SBod&cn erbolt.
»eroei« ber 2. ©cr § 1577 gcTOäl^rt bcn bort bcjcid&netcn 9lnfprud& gegen bcn S3ater
ÄIÄ ^^ö unc^elid&cn ^nbcö, b, 1^. gegen benienigen, rocld&er nad& §§ 1571, 1572
bcm unet)clid&cn Äinbe Unterhalt ju geroäl^ren ücrpflidötet ift. Damit ftimmcn
im ^rinjipc ba^ gemeine Siedet unb bic mciftcn neueren ®cfe|gebungen überein
(oergl. preufe. ®cf. o. 24. 9lpril 1854 §§ 7—9, 13; fäd&f. 0. ». §§ 1858,
1859, 1872; roürttcmb. ®cf. t). 5. September 1839 3lrt. 28; naff. ©bitt t).
21. September 1816; ®cf. für SHeufe ä. S. ü. 4. 3anuar 1854 §§ 7, 11;
meimar. ®ef. o. 13. 2lpril 1829 §§ 6, 7 unb rocimar. ®ef. t). 6. 3uni 1853
§ 3; altcnb. ®cf. v. 29. SKai 1876 §§ 4, 5, 18). 2lbgefe^en üon bcm preug.
®cf. t). 24. Slpril 1854 unb bcm roürttemb. ®ef. t). 5. September 1839 führen
bic angeführten ®efe6e {cbod^ infofern ju einem anberen Sicfultate, alö fic bie
exceptio plurium concumbentiura, mie gegenüber bcm Untcr^altöonfprud^c bcö
unrf)eüd&en ftinbcö, fo aud^ gegenüber bcm l)icr fraglid^cn 9lnfprud&c ber
aJluttcr auöfdöUcfecn. Dagegen laffen baö fonberöt). ®ef. o. 12. Sluguft 1844
§ 7, bas rubolft. ®ef. ü. 31. Tlai 1850 § 5 unb baö got^. ®ef. ü. 1. 3uli 1869
9lrt. 14, obrool)[ biefe ®cfe|gcbungcn gegenüber bcm Untcrl^altdanfprud^e bcö
unel)cli(i^en Äinbcö jene exceptio ücrfagen, bie Icgterc gegenüber bem l^ier
fraglichen 9Infprud)c ber SKutter }u. 3lu(^ gemcinred^tlic^ wirb bie Sln^d^t
vertreten, bafe jene ©inrcbe, aud^ mcnn bicfclbe gegenüber bcm Unterhalts*
anfprud)e bcö Äinbcö auögcfd^loffcn fei, bodb bcn l^icr in Siebe ftebcnben 9ln*
fprud) ber SKutter auöfd)liefee. ®injclne ®cfe6gebungcn bel^onbeln biefen
3lnfprud) infofern nod^ ungünftiger, alö fic gegenüber bemfelbcn gemiffe aM
ber S3efcboltenl)eit bcr SKutter entnommene ®inmenbungcn iutaffen, metd&e gegen*
über bcm Untcrlialtöanfprud^c bcö une^elicbcn Äinbeö unerl)cblic^ finb (preu§.
91. S. 9i. II, 1 §§ 1025—1028; got^. ®ef. t). 1. 3uli 1869 9lrt. 14). äu(^
nad^ bcn oben angeführten öeftimmungen beö preufe. ®cf. p. 24. 9lprit 1854
wirb bcr l)icr fraglid^c 9Infprud& ber SRuttcr baburc^, ba^ pe eine in gefd&tcd^t*
lid^cr 93cjicbung befc^oltcnc ^erfon ift, auögefd^loffcn; bod^ ift bicö feine 33c*
fonbcrl)cit für biefen 9lnfprud6, ba baö ®teid&e auä) in 9lnfe^ung beö
Untcr^altöanfprud^cö bcö uncl^elic^cn Äinbcö gilt, äftit 3lüdE|1d&t barauf,
bafe bcr im § 1577 beftimmtc 9lnfprud& bcr OJlulter bcö Äinbeö jugteid^ im
SutcreOe bcr ©rfjaltung bcö Äinbcö gegeben ift, empfiehlt cö fid^ nic^t, ob*
gefeben üon bcr exceptio plurium concumbentium (§ 1577 9lbf. 2 ücrb. mit
§ 1572 9Ibf. 1), fonftige ©inrocnbungcn auö ber Sefd^oltenbeit ber 9Kutter
jenem 9lnfprud&e gegenüber jujulaffcn.
Umfang unb 3. 9lnlangcnb bcn Umfang unb ba& SWafe bcr von bem 33ater beö um
''^"feten^w*'^' ebctid&en Jlinbeö ber aJluttcr ju erfefeenben floften, fo umfafet ber \)kx fragliche
Äoften. 9lnfprud^ nad) bem ®erid^tögebraud&e in bcn meiften gcmcinrcc^tlid^en ®ebietcn
UntcrJ&altöpfltcfet bcS uncljcliicn SSater.^ (äntbinbunööfoften 2C. § 1577. 909
bic Soften bcr ©ntbinbuitg unb bie Äoftcn bcr 33crpffcgung auf bic 2)aucr eeitenbes
t)on fe(^ä SBo^en (üergf. iebod) ©euffert XIV, 40 9lnm. 2). 2)a§ 2)la§ icncr ''^^'^^'
Äoften wirb narf) rid^tcrlid^cm ®rmcj|cn unter Scrücffid^tigung beö ©taubes,
ber Sebenörocife unb ber gcrootinten Sebürfniffc ber BJluttcr beftimmt, jebod)
auf baö 5ßotf)njenbigc befd&rönft. S5ie oben ©. 906 angefüfirten neueren ©efe^c
bcjeidinen als ©egenftanb beö 3[nfprurf)e8 tl)cite bic ©ntbinbungö* ober ^^ieber^
hmftöfoften unb bic 9Bod)enbettötoften, t^eilö nur bic ©ntbinbungöfoftcn, it)c\l&
bie 8Bo(^enbettS:j ober Äinbbettö^ ober ©eburtöfoften. ^a§ preufe. 91. S. 9t, II, 1
§§ 1016—1018 gel^t infofern barüber ^inauö, alö cö ber ©efrfiroftngcrten nidjt
nur einen Slnfprud^ auf bie 9Ueberfunftöfoften unb auf fed)öroöci^ent(id)e, iljrem
©taube gemäße 93crpPegung gicbt, fonbern ben Sd)iDängerer aufeerbcm tjer-
pPiditet, auc^ anbere loäljrenb ber ©d^roangerfd^aft ober nad^ ber 9iiebcrfunft
aufgelaufene, unoermeiblid) geroefene Soften ju übernefimen. gerncr i)ai bcr
©d^roöngerer, roenn bic (Seft^roängerte roä^renb ber 9Bod()en ftirbt, bic
Segräbnifefoften ju tragen, fofern biefclbcn an^ bem 5RadE)laffc nid)t beftritten
toerben tonnen. ®iefc le^terc 33erpflidötung ift burd^ baö preufe. ©ef. o.
24. 9lpril 1854 befeitigt; im Uebrigen beftimmt basfefbe roefentli^ im 3lm
fdiluRc an baö prcufe. ST. S. 5H., ba^ bic ©efd^roängerte ^Riebcrhmftö^ unb
ä^auffoftcn, ferner fecböroöcbentlidje, bem ©tanbc ber ©cfd^ttJöngertcn a\v^
gemcRene 33erpf(egung, foroic aud) anbere burd^ bie Sdjwangerfd^aft ober burd^
baö 2Bod)cnbctt f^erbeigcfü^rtc unocrmciblidöc Äoften t)on bem ©d^roängerer
t)crtangen fann. 33erfd()iebenc ©efeße fegen für ben Setrag ber l)ier fraglichen
Äoften ein SKinimum unb ein aJkjimum feft unb fd^reiben üor, bafe innerfjatb
blcfer ©rcnjcn ber JRidöter ben SSctrag bcr 511 erfegenben Äoftcn unter Se^
rüdfftdbtigung beö ©tanbeö ber SWuttcr unb ber fonftigen SScrfjättniffe beftimmen
foll (ücrgl. fonberö^. ©ef. v. 12. 9luguft 1844 §§ 10, 11; rubolft. ©ef. t).
31. 9Wai 1850; meining. ©ef. ü. 9. September 1844 Slrt. 2; ©ef. für SReu^ ix. 2.
j). 4. 3anuar 1854 §§ 7, 8; Coburg, ©ef. ü. 28. 3uli 1858 9lrt. 2). 2)aö fäc^f.
®. 83. § 1861 unb baö gotf). ©ef. 0. 1. 3uli 1869 STrt. 3 beftimmen, bafe,
menn bic ©efd[imängertc an ©eburtö^^ unb 2:auffoften nid^t mcl)r alö 7 2:f)aler
verlangt, cö feineö SJa^mcifcö bebarf, ha^ biefer Slufroanb not^rocubig geroefcn
fei. 2)iefctbc Scftimmuug enthält ba§> alknb. ©ef. ü. 29. SRai 1876 mit bcr
Slbmcid&ung, bafe 30 9Karf olinc meiteren $Rad^n)eiö »erlangt rocrben fönnen.
S)cr ©ntrourf fiat, foüicl ben Umfang ber ju erfeftenben Äoften betrifft, ©tanbpunu
ben Stnfprud^ bcr SWutter in Ucbereinftimmung mit ben meiften neueren ©cfcfe^ «ntwurfei
gebungen auf ben ©rfog ber ©ntbinbungöfoftcn unb ber Äoften beö Untcrl^altcö
auf bie 3cit ber erften fed^ö SBodicn nad) ber ©eburt beö Kinbeö bef^räntt. umfana b«r
3)ie Äoften bcr 2'aufe unb beö S3egröbniffeö beö Äinbeö, meldte ücrfd^icbcne neuere ^^^*^'
©efcggebungen bei bem in Siebe ftcljcnbcn Slnfprud&c ber aJluttcr ebenfallö bc*
rürfftd&tigen, fommen t)om ©tanbpunfte beö ©ntmurfeö an% \)kx r\\6)t in 93etra(^t,
ba bcr legtcre biefc Äoften ju [bem bem Äinbc ju gemcitircnben Unterhatte
rechnet (t)crgl. §§ 1574, 1488 9lbf. 1, 4). 33ie aiuöbc^nung, rodele baö preug.
31. 2. SR. unb baö preufe. ©ef. t).^24. 9lpril 1854 bem f|icr fragtid()en 9lnfprud)c
geben, läfet p^ jmar vom ©tanbpunfte beö Sntcrejfeö beö Alinbeö auö rc^t^
fertigen, ift iebod^ megcn il^rer Unbcftimmt^eit unb im ^inblidEe auf bic
Srocifcl, meiere in bcr ^prajiö über bie 3:ragn)eite einer berartigen Scftimmung
910 UntcrBart«^flic61 beö uneßclid&en SBatcrß. (äntbinbunoSfoftcn 2C. § 1577.
fid) ergeben fönnen, afe bebenHid^ eracbtct. ^ubttn i)at bie SBorfd^rift be«
prcufe. 9lcd)ted, bafe bie ©cfd^toängerle oufeer ben Soften ber ®ntbinbung unb
fec^öwöd)entli^cn SBerpflegung oud^ anbete burd^ bie ©diroangerfd^aft ober
burdö ^öö SBod)enbett herbeigeführte unüermeiblid^e Äoften oon bem ©c^roängerer
verlangen fann, eine erl^ebli^e praftifc^e 93ebeutung nid&t gewonnen. Um fo
me^r fann man Don jener aiußbel^nung abfegen, ald ber § 1577 ber SJlutter
einen unbebingten Slnfprud^ auf ©rfa^ fec^öroöd^entlid^er Unter^altötoften ein?
räumt, obwohl nid^t feiten, namentlid^ in ben unteren ©täuben, baö SBod^en*
bett nur auf eine fürjere 3cit/ ^te auf bie 3^it ^^^ f^*^^ 2Bod&en, befonberc
Untcr^altöfoften erforberftc^ mad&t (oergl. § 20 9ir. 2 beö di. ©ef., betr.
bie Äranfenoerftcfierung ber 3lrbeiter, t). 15. 3uni 1883). ©in auörei^enber
©runb, bem aSater beä unc^etid)en Äinbeö anä) bie Soften ber Seerbigung ber
im SBod^cnbette üerftorbenen SWuttcr jur Saft ju leg^n, tft nic^t anjuerfennen.
2lud& baö gcltenbe 5lecbt, abgefel)en von bem preufe. 91. S. 91., ge^t nid|t fo
tücit unb aud^ in ^reufeen ift, mie ermähnt, jene SSorfd^rift beö prcug. 91. S. 91.
burc^ bas (Sefe| t). 24. 9lpril 1854 befeitigt.
wa8 S)ie im § 1577 9lbf. 1 bejeid^neten Soften foU ber aSater beö unel^clic^en
ber Äofteti. jjjj^jj^g j^jjQjj^ „j,^ innertialb ber Orensen ber 9iot^burft }u erfefeen üerpftid^tet
fein, baö SJJafe berfelben fott fid^ mithin nid^t na^ ber gefammten Scbenö*
fteUung ber äßuttcr rid)ten. S)a aud) bem une^elid^en ftinbe nur ein 9[nfprud&
auf ©eroä^rung bcö notl^bürftigen Unterl^alteö beigelegt ift (§ 1573), fo mu^
ber ®efid[|töpunft, baß ber t)ier fragtid^^e 9lnfprud) loefentlid) aud& bem 3ntereffe
bcö Sinbeö ju bienen beftimmt ift, fonfequcnt ba^in fül)ren, bei SBeftimmung
bcö 9JJa&eö ber ber SKutter ju erfe^cnben Soften auf bie Sebenöfteüung ber
SDJutter feine 9lüdEfid&t ju nehmen, fonbcrn aud^ l^ier in allen Sejie^ungen,
inöbefonbere aud^ in 9lnfel)ung ber ©ntbinbungöfoften, auf baö ?lot^bürftige
abjuftellen. 2)urd^ bie S3erüdEfid)tigung bcö ©tanbeö ber SKutter mürbe jubcm
unter Umftänben bem SSater beö une^elid^en fiinbeö eine ju große Saft auf*
gebürbet roerben, namenttid^ ba ber ©ntmurf bie S3erpflid|tung bcöfelben von
feiner 2eiftungöfäl)igfeit nid)t abf)ängig mad^t. 2)aö geltenbe SHed^t fte^t aller*
bingö jum 2^f|eil auf einem anberen S3oben. Snbeffen fann barauf bei ber
Gntfd^eibung ber l^ier in 9lebe fte^enben grage um beöroillen erJ^ebli^eö ®e*
mid^t nid^t gelegt werben, meil baö geltenbe Ked^t, roenigftenö jum 2^^eil, von
bem ©eFtc^töpunftc beö 2)elifteö ober Quafibelitteö bei ber ©eftaltung beö
9lnfprud^eö im ©injelnen fic^ ^at leiten laffen. 3m praftifd^en 9lefultate be*
fdöränfen aud^ uerfd^iebene beqenigen ©efefee, meiere ben Staub ber ajlutter
berüdffi^tigen, ben ^nfpruc^ ber legteren auf baö 9lott)bürftigc, inbem fie alö
äJJafimum ber ju erfegenben Soften einen Setrag feftfeften, roeld^er in Dielen
gällcn nid^t über baö 9lot^bürftige l^inauögelit.
»eioeift ber 4. S)a bcr 9lnfprud& ber SRutter im § 1577 alö ein ©rfafeanfprud^ ge*
«ufiuenbunfl. ^^^jj^j j^^^ t^^ ^^^^^ ^^ ^^ j^.^ ^ß^j^^^ j^.^ bcici^ncten Soften nur bann oer*
langen fönnen, menn unb foroeit fie bie le|teren aud& roirHid^ aufgeroenbet
f)ai. 2)a jebod^ bcr 9lnfpruc^ ber SRutter auf baö 5Rot^bürftige befd^ränft ift
unb in ben meiften gällen bie SRutter faftifd^ ben SKufroanb auö eigenen
ajJitteln beftritten l)abcn wirb, fo empfiehlt eö fic^ auö praftifd&en ©rünben
im Siitereffe ber SSereinfad^img unb ber 3Serminberung ber 5ßrojef[e über bie
Untcr5alt§pfa<6t bc3 uncöcUt^cn »atcr3. (SntBmbunößfoftcn ic. § 1577. 911
^icr in SRcbc ftcl^cnbcn ainfprüd^c, unb ift eö anbcrerfeitö unbcbenflii^, mä)
bcm SSorbilbc bcs fä^f. ®. 33. unb anbcrcr neuerer ©efcfee (üergt. oben
©. 909) bem SSater beft unehelichen Äinbcö bie SSerpftid^tung jum ©rfage
bcr ^ier fraglid^en Äoften o^nc SWüdfid^t barauf auf juerlegen , ob unb
rücl6)z Äoftcn pon ber SRutter aufgerocnbet finb. Um aber bem 3Äi6^
pcrftänbniRe ju begegnen, als ob in golgc beffen bcr SBater beö une^elid^en
Äinbeö aud& in bem ^aUc, wenn bie SWutter oor 5HbIauf üon fec^ö SBod^en
na4) ber ©eburt bcö Äinbeft gcftorben ift, wegen ber Äoften ber fed&ö:'
mo^cntlid^en SBerpflegung über bie 3^i* ^^^ S^obeö ber ajlutter f)inauö
erfofe ju leiften oerpflid&tet fei, ift im § 1577 STbf. 1 ©aß 3 auöbriicflic^
beftimmt, bafe in biefem gatte bie ©rfaßüerpfliditung be« SBaterd beö un*
e^elid)en Äinbeö megen jener Äoften auf bie ^tit bis jum SE^obe ber SKutter
befc^ränft ift.
5. 2)ie im § 1577 3lbf. 1 beftimmte SOerbinblid^feit beö SBaterö beö un* «ofetgebart
e^edc^en Äinbeö, megen ber Äoften beö Unterfjalteö roa^renb ber crften fed^
SBod^en nad^ ber ©eburt beö Äinbeö ber aKutter Srfa| ju leiften, foU aud^
bann eintreten, wenn ia^ Äinb tobt geboren ift. SBenngleid^ ber Slnfprud^
auf ©rfaß jener Äoften fi^ in biefem galle auö bem ®eftcf)töpunfte beö
Sntereffcö beö Äinbeö nid^t rechtfertigen lafet, fo fpred&en bod^ anbere ©rünbe,
inöbefonbere SRüdEfid^ten ber S3iIIigfeit gegen bie aWuttcr beö Äinbeö imb bie
SRücffid^t auf ©rieid&terung ber ben 9lrmen:= unb Unterftü|ungöfaifen obliegenben
Saft, bafür, feinen Unterfd^ieb ju mad^en, ob baö Äinb tobt geboren ift ober
nid^t, jumal ber SKnfprud^ auf 6rfa6 ber Unterl^altöfoften für bie erften fed^ö
SBod^en nad) ber ©eburt beö Äinbeö jugleid^ eine geroiffe 5ttuögleid^ung bafür
ift, bafe ber 3Jlutter ber 3lnfpruc^ auf 6rfa| anberer burd^ bie ©d&ioanger^
fcbaft ober baö SBo^enbett i^r ermad^fener Äoften nid&t juftelden foU. ©agu
fommt, bafe oud^ baö geltenbe Siecht jenen Untcrfd&ieb nid^t ma6)l hieben
bem gaUc ber ©eburt cineö tobten Äinbeö nocli ben gaU befonberö ^eroor«
jul^eben, in roeld&cm baö Äinb in ber ©eburt ftirbt (pergl. § 23 beö 91. ©ef.
über bie Seurfunbung beö ^erfonenftanbcö v. 6. gebruar 1875), ift nid&t für
erforberlicli erad^tet, ba ber lefetere gall burd& ben gaU ber ©eburt eineö
tobten Äinbeö gebedtt wirb. 2lud^ ber galt bebarf feiner befonberen 93erücf*
fid&tigung, wenn baö Äinb üor Slbtauf ber fed^ö SBod^en ftirbt.
6. 33erf^iebcne ©efefegebungcn räumen ber ©efd&roängerten einen Sin* wi«eburt
fprud& auf ßrfafe ber ©ntbinbungö* unb SBod&enbettöfoftcn aucf) im galle ber
gel^lgeburt ein unb beftimmcn, bafe alö (grjeuger berjenige angefe^en werben
foU, roctc^er mit bcr ©cfd&roängertcn ben Seifc^laf ooBjogcn ^at, menn bie
Scfd^affen^eit bcr grud&t nac^ bcm Urt^cilc ©ad^oerftänbiger mit bcr 3cit bcö
S3eifd^lafcö übercinftimmt (ocrgl. preui 21. S. 31. II, 1 § 1078; prcug. ©cf.
V. 24.3lpril 1854 §§ 7—9, 15 2lbf. 2; mcining. ©ef. o. 9. ©cptcmbcr 1844
Slrt. 1, 3 abf. 2, «rt. 11 Slbf. 3; ©cf. für 9ficu| ä. S. t). 4. 3anuar 1854 § 8
abf. 2). ®cr gntrourf f)ai bicfen gatt nid&t befonberö bcrücfri^tigt, t^cilö
TOcgcn ber ©^micrigfcit, in biefem gaDe bie (Smpfängnifejeit unb bie 5ßcrfon
bcö ©d^rodngcrcrö feftinftcUen, ol^ne bie excjeptlo plurium concumbentium
inuforif(^ JU mad^en^ tbcilö in ber ©rroögung, bafe bie gällc einer gcl^Igcburt
feine Segünftigung ücrbicncn.
912 2tnfprüd?e aug bcm augcre^eliicn Seif*Iafc. (§ 1577.)
^tl^utul '^^ Snroicfern ber im § 1577 anerfonnte Slnfprud^ and) oon einer (S^efrau
als t^froi. geltenb gemad^t roerbeix tonn (ocrgl. preufe. 91. S. 9t. 11, 1 § 1027; preufe. ®ef. v.
24. aprir 1854 § 8; Coburg. @ef. o. 28. ^uU 1858 3lrt. 28), rid&tct fid&, ba
ber § 1577 bie Une^clid^teit bc§ Äinbcö ooroußfegt, nad) benfelben SBcftimmungen,
toeld^e für bie (gntfd^eibuug ber grage ma^gebenb finb, ob ein üon einer @^e?
frau geborenes Rinb ben im § 1571 beftimmten Unter^altöanfprud^ gettcnb ma^en
fann (oergl. bie SRotioe ju § 1571 oben ©. 877 ff), ©in Scbürfnife, in biefer
Stiftung Ijicr bcfonbere Seftimmungen ju geben, liegt nid^t por. 3nöbcfonberc
ift cö bei ber ©ellenlieit ber in Setrad)t fommenben gäUc nid^t für erforberlic^
crod^tct, ber SJlultcr beö Jlinbes ben Stnfprud^ auf ßrfag ber ©ntbinbungö*
unb SBod^enbettöfoften überhaupt ju üerfagcn, wenn unb foroeit biefelbe für
bie im § 1577 3lbf. 1 bejeici^netc ^dt einen 9lnfprud& auf Unterhalt gegen
i^ren ®^emann f)at.
örfüuung«* 8. 9luS bem Äarafter beö f)ier fraglid^en Slnfprud&eö alö eineö ©rfo^«
*"* anfprud^eä crgiebt fid^ üon felbft, ba^ bie SJlutter beö unclielic^en Äinbeä bie
83ejaf)Iung ber im § 1577 bejeid^neten Roftcn nid^t im SSorauö verlangen fann
(üergl. aud^ § 1577 2lbf. 1 ©afe 3). ©in »ebürfnife, ber aJlutter fd^on üor
ber ?lieberfunft ein 9ie^t ju geben, t)on bem ücrmutblic^en Schwangerer
Hinterlegung ber iloften ju oerlangen (t)ergl. Seuffert V, 290; preufe. 21. S. 9i.
II, 1 §§ 1019—1023, II, 18 §§ 966, 967), ift nic^t üor^anbcn (üergf. aud& bie
aWotiüe ju § 1573 oben ©. 893). SKit bem ©ntrourfe ftimmen in biefer
^infid^t bie meiften neueren ©efefee überein. Slud^ bie angeführten abmeid^enbcn
SBorfc^riften beß preufe. 91. S. dt. fmb burc^ bas ®cf. t). 24. 3lpril 1854 § 22
für ^ßreufeen befeitigt.
sDercraiic^feit 9. <^a bie tm § 1577 beftimmte SSerpflid^tung beö uncl&end^cn SBatcrö
feine famitienred^tlid^e, fonbern eine gemötinUdde ©rfagoerbinblid^feit ift, fo
beborf eö einer befonberen SSeftimmung, baß biefelbe auc^ gegen bie ®rbcn
beö 3Serpffid&teten geltenb gemad)t werben fann, nid^t. 2)ie pafftüe aSererblid^feit
cntfprid^t aud) bem gemeinen 9lerf)te unb ben neueren (Sefeßgcbungen (üergL
preufe. ®ef. o. 24. aipril 1854 § 19; fonbcröl^. @ef. ü. 12. 3luguft 1844 § 4;
rubolft. ©ef. t). 31. 3Kai 1850 § 2; meining. @ef. t). 9. September 1844
ärt. 29; Coburg, ©ef. t). 28. 3uU 1858 Slrt. 11; got^. ®ef. t). 1. 3uli 1869
9lrt. 11 ; fä^f. ©. 93. § 1873; altenb. ©cf. r>. 29. SKai 1876 § 19).
srnfprud^ H. ©cmeinredjtüd) ftc^t ber ocrfü^rten unbefd^oltencn Jungfrau ober
2:epo?oHon. SBittme auf ©runb eineö ©crool)nt)eitöred^teö gegen ben SBerfü^rer ber 2ln*
©ettenbe« fp^id^ JU, bo^ bcrfclbc entiücber fte eljclic^e ober ilir burd^ ©croä^rung einer
«ec^t dos bie ©inge^ung einer anberen ©l&c ermöglid^e. Ueber bie rcd&tlid^e 9latur
biefeö 3lnfprud^eö l^errfd&t iebocft in SJottrin unb ^rayiö feine Ueberelnftimmung.
SSorroiegenb wirb berfelbe alö ein auf einem SDelifte beru^enber SKnfprud^ auf
©^abenöerfafe aufgefaßt (tjergf. ©euffert I, 230, IV, 255, VH, 48, IX, 294,
XXVn, 261, XXXI, 196). Slnbere farafteriftrcn benfelben alö eine actio
vindictam spirans, alö einen 9lnfpni^ auf ©enugtl^uung für eine perfönlid^
jugefügte Äronfung, mieber 9tnbere alö einen ©ntfdicibigungöanfpru^, roetd&cr
in geroijfer 93cjicl)ung unter ben Segriff ber ?ßrit)atftrafe falle, ©ine Dtertc
STnfidEit ücrmirft überljaupt ben Setif töftanbpunft unb fü^rt ben 2lnfprud& alö
obligatio ex lege auf bie SiHigfeit (uergl. ©euffert XIX, 212) bejn). auf baö
anfpruc^e au8 bcm an^m^tliijcn Seifd&rafc. (§ 1577.) 913
burd& bcn Seifd^lof jioifc^cn bcr ©cfci^iüäc^ten imb bcm ©d^roängcrer angcblid^
begrünbete perfönlid^e aScrJ^öItnife jurüd.
ÜKit bem gemeinen SRed&te ftimmen in bcn ®runb(agcn, wenn aud^ im
einjclnen abroeic^cnb, inöbefonbere baö prcufe. 31. S. 5R. ll, 1 §§ 1061, 1064 ff.,
1025—1084, baö fäd^f. ®. 33. §§ 1551—1553, baö roürttcmb. ®ef. v. 5. ©ep^-
tember 1839 unb boö altenb. ®ef. o. 29. SKai 1876 §§ 1—3 ubcrein.
6inc jTOcite ®nippe üon Siedeten l)Qt jroar bcn 9lnfprud) bcr ®cfd)mädötcn
ober ©cfd^mängertcn auf ©^clid^ung ober 9luSftattung in ber 3nigemcinl)cit,
mie i^n bie Kcd^te ber erften ©ruppe juloffen, befeitigt, jcbod^ für geroiffe
quttüfiiirte SKuönalimefälle ber ©cfd^roäd^tcn ober ©efdömängertcn einen Sln^
fprud& auf SKuöftattung ober ouf 3lbfinbung gegeben (ücrgl. preu§. ®cf. v.
24. Slpril 1854 §§ 1—6 ; meining. ®cf. t). 9. ©eptember 1844 9lrt. 1, 4—7,
29—31; ®cf. ffir 5Reu6 ö. 2. d. 4. Januar 1854 § 12 unb o. 3. Tlai 1879 § 51;
Coburg. ®ef., bie ®ntfd^äbigungsanfprüd)e bcr grauenöperfoncn aus einem Sei*
fd^Iafc u. f. n). bctrcffcnb, v. 28. 3uU 1858 9lrt. 1—4, 7, 8). Die ju bicfcr
®ruppc gcl^örcnbcn ®cfc6e geben bcr ®cfd^n)äd^ten besn). ber ®efd^n)ängerten
einen 9Infprud^ auf Sluöftattung ober auf 3lbfinbung nur in einjcinen beftimmt
bejeid^neten göllcn, in rocldöen bcr SScifd^laf unter Umftänben erfolgt ift, roetd^c
bcn 3:^atbcftonb eineö im ©trafgcfcgbud^e oorgcfe^enen SScrbred^enä ober 3Ser==
geficnö auömad^en, ba^ prcufe. ®cf. ü. 24. Slpril 1854 §§ 2—4 unb baö ®efc6
für SRcufe ä. S. p. 3. 9)}ai 1879 § 51 aufeerbem, rocnn bie ©d^mängcrung
TOäl^renb beö Srautftonbeö unter bcn 3Serlobten ftattgefunben i)ai.
©ine britte ®ruppc üon SRcd^ten ^at icben auf bcn aufecrcfielidöen 93ci?
fd^taf als fold^cn ober auf bie SBerfütjrung jum aufeere^elid&cn Seifd^tafe gc^^
ftü^ten 9lnfpntc^ bcr ®efd&n)äc^ten ober ©cfd[iroängcrten auf (Sf)elid)ung ober
Sluöftattung bciro. auf Slusftattung ober 9lbfinbung (bie fog. S^eporationd*
finge) gänjtid^ befeitigt (ücrgl. öfterr. ®. 93. § 1328; m^. ©bift üom
21. September 1816 §§ 3, 4; grofe^crjogl. ficff. ®cf. ü. 30. 9Kai 1821 Slrt. 2 —
baju ©cuffcrt XXVII, 233 — ; fonbcrö^. ®cf. t). 12. Slug. 1844 § 41; rubolft.
®ef. 0. 31. a)Jai 1850 § 36; loeimar. ®cf. ü. 6. 3uni 1853 § 1; gotl). ®cf.
ü. 1. 3ua 1869 2lrt. 18 ücrb. mit ber gotf). ilonftitution o. 29. 3uni 1804
§§ 52, 56).
3lu(^ bem fronj. SHcd^tc ift bie fog. 2)ef[orationöKagc fremb ; eine f efte
franj. ^rajiö gerodf^rt jcbod^ auf ©runb beö code civil 9lrt. 1382 nid^t nur
im gaUc einer ©ntfüf^rung ober 9'iotl)jud)t, fonbern audi im galle ieber auf
2:äufd)ung, unjuläffigen SJlanipuIationcn ober auf SHiöbraud^ ber 3Iutorität
bcru^enben SSerfü^rung unb Sc^mängcrung ber betreffenbcn 5{5crfon einen 3ln^
fprud^ auf ©ntfc^öbigung (ocrgl. S^itfc^^^- f- f^^^nj- ©iöilr. II S. 336 ff.; ferner
Urt^eil b. S». ®. o. 5. 5Rooember 1886 ebenbaf. XVII S. 653). 2)ad bab. ®cf.
0. 6. aWärj 1845 §§ 14 ff. über bie priDatrcd^tlid^en golgen ber Sßerbrec^cn
giebt im galle bcr Siotl^jud^t, ber ®ntfüljrung, ber me^rfac^cn ©I)c, ber im
©trafgefege mit ©träfe bebrol^tcn SScrfüfjrung unb ber betrüglid^en SJcrlcitung
jur ®f|c ber SBerlc^ten einen 9lnfprud^ auf ©d^abcnöerfa^, wenn burd^ bafi
aScrbred&cn, baöfelbe mag Slrbeitö^ ober ©rrocrböunfö^igfcit jur golge Ijabcn
ober ni(^t, baö fünftige ^ortfommen ber baoon betroffenen ^crfon erfd^roert
914 Snfpcu^e aud bem augerel^elt^en Setfd^Iafe. (§ 1577.)
roorbcn ift. Slud^ bas njürttcmb. ®cf. x>. 5. ©cptcmbcr 1839 9lrt. 18 räumt im
^allc bcr 9lotl&jud^t ober bcr SBerfül^rung eine« unmannbaren SÄäbci^cnö jur
Unjud^t ber SBerleftten (neben bem Slnfprud^c auf Sluöftattunfl wcflcu
Dekoration) einen Slnfprud^ auf ©d^abenöcrfafe megcn ber burd^ jene ^anb*
lung etroa l&erbeigefü^rten Seeintrdd^tigung beö gortfommenö ein.
«tttnbpunu 25er ©ntrourf übergel^t bie fog. ©eflorationdKagc mit Sd^meigen. S)arauö
cntiourfei. ergiebt ftd^^ bag burd^ ben auger bcr @^e üoDiogenen 93eifd^(af ald fold^en
»uftfc^ue^ung ^'^ bie ©cfd^mäd^te ober ®cfd6n)ängerte, aud^ mcnn fic Derfül^rt roorbcn ober
t>er bie ©d^mäd^ung ober ©d^mängerung mä^renb beö 93rautftanbed von Seiten
^^naT'^ l>e8 SBerlobtcn erfolgt ift, fcincrici STnfpruc^, fei eö auf eine Sluöftattung ober
auf eine @ntfd^äbigung, begrfinbet roirb.
älud allgemeinen ©runbfögen lögt ftd^ ein fold^er älnfprud^ nid(|t red^t^
fertigen, felbft nid^t für ben gaÜ bcr SBcrfü^rung, ba bie äSerfül^rtc, xoznn
überl^aupt jured^nungöf ä^ig , trog ber SSerfäl^rung bcr SBiDendfreil^eit nid^t
beraubt ift, bemienigen aber, wcld^er in eine i^n bcfd^abigcnbc ^anblung ein*
roilligt, ein Slnfprud^ auf ©d^abenöerfafc nid^t juftel^t (§ 706). 3ludf| rocnn
bcr SBerffi^rer, um bie grauenöperfon jur ©eftattung befi Scifd^Iafcö ju bc«^
megcn, feine 3lutorität mifebraud^t, auf S^äufd^ung berul^enbc SSerfprcd^ungen
gemad^t unb fonftige arglifiige 9Ritte( nid^t gefd^eut I|at, fann man {u einem
anbercn SRcfultatc nid^t gelangen, ba, fomeit nid^t in ienen göllcn mirtUdfier
3n)ang ober fold^e 2^äuf (jungen ftattgefunben l^aben, in golge beren bie ®c*
fd^roöd^te fid^ für bered^tigt l^alten burfte, ben Seifc^Iaf ju geftattcn, mithin
mirllid&e SBerbred^en vorliegen, trofe ber SÄnroenbung jener ÜJlittel bie ^eil^cit
bcr ©inmilligung ber ©cfd^roäd^ten nid^t aufgehoben ift. 3^^^^ empört fid^
baö ©efü^t, menn ein unbefd^oltcneö ajläbd^cn auf argKftige SBcifc jum Sei*
fd^lafc verleitet ifi; allein bieö ift nid^t minbcr ber gall, wenn 3cmanb einen
9lnbercn burd^ fein gciftigcö Ucbcrgcmid^t ober feine 9[utorität ober burd^
täufd^enbe SSerfprec^ungen ju anbercn unfittlid^cn ^anblungen, mögen bicfclbcn
iugteid^ ftrafbar fein ober nid^t, t)erfü^rt l^at. ßbenf omenig wie in biefcn
göDcn, ücrmag in bem l&ier in SWcbe ftel^cnbcn galle bie SBerfü^rung einen
Slnfprud^ auf ©d^abenfterfat ju begrünben ; bcnn bie fd^abcnbringcnbc SC^atfad^c
ift nid^t bie 93crfü^nmg, fonbern bcr 93eifd^laf, unb ju bicfcm ^at bie SBcr?
fül^rtc i^rc ©inroilligung crt^eilt. SBcnn trofebem bie DcjIorationöKagc im
gemeinen 9?cd&tc burd^ ©cmo^ni^eitdrcd^t anerfannt roorben ift, fo ift bicö
^auptfäd^Ud^ bem @inf{u{fe beö fanonifd^cn Sltd^tcd jujuf d^rciben , iDcld^c« im
^inblidfe auf einige SKuöfprüd^e bcö alten S^eftamentcd mcfcntlidfi ben 3^^
verfolgte, bie gcftortc ©itte unb Drbnung baburd^ micber^crjuftcllcn, bafe bcr
33erfüörer bie ©cfd^roäd^te c^clidöcn folltc. 3)a^er bie SBorfd^rift bcfi tanonifd^cn
SRed^tcö „duc et dota«, eine SSorfd^rift, roetd^e erft burd^ bie ^rajiö in bie
anbcrc „duc aut dota" umgcroanbelt morbcn ift. 3enc Slüdffid^t auf SBicbcr*
IjcrftcIIung ber geftörten Drbnung unb ©itte unter S3cad^tung bcr natürtld^cn
SBilligfcit liefe ben 2lnfprud& ju einer 3^^ gercd^tfertigt erfd^cincn, in
roeld^cr mit bem stuprum fonftige erl^cblid^e, burd^ baö ganjc fiebcn fidfi ^in*
jic^enbc SJad^t^eilc »crbunbcn marcn, bie ein ©cgcngcroic^t gegen iencn Sin*
fpruc^; bilbctcn. Dicfc a3orauÄfc|ungen Hegen legt nidfit mcl^r t)or. 2)er Slnfprud^,
mcld^cr in Dieten ^Jällcn ftd^'nur ate ein reiner ©ewinn für bie Ocfd^rofid^tc
9lnfj)ril4c auö bcm auficreßdid&cn SelWIafc (§ 1577.) 915
^crauöfteHt, btent. jefet nur baju, bie UnfittUd^fcit ju beförbcrn. SlUc 33cbenfc»,
rütl(S)t gegen bie 3wlöfP9'^it ^^^ ®rforfd^ung ber SBaterfd^aft im ^ßrojcjfc
geltcnb gemad^t werben, feieren l^ler, wo eö fid^ um einen 3ln[prud^ ber ®^^
[c^mäci^ten lebiglid^ in beren 3nteref[e l^onbelt, in oerftärftem ÜJlafee roieber,
ol^ne baS ben[elbcn ^ier ein SWed^tegrunb unb bie fonftigen für bie Slncrfennung
bcÄ Unter^altöanfprud^eö bes unehelichen ftinbeö fpred^cnben ©rünbe entgegen^
gel^altcn werben fönntcn.
S)aju fommt, bo^ ber Segriff ber SBerfü^rung fid^ jeber fd^arfen 8e^
gtcnjung entjiel^t unb ber Seroeid ber ju ©runbe licgenben S^^atfad^en mit
ben größten ©^roierigleiten tjerbunben ift. ©iefenigen gälle, in meldten eine
roirftid^e SSerfül^rung ber ©efd^mäd^ien ftattgefunben l^at, finb t)on benjenigen,
in loetd^en fein 2;^cil bem anberen in bicfer Sesiel^ung etroaö Dorjuioerfen l&at,
in meldten mithin ber Slnfprud^ iebenfallö unbegrünbct ift unb gegen bie
guten ©ittcn ftreitet, oft fd^mer ju unterfd&ciben, fo bafe, menn bie aSerfül^rung
von ©citcn beö ÜJlanneö ju ©unften ber Klägerin Dermutl^et wirb — mic
bie« gemeinred^tUdö nod^ ber l^crrfd^enben ÜJleinung ber gall ift (t)ergt. ©euffert
XXVI, 133, XXX, 33) — , man ©efal^r läuft, baburd^ unbegrünbeten SKn^^
fprüd^cn SSorfc^ub }u teiftcn. häufig üerfül^rt aud^ baö SBeib ben SJlann.
®iefe ©d^roierigfeiten fiat baö ffid^f. ®. ». §§ 1551—1553 aDerbingö baburd^
bcfeitigt, ba^ baöfelbe ben 9lnfpruc^ ol^ne SRüdPfid^t barauf giebt, ob eine aSer*
f ül^rung ftattgefunben ^at ober nid^t ; allein baburd^ ift bem Slnfprud^e gerabe
bicjenige ©runbtage entjogen, von roetd^er auß berfelbe fonft gered^tfertigt ju
werben pflegt. Dl^ne biefe ©runblage cntbelirt berfelbe aud^ beö ©d^eineö eines
9{ed^tdgrunbed.
2luf öfintid^c ©d^mierigteiten ftöfet man bei SBcantmortung ber gragc,
wann eine ^auendperfon alö unbefd^olten ober ate befd^olten anjufel^en ift.
©teilt man bie gfille ber Sefd^ottenl^eit im ©efcfec feft, fo ift ju befürd^ten,
bafe in Dielen gälten, in meldten ber im ©cfefee feftgeftclltc j^^atbeftanb non
bcm Seflagten nid^t fubftantiirt unb bemiefen werben fann ober in weld^en
jener 3ri)atbeftanb nid^t jutrifft, bie Klägerin aber wegen il^red aScr^altenö
einer ©ntfd^bigung nid^t würbig ift, ber SWid^ter bod^ in bie Sage fommt,
materiell unbegrünbcte unb mit ben guten ©itten im SBibcrftreite ftel^enbc
Slnfprüd^e jucrfennen 5u muffen. Slbgcfe^en baoon fommt l^ier alleö basjenigc
in Setra^t, was ben Entwurf beftimmt l^at, gegenüber bcm Unterhältst
anfprud^c beö unelielid^en ÄinbeS bie ßinrebe ber S3efd^olten^eit ber SJlutter
ausaufd^liefeen (tjcrgl. ÜJlotiüc ju § 1572 oben ©. 889 ff.).
Um fo unbebenflid^er ift es, bie 3)efIorationSflage im ©efefce ju über*
ge^cn, als aud^ bie SDle^rjal^l ber neueren ©cfefcgebungen einen Slnfpnid^ ber
©efd^wäd^ten ober ©efc^wängerten in ber Slllgcmeinl^eit, wie il^n bas gemeine
Siedet unb bas fäd^f. ®. 39. julaffen, nid^t anerfannt l^aben, unb au^ in bcn^^
ienigen ©cbieten, in weld^cn ber 9lnfpruc^ nod^ ic|t in feiner urfprünglid^cn
2lusbc^nung beftel^t, in ber 5ßrajis mciftens nur geringe betrage jucrfannt
ju werben pflegen.
Sweifcll^after fann es fein, ob nid^t nad^ bem Vorgänge beS preufe. ®ef. ^m&nqo
V. 24. äpril 1854 wenigftenö für ben gaU ein Slnfprud^ auf SluSftattung »Änbe.
anjuerfennen ift, in wcld^em bie ©d^wängerung wöl^rcnb bes SBrautftanbes
58 •
916 9lnfprü(i6e awö b^n^ au§ci-cl)elid6cn Scifd^Fafc. (§ 1577.)
von ©eitcit beö SScrlobtcn cvfolgt ift. 35a bie Sci^wängerung in biefem gallc
unter Umftänbcn ftattgcfunbcn \)at, töctd^c bic 9lnnttl)mc rcd^tfcrtigtcn, bafe cd
äur ®l^e mit bcm Sd^roängercr lommcn roerbc, [o crfd^cint l^ier bcr gcJ^Itritt
bcr ©efc^roäd^tcn allerbingö ent[ci(|ulbbarer unb in einem milberen Sid^te ; allein
bcr antijipirtc Seifd^laf bleibt bod^ immer eine unfittlid&c ^anbtung, in n)cld)c
bie ®t^ä)xoää)ic fctbft cingcmilligt Ijat. 3llö 2;^eitnc^mcrin an bcr unfittlid^en
^anblung fann fie aus bcr Icfetcrcn feine Siebte ableiten. @d müfeten ba^cr
fonftige bringenbe ©rünbc vorliegen, um eß ju red^tfertigen, in bcm l^icr in
SRebe fte^enben galle auönal^möweifc einen Slnfprud^ an^ 9lusftattung ober auf
eine 3lbfinbung anjuerfeunen. ©old^e Orünbc fmb aber, namentlid^ feitbem
bie Ocfcftgebung bie roirtlifd^aftlid^cn unb polijeilid^en aSorfd^riften, meldte bic
S^cfd^licfeung befd^ränften ober erfdjmcrtcn, beseitigt ^at, nid^t oor^anben. 3m
Ocgent^eil fprid^t gegen eine fold)e Sluönal^mebcftimmung, ba§ biefelbc geeignet
ift, bie Unjud^t mäl^rcnb beö Srautftanbeä ju bcförbern. 2)aiu fommen bic
Sd^roierigfeiten, meldte nad^ Obigem mit ben Segriffen ber SBerfülirung unb
ber Unbefdjoltenl^eit bcjn). mit ber Scroeiäfü^rung in biefer i^infid^t Dcrbunbcn
finb. Siefcn Sd&mierigfeitcn mürbe man jmar entgelten, menn man in
biefem gallc ben 2lnfprud^ nid^t an bie aSorauöfefeung bcr SSerfü^rung unb
ber Unbefd^oltcnljcit fnüpfte; allein bieö lägt fid^ bei einem Slnfpru^c, mclc^er
eine ©ntfd^äbigung für ben 58crluft ber mciblid^en @l)rc unb bie baburd^ ^crbei*
gefül)rte ®rfd^merung ber aSer^eiratljung ju gcmäliren bcjmcdt, nid^t rcd^t^
fertigen. S)aju tommt, ba§ nad^ bcm ©ntmurfe baö 58crl5bni6, abgefe^en
üon ben aSorfcfiriftcn beö § 1228, einen 2lnfprud^ auf ©ntfdiäbigung im
galle ber' SBcigcrung ber eijcfd^tiefeung nid^t begrünbet. S)er 3^^* tiefer
aSorfd^rift, ieben S^anQ jur (SJ^cfd^licgung t^untid&ft jU t)ermeibcn, mürbe
gefälirbct rocrbcn, menn aus bcm aScrlöbniffc unter liinjufommcnbcm 93ci*
fd^lafc im galle bcr aSermcigerung bcr ©^cfd^licfeung ein Slnfprud^ auf 3Iuös
ftattung crmadjfen folltc.
©<^abcn8* ®ö fommen l;icrnad^ nur nod) bicicnigcn gälle in grage, in meldten
litliÄburd^ aSottjic^ung beö SBeifdjlafcö eine im ©trafgefefebud^c üorgcfc^cne ftrafbarc
^anblung begangen ift. 3n fold^cn gällcn ift aud& jegt nod^ üon ben mciftcn
neueren Siedeten ein 3lnfprud^ bcr ®cfd;n)ädbtcn ober ©cfd^roängcrtcn auf ©c-
mä^rung einer 3luöftattung ober 9lbfinbung anerfannt. Snfomcit bcbarf cd
aber oom Stanbpunfte beö ©ntmurfcö auö einer befonberen Seflimmung nid^t.
2)cm a3ebürfniffc, in fold)en gällcn ber SScrlcfeten eine angemeffcne Gut*
fd^äbigung nid^t allein rocgen Seeinträd^tigung i^reö gortfommcnö, fonbern
aud^ wegen bcr i^r perföntid) mibcrfal)rcncn Äränfung ju S^^eil rocrbcn ju
laffcn, ift burd^ bic 58orfdjriftcn beö ©ntrourfcö über ©djabenöerfafe auö un-
erlaubten ^anblungcn (§§ 704, 218, 219, 221, 728) in üollem aWafee genügt.
Snöbefonbere wirb burd^ iene aSorfd^riften ax\6) bcr in Dcrfd^iebcncn neueren
©efefeen, namcntlid^ in bcm preug. ®ef. u. 24. Slpril 1854 § 6, bcm roürttemb.
®cf. D. 5. September 1839 2lrt. 18 unb bcm bab. ®cf. t). 6. aßärj 1845 § 14,
t)orgefct)ene gall gebedft, roenn ein unbcfd^oltencö aSabd^cn, rocld^cö baö fcd^ö-
jcl^nte öcbcnöia^r nod^ nid)t DoHcnbct l)at, jum Scifd^lafe Dcrfü^rt rocrbcn ift
(pcrgl. § 182 Str. ®. 33. mit § 728 9lbf. 2 b. Gntro.; SSorbemerfung ju ben
§§ 722—736 33b. n S. 753),
Itnter5art3t>fli$t beö uncMi^eu aSatcre». aSerJal&runo. §1578. 917
III. 3m 3In[d^Iujfe an eine, übrigens fcineöroegö aHöemcin ancrfanntc, »eiiegung her
gcmeinreci^tlid^e 5ßrariÄ geben einjelnc neuere ®efe|e ber üon il^rem SBertobten gcWeb^en
gcfd^roängerten 93raut für ben goU, ba^ ber aSerlobte bie ®l)cfd^He6ung weigert, «^fr««-
bejro. aud^ für ben gall, bafe bie ®^e ol)ne bie ©c^ulb ber Sraut auö einem
fonftigen ©runbe uid^t ju ©tanbc fommt, baö SRed^t, ju üerlangcn, bafe il^r
burd& rid^terlid^ed Urtl^ei( bie SWed^te einer gefd^icbenen, für ben unfd^ulbigen
2;^eil erf lärtcn ©l&efrau beigelegt werben ; boä) gelien biefe ©efefee im ©injclnen,
fouiel nomentlid^ bie SSorauöfefeungen jenes Sled^teö betrifft, mel^rfad^ auös
einanbcr (üergl. prcufe. 31.S.5R.TI, 1 §§1032 ff.; fonberöt). ®ef. t). 12. Sluguft 1844
§§ 1, 2; Weimar. ®ef. o. 2. 5RoDember 1848 § 11). dagegen ftnb bem öfterr.
0. S., bem franj. 5Red)te unb bem fäd^f. ®. 33. berortige 93eftimmungen un*
befannt. Slud6 in ^ßreufeen fmb bie betreffenben SBorfd^riften beS preufe. 91. S. SW.
burd& bas ®ef. r>. 24. 2lprit 1854 § 22 aufgehoben, ©benfo ift in 5ffiiirttem^
berg bie ältere auf bem 93oben ber be}eid)neten gemeinreditlid^en 5ßrajiö
ftclicnbe ©efefegebung neuerbings burd^ baö ®ef. r>. 8. 9luguft 1875 Slrt. 4 afö
befeitigt anjufel^en.
3)er ©ntmurf l^at fic^ ben julefct angefüfirten ®efeggebungen angefd)Iojfen.
Stud^ in Slnfel^ung beö liier fraglid^en Sffnfprud^eö fommt por Slüem in SSe^^
trad^t, ba^ eö an einem JWed^tögrunbe für benfclben fel^It. 3lud^ mürbe bie
Slnerfennung eines fold^en Snfprud^eS mit bem 5ßrinjipe bes Entwurfes nid^t
im ßinftange fte^en, ba§ burd^ bas Sßerlobnife eine SSerbinblid^fcit ber 93er==
lobten nid^t begrünbet wirb (§ 1227). 2)ie S3raut barf burd^ bie ^injutretenbe
©d)Wängerung nid^t bcjfer geftellt werben, wie bied o^ne ben ^injutritt ber
©d^wöngerung ber ^all ift. ®d würbe fonft ber Slntijipirung bcS 8eifd^(afcö
unter aSerlobten unb bamit ber Unfittlid^feit 9Sorfd)ub geleiftet. 3^^^"^ ift
bas SSerlobnife nad& bem Entwürfe an irgenb eine ^orm nid^t gebunben, weld^e
ertennbar mad^t, ob in SBirflid^feit ein SSerlobnife Dorliegt. 9lbcr aud^ ab-
gefe^en baoon, ift im S^tcreffe ber öeiligfeit unb SBürbc ber (Sf|c baran feft-
iulialten, bafe bie Siedete einer ©fiefrau nur burd^ bie @^c entfielen unb nid^t
a(S 3»itte( jur ©ntfd&äbigung biencn. 2lus biefem ®runbe ift es aud^ nid^t
gered[)tfertigt, ber ©efd^wöd^tcn etwa für ben gall, bafe bie Sd^wängerung
burd^ ein gegen \it begangenes SScrbred^en, j. 33. burd^ 9lot^iud^t, erfolgt ift
(üergt. preufe. 31 2. SH. II, 1 §§ 1115, 1116; baneben aber preug. ®cf. u.
24. 3lpril 1854 § 22), auS bem ®eftd&tspunfte ber (Sntfd^äbigung bie SHed&te
einer gefd^iebenen, für ben unfd^ulbigen Sf^eif ertlärten ©^efrau beijulegen.
§ 1578.
®ie an ä^nlid^e SBorfd^riften t)erfd^iebener neuerer ®efe|c (ocrgl. preufe. »eria^rung
91. ß. % II, 1 § 1083—1087; preufe. ®ef. u. 24. 3lpril 1854 § 10;' mcining. «„fp^c^e«
®ef. t). 9. September 1844 9lrt. 31 ; gotl). ®ef. o. 1. 3uli 1869 3lrt. 15) [xä) ^ ^"tt«-
anfd^Uefeenbe Seftimmung bes § 1578 bejwecft, lf)unlic^ft ju rerfjinbern, ba§
bie SKutter bie if^r burd^ ben § 1577 beigelegten JHed^te mifebraud^t unb noc^
nad^ längerer ^dt mit unbegrünbcten 9lnfprüdöen fieroorlritt. 2)ie jweijä^rigc
aSeriäfirungSfrift entfpridjt bem preufe. ®ef. ü. 24. 9lpril 1854 § 10. S)ie
SBerjäl^rungSfrift im 9lnf^tune an bie im § 157 für rüctflänbige 9llimente be«
918 gcgitimatton uncßeltd^er Äinbcr. (§§ 1579-1600.)
ftimmtc SBcriäl^rungöfrift auf mtx Saläre auöjubel^nen, cmpftcl^lt fic^ nid^t, ba
cineötl^cite her ^icr in Siebe ftel^enbe 9lnfprud^ nid^t bie SRatur eincö SÄlimentationfi^
an[prud^eö l^at, anberentl^cilä bie bef onbercn ©rünbe, auf toel^ien bie fui^e SSer*
iäl^runfl rüdfftänbigcr 3llimcttie beruht, bei jenem 3lnfpru4ie nid&i jutreffen,
fonbcrn bie für je SSeriä^nmg bcö lefeteren anbercn ^xoedm bicnt, welche ed
ratl&fam erfd^cinen laffen, bie SBcriäJ^rungöfrift auf jroei 3a^re abjufürjen.
Um bie Slnomatic ju Dermeiben , bafe eine SBerjäl^runfl beginnt, bcoor
ber Slnfprud^ entftanben ift, anbererfeitö um für ben 93eginn ber SScr*
iäl^runfl in Slnfel^ung aller ^icr in Siebe ftel^enbcn Soften einen einl^eitluj^en
3eitpunft ju gewinnen, beftimmt ber jroeite ©afe bed § 1578, ba§ bie jmei*
iäl^rige äJcrjä^rung mit 9[b(auf t)on fed^ö äBoc^en nad^ ber ©eburt bed Jtinbed
beginnen foU. S)ie ©cfid^töpunfte, meldte ju ber SBorfd^rift befi § 159 geführt
l^aben, fommen l^ier ni^t in 93etrad^t.
SDaö preui ®ef. x>. 24. 3lpril 1854 § 11 äbf. 1 enthält nad^ bcm SBor*
gange bes preufe. 31. S. 91. II, 1 § 1085 nod^ bie befonbcre Scftimmung, bafe,
wenn ber ©d^mängerer innerl^alb ber jmeiiä^rigen 9Seriä^rungfifrift feinen biß«
l^erigen 2luf enthalt ücrlaffen ^at, bie 3^W/ rofil^renb meld^cr fein neuer Stuf*
ent^altöort unbefannt geroefen ift, von ber SSeriä^rungöjeit abgerechnet wirb.
®in Sebürfnife, bur^i eine berartige befonberc SJorfd^rift ben ^ier fragtid&cn
älnfpruc^ ber äßutter bed unel^elid^en ^inbed }U begünftigen, liegt iebod^ nid^t
vor. ^ud) ftel&t eine fold^c S3egünftigung mit ben gwerfcn, welchen bie furje
aSeriälirung ju bienen beftimmt ift, nic^t im ©inftange,
®eri($t«fianb. S)ic aufeerbem im § 11 Slbf. 2 beö preuft. ®ef. ». 24. Slpril 1854 ftd^
finbenbe befonberc SBorfd^rift, bafe, menn ber ©d^mfingerer feinen SBo^nfifc an
einen anbcren Drt beö Snianbefi verlegt, bie ©efd^mängerte i^re Jtlage in
bem Dorigen ©erid^tdftanbe bedfelben anfteUen tann (t)ergl. aud^ preug.
31. 2. SR. II, 1 § 1087), ift burd& § 14 beö @inf. ®ef. jur S. ^. D. befeitigt
®ed^8ter Sattel.
fiefliii. S)cr ©ntrourf fennt nur jroei Slrten ber Segitimation une^elld^cr Äinber,
mation«arten. j^j^ gegitimatiou burd^ nac^folgcnbe e^e unb bie Segitimation burc^ e^eUd^feitö-
crflörung (burd^ Sleffript). 35ie fog. legitimatio per testamentum (Nov. 74 c. 2,
Nov. 89 c 10) ift bem ©ntrourfe fremb (t)erg(. bie aWotiüe ju § 1585), ebenfo
eine fog. legitimatio per nuncupationem, meldte man auf bie Nov. 117 c. 2 l^at
grünbcn moUen, b. 1^. eine Segitimation unehelicher Äinber burdfi bie btofec
3lnerfennung berfclben als el^elid^er Äinber t)on ©eiten bed une^eHdficn SBaterö
(oergl. bagegen ©euffert V, 189). ®ie S^I^ffung einer fotd^en Segitimation
mürbe mit ben ©rünbcn im SBiberfprud&e ftel^en, meldte ben ©ntmurf beftimmt
Ijabcn, bie Segitimation burd^ @I)cIid^feitderKärung, mie bie 3lnnal)mc an
cHinbcöftatt, an beftimmte einf^irönfenbc aSorauSfefeungen ju fnüpfen.
gegltimatton bur$ nad^folgenbe (S(e. SSoraudf.; 9Btrfung. §1579. 919
^ie bem fpöteren beutfd^en Siedete betannte [og. legitimatio minus plena
ober ad honores ift fein 3«ftitut bed gamidenreci^teö jur SSegrünbung eincÄ
eitern« unb RinbefioerJ^oItnine«, fonbern bicnte baju, bie m6) beutfd^em Siedete
mit ber unel^elid^en (Seburt oietfad^ Derbunbenen Sfled^töna^it^eUe ju befeitigen,
in pcrfonlidöer SSeiiel^ung bic unel^elid^ ©eborenen ben elielid^ Oeborencn gleld^*
iuftellen. ^a biefe ©(eid^fteUung auf bem @ebiete bed bürgerlichen ?led^ted
überall fd^on burd^ bie ©efefegebung herbeigeführt ift, fo ^at biefe 9lrt ber
Segitimation, meld^er baö preufe. 21. 2. SR. II, 2 §§ 662—665 (üergl. aud^ Sln^.
§ 94 JU II, 2 § 592, II, 8 § 279) nod^ gebenft, i^re Sebeutung verloren.
S)em entwürfe ift eine S3efd6ränfung ber Sled^tfifd^igfeit ber une^elid^en Äinber
fremb, unb lann beöl^alb biefe Segitimationßart nid^t me^r in grage fommen.
Slnlangenb enbtid^ bie JBorf^riften beö preufe. 31. S. SR. II, 2 §§ 592, 597
über bie Legitimation unel^elid^er Äinber burd^ rid^terlid^en äludfprud^ unb
über bie Segitimation ber Srauttinber burd^ geric^tUd^e ertlärung bed SSaterö,
fo l^ängen biefe, in ^ßreufeen übrigens burd^ ®ef. o. 24. 3lpril 1854 § 22 auf*
gel^obenen SBorfc^riften mit ber 9lrt unb SBeife jufammen, wie bie Siechte ber
augerel^elid^ ©efc^mfingerten bejn). bie 9{ed^tdfteUung ber fog. ^rauttinber
geregelt ift (tjergl. in biefer ^infic^t bie aWotiüe ju § 1568 oben ©. 858 unb
}u § 1577 oben ©. 917). SBom ©tanbpunfte beö entwürfe« aus (ommen
jene 93orfc^riften nic^t in Setrad^t.
T. SegiÜniaHiiti t^ut^ itaii^folgetibe Sl^e*
§ 1579.
S)ad 3!nftitut ber Segitimation unel^elid^er jtinber burd^ nad^folgenbe «nerfcnnung
e^e, roeld^eö burd^ bie fpätere röm. ©efefegebung eingefül^rt würbe, um bem 3„nu*te«.
Äonfubinate entgegenjutreten, l^at in Deutfd^fanb, infibefonbere burdd SBermitte*
(ung ber ftird^e, ald gemeine« Siedet eingang gefunben. ^ad tanonifd^e Siedet
(c. 6 X. qui fllii sint legitimi 4, n) ^at biefc Segitimationöart auöbrüdtlic^
anerfannt, unb ift biefelbe aud^ Seftanbtl^ei( ber neueren ®efe|büd^er geworben
(üergl. preufe. 51. ß. 91. II, 2 §§ 596, 598, 600 ; öfterr. ®. 33. § 161 ; code civil
3(rt. 331—333; fädfif. ®. ». §§ 1780 ff.; l^eff. entw. III Strt. 60—62). 2)er
entwurf ift biefen SBorgängen gefolgt. Daö Snftitut ber Segitimation burd^
nad^folgenbe e^e empfiel^It ftd^ nid^t allein im ^inblide barauf, bag burd^ bie
nadiifotgenbe ei^e ber eitern bed unel^elid^en Kinbeö baö oerlegte ^rinjip ber e^e
anerifannt, ber SSiberfprud^ mit ber fittUc^en Orbnung befeitigt unb bad begangene
Unred^t geseilt wirb, fonbern auc^ um bedwtDen, weil ed im 5ffentlid^en
^ntereffe baju beiträgt, bie 3<^^l ber e^efd^liegungen ju oerme^ren, bie 'Sa\)l
ber unel^elid^en ftinber }u oerminbern. es würbe }ubem ein unnatürlid^ed
SSerljältnife fein, wenn jwifd^en ben Hinbern berfelben eitern, je nad^bem bie*
felben t)or ober nad^ ber e^efd^liegung geboren finb, eine t)5llige ©(Reibung
ftattfinben foUte. ^^^^^
3m einjelnen ift jur Segrünbung beö § 1579 golgenbeö ju bemerfen: \^^w,
1. S)ie Segitimation burd) nad^folgenbe ei)e be}iet)t fid^ nad^ röm. sefliti«
3«e*te nur auf Konfubinenfinber. ©emeinreditlid) ift biefe »efc^ränf ung ""**",;*!***«'
920 ?cöitimati(?n burd^ Tta^folöenbe gje. SorauSf. ; SBIrfimfl. § 1579.
jeboc^ burd^ bic Scfcitigung beß Konfubinateö Qlß einefi SRcd^töinftitutcß unb
burc^ baö fanoniid^c SRcc^t in SBcgfall gefommcn. S)agcgen ift cö bcftritten,
ob mä) gemeinem Siedete bic in ©^ebrud^ ober in 33(ut[(^anbe erjeugten une^c*
lid^en Äinbcr legitimationöfäf)ig finb. 2^^eorie unb ^ßrajis nel^men inbej^cn
übenoiegenb an, ba§ awd) foId)e unef)eUd^e fiinber burc^ nod^folgenbe 6l^e
legitimirt werben fönnen, fomeit bie ®^efd^lie§ung jroifd^en ben ©Item red^tlidb
möglid^ ift (üergl. Seuffert I, 352, V, 188, XlII, 43, XV, 227, XVIII, 261,
XXII, 245, XXV, 137, XLII, 275). S)ieö ift aud^ ber ©tanbpunit beö
imirttemb. SRed^teö (t)ergl. ©euffert XXII, 245), beö preufe. 31. S. SR. II, 2
§ 596, beö öfterr. ®. 33. § 161, beö fäd^f. (S. 33. § 1780 unb beö ^ejf. ©ntro. III
2trt. 60 (üergl. ferner fonberö^. ©ufjeffionöorbnung ü. 8. ©ejember 1829
§§ 24, 25). dagegen befc^rönft baö bai)r. S. 5». I, 5 § 8 9ir. 3 bie Segiti^
motion burd^ naddfolgenbe @^e im 9lnfd^lujfe an baö romifd^e Siedet auf Uberi
naturales, roetd^e nic^t ex damnato coitu Ijcroorgcgangen finb. 31q^ franj. SRed^tc
(code civil 2lrt. 331) tonnen in ftonfequenj beö ©runbfageö M recherche
de la paternite est interdite" (9lrt. 340) unb im (Sinflange mit ben Se^s
ftimmungen über bie 9lnerfennung natürlid^er Äinbcr (3lrt. 334, 342) nur
anerlannte natürlid^e ftinber burd) bie nad[)fo(genbe 6^e i^rer ®ttern legitimirt
roerben; bod^ ift ben in ß^ebrud^ ober 33Iutfd)anbe erjeugten Äinbern bie
iJcgitimationöfäf)igfeit unbebingt uerfagt.
S)er ©ntrourf mad^t in 9lnfe^ung bcr £cgitimationöfäI)igfeit jmifd[)cn ben
Dcrfd^iebenen 3lrten uneljcUd^cr ilinber feinen Unterfd^ieb, inöbefonbere mad^t
berfetbe aud) in 3lnfef|ung ber in 6^cbrud& ober SBlutfd^anbe erjeugten Äinbcr
in Uebereinftimmung mit ber ajlel^rjal^l ber SWed^te feine 9luönaf)mc. S)ic
©rünbe, auf roeld^en na6) Obigem baö 3nftitut ber Segitimation burd^ nac^^
folgeube ©Ijc berul^t, treffen aud^ in ^[nfe^ung biefer Äinbcr ju. S)icfen
©rünben gegenüber fann auf ben ©inmanb, bafe bie Scgitimationöfä^igfeit
fold^er Äinber gegen ben ®cift beö 3lcd&teö oerftofee unb mit bem Sffentlid^cn
Sttnftanbe fid^ nid^t vertrage (oergl. 5ßud6ta, SBorl. II § 440), aud^ mit ber
auf bie gamilic beö SSatcrö, inöbefonbere auf bic rc(|tmö^igen Äinbcr beö
Ic|teren ju nefjmenbcn ätürfftd^t nic^t Dcreinbar fei (uergt. o. ©d)eurl, baö
gemeine beutfd^e ®f)cred^t ©. 264 ff.), entfd^eibenbcö Oeroid^t nid[)t gelegt merbcn.
Ucbrigcnö fann eine Segitimation bcr in S3lutfc^anbe erjeugten Äinber burd^
nad^folgcnbe ®^c im i&inblidfe auf baö ©l^cücrbot beö § 1236 oerglid^cn mit § 178
beö ©tr. ®. 33. nad^ bem ©ntrourfe regelmäßig überhaupt nid^t in S^agc
fommen. Sollte ieboc^ entgegen jenem ®l)et)erbote bie ß^cfc^ücfeung erfolgt
fein, fo tritt bic Segitimation burc^ nad^fotgenbe @f|c trog ber SRid^tigfeit bcr
lefeteren (§ 1250 3lv. 3) nad^ üRafegabc beö § 1581 ein. 5Dic Segitimation
im 6l)cbrud^c erjeugter Äinber burd^ nad^folgenbc 6t>e finbet infoweit eine
©d)rante, alö baö im § 1237 beftimmte ®^et)erbot wegen ©^ebrud^eö rei^t;
bod^ ^at baö le^tcrc nur auffd)iebenbe SSBirfung, unb fonn »on bemfetbcn
biöpenfirt roerben. 3ft bie (S^cfd^licfeung erfolgt, fo äußert bie Segitimation
burdd nad^folgenbc S^c, fofern biefe fonft gültig ift, i^re üoHen SBirfungen
naö) iülaßgabe beö § 1579.
ttne^eii^feit 2. 2)ie Scgitimatiou eineö unel^clid&en Äinbeö burdö nad^folgenbc 6l)e
^e« iiinbe«. ^^-^^^^ gjtg^ j^^j^^^^ ^^^ ^m- ^„j ^^[^^ Äiubcr, TOcld^c jur 3^i* ^^ ®^^'
Scoitimation bur$ na^foFoenbc 65f- SSorau^f.; SBirfung. §1579. 921
fdiliefeung bcr @{tcrn bereits geboren fmb. Gin Jlinb, roetdies bie ß^efrau
Dor @ci[)Iiegung ber @^e t)on bem ©b^ntanne empfangen unb na6) Sd^Iiegung
ber @bc geboren I;at, tft nadb §§ 1466, 1577 fein legitimlrteß , fonbcrn ein
cfjelid^eö Äinb (©ergl. bie aRotioe ju § 1466 oben ©. 647).
9lnd bem im § 1579 aufgeftelltcn ©rforberniffe ber Unebelicbfeit bes
Äinbeö ergiebt ftd^ ferner, bafe fold^c ftinbcr, roeld^e jroar in SBirflid^feit «m
elielid^e Äinber ber beibcn ©Regatten finb, nad^ SWafegabe ber §§ 1471 ff.
aber atä eljetid^e Äinbcr eineö 3lnberen gelten, burd^ bie nod^folgenbc ©fie
i{)rer ©Itern nid^t berührt werben, ©in fold^er goU fann namenttid) bann
eintreten, wenn baö Äinb mit einer ©fjefrau im @f)ebrud[)c erjcugt ift, ber
frübere ©liemann aber bie ©f^elid^feit beö Äinbeö mit ©rfolg nid^t angefochten
ober fein 5lnfed&tung&red(|t oerlorcn bat (§§ 1471—1473, 1477).
dagegen mirb bie Segitimation burd^ naddfolgenbe ©b^ baburd^ nid)t
auftgefd^loffen, bafe baö Äinb t)or ber ©bef^Iicfeung jroifd^en feinen ©ftern für
ein ebelid[)e& Äinb feincö JBaterö erflärt (§ 1583) ober oon bem JBater ober
ber SRutter an ftinbefiftatt angenommen ift (§§ 1601, 1602); benn burdb bie
©belic^feitderKärung unb bie älnnal^me an Äinbeöftatt l^ört bad unebetid^e
Äinb an fidb nid^t auf, ein unebelid^eö Äinb ju fein; üicimetir erlongt baöfelbc
in bem gefefelid^ nä^er bcftimmten Umfange (§§ 1596 ff., §§ 1620 ff.) nur
bie redbtlidbc Stellung eine« elielidben Äinbeö. 2)ie Slnmenbung ber für um
tl)cl\ä)t Äinber gegebenen 93orfcbriften auf ein fold^eö Äinb ift baffer infomeit
nid^t auögefdbloffen , alö biefelbe mit ber red^tli^en Stellung eines foldben
Äinbeö alö eineö ebelid^en Äinbeö innerl^alb ber »on bem Oefefee beftimmten
©renjen nid^t unoereinbar ift. Sei biefer 9luffaffung ftebt bie oor ber ©l^e*
fdbliefeung erfolgte ©betidbfcitöerflärung ober 3lnnabme an Äinbeöftatt ber
Segitimation beö Äinbeö burdb nad^folgenbe ©be nicbt entgegen, ba bie mit
biefer Segitimation üerbunbenen meitergreifenben SBirfungen mit bcn burd^
bie ©beli^teitöerflärung ober bie 2lnna^me an Äinbeöftatt begrünbeten SBi^
fungen ni^t unoereinbar finb (§§ 1596, 1620) unb inöbefonbere bie ©l^elicbfcitö*
erftärung gemiffermafeen nur alö ein Surrogat ber Segitimation burd^ nadb-
folgenbe ©Ije fidj barftellt. 2lu4l bann ift bie Segitimotion burd^ nad^folgenbe
©bc nid^t auögefdbloffen, menn baö Äinb cor ber ©l^efdblie^ung feiner ©Item
t)on einem 35rittcn an Äinbeöftatt angenommen fein follte; Dielmebr treten
auä) in biefem ^aDe bie SBirfungen ber Segitimation infomeit ein, alö bie*
felben mit bem (Srunbfafce vereinbar ftnb, bafe baö Äinb bie red^tlidbe Stellung
eineö ebclid^en Äinbeö beö 3lnne^menben nad^ SWafegabe ber §§ 1601 ff.
erlangt bot. 2)aö SSerbältnife ift in biefem galle baöfelbe, mie in bem galle,
menn ein dritter baö Äinb nad^ bcr ©befcbliefeung jn)ifd^en ben ©(tern beö
le^teren an Äinbeöftatt angenommen ^at. dagegen ift bie Segitimation burdb
nad^folgenbc ©be bann auögefdbloffen, wenn baö Äinb t)or ber ©befcbliegung
jmifd^en feinen ©Itern (üergl. § 1580) für ein ebeli^eö Äinb eineö ©ritten
erflärt morben ift, jebod^ nidbt bcöl^alb, weil boöfelbe in ^olge ber ©belid^-
feitöerflärung bie recbtlid^e Stellung eineö ebelidben Äinbeö beö ©ritten erlangt
bat unb mit 9{ütffidf)t barauf aufgel^ört ^ätte, ein unel^elid^eö Äinb }U
fein, fonbern beöbalb, meil burdd bie ©belid^feitöerflärung bie 5ßaterfcbaft
beö ©ritten in 3lnfebung biefeö Äinbeö in unanfedE(tbarer SBeife fcftgefteUt
922 ?c0ittmation hutij natöfolgenbe (Stjt. SSorauöf. ; SBirlung. § 1579.
(§§ 1585, 1593) unb bamit bic SBatcrfd^aft bcö ei^cmanneö ber äFhittcr bcö
Äinbcö, tocld^c bic aSorauöfcfeting bcr Äeflitimation burd^ nad^folgenbc (Sf)e
bilbct (§ 1579), unvereinbar ift. Sluö ä^nlid^en Orünben ift bic Segitimation
burd^ nad^folflcnbc ®l^e auögcfc^loffen, wenn baö Äinb nad^ aJlafegabe bcr
§§ 1579, 1580 bereits burc§ nac^folgenbc e^e bcr aKutter mit einem ©ritten,
melc^er nad^ § 1580 olö SBatcr bc« Äinbcö gilt, Icgitimirt morben ift unb
nod^ Sluflöfung biefer (Sf)c bic 3»utter eine neue @^e mit einem Slnbcren
fdfilicfet, metd^er ebenfallö mit il^r innerl^alb bcr im § 1580 bcjcic^nctcn
empfängnifejeit ben 33ei[^(af DoUjogcn ^atte. S)agcgcn fielet cd bcr ScgitU
mQtion bur^ nad[ifolgcnbe 6^c nid^t entgegen, wenn ein SÄnbcrcr ate ber &)t^
mann t)or ber @^efc^(iegung ate uncl^cUd^er 93atcr bcö ^inbed bem legtcren
Untcrl^alt ju gewähren ücrurt^cilt ift, obmol^I aud^ ber ®l^cmann innerhalb
bcr ®mpfängnifeeit mit ber SWutter bcd fiinbe« ben Seifd^Iaf üolljogen ^attc
(§§ 1572, 1580), unb imor bcö^alb nic^t, meil bcr jur Sciftung ber SKimentc
aScrurtl^cilte nur in biefer einen Sejic^ung atfi aSater bcö fiinbeö gilt, jubcm
baö bctrcffenbe Urtl^eil nidf)t für unb gegen S)ritte mirft (ücrgl. § 1632). ©ine
anbere, im ©efefee nid^t befonberö entfd^iebene grage ift bic, ob in einem
fold^en gallc bic Untcrl^altöpflid&t bcö ©ritten trofe bcr Segitimation fortbauert
ober üon bcr 3^^* ber Segitimation an rocgfällt (ücrgL aSotiDc ju § 1571
oben ©. 879). SJlit SRüdEfid^t barauf, bafe eö ftd^ iw ben l^croorgcl^obcncn
a3cäiel^ungcn um fettene gällc unb um fold^e ^agen l^anbclt, njctd&c an ber
^anb bcr aUgemeinen ©runbfägc ju bcantmprten finb, ift eö alö angemeffener
erad^tct, iene fragen nid^t bur^i baö (Scfcg befonberö ju entfc^eiben.
eaterf(^aft. 3. SBauu baö @rforbcrnig bcr SSaterfc^aft, um bic Legitimation ju
bcmirfcn, atö oor^anben anjufet)cn ift, bcftimmt ber § 1580 (oergl. bic SKotioe
JU § 1580).
«saitigfeit ber 4. 3nn)ien)eit bic Legitimation aud^ bann eintritt, menn bic &)t un^
^^' giiltig ift, ergiebt fid) auö § 1581 (oergr. Slotioc ju § 1581).
3unimmund 5. ©ic Legitimation erfolgt burd^ bie @^efd^Hegung gmifd^cn ben @(tcrn
^'^'unbTr" ^^ Äinbcö fraft bcö Oefefeeö, ber eintritt ber Segitimation ift mithin nid^t
Äinbe«. t)on ber 3iiftinimung ber ®l^cgattcn unb bcö Sinbeö abl^ängig. S)amit ftimmt
bic a»e^rjal^l bcr Siedete überein (ocrgl. preufe. 21. S. SR. II, 2 § 596; öfterr.
®. SB. § 161; fäd^f. ®. 33. § 1780; code civil 3lrt. 331, 333; ^cjf. @ntn). III
3lrt. 60). S)aö franj. SHcd^t fefet inbeffcn Slncrfcnnung bcö Äinbeö, fei eö oor
ber ©l^cf^licfeung, fei cö in bcr ^cirat^öurtunbe, oorauö unb, fomcit biefe 3ln-
erfennung oon bem Äinbc angefod^ten werben fann (code civil Slrt. 339),
rid^tet ftd^ bic Slnfcd^tung inbireft aud^ gegen bie Legitimation, ©emeim
rcd^tUd^ ift eö bagegen ftreitig, ob bie Legitimation S^ftintmung ober bod^
gii^tmibcrfprudi bcö Hinbeö oorauöfefet (oergt. ©cuffert XI, 50, XXTV, 124)
ober ob bicfelbc aud^ gegen ben SBJiUen bcö Äinbcö eintritt (©cuffert XXV,
137). Sine brittc SÄnfic^t gcl^t baoon auö, bafe gegen ben SBiberfprud^ bcö
Hinbeö burd^ bie Legitimation bic oäterlid^c (bemalt über baöfclbc nid^t bc^
grünbct roerbe. ©aö bapr. L. SR. 1, 5 § 8 3lx. 2 ^at fid^ bcr erften ainfid^t
angefddloffen ; bod^ foU bic ©inmiDigung beö Äinbcö biö ju eingelegtem SBibcr*
fprud^c bcöfclben oermut^et mcrben.
gfOitimation intä) na^folgcnbc (S^e. SSorauöf. ; SBirluno. § 1579. 923
93on bcr ©runblagc auö, auf welcher nad^ bcr oben ©. 919 borgctegtcn
3luffaffung bic Scgitimotlon hntä) nac^folgcnbc 6^e bcrul^t tnu6 bcrfclben
lonfcqucnt ein abfolutcr Äaraftcr beigelegt werben, ©ine anbete, in ben
ajlotiüen ju § 1580 erörterte grage ifl eö, ob bie 33aterfd|aft be§ ©J^emanneö
o(ö äJoraudfegung ber Segitimation nur im äBege ber älnerfennung beiS Itinbed
t)on Seiten bed @^emanneö foU feftgefteUt n)erben tonnen.
£)ad rom. äted^t verlangte be^ufd ber Legitimation bie @rrid^tung von
instrumenta dotalia. S)iefe SSorfd^rift ^ing mit bem ©treben jufammen, für
bie SJcrroanblung beö Äonfubinateö in eine ®l^e ein ieben 3tt>^i^I ^^ ^^^\^^
Slid^tung audfd^Uegenbed 93en}eiömitte( }u gewinnen, ^a bie @^e iegt an eine
beftimmte gorm gebunben ift, fo bebarf es einer berortigen Sßorfc^rift nid^t
me^r (oergl. aud& ©euffert XXVIII, 36).
6. 3m (ginflange mit bcr ©runblagc, auf roeld^cr na^i bcr oben ©. 919 »irfunö bcr
bargelegicn Sluffaffung baö Snftitut ber fiegitimation burd^ nac^forgenbc @^e 2*«*«'""**'"-
berul^t, unb cntfpre^enb bem S^ectc biefeö 3nftitutcö nerbinbet ber ©ntmurf
nad^ bem SBorgange be« gemeinen SRed^tcö unb bcr neueren ©cfcfegcbungömerfc
(ncrgl. prcufe. 31.2,31. II, 2 § 596; ofterr. ®. 33. §§ Ißl, 752, 756; \ää)l
®. 83. §§ 1780, 2018, 2025; code civü Slrt. 333; ^eff. ©ntm. III Slrt. 60;
ferner in erbred^iUc^er ^inpd^t fonberöl^. ©ufjcffionöorbn. t). 8. S)eiember
1829 §§ 24—27; Weimar, ©ef. o. 6. 3lpril 1833 § 17; altcnb. ®ef.
r>. 6. 3lprU 1841 § 18 ; got^. ©ef. n. 2. Januar 1844 § 22 ; ©ef. für Sflcufe
i. S. t). 10. 2)eiember 1853 § 18 ; aWommfen, ®rbred^t«entm. § 25) mit bicfer
fiegitimationdart bie SSirf ung, bag bad unel^elid^c Kinb in allen ^e^iel^ungcn,
inöbefonbere aud^ in erbred^tlid&er Scjiel^ung (ücrgl. § 30 2lbf. 3, § 1579 »erb.
mit §§ 1965, 1975), bic red^tUd^c ©teUung eines c^etid^cn Kinbed erlangt.
9[us bem unbefc^ränlt audgefprod^enen ^rinjipc bes § 1579 ergicbt fi^l, bag
bie äBirfungen bcr Segitimation burd^ nad^folgenbe @|c fid^ indbcfonbcre aud^
auf bic Slbtömmlingc bes une^elid^en ^inbed fomie auf bic SScrmanbten bcd
SSaterS crftrecfen unb bag burd^ biefclbc aud^ sniifd^en bem (S^egatten bes
5{inbcd ober eines älbfömmlingcs besfelben eincrfcits unb bem iBater unb ber
ÜRuttcr anbcrcrfcits ein ©d^mägcrfd^aftSoer^ältnig begrünbet mirb. 3la^ äTlag^
gäbe ber naiveren 93eftimmungen bes @infül^rungsgefegeS bleiben iebod^ bie lanbes^
gcfefelid&cn 93orfd^riften über bie ©utjcffionsrcd^te bcr burd^ nad^folgcnbc 6l^e
legitimirtcn Äinber in Selben, gibcifommif[e, ©tamm* unb Bauerngüter, fomie
bic aSorfc^riftcn bes fog. $rit)atfürftenred^teS unb bie bem öffcntlid^cn SRcd^tc
angel^orcnben 33orfc^riften über ben (grmerb bes Slbels in golge Segitimation
burc^ nac^folgcnbe ®^e unbcrül^rt. 93on felbft t)crftel|t es ftc^ femer, bag,
fomeit bur^ ^ßrioatbispofition, insbefonbere burd^ ©tiftungcn, ein 9led^ts«
cnoerb ben legitimirtcn Äinbern tlar unb beutli^ ücrfagt ift, es bei bicfer
S)iSpofition fein Semenben l^at.
3la^ § 1579 erlangt inbeffen bas uncl^eUc^c Äinb bie rcd^ttid^e ©tellung »««.»"«
eines cl^eUd^cn Äinbes nur non ber Seit ber 6^cfd[)lie6ung an für bie äwfunft. ^^ ®*'**"3-
2)ie Segitimation mirft alfo nid^t bis ju ber ©eburt beS ^inbeS jurüc!. @S
entfprid^t bieS nid^t nur ben allgemeinen ®runbfä|en unb bcr Silligfeit,
f onbcm aud^ bem geltenbcn SRcd^tc (nergl. inSbcf . preufe. 21. S. 91. II, 2 § 598 ;
ofterr. ®. 93. § 161 ; fäddf. ®. 33. § 1780; Ijcff. ©ntro. lU Slrt. 60 ncbfl aWotioen
(SSewalt.
924 Seöitimation buri nad^folöenbc ®5e. SSorauSf.; Sirfuno- §1579.
S. 178; fei'ner in erbrcd^tlidöcr S3eiiel^unfl lücimar. Oef. u. 6. STpril 1833 § 17;
Qltenb. (Scf. ü. 6. 3lpril 1841 § 18; gotli. (Scf. t). 2. 3anuar 1844 § 22;
(Sef. für SReufe j. S. t). 10. 5Dejcmbcr 1853 § 18). @inc Äonfequenj bcs ©a^cd,
bafe bie ficgitimation nid^t jurüdfroirft, ift ed namcntUcf), ba%, rocnn ein SRec^tö-
crrocrb üon bem Sebcnöattcr bcö cl^cUd^en Rinbcö abl|ättgig jjemaddt ift, bie
bereits t)or ber 2egitimation geborenen el^clld^cn Äinbcr bcs einen ober anbcren
©tternt^eileö alö bie älteren anjufcfien finb, obwol^l fie in SBirflid&feit jünger
fmb, afe bie legitimirten Äinber.
ffitcriic^c aiuö bem 5ßrinjipc, ba^ baß une^elid&e ftinb Don ber 3^it ber @f)cs
fd^Iicgung feiner ©Item an bie red)tlicf|e Stellung eines e^eli^en Äinbeö erlangt,
folgt inöbefonbere aud^, bafe mit biefem 3^itpuntte bie elterlid^e Ocioott bcö
e^emanncö über boö minberiäl&rigc Äinb eintritt (§ 1501). es täfet fid& nid^t
uerfcnncn, ba§ baraus für foldie gälle, in welken in jenem 3^itpunftc bie
SSaterfd^aft beS ß^emanneS in 9lnfe^ung bes ÄinbeS unb fomit ber ©intritt
ber elterlid^en (Seroalt bcs (Sl^emanneS über baßfelbe oielleidöt fubjcftio nod&
ungewiß ift unb balier bie für bas Äinb Dorl^er angeorbncte SSormunbfd^aft
aud^ nad^ jenem 3^itP^"ft^ ^öd& fortgefülirt wirb, im ^inbtidfe auf bie mit
ber etterlidden ©eroatt bcjro. mit bem 3lmte beS 93ormunbcS ncrbunbene SSer*
tretungsma^t unter Umflänben bie SRed^tSfid^er^eit gefS^rbenbc Unjuträglid^^
feiten unb Äonflifte ftd^ ergeben fonnen. SJrofibem mu^ es als bcbcnftid^
erad^tet roerbcn, bas 5ßrinjip beS § 1579, um jenen Unsuträglid[)feitcn ju
begegnen, in 2lnfel^ung ber elterlid^en ®eroatt burd^ eine poptioe SBorfd&rift ju
burd^bred^en, fei es burd^ bie S3eftimmung, bafe bie elterliddc Oeroalt über baö
Äinb nid^t oor bem S^itpwnfte eintritt, in roetd^em bie aSaterfd^aft beS eijc*
mannes nac§ SWafegabc bes § 1580 feftgeftellt ift, ober burd(i bie Seftimmung,
ba^ ber (Sl^emann bie elterlid^e (Seroalt erft bann erlangt, rotnn bas 9Sor*
munbfd^aftsgerid^t bie SBorausfefeungen ber Segitimation bes ÄinbeS burd)
nad^folgenbe (Sf|e als gegeben anerfannt f|at. 3)as Snftitut ber Segitimation
foll roefentlidö bem 3ntercffc bes ÄinbeS bienen. 35as 3ntcrejfe bes Äinbes
aber erl^eifd^t es, ba^ bie mit ber elterlid()cn (Seroalt oerbunbene 5ßflid&t ber
gürforgc für basfelbe mn ber Qtit ber ©^efdjliefeung an fraft beS (Sefc|es
für ben ©fiemann als ben 93atcr bes Äinbes begrünbet wirb. S)ie anberen
angebeuteten SBege eröffnen bagcgen bem ©bemanne bie aJlöglid^feit, ftdd auf
längere 3^it ben mit ber elterlid^en (Seroalt üerbunbenen ^JJflidjten ju entjie^en.
S)en eintritt ber elterlid^en ©eroalt oon einer ©ntfd^eibung bes SBormunbfc^aftS-
gerid^tes abpngig ju madjien, l^at jubem bas SBebenfen gegen ftd&, bafe bie
elterlid^e ©eroalt ein an fid^ projefefäl^iges SHed^t ift. Um fo mel^r nerbicnt
es ben SSorjug, in Uebereinftimmung mit bem geltenben SHed^te es aud& in
9lnfe^ung ber elterlid^en ©eroalt bei ben ÄonfeQuenscn bes im § 1579 auS=
gefprod^enen ^^Jrinjipes ju belaffen, als in ber großen SWe^rja^l ber ^öDe bie
Segitimation burd& nad^folgenbe ®^e in ben erften Sebensja^ren beS flinbcö
erfolgt, für biefc erften Sebensja^re aber bie mit ber elterlid^en ©eroalt
bejro. mit bem 2lmte bes 93ormunbes t)erbunbene SBertretungSmad&t gegen*
über ber 5ßflid^t ti^atfäd^lic^er gürforgc für baS Äinb in ben ^intergrunb
tritt unb bem praftifd^en Sebcn bie mit ben oben angebeuteten pofitioen 83e-
ftimmungen »erbunbenen SBeiterungen fremb ftnb. Um aber ju öer^inbcrn.
Segitimation burd^ na^folgcnbc (Sit. SSaterf^aft. § 1580. 925
bafe bic 3lcd)töl^anblungen, locld^e oon bem SBormuiibe beö Äinbcö in bcr
Sroifd^enjcit äroifc^cn ber (S^efd^Iiefeung unb bcr gcftftcllunfl bcr S3atcrfd;aft
bcö ß^cmanncd üorgcnommcn finb, auf ©nuib bcr SBcftimmung bcö § 1703
2Ib[. 1 9tr. 2 bcr 3BirIfamfcit cntbcl^rcn, unb bafe in bcr S^ifcficnicit baö ilinb
fd^ufiloö ift, l^at bcr ©ntrourf int § 1703 3lb[. 2 burd^ eine bcfonbcrc S3c*
ftimmunfl SBorforgc getroffen, baft im gaDe bcr Scgitimation bcö aJlünbete
burdd nad^folgenbe ®f|c bic 35ormunbfci(iaft über benfefben nid^t fd^on mit
bem 3^itpunfte bcr ß^cfd^licfeung unb bem bamit ocrbunbcnen ©intrittc ber
elterlid^cn (Seiuaft beö ®(|emanncö bcenbigt roirb (ucrgl. 3al^rb. ber ©ntfd). b.
Äammergcr. VI, 27; ©ntfd^. b. 9t. ®. in ©traf f. XV, 55).
Ucbcr bic rcltgiofc ®rjie^ung entfd^cibcn, mic bei el^clid^cn ftinbern sieugisfe «r*
(§ 1508), fo and) bei bcn burd& nad&fotgenbc &)t legitimirten Rinbern bic *'*^""®
Sanbeögcfcße (Dcrgl. I^annoo. aScrorbn. v. 31. 3utt 1826 § 6; walbedE. ®ef.
D. 28. aWärj 1827 § 3; barjr. gicligionöcbift o. 26. ü)iai 1818 § 20; roeimar.
®cf. ü. 7. Dftobcr 1823 § 54; fäd&f. ®cf. o. 1. SRooember 1836 § 11;
braunfd^ro. ®cf. o. 10. aWai 1867 § 9).
§ 1580.
®emeinred^tlid& ift bcftritten, ob bcr Eintritt ber Legitimation burd^ nad^^ »cwds ber
folgcnbc ®f)t burd^ bic 3lnerrennung ber aSaterfc^aft Don Seiten beö ©^e^ »aterf<^ft.
manncö bcbingt ift ober ob bic SBaterfd^aft auc^ auf bem SBcge anbcrrociter ^^^^^^
Scrociöfül^rung ermittelt merbcn fann. j)ic Slnl&ängcr bcr Icötercn 9lnfid)t
rocnbcn in bicfer Scjic^ung t^cilö bic allgemeinen ®runbfä6e an, tl^eilö bel^ncn
fie bic aSorfd^riften, roetd^e für bic (Ermittelung bcr a3atcrfd(iaft jum 3^^*^
ber ®cltenbmac^ung bcd Unterl^aUdanfpruddcd bed unel^elid^cn 5linbeg mag^
gcbcnb finb, aud^ auf baö f|icr in SRcbc ftcl^cnbe SScrl^öltnife auö. ©cmgcmäfe
mirb aud^ bic gragc, ob bic exceptio plurium concumbentium juläffig ift, ocr:^
fd^ieben bcantmortet (oergl. ©cuffert XXX\X 174). 3lud^ über bic föe^
beutung ber SIncrfennung bcr SBatcrfd^aft gelten bic 9lnftd^tcn in bcr gemein*
rcd^tlic^en 35oftrin auöcinanber. 3laä) bcr einen STnfid^t l^at bicfelbc einen
fonftitutiDcn ftarafter, nad^ einer anberen äfnfid^t bagegcn nur bic S3cbcutung
cincö Scmciömittclö. 3)ic gcmeinred&tUd^e ^raf iö fnüpft an bic SIncrfennung
bic SBirfung, bafe baburdd, unb imar aud^ gegenüber 35rittcn, bic 93atcrfd&aft
biß jum Scroeifc bcö ®cgcntl^eilcö alö feftgeftcDt angefel^cn roirb (oergt.
©cuffert XI, 10, XIII, 232, XXI, 200, XXII, 287, 288, XXIV, 242,
XXXVI, 174; entfd^. b. di. ®. in ©traff. XIII, 41); bod) nimmt bic
5ßrariö an, bafe bcn Siedeten beö Äinbeö burd) bic SIncrfennung nid^t prci^^
iubijirt roerbe (©cuffert VIII, 344, XI, 10, XXIV, 242; 3a^rb. bcr (Sntfdj.
b. ftammcrgcr. VI, 27).
aSon bcn neueren ®cfefegcbungen mad^en baö preu^. 21. S. 91. II, 2
§ 596, II, 1 § 1077 unb baö fäd&f. ®. 33. §§ 1780, 1859, 1872 bic
Scgitimation • burd^ nad^folgenbc ®^c nid^t üon bcr 2f nerfennung bcr SSater-
fd^aft von ©citen beö ß^cmanncö abhängig; üiclmcfir gilt na6) bicfcn ®cfe6*
gebungen bcr @{)cmann a(ö SBater bcö Einbeö, roenn er inncrl^atb bcr in
9(nfel^ung bcö Untcrl^altöanfprud^cö beö une^ctid^cn ^inbeö maggebcnbcn
926 gcgitimatton bur$ na^folficnbc (gjc. Satcrfd&aft. § 1580.
empfängnifejcit mit bcr SKuttcr bcö Äinbcö bcn S3ci[d&laf üottjogcn ^ot. 3nö^
bcfonbcrc ift bic exceptio plurium concumbentium auÄflcfd^IojIctt. ^nxd) bic
a3orfd)riftcn bcö prcufe. ®cf. v. 24. Slpril 1854 ftnb icnc Seftimmungcn beö
prcufe. 91. S. %, [otocit bicfclbcn [\6) auf bic gcftftcHung ber SBatcrfd^aft in
Slnfe^ung bcr Scflitimation burc^ nad^folgcnbc ef|c bcjicl^cn, nid^t bcrul^rt
(ucrgl. Urtti. b. Ob. Strib. v. 20. ©cptcmbcr 1870 bei ©ru^iot xvn
©. 822 ff.). Ucbcr bic Sebeutung bcr Slncrfcnnung ber SBatcrfd&aft in bcr
Ijier froglici^cn Sejiel^ung cnt^&Ü baö preu^. SRccftt feine bcfonbcrc 33eftimmung.
©aä oormalige Dbcrtribunal ju 33crlin l^at icbod^ mc^rfad^ erlannt, ba^ bcl^ufö
gü^rung bcd jur Segitimation bcö Rinbeö burd^ nad^folgcnbc 6^c erforber*
Ud^en S3cn)cifcö bcr SBaterfd^aft bcö ß^emanncö bic von bcm festeren erfolgte
3Incrfennung genüge unb bicfe SInerfennung aud^ nad^ ber ß^efd^Ucfeung unb
felbft nod^ nad^ äuftofung bcr @f|c bur^ ben SCob ber ®^cfrou abgegeben
toerben fönnc (oergt. ©rud^ot XVIT ©. 818). Sludfi baö fäd^f. ®. S3. fd^roeigt
über bic SBirfung ber STnerfennung. 9lad^ STnalogic bcr 93orfd^riften ber
§§ 1774—1778 wirb anjuncljmcn fein, bafe baburd^ bic SBaterfc^aft gegenüber
bcm ©bemanne unbebingt fcftgefteHt, aber roeber ben SRcd^tcn dritter nod^
benen bcö Äinbeö präjubijirt roirb.
aWit bcm preufe. unb fäd&f. 3led&tc ftimmt bad öfterr. ®. ». §§ 161, 163,
164 im SBcfentlid^en überein. 35ie 3ttIäfP9^W ber exceptio plurium concum-
bentium ift jmar bcftritten, wirb aber x>on 2^coric unb 5ßrajiö uormiegcnb
Dcrncint.
3m ©egenfaftc ju ben angeführten neueren ©cfefegebungen mac^t bas
franj. SWed^t (code civil Slrt. 331 ; uergl. auc^ bab. 2. SR. ©aft 331; ^eff. (gntm. III
Slrt. 60) ben ©intritt ber Segitimation burd^ nad^folgenbc &)t baoon ab^
l)ängig, bafe bic ©Itern baö Rinb uor ber ©Ijcfd^licfeung gefefemäfeig ancrfannt
I)aben (code civil 9lrt. 334—342; bab. S. 91. ©afe 334—340, 340 a, 341, 342;
^cjf. ®ntm. III 3lrt. 48—53). Der J^ejf. ©ntm. III 2lrt. 60 crflört aud^ eine
crft nad& bcr ©Ijefd^Ucfeung erfolgcnbc Slncrfcnnung für genflgenb. Durd^ bic
Slncrfcnnung mirb nad^ frauj. SRed^tc bic SBaterf^aft bcjro. bic SÄutterfd^aft,
üorbcJ^altlid^ ber Seftimmung beö code civil Slrt. 339, feftgeftcUt (uergl. 6ntfd&.
b. % ®. in ©iüilf. V, 99).
eianbpunft 2)cr ©utmurf l&at [\d) benienigcn Siedeten angefd^Ioffcn, meldte bcn 6in*
entwarf«, t^^itt bcr fiegitimation burd^ nad^folgenbc 6l&e uon ber 3Inerfennung ber SSater*
fd^aft uon Seiten bcö (Seemannes nid^t abljängig mad^en, fonbem bic ©r*
mittclung bcr SSaterfd^aft im SBege bcö ^rojcffcö julaffcn unb babei bic
ajlogtid^tcit bcr Sßaterf^aft für genügenb erad&ten. @ö läfet fid^ nic^t ücr^
fennen, bafe für ben ©tanbpunft beö franj. 9ic^teö, roeld^cr nad^ einer weit
oerbrciteten SJlnfid^t aud^ ber ©tanbpunft bcö gemeinen SRcd^tcö ift, gcmid^tigc
©rünbc fpred^cn. ®ö ift nid^t unbebenflic^, bic ticfgreifenben SBlrfungcn ber
Legitimation burd^ naddfolgcnbe ®^e, bur^ meldte baö Äinb im aScr^ältnlRc
JU bcm ©bemanne unb beffen aSermanbten in allen Sciicl^ungcn bic rec^tlid^c
Stellung eincö e^elid&en Hinbcö erlangt, o^nc SHüdfftd^t barauf, ob bcr ©^
mann baö Slinb alö baö feinige ancrfannt ^at, lebiglid^ an bic 2^atfad^en
bcr ©l^cfd^lic^ung unb ber mögli^cn Sßaterfd^aft ju fnüpfen unb baburd^ Inö^
bcfonbcrc icbcm S)rittcn, meld^er ein 3»itcrcjfc baran ^at, \xx^ baö Äinb ein
?c0itlmatfon bur(j& na^folgenbc ®]6c. Saterfd^aft. § 1580. 927
Icgitlmirteö Ift, [otangc nid^t baö ©egcntl^eil mi^ SDlaggabc bcs § 1632 burd^
Urtl^cil feflgcftcllt ift, bic aWöglid^fcit ju gcioä^rcn, auf ®runb jener S^^atfad^cn
bte ficgitimatlon beö Älnbeö gcltenb ju mad^en unb im SBege beö 5ßrojeffeö,
tro|bcm ber ©bemann [eine SSaterfd^aft beftreitei, burd^ ben SRa^roeiö, bafe bic
aßutier beö Äinbed mit bcmfclben inncrl^atb ber ©mpfängnifejeit ben S3eifd^Iaf
tJoDjogen l^abe, bie Saterf^aft ju ermitteln unb feftjufteHen. 6ö ift ärocifeltos
als ein ©croinn ju betrad^ten, menn berartige 5ßrojejfe i)ermieben werben
fonncn. 2;ro6bcm finb bie für ben ©tanbpunft beö (gntnjurfeö fpred^cnbcn
prinzipiellen unb praftifd^en ©rünbe ald übenoiegenb cnsufel^en. ^it bcm
abfotuten Äaraftcr unb ben S^edfen bed ^ier fraglichen Snftituteö, inöbefonberc
mit ber SlfidCftd^t auf bad ^[ntereffe bed jtinbed^ ift ed nid^t vereinbar, meun
bic rool^ltl&fitigen SEBirfungcn ber Äegitimation aud^ nur inbireft oon bcm
SBiDcn bed @[)emanned abl^öngig gemad^t n)erben. Der @tanbpunft bcö franj,
JRed^tcö in ber ^ier fraglid^en Sejie^ung ftcl^t mit anberen in baö (Sefcßbud)
nid^t aufgenommenen Snftituten unb Seftimmungcn beö franj. SRec^teö, inö^
bcfonbcre mit bem @a|e „la recherche de la paternit6 est interdite*' unb bcm
Snftitute ber Slncrlcnnung unel^elid^er Äinber, in engem 3ufammen]^ange, unb
fann beöl^alb bei ber oorlicgcnben grage auf baö franj. Siedet crl^cblid^cö
®cn)ic^t nid^t gelegt werben. Slud^ bie im gemeinen •Kcd^tc üielfad^ vertretene
9tnftd^t, bafe bie ficgitimation Sfnerfennung ber SBaterfc^aft von Seiten bcö
®l^emanncö üorauöfefee, l^ängt mit ben Seftimmungcn beö in 9lnfe^ung ber
Slec^töfteUung ber unc^clid^en Äinber gegenüber bem ©rjcugcr auf einem
anberen SBoben ftel^cnbcn röm. SRcd^teö iufammen. 3luf ber anberen ©eite
^at ber Sntmurf baö preug. dtz6)t, baö fäd^f. @. S9. unb jum S^^eit aud^ bie
©oftrin unb ^rajiö beö gemeinen Sled^teö für fid^. ©ntfd^cibcnb fällt nament-
lich inö ®cmä)i, bafe bcm praftifd^cn S3cbürfnijfe unb ben Slnforbcrungen beö
praftifd^cn 2ebcnö nid^t genügt mirb, menn man bic SBirtungcn ber Segitima*
tion t)on ber älnerfcnnung ber SSaterfd^aft burd^ ben @^cmann abl^ängig
mad^t. ©an) befonberö ift bicö ber ^all, wenn man eine auöbrüdFlid^e äßiHenö^
crflärung tjcrlangt. S)a bicö ber ©itte in S)eutfd&lanb nid^t entfprid^t, fo
mürben bic Slncrfcnnungcn in mclen gällcn unterbleiben unb ber Eintritt ber
3BirIungcn ber ficgitimation mclir ober mcniger t)on jufälligcn Umftänbcn
abl)ängig fein. Slbcr aud^ burd^ bic 3«fQÜung ftillfd^mcigcnbcr Slncrfcnnungcn
mirb bcm Sntcrcffc beö Äinbcö nid^t genügt, ba ber Scmciö ber Slnerfcnnung
burdj) fonflubcntc ^anblungcn, inöbefonberc nadd bem ä^obe bcö (S^emanncö,
oft mit großen ©d^micrigfeiten oerbunben ift.
©ne anbere grage ift, ob man nid^t, wie gegenüber bem UnterJ^altö^ Exceptio
anfpruc^c beö unel^elid^en Äinbcö (§ 1572), fo aud^ l^icr bem ©l^cmannc bic ^JamCunm!
exceptio plurium concumbentiura geftattcn foll. S)cr ©cfid^töpunft, bafe cö
fid^ bei ber Scgitimation um weit eingreifenbere SEBirfungen, alö bie 93egrün*
bung cineö Untcrl^altöanfprud^eö, ^anbelt, fd&eint ber SScjal^ung {euer gragc
baö SBort jU reben. Snbeffen ift bie ©ad^lage l^ier boc^ infofern eine anbere,
alö ber Seemann vor ber ©^efd^lic^ung in ber Sage ift, fid^ ju crfunbigen,
unb, mcnn er nid^t bie Ucbcrjcugung gewinnt, bafe er ber SBater bcö Äinbcö
fei, bie (Sl^efd^liegung ju unter laffcn. Daju lommt, bag ber @ntn)urf jene
Ginrebe audE) in bem ^alle auögefd^loffen l^at, in meldfcm baö Ainb jmar nad^
928 Seöitimation burd^ na^folflenbc (SJe. Unöültigc (Sf^t § 1581.
©d^ücfeung bcr 6t)c geboren, aber üor Sd^Iie^ung berfclben empfongcu ift
(§ 1470). S)ie ®rünbc, auf toeld&cn blefc Seftimmung beruht (üergt. 3ßotit)e
ju § 1470 oben ©. 656), treffen im SBefentlid^en aud& l^ier ju. S)em ju-
fälligen Umftanbc, ob baö ^inb furje 3^^* oor ber S^efd^Iiefeung geboren
ift, fann ein fo tiefgreifenbcr ©influfe auf bie Sled^töftellung beöfelben
nid^t beigemcffen werben. aWit bcm ©tanbpunfte beö (Snlrourfeö ftel^t jubem
überit)iegcnb baö geltenbe Siedet, inöbefonbere baö preufe. Siedet unb baö fäc^f.
®. S., im @inf(angc.
»nertennung 9lls bebeuflid^ ift CS bogcgeu erachtet roorben, in "bcm i^ier fraglid^cn
«ater^f^aft. S^^^ ^^^ auöbrürflid^en 9lncrtennung ber 58aterfd^aft üon Seiten beö ©^e^?
mannet biefelbe SBirfung bcijulegcn, wie in bem gaüe, wenn baö Äinb jroar
oor ber ß^cfd^Iicfeung empfangen, aber erft nod^ bcrfelben geboren ift (§§ 1470
bis 1472). ©in bringcnbcö praftifd^eö ^ebürfnife, bem ®l)emanne auf bem
SBegc ber 9lnerfcnnung ber SSaterfc^aft ein aWittel an bie $anb ju geben,
einem üon feiner ß^efrau por ©d^liefeung ber @f)c bereits geborenen, von
\\)m aber nid^t erjeugtcn Äinbe in SJeranlaffung unb in SBcrbinbung mit
ber (S^efd&Iiefeung i^m gegenüber bie red^tUd^e ©teUung eines cJ^elid^cn
ÄinbeS ju üerfd^affcn, fann nid^t aner!annt werben. ®ö mürbe baburd^
geroijfermaöen eine befonbere 3lrt ber Slnnal^me an Äinbeöftatt ober ber ©(le-
Ud^feitöerüärung, jebodd o^ne bie fd^ügcnben formen bicfer 3nftitutc unb
mit n)eitergel)enben SBirfungen, als bieicnigcn, meldte mit biefen Snftitutcn
oerbunben finb, gefd^affen werben. 3)ie S3ebenfen, mcld&e fid^ bagegen cr^
lieben, ber älnerfennung ber 33aterfd(|aft eine fonftitutioc SBirfung in bem
©inne beijutegen, bafe baburd^ bie 83aterfd)aft atö unbcbingt feftgeftellt
gilt, werben aud^ bann nid^t t)öUig befeitigt, wenn man jene 3BirIung
Don bcr Swftiw^n^ung beö Äinbeö abpngig mad^t. S)a§ ein fold^eö Snftitut
burd^ ein praftifd^cß S3ebürfni6 nid^t geboten ift, fonbern bie SRatur bcr
9lncrfennung alö eines 33cweißmittels ben 2lnforberungen beö praHifd^cn ficbcnö
genügt, crgiebt fid^ fcf)on barouö, bafe feineö ber befte^enben JWcd^te, auc^ nid)t
baö franj. SRcd^t (oergl. code civil 9lrt. 339), bei ber Segitimation burd^ nad^i*
folgenbe @^e mit ber 9lnerfennung fo weitge^cnbe, ben ^erfonenftanb beö
Hinbeö änbernbe SBirfungen uerfnüpft (ocrgl. ©ntfd^. b. 31. ®. in ©traff. 1, 4,
XIII, 41).
§ 1581.
Ginfttti ber S)aö gemeluc dicä)t unb oerfd^icbenc neuere ©efeggcbungen (oergl. fadjf.
"b??«l^^**' ®. 93. § 1782; ^eff. (Sntw. III 3lrt. 62; ferner in erbrcdjtlid^er ^inftd^t weimar.
®cf. r>. 6. SKpril 1833 §§ 16, 17; altenb. Ocf. o. 6. 3lprU 1841 §§ 17, 18;
got^. ©ef. ü. 2. Sanuar 1844 §§ 19, 22; ©ef. für aieufe j. S. t). lO.Dcjembcr
1853 §§ 17, 18) latfen bie SBirfungen ber 5ßutatioel)e au^ ju ©urtftcn ber
uor ber ©^efd^Iiefeung bereits geborenen unc^etid^en Äinber bcr ©Regatten ein*
treten, iebod^ mit ber aWobififation, ba^ biefelben bie ©tellung legitimirtcr Stinber
erlangen, dagegen entfialten ba^ preufe. 31. S. 9t., baö ofterr. ®. 93. unb bcr
code civil in ber l^ier fraglid^en §infid^t feine befonberen SBorfd^riftcn (t)crgl.
preufe, 31. S. 91. II, 2 §§ 50-57; ofterr. ®. 93. § 160; code civil 3lrt. 201, 202).
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Scöitittiation bur(^ nad&f. ei&c abrötnmliiifle bc8 Äinbc«. § 1582. 929
gür boö fronj. SRed^t wirb inbcffcn bic Slnftd^t vertreten, bafe burd) eine
^utatiüc^c anä) bic t)or ber @^c geborenen Äinber Icgitimirt werben, fofern
nid^t baß ej^cj^inbernife bereits jur Qdt ber ©rjeugnng ber Äinber Dorl^onben
gewefen fei.
Dicfelben ©rünbe, auf roeld&en bie SSorfd^riften ber §§ 1562—1567 be^
rufien, muffen bofiin fütiren, aud^ mit einer ungültigen 6^e bic SGBirfungen
ber Scgitimotion burd^ nod^folgcnbc @f)t nod^ 2Ra§gobc jener SSorfd^riften ju
Dcrbinbcn, cd fei benn, bag bie ©Ije megen cined ^ormmangeld bei ber @f)e^
fd^Iiefeung nid^tig ift. 2)ic ^erbeifüfirung ber Scgitimation ber Äinbcr ift in
Dielen gcHcn boö ^auptmotii), roeld^eö bie ©Item ber Äinbcr ju ber ß^c«
fd&Iic§nng ücranlafet. ®ö würbe eine grofee ^ärte fein, wenn jene SBirfung
im gaUe ber Ungültigfeit ber @f|c DoUftanbig ouögefd^Ioffen mürbe. SJqju
fommt, bofe eö ein unnatürlid^cö 33crf)o[tnife ift, menn bic Äinbcr berfelben
eitern, je nad^bem fie t)or ober nad& ber ©^cfd^Iiefeung geboren finb, eine
Dcrfd^iebenc rec^tlid^e Stellung gegenüber ben ©Item unb beren SScrroanbtcn
cinnefimen.
§ 1582.
2)ie Scftimmung bcö § 1582 entfprid^t ber öiDigfeit unb ber Omnb« sBirfun« w-
läge, auf rocld^cr nod^ ber Sluffoffung bcö ©ntmurfeß bad 3nftitut ber fiegiti^ ^i^^^JT
mation burc^ nod^folgcnbe e^e bem^t; fie ftc^t aud^ mit ber üWcl^rjat)I ber wrftortenen
neueren ©efcftgebungen im 5ßrin5ipc im ©inflonge {t)ergl. preufe. 91. S. 91. II, 2 **"****'
§ 600; Code civü Slrt. 332; fäd^f. ®. 95. §§ 1781, 2018; l)eff. ©ntro. III ^rt. 61 ;
ferner in crbrc(i^tlid^er ^inftd^t fonberö^. Sutjeffiondorbn. v. 8. 3)ejembcr 1829
§§ 26, 27 ; Weimar. ®ef. v. 6. 3lprit 1833 § 18 ; altenb. ®cf. ü. 6. SIpril 1841
§ 19 ; gotf). ®ef. o. 2. 3onuar 1844 § 23 ; ®ef. für Slcufe i. 2. ü. 10. 5Dcjember
1853 § 19).
3tuÄ bem § 30 ergiebt fid^ üon fetbft, bafe ju ben SKbfömmlingen bcö
uncl)cli(i^cn Äinbcö aud^ bic uncficli^en 9lbfömmlinge einer oor ber (Sf)Cf
f^licfeung Dcrftorbencn une^clid^en S^od^tcr geliorcn (Dcrgl. ouc^ § 1568), ni(i^t
bogegen bie uncljclid^cn 3lb!ommlingc eines unclielid^cn So^ncö (fäd&f. ®. 99.
§§ 1781, 1874), eö fei benn, bafe bic Icfetcren burd^ bic nad^folgcnbc e^c
i^rcr ©Item Icgitimirt morbcn waren unb baburd^ gegenüber bem aSater unb
bcffen aScrwonbten bic rcd^tlid^c Stellung ebclii^er ftinber erlangt Ratten.
Scgitimation burc^ ei|clid^!eitöcrflämng ober 3tnnal|mc an Äinbeöftatt ftc^cn
in bicfcr ^infi^t ber Scgitimation burd^ nad^folgcnbc ©I^c ni^t gleich, weil
burc^ jene Snftitute jwifd^cn bem Icgitimirtcn ober angenommenen Äinbe unb
ben äScrwanbtcn bcö Scgilimircnbcn ober Slnnc^mcnbcn nac^ §§ 1596, 1620
ein 93crwanbtfd^aftöpcrbältni§ nid^t begrünbet wirb. 2)aöfclbc gilt, wenn bic
nad^folgcnbc S^c eineö üor ber S^efc^ticfeung feiner ©Item Dcrftorbencn
So^ncö ungültig war unb auf ®runb bcö § 1581 bie 93orfd)rift bcö § 1566
3lbf. 2 SÄnwenbung finbct. 5Die SBorf^rift bcö prcufe. 31. 2. S». II, 2 § 600,
bafe bic gCßirfungcn ber Scgitimation burc^ nad^folgcnbe ©f)c immer nur in
2Infc^ung ber clielicbcn Slbfömmtinge eineö t)or ber ©Ijefd^liefeung feiner ©Item
»crftorbencn uncf|clid)cn ftinbcö eintreten — womit im SRcfultalc aud^ boö
motioc |. bargerl. 9t\t^huät. IV. ^^
^rnju fei: i:bcrr>r>^-:i.a:: — , htZiZ: mu Nat Pix 2«i: (hnpirö atendmuai
IL ScfitnstiM in4 f|ilid|fiilinniiBi
r:iar*rrr:£ n«^ j*Lrnn:.krf: j»^ rt5*jr^c'.jii. j.riDirir.^ rrrmn rrira: ln:r4 tbc^
l-.rfr::&crfl±rr:nr :t: JSrtcrJon. ^^£ pnnrr-^rr feris iirr ^a' jnrÄra srnixai
L 5 t &: rrixi. ä. r. ?l IL 2 fi ->: :— e:i : r^nr. *5. Ä ^i: i-;±, 753, 756;
y'zif^. ^^. ?. II i7ss — :7V;, l^:f^. i^i. fv^I— ^ItiS: hanr. 5a^^ C- »-
l^x^^nrbcz 1>%5 ärLtoi. £cr:'rm :r: I»ra: ^rir,;. 5tr±:f n:T- Ans haJ».
i- ?L ^--£*: rrrrrzrrr-rn&rn :;rirfzm: rr^i n: ^r^r.:« tc Her ikc^^ ^ibta:^
rrrrrn; nii ^cr J-i2r--.rsrr!Tf r. ^ ?.r:^r=:bcr :^ir7 3: J^rrteÄm^ nü: ^aB
5Lrtr:T^ r^rS ^T:::rrr:^£r& r. 1. »r±rzir :k> ^^cr.r^nL izi in tat brn.
fear, in ärt. ».3 bo: rj^r:» 3::^i2^:ti£ ^r^irr-^rn.
ar^ilrwrr m? ^2S txr rrzz^iix ^<:.\jl^ br-^^^2.:flL o=^>ni Iv^^dt Mse
brsizzz^ tu ^bu ^r^ rr^br.iirs v::n>fT e: nrrn:r",>cr!: rzl" hex Tirxr.idbcn
»yr« V* f''^,7';TT.^T!.r^ I^IZTi ZLZ-i^I .Z€71^ ^X vh. ZLZTZCTZ^"^ •?*-» ^X^lf 9CZllf
u?r.^r:tc^ ^rj:, ri «4 n± r.±: r=~:r.c: irfr^c. Tiri ica ^rr;:cz^jf !«•
bcrr. S- 3L I, 5 I 1^ fc. -5 nrJ» i*rr±x>rr^ irKin^TÄtr ^c^rj^fteL^cn
• orr;!. r:r:^l T^.. *i. 2n. :>v«: tz^ <^. ^, iit. Ii4> Sr. .^: er. *x Ä § 232;
>2u ;- brrrinfrr., =>rrj: r^ 5:.c'rz-.-nr- r::r± rj::r^.xf riÄ ^*>c icrdb htm
rrr ^^^ iV-n^r r^fr r-is £z>iTrn '*''rjr.>rr: unirÄ;.-^ o^r^^^^^^ it Sir €ix
K-ä V •-•" -■*--— r*-^'^—«---'* •""f V^ .^, — -V -^x^. .^, •.- „.^ i**-J<— ^JLf^—'v^ -aiP ♦TjJ
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e^cüd&feitöerHarunö. Äaraftcr. aSirfung. §1583. 931
^nb inbcffcn axxä) fold^e ^öDc ju bcrütffid^tigcn, in roetci^cn bie ©inge^ung ber
<Sf)t mit bcr SRutter bcö ÄinbeS jtDar möglid^, bcm SSater beö Icgtcrcn aber
nid^t juiumut^cn ift, j. 93. rocil bic SKuttcr fid^ fpäter einem lieberiic^en Zcbm^^-^
lüanbel ergeben f)at, ober quo fonftigen Orünben bie S^efd^liefeung alö on-
gemeffen nid^t erad^tet werben !ann. Um fo mefir ift ein Sebürfnife oorl^anbcn,
üud^ in fo((^en §äUen bie fiegitimation burd^ @^e(id^teitderf(ärung p ermög-
lid^cn, o(ö ber ©ntrourf baö franj. Snftitwt ber 9lnerfcnnung bcr natürlid^en
Äinber nid^t tcnnt unb ben Srautfinbern bem une^elid^en SBatcr gegenüber bie
red^tlid^e ©teUung e^efid^er Äinbcr üerfogt ^at. 2^av ift eö nad^ bem ®nt*
tourfe nid^t audgefd^toffen^ bog ber $ater fein une^elid^eg £inb an Jtinbedftatt
iinnimmt; aQein baburd^ n}irb bem 93ebürfniffe nic^t genügt^ ba bie 9lnnQ{|me
on Äinbeöftott in mcl^rfod^er ^infid^t an ftrengerc 93orau8fegungen gefnüpft
ift. S)ie red&tftpo(ijeilid^en Sebenfen aber, meiere fi^ gegen bic 3u(aRung ber
Legitimation burd^ ©^cli^feitöerflärung namcnllid^ in folc^en %äUm erbeten,
in n)eld^en bie Legitimation burd^ na^folgenbe ®^e an fic^ mögUd^ m&re, oer^
Ueren baburd^ an ©emid^t, bag bie Legitimation burc^ (S^cKd^feitöcrflärung
eine SBcrfügung ber ©taatögeroalt erforbert (§ 1583) unb bie (S^elid&feitö^
erflärung oerfagt werben !ann, aud^ menn if|r ein gcfe|[id^ed ^inbernife nid^t
entgegcnftcldt (§ 1592). 2)aiu tommt, bag aud^ ba& geltenbe Siecht überroiegenb
t)ic SwWff^fltcit ber fiegitimation burd^ ß^elic^fcitöcrHärung nid^t auf ben gall
befd^ränft, n)enn bie fiegitimation burd^ näd^fo(genbe @()e nid^t me^r möglid^
ift- 3)icd ift inöbefonberc ber Stanbpunft bed gemeinen 5Re^teö, be« roürttemb.
^fled&tes, be« preufe. 31. fi. SR. II, 2 § 601, bed öflcrr. ®. 93. § 162 unb beö
ffi^f. ®. 93. § 1783; aucö bie oben angefii^rte SBorf^rift beö bapr. S. SR.
ipirb ate aufgehoben angcfe^en.
3m ^inbtide barauf, ba§ bie ß^elic^fcitöerffärung eine SScrfügung ber ^^ ^^^
Staatöflcroalt erforbert unb aud^ bann Dcrfagt merben fann, menn i^r ein ^Z^
flefeftti^efi ^inbemife nidfjt entgegenftetit , ift es ferner unbebenflid^, im Sln^ *ef''r<'?tiwi*
f d^Iuffe an bie SKetirja^I bcr SRed&te (oergt. roürttemb. fi. SR. IV, 17 §§3, 4 ; renb«n.
preufe. 31. S. SR. II, 2 § 607; ofterr. ®. 93. § 162; fä# ®. 93. § 1783, 2021)
Don ber römifd^re^tlid^en 33efd^ränfung abjufc^en, ba§ bic fiegitimation burd^
<S^elid^fcitöerHärung auögefd^Ioffcn ift, wenn ber SSater beö unefjdic^en Kinbeö
c^clic^c 3lbfömmlinge ^at (t)ergl. aud^ ba^r. fi. SR. I, 5 § 9 Sir. 3; fieff.
«ntro. III 3trt. 63 ; ital. ®. 93. 3lrt. 198 SRr. 2). 3lud^ für baß gemeine
tRed^t mirb oielfa^ ber SBegfaH jener 33efd^ränfung behauptet. 2)ic 3uläffigfeit
bcr Slnna^mc an Äinbeöftatt ^at ber ®ntn)urf jroar an bic SSorauöfcftung gc^
fnüpft, bafe ber 3lnnc{|menbc einen c^eUd^cn Slbfömmüng nic^t ^at (§ 1602);
üUetn, abgefc^en baoon, bafe naä) bem Gntrourfc bie 93eftätigung bcr 3(n^
na^me an Äinbeöftatt nur bann ju Dcrfagen ift, menn bcr (enteren ein gefefe^
lidbeö ^inberniö entgegenfte^t (§ 1619), ift bic Sad^Iage bei ber Slnna^mc an
Äinbcöftatt infofem eine oerfd^iebene, als biefe ben 3n>e(f oerfolgt, finberlofcn
?ßerfonen bic 3Kög(id^Ieit ju geben, fid^ auf fünftlic^cm 3Begc eine Slad^^
fommenfd^aft ju oerfd^affen. 2)er ^mcd ber fiegitimation burd^ ®f)elidöfeitö^
erflärung aber ge^t batjin, uncl^elid^en ilinbern aud^ in fold^en ^Jällen, in
loeld^en bie fiegitimation burd^ nad^fo(genbe @t|e nic^t m5g[id^ ober nid^t mo^l
tl)unlid^ ift, bie rcd^tlid^e ©tellung el^clid^cr Äinber il)rcö SSatcrö ju oer*
59*
932 eöend&feltöcrffäruitö. Äaraftcr. SBirfung. §1583.
fdöaffcn. Die (Srrcld^ung bicfcd bcm öffentlichen S^tereRe, wie bcm SntereRe
bcr unel^elidöen Äinbcr unb il)rcfi SSoterö cntfprcd^cnben unb mit bcm 95or^
l^anbenfein c^cUd^cr 2lbfömmlingc beö legieren vereinbaren 3wecfeÄ mürbe
ofine 3loil) in Dielen gällen unmöglid^ gemod^t, wenn beim SBorl^anbenfein
e{)elid^er älbfömmlinge bed unel^elid^en SSaterö bie Segiiimation unbebingt an&^
gefc^loffen fein foUte. Der ®efi(^tdpunft, bafe in foldjcn gäUen bie Segitimotion
ben l)äudli^en ^rieben gefä^rben fönne^ fann old ftid^^altig nid^t angefe^ca
werben. 2lud^ im gaUe beö 9lufifd^luffed ber Segitimation fonn bem une^e«
li(i^en 9Satcr nid^t »enoe^rt werben, baß unel^elid)c £inb in feine gamilien^
gemcinfdöaft aufjunetimen. 3^*^^^ fonn in fold^en gälten, in meieren bie
Segitimation fx6) olö unangemeffen erroeift, bie Staatögcroatt bie ©tielid^feits*^
erflärung nac^ freiem (Srmcffcn üerfagcn. ©ine anbere unten befonberö ja
erörternbe grage ift eö, ob eö fic^ emppetilt, bie e^elid^en Slbfömmlinge bed-
Segitlmirenben burd^ befonbcre Seftimmungen gegen aSerfürjung in i^rcm
©rbred&te ju fd^üßcn.
une^eiic^feit 2. Sine begriff ömöfe ige aSorauöfefcung ber Segitimotion burd^ (S^elic^*
^mi«nbef'feitöcrftärung ift bie Une^elid^feit beö ju tegitimirenbcn Äinbcö unb bie SBater^
Äinbefi. ^(j^dft bcöienigen, beffen Äinb für ein e^elic^e« erflärt werben foU. 9lnlangcnb^
bie geftftellung ber SSaterfd^aft, fo wirb in biefer ^infid^t auf bie üßotioe ja
§§ 1585, 1593 S3ejug genommen. 3luö bem ©rforbeniiffe ber Unc^elic^feit
beö }u legitimirenben Äinbcö ergiebt fi^, bafe ein Äinb, melc^eö jmar ia
SBirflic^feit ein unel^elic^eö Äinb beöienigen ift, roeldjer bie (S^elid^fcitöerflärung.
beantragt, noc^ ben SBorfd^riften über bie efieli^e Slbftommung {§§ 1471
biö 1473) ober olö ein el^elid^efi Äinb gilt, nid^t burc^ ©^elic^fcitöerflärung.
legitimirt werben fann. 9lu^ bann ift bie Segitimation burd^ @^eli(^feitd^
erflärung auögefc^loffen, wenn baö Äinb oor^er auf (Srunb einer Segitimation
burc^ nad^folgcnbe @f|e ober burd^ (S^elic^feit&erflärung bereite bie red^tlid^
Stellung eines e^elic^en Äinbcö im 33er^ältniffe ju einem Slnberen erlangt f)air
in biefen göllen iebod^ nid^t beöl^alb, weil badfelbe baburd^ aufgehört ^ätte^
ein une{|elid)eö ju fein^ fonbern bed^alb, weil bereits jener älnbere nac^ bea
§§ 1580, 1593 als ber JJater beS une^elid^en ÄinbeS gilt, mehrere ^^^rfoncn.
aber nid^t SSäter besfclben Äinbes fein fönnen (oergl. ÜKotioe ju § 1579 obca
©. 921).
2e«itimation 3. DoS ffid&f. ®. 95. § 1783 (ocrgl. aud^ ^eff. (Snim. III Slrt 63; itaL
«fetti^Hnfle ®- ^- ^'^*- ^^^) '^6* ^"^ "^^ "^^ ^^^ ^^^^ ^^^ unel^elid^en ÄinbeS eine
bed »erfkorbe. ®l^elic^feitSerf törung ju ©unften ber e^elic^en Slbfömmlinge bcsfelben 5U. Gin.
nen ftinbe«. jg^jj^^^^^^^ ^^^ änologie beS § 1582 eine folc^e, t^otfö^lid^ bie ©fielid^feit«*
erflärung ber ®nfel juloffenbe Seftimmuug aufjune^men, liegt Jebocö ni^t
oor. 3lud) ben übrigen in 2)eutfd^lanb geltenben SRed^ten ift eine berortige
Sluöbe^nung ber Segitimation burd^ SReffript fremb.
Segitimation 4. S)er ©utwurf fenut in Uebereinftimmung mit bem gemeinen SRed^te^
SeJ S. ^^^ P^^wfe- 31. 2. 5». (oergl. jeboc^ II, 2 § 608) unb bem fäc^f. ®. 93. feine
®^elid)feitöerflärung, burdö welche auf 9lntrag ber 3Jlutter bas une^eli^e
Äinb für ein c^elid^es ftinb feiner SKutter crflärt werben fönntc, wä^renb ber
l^cff. Cntw. III airt. 63 (oergl. auä) ital. ®. 93. 3lrt. 198 3lr. 1) aud^ eine
fold^c Gdelid^feitSerflorung jutöfet. SJom Stanbpuufte beS ®ntwurfes auS^.
e^clic^fcitterfrcirunö. Äarafter. SBirfung. §1583. 933
TtQc^ loeld^cm baö uncfielid^e Äinb gegenüber ber 2Rutter unb bereu SSerroaubteu
of)nc^in im SGBefcntli^en bie red&ttid^e ©teHung eines e^clid^cn Äinbeö ^at
(§§ 1568—1570), fef^lt eö an einem »cbürfniffe, eine foI(^e e^erid^feitö*
erflärung sujulaffen, jumol bie une{|cHd&e SWutter nad^ bem ©ntmurfe (§ 1602)
Ttic^t bel)inbert ift, i^r une^elid^eö ftinb an ÄinbeSftatt anjunetimcn unb
it|m baburd^ bie red^ttid^e SteQung eined el^eüd^en ^inbeö i^r gegenüber gu
Derfd^affen.
5. 3n Uebereinftimmung mit bem gemeinen SRed^te unb ben übrigen in ©«^anbiun«
^eutfc^Ianb geltenben fHe6)Un (üergl. mürttemb. S. SR. IV, 17 §§ 2—6 nebft "^* ZT"^
ben roürttemb. ©efefeen v. 22. 3uni 1807 unb o. 24. Sanuar 1807 2lrt. 7, 15;
i>ax)x. 2. 91. I, 5 § 9; preufe. 31. 2. SR. II, 2 §§ 601, 602 unb Silier^, (grlafe
V. 25. 9lpri[ 1870; öfterr. ®. 93. § 162; fäd[)f. ®. ». § 1783) bcftimmt ber
§ 1583 3tbf. 1, bofe bie ©^elic^feiteerflärung nur burd^ eine 5Jerfügung ber
^taatdgeroalt, fei es beö 2^räger« berfelben ober eines bc(egirten Drganeö
<§ 1584), erfolgen fann, unb jroQr bcljanbelt ber ©ntmurf nad& bem SSorgangc
ber ongefü^rten ©efefegebungen unb im ©iuRange mit ber l&errfc^enben 9lnfid6t
i>ed gemeinen Stentes bie ©^elid^teilSerKärung als eine Onabenfod^e, fo bafe
boö freie ©rmeffeu ber Staatsgeroalt unter Serüdtfic^tigung oHer Umftänbe
barüber entfd&eiben foll, ob bem SIntragc auf ß^elid^feitScrHärung ftattjugebcn
ober bie legtcre ju Derfogcn fei (§ 1592). S)ie l^ier in SHebe fte^enbc 2egitimation
itodf) 3lnalogie ber aSorfd^riften über bie 3lnnaf|me an ftinbesftott (§§ 1616
bis 1619) allgemein ober roenigftens nad& bem £obe ber ÜRutter bes SlinbeS
lebigfi^ auf @runb eines red^tSgefd^aftUd^en Slftes beS 33aters sujulaffen,
fofern nur im Uebrigen bie gefeglid^ beftimmten SSorauSfegungen ber (Sf)t^
tid^teitserßarung Dorliegen, mürbe im ^o^en ®rabe bebenflidö fein unb ins^
bcfonbere bie ®efal)r mit ftd) bringen, bie im SSotte ^errf^enbe, oon ber be*
fteöenben ®efefegebung get^eilte unb gefd^üfete Slnfd^auung oon ber f)o^tn
fojialen SBebeutung unb üon ber $eilig!eit ber ®I)e ju erfc^üttem unb bas
Äonfubinat, überhaupt bie au§erel)elid^e ®efd^Iec^tsgemeinfd^aft ju bef orbern.
3m ^inblide auf biefe ®efaf)r fann eine Slusna^me oon bem roid^tigen ®runb*
fafte, bafe bie fjcroorragenbe SRed^tsftellung eines etiefi^en ÄinbeS auSfd^Iie6tid&
auf ber 6t|c jmifd^en ben ©Item besfelbcn beruht, nur üon bem SCräger ber
Staatsgeroalt ober einem belegirten Organe berfelben jugelaffen werben. 3)ie
Slnalogie ber Slnna^me an Äinbesftatt trifft in bicfer SBejie^ung ni^t ju;
benn roenngfeid^ ber ©ntrourf bie 3lboption eines une^elid&en ftinbes burd^
bcffen S3atcr iuläfet unb bie SKnnafjmc an Äinbesftatt nic^t als ®nabenfa(^e
bef^anbelt, fo fommt bod) anbererfeits in Setrad^t, bafe bie Slnnal&me an
Äinbesftatt an roeit ftrengere gefefelid^e SSorausfefeungen gefnüpft ift. Sei ber
2egitimation burd& ©fieUd^fcitSerflftrung aber laffen fid^ bie SorauSfegungen,
unter roeld^en biefelbe allgemein t)om ©tanbpunfte bes öffentüdben 3ntereffes
aus als unbebenflid& }u erad^ten ift, im SBorauS nid&t burd^ ®efe6 genau
prä5ifaren. SCuf ber anberen Seite betrad^tet inbeffen ber ©ntrourf bie aSer-
fügung ber Staatsgeroalt nid^t als eine eigenttid^e lex specialis in bem Sinne,
bafe bie (SfielicfefeitSerfläruug roirffam ift, aud& roenn es an einem gefejlid^en
©rforberniffe berfelben fel)lt; Dielme^r bifbet ber bas Sefenntnife ber aSaterfd&aft
entl)altenbe Slntrag bes 5Jaters auf ®()elid)feitserflärung, rocld)er fic^ als eine
934 @]^Hd&fett§erfIaruiig. RaxOitt, fflirfuna. §1583.
red^tögefc^fiftlid^e @rf(ärung begfctben barfteUt bic ©runblaf^e ber (Sf)tlxd)UH&f^
crfiärung, ju njelc^cr bic SScrfügung ber 8tQotegeroalt a(ö ein kti freier
©nobe unb ald S3eft(itigung ber SBiQenöernärung bed Soterd {linjutreten mu^
(ücrgl. §§ 42, 62, 701). D^ne biefc Seftätigung ift bic SBiUctiSerHärung bc*
Katers DoUftänbig noirfungdto^ ; anbererfeitö ift aber aud^ bie bur^ bie SBer^
fügung ber StaatögciDolt iugclaffenc @^eU^feitdernärung nac^ SRaggabe bei^
§ 1593 unroirffam, iDcnn jene SBittcnderMärung beö 3Soterö ober ein fonftigeft
mä) bem ©efege roefentli^eö ©rforberniB ber ©^cU^tcitderHärung fel^It.
sBirfuitfl ber 6- STtttangcnb bic gSirfungen ber Segitimation burd^ (g^cüd^fcitöcrMärung^
8e«ittmotion. fo f^abtxi in bicfcr SBejie^ung bie beftel^enben SRed^te ücrfc^iebcnc SBege ein?
*äSt** gcf^Iagcn. ©emcinrci^tUd^ f|at bie Segitimation burd^ Sleffript in aUen S3c*^
jie^ungen, nid^t nur im SScr^öItniffc }n)if^en bem une^elid^en ftinbe unb beffen
aSotcr, fonbcm oud& im Sßer^ältniRe ämif(^en bem erfteren unb bcn SBenoanbten
befi legtercn ate Surrogat ber Segitimation burc^ nad&folgenbc 6^e bie SBir*
fungen biefer Segitimation (ocrgL auc^ l^eff. @niXD, III, Slrt. 63). ©ine jroeite
©ruppe t)on Sichten lögt burd^ bie ^ier fraglid^c Segitimation bie äBirfungen
ber e^elic^en SBermanbtfd^aft nur im SSer^öltniffc jmifc^en bem unc^elid^en
Äinbe unb befjen SBatcr 5ur ©ntfte^ung fommen (roürttemb. S. 9i. IV, 17
§§ 2—6; öftcrr. ®. 83. §§ 162, 753, 756; oergl. auc^ baqr. S. 91. I, 5 § »
?lr. 3, III, 12 § 2 3lv. 11). 5lad^ einer britten ©ruppe üon SRed^tcn be*
grünbct bie Segitimation bur^ @^clid^teitöerf[ärung traft bed ©efeged ein c^e»
Ud^cS SJermanbtfd^aftöDcr^ältnife nur jroifc^cn bem und^elic^en Äinbe unb beffen
3lbfömmlingcn cincrfcitö unb bem unelieüc^en 93ater unb bcffen 2lbfommIingen
anbererfeitö. 3^^if^c^^ ^^^ une^clid^en Jlinbc unb bcffen StbfömmUngen einer?
feit« unb ben fonftigen SSermanbten bcö SBaterö anbererfeitö wirb bagegcn ein
$em)anbtfc^aftöi)er()öltni6 nur infomeit ^ergefteUt, a(d bie (enteren cinjctn,.
bejiD. in ber gorm cineö gamilicnocrtrageö ber Segitimation jugeftimmt I)aben
(oergl. preufe. 31. S. SH. II, 2 §§ 603—608; fäd^f. ®. ». §§ 1783, 1808, 1841,
2021—2025; ferner in erbred&tU^er ^injt^t roeimar. ®ef. t). 6. 9lpril 1833
§§ 22—26, 58; fonbcrö^. ©utscfftonöorbn. o. 8. S5e5ember 1829 §§ 28—31;
altenb.®ef. ü. 6. Slpril 1841 §§ 24—28, 64; got^. ®cf. x>. 2. 3anuar 1844
§§ 24—27, 33; ®ef. für SHcufe j. S. o. 10. 5Dejember 1853 §§ 23-26, 59;
SDlommfcn, erbrec^töcntio. § 26).
etanbvunft 2)er entmurf (§ 1583 Slbf. 2, § 1596 3(bf. 1) Dcrbinbet mit ber Scgiti?
entwürfe« ^ö*^ö" ^"^^ S^clic^fcitöerflärung nic^t bie ooUen SBirfungen ber Segitimation
burc^ nad^folgenbc ©f)c (§ 1579), fonbern, entfpred^cnb ber in bem über*
beT' micgenbcn 2^^cilc S)eutfd^lanbd eingetretenen Sled^töentroidfelung, ö^nüd^ mic
sermanbten Jet bcr Sluna^mc ou Äinbcöftatt (§§ 1601, 1620 Sffbf. 1), nur minbere SBir?
^ "**^' fungen, nömli^ nur ein SBcrmanbtfdiaftöoerpItnife jmifd^cn bem une^cli^en
Äinbc unb beffen Slbfömmlingen cincrfcitö unb bem unel^eUd^cn SBater anberer?
feitö. 2)ic SwlöfRofcit einer (grrociterung biefer 9Birfungcn burd^ SBcrtrag mit
ben SJcrroanbtcn bcö SSatcrö ift auögefc^IoRcn. S)iefe 2lrt ber SHcgcIung genügt
bem Sebürfniffe unb ^at ben SSorjug ber 6infad^l)eit für fi^. S)er S^^d bcr
Segitimation burd^ e^clid^feitöerfWrung, bie 3of)l ^^^ une^cUd)en Äinber ju
oerminbcrn unb bem unel)elid^cn SSater bie ®clegen^eit ju geben, fein Unre^t
mieber gut ju mad)en unb ben ftinbern eine 9Bo^lt^at ju errocifen, mirb
Ser^Altnil
JU
ejelid&feit^crflärunö. Äarafter. SBirfung. §1583. 935
burc^ icnc Oeftaltung bcö SBerl&ältniffeft in außrci^enbcm aWafec crreid^t. ®ö
ift Qufeerbem bcbcnflid^, auf bcn einfciticjen Slntrag beö 33atcrö, wenn ax\6)
mit einroiUigung beö Äinbcö, baö für cf^cUd^ ertlärtc imcl^cli^c Äiub of)ue
SBcitcrcfi in bic Däterlid^e gamilie eintreten ju laffen unb i^m baburd^
ein @rbrcd)t gegenüber ben SBenoanbten bcö SSoterö ju oerfc^affen unb ben
leiteten bic gcfefilic^e Unterl^Qltöoerpflid&tung gegenüber bem J^inbe aufjueriegen.
2)iefe Sebenfen werben allerbingö befeitigt, wenn man beftimmt, bofe jmif^cn
bem unef^elid^en ftinbe unb beffen 3[bf5mmlingen cinerfeits unb ben SSermonbten
bcö aSoterd anbererfeitö ein SBerroanbtfdioftßoerl^äftnife nur inforoctt begrünbct
wirb, ate fie ber fiegitimation jugeftimmt {|aben. 2tUein eine berartigc 95^»
ftimmung bringt auf ber anberen Seite ben SJlad^t^eil mit pd^, ba§ baburd^
ba« 93crf|ältni6, wenn nid^t fämmtlic^e SSermanbte beö SBaterö jugeftimmt
l&abcn, ein fomplijirtcö werben fann unb ber cin^eitlid^en ©eftaltung entbelirt.
2)iefe8 Scbcnfen fällt jmar weg, menn man mit bem preufe. 31. 2. SR. II, 2
§§ 604, 605 ben eintritt bcd unehelichen Äinbeö in bie Doterli^e gamilic
üon einem gamilieuDertrage abf)ängig mac^t. ©ine fold^c SBeftimmung ift aber
o^ne erlieblic^e praftifd^e 93cbeutung, ba bie ©inroiDigung einer ganjen gamilie
fläufig nur fd^mer ober überl^aupt nid^t ju bewirten ift (oergl. ©efeferet).,
^enf. XV S. 162). ®egcn bic 3lufna^me beö ^nftituteö beö ^ami(ient)ertrageö
JU bem bejcid^netcn ^totic fprid&t aufeerbem, bafe biefelbe eine SRcil^e roeiterer
aSorf^riften barübcr nötbig mad^cn mürbe, in roeld&er 9lrt ein alle gamilien«
mitglieber binbenber gamilicnücrtrag ju ©tanbe fommt. aBoUen baö Äinb
unb bie aSermanbten beö SBatcrö in erbred^tU^e SBejie^ungen treten, fo bleibt
i^nen ber SSbfd^Iufe üon ©rbeinfefcungöücrträgcn nadft aWafegabe beö ©rbred^tcö
unbenommen.
Slbroei^enb von ber Slnnai^me an Äinbeöftatt (§ 1620 3lbf. 1), foH bie «« *>«! «*•
Segitimation burd^ G^end&feitSertlärung fraft ©efefecö auc^ jmifd^en ben jur b« ÄinSS!
3cit ber ®f)elid^feitßcrfiärung bereits üorl^anbenen Slbtommlingcn bcd unel^elid^en
Äinbcö unb bem aSater beö le^tcrcn ein aSermanbtfd&aftöoertiöltnife begrünben,
ofinc bafe es baju ber ©inmiUigung biefer Stbfommlingc bebarf. 5Der ^xotä
ber Segitimation mürbe fonft nur ungcnügcnb erreid^t roerben, namentlid^ in
fold^en göDcn, in meldten baö unel|eücf)e Äinb mit ^interlaffung t)on SÄbfömm^^
lingcn oor bem unefieli^cn SSater pcrftirbt. Daju fommt, bafe eö [xd) ^ier,
unb jmar im aBcfentlid^en ju ©unften beö unehelichen ftinbed unb ber Stt*
fbmmlinge beöfelben, um bic red^tlidfic 3lnerfcnnung cinefi natürlid&en aSer^
^ältniffeö ^anbelt, rocld^cö, ber 9latur ber ©a(fte entfpre^enb, t^unlid^ft au^
red^tlic^ cin^citlid^ ju geftalten ift. 2Rit bem ©ntrourfc ftimmen infomeit aud^
baö gemeine SRcc^t, baö preufe. St. 2. 91. unb baö fäd^f. 0. S3. überein.
9luö bcn aSorfd^riftcn beö § 1583 9lbf. 2, beö § 1596 Slbf. 1 in SBcr^ ^^l^
binbung mit ben SSorfc^riften beö § 30 3lbf. 3 unb ber §§ 1965, 1975 folgt ^Ä'unT
inöbcfonberc, bafe burd) bic l^ier in SRcbe fte^enbc Segitimation jroifd^en bem ©eitenbe«
unebeli(f)en Äinbc unb bcffen 2lbfömmlingen einerfcitö unb bem une^elid^en ««**•
aSater anbererfeitö aud^ in crbrcd[)t(id^er S3ejicl^ung baöfelbc red&tlid^e SSer^ältnife
begrünbct wirb, wie wenn baö legitimirtc Äinb ein ctielidjeö märe. aSerfd^iebenc
JHcc^te, meldte, wie ber ©ntmurf, auc^ beim aSorIjanbenfein e^elid^er 58[bfömm=
lingc beö unct|elid&en aSatcrö bic Segitimation cincö uncfielid^en Äinbcö burd)
936 (SbeIi(i6feitSerfIdrunö. Äarafter. SBirfung. §1583.
efldid^fcitöcrfläninfl jutoRcn, finb bcftrebt, bic crbrcd^tUd^cn 3ntcrcRcn ber jur
3cit ber Scgitimotion bereite Dor^onbeitcn elieli^en Slbfömmlinge gegen
Seeinträ^tigung burd^ bic ^ier in Siebe fte^enbe Segitimation ju fd^ü^en. ©o
beftimmt boö roürttcmb. £. % IV, 17 §§ 3, 4, ba§, wenn in bem fiegitimotionfi«
reffripte nid^t Quöbrüdtlid^ erroö^nt fei, ba§ bie Segitimation trofi beö 93or*
^anbcnfeinö ber etielic^en Stbfömmtinge erfolge, bafi legitimirte Äinb neben
bcn lefeteren fein ®rbred^t gegenüber bem une^etid^en SBoter ^aben foDe.
3la6) bem preufe. 21. 2. 9t. n, 2 § 607 foD, roenn ber aSater jur 3eit ber
Scgitimotion fd^on e^elid^e 3)efjenbenten ^atte unb er in ber gotge einem
berfelben nur bcn 5ßflid^ttt)eil Iiinteriäfet, bei ber »ered^nung beö Ie|teren baö
legitimirte Äinb nid^t mitgejä^tt werben, gemer fc^reibt bo« oltenb. ®ef.
0. 6. 3lpri( 1841 § 24 üor, ba^ bei Äonfurrenj üon e^elid&en Äinbern
iebes ber feftteren ab intestato boppelt fo t)ict a(ö iebeö ber legitimirten Äinber
erben foD unb bafe bie eJ^etid^en Einber unter allen Umftönben bcn i^nen ol^ne
^injurec^nung ber tegitimirten Äinber gebü^renben 5ßflid^tt^ei[ unoerfürjt
l^aben fotten.
©tanbpunft S)er ©utmurf l^at in Uebereinftimmung mit bem ofterr. (S. 95. §§ 753,
«nt»«fe«. 756 unb bem fäd^f. ®. 93. § 2021, fomie mit ber Tlef)Xiaf)l ber oben 6. 943
ongefü^rten ©rbfolgegefefec ber t^üring. Staaten berartige befonbere SSor*
fd^riften jum ©d^uge ber erbre^tlic^en Sntereffen, inöbefonbere bcö ^flid^t^
t^eiförec^te«, ber jur 3cit ber Segitimation bereit« Dor^anbenen e^elid&cn Slfc
fömmlinge beö uncl^elid^en aSaterö nid^t für erforbcrlid^ erad^tet. (Segen fold^e
3Sorfd^riften fpri^t von Doml^crein, ba6 bie l^ier fraglid^e Seeintrad^tigung
beö ®rbred&te« unb 5ßf(id^tt^eiferec^teft nid^t bie Statur einer Sied^töoerle^ung
f)at, ha ben beeinträd^tigten 5ßerfonen ein jus quaesitum auf ben ber bamaligen
©ad^Iage entfpred^enben ©rbt^eil bejn). 5|$f(id&ttl^eU nic^t jufte^t. S)aju fommt,
bafe ber ©ntrourf bie ®^elid^feitöerf(ärung als eine von bem freien ©rmeffen
ber ©taatögemalt abl^ängenbe (Snabenfad^c bel^anbeU. 2)aburd^ ift bie 3R5g«
lic^feit auögefd^Ioffen, bag bie @l^e(ic^feitdert(örung miQfürlid^ baju migbraud^t
mirb, um SBcränberungen in ben bie ©eftaltung bcö 5ßfItdött^eUöred&teö bc*
ftimmenben 9Sorauöfe|ungen ber Snteftaterbfotge ^erbeijufü^ren. 3lud äl)nlid&en
©rünben \)at ber Entwurf auc^ üou befonberen 93eftimmungen 5um ©d^u^c
beö 5ßflid^tt^cifercd^ted ber 3)tutter beö une^clidtien Äinbeö (oergt. got^. (Sef.
t). 2. Sanuar 1844 § 33), bcö ^flic^ttl^eildre^teö bcö jur 3cit ber Segitimation
bereitö Dor^anbenen @l)egatteit cineö für el^elid^ crflärten Äinbeö ober eineö
feiner 3lbtömmlinge, foioic jum ©d^ufee beö ^ßflid^tt^eilöred^teö ber (S^efrau
beö unehelichen SSaterö unb ber ©Item beöfelben abgefetien. 3n Slnfc^ung ber
S^efrau bcö uncliclid^en SJaterö tritt ju ben angefülirten ©rünben nod) ber
weitere (Srunb tiinju, ba§ nad^ § 1587 ju ber S^elid^feitöerflärung, fofern ber
aSatcr ücrl^ciratl^iet ift, bic einioilligung ber ®^efrau beöfelben erforberlic^ fein
foD. ^m ^inblicte auf bie Dorfte^cnbcn ©rmägungen fel)lt eö aud^ an einem
S3ebürfniffe, nad& bem ajorgange beö fäd^f. (S. 33. § 2051 unb einiger ber
oben ©. 934 angeführten t^üring. ©rbfolgegefcfie für ben %aU, bafe bie ©^e«
frau bei ber 93eerbung bcö @l)cmanncö nur mit e^elid^ crflärten Äinbern ju^
fammcntrifft, eine errociterung beö gcfefelid&cn ©rbred^teö ber ®^efrau ein«
treten }u laffen.
e6cfi(i6feit«ei:ttärung. Suftänblgfcit. antrafl. §§ 1584, 1585. 937
2)urd^ bic öcftimmunß beö § 1583 Slbf. 2 foU übrigen« bcr grage ni^t
präjubiilrt rocrbcn, ob unb inToictDcit unb mit welchen SBirtungcn beim ^of)en
Slbcl eine fiegitimation burd^ ©J^elid^feitöerflärung 5uläffig ift, ferner, ob bic
legitimirten fiinber bcn Ulbelftonb befi SSaterS imb Sulieffionöred^te in Selben,
gibeifommiffc, ©tamm* unb ©Querngiiter erroerben. 3n biefen S3cjiel^nngen
finb bic crforberUc^en SSeftimmungen bcm 6infüf|rungdgcfc|c oorbe^olten.
§ 1584.
(Semeinred^tlid^, foroie naäf bem öfterr. ®; 39. § 162 unb bcm fäc^f. 3«nÄnbiflfeu.
©. S. § 1783 erfolgt bic S^elic^fcitöerMärung burd^ ben Sanbcö^crrn, in
^ßreufecn burd^ bcn Suftijminiftcr, fofcrn eö fic^ jebod^ um bic ^ü^rung eincö
obeligen ?Ramenö ^anbelt, burd& bzn Äönig (prcufe. 31. 2. SR. II, 2 § 601;
SBlerl^. erlafe ü. 25. 3lpril 1870), in gCBürttcmberg bur^ bic (Scripte unb
nur bei abeligcn 5ßerfoncn burd^ ben König (mürttemb. ©efefee o. 22. 3uni 1807
unb ü. 24. Sonuar 1879 3lrt. 7, 15), in Hamburg (SSorm. D. v. 14. S)e5
jcmbcr 1883 ärt. 65) burd^ ben ©cnot. SKit SHücfTid&t barauf, bafe ber ©nt*
rourf bic ©^cUd^fcitöerHärung alfi eine ©nabenfa^c bc^Qnbclt, fomie mit 9tüdE?
fid^t auf bic aScrfc^iebenl^eit ber ©cfeftgebungen in ben cinjelnen beutfd^en
Staaten bcftimmt ber § 1584, bag bie 3«ftänbigfeit ju ber e^did^feitöcrflärung
pc^ nad^ ben Sanbeögefeftcn richten foU. 9lur infomeit regelt ber § 1584 bie
Suftänbigfcitöfrage jur SJcrmcibung t)on ÄoUifionen rcid^dgefefelid^, als er auö*
fprid^t, bafe bie 6f)elic^feitöcrflärung bcmjenigcn Staate jufte^t, meld^em ber
93atcr angcprt. S)ag bic Staatdange^örigteit, unb jmar bie bed SSatcrö tnU
fd^eiben foU, red^tfertigt fid^ burd^ bic 9latur ber S^cüd^feitdcrnörung ate einer
©nabenfad^e in 93crbinbung bamit, bag bad bur^ bie Legitimation begrünbete
gamilicnpcr^ältnife feine SBirfungcn übermiegenb in bcm ©taatc äußert, welchem
bcr SSatcr angeprt. 3"^^"^ P^^t l^i^fc Siegelung im ®inflange mit bcm § 4
bed SH. ©cf. über bcn ®m)crb unb bcn 33crluft bcr ©taatöangc^örigfcit
V. 1. 3uni 1870, nad^ mc(d^em bad (egitimirte jtinb bie Staatöange^örigfcit
bcö Satcrö geminnt.
§ 1585.
3n Ucbereinftimmung mit bcm gemeinen SHcd&te unb ben neueren ©efcfe^ «ntro« m
gebungen mad^t bcr § 1585 bie (SficIidöfcUßcrflarung t)on bcm 9lntragc beö *"**'*"
unc^elid^cn SBatcrö abhängig (ocrgl. bo^r. S. 9J. I, 5 § 9 SJlr. 3; preuß.
St. S. 9i. II, 2 § 601; oftcrr. ©. 33. § 162; fäd&f. ®. 93. § 1783). 95on bcm
gemeinen Siedete unb bcm fä(ftf. @. 33. § 1784 meidet ber ©ntrourf jcboc^ in«
fofcrn ah, ald bie ©^cUd^fcitöcrflärung nad^ bem festeren nur auf SKntrag beö
SBaterö erfolgen fann, mätirenb jene Siedete für bcn gall, mcnn bcr SSatcr in
feinem 3;cftamcntc bcn SBlUcn, bafe bafi Äinb ein c^cUd^cö fein foUc, auö*
gcfprod^cn ^at, aud^ bcm Jlinbc baß SRcd^t geben, nad^ bcm 2^obc bcö SBatcrö
bic (g()e[id^fcitöcrflärung ju beantragen. 9lad& bcm fäd^f. ©. ©., rocid&cö pd&
in biefer ^infid^t einer au^ für baö gemeine 9tc(ftt ucrtrctcncn 9lnfi^t an*
gcfd^Ioffcn ^at, fann in bcm bcjcic^nctcn gaUe au^ bic SJluttcr bcö Kinbcö
ouf bcffen ©^clid^fcitöcrHänrng antragen.
928 Seßitimation bur$ nac^folflenbe ®5c. UnGÜltigc ®6c. § 1581.
©d^liefeung ber 6^c geboren, aber üor ©djiiefeung berfclbeti empfangen ift
(§ 1470). S)ic Orünbe, auf roeld&en biefe SSeftimmung beruht (oergl. SKotioc
ju § 1470 oben S. 656), treffen im 9Befentli(i^en auc^ f|ier ju. a)em ju-
fälligen Umftonbc, ob baö Äinb furje ^di por ber (S^efc^üe^ung geboren
ift, fann ein fo tiefgreifenbcr ©influfe auf bie SRed^töftellung beöfelben
nid^t beigemcffen werben. 3Rit bem ©tanbpunfte beö (Sntrourfcö fte^t jubem
überroiegcnb baö geltenbe Siedet, inöbefonbere baö preufe. Siedet unb baö fäd^f.
®. 93., im ©inffange.
«nerfennung 2llö bebeufUd^ ift eö bagegeu erad&tet morben, in T)em ^ier fraglid^en
oattr'^aft. S^'^^ ^^^ auöbrürfUd^en 9lncrfcnnung ber SBaterfd^aft üon ©eiten beö 6^e^
manncö biefclbc 9Birfung bcijutegen, wie in bem gaUe, menn baö ftinb ixoax
oor ber ®^cfd&ne6ung empfangen, aber erft naä) berfelben geboren ift (§§ 1470
biö 1472). ein bringenbcö praftifd^eö ^ebürfnife, bem ©l^emanne auf bem
2Bege ber Slnerfennung ber SSaterfc^aft ein aMittel an bie $anb ju geben,
einem oon feiner ®^efrau oor ©d^liefeung ber ef)c bereitö geborenen, pon
i^m aber nid^t erjeugten Äinbe in SSerantaffung unb in Säerbinbung mit
ber (S^efd^üegung i^m gegenüber bie red^ttid^e ©tellung eineö e^elid^cn
Äinbeö JU oerfdöaffen, fann nid^t anerfannt werben, ©ö mürbe baburc^
gemiffermafeen eine befonbcre 9lrt ber Slnna^me an Äinbeöftalt ober ber G^e«
(id^feitöerflärung, jebod^ ol^ne bie fc^ügcnben gormen bicfer 3nftitute unb
mit rocitergetienben SBirfungen, alö biejenigcn, meldte mit biefcn 3nftituten
üerbunben finb, gefc^affen merben. 2)ic 33ebenfen, rocid&e fid) bagcgen er^
^eben , ' ber 9lnerfcnnung ber 33aterf d^af t eine f onftitutioc 5E8irf ung in bem
©inne beijulegcn, ba§ baburc^ bie SSatcrfdiaft olö unbebingt feftgefteUt
gilt, werben aud& bann nid^t pöUig befeitigt, wenn man jene SBirtung
oon ber 3wftimmung beö Äinbeö abhängig mad^t. 35a6 ein fold^eö Snftitut
burd^ ein praftifd)cö SBebürfnift nid()t geboten ift, fonbern bie 9latur ber
3lnertennung alö eineö 53en)eiömittelö ben 3lnforberungen beö praltif^en fiebenö
genügt, ergiebt ftc^ fd^on barauö, bag feineö ber befte^enben iRed^te, aud^ ni^t
baö franj. 9led6t (oergl. code civil 3lrt. 339), bei ber Segitimation burd^ nai)^
folgcnbe (gfie mit ber 3lnerfennung fo meitgel^enbe, ben ^erfonenftanb beö
Minbeö änbcmbe SBirfungen oerfnüpft (oergl. ©ntfc^. b. SR. ®. in ©traff. 1, 4,
XIII, 41).
§ 1581.
cinfiui ber 2)aö gemeine Jled^t unb oerfd^iebene neuere ©efcggebungcn (oergl. fäd)f.
""bJ?et''*' ©. 33. § 1782; ^eff. ©ntm. III 3trt. 62; ferner in crbred^tlid^er ^inftd&t meimar.
©cf. 0. 6. 9lpril 1833 §§ 16, 17; altenb. ©cf. o. 6. 3lpril 1841 §§ 17, 18;
got^. ©ef. D. 2. 3anuar 1844 §§ 19, 22; ©cf. für SWeufe f. 2. o. lO.Sejembcr
1853 §§ 17, 18) taffen bie SBirfungen ber 5ßutatioel)e aud^ ju ©unftcn ber
üor ber ©^cfd^liefeung bereitö geborenen uncl)elid^en Äinbcr ber ©Regatten eim
treten, jebod^ mit ber aWobififation, ba6 biefelben bie ©tellung Icgitimirter Alinber
erlangen, ©agegen entl)alten baö preufe. 91. S. 91., baö oftcrr. ®. S. unb ber
code civil in ber l^icr fragli^en ipinfid^t feine bcfonberen SBorfd^riftcn (oergl.
preu6. 91. S. 31. II, 2 §§ 50-57; 5fterr. ©. 33. § 160; code civU 9lrt. 201, 202).
i
Seöitittiation burt^ nac^f. ffil&e. 9fBfötnmIm0C bc8 Äinbc«. § 1582. 929
gür boö franj, SRed^t toirb inbeffcn bic anfielt üertrctcn, bofe burd) eine
^utatiDeI)c and) bic üor ber ®^e geborenen Äinber legitimitt werben, fofem
ni^t baö ß^e^inbernife bereits jur S^it ber ©rjeugung ber Jlinber Dorl^anben
geroefen fei.
Diefelben ©rünbe, auf wcld^en bie Sorfd^riftcn ber §§ 1562—1567 be^
ru^en, muffen bafjin fül)ren, auä) mit einer ungültigen S^e bie SBirfungen
ber 2egitimation burc^ nod^folgenbe @^e nad^ üßaggabe iener ^orfc^riften ju
Derbinben, eö fei benn, bafe bie ©^e roegen eines gormmangels bei ber ©l^e^
fc^Iiefeung ni(i^tig ift. 2)ie Herbeiführung ber Segitimation ber Äinber ift in
Dielen göDen bas ^auptmotio, roeld^es bie ©Item ber Jlinber ju ber ©^c*
fd^Uefeung ueronlagt. ©s mürbe eine grofee ^orte fein, menn jene SBirfung
im galle ber Ungültigfeit ber ©^e DoUftänbig ausgefd^loffen mürbe. 3)qju
fommt, bofe es ein unnatürlid^eS aSerliältnife ift, menn bie Äinber berfelben
©Item, je nod^bem fic x)or ober nod^ ber ©^efd^liefeung geboren finb, eine
Dcrfci^icbcnc re^tli^e Stellung gegenüber ben ©Item unb bercn SSermonbten
einnehmen.
§ 1582.
2)ie Scftimmung bes § 1582 entfprid^t ber SiDigfeit unb ber Omnb* sBirfun« ^tnf.
läge, auf melier nac^ ber Sluffaffung beS ©ntmurfes baS 3nftitut ber fiegitv^ ^^JbT
mation burc^ na^folgenbe ©^e beml^t; fie fte^t aud^ mit ber üWe^rja^l ber «erftortenen
neueren ©efefegebungen im ^rinjipe im ©inllange (oergl. preufe. 91. S. dt, II, 2
§ 600; Code dvü 3lrt. 332; fä^f. ®. 93. §§ 1781, 2018; ^eff. ©ntm. III Slrt. 61;
ferner in erbrcd^tlid^er .^infi^t fonbcrs^. Sufjefponöorbn. d. 8. 3)ejember 1829
§§ 26, 27; meimar. ®ef. v. 6. 3tpril 1833 § 18; altenb. ®ef. v. 6. 3lpril 1841
§ 19 ; got^. ©ef. d. 2. 3anuar 1844 § 23; (Sef. für Sleufe i. 2. x>. 10. Dejembcr
1853 § 19).
3Ius bem § 30 ergiebt fid^ t)on felbft, ba§ ju bcn 3lbfommlingen beS
une^elid^en Äinbcs aud^ bie unel^eli^cn 2tbf5mmlinge einer uor ber ®^e*
f^liefeung üerftorbenen une^elid[)en 3:od^ter gehören (t)ergl. auc^ § 1568), nid^t
bagegcn bic unehelichen 3lbfommtinge eines unclieli^en Sof)neS (fäc^f. ®. 33.
§§ 1781, 1874), es fei benn, bafe bie lefetercn burd^ bie nad^folgenbe ©f)e
i^rer ©Itern legitimirt morben maren unb baburd^ gegenüber bem SSater unb
bcRen SBermanbten bie red^tlid^e Stellung e^eli^er ftinber erlangt liatten.
Segitimation burd& ©ficlid^fcitserKärnng ober 3lnna^me an ftinbesftatt ftetien
in biefer ^inftc^t ber Segitimation burd^ nac^folgcnbe ©^c ni^t gleid^, mcil
burd^ jene 3nftitute iroifd^en bem legitimirten ober angenommenen Slinbe unb
bcn 33em)anbten bes Üegitimirenben ober 3Innel|menben na^l §§ 1596, 1620
ein aSermanbtfd^aftSDerpltnife ni^t begrünbet wirb. 2)asfelbe gilt, menn bic
nad&folgenbe ©^e eines Dor ber ©^ef^licftung feiner ©Item t)erftorbencn
Sohnes ungültig mar unb auf ®runb beS § 1581 bie aSorfd^rift beS § 1566
2lbf. 2 SÄnmcnbung finbct. 5Die »orfd^rift bes preufe. 21. ß. SR. II, 2 § 600,
bafe bie SBirfungen ber Segitimation burd^ nad^folgenbe ©^e immer nur in
3rnfel)ung ber e^elicften 3lbfömmlinge eines üor ber ©liefd^liefeung feiner ©Item
»crftorbcncn uneficlid^en Äinbes eintreten — momit im SRcfultate auc^ bas
noÜDC |. bflrsni. a(efetbu(^. lY. ^^
930 Scgitimation bur* e6eli*!eitecrf(drunö. «araftcr. aSirfung. §1583.
franj, SRcd^t übcreinftitnmt — , l^ängt mit bem von beut ©ntiourfc abrocid^cnben
©tanbpimttc bcö prcufe. 3t. 2. SR. II, 2 § 639 sufommen, bofe uncl^clic^c
Äinbcr wbcr in bic gamilic beö SSatcrö, nod^ in bie gamilic ber aJhitter
eintreten, einem ©tanbpunfte, weldöen aud[) baö franj. 9?e^t einnimmt.
II« gegitimatidtt bttrd^ S^elid^IeitSetKanttig.
§ 1583.
StttaR"««, 1. 35ic aus bem röm. SRed^tc ftammenbc, bem öfteren beulfd^en SRe^tc
iinbefannte fog. legitimatio per rescriptum principis (Segitimotion bur^ ®^e*
Ud^teitöerflörung) ift Seftonbtfieil beö gemeinen SRed^tcö unb ber meiften neueren
©efefegebungen geworben (üergl. mürttemb. 2. SR. IV, 17 §§ 2—6 ; boijr. 2. SR.
1, 5 § 9; preufe. 21. 2. SR. II, 2 §§ 601—611; öfterr, ®. 39. §§ 162, 753, 756;
\ää)l ®. 93. §§ 1783—1786, 1808, 1841, 2021—2025; ^omb. SSorm. D. ü.
14. 3)ejember 1883 3lrt. 65). dagegen ift bem franj. SRed^te unb bem bab.
2. SR. biefe 2egitimationöart unbefonnt; bod^ ift biefelbc in ber preu^. SR^ein*
proüinj nadö ber Äabinetöorbre v. 6. 5Roüember 1827 in 93erbinbung mit bem
SReffriptc bed 3uftijminifterß t). 1. gebruar 1828 jugelaffen. 3lud& in bem ^eff.
6ntm. III 9lrt. 63 ^at biefelbe 2luf nal^me gefunben.
3)er oorlicgenbe ©ntmurf l^at ebenfaDd ber äRel^rja^l ber SRed^te fid^ an-
gef^loffcn unb bas l^ier fraglid^e 3nftitut beibehalten. 3nbem baöfelbe baju
beiträgt, bie ^af)l ber unel^elid^en Äinber ju üemiinbern unb ben natürli^en
Sejiel^ungen ju iljrem ©rjeüger rec^tUd^e STnerfennung 5U oerlei^en, bient eö
bem offentlid^en 3nteref[e, erroeift eö ben unel^ielid^en Äinbern eine SBo^It^at
unb giebt eö bem ©rjeuger ©elegenl^eit, fein Unrcd^t mieber gut ju mad^cn.
ein 93cbürfni6 für bie SBeibe^oItung biefeö 3nftituted a(ö eines ©urrogateö
ber 2egitimation burd^ nod^folgenbe @^e ift namentlid^ für fo(d^e gäUe an*
juerfennen, in meldten burc^ 2'ob, ©eifteöfranf^eit, SBerfd&oUen^cit ber SRutter
ober Qud anberen @rünben bie S^ef^tiegung jmifd^en bem SSater unb ber
3Rutter bed uncl^elid^en Hinbed unmoglid^ gen)orben ift. 2)agegen fann ed
äroeifell^oft fein, ob e« fidt) nid^t empf eitlen mürbe, nad^ bem SBorgongc be«
baxjx. 2. SR. I, 5 § 9 Sir. 3 unb Derfc^iebener auöfänbifd^er ©efeftgcbungen
(üergl. nieberl. ®. 33. 2lrt. 330; ital. ®. 33. 3lrt. 198 SRr. 3; jiir. ®. S. § 232;
bünbner. ®. 33. § 84) bie S^lciffigfcit ber l^icr fragüd^en 2egitimation auf ben
%aU JU befd^ränten, menn bie 2egitimation burd^ nad^folgenbe @§e burd^ ben
^ob ber äRutter ober auö anberen ®rünben unmöglid^ geworben ift. gür eine
folc^e ©infd)ränfung fann man anfül^ren, bafe, folange bie @ingel^ung ber ®^e
mit ber 2)lutter beö iUnbeö möglidj) ift, bie @inge^ung ber ®^c mit bcrfelben
baö ber fittüd^en Drbnung mie ber SRed^töorbnung allein entfpred^enbe SKittel
fei, bie geftörte Drbnung mieber^erjuftellen, baö begangene Unred^t roieber gut
ju mad&en unb ben Alinbern bie red^tlid^e ©tcitung el^eli^er Einbcr ju oer^
fd^affcn, ba§ ferner bie 3ulafjung ber 2egitimation burd^ (S^ctid^feitderflärung
in fold^eu gälten, in meldten bie @()e mit ber äßutter beö Minbed no(^ möglid^
ift, bie Ijoljc 33ebeutung unb baö 3lnfe^en ber ©^e ju fd^äbigcn unb baö Äon*
fubinat auf Äoften ber ßf)e }u bcförbern geeignet fei. SKuf ber anberen ©eite
@6en(6fciteerflarun0. Äaraftec, aSirfuitg. §1583. 931
finb inbcflcn aud^ fol^e gallc ju bcriitfftc^tigen, in toetd^cn bic 6ingcl)ung bcu
<Bt)c mit bcr SRutter beö Äinbcö jroar mögli^, bcm SSater bcö Icgtcren aber
ni^t jujumut^cn ift J. S3. rocil bic 3Jluttcr fid& fpätcr einem (icberlic^en Sebend^
manbel ergeben f)at, ober ouö fonftigcn Oriinben bie ©^efdöliefeung als an-^
gcmeffen nic^t erod^tct merben fann. Um fo me^r ift ein Sebürfnife oorl^anbcn,
oud^ in fold^en ^&Den bie Legitimation burd^ @^e[i(i^Ieitderf(örung p ermög«
lid^en, ate ber Sntrourf baö fronj. Snftitut ber Slnerfennung ber natürtid^en
Äinber ni^t fennt uttb ben S3rautRnbern bem unel^elid^en SBatcr gegenüber bie
rec^tlid^e ©tellung el^efid^cr Äinber »erfagt ^at. 3w)ar ift eö nad^ bem dnU
lourfe ni(^t audgefd^ioffen^ bag ber 93ater fein une^elid^ed ßinb an JtinbeSftatt
iinnimmt; allein baburd^ wirb bem 95ebürfniffe nic^t genügt, ba bie 9Inna{|me
<m Äinbeöftatt in mel^rfad^er ^infid^t an ftrengere SBorausfeftungen gefnüpft
ift. Die red&tftpoHjeilid^en Sebenfen aber, meldte fid^ gegen bie S^f^fl^ng ber
Legitimation burd^ @^e(id^{eitgerftärung namcnttid^ in folc^en ^-äQen ergeben,
in mefc^en bie Legitimation bur^ nad^folgenbe ®^e an fi^ mBglid^ mfire, per^
liercn baburd^ an ©eroid^t, bafe bie Legitimation burd& ®§elid&feitöerf[Srung
eine SBerfügung ber ©taatögcroatt erforbert (§ 1583) unb bie (S^eti^feitfi^
erflärung t)erfagt merben !ann, aud^ menn ifir ein gefefelid^es ^inbernife nid^t
entgegenftel^t (§ 1592). 2)aiu tommt, bag aud^ bad geltenbe Siecht übermiegenb
t)ie 3wWfP9'cit ^^^ Legitimation burd^ ß^elid^feitöerflfirung nid^t auf ben gaU
befd^ränft, menn bie Legitimation burd^ ndd&folgenbe &)c nid^t mel^r mögli^
ift. ®ied ift inöbefonbere ber ©tanbpunft be« gemeinen SHed^teö, beö roürttemb.
^lecfetes, beö preufe. 31. L. SR. II, 2 § 601, beö öfterr. ®. 33. § 162 unb beö
fä^f. ®. 35. § 1783; au^ bie oben angeführte SBorf^rift beö bapr. L. SR.
loirb a(d aufgel^oben angefe^en.
3m ^inblide barauf, ba§ bie e^elid^feitöerfläruttg eine 33crfügung ber *"« »»r.
©taatögeroalt erforbert unb aud^ bann Derfagt merben fann, roenn i^r ein ^eJJu^er"
flefefttid^eö ^inbemife nidfjt entgegenfte^t , ift cö ferner unbebenflid^, im ''^^^^^^^,
fd^Uiffe an bie 3Ret|r}a^l bcrSRec^te (oergl. mürttemb. L. SR. IV, 17 §§3, 4; renb«n. '
preu§. 31. L. SR. II, 2 § 607; öfterr. @. 93. § 162; fäd^f. ®. 95. § 1783, 2021)
Don ber römif^red^tli^cn 93efd&ränfung abjufe^en, bafe bie Legitimation burd^
€^elid^feitöertlärung auögefd^loRen ift, wenn ber SSatcr beö une^elid^en Äinbeö
el^elid^e 3lbfommlinge i^ai (oergl. aud^ ba^r. L. SR. I, 5 § 9 SRr. 3; fieff.
€ntm. III 3lrt. 63 ; ital. ®. 95. 3rrt. 198 SRr. 2). 3lud& für baö gemeine
Siedet mirb oielfac^ ber SBegfall jener 93efd^ränfung behauptet. 2)ie Suläffiflfcit
ber Slnna^me an Äinbeöftatt ^at ber ©ntmurf jroar an bie 93oraudfe|ung ge^
fnüpft, bafe ber 3lnne{)menbe einen c^elid^en Slbfömmling nid^t l^at (§ 1602);
üUein, abgefef^en baoon, bafe nad^ bem ©ntrourfc bie 93eftätigung ber Sfn^
Ttatimc an Sinbeöftatt nur bann ju üerfagen ift, wenn ber (enteren ein gefeg-
ftd^eö ^inbernife entgegenfte^t (§ 1619), ift bie Sad^Iage bei ber ^[nna^me an
-Rinbcdftatt infofem eine oerfd^iebene, als biefe ben 3n)edE verfolgt, finbertofen
?ßerfonen bie SWoglid^Ieit ju geben, fi^ auf fünftlic^cm SBege eine SRac^^
fommenfd^aft ju oerfd^affen. ©er 3rocct ber Legitimation burd^ S^elic^feitö^
erflärung aber gel^t batjin, unel^efid^en ilinbern aud^ in folgen gällen, in
meldten bie Legitimation burc^ nad^folgenbe @()e nid|t mögüd^ ober nic^t mo^(
tl)unlid& ift, bie redjtlid^c Stellung e^etid&er Äinber ilireö 93aterd ju ocr^
59 •
932 ejclid&feitöcrttäruitö. Äaraftcr. SBirfung. §1583.
fd^Qffcn. Die (Srrcid^ung bicfcö betn öffentlichen SntereRe, wie bcm 3^tcreffe
bcr unel^clid^en Äinber unb if)refi SBatcrö cntfprcd^cnben unb mit bcm SSor-
l^anbenfein e()eUc^er 3Q)!omm(inge bed (enteren Detcinbaren 3^^^cfcd mürbe
o^nc 3loÜ) in t)ie(en goUen unmöglid^ gemad^t^ menn beim SSor^anbenfein
e^c[id)er ^bfömmlinge beö une^eUd^en SSaterö bie Segitimation unbebingt aud^
gefd^Ioffen fein foUte. 2)cr ©efic^töpunft, bafe in foWjcn göUen bie Segitimation
ben l^&udlid^en ^rieben gefö^rben fönne^ fann ald fti^^aüig nid^t angefe^ea
werben. Slud^ im galle bcfi Stuöfd^luffeö ber Segitimation fann bem unc^cs
Hd^en SBatcr nlc^t t)erme^rt werben, baö unel^elid^c Hinb in feine gamilien^
gemeinfd^aft aufjune^men. 3wbem fann in fold^en gälten, in meieren bie
Segitimation fidd ate unangemeffen ermeift, bie Staatögcmalt bie ®^elid^feitö*
erüörung nad^i freiem (Srmcffcn oerfagcn. ©ine anbere unten befonbcrd ju
erörternbe grage ift eö, ob eö fid^ empfiehlt, bie c^eli^en 9lbfömmlinge bed-
Segitimirenben burdt) befonbere Seftimmungen gegen aSerfürjung in i^rem
©rbred^te ju fd^üßen.
ttne^eiic^fett 2. ®ine begriffsmäßige SBorauöfefeung ber Segitimation burd^ ©f^elid^-
*^wt«nlS!"' fcitöerfläiüng ift bie Une^elid&tcit beä ju legitimirenben Äinbcö unb bie SBater^
Äinbe«. i^Q^t beöienigen, beffen Äinb für ein e^eli^e« erflärt werben foU. Slnlangenb^
bie geftftellung ber SJaterfc^aft, fo wirb in biefer ^infi^t auf bie SRotiüe ja
§§ 1585, 1593 Sejug genommen. Slufi bem ®rforbemiffe ber Unei^eüc^fcit
bcS JU legitimirenben JÜnbeö ergiebt fid^, ba§ ein ttinb, mcld^es jroar in.
SBirflic^feit ein une^elidöeö ftinb beöienigen ift, roeld^er bie 6^e[id)fcitöerf[ärung,
beantragt, nad^ ben SBorfd^riften über bie e^elid^e Slbftammung (§§ 1471
bis 1473) aber ate ein eJ&elid^eS Äinb gilt, nid^t burd^ e^elic^feitöerflärung,
(egitimirt werben fann. 9lud^ bann ift bie Segitimation burd^ @^e(i(^feitd^
erflärung auögefd^Ioffen, wenn baS Äinb oor^cr auf ©runb einer Segitimation
burd^ nad^fo(genbe @^e ober burc^ ®f)eUc^feitSerf(ärung bereits bie re^tlid^
Stellung eines el^elic^en Äinbes im SSer^ältniffe ju einem 2lnberen erlangt ^at,.
in biefen gölten jebod^ nid^t bes^atb, weil basfetbe baburc^ aufgehört ^ätte^
ein une^elid^eS ju fein, fonbern beS^alb, weit bereits jener Slnbere nad^ ben.
§§ 1580, 1593 als ber SBater bes unei^elic^en Ätnbes gilt, mehrere ^rfoncn
aber nid|t SBäter besfctben Äinbes fein fönnen (oergl. aKotioe ju § 1579 oben
®. 921).
fie«ttimatton 3. 3:aS ffidjf. ®. 93. § 1783 (ücrgl. auc^ ^eff. ©ntw.ni 3lrt, 63; itaL
«bwmmitnfle ®- ®- ^^*- ^^^) ^^6* ^"^ "^^ "^^J ^^ ^^^^ ^^^ unet}clid^en Äinbes eine
bed pcrftorb«. ©j^cU^feitScrf törung ju ©unften ber eliclid^en 3tbf ömmtinge besfelben ju. Siit
nen ftinbe«. jg^^ji^^^i^^ ^^^ 3lnalogie bes § 1582 eine fold^e, ttiatfä^li* bie e^eli^felts*
erflärung ber ©nfel jutaffenbe 39eftimmung aufjunefimen, liegt ieboc^ ni^t
t)or. 3lud) ben übrigen in I)eutfd&lanb geltenben SHcd^ten ift eine berartige
2lusbe^nung ber Segitimation burd& SHeffript fremb.
ßegitimation 4. 3)cr Gutwurf feuut in Uebereinftimmung mit bem gemeinen SRed^te,
J« Ä. ^cm preufe. 21. S. 9t. (oergl. ieboc^ II, 2 § 608) unb bem fäc^f. ®. 93. feine
6f|clid^feitserttärung, burd& wcld^e auf 3lntrag ber äßuttcr bas unc^elic^e
Äiub für ein c^elid^es Äinb feiner SJlutter erflärt werben fönnte, wä^rcnb ber
^eff. Gntro. III 2lrt. 63 (oergl. aud& ital. @. 93. 3lrt. 198 9lr. 1) aud& eine
folddc ©lielid^feitserftärung julägt. SBom ©tanbpunfte bes ®ntwurfes aus,.
etelid^fcitterfrcirunö. Äaraftcr. SBirfung. §1583. 933
^^ad) rocld^em baö unc^cttd^c Äinb gegenüber bcr SJlutter unb beten SSerroanbten
o^nefiin im SBefenttid^en bie red&tlid&c ©tellung eines el^eUd&cn Äinbeö \)ai
(§§ 1568—1570), fe^lt es an einem »ebürf niffe , eine fotdie e^elid^feitö*
erflärung jujulaffen, jumol bie unel^elidöe aMutter nad) bem ©ntmurfc (§ 1602)
nid^t be{)inbert ift, il^r unel^clid^eö Äinb an Äinbeöftatt aniunefimcn unb
i^m baburdö bie re^tlid^e ©tellung eineö ef^elid^en Äinbeö i^r gegenüber ju
•oerfci^affen.
5. 3n Uebereinftimmung mit bem gemeinen SRed^te unb ben übrigen in «e^mbiunö
®eutf(^Ianb geltenben Siechten (wrgl. roürttemb. S. SR. IV, 17 §§ 2—6 nebft "^* ^alT"^
ben mürttemb. ©efefeen ü. 22. 3uni 1807 unb v. 24. Sonuar 1807 3lrt. 7, 15;
batjr. S. 91. I, 5 § 9; preu§. 21. S. SR. II, 2 §§ 601, 602 unb Silier^, ©riafe
V. 25. Slpril 1870; ofterr. ®. 93. § 162; fäd&f. ®. S). § 1783) beftimmt ber
§ 1583 9lbf. 1, bafe bie ©^etid&feitdcrflärung nur burc^ eine 5Berfügung ber
^taatögeroatt, fei eö beö 2^rägcrö berfefben ober eines bcleglrten Drganeö
<§ 1584), erfolgen tann, unb jroar be^onbelt ber ©ntrourf nad^ bem SSorgange
ber angeführten ©efeggebungen unb im ßinRonge mit bcr l^errf^enben Slnfid^t
bes gemeinen 9lcd^teS bie @t)eü(i^feitderf(ärung als eine ©nabenfod^e, fo bag
baö freie ©rmeffen ber ©taatdgemolt unter 93erüdtfid^tigung aller Umftänbe
barüber entfc^eiben foB, ob bem 9lntragc auf ß^elid^fcitsertlärung ftattjugebcn
ober bie le|tere ju üerfagen fei (§ 1592). S)ie t)ier in SRebe fte^enbe Segitimation
naö) Slnalogie ber 33orfd)riften über bie 2lnnal&me an ftinbedftatt (§§ 1616
bis 1619) allgemein ober roenigftenö nad& bem 2^obe ber SRutter bes ÄinbeS
tebiglic^ auf ©runb eines re^tsgefd^äftlid^en Elftes bes SSaters }U5ulaf)en,
fofern nur im Uebrigen bie gefeglic^ bcftimmten SSoraufifegungen ber Gl^e«
tidifeitfierflärung vorliegen, mürbe im ^ol&en ®rabe bebentlid^ fein unb ins^
befonbere bie ©efal)r mit fid) bringen, bie im SSolfc ^errfd^enbe, t)on ber be*
fte^cnben ©efefegebung get^cilte unb gefd^üfete Slnf^auung üon ber l|ol|en
fojialen Sebeutung unb von ber ^eiligfeit ber 6^e ju erfd&üttem unb bas
Äonfubinot, übertiaupt bie au§ere^elid^e ©efd^ledötsgemeinfd^aft ju bcf orbern.
3m ^inblide auf biefe ©efal^r tann eine ^[usnalime üon bem mid^tigen ©runb*
fa|e, bag bie ^erüorragenbe 9)ed^tsftellung eines e^elid^en JlinbeS ausfd^lieglid)
auf bcr 6^e jmifd^en ben ©Itern bcsfclbcn beruht, nur Don bem SCräger ber
©taatsgcmalt ober einem belegirten Organe berfelben jugclaffen roerben. 3)ie
9[nalogic bcr SÄnna^me an Äinbesftatt trifft in bicfcr Sejie^ung nic^t ju;
benn roennglei^ ber ©ntmurf bie 2lboption eines une^elid&en ftinbes burd^
bcffen 93ater juläfet unb bie Slnnalimc an Äinbesftatt nid^t als ©nabenfad^e
be^anbelt, fo fommt bod) anbcrerfeits in S3etrad()t, bafe bie 3lnnal&me an
Äinbesftatt an meit ftrengere gefefelid^e SSorausfefeungen gcfnüpft ift. Sei ber
Segitimation burd^ ®ö^lid)feitßerflärung aber laffen fid^ bie SSorauSfefeungen,
unter meldten biefctbe allgemein üom ©tanbpunftc bes öffentlid)en 3ntereffes
aus als unbebenflidö ju crad&ten ift, im SSorauS nid^t bur^ ©efeg genau
projifiren. Sluf bcr anberen Seite betrad^tet inbeffen ber ©ntmurf bie ajer*
fügung ber ©taatsgcmalt nid^t als eine eigcntlid&c lex specialis in bem ©inne,
ba^ bie eöelidöfcitscrtlärung mirtfam ift, au^ wenn es an einem gefe^lid^en
©rforberniffe berfelben fel)lt ; Dielmel^r bilbet bcr bas Sefenntnife ber 93aterfd|af t
entljaltenbe 9lntrag bes ajaters auf ®()clid^feitserflärung, mcld)cr fid) als eine
934 etelidöWtöcrflärunfl. Äaraftcr. SBBirfunß. §1583.
red^tögefd^äftlid^e Srflärung bedfclben barftellt bie ©runbtage ber &)tl\ifUiU^
crflärung, ju roctc^cr bic SBerfügung bcr ©toatögcroalt als ein ktt freier
(Snabc unb olö S3cftätigung ber SBiUcnfterflärung beö SBaterö ^injutrcten mu§.
(oergl. §§ 42, 62, 701). D^nc biefe »cftätigung ift bic SBillcnöerHärung be&
^^oterö t)olIftänbig iDirfungölo^; onbererfeitd ift aber auc^ bie burd^ bie SBer-
fügung ber StaatdgciDalt ^ugcloffene (S^eUd^feitderHärung nod^ aßaggabe bei^
§ 1593 unmirffQm, wenn jene aBiüenderfWnmg beö aSQterö ober ein fonftigei^
nod) bem ®efe|e roefentUd^eö ©rforbernlp ber (S^elid^feitßerttärung fe^It.
iBirfunfl ber 6- 9lnIongenb bie SBirfungen ber Segitimation burc^ ß^elic^feitöcrflärung^
scfiitimatton. |o f)abtn in bicfer Seiie^ung bie bcfte^enben SRed^tc üerf^iebcnc Sßege ein?
*«St** i^W^Q^^- ®emeinred^tlid& f)at bic Segitimation burc^ JReffript in allen Se^
jie^ungen, nic^t nur im SBer^äftniffe jroifd&cn bem unc^eUcften Äinbe unb beRen
aSater, fonbem oud& im SSer^ältniRe jmifc^en bem erftercn unb bcn SBerroanbten
bed (enteren a(d (Surrogat ber Segitimation burc^ nad^fotgenbe @^e bie 9Bir$
fungen biefer Segitimation (ocrgl. aud^ ^eff. ©ntro. III, Slrt. 63). ©ine jroeite
©ruppe von Siechten lägt burc^ bie ^ier fragliche Segitimation bie äBirfungen
ber e^elid&en SBcrmanbtfd&aft nur im 93erl|ältniffe jioif^en bem unehelichen
Äinbe unb befjen SBater jur entftel^ung tommen (roürttemb. S. SH. IV, 17
§§ 2—6; öftcrr. ®. 33. §§ 162, 753, 756; oergl. aud& ba^r. S. 91. I, 5 § 9
3lx. 3, III, 12 § 2 3lv. 11). 3la(S) einer britten ©ruppe Don Siedeten be^
grünbet bie Segitimation bur^ (S^eüd^feitöerHärung fraft bed ©cfef^ed ein c^e^
Ud^ed äSermanbtfd^aftdoer^ältnig nur }n)ifc^en bem unel)e(id^en ^inbe unb bef(en
älbfömmlingen eincrfeitß unb bem unehelichen SSoter unb bejfen Stbfommlingen
anbererfeitö. S^^'if^i^^ ^^^ unehelichen Äinbc unb bef[en 3lMömm(ingen einer^
feitö unb ben fonftigen 93ern)anbten bcd Katers anbererfeitd mirb bagegen ein
aSermanbtfd&aftfioerf^öltnife nur infomeit ^ergcftellt, ate bie Unteren einjeln^
bejio. in ber gorm eines gamilienoertragefi ber Segitimation jugeftimmt Ijaben
(oergl. preufe. 21. S. SR. II, 2 §§ 603—608 ; fäd^f. ©. 33. §§ 1783, 1808, 1841,
2021—2025; ferner in erbrcc^tüd^er ^infic^t roeimar. ®ef. o. 6. 2(pril 1833
§§ 22—26, 58; fonberöl). ©utjeffionftorbn. t). 8. SJejember 1829 §§ 28—31;
altenb.®cf. o. 6. Slpril 1841 §§ 24—28, 64; gotfi. ®ef. t>. 2. 3anuar 1844
§§ 24—27, 33; ®ef. für 9teufe [. S. o. 10. Dejember 1853 §§ 23—26, 59;
a)iommfen, erbrec^töentm. § 26).
etanbvunft S)er (Sntmurf (§ 1583 Sttbf. 2, § 1596 2tbf. 1) oerbinbet mit ber Segiti^
entwürfe« ^^^^^^ ^"^^ ©^eüc^feitöerfläruug nid&t bie ooUen SBirfungen bcr Segitimation
burd& nac^folgenbe (Bi)t (§ 1579), fonbern, cntfpred^enb ber in bem über*
*Tu?en** micgenben 2:f)cile ©eutfc^Ianbö eingetretenen Sled^tdentmidEelung, ä^nlid& wie
«ern>anbten {>ei bcr Sluna^mc ou Äinbeöftatt (§§ 1601, 1620 2lbf. 1), nur minbcre SBir*
' fungen, nftmlic^ nur ein aSermanbtfc^aftdoer^ältnil jmifd^en bem une^elid^cn
Äinbe unb bt^en 3tbfommIingen eiuerfcitfi unb bem une^clid^en Sßatcr anberer^
fcitö. Die Swlöfriflff it einer ©rroeitcrung biefer SBirfungen burd^ SSertrag mit
bcn SBerroanbten beö SJaterö ift auögcfdiloften. 2)iefe 2(rt ber Siegelung genügt
bem 33ebürfniffe unb l|at ben SBorjug ber ©infad^^eit für fid^. 3)er S^td ber
Segitimation burd& ß^elid&feitöerflörung, bie ^al)l ber unehelichen Äinber ju
©erminbern unb bem une^elid&en SBater bie ®elegcnl^eit ju geben, fein Unre^t
lieber gut }u matten unb ben ^inbern eine 3Bo^(ti)at ju ermeifen, mirb
efeelid&feitöcrffäruno. Äaraftcr. SBirfung. §1583. 935
butd^ icne ©eftattung bed 93er{)ä(tniffed in ausreid^enbem äßage erreid^t. @d
ift Qufecrbcm bcbcnflid^, auf bcn cinfciticjcn 9lntrag befi SBaterö, wenn a\i6)
mit ©inroiUigung bcö Jlinbcö, boö für cfieüd^ crflärtc imc^cHc^c Äinb o^ne
SBcitcrcö in bic uätcriid^c gomilic eintreten ju loffen unb i^m baburd^
ein ©rbrcd^t gegenüber ben SBerroonbten beö SSaterö ju oerfc^Qffcn unb bzn
Unteren bie gcfegli^e Unter^altdoerpflid&tung gegenüber bem Äinbe auf juerlegen.
35iefe Sebcnfen werben aüerbingfi befeitigt, rocnn man bcftimmt, bafe jroif^cu
bem unc^eüd&en ftinbe unb beffen 9lbfömmlingen cinerfeitö unb ben SBermanbten
bcö SBatcrö anbererfeitö ein SBcmjanbtfc^aftöüer^ältnife nur inforoeit begrünbct
wirb, affi fic ber 2egitimation jugeftimmt ^aben. 2lHein eine berartige Se^
ftimmung bringt auf ber anberen ©eite bzn 9lad^tf|eil mit fid^, bafe baburd^
ba« SBer^ältnife, wenn nid^t fämmtüc^c SSerroanbte beö SBatcrß jugeftimmt
^aben, ein fomplijirted werben fann unb ber einheitlichen ©eftaltung entbefirt.
35iefefi SBebcnfen fällt jmar weg, wenn man mit bem preug. 91. 2. 91. II, 2
§§ f)04, 605 ben ©intritt beß unefieüd^en Äinbcö in bie üoterlid^e gamitic
von einem gamitienoertragc abl^ängig mac^t. Sine fold^e Scftimmung ift aber
o^ne cvf)thl\6)t praftifd^e Sebeutung, ba bie @inmiDigung einer ganjen ^^amilie
häufig nur fd&roer ober überhaupt ni^t ju bewirten ift (t)ergl. ©efeferei).,
$enf. XV S. 162). Oegen bie aufnähme beö Snftituteö beö ^amilienoertrageö
JU bem bejeid&ncten groetfc fprid^t aufeerbem, ba| biefelbc eine dit\f)t weiterer
aSorfc^riften barüber nöt^ig machen würbe, in welker 9lrt ein alle gamilien?
mitglieber binbcnber gamilicnt)crtrag ju Staube fommt. SKoüen bafi Äinb
unb bic aSerwanbten beö SSaterö in erbrec^tlid^c Sejiefiungen treten, fo bleibt
i^nen ber 9lbfd^(ug Don Srbetnfe^ungdDerträgen nadb ältaggabe bed @rbred^ted
unbenommen.
Slbweid&enb Don ber 3lnna^mc an ftinbedftatt (§ 1620 3l6f. 1), foB bie ^J^^ ^
Legitimation burc^ @^e(id^feitderf(ärung fraft ©efe^es aud^ jwifd^en ben jur ^^ruS^.
3eit ber ©((eUc^feitficrflärung bereitö Dor^anbenen 2lbfömmlingen beö une^elid^en
Äinbeö unb bem Sßater beö (enteren ein aSerwanbtfd^aftöDer^öttnife begrünben,
ol)nc ba% cö baju ber ®inwiUigung biefer 9lbfömmlinge bebarf. 2)er 3w>edf
ber Scgitimation würbe fonft nur ungenügenb erreid^t werben, namentlich in
folgen gäUen, in weld^cn baö unctKÜc^e Äinb mit ^interlaffung von 2lbtömms
lingen üor bem unef)clic^cn SSater ücrftirbt. 35a}u tommt, bafe eö fid^ f)ier,
unb jwar im SBefentlic^en ju Ounften bcö uneljcüd^cn Einbeö unb ber Slb«
fommlingc beöfelbcn, um bic red&tli^c 9lnerfennung cineö natürlid&en 5Ber*
lläUniffeö ^anbett, wetd^cö, ber 9Jatur ber Saijt entfpred)enb, t^unlid&ft au6)
rc^tUcft cin^eitlid^ ju gcftalten ift. Tlit bem ©ntwurfe ftimmen infoweit aud^
baö gemeine 9lecl)t, t>a^ preufe. 91. 2. 91. unb baö fäd&f. ©. S3. überein.
9luö bcn aSorfd^riften bcö § 1583 9rbf. 2, bcö § 1596 9lbf. 1 in SScr* »J^«J^
binbung mit bcn SBorfc^riften bcö § 30 9lbf. 3 unb ber §§ 1965, 1975 folgt "»«üe^tt««.
inöbefonberc, baf^ burd& bic ^ier in Siebe ftc^enbc Legitimation jwifd^cn bem öettenbe«
unef)elidf)cn Äinbc unb bcffen 9lbfömmlingen cinerfeitö unb bem unefjelid^en ««**•
Sßotcr anbcrerfeitö aud& in crbrcc^tlid^cr S3ejie^ung baöfelbc re^tlid^e SBcrfiältnife
begrünbct wirb, wie wenn baö (egitimirtc Äinb ein cf|end[)eö wfirc. aSerf^iebenc
Mec^tc, rod6)t, wie ber ©ntwurf, auc^ beim a3orl;anbenfein ef)e(idöer 9lbt5mms
linge bcö uncfielidöen SUatcrö bic Legitimation cincö unc^elicl)en Äinbcö burd)
936 eWtileitgcrndruno. Äarafter. SKJirfung. §1583.
®^c(icöfcitöcrtlärunfl juloffcn, fmb bcftrcbt bie crbrcditlid^cn SntcveRcn ber jur
3eit ber ScgitimQtion bereits oorlianbenen el^eUd&en Stbfömmfinge gegen
Beeinträchtigung burd^ bie Ijier in Siebe ftcljenbe Segitimation ju f(i&ü|en. So
beftimmt baö roürttemb. 2. SR. IV, 17 §§ 3, 4, ba§, wenn in bem Segitimationfi^
reffripte nid^t auöbrüdEIid^ ermähnt fei, bQfe bie SegitintQtion trofe beö SSor^^
fianbenfeinö ber el^elic^en Sübfömmlinge erfolge, ha^ (egitimirte ftinb neben
bcn lefeteren fein ©rbred^t gegenüber bem une^elidien Sßater ^aben foDe.
yiaäi bem preufe. 21. 2. 91. II, 2 § 607 foH, rotm ber SBater jur 3eit ber
2cgitimation fc^on e^elid^e 3)efjenbenten l^atte nnb er in ber golge einem
berfelben nur ben 5ßflid^tt^eil ^inter(ä|t, bei ber Sered^nung beö Unteren baö
legitimirtc Jlinb nid^t mitgejäl^It werben, gerner fc^reibt bafi oltcnb. Oef.
t). 6. Slpril 1841 § 24 x»or, bafe bei Äonfurrenj oon ef)elid&en Äinbern
jebeß ber legieren ab intestato boppett fo oiel ote iebefi ber legitimirten Äinber
erben foD unb ba^ bie el^etid^en Äinber unter allen Umftänben ben il^nen ol^ne
^injured&nung ber legitimirten ftinber gebiifirenben 5ßf(id^ttl^eil unoerfürift
Ijaben foHen.
©tanbpimft 3)cr ©ntrourf ^at in Uebereinftimmung mit bem ofterr. ®. 85. §§ 753,
«ntiÜlfe«. 756 unb bem föd^f. ®. 33. § 2021, foroie mit ber aWe^rjal^t ber oben ©. 943
angeführten ©rbfolgegefege ber t^üring. Staaten berartige befonbere SSor*
fd&riften jum ©d&uge ber erbred^tlid&en 3ntereffen, tnfibefonbere beö ^ßflid^t*
tl^eitered&tcö, ber jur Qdt ber 2egitimation bereits üorl^anbenen c^elid^en Slb*
fömmlinge beö unel^etid&en 93aterö nid^t für erforberli^ erad^tet. (Segen fold&e
33orfc^riften f priest t)on oom^erein, bafe bie l^ier fragliche Seeinträd&tigung
beö ©rbred^teö unb ^ffid^tt^eilöred&teö nid&t bie 9latur einer 9led&töt)erlefeung
Iiat, ba ben beeinträd)tigten ^erfonen ein jus quaesitum ouf ben ber bamaligen
©ad&Iage entfpred^enben ©rbt^eil bejro. ^ßflid^ttl^eU ni^t suftel^t. ®aju fommt,
ba^ ber ©ntrourf bie (S^elid^feitöerflärung alö eine t)on bem freien ©rmeffen
ber Staatögenjalt abliöngcnbe ©nabenfac^e befianbclt. SaburdE) ift bie 3Äög«
Ud^feit auögefd&loffen, bafe bie ©J^elid^feitöerHärung roiDfürlid^ baju mifebraud^t
mirb, um SBeränbcrungen in ben bie ©eftaltung beö 5ßflid^ttl^eitöredbteö bc*
ftimmenben SSorauöfeßungen ber Snteftaterbfolge ^erbeijufü^ren. Sluö ä(;nlid&en
©rünben ^at ber ©ntrourf aud^ vc\\ befonberen S3eftimmungcn jum Sd^ufte
beö ^flid^tt^eilörec^teö ber SRutter beö une^eüd&en Äinbeö (oergt. got^. ®ef.
t). 2. Sanuar 1844 § 33), beö ^ßflid^tt^eilöre^teö beö jur 3eit ber 2egitimation
bereitö oor^anbencn @[)egatten eineö für e^elid^ erflärten Äinbeö ober eineö
feiner 3lbtömmfinge, foioic jum ©d^u|^e beö ^flid^ttJ^eitöred^teö ber ©^efrau
beö une^elid^cu aSaterö unb ber ®ttern beöfelben abgefe^en. 3n Slnfe^ung ber
©l^efrau beö uncfielid^en ajaterö tritt ju ben angefüfirten ©rünben nod& ber
weitere Orunb Ijinsu, bafe nac^ § 1587 ju ber (S^elic^feitöerHärung, fofern ber
aSater Devise irat^et ift, bie SintoiDigung ber @^efrau beöfelben erforberlicft fein
foD. 3m ^inblirfe auf bie üorfte^enben ©rroägungen fc^It eö aud) an einem
fflebürf niffe , nad^ bem SJorgange beö fad^f. ®. S3. § 2051 unb einiger ber
i)bcn S. 934 angeführten t^üring. ®rbfolgegefe|fe für ben galt, bafe bie ®^e*
frau bei ber öeerbung beö e^emanneö nur mit e^elidE) erttärten Äinbern ju«
fammentrifft, eine erroeiterung beö gefefelid&cn ©rbred^teö ber S^efrau ein«
treten ju laffen.
(56eIi*fcit«cr«änmG. Suftänbigfett. antrao- §§ 1584, 1585. 937
S)ur(^ bie SJeftimmung bed § 1583 Slbf. 2 foU iibrigenö bcr grogc nid^t
prQjubijirt werben, ob unb intoieiDcit unb mit toeld^en SBirfungcn beim f)ol^en
Slbel eine Segitimation b\xxö) ©^elid^feitöerttärung juläffig ift ferner, ob bic
legittmirten Äinber ben Slbelftanb beö SBaterö unb ©utjeffionsred^te in 2el|cn,
gibeifommiffe, ©tamm^ unb SBauerngüter erwerben. 3n biefen S3ejie]öungcn
fmb bie erforberlid^en S3eftimmungen bem ©infü^rungfigefefee üorbeJ^alten.
§ 1584.
®cmeinred&tli(^, foroie nod^ bem öfterr. ®.'93. § 162 unb bem fäd^f. 8«nanMfl«eit
®. S3. § 1783 erfolgt bie ©^eüd^feitfterftärung burd& ben Sanbcö^errn, in
^reufecn burd^ ben Suftijminifter, fofern eß fid^ jebod^ um bie gül^rung eines
abeligen ?lamenß l^anbelt, burcö ben Äönig (preufe. Stt. 2. 3?. II, 2 § 601;
allerg, erlaß t). 25. äpril 1870), in aSürttemberg burc^ bie ®crid&te unb
nur bei abeligen 5ßerfonen burd& ben Äönig (roürttemb. (Sefc^e t). 22. 3uni 1807
unb t). 24. 3anuar 1879 2lrt. 7, 15), in Hamburg (SSorm. D. t). 14. De*
jember 1883 ärt. 65) burd& ben Senat SRit SHücffic^t barauf, bafe bcr &iU
n)urf bie @^e[ic^feitöertlörung als eine ©nabenfad^e be^anbelt, fomie mit dlM^
fic^t ouf bie SSerfd^iebenl^eit ber ©efeggebungcn in ben einjelnen beutfd^en
(Staaten beftimmt ber § 1584, bafe bie 3uftänbigfeit ju bcr ®^elid&leitöerflärung
fidö nac^ ben Sanbeögefe^en richten foU. 9lur inforoeit regelt ber § 1584 bie
3uftänbigleitdfrage jur Sßermeibung Don JloQiftonen reid^dgefe|li^, ald er aud^^
fpric^t, ba^ bie ßlieUc^teitöerflärung bemienigen ©taate juftei^t, roeldöem ber
Später angehört. Dag bie 8taatdangel)örigteit, unb }mar bie beß ^aterö ent*
fd^ciben foU, red^tfertigt ftc^ burc^ bie 9latur ber (g^elid^feitöerflärung atö einer
(Snabenfac^e in 33erbinbung bamit, ba| bad burc^ bie Segitimation begrünbete
Samilient)er()ältnig feine SBirhtngen überwiegenb in bem ©taate äußert, meld^em
ber aSater angeliört. ^nhem fte^t bicfe Siegelung im ©inflange mit bem § 4
beß SR. ®cf. über ben (Srroerb unb ben SBerfuft ber ©taatßangeprigfeit
t). 1. 3uni 1870, nad& roetd^em baß legitimirte Äinb bie ©taatßange^örigfeit
beß SSaterß gewinnt.
§ 1585.
3n Uebereinftimmung mit bem gemeinen SRed&te unb ben neueren Oefefc* ««t^a ^««
gebungen mad&t ber § 1585 bie ©fjelidöfeitßerflärung uon bem Slntrage beß *"*"*
une^eli^en SBaterß abhängig (cergl. bapr. 2. 91. I, 5 § 9 9lr. 3; preuß.
ä. S. SR. II, 2 § 601; öfterr. ®. S3. § 162; fäc^f. ®. ». § 1783). SBon bem
gemeinen JRec^te unb bem fäd^f. @. S. § 1784 roei^t ber ©ntmurf jcbodö in*
fofern ab, alß bie e^elid^feitßerflärung na^ bem lefeteren nur auf Eintrag beß
SBaterß erfolgen fann, roätirenb iene SRed&te für ben gaU, wenn ber aSater in
feinem 3:cftamente ben SBillen, baß ba^ Äinb ein el&elic^eß fein foUe, auß*
gefprod&en ^at, aud) bem Äinbe baß Siedet geben, nad^ bem 3:obe beß SSaterß
bie ef^cli^feitßerflärung ju beantragen. 3la6) bem fäc^f. ®. SB., mcld&eß ftd^
in biefer ^inftc^t einer aud^ für baß gemeine SHcd^t uertretencn Slnfid&t an^
gefd^loffen ^at, fann in bem bejeid^neten galle au^ bie ÜKutter beß Äinbeß
ouf beffen ß^eli^feitßerflärung antragen.
938 gßclicfcfcitöcrffärung. Stntrag. §1585.
Lejritimatio S)ic 3lufnQf|me bcö befonberen 3nftitutcd bcr fog. legitimatio per testa-
tegtomratum. ™^ntuni ift burd^ ciu proftifc^ed Scbürfnife nid^t geboten, tnöbefonbcrc and)
im J&inblicfc auf folc^e gftUc nid^t erforbcrlid^, in rocld^en bcr une^cü(i&e 5Boter
fic^ fd^cut, fd[)on bei feinen Sebjeiten bQmit fjcroorjutreten, bafe er ber fßattt
beö unc^elid)en Äinbcö fei ober in toeld&en er wegen Äranftfcit ober fonftigcr
2^obeögefaf|r üorQUöfid^tUd^ nid^t me^r im ©tanbe ift, Dor feinem S^obc bie
(Sdelid^feilöerHärung ju erroirfen (oergl. § 1595). 2)iefe(bcn SBirtungen, wie
burd^ bie erft nad^ bem 2^obe beö SBoterfi erfolgenbe (S^clid^feitöerWärunar
fonnen im aSefentlid^en axi6) burd^ leßtroillige SSerfügung ober burd^ ®rk
einfefeungöüertTQg crreid^t licrben. 3)ie eo. no^ befonberö erroünfd&te 9iamcn«s
änberung fonn baö Äinb baneben burd& aScrfügung ber juftänbigcn SBcr^
maltungflbe^örbe erroirfen. Um fo me^r empficl)It e« fid^, oon bcr 9(ufs
nafime beö in SRcbe ftefjenben befonberen Snftituteö absufc^en, olö mit bem^
felben ©d^roierigfcitcn unb SBerroidtelungen in erbred^tlid&er ^infic^t »er*
fnüpft fmb.
*anu(^'cr ®^^ 5lntrQg beö aSoterfi, welcher bie SBittcnderHärung beö legteren in
fid^ fd^ücfet, bafe er bem une^elid^en Äinbe bie JRed^töftcUung eincö etictic^en
Äinbeö einräumen rooUe, l)at ben Rarofter eineö einfeitigcn SRe^tögcfd&äfteö.
@ö finben bafier auf jenen 3lntrQg, foroeit nid&t in bcn §§ 1586 ff. etmaö
ainbcrcö bcftimmt ift, bie allgemeinen ©runbfäfec über einfeitige SRed^tögefd^äfte,
inftbefonbcre bie Orunbfäge über bie 5Rid&tigfeit unb 5Änfed&tbarfeit ber 9icd^tö^
gefd&äfte wegen SBillenömängel (§§ 95 ff.; Dcrgl. aud^ § 1600) 3lnmenbung.
gefiiieaunfl S)cr ^utrag muß, ferner oon bem aSater beö unct)eUd6en Äinbcö gcftcHt
öaterw^oft. f^*"- ®i^ bcfteficnben iWedEitc entfjalten über bie grage, mic in bicfem gaUe
bie SSatcrfd^aft feftjuftellcn fei unb ob aud^ nad^ ©rt^cilung ber ®^clid&!eitd*
erflärung bie Unroirffamfeit ber Ic^tercn auf Orunb ber S3el)auptung, baft bcr
in ber ©rfförung alft bcr SSater Sejeid^nete nid^t ber mirfUc^e SJater beö
ftinbeö fei, geltenb gemacht bejio. bie bie Segitimation auöfprc^enbe SBcr^
fügung ber Staatögemalt jurüdgejogen werben fann, feine befonberen S3e*
ftimmungen. 3" ^'\^U^ S^agen barf iebod) baö ©efeft ftd^ nid^t fd^meigenb
üerl^alten, ba fonft eine ©efäl^rbiing ber Sled^töftd&er^eit ju bcforgen ift. Der
(Srttmurf gel^t baoon auö, ba| ber 2lntrag auf ®^elidöfeitöerfifirung baö Sc^
fcnntnife ber SSaterfd^aft entl^altcu mufe imb bafe burc^ biefcö in bem 9lm
trage entfialtene SSetenntnife bie SBaterfd^aft, Dorbe^altlid^ ber ^Prüfung ber
mit ber ©^eli^teitöertlörung betrauten Sefiörbe, ob jeneö 93efcnntni| bcr
aSirflid^feit entfprid^t, in ber 9lrt feftgeftellt werben foU, ba^, wenn bie 6^e«
li^feitöerflärung einmal erfolgt ift, ber Umftanb, ba^ ber in ber ©rflarung
alö ber SBater S3ejei(^ncte nid&t bcr wirftid^e 93ater ift, bie Unwirffamfeit ber
ß^elid^feitöerflärung nid^t jur ^olge fiat (§ 1593 ©aß 2). auf ber anberen
Seite fann ot)ne jeneö SBcfenntnife bie SBaterfd^aft alö feftftefienb niemalö er«
od)tet werben. Snfofem ift baöfelbe nid^t minber wefentlid^ alö ber Eintrag.
2)a6 bie betreffenbc Se^örbe bas Scfenntnife bcr SBaterfd^aft, wie jcbe
anbere SSorauöfefeung bcr @^elid&feitöerflärung, crforbcrti^enfallö auf feine
9lid[)tigfeit prüfen fann unb muß, Dcrfte^t fic^ oon felbft unb ergiebt fid) auö
§ 1592. S)aburd&, in aSerbinbung mit ben übrigen in ben §§ 1587—1591
beftimmtcn ajorauöfc^ungcn ber ß^clid&feitöerflärung, wirb eine auöreiclienbe
eWt^feiteerfrorunfl. 8eöitimation8fä6iflrdh §1586. 939
©arontic gcfc^affen, bofe bic ©^clid^fcitöerHärung nur auf ^nixaci bcö luir^
lidöen Söotcrö erfolgt, uub ift cö unter bicfen Umftänbcn unbebcnfUd^, nac^
@rtl)cilung ber Legitimation jeben ©egenbemeid, bag ber in ber (Srflörung a(ö
ber aSatcr S3ejcic^ncte nic^t ber njirfüd^c SBater fei, auöjufd^Ue&eu. 6ö ift
bied l^ier um fo unbebenfUc^er, ate burc^ biefe Legitimation ein SSermanbt^
fd^afti^oerl^ältnig jmifc^en bem une^elici^en Jtinbe unb ben SSermanbteu bed
SSaterß überliaupt nid^t begrunbet wirb. 3roar tonnen burd) ben 2lufifdölu6
befi ©egenberoeifeß unter Umftänben bie erbrec^tli^en 3nterrcffen beö Äinbeö
unb ber fonftigcn müttcrlid^en aSerioanbten, wie aud^ ber SBerroanbten bcß
ißaterd, beeintrö(i(|tigt n)crben, roenn fpäter fxd) ^eraudftellen follte, bag ha^
legitimirte jlinb ein jlinb beö in ber ®rf(ärung al^ SSater Seieid^neten nid^t
ift; oUein ein fold^er ^eweid wirb angefid^td ber bur^ bad @efeg gef^affenen
©arantieen für bie gcftfteüung ber SBaterfd^aft nur in ben feltenften göüen
gelingen, unb fann auf eine fo entfernte 9Röglid^feit gegenüber ben ^iorti^eUen
ber SRec^töftd^er^eit, roeld&e bic ^Regelung bcö ©ntrourfeö bietet, entfc^eibcnbe«
®tm(i)i nid^t gelegt merben.
2)ag eine ol^ne ben im § 1585 bezeichneten Eintrag beö SSaterd erfolgte
@^elic^leitdert(ärung, Dorbe^altlid^ ber ^eftimmung bed § 1593 Sag 2, un«
roirffam ift, ergiebt fic^ aM § 1593 Safe 1.
§ 1586
Ob in 93Iutfd&anbe ober im ©debrud&e erjeugtc Äinber bur^ SReftript £e«itimo-
legitimirt werben fonnen, ift gemeinred&tlic^ beftritten. SBä^rcnb bie eine ****"^J**fl'
3lnfid()t bie gragc unbebingt uerneint, eine anberc biefelbe unbebingt bejal^t, ^^^^
ge^t eine britte 3lnftd^t baüon aud, bog bie Legitimation in 3(nfe^ung biefer nec^t
jlinber infomeit }u(öf{ig fei, a(6 aud^ bic Legitimation burc^ nad}folgenbe @^e
möglich gemefen märe. 3n ^nfe^ung ber im (S^ebru^e erjeugten jlinber bcjal^t
bie gemeinredf)tlid^e 5ßrartd bie Lcgitimationöfä^igfcit (oergl. ©euffert 111, 65,
XIU, 42, XIV, 239). ^Stuc^ noc^ preufe. 9led)te ift eö ftreitig, ob bic l)ier
fraglid^e Legitimation in fold^cn fällen juläffig ift, in meieren bie @(tem bed
Äinbed megen eine« cntgegenfte^enben SBerbotsgefefeed fid^ nid^t deirat^en
fonnen, alfo namentUd^ bann, menn bad Jiinb in 93lutfd^anbe ober ©^ebru^
crjeugt ift. S)er aSortlaut bed preufe. 31. L. SR. II, 2 § 601 unb bic ©r*
mägung, ba| badfelbc feinen Unlerfd^ieb jmifd^en t)crfd)iebenen Wirten une^e^
lieber Äinber mac^t, fc^eint für bic 3wfoffigfeit ber Legitimation ju fprec^en
(oergl. aud^ ©efcfereo., «ßenf. XV ©. 161). 3m fäd)f. ©. 33. § 1786 ift bic
Legitimationdfö^igfeit ber im @§cbruc^e erzeugten Jlinber audbrüd(id) anerfannt.
dagegen fe^lt cd in älnfe^ung ber in 33lutfd^anbe erjeugten Jlinber on einer
befonbercn Seftimmung. S)er § 1783 beö fäc^f. ®. 33. unterfdieibct nid()t
5W)ifd&en oerf^iebenen 2(rten une^elid^er Jlinber. ^^ibeffen mirb aud& für baö
fäc^f. SRed^t bie älnftd^t Dcrtretcn, bag nad^ allgemeinen @runbfä|en bie
Legitimation burd^ 9leffript infomeit auögefd^loffen fei, alö ein inbidpenfablcö
@i)et)erbot entgegenfte^e.
3)a nad^ bem ©ntrourfe bad S^ci^inbcrnig beß ©^ebruc^ed nur ein auf;^ ©tonbpunft
fc^iebenbeö unb jubem bid)Mnfab(ed @^e^inbcrnig.ift-(§§*-1237, 1244), bie «nt^rfe«.
940 e6eli*feit8crf(arun0. (Sintüiaiöunö bcö Äinbcö k. § 1587.
©ntfc^eibung über bic ©rt^cilung ber ©^eüc^fcitfierttärung aber in bie $anb
bcr ©taatögenjolt a(ö ein 9Ht ber ©nobe gelegt ift, fo fe^lt cd an einem
genügenben (Srunbe, btn im @f|ebrud&e erjeugten Äinbeni bie Segilimotionfi^
fä^igfeit burd^ baß ©efcfe absufpred^cn. 9lnbererfeitß fpred^cn aber über^
lüiegenbe ®rünbc bafür, bic ©^elid^tcitöerflfirung burd^ baö (Sefeg für un?
jutäfftg ju erflären, wenn bie ®l^e jroifd&en bem SSater unb ber 2Kutter beß
Äinbeß JU ber 3^^ ber ©rjcugung beß Icfeteren nac^ ben Scftimmungen beß
§ 1236 megen SSerroanbtfd^aft ober ©^roägerfd^aft nid^t gefc^Ioffcn werben
tonnte. SEBenn cß au6) ücreinjeltc gällc geben mag, in meldten tro^ ber na^en
SSerroanbtfd^aft ober ©d^mägcrfd^aft bcr @(tern bie Segitimation oiellcid)! ni^t
a(ß gerabeju gegen bie öffentfid^c Drbnung üerftofeenb erfc^einen mag, fo mürbe
bodE) in ber • übermiegenben Slnja^t foldier %aUz burd& bie 3^föffung ber
Segitimation gegen bie Segriffe x»on Siedet unb Sitte rerftogen merben. ©aju
tommt, bafe bie ©taatßgeroalt bei 5ßrüfung eineß Segitimationßgefud^cß feineß^
megß in ber Sage ift, p^er ju erfal^ren ober ju ergeben, ob nid^t jmifdöen ben
Gltern beß uneljeUd^en Äinbcß ein aSermanbtfdEiaftß' ober ©d^roägerfcbaftß?
üerl)ältni6 ber im § 1236 be^^eicbneten SKrt beftanben Ijabt. ®ß fönnen fogar
bie ©Itern felbft ftd^ eineß fold^cn jroifd^en i^nen beftefienben SBcrl^cittniffeß nic^t
bemüht fein ober geroefen fein. 6ß ift aber mifeü^, in berartigen fällen,
menn nac^ ert^eiUer Segitimation baß 93eftef|en eineß fold&en Sßer^ättniffeß ftc^
ÖeraußfteDt, bie ®^elidöfeitßertlärung alß mirtfam ju be^anbctn, obrool)! bie
©taatßgeroalt, ^ötte fie üor 6rt^ei(ung ber Segitimation bic mafirc ©ad^Iagc
ge!annt, bic Segitimation nic^t crtfieilt l^aben mürbe. 3^^^ SSermeibung eineß
9tergemiffeß unb einer ©rfd^ütterung beß SRc^tßgcfü^leß ücrbicnt cß bcßl^alb ben
aSorjug, unter ben SBoraußfe^ungen beß § 1586 bic Segitimation unbebingt
JU ücrbicten (oergt. § 1593). 9llß entfd&cibcnb für bie Scgitimationßunfä^igfeit
fann aber nur bic ^txi ber (Srjcugung beß Stinbeß angcfc^cn merben. SBenn
j. 83. erft na^trägli^ ein baß $int)erni6 beß § 1236 begrünbenbeß ©d^mäger-
fd^aftßoerl^dltnife eingetreten fein foUte, fo bleibt baß t)orf|er erjeugte Äinb
legitimationßfftfiig. 3n einem fold^en galle ift bic red^tlidöc SKögUd^teit, bafe
ba^ Äinb ein cljcUdöcö Äinb feiner ©Itcrn fein fönnte, nidf^t unbebingt auß«
gcfdjtoRcn.
§ 1587.
«inwiaiflunfl 1, 2)ie Scftimmung beß § 1587, ba| ju ber ®l)clidöreitßerflärung bic
' ©inmiUigung beß Äinbeß erforbcrlic^ ift, cntfpcid^ bem gemeinen SRecbte, bem
ba^r. S. 91. I, 5 § 9 5Rr. 3 unb bem fäd^f. ®. ». § 1785 (oergl. aud& I)e5f.
entm. III Slrt. 63), roö^rcnb nad& bem preufe. 31. S. % II, 2 § 602 bic ©in^
mitligung teß Äinbeß ein mefentlid^eß 6rforbcrni| nid^t ift. ©afe im ©cgen^
foßc JU ber Segitimation burd^ nat^folgenbe 61^'c bic ©inmiUigung beß Äinbc«
cvforberl-idö fein foU, red^tfertigt fid& burd^ bic pöfitiDC 9latur ber l&ier in 9lcbc
ftcl^enben Segitimationßart unb im ^inblidte auf ben tiefgreifenben ©influfe,
meieren bie Segitimation auf bic perfönlid&en unb auf bie Dermogenßred^tlid&cn
ajer^fiftniffe beß Äinbeß äufeert.
ber «Hrou 2. SSou bcu bcftcfienbcn Siebten roirb, fofern ber SBater beß une^elid&en
be8«otert; ^}^j)^g t)er^eiratf|ct ift, bie ©inroilligung ber e^efrau beßfelbcu nid^t Dcrlangt;
(5]5cIid&!eit8ernarunG. eintoiaiGung be§ Ä1nbe§ jc. § 1587. 941
bod^ fönncn nad^ bcm fäc^f. ®. 33. § 1786 im ß^cbrud^e crjeugte Äinbcr, roenn
bic S^cfrou beß ß^cbrcd^crö mit bicfem nod^ in ber ®^c lebt, nur mit ©in«
roilligunfl bcr ©ficfrou burd^ 9icffript Icgitimirt werben, 2)er § 1587 ftellt in
Ucbevcinftimmung mit bem ^eff. ®ntm. III airt 63 unb bem ital. ®. 99.
3(rt. 198 3ix. 4 bie ©inmiUißung ber @l^efrau bed unel^elid^en äSoterd ganj
oDgemein a(d ein roefentlid&eö ®rforbemi| ^in (t)ergl. auc^ § 1606). ®d ift
biefeö ©rforbemife burd^ bic SRüdEfid&t Quf bofi Sntereffe unb baö ftttlid&e
SBefen ber ®^c ßebotcn. ®s miberftreitet bem fittlid&en ©runbgebanlen ber
(enteren, wenn cö bem ©l^cmanne (jeftattet fein foUte, o^ne bie ©inroiDigunß
ber @^efrau fein natürüc^ed ftinb in ber red^tlid^en Stellung eined el^eUd[)en
in bie gomiliengemeinfddaft auf june^men. Ueberbicö fommt in Setrad^t, ba^
unter Umftönben burd^ bie Legitimation in ba& gefegUc^e ©rbred^t ber @^efrau
5um 9lQd^t^eiIc ber lefeteren eingegriffen wirb. UnbebenfU^ ift es bagegen ««ano^mc im
unb onbererfeitö im Sntereffe ber SRcc^törtd^er^eit (üergL § 1593) ongemeffen, ^J^f
in Slnfel^ung ber ©inmilligung ber ß^efrou bem S^obe ber (efeteren ben gall, eröärunß;
wenn biefelbe für tobt erllärt ift, unbebingt glei^jufteUen, inforoeit mithin an
bie S^obederüärung eine über bie äSeftimmung beö § 21 W)l 1 ^inaudge^enbc
SBirhing ju fnüpfen (t)ergl, aud^ §§ 1606, 1611). ©d ift bied um fo um
bebenflic^er, ate ber Seemann nad^ § 1464 auf ©runb ber Xobeöerflörung
fogor eine neue ®^e mirffam fd^iefeen fann.
dagegen I)at ber (Sntmurf 93ebenfen getragen, bem S^obe unb ber ^obeft^^ ser^inberung
erflärung ber e^efrau au^ ben gall gfeic^juftellen, menn bie lefctere, j. 93. in ^^ ®^*^^^
golgc ©cifteöfranJE^cit, jur SÄbgabc einer 6r!lärung Dorauöft^tUc^ baucrnb
außer ©ionbc ift (oergf. § 1238 3lbf. 1 ©afc 3). 3roar ift in einem foW)en
^alle, ba nad^ § 1588 bie SinmiQigung ber @^efrau au^ burd^ beren gefe^^
lid&cn aSertrcter nid^t erfolgen fann, bie aWoglid^feit ber e^elid&fcitderfläruug
gön}(id^ audgcf d^löf|en ; aQein bie @rünbe, aus meldten bie ßinmilligung ber
ß^cfrau üorgef (^rieben ift, laffen eß bebenllid^ erfd^einen, in jenem gaUc oon
bem ©rforberniRe i^rcr (SinmiHigung abjufel^cn, ba bie 3Jlöglid^!eit einer
Teilung nid&t auflgefc^Ioffcn ift. 3"^^^ !önntc im gaUe ber SBicber^erfteDung
leidet ©trcit barüber entftc^en, ob bic 9Soraudf?§ung, unter welcher bic ®in?
miDigung ber ®^efrau nid^t erforberlid^ mor, jur 3cit ber (S^eüd^teitöerltärung
vorgelegen ^at ober nid^t, ob bic lefeterc mitl^in mirffam ober unmirffam ift.
3. 2)ic 6^c(id&feitdcrMärung nac^ Slnalogic ber für bic Slnna^me on «inwiaiflunfl
Äinbcftftatt gegebenen SBorfd^rift beß § 1610 aud^ ©on ber ©inmiaigung bcr ^'''^„brt.*''*
9Ruttcr beß jlinbcß abhängig ju mad^en, folange baß (entere ba& fünfunb^
jroanjigfte fiebcnßial^r nod^ nici)t }urüdgelegt I)at, ift a(ß bebcnflid^ crad^tet.
gür jeneß ©rforbemife läßt fi^ allerbingß anführen, ba^ bie uncl^cli^e ÜWutter
in ber 9lege( bem j^inbe n&^cr ftcl^t^ ate ber une^elid^c 93ater, unb bag bie
@^e(id^teitßer!(ärung beß Einbeß in nid^t geringerem 3Rage, mic bie 9Innal)mc
on Äinbeßftatt, in baß perfBnlid&c SBer^ältnife unb bie 9ted6tßfteUung ber
SKutter ju iljrcm Äinbc tief eingreift, inßbef onbcrc an6) in erbred&tti^er ^infid^t,
fomie in äinfcbung ber ber une^eli^en 3Ruttcr juftc^cnben Sorge für bic
?ßerfon beßfelben (§§ 1570, 1597). 5Da ieboc^ baß ©rforbcrnife ber ©im
miUigung ber aKutter bem gcltenbcn SRcd^tc fremb ift, fo mürbe bie Sluf:^
fteUung biefeß ©rforberniffeß fid^ nur bann rcd^tfcrtigcn (offen, menn in biefer
942 @6en(6fcit«ecf(ärung. SSertretung. §1588.
Slid^tiing ein SBcbürfnife ^croorgctrctm loäre. S)ic« ift aber ni^t bcr goU.
^te mit ber @^e(id^feitöert(örung betrauten 99e^örben loerben oud^ o^ne be«
fonbere SSorfc^rift, foioeit not^iß imb t^unlid&, bie 3Rutter befragen unb
oI)ne i^re @inn)iQigung nur audna^mdn)eife bie Segitimation ert^ei(en.
@(i^reibt man aber bie @inn)iUigung ber Sßutter a(d gefegtid^cö @rforbemig
t)or, fo entfielt bie ®efaf)r, ba§ in nid^t feltencn gäBen, jumal roenn ber
SSatcr bes ftinbeö unb bie äRutter jeben 5Ber!ef)r abgebrod&en l^aben unb in
ganj tjerfd^icbcnen SBer^ältniffen leben, bie aButter auö Xxoi gegen ben SSater
ober im miftoerftanbencn Sntereffe beö Äinbefi ober oufi perfönlid^er Slücfftd^t^
na^me auf fid^ felbft bie an fid& oieHeic^t Uf)v im 3ntercffe beö Rinbed gelegene
Segitimation burd& SSermeigenmg i^rer ©inwiDigung hintertreibt,
sie^iiic^e 4. 2)ie im § 1587 oorgefc^riebenc @inn)iUigung bed fiinbed bejm. ber
^^jj^**"* (g^efrau l^at ben Äarafter eineö einfeitigen SRec^tfigefd^äfteö, n)el(^efi ju bem
in bem ätntrage bed ^43aterd auf @^eli(bfeitderf(ärung enthaltenen einfeitigen
Sled^tögefd^äfte bed (enteren a(d ein gleid^faOö n)efentlid^eö SKoment (§ 1593)
Einzutreten mug. 2Benng(eic^ an ftd^ bie l^ier fragtid^e @inn)il(igung unter
ben § 127 fällt, fo ift biefelbc bod^ im ©injetnen burd^ bie befonberen SBor^
fcbriftcn bcr §§ 1591, 1593 Sag 1 felbftänbig geregelt. (Sine ber Seftimmung
be« §1611 ©a6 2 entfpred^enbe SSorfd^rift ift i)kv n\i)t erf orberlic^ , ba bie
©^elid&tcitöerflärung erft burdö bie SJerfügung ber ©taatfigeroalt erfolgt unb
ed gu biefer, nid^t aber ju bem eintrage bed SBaterd auf S^elid^teitdertlärung
ber ©inmilligung bebarf, mitl^in bie, wenn aud^ nad^ jenem 3lntrage, aber
oor ber (S^elidöteitÄcrHörung erfolgte S^^ftttnmung ftc^ im ©inne beö ©efeged
(§ 127 abf. 1) no4i alö (ginroilligung barftellt.
§ 1588.
Bertretung Slbgefe^eu t)on bem fäd^f. ®. S. § 1785, n)eld&eö üorfc^reibt, ba|, wenn
Btmmtn ""*^^ SSormunbfd&aft ftel^enbe 5ßerfonen e^elid^ erflärt werben f ollen, meiere
bad uicrjel)nte Sebendja^r jurüdEgelcgt Ijabcn, ed i^rer eigenen ©inroiHigung
bebarf, entlialten bie beftel^enben Siedete in ben im § 1588 geregelten 33e=j
jie^ungen befonbere Seftimmungen nid&t. SGBcimgleid^ bie SBorfcftrift bed § 1588
©afe 1 gegenüber bem geltcnben SRed^te jum SC^eil eine Sleuerung unb gegen*
über bem allgemeinen aSertrctungdprinjipc (§§ 115, 1649, 1503 3lbf. 1) eine
Slbroeid&ung cnt^ölt, f o empfiehlt fi^ bie 9lufnaf|me berfelben bod^ im ^inblidfe
auf ben ^öd^ftperfonlicben Äarafter bcr in Siebe ftcl^enben SBtllenderflärungen,
j^umal biefe Slürffic^t in allen gteicftliegcnben Sßerl^ältmffen, indbefonbere aud)
bei ber 3lnnal|mc an ftinbcdftatt, jur Slufna^me ä^nlidöer Seftimmungen
gcfüljrt ^at (oergl. namentlidb § 1238 3lbf. 2, § 1263 9lbf. 1, §§ 1474, 1612,
1614). eine 9ludnaf|mc t)on bcr SReget bed § 1588 ©ag 1, bafe bie ©in*
TOiUigung bed Äinbcd auc^ nid^t burd^ ben gefeglid^en 9}crtreter bedfelbcn
erfolgen fann, mad^t bcr § 1588 ©ag 2 iebod& für ben gaU, menn bad Äinb
bad Dicrje^nte Sebcndja^r noc^ nid)t jurüdfgctegt ^at (t)ergt. anä) § 1612),
bamit nid^i bie ÜRöglid&feit, ein nod) im Äinbedalter ftebenbed Äinb burdd
©lielicEfeitdcrflärung ju legitimiren, gänjlid^ abgefc^nitten mirb bejm. bie im
3ntereffe eined nod^ im jugenbüd^en Sllter fte^enbcn, ber not^igen 6infidf>t
(äöcli^feitöctffdnmg. ©cnc^migung b. aSormunbfd^aftögcri^tcg. § 1589. 943
entbe^renben ftinbeö Itegenbe Legitimation nid^t an bem äSiberfprud^c eines
fold^en ßinbed fd^eitert. 9Ud bie entfd^eibenbe SKter^^grenje \)at ber Sntmurf
im älnfd^Iuffe an ba& fäc^f. ®. ^. unb na(t) Slna^ogie ber iiber bie älnna^me
an Äinbcöftatt gcftenben SBorfddriften (ücrgl. § 1612 ncbft aWotiücn) bas
pollenbete Dierjel^nte fiebendja^r l^ingeftcUt^ baoon audge^enb, bag, xotnn
aud^ ein in biefem Sebendalter fte^enbed Kinb bie red^tü^e 99ebeutung ber
Legitimation nic^t DöDig }u begreifen im Stanbe ift^ ein folc^eö ^inb boc^
bie mit ber Segitimatipn für badfelbe rcrbunbenen perf5nlid)en SBirfungen
fe^r n)ol^l ju empfinben uermag unb bag ed beöf^alb ungered^tfertigt unb
mit bem 3^^*^ ^^^ Legitimation, ein inniges gamilienoerpltnife iroifd^en
bem une^elid^en £inbe unb bef[en ißater ju begrünben, nic^t vereinbar fein
würbe, ein fold^eö ftinb, wenn bafifetbe trofe beö (Sinftuffcö feines gefegüd^en
aSertrcterS bei feinem SBiberfprud&e beljarrt, gegen Steigung unb ©efü^l }u
}mingen, ju bem unebelid^en SBater in bas mit ber Legitimation burc^
@^eüc^feitserf(örung rerbunbene nal^e 93er^ä(tnig ju treten.
§ 1589.
3)o6, wenn ber SBater ober bas Äinb in ber Oef^äftsfäl^igfeit befc^ränft einwitttfl«««
ift, }u bem Slntragc bes SBaterS bejro. ju ber ©inroiUigung bes Äinbes bie*^aStml^
©inroiUigung bes gefefetid^en aSertreterS erforbcrlid^ ift, entfprid^t ben SBor*
fd&riften bes § 65 Sttbf. 3 unb ber §§ 70, 71 (oergL fäAf. 0. 35. § 1785;
preufe. 21. L. 31. II, 2 § 602).
®in genügenber ®runb, bie 6^eUd)feitserHärung für unjuläffig ju «inber.
erflären, xotnn ber SJater nod^ minberjätjrig ift, liegt nic^t ©or, jumal aud^'*^^^^'^*^*'**
bie (S^emünbigteit bes mfinntid^en ©efd^Ie^tes fd^on mit bem jurüdgelegten
jmanjigftcn Lebensjahre eintritt (§ 1233) unb mä^rcnb ber SWinberifi^rigfeit
bie elterHd^e ©emalt mit Stusna^me ber elter(id^en ^{ugniegung nad^ äßaggabe
bes § 1554 nur ru^t. gür bie Legitimation bur^ e^etic^feitsertlärung fann
aud& nid&t in SSetrad^t fommen, bafe bie Slnna^me an Äinbesftatt ein beftimmtes
^ö^eres Lebensalter bes 9lnnebmenben oorausfegt (§ 1603) unb bag nad^ ben
33cftimmungen bes ©rbrec^tes ein SRinbcrjä^riger burd^ ©rbeinfefeungsoertrag
über feinen ^lad^ia^ ni^t verfügen fann (§ 1942); benn bei ber ß^elid^feits*
erttörung bilbet im ©egenfage ju ber älnnalime an jiinbesftatt bie natürUd^e
aSaterfd^aft bie ©runblage, unb auf bie angeführten Seftimmungen bes @rb*
re^tes fann entf^eibenbeS ©eroic^t nid^t gelegt merben, ba bas @rbred^t ^ier
nur bie gefeftUd^e golge ber Legitimation ift. äfusfcblaggebenb für bie 3"'
(affung ber @^e[id^feitserf(ärung aud^ bei äßinberiä^rigfeit bes 3iaUxi ift aber,
abgefe^en baoon, bag bicfelbe mit bem geltenben Steckte im ®in!(ange fte^t,
bie 2:^atfa(^e, bafe es in nic^t feltenen gällen im t)öc^ften Sntereffe üMinber*
jöbtiger gelegen fein fann, menn i^nen bie SHöglid^feit gegeben ift, ein natür*
li^es 5liub burcb @^e(id()feitserf(ärung in bie 9(ed^tsfteUung eines e^elid^en
Äinbes ju erl^eben, jumal ber Entwurf bas befonbcre 3nftitut ber fog. legiti-
matio per testamentum nid)t aufgenommen f|at. 2)a bie ®rt^eilung ber Legiti«
mation nad& bem ©ntmurfe Onabenfad^e ift (§ 1592), fo fann barauf oertraut
werben, bag bie mit ber Prüfung bes 3(ntrageS eines älUnberiäl^rigen betrauten
944 eigelt^fettderfrärung. (Sinipimgung. ^om. §§ 1590, 1591.
33eprbcn a\x6) barüber ©tl^ebungen anftcDen werben, ob übcrroicgenbc (Srünbe
für bie ©rtl^eilung ber Segitimotion uorliegen ober nlc^t, inöbefonberc, ob nid^t
im SinjelfoIIe überioiegcnbe 3ntereffen S)rittcr gegen bie ©rt^eilung ber Segiti?
mation fpred^en. Ueberbied bebarf ed ber @tnn)illigung bed gefegUc^en äier»
treterd unb ber Genehmigung bed SBormunbfc^aftdgerid^ted. @d ift ba^er
genügenb geforgt, bafe bie Sntereffen bed aWinberjäörigen wie brütet ^e*
tfieiUgter berüdErid&tigt werben.
(Sene^mtgunfl ©ie SSorfd^rift, büfe in ben im § 1589 bejeid^netcn %&Utn bie ®c*
''**S"^'^^N'9""8 ^* aSormunbfc^oftögeric^teö crforberfid^ ift (oergl. oud^ § 1613
8ert«^te«. 3i5[. 1^ 2), red^tfertigt fid^ im ^inblirfe auf bie SBid^tigteit ber Segitimation
Surc^ (S^elic^feitdernärung unb ben tiefgreifenben Sinflug berfelben auf bie
perfönüc^en unb oermögendred^tli^en S3eiie^ungen bed SBaterd, wie bed Hinbed
(rergl. fäd^f. ®. 33. § 1785).
gc^lt in ben gäHen bes § 1589 bie ®inn)iDigung bed gefc^Ud^en SBers^
treterd ober bie Oene^migung bed SSormunbfd^aftdgeric^tcd, fo ift bie S^e*
lic^feitderfldrung unroirtfam; eine nac^träglid^e ©ene^migung fonn f)ier —
abmeid^enb von bem galle ber 3[nnal|me an Ainbedftatt (oergl. SRotioe ju
§ 1613) — um bedwiUen nid^t in grage fommen, weil ed ftd& bei ber (S^e*
li^feitderflärung, fooie( ben Slntrag bed 93aterd unb bie Einwilligung bed
Äinbed betrifft, nur um einf eitige SRed^tdgefd&ofte ^anbclt (§ 1593 ; uergl. au^
§ 65 Slbf. 3, § 1681 abf. 2, § 1514).
§ 1590.
«inwiuifluna 2)ie Seftimmung bed § 1590 berul^t auf ber perfön(id&en 5Ratur bed ^ier
»i?«3litr fröglid&en einwiUigungdrcd^ted unb ftc^t mit anberen, ö^nlid^e 93erl)ältniffc
c^efrttu bc« betreffenben SBorfd^riften bed ©ntwurfed im ©inftange (oergl. indbef. § 1238
^''''' 3lbf. 2 Saft 2, § 1614 ©aß 2).
§ 1591.
^orm ber äßenugleid^ nad^ bem gettenbcn Siechte bie im § 1591 Saß 1 bejeic^
^^^•J*'i^ neten SQBillcndrlläerungen an eine beftimmte gorm ald wefentlid^e SBorauft*
cet^eiiiaten, feßuug ber ß^elidöfeitderftärung nid^t gebunben finb, fo ift ed bod^ ate
bebenKid^ erachtet, ben betreffenben Staatdbe^örben, weldbe bie Segitimation
ju ert^eilen ^aben, ju überlof[en, ftc^ m6) i^rem ©rmeffen ju üergewiffern,
ob bie ald wefentlid^ erforberten ©rflärungen abgegeben finb. ®d würbe bicd
bie ®cfal|r mit ^xä) bringen, bofe berienigc, weld^er fic^ auf bie ®^eli^feitd«
erflärung beruft, in bie £age oerfeßt wirb, bewcifen ju muffen, bafe jene 98or*
audfeßungen bei @rt^ei(ung ber Segitimation vorgelegen ^aben. "SJlan ffat
nid&t einmal bie ©id^er^eit, ba^ bie betreffenben ©rflärungen uon ber
Seprbc aufgenommen werben. 3lm Rd^erften ge^t man, unb ed entfprid^t
au^ ber wid^tigen 93ebeutung ber S^elid^feitderflärung in red^tli^er unb
fojialer 93eiie^ung, wenn man bie bejeid^neten ©rflärungen im ©inHange
mit ben t)on bem Entwürfe in ä^nlid^ Uegenben gälten gegebenen SSorfd^riften
in ber im § 1591 Saß 1 beftimmten aSeife formalifirt (t)ergl. § 1616 3lbf. 2).
(g^eli^feit&etfrorunfl. ®nabenfa*c. §1592. 945
5lur bic im § 1591 bcicid^nctcn (Srftfirungen foBcn an bic gcric^ttid^c »>« ci«*
ober notartcUe gorm gcbunbcn fein. ®in praftifcfieö Scbürfnig, ouc^ bie im^'^Xr
§ 1589 bejeid^ncte Einwilligung beö gefcfilid^cn SBcrtreterö ju bem älntroge ««rtr«*«'«-
beö SSaterö ober ju ber ©inroiUigung bcö Äinbeö — in Stbrocid^ung t)on ben
allgemeinen (Srunbfäfeen ber §§ 65, 127 Slbf. 2 — an bie gerid^tlid^e ober
notarielle gorm ju binben, fann trog ber über bie junad^ft Setticiligten ^inauö
ftc^ crftrecfenben SDßirtungen ber ©{jelid^feitöcrttärung nid^t ancrfannt locrben,
iumat bie im § 1589 t)orgefd^riebene Genehmigung bed SSormnubfc^aftö:"
geriddted eine audrei^enbe ©arantie bafür bietet, ba^ bie Sinmilltgung bed
gefellid^en SSertreterö erfolgt ift. SKud^ bei ber 6l^ef(^Ue§ung unb bei ben
e^eüerträgen (oergl. aWotiüc ju § 1335 oben ©. 313 ff.) ift eö nid^t für
erforberlidE) unb für angcmeffen erad^tet, bie ®inroiUigung ober ©enei^migung
beö gefcfelid^en 33ertrcterd an eine gorm ju binben. SBie bort, ift aud^ ^ier bie
SRüdffid^t auf bie 2lufred^terf)altung bcö Slec^töafted als überroiegenb anjufc^en.
S)ie aSorfd^rift befi § 1591 ©aß 2 bcjroedft einerfcitö, btn S^ti^^l ju «riiävung».
löfen, mem gegenüber bie ©inroiHigung beö Äinbeö ober ber ®f|efrau bcö *^'"^^''"**'^-
35aterö erfolgen mu§ (t)ergl. § 127 Slbf. 1) imb baburd^ jugleic^ für ben gall
ber ainfe^tung ber (Sinroilligung (§ 1600) im §inblidEe auf § 113 Slbf. 2 ben
SKnfed^tungögegner in einer angcmeffcnen SBeife ju bcftimmen, anbererfeitö, bie
SBiberruflic^feit ber (SinmiHigung oor erfolgter 6f)elid^feitöerftärung, entgegen unwiberrut-
ben aSorfc^riften beö § 127 3lbf. 3 unb beö § 119 Slbf. 1, auöjufc^liefeen Äi^^ns.
(rergl. aud& § 1616 Slbf. 2). S)ie Seftimmung, bafe bie einmal erfolgte 6im
loilligung unroibemiflid^ ift, empfiehlt fid& auö praftif^en ©rünben, um ju
oerl)inbern, ba§ burd^ einen millfürlid&en aSibcrruf ber betreffenben ^erfonen
baö ganje weitere aScrfa^ren ein oergeblic^eö mirb unb oieDeid&t erft nad&
ert^eilter Segitimation bie Unroirffamfeit ber S^elid^feitöerKärung auf ©runb
beö üor^er erfolgten aSiberrufeö ber (ginmilligung fid^ fjerauöfteHt. 2)iefe mit
ber 3i*löffung beö aCBiberrufeö ocrbunbenen Uebelftänbe mürben jmar, menn
man oorfd&ricbe, bafe ber SBiberruf, um roirffam ju fein, gegenüber ber mit
ber ertl^eilung ber ©tieli^teitöerflärung betrauten 33el)orbe erflärt werben
muffe, einigermaßen geminbert, aber nld^t bcfeitigt werben. 35ie Sluöfdbliefeung
beö SBiberrufeö ift anbererfeitö audl) unbebentlid^, t^eilö weil bie ©inwilligungö*
ertlärung burd) § 1591 ©afe 1 formalifirt ift unb bicfe gorm gegen Ueber*
cilung fd^üfit, tfieilö im ^inblirfe barauf, ba§ nad& § 1589 in einer großen
3a^l t)on gällcn bie ®enet)migung beö SBormunbfd^aftögerid&teö erforberti^
ift, biefcö aber feine ©enc^migung ücrfagen wirb, wenn nac^ ®rtl^cilung ber
©inwiUigung beö Äinbeö ober ber ©fiefrau Umftänbe eingetreten fein follten,
weld)e bie ß^elid^feitöerftärung oom Stanbpunfte beö ^ntereffeö beö Äinbeö
auö alö bebenfli(^ erfd^eincn taffen. 2)ericnige, weld^er feine ©inwifligung
ertl)eilt t|at, bejw. ber gefefelid^e SBertreter beö Äinbeö fann berartige Umftänbe
jur Äenntniß beö aSormunbfd^aftögeridöteö bringen.
§ 1592.
Der § 1592 bejwedft, inöbefonbere im ^inblicfe barauf, baß nac^ ge^ «orofter aw
meinem SRed^te barüber geftritten wirb, ob beim SBorfianbenfein ber gefefelid^en ®""^*"^***-
OtotiDC h. bfiroerl. Oefe^bud^. IV. 60
946 (5Wt*fcitgctfrorung. Untoirffamfeit k. §§1593-1595/
©rforbemiffc bcr SBatcr ein SÄcd^t auf bic @rtl^ci(un9 ber ®]^eU(^fcitecrfWrun(|
^abe^ )um beutUd^en Sludbrucfe ju bringen^ bag bie Sntf Reibung über ben
Eintrag bcs ^aterd auf @l^eUd^feitderfIärung Iraft freier @ntfc^üegung ber
©tnategcroatt erfolgt, mithin olö ©nabenfod&e anjufe^en ift (t)ergl. bie üJlotiw
ju § 1588 oben ©. 933 ff.)-
§ 1593.
unwirrfoiiu S)ie SSorfd^rift beö § 1593 ©aß 1 entfd&eibet bic namentlid^ in ber
'^^^j'J^^'gcmeinred^tlid^cn Suridprubenj beftrittene ^age, ob unb inmicmeit eine troß
ii<i^en «rfor- beÄ 9Wange(Ä bcr im ©cfcfec bcftimmtcn SBorauöfcfeungen ert^eilte Scgitimation
bentiffe«; ^^^^ SReffript wirffam ift. 3nbcm bcr entiourf bie e^crid^fcitöcrttarung für
unroirffam crttärt, wenn ein gcfcfefid^cö ©rforbernife fel^It, fd^üfet er bie 3ntcreffen,
um berenroinen bic gcfefelid&en ©rforbcmiffc aufgeftcHt finb, bcm S^Qt ber
mobemcn Slcd&tsentroidfefung entfprcd^enb, in einer t)on ber SScrroaltung um
abhängigen unb njirifamcn 2Beife (oergf. ajlotioe ju § 1583 oben ©. 933 ff.).
SBcgcn ber Seftimmung bes § 1593 ©aß 2 wirb auf bie SRotioc su
§ 1583 oben ©. 932 unb }u § 1585 oben ©. 938 ff. 99ejug genommen.
§ 1594.
»«ifft«u«fl 3)ie Seftimmung bcö § 1594 folgt auö bcm SBcfcn ber Scgitimation
biiiflmig ic.i burd& 6^clid^feit«erflärung ald Segrünbungöart eincö ©Item* unb Rinbcs*
ücrl^ältniffcö unb ftcl^t mit anberen für gleic^Iicgcnbe 58cr^filtniffc gegebenen
SSorfd^riften bcö ©ntrourfcö im ©inffange (oergr. § 1250 9lbf. 2, § 1472 ©aß 3,
§ 1615).
1595.
xob bcft aSennglcidö cd nad^ bem § 74 3lbf. 3 auf bie SDSirtfamfcit einer SBillend*
b^^^tibe«. erftärung ol^ne (Sinf(ug ift, xo^nn bcr Urheber ftirbt, nad^bem er bie audbrucf^
(id^e 9i$iIIcnöcrf(ärung bel^ufd bcr 3lbfenbung abgegeben l^at^ fo mug bod^ ber
Dor bcr Sl^clid^teitderfläning erfolgte 3:;ob bed ^aterd ober bed ftinbcd bie
Unn)ir!fam!cit ber @^cUd^fcit6erf(ärung jur ^olge l^aben^ n)ci( nac^ § 1583
9lbf. 2 bie (SJ^eUd^fcitderflfirung erft t)on bcr Qtit bcr Icßtercn an o^ne Stüct»
mirfung auf ben 3^itpuntt bed geftcUten Slntragcd auf @^e(id^!eitdcrf(firung
in jtraft tritt, bie ^egrünbung bed burd^ bie @^elic^teitdernärung beabftd^tigten
perfönti(|cn 93er^fi(tniffcd aber nid^t me^r mögtid^ ift, mtnn cd in bem ent«
fcftcibcnben 3^itpunfte an bcm erforbcrlid^en ©ubiefte für bad ju begrünbenbc
aScrJ^ältnife fc^tt. 3)aju lommt, bag bie an ben a;ob bejm. an bie 3^^* \^^^^
®intrittcd ftd^ Inüpfenben crbrcd^tlid^cn gotgen burc^ bie Scgitimation nid&t
me^r geänbert mcrben bürfen.
«efW«- ainberd liegt bagegen bic ©ad(ie, xotnn bcr SJater ober bod Äinb vox ber
mmmu g^elic^fcitöcrflärung gefc^äftdunfä^ig werben foUte. Safe ber eintritt ber
©cfc^äftdunfö^igfeit ouf bie SBirffamfeit bcr e^ead^feltderflärung o^ne ©nflufe
ift, mcnnglcid^ bic ©taat^gcmalt fclbftocrftönblid^ [xä^ babur(| oeran(agt feigen
fann, bie Scgitimationdcrt^cihmg ju Dcrfagcn, ergicbt ftd^ fd^on an ber ^anb
®6en*fcit8crfrarunö. Sem)anbtWaft k. § 1596. 947
bcr aUgcmeincn ©runbffi^c (§ 74 SIbf. 3) unb braucht bcöl^alb nid^t bcfonbcrö
audgefprod^en }u iDerbett.
Slnbcrcrfcitö Dcrftc^t cö fxd^ in (Srmangclung einer cntgcgcnftelienben ««^««^««T«»"
»eftimmung (üergL § 62 äbf. 2, § 1617 ©aß 3) von felbft, bog bcr SSater an ^ *"**^"
feinen 9lntrog cor ©rt^eitung bcr Segitimation nid)t gebunbcn ift, fonbcrn
benfclben biß ba^in roiberrufen fonn, 2)ic bcfonbercn ©rünbe, rocid&e ju bcr
bie Sttnna^me an Äinbeöftatt bctrcffenben SBorfd^rlft bcfi § 1617 ©Qfe 3 gefüfirt
^aben, treffen für bic l^ier in Siebe fte^cnbe einfeitige SBiUenöerHärung beö
SSaterd nid^t ju.
§ 1596.
1. S)er crfte ©oft beö § 1596 Slbf. 1 fpri^t nur eine Äonfequenj beö im ^J^\
§ 1583 atbf. 2 cnttialtenen ^rinjipeö aus. Sei ber SBid^tigfeit beö legieren "b« »«"*
ift efi iebod^ afö rattifam erad^tet, ben ©inn unb bie XxaQvotitc bcöfefben »««^*f*«f''
burd^ bic 9lufnaf|me jeneö ©ogeö ju ocrbcuttid&en unb bem aJlifeocrftonbniffe
ju begegnen^ alö ob bie ^orfd^rift bed § 1563 3[bf. 2 fld^ [ebig(i^ auf bad
S3erf|ältni6 jraifi^cn bem SBater unb bem Äinbe bcjicl^c. 3m Uebrigen wirb
rocgen bcr ©rünbc, auf meieren cincrfcitd bie SSorfd^rift beö § 1596 3lbf. 1
©afc 1, anbererfeitß bie ate eine SKusna^mc von bem ?ßrinjipe be« § 1583
äbf. 2 fid^ barftcDcnbe SBorfc^rift beö § 1596 Sttbf. 1 ©afc 2 beruht, bafe baö
Äinb unb beffen 3lbtömmUnge nid&t bie rcd^tlic^e ©teltung von SJcrroanbtcn
bcr SSerroanbten beö SBatcrö erlangen, auf bic SRotioe ju § 1583 oben ©. 934 ff.
Sejug genommen. S)ur^ bicfe lefetere SBorfd^rift wirb felbfioerftänblid^ baö
auf bcr natürlid&en SScrroanbtfd^aft beru^cnbe (g^cl^inbcmife jmifd^cn bem
unel^clic^cn Äinbc unb bejfcn Slbfömmfingen cinerfcitö unb ben SBermanbten
beö 33aterö anbercrfeitö nac^ aJlafegabc beö § 1236 nid&t berührt.
SBcnngleidö bur^ bie (S^cIid&fcitöcrHärung jmifd^cn bem unc^clid^cn
Jlinbc unb bejfen 9lblömmlingcn cinerfcitö unb ben 33ertoanbten beö SSatcrö
anbercrfeitö ein rcd^tlid^eö 93ermanbtfd^aftöt)erl^öltnig nid^t begrünbet mirb, fo
mirft bod^ bie @(|c(ic^teitöcrf (ärung , meil baburd^ }n)ifdE|cn bem unehelichen
Äinbc unb bcffcn Sttbfömmlingcn cinerfcitö unb bem SSater anbercrfeitö ein
SBcrmanbtfd&aftöoer^ältnife, alfo ein abfotut roirfenbcö SSer^ältniß jur QnU
fte^ung fommt, auf bic familienredötlid&en Scjicl^ungcn jmif^cn btn SSerroanbten
beö aSatcrö unb bem tcßtercn (oergt. j. 93. §§ 1480, 1483 Slbf. 1, § 1485) unb
inöbefonbere auf baö ©rb^ unb 5ßPidE|tt^eifercd^t bcrfefben gegenüber bem
SJater inbire!t jurüdf. SBcgen bcr ©rünbe, auö roetd^en ber ©ntrourf cö nic^t
für crforbcrlid^ erad^tet l|at, bie erbrcd^tlid&en Sntcreffen icner ^erfonen
gegen 93ecinträd^tigung burd^ bic ®^clid^feitöerffärung im SBcgc befonbcrer Se^
ftimmungen ju fd&ügen, wirb auf bie 3ßotit)c ju § 1583 oben ©. 936 ff. 93cjug
genommen.
^ag burd^ bie @^c(id^fcitöcrf(ärung jtoifdben bem SSater unb folgen
SSerroanbten beö Äinbeö, wcld&c nicbt Slbfommlingc beö legteren finb, ein
S3ern)anbtf(^aftöocrl|äItni6 nid^t entfielen fann, ergiebt fid^ auö bem Segriffe
ber Scrmanbtfd^aft alö eineö burd^ 9lbftammung von einem gemeinfd^aftH^en
©tammoatcr ücrmittciten 95crt)ältniffeö (§ 30) oon fcfbft, ba burd^ bie
©^clidöfcitöerflärung ein gemcinf^aftfid&cr ©tammoatcr beö SSatcrö unb ber
60*
948 e6eli*fcittoffcirun0. Sorge für bic 9)crfon bc« Äinbc^. § 1597.
^enüQubten beö Rinbcö nid^t gefd^affen toirb. @benfon)enig entfielt ein
Sc^ioägcrfc^Qflöüer^ältnife jioifd^en bcnfclben, ba ein fold^eö nod^ § 32 nur
burc^ eine &)t vermittelt wirb,
in snfe^unfl 2. "S^aQtitn toütht ux Stmongelung einer befonberen S9eftimniung burd^
^''^!^'" i>ic e^eli(^feitder!lärung auf ©runb ber SSorfd^riften bes § 1583 2tbf. 2, bc&
§ 1596 Slbf. 1 Sq^ 1 unb bed § 32 jroifc^en ber (g^efrau beö SSoterö einerfeitj^
unb bcm (egitimirtcn Äinbe unb beffen 3lbf5mmlingen onbcrerfeitö , foroic
imifdben bem (Sl^egatten bed ^inbed ober eined älblömmUnges bed (enteren
einerfeitö unb bem Sßatcr onbererfeitä ein ©d^iüägerfd&aftöDerl^ältnife entfielen.
SBenngleic^ bie 3lnerfennung eines foId)en ©^roägerfd^aftöoer^öltnined über
ha& im § 1236 beftimmte, o^ne SRüdEfxd)t auf eine ß^elii^feitficrHärunft
begrünbete ©^el^inbernife l^inaud red^tlic^ nur oon geringer prattifd^er Sebeutung.
[ein würbe (oergl. § 1638 3lbf. 1, § 1678 2lbf. l, § 1713 3lbf. 1, § 1715 äbf.2;
6. ^. 0. § 41 5«r. 3, § 348 9lr. 3, § 358 5Rr. 3, §§ 367, 371, 373; ©tr. ^. D.
§ 22 3flr. 3, § 51 3lr. 3, §§ 57, 72, 74, 76), fo fei)« eö onbererfeitß an einem
genügenben ©runbe, bie SBirfungen ber (gfielic^teitderflorung fo weit außjus^
bebnen. S)er § 1596 Slbf. 1 fd^liefet beö^olb, wie bei ber annähme an Äinbe«*
ftatt (§ 1620 älbf. 2), bie bejeid^nete jlonfequen} auöbrüdlid^ auö.
lieber bie Studmirfung ber @l)eUd^feit3erf(firung auf bad @rb« unb
$flid^tt()eiterec^t ber @{)efrau bed SSaterd be}iD. auf bad Srb^s unb ^f{ic^ttl^ei(d^
red)t bed ©Regatten bed ^inbed ober eined 3(bfömmUnged bed (enteren uergL
bie 3Kotit)e ju § 1583 oben 6. 936,
lSif^*"bm ^' Slnlangenb bie SSeftimmung bed § 1596 2tbf. 2, fo fann biefelbe ote
*" juiTbe *"* felbftt)crftonblid& betrad^tet werben ; i^re Slufnal^me ift jebod^ im Snt^^^cffe ber
©JJ^anbtc" SSoUftänbigfcit bed ©efefeed ald angemeffen erad)tet (oergf. au^ § 1625)*
*^''" *" 3lbgefel^en t)on ben SSorfc^riften bed § 1238 3lbf. 1 ©afe 2 unb ber §§ 1597,.
1598 erfeibet bic Siegel, bafe burd^ bie (g^elid^feitderMörung bie Siedete unb
^flid^ten nid^t berührt werben, meld&e jmifd^en bem Äinbe unb beffen SJer^
manbten in golge ber äSermanbtfd^aft hefteten, indbefonbere eine ä(udna^me
in erbred^tlid^er Sejie^ung infofcm, ald burd^ bie ®^clid&feitderflärung jugleidl)
ein ®rb« bejm. $flid^ttl^ei(dred^t bed ^aterd gegenüber bem ßinbe unb beffen
aibfömmlingen begrünbet (§ 1583 3lbf. 2, § 1596 9lbf. 1 ©oft 1 üerb. mit
§§ 1966, 1968, 1975) unb baburd^ bad ©rb* unb 5ßflid^tt^eildred()t ber SSer*
manbten bed Kinbed biefem gegenüber befd()räntt bejm. audgefc^toffen wirb. 9^
wirb in biefer ^infid^t ouf bie SWotioe ju § 1583 oben ©. 936 Sejug genommen.
§ 1597.
©orflt b«r 9hid § 1583 9lbf. 2 in 83erbinbung mit § 1501 folgt, bafe burd& bie
'"^«^wl^beV^ 6^^ t>^^ 83ater bie eltcrlid^e ©ewalt über bad legitimirte
Äinbe«. tninberjä^rige Äinb erlangt. Died ift auc^ ber ©tanbpuntt bed gemeinen
Slcd&tcd unb ber neueren ©efcfegebungen (uergl. bat)r. S. 91. I, 5 § 9 9lr. 3;
preufe. 3t. S. $R. II, 2 § 603; fäc^f. ®.33. § 1808; weimar. ®ef. o.27.aRätj 1872
§ 1). ÜWit ber eltcriid&en ©ewalt bed SBaterd ift ober bad nacft § 1570 ber
unc^elid^en SRutter juftebenbc 9led)t unb bie i^r obliegenbe ^ßfli^t, für bic
^^Jerfon bed Äinbed ju forgen, iebenfalld für bie 3)auer ber 3Iudubung ber
®beli4fclt«erf[ärunfl. Unterhalt. SßcrBciratßung b. Satcc?. §§ 1 598, 1599. 949
clterlid^cu ©croalt unocrcinbar. 3nöbcfonbcrc fantt bad im § 1506 bcftimmtc
aScrl^ältnife ^icr fclfeftoerftänbUd^ feine SlniDenbung pnben. Sagegen mürbe in
(Srmangelung einer bef onberen Seftimmung in ©emdfe^eit ber JRegel beö. § 1596
mbf. 2 bie ^flid^t unb ba& SHed^t ber aKutter, naä) aJlofegabe bes § 1570 für
bic 5ßerfon bcö Äinbeö ju forgen, roieber eintreten, wenn bie bem SBater auf
Orunb ber elterlid^en ©cmalt jufte^enbe ©orge für bie ^erfon beö Äinbeö,
fei cö in golge Seenbigung ber elterlid^en (Scmalt ober in golge Slu^enö
berfelbcn ober burc^ ®ntjic^ung oon ©eiten beö SSormunbfd^aftögerid^tcö, ibeg^s
gefallen ift, ba in biefcn gölten baö SRed^t bcö SSaterö bem SRed^te ber SKutter
cn fld) nid^t me^r entgegenftel^t. S^öbefonbere ronvbt nad^ bem 2^obe bed
aSaterö ^jSflid&t unb SRcd&t ber SKutter, für bie 5ßerfon beS Äinbeö nac^ SRafe^
gäbe beö § 1570 ju forgen, roieber eintreten (oergl. aud& preufe. SBorm. O. t).
5. 3uli 1875 § 28; fä# ®. SB. § 1923; loeimar. ®ef. o, 27. aRärj 1827
§§ 1, 19). (Sine fold^c (Scftaltung fann inbejfen als eine angemeffene nid&t
crad^tet werben. S)a bad Äinb burd& bie ©lielid^feitöerflärung in uielen göUen
ber anutter uöDig entfrembet n)irb unb in fojialer äSejie^ung häufig eine ganj
anbere Sebenöftellung afe bie SRutter einnimmt, fo entfprid^t eß ber ©ad^fage
unb bem Sntcrcffe beö Äinbeö, bafe burd& bie g^elid&feitöerflärung bie ^flid&t
unb baö SRed^t ber SRutter, für bie ^jSerfon beö Äinbeö ju forgen, bauernb
aufgehoben mirb unb bie aßutter biefe ^flid^t unb biefcö 9led^t aud^ bann
nid[|t loieber erlangt, wenn bie elterliche (Semalt beö 3Saterö beenbigt ift ober
nad^ aWaggabe ber §§ 1546, 1554 auf bie eltertid^e S^uftniefeung befd^ränft ift
(ocrgl. aud& § 1626).
3n SHnfe^ung ber religiöfcn ©r^iel^ung beö legitlmirten Äinbeö (oergf.
l^annoü. SBerorbn, o. 21. Suli 1826 § 6; roalbecf. ®ef. o. 28. ajlörj 1827 §3;
fad&f. ®ef. t). 1. SRouember 1836 §§ 11, 18; braunfd&m. ®ef. o. 10. SKai 1867
§ 9) cntfd&eiben bie Äanbeögefefee (§ 1508).
3)a6 baö legitimirte Äinb ben Familiennamen beö aSaterö fü^rt, ergiebt «fömiuen-
fi^ auö § 1583 Slbf. 2 in SSerbinbung mit § 1497. Ueber ben ©rmerb beö ""*^
äbelö oergl. aJiotioe ju § 1583 oben ©• 937.
§ 1598.
3)ie Seftimmung beö § 1598 entfprid^t ber burd^ bie e^etid&feitöerflärung «"ter.
begrünbeten rec^itlid&en ©tellung beö Rinbeö (§ 1583 9lbf. 2) unb ftelit mit bem bSf »Sfertl!
§ 1487 im (SinKange (oergf. awä) % 1627).
§ 1599.
5Die aSorfd&rift beö § 1599 (oergl. ha^n § 1242) red^tfertigt fic^i burd^ «nfius ber
bie Slnalogie ber SJerl^ältniffe. S)ie ©^elicfifeitöerHärung atö ©urrogat ber ^«irütlung
Segitimation burd& nad^folgenbe e^e fte^t in ber ^ier fraglid^en SBegiel^ung ^« »«*«»•
ber frütieren &)t gleid& (oergl. aud^ 1623 2lbf. 3).
®ine bem § 1623 3lbf. 1 entfpred^enbe SBorfd&rift ift bei ber Segitimation
burd& 6f|etl4|(eitöerflärung nid^t aufgenommen, ba eö fid^ bei ber legteren —
im ©egenfage ju ber Slnna^me an Einbeöftatt — um bie red&ttid&e SKnertennung
cineö natürli^en 3Serl^äItniffeö l^anbelt.
950 (S^clicfifeitöcrfrärung. «nfc^tung. §1600.
§ 1600.
be"«ia«L ®^^ § ^^^^ Ö^^* hci^on ttuä, bafe in Slnfcl^ung bcr Stnfcd^tung bc§
unorun^ii. älntraged beö SSaterd auf @^elid^feitgerf(ärung (§ 1585), foiDte in Slnfel^ung
bcr 9lnfcd^tung ber (Sinwilligung beö fiinbcö nnb bcr (S^cfrau bcö SSatcrft
(§ 1587) bic allgemeinen ©runbfäße über bic 9lnfcd^tbarfcit bcr SHcd^ögcfd^äfte
(§§ 103, 104, 112, 113) anroenbung finbcn. ©in acbürfnife, bic Scbcnlcn
unb S^^iM/ roeld^c aus ber SKnroenbung bcr allgemeinen ®runbfä|c auf bic
I)ier in 3?ebc ftc^enben gällc in bcr einen ober anbcrcn SRid^tung etwa ftd>
ergeben mögen, burd^ befonbere SBcftimmungcn nad& Slnalogic bcr SSorfd^riften
über bic 3lnfed^tung bcr @^e (§ 1266) nnb über bic SHnfed^tung bcr STn*
erfennung ber ß^dic^feit eines Äinbeö (§ 1478) }u bcfeitigen (oergl. bic
SRotiüc au § 1266 oben ©. 95 ff.), liegt bei bcr ©dten^eit bcr in Setrad^t
fommenben gälle nid^t oor. Snöbefonbere bebarf cö feiner befonbercn 93c*
ftimmung, ba^ in 9lnfcl^ung bcr SJtnfcd^tung beö Slntragcö beö SBaterd auf
©^ctid^fcitöcrtlärung baö Äinb bcr 9lnfed^tungögcgncr fei. SGBcnn au^ bic
allgemeinen SSorfd^riftcn bcß § 113 cß jrocifcl^aft lajfcn folltcn, ob in
biefem galle nur baö Rinb bcr 5!lnfcdjtungögcgncr fei, fo genügt eö bod&, bafe
mä) icnen Siorfd^riftcn iebenfalls aud^ bas fiinb 9lnfcd^tungögcgncr ift.
@bcnfon)cnig cmpficfilt es fid^, burd) eine befonbere SBcftimmung ju cntfd^cibcn,
roem gegenüber nad^ bcm 2'obc bcß 9lnfcd^tungßgcgncrö ober cincß oon
mel^rcrcn 9lnfcd^tungßgcgncrn bic 9lnfcd^tung ju erfolgen l^at, ba biefclbc
^age aud& in anbercn äfinlid^ ticgcnben ^llen fid& crl^cben fann unb on
ber §anb bcr allgemeinen ©runbfä^c ju lofen ift.
SKuß bcr Slnmcnbung bcr allgemeinen ©ninbfö^e ergiebt ftd^ namcntlid^,
bafe, loenn eine ber im § 1600 bejcid6neten 9Billenßerflärungcn mit ©rfolg am
gefod^ten ift, bic te^tcren fo angcfeljcn werben, alß feien fic nid^t üor*
genommen (§ 112), morauß weiter folgt, ba^ bic ®l^elid^feitßcrflärung roegcn
SRangelß cineß gefcfelid^en ©rforbcrniRcß unroirtfam ift (§ 1593). SBirb bem^
näcf)ft nad^ erfolgter 9lnfed^tung bic SBirffamfeit ober Unmirffamfeit bcr
ei^elid^fcitßerflärung unter bcm SSater unb bcm Rinbc in ©treit gejogen, fo
lianbelt cß fid6 lebiglid^ um eine geftftcllungßflage, auf meldte bic SSorfd^riften
bcß in ber SKnm. ju § 1476 mitget^cilten neuen § 627c ber ß. ^. D. foroie
bic SBorfd^riften bcß § 1632 b. ®ntm. Slnrocnbung finbcn. S)aßfclbe gilt im
«ii^tiÄWt. goUc bcr 9Jid^tigfcit einer ber ^ier in Siebe ftel^enbcn SDßillcnßcrflärungen
(oergl. § 108). Sic allgemeinen ©runbfäße über bic SDÖirfung bcr Slnfcd^tborfcit
unb über bic 9Jid^tigfeit ber aBillenßcrtlärungen führen bemnac^ }u einem
burd&auß angemeffencn ©rgcbniffc.
Sie befonbere SKorfd^rift bcß § 1600 rcdf)tfcrtigt ftd^ burd& bicfclbcn 6r*
Tagungen, wie bicienigen, auf meldten bic SBorfd^riften bcr §§ 1588—1590
bcrul^cn, inßbcfonbcrc burd) bic pcrföulid&c Statur unb bic 9Bid)tigfcit bcr in
Siebe ftel^cnben SBillcnßcrflärungen.
annähme an ^mbeöftatt. SorBemcrfunfl. (§ 1601.) 951
®tcbentcr Stitcl.
^nna^xne an S^inöe^flatt
1. S)as auö bcm röm. SRed&tc ftatnmcnbe 3nftitut ber Slnnal^mc an Swiaff«"« ter
Äinbcöftatt t)ai mit bcr SRejeption bcö rötn. SWccfttcö ate gemeines 9lcc^t in 'SÄ«"
5Deutfd&Ianb ©ingang gefunben unb ift bort in fteter, tücnn andi) im ®anjcn
feltener, SKnmenbung geblieben. Slud^ l^abcn bie fämmtlid^cn neueren beutfd^en
©efegbüd^er, ba& bagr. S. SR., baß preufe. 31. S. SR., baö öfterr. ®. 93. unb
bad \&ä)l ®, 33., ferner bcr l^eff. (Sntro. burd) bie 33eibcl|altung Jeneö 3nftitutefi
beffen praftifd&e 93ebeutung anerfannt. Sllö ein 3^w9^ife fü^ i^^n SBert^ unb
baß 93ebürfni| bc« ^nftituteö ücrbient femer ^croorgc^oben ju werben, bafe
foroo^t ber code civil ald baß jür. ®. 93. baßfefte aufgenommen l^aben, ob*
roo^I in ^anlreid^ wie in S^xidi) bie annähme an ftinbeßftatt biß jur ®in*
fü^rung jener ©efe^büdier unbetannt mar. ^uä) baß ital. ®. 93. f)at fid^ für
bie 2lnerfcnnung beß in SRcbe fte^enben Snftituteß entfd^ieben, roäl^renb aller*
bingß t)erfd)lebcne anbere neuere ®efcftgebungen , inßbefonbere eine SReil^e
fd&roeij. ®efc6e unb ba& nieberl. ®. 93., baßfelbe nic^t aufgenommen ^aben.
6ß Iä§t fid^ ni4|t üerfennen, bafe mand)e Scbenfen gegen bie aufnähme
beß 3nftituteß ber Slnnal^me an Äinbeßftatt erhoben werben fonnen. Sßan
^at in ber BwWffiflf^it ^^ Slnna^me an Äinbeßftatt eine 93eförberung ber
©^eloftgfeit, ein Sßittcl jur 93efriebigung beß ©Igennu^eß auf Seiten beß
Slnnel^mcnben, eine SBermirrung unb Sierbunfelung ber gamilienrec^te, inß*
befonbcre aud^ einen ungered^tfertigten ©ingriff in bie auf 93Iutßt)ern)anbtfd&aft
bcrul^enbe ©rbbered^tigung ber gamilie beß Sfnne^menben gefeiten. 2)er erftere
®efid&tßpunft mar cß namentlid^, roetd^er bei ber 93eratbung beß ©ntmurfeß
beß code civil einen lebl^aften 3Biberfprud& gegen bie Slufnal^me ber Slnna^me
an Äinbeßftatt in baß ©efeßbud^ ^eroorrief. 35ie Ijcrüorge^obenen 93ebenten
finb inbcffen tl^eilß fold^e, meldte in ber SRed^tßbilbung unb in htn gegen*
märtigen fojialcn 3"ftönbcn JDeutfd&lanbß genügenben Sfnl^alt nid^t finben,
tl^eilß ber 2lrt, bafe fie burd^ geeignete 93eftimmungen befeitigt ober bod& gc*
minbert werben !önnen. 3)a§ bur^ bie S^Iöffung ber 9lnnal^me an Äinbeß*
ftatt ber 6l)ctofigfeit SSorfdiub gelciftet merbe, ift roenigftenß jur Qdi in
2)eutfd&Ianb nid^t ju beforgen. ©inb eß bod^ üor SHllem finberlofe ©Regatten,
meldie t)on ber 9lnna^me an Äinbeßftott ®ebraud& mad^en. Ueberbieß tritt
biefeß SBebenfen in ben ^intergrunb, wenn man bie SKnnal^me an Äinbeßftatt
fo regelt, bafe fie regelmäßig nur im gallc beß Sebürfniffeß jugelafjen wirb,
©benfo lann einem aWifebraud^e ber 9lnnal^mc an Äinbeßftatt atß eineß aWittelß
}ur Scfriebigung beß ©igennufteß auf ©eiten beß 3(nne^mcnben, foroie einer
SJerbunfelung ber gamilienrec^te unb einer 93eeinträd^tigung ber crbred^ttid^en
952 Stmia^me an ÄinbcöftaW. aSorbcincrfuno. (§ 1601.)
3ntcvcffcn bcr gamilic beö 9lnnct)menben, foroeit nötl^ig, burd^ jiücrfbicntid^c
SJorfdjriften entgegengetreten werben.
3n iebem galle werben bic SBebcnfen, roeld^e gegen bic Slufnafime beö
l)icr froglid^en 3nftituteö fid^ erl^eben, überwogen burd^ bic SSort^cile, roeld^e
baßfelbc in fojialer unb fittlid^er 33ejict}ung mit fic^ bringt. Sic 3lnnal&me
an ÄinbeöftQtt ift namenttid^ für rool^tl^abenbe, ebelbentenbe 5ßerfonen, n)eld&e
in finbcriofer ®\)c leben, ein enoünfd^tes SKittel, biefen aWangel ju crfcgen.
SBirb baburd) auf ber einen Seite (Selegen^cit geboten, inöbefonbcre mittel*
lofcn, aber oon Jiatur begabten Äinbern eine große Sffio^Itfjat in materieUer,
lüic in geiftiger SBejie^ung ju ermeifen unb baju beijutragen, bic natürlid&cn
9lnlagen berfclbcn jum 93cften bcr ©efcBfcbaft ju üoDfommcner ©ntmidEcIung
5U bringen, fo wirb auf ber anbcren ©eite burc^ bic 3lnnal^mc t)on Hinbern
felir {)äufig ein tief cmpfunbcneö geiftigcß Sebürfnife bcr 3lboptiocltcrn befriebigt
unb bafi ®lüdE il^rcr ei)c befeftigt.
Slbcr aud^ bei unoerfieiratf|ctcn ^^erfoncn lann ber bercditigte SBunfd^
cntfteljcn, Äinber onjune^men, um in beren ®rjie^ung unb SSerforgung eine
Sebcnöaufgabc ju finben ober um auf biefem SQ3ege bad 3lnbcnfen an il^ren
5Wamcn unb i^rc gamilie fortjupftanjenl ^icr mirb bic 9lnnal)mc an Äinbcö*
ftatt namentUd^ in fold[)en gällcn ©cbürfnife, in meldten bem 9Inncl&menbcn
burd) irgcnb meld)e Umftftnbc bic ©d&Iicßung einer (S(|c Dcrfagt ift.
©in meiterer mit bem 3nftitutc bcr 3lnnal^mc an Äinbcdftatt ocrbunbcner,
nid^t ju untcrfd^ägcnbcr SSortl^cil ift eä, ba^ baäfclbe baju beiträgt, bic 3^^^
ber illegitimen, eines gamilicnlcbcnö entbe^renben Äinber ju ücrminbern.
Um fo unbebenflid^er ift cö, baö l^ier fragliche Snftitut in bem ©cfefe^
bud^c anjucrfcnnen, alö cö fid^ für ben ©ntmurf ni^t barum ^anbclt, ein biö
bal&in in S)cutfd^tanb unbelanntcö Snftitut neu einjufü^rcn, fonbcrn ein üon
bem geltcnben ^cd^tc anerfannted unb big ba^in aud^ ftctd in Uebung ge*
roefeneö Snftitut beijubelöalten.
Suiäfftflieit ©egcnübcr bem franj. 9led)te unb bem bab. S. 91. enthalten allcrbingö
^''aKüIblr?"' i>i^ aSorf d^rif tcn bc« (gntmurfcö infofern eine . cr^cblid^c errociterung ber 3«-
jä^rifler. (fiffigfcit bcr Slnnaljmc an Äinbcöftatt, alö nad^ iencn Siebten, abgefcl^cn Don
bem 3ludnalimefaBc bcr fog. adoptio testamentaria, nur SBoöiätirigc an Äinbefi-
ftatt angenommen roerben tonnen (code civil 3lrt. 346, 366; bab. S. 91. ©afe 346
366). ©ine bcrartigc Sefd^ränfung ift lebod^ rocber bem gemeinen 9lcd&te, nod^
bem preufe. 31. 2. 9i., bem öfterr. unb bem fäd^f. ®. 93. befannt; fie empfiehlt
fid^ aud^ nid^t, ba gerabc bic SKnnal^mc minberjä^riger Kinber an Äinbcdftatt
in fojialer unb moralifd^er ^infi^it bcn gröfeten äBcrtl^ ^at, ftc üorjugöroeifc ate
Sebürfnife empfunbcn mirb unb im praftifd^cn Seben am meiften oorlommt
uniuiäffigfeit Sluf bcr aubcrcn ©eite gcftattct aber ber (Sntrourf, abmcid^cnb t)om gc*
^" '„"„""^"" meinen 9ic4|tc, aber in Uebcreinftimmung mit ber iöle^rja^l bcr neueren
enfdtpQtt. ©cfcfegcbungen, nur eine 9lnna^me an i^inbefiftatt, nid&t aud& an ©ntclöftatt.
ein SBebürfnife, audb bic Icgterc jujulaffcn, liegt nid^t oor. 3^re 3utaj[ung
im röm. 9lcd^te t|ängt bamit jufammen, bafe na6) biefem bic oätcrlid^c ©croalt
fid^ aud& auf ©nfcl crftrecft. (Sin auöbrüdlid^cd SSerbot, wie cö in bicfcr S3e*
jie^ung baö föd^f. 0. 33. § 1283 cntfjält, ift nid^t crforberli^. S)ic UnjuIäffiB«
feit ber Slnna^mc an ©nfclöftatt ergicbt fid) auö bem ©d^mciflcn beö (Sefcßeö
«litnaömc an ffiiiibe«ftatt. Sorbcmcrfuno. (§ 1601.) 953
von fclbft. (Sine onbcrc gragc ift, ob unb inroicmcit bie SBirfungcn bcr ^In^
na^mc an Äinbcöftatt fi^ auä) auf bic Slbförnmlingc bcö Slngcnommcnen
crftrcdfcn follcn (§ 1620 2lbf. 1).
Ob unb iniöicrocit bie 3lnnal^me an Äinbedftatt in ben Äreifcn beö ^of)en
9lbe(d juläf jtg fein foU^ bleibt ben Seftimmungen bcd Sinfül^rungdgefegcd vor-
behalten.
2. Slbmeid^cnb oon bem gemeinen Stellte unb ben übrigen neueren Qk\cp ^PeÄrfinb.
büdiern fennen baö preufe, 21, S. di. II, 2 §§ 753 ff. (üergl. baju ®ntfd&. b. ^**^*'
91. ®. in ©traff. XIII, 47), ber code civil 3Irt. 361—370 unb boö bab. 2. dt.
Saft 361—370 neben bcm Snftitute ber Slnna^mc an ftinbedftatt nod^ bie ^ßflege^
{inbfd^aft ald ein befonbcred, mit gemiffen, auf bie @orge fär bie ^erfon unb
auf ben llntcrl^att beö Kinbeö ftd^ be^ie^enben äBirfungen üerbunbencd famiUen^:
rc4|tad&cd 3nftitut.
35er ^med ber 9lufna^me biefefi neuen 3nftituteö in boö preufe. 91. S. 91.
war, im ^inblidc auf bie grofec 3^^^ uncl^elic^cr Äinbcr, meldten bie ßltem
Unterhalt ni(I)t geben fönnea ober moQen, anbere gutbenfenbe ^rfonen burd)
bie mit ber ^^JffcgeRnbfd^aft für fie juglcic^i oerbunbenen dlz6)U ju ermuntern,
ftc^ folc^er unglüd(id)er Hinber befto el^er anjune^men unb für beren @rjie()ung
JU braud^baren SRitgUebern bed Staates gu forgen. 3)urd^ bie SBeftimmung
nomentlid), bafe ^flegefinber gemeiner ober unbefannter ^crtunft ben ^ßflege*
eitern ju 2)ienftleiftungcn alö ®ntf^äbigung t)erpfli4|tct fmb (31. Ü. 3i. II, 2
§§ 764 ff.), foUtcn begüterte ^erfonen ermuntert werben, fid^ fold&er oerlaffener
Äinbcr in ber i^offnung ber fünftig oon i^nen ju enoartcnben 2)icnftleiftungen
anjune^men. 93ei ber 9ieDifion bed preug. 91. S. 9t. mürbe bie Streichung
I bicfer (enteren 93eftimmung Dorgefc^tagen. Sd^on gegen ben gebrucften Sntmurf
I bcd preug. 91. 2. 9t. mar ber @inmanb er()oben, bag burd^ iene ^eftimmung
eine Slrt oon Sflaoerei gefdiaffen werbe. 3m Uebrigen mürbe bei ber ©efeft^
reoifton bie ^^flegefinbfd^aft mit geringen Slbänberungen atd famiUenred)tli4ied
Snftitut beibehalten (oergl. ©efeftreo., 5ßenf. XV S. 238 ff.).
®inen gan} anberen Jtarafter unb einen ganj anberen 3^^^/ ^(^ ^^^
lanbrec^tlidie 3nftitut ber ^flegefinbfd^aft, l^at bie tutelle officiense beö frani.
9led(|tcö unb beö bab. S. 9t. 2)ie tefttere bient alö SSorbereitung unb SBorftufe
ber Slnna^me an jlinbeöftatt unb ift Derantagt burd^ bie Sorfd^riften beö
franj. 9led)teö, bafe nur SBoDiäl^rige unb nur folc^e ?ßerfonen an Äinbeöftatt
angenommen werben tonnen, wetd^e ber Slnne^mcnbe mä^renb i^rer üRlnbcr«
jäl^rigfeit fed&ö ^a\)vt lang unterftüftt unb oerpflegt l^at (code civil 9lrt. 345).
3)urd& baö 3nftitut ber tutelle officiense foBte bie Strenge jener erftcn SSor*
fd&rift gemilbert unb juglcid^ ein bequemeö SRittel jur ®rfüBung ber legteren
3$orf4inft an bie ^anb gegeben werben.
Scr ®ntwurf ift baoon ausgegangen, ba6 ein 33ebürfni6, bie 5ßflege«
finbfd^aft mit familienred^tlid)cn SBirfungen auöiuftatteu unb alö felbftänbigeö
familienrec^tlid^eö 3nftitut in boö ©efeftbuc^ aufjuneljmen, ni^t oorliegt.
Soweit bie 3^1)1 fold)er l)ülflofer Älinber, wie fie Suarej bei ber S^affung
beö lanbrcd)tli(^en 3nftitutcö im 9luge I)atte, n\(S)t burd) Scgitimation ober
atnnalime an Äinbeöftatt oerminbert wirb, ^aben bie Drtöarment)erbänbe unb
bie aSormunbfd&oftögeriditc für Untertommen, ^-Pflege unb ©rjie^ung berfelben
954 9(nna5mc an Äinbcfiftatt. Äaraftcr. SBirfunß. § 1601.
3orfle ju tragen, unb fann bicö in auörcid^enbcr SBcife auf bcm 9Bcgc oblU
gatorifd^cr SSerträge gefd^e^en, burc^ meiere bie SSerpfIcgung unb bie Sludübung
bcr (£rjlcl)ung anbeten ^^crfoneu njibcrruflid^ übertragen wirb. S)aö S^ftitut
beö Oemeinberoaifenrat^eö (§ 1725), für roeld^cö fid^ gcrobe ^icr ein frud^tbareö
gelb ber ^^ätigfeit eröffnet, forgt ferner bafür, bafe eö nid^t an ber gcnügenbcn
9luffid^t über biejenigen fe^It, roetd^en bie ©orgc für baö lorperlic^ie unb
geiftige äßol^l berartiger ^ülftofer jtinber anvertraut ift Stattet man fold^e
^^ftegecltcrn mit familienrcd^tüd^en ©efugniffen auö unb gicbt man il^nen
banebcn eine fo felbftänbige, üon jeber SKuffid^t befreite ©tcBung, wie bieö
bag 91. S. 91. tl^ut, fo liegt bie ©efa^r na^e, bag eigennügige ^roedt bad
SKotit) jur 3lnna^me x>on ^flegefinbern werben, bafe bie [enteren namentlid^
ju bäwölic^en 2)ienften mifebroudit werben, bie ®rjie^ung ju taugli^en 9Äit*
gliebern ber menfd&Iid^en ©efeUfd&aft aber in ben ^intergrunb tritt. 99ebcnflid&
ift namcntlicb aud^ bie »eftimmung be« 21. 2. 91. II, 2 § 771, ha^ bie ^Pflege*
eitern jeberjeit i^ren 83eiftanb roiebcr jurüdEjieben fönnen. ©5 fe^It mithin
an ieber ©ernähr für bie Aontinuitöt ber ©rjie^ung, an feber ©emöl^r, bag
nid^t bad $f(egefinb plöglid) aud guten äSerböUniffen wieber in bie früheren
fd)led^ten SSerbältniffe 5urücfgeftogen wirb, an weidet ftd) mieber }u gewöl^nen
ie|t ungtcicb tiärter unb fc^roerer ift. Um fo weniger liegt SBcranlaffung oor,
bad lanbredE)tUd^c ^nftitut in baö ©efegbud^ aufzunehmen, ald badfelbe im
9lcd^td(eben er^eblit^e praltifcbe ^ebeutung nid^t erlangt bc^t.
9lurf) bie tutelle officieuse beö franj. Sled^teö l^at ftd&, wie bejeugt wirb,
nie eingebürgert. SBom ©tanbpunfte beö ©ntwurfeö auö ift biefcö 3nftitut
um fo cntbcl)rlid&er, alö berfelbe bie oben bejcid^ncten, bie guläfftgfeit ber
9lnnal)me an Äinbeöftatt cinfd^ränfenben SSorfd^riften beö franj. Sled^teö nid^t
fennt. 9lucb ber l^eff. ®nlw. unb baö ital. ®. S. liaben jeneö i3nftitut
nid^t aufgenommen, obwol^I benfelben fonft im Sillgemeinen ber code civil alö
SSorbilb gebient l^at.
§ 1601.
Aaracter unb 1. ^Ia6) röm. Sled^tc wor bie Slnna^me an Rinbeöftatt urfprüitglid^
oirfunfl. ^j^j |p i^j^j. ^jj^ ajjittcl jur Segrünbung eineö ttinbeöoer^ältniffeö fc^le^t^in,
alö ein iÜUttel jur SIegrünbung bcr oäterlid^en ®ewalt. S)aö fpäterc röm.
(Beitenbcfl s)jed6t fcnut {cbod^ aud^ fotc^ic gälle, in weld^en burd^ bie 2lnna^me an Äinbcö*
ftatt ein Hinbeöper^ältnife oline oäterlid^e ©ewalt begrünbet wirb. S)icö ift
bcr gall bei ber 9lboption burc^ grauen unb bei ber adoptio minus plena.
3im gemeinen 91cd}tc l)ai fid^ bie ^a\)l bcr gälle noc^ t>ermet|rt, in
welcf)cn burd) bie Slnnabmc an Äinbcöftatt feine oäterlid^e (Sewalt, fonbcrn
nur ein MinbeöoerbättniB begrünbet wirb, bejw. aucb nac^i Slufbebung ber
t)äterlidf)en ®cwalt ba& ilinbeöoert)ältni6 bcftebcn bleibt. S)aö ßrftcre tritt
ein mit bcr 9lnogation eincö DJanneö, wcld^er burc^ Segrünbung eineö eigenen
^auöbaltcö (separata oeconomia) bereitö felbftänbig geworben war, fowic mit
ber 9lrrogation einer ücrl^eiratljeten grau, ba cö nac^ gemeinem Siedete nidjt
möglich ift, ba^ ein 3J2ann mit eigener ^auö^altung ober eine @b^ftau noc^
unter väterlicher OJcwalt ftcbt. ©benfo bleibt troß Sluf^ebung ber üätertidfecn
«nna^mc an Äinbcöftalt. Äaraftcr. äSirfunß. § 1601. 955
©etüalt burd) beutfdireci^tltd^e ©mQnjipation bad burd^ bie älboption begrünbete
Äinbeöoerl^ältnife befte^en (oerfll. ©cuffcrt IX, 308, XII, 42). Sdion l^ierauö
ergiebt fid), bafe ber Äaraftcr ber 2Iboption im gemeinen Siedete gegenüber
bem röm. Siedete fid^ mefentlid^ geänbert \)at S)ic Segrünbung cineö Äinbeö-
oer^ältniffefi jnjifdien bem 3lboptit)oater unb bem 9lboptiofinbe qIö 3^^* ber
äfboption ift in ben SBorbergrunb getreten, bie Segriinbung ber üätcrlid^en
®en)oIt bagegcn, foroeit bie lefctere unter ben fonfreten 93erl^ältnif|en überl^oupt
jur ©ntfte^ung fommcn lonn, erfd&eint nur alö eine golgc beö burd^ bie
Slboption begrünbeten Äinbedt)er!)ältniffcö (üergl. oud& ©ntfd). b. SR. ®. bei
genner unb 3Jlecfe m, 120).
Ueberl)Qupt ^aben ftd^ in ben ©ebieten bed gemeinen 9{ec^te& bie Unter«
fd(|iebe einerfeitö jmifd&en ber arrogatio unb adoptio im engeren Sinne, anbercr*
feitö jroifdicn ber adoptio plena unb minus plena bejro. ber 9lboption burc^
grauen tl^cilö burc^ bie 5ßrajid, tfjeilö burd) bie Oefefcgebung uielfod) uer*
ringert. Snöbefonbere finb in 9lnfel)ung ber gorm Slrrogation unb 2lboption
im engeren ©inne l^öufig gleid^gcftellt, fei eö, ba^ man bie gemeinrediitUd)
bei ber crftercn crforberIid(|c lanbeöl^crrlid^e Oencfimigung auf alle 3lboptionen
auögebefint ober umgefeljrt für alle 3lrten i)on Slboptioncn nur eine gerieft«
tid^c Seftätigung üorgef^rieben ^at (üergl. ÜKotiüe ju § 1617). gerner [xnb
burd^ üerfd&iebenc neuere (Sefefte in erbred&tlid^er Sejie^ung bie t^erfd&iebeneu
Sfrten ber 3(boption einanber gleicftgeftellt (uergl. weimar. 63ef. o. 6. 9lpril
1833 § 48; attenb. ®ef. ü. 6. 9lpril 1841 § 53; gotl^. ®ef. o.2. Januar 1844
§ 28; fonberfil). 6ufjeffion«orbn. x>. 8. Dejember 1829 § ä2; ®ef. für Sleufe j. 2.
t). 10. Dejember 1853 § 49). ©benforoenig unterfd^eibet in 9lnfel^ung ber
clterlid)cn ®txoalt baß weimar. ®cf. u. 27. 3Rdrj 1872 jmif^en Derfd^iebenen
Slrten ber Slnnal^mc an Äinbeöftatt. Sobann Ijat eine 3lnnäl|crung ber
aboption burd& grauen an bie 2lboption burdi SJtönner melfad) infofern ftatt*
gefunben, als man bei ber erfteren baö ©rforbernife beö SSerlufteö ber eigenen
Äinber liat fallen taffen.
9lbgefel)cn t)on bem bai)r. 2. 3f}. I, 5 §§ 10, 11, l^aben aud; bie übrigen
neueren ®cfe^büdicr, infibefonbere ba« preufe. 31. 2. dt. II, 2 §§ 666 ff., bad
ofterr. ®. fö. §§ 179 ff., ber code civil 3lrt. 343 ff. unb bafi fäc^f. ®. 93.
§§ 1787 ff., bie Untcrfd&eibung jmifdien üerfd^iebenen 2lrten ber 9tnna^me
an Äinbeöftatt aufgegeben. 9hir in 9lnfel;ung ber 9lboption burdd grauen
gelten nad^ einem 2^t)eilc Jener ®efe^büc^er in einjelnen 93ejiel|ungen nod^
abmeid^enbe S3eftimmungen, Slbioeid^ungen, meldie mefentlic^ bamit jufammen-
Rängen, ba^ ben betreffenben ®efefebüdöern eine ber t)äterlic^cn ®eroalt ent«
fpred(ienbe clterlid^c ®en}alt ber 3Dluttcr unbefannt ift. ^m änfd^luffe an bie
©ntmidelung beö gemeinen SRed^teö faffen jene ®efefebü^cr ferner bie 3lns
nabme an jtinbeöftatt nid^t alö ein SKittel jur ^egrtinbung ber üäterlid^en
®en)alt, fonbern olß ein aWittel jur SBegriinbung eines ©Itern* unb Äinbed*
üer^öltniffeö auf, bur^ meldieö grunbfdftlid), oorbel)altlid| geroiffcr ÜKobi«
fifationen, baöfelbc gegenfeitige SHe^tdt)erl)ältni6 jroifdjen bem Slnnel^menben
unb bem Slngenommenen l)ergefteUt wirb, wie jroifd&en einem elielid^en Äinbc
unb beffcn ®ltern. 3luf einem abweidjenben ©tanbpunfte ftcl)t jeboc^ ber
code civil infofern, alö berfelbe Jenen ©ninbfa^ felbft nid^t aufftellt, fonbern
956 annähme an Äinbcßftatt Äarafter. SBirfunfl. § 1601.
nur cinjcinc familicnrcclitlid^c SBirfungcn mit bcr Slboption ocrbinbct. 2lu§C!>
bcm fd^ränft betreibe, loic in bcr 33orbcmcrfung oben S. 952 bereits J^eroor^^
flel)oben würbe, bie Slboption baburd^ erldeblidd ein, bafe er, abgcfe^en t)on bcr
fofl. adoptio testamentaria (2lrt. 366), nur bic SKnna^me eine« SSoBiö^rigen
an Äinbeöftatt juläfet (2lrt. 346).
Vriitiip bea 2)em ©ntmidclungögangc beö 3nftituteö bcr 9lnnal^mc an Äinbcöftatt ent«
fpred^enb unb im ©inflange mit bcn mobcrnen ©cfcftgcbungcn f)ai a\x6) bcr
Entwurf von oerfd^iebenen Slrtcn bcr 9[nna^me an Ainbcdftatt abgefe^cn, bie
te|tere oietmct)r ald ein cin^eit(id)eö Snftitut, unb jmar üon bem ®efid)td«
punfte auö geftattct, bafe biefelbe ein ÜWittel jur ©cgrünbung cincö ©Itcrn:^
unb ftinbedocr^öltniffed fein foU, burd^ wel^ed bcr eingenommene bic rcd^t(t(^e
iSteUung eines c^clic^cn Hinbcd bes Slnnel^menben erlangt, fomcit nid)t aud
bcm Oefefec (ocrgl. inöbef. § 1620 Slbf. 1, §§ 1622, 1623, 1624) ein ^[nbcrcd
fid) ergiebt. 3)ic ©riinbc, auf meldten bie römifdired&tü^icn Unterfcftcibungcn
jroif^en ocrfd^iebenen 9lrten bcr ätboption berul)cn, treffen für bie gegen*
roärtigen SScr^ältnine nid&t me^r ju. 3nöbefonbcrc liegt ein Sebürfnife, bcn
Untcrfd^ieb jroifd&en Slrrogation unb äboption im engeren ©inne fcftsul^aUcn,
icbenfaUs bann nid^t üor, menn, mte bied na^ bem Sntmurfc bcr ^aD ift,
bie ftrengeren gormen unb SSorausfe^ungen ber Slrrogation, frcifid& jum Sl^^cil
in oeränbcrtcr 9lrt unb ©eftalt, auf bic 9lnnal)mc an ftinbeöftatt überl^aupt
übertragen roerben. 2luc^ für bic 93cfd&ränfung ber 3lboptionöfäl^igfeit bcr
grauen fel^lt es im ^inbüde auf bcn ocränbcrtcn Aiaroftcr unb ^rotd bcr
9[nnat)me an ^inbeöftatt an iebcm faltbaren ©runbe. S)a ber ©ntmurf aucft
eine cUerUd^c ©cmalt bcr 3ttuttcr fennt, fo Dcrfc^minbcn im äBcfcntUd^cn aud^
bicjenigen in bcn neueren ©cfcftgcbungcn fic^ nod& finbcnbcn Untcrfd^icbe
jmifdjen ber SKnna^mc an Äinbeöftatt burc^ SWänner unb burd^ ^auen, weld&e
barauö fic^ ergeben, bafe jenen ©efc^gebungcn eine elterlid^c ©emalt ber üRutter
nid)t bcfannt ift.
9ie*i«* 2. aSäfircnb naä) gemeinem ditä)ic bie Slrrogation, foioic bic Slboption
*Ä«Ift^'^ oou ©citen einer grau burd) fanbcd^crrlid^cd 9icffript, bic Slboption im
engeren Sinne aber burd) SHec^tsgefd^äft jioifc^en bcm 3n^abcr ber Dätertid&en
Ocmalt unb bcm' Slnnc^menbcn erfolgt unb auf ©citen befi Slnjunc^mcnbcn
nur 3wftitnmung bejm. 9licf)tmiberfprud) crforberlid^ ift, beftimmt bcr § 1601
Slbf. 2 in Uebcreinftimmung mit bcn neueren Ocfc^bü^ern (ücrgl. prcu§.
Sl. £. SR. II, 2 § 666; code civil Slrt. 353; fäd^f. ®. ». § 1787) unb ber
3lainx bcd 93crt)ättniffcs entfpred^enb, bag bie Slnna^me an Ainbeöftatt einen
jii)ifd)cn bcm Slnnc^mcnbcn unb bcm Slniunc^mcnben ju fc^licgenbcn 93crtrag
crforbcrt. 2)ic and bem rom. SHcd^te ftammcnbc SSorf^rift bes gemeinen
91cd|tcd, bafe bic Slboption im engeren ©inne fid& burd& Sled^tdgefd^Sft jroifd&en
bem 3nl)abcr ber Dfitcrlid^cn ©eroalt unb bem Slnnc^menbcn ooUjiel^t, §(ingt
mit bcm römifd^rc4|tlid)cn ftarafter ber Slboption unb bcr oäterli^en ©croatt
jufammcn unb Fann t)om ©tanbpunfte bcd @ntrourfcs aud nic^t in ^age
fommcn. Ü)tit SRüdEfid^t barauf, bafe bie »cftimmung be« § 1601 Slbf. 2 Don
bcfonbcrer SBid&tigtcit ift, rocil bas gcUenbc Siedet in biefer Sejiel^ung ium
Xi)t\l auf einem anbcrcn ©tanbpunfte ftc^t unb weit jene 83cftimmung alle
fpätcrcn Scftimmungcn bclierrfd)t, empficijlt cd fid), na^ bcm SBorgange be«
annähme an iiinbcöftatt SWanoct cM. 9lbf6imirfinöc. § 1602. 957
prcufe. 91. S. m. unb bcfi födjf. ®. S. bicfclbc an bic ©pigc bcß SCitcIö über
bic SKnnal^me an Äinbcöftatt ju [teilen. 2)a6 bcr SBcrtrag jroifd^en bem Sin-
nefjtncnbcn unb Slnjunc^menbcn ni^t genügt, fonbern jn beRen SBitffamfeit
indbefonbere nod) bie 93cftätigüng burd^ bas iuftönbige ©erid^t ^injutreteu
mufe, ergicbt bcr § 1617. äbroeld^enb oon bcr ficgitimation bur^ ©^cUd&fcitö-
ertlärung (§ 1592) bc^anbclt aber ber ©ntrourf bie 9Inna^me an Äinbcöftatt
nic^t alö (Snabenfad&c (§ 1618). 3n bicfcr 83ejict|ung wirb auf bie $Kotit>e
JU § 1618 Scjug genommen.
9lud ber SBorfd^rift befi § 1601 Slbf. 2 crgiebt fid^ jugleid), ba§ bem AdopUo
©ntmurfe ein adoptio testamentaria frcmb ift. S)amit ftimmt aud^ bad gettcnbc B.enuri».
Siedet überein. 6ine 9[uönaf)me mad^t jcbo^ baö frauj. Siedet für ben fpcjieUen
im 9lrt. 366 be« code civil bejcid^neten ^aU. 35iefe 9luönal)mc f)ftngt jufammcn
mit bem franj. 3nftitute ber ^flegcRnbfd&aft, ber Utijuläfftgfeit ber 9lboption
SKinberjäiiriger unb ber SBorfd&rift bed franj. 9led^teö, bafe man nur bcnjcnigen
aboptiren fann, roeldöem man mäf)renb feiner SWinberjäfirigfeit roenigftens fed&fi
3a^re fang Untcrftü^ung unb ununterbro^cne Sorgfalt ^at jju 2:f)eil werben
(äffen. 2)a bie 9Iboption TOcfentlid^ auf bie Sebenöjeit bcö ainneljmenben bc^
red^net ift, ber ©ntmurf bie 3^i'äfHo'^it bcrfelben oon bcr aSoUifif)rigteit bcö
9lnjuncl^menben nid^t abhängig mad)t (ocrgl. SSorbemcrfung oben ©. 952),
cbenforoenig von bem ©rforberniffe einer ooraudgefjenben ^Pflege bcö leßtcrcn
(t)ergL 9(n^ang ju §§ 1602—1613 unter 9lr. 7), fo liegt ein Sebürfnife, eine
9Cboption burd& 2:eftament äuäulajfcn, nid^t t)or.
§ 1602.
2)ic öcftimmung bcö § 1602 Saft 1 fte^t mit bem ba^r. 2. 91. I, 5 crforbewiffe.
§ 10 9h:. 2, bem prcufe. 9t. S. 31. II, 2 § 671, bem öfterr. ®. ». § 179, bem ^^^^^
Code civil ^xi. 343 unb bem bab. S. 9t. Saft 343 im gintlangc (t)erg(. aud& fömmiinfll
l^cff. gntro. ni ärt. 64). 9Jad& gemeinem 9ie4|tc wirb bie 9lrrogation, oon
bcfonberen Umftänbcn abgefefien, nid^t bemiDigt, wenn ber 9lnncl)menbc eigene
Äinber ^at. Ob bieg auf alle 9lboptlonen auö jubcl)nen, ift beftrittcn. 3)ad
fäd^f. ®. 83. enthält eine bcfd&räntenbe SSorfc^rift ber ^ier fragli^en 9lrt nid&t,
maß bamit jufammen^ängt, bafe baöfelbc bie 9lnna^mc an Minbeöftatt als
Onabenfa^ie be^anbclt.
pr ben ©ntwurf ift bie (grroägung mafegebenb geruefen, bafe, wenn
bcr 9lnnc^menbe einen el^etid^en 9lbfomm(ing ^at, einerfcitö für eine 9lnna^mc
an Äinbe«ftatt regetmäfeig ein »ebürfnife nld^t oorliegt, anbererfeitö bicfclbc
bie Oefal^r mit ft^ bringt, bafe burA bic 9[ufna^me eincfi fremben Äinbcd
baö ^«uölid^e ®lücf geftört unb bie ©elcgenfieit ju aWifel^eDigfciten jroifd&cti
bem 9tnne^menben unb beffen ef^etid^en 9Ibfommlingen gegeben mirb, ÜRife*
^elligfciten, meldte namentlid^ barau« entftel^en f önncn, ba| bur^ bic 9Inna^me
an Äinbesftatt bie Hoffnungen ber c^elid^en 9lbf5mmlinge in erbrcd^tlid^er
^infidit getäufd&t werben. 9Beiter fäBt in« ©emic^t baö fittlid&e aWomcnt,
bafe bie Bulaffung ber 9lnna^me an ftinbcöftatt in gcmiffen 9lu»nal)mefäUen,
j, ©• menn ber 9Inncl)menbe nur 9lbf5mmlinge mciblidtien ®efd^le(iited ober
958 3tnna6mc an ÄinbeSftatt. SDtanflcl cl&cf. Slbfömmlirgc. § 1602.
nur folc^c 9lbfömmüngc ^at, locfd&c mit Ociftcölranf^cit ober mit anhectn
fd^iDcreu, bie ^ortpflaiijung bcö ©efd^Icd^ted Doroud{td^t(ic^ ^inbemben Stxanh
ijeiteu beI)Qftet ftnb ober TOeld^e ber ^amilie ftc^ unmurbig geieigt ^aben,
leidet ^nla^ geben fönnte^ bie eigenen 9lbf5mm(inge ^intanjufegen. ^ud biefen
©rünben ift cö aud^ ate bebcnflid^ erad^tet, oon bem l^ier fraglid&en (SrforbemiRe
%oUi> Sidpenfalion itiiulaffen. Sine äludna^me l^at ber ©ntmurjf anä) fftr ben ^aD
ertwrunfl. ^.^^ gcmud^t, Wenn ein ef)ü\d)tx ^[blömmling bed Slnne^menbcn jur 3^^* ^^
3lnna^mc an Äinbcöftatt für tobt erflärt mar. ©teilt fic^ fpäter l^erauö, bafe
berfelbe bamold nod^ am fieben gemefen ift^ fo ift mithin bie älnna^me an
Äinbcöftatt nid&tig. ©in Sebürfnig, für biefen gatt on bie 2:obcöerMärung
eine über bie Sßermutl^ung bed § 21 l)inaudge^enbe SBirfung ju fnüpfen^ liegt
nid&t oor unb ift im Sntereffc bed für tobt ®rflärten, ^ingcfe^en auf ben galt
feiner SHütffel^r, bebeuHid^.
NMcitnnui. 2Bie QM bcv ^affung beö § 1602 Safe 1 in aScrbinbung mit bem
©runbfafec beö § 3 fid^ ergiebt, ift aber ein nasciturus fein ^inbcrnife ber
9Innafjme an Äinbcöftatt imb bie fpftter erfolgenbe ©cburt beö Äinbeß auf
bie SBirffamfeit ber Slnna^me an Äinbcöftatt o^ne (Sinflufe. 6in SBebürfnife,
im ^inblicfe auf bie bem Snftitutc ber 9(nnal)me an Äinbcöftatt ju ®runbe
licgenbe ratio ober jum S^^^^ ^^^ SBa^rung fünftiger, namentlich erbred^t«
lieber 3ntereffen beö nasciturus baö 3Sorl&anbenfein eincö folc^en ald ein
^inbernife ber 9lnnal^me an Äinbesftatt ^injuftellen, ift ni^it anjuerfennen,
jumal nac^ § 1606 ein @^egatte nur mit SintoiHigung bcö anberen @I)egatten
an Äinbeöftatt annehmen tann. Sie 93crüdEfic^tigung beö nasciturus in ber
l)ier fraglid^en ^infid^t ift um fo mifelic^er, alö biefelbe, wenn bcmnäd)ft bie
©eburt beö Äinbcö erfolgt, eine ßrmittelung nötfiig ma^en mürbe, ob bie
9lnnabme an Äinbcöftatt in bie ©mpfftngni^jeit fällt, unb alö bie ^llid^tigfeit
einer Slnna^me an Äinbcöftatt roegen ber mit berfelben üerbunbencn roeittragen*
ben aSirfungen aud& im SBcrl^ältniffe ju britten ^erfonen immer mit großen
Uebelftänben oerbunben ift. 2)aö 93orl^anbenfein eineö nasciturus ift aud^ bann
auf bie ©üttigfeit ber 3lnna^me an Äinbcöftatt o^ne ©influfe, mznn ber 5Äns
ne^menbe in biefcr ^infid&t im 3rrtbume gemefen fein foUte, ba ein fold^cr
Srrt^um fic^ nur alö ein Srrt^um im Seroeggrunbe barftcHt (§ 102). ©benfo
mürbe bie ber annähme an Äinbcöftatt etroa beigefügte SJorauöfeftung beö
Jlic^toor^anbenfcinö eineö nasciturus nac^ ben Orunbfafeen beö (Sntrourfeö über
bie Sebeutung einer 93orauöfefeung bie (Sültigfeit ber 9lnnaf|me an Äinbcöftatt
nid^t berühren, eö fei benn, bag bie SSorauöfefeung alö Sebingung auöjulegen
möre, in melc^cm galle bie Slnna^mc an Äinbcöftatt nad^ § 1615 unioirtfam
fein mürbe.
une^eii(^e 'Slaö) § 1602 @afe 1 l^iubcrt nur baö SSorl^anbenfein eineö el)elic^en
**"^*rou"" Stbtommlingeö beö 3lnnel&menben bie 9lnna^me an Äinbcöftatt. 6inc grau,
meldte nur unel^etid^c Äinber ^at, fann mithin mirifam an Äinbcöftatt an*
ncl)mcn. 5)er 3"^^^ ^cr Slnnal^me an Äinbcöftatt 'ge^t gerabe babin, burd^
biefetbe für ben 9lnnel^menben eine fiftioe ebelid^e 9lad^fommenfd^aft ju be«
grünbcn, ^roat ftcllt ber § 1568 bie unebelid&cn Äinber einer grau im
ik'injipc ben cl)clid^cn Äinbern gteid^ unb fann bie 3itt^ffw»^9 ^^^ 3lnna^me
an Äinbcöftatt in bem ^ier in 9lebe fte^enbcn galle ju einer ä3eeinträc^tigung
«nnal^me an Äinbegftatt gWanfiel cljel. abförnmlinoe. § 1602. 959
bcr erbrcd^tlid^cn 3ntcref|cn her unc^clid^cn Äinbci* fül^ren; inbcffen fann
barauf um fo weniger er^eWid^cö ®tmüft gelegt werben, als a\x6) bie bcftefienben
Siedete bie Slnnol^mc an Äinbeöftatt nur beim SBor^anbenfein ef;elid^er 316*
fömmlingc audfctiliefeen (ocrgl. preufe. 31. S. 31. II, 2 § 671 ; öfterr. ®. 93.
§ 179; Code civil 3(rt. 343), unb cß fid^ jubem um fcltcne ^äUe ^onbelt.
Xa% ben efielid^cn Slbfömmtingen übrigens legitimirte 3lbfömmlinge beö seguimirtc
3lnne^menben gleid&fte^en, ergicbt jid^ üon felbft aus bem ^rinjipe, bafe j)^^ *^"'"'"^*"^*'
lefetcren bie rec^tlid^e Stellung c()elid6cr Slbfommlinge l^aben (oergl. §§ 1579,
1582, 1583 3lbi. 2, § 1596 Slbf. 1 ©afe 1),
Sluö bemfelben Ocrid^töpunfte roürbe in ©rmangelung einer befonbercn «««««^w«
SBeftimmung aud^ berjenige nid^t an Äinbeöftatt annehmen fönnen, meld&er genommenen
bereits auf ©runb einer 3[nnalimc an Äinbeöftatt einen Slbfömmting ^at ^'"^«"^
(§ 1601 Slbf. 1, § 1620 3lbf. 1). Siefer Äonfequenj tritt aber bie befonberc
33eftimmung beS § 1602 ©aft 2 entgegen. 2)ie leßtere fteljt im ©inHange mit
bem franj. Dlcd&te (code civil 3irt. 348 Slbf. 3) unb bem ^eff. ©ntro. III
3lrt. 64. 3u bemfelben SHefultate f ü^rt in biefer aSejie^ung baä fäd^f. ®. SB.,
loeld^eö bie Slnna^me an Äinbcöftatt felbft beim SBor^anbenfcin el)etid&er 3lb*
fömmlingc beö Slnne^menben fraft Oefefeeö nid)t auöfd^liefet. S5aö gemeine
SRed^t geftattet bie 3lrrogation aJle^rerer nur ex josta causa (1. 15 § 3 D. de
adopt. 1, 7). 35aö preufe. 31. 2. SR. unb ba^ öfterr. ®. S. entfd^eiben bie
grage nid&t auöbrüdflid^. S)a beibc ©efeßbüd^er oon bem ©runbfaßc auö*
ge^en, bafe ber Slngenommene bie red^tlid^c (Stellung eincö c^elid^en Äinbed
beö 9lnnebmenbcn l^at (preug. 91. S. 91. II, 2 §§ 681, 707; öfterr. ®. 33.
§ 183), fo wirb anjune^mcn fein, bafe nad^ biefen SRed^ten baö $Bor^anbenfein
eineö angenommenen 9lbfömmlingeö eine weitere 3lnna^me an ^iubeöftatt
binbert. gür biefen Icgteren Stanbpuntt fann man anführen baä 3ntercffe
beö 3lngenommenen, beffen auf bie SBerfjältniffe jur 3^it ber 3lnnabme an
Jlinbeöftatt fid^ grünbenbc ®rroartungen, namentlich in erbred^tlidjer 93c*
iiel^ung, burd^ bie 3lnna^mc weiterer Äinbcr gctciufc^t werben fönnen, ferner
bie ®efal)r, ba^ bnx6) bie 9lnna^mc rociterer Äinber ber ^äuölid^e ^rieben
geftört unb SBeranlaffung ju aWife^elligfeiten jioifd^en ben Slboptiogefd&roiftern
gegeben wirb, jumal bicfclben burdf) ein natürlid^cö 33anb nic^t oerbunben
finb, enblid^ ben Umftanb, bafe bem Mangel ebelid^er $Rad)fommenfd^aft burd^
bie erfte Slboption regelmäßig bereitö abgeholfen ift, Ueberroicgenbc ©rünbc
fprcd^cn inbeffen für bie Seftimmung beö § 1602 Saß 2. ©in JRed&t auf ben
Sluöfd&lufe meitercr Slboptioncn ^at ber 9lngenommene burd^ bie 3lnnabme an
Äinbeöftatt nid^t erworben. ®nttäufd^ungcn, roeld&c ju aWife^clligfeiten unb
jur Störung beö l^äuöUd^en gricbenö aSeranlaffung geben fönnten, fmb in
ber SRcgel nid&t ju beforgen, ba bie meiften 9lboptionen in ber Äinbl^cit beö
3lngenommcncn erfolgen. 3lnbererfeitö wirb burd& bie S^^löffung roeiterer
Slboptioncn ber SBortlieil crreid^t, baß fold^c ^erfonen, roeldöe in ber Sage
finb, mehrere Jlinber annehmen ju fönnen, nidit gel^inbert werben, aud^ nod&
anberen Äinbcrn bie SBo^lttiat ber Slboption angcbeilien ju laffen. Slußerbcm
fommt in Setrod^t, bafe In mand&en gällen, j. S5. wenn baö juerji angc*
nommene Äinb miferat^en ober in Slöbfinn verfallen ift, ein Scbürfnife jur
Slnna^mc nod^ anberer ftinber fi6) nid^t beftreiten lägt.
960 annojme an Äinbcßftatt. aitcr ber SSct^eiligtcn. §§ 1603, 1604.
§ 1603.
aifcr bes <j)ie Scftimmung beß § 1603 Slbf. 1 beruht öuf ber ©noägung, bafe bie
neftmwben. Slima^mc QH Äinbcöftütt tiut ein fubftbiärcß aJlittcI fein foU, ein ©(term unb
ÄinbeöocrEiQttnife ju begrünben. Solange biefcr 3"^^^ ^^öd^ auf bem SGBegc
ber elielic^en B^wflung erreid^t werben fann, liegt nid^t nur lein Sebürfnife
für bic Slnnal^me an Äinbcöftatt oor, fonbern ift aud^ beren 3iid^tju(a||ung im
Snlcreffe ber Scförbcrung ber ®^en ratf)fam. 9(Iß Sebenßgrenjc bejcid[)net ber
§ 1603 2lbf. 1 ia& jurüdfgclcgte fünfäigftc Sebenßia^r, baoon außgel^cnb, ba§
in biefem Sllter bic 3cugungßfraft, rotnn aud6 nid^t aufgehoben, bod) ge^
fcf)roäd&t unb bie ffial^rfc^einlic^feit ber ©rjietung eigener Äinber auf bem 3Begc
ber cfielid)en 3^wgung geringer geworben ift. ®emeinredE|ttid& entfc^eibct bei
9lrrogationen boß fed&jigfte Scbenßial^r. Ob bicß auf alle 9lrten oon Slboptionen
außäubelinen, ift beftritten. 3luc^ baß bai)r. £. 31. 1, 5 § 10 9ir. 3, § 11 fteHt,
unb jroar für alle Slrten oou Slboptionen, bie 3^^ö^f^9W»ö beß fc^iigften
Sebenßjalireß alß SBoraußfegung l^in. ®ß empfiel^lt fid^ jebod^, inßbefonbere um
bic 3ö^l ber 35ißpenfationßgefu^e ju ocrminbern, auf baß fünfjigftc Sebenß*
jal^r l^cruntcräugel^cn. ©er ©ntrourf folgt in biefer ^infic^t ber SWe^rja^l ber
neueren ©efc^gcbungen (oergl. preufe. 21. 2. 9?. n, 2 § 668; öftere ®. S3. § 180;
Code civil 3lrt. 343; fäd^f. ®. 93. § 1791; ^eff. ©ntn). III Slrt. 64).
DtspenfQtion. Um bic Sluna^mc an Äinbcßftatt aud^ für fold^c im SBorauß nid&t
ju überfel^enbc gälle ju crmoglidlien, in roetd&en ber 9lnncf|mcnbc iroar baß
fünfjigftc ficbcnßial^r nod6 nid^t jurüdfgelegt liat, nad^ bcn inbioibucllcn 33er«
f)ältnijfen beßfelben aber anjune^men ift, bafe berfelbe leiblid^e Jlinber nid^t
mcl}r erjietcn merbc, erflärt ber § 1603 Slbf. 2 3)ißpenfation üon bem im
§ 1603 Slbf. 1 aufgeftelltcn erforberniffe für juläffig (oergl. 1. 15 § 2 D. de
adopt. 1, 7; bat)r. S. 31. I, 5 § 10 5«r. 2, § 11; preufe. 31. 2. % II, 2 § 669,
fäd^f. 0. 33. § 1791 ; ^eff. entro. III Slrt 65). 5Daß preufe. 31. 2. 5R. fnüpft
bie 3ulöffigteit ber 2)ißpenfation an bic SSoraußfeßung, bafe nad^ bem förper^
lid^cn ober ©cfunbfieitöjuftanbc beß Slnnc^mcnben bie ©rjeugung natürlirf)cr
ftinber burc^ il)n nid)t ju oermut^en ift. Slbgcfeficn baoon, bafe biefc SSor^
außfeßung iebcnfalls ju eng gefaxt fein mürbe, ba bie' SBafirfd^cinlid^fcit, bafe
ber 3lnnel)menbc nod^ natürlicf)c Stinber erjiclen mcrbe, au^ bur^ anberc
perfonlidt)c 93er^ättniffe,,alß bie f5rpertid)c 33ef^affcnl^cit beßfelben außgefd&loifcn
fein fann, ift cß nad^ bem SSorgange beß fäd^f. ®. 93. überhaupt alß bebcnflic^
erachtet, ber Slußübung cincß Onabcnrcd^teß berartigc ©d)ranfen ju fegen.
3^agegen erfd^eint cß alß angemeffen, eine 3)ißpenfation nur im §alle ber
aSolljälirigfcit beß Slnncl^menben jujulaffen, ba, roenngleid& nad^ § 1233 aud^
ein SWinberjä^riger eine ®f)e fd^liefeen fann, bod^ ein 93ebürfni6, einem SKinbcr«
iä^rigen bic Slnnabmc an Hinbeßftatt ju gcftatten, in feinem galle an^
fiuerfennen ift.
§ 1604.
smttÜ.', ®^^ P^^fe- ^- ^' ^- ^^' 2 § ^^"^ verlangt nur, bafe ber 3Cnjuttel^menbc
jünger fei, alß ber Slnncl^mcnbe, roä^renb baß gemeine Siedet, boß ofterr. ®. 93.
§ 180 unb baß fäd^f. ®. 33. § 1791 eine Slltcrßbifferenj t)on ad^tje^n, baß
btfferen).
STnit. an Äinbcöflatt. Dtöpenfalicn. einttJimGunöbc8@6eöattcn. §§1605, 1606. 961
froiij. SRcd^t — abgcfcl^en von bctn gallc bcr ficbcnörcttung, in rocld^cm genügen
foll, bafe ber 3lnne^mcnbe älter ift als ber 9lnjuncl^menbe — (code civil
airt. 343, 345) unb ber ^eR. ©ntn). III 3lrt. 68 eine Saitcröbifferenj von fünf^
je^n Satiren üorauöfeften.
3lQd& bem (Srunbfa^c, bafe ba& fünftlid^ gefrf)affene Sinbeöoerljättnii
bem natürlidien moglid^ft cntfpred^en unb ein mögtid^ft inniges werben foll,
foroie mit Slüctfid^t auf ble erforberlid^e ettcrlidöc Slutorität, mufe ber Unter*
fc^ieb bes 2llterö ein fold^er fein, bafe ber 3lngenommenc bem älter nad^ ein
e^elid^eö Äinb beö Sfnnc^menben fein fonntc. SJemgemäfe mürbe an fidfi bie
©ifferenj jroifci^en bem 9llter beö 9lnne^menben unb 9lnjunefimenbcn in einem
bem 3lÜer ber ®^emünbigfeit auf ©eitcn beö 9lnnel^menben (§ 1233) unter
ißinjured^nung ber ©mpfängnifejeit (§ 1467) entfprcd^enben 3^itraume befte{)en
müjfen. 3m Slnfd^tuffe an bie aWel^rjaf)! ber SRed^te I|at jebod^ ber ®ntrourf
im Sntereffe ber ©infad^^eit beö SRet^teö für Scanner wie für grauen biefelbe
älteröbiffercnj von ad^tje^n Sauren alö Siegel aufgcftcHt, jumal nad^ § 1233
auf Orunb einer 2)iöpenfation aud^ aWänner fd^on mit ad^tje^n 3a^ren e^e*
münbig fein fönnen. ÜWit bem preufe. Stt. S. dt. ju beftimmen, bafe eö genügt,
wenn ber Slnnel^menbe älter alö ber 9lnjuncf)menbc ift, crfc^eint bebcnflid^,
wenn man bie Sttnna^me an ftinbeöftatt nid^t als Onabenfad^e bc^anbett. 3n a^iapenfotton.
Uebereinftimmung mit bem fäd^f. ®. SB. § 1791 unb bem fieff. ©ntio. m 3Irt. 68
erftärt inbeffen ber ©ntmurf ©iöpenfation oon bem im § 1604 9lbf. 1 be*
ftimmtcn ©rforberniffe für juläffig, um bie 5lnna^me an Äinbeöftatt aud^ in
fold^en gälten ju ermoglid^en, in meldten bcr gefefeUd^e ailteröunterfd^ieb nid^t
Dor^anben, bie ^Inna^me an ftinbeöftatt aber ben Umftänben nad^ münfd^enö*
mcrt^ unb angemeffen ift.
§ 1605.
®ic aSorfc^riften beö § 1605 fd^tiefeen fid^ ben analogen Seftimmungen 3«ftÄnWflfeit
beö § 1244 an. »lÄation.
§ 1606.
2Benngteid& eö baö SWatürlic^ere ift, bafe bei finberlofer ®f|c, mcnn eine ««»taiauno
5lnnal^me an Äinbeöftatt beabfid)tigt wirb, biefe von beibcn ©Regatten ge? ^^^J? «Jl**"
meinfam erfolgt, fo fann boc^ bie 3lnna^me eineö Äinbeö burc^ einen ber 6l)e* «c^menben.
gatten allein nic^t unbebingt anögefc^loffen werben, ba möglic^ermcifc nur ber
eine g^cgattc red^tlid^ in bcr Sage ift, an ftinbeöftatt annehmen ju (önnen,
i. 33. romn ber anbcre ©begatte ein ftinb auö früherer 6f|e ^at (oergl. aud^
preufe. 21. 2. 5H. II, 2 §§ 675, 676; code civil Slrt. 344; fäd^f. ®. 93. § 1795).
9ladb bem 33organge beö code civil unb beö fäd&f. ®. 93. (t)crgl. ferner t)efj.
entm. III Slrt. 67; ital. ®. 93. Slrt. 208; jür. ®. 93. § 208) bcftimmt aber
ber § 1606, bafe ein ®f)egattc ol&ne bie ©inmilligung beö anberen ©l^egatten
nid&t an Hinbeöftatt annefimen fann (t)crgt. ieboc^ § 1611). ®ö entfprid^t
biefe 93cftimmung bem SBefen unb bem ®runbgebanfen ber 6^e. 93ei bem
na^en SJer^ältniffe, in roeld^eö ber Slngenommene ju bem Slnne^menben tritt,
SRoHm t. »UrgerL Oefe^bu^. IV. Gl
962 9lnna5mc an 5ttnbcöftatt. 9Iim. cineö anbcrtrcit 9(nöenommcncn. § 1607.
wirb im gntte ber 2lnnaf|mc eines Äinbcö burcli einen ber Sljegatten baö
SSerJ^öItnife beö in bcrfelben gamiüengemcinfd&aft lebcnben anbeten ©Regatten
t^atfäddlid^ unmittelbar beriifirt, fo i>a^ eine Störung beö c^elid^en griebcnö ju
beforgen ift, roenn ol)ne SinroiUigung beö anberen ®^egatten ein ftinb in bie
©emeinfd^aft aufgenommen mirb (Dcrgl. aud^ § 1587). 33on biefen ÖJefid^tö«
punften aus ift eö nid^t gered^tfertigt, nad& bem SSorbilbe beö preufe. 91. S. SR.
II, 2 §§ 675, 676 nur bie 3lnna{)me an Äinbeäftatt Don Seiten ber ®^C'
frau an bie ©inmiHigung beö ß^emanneö, nid^t aber umgefe^rt oud^ bie Slm
nal^me an Äinbcöftatt üon Seiten beö ®^emanneö an bie ©inroiUigung ber
ßl^efrau ju binbcn.
§ 1607.
annähme 9luö bem 5ßrinjipc beö § 1601 2lbf. 1 fönnte in ©rmangelung einer
"JJ^ ei*"Jj" entgegenftel^enben befonberen Söeftimmung abgeleitet werben, bafe ber Slm
Mnberen an. genommene audt) üor Sluf^ebung beö burdö ^^^ Slnna^me an Jiinbeöftatt be*
^*"Äi!lbe*r" grünbeten SSer^ättnifleö (§ 1629) oon einem 9lnberen, audE) mtnn biefer nid^t
ber ®£iegatte beö 3lnne]^menben fei, an Äinbeöftatt angenommen werben fönnc
unb bafe in einem fold^en galle cbenfomenig, mie burd^ bie erfte ännal^me an
Slinbcöftatt bie red&tlid^en Sejie^ungen jmifc^en bem eingenommenen unb feinet
natürlid^en gamilie (§ 1625), burd^ bie jrocite Slnna^me an Einbeöftatt bie
red^tlid^en Sejiel^ungen jroifd&en bem 9lngenommenen unb bem erften 2(m
nel^menbcn t)öUig geloft mürben, fonbern baö burd& bie erfte Slnnal^me an
i^inbeöftatt begrünbete ®Itern^ unb Äinbeöoeri^ältnife infomeit befte^en bleibe,
alö trofe ber erften 2lnnal|me an Äinbeöftatt ba^ Söer^ältnife äwifd^cn bem Sin*
genommenen unb beffen natürlid^en gamitie beftel^en bleibe. Sfficnn nad^ röm.
Sted^tc burd^ eine weitere üoUfommene 9lboption jebe 3Birfung ber erften
3lboption gänjtid^ befeitigt wirb, fo f)ängt bieö bamit jufammen, bafe nad^
röm. SRec^te bie öoUfommenc 3lboption mefentlid^ Segrünbung ber DÖtcrlid^en
©eroalt unb ber baburd^ oermittelten Siedete ber 9lgnatfd&aft ift, biefe SBirfung
aber burd) eine neue üoUtommene Slboption J^inroegfaDen mufete. Snbeffen
aud^ üom Stanbpunfte beö ©ntmurfeö auö fpred^en überroiegenbe ©rünbe, inö«
befonbere bie SÄüdEfid^t auf bie fünfttid^e Orunblage beö burdö bie Slnna^me an
ftinbeöftatt begrünbeten 33crf)ältnijfeö, bafür, in 3lnfef)ung beö angenommenen,
folange baö alte burd& bie ^[nnafime an Äinbeöftatt begrünbete SBerljättnife nod^
beftel^t, bie Segrünbung eineö neuen 3lboptionöoerl^ättniffeö, burd) meld^eö berfelbe
juglcid^ ju einem ©ritten in baö SScrfjättnife eineö angenommenen Äinbeö tritt,
für unjutäffig jU crflären, jumat eö an einem praftifd^en Sebürfniffe fcl^tt, ein
fo fünftlid&eö unb fomplijirteö aSerfjältnife ju geftatten. 3lnberö liegt jebod^
bie Sad^e in bem gaDe, in meld^em ber Slngenommene nad&träglid^ aud^ t)on
bem ©liegatten beö 9lnne^menben an Äinbeöftatt angenommen werben foD. 3n
einem fotd^en ^alle entfielet nad& SKafegabe beö § 1621 wie in bem gaHe,
wenn ®l^egatten eine 5ßerfon alö gemeinfd^aftlid)eö Äinb anncl^men (§ 1608),
ein natürlid^eö SSerl^ältnife unb lann aud^ für jenen %aU baö 93cbürfni6 ber
gulajfung einer weiteren Slnna^me an Äinbeöftatt nid^t beftritten werben.
9lnna]6me als öemeinfcßaftlid&c« Äinb 2C. §§ 1608, 1609. 963
§ 1608.
Safe ®f)cflattcn eine 5ßerfon als gemeinfdiaftUdEieö Äinb annel^nic^ fönnen annähme Qid
<üergt. § 161), entfpricftt ben natürlichen SSerpttniffen unb fte^t mit bem Qt^ a^ÄtJ'
meinen Siedete unb ben neueren ©efefegebungen im ®inftange (üergl. preufe.
31. 2. 31. II, 2 § 687; code civil Slrt. 344; fäd^f. ©. 93. § 1792). Gö ift bieö
ein ißauptfall, in meld)em Don bem Snftitute ber Slnnal^me an Äinbeöftatt
praftifd^ (SebraudE) gemad)t wirb.
^[nbererfeitö folgt auö bem ©rnnbfafee, bafe ba^ hnxä) bie Slnnal^mc on
^inbeßftatt ju begrünbenbe SSerljaltnife ber 9latur nad^gebtlbet werben foU, bafe
Ttur ©Regatten eine ^erfon als gemeinfd^aftlid^eö Äinb annelimen fönnen; benn
tlliemanb fann baä cJ^elid^e Äinb meljrerer 5ßerfonen fein, fofern bie lefeteren
nid^t mitcinanber in ber Slje leben ober gelebt l^aben. 3^^^^ würbe aud^ bie
©d&roierigfeit fid& ergeben, mie bie aus bem ©ttern^ nnb Äinbeöt)erl)ältniife ent«
fpringenben SHec^te unb ^jSflid^ten unter bie t)erfd6iebenen 5ßerfonen üertl^eilt
werben foDen, eine Sd^roierigfeit, weld^c in bem galle, wenn ©Regatten eine
?ßerfon als gemeinfd&aftlid^eö Äinb annel^tnen, nicf)t entfte^t (t)ergl. § 1621).
9Rit bem ©ntrourfe ftimmen in biefer ^infidjt baö franj. SRed^t (code civil
mrt. 344), baß fäd^f. ®. 33. § 1792 unb ber fieff. ©ntm. III 3Irt. 68 überein,
roä^renb baö preufe. 91. S. SR. unb baö öfterr. ®. 33. auöbrüdflid&e Seftimmungen
inforoeit nid^t enthalten.
§ 1609.
Safe ©l^egatten gemeinsam oon berfelben 5|}erfon angenommen werben annähme
fonnen, oerfte^t fid& in Ermangelung einer entgegenftcl^enben 33eftimmung oon a^alun.
fclbft. 3la6) franj. SRed^te .ift eö allerbingö beftritten, ob ©Regatten oon ber*
felbcn $erfon angenommen werben fonnen. 35icfe Streitfrage ift inbeffen nur
burd^ bie befonbere 33orfd^rift beö code civil Slrt. 348 ^eroorgerufen, ia^ bie
®^c jwifd^cn SlboptiDfinbcm berfelben 5ßerfon verboten ift. SSom ©tanbpunfte
beö ©ntwurfeö auö (ocrgl. § 1240) fonn biefe Streitfrage nid^t entfte^en.
©ine anberc grage ift, ob beftimmt werben foB, bafe ein ®^egatte nur cmwiniflunfl
mit ©inwilligung beö anberen ©Regatten an Äinbeöftatt foU angenommen werben ^\aTn!^^
fonnen. Soweit nad^ bem geltenben JRec^te eine S^efrau alö folcf)e in ber 8»"^'««"*>«"-
Oefd^äftöfäliigfeit befd^ränJt ift, fann bicfclbe auö biefem Orunbe o^ne ©in*
wiDügung beö ©l^emanneö aud^ nid^t angenommen werben, ba bie Slnnal^me an
iitinbeöftatt ein SRed)tögefd&äft ift (ocrgl. fädbf. ®. 33. §§ 1638, 1795; l^eff. ©ntw.
II Slrt. 69 nebft ü)iotioen ju III S. 187). Db nad6 franj. SRed^te nur bie
^^efrau ber ©inwilligung beö @l)emanneö ober auc^ ber legtere ber ©inwilligung
ber ©^efrau bebarf, ift beftritten. 3m ital. ®. 33. Slrt. 208 ift bie Streitfrage
im legtercn Sinne entfd&ieben. 35a nad^ bem ©ntwurfe bie ©(lefrau alö foldie
in ber (Sefd^äftöfäl^igfeit nid&t befd^ränft ift, fo bebarf nad& allgemeinen ®runb*
fögcn fie fo wenig ber ©inwilligung beö ©^cmanneö, alö ber lefttere ber ©in*
willigung ber ©^efrau, um an ftinbeöftatt angenommen ju werben. S^^^if^l*
I)aft fann fein, ob eö nid^t b^n SSorjug oerbienen würbe, in biefer 8e^
^ie^ung eö bei ben allgemeinen ©runbfäßcn ju beladen, ba bie 33eftimmung beö
§ 1609 wenigftenö infoweit, alö nad^ berfelben ber Seemann nur mit ©in*
61*
964 ^nmlmc an Äinbtöftatt. eimviaiguno bec Sftrm. § 1610.
iDilligung ber S^efrou an ^tnbedftatt angenommen merben fann, gegenüber bem
gettenben Siedete allcrbingd ate eine Steuerung fid^ barftellt unb ber Seemann
aud^ fonft ju ben feine perföntid^en JBer^ältniRe betreffenben 3leci^tö^anblungcn
im älDgemeinen ber @inn)iUigung ber S^efrau nic^t bebarf. ^ür bte 99e^
ftimmung beö § 1609 (üergf. baneben § 1611) fällt inbcffen entfc^eibenb ber
©efld^töpunft ins ©eroid^t, baft eö mit ber Snnigfeit ber burd^ bie @^c bc^
grünbeten Sebenfigemeinfd^aft nid^t vereinbar ift unb bem (Seifte ber §§ 1272^
1273 nid^t entfprid^t^ menn ein @^egatte o^ne bic ßinmilligung bed anberen
^^egatten fic^ an jiinbedftatt annehmen [ögt unb baburc^ oieI(eid)t eine t)5Uige^
aud^ auf bie pcrföntid^en SBer^ältniffe beö anberen ©Regatten jurücfwirfenbe
aienberung feiner fiebenöüer^ältnijfe unb feiner pcrfönlic^en Sejie^ungen ^eroor-
ruft. 6d ift JU beforgen, ba% bie ^äuölid^e ©intrac^t unb ber et^efic^e gricbea
baburd^ gefäf)rbet mirb.
§ 1610.
eiitiDiniflunfl S)a burdi ben Uebertritt beö Rinbeß in eine anbere gamifie im SBcge
*^''%*J7*^*ber Srnna^me an Äinbeöftatt beibe eitern gleid^mä&ig in i^rcn perfönlic^en
june^menbc«, SBejiefiungen ju bem Äinbe auf ba% 3;ieffte berührt rocrben, fo ift eö geredet*
fertigt, — abmeic^enb oom gemeinen SRed^te — ju ber 3lnna^me an Äinbeö*
ftatt, oorbcfialtlid^ ber Seftimmung beö § 1611 ©og 1, bie ©inmilligung ber
©Itern ofö fold^er unb groar nid^t nur bie beö SBaterö (prcufe. ST. 2. SR. II, 2
§ 679) ober nur in (Srmangelung beö 93oterö bie ber 3)tutter (ofterr. ®. 8.
§ 181), fonbern nad^ bem 93orbilbe beö code civil Slrt. 346 unb beö fäd^f.
O. 33. § 1793 (oergl. ferner ^eff. ©ntm. III Slrt. 69) bic einroiUigung foroo^l
beö 93aterö alö ber ülutter ju crforbern. @ö mürbe eine grofee ^ärtc gegen
bie 3)2utter fein, menn ber SSoter if)r auf bem SBege ber 9lboption baö ftinb
t^atfäd^Ud() entiiel)en unb fie baburd^ il)rer @(temred^te über baö Rinb berauben
tonnte (oergl. § 1626). S)ic Slnafogic ber für bie (Sl^efd^liefeung gegebenen
Syorfd^riften beö § 1238 3lbf. 1 ©ag 1 fann in ber f|ier fraglid^en SejicI^unft
alö jutreffenb nic^t anertannt merben, ba bic e^efd^ließung nur ein in bem
natürlid^en entmidfetungögange beö Sebenö beö Äinbeö licgenbeö ©reignife ift,
mä^renb ber Sluötritt beö Äinbeö auö ber gamilie burd^ atnna^me an Äinbcö*
ftatt ganj aufeerfialb beö regelmäßigen SScrIaufeö ber 3)ingc liegt, unb bo
überbieö bie 3lboption beö Äinbeö auf baö perfonlid^e 35erl|ältni§ beöfelben ju
ben ©Itern, inöbefonberc bei ©ol^nen, f)äufig roeit einfc^ncibenber einmirtt, ate
bie G^efc^Uefeung, unb in oielen gällen baö Äinb ben ©Item ganj entfrcmbet.
2luf ber anberen ©eitc crfd)cint eö aber alö angcmeffen, nad^ 9lnatogic bcft
§ 1238 2lbf. 1 ©aft 1 unb im SKnfd^luffe an baö franj. Wed^t (code civü
Slrt. 346) bic ©inmilligung ber ©ttern nur folange ju crforbern, alö baö Äinb
baö fünfunbjmanjigfte Sebenöial)r nod^ nid^t jurüdgclcgt ^at @ö laffcn fic^
allerbingö geroid^tige (Srünbe, inöbefonberc bic JRücffid^t auf bic ^JJietät gcgea
bic ©Itern unb ber ©efid^töpunft, ba§ bie 9lnna^me an Äinbeöftatt ein fünft*
Iidt)eö S^ftitut ift, roä^renb bic ef)efd)tic6ung beö Äinbeö bem natürlid^en Saufe
ber 5Dinge cntfprid)t, bafür anführen, bic 9lotl)mcnbigfcit ber elterlichen ©in«
TOiUigung ju ber 3lnnaf)me an Äinbeöftatt nic^t, mie bei ber ß^cfc^licftung,.
annalfemc an Äinbegftatt. Sob 2C. beö Stn»illiöunööbere(]6tigtcn. §1611. 965
ouf bic gebod^tc ^tiiQxtnit ju befd&ränfcn, fonbcm mä) bem Sßorbilbc Dcr^
fci^icbcncr ©cfcfebüd^icr (oergt. prcufe. 91. S. SR. II, 2 § 679 ; fäd^f. ©. 33. § 1793)
für bic Scbcnöjcit bcr ßltern oorjufci^reibcn. (Segen eine bcrartige 93orfd)rift
fällt inbcffcn entfd^cibenb inö ©croid&t, bo§ baburd^ ju tief in bie ©clbftänbigs
feit unb bic inbioibueUe grei^eit bcö DoBiö^rigen Äinbeö eingegriffen werben
loürbe. Slnbcrerfcitö ift eö iebod^ bebcnfli(^, nad^ crreidöter SBoIIJä^rigfeit bcö
JElinbeö oon bcr ©inmilligung bcr SItern ganj abjufe^en, ba, abgefel^cn Don
ben SlüdEfid^tcn ber ?ßietät gegen bie (SItern, bafi Äinb alöbann auf bem SBege
ber Slboption ben ®Itern boö benfclben naä) § 1238 bis jum jurüdfgelegten
fünfunbjroanjigftcn Scbcnöla^re bcö Äinbcö jufte^enbe SRcd^t bcr ©inroilligung
jur ß^cfc^Iic^ung bcöfelbcn entiie^cn fonnte (oergl. § 1239). Unter biefen
Umftänbcn erfd^eint bie 33eftimmung bcö § 1610 2lbf. 2 alö eine angemeffene
3lußgleidE)ung bcr ücrfd&icbcnen ^ntcrcffcn.
2)afe bei ber Slnnafimc eines unc^elid^en Äinbeö an Äinbeöftatt bie ©in« }^ ^r^,
töiHigung bcr SKutter bcö Äinbcö erforbcrlid^ ift, cntfprid^t bem ^rinjipe bcö feiwerfwnmg
§ 1568 (t)crgt. auä) § 1238 3lbf. 1 ©aß 1). 5Diefcr einmiUigung bebarf cö ^^^|"^*J**"
auä) bann, menn baö unef)elid^e Äinb burd) ®I|cUd^fcitderfIärung legitimirt ift.
©in genügenber ®runb, in biefem galle, wie in bem %aUc bcr ©^cfc^Uefeung
(§ 1238 9lbf. 1 Safe 2), oon ber ©inroilligung ber SKutter abjufcl^en, liegt
nic^t Dor, ba eö fi(| ^icr um ein nur au8nol^mfiu)cife eintretenbcö fünfttid^eö
SBcr^ältnife fianbelt. ©incß befonbercn 3luöbrudfcö, ba& aud^ im galle ber
9lnnal^mc eines burd^ @^elid&fcitderflärung legitimirten Einbes bie ©inroilligung
ber aWutter crforberlic^ ift, bebarf eö nid^t, ba baö Kinb trog ber ©ficlid^fcitö'
erflärung nid^t aufbort, ein unef)c(id&eö Äinb ju fein unb nac^ § 1596 Stbf. 2
burd^ bie 6^etid(|fcitöerMorung, fomeit nid^t auö bem ©cfcfec ein 9tnbcrcö fid^
ergiebt, bic Siedete unb ^Pflid^tcn nid&t bcrüf)rt roerben, meldte jroifd^cn bem
fiinbe unb beffen SBcrmanbtcn in golge ber SBcrroanbtfd^aft befte^en. 3)a§
neben bcr ©inroiDigung bcr aWutter aud& bic bcö SBatcrö bcö legitimirten
Äinbcö crforbcrtid^ ift, ergiebt fid^ auö § 1610 2lbf. 1 in Sßcrbinbung mit
§ 1583 mf . 2.
UnbebenHid^ unb burd^ Wüdfid^tcn praftifd&cr 3roe(fmä§igfeit geboten ift ^^„^ioft
cö, bic ©inroilligung ber ©Itcrn nid^t für crforbcrlid^ ju crflärcn, vocnn bcr be« gamuten.
gamilicnftanb bcö Äinbeö nid^t ju ermitteln ift (§ 1610 2Ibf. 2). D^nc biefc ^""*^*-
S3cftimmung mürbe in mand(icn gällen eine an fxd) TOÜnfd^cnöroert^c SKnna^mc
eincö Äinbeö, namcntlid^ eineö ginbcitinbcö, unterbleiben muffen ober bod^ nur
mit bcr ©cfo^r bcr Slid^tigfcit vorgenommen mcrben fönncn.
§ 1611.
5Dic Seftimmung bcö § 1611 ©a| 1, bafe bic in ben §§ 1606, 1609, «ob «.^
1610 t)orgcfd^ricbcne ©inmilligung eincö Stritten außer im gallc bcö SCobeö bcö wiaigunaö.
festeren aud^ bann nid^t crforbcrlid^ fein foU, menn ber ©ritte für tobt crtlärt ^'e**t9ten.
ift, bcrul^t auf ä^nlid^cn ©rroägungcn, mic bic SBorfd^rift bcö § 1587 ©a| 2.
®ic SBorfd&rift bcö § 1611 ©afe 2 ftcUt ber ©inroiHigung bcö SDritten, ««-
b. ff. bcr vox bem Sttfc^tujfc bcö SBcrtragcö über bic Annahme an Äinbcöftatt "*^«*««"«-
erfolgten gi^fttw^w^i^^fl ^^^ 35rittcn (t)crgt. § 127 3lbf. 1), auö prattifd(icn
968 9(nna5uie an Äiitbeöftatt. Qtn^ano. (§§ 1602—1611.)
feit bcr Slnnatimc an ftinbcöftatt fc^ticfelid^ jur (gingcl^ung bcr 6^c ocrantaRcn
fann. SnfaeRcn bcrartige S^ftönbe, töeld&c bic Sßorauöfcßung bcr bcicic^nctcn
®efa^r bilben, befielen in ©cutfd^Ianb nur auönoi^mömcifc unb finb anä) für
bic B^fwnft nic^t ju bcforgcn.
3rocifelt)aft fann eö aOerbingö fein, ob anä) einer grau geftattet fein foU,
if)r unc^elid)cö Äinb an Kinbcöftatt anjuncfimcn. SWan fann einroenben, bafe
es bem Sffiefen ber Slnnafimc an Äinbeöftatt juroiber fei, wenn iroifd^en bem
une^elid^cn Äinbe unb beffen äßuttcr neben bem natürlid^en, rec^tlid^ om
erfannten (gltem- unb ftinbcöoerl^ältniffe (§ 1568) jugteid^ ein fünftlid&es bcr-
artiges SBerljältnife begrünbet werbe, unb ba§ bic S^loffung bcr Slboption
eines une^elid&en Äinbeö burd^i beffen SRutter ber le|tcren bic OKögtic^feit
geroäf)re, ol^nc bie befonberen SBorauöfclungen ber alö @nabenfad)e fid^ bar-
ftellcnben ©^clid^fcitdcrflärung il^rem Äinbe bic rcd^tlid^e Stellung eincö cJ^e-
liefen Äinbeö ju oerfd&affen. SlHcin auf ber anberen Seite fommt in S3etrad)t,
ba^ eine fold^e 2lboption unter Umftänben forool^I im 3fntereffc bcö Äinbeö
als auä) ber SKutter felbft liegt unb als ein angemcffener ©rfaß für ben naä)
bem (gntrourfe ber Sßuttcr oerfc^IoSfenen 9Beg bcr ©^clid^fcitserflärung
crfdjcint, insbefonbere um bcöroincn, roeil bie Slboption in geeigneten gällcn
bas ajlittcl bietet, ber SWutter bie eltcrlid^e (Seroalt über i^r unel)efi(^es Hinb
JU tJcrfd^affcn. S)a bie 3lboption bes minbcrjäfirigen Äinbes nad^ bem § 6,5
Slbf. 3 unb bem § 1613 an bie ©inroilligung beß gcfcfelid&en aSertreterS bcs
Äinbeö unb an bie ©cncl^migung bes Sßormunbfd^aftsgeric^tcS gebunben ift,
fo ift aud) feine ©cfa^r für bas Äinb ju bcforgcn. ©benforoenig ift ju bc*
fürd^tcn, bafe bie S^^Ioffung berartiger Slboptioncn bie öffcntlid^c Drbnung,
insbefonbere baS SKnfe^en bcr ®\)t, becintrSd^tigen werbe, jumal nad& § 1603
aud) eine grau uor jurüdEgcIegtcm fünfjigften Scbeitsja^re nur auf Onmb
ert^eilter S)ispcnfation an Äinbesftatt anncl^men fann.
aBieber(>oite 6. 5Rad^ röm. unb gemeinem Siedete fann ber 3[ngenommcne nad^ feinem
«nna^me. gjustrittc aus bcr gamilie bes SlboptioüaterS ton bem lefetcren nid^t jum
jrociten SKate an Äinbcsftatt angenommen roerben. 2)urd^ bicfcs aSerbot foU
ein l^äufiger, bem SBefen bes S^ftitutcs juroiberlaufenber SBed^fel ber gamilie
ücrmicben roerben, ein SBec^fct, roeld^cr naä) rom. Siedete um fo leidster t)or*
fommcn fonntc, olS bie 9luf^cbung bcs Sßcrl^ältniffeS burd& ®manjipation,
rocnnglcic^ Icgtcrc nad^ ber fierrfd^cnben aWeinung nid^t gegen bcn SBillen bcS
^Angenommenen erfolgen fann, boc^ nur ben 5Rid^troibcrfprud& bcsfclben vov^
ausfegt. 3laä) bem SSorgange bcr neueren ®cfe|gcbungcn l^at ber ©ntrourf
mit 9lüdfic^t auf bie Seltenheit ber ^ier in SRebe ftcl^enben gäUe bie 9luf*
na^me jenes SSerbotcS nid^t als burd^ ein Sebürfnife geboten erad^tct.
Ablauf einer 7. 9lad^ frauj. SRcd^tc (code civil 9lrt. 345) fonn nur bcrjcnige aboptirt
^rüfungsjeit. ^^^^^^^ mcld^cm mö^rcnb feiner aKinbcriäl^rigfcit pon Seiten bcs 3lnnc^mcnbcn
roenigftens fed^s Satire lang Untcrftüfeung unb ununtcrbrod&ene Sorgfalt ju
3^^eil geroorben ift ober rocldicr bem SKnncl^menbcn in einer Scbenßgcfa^r ba^
Seben gerettet l^at. (Sine 3luSnal^me finbet nur infofern ftatt, als, roenn ein
^ftegeoater nad^ fünfjähriger Sauer feiner 5ßflegc in bcr SSorauSfid&t, ba§ er oor
bcr aSolljöl^rigfeit bes 5ßftcgcfinbes fterben roerbe, bas tegtcre in feinem
SCcftamcnte aboptirt, biefe SSerfügung gültig fein foll, torausgcfcgt, ba^ bcr
annähme an Äinbeöflatt. Sertretung. § 1612. 969
^ßfCegepater rcd(|tmä§igc Äinbcr niä)t l^intcrtä&t (code civil 3lrt. 366). S)aö
bab. S. 91. ©a| 345 a fügt bic mcitcrc 9luönal^me ^inju, bafe eö ju bcr 2lti*
naf)mc an Äinbcöftatt jener früheren Pflege nid^t bcbürfe, wenn ein SSoB*
iäl^riger ein uneficlid^eö, ton bem Sßoter noä) nid^t anerfannteö unmünbigeö
Äinb einer %tan, roeld^e er l^ieiratl^et, mit beren ©inroilligung mittels beö
^eirat^oertrages an Äinbeöftatt onnimmt.
©0 bead^tenöroertl^ bie Oefid^töpunfte, auf meldten bie angefül)rten SBor*
fc^riften beö franj. SRed&teS (tergf. aud^ jür. ®. 93. §§ 237, 238) berufen,
fein mögen, wenn eö fid& barum ^anbclt, ob baö Sßormunbfd^aftögeric^t bie
®enef)migung ju ber Slnnal^me an Äinbeöftatt ertl^eilen foH (§ 1613), fo fann
bod& nid^t anerfannt werben, bafe nur unter ben bejeic^neten SSorauöfeßungen
eine Garantie für eine ernfte, ftttlic^e S3egrünbung eineö gaminenoer^äftniReö
Dorl^anben fei. SKit SRed^t I)eben bie ^otioe befi f)ef?. ©ntro. m ©. 187,
meld^er in ber f)ier fraglid&en 33ejiel^ung feinem SBorbilbe, bem code civil, nid^t
gefolgt ift, fieroor, ba^ baö ®efeg bie SWannigfaltigfeit ber SSerl^ältnijfe im
3}oraud ju überfe^en niijt im ©tanbe fei. SBürbe man eine annähme an
.^inbeöftatt nur unter ben bejeid^neten erfd^merenben Umftänben jutaffen, fo
tonnte baburd^ Dielen fiinbern eine grofee SBo^It^at entjogen merben, menn
bcrjenige, meld^er baö Äinb anjunefimen roünfc^t, t)or SKblauf bcr ?ßrüfungsjeit
ftirbt; ja ed fönnte bie beabfic^tigte 9Bol^(t^at j^um Unglüdte bed Jtinbed aud^
fd^Iagen, wenn baöfclbe, 3fa^re lang an bejfere SSerl^ältnijfe gewohnt, mieber in
bie alten SBerl^ättnijfc jurüdfgeftofeen mürbe, ©egen leid^tfinnigeö SSorge^en
fd^ü|en bie gorm ber Slnnal^me an S^inbeöftatt unb, wenn ein äRinberjäl^riger
angenommen werben foU, bie nad^ § 1613 erforberlid^e Oenel^migung beö
aSormunbfd&aftögerid^teö.
8. 3)ic grage, ob ein Sluöfänber im Snlanbe an Rinbeöftatt annefimen «uÄMnber.
ober angenommen werben fann, rid&tet fid) nad^ ben ©runbfägen beö inter-
nationalen ^ripatred^ted.
§ 1612.
S)ie Seftimmungen beö § 1612 entfpred^en ben Seftimmungen beö «ertretung
§ 1588 unb berul^en auf ö^ntid^en ©rroögungen, mie biefe (oergl. bie SKotioe fSiie^wb«!
ju § 1588 oben ©. 942 ff.). Slnlangenb ba« befte^enbe SRed^t, f o fte^t bie S3e*
ftimmung bes § 1612 ©afe 1 mit bem preufe. 91. Ä. SR. n, 2 § 678 unb bem
fäd^f. ®. 93. § 1794 im (Sinflange. 9Jad^ gcmcinemJRed^te ift ju ber 3lrrogation
bic auöbrüdlid^e 3wfti"ittiw"9 ^^ö roillenöfä^igen Äinbeö, ju bcr Slboption im
engeren ©innc menigftens SRid^tmiberfprud^ beö perfönlid^ oor bem SRid^ter
miterfd^icnenen Äinbcö erforberlid^. 2)aö bai)r. S. SR. I, 5 § 10 5Rr. 3, § 11
Dcrlangt aud^ im le^teren gatle auöbrüdflid&c gwfti'^'^wttfl- ^fJad) bem code
civil, roeld^ier, abgefel^cn oon ber adoptio testamentaria, nur bic 3lnnal^me eineö
SSoUjä^rigen juläfet, bebarf eft ber Suftintmung beö legteren (SKrt. 353). ^ ^aUt
ber adoptio testamentaria erfolgt bie älboption burd^ bie Slnna^mccrflfirung beö }U
äboptirenben. 3)er ^cjf. ©ntn). III 3lrt. 70 erforbert bic eigene Swftitnmung
beö änjunelimcnben, wenn bcr Icfeterc über fünfjet^n Saläre alt ift.
970 3Inna6mc an ÄinbcSftatt. ©encßmißunö b. Sonnunbf^aftgöer. 2C. §§ 1613, 1614.
§ 1613.
einmiuigunfl 2)ic SBorfd^riftcn bcö § 1613 Slbf. 1, 2 red^tfcrtigcn ftd^ burd& bicfclben
^ öem«e?«r ©ruitbc, loctc^c ju bcu cntfprec^enbctt Sorfc^riften beö § 1589 geführt liabcn
(Dcrgl. bie SWotiüe ju § 1589 oben ©. 943 ff.), ©afe, rocnn bcr SS[njunef)menbe
öene^migung unter SSotmunbfd^aft ftc^t, bie (Genehmigung bes SSormunbfc^oftögeric^teö er^
*''^^f*a^s""*'' forberüd^ ift, roirb anä) von bcn beftef)enben Siedeten regelmäßig oorgcfd^ricben
geriefte?. (^crgL preufe. 91. S. 91. II, 2 § 680; prcufe. 58orm. D. o. 5. 3uU 1875 § 42
Sir. 2; öfterr. @. 93. § 181; fdc^f. @. 93. § 1794; l^cff. (Sntro. III airt. 69;
baijr. ®ntro. bcr $Borm. C d. 1874 SKrt. 62). 2)ic 3ludbef)nung beö ©rforber^
niffeö ber Oene^migung beö SBormunbfc^aftögerid^teö auf ben gatt, wenn bcr
Slnjunel^menbc unter elterlicher Oeroalt fte^t, empfiehlt ftd^ burd) ben oor*
munbfc^aftlid^en ftarafter ber (enteren unb im ^inblide auf bie SBid(|tigfeit
beö 5Re(^tögefd)äfteö. 9luf biefem legieren ©efid^töpunfte beruht aud& bie Sluö*
bef)nung ber ©enel^migung beö SBormunbfd^aftögeric^teö auf ben im § 1613
9lbf. 1 bejeid^neten gall.
9luö ben allgemeinen ©runbfäfeen ergiebt ficft, baß, wenn bie 9lnna^me
an Äinbcöftatt o^ne bie erfolgte ©inroilligung beö gefeglid^cn SSertreterö beö
Slnne^menben ober beö Slnjune^menben erfolgt fein foÖte, bie annähme an
Äinbeöftatt nid^t nichtig ift, fonbern burd) bie, mcnn auc^ erft nad^ ber gerid^t-
lid^cn 93cftätigung beö SSertrageö (§ 1617) erfolgenbe (Genehmigung beö gefegt
Iid)cn aSertreterö rüdfmärtö f)in mirffam mirb (§ 65 9lbf. 3, § 127 9lbf. 4).
©in 99ebiirfni6, nad^ Slnatogie beö § 1611 ©aft 2, um jeben ©d^roebcjuftanb
ju üermciben, pofitiö ju beftimmen, ba§ bie ©enei^migung roirffam nur oor
ber 93eftätigung beö SSertrageö erfolgen fönne, liegt mit Wüctftc^t auf bie
Scltenf)eit beö in $Rebe fte^enbcn galleö, in meld^em baö SSormunbf^aftögeri^t
ben SSertrag genef)migt unb baö ©erid&t benfelben beftätigt f)ai, trofebem cö an
ber ©inmiUigung beö gefegUd^cn 3Sertreterö fel^Ite, nid^t oor.
2(nnai)me 2)ic an äi}\\i[ä)c Seftimmungeu beö röm. unb gemeinen 9ied&teö unb
^'"lun"^''' einiger anbcrcr 9lcd&te (tjcrgl. 1. 17 pr. § 1, 1. 32 §1 D. de adopt. 1,7;
bai)r. 2. 91. I, 5 § 10 9Jr. 6; württemb. 9lotariatögef. 0. 14. 3unl 1843
9lrt. 48; ^ef). (Sntm. III 9lrt. 78) fid^ anfd^Iicfecnben CrbnungötJorfd^riften
beö § 1013 9lbf. 3, 4 bcäiocdfen, 5U i)erl)inbern, baß bie 2lnna^me an Äinbeö^
ftatt oon bcm 3lnnel)mcnben auö bcm cigennflgigcn 93eroeggrunbe mifebrauc^t
wirb, um feine fe^lerl;afte ober gar untreue SBerroaltung afö 93ormunb ober
Pfleger 5U üerbcdfcn, inöbefonbere ber ^crauögabe beö üon i^m oermaltetcu
SBermögcnö beö 9ln}unef)menben übert)oben ju merben. 3lad^ bem ?ßrinjipc
beö § 1743 würbe bie «orfdfirift beö § 1613 3lbf. 3 Sag 1 an [xi^ auf jeben
•ipflcger cntfpredficnbe 9tnrocnbung fmben. ®ie ratio jener SSorfd^rift fiif)rt
inbeffcn bal^in, bie entfpred)enbe Slnmenbung jener SSorfd^rift auf einen jur
SSermögenöücrroaltung berufenen 5ßf(egcr ju bcfd^ränfen.
§ 1614.
einroinigimg 2}ic 33orfd)riften beö g 1614 berufen auf ö^nlid^en ©efic^töpunften, mic
«cneömioung ^'^^ SJorfd^riftcu beö § 1588 Sag 1 unb beö § 1590 (oergl. bie aWotioe ju
eine« xritten. §§ 1588, 1590 obeu S. 942, 944). aSon bcr SRcgel, ba^ ber SDritte, mcnn er in
annähme an Äinbcöftatt. ScbingunG 2C. JJorm. §§1615,1616. 971
ber ©cfd^äftdföi^igfcit bcfd^ränft ift, ju bcr (gitiroilligung ober ©cnclimigung ^erföniic^c
nid^t bcr ©inroitligung feincö gefc^Iid^cn 93ertrctcrö bebarf, maä)t bcr § 1614
Sa§ 2 icbod^ eine Sluönal^me für bcn gall, rocnit bcm ©ritten q(ö 3ttl)abcr
ber elterlichen ©croalt über bcn Slnjune^mcnben bic elterliche ^lugniefeung i\u
ftef)t, ba in biefem gallc mit ber ®inroilligung ober ©cne^migimg beö ©ritten
JU ber Snnal^mc an Äinbeöftatt ein ajermögenöpcrluft Dcrbunben ift (§ 1626
Slbf. 1). 9lllerbingö beruht ber SBegfall bcr clterlid&cn ^lufeniefeung nid^t auf
bcm rcd^tsgcfci^äftlici^en SBillen bcd in ber Oefd^äftöfä^igfeit befd^ränftcn clm
roilligcnbcn 6lterntf)eilc« ; oielmc^r tritt ber SBegfall bcr elterlichen 9iugs
nieftung als eine gefcftlid^e SBirfung bcr älnna^me an Sinbcäftatt ein. 9lud^
ift ein bcn ©d^tuferoortcn beö § 1614 entfprcd^enbcr 3wfa| in 9lnfe^iing ber
©inroilligung eines in bcr ®cfdt)äftdfä^igfeit befd^ränften ©Iternt^cilcö jur ß^c*
fd^ic^ung beö Äinbcö nid^t gemad^t (§ 1238 Slbf. 2), obroofil aud) burd^ bic
©^cfd^tiefeung eines unter eltcrlid^er ©eroalt ftc^enben Äinbes bic clterlidje
9Ju6nic§ung cnbigt, fofern bic ®^e mit ßinroiUigung beö bctreffenben eitern«
tt^cilcö gefd^loRcn ift (§ 1536). 3nbcf?cn bei bcr e^cfd^licfeung ift bic Sad^*
(agc infofern eine anberc, atö jene bcm natürlid^en entroidclungögangc beö
Sebcnö beö Stinbcö entfprid^t, roäl^rcnb ber 3luötritt beö Hinbeö auö bcr
gamilic im SBcge bcr 9lboption aufeerlialb beö rcgclmftfeigeu SScrlaufcö ber
SDingc liegt unb cö beöfialb an einer genügenben 3?eranlaffung fe^lt, biefen
Sluötritt ju crlcic^tem.
§ 1615.
35ie 5Borfd)rift beö § 1615, roeld&c fic^ an bic analogen 93orfd&riften beö »etfüßunfl
§ 1250 3lbf. 2, beö § 1472 Safe 3 unb beö § 1594 anfd^licfet, folgt auö bcm scbinaung «.
3Befcn ber 3lnna^mc an ^Unbeöftatt alö einer 93egrünbungöart eineö ©Item*
unb Äinbeöoerljältniffeö unb bcm Safec „adoptio Daturam imitatur". gic
ntfprid^t aucii bcm geltenben SHed^te, roennglcid^ bic meiften neueren Gkfcß-
gebungen, inöbefonbere baö preufe. 31. S. 9?., bcr code civil unb baö fäd^f. ®. 33.,
Cö nid&t für n6tt)ig erad^tet ^aben, biefelbe befonberö jum 3luöbnidfe ju bringen
(pci-gl. 1. 34 D. de adopt. 1, ?; preufe. ©efeferco., 5ßcnf. XV S. 234; bab. S. 5H.
Safe 343 a).
§ 1616.
SBä^rcnb baö preufe. 31. 2. 9t. II, 2 § 666 nur bic Sd^riftlid^feit beö gom bc« «n.
3lnnof)mcocrtrageö oerlangt, ift gcmcinrec^ttid) bei ber 3lboption im engeren »mwa««.
Sinne ©rftänmg bcr .Hontra^entcn ju gcricfttlid^em 5ßrotofollc crforberlid).
Scftrittcn ift, ob biefe Grflärung, roic uad^ röm., fo mä) nad) gemeinem
Weckte apud rorapetentem judicom ju erfolgen l)abc. 3lad) bem code civil
Slrt. 353 muffen bcr 9lnnel)mcnbc unb bcr 3lnjunel)mcnbc i^re ©rflärungen
Dor bem griebcnöricftter beö SBo^nfifeeö beö 3fnnc^mcnbcn abgeben; bcr ^eff. •
(Sntro. III 3lrt 72 fd^reibt ©rric^tung beö 35ertragcö t)or bcm juftSnbigcn
©injetric^ter ober Ucbcrreic^ung beö SBcrtrageö in einer oon bcn Äontraljentcn
unb fonftigen 33etf|ciligtcn unterjeic^ncten Urfunbc oor. 9lad^ bcm fäd^f. ®. 93.
§ 1787 mufe bcr SJertrag oor ©eridjt gefc^loffcn ober anerfannt werben (oergl.
972 5lnnal6mc an ^inbeöftatt. ©crl^tlicfie Scftätiguno. § 1617.
auä) ®cf. für 9tcu§ ä. 2. v. 20. gcbruar 1883); nad& bcr fäc^f. 33crorbn. o.
9. 3iini 1865 § 13 foU iiibeffcn aud^ ein Dor einem 9iotarc ju ^ßrototoU ge^
fc^loflener Sßertrag genügen.
ajlit SRücffid^t auf bie SBic^tigfeit beö 3lnnal^meocrtrageö unb bejfeti
auf lange 3^it wnb über bie SBertragfd^Iiefeenben ^inauö fid^ erftrecfcnbe SBir*
fungen fann cinfa^e ©d^riftüc^feit beö aSertragefi afe genügcnb nid^t am
gefeiten werben. 9Kit ber gerichtlichen ober notariellen gorm ift jugleic^ ber
aSortl)eil üerbunben, bafe bem für bie Seftätigung bcö SBertrageö juftänbigen
©erid^te (§ 1617) 3lnnaf)met)erträge regelmäßig nur bann jur ©eftätigung
oorgetegt werben, roenn bie gefe|lic^en ©rforberniffe ber Slnna^me an Äinbeö«
ftatt vorliegen. S)er ©ntrourf begnügt fid^ inbeffen nid^t mit bcr geroö^nlid^en
geriditlic^en ober notariellen gorm in bem ©inne, bafe bie SCßillenSerflärung
ber 33ertragfd^lie6enben audf) ol^ne gleid^jeitige 9lnmefen^eit ber legtercn üor
(Sendet ober 9lotar abgegeben werben fönnte, fonbem eö muß bcr Slnna^mc*
tjcrtrag üor ©eric^t ober 5Rotar gefd^loffen, b. t). eö muß, wie in bem galfe
beö § 868, bie SBillenöerHärung ber SSertragfd^ließenben bei gleic^jeitiger 3ln*
rocfen^eit berfelben vor Oeric^t ober 9lotar münblid^ abgegeben werben. S)iefc
erfc^werenbe ^orm empfiel)lt fid^ bei ber 3Bid^tig!cit beö JBertrages, um eine
größere ©arantie für bie gortbauer, ©rnfttic^teit unb Uebereinftimmung be«
2BilIenß ber Äontral^enten unb gegen unbefonneneö SSorgei^en ju gewinnen,
jumal bie SBertragfd^tießenben nad^ § 1617 ©afe 2 an ben SBertrag fc^on
t)or bcr S3eftätigung gebunbcn fmb. 2)a es fic^ bei ber ©rrid&tung beö SBer*
träges Dor ©erid^t ober 3?otar nid^t um eine causae cognitio, fonbern lebiglid^
um bie S3eurfunbung ber SBilIenßer!lärung ber SBertragf^ließenben l^anbelt,
\o ift bie ©diließung bes SBertrageß vor einem burc^ befonbere Suftänbigfeitö«
normen beftimmten ©eric^te nid)t erforberlid() unb beß^alb auc^ bie 3wl^ffwng
ber SBertragfd^ließung t)or einem 5Rotare unbebenftic^.
?fMmberöm* 2)ie SSorfd^riftcu beö § 1616 9lbf. 2 berufen auf benfelben ©rwägungen,
lütttiflungjc. j^.^ bieienigcn, weld^e ju ben SSorfd^riften bcö § 1591 gefül)rt l^aben. ©ö wirb
bieferl)alb auf bie aJlotioe ju § 1591 oben ©. 944 ff. ücrwiefen.
§ 1617.
«cftätißung 9lac^ gemeinem SRed^te erfolgt bie Sttrrogation fowie bie Slboption Don
^'l^txaX' ®^^*^" ^^^^^ S^^" ^"^^ lanbcölierrlid^eß SReffript, wä^renb bie Slboption im
oertenbeö ^'^9^^^^^ Sinuc ©rftäruug ber Äontra^enten ju gerid^tlid^em 5ßrotofolIe por*
wcc^t. auöfefet. Ob im (enteren gallc baö ©erid^t bie ©rflärung nur entgegen*
junel^men ober nac^ ^^rüfung beö S)afeinö ber gefeglic^en SBorauöfefeungcn ju
beftätigen l|at, ift beftritten.
Die neueren ©efefegebungen ^aben oerfd^iebene SBegc cingcfd^lagcn. Qnm
a^l^eil galten fte an ber Unterfd^eibung jwifc^cn Slrrogation unb ^[boption feft,
in bcr 9lrt, ba^ bie erftere bem Sanbeöl^errn bejw. bem Suftijminlfterium uor*
behalten, }u ber lefetercn aber bie S3eftätigung beö juftänbigen ©erid^teö
erforberlid^ ift (tjcrgl. für ?leu*33orpommern unb Slügen preuß. Scrorbn.
t). 2. Sanuar 1849 § 14 unb preuß. Sluöf. ©ef . j. beutfd^cn ®. 33. ®. v. 24, ?lprit
9Inna6inc an Äinbeöftatt. ®eri*tli*c Scftatigunö. § 1617. 973
1878 § 26 9ir. 2; ferner coburg^got^. ®ef. o. 21. ©eptember 1857 § 2 nebft
bem 3luöf. ®ef. j. bcutfc^en ®. SB. ®. o. 7. 3lprU- 1879 § 5). ©ine anbere
®ruppe Don SRec^tcn uerlangt für jebe 9lnnal^me an ftiubcöftott o^ne Unter«
fd^ieb )n)ifd^en älrrogation unb älboption (anbedl^errlici^e ®ene^migung (fäc^f.
@. SB. § 1787; altenb. ®blft t). 18. Slpril 1831 § 32 lit. e, altcnb. ®ef.
V. 14. m&xi 1866 Slrt. 13 SRr. 3 unb altenb. SÄuöf. ®ef. j. beutfc^en ®. SB. ®.
ü. 22. anärj 1879 § 10; ®ef. für SRcufe ä. S. v. 1. ©eptember 1868 § 8;
öergl. anä) l^eR. ßntro. III Strt. 72), roä^renb nad^ einer britten ®ruppc x>o\\
®efe|cn für alle Slrten x>on SKboptionen Scftötigung burd^ baö juftänbigc
©erid^t üorgefc^rieben ift (ocrgl. preufe. 3t. S. 91. II, 2 § 667, preufe. SSerorbn.
D. 2. Sanuar 1849 § 14, preuft. 33erorbn. o. 26. 3uni 1867 für bie 1866 neu
erworbenen Sanbeötl^eite, mit SKuöna^mc ber ^ßrooinj ^annooer, bcö Dberamtö?
bejirleö aWeifenl^eim unb ber Stabt grantfurt a. 3K., preufe. SBerorbn. für bie
^ßroplnj ^annooer d. 4. ©eptember 1867, aillerl^. ©riafe p. 28. Sluguft 1867
für granffurt a. an., preuß. 2luöf. ®ef. j. beutfd^en ®. 33. ®. d. 24. 2tpril 1878
§ 26 9ir. 2; bo^r. S. 5H. 1, 5 § 10 5ßr. 3 § 11 Derb, mit bem bapr. ®. 35. ®.
ü. 10. 9}ooember 1861 3trt. 18 unb bem bapr. äufif. ®ef. }. beutfc^en ®. SB.®.
V. 23. gebruar 1879 Slrt. 15; roürttcmb. 5Rotariatögef. v. 1843 3lrt. 48 nebft
ben TOÜrttemb. ®ef. x>. 17. 3luguft 1849 3lrt. 6, u. 13. ÜJiärj 1868 9lrt. 15 3lx. 4
unb V. 24. 3anuar 1879 9lrt. 2, 7 j. beutfd^en ®. 3S. ®.; meimar. ®ef.
V. 15. WH&xi 1850 § 7 unb t). 24. gebruar 1869). 3n Hamburg, Srcmen unb
SübedE ift bie 33eftätigung ber 2lnna^mc an Äinbeßftatt ben SSormunbfd^aftd*
beworben übermiefen (^amb. 33orm. D. p. 14. ©ejcmber 1883 3lrt. 64, 96, 98,
114; gem. S3ef(^eib b. brcm. Dbergerid^teö o. 23. Januar 1873 unb brcm. ®ef.,
betr. bie 2luöf. b. beutfd&en ®. 35. ®. d. 17. mai 1879 §§ 106-117; lübecf.
33erorbn. x>. 3. gebruar 1879 § 49 III, 1, betr. 2luöf. b. bcutfd^en ®. 33. ®.).
SRad^ bem code civil 2lrt. 354—358 (oergl. baj^u in 9lnfcl)ung ber preufe. dlf)tm
prooins preufe. 3luöf. ®ef. j. beutfd)en ®. 33. ®. d. 24. Sttpril 1878 §§ 28, 41,
42, 49 3lx. 1, § 57) ift jur 2Birffamfeit ber 3lboption bie »cftätigung beö
©erid^ted erftcr Snftanj unb beö 3lppellationö^ofeö, nad^ bem bab. S. SR.
Saft 354—358 unb bem bab. ®cf. t). 6. gebruar 1879 §§ 1, 8, 8b, 25, bie S3e*
ftätigung burd^ bafi 3lmtögerid(|t unb baö Canbgerid^t erforberlid^ (üergl. jebod^
bab. 2. 9t. ©0^345 a).
SBenngleid^ ber ®ntmurf bie 9lnnal^mc an Äinbeöftatt nic^t ald ®nabens ©tanbpunft
fac^e bel^anbett (oergl. § 1619 nebft ÜRotioen), fo ift es bod) im Slnfc^Iuffc an g„tS,**,je«.
bie in biefer Sejiel^ung auf bemfelben S3oben, wie ber ©ntmurf, fte^enbcn
Siedete, inöbefonbere nad^ bem 33organge beö preufe. Sied^tcö, als angemejfen
cra^tet, bie SBirffamfeit beö 2lnnal^meoertrageö von ber Seftätigung beßfelbcn
burd^ bad }uftönbige ®erid^t abl^öngig }u mad^en. 2)ie 93eftätigung f)ai nad)
bem ©ntmurfc nid^t ben 3'^^^*/ ^^^ 93ertrag von bem ©eftc^töpunfte befi
äBo^leö ber 33ertragfd^lie&enben auö ju prüfen unb gemiRermafeen bie SBillenö*
erflärungen berfetben ju ergänjen, fonbern ben 9lbfd()lu§ ungültiger 9lboptioncn
Toegen ber barauö im 33erl)ältniffe ju britten 5ßerfonen fic^ ergebenben großen
praftifd^en Unjuträglid^feiten unb 33ern}icfelungen , namcntlid^ im öffentlichen
3ntcref{c, möglid^ft ju oer^üten. 5Diefcr Äarafter ber Seftätigung bringt eö
weiter mit fid^, baß bie leßtere ben ©criditen ju übermcifen ift.
974 ?{i!na]&inc an ÄinbcSftatt. ©erid^tlidfee Scftdliguno. § 1617.
Suftanbigfat Ucbcr bic orttid^c unb fad^lic^c S^ftänbigfcit bcö Oerici^tcfi fyxt bcr
®eri4>te«. Gnttüurf notiere Scftimmungcn nid&t aufgenommen. 3nbem er aber bcfrtmmt,
bag bie Scftätigung burc^ baö juftänbige (Serid^t erforberli^ ift, loeift er für
bcn gaU, bafe bie örtlid^e unb fac^Iid^e S^ftänbigfcit burd^ ein befonbcre«
Sleid^ögefeg über baö SBcrfol^ren in Saä)cn bcr nic^tftreitigen ©crid^töbarfeit
uid^t beftimmt merben foUtc, bie Sanbedgefeggebungen barauf l^in^ bag ^ier
eine von i^nen ouöjufüUenbe üüdt Dorliegt. 93orbe^oÜen ift, eo. in bcm
föefefte über baö SScrfa^ren barüber ju entf (Reiben, ob unb inroiemeit bie oon
einem örtlid^ ober fac^lid^ un}uftänbigen ©erid^te erfolgte ä3eft&tigung aü
nichtig ju erad^ten fei. ^n Ermangelung einer anbermeiten reic^gefegßd^en
S3eftimmung ^at ber SKangel ber örtUd^en ober fad^lid^en 3#änbigteit bc«
beftätigcnbcn ©crid&ted bie 9iic^tigfeit bcr Seftätigung jur golgc. ©arauö
fann inbejfen ein Sebenfen gegen bie 3(ufna^me beö S^faftcö „juftänbigc"
im § 1617 Sag 1 nic^t hergeleitet werben, ba in ©rmangclung einer anber*
weiten rcid^ögcfcfelidien S3cftimmung bie fionbeögefe^gebung cö in ber ^anb
Ijot, iebcd ©erid^t für juftänbig ju erüären, banebcn aber oorjufc^reiben, baft
nur bic näl)cr bejeid^neten ©crid^te bic 33eftätigung crt^eilcn foUcn. ♦
3c!tpunftbe8 ^laö) § 1617 £0^2 tritt mit ber S3eftätigung bie 3lnna^mc anÄinbeö*
tretlnf ber P^tt iu ilroft. Scr 93cftätigung erft noc^ ein im SBorfd^riften über bie gorm
anno^mp. jjer ß^c^Iiefeung (§ 1248) nad^gebilbeteö SSerfo^rcn folgen ju laffen, wie bieö
im jür. ®. 83. § 245 oorgcfc^rieben ift, ift bcm in 2^eutf^Ianb geltenben Siedete
fi'cmb unb burd^ ein Sebürfnife nid)t geboten, jumal ber 3lnna^meoertrag vov
bcr S3cftätigung nad^ § 1616 2lbf. 1 vov Oerid^t ober 9Zotor gcfd^(of?en werben
mufe. 91uf ber anberen Seite empfielilt cö fid^ nic^t, nad^ bem Sßorgange beö
Code civil 3Irt. 359, bic SBirfungcn ber 9lboption erft mit bcr Eintragung ber
le^teren in baö ©tanbeöregifter eintreten ju laffen. 6ö wirb baburd^ für bcn
Slnjunc^mcnbcn bie 8Bo^ItI)at bcr 9lboption oljne genügenben Orunb ju weit
I)inauögefd(|obcn, wenngleid^ bie Eintragung auf Setreiben ber einen ober
anberen 5ßartei erfolgen fann. 9luc^ erfd^eint bie Eintragung in ba& S^viU
ftaubörcgiftcr (pcrgl. § 26 bcö SR. ©ef. über bie 33curfunbung beö ^crfonen*
ftanbeö unb bie Efiefd^liefeung v. 6. gebruar 1875) nid^t fo wefentlid^, ba§ cd
gerechtfertigt wäre, bie 3lboption nad^ bem 93organge beö code civil ärt. 359
für wirfungöloö ju erflären, wenn bie Eintragung binnen einer beftimmtcn
3cit nid^t erfolgt ift. Ein beftimmter einbeitlid^cr 3citpu^ft aber, mit welchem
bie Seftätigung unb bcmgcmäfe aud^ bie 2lnnal^me an Kinbeöftatt in ftraft
tritt, lägt ^iä) a\x6) in anberer SBcife, }. S3. burd^ S^^ftcDung ber bcn SBertrag
* beftätigcnbcn JBcrfügung an bcn 9lnnet)mcnben fiyircn. 2)ie nähere Seftimmung
in biefer i&infic^t ift et), bcm ©efefec über baö SBcrfa^rcn Dorbcl^alten. Eine
SScröffcntlid^ung bcr 2tboption (code civil 5lrt. 358) ift neben bcr 33orfd^rift
bcö § 26 beö 9t. ©ef. über bie 93eurfunbung beö ^ßcrfoncnftanbeö u. f. w.
t). 6. gebruar 1875 nic^t für crforberlid^ crad^tet.
»inbung bcv ©c^t wau baoou ouö, bag bic 3lnnal^me an Äinbeöftatt mit bcr gerid^t*
fSlnL '^^)^" Seftätigung in SBirffamfeit tritt, fo erl^ebt jad& bie weitere gragc, ob bcr
Dor bcr »c* 3lnna^mct)crtrag audfi erft mit biefcm 3^itpwnftc für bie SBcrtragfd^liegenbcn
ftättßunj. jjjj^jjj»^^ jgjj^ jjjj^^ ^^ ^'^^ 33inbung berfclbcn bereitö mit einem frül^eren S^iU
punftc, fei cö mit bcm Slbfc^luffc bcö SSertragcö, fei cö mit bem B^Wpunftc
2tnnaBmc an Ätnbeöftatt Ocri^tli^c »cftatigung. § 1617. 975
eintreten foD, in roeld^em ber Sßertrag von hzn SSertragfd^Iießenben bem ©e-
rid^tc }ur Seftötigung eingereid)t roirb (oergl. § 62 9Ibf. 2, § 828 aibf. 3).
Slbgefei^en von bem fäd^f. ©. 8., roeld^eä im § 1789 beftimmt, bafe an^ einem
SSertrage über bie 9lnna^me an Äinbeöftatt eine Älage auf ©in^olung ber
lanbeöl^errlic^en ®enel)migung nic^t ftattfinbet (uergl. aud^ Seuffert X V, 134 ;
^eff. (S^ntvD. III 9lrt. 72), enthalten bie neueren ©efe^büd&er in biefer SRid^tung
feine auöbrüdflid^en 33eftimmungen. 3n ber preufe. Softrin unb 5ßraf iö wirb
bie 9lnfid&t vertreten, bafe bie SBertragfc^Iiefecnben fd^on Dor ber Seftätigung an
ben SBertrag gebunben feien. 3n ber fronj. Suriöprubcnj ift bie grage beftritten.
3n bem allgemeinen S^^eile beö ©efegbud^eö ift eine allgemeine ^e^
ftimmung barüber, ob unb inroiefern in ben gäDen, in n)eld()en baö ©cfeß
für ein Stec^tögefd^äft eine befjörblid&e SKitroirfung burdl) S3eftätigung t)or?
ft^reibt, ben Parteien biß jur erfolgten Scftätigung ber SRücftritt geftattet fei,
nid^t gegeben, oieImel)r ift in bem ©ntrourfe baoon ausgegangen, bafe in jebem
einjcinen galle burc^ fpejicUe S3eftimmungen fein ä^^if^I barüber ju laffen
fei, roic bie einfd()Iogenbe SBorfd^rift ju üerfteben. 6ö fann baf)ingeftellt
bleiben, roie bie in SWebe ftefienbe grage, rein juriftifd) betrad&tet, nac^ ben all^
gemeinen ©runbfägen ju entfc^ciben fein mürbe. %nx bie 93eftimmung, ba^
im Dorliegenben gallc ber SJertrag bereits mit bem 3^itpunfte beö 9lbfd^Iujfeö
besfelben für bie gSertragfd^Iießenben binbenb fein foll (§ 1617 ©aft 3), fällt ent^
fd^eibenb inö ©eroid&t, bafe nad& bem ©ntrourfe (§ 1619) bie 93eftätigung nic^t
ben ftarafter einer bie SBiUenöerflärungen ber Säertragfc^fiegenben geroiffermafeen
ergänjenben, fonbern bas SSor^anbenfein ber gcfeglidien ©rforberniffe ber Sin-
naf)me an Äinbeöftatt im öffentlid^en ^ntereffe beflarirenben SSerfügung l^at.
93ei biefem Äaraftcr ber Seftötigung fe^It eö, namentlid^ t)om ©tanbpunfte
eineö ©efe^bud&eö aus, melc^eö auä) in tjerfd^iebcnen anberen gällen eine
Sinbung ber ®rflärenben eintreten läfet, obrootil ber jur üoHen 2Birffamfeit bes
Sled^tögefc^öfteö erforberlic^e 2^f)otbeftanb nod^ nic^t tjoüftänbig oorliegt (oergl.
§§ 58, 62, 65 3lbf. 4, § 123 9lbf. 2, §§ 310, 828 Slbf. 3, §§ 830, 876), an timrn
auöreid^enben ©runbe, ben ^Parteien ben JRüdEtritt oon bem SSertrage ju ge^
ftatten, folange nic^t bie »eftätigung red^töfräftig terfagt ift. 3)aiu fommt,
bafe man burd^ ben Sluöfd^tufe beö $RüdEtritteö bie ©efafir üermeibet, bafe ein
roegen eineö injmifd^en erfolgten SRüdEtrittcß nid^tiger Vertrag beftätigt unb
burd^ bie Seftätigung ber ©d^ein ber ©ültigfeit befifelben erroedft mirb. 9lud&
ber anbere oben angebcutete SBeg, bie 93inbung mit bem S^itpunftc eintreten
JU laufen, in roeld^em ber SBertrag von ben 5Bertragfd^Iie§enben bem ©erid^tc
jur 93eftätigung eingereid()t mirb, ift um beömiUen bebenftid(), mcit, mcnn ein
SRüdftritt erfolgt ift, bie Unmirffamfeit beöfelben oon bem Slad^mcife abf)ängen
mürbe, bafe ber aSertrag Dor ber 9lüdftritt«erflärung t)on beiben aSertrag*
fd^Iießenben bem ©erid^te jur 33eftätigung eingereidEjt morben fei. 25iefen 6r*
mägungen gegenüber fann auf baö Sebenfen, bafe bie 93inbung ber SBertrag*
fd^iUcfeenben fd^on mit bem S^itpwnfte beö SSertragöabfd&Iuffeö ber 9iatur unb
bem Sw'ccfe beö perfönlicften aSerfiältniffeö , mefd^eö burd& bie Slnnafimc an
Äinbeöftatt begrünbet werben foU, nid^t entfprec^e, fotange nid^t bie 9lnnal^me
an Äinbeöftatt felbft jur SBirffamteit gelangt fei, er^ebtic^eö ©eroid^t nid^t
gelegt werben.
976 anual^mc an Äinbeöftatt. £ob öor ber »cftätiflunö. § 1618.
iieine jRücf- SBenngleid) md) § 1617 ©afe 3 bie SBcrtragfd^Iiefecnbcn fc^on oor ber
»rftätiflung! SSeftätigung an bcn SBertrag gcbunbcn finb, fo mxtt boä) bie Seftätigung nid^t
auf ben S^itpunft bcß aScrtragdabfc^luRcö jurücf (tJcrgf. auä) § 1618); mU
me^r tritt bie SlntiQ^mc an Äinbcöftatt crft mit ber Scftätigung in Äraft.
®inc SHücfjie^ung ber SBirfungen auf bcn S^itP^^^^ ^^^ SSertragöabfd^Iuffeö,
u)ie bicö ba& itai. ®. 33. 9lrt. 217 beftimmt unb anö) in ber S)oftrin beö preu|.
SRe^tcö oert^eibigt roorben ift, roibcrfprid^t nid&t allein bcn tl^atfäci^Uc^en 9Ser*
^ältniflen, roic fie oor ber gerid&tüc^en SBeftätigung beftanben ^aben, fonbcrn
fann oud^, inöbefonbcre im 3Jcrl^äItni{fc ju 2)ritten, ju crl^eblid^cn 33ern)i(fcj=
hingen führen.
3lnlangenb bie S3eftimmung, ba§ Die Sinbung ber 93ertragf(^lic§cnben
auftört, wenn bie S3eftätigung rec^töfräftig Dcrfagt mirb (üergl. § 62 Slbf. 2),
fo ift bei bicfer 93eftimmung Doraudgefegt, ba§ nod^ bcn ju ertaffenben reid^ö^
gefeglid&cn, co. lanbeögefefilid^en SBorfd^riften über baö ^erfa^ren gegen ben
bie Seftätigung oerfagcnben 33efd^(u6 beö ©erid^teö nur fofortige 93efc^n)erbc
im Sinne ber ©. ^. D. ftattfinbet.
§ 1618.
öefc^äft*. Xa nai) § 1617 ©ag 3 ber 3lnnal(imeoertrag fc^on t)or ber gerid^tlic^cn
unfftijiQfeit, 33eftätigung binbenb ift, fo fann eö nad^ allgemeinen @runbfä|en nid^t jroeifeU
l^aft fein, bafe bie nad^ bem 3^itpw^K^ bc& 33ertragdabf(^tuffeö eintretenbc
©efd&äftäunfä^igteit beö 9lnnefimenben ober beö 9lnjune^menben auf bie SBirf-
famteit beö aSertrageö o^ne (ginfTufe ift (oergl. § 74 3lbf. 3, § 89).
sob SBcldien ©influfe eö auf bie SBirtfamfeit ber 9lnnat)me an Äinbcöftatt
"ÄuffSinbeT l^öt ^ wenn ber 3lnne^menbe ober ber 3lnäunc^menbc vor ber Seftätigung beö
»or ber «e- 2innal^mcoertragcö ftirbt, ift, abgefel^en Dom code civil, in bcn beftc^cnben
ftätigunfl. jjj^^j^^ ^j^^ befonberö cntfd^ieben. Der code civil 3lrt. 360 beftimmt, bafe,
roenn ber 3lnne^menbe ftirbt, nad)bem ber t)or bem griebenörid^ter auf*
genommene 3lft jum 3"^^*^ ^^ 93eftätigung vov bie ©eri^te gebrockt ift,
aber bcoor biefe befinittp gefprod^en £)aben, bie 3nftruftion fortgefejt unb bie
älboption, romn fie fonft ftatt^aft ift, jugelajfcn merben foU. 3)agcgen fcfet
ber ^cff. ©ntro. III 3lrt. 72 Dorauö, bafe jur 3^^* ^^^ Seftötigung ber 9lm
ne^menbe unb ber Slnjunefimenbe nod^ am Seben finb. 3n ber S)oftrin beö
preufe. SRed^teö finbet fid^ umgete^rt bie Slnfid^t vertreten, baß mit JRücffid^t
auf bie fdE)on por ber Seftätigung eintretenbc SBinbung ber SScrtragfc^liefecnbcn
unb htn bcflaratorifd^en Äarafter ber Scftätigung ber 2:ob beö Slnncl^mcnben
ober beö 3lnjune{|menben bie SBirffamfeit ber Slnna^mc an Äinbcöftatt nid^t
l)inbere. S^ie ia^ ©cgent^cil auöfpred^enbe Seftimmung beö § 1618 beruht
auf ben gleid)en ©rroögungcn, roie bieienigen, mctd&e ju ber SBorfd^rift beö
§ 1595 geführt ^aben (ocrgl. SKotioe ju § 1595 oben ©. 946). Slud^ ber
Umftanb, bafe bie SScrtragfc^liefeenben fd^on oor ber S3eftätigung an ben Sep
trag gcbunbcn finb, Dcrmag f|ier ju einem anberen 3icfultate nid^t ju führen,
ba cö fic^ bei ber 2lnnaf|me an Äinbcöftatt um bie Segrünbung cineö perfön^
litten 33er^ältniffeö jroifdicn bem 3lnncl|mcnben unb äniune^menben ^anbelt
9tnna6mc ön Äinbeßftatt. Äarafter bcr ^Beftottöuno. §1619.^ 9.77
unb mö) % 1617 bic Slnnal^mc an Äinbcfiftatt crft mit ber gcrid^tUdicn Sc^
ftätigung ofjnc SRüdfwirhing auf bcn S^itpunft bcö aScrtragöabfd^luRcs in
«raft tritt.
§ lßl9.
3lad) gemeinem SRedjte ^ängt bie Swloffung einer 3trrogQtion, foroie einer «arorter bev
9lboption burd^ eine grou, aud^ wenn bie gefefilid^en ©rforberniffc t)orf)anbcn b^'i^^^o^^^^^
fxnb, von bem freien ©rmeffen beö yanbcd^errn ab. 2)ie bei 3lrrogationen ^trtra^t^.
oorgefd^riebene öorgängige causae cognitio foU fid& jebod^ vor 3lUem baraiif ©eitenbe«
rid^ten, baft nid&t bie Sntereffen beö Slnjune^menben unter ber 3lrrogation ^*^*
leiben. 33ei ber 3lboption im engeren Sinne befddränft fic^ bagegen bie causam
cognitio, rotnn man in biefen gäflen nad& gemeinem 9ledf|te eine 93eftätigung
burcö ba& ®erid)t für erforberlic^ erad)tet, lebiglid^ auf bic ^^rüfung, ob bic
gefe|Iid&en ©rforberniifc ber 9lboption oorlicgcn. SBo, mic in ©ad^fen, in SHten^
bürg, in SHeufe ä. 2. (ücrgl. bie SSiotioc ju § 1617 oben S. 973), bic lanbeö*
f)errüd^e 33eftätigung für alle 3lrten Don älboptionen tjorgefc^riebcn ift, t)at bic
Slnna^mc an Äinbcöftatt bcn .Harafter einer ©nabenfac^e, fo baß biefetbe auc^
beim SSor^anbcnfcin ber gcfeglid^en SSorauäfegungen naä) freiem ©rmcffcn beö
yanbcöljcrrn oerfagt rocrbcn fann. Sttud^ na^ mürttemb. 9led)te f|at baö mit
ber Seftätigung betraute Oerid^t fid^ nic^t bloö auf bie 'tßrüfung beö SSor-
t)anbenfcinö ber gcfeßlic^en ®rforbermjfe ju befd^ränfcn, fonbern aud^ bie Sin-
gemeffenficit ber 2lnnaf)me an ttinbcöftatt im fonfreten ^alle ju untcrfudjen.
®ingcfd^ränft ift baö ©rmeffen beö beftätigenben ©erid^tcö nad& franj.
Siedelte infofern, alö bie Unterfuc^ung beö ©erid^teö fid^ barauf 5u rid^ten ^at,
ob alle 93ebingungcn beö ©cfcgcö erfüllt finb unb ob ber 9lnncl)mcnbc in
gutem SRufc fte^t (code civil Slrt. 353). 9iad^ prcufe. diti)it (preufe. 21. 2. 3i.
II, 2 § 667 oerb. mit ber preu&. 31. (S). D. II, 2 § 28, II, 8 § 22) fann bic
gcrid^tlid^e Seftätigung nur bann tjcrfagt merbcn, wenn ein gefegtid^cd ©r^
forbernife ber 3tnna^me an SStinbeöftatt mangelt.
3)er ©ntrourf l^at [lä) bem ©tanbpunfte beö preufe. JWe^tcö angcfdfitoffen. atontpunft
2)ie Seftätigung burd& baö ©erid^t foU nur bcn Siaraftcr einer baö SSorlianbcn:^ entrourfec.
fein ber gcfe|lid&cn ©rforberniffc ber 3Cnna^me an Minbcöftatt im Bffcntliddcn
3ntereffe beflarirenben Verfügung ^abcn. Sluf bic 3lngemcjfcnl)cit ber 2tnnaf)mc
an Kinbeöftatt, fei eö oom red()töpotijeilid&cn, fei cö Dom ©tanbpunfte beö
i^ntercffcö beö 2ln5unel^menben auö, foll ftd^ bic Prüfung beö ©erid^tcö nic^t er^
ftrcdcn. ©ö ift ju beforgen, bafe eine SSorfd^rift, meiere baö ©erid(|t ermäd^tigt,
bie 83cftätigung aud^ bann ju ücrfagen, roenn cö bic 3lnnal)me an Äinbcöftatt
nid^t alö angemcffen erad^tet, eine Unfid^erl^eit unb ein ©d^manfen in ber
^rajiö ber ©crid&tc jur gotge ^abcn wirb, ©laubt man mit SHücffid^t auf bic
gegen baö Snftitut ber 9lnna^me an Äinbcöftatt fprcd^cnbcn rcd^töpolijcilid^cn
33ebenfcn üom Stanbpunite beö öffcntlidicn 3ntereffcö anft einen rociter geljenbcn
Sddufc gegen 5Ki§braud& beö Snftitutcö, alö bie im ©cfege aufgeftcUtcn bc-
ftimmten ©rforbcmiffc ilin bieten, nid)t entbehren ju fönncn, fo mürbe cö über^
l^aupt bcn SSorjug Dcrbienen, mit ber Seftätigung nid^t bic ®erid)te ju be-
trauen, ba biefe nic^t alö bie jur SlBatirung berartiger öffcntlid&cr !,^ntereffcn
Stotioe 9. »ttrgerl. (Sefe^ud^. IV. 62
978 «imajmc an Äinbcßftatt. SSertoanbtfifeaftöüetJältnifi jc. § 1620.
berufenen unb geeigneten Organe anjufel^ien ftnb. Snbeflen fonnen bie Se^*
benten gegen bie ©urd^ffi^rung befi bem ©nhourfe ju ®runbe liegenben 9lor*
matioprinjipeö ate begrünbet nid^t anerfannt werben. 3ene« ^ringip ^at in
bem ©ebiete beö preufe. SRed^te«, fopiel befannt, ju SWifeftönben ni^t gefül^rt
SBeiter fommt in äetrac^t, bafe in btn wic^tigften unb l(|äufigften gällen, nämlid^
in ben gäUen ber Sttboption eineß aRinbeqä^rigcn, mäf § 1613 bie einer
anberen 99eurtl^ei(ung unterliegenbe ©enel^migung bed SSormunbfd^aftdgerid^ted
erforberlid^ ift.
§ 1620.
aBirtunß ^tnf. 3iai^ gemeinem SRed^te fommen bei ber Slrrogation nid^t nur bie fpttter
liSge be«Tn* geboreueu, fonbem aud^ bie jur Qüt ber Slrrogation bereit« Dorl^anbenen STb*
flenommenen, f ömmlinge beö Slrrogirten, ' f omeit biefelben biß bal^in in ber (Seroalt beö
lefeteren ftanben, alö ©nfel in bie oatertid^e ® eroalt befi Slrrogirenben (§11
Inst de adopt 1, u ; 1. 40 pr. D. de adopt 1, ?). SRad^ preufe. 91. 2. SR. II, 2
§ 707 unb bem ofterr. ®. 33. § 183 erftrectt fid^ baö burd^ bie Slnna^me an
Äinbeöftatt begrünbete aScr^ättnife fraft Oefe^cö aud^ auf bie Slbfömmlinge
beö Slngenommenen, o\)m Unterfd^ieb, ob biefelben jur ^cxt ber Ännal^me an
5tinbeöftatt bereitö oorl^anben roaren ober nid^t (Dergl. aud^ in erbred^tlid^er
^inrxd&t fäd^f. ®. 33. §§ 2044, 2046, 2568 ; l^amb. SBorm. D. v. 14. SJegember
1883 airt. 64; roeimar. ®ef. t). 6. äpril 1833 § 52; got^. ®ef. o. 2. 3anuar
1844 § 31 ; attenb. ®ef. x>. 6. 3lpril 1841 § 57 ; f onber«^. ©uf jeffionöorbn. v.
8. ©ejember 1829 § 32). SRad^ franj. SRed^te ift eö beftritten, ob unb inroieioeit
baö Sted^töDer^ältnig aud^ bie ^btömmlinge beö Slngenommenen mitumfagt.
S)a ber Qvotd ber Slnnal^me an 5tinbeöftatt babin gel^t, in Srmangelung
el^elid^er Ütad^Iommenfc^aft eine fiftioe 92ad^fommenfd^aft ju begrünben unb
bamit aud(i ber äßunfd^ beö Slnnel^menben oerbunben }u fein pflegt, auf biefe
3Beife baö ä[nben!en an feinen SRamen unb an feine gamilie fortjupflanjen,
fo entfprid^t eö bem Qrozdt ber Slnnal^me an Jtinbeöftatt unb bem ^rinjipe
beö § 1601 Slbf. 1, bag aud^ bie Slbtömmlinge beö Slngenommenen gegenüber
bem Slnneljimenben biefetbe red^tlid^e Stellung einnel^men, wie bie Stefömmlinge
eineö el^elid^en jtinbeö. Sluf ber anberen Seite ift eö feboc^ alö bebenllid^
erad(|tet, baö burd^ bie Slnna^me an 5tinbeöftatt begrünbete SBerl^ältnig, oor^
bebaltüc^ ber SSorfd^rift beö § 1240, traft beö ®efe6eö auf einen jur 3cit ber
Sd^liegung beö SlnnaJ^meoertrageö fc^on Dor^anbenen Slbt5mmling unb beffen
fpäter geborene Slbfömmlinge traft beö ®efegeö ju erftreden. 3^^^ if^ ^^
unb für fid^ eine Derfc^iebene 33el^anblung ber sur Qtxi ber Sd^liegung beö
Slnnal()met)ertrageö bereitö Dorl^anbenen unb ber fpöter geborenen ^btömmlinge
nid^t roünfd^enöroert^, ba fte leidet )u einer SSerbunfelung ber ^milten«
t)erl^ältnif[e unb ju einer Ungleid^^eit ber Slbfömmlinge beö Slngenommenen
in il^rer SebenöfteUung unb in il^ren fojialen SBerbältnijfen fül^ren fann. SlHein
biefe ®e{td^töpunfte roerben überroogen burd^ baö 33ebenfen, bag nac^ bem
entrourfe (§ 1601 Slbf. 1 uerglid^en mit §§ 1480 ff.) für bie Slbfömmlinge beö
Slngenommenen nid^t bloö 9ted(|te, fonbem aud^ ^flic^ten, nämlid^ bie gefe^lid^e
Unter^altöpflid^t, gegenüber bem Slnne^mcnben begrünbet roerben (üergL bie
Snnal&me an JUnbedflatt. SSertDonbtfii&aftdDcrlgaltntg k. § 1620. 979
aRoÜDe gu § 1627)^ ipöl^tenb nad^ bem preug. 9[. 2. fR,, totli)^ bte äSirhtngen
ber älnnal^me an Jtinbedftatt fraft ®efe|ed auci^ auf bie älblömmlinge be0
angenommenen erftredt, eine gefeftlid^e UnterJ&altdpflld^t für bcn Slngenommencn
unb beffen aftlommlinge nici^t entfielt (prcufe. 21. S. SR. n, 2 §§ 691, 692).
2)asu tommt, bag iebenfaDd in bie @elbftänbigleit DoUiS^riger Slbtömmlinge
}u tief eingegriffen werben mflrbe, nienn biefelben fraft bed ®efe|ed ol^ne
Slüdftd^t auf i^re Sinmilligung gegmungen merben fönnten, in ein bürgerUd^ed
S3enDanbtf(i^aftdt)erl^fi(tnig gu einem 2)ritten }u treten unb beffen Flamen gu
führen, ^aben aber bie älbt5mm(inge bed eingenommenen nod^ nid^t bad
Diei^el^nte fiebendial^r surücfgelegt unb {leiten fte unter ber elterlid^en ©emolt
bed 9[n}unel^menben, f o tann er a(d gefeglid^er SSertreter berfelben ben 93ertrag
jugleid^ für fie fd^Iiegen (§ 1613). Qroax bebarf ed baju nad^ § 1613 Slbf. 2
ber ©enel^migung bed 93ormunbfd^aftdgerid^teö ; inbeffen mirb (egtered biefe
©enel^migung nid^t oerroeigem, wenn bie ©rftredEung ber Annahme an Äinbeö^
ftatt auf bie 2lb!ömmUnge be« Slniunel^menben im Sntereffe berfeCben liegt
a»it giüdfrid^t barauf, bafe naci^ § 1617 Saft 3 ber a[nna]^met)ertrag
fc^on mit bem ^bfc^luffe bed (enteren für bie SBertragfd^ftegenben binbenb ift,
fomie aud Stüdfid^ten prattifd^er 3n>ed(mägigfeit foQ aber für bie @ntfc^eibung,
ob ein SfblSmmling bed älngenommenen ate oor^anben anjufel^en, nid^t ber
3eitpunft ber Seftötigung, fonbem ber ber Sci^liegung bed Slnna^meoertraged
maggebenb fein.
Sag burc^ bie älnna^me an fiinbedftatt gniifd^en bem 9(nnel^menben unb
fo(d^en 93ern)anbten bed eingenommenen, meldte nic^t älbfömmlinge bed le|teren
ftnb, ein SSermanbtfd^aftd^ ober ©d^mögerfci^aftdDer^ältnig nici^t begrünbet mirb
(Dergl. fäci^f. ®. 8. § 2045), ergiebt ftd^ aud bem »egriffe ber SBerroanbtfd^aft
unb ber Sd^mSgerfd^aft Don fetbft unb brandet bed^alb nid^t befonberd aud^»
gefprod^en ju nierben (t)ergl. bie 3)lotit)e ju § 1596 oben ®. 947).
dagegen mürbe auf @runb bed im § 1601 Slbf. 1 audgefprod^enen m-^*
^rinjiped in Ermangelung einer entgegenftel^enben SBeftimmung jmifd^en bem*^J^t**
Slnne^menben unb bem ©Regatten bed angenommenen ober eined von ber 3lm »enenjc,
na^me an jtinbedßatt mitbetroffenen 9lbIommlinged bed le^teren ein Sd^mäger»
fd^aftdDerl^filtnig begrünbet merben. 2)iefe im franj. Sted^te beftrittene
äSirhtng fd^liegt ber § 1620 9[bf. 2 aud ä^nlid^en ©rünben, mie im gaDe
bed § 1596 älbf. 1 @aft 2, audbrücfUd^ aud (t)ergl. bie SRotioe gu § 1596
oben ©. 948).
älnlangenb bad 93erl()Sltnig bed eingenommenen gu ben SSermanbten bed w- ber »«r.
ainnel{imenben, f o mirb nad^ röm. unb gemeinem SRed^te bei ber adoptio minua """^^ ^
plena unb ber Slboption burci^ eine grau jmifd^en bem Angenommenen unb "e^menben,
ben SBermanbten bed Slnnel^menben ein 93em)anbtfd^aftdt)er]^ältni|3 nic^t be^
grünbet. Sie gegent^eilige 93orfd^rift bed r5m. Sted^ted für bie älrrogation
unb bie adoptio plena l^ängt mit ber befonberen ©eftaltung ber röm. gamilie
jufammen. Db unb inmiemeit in biefer Sejie^ung bie ©runbffifee ber
älrrogation unb ber adoptio plena gcmeinred^ttid^ nod^ anmenbbar ftnb, ift be*
ftritten. 3n SBürttemberg wirb angenommen, bafe burc^ bie Annahme an
Äinbedftatt jmifd^en bem Slngenommenen unb ben aSermanbten bed 9ln«
ne^menben feine SSermanbtfci^aft entftel&t. 3)ied ift aud^ ber ©tanbpunft ber
62*
980 annähme an 5«nbcöftatt burd6 e^cgattm. § 1621.
neueren ©efefegebungen (oergl. prcufe. 31. 2. 91. II, 2 §§ 708—710; oftcrr.
@. 93. §§ 183, 755; code chil ärt. 348, 350; fäd^f. ®. 33. §§ 1799, 2044,
2045; M' ®ntro. III 3lrt. 77). 5Daö preufe. 31. S. 3i. II, 2 § 710 geftattct
jebod^, bafe burc^ einen bcfonberen gamiUenüertrag aud) jmifd^en bem 3lm
genommenen unb ben SSerwanbten beö 3lnnef)menben eine ^^öntilienoerbinbung
l^ergefteBt roirb.
3)er (gntrourf (§ 1620 3lbf. 2) [daließt ftd^ in biefcr a3cjie^ung ben
mobernen SRec^ten an. 6ine 3luöbe^nung beö burd^ bie 3lnnal^mc an Äinbed-
ftatt begrünbeten Sßer^ältniffeö auf bie SSermanbten bes 3lnne^mcnben würbe
über ben Qrocd beö 3»iftituteö unb baö SSebürfnife l^inauögeben unb ben
l^eutigen 3rnfd^auungen nid^t cntfpred^en. Oegen bie 3u(ajfung einer fold^en
©rroeiterung im 3Bege eines ^amitient)erh:aged fpred^en aber, abgefc^en baoon,
bafe in biefer SRid^tung ein S3cbürfni6 nid^t vorliegt, biefelbcn Sebenfcn, roie
bei ber Scgitimation burcb ®^efid^feitöerflärung (oergl. bie 3Rotipe ju § 1583
oben ©. 935).
i)inf. bed Slbroei^enb t)om röm. JRed^te (1. 14 pr. D. de ritu nupt 23, 2) unb bem
^''Är preufe. 31. ü. SR. II, 2 § 686 beftimmt ferner ber § 1620 Slbf. 2, ba^ burc^
nc^mcnben. jjj^ 3lnnaf)me an Äinbcßftatt jmifd^en bem Slngenommenen unb bcffen 3lb?
fömmlingen einerfeitö unb bem Sliegatten beö Slnnebmenben anbererfeitß fein
©d^roägerfd^aftöocrl^ältnife begrünbet mirb (oergt. audb § 1240). ©ö beruht
biefe SSorfd^rift auf äI)nUd^en ©rroägungcn, roie biej[enigen, roetd^e ju ber ent?
fpred)enben 33orfd^rift beö § 1596 Slbf. 1 ©afe 2 geführt ^aben (oergl. bie
aRotioe JU § 1596 oben ©. 948).
Ueber ben ^all, wenn ein 6^egattc baß Äinb beö anberen an Äinbeöftatt
annimmt, üergl. § 1621.
§ 1G21.
inTSe« ®^^ Scftimmung beö § 1621, bafe, wenn roä^renb beftel^enber @^e Don
bun* beibe beibeu ©fjegatteu biefclbe 5ßcrfon an Äinbeöftatt angenommen wirb, ber 31m
«^eflttttcti, genommene bie red^tüd^e Stellung eines gemeinfd^aftüd^cn ebelid^en Äinbcö
beiber ©Regatten nad) SKafegabc ber §§ 1601, 1620 erlangt, ift eine ber ©ad^^
läge unb ber Stbfid^t ber ©fiegatten cntfpred&enbe Äonfequenj beö im § 1601
Slbf. 1 auögefprod^enen ^rinjipeö, eine Äonfequenj, weld^e in ben neueren
©efe^gebungen jroar nidt)t befonbers lieroorgc^oben wirb, beren auöbrüdflicbe
^eroorbebung fid^ aber mit SRücffid^t barauf empfiel^lt, bafe gerabc berartigc
gemeinfame Slboptionen burd^ ©b^flötten am böwfigften Dorjufommen pflegen.
eines S)em ^alle, wenn mäbrcnb befte^enber ©£|c oon beiben ©begatten bicfelbe
cinen*cj!'! ^ßerfou üu Hiubcöftatt angenommen wirb, ftellt ber § 1621 in 3lnfel(iung ber
^""*"b*"/n ^^^'^^"9 ^^^ anberen %aU gleid&, wenn mäl^renb befte^enber ©^e üon einem
©f)egatten baö Äinb beö anberen ©fiegatten an Äinbeöftatt angenommen wirb.
®er SluöbrudE „Aiinb" begreift nad^ bem Oefege (§ 30 Slbf. 3) aud& baö um
tf)d\d)t Äinb ber ©Ijefrau. S)ie befte^enben SRec^te übergeben ben \)iix in
Siebe ftebenben gall mit ©tillfd&meigen. 2BoBte man auf benfelben einfad^
bie allgemeinen Örunbfägc über bie SBirfungen ber Slnnabme an Äinbeöftatt
antoenbcn, fo würbe fid& barauö in ocrfd^iebenen 9lid&tungen ein DöHig
3lnitä]&mc an Äinbcöftatt. gamiKenitamc. §1622. 981"'
anotnaied unb bcm SBiUen ber ©l^cgdtten nid^t cntfpreci^enbcö 33erl^ältni§ er-*
geben. Die lÄnroenbung bcr attgcmcincn ©runbfäfec auf bicfen gatt würbe
namentlid^ bal^in fiifiren, bafe, roenn eine ©[jefrau baö Äinb bes ©^cmanneö
an Äinbeöftatt annimmt, bie cltcrlid^c ©eroatt beö (enteren über ben Stn-
genommenen bauernb megfaDen (§ 1626 3lbf. 1) unb an Stelle berfelben bie
etterlld^e ©emalt ber et)cfrau treten (§ 1601 3lbf. 1, § 1623), ber Slngenom*
menc aud^ ben Familiennamen ber @{)efrau, mcldjcn bicfetbe üor ©d^lic^ung
ber (g^e gefüfirt liat, erhalten mürbe (§ 1622). Slnbererfeitö mürbe in bem
umgef eierten gälte, menn ber Seemann baö ftinb feiner ß^efrau an Äinbeö*
ftatt annimmt, bie tefetere bie 5ßflid)t unb bas SRed^t ber ©orge für bie ^crfon
bcö ftinbcö na^ 2Ra§gabe ber §§ 1557, 1570 bauernb verlieren (§ 1626
3lbf. 2). ©ine berartige ©eftaltung ber Söerl^ältniffe mürbe t)5Uig anomal fein
unb ben S^ctfen, meldte bei einer fold)en 3lnna^me an ftinbcöftatt t)erfolgt
mcrben, feineöroegö entfpred^en. 83ielmcl|r gellt in fold^en gälten bie Slbfid^t
ber ©Regatten baf|in, bag baö Äinb in golge ber Slnnal^me an Sinbeöftatt
bie redfitlid^c Stellung eineö gemeinf^aftlid&cn e^ctidfien Sinbeö beibcr ®l^e*
gatten erlange unb bemgemäfe aud^ bie elterlid^en SRed^te unb 5ßflidf|tcn, inß?
befonbere au^ bie 3wfWnbigfeit ber elterlid^en (Seroalt, unter i^nen gc^
regelt mcrbe.
SBenngleid^ ber § 1621 bie bort bejcid^neten beiben , gällc in i^rer
SBirfung gleidbftellt, fo finb bicfelben boä) infofern Derfd^iebcn, alö in bem
galle, menn ein 6^egatte baö Äinb beö anberen ©Regatten an Äinbeöftatt an«
nimmt, nur ber erftere, nid&t aud^ jugleidf) ber legtere bcr 3lnncl^menbe ift.
3)er leibli^e ©Iterntlieil beö Äinbeö nimmt nid^t alö SKitfontrafient an bem
3lnna^met)ertragc SItieil, fonbern eö genügt bie ©inroilligung beöfclben nad^
a»a6gabe ber §§ 1606, 1610. 3)Ut 9lüciridf|t barauf, ba§ in bem in SHebe
fte^enben galle bie Slnna^me an Äinbeöftatt a\x6) in 3lnfe^ung bcö SBcrl^ält^
niffeö jmifdjcn bcm Slngenommencn unb beffen ©Itcrntlieile pofitit)e SBirfungen
erjcugt, fd^eint cö an [xi) näbcr ju liegen, ju beftimmcn, bafe audf) biefer
©Iterntl^eil ben 9lnnal^met)ertrag mttabfd^lie^cn muffe, jumal ber § 1629 3lbf. 4
benfelbcn aud^ bei bcr 3Bieberauft|ebung ber 3lnnal[)me an Äinbeöftatt burd&
SSertrag alö 3Jlittontra^enten be^anbclt. 3)ie Siegelung bcö ©ntrourfcö t)cr*
bicnt ieboi^ ben SBorjug, tfieilö um in bem bi^^ fraglidfien galle bie Slnnabme
an Jtinbeöftatt ju erlcid^tern, t^cilö um beöroillcn, roeil, menn bcr ©Iternt^cil
beö Säniune^mcnbcn alö aWitfontral^ent be^anbelt roürbe, baö 'JHifeoerftänbnift
entftefien fonnte, alö ob berfclbe ebenfallö alö änne^mcnbcr $u be^anbeln fei
unb bcö^alb audf) in feiner ^erfon bie bcfonbcrcn SJorauöfegungen ber Sln^
na^me an Äinbeöftatt vorliegen müßten.
§ 1622.
3)ic Seftimmung beö § 1622 Slbf. l, bafe ber 9lngenommenc ben ?>«miiieiu
Familiennamen beö 9lnncl)mcnben erholt, ftel)t mit bcm preufe. 91. iJ. SH. II, 2 flen"ommenen!'
§§ 682, 688, bem öfterr. ®. 33. § 182 unb bem oode civil 9trt. 347 (ocrgl.
oud& lieff. entm. III 9lrt. 73) im ©inf lange, mfifircnb nad^ bcm föd^f. ®. S3.
§ 1796 ber 3lngenommene feinem Familiennamen ben beö 9lnnel}menben bei*
982 %malmt an Jtiitbedfiatt gomtlieniiame. § 1622.
fugen lann^ ober md|t tnug. 3)ie be}et^nete SBirfung tft eine jtonfequetq beft
im § 1601 abf. 1 auftgefprod|enen ^rinsiped (nergL §§ 1497, 1569) nnb
entfprid^t bem S^tdt bed 3nftttuted, bag auf bem SBege bet Xnnal^e an
jtinbeöftatt bec 9lame unb bie gamilie bed Snnel^menben fortgepflan)t loerbe.
3ug(eid^ n)irb auf btefe 98eife bad burd^ bie SKnna^me an jtinbedftatt ge«
fd|afpene 9led|töoer^a(tnig fiugerlid^ erfennbar gemad|t
9[ud| bie vmtttt SSeftintntung beö § 1622 äßrf. 1, bag ber älngenommene,
iDenn ber älnnel^menbe eine ^au ift, rod^t b\xv6) Sd^Iiegung einer @^e ben
^miliennamen bed (Sl^emanned erl^alten ^at, ben ^rnUiennanten tt\)Slt,
roeliftn biefelbe oor ©d^Hegung ber @^e geführt ^at, ift eine jtonfequen} bed
$rin}iped beö § 1601 äPbf. 1. SSon biefer jtonfequen} ab}ugel^en, empfiehlt
^i) um fo meniger, ate ber eingenommene ju bem S^egatten bed Snnel^menben
unb ju ber gamilie beö te|teren in leine JBerbinbung tritt (oergL aud^ § 1569).
2)er SnhDurf ^at beöl^alb aud| bie Seftimmung bed preug. 91. S. 91. n, 2
§ 689 nid^t aufgenommen, bag ber 9lame bed frühen (S^emanned einem
f otd^en jtinbe unter bef onberen Umftdnben, meldte bie 93eforgnig eined SBiber«
fprud^ed Don ©eiten ber ^mtlie bed (S^emanneö audfd^tiegen, burd| audbrüdE:'
lid^e (anbedl^errUd|e S9egnabigung beigelegt merben fönne. Uebrigend ^at iene
S9eftimmung fd^on gegenwärtig il^re praftifd|e ä3ebeutung t)ertoren, ba an^
genommen mirb, bag ber älDer^öc^fte @r(ag v. 12. Suli 1867, burd^ meldten
ben 9{egierungen bie S9efugnig }ur Srtl^eitung ber gefe^Hdl erforberUd^en ®e^
ne^migung t)on 92amendfinberungen beigelegt ift, aud^ bie ^De bed § 689
a. fi. 91. n, 2 umfagt.
Sag, menn ber eingenommene eine oer^eirat^ete ober oerl^eirati^et ge«
mefene |$rau ift, biefelbe lebigltd^ ben Familiennamen bed @l^emanned bel^t
(§§ 1274, 1455) unb burd^ bie nad^ ber @l^efd^liegung erfolgte älnnal^me an
Äinbcöftatt nur ber gamiliennamc eine Äenberung erleibct, meldten bie ©l^efrau
cor ©d^liegung ber 6^e gefül^rt l^at, fann nid|t jmeifel^aft fein unb bebarf
feine« befonberen 3lu«brudEeö.
®ie SBeftimmung be« § 1622 3lbf. 1 ©afe 2 entfprid&t bem ^rinjipe be«
§ 1621 in SBcrbinbung mit bem § 1497.
Bcifflgung 92eben bem neuen 9lamen foD ber angenommene ]ebod| ben bidl^erigen
bii^^en S<^i«iKennomen fortführen (§ 1622 3lbf. 2). ®d ift biefi bur^ bad 6ffentlid|e
Rammen. Sutcreffc geboten, bamit nid&t bie gefiftellung ber Sbentitdt ber ^rfon bed
nameni. eingenommenen erfd^roert unb feine, fortbauembe S^B^^^rigfeit ju feiner natür*
lid&en gomilic (§ 1625) oerbunfelt wirb (oergl. aud^ öftcrr. ®. ». § 182;
Code civü 3lrt. 347; fäd&f. ®. ». § 1796; I|cff. ®ntn). IH «rt. 72). SKlt
bem öffentlid^en Sntcreffe unb bem ©runbfa^e beö öffentlid^en SRed^tcfi, bag
bie SHamcnöänbcrung ber ©iöpofttion ber ^ßrioaten cntjogcn ift, fann cd au(^
nid^t als oercinbar angefel^cn werben, bie gortfü^rung bcfi bisherigen gamilien*
namend nur als ein Siedet, nid^t aud^ ald eine $flid^t l^in^ufteDen (t)ergl.
preug. 91. S. SR. II, 2 § 713) ober ben ^Parteien ju geftatten, in bem ännaJ^me*
©ertrage barüber ju bcftimmcn, ob ber bisherige Familienname fortgeführt
werben foll. ©egenüber bem öffcntlid^en Sntereffe mug bie SRüdffid^t auf bafi
3ntere{fe, weld^ed ber Slnne^menbe unb ber älnjunel^menbe unter Umflfinben
baran ^aben fönnen, bog ber legtere feinen bid^erigen F<^miliennamen neben
9nna]gme an fiinbe^ftatt. Slterlid^e @tti>alt § 1623. 983
bem neuen Slamen nU&t fortfül^re, in ben ^intergrunb treten. 3^^^"^ ^t^*t
ed benfelben unbenommen, geeignetenfaDd im ^Senoattungdmege barauf an-
}utragen, bog bem SKngenommenen geftattet merbe, nur ben Flamen bed 3ln«
nel^menben }u fül^ren.
3n)eifell^aft !ann ed fein, ob beftimmt merben foD, bog ber btdl[ierige
^milienname unter S9eiffigung bed neuen 92amend (code civil 3lrt. 347;
ffid^f. ®. S9. § 1796) ober umgelel^rt ber (entere unter ÜBeiffigung beö erfteren
ju fähren ift. Sie legtere Siegelung oerbient iebod^ ben ^orjug, ba fte bem
burdi bie älnnal^me an itinbeftftatt begrünbeten 93erp(tniHe unb ber @itte in
jDeutfd^lanb om meiften entfprid^t.
6ine Seftimmung barüber, melci^en 6influ6 bie Slnnal^me an Äinbeöftatt ®to«J>*>e»«n'
auf ben @tanb bed Stngenommenen l^at, ob unb unter melci^en SBoraudfe^ungen ^
ber legtere namentlid^ ben Slbel bed Slnnel^menben ermirbt (oergt. preug.
«. 2. SR. n, 2 §§ 683—685, STn^. § 100; öfterr. ®. S. § 182; ^eff. ©ntu). HI
3lrt. 74), ift in Uebereinftimmung mit bem fäd&f. ®. 83. auö benfelben ©rünben
nid^t aufgenommen, aud meldten aud^ in anberen al^nlid^ liegenben göDen
(wrgl. bie aRotipe ju §§ 1274, 1497, 1583 oben ©. 106 ff., 937) in biefer
93eiiel^ung im ©efege gefd^miegen ift.
§ 1623.
Sud bem 5ßrinjipe bed § 1601 Slbf. 1 in aSerbinbung mit ben §§ 1501, «*««*« ®';
1502 folgt, bafe ber Sinnel^menbe, wenn ber Slngenommene minberiä^rig ift, bie "Se^menben"*
elterlid^e ©ewalt aber ben legteren nad^ SRaggabe berienigen SBeftimmungen
erlangt, meldte für bie elterlid^e ©emalt über e^elid^e itinber gelten. Snd-
befonbere entfprid^t ed aud^ ienem ^rinjipe unb ber oon bem @ntn)urfe an$
erfannten elterlid^en ©emalt ber el^elid^en SRutter, ba§, wenn ber Slnne^menbc
eine grau ift, bie befonberen JJorfd&riften bed § 1538 3lbf. 1 SRr. 2, 3 unb ber
§§ 1539—1543, 1558 entfpred^enbe 3lnn)enbung finben (§ 1623 äbf. 4). 3n
ben ^Sütn bed § 1621 ergiebt fid^ aud bem ®rutü)fage, bag ber eingenommene
bie red^tlid^e Stellung eined gemeinfd^aftlid^en e^elid^en Jtinbed beiber @l|egattcn
^at, o^ne SBeitered, bog in 9[nfel[|ung ber elterlid^en ®en)alt bed @^emanncd
unb ber @I|efrau biefelben 93orfd^riften maggebenb finb, mie menn ber 9ln«
genommene ein gemeinfd^aftlid^ed el^clid^ed ftinb beiber @I|egatten n)are. 3)er
@ntn)urf ^at !ein 93ebenfen getragen, oorbel^altlid^ ber aud bem § 1623 fid^
ergebenden SRobififationen, ed bei ben bejeidineten ftonfe^uenjen }u belaffen.
@d lägt ftd^ allerbingd im ^inblide auf bie nad^ bem @ntmurfe mit ber etter^
lid^en ©emalt aud^ in Slnfel^ung bed SSermögend bed fiinbed üerbunbenen meit^
ge^enben SRed^te nid^t oerfennen, bafe bie ©rlangung jener Siedete, indbefonberc
bed Sled^ted ber elterli^en äSermbgendoenoaltung unb ber elterlid^en ?lu(niegung^
für ben Slnnelimcnben möglid^erroeife bad 5Dlotit) ber Slnnalime an Äinbedftatt
werben fann unb bie ®efal)r bed SKifebraud^cd bed SRcd^ted ber SBcrmogend-
Denoaltung um fo nö^er liegt, ald ber 9lnne()menbe unb ber eingenommene
nid&t burd^ ein natürlid&ed Sanb mit einanber perbunben finb. enoägungcu
ber 3lrt l^aben benn aud^ bad preufe. 31. 2. SR. II, 2 §§ 694—700, 716, bad
fädbf. ®. ». §§ 1797, 1811, 1816 unb ben I6eif. ®ntn). III 3lrt 75, 76 beftimmt.
984 Slnnal&mc an Äinbcöftatt. (gltcrlt^c &malt § 1623.
bic ^flid^ten imb Slcd&te bcr pötcrlid^en bejß). ber eltcrüd^cn ©crooft auf ben
Slnncl^mcnbcn nur in Slnfc^ung bcr ^crfon beß Slngcnotnmcncn ju übertragen,
in Slnfcl^ung ber a3crm5genöt)crroattung aber eine SBormunbfd^aft bejro. ^Peg-
fdiaft eintreten ju loRen unb bem 3lnne^menbcn inöbefonbcre aud^ bad SRed^t
ber elterlid&en Slugniefeung ju t)erfagcn. ©incr berartigen J^^eilung bcr mit
bcr elterliddcn ©croalt t)erbunbencn ^ßflid^tcn unb Siedete ftcf^en iebod& cr^cblid&e
Scbenfen entgegen. ®egen bie gortbauer beö 3led^ted ber 93ennogcnöt)crn)aItung
in ber 5ßerfon bcö leiblid^cn eiternt^cileö (preufe. 31. S. SR. II, 2 §§ 696—700,
II, 18 § 814) fprid^t inöbefonbcre bie ©noögung, ba% bcr Slngcnommcnc burd^
bie Slnnal^mc an Üinbeöftatt fel^r oft in eine Äcbenöftettung unb in fojiafe
3SerpltniRe fommt, nicldfie uon bencn bcö Iciblid^en eiternt^eilcö DoDig ocr*
fd^iebcn finb. 2)iefc ©noägung führte aud& bei S3crat^ung bcr preufe, 33omt. 0.
im prcufe. Sanbtage baf|in, entgegen ber Slegierungöoorlagc, ein oorjugöroeifcö
9lnred^t beö lciblid()cn SBaterö auf bie SBormunbfc^aft über baö t)on einem SInbcrn
angenommene Äinb nid^t anjuerfenncn. S)iefeö 93cbcnfen fann man ollcrbingö
ücrmeibcn, mcnn man nad^ bem SSorbilbe bcö f|cff. ©ntrourfeö cö bem SBormunb::
fc^aftögerid^te überläßt, ben Iciblidfien ©Ilcrntt^cU ober ben 9lnncl^menbcn
ober aud^ eine brittc ^^crfon alö Pfleger für bie aScrmögcnöDcrroaltung ju
beftellen. ©ine berartigc Siegelung mürbe aud^ bem gcgcnmcirtigcn SRce^tö-
äuftanbc in ben ©cbicten beö preufe. 91. S. SR. cntfpredficn, menn man bic
9lnftd&t t^eilt, ba§ bic lanbred^llid^c gefcftlicbe SBormunbfd^aft beö Iciblid^cn SSatcrö
über baö angenommene Äinb burd^ bic prcufe. 93orm. D. u. 5. 3uU 1875 § 102
befeitigt fei. 3l\ä)i bcfcitigt werben aber burd^ eine fold^c ^Regelung bic praf-
tifd^cn Unjutrögli^feitcn, meldte mit einer SBcrti^eilung bcr SScrtrclung unter
uerfd^icbene 5ßerfoncn immer t)crbunbcn fmb. Scibft bann, menn man bc^
ftimmtc, bafe bcr SKnncl^mcnbc fraft beö ©cfcgcö alö 5ßf[cger berufen fein foUc,
mürbe immer nod^ bie praftifd^e ©djmierigtcit bleiben, iroifdfien ben nic^t-
ücrmögcnöreddtlidficn unb ben DcrmogcnörcdfitUd^cn 9lngclegcn^citen beö Äinbcö
eine f^arfe Orcnjttnic ju jicl^cn, eine ©rcnjiinic, mcld&c gejogen werben
müfetc, mcil ber 9lnnel)mcnbe in feiner ©igcnfd&aft alö Pfleger Dietfad^en 93e'
fc^ränfungen untermorfcn fein mürbe, meldten er alö Sn^aber bcr cltcrlid&en
Ocmalt nid^t unterliegt, ^roax fann cö nad^ bem ©ntrourfc aud& in uer-
fd^iebenen anbcrcn gälten oortommen, bafe bem Snl^abcr ber elterlichen ©eroalt
bie aScrmögenöt)crroaltung nic^t juftclit (ocrgl. §§ 1510, 1546, 1550, 1553);
iubeffen ol)nc SRotl^ ift eine fol^c S^licilung ber 33ertretung nic^t ratt^fam.
2)aju fommt, bafe bie 93ebcnfcn gegen bic Ucbertragung ber t)oUcn elterlid[)en
(Sjcroalt auf ben Slnncl^mcnbcn ni^t Don crl^ebli^er praftifd^er Scbcutung fxnb,
ba bic ctterlid^e ©eroalt nad^ bem ©ntrourfe mit bcr 3}oUiä^rigfeit beö Äinbcö
cubigt, bic 9lnnal)me cincö üRinbcriäl^rigcn nacb § 1613 Slbf. 2 an bie ©c-
nelimigung beö 33ormunbfd^aftögcrid)teö gebunbcn ift, übcrbicö ein minber*
jälirigeö Äinb, rocld^cö aboptirt roerben foU, regelmäßig rocnig ober gar fein
Vermögen befi^cn roirb unb geeignetenfallö nad^ § 1628 in bem Stnnal^mc*
vertrage bie cltcrlidfie ^tujnießung auögcfd[)loffen roerben fann. gcmer bienen
bie befonberen ©infc^ränfungen, melden na^ § 1623 Slbf. 1 in geroiffen
^)tidE)tungcn bic clterlid^e ©eroalt bcö SKnnc^mcnbcn unterliegen foH, baju, um
i)cm Äinbe einen größeren Sd^ufe gegen 3Rißbraud[) bcr cttcrlid^cn ©eroalt ju
annähme an Äinbeßftatt. (grterrid&e ®mdt § 1623. 985
gcroö^rcn. 2luf bcr anbeten Seite bietet bic Siegelung bcö ®ntrourfeö ben
großen SBort^eil bcr @infad)^eit imb red^tfertigt burd) bie grofeere 3lnlel^nung
an baö jroifdicn ben leiblid&cn 6ltern unb cf)diä)tn ftinbcrn beftelienbe 93ep
j^ältnife bie ©noarlung, bafe baö fünftlid^ gcfdfiaffenc aied^töoerl^öltnife fid) ebem
faDö ate ein inniges geftalten werbe. 83on biefem Stanbpunfte auö empficl^lt es ^^^^^^^l^^^
^6) aud) n\d)t, bem 9lnnel^menben Iraft ©efegeft bic etterlid^e Stujniefeiing ju
Dcrfagen. Siefclbcn ©rünbe, rocld^e ba^in gefül^rt l^aben, mit ber eltcr^^
lid&en ©croalt überhaupt bie elterüd^e Sftugniefeung ju oerbinben, ins-
befonbcre bcr Ocbonfe, bafe bie ©teHung bes S^^abers ber citerliddcn ©e:=
walt gegeniiber bcm ftinbe eine felbftänbige, bas Äinb von bem crfteren
abl|ängig fein muffe, fprc(^cn liier, wo nid^t fd)on bie Sßatur bas ©efül^I
bcr 9lb^ängigfeit mit fid^ bringt, fonbern es fxd^ barum l^anbclt, ein fünft-
liebes gamilicnücr^ftltnife bem natürlidficn moglid^ft anjunäticm, in er^ö^tem
SRafee bafür, auä) bem Slnnel^mcnbcn bic clterüd^e 9lu|niefeung etnjuräumen.
SRit bcm ©ntmurfc ftimmen im ^rinjipe bas gemeine SWcd^t unb bas bapr.
S. 91. T, 5 § 10 5Rr. 7, § 11 in Slnfel^ung bcr 9lrrogation unb ber adoptio
plena, fenicr bos öftcrr. ®. 33. § 183 unb bas rocimar. ®ef. v. 27. aBörj 1872
§§ 3, 4 iibcrcin (t)crgl. aud^ jür. ®. S3. §§ 234, 246, 249, 251, 258, 261, 263).
©cmcinrcc^Uid^ ift allerbings beftritten, ob bcr leiblid&e SBalcr burd^ bie adoptio
plena ben on ben Slbücntijien bes ÄinbeS bereits ermorbcnen ^licfebraud^ oer-
liert ober ob ber Icfetcre crft mit bcm Xohe bcS leibli^cn SSaters auf bm
STboptioüatcr übergebt. ®iefe Streitfrage l^ängt icbodf) mit ber l^iftorifd&eu
®ntn)icfelung bes Slboentijicnrcdjtcs jufammen. Da^ nad^ bem oftcrr. ®. S.
ber 9lboptiot)atcr ben SHic^raud^ am Vermögen beS eingenommenen nid^t
erfangt, ift lebiglic^ eine ilonfcquenj bes Safics, bafe nad) bem öfterr. @. S.
mit ber oäterIid)cn ©eraalt ein 3l\t^hvauä) am aScrmögen beS Äinbcs nid^t
t)crbunben ift.
3m ©injclnen ift ju ben aSorfdfiriftcn bes § 1623 nod^ golgcnbcS ju
bemcrfcn.
1. S)ic Scftimmung beS § 1623 3lbf. 1 ©afe 1 ift bem § 1548 nac^^ ^''"euif«" "'^
gebilbct. ©iefclbe cmpfietilt fid^ als ftontrole bcr bcm Slnne^mcnbcn ju* »ermögenö*
fteficnbcn SBermögcnSDcrroaltung unb im ^inblidfc auf bic bcmfclben naä) "«'"«^"^ff^^-
Scenbigung ber elterUd^cn ©emalt obüegenbe SBcrpflid^tung 5ur SWcd&nungS?
legung unb Verausgabe bes aScrmögcns bes ÄinbcS (§ 1700, § 1503 3Ibf. 1).
S)iefe ®infd)räntung ift um fo me^r angcjcigt, als bcm 9lnnel^mcnben über^
roiegenb nac^ bcm geltenbcn SRcc^tc bie aScnoaltung beS bem 3lngcnommcncn
gel^brenbcn SScrmögenS übcrljaupt nid^t juftel)t.
2. Slnlangenb bie »eftimmungcn bes § 1623 3lbf. 1 Safe 2, 3, fo ift ^^^f ^^^'«^^^^^^^
nid^t iu ocrtennen, bafe eine gemiffc ^ärte gegen ben 9lunel[)menbcn barin fd,aft«.
liegt, wenn bas SBormunbf^aftsgcriddt, obroobl basfelbe bie 3lnna^me an o'^^'**««
ftinbesftatt obnc SBorbel^alt genehmigt ^at (§ 1613 3lbf. 2), fofort nadEi bcr
gerid&tlid&en »cftötigung mä) 9)Ja6gabc bes § 1547 9lbf. 1 Safe 2, 3 u. 3lbf. 2
oI|ne bic im § 1547 Slbf. 1 Safe 1 bc5eid^netcn SBorauSfefeungen foU ein*
greifen fönncn, mcnn es bic betreff cnben 3lnorbnungen im ^ntercffc bes
KinbeS für crforbcrlid^ erad^tct. ©s fann bcs^alb jroeifel^aft fein, ob es nidtit
ben Sßorjug ücrbicncn mürbe, cS in bicfcr S3ejicl|ung bei ben allgemeinen
986 ^nnal^me an ^nbe^flatt. SrBred^t. § 1624.
©runbfögen bed § 1547 beioenben ju laffett, jumal aud^ im $aDe ber äSieber^
ocrl^ciratl^ung bcä 3nl&aberd ber citcriid&en Ocioalt — abgcfc^cn oon bcr
33erpflid^tunfl jur ©nrcid&ung cincd SBcrmogcnötJei^cid&niffeö — befonbere
SBeftitnmungen jum @d^uge beö ber äSenoaltung bed 3nl^^6erö ber elterlid^en
©etoaU unterdegenben SBermogend nid^t fär erforberUd^ erad^tet finb unb bad
Sortnunbfd^aftdgerid^t es in ber $anb f)at, bie ©ene^igung beö ätnna^me^
Dertraged t)on einer Dorgfingigen ©id^erl^eitdleiftung obl^fingig )u mad^en. 3m
Einbilde auf bie tünftlid^e ©runblage bed burd^ bie älnnal^me an jtinbedftatt
gefd^affenen 93erl|ö(tni{fed unb mit S^ödEftd^t auf bad in grogen Sted^tögebieten
geltenbe^ bem Stnne^menben ba& 9led^t ber SBermögendüermaltung uberl^aupt
oerfagenbe geltenbe 3ttä)t ift es jebod^ rat^famer, bie Sefugniffe bed SSormunb^
fd^aftdgerid^ted gegenüber bem älnne^menben in ber im § 1623 W>1 1 Sag 2, 3
bejeid&neten Wct ju erweitern.
a)ie 93orfd^rift bed § 1623 älbf. 2 bejiel^t ftd^ aud^ auf bieienigen
burd^ ben § 1621 betroffenen ^De^ in meldten bie leiblid^e aßutter bed pon
i^rem ©bemanne angenommenen jtinbed }u ber elterlid^en ©emalt gelangt
Dbmol^l in biefen ^öDen bad natürlid^e Sanb }n)ifd^en ber SRutter unb bem
Äinbe audreid^enbe ©arantieen gegen einen 5Dli|braud^ ber elterlid^en ©eroatt
}u bieten fd^eint^ fo ift bod^ im ^tereffe ber @infad^^eit bed ©efeged baoon
3(bftanb genommen^ in biefen ^Uen bie älnmenbung ber befonberen 93e^
ftimmungen bed § 1623 Slbf. 1 aud}ufd^Iie|en.
<sH(^ue«unfl 3. 5[)ic «eftimmung bed § 1623 Sttf. 3 (t)ergl. baju § 1242) redbt^
ne^etibw. fertigt fidd burd^ bie Slnatogic ber SBerl^ättniffe. Sie nad& ber Slnna^me an
ftinbedftatt t)on bem älnnel^menben gefd^toffene @§e ^at im 93er^ältnif[e }u
bem Slngenommenen materiell ftetd bie SBÄeutung einer jmciten @^e (cergl.
aud^ § 1599).
wtera*e®e. 4. ^it SSorfd^rift bed § 1623 5Äbf. 4 bejicl^t [xä) nid^t aud^ auf bie
"^Uöu"" Söß^ ^^ö § 1621. 3n biefen göUen ergiebt ft^ bie 3lnmenbbarfeit ber be*
fonberen SBorfdfirlften über bie elterli^j^e ©eroalt ber SJhitter, unb jroar ein*
fd^Iiefelid^ bed § 1538 Slbf. 1 3lx. 1 unb 3lbf. 2, bireft oud bem ^rinjipe bed
§ 1621.
^11?!?!! ö- Ueber bie religiöfe ©rjic^ung bed Slngenommenen entfd^eiben, wie bei
"^""""^ el^elid^en Äinbern (§ 1508), bie Äanbedgefefee (t)ergl. fäd^f. ©ef. v. 1. 9lo*
Dember 1836 § 16 ; bagr. Sleligiondebift t). 26. aWai 1818 § 19).
«rale^ung.
§ 1624.
^ir'^^m!* ^"^ ^^^ ^rinjipe bed § 1601 2lbf. 1 in aSerbinbung mit ben §§ 30,
mlnenTc! 1965 ff., 1975 folgt iu ©Hnaugelung einer entgegenftel^enben SBeftimmung Don
fclbft, bafe bem Slngenommenen. mic anä) ben Slbfommlingen bedfelben, fomeit
nad^ § 1620 5lbf. 1 bie SEBirfungen ber SKnnal^me an ftinbedftatt fid^ aud& auf
biefe erftrcdfcn, gegenüber bem Slnnel^menbcn badfelbe gefefelid^e ©rbred^t unb
5ßflid^tt^cildredf|t juftc^t, mie cl^eUd&en Slbfommlingen. Xamit ftimmen bad
gemeine SRed^t (t)ergl. ®ntfd^. b. SR. ©. in 6it)i(f. VI, 45) unb im ^rinjipe
aud^ bie neueren ©efcfegebungen überein (tjergl. preu§. 31. S. SR, II, 2 §§ 692,
693, 707 ; öfterr. ©. 8. §§ 183, 755 ; code civil Slrt. 350; fäd^f. ®. 85. §§ 2044,
Stnnal^me an jeinbedftatt. SrBred^t. § 1624. 987
2046, 2048, 2567). ©ctncinrcd^tlid^ gcrofil^rt icbod^ bic adoptio minus plena
bem Slngcnommcnen nur ein äfntcftafe, nid&t au6) ein SRotl&erbenrcd^t 3)cr
fo)iQle Sßert^ ber älboptton n)flrbe erl^eUtd^ ftnfen, toenn nid^t bem älboptit)^
tinbe burd^ bie 93eilegung eined JtinbederbreÄted unb ^ßid^tt^eildred^ted attd^
nad^ bem S^obe beö Slnne^menben ble ©rl^ialtung berienigen SebenßfteDung
geftdiert bliebe, in meld&e baßfelbe burd& bic SKnnal^me an Äinbesftatt gdfommen
ift. Die lefitere, ftatt eine SBol^ltl^at ju fein, fonnte fonft leidet jum Unglüdfe
beö 9Q>optit)finbed merben. jDaju tommt, bag, menn bad ^boptinfinb bad
Änbenfen an ben 3flamen «nb bie gamilie beö Slnnel^menben fortfegen foll,
bemfelben aud^ bie entfpred^enben 9Ritte( gemährt merben muffen, bied im
Sinne unb in ber älrt beö Slnnel^menben tl^un }u lönnen. dagegen liegt
fein Sebürfnife t)or, neben bem Älnbeöerbred&te unb bem ^flid^ttl^eitered&te beö
angenommenen bie fog. Quarta Divl Pii beö röm. 9led&tcö beiüubeftotten.
Slbgefel^en t)on bem ba^r. S. SR. 1, 5 § 10 9?r. 8 liaben aud^ bie neueren Oefefe*
gebungen einen berartigen Slnfprud^ beö 3lngenommenen nid&t anerfannt.
SRad& bem fädbf. ®. ». § 2568 (oergl. aud& roeimar. ®ef. o. 6. Sttprll 1833 mmt\i
50, 79; altenb. ®ef. v. 6. Slpril 1841 § 86; ®ef. für SReuB j. S. n. iBern>tt*^ten
10. ©ejember 1853 §§ 51, 77) erleibet bie SRegel, bafe baö äboptiottnb in „^*^
erbred&tlid^er ^inftd^t bie re^tlid^e Stellung eineö e^elid^en ftinbcö l^at,
infofem eine SKobififation, alö eö beftlmmt, bafe burd^ bie Slnnal^me an
Älnbeöftatt ber ^PPii^ttl^cil ber leiblid^en SBenoanbten beö Slnnel^menben nid&t
öeriejt werbe. S)eögleid&en foII nad^ bem preufe. 91. 2. SR. II, 2 §§ 672, 673
ben (SItem beö Slnne^menben, menn biefe nid^t in bie 9[boption eingemiDigt
l^aben, i^r Siedet auf ben ^ßflid^ttJ^eil an bem SRac^laffe beö 3lnnel^menben oor*
behalten bleiben, ^a nad^ bem @ntn)urfe nur fold^e ^erfonen aboptiren
lonnen, rodi^t einen el^elid^en älbfömmling nid^t l^aben (§ 1602), ber äln^
nel^enbe augerbem regelmögig baö fünf jigfte Sebenöial^r jurüdgetegt ^aben
mug (§ 1603), ein 5ßflieött^eilöred&t aber nad^ bem (gntmurfe nur bm aftfbmm*
llngen unb ben (Sltttn beö ©rblafferö ^wfte^t (§ 1675), fo ift bie grage, ob
burd^ bie Slnnal^me on Äinbeöftatt ber ^^flld&ttlieil ber Iciblid&en SSerroanbten
beö 9lnncf|menben unberülirt bleiben foII, iebenfallö nid^t von großer praftlfd^er
Sebeutung. Die SBemeinung biefer grage ift inbeffen aud^ fad^tid^ gered^t^
fertigt, ba baö $f[id^ttl^eilöred^t fein fd^on vox bem 2;obe beö @rbla{ferö
ermorbeneö SRec^t, fonbem nur eine ungemiffe Sluöfid^t ift, roeld&e auc^ auö
anberen ®rünben uereitelt merben fann. ©omeit aber SÄbfommlinge in grage
fommen, meldte erft nad^ ber 3lnnaf|me an Äinbeöftatt erjeugt finb, fann nid^t
einmal t)on ber SBereitetung einer Hoffnung bic SRebe fein. Stuf bie fcitencn
gfiHe aber, in meldten eine grau, bie bereitö une^elid^e Äinbcr f^at, ein
frembcö Äinb an Kinbeöftatt annimmt ober in meldten jur ^t\t ber annähme
an Äinbeöftatt ein nascitumiB beö Slnncl^menben uorl^anben roar (oergl. 2Rotit)c
JU § 1602), brandet im ©efefee befonbcrc SRüdEfid^t nid^t genommen ju merben.
Die meiterc SBorfd^rlft beö preufe. 21. £. SR. n, 2 § 676, bafe, menn ein ^^,*^^^"
(Seemann odne ®inn}iUigung feiner (S^efrau 3emanben an Äinbcöftatt am
genommen ^at, baburd^ in bem ©rbred^tc ber ß^efrau gegenüber i^rem 6^e*
manne nid^tö geänbcrt werbe, fommt für ben ©ntiourf nid^t in ^age, ba —
abgefel^en oon bem gatte ber S^obeöerflörung (§ 1611) — ein ©begatte nur
988 9lnna]6me an Ätnbcgftatt. (grbrcd&t. § 1624.
mit (Sinroilligung beä anbcrcn an ÄinbcöftQtt annel^mcn fann (§ 1606), 9luö
biefetn ®runbc liegt anä) fein Sebürfnife Dor, md) bem aSorgongc cinjetncr
Oefege (üergl. altenb. ®ef. v. 6. Slpril 1841 § 86; ®cf. für 9lcu§ j. S. d.
10. S)cjcmber 1853 § 77) jii beftimmcn, bafe burdö bie 3lnnal^me on Äinbcö«
ftatt bcr 5ßflid)ttt)eil beä ©Regatten beö Slnnel^menben nid^t gef($mfttert werbe,
ober mä) bem SBorbilbe bcö fäd^f. @. 33. §§ 2050, 2578 (t)crgt. ferner rocimar.
(Sjcf. t). 6. Slpril 1833 § 57; altenb. Oef. v. 6. Slprit 1841 § 63; ®cf. für
Steufe j. 2. V. 10. ©ejcmber 1853 § 58) für ben gall, wenn ber gcftorbenc
®()egatte anbcre jur gefc|U(f)cn ©rbfolgc bered^tigte 9lbf5mmlinge nid^t hinter-
(ö^t, als folc^e, TOcld^e er roä^rcnb ber (g^e an Äinbeöftott angenommen \)at,
baö gcfeßtid&e ©rbred^t beö übericbenben ©Regatten auf eine größere Quote ju
erroeitern (oergl. aud^ SRommfeu, ©rbred^töentro., 9Kotit)e ©. 168).
^t^w 2c. Db unb inioieroeit burd^ 3lnnal)me an Äinbeöftatt für ben 3lngenommcnen
©uf jeffionöred^te aud^ in Selben, gibeifommiffe, Stamm- unb Bauerngüter bc«
grünbet werben, rid&tet fid& nad^ bm betreffenbcn lanbeögefefeUdfien ©onberred&ten,
foiocit bie le^tercn nad) ÜRafegabe ber naiveren Seftimmungen beö ©infü^rungs-
gefcgcö unberührt bleiben.
(si-bre^t bcö 5ju^ Orunb beö im § 1601 Slbf. 1 auögefprod)enen ^^rinjipeö n)ürbe an
nc^mc'nben. fldf) umgefel)rt aud& bem Slnncl^menben nad^ SKafegabe ber §§ 1966, 1975 ein
(Srb^ unb ^^Jflid^tt^cilöredöt gegenüber bem 3lngenommenen unb beffen Slbfornm?
lingen, foroeit bie SBirfungen ber 2lnnal^me an Äinbeöftatt nad^ § 1620 2(bf, I
aud^ auf bie legteren fid^ erftrerfen, jufte^cn. Sn biefer ^infid&t bcftimmt jebod^
§ 1624 auöbrüctUdi baö (Scgent^eil. 3)icfe 2luönal[)mc t)on bem 5ßrinjipe beö
§ 1601 3lbf. 1 bejnjecft, ju t)erf)inbcrn, bafe bie 3lnnat)me an Äinbcöftatt alö
Dcdfmantel cigcnnüfeiger 3"^^^^ ^^^ ölö EDlittel jur Erlangung uermogenö*
red)tlid)er aSortljeik burd^ ben Slnnel^menben mifebraudfit roerbe. 3)urdö ben
9luöfd)Iu6 beö ©rb- unb ^f(idf)tt^cilöredf|teö wirb eine grö&ere ©arantie bafür
gewonnen, bafe cö nur fittlid^e, eble 3Kotit)e finb, meldte ben 3lnne^menben bei
ber 2lnnaf)me an Äinbeöftatt leiten. 3luf bemfctben 93oben ftel^en ba^ gemeine
^'Hed^t in 2lnfef|ung ber adoptio minus plena, ferner bie ÜWe^rjalil ber neueren
®efcfegcbungen (ücrgl. inöbef. preufe. Sff. 2. SR. II, 2 §§ • 694, 701 ; ofterr.
®. S3. § 756; code civil 3lrt. 351, 352; fäd^f. ®. S3. §§ 1797, 2045). S)a*
gegen begrünbet nad^ gemeinem Sled&te bie ärrogation, bie adoptio plena unb
bie 3lboption bur^ eine grau ein gcgenfeitigeö ©rb- unb ^flid^tt^eilöred^t.
®egeu bie im § 1624 bcftimmte 2[uönal^me fann allerbingö ber ©inmanb
crl^oben werben, bafe ber 9lnne^menbe in ben meiften gällen, namentlid^ in
fold^en göllen, in meldten ein aßinberiä{)riger angenommen ift, bem 9ln*
genommenen Diel näber ftel^en mürbe, alö bie leiblid^en 33ermanbten beö
tefeteren, unb bafe eß beöl^alb bem natürlid^en ®efü^Ie me^r entfprec^e, wenn
ber 3lngenommene, roeld[)cr t)ieUeid&t gerabe burd^ bie SKittel beö ainne^mcnben
33ermögcn erworben ^at, oon biefcm unb nid^t t)on ben leibtid^en SBerwanbten
beö eingenommenen beerbt merbe, metd)e Icgteren fid^ DieDeid^t nie um ben
eingenommenen befümmcrt ober boc^ nad^ ber 9lnnal^me an Äinbeöftatt ju
bemfelbcn in tcinerlci 33ejiel|ungen mc^r geftanben ^aben. SlHein biefeö 33c*
benfen fann gegenüber ben obigen ©rmägungen unb im ^inbticfc barauf, bog
bie aSorfd^rift bcö § 1624 bem 3uge ber neueren JRed^töentmidEetung entfprld^t.
Slnnabme an Äinbcöftatt. SScr^ältnife ju bcn leibl. Scrtvanbtcn. § 1625. 989
alfi burd^fd^Iogenb nid^t crad&tct iDcrbcn, jumal eö bcm Slngcnommcncn
unbenommen bleibt, burd^ SScrfügung üon 2^obcömcgen , Dorbet)a(tIi(i& bcö
^ßfli^tt^eUdreddteö ber leiblidden SBcnoanbtcn, fein Vermögen bem Slnnel^menbeu
iujurocnben. 9tuci^ liegt ein ©cbürfnife, naä) bem SBorgange beö franj. Slec^teö
(code civU Slrt. 351, 352; Dergl. Qud) 3Kommfen, ©rbrcc^tßentm. § 28 2lbf. 2)
JU ©unften bcö Slnne^menbcn bcjro. ber SlbfSmmtinge beöfelbcn in Slnfe^ung
foldier ©egenftönbe, meldte ber SHngenommene von bem 3[nnef)menben gefd^enft
ober aus beffen SRad&laRe erfialten liat, ein ^cimfallörcd^t anjucrfennen, nid&t
Dor. 6ine bcrartige 39eftimmung mürbe jubem mit ben fonftigen erbred[)tlid)cn
©runbfögen bed @ntmurfeö, naä) meldten eö gleidigüttig ift, melier bie jiim
SRad^Iajfe gel^örenbcn ©egenftönbe ftammen, nic^t im ©intlongc ftcljeu unb bas
®efe| o()ne 9lot^ fomplijiren.
§ l«2r).
SGBie ber Slngenommene auf ber einen Seite nidfit in bie ^amilie beö ^»en^äitius
ainne^menben eintritt (§ 1620 3lbf. 2), fo ^ört bcrfelbe anbcrerfeitö nid)t auf, f^X^T
äRitglieb feiner natürlidtien "gamilie ju fein. S)aö ©egentl^eil mürbe bem"'^"««*>^*^^«"
3mecfe ber 9lnna^mc an Äinbeöftatt, meldte bem 9lngenommenen SSort^eile, "^""
aber feine 9lad^tl)eile bringen foU, unb ber natürlid^en ©runbloge ber fami[ieus=
re^tlid^cn Seäiel^ungen nid&t entfpred^en. 3)ie nad^ rom, SRec^te mit ber Slrro^^
gation unb ber DoUen 3(boption Derbunbene älugfd^eibung au3 ber bisherigen
ägnatfddaft unb ber SBerhift ber auf biefer berul^enben SHed{)te fann ni^t mcf)r
in Srage fommen, ba ben licutigen Slnfc^auungen bie röm. Unterfdjeibung ber
9lgnatfdfiaft fremb ift. ©omeit bal^er auö bem ©efeße ein 3lnbereö pdf) nic^t
ergiebt (oergl. inöbef. § 1626, § 1635 Slbf. 2, § 1729 3lbf. 2), werben burd) bie
Slnna^me an Äinbcöftatt bie 9ledf|te unb ^ßflid^ten nid&t berül)rt, meiere jmifd^cn i
bem Slngenommenen unb beffen aSermanbten in ^olge ber SScrmanbtfd^aft be-
fte^en (t)ergl. aud^ § 1596 Stbf. 2). ®ö gilt bieö inöbefonbcrc au^ Don ben erb* i
red^tlid^en S3ejie{)ungen. SJlit bem ^rinjipe beö § 1625 ftimmt, fooiel bie
adoptio minus plena unb bie Slboption burd^ eine grau betrifft, unb bei ber
Strrogation unb ber adoptio plena menigftenö in 2lnfcf|ung ber auf ber natür-
Ud&en 33Iutöt)ermanbtfd&aft beru^cnben S3ejiel^ungen baö gemeine SRedfit über*
ein. Seftritten ift iebod&, ob unb inroieroeit bie erbrcc^tlid^cn 33ejiel)ungen
jmifdfien bem Slngenommenen unb beffen SBermanbten burdi bie Slboption be-
rül^rt werben. Slud^ bie neueren ©efefegebungcn ftefjen in ber ^ier fraglid^en
^infidfit mit bem ©ntmurfe grunbfä^lid) im ©inflange (t)erg(. preufe. 9t. 2. 91.
II, 2 §§ 702, 711, 712; öfterr. 0). S3. §§ 183, 755; code civil «Art. 348; fad&f.
©. 33. §§ 1798, 1840, 2047 ; l)eff. entm. III 3lrt. 72 ; femer für erbrcd)t
roeimar. ©ef. r>. 6, 9lpril 1833 § 53; got^. ©ef. o. 2. Januar 1844 § 32;
altenb. ©ef. t). 6. Slpril 1841 § 58; fonberßl). Sufjeffionöorbn. t). 8. SDcjcmber
1829 §§ 36, 37 ; ©ef. für 9leu§ j. 2. t). 10. ©ejember 1 853 § 54 ; ©ef. für
aieufe. ä. S. 0. 22. Sanuar 1841 § 53). SBenngleid) ber ©runbfafe beö § 1625
fd^on aus ben fonftigen SJeftimmungen über bie 9lnna^me an Minbeöftatt fier-
juleiten fein mag, fo ift bod^ bie audbrücflid^e .^eruor^ebung beßfelbeu megen
feiner großen praftifd^en SJebeutung unb im 3"tcreffe ber Durd^fid^tigteit beö
©efegeö alö rat^fam erad^tet.
990 ^Innal^me an J^nbedftatt. ©teOuna ber leiUt^en altera. § 1626.
§ 1626.
Gteaunfl ber ^ladf xbm. unb gemeinem Siedete erlifd^t bie oäterlid^e (Semalt bed leib^
«iterobftxn* lici^^n äSaterd bauemb butd^ Eingabe bed jtinbed in voUt 9lboption. äluc^
flenommenen. j^,i|.j) \^i^x(f) bit lefitete, fowie butd^ Slrtogation bie ©tiie^ungfigeroalt fomo||l
bed (eiblid^en SSaterd ate ber (eiblid^en äßutter audgefd^Ioffen. 3)agfe(be toirb
bei ber adoptio minus plena unb ber älboption burd^ eine ^rau anjune^men
fein. 3)er Sludfd^lug ber @r}te^ungdgen)Q(t ber leiblid^en @(tem ift iebod^ {ein
unbebingter. SBirb bie ofiterlid^e ©emalt bed älnne^menben burd^ ^ob beenbigt
ober mirb ber Stnne^menbe unffi^ig^ bie Srjiel^ungdgemalt aud)uäben^ fo
erlangt ber leiblid^e ^ater unb^ menn berfelbe nid^t mel^r am Seben ift^ bie
leiblid&e SRutter baö SRed&t ber (Srjie^ung roieber. 5lad^ preu§. 31. S. SR. n, 2
§ 697 verliert ber leiblid^e SBater in golge ber Slboption ben SRiefebraud^ am
93ermögen bed ^inbed bauemb; aud^ fann er bie ®r}ie^ungdgen)a(t nid^t aud«
üben, folange biefelbe nad^ 31. S. 91. II, 2 §§ 681, 690 bem 3lnnel^menben ju^
fielet. Db aber, nenn bie @riiel^ungdgen)alt bed (enteren weggefallen ift, bie
©rjiel^ungdgetoalt lieber t)on ben leiblid^en (Sltern audgeübt mirb, ift nid^t
befonberd beftimmt. ^ad ffid^f. ®. S9. § 1830 fd^reibt t)or, bag bie oöterli^e
©emalt erlifd^t, menn ein 3[nberer fte burd^ Slnna^me an ftinbedftatt erwirbt.
3la^ § 1797 erlangt ber 3lnne^menbe aud^ bie (Sriiel^ungdgewalt Ob unb
inwieweit aber nad^ Sßegfall ber legteren bie Srjiel^ungdgewalt ber leiblid^en
©Itern wieber eintritt, ift aud^ im fäd^f. ®. 9. audbrüdEUd^ nid^t entfd^ieben.
®iterii<*e^ 3)a^ j)er leibliche SBater unb bie leiblid^e aWutter bie elterlid^e ©ewalt
fXn if' über bm Slngenommenen perlieren, wenn unb folange ber Slnne^menbe biefelbe
erlangt l^at, perfte^t fid^ im ^inblidEe auf bie 3ludfd|lieglid^teit ber elterlid^en
©ewalt Don felbft. dagegen würbe in Ermangelung einer befonberen ^e«
ftimmung ber 3^^if^^ bleiben, ob nid^t in ©emSg^eit bed im § 1625 aud«
gefprod^enen ^rintiped bie elterlid^e ©ewalt ber leiblid^en @ltem infoweit
wieber eintreten würbe, ald bem Stnne^menben bie elterlid^e ©ewalt über ben
3lngenommenen nid^t juftel^t ®ine fold^e ©eftaltung entfprid^t aber weber ber
@ad^lage noc^ bem Sntereffe bed Slngenommenen, ba ber le^tere burd^ bie
Slnnal^me an jtinbedftatt feinen leiblid^en @ltern unb ben bidl^erigen SSer^
l^ältniffen regelmäßig mel^r ober weniger entfrembet wirb unb l^äufig eine ganj
anbere fo}iale Stellung einnimmt, ald feine leiblid^en @ltern. 2)er § 1626
bringt bed^alb jum SludbrudEe, bag ber leiblid^e 93ater unb bie leiblid^e iDhitter
bie elterlid^e ©ewalt über ben Slngenommenen bauemb Derlierm (oergl. aud^
fieff. @ntw. in Slrt. 38) unb baß üon ber 5ßPic^t unb bem Sled&te ber leiblic^n
aWutter, für bie 5ßerfon bed Äinbcd ju forgen (§§ 1506, 1558, 1570), bad
©leid^e gilt (t)ergl. aud^ §§ 1239, 1597).
^ie elterliche ©ewalt ber leiblid^en (Sltern unb bie $ßid^t unb bad Sle^t
ber leiblid&en SKutter, für bie 5ßerfon bed Äinbed ju forgen, treten aud^ bann
nid^t wieber eiU/ wenn bie Slnnal^me an ftinbedftatt nad^ § 1629 burd^ SBertrag
wieber aufgehoben ift (t)ergl. aud^ § 1239). 3)amit ftimmt bad rom. unb
gemeine dltäfi in Slnfel^ung ber sollen 3lboption infofern überein, ald bie burc^
bie legtere erlofd^ene Döterlid^e ©ewalt bed leiblid^en 93aterd nad^ Sluflöfung
bed Slboptiondoerl^öltniffed burd^ ©manjipation nid^t wieber in Araft tritt.
annähme an Äinbcöftatt. Utdaf^altSpfiiäit § 1627. 991
S)agegen fielen in biefer 9e}ic^ung ba& preug« 31. fi. fR. 11^ 2 § 715^ bad
ofterr. ®. 95. § 185 unb baö ffid^f. ®. 33. § 1800 auf bem cntgegengefefeten
©tonbpunfte. Ser natürlid^en @2id|(age fd^eint es aDerbingd ju entfpred^en,
wenn nad^ älufl^ebung ber älnnal^me an itinbedftatt bad natürlid^e @Item^
unb 5ttnbeöt)er^a[tnig mit aDen Dont ©efege baran gefnüpften ^flid^ten unb
SRed&tcn in voUtm Umfange roieber in ftraft tritt. Sluf ber anberen Seite
fällt inbeffen entfd^eibenb inö ©eroid^t, bafe in fe^r Dielen gatten ein SBlebcr*
auf(eben iener 99ejie^ungen ju ben leibftd^en (Sltem^ indbefonbere ein äSieber-
aufleben ber elterlichen ©etoalt ber legteren^ nid^t angemeffen fein xonxbt,
namentlid^ bann ni^t, menn bie älnnal^me an jtinbedftatt fd^on längere Qtxt
beftanben l^atte unb baö jtinb feinen in anberen fojialen SSerpItniffen lebenben
leibtid^en @Item oieDeid^t DöIIig entfrembet ift. Ttan lann au^ nid^t eim
»enben, bag in golge ber Sluf^ebung ber ä(nna^me an ßinbedftatt baä ftinb
o^nel^in aud feiner biöl^erigen ÄcbenöjteHung in feine frül^eren fojialen 33er*
l^ältniffe }urfldEgemorfen n>erbe; benn bod ftinb fann bid jur äluf Hebung ber
Annahme an Äinbeöjtatt ober in gotge berfelben aSermogen erworben l^abcn,
toeld^ed audreid^enb ift^ bemfelben bie btöl^erige Sebendftellung ganj ober im
äBefentUd^en ju er^alten^ ober ed l^at injmifd^en DieDeid^t einen 99ilbungdgrab
erlangt, metd^er ed in ben ®tanb fegt, fid^ jur @rl^a(tung ber bidl^erigen Sebend*
fteDung aSermögen ju erwerben, einen SUbungögrob, roeld&er bem ber leib*
Hd^en @(tem DieDeid^t {cinedmegd entfprtd^t unb eine Uebertragung ber
elterlid^en ©emalt auf biefclben in ^o^em ®rabe unangemeffen erfd^einen
(äffen mürbe.
9lad^ bem ganjen 3ufammenl|ange unb ber ratio ber 93eftimmungen beö
§ 1626 lann eö fibrigend nid^t }meifell^aft fein, bag biefelben auf ben gaQ,
in metd^em bie une^elid^e SRutter il^r une^elid^eö ftinb an Jtinbedftatt annimmt,
mitliin ber Slnnei^menbe unb ber leibüd^e ©ttemt^eil biefetbe 5ßerfon ift, fomie
auf bie gfille, in meldten ein @l^egatte bad Jtinb beö anberen (Sl^egatten am
nimmt unb baburd^ bad ftinb nad^ § 1621 bie red^tlid^e SteDung eines gemein«
fd^aftlid^en el^elid^en Jtinbed beiber Sl^egatten er(angt, nid^t ju be^ie^en finb,
ba iene SBeftimmungen auf ber SBoraudfegung berufen, bag ber eingenommene
in golge ber äboption ju einer oon bem teiblid&en ®(terntlieile Derfd^iebenen
^erfon, unb nur ju biefer, in buÄ red&tUd^e SSer^ältnig eineö e^elid&en Äinbeö
eintritt unb burd^ bie mit ber 3Q)option begrünbete elterlid^e ©emalt bed 9ln*
ne^menben bie bamit in SBiberftreit ftc^enben red^tüd^en Sejiel^ungen jroifd^en
bem leiblid^en Slternt^eile unb bem angenommenen Jlinbe in 9lnfe^ung ber
eltertid^en ©emalt unb ber gfirforge für bie 5ßerfon beöfelben gelöft werben.
§ 1627.
%M bem ^rinjipe beö § 1601 Äbf. 1 folgt, bag burd^ bie Shimt^e an nnter^oit«.
ftinbeöftatt imifd^en bem SKnne^menben einerfeitö unb bem Slngenommenen unb j^if^lfbem
bejfen üon ber ännal&me an Äinbeöftatt mitbetroffenen Slbfömmlingen anberer* «nne^menben
feitö eine gegenfeitige Unter^altdpflid^t nad^ aWaggabe ber §§ 1480 ff. begrünbet nZl^JTzc.
wirb. Samit ftimmen bad gemeine Siedet fomol^I in älnfel^ung ber Slrrogation
unb ber adoptio plena, ald aud^ in 9lnfe^ung ber Slboption burd^ eine grau
992 ^nnafimc an ftinbc^ftatt. Qntcröaltgpfli^t. § 1627.
unb rid&tigcr Slnfxcfit naä). in Slnfcl^ung bcr adoptio minus plena übcrcin, ferner
baö franj. SHcd&t (code civü 9lrt. 349) unb bie fd&Icön). l|olft. Sttrmenorbn. ü.
29. ©cjcmber 1841 § 15 (ocrgl. aud^ ital. @. ». 2lrt. 211; jür. ®. S3. §246).
2)aöfelbc ift in ©rmangclung einer cntgegenftcl^cnbcn SSorf^rift für baß ofterr.
®. S. in Äonfequenj beö im § 183 baf. aufgeteilten ©runbfaßeß anjunel^men.
S)aö preufe. 91. S. SÄ. II, 2 § 692 bcftimmt außbrücflid^ nur eine Unterhalte*
pfli(^t beö 9Innel^menben gegenüber bem Sttngenommenen. ^ür ben umgete^rtcn
gall fel^lt eö an einer auöbrüdlid&cn SBorfd&rift. 3luö ber aSorfc^rift beß prcufe.
21. £. dt, II, 2 § 694 in »erbinbung mit ben §§ 691, 692 ergicbt fid& aber,
bafe ber Slngenommene jur (Seroä^rung beß Unterijalteß gegenüber bem 2ln*
ne^menben ni^t t)erpflid|tet ift. 3m \äd)l ®. S. § 1797 unb im lieff. ©ntro.
III 3lrt. 75 ift bicö außbrücflid^ Dorgefd)rieben. yiaä) ber altenb. Slrmenorbn.
ü. 9. "Sluguft 1833 § 81 unb bem roeimar. .öeimat^gcf. o. 23. gcbruar 1850
§ 42 entfd[|eibct über bie Unter^aftßpflid&t äroifd&cn bem 9lnnel|menben unb bem
3lngenommenen ber älnno^meoertrag.
9iod) ber 3luffaffung beß ©ntmurfeß fe^lt eß an außrcii^cnbcn ©rünben,
in 3lbn)cid)ung oon bem ?ßrinäipe beß § 1601 3lbf. 1 bie Unterl)a(tßpflid&t beß
2(ngenommencn unb ber Don ber 9lnnat)me an Äinbcßftatt mitumfafeten Sft*
fömmlinge beß leftteren gegenüber bem 9lnnefimenben außjufd^lie^en. 2)er ©in-
manb ber 33iotioe beß ^eff. ®ntm. III ©. 194, bafe ber ^[nnel^menbe burd^ bie
älnnal^me an SEinbeßftatt feinen pefuniären 33ortfieil erlangen foU, fann olß
burd^fd^logenb nid)t erachtet werben, ba eß faum oortommcn roirb, bafe 3cmanb
im |)inbUcfe auf baß ditd)i ber 9lIimentation an ^inbeßftatl annimmt, anberer-
feitß ber ©runbfaß, bafe bie Slboption bem Slnne^menben feinen 3Sort^ei(, bem
3lngcnommenen feinen Siad^tlieit bringen foU, nid^t bal^in fü^rt, ju prüfen, ob
eine einjclne SUorfd^rift, für fid^ allein betrautet, biefem ©runbfafee entfprid)t,
fonbcrn ob bie 3lboption, im ®anjen genommen, in i^rer gefammten ®e^
ftaltung für ben 9lngenommenen oort^eil^aft ober nad^t^eilig ift. ®ß ift sroar
nid^t JU üerfennen, bafe bei Slnertennung ber Unter^altßpftic^t beß Slngenom-
menen für ben legtcren möglid^ermeife bie Saft ber Unter^altßpflid^t fid^ oer-
boppeln fann, inbem er nid^t nur ben leiblid^en ©Uern, fonbern aud^ bem 5än*
ne^menben Unterfialt ju gemöliren oerpflid&tet ift. 9lttein berartigc gälle werben
nur feiten fein. 3^^^^ ^ä&t fid^ bie Sllöglidöfcit, ba§ bie 9lboption in bcr
gufunft burd^ SSeränberung ber Umftönbe bem 9(ngenommenen jum Slad^t^cilc
gereid|t, nie ganj oermeiben. 3luf ber anberen ©eite fprec^en aber ®ränbc
ber Pietät entfd^ieben bafür, anä) eine Unter^altßpflidEjt beß 9lngenommenen
gegenüber bem 3lnnef|mcnben anjuerfcnnen. 3ft ber 9lnjunef)menbc minbcr?
jäl^rig, fo geroö^rt jubem baß (Srforbernijs ber ®enel)migung beß 33ormunb«
fd^aftßgerid^teß (§ 1613 3[bf. 2) bem Slnjunc^menben einen außrcid^enben ©c^ufe
gegen eine bem le^teren uad^t^eilige 9lboption.
3(nu)enbun9 ^ic befoubcre aSorfd[)rift beß § 1627 3lbf. 1 l^ängt mit ber 93orfd(|rift
fd)dftcn Tbcr i^^ö § 1624 jufammen. S)a nad& ber lefeteren bur^ bie Sttnna^me au
untcr^attö. ginbeöftatt für ben 9lnnel)menben ein 6rbred;t nid^t begrünbet mirb, bie
toiltnb/en. Sßorfc^rifteu über bie gefegUd^e Unterl^altßpflid^t ber SScrroanbtcn aber in oer«
fdf)iebenen 3lid^tungcn fidf) an bie aSorfd^riften über ba^ gefeglid^e ©rbred^t bcr
aSerroanbten anfd)lie§en, fo mürbe bie üfnmenbung jener aSorfdiriften auf bie
9tnnabine an Äinbeöftatt. aScrtraöSmäfeiöe SRegcIung. § 16^28. 993
burd^ bic 2lnnal)mc an Äinbeöftatt begrünbete gegcnfeitigc Unterf)altöpf(idf)t
jroifd^cn betn Srnnel^menbcn einerfeitö unb bem 3lngenommencn bejro. bt^tn
äbförnrntingcn anbererfeitö ol^ne bic 33cftimmung beö § 1627 2lbf. 1 tlieilö ju
unriditigcn SRefuItaten füfiren, t^eilö übcrl^aupt auögcfd^toffcn fein, ©rftereö
würbe ber galt fein in Slnfel^ung beö § 1483 SIbf. 1. 3la6) bem 5ffiortIautc
bcö § 1483 Slbf. 1 in SBerbinbung mit § 1624 mürben ol^ne bie SSorfcfirift bcö
§ 1627 9lbf. 1 bie leiblid^en SBerroonbten beö Slngenommenen in geraber Sinic
bem Slnne^menben üorgefien, mä^renb biefelben, entfpred^enb bem ^rinjipe beö
§ 1601 9lbf. 1, mit bem afnnel^menben, menn biefer bebürfttg ift, fonfnrriren
muffen. Dline bie SSorfd^rift beö § 1627 Slbf. 1 mürbe ferner, menn ber 9ln*
nel^menbe ber 33ebürftige ift, bie 9lnmenbung beö § 1490 3lbf. 2 ©afe 1 auö-
gefd^loffen fein.
2)ie aSorfdfirift beö § 1627 Slbf. 2, meldte fid^ nlö eine aJlobififation bcö «attunfl
im § 1625 Quögefprod^enen ©runbfafeeö barftellt, berufit Quf ber ©rroägung, a„„ejmenbcii
bafe ber Slngenommene in golge ber Slnnaf)me an Äinbeöftatt in ben meiften "«"^ ^«"
gällen bem Slnncl^menben nöl^er ftel^t, alö ben Iciblidfien SSerroonbten unb eö be^anflc?
aud^ bem ^votdt ber 3lnnof)me an ftinbcöftatt mel^r entfpridf)t, wenn in Slm "'>'"»"«"'^"-
fel)ung ber Unter^altöoerpflic^tung ber Slnne^menbe t)or ben kiblidjen SBer-
manbten beö Slngenommenen l^oftet. Sluf bemfetben SBoben fielen baö födfif.
®. 33. §§ 1798, 1840, baö franj. JRe^t unb ber fiejf. ®ntm. TU Slrt. 75 (oergf.
anä) xial ®. 93. Slrt. 211), 2)afe in ben gällen bcö § 1621, unb jmar audf)
bann, menn bie ©l^efrau baö Äinb beö 6l|emanncö annimmt, ber legtere rcgel*
mä^ig ror ber ®^cfrau i^aftet, ergicbt fidd auö § 1485 in 93erbinbung mit
bem ^rinäipe beö § 1621 t)on felbft.
§ 1()28.
1. 2)ie S^age, ob unb inroieroeit bie gefe^Udfien SBirhmgen ber ^^\^^'^J^^IIlll,,
nafimc an ÄUnbeöftatt in bem Slnnaf|met)ertrage geönbert werben tonnen, ift »irfunflen
im gemeinen unb im franj. Siedete nid^t befonberö geregelt unb beöl^alb ön ""^^JJJJJ^"'*'
ber $anb ber allgemeinen ©runbfäte ju beurt^eilen. 5Daö fädfif. ®. 33. §§ 1797, ^^^^^^^^^^^
2044 lä§t ber 33ertragöfreil|eit in biefer 33ejie^ung in meitem Umfange SHaum, «et^t.
inbem eö beftimmt, bafe für baö gegenf eltige 9ted&töt)erl)ältni6 jmifd^en bem
Slnne^menben unb bem Slngenommenen, inöbefonbere aud^ für baö ©rbredfit
beö le|teren gegenüber bem erfteren, junäd^ft ber 3n^att beö Slnna^mcoertrageö
maßgebenb fei (tjergt. auc^, fooicl baö ©rbred^t betrifft, meimar. Oef. t). 6. Slpril
1833 § 49; altenb. Oef. v. 6. Slpril 1841 § 54; gotl^. ®ef. x>. 2. Sonuar
1844 § 28; ®ef. für SReufe j. S. x>. 10. ©ejember 1853 § 50; ®ef. für
9leu§ ö. £. 0. 22. Sanuar 1841 § 49). $Ra* bem öfterr. ®. 93. § 184 ift
eine t)ertragömä6ige Slenberung ber gefefelidden SBirfungen beö §Knnal)me^
oertrageö inforoeit juläfftg, alö baburc^ bie Ucbertragung beö Sßamenö beö
Slnnel^mcnben auf ben änjunel^menben nid^t geönbert unb bem 9ledf|te eineö
©ritten nid^t ju na^e getreten mirb. 5Daö preuß. Sl. S. 91. II, 2 §§ 703—706
jie^t bagegen ber JSertragöfreil^eit engere ®renjen. ^roax geftattet baöfclbc,
bie gefejlidjcn Sßirfungen ber Slnna^me an üinbeöftatt in bem Slnna^me*
oertrage anbcrö feftjufeßen (§ 703), fügt aber l)inju, ba§ in Slnfe^ung ber
aR^live ). aürgerl. Oejet^buc^. IV. 63
n
994 9lnna6me an Äinbeöftatt. aSertragSmägioc SReflcIung. § 1628.
pcrfönlid^cn SScr^altniffc bcrortige Stenbcrungcn nur inforocit iuläffig fein foUcn,
als boburdt) boö SBefeutlid^e bcö (Sefd^äftcö nxä)t anfgc{)obcn wirb (§ 704).
©ollcn bic gcfefelid^en S3eftxntmungcn in Stnfcl^ung bcö SBcrmögcnö burd^ SBcr-
trag geönbcrt werben unb ift ba& onjunc^mcnbe Äinb nod^ minbcriö^rig , fo
foll boß SBormunbfd^aftögcrid^t fold^c 3lenberungen unb, ob unter S3erüctft(]^ti'
gung berfelben bie 3lboption bem ftinbe juträglid^ fei, befonbcrö prüfen (§ 705).
©in SScrtrag, burd) roeld^en bem 3lnjunef|menben ber ^ßflid^ttl^eU an bem
lünftigen Slad^laffc ber leiblid^en @Item entjogen roiib, tann nur mit einem
aSoBjftfirigen gcfd^loffen werben (§ 706). aBaö nac^ ber lanbred^tlid^en . Sluf^
faffung bei ber Slnnal^me an Äinbeöftatt alö roefentli^ ju erad^ten, ift nici^t
näficr beftimmt. S)er 9ln^. § 102 entpit nur bie SBorfd^rift, bafe bie Se*
fugnife, bie gefefelid^en SBirfungen in bem 9lnnaf)mct)ertrage ju önbern, nid&t
auf bie SBorfc^riften ber §§ 684, 689 über bie Uebcrtragung bcß 3lbelö beö
ätnne^mcnben bejro. beö oerftorbenen ©l^emanneö ber Slnne^menben auf bcn
angenommenen ju bejie^en fei. S)er ©efefereoifor (^cnf. XV S. 232 ff.), im
Uebrigen bem 21. 2. SR. f olgenb , bef c^ränft bie SSertragöfreil^eit auf bie per-
mögenöred&tli^en gefefeUd&en SBirfungen ber 3lboption. 3)amit ftimmt audf)
ber l^eff. ©ntro. III 9lrt. 79 übcrcin.
wnip bc3 ®er üorliegenbe ©ntrourf gcl^t bat)on aM, ba% eine 9lenberung ber
Gntrourfe«. gefe^Iidf|en SBirfungen ber 9lnna^me an Äinbeöftatt in bem 2lnna^met)ertragc
infomeit nic^t jujulajfen ift, alö baburdf) ber bicfem Snftitute eigent^ümlid^e
,!Starafter imb ber ^rocd bcöfelben, ein bem natürlid^en ÄinbeSüer^äItnifi|c
mögtid^ft entfpred^enbeö S3erf|ältni§ ju fd^affen, vereitelt ober beeinträchtigt
werben fönnte. ®iefer 9luögangftpunft mufe aber baliin fül)ren, im 3lnfd^luffc
an ben SBorfd^lag beö ®efe|ret)iforö unb an ben lieff. ©ntro. eine 9lenberung
ber baö perfönlid&c SSerl^öltnife jroifd^en bem 9lnnel^menben unb bem Slm
jimel^menbcn regelnben gefe^Ud^en 93eftimmungen in bem SlnnaJ^mepertrage
auöjufd^Kefeen. 6ß ift ju beforgen, bafe fonft burd& SSereinbarung ber aSertrag^
fd^Iiefeenben im SBege ber Slnnal^me an Äinbeöftatt fünftUd[)e SBer^ältniffc ge?
fd^affen werben fonnten, welche mit ben Qwtdzn, bie ben ©efe^geber bei ber
3ulaffung unb ber 2luftgeftaltung bes 3nftituted gefeitet Ijoben, in aBiberfprud^
fielen, ©in praftifd^eö 33ebürfni§, in 2)urd^brcd&ung jenefi ^ßrinjipcö ben
aSertragfd^liefeenben etwa ju geftattcn, in bem Slnna^meoertrage über bie ^flid^t
unb baö Siedet ber leiblichen SKutter jur gürforge für bie ^erfon beö an-
genommenen Äinbeö 3lbweid&ungen t)on ben gefe^Iic^en SJorfd^riften ju beftimmen,
fann nid^t anertannt werben, inöbefonbere aud^ nid^t im ^inblitfe auf fold^e
gälle, in wcld^en ein unoerl^eirat^eter a)tann ein minberjä^rigeö Äinb an-
nelimen will. S)em 9lnnel^menben bleibt eö unbenommen, nadf) 9Ra§gabe ber
allgemeinen (Srunbfäge beö ©Iternred^teö unb beö Dbligationenrec^teö ber leib*
lid^en 3)Jutter bie äuöübung beö ©rjie^ungöred&teö unb bie 5ßf(ege beö Äinbeö
JU überlaffen, unb tann auf biefem SBege bem SBebürfniffe genügt werben.
SGBoUte man ben ^Sertragfd&lie^enben geftatten, in bem Slnna^mcoertrage bic
gefefelid^en SSorfdfiriften über bie ^flic^t unb baö SRed&t ber gürforge für bie
5ßerfon beö Äinbeö ju önbern, fo fonnten barauö jubem, l^ingefe^en auf baö
aSerJ^öltnife ber ^flid^ten unb Siedete beö 9lnne^menben ju ben ^Pflid^ten unb
3ledE)ten beö leiblichen ©Iterntfieileö, leidet 3wcifel unb 53erwirrungen entfielen.
annähme an Äinbeöftatt. aSertragSmaötgc SRegerunfl. § 1628. 995
6ine fcftc gefclUd^c SRcgcl über bic 5ßffi(f)t unb baö SRec^t bcr gürforge für
bic ^^crfon bcö Äinbcö ift inöbefonbcrc aud^ im Stttcreffc 2)rittcr geboten, ha
mit ber 5ßf(id^t ber ©orge für bic 5ßerfon beö Hinbeö ou^ bie ^f[id)t jur
Sluffid^t über baöfelbc oerbunben ift (§ 1504), bie SScmad^Iäffigung biefcr
5ßPid^t aber, wenn baburd^ 2)ritte befd^äbigt werben, bie SSerpflid^tung jum
©c^abenöerfage nod^ aKofegabe ber SBorfd^riften über unerlaubte ^anblungen
(§ 710) jur golge l)at. 31 ud^ für ben gall ber Sd^eibung ber ®^e l^at ber
©ntrourf eine Dertragömäfeige Siegelung ber ^Pid^t unb beö 9ted^teß ber gür*
forge für bie 5ßerfon ber gemeinfd(iaftlid&en Äinber nic^t jugelaffen (oergl.
aJlotioe ju § 1456 oben 6. 627 ff.).
Sluß biefen ©rünben mu^ bie SBertragsfreil^eit bei ber Slnnal^me an
Rinbeöftatt iebenfallö auf baö ®ebiet ber t)ermögenöred^tlid&en a3erl)ä(tniffe be*
fd^ränft werben. Slber aud^ auf biefem ©ebiete ift mit SRüdEfid&t auf bic
Smerfe beö l^ier in Siebe ftel^enben Snftituteö eine Slenberung ber gefe|Iid^en
SDßirfungcn ber 3lnna^me an Äinbeöftatt inforoeit auöjufd[)Üe§en, alö eine
Slenberung ber entfpred^enben gefefelid^en SBirtungen beö natürlid^en ©(tern?
unb ÄinbeöDcr^ältniffeö burd& aSertrag jroifd^en ©Itern unb Jiinbern ober burd^
cinfeitige 35iöpofition unjuläffig ift. aSon biefem ©efid^töpunfte auö fann in
bem ännafimeoertrage namcntlid^ n\ä)t bcftimmt roerbcn, bafe bcm 3lnnel^menben
bie a3ermögenöt)erroaltung in SHnfel&ung beö bem Slnjune^menben ge^orcnben
aSermögcnö nid&t jufte^cn foUe. ®in SSebürfnife, in biefcr ipinfic^t eine 9luös
naf^me im Sntcrejfe beö Slniunei^menbcn jujulaffen, liegt nid(|t oor, ba bie
befonberen aSorfc^riften beö § 1623 Slbf. 1 jum Sd^ufee beö SHngenommenen
auöreid^en. 5ßrüft man, mel^e ciniclnen mit bem ®ttern^ unb Äinbeöoer^ätt*
niffe t)erbunbenen gefejUdden SBirfungen ber 3)iöpofition ber (Sltern unb
ftinber unterliegen, fo ergiebt fid^, bafe biefelben fämmtlid^, mit Sluönal^me ber
elterlid^en Slugniegung (§ 1527) unb beö @rbred^teö unb ^flid^tt^eitöred^teö
(§ 2019), einen abfoluten Äarafter ^aben. Unter biefen Umftänben ift cö im
Sntereffe ber ©eutlid^feit beö ©efefeeö unb jur 3lbfd^ncibung pon S^Jctfcln
öorjujiefien, ftatt beö l^erDorge^obcnen ^Prinjipeö fpejiell ju beftimmen, ba^ in
bem ^nna^meoertrage bie elterlid&e Jlufeniefeung auögefd^loffen unb baö 6rb*
unb ^flid^ttl^eilöred^t beö älnjune^menben abweid^enb t)on ben gefeglid^en SSor^
fd^riften geregelt werben tann.
3m Uebrigen foll eine Slenberung ber gefeglic^en SBirfungen bcr 3tn*
nat;me an Äinbeöftatt in bem Slnna^mcöcrtragc unjuläffig fein, inöbefonbcrc
fann in bem lefetcren unb alö 2^l^eil beöfclben, alfo alö SBirtung ber Slnna^me
an Rinbeöftatt unb o^ne SSeobad^tung bcr befonberen SSorauöfegungen beö
6rbeinfe6ungöt)ertragcö (§ 1940 ff.), entgegen ber SSorfd^rift beö § 1627 aud^
ein ©rbred^t beö 3lnne^menben gegenüber bem Slniunel^mcnbcn ni^t bcftimmt
werben. S^ax wiberftreitet bic Segrünbung cineö fold^en ©rbred^tcö an fid&
nid^t bem Sßefcn beö burd^ bie 3lnna^me an j^inbeöftatt ju begrünbenben
aScrl^ältniffeö, pielmel^r ftcHt baöfelbc fic^ alö eine Äonfequenj beö im § 1601
3bf. 1 auögefprod^enen ^ßrinjipcö bar. Snbeffen ift bie S^'^ffung einer vtt^
tragömägigen Slenberung ber gefe^lid^en Sßirfungcn ber Slnnalime an 5tinbeö-
ftatt in ber l^icr fraglid^en Sejiel^ung mit ben Orünben nid^t vereinbar, auf
weld^en bie pofitioe SSorfd^rift beö § 1627 beruht, ba^ bem Slnnc^mcnbcn ein
63*
996 5tnna6mc on ÄinbcßRatt. Stufl&cbung burd^ »ertrag. § 1629.
(grb^ unb 5ßflid^ttl^citercd^t gegenüber bem Slnjunei^menben nid^t juftel^en foD
(oergl. SRotioc ju § 1624 oben ©. 988 ff.). SDiefe ®rünbe oerlei^en jener SBor^
fd^rift einen abfolutcn Äarofter. S)q6 mand^c on fid& toünfd&enöroert^c
Sboption minberiäl^riger Äinber unterbleiben werbe, rotnn ble SSertragöfreii^eit
in ber l^ier fragtid^cn 93ejiel^ung Quögefd&Ioffen wirb, weit ein SRinbcrja^riger
nad^ § 1942 im SBege eines ®rbeinfe|ungßt)ertraged einen 6rben nid^t ein*
fegen tann, ift nid^t ju beforgen. 3^^^"^ 'li^öt ^^"" ^^^ Slnnel^ntenbe bie
Äboption baoon obl^ängig ntad&t, baß au^ er ein ©rbred^t gegenüber bem
Slnjunel^menben erlange, ber SSerbad^t nafie, bafe ber erftere mit ber Slboption
juglcid^ eigennüfeige Qrotdt ©erfolgt, roeld&e mit ben Qmtdtn, bencn boö ^ier
in Siebe ftel^enbe Snftitut ju bienen beftimmt ift, nid^t vereinbar fmb. Uebrigens
ift eö felbftoerftänblid^ bem Slnjunel^menben unbenommen, bem Slnnel^menben
nad^ ben allgemeinen ®runbfä|en beö 6rbeinfe|ungör)ertrageö (§§ 1940 ff.)
ein tjertragömäfeigeö (Srbred^t fid^ gegenüber cinjuräumen.
SBeld^en ©influfe cö auf bie SBirffamfeit ber 9lnnal^me an Äinbeöftatt
l^at, mcnn in bem Slnnal^meoertrage unjuläffige Slbmeid^ungen beftimmt finb,
trofebem aber baö ®erid^t ben SBertrag beftätigt J^ai, ift nad^ bem allgemeinen
®runbfa|e beö § 114 }u beurtl^cilen.
«eretnö. 2. ©old&e SBereiubarungeu, burd^ n)eld^e bie üermbgcnäred^tlid^en 33e?
^i^r^me«. Stellungen jmifd^en bem 9lnjunef|menben unb beffen leiblid^cn SSerroanbten bei
^^t^m^uT ®^^^^^^^^^^ ^"^ ^" Slnlafe ber 9(nnal^me an Äinbeöftatt in einer ton ben
gefefelid&en SSorfd^riften abmeid^enben SBeife geregelt werben, faraftcrifiren fid^
re^tlid^ nid^t als Seftanbtl^eite beö Slnna^meoertragcö. 2)ie 3Birffamfeit ber*
artiger SBcreinbarungen, 5. 83. eines ©rboerjid^tes beö Stnjune^menben gegen«
über ben leiblid^cn SSerioanbten beöfelbcn, rid^tet fid^ bal^er nad^ ben aU*
gemeinen ©runbfögen.
9k(^träftiic^c 3. ©benfo entfd&eibet bie grage, inmieroeit bie gefefelid^en SBirfungen
befg"eJSni>^2lnnafime an Äinbeöftatt nad^trägtid^ burd^ bie ©iöpofition ber »et^eiligtcn
sirfuitflen. geöubett Werben fönnen, fid^ in iebem eiujelnen %aUt naä) bem Snl^alte unb
ber red^tlid^en 9?atur beö betreffenben 9led&tögefd^äfteö. Soweit eine fold^e
SBereinbarung jwifdien leiblid^en SItern unb itiren Älnbern gefd^Ioffen werben
fann, ift bicfelbe aud^ jwifd^en bem 2lnnel^menben unb bem Stngenommenen
julöffig. ®ö ergiebt fid^ bieö oon felbft auö bem 5ßrinjipe beö § 1601 Slbf. 1.
§ 1629.
«uf^e6un0 ^Rad^ röm. unb gemeinem Siedete fann baö burd^ 3lboption begrünbetc
bur(^ «ertrag, jgg^-f^g^^j^ j^^-^j^ ©manjipatiou aufgehoben werben. Db eine fold^e (Smanjipation
mt^ auä) gegen ben SBiDen beö SJlboptioIinbeö erfolgen fann, ift beftritten, wirb
aber t)on ber 2)oftrin jefet oorwiegenb verneint (oergl. auc^, fotjiel baö bem
aboptiofinbe juftel^cnbe (grbred^t betrifft, weimar. ®ef. v. 6. Slpril 1833 § 55;
altenb. ®ef. t). 6. Sffpril 1841 § 60; got^ ®ef. v. 2. Januar 1844 § 30; ®ef.
für 3teu6 ä. S. 0. 22. 3anuar 1841 § 55 ; ®ef. für SReufe i. S. 0. 10. 5Dc«
jember 1853 § 56). 5Rad^ württemb. 3lcd&te (83crorbn. 0. 19. 3uni 1808
§ 20) ift aufeer ber S^ftimmung beö SIngenommencn ju ber Smanjipation bie
gcrid^tUd^c Seftätigung erforbertid^, weld^e nur an& geredeten Urfad^en erfolgen
2tnna]6tnc an ^nbc«[tatt. äufJcBuuo burd^ SSertraö. § 1629. 997
foD. aSon bcn neueren ©cfefegebungen loffen baö prcufe. 31. S. dt, II, 2 § 714
(üergt. auc^ ©efefereo., 5ßenf. XV ©. 236), boö öfterr. ®. 39. § 185 unb baö
föd^f. ®. 93. § 1800 bie Sluf^ebung ber Slnnal^me on Äinbeßftatt burd^ aSertrag
ju, ebenfo ber l^cff. ©nho. III Slrt. 85; bod^ mufe naci^ preiife. St. 2. SR. gc^
rid^tlid^e Seftätigung, nod^ bcm fäd^f. (S. S. unb bem ficff. ®ntn). lanbcft«
^errlid&e ©enel^migung l^injutreten. ifla^ bem preufe. 91. 2. 91. I^at aber bie
33eftätigung, wie bei bem älnna^meoertrage, fo au^ fiier nur ben Äaratter
einer baö SBor^anbenfein ber gefc|lid^en ©rforberniffe beö SSertragcö be*
flarirenben aSerfügung, roäfircnb nad^ bem fäd^f. ®. 33. bie ®enef)migung beö
fianbeö^errn von bejfen freiem ©rmeffen abfiöngt. ®er l^cff. (Sntnjurf beftimmt,
ba6 eine 9luf^ebung ber Slnna^me an Äinbcöftatt burd^ aSertrag nur auö
erl^ebUd^cn ©rünben erfolgen fönne. S)aö franj. SHed^t fd&roeigt über bie Sluf^
^ebung ber Slnna^me an Äinbeöftatt burd^ aSertrag. 2)arauö leitet bie Suriö*
prubenj bie Unjuläffigteit eincö fold^en aSertragcö ab. 2)aö bab. 2. dl, ©afe 343 a
^at biefelbe auöbrüdflic^ beftimmt.
3luö bem 5ßrinjipe beö § 1601 3lbf. 1 roürbe an fi^ folgen, bafe baö etanbpunrt
burd^ bie 3lnnaf)me an Äinbeöftatt begrünbete aScr^öltni^ ebenforoenig, mit cm^urfe«.
baö natürlid^e ©Iterm unb ÄinbeöoerfiäUnife, burc^ aSertrag aufgehoben njcrben
fonnte. ®ie S^löffigfeit eineö fold^cn aSertrageö ift inbeffen burc^ bie 33e*
bürfniffe beö 2ebcnö geboten. 3)ie 9lüdffid)t auf bie SBid^tigfeit bicfeö aSep
trageö unb auf ben ©egcnftanb bcöfelbcn mufe aber bal^in fül^rcn, benfelben
mit ben gleid&en Äautclen ju umgeben, mie ben 3lnnaf)meocrtrag , unb im
aCBefentlid^cn nad^ ber Slnalogie beö leßteren 5U geftalten (§ 1629 9lbf. 1, 5).
Snöbcfonbcre ift cö ratl^fam, aud^ bie SBirffamfeit beö siuf^cbungöoertrageö aieri<^ti^e
oon ber gerid^tlid^cn Seftätigung abhängig }u mad^en, um bcn Slbfd^Iug ®'^**^«""«-
nid^tiger 9luf()ebungööerträge tl^unlic^ft ju oermeiben. ®ie Seftätigung beö
©erid&teö l^icr nid&t bloö oon bem aSortianbenfein ber gefeglid^en ©rforbemiffc
beö aScrtragcö, fonbern meiter aud^ baoon abl^Sngig ju mad&cn, ba§ er^eblid^e
®rünbe für bie 3lufl^ebung fpred^en, ift burd^ ein S3ebürfni§ nid^t geboten
unb auö benfelben ®rünben nid^t ju cmpfel^len, meldte ben (Sntrourf beftimmt
l^aben, ber Seftätigung beö 2lnnal)meocrtrageö nur ben Äarafter einer baö
aSor^anbenfcin ber gefefelid&en ©rforbcrniffc bellarirenbcn aSerfügung beijulegen.
3m ©injcinen ift jur 93egrünbung ber a3eftimmungcn beö § 1629 nod^
golgenbeö tieroorjul^eben.
1. 3n ben neueren ®efcfegebungen, n)eld)e, mie baö preufe. 91. S. 91. II, 2 «ertrofl.
§ 707 unb baö öfterr. ®. 33. § 183, baö burd^ bie 9lnnalime an Äinbeöftatt ^*"'^'"^*-
begrünbete aSer^ältnife traft beö ®efe6cö aud^ auf bie 9lb!5mmlinge beö 9lm
genommenen erftrcdfen, fel^It eö an einer auöbrüdUd^en 33eftimmung barüber,
ob an bcm 9luft)ebungöi)ertrage aud& bie 9lbfömmlinge S^^cil nefimcn muffen
ober ob burdi) SJertrag jroifd^en bem 9lnne^menben unb bcm 9lngenommenen
Don felbft au^ baö burd^ bie 9lboption iwifd^cn ben 9lbf5mmlingen beö lefeteren
unb ben 9lnncl)menbcn begrünbete aSer^ältnife aufgel^oben roirb. SBic eö
fd&eint, liegt bem prcufe. 91. 2. di. bicfe lefetere 9luffaifung p ®runbe (t)crgl.
®cfe|rcD., ^enf. XV S. 236). pr baö öfterr. 9led^t ift bie g^^age ftreitig.
Sflad^ röm. SWed&tc l^at bie ßmanjipation beö 9lboptii)finbeö auf baö aSer^ältni^
feiner in ber oöterlidjen ©croalt beö 9lboptioüatcrö ftcfienben 9lbfömmlinge ju
998 annähme an 5tinbcgftatt. 3luf5ebuu0 bur^ »ertrag. § 1629.
bcm Icfetcrcn feinen (Sinflufe. Sin ber ^onb her allgemctnen ©runbföfee gelangt
man ju bem SRefultate, bafe bie ben Slbfömmltngen burc^ bie Slboption
erworbenen JHeti^te oi^ne 3^fti"^"^w^9 berfelben burd^ SBertrag jrotfd^en bem
Slnnel^menben unb ^angenommenen nid^t befeitigt werben fönnen. 3n ©r«
mangelung jener S^iftii^^^ung würbe ba^er hnxä) einen fold^en SBertrag nur
baö burd^ bie 9lnnal^me an 5?tnbeäftatt begrünbete SSerl^ältnife jmifc^en bem
3lnnef)menben unb bcm Slngenommenen aufgel^oben werben, wäl^renb baö 9Ser»
l^ältnife jwifd^en bem Slnnel^menben unb ben t)on ber Slnnal^me an fiinbeöftatt
mitbetroffenen Slbfömmlingen beö 2lngenommenen, foweit legtere nid&t ju^
gcftimmt l^aben, unberül^rt bliebe. ®in fold^eö JRefuItat fann inbeffen als
ein angemejfenes nici^t erad^tet werben. 3)er baburd^ J^erbeigefül^rte Sled&tö:^
juftanb fann leidet ju aSerwirrungen 2lnla§ geben, namentlid^ wenn einjelne
Slbfömmlinge fic^ an bem SÄuf^ebungöuertrage bet^eiligen, anbere nid^t. ©in
fold&er SRed^töjuftanb entfprid&t aud& ni(§t bem 3w>^*C/ weld^er burd^ ben SKuf^
l^ebungäüertrag erreid^t werben foll, inbem bie SBerbinbung mit bem 58[m
nel^menben bod^ nic^t tJoDftänbig geloft, fonbem burd^ bie Slbfömmlinge bes
Slngenommenen, welche an bem Sluf^ebungöoertrage nid^t 2^eil genommen
l^aben, aufredet crl^alten werben würbe; er fül^rt femer, wenn etwo gerabe
bie Slufred^terl^altung beö SBerl^ältniffeö jwifd^en bem Slnnel^menben unb ben
Slbfömmlingen beö Slngenommenen bejwedt fein follte, auf einem Umwege
baju, baö oon bcm ©ntwurfe nid^t jugelaffcne SBer^ältnife ber Slnnal^me an
©nfelöftatt ju begrünben. Sluf ber anberen Seite mufe man inbeffen Slnftanb
nehmen, bem SSertrage jwifd^en bem Slnne^menben imb bem Slngenommenen
bie SBirfung beijulegen, bafe baburd^ fraft (Sefegeö aud^ baö burd^ bie Sin«
nal^me an Äinbeöftatt begrünbete SSer^ällnife jwifd^en bem Slnnel^menben unb
ben Slbfömmlingen beö Slngenommenen aufgelöft wirb. Unter biefen Um«
ftänben erfd^cint eö alö ber angemeffenfte Sluöweg, eine oertragömäfeige 5Äuf*
Hebung beö burd^ bie Slnnal)me an Äinbeöftatt begrünbeten SSerpltniReö über«
l^aupt nur bann ju geftatten, wenn aufeer bem Slnnel^menben unb bem
Slngenommenen aud^ bie fämmtlid&en oon ber Slnnal^me an Rinbeöftatt mit*
betroffenen, jur 3^it ber ©d^liefeung beö Sluf^ebungöoertragcö oor^anbenen
Slbfömmlinge beö Slngenommenen an bem Sluffiebungöuertrage 2:i^eil genommen
l^abcn (tjergl. § 1620 Slbf. 1). S)iefe Slegetung, weld^e von ber ©in^eitlid&feit
beö burd^ bie Slnnal^me an Äinbeöftatt begrünbeten aSer^ältniffeö auöge^t, ifl
aud^ Dom ©tanbpunfte beö Sntereffeö beö Slnne^menben unb Slngenommenen
ouö unbebenfUd^, ba, wenn ber lefetere bereitö Slbfömmlinge l^at, bie clterlid^c
®ewalt beö Slnnel^menben über ben Slngenommenen regelmä|ig ni^t me^r
beftet)t, bie perfönlid^en 93ejiel)ungen jwifd^cn bem Slnnebmenben unb bem Sn«
genommenen bal^er o^neljin mel)r in ben .^intergrunb treten unb unter biefen
Umftänben ein praftifd^eö Sebürfnife, bie Sluf^ebung beö SSer^oltniffeö jwifd^en
bem Slnncl^mcnben unb bem Slngenommenen oline SRxicffid^t auf bie X\)txU
nal)me ber Slbfömmlinge beö Icöteren ju geftatten, nid^t anerfannt werben
fann. 3ubcm bleibt eö bem Slnnel^menben unb bem Slngenommenen
unbenommen, cinjclnc burd) bie Slnna^me an Rinbeöftatt jwifd^en il&nen
bcgrünbctc Dcrmögenöredötlid^c Scjiet)ungen nad^ ÜWafegabe ber allgemeinen
©rnubfä^e (oergl. aWotioc ju § 1628 oben ©. 996) burd^ SBertrag ju
annähme an Äinbeöftatt. aufj^cbung burcfe Sertrag. § 1629. 999
befcitigcn. S)ic angeführten ©rünbe ntüffen aber anbercrfcitö anä) bafiiu
führen, bei Seb5eiten beö Slngenommenen einen Sluf^ebungöoertraß jroifdicn
bem Stnne^mcnben unb ben äbfommlinflen beö Slngenommenen ober jroifd^en
bem Slnnel^menben unb einem bcr von ber Slnna^me an Äinbeöftatt mit^
betroffenen Slbfommlinge nid^t ju geftatten. dagegen ift eö unbebenflic^ unb
angenteffen, nad^ bem 2^obe beö 9lngenommenen bie Sluf^ebung beö auö ber
Slnnal&me an Äinbeöftatt entftonbenen SBcrl^ältniffeö unter Seitritt bcr fämmt^?
lid^en älbtömmßnge noci^ }Uiulaf[en.
2)0 in ben gäUen beö § 1621 ber Slngenommcnc bie red^tUd^e Stellung
eineö gemeinfd^aftlic^en e^eli^en Äinbeö beiber fö^egotten erlangt, fo entfprid&t
eö ber ©ad^lage, bafe in biefen göllen, folange beibe ©Regatten leben, ju ber
äluffiebung beö burd^ bie Slnnal^me an Äinbeöftatt begrünbeten SSer^ältniffeö
ein mit beiben ©Regatten ju fd^liefeenber SSertrag erforberlid^ ift, unb jioar
aud5 in bem ^alle, in welchem ein @^egatte baö Hinb beö anberen ©Regatten
angenommen ^at; benn menn aud^ in biefem ^alle ber leiblid^e ©Itemtl^eil
nid^t SSnnefimenber ift unb burd^ einen fotd^en 9lnna^met)ertrag baö Sled^tö:"
Der^filtnig beö leiblid^en ©Iternt^eileö nid^t gerabeju in baöjenige eineö ^optio-
elterntl^eileö umgemanbelt mirb, fo erleibet eö bod^ erl^eblid^e äßobififationen.
9lad^ bem J^obe eineö ber ©Regatten ift eö iebod^ angemef[en, bie Stuf^ebung
beö gmifd^en bem anberen ©liegatten unb bem eingenommenen unb beffen älb-
fömmlingen begrünbeten SSerl^ältniffeö burd& einen jroifd^en bem anberen ©tie-
gatten unb bem angenommenen foroie jenen 3lbfömmlingen bejro., wenn auc^
ber angenommene geftorben ift, jiDifd^cn beffen Slbfömmtingen unb bem anberen
©l^egatten ju fd^liefeenben SBertrag jujutaffen, jumal bie (Srünbc, meldte eine
Suf^ebung beö burd^ bie 9lnnal^me an ,Uinbeöftatt begrünbeten SBerfiättniffeö
münfd&enöroert^ erfd^einen laffen, erft nad^ bem J^obe beö einen ©l^egatten
^croortrcten fonnen. 3« einem fold^en gatle bleibt aber baö burdi bie Sln^
na^me an 5linbeöftatt jmifc^en bem oerftorbenen ©Regatten unb bem Sin*
genommenen unb beffen Slbfömmlingen begrünbctc SSerl^ältnife felbftt)erftänblld&
unberührt. S)ie gortbauer biefeö 33er^ältniffcö ift inöbefonbere infofern nod&
t)on praftifd^er Sebeutung, alö ber Slngenommene ben burd^ bie Slnnal^mc
on Äinbeöftatt etwa erlangten Flamen beö Derftorbenen ©Regatten fortjufül^ren
perpflic^tet ift.
Snmiemeit bei bem Sluf^ebungöoertragc eine 5Bertrctung burd^ gefetUd&e BertKiun«
Vertreter juWffig ift, rid^tet fic^ auf ©runb ber aSorfc^rift beö § 1629 3lbf. 5 m^Xn.
nad) ben 33eftimmungen beö § 1612. ©in 33ebürfni6, für biefen gaH bie
SBertretungömac^t beö gefefelid^en SSertretcrö beö 9lnnefimenben ober beö Sln^
genommenen ober eineö 9(bf5mmlingeö beö lefeteren ju erroeitern, mcnn ber eine
ober anbere berfelben jroar baö oierjelintc Sebenöja^r jurüdfgelegt i)at, aber
gefd^äftöunföl^ig- ift, um für fotdie ^äUe bie naä) ben Umftönben etwa geredet*
fertigte Slufliebung beö burd^ bie sinna^me an Äinbeöftatt begrünbeten SJer-
l^ältniffeö überl^aupt ju ermöglid&en, liegt nidit oor. ©aju lommt, bafe ber
2luf^ebungöoertrag, namenttid) für bie SJerliältniffc beö 3lngenommenen unb
feiner Slbfommlinge, faft no6) mid&tiger unb eingreifenbcr ift, mic ber 9ln*
na^meoertrag, unb bafe burd^ bie ©teid^ftellung ber beiben SBerträge aud^ in
ber ^ier fraglichen 99ejief|ung bie ©infad^i)eit beö ©efegeö geförbert mirb.
1000 ?rnna5mc an iVinbcöftatt. ^ufteBung bur* Sertrag. § 1629.
Ginroiniflwno Xit iu bcu §§ 1606, 1609, 1610 für bcn SlnnaJ^mcDertrog oorgefd&ricbcnc
©inroilligung 3)rittcr tommt für ben äluf^cbungöücrtrag nid^t in gragc (oergl.
föd^f. ®. 93. § 1800). 3)tc Orünbc, auö roeld^cn für bcn Slnnal^mcDcrtrag bie
©inroiHigung jener Dritten üorgcfd^ricben ift, treffen für ben 3luff|ebungö^
oertrog nid^t ju.
fflirfunfl bei S)ic Sluf^ebung beö buxd) bie 9lnnaf)me an Äinbeöftott begrünbeten 9?er=^
""v^xaX flöttniffeö \)ai in Oemäfe^eit ber aUgcmeinen ©runbfäfee nur bie gSirfung, bofe
jeneö 9led^tSt)erl^äItni§ für bie S^f^^ft ^"^ i^^r von ber ^tit ber gerid&t^
lid^cn 93eftätigung beä Sluf^ebungöüertrageß an (§ 1629 Slbf. 5, § 1617
Sag 2), Qufgeljobcn wirb. @S bleiben bal^er bie auf Orunb ber 2(nnal^me an
Jiinbeßftatt bereits eingetretenen, t)on ber ^ortbauer biefeö 93er^ältniffcfi um
abliängigen, abgelöften SGßirhmgen beftel^en. ®ie Orünbe, auö njeld^en ber
Entwurf inöbefonberc — abroeid^enb t)on bem preufe. 31. Ä. 9i. II, 2 § 715,
bem öftcrr. ®. S. § 185 unb bem fäd&f. ®. 33. § 1800 — bie burd^ bie 2[n=^
na^me an Äinbcöftatt einmal aufgcl^obcnen perfönlid^en SSejieljungen jroifd^en
bem Slngenommenen unb beffen leiblid^en SBermanbten mit ber 9luf^ebung beö
burd^ bie 2lnnal)me an Hinbeöftatt begrünbeten SSerl^ältniffeö nid&t mieber in
.Mraft treten lägt (üergt. § 1239 aibf. 2, § 1626), finb bereit« in ben aMotioen
ju § 1239 oben ©. 30 unb p § 1626 oben S. 990 ff. bargelegt.
2. 9tebcn ber uertragsmäfeigen Sluf^ebung unb bem im § 1631 oor-
gefel^encn fpejicllcn galle fmb anbere 33cenbigungsgrünbc für baö burd^ bie
9Innaf)me an ÄinbcSftatt begrünbete Serliältnife bem ©ntmurfe fremb.
Jöeenbiguitfl ©aö röm. 9lcd^t geftattet bem roäl)renb ber Unmünbigfeit 3lrrogirten,
"äuwries" "^^ erreid^ter aWünbigfcit bie emanjipation ju ©erlangen, wenn er nad^roeift,
««' bafe bie 9lrrogation \\)m unjutröglid^ fei, unb im 9lnfd^Iuffe baran beftimmt
genommenen, ^^^ ^„^^ ^ ^ g ^50, bafe ber TOätjrenb ber aninbcriälirigfeit 3lboptirtc nac^
crreid)tcr ^onjäl^rigfeit auö jureidfjcnbcn (Srünben bie SBieberl^erftellung beö
3uftanbeö üor ber 2tboption forbcrn fonne. SBenngleid^ nid&t ju oerfennen
ift, ba^ eine bcrartige Seftimmung als ©dfiug ber Sclbftänbigfeit beö mätirenb
ber SKinberjäfirigfeit 2lboptirtcn 93cad^tung ocrbicnt, fo fommt bod^ anberer=
fcitö in Setrad^t, bafe burd) eine fold^c 33eftimmung unerroünfditc ^rojeffc
l)en)orgerufen mcrben fonncn, lücld^e, roenn fie ju Ungunften beö Äinbeö auö^
fallen, bie SBieberlicrftellung eincö guten S8erl)ältniffeö bebeutenb erfd^roeren,
bafe ferner bie Sllöglid^feit, bemnäd^ft bie 9luf^ebung beö aScr^ältniffeö einfeitig
beantragen ju fönnen, auf baö 'Kertjalten beö Äinbeß gegenüber bem ^n--
nc^menben nad&tt)eilig einroirfen unb baju beitragen tann, baö 33crl)ältni{i
jmifd^cn beiben ü'^eilcn ju üerfd^limmern unb ben Oebanicn einer 3luöfö^nung
in weitere ^^^rne ju rüdfen. 2)aju fommt, baß mit ber 33oUiäf)rigteit beö
.Uinbeö bie perfönlid^en 93ejiel|ungen, meldte bei ber ^rage, ob eine 2luf^ebung
beö SSerliättniffeö ju geftatten fei, oorroiegenb inö ©eroid^t fallen, o^nel^in im
2Befent[id^en in ben .^intergrunb treten. 9lac^ röm. Sled&te mar bie Sad&tage
infofent eine anbere, alö bie üätcrlidt)c ©eroalt beö Slnnc^mcnben unb bie
bamit üerbunbene 9Winberung ber ^rinatred&töföliigfeit mit ber SSolliäl^rigteit
beö Slngenommenen nid&t ibr ©übe erreid^te, fonbern nod& lange über ienen
,'5eitpunft binauö fortbauern fonnte.
«nnaftme an Äinbeöftatt. anfcd&tung. ei&eöerBot. §§ 1630, 1631. 1001
SlcönUd^c ©rroögungen fprcd^cu bagegcn, nod^ bem SSorbilbc beß jür. ^^ ^«*
0. 33. § 250 lit, c bcm Slnncl^mcnbcn ein JRcd^t ju geben, bie 9luflöfung bcö
burd^ bie 9lnnaf|me an Äinbeöftott begrünbeten SScrl^ältniffcö ju Dcrlangen,
Tücnn ber Slngenommenc burd^ fein S3crl)Qlten ber Äinbfd^aft fxä) uniüürbig
gejelgt ^at (oergt. aud^ ©efefereo., 5ßenf. XV @. 237).
^nä) burd^ bcn S^ob bed Slnnel^mcnben wirb baö burd^ bie 2lnna§me 3:ob m ?cn.
an Äinbeöftatt begrünbete SSerl^ällnife nid^t aufgel^oben. 5ilbgefel^en baüon, bafe "^^"'*"^*"-
mit bent 2^obc beö 9lnnef)menbcn baö ©rbred^t beö ^Angenommenen gegenüber
bem 9Inne^menben mirFfam wirb unb ba§ in ben gälten beö § 1621 nad^
bem 3^obe bcöjenigen ©Iiegatten, roeld&er baö Äinb beö anberen ©liegatten
angenommen i^at, bie 2lnna^me an Äinbeöftatt i^rc SBirhingen nod& in Sin*
fe^ung beö aScrtiältniReö jroifd^en bem angenommenen unb feinem leiblid^en
©Iterntl^eile SBirfungen äufecrt, foU gerabe jefet bie 3lnnaf|me an Äinbeöftatt
nad& ber SRid^tung l^in alö mirffam fid^ erroeifen, bafe ber Sßame unb bie
gamilie beö Slnnel^menben burd^ ben 2lngenommencn unb beffcn 9lbfömnv^
linge fortgepflanjt mirb. 3)cr 2;ob beö 9lnnef)menben ^at umgcfe^rt bie golge,
ba§ baö jmifd&en bem 9lnne^menben unb bem eingenommenen, mie beffen
Sttbfömmlingen begrünbete SSerpltnife, oorbe^altlid^ ber Seftimmung bcö § 1629
9lbf. 4, überl^aupt nid^t mel^r befeitigt werben fann.
§ 1G30.
3)ie Sßorfd^riften bcö § 1630 cntfpred^en ben SSorfd^riften beö § 1600 2infe(^tunfl
unb berut)cn auf äl)nUd)en ©rmägungen, mie biefe. ®ö mirb baf)er auf bie ^*^^^^^'^^'
aWotioe au § 1600 oben ©. 950 Dcrmiefen. «ut^ebunßs.
©ine Ucbertragung ber für ben galt ber 5Rid&tigfeit ober Slnfed^tbarfeit u.\.w,
ber ®^e jum ©d^ufee bcö guten (Slaubenö dritter getroffenen Seftimmungen
{§§ 1257, 1270) auf bie 9lnnal|me an Äinbeöftatt ift in ©rmangelung eineö
praftifd^en S3ebürfniffeö niijt für erforbertid) eradjtet. Die ^ier in 33etrad^t
fommenben gälle finb fel&r feiten, unb finb beöl^alb befonbcre 85cftimmungcn
jum ©d^uge beö guten ©laubenö im Sntercffe ber Sid^erfieit beö S8erfcl)reö
nid&t geboten.
3)ie Seftimmung beö § 1631 3lbf. 1 ift eine notI)roenbige golge ber sBirfun«
Seftimmung bcö ©ntrourfeö, bafe Slboptiooerroanbtfd&aft nur ein auffd^iebenbeö Sb5pti»m"
e^eliinbcrnife begrünbet (§ 1240). 3ft jmifd^en ^erfonen, meld&e burd^ 3lnna^me "^^^^^l^^
an Äinbeöftatt ücrbunben finb, eine gegen baö 33erbot bcö § 1240 perfto§enbe e^e.
©^e gcfd^loffcn unb biefe eijc gültig, fo fann baneben baö burd^ bie 3tnna^me
an Äinbeöftatt jmifd&en biefen ^^Jerfonen begrünbete SSerJ^dltni^ nid^t fortbauenx
(ücrgl. aud^ preufe. 91. 2. 31. II, 2 § 989). Sin fidt) mürbe cö angemeffen fein,
in bem liier fraglid^en galle baö burd^ bie Slnna^me an Äinbeöftatt begrünbete
33erl^ältni6 nic^t nur jmifd&en bcn (S^efc^lie^cnben felbft, fonbern auc^ in
Slnfel^ung ber anberen ^crfonen, auf meldte bie SBirfungen ber Slnnalime an
Äinbeöftatt fid^ erftrcdt f)aben, fraft beö ©efe^eö eintreten ju laffcn (ücrgl. bie
1002 gcfifteüuno famtricnred6tlt(i6ec aSerl&drtniffc. aSorbemerfung. (§ 1632.)
aWotioc ju § 1629 oficn ©. 998) ; allein auf bcr anbeten Seite ift eö bebenflid^,
an bic einfeitigc ^anblung bcr (Sl^efd^liefeenben für iene anbercn 5ßerfonen ben
SSertuft ber burd^ bic 3lnnal^me on Einbcöftatt für biefelben begrünbeten SHed^tc
JU fnüpfen.
*T?eri""ni ^^^ ^" ^^^ ^^'^^ ^^ ^ ^^^^ ^^^' ^ ^^^ ®^^ ^^^^^^ obcr ift bicfclbc
"©wau /" anfed^tbar unb angef ödsten, fo bleibt anbererfeitö baö burd^ bic Slnnal^me an
Äinbedftatt begrünbete SBerl^ältnife, Dorbe^attlid^ ber aus § 1252 Slbf. 1 unb
§ 1260 Slbf. 1 in aSerbinbung mit § 1631 9lbf. 1 ftd^ ergebenben aHobififo^
tioncn, beftelien (oergl. § 1252 3lbf. 2, § 1260 Slbf. 2). aWit SRüdfTid^t barauf
aber, bofe burd^ bie 6ingel|ung ber formgültigen, mennglcid^ im Uebrigen
ungültigen, 6l^e baä burd^ bie 9lnnal|me an Äinbeöftatt smifdöen ben (Sf)^
fd^Ucjsenbcn begrünbetc ©Item* unb Äinbeöücrfiältnife in feiner fittlid^en ©runb*
läge jerftört ift, anbererfeitö iebod^ baö minberifil^rige angenommene 5linb
unter bem äWfebraud&c beö bem Slnncl^menben juftefienben ©Itcmred&teö nid&t
leiben foU, beftimmt ber § 1631 3lbf. 2 im ainfd^luffc an bie auf einem
cH^nlid^en ©ebanfen berul^enben aSorfd^riften beö preufe. 21. 2. SR. II, 2 §§ 987,
988, ba^, mcnn bie 6^e aM einem anberen ©runbc alö megen eincö gorm?
mangelö nid^tig ober menn biefelbe anfcd^tbar ift unb angef ödsten mirb, bie
bem einen ©Regatten über ben anberen ©Regatten etwa iufte^enbe elterli^ie
Ocmalt mit ber ©d^lie^ung ber ©l^e Dcrroirft fein foll (oergl. aud& § 1405
Slbf. 1 3lr, 5). SRod^ meiter ju geticn unb mit bem preufe. 31. S. SR. ju
beftimmen, bafe ber S^nnel^menbc alle auö ber Slnnal^me an Äinbeöftatt über
bie 5ßerfon unb baö aSermögen beö Slngcnommenen entftanbenen SRed^tc vcv^
lieren, bcr legtere bagegen alle für if)n burd^ bie Slnna^me an Äinbeöftatt
begrünbeten SRed^te betialten folle, ift cinerfeitö burd^ ein Sebürfni^ nidbt
geboten, anbererfeitö um beöroiHen nid^t ongemeffcn, roeil eine berartige
Seftimmung für ben Slnnel^menben ben Slaratter einer ©trafbeftimmung
Iiaben roürbc.
Siebter Xitel.
»erfahren. 1. 3)a6 ^^^ftftctt^^^Söttögcn bcr im § 1632 Slbf. 1 bejeid^neten STrt über^
St ^^^Vt äuläffig finb (oergl. ©euffert XXI, 92; fäd^f. ®. 83. § 1855), ergiebt pc^
auö § 231 ber 6. ^. D. ©ine roefcntlidbe Slenberung erleibet aber bie ©. 5ß. D.
burd^ ben in bcr Slnm. ju § 1476 mitgct^eiltcn , jur Slufnal^mc in baö ©im
fül^rungögcf c| beftimmten neuen § 627 c bcr 6. $. D. , melier auf bic Ijier
in SHcbc ftcl^enbcn 9lcd6töftrcitigfcitcn in weitem Umfange baö Dffijiat
prinjip jur Slnmcnbung bringt. ®ic Slncrfennung bicfcö 5ßrinjipeö in
ben liier fraglidjen gällcn benilit im SBcfcntlid^cn auf benfelben ©rünbcn,
meld&e ba^in gcfütjrt fiabcn, aud^ baö aScrfal^rcn in SRcd^töftreitigfeitcn,
gcftftcKuiiö famtrienre4tfid6er Serjältniffe. aSorBemerfung. (§ 1632.) 1003
rocld^c bic Stnfed^tung bcr ß^clidöfcit bc« Äinbcö ober bic atnfcci^tung
bcr Slncrfcnnung ber ©fielic^fett beö Äinbcö von ©exten bed (S^cmanncö
jum ©egenftanbe fiobcn, nad^ Slnalogie ber SSorfd&riften ber 6. % D. über
baö aSerfa^rcn in ß^efad^en ju geflalten (tjergl. bie in ber Slnmerfung ju
§ 1476 mitget^eilten §§ 627 a, 627 b ber e. 5ß. D.; aWotiüe ju § 1476 oben
S. 672 ff), es ^onbett fid^ I)Quptfäd&ad& um fold^e gäUe, in roeldfien bie Mn^
güttigfeit cineö Slboptionöoertraged ober bie Äegitintation eines une^elid&en
Äinbeö in ^agc fielet ober ein Äinb untergefd^oben ober geraubt fein foU ober
Semonb ntit ber 93el^auptung auftritt, er fei baö unefielid^e Äinb einer be-
ftintmten grau, alfo um folci^e SSerfiältniffe, roeld&e in Slnfel^ung ber gi^age,
ob fie beftc^en ober nid^t befte^en, ber ^rioatbiöpofttion ber Parteien ent^
jogen fmb unb bei beren geftfteDung baö öffentU^e Sntereffc in größerem
ober geringerem Umfange betfieiligt ift.
^uä) ^ier ift eine größere (Sarantie olö biejenige, metd&e bie aSerfianb^^
lungömarlme m6) ben allgemeinen ©runbfäßen ber ß. 5ß. D. bietet, bafür
erforberlid^, baß burc^ ba^ Urtl^cil bie materielle SBa^r^eit jur Oeltung fommt.
SBenn aucft nic^t für alle benfbaren "^aUt, in meldten baß Sefte^en ober 9lid^t'
beftelien ber betreff enben SSerJ^ältniffe in ©treit gejogen mirb, geforgt werben
fann, fonbern bie 9lnerfennung beö Cffijialprinjipeö auf biejenigen gäHe bc*
fd^ränft merben muß, in meldten über baö 33eftef|en ober 3lid^tbeftef)en bcr bc*
treffenben SSerl^ältniffe unter ben ^Parteien, b. 1^. jroifdöen bem fraglid^en Äinbe
unb beffen (Slterntfieile, gcftritten mirb, fo mirb bod) bie l^eroorgc^obene
©arantie burd& bie 93eftimmungcn beö neuen § 627 c ber ©. % C für bic
roic^tigften gäUe erreid^t.
2)ie naivere Segrünbung ber einjelnen SSorfd^riften beö § 627 c ber
©. 5ß. D. ift ben SWotioen beö einfül^ningögefefecö tjorbetialten. SBegen beö
3ufammenl|angeö mit ben für bie Slnrocnbung beö § 1632 im ©ingange beö*
felben gejogenen ®renjen foD fiier iebod^ nod^ fieroorgel^oben merben, baß ein
»ebürfniß, bie aSorfd&riften beö § 627 c ber 6. % C. unb beö § 1632 b. ©ntm.
aud^ auf fotd^e SRe^töftreitigfeiten auöjubel^nen, meldte bie geftftettung beö
Sefte^enö ober 3iid(>tbeftcl)enö anberer elterlid&er Sted^te ber einen 5ßartei über
bie anbere, alö ber etterlid^en ®emalt, jum ©cgenftanbe \)Qbcn, nid^t vorliegt.
3n Slnfel^ung ber elterlid&en (Semalt ücr^ält eö fid& megen ber mit berfelben
Derbunbenen, aud^ im SBerl^ältniffe ju ©ritten fic^ äußemben, meitge^enben
SBirfungen anberö.
2. 3m 3tnfdf)tuffe an baö gemeine Sted^t (1. 1 § 16, l. 2, 3 D. de agnosc. Äi«fle ber
et alend. üb. 25,8; ©ntfc^. b. SR. ®. in ßioilf. V, 101) entf|ält baö fäd|f. Tn «at?/"
©. 33. § 1856 in bem 9lbfd^nitte über bie Mtagen megen beö gamilienftanbeö g^^^^J»^ ^
bie 33eftimmung, baß miber ben aSater, meld&er baö Slnertenntniß eineö el^c* b^^S«!*
tid^en Hinbeö Derroeigert, aud& bie 2Kutter eine Älage auf Slncrfcnnung unb
(gmä^rung beö Äinbcö l^abc. 6ine berartigc aSorfd&rift ift iebod^ burd^ ein
33ebürfniß nid^t geboten.
3. 2)aö franj. Stcd^t (code civil 9lrt. 329, 330; Dcrgl. aud^ f)cff. ßntm. III öei»en»>-
ärt. 15, 16) enthält bcfonbcrc Seftimmungen, mclc^ie ba& JRctftt bcr ©rben "'Sn'*
cincö Äinbcö, ben cl)clid^en ©tanb beö le^teren gcltenb ju madEien, menn baö^*?"^**^"^*
Äinb feine 3lnfprüdE|C nicf)t gcltenb gemad)t \)ai, bcfd^rönfcn. 3}er biefen SBor*
1004 geftfteUuno familicnre*tri*cr 3JcrWrtniffc. SofBemcrfuiuj. (§ 163-2.)
fd^riftcn jn ©riinbc licgcnbc ©cbanfe, ba§ ein gamilicnftanb, rocid&en ber
(grblaffcr geltcnb ju mad^cn nid^t für gut bcfunbcn ober überhaupt untcrlaffcu
f)a\, im 3ntcrcffc bcr Siedete ber gamilie auij von htn ßrbeu unb SSerroanbtcn
bcöfelben nidit mcl^r foll geltettb gemad&t roerben fonnen, fte^t mit ben aß-
gemeinen ©runbfä^en nid^t im ©inflange unb fann inöbefonbcrc bann, wenn
bcr (grblaffer aus Unfenntni§ fid& paffio tjer^altcn l^atte, ju großen .gärten für
bic 33erroanbten beö ©rb(a?ferö fül^ren. S)a bie Sßermanbtfd&aftörecftte dritter
Don bem SSBilten bcö ©rblofferö unabl^ängig finb, fo fonnen bicfe Sfled^tc ben-
fclben and) baburd^ niAt entjogen roerben, bafe ber ®rbla?fer bie (Scttenb^
mad^ung feineö gamilienftanbeö unterloffen f)at. @ine Slbroeid&ung t)on biefen
allgemeinen Orunbföfeen ift burd& ein Sebürfnife nidE)t geboten. Uebrigenö
fonnen bie 6rben ben gamilienftanb beö ©rblajfers nur incidenter afe 6Iement
eines burd^ biefen gamilienftanb bebingten JHcd^teö ober geeignetenfaUö nad^
3ßa6gabe beö § 231 ber 6. ^. D. geltenb machen. 2)ie bcfonberen 35orfd^riften
beö neuen § 627c ber ß. 5ß. D. finben barauf feine 2lnroenbung.
unoeriä&r* 4. S)er code civil 3lrt. 328 (oergl. aud^ l^eff. ©ntn). III 9lrt. 14 ; öftcrr.
^"iiafle'" ®. ». §§ 1458, 1481; fäd)f. ®. 83. § 151) bcftimmt auöbrücflic^, bafe bic
Älage auf 2lnertennung beö et)elid^en ©tanbeö, foroeit biefelbe bem Äinbe ju-
ftefjt, unoerjälö^bar ift. 2)a bie ^ier in SRebe fte^enben SSerfjältniffc ber 9latur
ber (Bad)t nad& burd^ aSerjö^rung nidE)t aufgefjoben werben fonnen, fo fonnen
aud^ bie Älagen, roeld^c bie geftftellung bcö SBeftefjcnö ober 5Wid&tbeftel^enö ber
^ier in Siebe ftel^enben SSerl^ältniffe jum ©egenftanbe l^aben, einer SBerjäl^rung
nid&t unterliegen. ®ineö bcfonberen 3luöbrudEcö bebarf biefeö um fo weniger,
alö ber ©ntmurf (§ 154) überhaupt nur eine 2lnfprud^öüeriäl)rung fennt.
»ewei« ber 5. ©er code civil 9lrt. 319—327 (oergl. aud& bab. S. 91. Sa^ 319—327
'Äunr ^^^^' ^^^ ^^^ JJöb. 2luöf. ®ef. jur 6. ^. 0. ü. 3. 2Rärj 1879 § 146) enthält
ferner uod^ befonberc ."öeftimmungen über ben 93erociö ber eldelid^en Sfi)-
ftammung, wenn bem .Hinbe bie 9lbftammung t)on einem beftimmten ß^epoare
beftrittcn mirb. Dicfe bcfonberen Seftimmungen ftcl^en jum 2^^eil mit bem
franj. SSciociöred^te im 3irfommcnt)ange unb finb infomeit mit bem § 14 9lr. 2
beö ©inf. ®cf. jur 6. ^. D. nidi|t ücreinbar (oergl. audb in 3lnfe^ung bcö
code civil 9lrt. 327 ben § 261 ber beutfddcn ©tr. ^. C). ©orocit biefelben ben
Scrociö ber 2lbftammung burd& 93orlegung bcö (Seburtöf^cincö betreffen, finb
bie SBorfd^riftcn über bie Seroeiöfraft bcr ©tanbcöregifter (§ 15 beö 91. ®ef.
über bie 33curfunbung beö ^erfoncnftanbeö u. f. m. o. 6. ^ebruar 1875) mafe-
gebcnb. (Sin Sebürfnife, in ©rmangelung cincö ®eburtöfd^eincö ju ®unften
bcr ftinber an ben Scfißftanb eine 9ledt)töocrmut^ung ber e\)ü\ä)cn 9lbftammung
JU fnüpfcn, liegt im .^inbtidfc auf bie ®runbfäge ber G. 5ß. D über bie freie
23en)ciön)ürbigung unb ben rid&terlid&cn ®ib nid^t vov. 2)cr Sefifeftanb fann
bei bcr S3crociöfül)rung alö unterftü|cnbcö 9Komcnt bienen (pcrgt, ©ntfd^.
b. 9t. ®. in eioilf. XI, 114) unb bei ber einftmeiligen 9tegelung beö bc*
ftrittencn SScrlö^ltnincs im SBcgc cinftmeitiger Sßerfügung nad^ SDIafegabc
ber §§ 814 ff. ber 6. % D. oon Sebeutung merben. Stnlangenb cnbtid(>
bie SSorfd^rift beö code civil 3lrt. 322, fo fann biefelbe unter Umftänben, wenn
fid^ fpäter l^crauöftellen follte, bafe baö .Winb untcrgefdöoben mar, 5U großen
i&ärten fül^ren.
gejtftellmiö fanülicnrcc^tri^cr SSer^ältniffc. SSorBemcrfung. (§ 1632.) 1005
6. 3n bcr 2:^corie unb ^rajiö ift beftrittcn, ob unb inmctoeit baö 3lcd&t ^mtufn.
auf gü^rung eincö beftimmtcn gomilicnnamcnö, abgefcl)cn t)on gcroiffcn burd^ "'*^*"'
befonbcrc Ocfcfcc oncrfanntcn Regierungen (oergl.. §. ®. 33. 2lrt. 16, 22, 26 ^^^fjf '
SÄbf. 2, ärt. 27 ; 31. ®ef. über ben aMarfenfd^uß p. 30. Jloüember 1874 §§ 13,
14), ote ein ^ßriDatrecJ^t anjuerfennen ift unb inöbefonberc baö 3led&t gemäl;rt,
gegen benjenigen, roeld^er unbefugter SBeife ben gleid^n Flamen fü^rt, auf Untere:
laRung biefcr 5iamendfül|rung ju Magen (ocrgl. ©euffert VI, 6, XVII, 3, 58;
XVm, 44, XIX, 114; ©ntfd^. b. 31. ®. in 6it)ilf. H, 39, V, 45; Urt^. b. 3i. ®.
V. 5. 3lpril 1883, abgebr. im Sleid&danjeiger d. 25. aWai 1883 3lx. 120 unb im
preufe. 3. aw. 331. o. 1884 3lr. 8 ®. 37 ff.). a)er ©ntrourf \)at aM folgenbcn
©rroägungen befonbere 33eftimmungen über bie xtä)ilx6)c 3laiux unb ben Sn^alt
beö Slec^teö, einen bcftimmten Familiennamen }u f ül)ren, nid|t oufgenommcn :
SBenn bag Oefeft einer 5ßerfon bie Siefugnife beilegt, einen bcftimmten
Familiennamen ju führen (pergl. §§ 1274, 1455, 1497, 1569, 1622), fo fann
t^ nid&t jroeifel^aft fein, bafe baburt^ für bie betreffenbe ^erfon ein fubieftiocö
^riDatredjt auf F^firung biefeis beftimmten Familiennamens begrünbet roirb
unb bafe biefes Siedet einen abfoluten Slarafter ^at. 3)arauö folgt, bag, menn
baö fHeä)t auf Fü^ruttg eines beftimmten Familiennamens burc^ SBiberfpruc^
beeinträd^tigt mirb, ber 33ere(i&tigte geeignetenfalls nad^ aWafegabe bcs § 231 ber
6. 5ß.D. auf Feftftellung feines 9tcd&tes, ben beftimmten Fomiliennamen ju fül)rcn,
bejm. nad^ ättafegabe bes § 704 3lbf. 2 in aSerbinbung mit ben §§ 219, 221
auf ©d^abenserfag ftagen fann. 3)a nad^ § 219 ber ©dEiabcnserfafe burc^
t^erftellung besjenigen 3wftöubeS ju leiften ift, meld^er oorlianben fein mürbe,
tü^nn ber jum ©rfafee tJerpflid^tenbe Umftanb nid&t eingetreten märe, fo fann
ber 33ered&tigte, fofern im Uebrigen bie SSorausfegungen eines ©d^abenserfafe*
anfprud^es oorliegen, auf biefem SBege aud& bie Sefeitigung bes bas Siedet
auf Führung bes F^^^i^ici^nömens beeinträd^tigenben SBiberfpruc^es erroirfen,
ba in biefem F^Ue gerabc in ber S3efeitigung beS SBiberfprud^es bie ^erftellung
befi im § 219 bejeid^neten S^ftanbes liegt, ©ine anbere %vaQC ift, ob aud&
bann, xotnn ber bas Siedet auf Füfu^ung eines beftimmten Familiennamens
becinträc^tigenbe SBiberfprud^ fic^ nid^t als eine ju bem Slnfpruc^e auf
©d^abenSerfafe bered^tigenbe unerlaubte ^anblung barflcllt, ber 93erle|te nad^
9lnatogie bes § 943 unb im ^inblide auf § 190 3lbf. 2 verlangen fann, bafe
berjenige, meldier bie 93eeinträd&tigung bewirft |at, jur Unterlaffung weiterer
33eeinträdrtigungen tjerurt^eilt werbe. @in 33ebürfni6, biefe F^age burd^ bas
Oefet befonbers ju entfdieiben, ift iebod^ nid^t anjuerfennen. S)ie ^icr in
Setrad^t fommenben FöUe pttb feiten unb Don geringer praftifc^er SBid^tigfeit
Megetmäfeig wirb ber SBerlefete feinen 3w)edE, ben fein Siecbt beeinträd^tigenben
SBiberfpruc^ ju bcfeitigen, jubem auf bem SGBcge ber Fcftftellungsflage erreichen
fönnen. Um fo weniger ift es angemeffen, in ber Ijicr fraglid&en Sejiel^ung
poptio einjugreifen, als es fid^ in SBirflid^feit um eine allgemeinere F^age
^anbelt, weld^e ftd^ aud^ bei allen anberen im ©efefebud&e nid^t fpejiell geregelten
abfoluten 3led[)ten, insbcfonbere aud^ bei ben auf bie immateriellen ©üter ftd&
bejiel^enben 9led|ten, erl)ebt.
SBerfd^ieben üon ber oorftel^enb be^anbelten F^cige ift bie, ob bas Siedet ^^^^^^
auf bie Fft^^"^^9 ^i^^ö beftimmten F^^^iHennamenö aud^ ben weiteren ^nl^alt fü^rung'
1006 gcftftettunö famiüenre^tfid&cr SSerJdltntffe. UrtJ&cil. § 1632.
l^at, bafe bcr Scrcci^tigte gegen benjenigen, lüelcfier unbefugter aSeife ben
gleid^cn 9Iamen fü^rt, um biefer S^tiatfod^e willen auf bie Unterlaffung biefer
SJamensfü^rung flogen fann. ®in berartigeö prbatrec^tUd^eö aSerbietungßred^t
qIö Sluöfluö beö SRed^teö, einen beftimmtcn gamiticnnamen ju führen, läfet
fid) jebod^ quo allgemeinen Orunbfägen, indbefonbcre aus bem abfoluten
Äarafter iene& SWed^teö, nici^t ableiten.. 5Kud| ift bie pofitioe Slnerfennung eineö
fotd^eu 93erbietungsred&teö burd^ ein Sebürfnife nid^t geboten; tjielme^r ift eö
©ad^e beö öffentlid&cn 9ledt)tcs, barübcr ju beftimmcn, inroieroeit unb mit
meldten 9Kitteln ber unbefugten gül^rung eines ^Ramend entgegengetreten merben
f oU (oergl. § 360 3lx. 8 beö ©tr. @. S3.)- Sfnberö liegt bie ©ad&c in bem galle,
menn bie unbefugte gul^rung eineö beftimmten 3iamens obieftio geeignet ift,
ben ©ddein falfd^er gamilienjuge^örigfeit ju erregen. 3n biefem galle fteUt
baö 9lcd&t, auf Untertaffung biefer 9lamengfü^rung ju tlagcn, fid&, nätier be^
trachtet, nid^t alö ein Sluöflufe beö JRed^teö, ben Stamen einer beftimmten
Familie ju fül)rcn, f onbern alö äuöflufe ber S^^Ö^^ö^iöf^it ju einer beftimmten
gamilie bar. @ö ^anbelt fid& um bie gragc, ob bie Sufl^prigfcit ju einer
beftimmten gamilie als ein ©tatuöred^t unb ob cö alö eine 33erlefeung beö^
felben an jufel^en ift, wenn ein Slnberer unbefugter SBeifc fid& alö biefer gamilie
angeliörcnb bejeid&net. @ine fold&e Slnmafeung bcr 3wgel)örigfeit ju einer ge?
mifjen gamilie fann aber nid^t nur burd^ bie unbefugte gül)rung beö 3Jamenö
biefer gamilie, fonbcrn aud^ in anberer 9lrt, j. S3. burd^ bie unbefugte gül^rung
beö SBappenö biefer gamilie, erfolgen. 2)a mit ber ^öfung biefer grage
2;f|eorie unb ^ßrajiö erft in neuerer ^txi eingel^enber fidb bef afet l^aben, oi^ne
in biefer S3eiief|ung biölang ju einem fcften Slefultate unb ju einer ©inigung
über baö SBefen beö ^ier in SRebe fte^enben 3lcd&teö gelangt ju fein, fo ift eö
alö bebentlidö erad&tet, ber mifjenfd^aftlid&en ©ntroicfelung burd^ eine gefeßlid&c
©ntfd^eibung ber grage oorjugreifen, jumal aud& bie beftebenben ©efeßbüd^er
einer folc^en ©ntfd^eibung fid^ entl)alten l^aben unb nid^t ju beforgen ift, bafe
auö bem ©d^meigen beö Oefe^eö eine erfieblid^e (3efäl)rbung ber Sted^töfid^er-
beit fid^ ergeben merbc.
§ 1(k52.
urt^eii. Die 83eftimmung beö § 1632 3lbf. l ©afc 1 fd^liefet fid^ an bie ä^nlic^
©ubjeftioer Ucgeube gälte betreffcnben Seftimmungen ber §§ 1256, 1269, 1271, 1477, 1478
TJmxX ^^' ^^^ ^" i^^" ^äH^n, ift eö aud^ in 3lnfe^ung ber im § 1632 Slbf. 1 be:=
jeid^neten SSerbältniffe im öffenttid^en 3ntereffe gelegen, bag baö Urt^eil, meld&eö
auf bie gcftftcllungötlage ergangen unb noc^ mäl^renb ber Sebenöjeit ber
^Parteien red^töfräftig gemorben ift, für unb gegen Sllle mirft. 3lnbcrcrfeitö
ift biefe 3luöbe^nung ber SRec^töfraft im ^inblide barauf, bafe nad^ bem in
ber 3lnmerfung ju § 1476 mitgetl^eilten neuen § 627c bcr 6. 5ß. D. baö Sßer*
fahren auf ber ©runblagc beö Dffijialprinjipeö geftaltet ift (Dcrgl. bie SBor^
bemerfung ju biefem ^itel unter 1 oben S. 1002), unbebenfUd^. SKit ber Se>
ftimmung beö § 1632 5lbf. 1 ©afe 1 fte^t jubem bie in 2)oftrin unb ^rayiö
tjorroicgcnb oertretene unb im fäd^f. ®. 33. § 1857 jur auöbrücllid^en 9ln*
erfennung gelangte 3luffaffung im ©inflange (ocrgl. im Uebrigen bie aWotioe
5U § 1477 oben ©. 673 ff.).
gcftftcDuno famtrienredttlic^er Sertältnilfe. Urtjcil. § 1632. 1007
2)ie im § 1632 3lbf. 1 ©afe 2 beigefügte ünobifüation beö im 9tbf. 1
©a| 1 auögefprod^enen (Srunbfafieö entfprid^t ber gemcinrcd^tUd^en S)oftrin
(oergt. 1. 42 D. de IIb. causa 40, i2 ; 1, 1, 5 D. si ingen. 40, u) unh bcml)t auf
benfelbcn ©noägungen, mie bicienigen, meldte ju ber S3eftimmung beö § 1256
©afe 2 geflirrt ^oben (oergl. bic 2»otioe ju § 1256 oben ©. 63). 5Die iJofung
ber QUO biefer ÜHobififation mögüc^erroeife fid^ ergebcnben Äonflifte fonn bei
ber ©eltenl&eit ber gälle ^ier, mie im gatte beö § 1256 ©afe 2, unbeben!(id^
ber 8Biffenf(f)Qft unb ^ßrajid überlajfen merben.
S)ie im § 1632 3lbf.^ 1 ©afe 1 beftimmte SBorauöfefeung, bafe baö Urll^eil
mä^renb ber fiebcnöjeit ber 5ßarteien red^tsfräftig gemorben ift (oergl. §§ 1256,
1269, 1271, 1477), ^ängt mit ber in bem neuen § 627c ber 6. 5ß. D. für ent^
fpre^enb anmenbbor erflfirten § 627a 9(bf. 1 ©afe 2 ber ß. % D. (oergt. 9lnm.
ju § 1476) jufommen.
aibf. 2 beö § 1632 entfprid^t bem 3lbf. 3 beö neuen § 627c ber G. ^. D.
S)a ber ©ntmurf an bie une^elid&e SBaterfd^oft meitgel^enbc familienred^tlid^c
gBirfungcn nid^t fnüpft (oergl. §§ 1236, 1571), fo fel^It eö on einem g3e^
bürfniffe, oud^ auf ben Wec^töftreit, mcld^er bie geftftellung beö Seftel^enö
ober beö 9tid^tbcfte^enö ber unel^elidöen Sßaterfci^aft jum ©egcnftanbe l^at, bie
befonberen SBorfd^riften beö § 627c 3lbf. 1, 2 ber ©. ^. D. unb beö § 1632
Slbf. 1 auöjubel^nen.
Slnlangenb ben objeftiüen Umfang ber Wed^töfraft eineö baö Äinbeö^: obiewo«
oeri^oltnife imifd&en SBater unb ftinb feftfteUenben, naö) SKafegabe beö neuen «"j^^rran'
§ 627c ber S. 5ß. D. ergel^cnben Urt^eiteö, fo fann eö nici^t jTOcifell^aft fein,
bag bie 9{ed^töfraft eineö fol^ien Urt^eUeö ber 9lnfed^tung ber @^e(id^Ieit beö
Äinbeö nod^ Ü)lafegabe ber §§ 1471 ff. nid^t entgegenfte^t, meil in ienem 5ßro*
jeffe ber angeblid^e SBater bie ©l^elid^teit beö Minbeö auö bem ©efid^töpunfte,
bafe baöfelbe nid^t el^elid^ crjeugt fei, nid^t anfed^ten fonnte, fonbern bicfe ^n^
fe^tung (§ 1475 3lbf. 1) nad^ bem me^rerroä^nten § 627c 9lbf. 2 ber ß. % C.
in einem befonberen ^rojeffe erfolgen mug. 3n beiben ^rojeffen ^anbelt eö
ftc^ um einen ganj oerfd^iebenen Streltgegenftanb. 3n bem 5ßrojcRe, mel^ier
bie geftfteUung beö ©Itern- unb Äinbeötjer^ältnlffeö m6) SWafegabc beö § 627c
ber 6. % D. jum ©egenftanbc l&at, fte^t nur bie ^age jur ©ntfd^eibung, ob
baö Minb Don ber ß^efrau geboren ift, mäl^renb bei ber ^(nfed^tungöflage beö
ß^emanneö gegen baö Üinb eö pd^ um bic ©ntfd^cibung ber grage ber cl^e*
lid^en B^wgung beö Kinbeö l^anbelt, 93eibe ftlagen unb 5ßrojeffc finb mithin
ganj unabhängig oon einanber. @inc befonbere Seftimmung in ber l^eroor*
gehobenen 9lid^tung ift um fo weniger angejeigt, alö berartlge ^Stagen aud& in
anberen ölinlid^ liegenben gäUen fid& erl^eben fönnen, j. 93. roenn eine ®^e,
nad&bem bic Älage auf SWid&tigfeitöerflarung berfelben red^töfräftig abgeroiefen
ift, mcgen eineö älnfed^tungögrunbcö angefod^ten mirb. ^\x6) in biefem [enteren
J^alle mirb bie rid^tige ©ntfd^eibung an ber $anb ber fonftigen SBorfd^riften
(üergl. ben in ber 9lnm. 1 ju »ud^ IV Slbfd&n. 2 Sit. 1 §§ 1250 ff. unter
IT, 10 mitget^eilten neuen § 587 ber ©. 5ß. D.) fid^ oon felbft ergeben.
1008 SSonnunbf^aft. attöcmeinc ffleörimbuno. (§§ 1633—1748.)
»icttcr mmtt
Hormiittbfdiafi
SlKgettteine SSegtättbung*
I.
9luöfc^cibiing ber baö 33crfa§ren in 33ormunbfcf)aftöiQd^cn
bctrcffcnbcn SBcfttmmungcn.
3)cr ©ntrourf orbnet flnitibfäfelid^ nur baö materielle aSormuHbfd^aftörcd&t
unter aiuöfd^eibung ber bog SSerfol^ren in Sßormunbfd^aftöfadien betrcffcnben
Scftimmungen. Dabei ge^t er inbeffen nid^t boDon auö, bafe biefc festeren
SBeftimmungen in ifirem tJoUen Umfange ben Sanbcögefefegebungen ju über*
laffen feien, fonbern er {)ält eö für angejeigt, bafe mit ber ©infü^rung beß
bürgerlid^en Oefegbud^ed befonbere reid&ögefefelid^e SSorfd^riften, fei eö in einem
bcfonberen ©efcfee über baö Sßerfa^ren, fei eö im ©nfü^rungögefefic jum
bürgerlid&en ©cfegbud&e, erlaffen werben, meldte nid^t nur baö Sßerfal^ren in
Sßorniunbfd&aftöfad&en, fonbern überl^aupt baö SBerfa^ren in ben baö gamilicm
red&t, inöbefonbere aud^ baö ©(ternred&t, betreff enben Slngelegenl^eitcn inforocit
cinl^eitUd^ orbncn, alö fonft bie einl^eitHd&e ©eltung ber materiellen SBorfcftriften
beö bürgcrlid&en ©cfefebud^eö eine 93eeintrad^tigung erleiben mürbe. 3)ie be?
fonberen reidöögefefelidt)en 93orf(^riften werben namentlid^ ju beftimmcn l^aben;
über bie Swftänbigfeit ber SBormunbfdöaftöbeprben, über bie SKnjcigepflic^t in
Seoormunbungöf allen, über bie SSorauöfefeungen ber SBirffamfeit ber von ben
a3ormunbfd^aftöbel)örben erlajfenen SBcrfügungen unb über bie SBirfung einer
im 9led^tömitteloerfal)ren ergangenen abönbemben (Sntfd^eibung (oergl. 9lnm. 1
JU S3ud^ IV §§ 1227 ff), ©aneben finb übrigenö auc§ in baö ©efefebud^ felbft
üerfd&iebene, baö SBerfal^ren betreffenbe SSorfd^riften aufgenommen, fomeit bteö
roegen ifireö 3ufammenl^angeö mit materiellen Sßorfd&riften unb jum Qtotät
ber 3)urd&fül^rung ber lefeteren angejeigt fdEiien, 6ö gilt bieö j. S. Don ben
ba^ Snftitut beö gamilienrat^eö regeinben aSorfd^riften,
II.
Stellung beö ©ntrourfeö jur prcu^ifd^en SSormunbfd^aftöorbnung
im Slllgemeinen. Ueberfid^t über bie mid^tigeren bem SSormunb^
fd^aftöre^te beö ©ntmurfeö ju ©runbe liegenbcn 5ßrinjipicn.
steaunabcfl ©cm ßntmurfe l^at bei ber ©eftaltung beö SBormunbfd^aftöred^teö im
Z^7X SBcfentlid&en bie preu§. aSorm. D. v. 5. 3uli 1875 alö SSorbilb gebtent. ©ie
«orm. D. legtere ift namenttid^ beöfialb befonberö geeignet, alö SBorbilb für baö SSor*
gSürmunbfiSaft. aUgcmctne Scßrünbunö. (§§1633—1748.) 1009
munbfd^^iftei^^clit cincß bcutfd&cn bürgerüd&cn ©efegbu^ieö ju bicncn, lüeil bie«
felbc^ aud grünblid^en SBeratl^ungen hervorgegangen unb für ben ganjen
Umfang bcr prcufe. aJionard^ie beftimmt, btn Derfc^iebenften SSerliältmifcn in
ben cinjclnen ^rotjinjen unb juglcid^ ben brci Sled^tßf^ftcmen beö preufe.
31. 2. SR., beö gemeinen SRec^teö unb beö franj. Stcc^teö l^at SRcd^nung tragen
müRen. Sluf ber anberen ©eite meidet iebod& im ©injelnen bad SBormunb?
fd^aftöre^it beö (gntourfeö oon ber preu^. SSorm. D. oielfac^ ab. 2)icfe äß)*
meid&ungen fmb tl^eife l^eroorgerufcn burc^ ben Sufammenl^ang bed S3ormunb=^
fdjaftöred&teö mit anberen S^tieilen be« Oefefebud^eö, inabefonbere mit ben
äSeftimmungen beö aQgemeinen SS^eileö über bie ©efd^äftdföl^igteit unb mit ben
^eftimmungen bed gamilienred^ted über bie elterliche ©emalt. 92amentlid^ ^at
bie ^Sormunbfd^aft über STOinberiä^rige burd^ bie älnerfcnnung bcr elterlichen
©emalt ber SOtutter, fomie baburc^, bag bem (Sntmurfe eine 93eenbigung ber
e(ter(id^en ©enmlt burd^ SSerl^eiratl^ung, getrennte ^audl^altung unb burd^
©ntlaffung (oergl. § 12 bcr preu§. SBorm. D.) unbefannt ift, in üerfd^iebenen
SRid^tungen fid& einfad&er geftaltct. 3)aburd& ift }. S3. bie Slncrfennung einer
gefeglic^en SSormunbfc^aft ber ®Itern über bad minberiä^rige Rinb, foroie bie
Slnerfennung einer befreiten SSormunbfd^aft ber @(tern über SKinberjäl^rigc
entbel^rlic^ geworben, ©in anberer 2^^eil ber oon ber preufe. 33orm. 0. ab*
meid^cnben Säeftimmungen ift burc^ bie ©rfal&rungen Dcranla^t, wetd^e injroifd&en
im ©eltungdgebiete bcr preug. 93orm. O. in älnfe^ung ber äSeftimmungen ber
leßtcren gemad^t roorben finb. 3n biefer SBejie^ung ift ber ©ntrourf namentlid^
beftrebt geroefcn, unter geft^altung ber (Srunbtogen ber preufe. SBorm. D.,
indbefonbere bed ^rinjiped ber Selbftänbigteit bed SSormunbed, eine größere
Sid^erung bed 3)2ünbeloermögend )u eriielen t^eild burd^ @rmeiterung ber
geilte, in meieren ju 9led^tdgef4iäften bed äSormunbed ober bed SRünbeld bie
®enel)migung bc& ^ormunbf^iaftdgerid^ted ober bie bed ©egenoormunbed er*
forberlid^ ift, tl}eild burd^ bie @rn)eiterung bed älufftd^tdred^ted bed äSormunb*
fd^aftdgerid^tcd, t^eild burd^ eine umfangreid^ere SSermert^ung bed ^nftituted
ber Hinterlegung unb ber Umfd^reibung pon Sn^aberpapicren auf ben 9iamen
bed aßünbcld.
3lnlangenb bie bem SBormunbfd^aftdred^te bed ©ntmurfed ju Orunbe i^nmipien
liegenbcn, für ben Sludbau im ®injelnen befonberd mic^tigen ^^Srinjipien, fo «ntwurfe«.
gellt bcr Sntmurf in Ucbereinftimmung mit ber prcufe. SSorm. D. junäd&ft ^^^g^^
baoon aud, bafe bie Dbcroormunbfd^aft ben ©erid^ten übertragen werben foll,i>er oberwr.
icbod^ Dorbc^altlid^ bcr im ©infü^rungdgefefee ju entfd^eibenben grage, ob unb "*""*'^*^"^
inroicmcit ben üanbedgefeggebungen bad dicä^t einjuröumen ift, ©emeinbc*
Organen oberoormunbfc^aftlid^e gunftionen ju übertragen, fomie porbe^altlid^
ber S3eftimmungen bcr §§ 1712 ff., nac^ meldten bie SRccfttc unb ^fti^itcn bed
aSormunbfd^aftdgerid&ted audna^mdmeife einem gamilienratl^c übertragen merben
f önnen. 3lbgcfc^en oon bem gamilienrat^e, ift ber gamilie infofem eine WxU
tüirfung bei gülirung bcr Dberoormunbfd^aft eingeräumt, ald bad SSormunb*
f^oftdgerid^t t)or einer il^m jufte^enben ©ntfd^eibung auf Slntrag bed Sßor*
munbeö ober bed ©egenoormunbed unb in mid&tigen 9lngelcgen^eitcn Don
Slmtdiücgcn SBerroanbte ober SBerfd^mägerte bed aWünbcld gutac^tlidi ^örcn foll,
fofern bicd oi)nt ert)eblid^c SBerjögerung unb o^nc unoerJ^ältnifemöfeige Äoftcn
SRotive }. bi\v^ttl. (Sefc^bui^. IV. 64
1010 SSorinunbfd&aft. 2(ffflemeine SBeßtimbung. (§§ 1633—1748.)
gcf(f)cl^cn fann (§ 1678). 9luc^ bcn ©cmcinbcn ift burd^ baö Snftitut bcd
®cmeinbcn)aifcnratl|cö (§ 1725) eine ÜHittoirfung bei gü^rung ber Dbcr*
oormunbfd^aft gefiebert.
se(bfiänbi9' g[m 3lnfd^luffe an bic preufe. SSorm. D. beruht ber ©nlrourf ferner auf
munbc«.^'' bem ^rinjipc ber ©etbftänbigfeit beö aSormunbefi gegenüber ber Dberoormunb*
fd^aft. ®er SBormunb \)ai fclbftänbig unb auf eigene SSerantroortung bie
^ßffid^t unb baö 9?ed^t für bic 5ßcrfon unb baö SBcrmögcn beö aWünbete ju
forgen (§§ 1648, 1696), tnöbcfonbere fte^t i^m, foroeit baß (Sefefe feine 3lud*
nofime modit, bie unbefd^ränfte SSertretung in 3lnfe^ung beö SMünbelö ju
(§ 1649). ®runbfä6lid& ift cö olfo ber SBorntunb, roeld^er tionbelt unb borübcr
5U cntfc^eiben ^at, ob unb roie gelianbelt werben foU. 2)oc^ l)at er babei
felbftoerftänblic^ bie für bic oomtunbfd&aftlid^e 58ern)Qltung gegebenen gefeglid&cn
'^orfd&riften ju beobad&ten, unb erleibet feine ©clbftQnbigfeit aud& infofern eine
geroiffe Sefdjränfung, als feine gefammte 2:^ätigfeit ber ftänbigen 3luffid^t bcö
ajormunbfd^aftögerid&teö unterliegt unb ba& tefttere gegen ^flid^troibrigfciten
bcö SSormunbeö burd^ geeignete ®ebotc unb 33erbote einjufd^reiten i)at
(§§ 1684 ff.), aiufeerbem bient boö Snftitut beö ©emeinbeioaifenrat^eö (§ 1725)
unb beö ©egcnDormunbeö (§§ 1647, 1654) jur Äontrolc beö 33ormunbcö. 3n
gcroifjen gällen räumt ber ©ntrourf bem 9[5ormunbe eine befonbcrö freie
©teUung ein (§§ 1690 ff., 1733, 1734).
oefieuungds @in TOeitcrcö, bem 33ormunbfd^aftörcd^te beö ©ntmurfeö ju Orunbe
prinsip. i[^Q^xibe& 5ßrinjip ift baö Seftellungöprinjip, b. f). ber ©ntmurf ge^t baoon
QUO, bofe bie ^ormunbfd^aft in feinem gälte unmittelbar fraft beö ©efefecö
eintritt, fonbern immer nur auf ®runb einer 9lnorbnung beö SBormunbfd^aftö^
gerid^teö unb bafe 5ßflid&t unb Siecht beö SBormunbeö erft mit feiner SöefteDung
beginnt (§§ 1634, 1648). SKbroeid&enb t)on ber preufe. aSorm. D. §§ 12—14, 83
l^at ber ©ntmurf biefeö ^ßrinjip auöna^möloö burd^gefüfirt. 9lur in Stnfe^ung
beö im § 13 ber prcufe. 33orm. D. Dorgefet)enen galleö foB ben fianbeögefeg^
gebungen burd) einen SSorbc^alt im (Sinfüfirungögefeje (oergl. Slnm. 1 ju § 1634)
SRaum gelaffcn merben.
sic^eriieounfl ^n Slnfel^ung ber Sid^erftellung beö 3Wünbelö fd^liefet ber (gntmurf fic^
" * ■ ber Seftimmung ber preufe. SSorm. D. § 32 2Ibf. 6 an, bag ein ^fanbred&t
ober ein 2:itel jum 5ßfanbred^te an bem SBermögcn beö SBormunbeö burc^ bie
aSormunbfc^aft nid&t entftel)t. 3)aö aSormunbfc^aftögerid^t fann jeboc^ unter
befonbercn Umftänben anorbnen, bafe ber aSormunb wegen beö feiner aSer«
loaltung unterliegenben 93crmogenö beö üJlünbelö biefem Sic^er^eit ju teiften
fiabc (§ 1689; § 58 ber preufe. SSorm. D.). 3" ^inem fold^en galle fonn ober
ber aSormunb bie Ueberna^me ber SSormunbfd^aft ablehnen faejro. feine 6nt«
lajfung alö aSormunb ücrlangen (§ 1643 9ir. 6, § 1706 2(bf. 2; preufe. SJorm. D.
§ 23 3ir. 6, § 63 3tbf. 2). S)en SWangel ber pfanbred&tlidf)en ©id&er^eit unb
ber unbeblngten 33erpflid&tung beö aSormunbeö jur ©i^erl^eitöleiftung fud&t ber
©ntrourf, tl)eilö in 3lnlel)nung an bie 33or|cbriften ber preufe. SSorm. O. §§ 39,
41, 60, tljeilö barüber l)inauögc^cnb, nomentlid^ burcb bic öeftimmungen über
bie Anlegung ber ^JOiünbetgelber (§§ 1664—1668), über baö ©rforbernife ber
@cncl)migung beö (Segcnoormunbeö bcjm. beö aSormunbfc^aftögerid^teö ju 35er*
fügungcn beö SJormunbeö über bie bem 3)tünbel juftc^cnben Slnfprüd^e (§ 1669)
3Sormunbfd6aft. Stttgcmcine SScgrünbung. (§§1633—1748.) 1011
"unb bur^ eine ausgiebigere Sludnuftung befl 3nftituteö ber Hinterlegung unb
beö Snftituteö beö ©taatöfd^ulbbud^eö (§§ 1670—1673) ju erreid^en.
93on grunblegenber Sebeutung ift ferner ber Unterf^ieb in)ifd)en SJor^ «<>''
munbfd^aft unb 5|JfIegfcl^aft. S)er ©ntrourf begreift unter SSormunbfd^aft bie ""inb"
^älle, in n)eld)en eö [id^ um bie aBgemeine gürforge für bie 5ßerfon unb baö ^tiesW*.
aSermögen beö aHünbelö tianbelt (§§ 1633, 1726, 1727, 1737), roäl^renb er eine
tßffegfd^Qft ba eintreten läfet, wo boö SBebürfnife beö ©d^ujeö nur für befonbere
^ngelegenl^eiten ongejeigt ift (§§ 1738 ff.). I)emgemä6 fennt ber ©ntrourf
(§ 1740) — im ©egenfoge jur preufe. SSorm. D. § 82 — inöbefonbere feine
Slbiüefenl^citÄoormunbfd^aft, fonbern nur eine Slbroefenl^eitdpflegfd^aft.
3n ben folgenben 9?ummem ber allgemeinen 93egrünbung foHen bie
^eroorge^obenen, bem ©ntiourfe ju Orunbc liegenben 5ßrinjipien im ®injelncn
nät)er gcred^tfertigt werben.
III.
5)ic Dberoormunbfd^aft. SKitioirfuug ber ©emcinbc unb ber
gamilie.
3la(i) gemeinem SRe^te unb ber OTef^rja^l ber neueren Oefefigebungen fte^t orö««'
bie DberDormunbfd^aft bem Staate ju, unb jroar wirb bicfelbc ate ein Sc* munbfd^^'^
ftanbtfjeil ber freiwilligen ®eri(i)t«barfeit üon ben ©erid^ten ausgeübt (oergt. geitenbe«
preufe. 21. 2. 31. II, 18 §§ 1, 56 ff. ; preufe, »orm. D. §§ 1—10, 51 ff., ba^- ««<^t
neben iebod^ §§ 71—80; ba^r. Sluöf. ®cf. jum ®. 58. ®. o. 23. gebruar 1879 «ertöte
mrt. 15 für bie ba^r. 2anbe«tl>eile red^tö beö SR^einö; fäd^f. ®. 93. § 1880
nebft ber fä^f. SBerorbn. o. 9. Januar 1865 § 22 unb bem fä# 3luöf. ®ef.
jum ®. SB. ®. t). 1. aJiär* 1879 § 13; grofel). I^eff. ®ef. t). 18. 3uni 1887
mrt. 7; medflenb.fd^ioer. SBerorbn. jur SKuöf. beö ®. SB. ®. t). 17. SKai 1879
§§ 54—57; medflenb. ftret. SBerorbn. jur 3luöf. beö ®. SB, ®. d. 17. 9Kai 1879
§§ 49—52; meimar. ®ef. u. 27. anärj 1872 §§ 101—122; anmalt. ®cf. v.
23. gebruar 1877, betr. 9lac^(a6^ Äuratel* 2c. ©ad^en, unb 9luöf. ®cf. jum
®. SB. ®. t). 1. 9lprit 1879 § 20; olbenb. ®efefee jur 3luöf. beö ®. SB. ®. u.
2. 3IprU 1879 3(rt. 4, 5 unb t), 10. 3lpril 1879 3lrt. 6 §§ 1, 2; altenb. ®ef.
jur 3lußf. b. ®. SB. ®. t). 22. aJiärj 1879 § 18 ; ®ef. für SWeufe j. 2. jur
muöf. beö ®. SB. @. t). 22. gebruar 1879 § 14 ; braunfd&ro. ®ef. jur SKuöf. beö
®. SB. ®. V. 1. 3Ipri( 1879 § 20; lippe^bctm. ®ef. jur Sluöf. beö ®. SB. @. x>.
24. ÜWärj 1879 § 15 ; fd^aumb.tipp. ®ef. jur 3luöf. beö ®. SB. ®. v. 30. 3uni
1879 § 14). S)ie ju biefer ®ruppc ge^örenben Siedete uerjid^ten iebod& teineö-
locgö auf jcbe SIhtroirfung ber ®emeinbe ober ber gamitie bei ber SSerroaltung
beö SBormunbfd^aftömefenö ; vielmehr oerroeifen fie ben Stid^ter ni^t feiten in
mid)tigeren 9lngetegenl^eiten auf bie 9lnl^örung Don Slngcprigen beö 3Wünbelö
unb überlaffen t)äufig ben @emeinbebel)5rben bie 9lnjeige über bie ein«
trctenbcn S9euormunbungöfälle unb ben bamit eng jufammenl^ängenben SBor*
fd^lag ber SBormünber. 3nbeffen eine eigenttid^ organifd&e ©tetlung innerhalb
ber Dberoormunbfd^aft felbft räumen fie roeber ber gamitie nod^ ber ®es
tneinbe ein, unb erft in neuerer 3^^ fi^i>/ worauf unten nod^ nä^er einju*
64*
1012 aScnnunbfd&aft. afföemcinc SBeorünbung. (§§ 1633-1748.)
flehen fein wirb, SScrfud^c gcmad^t, bcn ©cmcinben einen größeren 6inPu&
auf boö a3ormunbfd)Qftött)efen ju fid^ern.
öemrinb«. ©ine jiDeite Oruppc üon Siedeten f>ot bic obcn)onnunbfci&afttid)e gürforge
grunbfäftlid^ ben ©cmcinben übcriDiefen ober hod) bcfonbcre, jum S^^cil aud^
mit nid^t rcd^tögcle^rten Oemcinbcmitgliebcrn befcfetc SBormunbfd^Qftöbe^orben
bcftcHt. 3lbgefc^en oon ücrfd&iebcnen fd^meij. Siedeten (ocrgl. inöbef. jür. ®. S»
§ 353), fommen für ©cutfd^Ionb »orjugömcifc bic in SBürttembcrg beftc^enben
aSerl^ältniffc in 33etrod^t. gür nic^t cjemtc 5ßcrfonen wirb ^ier bic Dbcr«^
üormunbfd^aft ausgeübt junäd^ft von bem SBaifengerid^tc, einem ju bicfcm
3medfe gen)äi)Iten Sluöfd^uffc bcö ©cmeinberat^cö, in mand^en 9lngelegen^eiten
unter aWitroirtung eincö 9Jotarcö, in roid^tigercn 5lngelcgen[;eiten von bcm
, ©emeinberat^c felbft, immer unter bcr aiuffid^t ber 3lmtdgerid^tc (ocrgl. Serid^t
bcr 3uftijfommiffion ber roürttcmb. Hammer über ben 3lntrag bcä 3lbg. ^JlofjH^
betr. bic ©r^altung bcä mürttemb. ^nftituteä ber für bic ©efd^äftc bcr frei*
milligen ©erid&töbarfeit angcftelltcn ®eridf|tö^ unb 3lmtS'5Rotarc, v. 15. 2tuguft
1879). gerner roirb in SDlcrflenburg in bcn meiften Stäbten bic Dberoor^^
munbfd^aft an ©teile ber 3tmtdgerid^tc uon bcn ©tabtmagiftraten burd^ f^
fonbcrc aBaifengerid)tc ausgeübt (ucrgl. Ianbeßgrunbgcfe|L @rbocrgIcid& o*
18. 3tpri( 1755 § 373; SSerorbn., betr. bic Segitimation in ©rbfällcn, o.
30. anai 1857 § 2; mcdfenb. fc^mer. SBerorbn. jur aiuöf. bcö ©. SB. ©. v.
17. aWai 1879 § 56 3lv. 2; medlenb. ftrel. SScrorbn. jur 3lusf. bcö ®. 98. ®.
V. 17. aWoi 1879 § 51 3lx. 2). 3n SübedE finb baö Stabt^ unb Sanbamt unl>
baö 9lmt ^raoemünbe a(S SSormunbfd^aftöbeI)örbcn bcftellt (oerg(. lübcdE.
SSorm.D. v. 11. Dftober 1820 §§ 111, 115 nebft bcm lübcdE. ©cf. jur 2lußf.
bcö ©. SB. ©. V. 3. gebruar 1879 § 49 9ir. III). ^n Hamburg beftc^t für bie
Stabt, bic SSorftabt St. 5ßauli unb bic 2anbcöt)crrfd^aften bcr ©ccft* unb
3)?arfd^Ianbc eine bcfonbcre aus SWitglicbcrn bcö Sanbgeri^teö unb nic^t
rcd^tsgclel^rtcn 3Jlitgliebern jufammengefe&tc SBormunbfd^aftöbcl}orbe, roä^renb
in ben 2anbeöl^crrfdf)aften äii^cbüttel unb Sergeborf bie oberoormunbfd)aft*
lid^cn gunftioncn bcm SlmtöDcrroaltcr bcjro. bcm 2lmtöri(^tcr jugcroiefen finb
(ucrgL Ijamb. SBorm. D. o. 14. ©ci^embcr 1883 9lrt. 95 ff., 110 ff.). 3n.
S3rcmcn wirb bic SBormunbfd^aftöbc^örbc an& bcn 3Ritglicbcm bcö Sanb-
gcridjteö ober bcö 3lmtögcrid^tcö (bcö Jiid)tcrfoUcgiumö) gebilbct. ®ö fönnen
aber auf 2lntrag bcö 5Hid)tcrtollcgiumö oom ©cnatc auc^ onbcrc nid^t bcm
9lid)terfolIcgium angc()5rcnbc ^ßcrfoncn ^n üWitgliebcrn bcr aSormunbfd)aftös^
bcl)örbc ernannt mcrbcn. gür btn 3lmtögcrid)töbcjirf Srcmcr^oocn ift bagcgen
baö bortige 2lmtögcrid)t bie SBormunbfd)aftöbe^örbc, bod) fönnen bemfelben auf
beffcn 9lntrag oom ©cnatc and) nid)trid)tertid^e ^JWitglicbcr jugcorbnct mcrben
(ücrgl. brem. 3tuöf. ®cf . jum ®. SB. ®. v. 17. mai 1879 §§ 106 ff. ; brem.
SBovm. D. V. 14. aWai 1882 § 1).
SKud^ oerfd^iebcne anbere Siedete, mennglcid^ biefclben bic Dbcruormunb-
fdiaft nidit in bie ^anb uon ®cmcinbcorgancn ober befonbercn, jum a::t|eil
aud) mit ®emeinbcmitglicbcrn befc^tcn S3et)örbcn legen, ^abcn bod) bcn &e^
mcinbcn eine gcwiffc äftitroirtung bei 2tuöübung bcr Dbcn)ormunbfc||aft unb
einen gepd^ertcn ®inf(uf3 auf bie gül)rung ber SBormunbfd^aftcn eingeräumt
®icö gilt inöbef onberc oon bcm bab. Siedete, mcld^eö im Slnf^luffc an ältere
Socmunbfd&aft. aagcmeine Scörütibung, (§§ 1633—1748.) 1013
^inrid^tungen boö Snftttut bf« SBaifcnrid&terä auögebilbct f)at 3n Sobcn fü^rt
baß 9lmtdgcrid^t bie Dberoormunbfdiaft. ©oöfelbe bcfd^Iiefet in bcn hnvä) ba«
fcob. 2. 5W. bem gamilicnrot^c jugcroicfcnen 9lnge[cgcnt}citcn naci& 9lnl^örung
icß QUO bcn nöcöftcn SScrroanbtcn unb SScrfd^roägertcn beö Sftünbclö ju jcber
tBormunbfd^oft ju beruf cnbcn ftänblgcn S3eiratt)e«; foroic beö SBaifcnrid^terö
unb unter Umftänben beö ©egentjormunbeö. 3fn ieber ©emeinbe werben ein
ober mehrere 2Baifenrid)ter auf aSorfd^fag beö ©cmeinberatl^eö oom Slmtö-
gerid^tc beftatigt. 3f)r 9lmt bauert fed)ö 3a^re. Sie unterliegen ber 35ienft*
auffid^t beö 9lmtögerid&teö. ©ie bejie^en feinen (Sel^alt, aber geroiffe ©ebül^ren.
3m 2lBgemeinen liegt ifjnen bie örtlid&c Ueberroaciiung beö S3ormunbf(i|aftö«
roefenö ob, forool^l in 9lnfel)ung ber 5ßerfon alö beö 33erm5genö ber aßünbet.
3nöbefonbcre l^aben fie bie eintretenbcn SeoormunbungöfäDe bem Slmtögerid^te
§u melben, geeignete SBormünber in SSorfd^Iag ju bringen, §älle, in roelciien
baö 3'^tereffc beoormunbeter unb minberiöl^riger ^ouöfinber gefäfirbet roirb,
anjujeigen, bie auö btn SBerroanbten unb 33erfd^rofigerten beö 9Wünbelö ge*
bilbcten 93eirätt)c in geeigneten gäUen im 5Ramen beö 9lmtögerid&teö ju oer*
nel^men, SSormunbfd^aftötabcIIen ju fül^ren, bei ber Slbna^me ber Sßormunbfd^aftö«
rei^nungen unb fonft in einer Slujal)! pofitit) beftimmter gäHe mitjuiuirfen (oergl.
bab. ®ef., bie Serioaltung ber freimilligen ©eric^töbarfeit unb baö Slotariat be^
treffcnb, o. 6. gcbruar 1879 §§ 2, 11—16; SJerorbn. o. 17. 3uU 1879, betreffenb
bie ©ienftanmeifung für bie SBaifenrid^ter). gerner beftel)t im Orofel^erjogt^ume
^cften in ben ^rooinjen ©tarfenburg unb Dber^effen bie ©inrid&tung, ba§
ben SSorfte^ern ber unter bem 9?amen uon Drtögeri^ten beftetienben ©emeinbe*
beworben neben ber Slnjeige ber SSeüormunbungöföUe unb bem SSorfd^fage ber
SSormünber bie 33erpffid;tung obüegt, ÜRängel in ber ©rjie^ung unb 33cr=^
pflegung ber ÜJHinbel ober in ber SSermaltung beö SSermögenö berfelben
bem 35ormunbfcöaftögeridöte aujujeigen (fjeff. ®bift v. 15. Dftober 18.52
9lrt. 12, 15; 3nftr. für bie Drtögerid^te o. 26. Dftober 1852 §§ 28, 29; IjeR.
aSerorbn. jur Shiöf. beö ®. 50. ®. ü. 14. SKai 1879 §§ 1, 15). ®aö rocimar.
®cf. 0. 27. a»örj 1872 §§ 108 ff. überrocift bem ©cmeinbeoorftanbe unter
Umftänben bie uorlöufigc ©id^erfteUung beö Slad^Iaffcö, baneben bie Slnjeigc
ber Seuormunbungöfälle, ben SSorfd&Iag ber SSormünber, bie unmittelbare
Sfuffic^t über bie perfönlid&c gürforge für bie Sßünbel unb bie 5ßfli^t, eine
ctmaige ®efä{)rbung ber Äinbcr burc^ bie ©Kern ober eine ungehörige 2lmtö«
fül^rung ber SBormünber anjujeigen. 9lad^ ber preu§. SSorm. D. §§ 52—54
ftnb bem SSormunbfc^aftögeri^te für jebe ©emeinbc ober für örtUd^ abju«
grenjenbe ®emeinbetl;eile ein ober mehrere ®emeinbegUeber alö SBaifcnröt^c
jur ©eite ju fegen. 2)er SBaifenratf) ^at bie Sluffid^t über baö perfönlid^e
SGBo^I beö SMünbelö unb über beffen ©rjie^ung ju führen, inöbefonbere aßängel
unb ^flid^tmibrigfeiten, roefd^c er bei ber förperlid^en ober fittlidfien ©rjie^ung
beö SKünbelö wahrnimmt, anjujeigen, audf) auf @rf orbern über bie ?ßerfon
beö SRünbetö 9Iuöfunft ju ert^eiten. ©r l^at aufeerbem biejenigcn ^JJerfoncn
t)orjufd^(agen, meiere im einjcinen %aUc jur 33erufung alö aSormunb ober
©egenoormunb geeignet erfdfieinen. S)er prcu§. 93orm. O. ^at in biefer ^infid^t
baö anl^alt. ®e[. v. 23. Februar 1877, betr. 5Rad&Ia6^ Anratet u. f. m.
©ad^en, fid^ angefd^toffen. 9iad^ bem ba^r. ®ntm. einer SSorm. D. t). 1874
1014 aSormunbWaft. attgcmcinc Seörünbung. (§§ 1633—1748.)
3[rt. 6 finb bic ©emcinbcbeprbcn ocrpffid&tct, bic SSormunbfd^aftÄgcrid^tc in
il)rcr 3lufftci^töt^äti(jfcit ju untcrftä|cn, bcnfclbcn inöbcfonbcrc aÄongel ober
'^Jffid^troibrigtcitcn, toel^c bei ber ©rjicliung ber üHünbel iDa^rgcnommeu
TDcrben, anjujeigen unb über bie ^erfon ber SKünbet Sluöfunft ju ert^eifcn.
«famiiic 3tn ©egenfafec ju bcn bisher angcfül^rten Siebten, rotid^t bic Oberst
oormunbf^aft in bie ^Qtib offentlid;er 93c^örben legen, ^Qt baö franj. SRed^t
(code civil 9lrt. 406—415) bie gunftionen ber DbcrDormunbfd^Qft einem
^Qmilienorgaue, bem gamitienrat^c übertrogen. 2)ic oberoormunbfd&QftlicI^en
©efd&äftc werben beforgt burcö ben gricbenörid^ter unb roenigftenö fed^ö, jur
Raffte von oäterlid^er, jur anberen .^älfte von mütterlid^er Seite nad) ®rabea*
nä^e eintretenbc SBerroanbte ober 9Serf(^n)ägerte beö SKünbefs, an beren ©teile
notl^igenfoBö oud) onbere geeignete ^ßerfonen berufen werben fönnen. 2)iefe
^ßerfonen bilbcn inbeffen feine ftänbige 33eljörbe, fonbern [\t werben für icben
einjelnen SSebürfnifefall nad^ beftimmten gefeglid&en SBorfd^riftcn jur Sefci^Iufe^
fof^ung jufammenberufen. S)ie S3efd&Iüj|c biefeö gomilienrotlieö bebürfen in
roid^tigcn, burdE) baö ©efefe bcjeid&neten gällen ju i^rer ©uttigfeit ber S3e^
ftätigung bed AoQegialgeric^ted. £egtereö ift Qud^ juftönbig jur @ntf4ieibung
über bie gegen bie 93ef^lüffc beö gamiUenrat^cö julofrigcn JRec^tömittet.
S)em fron}. 9led)te ^ot in biefcr 93ejic^ung ber boi)r. ©ntro. o. 1874 fid& am
gefd^loifen. 3Bäl|renb cd in ber $falj bei bem fronj. Siechte ocrbleiben fott
(2lrt. 132, 137), foU in bcn rcd)törl)einif(5en Sanbcöt^cilcn für alle SBormunb*
fd)aftcn, mit toe[d)cu eine crl)eblid)e SSermögenßocrJoaltung oerbunbcn ift, bie
Oberoormunbfdjoft t)on einem, jebod) ftänbigen, cntfd)eibcnbcn gamilienrat^e,
gebifbct auö bem ©injcfrid^ter unb jiDci bis t)icr 3)Jitgliebern, ausgeübt werben.
Soweit ein gamilienratf) nid^t gebilbet wirb, werben bcffen Cbliegen^citen oon
bem 93ormunbfd)aftögerid^te waljrgenommen (3lrt. 5, 6, 12—29).
®er ^ejf. ®ntw. IV 9lrt. 3—17 unb bie bab. ®efc|gebung ^aben jwar
ha^ 3nftitut beö gamilicnrat^cö aufgenommen, bem (enteren iebo4i nur bie
Stellung eines bas 93ormunbfd)aftSgerid^t in 3luSübung ber Dberoormunb^
fd^aft unterftüfenben, beratfjcnbcn Drganes gegeben. 3n Saben befd^Iicfet bas
3lmtSgerid)t als SBormunbfd)aftSgerid)t nad^ Sln^Brung ber nädiftcn 9Ser:=
wanbten unb 3SerfdE)wägerten beS TOünbets. gür jebe SSormunbfd^ft werben
jwei ober oier im Drte ober in beffen 3läf)c wo^ncnbe näd^fte SSerwanbte ober
33erfd&wägertc bcS ÜRünbelS, womöglid^ je jur ^älfte uon t)äterlid)er unb
mütterlid^er Seite, berufen, um bem SrmtSgerid^te als ftänbige 93eirätl)c jur
Seite JU fte^cn. 3n ®rmangetung üon Sßcrwanbten unb 33crfd(|wägertcn treten
aud^ {|ier jwei fonftige geeignete 6inwol)ncr beS Ortes an Stelle berfelben.
3n wid^tigen unb jweifelfjaften göUen ^nbet bie aSernef)mung ber Seirät^e
burd^ bas aimtsgeric^t felbft ftatt, im Uebrigen fonn biefelbe burd^ einen
(Semeinbebeamten ober 5Jlotar erfolgen (oergl. bab. ®ef. o. 6. gcbruar 1879
§§ 2, 11-15).
3n ber preufe. 3l^cinprooinj ift ber gamilienratfj bes franj. 9Jed)teS als
obligatorifd;eS Snftitut burc^ bie preufe. SBorm. C befcitigt. 3)ic Icßterc l^at
iebod), namenttidj um bem bisherigen Slcd^tsjuftanbc in bem Oebiete bes franj.
9lcd)tcS SJledinung ju tragen, bie ajtögtidljfeit gewäl)rt, bie DbcrDormunbfc^aft
einem gamilicnrat^e ju überweifen, unb jwar finb bic bctrcffenben 3)eftims
S5urmunbf(6aft. aOflemcine Seörünbuno. (§§1633—1748.) 1015
mungcn für baß ganjc (ScKungßgcbict ber prcufe. 33orm. 0. antücnbbar. SZad^
bicfcii Scftimmungen miife bcr gQtnilicnratt), ol)nc bafe bem ©rmcflcn bcö
SBormunbfc^oftögcricI^ted in biefer Scjicl^ung ein ©piclraum gclaffcn ift, nic^t
nur bonn gcbilbct werben, roenn ber 5Boter ober bie äRuttcr bieß angeorbnet
l)Qt, fonbern awi) bonn, rocnn brei biß jum britten (Srabe mit bem aWünbel
uerroonbte ober oerf^roögerte ^erfonen ober bcr SBormunb ober ber Oegem
üormunb eß beantragen. 9lud& ^erfoncn, roeld^e nid&t mit bem aJlünbel oer-
roanbt ober oerfd)roägert ftnb, fönnen auf STnorbnung beß 33oterß ober ber
ÜRulter ober auf ®runb eineß Sefd^fuffeß beß gamilienrat^cß ju ÜRitgliebeni
beß [enteren ernannt werben. I)en SSorfift fü^rt fraft beß ©efegeß ber 3Jor«
munbfd^aftöric^ter. S)er fo gebilbetc gamilienrat^ ^at im SBefentlid^cn alle
SHed^tc unb ^^5flid)ten beß aSormunbfd^aftßgerid^teß (preufe. 3Sorm. D. §§ 71
biß 80).
3)ie preufe. SSorm. D. I^at ber gamilie aber auci& infofern bei jeber 33ors
munbfd)aft eine gemiffc aWitroirfung gefid^ert, alß baß a3ormunbfd|aftßgerid|t
t)or einer Don i^m ju treffenben 2(norbnung auf Slntrag beß SSormunbeß ober
beß Oegenoormunbeß ober eineß Sßermanbten ober SSerfd^roägerten beß 3Wünbelß
brei oon ben notieren SBenoanbten ober 33erfd^n)ägerten beßfelben, fofcrn fie
ofinc äJerjug erreichbar fmb, gutad^tlid^ ju l^ören ^at. 6ß ftc^t il^m aufeerbem
frei, aud) oljnc 2lntrag aSerroanbte ober aSerfd^roägertc beß 9Künbelß gutad^tlid^
JU i)bxQn (preufe. 9Sorm. D. § 55). 9luc^ anbere 9lecl^te üerroeifen baß S8op
munbfc^aftßgeriddt, ieboc^ in formell freier 2Beife, auf ben oon bemfelben nad^
feinem ©rmeffcn ober in wichtigen 3lngelegen^eiten cinjuljolcnben diaif) Slu^
gehöriger beß aKünbelö (oergl. 1. 1 § 1 D. ubi pup. 27, 2 ; preufe. 3t. S. fR. II, 18
§§ 314, 330, 332, II, 2 § 112; öfterr. ®. S3. § 252; föcf)f. ®. S3. § 1882;
Weimar. ®ef. 0. 27. ajlärj 1872 § 105).
3)cr ©ntwurf ge^t baoon auß, bai bie Dberoormunbfd&aft grunbfä|lid^ etanbpunft
oon ben ©erid^ten außgcübt, bcr ©emeinbe unb ber gamilie aber eine gcwiffc «nttpurfes.
a}Jitwirfung bei gül;ruug ber Dberoormunbfd^aft geftd^ert werben, außna^mß^^
weife aber unter gewiffcn gefeglid^ nä^er beftimmten SSoraußfefiungen bie
Uebcrtragung bcr Dbcroormunbfd^aft auf einen ju bilbenben gamilienratf)
juläffig fein foU. ®ie nähere 83cftimmung barüber, wel^ie ©eric^te alß SBor-
munbf^aftßgerid^tc ju beftcUen finb, ift befonberen rei^ßgefefelidicn Sßorfd^riften
oorbe^alten (oergl. oben SRr. I ©. 1008); eß ift in SKußfic^t genommen, ben
3tmtßgcrid)ten bie §üt)rung ber Dbcroormunbfd^aft ju überweifen.
g'ür bie Uebcrtragung ber Cberoormunbfd^aft auf bie ©eric^tc fällt «runbwi<^
entfc^cibcnb inß ©ewic^t, bafe baburc^ für baß ©efe^bud^ bcr rec^tßgefc^ic^tlid^c "ef d3S
Sufammen^ang mit berjcnigcn ©ntwicfclung beß SSormunbfc^aftßwefenß gewahrt j;j""j^^jJ*J^
bleibt, wcldie in S)eutf erlaub biß na^cju in bie Slnfönge unferer ©cfd^id^te "ri<*te.
jurucfreid^t, ^weld^e in bem gcltenbcn SWed^te ber (Segenwart b^n wcitauß
größten 2:ljeil 2)eutfd)lanbß be^errfd^t unb wcld()c, mag fic aud&, wie alle
menfd)lid()cn SBer^ältniffe, nid)t ctwaß in ieber Sejie^iung SBolltommeneß fein,
bod) in bcr ^auptfadjc befricbigcnbe S^flönbc l)crbeigcfü^rt l^at. 91ur äugen*
fällige 3)Jängel beß bcftcbcnbcn ober überwicgcnbc SBorjügc eineß anbercn
©i)ftcmcß würben eß rcditfertigen, mit bcr SBcrgangcn^cit, mit einem gerabe
^icr äwcifelloß oorl;anbenen Stücfc nationaler SHed^tßbilbung ju bred^en.
1016 Srnnunbfd&aft. anflemetnc ©cflrünbung. (§§ 1633—1748.)
SRönget biefeö S^^ftönbcö ftnb aber üorjugöiocifc nur ba ^eroorgetrctcn, roo
man ben ©inffufe bcr Dberoormunbfd^aft übcrmäfeig gcftcigcrt, roo man ücr*
fannt l^attc, bag bcr Slic^tcr jroar t)ortrcffUd^ ju einer formal fid^ernbcn unb
beaufftd^tigenbcn Sü^ätigfeit im SSormunbfd^aftdrocfen, ju einer unmittelbar
leitcnben Stellung aber weniger geeignet ift.
3n jroeiter Sinie fommt in Setrad^t, bafe baß 5ßflid^tgcfül^l roobl bei
feinem ber fonft in grage fommenben Organe in bcm aWafee ausgeprägt ift,
roic bei btn Oerid^ten, ferner, bafe, ba baö SBormunbf^aftöre^t einen 2;^eil
beö 5ßrioatred&tcÄ bilbet unb bie 2:^ätigfeit ber Dberoormunbfd&aft tjielfad^
JRcd^tötenntniffc t)orauöfe|t, bie legtere am gecignetften bemjenigen Organe
übertragen mirb, roelciied baö SRed^t am beften fennt.
TOitwirtunfl ®ö unterliegt jmar feinem 3w)cifel, bafe aud^ ber ©emeinbe ber 93eruf
b««enieinbe.^^jj bie gfi^igfeit ju einer »etbcitigung am aSormunbfd^aftöroefen nid&t be^
ftritten werben fann. S)ie®emeinbe bat an ber.5ßf[ege beöSBo^lftanbeö i^rer
Sürger, an bem Oebeiben beö b^^önroadbfenben ©efd^Ied^teö ein ä^ntid^eö
Sntercffe, wie ber ©taat, unb tritt, menn ibr baö SBormunbfc^aftdroefen über*
taffen mirb, mit ibr eigentbümlid^en SSorjügen an bicfe Slufgabe f)txan.
Olcid^artige SSerbältniffe unb enge nad^barlid^e SBejie^ungen befSbifl^n bie
©emeinbegenoffen in befonberem ®rabe, bei genauer Äenntnife unb richtiger
©infid^t in bie Sebürfniffe ber SWitbürger auf eine fad^gcmäfee ©riebigung aud^
ber ©efd^äfte ber SSormunbfd^aften ju roirfen. 2luf ber anberen Seite beftebt
aber ber 9lad^tbeil, bafe bie Oberoormunbfd^aft unb bie 9lrmenlaft in ber
Oemeinbc jufammenfaHen, rooburd^ bie im S^tereffe armer aJlünbcl roünfd^enö*
roertlje ®nergie beö SrudEeö auf ©eroä^rung bintänglid^cr Slrmenunterftügung
abgefd^roäd^t mirb. 3lud^ ftnb bie bejeid^neten SSorjügc meber in febr großen,
nod^ in fe^r flcinen Oemeinben oorbanben, in ben crfteren nid^t, rocil bie
Äenntnife ber SSerbältniffc bcr Oemeinbegenoffen unb baö SntereRe bafür
flcringer ift, in ben legieren ni4|t, weil bie Organe ber ©cmeinbeoerroattung
nad^ ibrer 3ufctmmenfe|ung regelmäßig nid^t biejenigc ©arantie bieten, loeld^e
bie Uebertragung ber Oberoormunbfd^aft auf fic erf orbcrt, unb geeignete Äräfte,
um befonbere Organe für bicfen ^wtd ju bilben, feblen. Ueber^aupt ift bie
Slnfnüpfung ber Oberoormunbfd^aft an befte^cnbe ober neu ju bilbcnb« ©e*
meinbeorgane nur ba mögli^, roo baö ©emeinbeteben aud^ im Uebrigen biö
JU einem geroiffen ®rabe entroidfett ift, wo in ben ©emeinben bie SBereitroiDig*
feit unb göbigfeit jur gübrung öffenttid^er ©efd^ftfte im Snigemeinen üor«
banben unb fo ju fagen gefd^ult ift. 6ö mürbe äufecrft fd^roierig unb bebcnflidb
fein, in ©egcnben, meld&c ein an fid^ nur rocnig entroidfcltefi ©emeinbelcben
tcnncn, baö SBormunbfciiaftömefen, alö etroaö Sßereinjeltcö, auf bie in fold^en
S)ingen im Uebrigen uncrfatirenen ©emeinben ju übertragen. (Srfa^rungö*
mäßig mirb bie aWoglidöfcit einer erfpricfelidjen Selbfttbätigfeit ber ©emeinben
in aSer^ältniffen ber SRed&töpflegc burcb einen geroiffen SBoblftanb unb längere
•©emöl^nung bebingt. 3n Deutfd&tanb finb eö aber nur Dcr^ältnifemäßig fteine
©ebiete, in meldten bie ©emeinben bie OberDormunbfd^aft fübren ober biö in
bie iüngfte 3eit gefübrt baben. ^eilicf) finb bie 3uftänbe ba, mo fot^e ^cv^
bältniffe üorfommen, foDiel befannt, im SlUgcmeinen fcl^r befricbigenbc. ®ie
I;ängen aber immer mit allgemeinen aSer^ältni^len jufammen, inöbefonbere in
S5ormunbf(6aft aUgemctne Scgrünbung. (§§1633—1748.) 1017
SGBiirttcntbcrg mit einer altcntioicfeltcn Oemeinbetjcrfof^ung. 2lud^ im Sanbc
I^QbcIn bcr 5ßrot)inj §Qnnooer, roo biß jum Snfrafttreten bcr prcufe. SBorm. D.
bic Selbftänbigfeit bcr ©emeinbcn ouf biefem Oebiete xooijl bie größte loar
(oergl. ^onnot). SJerorbn., betr. bie SRed^töpflegc im Sonbe fabeln, d. 1. ©eptember
1852 §§ 4, 5, 8), ftanben bie anerfannteft SSorjüge be« bortigen SSormunb-
fd^aftÄToefenö mit ben örtlid^en SSer^öItniffen in cngftcr 5EBec^feImirfung, nSmlidf)
mit einer mol^Il^abenben, Sanbmlrt^fd^aft trcibenben Scoolferung, mit im
©onjen einfad^en unb gleic^ortigen SScrl^öltniRen unb einer t)on 3lltcrö Ijer
beftel^enben ©clbftDcrroaltimg unb ®emeinbcgcrid)tdbQrfeit im meiteften Um«
fange. 2ln berortigen SSorauöfeftungen einer guten ©emeinbcoormunbf^aftö*
pflege fe^It ed aber in bem größeren 3::^eile S)eutf^Ianbd, unb bie neueren
©efeggebungen, roeld)e bei ©rlafe von SBormunbfc^aftöorbnungen an bie ^ier
in Siebe fte^enbe grage ^erontraten, finb übereinftimmcnb ju bcr Ueberjeugung
gelangt, bafe eö mcnigftenö jur 3^it unmoglid^ fei, bie Dben)ormunbfd&aft auf
bie Oemeinben ju übertragen (tjcrgl. SBotiüc bcfi ^eff. ©ntro. IV ©. 202;
aWotit)e beö bapr. ©ntro. ©. 33 ff . ; SKotioe beß ®ntn). ber preufe. SBorm. D.
©. 40 nebft bem ttommifftonßberid^te beft preufe. ^aufcfi ber Sbgeorbneten,
1875, 3lftenft. 311 ©. 1851, unb bem Äommiffionöberid^te beö ^errenl^aufe«,
1875, «ftenft. 39 ©. 65, 69; $auö bcr »bgeorbncten, 1875, STttenft. 182
§§ 52—54).
(Sleid^mol^I finb bie neueren ©efeftgebungen, wie bie obige Ueberftij^t ©emeinb«-
(©c 1012 ff.) jeigt, roiebcr roefentUd^ übereinftimmcnb baoon ausgegangen, bafe cä ""*^*"'"**-
fd&on gegenroärtig jroedmäfeig unb mbglid^ fei, in ben Oemeinbcbetiörbcn ober
JU fd^affenben befonberen ©emcinbcmoifcnrätl^cn auf bem %übt ber unmitteU
baren Sluffid^t über SSormünber unb ÜKünbet, inftbcfonberc foroeit cä fid^ um
bie pcrfönlid^e gürforge für bie (enteren, namentUd^ gerabe au<j^ in größeren
©tobten, l^anbele, geeignete ^ülföorgane ber ©erid^tc ju fd^affen, womit fie
ben im bab. Siedete üon 9Hterö l^cr audgcprögtcn ©ebanfen biß ju einem
gen)iffen ®rabe aufgenommen ^aben. 3n biefem ©innc l^at aud^ ber jmolfte
beutf^e 3uriftentag in ber bctreffenben 9lbt{|eilung , nad^bem junäc^ft ein-
ftimmig befd^loffcn mar, bafe bie DberDormunbfd)aft burd^ ©injctrid^ter aus«
juüben fei, jtd^ ba^in auögefprod^en, bafe bei allen SSormunbfd^aftcn eine
Unterftügung bed 93ormunbf(^aftsric{|tcrd burd^ bie ©emeinbe münfc^endmert^
fei unb baß bie biefert)atb ju befteUcnben ©emcinbcioaifenrät^c bie unmittelbare
Stuffid^t über bie perfönlid^en Sßer^ältniffe ber SWünbcl ju führen l^ätten
(SBcrl^anbl. bes XXL beutf4ien ^uriftentagefi 93b. 3 ©. 95, 102, 107).
2)cm ©emi^te biefcr SBorgänge fann aud^ baö bürgerlid^e ©efeftbud^
fid& nid&t entjic^en. SBennglei^ baö 3nftitut beö ©cmeinbcmaifcnratljc« nad^
ber im ©ebiete ber preufe. SBorm. 0. gemad^ten ©rfafirung auf bem
Sanbe bidl^cr menig SBurjcI gefd^Iagen ju l^aben fd^eint, fo lommt bod^
anbererfeitd in 33etrad^t, bafe icneö 3nftitut in ben größeren ©täbten
me^r ober menigcr in gebeil^Ud^cr ©ntroidfelung fidf) befinbet, unb, wenn
geeignete ?ßerf5nlid^feiten ftd^ bcr ©ad^e anncl^mcn, roo{)U^ätig unb fegcnörcid^
JU mirfen permag. 2m ©injclncn wirb, fooiel ben Umfang bcr 5Kitn)irfung
beö ©cmeinbemaifcnrat{)eö betrifft, auf bic a}orfcl)riften bcö § 1725 unb bie
9)lotit)e 5U bemfclbcn ucrroiefcn. 2)ic jur Sluöführung jener 9Sorfd^riftcn
1018 9;NDrmunbfd&aft. Qiaöemeine ©cgrünbung. (§§1633—1748.)
erforberlic^cn Scftimmungcn [inb nacf) naiverer Seftimmung bcö Sinfü^rungö:^
gcfcfccö bcn Sanbcögefe^gcbungcn ju übcriaffcn.
gomiitenwt^. Slnlaiigcub fobonn baö 3nftitut bcö gamilicnrot^cö, fo finb beRen 33or^
jügc nomcntlid^ auä bcn Äreifcn r^cinifd^cr 3uriften lebhaft l)txr>oxQtf)oUn, ober
ouc^ tjon anberer ©citc gegenüber bcn ÖKfingcIn beö beftcl^cnben SRed^tcö, nid^t
immer ol)ne eine geroijfc ©infeitigfeit, gepriefen (oergl. ©(^enf, bcr gamiliem
rotl) ©. 57 ff., ©. 127—134). 3)er Oebanfe, bcr organifirten ^yömilie ate
foId)cr einen ma^gebcnben ©influfe auf baö ajormunbfci5aftön)efcn }u geben, ift
an f\6) ein fo natürli^cr unb auf bcn crftcn 93fidE befted^cnber, bafe eö naf|c
JU liegen fc^cint, fi^ aud^ in I)cutf(^lanb ju einem ©d)ritte ju entfc^Ucfeen,
bcn man aufecr^alb Seutfd^Ianbö nad& bcm SBorgonge granfreid)d üiclfad^
getljan f^ai unb bcr, wie man anerfenncn mufe, in jenen Sänbcrn im 2tUgcmeincn
befriebigenbe gwftönbe jur golge getiabt l)at (oergl. j. S3. bic SWotioe beö bai)r.
©ntro. ©. 35). SSon Scbeutung ift inöbefonbere, ba| bie bai)r. ^Regierung pd^
nod^ in bcm ©nlmurfe einer SSorm. D. für 93ai)crn auö bem ^al)xc 1874 für
bcn gamilicnratf) cntfd^ieben ^at.
®inc näl)cre Setrad&tung seigt inbeffen, bafe mit bem Snftitutc beö
gamiücnratfieö fcincöroegö nur SBorjüge oerbunben ftnb, fonbern bie Sic^t*
feiten beö franj. ©ijftemeö üon beffen ©d^attenfeitcn überroogen merbcn.
©ic^t man aud) von bcn S3ebenfen ab, n)eld)C nad^ i)crfd)icbcnen JHic^
tungen l^in, inöbefonbcrc fooiel bie Sttrt bcr Silbung beö gamilicnrat^cö be«
trifft, auö berienigen befonberen ©eftaltung fid^ ergeben, xodi^c bcr gamilicm
rat^ gerabe im franj. Siechte erhalten ^at, 93cbenfcn, meiere burd() angemeficnc
SReformen, mic bic ©rfal^rung jeigt, fid^ bcfcitigen laffen, fo fommcn boc^
namentlich bie folgcnben, mit bcm SBefcn beö gamiUenratl)cö enger äufammcn-
l^ängcnbcn fünfte in Setrad^t.
2)cr an fid) gefunbe ©ebanfe eineö ^amilienorgancö (ögt ftd^ ni^lt
burd^fü^ren. ®ö giebt fcl^r oicie gftttc, in mefd^cn ein äWünbcI an bcm Crtc,
TOO er beoormunbet werben mu6, entmeber übcrtiaupt feine 33crmanbtc ober
SScrf^mägcrte ober bod^ nid^t fold^e l^at, auö melden ein gamitienrai^ fid^
bilben licfec, gätte, wel^e befonberö in golge bcr grcijügigfeit fid) ücrmc^rt
l^aben. gür fold^e gällc fiel;t man fid^ genot^igt, auf bie 3wiie^ung oon
^ermanbten ober SBerfd&roägertcn ju oerjid&ten unb in 3)urd^bred&ung beö
®runbprin}ipcö beö ©qftemcö auf fonftige Staalöbürgcr a(ö 3Ritglicber beö
^amilienratl)cö ju greifen (ücrgf. code civil 2lrt. 409; itaf. ®. 33. 9lrt. 252,
253; ba^r. (gntro. 3lrt. 13; preufe. SBorm. D. § 72; ferner in ainfe^ung beö
bloö berat^enben gamilicnrattjeö l^cff. ©ntro. IV 3lrt. 7; bab. ®ef. o. 6. ^e^
bruar 1879 § 11; anberö baö jür. ©. SJ. § 414 in 3lnfef|ung bcr J^o^^ili^n*
beoogtigung).
SDlit 9lcd)t roirb ferner t)on bcn (Segnern beö gamilienrat^cö barauf
l^ingemiefcn, bafe bcr leßterc alö Siegel feineöroegö in bem gleichen SKafee, wie
bie ©eric^tc, bic ®cn)ät)r bafür bietet, bafe bic aSerioattung fad^gemäfe unb
im üollen ^ntcreffe beö ÜKünbclö gefül)rt werbe. Gö ift jwar aniuerfennen,
bafe in fold^cn gcillen, in weld)en bie betreffcnbe SScrwaltung eine befonbcrc
Sad^fenntnife, inöbefonbcrc faufmännifd&c, tanbwirtl^fd&aftli^e ober ted^nifti^e
ilcnntnifje, crforbert, für bie aScrwaltung gcwiRc aSort^eilc bamit oerbunben
SSormunbfcfiaft. affgcmcinc Seorünbuno. (§§ 1633—1748.) 1019
fein fonncn, rocnn bic oberDormunbf^aftlidie Seitung in bcr ^onb cineö
gamilicnrat^c« liegt, befjcn a)UtgIiebcr jene bem Slid^tcr oielleid^t fe^Ienbc be*
fonbere ©od^tenntnife ju ergänjen vermögen. 3lBcin in ber Siegel fann burd^-
QUO nid&t barouf gcrcd^nct werben, bofe eine fold^c bcfonbcrc ©ad^fenntnife gcrabe
bei ben SSerroanbtcn ober SBerfd^roägerten bcö aWünbelö t)or^anben fein wirb,
gonj abgefel^en baoon, ba^ in nid&t feltenen gallen baö Sntercffe jener ^erfonen
nid^t einmal mit bem 3ntercffe beö äßünbefe übercinftimmt. 2)ie S3eftimmung,
bafe. bod betreffenbc ÜKitglieb bei perfönlic^em Sntereffe fid) ber 3tbftimmung
ju enthalten ^obe (ital. ®: 33. Slrt. 259), gemalert in bicfer SHic^tung nur
einen unooBfommcnen Schuft (oergl. SKotitJc bcr prcufe. SSorm. D. ©. 12).
3lud^ bie follegiolifd&e 93erfaffung beö gamilienrat^cö ift minbeftenß fein
aSorjug für ein Sßermaltungöorgan. S)ie ÄoBegiQlität ^emmt bie 2lftion,
fd^möd^t baö perfönlid^c Seroufetfein ber eigenen SSerantmortUd^feit ob unb
minbert im praftifc^en SRcfultate aud^ bie juriftifd^e 3Jerantmortlid&feit.
Sie franjöftfdfie @inrid()tung ift enbüd^ mit einem fe^r bebeutenben Stuf^^
manbe an 9iRenfd()en, S^it unb Soften oerbunben. 2)er in ben (Semeinben fd^on
ieftt als fd^roere Saft empfunbene S)ienft in SSormunbfd^aftöfad&en wirb baburd^
noi) gefteigert. Sine foldf)e Steigerung bcr öffentlid&en Saften mürbe ficf) nur
red^tfertigcn laffen, menn man mit ber franj. (Sinrid^tung nid^t etwa nur auf
äi^nlid^ gute, fonbern auf fe^r er^eblid^ beffere ©rgebniffe mic mit ber beutfd^en
©inric^tung fidler red)nen bürftc. S)afür fel)It eö aber ooUig an 33en)eifen.
3n ben aJlotioen beö bat)r. 6ntm. ©. 36 roirb biefe Steigerung ber 93or*
munbfd^aftßlaft gering angcfd^fagen. 3Jlan glaubt, bafe eine 33eläftigung ber
(Sinmofiner nid^t eintreten merbe, ba jmei SSermanbte für ben gamilienratl)
regelmäßig ausreichen mürben unb bei jroccfmäfeiger §anb^abung ber gcfc|:=
lid^en 33cftimmungen bie bem gamilienratlie jugemiefenen Slngclegen^citen in
ber Siegel fofort bei beffen erftcm S^^f^^^^^^tritte i^re ©rlebigung finben
fonnten. 2Benn man aber aud^ anerfennt, bafe ber baqr. 6ntm. bem gamilicn*
rattie bie benfbar lei^tefte unb jmecfmäfeigfte (Scftalt gegeben ^ai, beren biefeö
3nftitut überhaupt fä()ig ift, fo roirb man bod^ nidf|t leugnen fönnen, ba| bie
©teigerung ber SBormunbfd^aftölaft gegenüber bem beftebenben Siedete aud^ fo
nod^ eine fe^r erl^eblid^e fein mürbe. 3lud^ bie Soften ber ®inrid^tung fmb
gröfeer alö in Seutfd^lanb. 2)ie Oefd^äftölaft bcr Oerid^te roirb babur^ ni^t
ücrminbert, fonbern, ba man ben Slid^ter als Sßorfilenben beö gamilienratbeö
nid|t roirb entbehren fönnen, roefentlid^ erf|öt)t. 2)aburc^ roerben bic 9Infprüd^e
an bie Soften ber 3ledf)töpflege gefteigert, unb in ö^nü^er SBcifc road&fen bie
aSerroaltungöfoftcn aud^ für bie einjelne 9Sormunbfd)aft. S)ic 2:^ätigfcit ber
aSerroonbten im gamilienrat^c ift jroar atö foId)e burd&rocg eine unentgeltlid^e
(bai}r. entro. 2trt, 22; ital. 0. ». 3lrt. 263; bab. ®ef. t). 6. gebruar 1879
§ 15); ein ®rfat für ben eigenen 3lufroanb ber 3JlitgIieber beö gamilienrat^eö,
inöbefonbcre für SReifcf oftcn unb 2^agcgclber, auö bem 93ermögen bcö äßünbelö
roirb gleid()roobI eintreten muffen (ba^r. ©ntro. 3lrt. 22 ; bab. ®ef. v. 6. gebruar
1879 § 15).
2luö allen biefcn Orünben fann eö alö ärocdfmäfeig nid^t erad^tet roerben,
baö franj. aSormunbfc^aftöf^ftem bem ©efegbud^e 5U ©runbe ju legen. ®er
©lanbpunft bcö ©ntrourfcö ftel^t in biefer Sejie^ung aud; mit ber in ©eutfdd*
1020 a3onnunbfd6aft. SfUgemeinc Scßrünbung. (§§ 1633—1748.)
lanb überroicgcnb l^errfd^enbcn SKnfid&t im ©inflangc, tocfd^c, wie man mo^I
bel^aupten barf, je langer, je mc^r bcr S3eibe{)altung bcö ^cimifd^cn JRcd^ted
geneigt geworben ift ober hoä) bic Stb^ülfc ber in biefem etwa oorl^anbenen
ÜKöngel x>on einer angemeffenen Sleform be« eigenen Sleij^te«, nid^t ober üon
bem Uebergange ju einem frcmben S^fteme erwartet. 6ö ift in biefem 3w*
fammen^ange inöbefonberc an bie SSorgänge in Sabcn unb in $effen*S)annftabt
JU erinnern. Sürofe ber engen SSerroanbtfd&oft, meldte jroifd^en ber (Sefefcgebung
bicfer Sönber unb bem franj. Siedete befte^t, ^oben jene ©efefjgebungcn eö ab«
geleldnt, ben franj. gamilienrat^ als entfd^eibenbeö Organ ber DberDormunb«
fd^aft cinjufü^ren; üielme^r l^at man bie Dberoormunbfd^aft ^icr formeB frei
in bie §anb beö 9li(^terfi gelegt unb i^n lebiglid^ auf ben SBeiratb eineö,
allerbingö nad^ franj. aWuftcr organiftrten, gamilienrattieö angeroiefen. 3nö*
befonbere üerfprid&t ber l^eff. Gntro. (SKotioe ©. 202) ftd^ für bie ^roüinj
Sl^ein-^effen, mo ba^ fronj. 9led)t gilt, alß golge ber Sefeitigung beö feit«
l^erigen gamilienrat^eß eine Steige t)on SSerbcRerungen (üergl. {ebod^ ^eff. ®ef.
t). 18. 3uni 1887 STrt. 7). gür ^ßreufeen finbet fid& bereits in ben arbeiten
ber (SefetfreDiFion Don 1831 (^enf. VIT, aJlotioe ©. 36 ff.) eine abfäUigc
Seurt^eilung beö franj. gamificnrat^e«. ©benfo fpreciien bie ÜKotiue ber
preuft. aSorm. D. ©. 44—47 ftd^ im SBefentfid^en aus ben im SBorftebenben
in Setra^t gejogenen Orünben gegen eine Set^ciligung ber j5<^milie an ber
Seitung bes SJormunbfd^aftftroefenS in ber SBeife bes franj. 9led()tcS aus. ©ie
bemerten babei, bafe ber franj. Familienrat^ allerbings in ben Jlreifen ber
rljeinifd^en 3uriften eine grofee Qaifl warmer SSert^eibiger gefunben, bafe ftc^
bagegen in ben eingegangenen 93crid^ten bcr nid^t bem rl^ein. franj. SRec^tS-
gebiete ange^orenben ®erid)te eine große Uebereinftimmung in ber SSermerfung
ber franj. Sinrid^tung hmbgegcben f)abc. (Segen bie ®infü^rung beS be«
fcöließenben gamilienrat^es in bas beutfd&c 33ormunbfd&aft6n)efcn Ijabcn ftd^
aud^, oorbel^altlid^ ber grage nad) ber 3uläffigfeit eines fafultatioen gamilien«
rat^eS, bie erfte unb jmeite Slbt^eihmg beS jroolften beutfd)en Swnftentages
ausgefprod&en (aSerl^anbl. b. XII. bcutfd^en SuriftentageS 93b. 1 ©. 8 ff., 93b. 2
©. 179 ff., 93b. 3 S. 102 ff.).
SBie aber aud^ ber ©injetne über jene ^age benfen mag, fad^lid^ muß
biefelbe burd^ bie preufe. 3Sorm. 0. als entfd&ieben gelten. ®ic preufe. ®efe|»
gebung fa^ fid^ t)or bie grage geftellt, ob fte bie 9?eform i^res SBormimbfc^aftS*
re^tes im ©inne beS gemeinen ober in bem beS franj. SRed^tes in Angriff
nehmen foHe. ©ie l^at [xä) babei nad& forgfältiger 5ßrufung bcS ©cgen«
ftonbes in roefentUd^er Uebereinftimmung bcr ücrfd^icbenen gaftoren ber ©efeß*
gebung für bas ©pftem bes gemeinen JBed^tcS entfd^ieben unb bie Stufgabe
in biefem ©inne burciigefül^rt. S)ie SReid^Sgefefegebung mürbe fid^ über bie
Sebeutung biefeS erft ber iüngften Vergangenheit ange^orenbcn SSorgangeS
bcS größten beutfd^en ©taates nur aus ben jwingenbften ©rünben ^inroeg*
fe^en tonnen.
2luf ber anberen ©eite fprid)t aber ber SJorgang ber preuß. SSorm. O.
unb bie JRücffid&t auf biejenigcn ©ebicte, in meldten gegenwärtig nod& baS
franj. ©ijftcnt in (Seitung ift, bafür, in gcwiffen SluSna^mef allen burd^ 3^-
laffung bcs gamiIicnratf)cS ber j^i^^milie eine er^bl^tc unb einfhifercid&crc Zf)ciU
Sormunbfd&aft Sragemeinc ©cörünbunö. (§§ 1633—1748.) 1021
na^me an bcr Dbcroormunbfd^aft ju fid^crn, SBcnn oud& im ©cbiete bcr
prcufe. SBorm. D. bic 3^^^ ^^^ iä^rdd^ onj^änfligcn SBormunbfd^aften mit
gamilicnratl) ocr^ättnifemäfeig eine er^ebtid^e nxä)i ift, fo Derbient bo6) bic
S^^atfac^e ^ead^tung^ bog bie 3lnn)enbung bed ^nftttutcd bed gamilienrQtl^e&
fid^ tcineömegö auf baö ©ebiet beö franj. Sled^tefi befd^ränft, fonbem bafe
boöfelbe fid^ aud^ in ben übrigen ©ebicten ber preufe. aKonard&ic, namentliti^
in Oegenben mit außgcbel^ntem gabrifbctriebe, Eingang ocrfd&afft unb man
ungünftige ®rfal^rungcn in Slnfc^ung ieneö 3nftituteö nic^t gemalt l^at. (gi^
läfet fid^ auä) nid^t tjerfcnncn, bafe, wenn im einjelnen galle SSerroanbte ober
33erfc^w)ägcrte beß SKünbete uor^anben finb, t)on benen mon überjeugt fein
fann, bafe [xt, »on lebenbigcm gamilienintereffe geleitet, lebiglid^ baö SBefte
beö SWünbelö Dor 2lugen ^aben werben, unb xoznn biefe SSermanbten ober aScr^
fd^roägcrten jugleid^ burd) i^re Sebenöoerf)ältniffe unb burdj) i^re ÄenntniRe
Dorjugöroeifc geeignet erfd^einen, bie 91ngclegenl^eiten beö äßünbelö jutreffenb
ju bcurtt)ei(en, bie ^auptbebenfen gegen bad Snftitut bed ^amilienratl^ed vom
@tanbpun!te bed 3Sntereffcd bed SOtünbeld aud wegfallen unb bie ^orjäge bes
3nftitutcd ber 3lrt in ben SSorbergrunb treten, bafe ber gamitienratlj ate ober^
Dormunbfd^aftUd^eg Organ bem SSormunbfd^aftdgerid^te minbeftenö gleic^mert^ig
an bie ©eite gefcfet werben fann, ®d fommen hierbei inftbcfonbere fold^e gälle
in grage, in meldten cfi fid^ um bie gortfeftung bebeutcnber lanbmirtlifd^aft?
lid^er ober inbuftrieller, jum SBermögen beö SKünbcte ge^örenber betriebe
^anbelt unb bic bem 33ormunbfd^aftörid^ter in biefen Sejiel^ungcn regetmäfeig
felilenben ted&nifd^cn Äenntniffe burd& bie SKitmirfung geeigneter aScrmanbten
unb SBerfd^roägertcn crgänjt werben fönnen. 'S^ax ift cö aud& o^ne Silbung
eine« gomilienratbeö bem SSormunbfd^aftagerid^te unbenommen, in berartigcn
gälten bod ®utad)ten ®ac{|t)erftönbiger unb ben diati) geeigneter gamilten^
mitglieber einiu^olen; allein cd befte^t bod^ immer ein groger Unterfd^ieb, ob
3emanb fraft feines 3lmteö berufen ift, SRat^ ju crtl^cilen unb bei ber ©nt*
fd^eibung mit ju wirf en ober ob er nur bie aWöglid^fcit ^at, fein ©utad&ten
abjugcben, ^m erfteren galle wirb regelmägig ber (gifer unb baö 3ntereffe
lebenbiger unb ba& Sewugtfein eigener SBerantwortlid^feit eine größere ©orantic
für bie ®ütc unb bie ®rünbtic^!cit ber bctreffenben Slnorbnungcn fein, ©aju
tommt, bafe es gerabc in fold^en gällen, in weld&en grö&ere gewerblid^e S3e*
triebe jum 93ermögcn bcS OJlünbelö gepren, im 3»ttereffe einer nut(bringenben
SSerwaltung oft fe^r erwünfd^t ift, wenn bic Dbcroormunbfd^aft bei ©rt^eilung
Don ©ene^migungen ni^t allju ängftlid^ ücrfäbrt, 3)er ©injclridbtcr wirb, wenn
bie @ntfd^eibung uon i^m allein abl^öngt, fd^on mit Stüdfid^t auf bie xf)n
trcffenbe SBerantwortlid()feit immer e^er bie (Genehmigung ju oerfagen geneigt
fein, wä^rcnb, wenn Saien an ber Sefd^lufefaffung 2^^eil nehmen, bie 6nfe
fd^eibung l^äuftg anberd ausfallen wirb. Uebrigend finb aud^ nod^ anbere
gölte benfbar, in welchen bie S3itbung eines gamilienrat^es, fei es burd^ bie
2lrt unb SBeife bcr oon ben aWitgliebem bes gamilienrat^eS traft ilireS Slmtes
über bie oormunbfd&aftlic^e 3SerwaItung }u fü^renben Slufftd^t, fei es burdf)
ben moralifd^cn ©influfe, weld^en fie auf ben 3Sormunb ausüben, fei es im
^inblide auf bic pcrfönlid^en ober gamilienoer{)ältniffe bes 9KünbelS, einen
wefentlid^cn Singen gewähren tann.
1022 Sorimuibf(ftaft. aUöcmcinc »egrünbunö. (§§ 1633—1748.)
93ci bcr Stuöflcftattung beö Snftitutcfi bcd gamilicnratfjcö im ©injclncn
l)ai ber entiourf (§§ 1712 ff.) ftd^ im SBcfentüd^en on bic Scftimmungen bcr
prciife. SBorm. D. §§ 71 ff. ongcfd^toff cn ; boc^ \)ai er bic gfiBe, in lücld^cn
ein Familienrat^ gcbitbet roerbcn mufe, ücrringert, inbcm er in ©rmangelung
einer bcÄfaUfigen Slnorbnnng beö SSatcrft ober ber eöelid^en SWuttcr bic ®nU
fci^cibung ber %va^t, ob ein gamilienrat^ gebilbet werben foll, wenn ein 33er*
TOQnbter ober aScrfd^mägerter beö aRünbeld ober ber SSormunb ober (Segen*
Dormunb bic (Sinfegung beantragt t)on bem @rmef[en bed SSormnnbfd^aftft*
gerid&ted abhängig mad^t (ücrgl. §§ 1713, 1736 b. ©ntro. mit § 71 ber preufe.
SSorm. D.). SBegen ber Segrünbung ber einzelnen 93eftimmungcn befi 6nt*
rourfeö über ben Familienrat^ wirb auf bie befonberen SKotioe ju ben §§ 1712 ff.
ücrmiefen.
©otifHge 3n 9lntnüpfung an biejenigen ©cfeftgebiingen, meldte, wie baö bab. SRed^t,
^^^"' einen berat^cnben Föntilienrat^ ttnwtn ober bod^, roie bie preufe. 33orm. 0.
«Hmbtenic. § 55, boö SSormunbfc^aftdgcrid^t oerpflid^ten, unter Umftänben oor einer ju
treffenben Slnorbnung SScrmanbtc ober ^erfd^mSgerte bed äOtünbelS gutad^tlic^
i\u Igoren, ^at auc^ ber (gntrourf, iebo4i in einer freieren, meniger formaliftifd^en
©eftatt, burc^ bie Seftimmung beö § 1678 bei jeber SSormunbfd^aft ben $8er«
wanbten unb SSerfc^roögerten beö SRünbelö eine geroiffe rcgetmöSigc 9Mit*
toirfung bei Führung ber SSormunbfd^aft gefid^ert. S)ie nä[;crc SBegrünbung
iener Seftimmung ift ben ÜRotioen ju § 1678 üorbe^altcn.
IV.
35aö ^rinjip bcr Scibftänbigfeit beö SBormunbeö.
2)aö Snag ber Sclbftönbigfcit unb ber eigenen äSerantroortlid^tcit beö
SSormunbeö bei gü^rung ber oormunbfd^aftfid^en SScrroaltung ift in ben bc*
fteficnben Siedeten nid^t glcid^mögig geregelt, ^an lann in biefer Sejie^ung
brci t)crfd)iebene Slid^tungcn unterfd^eiben, n>eld^e mau nad^ if)vcn roid^tigften
aSertretcrn afö ben ©tanbpunft beö gemeinen Sled^teö, ben beö preufe. 21. S. SR.
unb ben beö franj. ^led^tcö bejeid^ncn barf.
«citenbed ©cmcinrcd^tlid^ liegt bie t)ormuubfc^aft[id^e 93ern)attung in ber $anb
**^ beö SBormunbeö; er ift bcr gefeglic^e SScrtrctcr beö aJlünbete unb fü^rt bie
SScrroaltung m6) eigenem ©rmeffen unb auf eigene SScrantroortung. SBfi^renb
beftel^enber SBormunbfc^aft äußert bie Dbcroomtunbfd^aft i^re SBirlfamfeit
in bcr regelmäßig crforbcrlidicn ©rt^cilung beö 2)efretcö ju SSerfiufecrungcn.
©ie beauffid^tigt bic 9Sermaltung beö SBormunbcö unb fann i^n nöt^igenfallö
bur^i unmittelbaren 'S^awQ jur ®rfiiUung feiner ?ßf(i^ten anl^alten unb i^n
megen ^flid&troibrigfcitcn ober auö fonftigen gefe|Uc^cn ©rünben feineö 9lmteö
cnttaflcn. 3)ie roid&tigfte ^anb^abe biefer beftänbigen 9luffid^t finbet fie in ber
33orfd^rift regelmäßiger 9l6legung unb 9lbnal)mc ber SSormunbfc^aftöred&nungcn.
Sie Dberoormunbfd^aft fann aber ben SSormunb nid^t anroeifen, wie er ^anbetn
foD, foroeit er nic^t ju einem ©ingreifen ber Dbcroormunbfd^aft auf (Srunb
beö ber Icfctcrcn jufteljcnbcn Sluffid^töred&teö, bef[en ©renjen aUerbingö im
einjclnen oft fc^roierig ju gießen finb, SSerantaffung giebt. 9iur in ganj oer*
aJormimbfcfiaft. allgemeine ©egrunbunß. (§§ 1633—1748.) 1023
cinjeltcn gfiUen finb bcr DberDormunbfd()Qft ^Qublungcu bcr cigentlid^eit cor-
munbfd^aftUcl^en SSerrooltung unmittelbar fclbft überiuiefcn. ©ie bcftimmt ben
aiufcnt^alt bcö ajlünbel«; fic ^ai ferner auf ^[ntrag beö SSormunbeö ben
SSetrag beöienigcn, roaft für ben 93ebarf beß SWünbels tjerroenbet werben barf,
feftjufegen.
2)iefer gemeinrcd^tUd^e Stanbpunft ift von einer SReifie neuerer ©efeg*
gebungen, inöbefonbere von bem fäd&f. ®. 39. unb bzn l^anfeat. aSormunbfd^aftSs
orbnungen ((übedf. SBorm. D. v. 11. Dftober 1820; brem. ajorm. D. v. 14. SKai
1882; ^amb. SBomt. D. v. 14. ©cjember 1883) im SBefentlid^en feftgel^attcn. 9luc^
bie preufe. SSorm. D. ift in ber l^ier fraglid^en S3ejie^ung bem gemeinen Siedete
auf bad (Sngfte oerroanbt; fic gel^t glcid^fate von bem ©runbgebanfen aud,
bafe bie üormunbfd^aftlid^c SScrwaltung fefbftänbig in ber §anb beö SJor*
munbcö liegt (§§ 27, 37, 43, 49), bem 93ormunbfd)aftögeri^tc aber über bie
gefammte 2:^ätigfcit bcö SBormunbcö bie 9luffic^t jufte^t (§ 51). Ob unb in*
wieiücit auf ©runb bicfcö Sluffid^töred^teß bas SBormunbfd^aftögcrid^t olö befugt
onjufcl^cn ift, in bie SBcrroaftung cinjugreifen, inöbcfonbcre in 3wedEmä6igfcitd*
fragen bem SJormunbc leitcnbe ainroeifungen ju ert^eilen, ift in ber preufe.
Suridprubenj fe^r beftritten (tjcrgl. 3a^rb. bcr (Sntfc^. b. Äammerger. IT, 23,
24, m, 29, IV, 40).
®ic weitere ©utroicfelung beft gemeinen SWe^teß l^at bei Dcrfd&iebencn
dnbcren Ocfeftgcbungen ba^in geführt, ben ©influfe ber Oberoormunbfd^aft auf
Äoften ber ©elbftänbig!cit beö SSormunbeö mcl^r ober weniger ju fteigern. 3)aö
micbtigfte Seifpicl biefcr SRiciitung ift baö prcufe. 21. S. 5R. ©aöfelbe bejeid^net
ben aWünbel ate ^Pflegebefohlenen beö ©taateö (II, 18 §§ 3, 6) unb ben SBor*
munb als »cooBmäc^tigten beß ©taatcß (II, 18 § 235). 3ebenfaBß t^atfäc^lid^
ift bie 93ormunbfd^aft roefentlid^ in bie §anb beß SBormunbfd^aftßgerid^teß ge^
legt. S)aß lefitere ift bered^tigt unb ocrpflid^tet, ben SBormunb beftänbig ju
birigircn unb ju beauffi^tigen (II, 18 § 237); cß fann bem SSormunbe Sln^^
meifungen ert^eilen (II, 18 §236); bcr 33ormunb l)at uon allen erfjeblid^en
^anblungen bem Oerid^te Slnjcige ju mad^cn unb beffen SKnroeifung cin^
ju^olen (II, 18 §§ 238, 239). S)em Swedfe ber 2luffic^t bicnt aud^ ^ier eine
regelmäßige SHcc^nungötegung an baß ©erid^t (II, 18 §§ 647—678). 2)icfem
©9ftemc entfpred^enb ift aud^ bie aSerantwortlid^feit beß SSormunbcß georbnet.
6r haftet nic^t, xotnn baß ©crid^t felbft ge^anbelt ober wtnn er auf 2ln*
weifung beß Ic^teren gcbanbelt ^at, fofern nur bicfer Slnweifung oon i^m auß*
brücflid^ wibcrfprod^en ift (II, 18 § 300). ©aneben fennt baß preufe. 91. 2. 91.
aUcrbingß einen außna^mßweifc er^ebli^ felbftänbiger gefteHten, ben fog. be*
freiten SSormunb.
SBie baß preufe. 21. 2. 91. gelten aud6 baß Bfterr. ®. S. unb baß jür.
®. 33. in ber S3cfd^ränfung beß SSormunbcß über ba^ gemeine SRed^t t)inauß,
wenn aud^ ni^t in glcid^em üßafec.
3m ®egcnfa|e ju bem bie glcid^icitige Sanbcßgcfcfegebung in S)eutfd^*
lanb bcl^errfc^enben 3wgc auf ©rweiterung beß 33crufeß bcr Dberoormunbfc^aft
l^at ber code civil ben ©cbanfen ber ©elbftonbigfcit beß SSormunbcß wicber
mcbr jur ®c(tung gcbrad^t, inbcm er einen SKittclweg eingef^lagen ^at. S)ic
aScrwaltung ber aSormunbfd^aft in i^rem ganjcn [Umfange liegt bem SSor*
1024 aSormunbfd&aft. anßcmeinc Scgrünbung. (§§ 1633-1748.)
munbc ob (code civil 3lrt. 450); bcrfclbc ift inbcffcn bei jal^Ircid&en JRcd^tö^
flcfd^Qftcn imb ^anblungcn an bic ©cne^migung bcö gamUicnrat^cö bcjm.
bcö ÄoUegialgcrid^tc« gcbunbcn (3lrt 450, 457, 461—465, 467, 468). S)cr
SBormunb unterliegt ber Sluffic^t beö gamiticnrot^cö, unb bicfer Slufrid&t bient
bcr obligatorifd^e ©cgenoormunb. 6ine Sted^nungötegung an ben gamifienrat^
pnbct nid^t ftatt; ber SBormunb fonn iebod^ tjon bem festeren angehalten
werben, bem Oegcnoormunbe pcriobifd^e Uebcrfid&ten über ben S^ft^^i^ ^^
aSerroaltung ju geben (9lrt. 470). 3lu6erbem räumt man aber bem gamilien*
rat^e baö SRed^t ein, bie SBerroaltung bcr SSormunbfd&aft }u leiten. Der
gamilienratl^ ertl^eilt bem aSormunbe inöbefonbcre 3lnroeifungen roegen ber @r^
jiefjung beö äßünbelö ; er greift ferner mel^rfadj) unmittelbar felbft ^anbelnb in
bie SSerroaltung ein (oergl. ärt. 454, 455, 457). ©eeignetenfaHö. fann ber
Familienrat^ ben SSormunb entfefeen (Slrt. 421, 426, 446). S)agegen fc^lt ea
an bidjiplinarifd^en SBorfd^riften, ein 3Rangel, weld^cr fid^ proftifd^ fühlbar
gemad^t ^at (Dergl. Sßotit>c bed l^eff. @ntm. ©. 203) unb burd^ bie preug.
©efcfigebung (Äab. O. r>. 5. 2tpril 1835) für bie SR^einprotjinj ergänjt
morben mar (oergl. aud^ ^eft. ®ef., betr. bie SKnlegung üormunbfd^aftlic^er
unb pflegfd^aftlic^er Selber u. f. ro. unb bic aScr^ängung von Drbnung«*
[trafen bei SSormunbfc^aften unb 5ßflegfc^aftcn, o. 18. 3uni 1887 Slrt. 6 ncbft
SRotiocn ©. 12).
2)er b^R- 6ntn)urf unb ber ba^r. ©ntrourf einer SSormunbfd&aftÄorbnung
V. 1874 fte^en in bicfer gragc rocfcntlidö auf bem ©tanbpunfte beö franj.
SRed^tcö. änlangenb inöbefonbcre ben ba^r. ©ntmurf, fo fann bic Dber^
tjormunbfd^aft bem SBormunbe, obwohl bie aSermaltung ber aSormunbfd&aft an
ftd^ ©ac^e bcö lc|tcren ift (9lrt. 54, 59, 63), Slnrocifungcn über bic erjiebung
beö ajiünbclö ertl^ilcn (9lrt. 59, 60); fic ^at i^m aufecrbem Slnrocifungcn ju
ertl^eilen bei 93eginn bcr SSormunbfc^aft, fomic naö) bem 3lnfallc eines neuen
SScrmbgcnö in Sejic^ung auf eine SRci^c befonberö namhaft gemad&ter wichtiger
gragen ber aSermögcnöocrroattung unb fann aud^ in anbercn SBcrmaltungö*
angclegenl^citcn naä) il^rem ®rmeffcn bem SBormunbc älnmcifungcn für bie
®cf#ftöfü{)rung crt^eilen (Slrt. 66).
6tatibpun{t S)cr oorlicgcnbc ®ntn)urf ^at in bcr ^icr fraglid^cn Sciie^ung bem
«ntourfe«. ^^"^J^P^ ^^^ gcmcincn SRcd^tcö unb bcr preufe. aSorm. O. fid^ angcfc^loffcn.
2)ie ©rfa^rung l^at gejeigt, bafe ba, mo bic Oerid^tc bie Dberoormunbfd^aft
führen, eine Sluöbefinung i^rer Sefugniffe im ©inne bcö preufe. 91. S. dl,
cntf4iieben nad^t^eilig roirft. S)aö Scbürfnife einer SReform beö 33ormunb^
fd^aftöred^tcö l^attc fidj in ^ßrcufecn, je länger, je me^r fühlbar gcmad&t.
®ic 33eoormunbung ber aSormünber burc^ bie ©erid^tc unb bic baburd^
ücrurfad^te ©d^roerfälligfcit bcr SScrroaltung, auf rodele Ic^tcrc namentUd^ bie
tJcrmögcnöred^tUd^c aScrantroortlid^fcit bcö 9lid^tcrö ^inroirfte, foroie bie Ueber*
laftung ber (Serid^te unb bie bamit für bie ©taatöfaffe ücrbunbencn Äoften
mürben alö fernere ajiängcl cmpfunbcn. ©ie ftnb in ben SKotiDcn ber prcufe,
aSorm. D. ©. 21—31 cinge^enb bargclcgt unb erörtert, unb barf auf bicfe
©arftcBung ^x oermiefen roerben. S)er ©d&ritt, ju roeld^em bic preufe.
©efeggebung burd^ bic gemad^ten ©rfabrungen fidö oerantafet gefc^en ^at, mu&
in bicfer SBcjic^ung alö entf^cibenb angefc^cu merbett. 3)ie neue preufe.
SScrimtnbfd&aft. attGemcine ScflrünbunG. {§§ 1633—1748.) 1025
SJorm. D. ift im aOScfcutUdjcn iu bcm S^ftemc bcö (jcmeincn 5lcJ)tcö jurücf*
gefeiert. Sic \)at nic^t nur bic (anbredötlid^c obligatorifd^c , fonbcru and) bic
franäofifd^rcdjtlidic fotultatitjc Seitung ber üormunbfd^oftlid^en ^^cvroaltung
bxixd) bic Dbcroonnunbfd^oft bcfcitigt unb mufetc biefcn Sd^ritt t^un, lüeim
flc bic Dbcröortnunbfcl^Qft bcn ©crid^tcn bclaj^cn looUtc, locil mit ©ic^crl)cit
poroudgcfct)cu werben !onntc, bofe, wenn man ben Oerid^ten oud| nur boö
ÜRcdjt einräumen mürbe, bie Seitung ber Dormunbfd&oftlic^en SBerroattung in
bic ^anb ju ncl)men, tfiatfä^lid) ber biö()erigc S^ftanb im ©rofecn unb
©onjen befteljen bleiben unb bic Sefeitigung ber ^erüorgcf)obenen Uebelftänbe
nid^t eneid^t merben mürbe. S)em ©croidjtc biefeö SJorgangcö fann baö
bcutfdde bfirgerlid^e ©efeßbud^ ftd& nid^t entjiefien. SoU bie gü^rung ber
Cberoormunbfd^aft burd) bie ©crid^tc bcibel^olten merben, fo ergiebt fid^
baraus uon fclbft bic 9lot^roenbigtcit, jur SSermeibung ber bcjciciinctcn UebeU
ftänbe bem SSormunbc im SBefentlid^en bie Sßcrroaltung ate eine felbftänbigc
im Sinne beö gemeinen 9ted|ted ju übermeifen.
Slber aud) obgefefien baoon [teilt bie bem gemeinen SRcd^te entfpred&enbe
Crganifotion bed tjormunbfd&aftlid^en Sd^ugeö, nad^ meld^er bic eigentlid^c SSer^^
roaitung felbftänbig in bic §Qnb bcö SBormunbeö gelegt roirb unb bic Dber*
Dormunbfd^oft nur bei cinjclnen bcftimmten Slngclegcnl^eitcn mltjumirfcn, im
Uebrigen aber bic 2:f|fitigteit berfelben ftc^ grunbfäfelid^ auf eine bie ©efefemöfeig^
feit unb ^ßPid^tmäfeigfcit ber oormunbfd&aftUd^en SScrmaltung fid^ernbc 3lufftd&t
ju befd&rfinfen ^at, fi^ ofö bie natürlid^fte unb jmcdfcntfprcd^enbftc gorm bar, in
meldjcr biefcr Sd^u| gemalert merben fann. Sie fd^Uefet ftd^ bem natürlid^cii
95orbi(be ber SBormunbfd&aft, ber elterlid^en (Scraalt, an. 3ln bic Stelle be&
uerftorbenen 33aterö bcjm. ber SMutter tritt ber 95ormunb unb übernimmt an
bcren Stelle bic Sorge für bic ^ßerfon unb baö aSermögcn bcö Äinbeö. 2)ic
SSermaltung erl^ält bur^) biefe Äonjentration in einer .§anb bm burd^
feine anbere ©inridötimg tJoUftänbig ju crfeftenbcn SSort^eit ber ©in^eitlic^feit
unb ungctfieilten 33erantmortli(i|tcit. Sobatb man bic DberDormunbfd^aft,
fei eö obligatorifc^ ober fafultatiu, nid^t bloß oberauffc^cnb, fonbern pofttio
I)anbclnb an ber SlJerroaltung SCIjcil nctimcn täfet, muß infomeit aud) bic 93er^
antmortlid^fcit von bem SBormunbc auf bic DberDormunbfd^aft übertragen merben,
^ic gotgc baoon ift bei bem franj. gamilienratljc eine faft oollftänbigc SBer?
ftüd&tigung biefcr aSerantmortlic^teit gemcfen, möljrenb fic im (Seltungögebicte
beö prcufe. 91. 2. 91. für ben SBormunbfc^aftörid^tcr su einer brüdfcnben, bie
Gnergic unb SSermaltung ^emmenben gcffcl gemorben mar. Oiebt man bcm
58ormunbfd^aftögcrid^tc aud^ nur bie Scfugnife, bcm SBormuube Icitenbc, auö
bloßen Swedfmäfeigfcitörüdffid^tcn Iiergcnommcne 3lnmcifungen ju ert^eilen, fo
cntftcfjt bic (Sefa^r, bafe baöfclbc üon biefcr Sefugnift o^nc 3loÜ) in Dielen gällen
®ebraud) mad)t, bem SSormunbc babur^ Suft unb Siebe jur gü^rung ber SSor*
munbfdiaft benimmt unb bcnfelbcn jum Skd^tl^eilc bcö 9)iünbclö baran gemöl^nt,
ftatt felbftänbig unb auf eigene 33erantmortung ju l^anbeln, bic 3lnmeifungen
bcö aSormunbfd^aftögerici^tcö abjumarten. S)er ©ntmurf plt beö^alb gninb*
fä^Iidf} baran feft, bafe baö SBormunbfd^aftögcric^t nid^t felbft l^anbelnb in bic
33crmaltung eingreifen barf (tjcrgl. jcbod^ § 1683) unb au^ nid&t fraft bcö
if)m äuftc^enben Stuffid^töred^teö (§ 1684) bic Sefugnife l)at, in Sro^cfmäfeigfcitö^
SRotioe }. bflrgerl. (Sefe^auc^. IV. 65
1026 aSormunbf$aft. äagemetnc S3cörühbung. (§§ 1633-1748.)
fragen bcm Sßormunbc Icitenbe 3lnrt)cifungen 5u crt^cUcn unb feine Slnfi^t an
bie ©teile ber SSnfid)! bcß SBormunbcö ju fefecn. ©elbft in ben gäUen, in
TOeld^en bei einer SBerfd^ieben^eit ber iDieinungen unter ntel^reren SSormünbcm
boö aSormunbfd^aftägerid^t jur entfd^cibung berufen ift (§§ 1652, 1653), ^at
ba& a3ormunbfd^aftßgerid)t nur bie Sefugnife, bem einen ober anberen Streife
ber SBormünber beizutreten, nid^t aber eine neue SSfnfid^t aufjuftellen unb bie
Siormünber anjul^alten, banod^ ju l^anbeln. ßine 3luönal^me oon bem 5ßrinjipc
entfialten bie »eftimmungen beö § 1232 2lb[. 2 unb beö § 1685.
«uffM^tare^t stuf ber anberen ©eite barf aber baß ?JJrinjip ber ©elbftänbigfeit bcd
*''^®X""^ ^0*^"^""^^^ gegenüber ber DbcrDormunbfd()aft a\x6) nid&t ber 3trt auf bie
gevi(^ie8. ©pi|c getrieben werben, ba^ baö 3luffid(|töred&t bcö aSormunbfd^aftögerid^tcß
fid^ lebiglidö auf baö SRed^t ber ftcnntnifenal^me, auf bas Siecht, 9luöfunft ju
verlangen (§ 1686) unb auf roal^rgenommenc 3)längel ber Dormunbfd^aftlid&cn
SBerroaltung aufmerffam ju mad^cn, foroie auf baö SRed^t, ben ^ormunb
nöt^igenfaDö ju entladen (§ 1705), befd^räntt. Sttö felbftoerftänblid^ betrad&tet
ber entrourf eö junöd^ft, baß baö SBormunbfd^aftögerid^t in benienigen gäUen,
in roeld^en bem SBormunbc ein beftimmtcö ^anbeln jur ^^\ä)t gemacht ift, fei cö
burd^ befonbere gefeftlid^e SBorfd^iriften (oergl. j. 93. §§ 1659, 1664—1668, 1670,
1687), fei eö burd^ befonbere gültige Slnorbnungen a)ritter (§ 1660) ober burd^
ainorbnungcn, roeld^ie baö SBormunbfd^aftögeridöt jum S^edEc ber Sluffid^t ju
treffen burd^ baö ©efefe befonberö ermächtigt ift (§ 1670 2lbf. 3, §§ 1689, 1694),
ben SJormunb fraft feineö 3luffid&töredöteö jur Erfüllung feiner ^ftid^ten burd^
geeignete (Sebote ober Verbote anl^alten fann. SlHein baburd^ mirb bem
praftifdtien Sebürfniffc nid^t genügt; t)iclmel^r ift eö jum ©d&uße ber 3ntcreffen
beö 3}huibelö geboten, bem SBormunbfd&aftögerid^te ganj allgemein bie Sefugnife
JU geben, gegen 5ßflid)tmibrigfeiten beö SSormunbeö, b. 1^. in allen gällcn, in
meld&en baö SBerl^alten beöfclben, beftel^e baöfelbe nun in einem pofitioen
§anbeln ober in einem Unterlagen, megen eineö bem Sßormunbe ä»^ 2aft
faHenben SJerfd^ulbenö (§ 1696) alö eine ^ßflid^tmibrigtcit fid^ barftellt, burd)
geeignete Oebote ober Sßerbote cinjufd^reiten, an6) roenn eö fid^ nid&t um bie
Sßerleftung einer im ©efeftc befonberö l^eroorgel^obenen, bem Sluffid^töred^te
biencnben unb ber ©elbftänbigfeit beö SBormunbeö in ber gül^rung ber SBor«
munbfd^aft ©d^ranfen fefeenben ^flid^t l^anbelt (§ 1684). ©egen bie Sßer*
fagung einer fold^en, ber gefd^id^tlid&en ©ntmicfelung beö oben)ormunbfd&oft*
lid^en Sluffid^töre^teö im gemeinen SRcd^te entfprcd()enben SBefugnife ergebt fi^
tnöbefonbere baö fd^roenoiegenbe 33eben{en, baß o^ne bicfe Scfugnife baft
SSormunbfd^aftögerid^t geuötfiigt fein mürbe, entroeber ru^ig jujufe^en, wenn
ber SBormunb burd^ ein jroar nic^t gegen fpejielte gefefelid&c SBorf^riften oer*
ftofeenbeö, aber boc^ pftid^tmibrigcö SJer^alten bei §"^^^""9 ^^ t)ormunbfd&aft^
li6)m aSermaltung ben 3)lünbel ju gefäf)vben bro^t, ober fofort ju bem
äufeerften SOUttel, bem ber ®ntlaf[ung bcö SBormunbeö, ju greifen. 3n Dielen
gälten mirb aber bie Slnmenbung biefcö äußerften SDUttelö 5U bem ju et*
reid^enben 3njedEe in feinem angemeffenen Sßerl)ältniffe ftel^en, fonbern ju einem
praftifd) unerroünfdjten SRefultate fül)ren. Äann baö aSormunbfd^aftögcrid^t
ben SSormunb megen beffcn ^^flid^tmibrigfeit cntlaffen, fo ift cö unbebenttid^,
bem 5Bormunbfd&aftögerid)te aud& bie SBefugnig ju geben, gegen eine fold^c
S3ormunb|4aft. Stttöemeine Scßrünbung. (§§ 1633—1748.) 1027
Ißflid&tiüibrigfcU burd) geeignete ©ebote imb Serbote einjufdb^^^it^n. Um fo
tnei^r cmpficfilt eö fid^, bem SBormunbfd^aftftgerid^te bie ÜDlöglid^teit ju einem
fol(^en (ginfcl^rciten ju geroS^rcn, ote ber SRünbel burd& ein gefefeUd)eö ^^fanb*
xed&t am JBermögen beö SSonnunbeö gegen bcn i^m burd^ pflid^tmibrige aSer*
maltxing beö SBormunbeö erroad^fenen ©d^aben nid^t meljr gefid^ert ift iinb
•eine Sid^erljcitftleiftung, wenn fie aud^ nad^ § 1689 unter befonberen Um^
ftänbcn bem Sßormunbc angefonnen werben tann, bod^ infofern, ote fie ben
SJormunb jur Slblel^nung ber SSormunbfd^aft bcjro. jur gorbenmg feiner Gnt^^
taffung berechtigt (§ 1643 9lr. 6, § 1706 3lbf. 2), nid^t eriwingbar ift nnb
beöl^alb nur oufina^möroeife ftattfinben mirb. ®ie SBeforgnife, baö aufgeftcllte
^rinjip fonnc bol^in fixieren, bofe baö aSormunbfd^aftögcrid^t bie Seitimg
ier t)ormunbfd^aftIid^en SBerroöUung ben ^änben beö aSormnnbeö entminbe,
inbem eö leidet geneigt fein werbe, ein 33er^altcn beö SSormunbcö fd^on bann
<xlö pflid^troibrig ju betrad^ten, wenn nad^ feiner Slnftd^t ein anbereö SBer-
galten alö jroecfmäfeiger fid^ barftcüc, fann nid^t getl^eilt roerben, 3)aö @efeg
■felbft läfet für eine fold^c Sluffaffung feinen SRaum, wenn baöfclbc auöbrüdftici^
tcftimmt, bafe baö aSormunbfd^aftögerid^t nur gegen ^ftid&troibrigfelten burd)
•geeignete ©ebote ober SSerbote einjufd&reiten befugt ift (§ 1684). ®aö bürger«
lid^e ©cfefebud^ l&at jubcm nid^t me^r, mie bie preufe. 3Sorm. D., ntit bcn auf
ben 33eftimmungen beö preufe. 21. S. 91. über bie ©teUimg beö 33ormunbeö
gegenüber bem SJormunbfd^aftögerid^tc berul^enben Slnfd^auungen ju red^nen
nnb beöfialb feinen Slnlafe, mit SRücffid^t auf Ijergebrad&te, mit bem 5ßrinjipc
ber Scibftftnbigfcit beö SSormimbcö nid^t im ©inftangc ftef)enbe unb bie SDurd^-
ful^rung jeneö ^ßrinjipeö erfd^roerenbe unb gefä^rbenbc Slufd^auungen baö
iKuffid^töred^t beö aSormunbfd^aftögerid^teö etma burd& fpejielle gefeßlic^e Sc-
ftimmungen bariiber, in meldjcn einjelnen göDen baö SSormunbfd^aftögeri^t
"ben 3>ormunb ju einem ^anbeln ober ju einem Unterlajfen anlialten fönne,
.ju begrenjen. 3" ben ©ebieten beö gemeinen Sled^teö f|at baö I)ier frag^
lid)e, im § 1684 jum 3IuöbrudEc gelangte allgemeine ^rinjip ju Ueber?
griffen beö aSormunbfc^aftögerid^teö in bie t)ormunbfd^aftIid&e SBenoaltung
ind)t geführt, fonbern alö praftifd^ braud^bar fid& bcroälSirt. aSiffenfd^aft unb
Ißrayiö werben §ubem einem unrid^tigen SSerftänbniffe beö ©efefecö mirffam
«entgegentreten.
S)ie bem aSormunbfd^aftögerid^te fraft feineö Slufftd^törcd^tcö beigelegten g^°JJ^J}*j^^^
S3efugniRe in 33erbinbung mit ben biefem Sluffid^töred&te bienenben unb bem eeibfianwa*'^
freien ®rmeffen beö SBormunbeö bei gü^rung ber uormunbfd&aftIid)en SJer^ '"*^JJJ ®'*^'
maltung Sd^ranfen fegenbcn befonbercn Seftimmungen, inöbefonbere mit ben
"Seftimmungen über bie Sßerpflid&tung beö SJormunbeö jur einrcid&ung eineö
SScrmogenöterjcidbniffeö (§ 1659) unb jur periobifd^en SRed^nungöIegung
<§§ 1687, 1688), fiber bie 9lnlegung ber a)lünbelgelber (§§ 1664 ff.) unb über
bie ^interlegungöpflidbt (§§ 1670— -1672), ftellen bem aSormunbfd^aftögeridbte
■auöreid^enbc SMittel ju ©ebote, um bei getoiffen^aftcr unb fad&gemäfeer Seitung
ber Dberoormunbfd^aft h^n ©efa^ren, meldte unter Umftänben mit bem ^rinjipe
i)er ©elbftänbigfeit beö Sormunbeö für bie Sid^erl^eit beö SDtünbelö aUerbingö
ijerbunben fein fonnen, mirffam ju begegnen, ©aju f ommt, ba^ in geroiffen gällen
iic aSertrctungömad^t beö SBormunbcö auögefd&toffen (§§ 1650, 1651, 1661, pergL
65*
1028 aSonmmfcfd&aft. «möcmeinc SBcörünbunQ. (§§ 1633—1748.)
aiicS) § 1677), in einer großen SRcitjc onberer gäüc burd) boö erforbernife bcr ®e?
ncfjmigung beö ®egent)ormunbcö bejto. beö ajormunbfdjaftögcrid^tcd cingcfd^iränft
ift (§ 1666 5SPbf. 2, §§ 1669—1671, 1674—1676, 1681, 1682, 1731, 1732, 11^
1341 arbf. 2, § 1431 äPbf. 2, §§ 1576, 1589, 1600, 1613 2ß)f. 1, 2, § 162^
9tbf. 5, §§ 1630, 1957 9lbf. 3, § 1962 9lbf. 2, § 2020 Slbf. 1, §§ 2024, 2043^
2094 Slbf. 6). 2)ie mit ber ©elbftänbigfeit beö SBormunbcÄ oerbunbcnen ®c^
fal)rcn lücrben ferner geminbert burd^ boö SeftcIIungöprinjip (§ 1634; t)crgl.
3ir. VI bcr allgemeinen Segrünbung), foroie biirdö baö 3nftitut beö SBaifenratl^ö^
(§ 1725) unb baö Snftitut bcä ©egenoormunbeö (§§ 1647, 1654, 1666, 1669,
1676, 1679, 1682, 1686, 1687 Slbf. 6, §§ 1696, 1701). @ö fann jugcgeben
werben, bafe m6) ©infüfirung ber preufe. Söorm. D. bic iunäd^ft gcmad^tcit
6rfal)rungen in ^ßreufeen mand^c Scbenfen gegen bie bem SSormunbc cin«^
geräumte freiere Stellung erregt l)aben; inbeffen bie gelicgten Sefürd^tungcn,
«jeld^e man an jene freiere Stellung beö aSormunbcä gefnüpft l^at, l^abeit
löcber in ^^reufeen nod^ in anberen Staaten in einem fold^cn Umfange fic^
DcrTOirflid)t, ba% man S3ebenfcn tragen müßte, bcm 31^8^ ^^ neueren SRed&tcft
in bcr fjier fraglichen S3ejief|ung ju folgen. 3n Preußen Ijabcn bie göHe ber
Untreue ber SSormünber feit einer SRei^e oon 3a^ren iäljrli^ abgenommen
unb in Süb52)eutfd()lanb l)at ber freiere Stanbpunft, meieren oud^ bcr (Sntrourf
einnimmt, ftd^ in einer SBcifc bemäl^rt, baß man bcffcn Beibehaltung nad& bcm
oorliegcnben 9lad&rid()ten lcbl)aft münfd^t. 3m ©anjen merbcn bic mit einer
größeren 83efd()ränhxng ber SWed^te beö SSormunbeö Dcrbunbcncn Sßortl^cilc bur^
bic mit berfelbcn ücrbunbcncn 9iac^tljeile bei aSBcitcm übcrroogen.
V.
SScrmaltcnbcr 3Sormunb. ©egenoormunb.
««rtcnbe« gaft in allen 9ficdf)tcn finbet ftd^ bcr Unterfd^icb jmifc^cn cigcntlid^ oer^
^^"^^ maltcnbcn SSormünbern unb ©^renoormünbern, b. l). fold^en SSormünbern^
meldte gemiffermaßen nur in jitjciter Sinie neben bcm ^auptoormunbe,
inöbefonbcrc aud^ iur Sluffid^it über biefcn, t)em)cnbet merben. 3« bicfcr
jweiten KlaRe Don SBormünbcrn gel^oren bic tutores lionorarii ober tutore»
notitiae causa bcö gemeinen Sied&teö, foroic bie Gfirenoormünbcr beö preuß.
91. S. SR. II, 18 §§ 120, 121, bcß fäc^f. ®. 93. § 1691 unb beö rocimar. ®cf.
r). 27. äWärj 1872 § 67. 3la6) ben Jied^ten oon Sübcdf, 93rcmen unb ^am*
bürg merben regelmäßig jroei 33ormünbcr bcfteHt, von meldten bcr eine bic
aScrmaltung, ber anbere bic Sluffid^t fü^rt. ?lad^ ben SRcc^ten von Sübecf unb^
Hamburg mcd^fclt, menigftcnö alö Siegel, bie SBcrroaltting unb bic Sluffid)t
iä^rlid^ unter ben SSormünbcrn. 3^^ SBrcmcn fann bic SSormunbfd^aftöbc^orbe-
einen fotd^cn gBed^fcl anorbnen (tiibecf. SSorm. D. v. 11. Dftober 1820 §§ 11, 12;
brem. SBorm. D. v. 14. ällai 1882 §§ 4, 47; ^amb. SBorm. D. v. 14. ajcjembcr
1883 Slrt. 10, 20). gcrner gehört Ijicrl^cr ber tuteur subroge beö franj. 3lc(i&tcö.
(code civil Slrt. 420), TOcldöcr alö ©cgenoormunb in bic preuß. SSorm. D. § 26-
übergegangen ift, 2)er l^eff. ©ntmurf i)at baö 3nftitut beö ®cgenoormunbcö.
nid)t übernommen, crfennt inbeffen bic 3Röglid^fcit bcr Seftellung tion SSor^^
aSoi-munbfd&aft. Stagcmcinc Seörünbung. (§§ 1633—1748.) 1029
tnünbcrn mit bcftimmten Sluffic^töred^tcu an (^cf|. ®ntn). IV 3lrt. 4i nebft
ÜHotiücn S. 235 ff.). Sagcgen finb bem bai)r. ©ntrourfc bloö 9luffid^t fül)rcnbe
SBormünbcr, inöbefonberc a\x6) ber Ocgcnüormunb, unbefaunt, ba bic 3(uffid^t
über bcn SBormunb ©ad;c bcö gamilicnratl^eö fei (bar)r. ®ntw). 9lrt. 19 nebft
^otioen ©. 64 ff.), ©benfo werben im ofterr. @. 33. nur perwaltcnbc Sßor-
münber crioäl^nt.
3n 9lnfel^ung ber Qa^l ber bei ber einjclnen 33ormunbfd^aft cintretenben
»erroaltenbcn SBormünber ^errfd^t unter itn Siedeten feine Uebereinftimmung.
3)er Stanbpunft beö älteren beutfd^en SHed&teö, m6) weld^em immer nur ein
SJormunb bic SSormunbfd^aft filierte, ift namentlid^ uom franj. SWed^te feft«
(jel^alten (code civil 9lrt. 403, 404, 454; t)ergL iebod^ 2lrt. 396). dagegen
fann nod^ rom., wie nad) gemeinem Siebte ba^ aimt beö SSormunbeö fowol;!
einem einjigen SJormunbe alö mehreren üJlitüormünbern übertragen werben,
äßäljrenb baö preufe. 31. 2. 9t. U, 18 §§ 112, 113 unb baö ofterr. ®. 53. § 210
I)ierin bem gemeinen Siedete folgen, wirb in Derfc^iebenen SSormunbfc^aftö-
redeten, j. S. in einer Slnjal^l, namcntlid^ fdön)äbifdf)er, Statuten, in 83ai)crn unb
in ben ^anfeat. SSormunbfd^aftßorbnungcn, bic 33cftellung mel^rerer SSormünber
fogar als Siegel oorgefd^rieben. Umgefel^rt l^abcn t)crfd()iebenc neuere Oefefec
bic 33eftcUung mel^rcrer 93ormünber jioar nidf)t unbebingt, aber bod^ wenigftenö
für bic S)atiot)ormimbf^aft als SRcgel auögcfd)Ioffen (fäd^f. 0. 33. §§ 1884,
1957; Weimar. ®ef. o. 27. a)lärj 1872 § 28; prcufe. aSorm. D. § 19; l^eff.
€ntw. IV 3lrt. 43, 44; baijr. (Sntw. 3lrt. 50).
©benfowenig finb bic ©cfcfce in Slnfc^ung ber SBorfd^riften über ben
Gintritt von ©(irenoormünbcrn neben ben t)erwaltenben Sßormünbern überein-
ftimmenben ©runbfäfeen gefolgt. Saffcn biefelben auc^ bic S3cftellung oon
©l)rcnüormünbern meiftenö ju, fo bilben bic Icfiteren bod& feineöwegö immer
iiot^wenbige Organe ber aSormunbfdEiaft. inöbefonberc ift ber Gintritt eincö
Dber einjclncr ®l)renoormünber nad& gemeinem Siedete nur fafultatio. Sie
Säeftellung eined ®l)rent)ormunbeö erfolgt terJ^ältnifemö^ig feiten; bod() ift bciQ
^erl^ättnife namentlich baburd^ t)on einer gewiffen Sebeutung, bafe baö gemeine
Siedet bemienigen a)iitüormunbc, welcher mit einem 3lnbcrcn gemeinfd^aftlid)
alö Sßormunb berufen ift, infoweit, alö bic SSerwaltung get^cilt ober bem
anbcren SRitoormunbc überwiefen wirb, gegenüber bem le|teren ftaft bcö
©cfcfeeö bic Stellung eincö Gl^renoormunbeö juwcift. S)aö preufe. 31. 2. 9t. II, 18
§§ 120, 121 fteljt in biefer ^inftd^t ganj auf bem S3obcn bcö gemeinen 9tecbtcö.
aiud^ nad) bem fäd)f. ®. ». § 1961 unb bem weimar. (Sef. t). 27, SRärj 1872
§ 67 ift bic JBeftellung eincö ©fircnuormunbeö rein fafultatio; aber ber 3Jlit'
t)ormunb ift bei gctljciltcr SBcrwaltung nid^t mel^r wie mä) gemeinem 9led^te
G^renoormunb feincö 2)titoormunbeö (oergl. jcboc^ weimar. ®ef. o. 27. 3)Järs
1872 § 66).
3m Oegenfafec ju bm angeführten 9tcdöten bilbet nad^ bcn S. 1028 mit-
getl^ciltcn Seftimmungen ber Ijanfcat. aSormunbfdbaftöorbnungcn, nad) welchen
von ben ju beftellenbcn jwei aSormünbern ber eine bic SScrwaltung, ber anberc bic
Sluffid^t fü^rt, ber G^renoormunb eine regelmäßige organifd^c ©inrid^tung bcö
SBormunbfc^aftörcd^teö. 3n ftrengfter gorm l)at ferner baö franj. 9tcdöt bic 9Jot^'
wenbigfeit eincö G^rcnoormunbcö in feinen Söcftimmungcn über bcn tuteur
1030 ä>cnnuubf(6aft. Siaßcmcinc fflcörünbung. (§§ 1633-1748.)
subroge burd^gcfü{)rt. 3)ic Seftcllung bcö Icgtcrcn barf bei feiner SSonnuub:?
fd^oft unterbleiben, eine aSorfd&rift, rocl^e nic^t einmal für bie aSormunbfd^af t
bcr ßltcrn eine 3luönal^ntc crleibct (code civil Slrt. 420). 9iur für bie in eine
^^ffegeanftalt aufgenommenen SJiünbel, meld^^ unter ber 33ormunbfd&aft bt^
silnftaltöDorftanbeö [teilen, ift bie SBefteüung eines ©egcnoormunbeö ni^t er^^
forbcriid). Sie preufe. Sßorm. D. § 26 l)at ben ß^renoormunb mcfentUd^ in
ber ©eftalt beö franj. ©egenoormunbeö aufgenommen; feine Dbliegenfieitcn
begießen pdf) icbo^ ^auptfäd^Iid) ouf bie SSermögenöocrroaltung beä aJormunbefr
(§ 31), joä^renb nac^ ber perfbnlid^en ©eitc bie 3luffid^t bem SBaifenrotI;c
obliegt (§ 53). 2)ie Seftellung beö ©egcnoormunbeö ift nöt^ig, menn mit ber
SSormunbfd&aft eine SScrmögcnöocrnjaltung oerbunben ift; bod^ fann fie in
biefem galle oon ben ©Iteni ocrboten werben (§ 26, 2lbf. 2, 6). 3lud^ ift bie
93eftellung eines ©egcnoormunbeö bann nid^t erforbcrlid^, mcnn mel^rerc JJor-
münber ju ungetrennter aSerroaltung bcftellt fmb (§ 26 9lbf. 2). gür ben gefe|s
lid^en aSormunb (§§ 12, 13, 83), insbefonbere für ben SSater, ftnb crlcid&ternbe
SSorfd^riften gegeben (§ 26 Slbf. 4). gül)ren mel^rcrc SSormünber bie 58cr^
loaltung nad& ©efd^äftöjroeigeu getrennt, fo fann ber eine jum ©cgcnoormunbe
bes anbercn beftcHt werben (§ 26 Sttbf. 3).
S)ie gunftionen, mit meldten bie Siedete ben (Sfircnoormunb, mic biefcr
in ber einen ober anbcren gönn oorfommt, betrauen, fmb ocrfc^ieben. 3"-
nädfift liegt ifim regelmäßig bie 3lufpc^t über bie Sßenoattung bcö SBonnunbcft
ob, fo nad^ gemeinem Siechte, bem franjofifdfien Siedete unb oerfd&iebcnen
anbcren neueren ©cfegen (preu§. 3t. 2. SR. II, 18 § 120; fad&f. ©. 93. § 1961;
roeimar. ©ef. o. 27. 5Wfirj 1872 § 67; lübecf. SSorm. D. § 33; brem. SBorm. O.
§ 47; tjamb. SSorm. D. 3lrt. 20; preufe. SBorm. D. § 31). gerncr ift ju ge^
loiffen SRec^tögefd^äften bie ©enel^migung beö (gf)renoormunbeö erforberlic^, fei
es in ber 2lrt, ba^ bie aDBirffamfcit bcö SRed^tögefd^äftcö baoon abf)ängt ober
bafe bcr aSormunb nur im SBege einer Drbnungöoorfc^rift genötl^igt wirb, fid^
ber ©enel^migung beö ©J^rcnoormunbcö ju ocrgeroiffem (preufe. SJorm. O*
§§ 39, 41 ; brem. SBorm. D. § 81 ; f)amb. 3Sorm. D. 2lrt. 20 SRr. 1). S)cr
Seiratl^ beö ®^rcnoormunbcö ift bei cr^eblid^cren Slngclegen^eiten oon bem
SSormunbe cinjul^olen (brem. SSorm. D. § 81). S)er ©egenoormunb ift ju-
8Ujiel)en bei ber aufnähme beö Snoentareö (code civil Slrt. 451, 1442 ; preufe.
aSorm. D. § 35) ; feine ©cgenroart wirb Dcrlangt bei SSeräufeenrng beö üKobi^
liarcö unb bei ber aSerfteigerung oon Immobilien (code civil Slrt. 452, 459);
er mufe ©orge tragen für bie rid^tige (Eintragung ber oormunbfd^aftlid^cn
§i)pot^efen (code civil Slrt. 2137, 2142, 2143). 2)em ß^renoormunbc mirb
ferner eine äßitroirfung eingeräumt bei ber SWedjnungölcgung ober ben fonft
oorfommenbcn regelmäßigen Jtontrolen beö SSormunbeö (preufe. SBorm. D. §§ 56,^
57, 67; code civil Slrt. 470; lübedf. Sßorm. D. §§ 44, 68; brem. Sßorm. D-
§ 83; liamb. SSorm. D. Slrt. 54). 3f|m liegt ob, bie wegen ^fftd^troibrigfeit
ober Uufäf)igfeit notl)ig merbenbe ©ntfernung beö aSormunbcö (code civil Slrt. 446;
prcufe. aSorm. D. § 31 ; brem. SKonn. D. § 47), fomie bie erforberlic^ merbenbe
SeftcUung eineö neuen SSormunbeö (code civil Slrt. 453; preuß. SSorm. D.
§ 65) ju betreiben, ©r tritt cnblid^ unter befonbcrcn Umftänbcn in bie Stellung
cincö Dcrwaltenbcn SBormunbcö ein, fo namentlid) bei ä}erl)inberung beö le^teren^
3Jcrmunb](j&aft. Sttlgcmcinc ffleöcünbunö. (§§ 1633—1748.) 1031
infibcfonbcvc bei loUlblreubcm Sntcrcffc, alö Spcsialhirator (code civil 3lrt. 420,
450; t)crgl. aiid) brcm. 93orm. D. § 98; bogegen aber preuß. 93orm. D. §§ 31,
86; fübecf. SBorm. D. § 66).
Sie S^^atfad^e, baß bic äKd^rjal^l bei* dicä)ic einen 6I;renüormunb lennt stanbpmitt
unb bafe berfclbc in ber mannigfaltigften SGBeife ücrroertfiet ift, muß t)on Dont^ ©ntwurfe?.
herein barauf l^inrocifen, aud^ in bem ©efcgbud^e ben Unterfc^ieb jroifc^en vtx^
roaltcnben SSormünbenx unb Gfjrenoormünbern feftjuljalten.
2)er Gntiourf gel)t baoon ouß, baß eö für bie 3)lef|rjal&I ber gäHe ge^ »enuaitenbe
nügen unb jmeifcHoö jroedfmäfeig fein werbe, für jebc SSorntunbfd^aft nur '^**'^'"""***^-
einen werroaltenben SBormunb ju bcftcllen unb babei bie SJormunbfd^aft über
mel^rere minberia^rigc Oefd^wifter ebenfaDö nur ald eine SSormunbfd^aft ju
be^anbeln (§ 1638 Sttbf. 2, § 1637 3lbf. 4; mgl. preufe. SBorm. D. § 19
«bf. 3; bai)r. entw. 3lrt. 50). ©Ieid)U)o^l tann ein SBebürfnig nid)t an^
crfannt werben, im ©egenfaße jur großen üJlcl^rjaljI ber geltenben Siedete bic
SeftcUung nur cinefi Derwaltenben aSomtunbeö jur aufinabmölofen SKegel iu
mad^en. 33ielme^r ift cö rid^tiger, nic^t nur ben jur lefitwiBigen 93cnennung
oon 3Sormünbern bered^tigten ^^erfonen (§ 1635 3lbf. 1 9lr. 1, 2, § 1636),
fonbcrn unter Umftänben aud^ bem aSormunbfd^aftögerid^te bic Seftelfung
mcl^rerer SSormünber ju geftatten (§ 1638 9lbf. 2, § 1652). Sei größeren
unb fd^wierigereu aSerwaltungcn fann ein Sebürfniß baju in ber ^()at üor^
ffanbcn fein. 3)ie 3^^! ber julöffigcn SSormünbcr bem ÜJlajimum nad^ ju
begreujen, ift nid^t erforberlid^. 6in praftifc^eö Sebürfniß ift in biefer 3iiä)^
tung nid^t hervorgetreten unb ein aWißbrau^ burd^ bie jur Icfitwilligen S3es=
ncnnung oon Sßormünbern bered^tigten ^^Jerfonen nid^t ju beforgen.
Ocljt man baoon auö, baß in ber SRegel für febc aSormunbfd^aft nur ein «^rcn-
oerwaltenber Sßormunb beftcUt wirb, fo ift eö um fo bebenflid^cr, auf bic "^""""**-
SSorjüge ju üeriid^ten, weld^e aud einer angemeffcncn SBerwertljung bcd Syrern
Dormunbed für bad 93ormunbfd^aftSred^t jweifeUod gejogen werben tonnen.
2)em SSormunbe fann unter Umftönben oie( baran liegen, ba^ i^m 3cmanb
iur Seite ftel^t, bei bem er SRatf), ^alt unb Unterftüfeung pnbet unb ju finben
bered^tigt ift. 3Han fann ferner ben SBormunb bei wid)tigeren SRed^tögefd^äftcn
an bie (Genehmigung beö @{)rent)ormunbeö binben unb baburd^ bie 'j^öUe, in
weld^en [onft bie ©enel^migung bed %ormunbfd^aftdgerid)ted oorgefc^rieben
werben müßte, oerminbern, auf biefe SBeifc bie 33erwa[tung oereinfad^en unb
bie ©erid^tc cntlaften, ol^ne bie Sntereifen beö SRünbelö ju gefä^rben. 2)em
9lid^ter wirb baran liegen, baß man eö i^m erleid)tert, fid^ oor ber ©nt^
fd^eibung über bie ju einer .^anblung beö SSormunbeö erforberUd^c ©e*
ncl^migung burd^ SHürffprac^e mit bem S^renoormunbe über bic 3ad)(agc ju
unterrid^ten. 2)ie Dberoormunbfdjaft gewinnt in bem Icßteren ein jwecE?
wäßigcö Drgan ber unmittelbaren 3luffid^t, namentlid) für bic aSermogenö^
uerwattimg. 3lber awd) fonft laßt ber ß^renoormunb fid) in mand^erlei Sc^
jie^ung in ber einen ober anberen 2lrt jur Sid^erung unb §örberung ber
Verwaltung mit 3iuften oerwertl^en.
6d liegt aber nal)e, unb bie Grfaf)rung Ijat eö beftätigt, ba^ man nur
bann f)o^zn barf, oon bicfent Snftitute einen wirfli^en yini^tn ju jie^en,
wenn man baöfelbe fd^ärfer betont, in ben Crganiömuö beö 33ormunbfdf|aftös
1032 aSorwunbfdiaft. allgemeine Öeflrünfcmiö. (§§ 1633—1748.)
rcd)tcö cußcr werpidjt cilö \>0i^ gemeine dlcd()t bicö t^ut. Soll bas 3"ftitut
bcibcf)Q(ten unb feine Sebcnöfä^igfeit gefiebert werben, fo mufj baö ©efefebudfe
bem Görenüormunbe eine ganj beftimmtc (Stellung anroeifen imb inöbefonbcrc
bem SHid^ter jum Sewufetfein bringen, ba^ eß fein cigeneö bringenbcö
Sntercffe ift, fid) beö ©öreuüormunbeö in ben gäUen, für weld^c baö (Sefcg
bie Seftellung eines fold^en als jroedfmäfeig t)orauöfcfet, oud) roirflid) ju bebienen.
^I^S^J'en 3« bead&tcn ift in biefcr 3lic^tung einerfeitö ber SSorgang ber lEionfcat.
»cc^t Sichte, anbererfeitß ber beö franj. Slcd^teö. 9iod) bciben bilbet ein beouffid^ti«
genber ®I)renüormunb ein obUgatorifd()cö Snftitut beö aSormunbfd^aftörei^teö.
2)aß I)aufcat. Softem mit bem, in ber neuen brem. SBorm. D. ü. 14. SDiai 1882
inbeffen alö Siegel nid^t me^r feftgcl^altcnen, iäf)rlid^en SBeci^fel jroeier SSor-
münber in SBcrroaltung unb Sluffid^t l^at ben SSorjug, bafe jeber Sd^ein von
®et|äffigfeit, roeld^er mit einem roefentlid^ einfeitig ber Äontrole bienenben
9lmte Ieid)t oerbunben ift unb worauö man bem franj. ©rifteme moljt einen
aSorrourf gemad^t Ijat, uermieben wirb. S)er ©tad^el ber Sitterfeit, welchen
berjenige, weld^cm bie 9lrbeit obliegt, fo leid&t empfinbet im Sßeröältniffc ju
einem Slnberen, beffen ganje ©telluug roefentlid^) burd) ein ÜKifetrauen in bie
eigene ©eroiffenljaftigfeit unb g-äfiigfeit beö SIrbeitenben bebingt ju fein fd^eint,
fällt Don felbft weg, wenn ber 3Irbeiter unb ber 9luffcl^er alliä^rlic^ mit
cinanber ifjrc Stollen üertaufd^en. S)ennod^ empfiehlt eö fid^ nid^t, biefcft
Sr)ftem bem ©efefebud^e ju ©runbe ju legen. S)cr j[ä^rlid()e Uebergang ber
33erwaltung oon einer §anb in bie anbere fann ber Kontinuität ber 33er^
waltung gcwife ni^t förbertid^ fein unb ift mit mand^ertei Unbequemtid^fciten
Derbuuben, S5aju fommt, bag jcneö ©pftem nur in einem uer^ältnifemäfeig
fleinen 2:i)eile Seutfd^lanbö in (Seltung fid& befinbet.
e9nembe9 ©cm iu bem größten ^^eite ©eutfd^tanbö geltenben 9led()te lägt ber
I"b"*pK ^^"^ 3nftitute beö Gf)renoormunbes ju 03runbe liegenbe ®ebanfe fid^ weit
fc^en «ec^te«. leichter iu ber SBeife beö franj. 9led)teö einfügen. Ueber bie grage, ob
i)?rmu?ib!* Co äwedfmäfeig fei, ben franj. ©egenoormunb in baö SSormunbfd^aftöre^t
aufzunehmen, finb bie Stnfid^ten aflerbingö nod) jegt get^eilt. SBie ber
Ijeff. ©ntw. unb in neuefter gcit wiebcr ber bai)r. ßntw. oljnc \i(x^ 3nftitut
beö ©egenoormunbeö auöfommen ju fönuen geglaubt l^aben, fo l)at im
3lal^re 1875 ber beutfd)e ^uriftentag burc^ einen aibt^eilungöbefd^lufe, freiließ
gegen eine nidt)t unerhebliche 9)Hnberl;eit , fid) ba^in auögefproc^en, ia^ bie
Slufftellung eineö (Segenoormunbeö Don ®efe|eöwegen nid&t ju empfeljlen fei.
Snöbefonberc würbe ber bei biefcr ©elegenfieit geftellte 2lntrag, einen ©egcm
üormunb bei allen SSormunbfd)aften mit SSermögenöoerwaltung, fofem nic^t
meljrere t)erwaltenbe aSormünber beftcDt feien, eintreten ju laffen, abgelel^nt,
ebenfo ber Stntrag, \)Ci\f, ein ©egenoormunb ein für alle 3)M für foüibirenbc
Sntereffen }u beftellen fei (Serljanbl. beö XII. beutfc^en Suriftentagcö ob. 3
©. 111, 112). Sagegen Ijat bie preufe. Sonn. D. ben ©egenoormunb auf-
genommen, jebod^ nur in feinen gunftionen alö 9lufftd)töoormunb, gewiffer*
maßen alö gortbilbung beö gemeinre^tlid^en Glirenoormunbeö , ni(^t aud^ in
feiner ©tellung alö curator perpetuus für follibirenbe 3ntereffen, weld)e i^m
nad) franj. 9ied)te neben ber ©tellung eineö 9luffid)töiiormunbeö jufommt.
2llö Organ ber Sluffid&t — unb nur in bicfer SHid^tung, nid)t alö ftänbiger
aSoimunbfd&aft. gittöemeinc »eörünbung. (§§ 1633-174S.) 1033
©pcjialfurotor für loDibircnbc Snterejfcn, fann ber ©egenüonnuub für bic
bcutfd^en SBcr^ältniffc in graßc fommcn — war ber OegenDormunb für ben
Code civil t)on bcfoubcrcm SBcrtl^c, weil er jufllcid^ alö Grfag für ben iOlangcf
einer reflclntäBifl^n SRcdjnungölegung bcö SBormunbeö an bie Dberoormunbfdjaft
bicnt. ©icfcr befonbcre Orunb für bic 3lufnal)me bcß Snftitntcö beö ®egen*
Dorntunbcö fann üom Stanbpunftc bcö (Snttourfcä an?i aücrbingö nid)t in
SSctrad^t fommcn, ba bic SBerpflid^tung bcö SBormunbcö ju einer regelmäßigen
Sied^nungölcgung an bic Dbcrpormunbfd^iaft für unbcbingt nottjrocnbig ju cr^
ad^ten ift (oergl. § 1687 nebft Tlotmn), 9lllcin, wenn and^ ouö bem ©efid^tö-
punfte eincö ©rfafeeö für bie SJcd^nungöIegung bie ©infübrung beö 3nftitutcö
bcö ®egent)ormunbeö burc§ ein Sebürfniß nid)t geboten ift, fo bleibt bod^, mie
oben bargelcgt roorben, immer nod) ein weiter Spielraum für eine nüglidf)e
iBermenbung bcö Ocgcnoormunbcö.
2luf ber anbercn ©cite fann aber in feiner SBcife baö S3ebürfni6 an^^ «orauä.
afannt mcrbcn, nad^ bem 3Sorgangc beö franj. 9tcd()tcö bie ScfteDung eineö ^*^"^^enun^
©egenoormunbeö für icbc SBormunbfd^aft obligatorifd^ ju mad)en. 9lur mo«*««« ««a««*
ein S3cbürfni6 baju oorlicgt, foU ein (Scgcnoormunb neben bem 3Sormunbc "'''^"*""
beftcUt werben fönncn (§ 1647 Slbf. 1 b. ©ntw. ; preufe. SBorm. D. § 26 3tbf. 1).
<Sin fol^cö »cbürfnife ift aber mit ber preufe. aSorm. D. § 26 3rbf. 2 alö
Siegel an5uerfcnnen, wenn mit ber SBormunbfd&aft eine aSermogenöoerroattung
Dcrbunben ift (§ 1647 SIbf. 2). Sic preufe, SSorm. D. gel^t aber ju weit,
mcnn bicfelbe unter biefer SSorauöfcgung — menigftenö bem SBortlautc na6) —
bie ScftcDung eincö Ocgenoormnnbcö unbcbingt t)orfd()reibt, [ofern nid^t
mebrere SBormünbcr ju ungetrennter SSerroaltung beftcUt finb. 3ft bic S8cr?
maltung eine nid^t cr^cblid^c — unb bieö ift bei einer großen 3^^^ ^on a3or==
munbfd^aften ber gall — , fo fann, f ofern nid)t befonbcre Umftänbe tro^bem
bie SeftcHung eincö (Segcnoormunbcö angemeffen crfd;cinen laffen, bie gül)mng
ber 95ormunbfd)aft unbebcnfli^ einem SBormunbc unter 3luffid^t beö SSormunb^
fd^aftögcrid^tcö überladen roerbcn (§ 1647 3lbf. 2).
Soweit JU SRcc^tögcf Gräften beö 95ormunbeö, wenn ein ©cgcnoormunb
bcftcUt ift, bic Ocne^migung bt^ lefeteren crforberlid^ ift, tritt . in ben gäDcn,
in weld^cn ein ©egenoormunb nid^t beftcUt ift, an bic Stelle bcö ©rforbcr-
niffeö ber ©cncl^migung bcö ©egenoormunbeö baö ©rforbcrniß ber (Senebmi^
flung bcö aSormunbfd^aftögcrid&tcö (§ 1669 2lbf. 3), fo ba^ and) in bicfcn
gällcn ber aWünbcl bcö Sd^ufeeö, wcldien baö erforbernife ber Ocncl^migung
beö ©cgcnoormunbcö ju SRcd^tögcfd^äften beö SSormunbeö i^m ju gewähren bc-
jwcdt, nid^t cntbef)rt. 3)a6, wenn bic mit ber aSormunbfd^aft ocrbunbenc
SScrmögcnöocrwaltung eine crbcblid^c nid^t ift, t)on ber SeftcHung eincö ©cgcn^
pormunbeö abgcfc^cn werben fann, fd^cint nad^ ben 3)lotvotn ber SHcgicrungö:?
tjorlagc unb naä) 9Icu§erungen bei ber S8cratl)ung im Sanbtagc (oergl. SHc^
gicrungömotioe S. 57; 83erid&t ber Äommiffton beö ^errenbaufcö S. 40) and)
ber ©cbanfe ber prcuß. SBorm. C ju fein; inbcffen ift bic grage in ber preuß.
3uriöprubenj eine beftrittene.
3n gewif[en 3luönal)mcfänen foll flbrigenö bic ScftcUung eincö (Segens
pormunbeö and) bann unterbleiben, wenn an fid) bic 9Sorauöfe|ungcn oor-
liegen, unter we(d&cn nad) § 1647 2[bf. 2 ein ®egcnoormunb ju bcftcllen märe
1034 aScrmunbfcJ^aft. Siaflcmeinc «egrünfcunfl. (§§ 1633-1748.)
(§§ 1690, 1733). 3rt bicfer SScjiefiunfl wirb auf bic bcfonbcreu SDiotioc ju
bcn §§ 1690, 1733 ücripicfcn.
sirtung«* 2)ic ^Quptaufgobc befi (Scgcitüormunbed loirb immer auf bem (Scbictc
'sient* bcr aScrmogenöintercffen beö aJHinbcIö ließen (ocrgl. §§ 1654, 1659 3lbf. 1,
»ormunbe«. § iqqq ^^^ j^ §§ jg^Q^ ^(573 gj^^^ j^ §§ ^679, 1687 3lbf. 6, § 1700 mi 3,
§ 1701). ®leid&n)ol)( empfiehlt cö fid^ ni<j^t, bicfelbe flrunbfäfetid^ barauf ju
bcfd^rönfen, it)ie bie preug. SBorm. D. bied tl^ut, boDon audgel^enb, bag bte
Stiiffid^t über bie perfonlid^en aSer^ältniffc beö 3Rünbete Sad&e bcö ^ai\m^
ratljcö fei. ®ie Sluffid^t beö SBaifcnrat^cö ift inbeffcn il^rer ganjen S^cnbenj
nad^ onberer 9lrt; fic ift mel^r allgemein fojialer 9totur iinb bejielt t)orjugö*
weife gerabe fold^c Scoolferungöf laff en , bei beren aSermSgenöoer^ältniffen bic
SBeftcUung t)on ©cgentiormünbern regelmäßig ganj außer gragc bleibt. S)ic
9luf fid^töpflic^t bcö (SegcuDormunbeö bagegen ift burcftauö inbiüibueller Sktur ;
feine ^flid^t ift, freilid^ in eigent^ümli<j^er gorm, bie ©orge für biefen bc^
ftimmtcn ^ilünbef. ©in innerer (Srunb, bei bicfer ^flid&t einen formalen
Unterfd()icb }n)ifd)cn ber 5ßerfon unb bem SSermögen bcö 3Münbclö ju mad^en,.
liegt ni(f)t oor (oergt. § 1654). 3!m Uebrigen wirb wegen bcr einjelncn S3c*
ftimmungen iibcr itn ©cgcnüormunb auf bie bcfonberen SRotiDC üerwiefen.
VI.
Scftcllung bcö SSormunbcö. ©cfeglid^c SSormunbfc^aft.
•eitenbc« ^Md) Sltcrcm beutfd^cn Siedete treten bie SSerwanbten, weld^c gefcfeli^
****■ jur SSormnnbfc^aft berufen waren, mit ber ©röffnung ber aSormunbfd^aft fraft
beö ®efe|cö Don felbft in ba& 9lmt beö ^ormunbeö ein. Sbenfo war eö nad^
röm. SHcdjte in 9lnfel^ung ber burd^ gültige IcßtwilUgc SBcrfügung ober bur^
baö ©efefe jur ^utel berufenen ^erfonen. S)emgegenüber ift eö ein für bie
weitere ®eftaltung beö SSormunbfd^aftöwefenö in 2)eutfdl)tanb wid^tiger ©c^ritt
gewefcn, baß baö gemeine dted^t aud^ für ben burd^ le|twillige SSerfügung
ober bur^ baö ©efefi berufenen Sßormunb ba^ ©rforbcrniß einer S3efteBung
ober Scftfltigung burd^ bie S3ef)örbe aufftellte (Slcid^öpolijeiorbn. ü. 1577
Sit. 32 § 2).
®ic neuere beutfd^e ®efc|gebung l^at, oon ben fpäter ju crwa^nenben
äuönal^men abgefel&en, baö SJefteUungöprinjip im wciteftcn Umfange bci^
beljalten (preuß. »orm. D. § 14; fäd&f. ®. fd. § 1884; Weimar. ®cf.
V. 27. a»ärs 1872 § 28; lübccf. 93orm. D. § 14; brcm. SBorm. D. t). 14. SWai
1882 § 1; ^amb. SSorm. D. 2lrt. 13; ofterr. ®. 83. §§ 190, 204). S^agcgcn
()at bcr Code civil (3lrt. 402—404 üerglidjen mit Slrt. 421, 422) baöfelbc auf«
gegeben; bie burd^ baö ®efe6 berufenen SBormünber treten von felbft in i^r
9lmt ein. Sßon bcn SJad^fotgern bcö code civil finb ber Ijeff. Gntw. IV 9lrt 18,
21 (ucrgl. ÜJiotioe S. 213), bcr bai)r. ßntw. 3lrt. 1, 47, 52 unb bie bab.
©cfeggebung (®cf. o. 6. gcbruar 1879 § 18) jum aSeftcBungöprinjipc
äurütfgefcl^rt.
etonbvunft 2)ie mit bem S3efteUungöprinjipc (§ 1634) Dcrbunbenen SBorjüge für bic
entwürfe«. Crbuuug unb Sidjerijcit beö aSormunbfd^aftöwefenö finb fo augcufd^einlid^.
SSormunbft^aft. aaoemeinc Scörünbunfl. (§§ 1633-1748.) 1035
büfe über bic SRotljtücubiflfcit, boöfelbc im ©cfcßbud^c, njcrüßftcnö alä Stcgel, «eficnunfls*
bei jube galten, ein 3roeifel faiim obwalten fann. ^t Dorbe^altlofer man beui ^^"*'^'
aSormunbc bie SteUnng eines ß^^feli^^" aSertreterö beö ajJünbcte einräumt,
um fo bringenber ift eö im S^tereffe bcö üBünbelö unb 35ritter geboten, bic
grage, wer olö aSormunb für ben SKünbel ju Ijanbcfn bered)tigt ift, ein für
alle 3Ral im SSorauö feftjufteUen unb nid)t bic Gntfd^eibung biefer grage bcm
iufSfligen, leidet roed^fetooDcn 9luöfaUc fpaterer ^ßrojeffe ju übcriajfcn. 2)ad
Seftellungdprinjip übcrfjebt ba& ©efefebud^ überbied ber 3lot^n)cnbig!cit, SBor*
f^riften über ben protutor aufäuftellen, ein S3cgriff, für beffcn SluffteUung ein
pra!tifd)eö Sebürfnife oon fclbft wegfällt.
2ln bem SSeftettungöprinjipe ift in bem ©efefebud^c fclbft oußnal)möloö
fcftge^alten. 6in 33cbürfni§, Don biefem 5|Jrinjipe für gcmiffe Sßormünber eine
9(usnabme ju nta<j^en, liegt nid^t t)or.
e« fommcn in biefer ^infidjt Dorjugöwcifc bie eitern beö aRünbctö in ^^^
Setrad^t. 2lllcin oom ©t<inbpun!tc beö ©ntwurfeö auö, nac^ roeld^em nidjt munb^aft
nur bcm SBoter, fonbem ani) ber aWutter ber Dormunbfc^afttid&c ©d^ufe il^rcr ^" ^"*''"'
minberiö^rigen Äinber in ber gorm ber elterlid()en ©cwalt jufällt (§§ 1501,
1555, 1557 3lbf. 2, § 1559 Slbf. 2) unb inöbefonbcre oud^ burd^ bie ^eiratl)
bcö 5linbeö bic elterlid;c ©cwalt über baöfelbc nid)t beenbigt wirb (t)ergl.
§§ 1509, 1536), bleibt für eine gefcfelid^e SJormunbfd^aft ber eitern über i^re
minberiäljrigcn Äinber weber SSebürfnife nod^ iKaum, inöbefonbcre nid^t, wie
nad) franj. SRed^te (code civil SIrt. 390; preufe. SJorm. D. § 95 Slbf. 2) für
ben gaU ber 3luflofung ber ef)c ber eitern burd) Sd^cibung ober burd^ btn
Xob eincö berfetben ober, wie nad^ ber preufe. SBorm. D. § 12, für ben galt
ber Secnbigung ber tjöterlid^cn ©ewalt burd^ aJcr^eiratljung, getrennte ^auö^
Haltung ober entlaffung beö Äinbeö. a)ic (Srünbe, auö wcld^en ber entwurf
eine gefe|lid)e SSormunbfd^aft ber une^elidE)cn ^Rutter über tf|r unc^clid^cö
minberiäl)rigeö Äinb nid(|t anerfannt ^at, finb bercitö in ben 3)iotit)en ju
§ 1570 S. 862 borgclegt.
Slbwcld^cnb oon ber preufe. SSorm. D. § 83 äbf. 1, wcld&e bem SSater
bie gefe|lid^e SBorm^nbfd^aft über fein tolliä^rigcö Hinb einräumt, I)at ber
entwurf oudö Slnftanb genommen, eine gefeglid^e SJormunbfd^aft ber eitern
über iljr ooUiöl^rigcö Äinb anjuerfennen. 2tn unb für fid^ fd)on crfd^eint bic
gcfc6lid)e Sßormunbfdjaft ber eitern über iljr üolljäl^rigcö ftinb ni^t in bem
3)?a|c burd) bie aSerl^ältniffc geboten, wie bieö in ermangelung ber elterlid&cn
®ewalt bei minbcrjäl^rigcn^Äinbern-allerbingö ber gall fein würbe. 2)aö ^d
bürfnife einer SBormunbfd&aft tritt bei aSolljätirigen nie oon fclbft, fonbcrn nur
bann ein, wenn baö ® afein ber SBorauöfcfiungen ber SBormunbfd^aft burd^ ein
gerid^tlid^cö SSerfafiren auöbrüdElid) feftgcftcllt ift, unb einem fold&en SBcrfa^ren
fdjliefet fid) bonn bic SScftcBung, b. \). bie formale erflärung, ia^ ber aSatcr
ober bic üJluttcr nunmehr bic Cbliegenl)citcn eincö SSormunbeö bobe, gewiffer^^
mafeen t)on fclbft an, inöbefonbcre, wenn in bem ®efc6c über baö SBcrfaljrcn
bcftimmt werben foUte, ba^ ha& entmünbigungögcrid)t juglcid^ baö SBor*
munbfd^aftögerid)t ift. etwaö 33erlegenbcö fann für bic eitern in bem Scj*
ftcllungöaltc fd)wcrlid) gefunbcn werben. aSor SlUcm fällt aber inö ©ewid^t,
bafe bei ber 93ornuinbfd)aft über SSoUiäljrigc fcincöfallö auf bie SKöglid^feit
1036 SSorinunbic^aft. ättöemclne Seörünbimg. (§§ 1633—1748.)
t)crsid)tct werben fmm, beu G^cgntten beö SKünbcfe felbft vor ben ßltcvtt jiim
23ormunbe ju bcftelleu (§ 1729 9lbf. 4, 5). S)amit ift aber eine ßcfcgüc^e
S3ormunbfd)aft ber ßltcru nid)t rool^I vereinbar. S)urd) ieuc SWöglici^fcit bringt
bicfclbe bie ©cfafir einer Unfid^erl^cit ber SSerl^ältniffe mit fidj. Ueber^aupt
pafet eö nid)t ju bem SBefen einer gefcfelid^en äJormunbfdöaft bafe bem gefefe-
lid^cn aSormunbe unter Umftänben ein 9lnberer uorgc^en ober bafe ber 3»f)öl5cr
ber gefeglid^en Sßormunbfd^oft biefelbe mit 9lüctfid)t auf fpäter tima eintretenbc
SBerl)äitni?fe ju ©unften eines Sauberen gar verlieren foH. ©emgemäjj läßt
benn aud) bie prcufe. aSorm. D. (oergl. § 17 SÄbf. 3, § 83 9[bf. 1, 2) ben SBater
als gefe^(id)en 93ormunb bem @()egatten beö 3){änbelö unbebingt Dorge{|en.
ber von 9Joc^ TOcnigcr empfiehlt eö fid), anberen 5ßerfonen alö ben ©itern bcö
«anSe"«orI 3)liinbelö, inöbcfoubere ben oon bfn eitern benannten aSormünbem ober ben
TOünber ober ©vofeelteni bes SJüinbelö, bie (Stellung gcfefelid^er Sßormünber cinjuröumen.
©ro^cTtem, Sttußer^alb beö franj. SRed^tögebieteö fommt eine ^ol6)t gefe|ti(i&c aSormunbfd^aft
in S)eutfdjlanb nur fel^r oereinjelt Dor, j. 93. nac^ ber fiamb. SBorm. D. 9trt. 13
unb einzelnen bai)r. Statuten. ®ic preufe. SSorm. D. § 12 Ijat, abgefeljen dou
ber unten nod; bcfonberö ju berürffid^tigenben gcfefelid&cn 9}ormunbfd^aft beö
aSaterß ber une^elid)en 3)iutter über ba& Äinb ber (enteren, eine gefeftlic^c
aSormunbfd^aft fo wenig für bie uon bm ©Item benannten SJormünber, wie
für bie ©rofeeltem bcö 2)tünbe(ö anerfannt. Sei allen biefen ^^Jerfonen fanu
in ber 2;()at Don einem geraiffermafeen natürlid^en Siedete auf eine gefeglid^c
aJormunbfd^aft, wie bieö bei ben ©Item aUerbingö nal^e liegt, nid^t roo^l bie
SWebe fein. 3lber aucb praftifd) fü^rt eine gefefelid;e aSormunbfd&aft jener
5ßerfonen ju Unjuträglid^feiten, loeil fie jum 5Rad&t^cile beö 3)iünbelö unb
dritter, meldte mit bem SJormunbe in 3lngelegen^eiten beö 9KünbeId ju üer^»
l^anbeln l^aben, leidet eine Unfid^er^eit barüber oeranlafet, wer im einseinen
galle a?ormunb ift. Snöbefonbere ift bie ©ültigfcit einer burd) le^tmiUigc
SSerfügung erfolgten Berufung eines aSormunbeö (§ 1635 SKbf. 1 9Jr. 1, 2,
§ 1636) t)on ber oft jmeifel^aften gragc na6) ber ©ültigfeit ber (e|tn)illigen
35erfügung abl^ängig. 3"^^^ fommt axiä) \)\tx in Sctrad^t, bafe bie a)iög[id^feit
gen)äf)rt merben mufe, ben ©l^egatten beö Sßünbelö vor ben burd^ le&tmilligc
a^erfügung benannten ^erfonen unb uor ben ©rofeeltern jum JBormunbe ju
beftellen (§ 1637 9tbf. 3, § 1729 9rbf. 4, 5), moburd^ bei Sttn^rfennung einer
gefefelid^en SSormunbfd^aft ber bejcid^neten ^erfonen bie ®efal)r ber Unfid)erl)cit
ber Sßerl^ältniffc nod) wäd^ft.
be8»ater*ber Sgic fd^ou ent)äl)nt, beftimmt bie preufe. SSorm. D. § 12 2(bf. 2, bafe über
^"tter'über ciu unel)elid&eö 5linb ber SPater ber unel^clid^ien SWutter gefefelid^er aSormunb
*>ö««»»«^«"^«n)irb, jebod^ nur, folange baö a3ormunbfdt)aftögcric§t nid^t einen anberen SBor«
^"'*'* munb beftellt. 3ene an bm 9lnl). § 95 ju 91. S. 91. II, 2 § 614 \\6) anle^nenbc
S3eftimmung uerbanft ifirc 9lufnal)me in bie preufe, aSorm. D. ber Äommiffion
bcö §errenl)aufeö. 3n bem 83erid^ie berfelben (®rudffad&en 1875 Str. 39 S. 17)
mirb Ijeroorgeiloben, eö fei jroedmäfeig, baö unel^elic^c Äinb möglldjft in bie
gamilie bcö mütterlidjen ©roftoaterö Ijineinjujielien unb beöljatb fei bie Sc*
ftimmung nüglid^, inbcm fie bem Gkofeuater erleid^tere, fid^ feineö ©nfelö of)ne
©inmifd&ung bcö ®erid)tcö anjuneljmen. 3n ber Slommiffion beö 9tbgeorbnetem
Ijaufeö erad^tetcn swar 9)iet;rere bie l)ier in 9iebc ftel;enbc gefe^lid^e SSormunb*
aSormunbf^aft. Stttcetncinc SegrünbimQ. (§§ 1633—1748.) 1037
fd^aft für unjiDcdmäfeig unb gcfäljrUd^; von anbcrcn Seiten würbe bageßctt
auf bie günftigcn ©rfa^rungen im lanbred^tlid^cn Gebiete 83cjug genommen
unb namentlid^ betont, bo6 burd^ bie Ucbertrogung ber gefcglidE^cn aSormunb^
f^aft ber Soter ber unc^clid^cn aWutter jur bcffcren gürforge für baö une^clid()c
Äinb berfdben Deronlofet mcrbe (513eri^t ber Äommifjion beö Slbgeorbneten^
f)an^c^ 1875; Slttenftücf 3lx. 311, S. 1846 ber ftenograp^ifd()en SBeridjte bc&
A3aufcS ber Slbgeorbnetcn). 83ei ben aSer^anbfungen im ^errenl^aufe (Sigung
D. 16. aJlärj 1875, ©. 122 ff. ber ftenograpi^ifd^en SeridE^te) murbc bie 3tuf^
na^me ber fraglidjen Seftimmung in baö @cfc| cbcnfaDö lebljaft t)ertl^cibigt^
inöbefonberc l;en)orgcI)oben, bafe fic bem praftifd;en 83cbürfniffe unb bem
mirMid^en Sebcn entfpred&e unb ber 2ln{>. § 95 im (Sebietc beö Sanbred^teö
fid^ au6erorbentUd() beroäl^rt Ijobc. Die 3lblel;nung ber Seftimmung würbe ein
bebauerlic^cr ©ingriff in bie ^amilienx)er^ältniffe fein, mie fie liielfad^ auf bem
Sanbe lägen. 3lud^ bie 9legiening trat biefcr Sluffaffung bei. S^ne 93e*
ftimmuug nit^alte nur eine juriftifdE^e gormuUrung beö tfiatfäd^Ud^en 3wftctnbe&
im Oebiete beö Sanbrcd^teö. ^roar trete baö Äinb nad^ bem 31. S. 91. nid&t
in bie gamilic ber 3»utter ein; allein baö Scben {;abe fid^ anbcrö geftaltet
unb me^r 9lüdfid()t genommen auf bie in ber l:f)at oorfianbene ^tutö:^
oerroanbtfd^aft.
3:ro6 biefer gefeggeberifdöen SSorgängc f)at ber ©ntrourf 3lnftanb ge^^
nommen, in bicfcm ^^unfte ber prcufe. aSorm. D. ju folgen. Obgleich nid)t ju
üerfcnnen ift, bafe cö in fielen gällen bem praftif^en Sebürfniffe unb ben
©cftaftungen beö Sebenö entfprid^t, wenn ber SJatcr ber unel)clidi)en ÜRutter
bie 9Sormunbfd)aft über feinen une^clid^en ©nfel fü^rt, fo ift bod^ neben ben
oben bercitö Ijeroorgel^obenen Sebenfen, meldte überhaupt gegen iebc gefeglid^e
SJormunbfd^aft namentfid^ bann fid^ ergeben, toenn an ©teile beö gefefelic^en
93ormunbeö ein anberer SJonnunb beftellt werben fann, anbererfeitö ju berüd:^
fid^tigen, bafe in ni^t minber jaljlreid^cn gällen bie f)ier fraglid^e gefeftlid^e
aSormunbfc^aft feine auöreid^enbe ©arantie für bie gehörige ^^Sflcge unb ©r^
jietjung beö unel^ctid&cn ilinbeö bietet. 3^^^^ f^^^ ^^^ a3ormunbfd^aftögerid)t
na^ § 12 3lbf. 2 ber preu§. SJorm. D. ieberjcit einen anberen SBormunb be*
ftellen; altein nur feiten wirb baöfelbe weranlafet werben, oon biefer 93efugni&
überfiaupt ober bod) redE^tjeitig ©cbrauc^ ju machen, ba eine gerid^tlid^c 33er-
p^id^tung beö gefeglid^en SSormunbeö nid^t ftattfinbet unb ber legtere auc^ im
Saufe ber SBormunbfd^aft mit bem SBormunbfd&aftögeri^te nur wenig in ge*
fd()äftlid^e SBerü^rung ju fommen pflegt. 3"^^^ unterliegt and) ber gefefetid^c
aSormunb ber Slufftd^t beö SBaifenrat^eö; inbeffen fommt eö bod^ nur ju leicht
Dor, ba6 bcffen Sj:i^ätigfeit ftd^ wefenttid^ nur auf bie bei bem SSormunbfdjaftö^
gerid^te wirtlid^ geführten aSormunbfc^aften bef^ränft, weil eö bei ber gcfefe*
lid^en 93ormunbfd^aft regelmäßig an äuj^eren SInregungen jur ^uöübung ber
3lufftd()t mangelt. Snöbefonbcrc gerät^ bei einem 3Bcd^fel beö Slufent^altö^
ortcö bie f|ier in Siebe ftc^cnbe gefefelid^c aSormunbfd^aft leichter in 'Ber*
geffen^eit, ba eine regctmöfeige Äontrolc oon ©eiten beö SBormunbfd^aftögcridfiteö'
über bicfclbe nid^t gcfül^rt unb eine SBenad&rid^tigung an ben SBaifenrat^ beö
neuen 9lufentl)a(töorteö bal^er regelmäßig unterbleiben wirb. 3"^^^*^ f^"" ^^
Sebürfniffc aud) baburd) genügenb JWed^nung getragen werben, baß bem mutter^
1038 Sormunfcjd&aft. Stttöemcine S3eörünbunG. (§§ 1633—1748.)
lid^cn Orofeoatcr ein Doräugörocifeß 2lnrc(^t auf Ucbcrtragung bcr SSormunb^
f^aft buxä) ba^ aSormunbfdöaftögerlc^t eingeräumt wirb (§ 1635 Slbf. 1 9Jr. 4 ;
oergl. aber baneben § 1637 9Ibf. 3). ©nDägt man, bafe bie Stellung beß
33ormunbeß nac^ ber prcufe. aSorm. D. unb nac^ bcm ©ntrourfe im SSergtcid&c
jum 21. S. SW. eine erfieblid^ felbftönbigere ift, baß ferner ba^ unel^elic^e Äinb
nad^ bem ©ntrourfe (§ 1568) red&tlid^ ber mutterlid^en gamilic angehört, fo
ift auc^ bie Sefürd^tung unbegrünbet, baß bie (ginmifd)ung beß aSormunbfd&aftß-
geric^teß auf bie aSer^ältniffc bcö unel^elid^en Äinbeß ju bcr mfitterlid^en
gamilie, mic fie tl^atfäd)Ud) im Sehen ^x6) geftaftct l^aben, fc^öblid^ cinroirfen
möcbte.
<se|c*ii($e 3m Stnfd^tuffc an ä^nlic^e SBorfc^riften beß franj. 3led&tcß (oergl. aud^
^'mn^" öfterr. ^ofbefrct t). 17. 2tuguft 1822; Ijamb. SSorm. D. 9lrt. 9) ^at bie preufe.
beft «nfiait8*s8orm. D. § 13 ferner bie Seftimmung aufgenommen, bafe über einen
3Rünbel, meld&er in eine unter aSermaltung beß ©taateß ober einer ©emeinbc«
bcl^örbe ftel^enbe äJerpftegungßanftalt aufgenommen ift, biß ju bejfen ©rofe-
jä^rigfeit ber 33orftanb ber Sinftalt bie Siedete unb ?JJfIid^ten eineß gefejüd^cn
aSormunbeß l^at, folange baß 33ormunbfd^aftßgerid^t nid^t einen anberen SBor*
munb beftcUt. 6ß lägt fid) in S^^if^l jic^en, ob eine berartige SSorfd^rift
iiberl^aupt hnxi) ein Sebürfnife geboten ift. 2lud) bie 9lngemeffen^eit einer
fold()en aSorfc^rift lägt fid^ namentlich t)on bem ©efic^tßpuntte a\i& beftreiten,
bafe baburd) anomaler 9Bcife eine 33el^orbe bie Stellung eineß SSormunbeß
erlangt unb bamit ber Sluffid&t beß aSormunbfd^aftßgerid&teß unterftellt mirb.
9luf bcr anberen Seite mu§ inbcRen angegeben roerben, baß mit jener S8or=
fd^rift aud^ praftifd^e SSort^eile Dcrbunben finb. Snßbefonbere ift eß alß ein
©eroinn ausuferen, ba\i biefelbe bie Seftellung befonberer SBormünber für bie
in eine aScrpflegungöanftatt ber ^ier fraglid^en 2lrt aufgenommenen SDMnber-
jäfirigen unnot^ig madf)t unb baburd^ bie anberrocite SSermenbung einer großen
3a^l t)on ^riüatperfoncn im SBormunbfc^aftßbienfte ermoglid^t. 3lud^ fann
bie aSorfd^rift infofern mof)tt^ätig mirten, alß baburd^ ber ©influfe ber bi^r
fraglid^en 2lnftaltcn auf if)re 3ögli"gc, namcntlid) für bie ^üt na6) bcm
Slußtritte berfelben auö ber 9lnftalt, geftärft unb bie aScrbinbung ber 9rnftatt
mit ibren 359li^9^>^ ^^^^ f"^ i^»^ 3^it i" mirffamer SBeife aufredöter^alten
mirb. (Segen bie gänjlidjc Unterbrüdung bcr Seftimmung fällt ferner
befonbcrß inß ©emi^t, bafe biefelbe in bem großen ©ebiete bcr prcuft.
aSorm. D. geltenbeß SRed^t unb auf i^re Slufna^me in bie le|tere fomoijl
von Seiten ber f)icr in Siebe ftcbenbcn 3lnftalten alß oon Seiten beß
preufe. Sanbtageß SBert^ gelegt morben ift, Uebetftönbe aber, fot)iel befannt,
in Preußen aM jener ajorfd^rift fid& nid^t ergeben l)aben. Unter biefen Um«
ftänben muß man Sebenfen tragen, jene äSorfd^rift ba, wo biefelbe gcgenroärtig
JU Siedet befte][)t, §u befeitigen. 3lnbererfeitß ift eß aber auc^ bebenflic^, bie*
felbe in foldbc Oebietc, metdben eine berartige 93eftimmung gegenroärtig frcmb
ift, rcid)ßgcfe|lid) neu einjufübren, ba fid^ nid^t überfe^en läßt, ob bie ©in-
rid^tungen ber Ijier fraglid^en 9Inftalten in allen Sunbcßftaaten ber 9[rt finb,
bag bie Uebertragung ber Dormunbfd^aftlid^en ^flid^ten unb 9ted^te auf ben
9lnftaltßüorftanb einerfeitß obne ©cfäl^rbimg beß 3nterejfeß ber SDlünbel,
anbcrcrfcitß im ^inblitfe auf bie fonftigen bem 9tnftaltßüorftanbe obliegenben
Scrmimbfctaft. Stnöemeiitc 5Pcorfmbuno. (§§ 1633—1748.) 1039
amtUd^en ©efd^äfte o^nc ©efäljirbung beö öffcntlid^en Sntcrcffeö, bc§ öffent^
fi^en ©ieuftcö erfolgen tarn, ®aju fommt, bofe bic eiurid^tuugeu ber
aCnftaltcn unb bic Seftimmung ber' Slrt unb beö Umfongcö bcr ben öeamten
berfelbcn ju überroeifenben ©efd^äfte bem öffentlid^en SWed^te angel^örcn, o()nc
jroingenbe praftlfd^c ©riinbe aber ein eingreifen in ba§^ öffentlid&c SRed^t bcr
ciniclncn Sunbeöftoatcn fid^ nid^t red^tfertigcn läfet. 83ei biefer ©ad^fagc er^
fd()cint eö als ber paRcnbftc Stuöroeg, ben Sanbeßgefefegcbungen bur(^ ben
in ber Slnm. ju § 1634 bejcid^ncten, ben Seftimmungen ber preufe. SBorm. D.
§§ 13, 26 3lbf. 4 Derb, mit § 41, § 62 9lbf. 2 fid^ anfd^Iiefeenben aSorbel^oIt
im einfüJ^rungögefcgc 9laum ju laffcn. a)ic nftfierc ^egrünbung ber bc*
treffenben SBorfd^rift im einselnen ift b^n Sllotioen jum ©infft^rungsgcfc^c
x)orbcf)a(ten.
VIL
Sic^erftellung beß 3KfinbcIö gegenüber bem 33ormunbc.
®emcinred^tlid& ift icber SBormunb bei Uebernal^me ber a3ormunbfd)aft oeitenbe«
rcrpflid^tet, bem SRünbel burd& ^ßfanbred^t ober S3ürgcn ©id^erl^cit ju leiften. "**^*
daneben fte^t bem aKünbcI ein gefe|lid&es ^JSfanbrcd&t an bem gefammtcn
SSermögen beö SBormunbeö unb ein Privilegium exigendi wegen oHcr aus bcr
^ormunbfd^aft fid^ crgebenben gorbcrungcn ju.
S)aß gefefelid^e ^fanbrcd^t bcs SDlünbelö ift iebod& burd) bic neuere ©cfeg-
gebung, meldte gefcßUd&e 5)Jfanbred^te rcgcfmäfeig überfiaupt nid^t !cnnt, faft
überall befcitigt (Dcrgl. inöbej. prcufe. SSorm. D. § 32 SÄbf. 6) unb bem üßünbet
nur ein perfönlid^eö SBorjugörcd^t im ftonfurfe über baö SBermögen beö Sßor-
munbeö megen feiner gorberungen aus ber tormunbfd&aftlid^en aSermaltung
eingeräumt. Slbmeic^cnb von ben beutfd^cn ©cfcßgebungen gemalert bagcgen
bas franj. 9lec^t bem 3)iünbel jmar fein SSorjugSred^t im Jlonfurfc, aber eine
(jcfcglid^c ^x)potf)d am unbemeglid^en aSermogen bes SBormunbeS mit bem Sc*
ginne ber SSormunbfc^aft (code civil Slrt. 2135 5Rr. 1, Slrt. 2137, 2141—2143;
t)ab. £. S». Safe 2135 3lx. 1, ©. 2137, 2141—2143). Sie beutfd)C Äonf. D.
§ 54 3lx. 5 (ocrgl. baju ©ntfd^. b. 91. ®. in ©ioilf. XVII, 10) l)at allgcmciu
ben gorberungen ber 5ßflegebefol^lcncn bes ©emeinfd^ulbners in Slnfel^ung il)rcö
{jefcfelid^ bcr aScrmaltung besfelben unterroorfenen 93ermogenS ein aSorjugSrec^t
beigelegt; boi) ftel)t ilincn bas Sßorjugsred^t nid^t ju, wenn bie gorberung
nid^t binnen jmci 3ctl|rcn nad& SBecnbigung bcr aSermögenSDcrroattung gerid^tücö
flcltenb gemad^t unb bis jur ©roffnung beS ÄonfurSDcrfal^rcns ijcrfolgt morben
ift. S)as preufe. SluSf. ©ef. jur Äonf. D. t). 6. SDiärj 1879 § 8 ^at bicfeö
^^orjugSrcd^t auf bicienigcn gällc ausgebe^nt, in meieren aufeer^alb bes fton?
fursuerfo^rcns eine Scfricbigung perföntidöer ©laubiger nad& bem 9iangc bcr
gorberungen ftattjufinben f|at.
3n Slnfcl^ung ber Söerpflic^tung beS SSormunbeS jur ©idöerl^citsleiftimg
^abcn bie neueren ©efeßgebungen ücrfd^icbcnc SBcge eingefdt)lagcn.
©in Zf)Q\l berfelbcn f)ätt an bem ©runbfagc bes gemeinen SRcd^tes feft,
ia^ ber SSormunb jur Sid^er^eitsleiftung Dcrp^idtitet ift. Snsbefonberc bc«
ftimmt bas preufe. 91. S. 91. II, 18 §§ 424 ff., bafe bcr SBormunb nac^ SSer^
1040 SScrmimbf^aft. 9taoemcmc Scörünhmo. (§§ 1633-1748.)
f)älin\^ bcßicnigcn 2^f;cilcß bcö SScrmogcns uiib bcr ©Infimftc, roeld&en er üou
3cit äu 3cit in ^änbcit bcl)ält, b\ix6) 93ürgcn ober 5ßfönbcr ober bur(^ gerid^fc^
lx6)t ©intragung auf Orunbftiitfc Äaution bcftcHen muß; bod^ fann fein 3ior^
munb roiber feinen SBillen angel^olten werben, bie erftc ^älfte bcö 9Bertr)c&
feiner (3runbftucfc mit einer foId)en Äaution ju befaftcn. 9luögemitteltc
2)efefte fönuen auf bie unberoeglid^en Oüter beö SSormunbeß ouc^ ofine beffen
3uftimmung eingetragen roerben (II, 18 § 296). grei oon ber Äautionöpflic^t
finb bie vom bcm (Srblaffer beö aÄünbelö ernannten SJormünber, bis fie bem
©erid^tc bebentlid; werben. 5lud^ anbere 33ormünber, ipeld^e Äaution iu (eiften
nid()t im ©tanbe ftnb, fönnen, wenn fie fonft in bem SRufe unbefd^oltener
9leblic^!eit unb orbentKdfter SBirtl^fd^aft ftel^en, bcnnodj als aSormünber beftellt
imb beibehalten werben. 3n foId)cn g-öllen fud^t baö (Sefeft ben SJtangel ber
Äaution burd^ anbere bcfonbere Äautelaroorfc^riften ju erfefeen (II, 18 §§ 433
bis 437).
^^ad) bem fäd()f. ®. 33. § 1902 I)abcn bie aSormünber, foweit fie roertl)*
DoUc beweglid^e 93ermögenögegenftanbe i^reö 5ßpegebefol)fenen in bie ^anbc
betommen ober (Selber einnel^men, meldte ben ungefähren S3etrag ber iä^rlid^cn
Sluögaben fiir i^ren 5ßf[egebefof|Iencn flberfteigen, eine nad& rid)terli(^em ©r?
meffen ju bcftimmenbe ©id^erfjeit ju leiften. ©oweit ber SSormu nb ©id)cr^eit
JU befteUen oerbunben ift, !)at ber 3Kflnbel fraft beö (Scfefeeß einen 2:itcl jur
Grmerbung einer öqpot^ef an ben Orunbftüdfen beö aSormunbeö (§ 1902
Safe 4, § 392). 3m Ucbrigen fann bie ©id^erl^citöleiftung nac^ SBaf|I beö
aSormunbeö burd) Hinterlegung einer ®elbfumme, Uebergabe eineö "S^^uft-
pfanbeö ober in ermongelung biefer ©id^erungömittet aud^ burd& tüd^tige
Bürgen erfolgen, ^at ber aSormunb gorbcrungcn an feinen ÜBüubel, fo fann
er aud) bamit ©id&erl^eit leiften (§ 1902 ©afe 3, §§ 136—138). ©aben bie
Gltern beö 3)iinberiä^rigen bem SSormunbe bie SeftcBung ber ©id^crfieit
crtaffcn, fo fann biefelbe, fofern m6)i S3cbcnfen entgegenftel^en, unterbleiben
(§ 1902 ©afe 2). Unter biefer «orauöfefeung ift and) bie SKutter alö SSor*
mflnberin i^rer Äinber oon ber 'iJerbinbtidtifeit jur ©id&er^eitöleiftung frei
(§ 1905).
2^aö bai)r. 9ted)t Ijat jroar bie SBerpflid^tung beö Sormunbeö jur ©id^erljeitö*
leiftung im SlUgemeincn befeitigt, geroSljrt aber bem SRünbel wegen aller auö
ber geführten aSormunbfd^aft begrünbeten gorberungcn einen gefefelid^cn 3^itcl
jur Seftellung einer ^^potfief an ben Immobilien beö SSormunbeö, unb jwar
mit einer Summe, beren Setrag bem SBert^e beö in ben ^änben beö SSor^
munbeö Derbleibenbeu beweglid^en aSennogenö entfprid()t 9iur bei ga^rläffigfcit
beö aSormunbeö fann eine ©rl^öfiung biö ju bem Setrage ber ju terrcd^nenben
©infünfte für bie ^x6) ergebenben 2)efefte erwirft werben (bai)r. Hi)pot^cfengef.
V. 1. 3uni 1822 § 12 9Jr. 5, § 22; t)ergt. aud& baDr. ©ntw. ärt. 69).
©inen gefcfelid)en J^itel auf Seftellung einer ^wotl^ef an ben gntmobilien
beö aSormunbeö gewähren bem SBlünbel alö Siegel ferner baö altenb. ®ef.,
bie ®runb unb §i)pot^efenbüd()er betr., o. 20. 3iooember 1858 § 36, baö ®ef.
für 9ku{3 j. S., bie ©runb^ unb $i)pot^efenbüd^er betr., v, 20. 5Rot)ember 1858
§ 36, baö ®ef. für ÜReufe ölt. 2., bie ©runb^ unb »^gpot^efenbüd^cr betr.^
t). 27. 'gebruar 1873 § 38 unb baö mcining. ©ef. v. 15. 3uli 1862, betr. bie
SSormimbf^aft. Mflemeinc SSeörünbung. (§§ 1633—1748.) 1041
Slntcgung von ®runb:= unb ^ijpotl^efcnbüd^crn, 3lrt. 15 (oergt. aud^ l^cff. ®ntro. IV
Strt. 41 ; onbcrö boö ^cff. ©cj. über boö ^Pfanbrcd^t d. 19. aWai 1858).
3la6) einer anberen ©nippe von IRtäjttn ift bie aSerpflui^tung beö SBor^
munbeö jur ©i^erftellung von bem ©rmeffen beö aSormunbf^aftögerid&teö ob*
I)fi«9i0 gemadfit (oergl. preufe. 93orm. D. § 58 ; \6)Xoaxih. rubolft. ©ef ., betr. bie SBer*
beRerung beö ^ppot^efenwefcnö, v. 6. 3uni 1856 § 16; olbenb. ©efe^e d. 3. 3lprU
1876, 28. 3anuar unb 19. aWärj 1879 ärt. 3, 4). Snöbefonbere beftimmt bie
preufe. S3omt. D. a. o. D., ba§ SJormünber, roeld&e ein erl^ebüd^eö SSermogcn ju
üerioalten ^aben, von bem 93ormunbfc^aftögerid)te jur Seftcllung einer ©id^er*
fielt angehalten werben tonnen, beren 2lrt xmb Umfang nad^ rid^terlid^em (Sx^^
meffcn beftimmt wirb. SBer jur Stellung einer foldt)en ©ic^er^eitöleiftung an?
gehalten wirb, fann iebod& bie Uebernal^me einer aSormunbf^aft ablehnen
bejro. feine (Sntlaffung als aSormunb üerlangen (§ 23 3?r. 6, § 63 3lbf. 2).
S)ie @ltern beö ÜWunbels ftnb bered^tigt, ben von i^nen benannten 33ormunb
Don ber 5ßflid&t jur Sid&er^eitöleiftung ju befreien; bie Befreiung fällt aber
meg, menn Umftänbe eingetreten finb, meld&e nad^ bem ®rmeifen beö 93or*
munbfd&aftßgerid&teö eine ©idfier^eitslciftung not^roenbig mad^en (§ 59 Stbf. 1, 2).
^rner finb ber SBater, bie aJlutter, ber (Seemann unb bie ©rofecitern als
^ormünber unb ber ©egenoormunb üon ber ^ßflid^t jur ©id^er^eitdleiflung
frei (§ 59 3lbf. 3).
(Sine britte ©ruppe t)on ?led)ten ^at bie SSerpflid^tung bed SSormunbeö
5ur ©id&er^eitsleiftung gänjli^ befeitigt. ®ö ift bieö inöbefonbere ber gall
nac^ franj. SRec^te, meldficö [eboc^ nad^ Dbigem bem SRünbcl eine gefe|Ud&e
^qpot^cf au bem unbemeglid^en SSermögen beg iSormunbed gemö^rt, nac^ bem
öfterr. ©. 33. § 237 (fofange ber SSormunb bie burd^ baö ©efefe jur ©ic^erlieit
beö SBermögenS befte^enben SBorfdfiriften genau beoba^tet unb jur gehörigen
3eit orbentlid^ Sled^nung legt), femer nad& ben l(ianfeatifd^en SBormunbf^aftö'
orbnungen unb bem roürttemb. SWedf)te. "^ad tefttere geroäfirt inbeffen bem
aWünbel wegen liquiber Stec^nungöbefette einen gefe^lid&en 5ßfanbredt)tÄtitel
(toürttemb. 5ßfanbgef. v. 15. aipril 1825 3lrt. 37).
5Reben ber ©id^er^eitölciftung bejro. ald ®rfafe berfelben l^at in ben
neueren beutfc^en ©efegen — im ©egcnfafee jum franj. SRed&te — bie hinter?
tegung üon SBertl^fad^en, inöbefonbere üon SBert^papicren beö SWünbete, aU
ein SKittel jur ©i^erung beö lefeteren bie meitefte SBerbreitung gefunben. 9llö
roeitereö ©id^erungömittet ift in neuerer 3^^* bie Umfdf)reibung geroiffer, jum
SKünbeloermögen gel^orenber ©d^ulboerfd&reibungen ouf 3nl(iaber auf ben
5Ramen beö 2Rünbelö im ©taatöfc^ulbbud&c ^injugetreten. 3n biefer Scjie^ung,
fomie in 9lnfe^ung ber bie Hinterlegung betreffenben SSorfd^riften beö geltenben
9ledt)teö, mirb auf bie SWotioe ju § 1670 ocrroiefen.
Der ©ntrourf gel)t im SKnfd&luffe an bie preufe. SBorm. D. baoon auö, etanbpuntt
ba§ bem SKünbcl roeber ein gefcglidfieö ^fanbred^t an bem SBermögen, inö* entwürfe«.
befonberc bem unberoeglid&en 33ermögcn, beö 93ormunbeö nod) ein gefeßUd&er
2^itel jur ©rrocrbung einer ^r)poÜ)d juftetien, bem 93ormunbe au^ eine SBer*
pflic^tung jur ©ic^cr^citöleiftung regelmäßig nid^t obliegen foH. ©in gefeg*
lic^eö ^^}fanbred)t beö SKünbelö fann fd^on nac^ bem bem ©ntmurfe ju ©runbe
gtotioe {. Mrflcrl. Oefe^buc^. lY. 66
1042 gSormunbfSaft. Stagcmcinc »cöcunbunß. (§§ 1633—1748.)
licgcnbcn ^ßublljitäteprinjipc nid^t in grogc fommcn. Slber oud& gegen bie
Snerfennung einer unbebingten 93erpfli(i)tung bcö 3Sommnbcö jur ©id^cr^citÄ^
leiftnng, foroie gegen bie SÄnerfennung eine« gefeftlic^en ^^potl^efentitete fpred&en
übenoiegenbe ©rünbe. Der Staat ^at allcrbingö bie 5ßflic^t, bie aWinber*
jäl^rigen unb anbere ju beoormunbenbe 5ßerfonen ju fc^üfeen, unb ift bered^tigt,
ju biefem 3^^^*^ ^i^ ©ienfte feiner Sürger in 9lnfprud& ju nel^men. 2)er
ßinjelne fann fid^ nid^t weigern, bem ©enteinroefen ju biefem @nbe bie
erforberli^cn Opfer an S^it unb SWül^e unentgeltlid) jn bringen, nnb ber
Staat ntu§ il^n nöt^igenfallö jroingcn fonnen, bieö jn t^un. ©ine ganj anbere
grage ift, ob ber Staat roo^Itl^ut ober au^ nur bcred^tigt ift, von feinen
3lngel(|örigen neben i^ren perfonlid)en ©ienften nod& Opfer an i^rem SJermögen
ober, road bem glcic^ftel^t, an i^rem Ärebite ju f orbern, roa« gefc^ic^t, wenn
man fie nöt^igt, eine Kaution 5u beftellen. 2luf bie ÜJlöglid&fcit einer Sid^er*
Ijeitölciftung burd^ SBürgfd^aft ift bei ben gegenwärtig l^errfd^enben Sin*
fc^auungen unb ©ewobnl^eiten in irgenbweld^em er^eblid^eren Umfange nid^t
ju red^nen. ®ö bleibt bed(;alb lebiglic^ bie Sid^er^eitdleiftung burd^ gauft-
pfanb unb burd^ ^ppotl^ef, unb, ba bie erftere bod^ nur audna^mdmeife moglid^
fein wirb, oorjugöroeife bie Sic^er^eitöleiftung bur^ §qpotl&ef in grage. S)ic
Si^er^eitölciftung erfolgt mitl^in regelmäßig auf Soften beö Ärebiteö beö SBor*
munbeö. S)ie alte gemeinred^tlidf)e OeneraH^^potl^ef mad&te ftc^ in biefer
^inftd&t weniger fühlbar. 3e mtf)x aber baö ^rinjip ber offentlicbcn Spejial*
I)Ppotl^ef fid^ entroidfelte, um fo augenfälliger unb empfinblid^er mußte bas bem
aSormunbe in biefer SWid^tung in ber S^^at angefonnenc rermögcnßrec^ttic^e
Opfer werben. S)aö praftifd&e preuß. ä. S. 91. I^at bicfe ^ärte bereits erfannt
unb beö^alb beftimmt, baß bem SBormunbe wenigftenö bie erfte ^älfte beft
aSert^efi ber ©runbftüdfe frei bleiben muffe. SKeinlid^ beftimmt ber l^eff.
(Sntw. IV Slrt. 41, baß burd^ bie Äaution baß licgenfc^aftlid^e SBermögen beö
93ormunbeö nur biß ju einem Drittel bcfc^wert werben bürfe. OTein aud&
mit fold^en (Sinfd&rönfungen wirb bie ^ärte beft bem SSormunbe auferlegten
Opfcrß nur gemilbert, nid^t aufgehoben. Die Äautionöpfli^t bleibt unter oDen
Umftänben eine mit SRüdfi^t öuf if)^^ SSertl^eilung auf bie Untertl^anen üoltig
prinjiplofe, weil oon reinen S^föDigleiten abl^ängenbe, SBcrmögenßfteuer.
3lußerbem bilbet [le, inbem fie t^atfäc^li^ nur ben ©runbbcfiler trifft —
bcnn nur an ©runbftütfen unb ben bcnfelben na^ § 781 gleid^gefleDten S3es
rcd^tigungen fönnen ^^potliefen bcftellt werben (§§ 1062, 1125) — , il^rcm
©rfolge nad& eine einfeitige ungerechte Sclaftung beß ©rnubbefi^eß gegenüber
bem beweglichen Kapitale. Slnbercrfeitß f)ai eß wenig Sinn, gcrabe. Don bem
©runbbefiöer Sid^erfieit ju verlangen; benn an unb für fid& gewö^rt,
wenigftenß in Oegenben mit nic^tt)crfd^ulbetem (Srnubbefi^e, ber festere alß
fol^er bem SRünbel tliatfäd^lidb bie bcfte Sid^er^cit. UnterfteDt man ober
einen unjtd^cren, b. 1^. überfd^ulbeten ©runbbeftfeer, fo bot bie biefem on*
gcfonnene ^ppotl^ef für ben SKünbel wenig SGBert^. Dies wirb wenigftenß als
Siegel üoraußjufe^cn fein, wobei bie SJlöglid^feit jablreid^er 9lußnabmen felbft«
ücrftönblic^ anertannt werben muß. 3Jlan wirb aber um beß praftifc^cn
Sinkens willen, weld&er in Slußna^mefäüen bem SWünbel auß ber ^ppot^t
allerbingö erwad^fen fann, eine on fid^ i)olföwirtl)fd^aftlid& rerwerflid^c ©im
ajormunbf^aft. gtagemeine Segrünbung* (§§ 1633-1748.) 1043
rid&tung nid&t treffen bürfen. ®in ftaatebfirgerlid^ed ©l^renamt mit Sw^ongö^
pffid^t iur Uebemal^me ift mit einer Äoutionöpffid^t nid^t vereinbar.
3n biefem ©inne i)at aud^ ein Stttbcilungöbefdölnfe beö jroölften beutfd&en
3uriftentaged einftimmig ftd^ ouögcfprod^cn (aSerfianbt. S3b. 3 ©. 100, 114),
unb ju bemfelben Stefnltate ift im Soufe ber Seratl^ung auä) bie preufe. 93orm. D.
gelangt.
©anj onberö liegt bie ©a^e in fold^en göUen, in roeld^en ed fx6) um
83ormünber ^anbclt, meldte bie 33ormunbf(^oft nid^t übernel(imen, um il^rer
S3ürgerpflidt)t ju genügen, fonbern roeld^e felbft SRed^te auf Uebcrtragung ber
83ormunbfd^aft in Sttnfprud^ nel^men ober bod^ gemillt finb, bie 33ormunbf^aft
freimiDig ju behalten. Sinnen gegenüber fann man ben Sntereffen beö äRünbelfi
in erfter Sinie SRedbnung tragen unb i^nen unbebenKid^ bie ^ßflid^t auferlegen,
ba, roo baö S3ebürfni§ es forbert, eine ©id^erbeit i^u befteDen.
5Äuf @runb bicfer ©rmögungen bcftimmt ber (gntmurf (§ 1689), ba§
baö 33ormunbfd^aftßgerid^t nur unter bcfonberen Umftänben anorbncn fann,
bafe ber SBormunb megen bcfi feiner SBermattung unterliegcnben 3Sermögenö
beö aWünbctd biefem ©id^crbeit ju leiften b^be, ba| aber in einem folcben
galle ber SSormunb bie Ueberna^me ber SBormunbfd^aft abjulebnen bejro. feine
©nttajfung als aSormunb ju verlangen bered^tigt fein fotl (§ 1643 3h. 6,
§ 1706 Slbf. 2). ®eroiffe SSormünber fmb, menigftenö ate Siegel, aud^ von
ber 5ßfli*t, in ©emöfe^eit beö § 1689 ©i^erbeit ju leiften, befreit (§§ 1692,
1694, 1733). 35ie gegen eine fol^e Siegelung t)om ©tanbpunttc beö Sntereffeö
bed SRünbeld aud ju erl^ebenben praftifd^en ^ebenlen erlebigen ftc^ indbefonbere
burdt) bie 93orfd&riften bed ©ntrourfeö über bie Slnlegung ber SKünbelgelber
(§§ 1664—1668) unb über bie ^interlegungdpflid^t (§§ 1670—1672) in SBer^
binbung mit ben SBorfd&riften über baß ©rforberntfe ber ©ene^migung beö ®egen«
Dormunbes bejm. beö SSormunbfd^aftdgerid^ted )u Sled^tdgefd^äften beg fßov^
munbcd, burc^ meldte berfelbe über bie bem SJlünbel }ufte^enben Slnfprüc^e
ober über bie binterlegten ©egenftönbe tjcrfügt ober burd^ meld&e eine SSer^«
pflicbtung ju einer fold&en 93erfügung begrünbet werben foU (§ 1668 3lbf. 2,
§§ 1669, 1671, 1672, 1674 5Rr. 2). ®aju fommen bie bem SSormunbfc^aftö^
gerid^te fraft feines Sluffid^töred^tcö beigelegten 83efugniffe, inöbefonbere bie
SBefugnife, gegen 5ßflid^troibrigfeiten burdt) geeignete ©cbote ober Sßcrbote ein^^
jufd^reitcn (§ 1684), femer bie Slontrole burd^ ben ©egenoormunb (§ 1654) unb
baö bem SWünbel burd^ § 54 9lr. 5 ber Sonf. D. im Ronlurfe über baö
33crmogen bcö SBormunbeS beigelegte SJorjugörecbt.
vin.
^ßflegfd^aft im ®egenfafee jur SSormunbfd^aft.
93on grunblegenbcr 93ebcutung für baß im ©efegbudfie aufjuftellenbe
®i)ftcm beß 35ormunbf^aftßrcd)tcß ift ferner ber (Segenfaß jmifd^en Sormunb*
fd)aft unb ^flegfdfiaft. 2)cr ®egcnfa| felbft pnbct ^\d) in allen ©cfeßgebungen,
locnnglcidf) bie gorm, in loeld^cr er crfd^cint, unb bie 3lrt ber ©urd^fü^rung
eine ucrfdjiebcne ift.
66*
1044 gSormunbfdjaft. aHocmeinc Scßrünbunö. (§§ 1633-1748.)
»efen ber 3^rcm SBcfcu Tiad^ ift bic ©pcjiolfuratcl nid)t tninbcr SBormunbfd^aft^
$fiegf(^ft. j^.^ j^.^ allgemeine aSonniinbfd^aft. ®icö ift nid^t nur bcr galt naö) benicnigeii
Siedeten ^ n)e[d^e^ n)ie bad röm. Siecht ^ bieö fc^on äugerlid^ baburd^ befunben,
bafe fte für beibe l^icr in JRcbe ftel^enbe SSer^ältniffc bcnfelbcn 9}amcn (cura^
gSormunbfc^aft) gebraud^cn (oergl. fäd^f. ®. 33. § 1883;,n)eimar. (Sef. o. 27. a»ätj
1872 §§20, 21), fonbern aud^ nad& ben SReditcn, roclc^c mit SRütfric^t auf
gemijfe allerbingß obmaltenbc, aber roefentlid^ nur ben Umfang ber ®efd^&fte
bejiclenbe Unterfd^iebe bic befonbcre SSormunbfd^aft nid^t mit bem 3lamcn
5Bormunbfd&aft, fonbern mit einem anbcren 5Ramen (Äuratel, 5ßflegfd^aft, ®üter*
pflege) bejcic^nen (t)ergl. preufe. ä. S. SR. n, 18 §§ 953, 956 ; öften\ ®. ».
§§ 228, 282; preufe. SSorm. D. § 91; l^eff. (gntn). IV Slrt. 66; ba^r. ©ntio.
Slrt. 4, 117). 9lad^ allen corftel^cnb angeführten ©efcfegcbungörocrfen finbcn
auf ben ©pejialfurator innerl^alb bed il^m 5ugen)iefcnen älmtöfrcifeö bie für
ben orbentlid^en äiormunb geltenben Sorfd^riften älnmenbung, fotoeit nid^t im
®in5elnen auöbrüdflid^e 9luönal^met)orfd^riften gegeben finb, unb bie lefcteren,.
wenig ja^treid^, mie fte regelmäßig finb, bejie^en fic^ immer nur auf öufecr*
Hd^e, bad SBefen ber Dormunbfd^oftlid^en Stellung uid^t berü^renbc fünfte.
S)er begriffliche ®egenfa| ber ^flegfd&aft jur 5Bormunbf^aft ift lcbiglid(^
ber bed Sefonberen jum SlUgemeinen. 2)ie 93ormunbfd&aft, meldt^er in biefcr
9e}ie^ung bie elterlid^e ®emalt, fofern bie le^tere nid^t auf bic elterliche
Slufeniefeung befc^ränft ift, glcid^fte^t, bejmedt prinjiplell bic allgemeine ^ür*
forge fomo^l für bie ^erfon alö ba^ SSermogen, fomol^l nad^ ber t^atfäd^lid^en
©eite, alö nad^ ber ©eite ber 93ertretung l)in. 3)agegen finb bic Sefugniffe
beö Pflegers begriff lid^ auf befonbcre Slngelcgenl^eiten, fei es auf cinjelne
ober auf einen beftimmten Äreiö t)on Angelegenheiten, bef darauf t. ©olonge
bic elterlid^e ®emalt ober bie aSormunbfd)aft bcftel^t, bleibt fie begrifflid^ ba&
allgemeine Sfledjtßoer^ältniß , aud^ wenn bie tjormunbfd&aftlid^e gürforge für
cinjelne 9lngetegenl)eiten audgefd^icben unb einem Pfleger übertragen ift
(oergl. § 1650). 3ln fid& ift eö immer ber SSormunb, mcld^cm bie SJcrmut^ung,
allgemeiner 9lepräfentant beö ÜJlünbelß ju fein, jur ©eite fte^t. dagegen
fte^t bem 5ßfleger biefe SSermut^ung nie jur ©eite, mögen aud^ bie i^m
übertragenen Slngclegen^eiten noc^ fo mid&tig unb umfangreich fein; üielmc^r
ift er immer nur inforoeit bered^tigt, für ben SKünbel ju l^anbeln, als auß bcr
ücrftänbigen Slußlcgung beö il^m alö 'ißfleger jugemiefcncn SBirfungßfreifcö
eine 93efugniß jur 35orna^mc gerabe biefeö ®ef(f)äftcö fid^ ergiebt.
sröit ber t)orfteI)enben SBegriffßbcftimmung ber 5ßflegfd&aft ftimmt im
^rinjipe öucl) bie preufe. SBorm. D. §§ 86—90 überein (oergl. entfd^. b. 31. ®.
in ©iüilf. XIV, 71; 3a^rb. ber ©ntfd^. b. i^ammerger. VI, 21, 28), ebenfo ber
bat)r. ©ntio. 3lrt. 4. Die prcuß. 93orm. D. I^at jeneö 5ßrinjip freiließ nid^t
immer f eftgcl)altcn , j. 33. nid^t in Slnfc^ung ber rormunbfc^aftUd^en gürforge
für ben Slbrocfenben, loel^e fie, obroofil eö fid& babei nur um bic gürforge für
baö aSermögen beö SÄbrocfenbeu Iianbelt, als 33ormunbfd&oft, nid&t alö ^fleg-
fd)aft auffafet, roäfirenb fie anbercrfeitß eine üortäufigc 33eoormunbung eineft
nodf) nid&t entmünbigtcn ®eifteflfranfen nur in ber gorm ber ^Pflegfc^aft ein«
treten läßt (§ 81 9lr. 1 ocrglid^en mit § 90), auc^ roenn im fonfreten galle baft
33ebürfni6 eines ©dbugcß nur für befonbcre 2lngelegen^eiten nid)t angcjclgt
aSormunbWaft. aUöcmeinc Scgrünbunö. (§§ 1633-174a) 1045
ift. 9inerbingö ift cd a\i6) t)om Stanbpunftc bcs ©ntrourfcs quo eine ZiiaU
frage, ob bcr t)orl^onbcnc SRongcl eines 3SonnunbeS ober bie eintretenbe 33e*
^inbcrung bcöfelben baju itot^igt, einen cinftrocUigen SBormunb ju beftellen
(t)ergl. § 1637 3lbf. 2, § 1638 Stbf. 3, § 1737) ober ob nid^t rielme^r mit
9lü(fftc^t auf baö nur für geroijfe Slngelcgen^eiten fül^Ibar roerbenbc Sebürfnife
mit einer ^Jflegfd^aft außjufommen ift (§ 1738 S[bf. 1), ba aud& biefe, mie bie
Säormunbfd^aft, für einen rorübergefienben Sebürfni^fall angcorbnet werben
fann. Mein begriffüd^ fc^Iiefet baö bloß aSorübergel)enbe beö ©d&u|bebürf^
niifcö, fofern baöfelbe im Uebrigen ein allgemeincö ift, eine SBormunbfd&aft
nid^t auft. 6inc 9lu8naf)me ift aus befonbcren ©rünben im 3ntereffe beö 3n*
Iiabers bcr cttcrUd^eu ©cmalt im § 1554 9lbf. 1 nur infofem gcmad&t, atß
auf ®runb einer t^atfäc^Iid^en SScr^inberung beöfelben bie cttcrlid^e ®emalt
ouöjuüben, baö SRul^en ber Ie|tcren unb mithin bie 9lnorbnung einer
33ormunbfd^aft (§ 1633) nur bann eintreten foH, menn bie 5Rot^n)enbig?
feit einer ollgemeincn gürforge für bie ^crfon unb baö 93ermogen ber
Äinbcr roä^renb einer t)orQudfid)tIid^ längeren ^cxt [xä) ergiebt. ^m %aUc
einer t)orauöfi(i)tIid) nic^t [fingeren t^atfä(i)lid^en SSerl^inberung foll bem Sd&ul^^
bcbürfnifje, au^ wenn biefefi an fidf) ein allgcmeineö fein foDte, nur burd^ bie
5Snorbnung einer 5ß{legfd&aft für bie einjclnen Slngctcgcnlöcitcn ober für einen
beftimmtcn Sreiö Don 9lngelegenf)citen genügt werben (oergl. bie 2»otioc ju
§ 1554 oben ©. 820).
Sei ber 83egrifföbeftimmung ber 5ßf(egfc^aft bietet nur ein SBer^öItnife ^»**
eine Sd^ioicrigfcit. 3n faft allen Oefe^gebungen, auc^ in folgen, roeld^e bcmbd'Weut«
®cgenfa|e jn)ifdt)en SBormunb unb ^^^ffcger einen gcfcfegeberifdien Sluöbrucf gc- ,""Ti^ef
geben l^abcn, fommen SSormünbcr t)or, roeld^e genau biefelben gunitionen
^abcn, votlä)t ben Pflegern obliegen. ®ö finb bicö bie SKitoormünber mit ge^
t^eiltcr aSermaltung. @inem einjclnen, }u getl)eilter SScrroaltung beftcBteu
aWitoormunbc fann ein ©efd^äftöfreiö überroiefen fein, mie er genau fo ber
eincö Pflegers fein fonnte. 2lud^ ber ©ntmurf gcl^t baoon auö, bafe bie ÜKög«
lid^feit, mehrere ücrroaltenbe SBormünber in ber Slrt ju beftellen, bafe bie SSor-
munbfd^aft t)on benfelben na6) beftimmtcn SBirfungöfreifen getl^eilt geführt
mirb, icber berfelben ba^er t^atfäd^Iid^ nur bie Stellung eines 5ßflegerö l^at,
nidfit au8gcfd)loffen roerben fann (t)crgl. § 1652 Slbf. 3, 4 nebft SKotiücn). ©ö
brängt fid& ba^er bie t^tage auf, ob unter biefen Umftanben überhaupt ein Se^
bürfnil oordanben ift, ben ^^Jffeger olö eine befonbere Kategorie bem SJormunbe
gegcnüberiuftellen, unb ob nic^t baß ©efefe an ©infad^fieit geroinnen roürbc, roenn
badfelbe nur Don SBormünbern fpräd^e, für biefe ober nad^ Sebürfnife eine Sc«
fd&rflnfung ilirer SBoDmad^t iuliefee. S)aö in golge bcr aW8glidf)feit einer S^^eilung
bcr SBerroaltung unter mel^rcre aSormünber eintretenbe SSer^ältnife f)at inbejfen
nur bie 9iatur einer aus 3"'c^'"fi6i9^itörüdffid^ten 5ugelaffenen Stuönal^me.
®urd(| eine fold&c rereinjelte Sttufina^me vertiert bie Unterfdficibung jroifdjen
33ormünbern unb Pflegern roeber il^re prinjipiellc Scred&tigung, nod) i^ren
praftifd&cn SBertl^. 3n ber le^tercn §infidf)t ift junäd&ft barauf fjinjuroeifen,
bafe bie meiften neueren ®efe|e einen fold^cn Unterfd^icb mad^en, roic man
aud^ in ber gemeinred^tlid^en ^rajid baö Sebürfnife gefüfilt f)ai, bm blofeen
©peiialfurator fpradt)lic^ t)on bem eigentlidt)en 93ormunbe ju unterfd&eiben, roaö
1046 a3ormimbf(]6aft über fWinbcrioJrißc. SSoraußfcfeungcn. § 1633.
übcrcinftimmenb ouf ein üorl^anbcncö praftif(i)cd Scbürfnife ^inrocift, einen
f olc^cn Untcrfc^ieb ju mad^cn. Unb in ber Xf^at ift eö ein praftif^er (Seroinn,
wenn man fd)on am $Ramen erfennen fann, ob bie betreffenbe ^crfon ate
SBormunb im S^ti^d jur aSertrctung beö aKünbete allgemein ober nur ate
©pejialfurator in geroiften Sttngelegen^eiten legitimirt ift. S^bem ift cä an^
gejeigt, in einjelnen 33ejief|ungen für aUe ©pejialoormunbfd^aften befonbere
aSorfc^riften ju geben (§§ 1744—1748).
Äotegorieen Slnlongenb bie einjelnen gälle, in roeld&en nac^ bem ©ntrourfe eine
qjp4fj«ft ^ffcgf^oft eintritt, fo wirb in biefer ^tnfidfit auf bie §§ 1738—1742 unb bie
befonberen 3Rotit)e ju benfelben Sejug genommen (oergl. aufeerbem bie
§§ 1827, 2059). §ier mag nur ^en)orgef)oben werben, bafe nad^ bem ©nt-
rourfe ber Orunb für bie elterlid^e Oeroalt ober für eine 33ormunbfd^aft immer
jugleid^ einen ®runb für eine ^flegfd^aft bilbet, menn wegen Unjuläuglid^feit
beö allgemeinen elterii(i)en ober üormunbfd&aftlid^en ©d^ußeö für eine befonbere
2lngelegen^eit baft Sebürfnife eines befonberen ©d&ufeeö ^erüortrltt (§ 1738
2lbf. 1). daneben läfet ber ©ntrourf nod^ in einer Steige einzelner gölte, in
meldten in Slnfel^ung ber eine« oormunbfc^aftli^en ©^ufeeö bebürftigen ^erfon
eine allgemeine causa tutelae nid^t vorliegt, bie 3lnorbnung einer ^^Jflegfdfiaft
jU (§§ 1739—1742, 1827, 2059 ff.).
xerminoioflte. gur Sejcid^nung beö ^ier fraglid^en 3nftituteö ^at ber ©ntmurf ben
bereits t)on ber preufe. aSorm. D. gewählten SKuäbrudE ,,^{leger" beibebatten, ba
berfclbe als bie treffenbfte Ueberfefeung beS für biefes aSerböltnife bisher
uorjugöTOeife gebraudfitcn grcmbroortes „Äurator" erfd^eint.
erPer Xitel.
I. Slnorbmmg ber 93onttttiibfd^aft
§ 1633.
»ottttt«* 2)em § 1633 liegt bas ^ßrinjip ju (Srunbe, bafe eine SBormunbfd^aft —
^'KUnb'r in^ Oegenfafce ju ber einen befonberen ©d^ug für geroijfe 3lngelegenbeiten
\^t bejTOedfenben ^Pegfd^aft (ücrgl. § 1738 Slbf. 1) — bann eintritt, wenn bas
Sebürfnife einer allgemeinen gürforge für bie 5ßerfon unb baS SSermogcn x>ox^
banben ift (üergl. 5lr. VIII ber allg. SBegr. oben ©. 1044 ff.). S)iefe SSorauS*
fcfeung ift begrünbet, wenn ein ÜJHnbcrjöbriger nid&t unter elterlid^er Oemalt
ftebt (üergl. §§ 1501, 1557—1560, 1566, 1570) ober mcnn bie elterlid^e ®e*
malt, fei es in golgc ®ntäief)ung bur^ bas ^ormunbfd&aftsgerid^t (§ 1546)
ober in golge SRubenS ber elterlid^cn Oemalt (§§ 1554—1556), auf bie elter*
lidE)e 3flu6nie§ung befdfirönft ift. Äann bagegen bie gürforge bes Snl^aberS
ber elterlid^en ©emalt für einjelne Slngelegenl^eiten ober für einen geroiffen
Äreis t)on 9lngelegenl)eiten aus einem tl[|atfäd)Iid^en ober red^tlid^en ©runbc
SSormunbf^aft x. 3tnorbnung. fficrufunfl. §§ 1634, 1635. 1D47
nid^t eintreten, fo erhält ber aÄinberiäl^riae einen 5ßfleger (§ 1738 9lbf. 1).
©egenüber bcm geltenben SRed^te werben bie '^äUt, in weisen über einen
aRinbcrjä^rigen eine SSormunbfdfiaft anjnorbnen ift, baburc^ bebeutenb üer^
minbcrt, bafe ber ©ntrourf eine bie SBormunbfd^aft auöfc^Iicfeenbe elterlici^e
©eroalt ber etielic^en SKutter fcnnt (oergt. §§ 1501, 1555, 1557 3rbf. 2,3,
§§ 1558, 1559 9lbf. 2, §§ 1560, 1564). 3m Uebrigen ftlmmt ber § 1633 im
5ßrinjipe mit bem geltenben Sled&te überein (üergf. prenfe. SSorm. D. §§ 11, 86;
fäd)f. ©.33. §§ 1875, 1883; mcimor. @ef. v. 27. SKörj 1872 §§ 20, 21;
ofterr. ®. 33. §§ 187, 175, 176; code civü Sttrt. 390—405; lübed. SSorm. D.
t). 11. Dftober 1820 § 1; brcm. aSorm. D. x>. 14. 2Rai 1882 §§ 4—9; ^amb.
aSorm. D. t). 14. ©esember 1883 3lrt. 1, 6 ; ^eff. ©ntm. IV 9lrt. 2, III 3lrt. 26,
29,35,40; ba^r. ©ntro. 3lrt. 1, 4).
§ 1634.
Sie ©rünbe, auö weld&en ber ©ntrourf, abgefe^en oon bem in ber 3lnm. «norbnung
ju § 1634 bejeid&neten, jur 2lufnal[ime in boö ®infü^rungsgefe6 beftimmten *'7($^^''1JSII^'
aSorbel^olte für bie Sanbeßgefe^gebung, eine gefcfeü^e aSormunbfc^aft nid^t am «««roeaen.
erfannt l(iat, eine 93ormunbfc^aft oiclmel^r immer nur auf 9lnorbnung beß
aSormunbfd^aftögeric^teö eintreten foB (Seftellungöprinjip), finb bereits in
3lv. VI ber allg. SBegrünbung bicfeö 9lbjd&n., oben ©. 1034 ff., bargclegt, unb
ift bort auc^ baß in biefer ^infici^t geltenbe dltäfi berüdEfid^tigt.
2)o6 boö 93ormunbf(iaftßgerid^t t)on 2lmtßrocgen verpflichtet fein mu§,
bie aSormunbfc^aft anjnorbnen, ergiebt fid^ auß S^^^ ^^^ SBefen ber Ober*
Dormunbfc^aft. ®ie ÜWöglid^feit, biefer ^flic^t ju genügen, roirb in einem
©efc^e über baß 93erfa^ren in aSormunbfd^aftßfadf)en bem aSormunbfd^aftß^
gcridfite burd) befonbere aSorfd^riften über bie bemfelben regelmäßig ju mai^enben
3lnjeigen ber eintretenben SeDormunbungöfäDe (preufe. SBorm. D. § 16) }u
fidlem fein (oergl. bie Slnm. jnm t)ierten 33ud^e §§ 1227 ff. unb 3lr. I ber allg.
93egninbung biefeß 2lbfd^n., oben ©. 1008).
S)ie i^rage, nad^ meld^em 9ledf)te bie aSorauöfeftungen für bie Slnorbnung «usuinber.
ber aSormunbfc^aft über einen 3lußlänber ju beurt^eilen fmb unb ob unb in*
mieroeit aud& für Slußlänber bie 3lnorbmmg einer aSormunbfd^aft im S^Ianbe
JU erfolgen ^at (oergl. preufe. SSorm. D. § 9; bab. ®ef. v. 6. gebruar 1879 § 5b),
ift nad^ ben ©runbföfeen beß internationalen 5Urioatred6teß ju beurtl^eilen.
§ 1635.
2)ie 93eftimmungen beß § 1635 Slbf. 1 finben i^re 3ledf)tfertigung ^^ ^^^ ®SJjSr«„i"'
©rroägung, ba§ bem 3ntcref[e beß SRünbelö t)orauflfidötlid& am beflen gebient f^tt,
ift, wenn baß 9lmt beß aSormunbeß vox 9lnberen auf fofdt)e ^erfoncn fiberj«
tragen wirb, raeld&e baß aSertrauen ber eigenen ®ltcrn beß SKünbelß baju
beruft, unb meitcr barin, bafe in ©rmangelung einer fold^en Berufung ber
natürlid^en a3erufung ber gamilie für bie aSormunbfd^oft aud^ baburd^ JRcd^nung
getragen werben foU, bafe bie näd^ften Slngel^örigen beß üHünbelß burc^ baß
©efeft alß aSormünber berufen werben. Xcr ©ntwurf fdfiliegt fidf) in biefer
1050 3Sormunbf(^aft üBet SWinberiä^riflc. S3enifung. § 1635.
unb ^t inöbcfonbcre bic prcufe. 3Sorm. D. — entgegen bem preufe. 8. 2. 91.
II, 18 §§ 192, 194 unb bem entro. ber preufe. »orm. D. o. 1875 § 16 —
jeneö Stcd^t beö ®ro|Dater3^ um ben @inf{ug ber ^^omKie ju ftarfen, jur äln^
erfennung gebracht (pergl. preufe. SSorm. D. § 17 9h:. 5, 6; Sjierr. ®. S.
§ 198; Code civü 2lrt. 402—404; fäd^f. ®. ». § 1890; lüberf. SBotm. D. § 11;
brem. äJorm. D. § 21; Ijamb. SSorm. D. ärt. 8, 13; l^efl. ©ntn). IV «rt. 26;
ba^r. @ntn). 9lrt. 30). liefen Snoögungen gegenüber fann barauf, bog unter
Umftänbcn onbere ^ermanbte bed äRünbete, indbefonbere erma^fene ©efd^mifter
bedfetben^ ald SSormünber geeigneter finb, erl^ebUd^ed ©emid^t ni^t gelegt
merben. 2)ad Sntereffe bed SRünbete mirb in audreic^enber SBeife baburc^
gema^rt, bag bad SSormunbfc^aft&gerid^t ben @ro§Dater aus befonberen @ränben
}u übcrgel^en befugt ift (§ 1637).
onberer »er« J^ogegcu empfiehlt eö fid^ nid^t, eine gefcßli^ie S3erufung noc^ anberer
Monbe« *b!^ äJerroanbten eintreten ju laRen, ba man, foroeit eß fid^ nic^t um bie aller-
©roimutter. nöd^fteu 2lngel|örigen beö 2Rünbefe ^anbelt, ®efa^r läuft, burd^ bie oon
einer gefeftlid^cn Berufung untrennbare beftimmte gefefeliciöe Speisenfolge ber
Berufung ber SBermanbten burd^auö nid^t immer bie jur gü^ning ber 33ormunb*
fd&aft Dorjugöroeife geeigneten 5ßerfonen ju treffen. Snöbefonbere fann eine
gefefelid^e ^Berufung ber ©rogmutter als angemeffen nic^t erad^tet werben
(ücrgt. oudt) prcufe. aSorm. D. § 17; lübedE. SBorm. D. § 23; code civü ärt. 405;
^eff. Q^nim. IV 9lrt. 26; ba^r. ©ntm. 9lrt. 30). Uebereinftimmenb ^eben bie
aWotioe neuerer ©efcggebungömerle l|croor, bafe bie ®ro§mütter ate ältere
grauen erfal^rungömäfeig fic^ feiten geeignet ermiefen Ratten, eine SSormunb*
fd^aft iu übernehmen (oergl. 2Rotioe bcö ^eff. ©ntm. S. 217, beö baxjx. entw.
S. 59, ber preufe. 93orm. D. ©. 65). 93crf^iebene ©efefee nehmen nad^ bem
aSorgange beö gemeinen 9ledf)teß allerbingö einen abmeid^enben ©tanbpuntt ein;
fte bcrüdffi4)tigen me^rfa^ bie ©rofemuttcr (öfterr. ©. 93. § 198; fäd&f. ©. 39.
§ 1890; brem. SSorm. D. §§ 21, 23a; 6amb. aSorm. D. t). 14. ©cjember 1883
3lrt. 8), alle männli^en Slfjenbenten (code civil 3lrt. 402—404), überhaupt
olle männli^cn SBerroanbten im meiteften Umfange (gemeines SRcd&t ; f od^f. ®. S.
§ 1890; fiamb. SBorm. D. 9lrt. 8), — S3cftimmungen, bei meldten man faum
nod) fagen fann, ob eö fidt) um eine ma^re gefc^lid^e a3erufung lianbelt ober
um eine blo^c Sln^eimgabc für ben Dbcroormunb, bei ber SJeftellung bcö aSor^
munbeö junäd^ft auf geeignete 9lngcl^örige beö SWünbelö ju greifen (oergl. j. 33.
preufe. 21. £. 91. II, 18 §§ 192—194; mcimar. ®ef. v. 27. aüärj 1872 § 31;
lübedf. aSorm. D. § 11; brem. aSorm. D. § 21). ®cm gegenüber ift es rid^tiger,
in Uebercinftimmung mit ben neueren ®efefegebungcn ben ®efid^tspuntt ber
gcfeßlic^cn 33crufung bei ben entfernteren aSertoanbten gänjlic^ aufjugeben unb
ftatt beffcn birett basjenige ju beftimmen, um was eö fic^ in biefcn $Berf)ältniffen
fad&licö nur ^anbcln fann, nämlic^, bafe in ©rmangelung eines gefefetid)
berufenen aSormunbcS bas aSormunbfdjaftSgerid&t felbft eine 5ßerfon als $}or*
munb ausjun)ät)lcn unb bei ber Slusroal^t aScrroanbte unb aSerfd^roägerte bes
aWünbelö junädöft ju berüdfpd&tigen ^at (§ 1638 3lbf. 1).
KobififQtton 5. 2)ic im § 1635 Slbf. 2 beftimmte SRobififation ber gefeftlid^en 93e*
»erufunfl be9 rufuug bcS ©rofeoaters bes ÜMünbels berul^t auf ber ©rroögung, bafe ber ^\u
«rofoaterö. genommene unb bie 3lbfömmlinge besfelben, auf meldte bic Slnna^mc an
SSormunbfcöaft üBcr SKInbcriäßrIöe. Scrufuno. § 1635. 1051
Äinbeöftalt fid^ miterftrctft \)at, burd^ bic 3lnnaf|me an Äinbcöftatt U)rcr natür?
liefen gamilic tinb bcn bisherigen SSer^ältniffen regelmäßig tnel)r ober toeniger
entfrembet werben unb fjöufig eine ganj anbere fojiate ©tellung, alö bic natür?
lid^en aScrroanbten, einnel^men unb bofe beö^alb im gallc einer 2lnnal)mc an
Äinbcöflatt bie ®rünbe, auf roet^en bie SBorfciirift beö § 1635 3tbf. 1 5Rr. 3, 4
liber bie gefefelid^e ^Berufung beö natürlid^en ©rofeoQterd beruF|t, nid)t jutrcffen
(üergl. aud) §§ 1239, 1626). S)aju fommt, bafe, rocnn im gaUc ber 9lnna^me
an Äinbeöftatt ber natürli^e Orofeoater bcfi SRünbelö berufen wirb, fi^ für
ben gall ein Äonflift ergiebt, in welchem ber SWünbel in gotge ber Slnnal^me
an Äinbeßftatt in ber ^crfon beö Slnncl^menben einen jroeiten Orofeoater üon
üäterlidjer Seite erl)alten ^at (§ 1601 2lbf. 1, § 1620), ein Äonflift, roeld^er
burd) eine befonbere 93eftimmung ju lofen fein roürbe. ®emeinred)tli(i werben
bie auf ber Slutfioerroanbtfd^aft beru^enbcn Serufungftgrünbe jur SBormunb*
fd^aft burd^ bie äboption nic^t befeitigt. 2lud& bie neueren ©efejgebungen cnl*
l^alten in ber l^ier fraglichen 9lic^tung feine befonbercn 83cftimmungen. Sluf
einem äf)nlid^en ©ebanfen, mie bie aSorfc^rift beö § 1635 9lbf. 2, berufien jeboc^
bie Söorfd^riften ber preui SBorm. D. § 17 5Rr. 1, 3.
SDie Seftimmung beö § 1635 9lbf. 2 trifft bem SBortlaute nad^ nic^t audt)
ben gall, menn ber leiblid^e ©roferater feinen @nfcl an Jlinbeöftatt angenommen
^ai, ba biefelbe oorausfefet, bafe ber ÜJHinbel oon einem SKnbercn an Äinbeß^^
ftatt angenommen ift. ©er leiblid^e ®ro§t)ater ift mithin in biefem ^allc nadf)
aWafegabe beö § 1635 SIbf. 1 alö SSormunb feineö enfetö bemfcn. 2)iefeö
Jlefultat fann an fid^ jmar olö ein bcfriebigenbeö unb forreftcö nic^t angefefien
werben, ba, wenn bem ©rofeoater ote änncfimenbem auö befonberen ®rünben
bie e(terUdE)e ®en)alt über ben von i^m an ftinbeöftatt angenommenen @nfe(
nid^t jufte^t, biefe ®rünbe audt) feiner SefteDung ate SBormunb für ben @nfel
entgegenftelden. 3nbeffen brandet biefer feltene ^aü nic^t befonberö berücffidf)tigt
JU werben, ba in bem ^ier fragUdt)en gaUe bic 93crl)ftltniRe immer fo liegen,
ba% ba& SSormunbfd^aftögerid^t ben in feiner @igenfd^aft a(ö ©roguater nad^
Sßafegabc beö § 1635 9lbf. 1 alö SSormunb berufenen SlboptiDoatcr auf ®runb
beö § 1637 9lbf. 1 aud& o^ne bcfjen Bi^ftiinmunfl übergefien fann. 3luf ber
anbercn Seite ift eö alö bebenfUd^ crad^tet, bie SBorte „üon einem Slnberen"
ffli ftrei^en, weil baburd^ baö SKifeüerftänbnife entfte^en fönntc, alö ob ber^
jenigc, weld^er auf ®runb einer Slnna^mc an Äinbeöftatt gegenüber bem
aWünbel bie red&tlid^e Stellung eineö ®ro6oaterö erlangt tiat (§ 1601 9lbf. 1,
§ 1620 SÄbf. 1), alö aSormunb nid^t berufen fei.
3laä) ben Sd)lu§worten finbet bie Seftimmung beö § 1635 Slbf. 2 icbod)
feine Stnwenbung, wenn ber 9lnne^menbc ber ©begatte beö SSaterö ober ber
SKutter beö 9lngenommencn ift (§ 1621), ba in biefem galle bie ratio jener
aiuönal^me üon ber Siegel beö § 1635 9lbf. 1, nämlid^ ber ©eftd^töpuntt, bafe
burt^ bie 3lnna^me an Äinbeöftatt ber 9lngcnommene unb be^fen 3lbfömmlinge,
fowcit bie SBirfungen ber Slnna^me an Üinbeöftatt auf bie lefetercn fic^ mit*
erftrcden, i^rer natürlid&cn gamilie regelmäßig mefir ober weniger entfrembet
werben, ni^t jutrifft.
6. Unter bic Seftimmung beö § 1635 3lbf. 1 9h\ 4 f öHt auc^ ber SBater ^•JJl^'Jf^^;;*
ber unehelichen äßutter alö ©roßoater mütterlid^erfeitö. @ö ergiebt fid^ bieö «ro^oaterft
1052 S}crmuiibf<]&aft über gRinbcriabridc. SScrufunö. § 1635.
be« une^e. in gimangclimfl einer cntgcgenftc^cubcn SSorfd^rift t)on fclbft auö § 30 Sttf. 3
»ü?w«. unb § 1568. 6in auörci^cnbcr ®runb, in bicfer 33eiie^un9 eine Aus*
natfmc jn mad^en, liegt nid^t üor. SDBie bereits in 9lr. VI ber allgemeinen
33cgrünbung (oben ©. 1036 ff.) ermähnt würbe, entfprid^t cd in oielen ^Ucn
bem praftifc^en SebürfniRc unb ber ©eftaltung bed Sebenö, wtnn ber 33ater
ber une^elid^en ÜRutier bie 33ormiinbfd^aft über feinen une^elid&en ©nfcl fü^rt/
Sie Sebcnfen, roeld&c bort gegen bie gcfefelid^e SSormunbfd^aft beö mütterlid^en
©rofeoaterö über feinen unefielic^en @nfel geltenb gemad^t rourben, fallen im
SBefentlid&en fort, roenn man bemfelben nur ein gefellid^cö anredet auf lieber-
tragung ber Sßormunbfd&aft einräumt, jumal nad^ § 1637 äbf. 3 bie unc^e«
lid^e SRuttcr oor bem mütterlid^en ©ro^üater }um Sßormunbe beftellt merben
borf. aWit bem Stanbpunfte beö (gntrourfcß, ba§ ber mütterlid^e ®ro§oater
aud) in Slnfcl^ung bcö une^elid^cn (Snfete fraft ®efe|eö ote SBormunb benifen
ift, ftimmcu baö gemeine Sfled^t unb baö föd^f. ®. ». §§ 1874, 1890 überein
(oergl. awä) an^alt^beff. aScrorbn. o. 30. 2Rai 1815 § 2 nebft bem ®ef. o.
1. 3»li 1864 § 1 5Rr. 2). SJagcgen ift nad^ benjenigen ®efe|gebungen, roeldbe,
wie ber code civil, bas preufe. 31. 2. SR. unb baö ofterr. ®. 89., baö une^e*
lid^c üiinb nid)t in bie müttertid^e gamilie eintreten laffen, felbftDerftönblit^
audl) t)on einer ^Berufung bcö mütterlichen ®ro6t)aterö jum 5Bormunbe bcß
uncl)elid^en ©nfete feine Siebe (oergt. {ebö^ 2ln^. § 95 ju preufe. 31. ü. SR. II, 2
§ 614). Sic aSorfd&rift ber prcufe. »orm. C. § 12 3lbf. 2, ba& ber »ater ber
unel)eUdE)en SJlutter gefe^lid^cr 93ormunb über baö unel)clid^e Einb ber le^teren
ift, folange baö 93ormunbfc^aft8gcrid)t einen anbcren 33ormunb nic^t beftcDt
(oergl. auc^ bai)r. Qnixo. 3lrt. 31), fommt aber bem Stanbpuntte beö Sntmurfcd
feljr waijc.
eine aßobififation ber im § 1635 3lbf. 1 5Rr. 4 in Slnfe^ung bcö ®ro6*
üatevö üon müttcrlid^cr Seite aufgeftcllten Siegel für ben gall eintreten ju
laffen, wenn ber SKünbel burdE) @^elid^{eitöerflärung legitimirt ober bef^en
gSatcr ober ÜKuttcr für e^clid) crflärt ift (§§ 1583, 1596), ift nid&t für
crforbcrlid^ erad^tet. @in Honflift, mie im ^aUc ber Slnna^me an Hinbeöftatt
(oben ©. 1051), fanu ^icr nid^t eintreten, ba im galle ber Legitimation burdb
@l}elid^!eitderflörung immer nur ber natürliche ®rogt)ater üon mütterlid^er
Seite in ^rage fommt. 3(u(^ liegt l^ier bie Sad)e infofern anberd, alö man
nid^t fd^led^tl^in fagen fann, bafe baö Äinb burc^ @^elicl)feitöcrflärung rcgel*
mägig in ganj anbcrc fojialc SSerl^ältniffe fommt.
(»t\t%udit 7. 2)ie in ben mciftcn Siedeten fid) finbenbe Seftimmung, bafe bie el^e*
'ejlen^en*^'' lid)e SKuttcr fraft ®efe|cd oor anbcren aSermanbten alö SSormunb i^rer c^e«
9»utter. ^j^g„ tninberiä^rigen Äinber berufen ift (oergl. prcujj. 93orm. C. § 17 9lr. 3,
§ 21 aibf. 2 unb bie ÜRotioe ju §§ 1501, 1502 oben S. 734), fommt uom
Stanbpunfte bcö ©ntrourfcö auö, md) roetd^em ber SRutter in ©rmangelung
ber clterlid^cn ®en)alt beö SSaterö regelmäßig bie elterlid^e ®emolt über i^re
minberiäl)rigen cfielic^en Äinber jufte^t (§ 1501 Slbf. 2, §§ 1555, 1557
3lbf. 2, 3, § 1559 Slbf. 2, § 1560), md)t in grage. Soweit aber baö ®efcft
ber SKuttcr ben uormunbfd^aftlid&en Sd^ufe ber Äinber in ber gorm ber elter*
lid^en ®en)alt t)erfagt, fann auö benfelbcn ®rünben, auf meldten biefe 33cr*
fagung berul^t, ber Butter audf) ein gefeglid^eö Slnred^t ouf Uebertragung ber
SScrmunbfc^aft üBcc 5J(inbeiiä6rioc. Scrufuuö. Sorm. § 1636. 1053
93ormunbfd)aft nic^t }uoeftanbcn, fonbern mug cd nnc^ Snoggabe bes § 1638
W^l 1 bcm 6nncf[cii bcö SSormunbfc^aftßgcrit^tcö übcrtoRen lucrbcn, ob cö in
Ermangelung eines waä) SJlaggabe bed § 1635 berufenen ^ormunbed im
foniretcn goDe unbebenlHd^ ift unb im Sntereffe bcr Äinber Hegt, bic SDUilter
jum SSormunbe }u befteOen. @d gilt bieö indbefonbere oud) in bem ^oKe, in
welchem bic ctterlidbe ©emalt bcr aiÄutter baburc^ beenbigt mirb, bafe bic
aSuttcr eine neue ©^c fdölicfet (ocrgl. § 1558 ncbft aHotioen oben ©. 834).
6inc anbere grogc ift, ob ni(^t bcr unc^elidficn SKutter ein 2lnred^t auf Uebcr^^
tragung bcr SSormunbfd^aft über i^r uncl;elid)eö Äinb eingeräumt merben foH.
3)er ©ntwurf ^at bicfc gragc inbcffcn cbenfaHö ücnieint, bagegcn im § 1637
Slbf. 3 beftimmt, bafe, romn einem unehelichen Äinbe ein aSormunb ju be^^
ftcUcn ift; oor bem mütterlichen (Srofeoater bieSWutter jum SBormunbe bcftcUt
merben barf. SSJegen ber 93egrünbung biefeö ©tanbpunfteö mirb auf bic
SRotioc JU § 1637 Dcrroicfen, mo bed 3^f^w^*"€^^öngeö roegcn aud^ baö auf
jene grage fid& bcjie^enbe gcltenbe Siedet mitget^eilt ift.
8. 3lad) ber gaffung bcö § 1635 Slbf. 1 fann cd nid&t }«)eifeH)aft fein, sncceasio
ba% in 2lnfcl|ung bcr cinjcfncn ©clatiouögrünbc eine successio graduum ftatt^ gradaum.
finbet, unb jroar au^ bann, roenn mö^renb bcr bereits bcftcficnbcn Sormunb^^
fd&aft baö 3(mt bcö 93ormunbeS burd) ben SBcgfall bcö frül^ercn SBormunbcö
erlcbigt wirb. Se^tcred ift audf) n)ol)l burc^ge^enbö ber ©tdnbpunft bcr neueren
©efefee, inöbcfonbcrc axid^ ber preufe. aSorm. D. (ocrgl. fäd&f. ®. 33. § 1893;
preufe. SUorm. C § 17). S)ad rSm. SRcc^t enthält in biefer §infid)t allcrbingö
ttbmcici^enbc, fel^r fompUjirtc aSorf^riften, meldte jum 2:^cil auf einer fel^r
feinen Seobad^tung ber aScr^ältniffc bcö einjclnen gaDcö bcrutjcn, bcren
praltifd&er 93ebeutung man aber im SBcfentlic^cn geredet mirb, loenn man für
bic 5ßflegfd^oft abroeic^cnb t)on ber a5ormunbfcI)aft ben ©runbfafe ber reinen
©atiDfuratel alö SRcgel aufftcUt (oergl. §§ 1744, 1745).
§ 1636.
®a cö fidf) bei bcr Benennung bcö aSormunbeö t)on ©citen bcö SSatcrö »«n«»»««««
ober ber Sßuttcr um eine SJerfügung Ijanbelt, meldte mit bem 2^obe bcö aSer* bte^'Stem.
fügenbcn in Äraft treten foH, unb ba ber @ntmurf baö SRcd&t bcr Benennung
cineö aSormunbeö alö einen Sluöffufe bcr eltcrlid^cn Ocmalt be^anbclt, auf
bcren Sluöübung nidt)t tjerjic^tet merben tann, fo entfpri^t eö ber ©ad^tage,
bafe bic Benennung bcö aSormunbeö üon Seiten bcö äSatcrö ober bcr aMutter
bcö aWünbelö nur burd& tefttroinige Sßerfügung erfolgen fann. 3n (grmangclung ^j***^J|{»*
einer befonberen SBcftimmung ergiebt fic^ barauö üon fclbft, bafe auf eine fol^e " *""*'
Ic^tmiUigc aSerfügung, namentlid) fooicl bic aSorauöfcfeungen bcr ©rrid^tung,
ber Slnfed&tbarfcit unb bcr Sluf^cbung berfelben betrifft, bic allgemeinen erb-
rcc^tlidf)cn ©runbfafee Slnrocnbung finben (ocrgl. §§ 1753, 1780 ff., 1911 ff.,
1955, 1956, 2021).
®cmeinre^tUd& mu§ bic Ernennung in einem gültigen STcftamcntc ober
in einem teftamentarifd^ beftätigten Äobi jille gefd^clicn ; eine ungültige Icttroilligc
©rnennung fann aber, fofern biefclbc nicl)t roegcn Unfä^igfeit bcö ©mannten
ungültig ift, oon bcr öberoormunbfdtiaft bcftätigt werben. 3n ben neueren
1054 SSormunbfcfeaft üBer 5!Rinberid]&nflc. ^Berufung, gorm. § 1636.
©efegen ift in Slnfcl^ung ber in 3lcbc ftc^cnbcn IcfetroiHigcn SBcrfuflung
me^rfadf) eine gormerlcidöterung jugclaRcn (oergl. prcufe. 31. S. 91. U, 18
§§ 176, 177; prcufe. aSorm. D. § 17 3lx. % 4; faciif. ®. 93. § 1886; code
civil 2lrt. 398, 392; ^cft. ©ntro. IV Slrt. 24; ba^r. entro. 3lrt. 33). 3)cr
®ntn)urf ^at jcbod^ im ^inblicfc auf bie groge SSJid^tigfcit bcr f|icr fraglid^cn
SScrfugungen Scbenfcn getragen, in biefcr §infid(|t t)on ben allgemeinen SSor»
fd^riften bcö ®rbred^ted abjuroeic^en unb baburd^ bie Oarantieen, inöbefonbcre
für baö SBo^lcrmogenfein bcr 33crfügung, abjuminbern.
«ertrag. ®ur(]& bic 33cftimmung beö § 1635 ©afc 1 ertebigt S"^^ Q"(ä& i>ic grage,
ob bie Benennung beö 5Bormunbeö in einem SSertragc erfolgen fann, eine
grage, loeld&e für bad gemeine Siedet, menigftenö für ©rboerträge, meiftenö
bcjafit wirb unb in bemfelben ©inne aud^ burc^ rerfd^iebene neuere Oefefce
cntf Rieben ift (oergl. preufe. 91. ß. SR. n, 18 § 178; bapr. S. 31. I, 7 § 5
5ftr. 7; fäd^f. ®. 93. § 1886; lübedE. »orm. D. § 11), oon fctbft ba^in, bafe
bie Benennung beö aSormunbeö ©egcnftanb eines SSertraged, inöbefonbcrc eine«
©rbocrtragcö, nid^t fein fann (ocrgl. §§ 1956, 2021); bod^ ift eö nic^t auö^
gcfd^lofjcn, baß eine le^troillige 33erfügung ber l)ier fragüd^cn 3lrt ate fold^c
roirffam aud^ in einem ®rboertrage getroffen werben fann (§ 1955).
»eifüguitg sjßflg j)gj. sjorfd^rift, ba6 bic Benennung beö 33ormunbeö burc^ IcgtroiHige
biiflunfl K. SScrfügung erfolgt, tn SScrbinbung mit ben allgemeinen crbrcc^tlid^cn Orunb^
fo^cn ergiebt fid^, bn§ ber Icßtmilligen SSerfügung auc^ eine SBcbingung ober
Scitbeftimmung roirffam beigefügt werben fann (§§ 1753, 1760). Sie. unter einer
äjcbingung ober Scü^eftimmung erfolgte Berufung wirb jeboc^ nid&t berüd*
fidjtigt, xozwxi bie Sebingung ober ber a:ermin ju ber S^it/ in loeld^er bic
9lnorbnung ber aSormunbfdfiaft ju erfolgen f)at, noc^ nid^t eingetreten ift. 3n
einem fold^cn galle ift bcr berufene ju jener 3cit rcrl^inbcrt, bic 3Sormunbs
fdf)aft fofort ju übernehmen (§ 1637 9lbf. 1). 9Bar jebod^ baö burd^ bie 93c*
biugung ober bic 3^it6cftimmung begrünbete ^inbernife nur ein oorübcrgc^cnbeö,
fo finbct bic 93eftimmung beö § 1637 9lbf. 2 Sänrocnbung, unb mirb cö auf
bicfe SBcifc möglid), einer fad)gemä6cn 3lnorbnung ber ©Itcrn trog bcr bei*
gefügten 93cbingung ober S^itbeftimmung geredet ju werben. 3)a6 bic 93ci*
fügung einer Slcfolutiübcbingung ober eineö ®nbtermineö baö 2lmt beö ein*
mal bcftellten SSormunbeö nidf)t beenbigt, mcnn bie SRcfofutiobebingung ober
ber ®nbtcrmin eintritt, folgt auö ben §§ 1704—1707; bod^ fann nad^
§ 1638 9lbf. 3 bei ber 93eftellung beö aSormunbeö beffcn ©ntlaRung für ben
^aU bcö ©intritteö ber 93ebingung ober beö ©nbtcrmincö oorbcl^attcn werben.
Saö röm. SWed)t gel;t, fooiel bie 3"Wffigfeit ber 93eifügung einer 93cbingung
ober 3^itbeftimmung bei ber 93enennung eineö 33ormunbcö burc^ Ic^twiHigc
3Serfügung betrifft, infofern weiter, alö baöfelbc auc^ in einem fofc^en gallc
bic bcbingtc ober betagte 93erufung unbebingt aufredet erplt. SBä^rcnb bcö
Sdjwcbcnö bcr auffd)iebenben 9}ebingung unb üor Eintritt berfelbcn wirb
immer burd) bic Dbrigfeit ein interimiftifdfier 93ormunb ernannt. 6ine bcr«
artige Siegelung ift inbeffen mit bem mobernen 93cftcUungöprinjipe unb bcm
nad)brücftid)cr betonten 5laratter bcr 93ormunbf(^aft alö eineö öffcntlid)en
91mtcö, fowic mit ben ©rünben nid^t vereinbar, auf weld^en bie 93eftimmung
bcö § 1638 9(bf. 1 bcruljt, bafe ber berufene ol^ne feine 3uftimmung über*
SSormunbfcJaft üBcr SWinbcriäBnöc SBerufunfl. gorm. § 1636. 1053
ßangcn werben fann, mtnn er bie 3Sormunbfci&aft ju übcrncl^men oer^inbert
ift (rcrgl. aßotioe ju § 1637). ®ad preufe. St. S. SR. II, 18 §§ 126, 127 ge*
ftattct jroar bie Benennung cineö SSormunbes unter Beifügung einer Scbingung
ober 3ci*l>cft™^w"fl/ i^fiumt aber ber Dberoormunbfc^aft einer folcben 3In^
orbnung gegenüber ein weites ©rmeffen ein. S)ie preufe. SBorm. D. entl^ält
in biefer 9lid^tung befonbere Seftimmungen überhaupt nicbt.
2)ie Seftimmung beß § 1636 ©afe 2, roetd^e bie materiellen aSorauö^: aRaterteDe
fefeungen ber roirffamen 93enennung eines SBormunbeS oon ©eiten bes SSatcrs \!^mQtn.
ober ber aWutter feftfefet, berul^t auf bem ©ebanfen, bafe bie Benennung bes
SBormunbeS fid^ als eine 5Rac^n)irfung ber elterlid&en Oeroolt unb getoifjcrs
mafeen oIs eine 93erfügung über bie mit berfelben rcrfrunbenen SBefugniffe in
Slnfel^ung ber ©orge für bie 5ßerfon unb bas 5Bermogen bes Äinbes borfteDt.
3)tefer Oebante mufe bal^in führen, bie SBirffamteit ber Benennung baoon ab-
pngig ju mad^en, bafe ber SBiUe beö Sencnnenben in betreff ber ©orge für
bie ^crfon unb bas SBermögen bes 5linbes nod^ jur 3cit beS S^obes beS crfteren
mafegebenb gctoef en ift (oergl. aud^ 1. 1, 2 D. de testam. tut 26, 2 ; preu&.
SJorm. D. § 17 9flr. 2, 4). 2Rit bem ©runbgebanfen unb ber ratio bes ben
©Item als 3luöflu§ ber elterli^en ©eroalt eingeräumten Senennungsred^tes
mürbe es insbefonbere aud^ nic^t vereinbar fein, ber aSerfügung bcs SSaterS
ober ber Sßuttcr SBirffamfeit beizulegen, trofebem jur Qtit bes 3;obcS bcS ^e^
nenncnben bem (enteren bie elterlid&e ©eroalt, roenn aud^ nur in Sänfel^ung
ber ©orge für bie 5Jkrfon ober nur in 3lnfel^ung ber ©orge für bas SSer^
mögen beS Äinbcs, burc^ bas 93ormunbfd^aftsgeri^t entjogen roar (§§ 1546,
1550), ba in einem folgen galle ber 3nbaber ber elterlichen ©croalt inforoeit,
als i^m bie ©orge für bie 5ßerfon ober baS SBcrmögen entjogen ift, bas 93er*
trauen, auf roelc^em bas SBenennungSred^t berul|t, nid^t ücrbient, bie ©teHung
bes aSormunbcs aber ftd^ auf bie ©orge für bie 5ßerfon unb bas 95ermögen
bes ajlünbefs jufammen bejicfit. 3)em %aUe, in rocld^cm bas aSormunbf^afts^
geridt)t bem ^n^aber ber elterlichen ©eroali bie SSermögenSoerroaltung auf
©runb bes § 1547 t)erb. mit § 1550 roegcn a3ermögenst)crfalles cntjogen f)ai,
mufe ber gaÜ, in roeldt)em ber 3nl)aber ber clterli^en ©croalt bie SSerroaltung
bes bem Äinbe gel^orenben aSermögens in golge ber ©röffnung bes Äonfurfes
über fein SSermogen oerloren bot (§ 1553), notl^roenbig gleid^geftcDt rocrben,
bo aud^ bie ©ntjiebung ber etterlid^cn SBermögenSüerroaltung roegcn aScr^s
mögensoerfalles bes 3n^aberS ber elterlid^en ©eroalt nid^t üorausfefet, bafe
ben lefeteren in biefer SSejicbung ein aSerfdfiulben treffe, 3lud^ aus bem ©runbe
empfiehlt es fid^, ben ÄonfursfaD ebenfo ju beurtbeilen, roeil bie SBer^ältniffe
fo liegen tonnen, baß, wenn nid^t ber 3nl|abcr ber elterlid)cn ©croalt bie
aSermögensoerroaltung bereits in golge ber ÄonfurSeröffnung verloren l^ätte, bas
aSormunbfd^aftsgerid&t il)m bicfelbe aus einem anberen ©runbe entjogen l^aben
roürbe. 3lud^ nadb bem preufe. SRed&tc (prcufe. aSorm. D. § 17 5Rr. 2 oerb.
mit 31. S. SR. IT, 2 § 268) ift in bem ÄonfursfaHe bie t)on bem aSatcr aus*
gegangene Benennung bcs aSormunbcS unroirtfam. SRid^t minbcr bebenflicb 00m
©tanbpunfte bcS ^ntcrcffcs bcs ÄinbcS aus roürbe es fein, bie aScrfügung bes
aSatcrS ober ber aRuttcr als roirffam ju bel^anbetn, vozm bie cltcrlid^c ©eroalt bes
Senennenben jur 3cit bcs X^obcs bcrfelbcn ruljtc, roeil er roegcn aSerfd^roenbung
1056 aScrmunbfd&aft ükr SWinberiätrifle. Serufung. SBirfttnö. § 1637.
cntmünbigt roar (ocrgl. ou^ prcu§. SSorm. C § 17 9lr. 2 Derb, mit 31. 2, 3i
11^ 2 § 256). 9[uc^ in bem ^aUe^ in vocUicm bem Senennenben als ^n^^ber
ber elterlichen @etoalt bie Sorge für bie $erfon unb bad $$ennogen bcd
flinbcd niemald^ n)eber jur 3^it ber SJetfügung no^ aud^ fpfiter jugefionben
\)ai, j. ^. votnn bie minberiä^rige 3Rutter^ rodäjt legtmillig einen SSormunb
benannt ^atte, roä^renb il^rer SWinberifil^rigteit gcftorben ift (§ 1554), trifft
bie ratio bed Senennungdred^ted, bag ber 3n^<iber ber elterlid^en ®en)alt am
beften {u beurteilen im @tanbe fei, meiere Werfen ate 3?ormunb für bod
jlinb mit dtüdfic^t auf beffen perfönlid^e unb 93ermögendoer^ä(tniffe Dorjugö^
weife fid^ eigene, ftd^tbar ni^t ju. dagegen fann eft allerbingö gmeifelbaft
fein, ob ni^t für fold^e ^Ue anberd ju entfd^etben fei, in n>el(^en bie elter«
lid^e @emalt bed betreffenben (Sltemt^iled jur 3^it beö ^obed bedfelben mcgen
®efd^öft6unffilEligfeit ober t^atföd^lic^er 93e^inberung bedfelben in ber 9ludäbung
ber elterlid^en ©emalt ru^te (§ 1554), bemfelben aber gur 3^t ber ä^erfügung
ober nad^lier bie @orge für bie ^erfon unb bad äSermögen beft Rinbed ju«
geftanben l^at. Snbeffen mürbe aud^ in biefen ^Uen bie älnerfennung ber
9Bir!famfeit ber ^erfügtmg fid^ ate eine älbmeid^ung Don bem ^rinjipe
barftellen, meldte burd^ bringenbe Orünbc praftifd^er 3w)edfmö§igfeit ni^t ge*
boten ift.
3flic^t erforberlid& jur SDBirffamfeit ber Benennung ift eö, ba% bem SBe«
nennenben bie eltcrlid^e ©emalt über baö JSinb fc^on jur ^tit ber SBerfügung
juftanb. @ö fönnen ba^r ber 93ater ober bie SRutter aud^ im ^inbtide auf
i^re fünftigen ftinber einen 33ormunb unter ben fonftigen SSorauöfeßungen
bed § 1636 mirffam benennen.
§ 1637.
»ebcutung ^ie SSebeutung, meldte bie einjelnen Siedete ben auf legtmiUiger 93er:«
»eruTunofl. föfl^^Ö ^ber Unmittelbar auf ©efefe beru^nben 3)elationögrünben beilegen, ift
grünbe. eine oerfd^iebene. SBö^enb bie einen aud^ gegenüber biefen S)elationögrünben
«eitettbc« bem freien ©rmeffen bed ben SBormunb beftellenben 9li(!^terö weiten 9laum
^^'^^ geben, baö 3Serl^ältni§ mithin mefentlid^ alö ®atiotutcl unb bie Delation«*
grünbc alö blofec Slu^altöpunttc für ben SRid^ter bel^anbeln, erfcnncn bie
anberen ein feftcö JRcd^t beö berufenen auf bie Uebcrtragung ber SSormunb*
fd&aft an unb geftattcn bem 3lidf)ter nur auß gefefelidd beftimmten ©rünben,
ben berufenen ju überge^n.
SBie baö gemeine Siedet in biefer ^infid^t aufjufaffen, ift beftritten.
aSon ber einen Seite wirb bie 9[nfid)t oertreten, ba§ ber gefefelid^ Senifene
ein nur auö beftimmten ©rünben entjie^bareö SRe^t auf bie SSormunbft^aft
Ijabc; oon ber onbercn Seite fie^t man in ben 3)elationögrünben lebigtid^
einen 2ln^altöpunft für bie bcftellenbe Sel^örbe. Diefen legieren Stanbpunft
^aben ocrfd^iebcne Sanbcögefege biö in bie neuefte 3^1* feftge^alten (oergl.
preufe. 21. S. SR. II, 18 §§ 184, 187, 192—195; fä^f. ®. ». §§ 1886, 1890;
mcimar. ®ef. o. 27. aWörj 1872 §§ 29, 30; brem. «orm, D. §§ 19, 21).
Xk meiften neueren ©cfeße finb bagegcn baoon auögegangen, ba| bem
berufenen ein feftes iHedfit auf bie aSormunbfc^aft ju fidlem fei, moburc^ fie
a5onmmbfd&aft üßcr SOTinbciiäJ&ciflc. Senifuuö. aöirfuno. §1637. 1057
bcm ©ebaufcn 9ludbvucf geben, voclä)tn baö franj. SHed)t burd) bic gcfcglidjc
aSortnunbfd&aft beö berufenen nod^ ftorfer betont (oergt. f)ejf. (Sntio. IV 9lrt. 21
nebft aWottoen S. 213; bab. Oef. o. 6. gcbmar 1879 § 18; bai)r. entw.
3lrt. 34, 37). 5Der (gntro. ber preufe. 5Borm. D. § 17 entlieft gleidjfoHö bie
©eftimmung, bafe ber berufene nur wegen Unfä^igfeit o[)nc feine 3i*ftimmung
übergangen werben bürfe. Sic preufe. SBorm. D. § 18 ge[)t febod^ nid^t gonj
fo weit. aJlan roünfd^tc mit Slütfric^t auf bie fel^r freie Stellung beö SSor*
munbed im Sntereffe ber Sid^eri^eit beö SKünbelö baö rid^terlid^e ©rmeffen ju
erweitern (oergl. S3crid)t ber ^crrenl^auöfommiffion ©. 23, 26) unb gcftattete
bcöljalb bem Slid^ter, bcn Serufeuen awd) bann ju iibergel^en, wenn Umftänbc
eingetreten finb, wel^e bic SeftcUung beöfclben für ben liDhmbel alö nac^tf)eiUg
erfd&einen laffen, gab bafür aber bem berufenen für ben ^oH feincö SBiber:*
fprud)eö ein 5lc(i)t auf bie unmittelbare (gntfd^eibung beö Sefd)werbegerid^teö.
S)er Entwurf (§ 1637 9(bf. 1) f^Iicfet [xd) im ^ßrinjipe biefcr Icfetercn @to«bpunft
©ruppc von ©efeßen an, um bcn 6influ| ber @Item unb ber gamilie auf Gntwurfe«.
bic gül^rung ber SBormunbfd^aft 511 ftärfen.
2)a6 ber in ©cmöfe^cit beö § 1635 alö 5Bormunb berufene ol^ne feine ueberöe^una
3uftimmung bann übergangen werben barf, wenn er unfäl^ig ift, SSormunb unfaSöfcit,
ju fein (§ 1640), fann alö fetbftoaftänblid^ erad^tet werben. ®urd) bic §cp
Dorl^ebung biefcö Sageö gewinnt inbeffen baö @cfeg an Alar^eit, unb werben
3wcifel ücrmiebcn (oergl. and) bax)x. @ntw. 9lrt. 34),
Gin weiterer ®runb, an^ wcld)em ber in ©emäfel^eit beö § 1635 alö »»f««« ««f
SSormunb berufene o^ne feine 3uftimmung foU übergangen werben bürfcn, **"^*^""^'
ift bie ^Scrl^inbcrung beöfclben, in bem 3citpu"fte, in wctdfiem bic Slnorbming
ber 5ßormunbfd)aft noti^wcnbig wirb, bic lefttcrc fofort ju übernehmen. @ö
cntfprid^t bicö ber Sad^lage unb ber 9lüdEfid)t auf bie Kontinuität ber jjor^
munbf(i)afttid^cn SBcrwaltung. 6iu Sßed^fel beö SBormunbeö ift tl[|unlidöft ju
ücrmeibcn. 3luf ber anbercn ©cite empfictilt eö fid^ iebodf), für ben gall,
wenn ber berufene nur üorübcrgc^cnb tjer^inbert ift, bemfelbcn baö Siedet }u
geben, nad^ Sefcitigung ber aSerl^inbcrung ju uerlangcn, bafe er an ©teile beö
biöfjcrigcn 5Bormunbeö jum JBormunbc bcftcDt werbe (§ 1637 9lbf. 2). 9Iuf
biefe SDBcifc wirb aud^ im ^ntcrcffc beö 3Jlünbclö bic üRoglic^feit gewahrt, bafe
ber junäd^ft berufene, wcldjcr jur gü^rung ber 'Bormunbfc^aft oieUcic^t
befonberö geeignet, aber üorübergc^enb t)erf|inbert ift, bic 33ormunbfc^aft ju
übernehmen, nid^t burd^ bic injwifdficn erfolgte Öeftellung eineö anbercn 93or^
munbeö bauernb auögcfd)loffcn wirb.
Surd) bic JRüdffic^t auf baö Sntcrcffc beö aWünbclö unb im ^inblicfe njene« ®«-
auf bic freie Stellung, wcld&e ber ©ntwurf bcm SBormunbc einräumt, ift eö ^* ^iSi«!**
femer alö geboten crad^tet, im 2(nfd^luffe an bic Seftimmungcn ber §§ 1546,
1547 über bie öcfugnife beö SBormunbfc^aftögcrid^teö jum ©inf^reiten gegen
ben 3nf|abcr ber eltcrlidt)en ®cwalt (oergl. ferner preufe. 33orm. D. § 18 Slbf. 2)
bcm '^ormunbfd)aftögeridE)tc aud) bann 5U geftattcn, ben in ©emäg^eit beö
§ 1635 93crufenen o^nc bcffcn 3uftimmung ju übergeben, wenn auö ber 93c*
ftcllung beöfclben eine crl)eblid^c ®cfäl)rbung beö 3»tercffeö beö 3Wünbelö %n
beforgen ift (oergl. and) % 1705 'JJr. 1). ©ö fann jwcifel^aft fein, ob nid)t
oon bem 3"fW ,,cr^eblidS)c" abjufcljcn ift, ba cö fid) fjicr ni^t, wie bei ber
SWotipe j. bürgerl. (8efe^6uc$. IV. 67
1058 35ormunbf*aft ufccr aJJinbcriä^riöe. Scrufung. SBirfung. § 1637.
elterlichen Oewalt, um bic ©rttjiel^ung cineß eigenen SRed^teß beß berufenen
l^anbelt unb beßI;Q(b (ebiglid^ baß ^ntereffe beß 9)lünbelß maggebenb fein
mufe. 9luf bcr anbcren ©eite ift iebod^ ju beforgen, ba^ bnxä) bic SBeglaffung
icneß Sufafeeß bcr ©inffuß ber ®Itern unb bcr göntiUe auf bic gü^ruug bcr
SJormunbfd^aft, inßbefonbcrc baß 3lnred)t beß burd^ IcfetroiUigc SJerfügung
bcr (SItcrn ^Berufenen auf bic Uebertragung bcr SSormunbfd^aft, gegen baö
3nteref[e beß SJlünbelß unb bcr f^amilie ju fc^r abgefd^roSd^t if itb. Ucbrigend
mad^t CO — loaß nad^ bcr preufe. Sßorm. D. mit Siüdfidjt auf bie gaRung
beß § 18 2lbf. 2 beftritten ift — feinen Unterfd&icb, ob bem Senenncnbcn ber
©runb, auß wcld&em bie 93efteIIung beß berufenen jum aSorntunbe eine er«
Ijcblid^e Ocfä^rbung beß 3ntercffcß beß 2)lünbclß l^erbeijufü^ren bro^t, befonnt
mar ober nid^t. äWit SRüdffid^t auf unücrftänbigc, bic Sntcreffen beß ÜRünbeIß
er[)eb(id^ gefS^rbenbc Slnorbnungen ber &itxn unb mit Sflüdiid^t auf bie
©^mierigfcit ber ©rmittelung, ob bem Stnorbnenben bic Umftänbe t)oUftfinbig
unb in i^rem maleren Sidfitc befannt waren, ift cß bebenftid^, bem 93ormunb*
fd^aftßgerid&te bic Scfugniß, aM bem l^ier in SRebe ftcl^enbcn ©rimbc bcn
berufenen o^ne beffen 3^fti*^*ttwng ju übergel^en, bann ju ücrfagcn, wenn
bem 2lnorbnenben bie bctreffenbcn Umftänbe befannt gcroefen finb. ©ß mürbe
bieß aud& mit ber Seftimmung beß § 1705 Str. 1 nid^t im ©inflange ftcljien^
nadj mcld^cr ba^ aSormunbfd^aftßgerid&t bcn Söormunb ju entlaffen ^at, menn
auß bcr gortfül^rung bcr SSormunbfd&aft burd^ bcnfelbcn eine erl&cbli^c ©e*
fä^rbung beß 3ntercffeß beß aWünbelß ju beforgen ift. ®ie preu§. SSorm. D.
§ 18 Slbf. 2, roctd&e bem Jßonnunbfd&aftßgerid^tc geftattet, bcn auf ®ninb einer
IcgtroiHigen SBcrfügung ober fraft beß ©efegeß berufenen o^ne beffen S^ftim-
mung ju übcrgel^en, wenn Umftänbe eingetreten finb, meldte bie SeftcDung
beß Senifencn alß nad&tl;cilig für bcn SKünbcI erfd&cinen laifen, fud^t boö
atcd^t beß ^Berufenen baburd) nod^ mel^r ju fid&ern, bag bei beffen SBiberfpnwi^
bic Gntfc^eibung beß 93efd^«)crbcgeri4iteß cinjuljolcn ift. (Sine berartige S3c«
ftimmung empfiehlt fid^ inbeffen nid^t, töeilß roeil fie im Snigemeinen eine
bißl;armonifc^e ift, tl^citß roeil fie ben änfd&ein cineß ungered&tfertigtcn, mit
bem ©eifte ber ©erid^tßbarfeit nid^t roo^t vereinbaren SDlifetrauenß in bie orbent^
Ud&en ©erid^tc crroedt, ju rocld^cm in biefem fpcjicUcn galle bod& fein ftSrtercr
®runb vorliegt alß in anbcren nid^t minbcr roid&tigen gäDen. Snmicioeit
gegen bie ®ntfc^eibung beß 5ßormunbfd)aftßgerid(|teß bie S3efc^roerbe juläffig ift^
riddtct fid), forocit in biefcr Sejici^ung befonbere rei^ßgcfc|lid^e SBorfd^riften
nic^t erlaffen roerben foHten, nac^ bcn Sanbeßgefefeen.
»efien Set' Sag baß SSormuubfd^aftßgcrid^t bcn in ®cmä§l^eit beß § 1635 SSe«
jöflcrunß, i^yfgj^^ji Qu^ i)0,i,i übergeben barf, wtnn berfclbe ju ber Qzxt, in roeld&er bic
3lnorbnung bcr aSormunbfc^aft ju erfolgen l^at, bic Icfetcrc fofort ju über^^
ncl^men nid^t bereit ift, brandet nid(|t befonberß außgefprod&en ju merben, ba
in einem fold^cn gallc ber berufene in feine Ueberge^ung einwilligt unb
burd^ bie in golge feiner Sßid^tbereitfd^aft jur fofortigen Uebernal^me ber SJor*
munbfd^aft not^roenbig geroorbene 33efteUung cineß anbcren SBormunbcß fein
9lnrcd;t auf bie Sßormunbfd^aft bauernb t)crIorcn ^at.
loeflen «e^ ©cr 2(bf. 3 bcß § 1637 enthält sunäd^ft infofern eine 2)lobififation beß
eSner^l^^'c^ bcßicnigcn, welker in ©emSfe^eit ber SSorfd^rlften beß §1635 oto
aSormunbf*aft übet SWinberia^rigc. SScrufunß. fflirfung. §1637. 1059
^otmunb berufen ift, atö er beftimmt, bafe, totnn einer ß^cfrau ein aSormunb
ju befteUcn ift, üor bcn im § 1635 SCbf. 1 5lr. 1—4 bejei^neten ^erfoncn bcr
^l^emann jum SBormunbe befteDt werben barf. 3« ber Seljanblung beö ®^e=^
-gatten, inßbefonbere beö ®l&cmanneö, in Sejug auf bie SBormunbfd^aft über
ben anberen ®|iegattcn befleißt in ben 9led(|ten ein tieffjreifenber Unterfd^ieb.
SDaö rom. SRcd^t unb, hierin bem lefeteren folgenb, rool^I anä) baö gemeine
Siedet, erflären ben ß^emann für unfähig, SSormunb feiner ®^efrau ju fein,
tmb biefen ©tanbpunft l^at baö fä# 0. 83. §§ 1876, 1885 feftge^aften. 3m
Oegenfafee baju berief baö beutfci^e Siedet ben ©l^cmann t)on Sflcd^töroegen jur
SBormunbfd^aft über feine ®^efrau, unb biefer ©a| l|at fidd in ben 5ßartifuTar-
ted^ten biöweilen erl^alten. ^nä) baö frauj, SHedjt f)at bie gefefelid^e Anratet
beö ©liemanneö über feine minberiäl&rige (S^efrau beibehalten (code civil arg.
3lrt. 2208), unb t)on ber SHd^tigfeit biefeö ©ebanfenö gelten offenbar biejenigen
fHed^te aM, meld&e ben Sag „§eirat^ mad^t münbig" für g^iefraucn auffteUen,
inbem fic üorauöfefeen, bafe bie @l}efrau t^iatffid^lid) ben erforberlid&en Sd&ug
burd) ben @^emann er^ialten mcrbe. ®ieö ift j. 89. ber ©tanbpunft beö bapr.
€ntn)., meld^er ienen ©afc anerfennt unb bementfpred^enb einer gefefelid)en
Scnifung beö ©Regatten nur ffir bie SSormunbfd^aft aSoDiSl^riger bebarf (bat)r.
<Sntn). 9lrt. 30 3lv. 1 nebft aJlotioen ©. 59).
®er ©tanbpunft beö rom. SRed^teö ift, meil er ben l^eutigen 9lnfd^auungen
nid^t cntfprid^t, lebenfaKö niddt ju empfehlen. Sluf ber anberen ©eite ift eö
«aber mefentUd^ auö benfelben ©rünben, meldte neben anberen jur 9?id^tanna{|me
beö ©afceö „^eirotb mad)t münbig" gefül;rt l^aben, bcbenflid), ben (Bl)tmann
unter allen Umftänben jur SSormunbfd^aft über feine ß^efrau ju berufen,
loenngleid^ nid^t ju t)erfennen ift, ba6 eö in üielen göllen burd^auö angeseigt
unb jmedmögig erfd^eint, ben Seemann jum SSormunbe feiner (Sl^efrau ju
ftefteUen. Unter biefen Umftänben ift eö ber angemeffenfte Stuöroeg, bem SBor^
munbfd^aftögerid&te bie Sefugnife ju geben, nad^ feinem ©rmeffen ben (gl^emann
t)or ben im § 1635 Slbf. 1 3lv. 1—4 bejeid^neten 5ßerfonen jum SBormunbc feiner
^^efrau ju befteUen. SBoHte man etma ben ®()emann fraft (Sefefeeö junädöft
berufen, baneben aber bdö SJormurtbfd^aftögerid&t ermäd^tigen, i^n geeigneten-
faDö JU übergel&en, fo fann eine fold^c Uebergeljung leidet etmaö ©e^äffigeö
i)aben, maö DöQig Dermieben mirb, menn eö ftd^ (ebiglid^ barum l^anbelt, bag
ber ©l^emann ben im § 1635 Slbf. 1 bejeid^neten 5ßerfoncn im fonfreten galle
nur nid^t oorgejogen wirb, ©inen fold^en SKittelroeg l^aben neuere (Sefege
mebrfad^ eingefc^tegen, in äbnlid^cr SBeife bai preu§. 91. S. JR. II, 18 § 140
unb baö öfterr. ®. 83. §§ 260, 175, ganj in Uebereinftimmung mit bem ßnt-
TOurfc bie preufe. SBorm. D. § 17 S^bf. 3.
3lad) § 1635 Slbf. 3 erleibet ferner baö SRed^t beö mütterlid^en ©rofeüaterö ber une^e*
uuf Uebertragung ber Söormunbfd^aft über feinen une^elid^en ©nfel babur^ bet*9»n51bl{«!
eine gcmiffe Slbfd&rofi^ung, ba§, wenn einem unel^elid&en Äinbe ein SBormunb ^^^^^^^
in befteüen ift, t)or bem mütterlid^en ©rofeüater bie SKutter jum SBormunbc 9i«*t.
ftcftcUt werben barf. ®ie grage, ob bie unel^elid^e SKuttcr jur gütining
ber SSormunbfd^aft iiber il^r unel^elid^eö Äinb ffiliig ift ober nid^t, unb ob im
crfteren galle berifelben ein t)orjugön)eifeö Slnred^t auf Uebertragung ber SBor^
tnunbfd^aft jufte^t, wirb aud^ t)on bcnjenigen Siedelten, roeldjie ber unel^elic^ien
67*
1060 SSormunbfc^aft ü(er SRinbcrjäl^cide. ISerufuno. SBtcfung. § 1637.
3Ruttcr lieber bic cltcrdd^e @cmali, nod) bic gcfcglic^e äSormunbfd^ft eiiu
räumen (oergl. 9Kotioc ju § 1570 3. 860), Derfd^ieben beantioortct. ^floxfy gc^
meinem 9le(^te fann bie une^eli^e Snutter bic SSormunbfci^aft über i^r une^e^
(ic^ed Ainb nid^t führen, ^nä) nad^ preug. a. S. 9t. II, 2 § 615 (pergL ieboii^
II, 18 § 143) mirb angenommen, bog bie une^etid^c äihttter von ber 9}or^
munbfd^aft audgefd^toffen fei (oergl. ^Slotxvc befi @ntmurfed ber prcu§. SBorm. O.
3. 63 SInm. 3). Ob bicd aud^ na^ 5fterr. üte^te ber gaU, ift bcftrittcn
(üergt. ofterr. ®. 33. §§ 165, 166, 192, 198). ©ad Coburg. ®ef. o. 28. 3ult
1858 3(rt 18 bcftimntt, bag bem unel^elid^en jtinbe ein jur ^^rung ber 93pr^
munbfd^aft geeigneter äßann ate 93ormunb ju bcfteOen fei. 3la6f bem
mcining. ®ef. o. 9. @eptember 1844 3ixt 12 ift bic 93efteIIung ber ^Rutter jum
33ormunbe jroar nid^t unjutöffig, iebod^ nur bann geftattet, n)enn überioiegenbe
@rfinbc bafür fpre^en. O^ne biefe (Sinfd^ränfung orbnet ba^ got^. @ef.
0. 1. 3wli 1869 Sttrt 7 an, bafe bie une^elid^c üKutter jum SBormunbc beftcDt
merben fann. ^arnit ftimmt bie preug. SBorm. O. § 21 übercin. 3lai^ § 19 baf.
ift bie unel^eli^e äßutter, mcnn fie jur ^l^rung ber SSormunbf^aft geeignet
ift, a(ö ^ermanbte bcö äßänbeld fogar junäd^ft ju berücffid^tigen. 9lad^ bem
fäd^f. ®. 39. §§ 1874, 1885, 1890 ift bie aJlutter ate nfi^c 5ur gefeßUc^cn
©rbfolgc berufene aSerroanbte, wie bic e^elid^e üWuttcr, jum Sormunbe ju
beftcllen, fofern gegen bereu SefteDuug fein S9cbenfcn vorliegt. Äud^ ber
bat)r. QntxD. 3lrt. 30 giebt ber une^clid^en a^utter, folangc fie nic^t ncrl^eirat^et
ift, ein Siedet auf gülEirung ber aSormunbfdJiaft. SRad^ 3lrt 34 fann fte nur
im gallc cined gefeglid^en Unfäl^igfeitSgrunbcö bei ber 93efteUung ber SSor-
munbfddaft übergangen roerbcn (Dcrgl. 9Irt. 37).
etniibpttnjt 2)er ©ntrourf t)ai im SESefentUd^en auö benfelben Orünben, wel^c in
cntwurffö. bcn üKotitJcu 5U § 1570 ©. 860 ff. gegen bie Ucbertragung ber elterlid&en
©eioalt unb ber gefeglid^en' SSdtmunbfd^aft gcitenb gemad(|t loorbcn finb, 3St^
bcnfen getragen, ber tmel^eli^en äßutter audb t^ur ein gefe|Ud^ed ^nred^t auf
güfirung ber SSormunbfd^aft ju übertragen. Sluf ber anbcren ©cite mürbe cd-
jcbod^ ungercd&tfertigt fein, bic unel^eUd&e 3Kutter non ber gül^rung ber SSor^:
munbfd^aft ganj audjuf daliegen, ba bicfe(be in Dielen gfiDen tro| i^red ^l^r^
tritted audreid^enbe ©aranticen für eine pfliddttreuc Su^ntng ber 93ormunbfd)aft
über i^r une^eHddes Stinb bietet, ^n fold^en t^fiQen ift aber bie 33efteQung
ber une^elidjen äWutter jum SBormunbe baß JßatürUd^fte unb Slngemeffenfte.
2)cö^alb geftattct ber § 1637 Slbf. 3 bem SBormunbfd^aftögeri^tc, in geeigneten
gäUcn bie unel^elid^e 3)luttcr tjor bem mütterlid^en ©ro^oater jum 93ormunbc
bed uuel^eti^cn jUinbed ju befteQen. . Saburd^ mirb bcn Dcrfd^iebenen in 33etrad^t
fommenben SRüdfid&tcn am jmecfmäfeigften 9lcd^nung getragen.
»eftcnunö 2)ic bem bai)r. ©ntro. 3lrt. 50 Slbf. 3 fid> aufd^liefecnbe SJorf^rift bcfi-
ImLTh^. § 1637 3lbf. 4 cntfpri^t ber SBcftimmung be« § 1643 9Ir. 7, bafe bie Ucbcr*
na^mc ber SBormunbfd^aft ableljnen fann, wer mit einem Slnberen ju ber
gcmeinf^aftlid^en gül^rung ber aSormunbf^aft bcfteUt werben foD. Ol^ne icnc
^Jorfd&rift fönnte bem in ®cmä6{)eit beö § 1635 äbf. 1 ate SBormunb a3e^
rufcnen fein Siedet auf güfjrung ber SBormunbfd^aft burd& baö SBormunbfd&aftö^^
gcrid^t im SBcgc ber Seftellung cincfi liDiitoormunbcd oertümmert werben.
aSonnunbfcfaft ükr SMinberiä^riöc. £atiüöormunbf*aft. § 1638. 1061
§ 1638.
Saö 9ted^t trcr Dbevüormuubfd^aft, in (Srmangclung cincö burd^ le^t*«"«»«^! ^e*
TOiDiflc aScrfügung ober burd& baö ®cfcg berufenen SBormunbeö, felbft eine bur"*^«"««.
?ßerfon als aSormunb ouöjuroä^Ien, liegt in ber 3flatnr ber ^a(S)c unb ift in »««bWaft«*
bcn geltcnben Siedeten burd&rocg anerfannt (üergl. code civil 9lrt. 405 ; preuß.
tBorm. D. § 19 2lbf. 1). S)a ber Entwurf, fooiel bic ©rünbe ber Unfäl;igfeit,
^ormunb 5« fein, betrifft, eine ©eneralKaufel nic^t aufgenommen t)at (§ Ißio),
jo ift cö olö angemeffen erad^tet, im § 1638 9Ibf. 1 jum SÄuöbmcfe ju bringen,
bafe baß 33ormunbf(]5aflßgerid^t eine ^erfon alö SBormunb auöjnn)Sl)Ien f)at,
lueld^c mö) il;ren perfonlid^en 9Sert}äItnifien unb naä) il)ren SSermögenö^
Der^ältniffen foroie nodfi bcn fonftigen Umftfinben beö gaDes jur giil^ruug ber
^ormunbfd^aft geeignet ift (üergl. bie ÜÄotiue ju § 1640 unter 3lx. 7). SBie
in ben aWotiüen ju § 1635 oben S. 1050 bereits ^erüorgel)oben rourbe, ift eß
jroecfmäfeiQ, baö S8ormunbfd&aftögerid)t baneben nod) bcfonberd barauf f|in^
pmeifen, ba§ bei ber Sluöioa^I 33ern)anbtc ober SJerfd^roSgerte beö a)iünbete «ernwnbte
junäd&ft 8U berüdftd^tigen flnb (preufe. 83orm. D. § 19 9lbf. 1 ; mcimnr. ®cf. [^wä^l
V. 27. ÜWfirj 1872 § 31 ; ba^r. (gntro. STrt. 35). dagegen ift cö nid)t alö
rat^fam crad^tet, außerbem ctroa üorjuf^rciben, bafe, menn einer ß^efrau ein
^ormunb ju beftellen fei, baö aSormunbfd)aftögerid^t oor ben Sßermanbtcn unb
^crfc^roägerten ber S^efrau ben Seemann ber lefetercn berüdfid&tigen folle. ®a ö^man«.
wegen beö elielid&cn ®üterrc^teö bie Sntereffen ber ©Regatten nid)t feiten
loüibiren, fo ift cö üom Stanbpunfte ber ©id&erung ber ®f)efrau auö bc-
benftid), bem Sormunbfd^aftögerid^tc bic t)orjugön)eife 93crüdtfi^tigung beö
(S^emanneö befonberö jur i^flid)t 5U machen. ®ine berartige SBorfd^rift ift
iinbcrcrfeitö auä) entbe^rtid), ba ber § 1638 9lbf. 1 Saft 2 ben 83erroanbten
nnb aSerfd&rofigcrtcn beö aJtünbelö fein SRcd^t auf Dorjugöroeife 33erüdEfid^tigung
flcmä^rt unb baö aSormunbfd&aflögerid^t bal)er nid^t geliinbert ift, geeigneten-
fallö bem ©l&emannc ber SWünbct vox beren Sßerroanbtcn iinb aSerfd&roagertcn
bcn SSorjug ju geben. S)ie Analogie beö § 1637 Slbf. 3 trifft nid^t 5U, ba in
bcn gfiUen beö § 1635 2lbf. 1 obne bie äufaßbeftimmung beö § 1637 3lbf. 3
ber ©bemann wegen ber SSorfd&rift bcö § 1637 3lbf. 1 uicmalö an ©teile beö
in ®emäfel)eit bcö § 1635 9lbf. 1 berufenen 5um l^ormunbe mürbe bcftellt
werben fönnen.
©benfowenig ift eö alö angemeffen cradfitct, iiad^ bem Sßorbitbe ber preug. wengisfe«
tßorm. D. § 19 9lbf. 2 bie Seftimmung aufjunel)men, bafe bei ber Sluömal&l *'''""*'"^-
leö SBormunbeö auf ba^ religiofe Sefenntnife beö aKünbelö SRüdfidit ju nefimcn
fei. ©ö ift bcbenflidö, bicö im (Befege befonberö ju betonen unb baburd^ ben
^genfag beö fonfefrionclleu 83ewu6tfeinö im beutfd^en aSolfe oljne jroingenbe
3lotl) JU oerfd^örfen. 3nöbcfonberc ift axici) ju beforgcn, bafe, wenn eine ber*
artige 9Sorfd)rift Slufnaljmc finbet, bei gemifd^ten (gl^en gegen ba& Sntereffc
bcö SKünbelö bei ber 9Iuöwabl bcö SSormunbcö unter ^intanfc|ung fonftigcr
3ludffic^ten ju grofeeö ©ewidijt auf ba^ retigiöfc 33efenntni6 beö SWünbelö
{jelcgt wirb. !Ca6 im Uebrigen bei ber 9luömal)l beö SSormunbcö aud^ auf
baö rcIigiöfc Sefenntnife bcö aJlünbclö SWuctfid^t ju ncljmen ift, t)erftet)t fid^
t)on felbft.
1062 aSonmmbfd&aft üBer a»inbcriäl6ri0c. Ue6erna5mcpflid6t. § 1639.
«n^örunfl bes 2)0 bct (Sntiüurf bod Sttftitut bcö ©emclnbeiDaifcurat^ überl^aupt auf:?
wSt^eV senommcn ^at (§ 1725), fo ift cä jmecfmöfeifl, ju bcftimmcn, baß bad SBor^
munbdfd^aftdgerid^t naä) Stul^orung bcd ©emeiiibeiDaifentrat^ed bic äludiual^l
bcö 33ormunbcd ooriuncl&tncn l^abe, iiimal bic ©erld^te crfal^rungömafeifl mcift
gar n\ä)t in ber Sage ftnb, geeignete aSormünber o{)ne bic Unterftüßung ort-
(id^er Organe in ben Oemeinben ju finben (preufe. aSorm. D. § 19 3lbf. !)•
3m 3ufammcn^angc bamit fte^t bie aSorfd&rift beö § 1725 Slbf. 3, bafe ber
SBaifenratfi bem aSormunbfci^aftdgeri^te bie 5ßerfonen Dorjufd^tagen l&at, loeld&c
er in ben einjelncn gaUen jiir SeftcBung al& aSormunb für geeignet eraditet.
Xk aSorfc^rift, bafe baß aSormunbfd&aftögeriddt üor ber 3Iufin)al&l bcö 83or^
munbcö btn SBaifenrat^ l&oren foB, l^at inbeffen nur ben Sinn, bafe bem
legtercn bie ©elegen^eit, ^d^ ju finfecrn, gegeben wirb. 3Radit berfetbe oon
feiner Sefugnife feinen ©cbraud^, obroo^t if|m bie (Sclegcnl^eit baju geboten
ift, fo fann ba^ S8ormunbfd^aftögcrid(|t o^ne SRüdEfi^t auf il^n bie ^erfon be&
^ormunbcS beftimmen.
Safti ber Cor. 3Begen ber »egrünbung bcö § 1638 Slbf, 2 wirb auf bie 3lr. V ber all*
meinen Segrünbung biefeö Slbf^nitteö oben S. 1031 oerroiefen.
»orbe^üit ber 2)ie Scftimmung beS § 1638 Slbf. 3 beruht auf ä^nlid^en ©rünben, mic
entiaifunfl. j^j^j^^jg^^^ ,j,^{^g ^^^ ^^^ SSorfd^rift bcö § 1637 mbf. 2 geführt ^aben (DcrgL
aWotioe JU § 1637 oben ©. 1057). Slud^ gemeinre^tKd& fann bie obrigfeitlid&e
aScftellung eines aSormunbeö, roenngleid^ nid^t unter einer Sebingung ober
3eitbeftimmung, fo bod& für einen oorübergefienben SäebürfnifefoB erfolgen
(oergl. ferner preufe. 21. S. 9t. II, 18 §§ 125—127; öften\ ®. »• § 256;
föd^f. ®. S- §§ 1900, 1901 ; Weimar. ®ef. ü. 27. 3ßörj 1872 § 79). S)ic
preufe. aSorm. D. entf)ält in ber l&ier fraglidfien Slid^tung feine befonbere Sc*
ftimmung. 2)ie Suriöprubenj nimmt aber an, bafe eine ©eftcKung be« 3Jor*
munbeö auf 3^W juläffig fei (oergl. ü)Jotit)e ju § 23 beß ©ntio. ber preufe.
aSorm. D. ©. 68). Sieben bem Eintritte eines fünftigen ©reigniffeS aud& noc^
ben 2lbfauf einer beftimmten 3^it ju berücffid^tigen, ift nid^t für erforbcrIi(^
gefjaltcn, ba fjier eine beftimmte 3cit praftifd^ immer nur im 3ufammen^ange
mit einem beftimmten ©reigniffe in Srage fommcn loirb unb es bebcnflid^ ift,
o^ne einen fold^en 3wfömmen^ang bem 93ormunbSfd^aftSgerid&tc bie Sefugniß
JU geben, bie ©ntlaffung na^ Slblauf einer beftimmten ^c\t bei ber 39e*
ftcUung üorjube^altcn.
§ 1639.
Berpfi^tuufl <^xc ©cfegc crflörcu bic Uebernal^me ber Sßormunbfd^aft tljcilö aus^
*"m"me."' brüdfUd) für eine Staatsbürgerpflid^t (preufe. 21. Ö. 9t. II 18 § 109 ; preufe.
aSorm. D. §20; brem. aSorm.D. §3; ^amb. aSorm.D. 2lrt. 17; bapr. ®ntro.
2lrt. 36), t{)eite fcften fic bieS ftillfdEiroeigenb woraus (fäd^f. ®. 83. § 1881;
oftcrr. ®. 33. §§ 200, 193, 195; code civü 2Irt. 427 ; loeimar. ®ef. o. 27. ÜJtärj
1872 § 35; f)eff. entio. IV 2lrt. 35). S)ie Sftottjroenbigfeit einer Seftimmung,
bur^ TOcld^e bie Uebernal^me ber aSormunbfd&aft für einen 3eben, melcfter
fä()ig ift, aSormunb ju fein, unb n)eld)em ein 2lblel^nungsgrunb ni^t jur
Seite ftcl)t, für eine 3mangSpf[id^t erflärt wirb, {e()rt bie ©rfabrung, nad^
Sßormunbfc^aft iiBcr t3Itnbcnäl6nöc. UctcrnaJmcVflidjt. § 1639. 1063
TOcId^cr auf bic ^Jcrcitfd^aft ju einer frciiDiUigcu Uebcrual)me tcineöwegö in
qHcu gäDcn mit ©id^er^eit ßered&nct werben borf. 2)em Äarafter eines
gcmeinfameu bürgerlid^en (Sefefibud^eö entfprid^t eö, in Ülnfe^ung ber ^fli^t
äur Uebernafime ber SBormunbfdjaft an bic JRcic^öangeljöriflfeit, nid)t a\i
bic Stoatöongetiöriflfcit in ben einjclnen SÖunbeöftaoten, in n)cld)en bie Sc*
üormuubung einjutreten \)at, anjufnüpfen (ücrgl. mä) brem. 88orm. D. § 3).
3)ogegcn foB Sluölänbern, awä) wenn fic in 3^eut[d&Ionb n)oI;ncn, eine aScr*
pffid^tung jur Uebema^mc einer SBormunbfd^oft nid^t auferlegt roerben (oergl.
aWotioc ber preufe. SBorm. D. S. 65).
2)ic im § 1639 befttmmte SBcrpfüd^tung jur Ucberna^mc einer SJor*
wunbfd^aft trifft iebod^ nur benjenigcn, weldier auf Orunb bcö § 1638 3lbf. 1
burd^ bad 'Sormunbfd^aftdgeriddt ate SBormunb audgewäl^It^ ni^t aud^ ben*
ienigcn, rocld^er ouf ®runb bcö § 1635 9lbf. 1 alö SSormunb berufen ift.
35er ©ntrourf gel^t booon aM, bafe bic S3erufung auf ®runb bcö § 1635
9lbf. 1 nur bic Sebeutimg f)at, bcm berufenen ein Dorjugöroeifcö SRed^t auf
bic aSormunbfd&aft ju gewahren (oergl. bapr. ®nlro. 9Irt. 36, 30, 35), unb bafe
inöbcfonberc burd& eine IcgtroiDigc ^Beifügung einem S)ritten grunbfäfelid^ eine
3JcrpfIid^tung ni^t auferlegt werben fann. Der Stanbpunft bcö Gntmurfeö
^at au(^ praftifd^e SBebeutung für fold^e gfille, in meldten mel&rere auf Orunb
bcö § 1635 Slbf. 1 nad^ cinanbcr berufene ^erfonen oor^anben finb unb ber
junäd^ft berufene bic aSormunbfd)aft nid&t iibcrnel^men will, ba in bicfcm
^llc baö S8ormunbfd)aftögeridöt bcn lc|tercn wegen bcö nadf) il^m Scrnfenen
nid^t auf Orunb bcö § 1638 3lbf. 1 jum SBormunbc beftellen unb baburd^
baö 9icd(|t bcöfelben, bie Uebcrnafimc ber SBormunbfd^aft auf Orunb ber
nadft § 1635 Slbf. 1 erfolgten Berufung ju verweigern, iUuforifd^ mad^en fann.
iJer ®ntwurf bcf(anbclt bic SBcrpflid^tung jur Uebcrna^me ber ^ö'-'* ^*'«"i!^'
munbf^aft ni^t bloö alö eine offcntUddrcd^tlidjc, fonbcrn alö eine aud^ gegen*
über bcm aWünbcl bcgrünbctc gcfegUd&c SBcrpffid^tung, wcld)e, wenn fic aud&
nid^t im JRe^töwcgc erjwingbar ift, bod^ im gaüc it)rer SBcrtcfeung bie Haftung ^'2|J"jJJ,^|JJ*
jum Sd^abcnöerfafcc gegenüber bcm 3ßünbel mit [xd) bringt, gür baö röm. "eV*" '
Siedet, naä) wcld^cm ber Senifcnc oI)ne weitere SefteUung SSormunb würbe,
ergab fid) bic priDatrcd&ttid^c aScrantwortlid^feit im SBcgc ber actio tutelae
oon fclbft, wenn ber ^Berufene baöjcnige nid^t tf)at, W05U er t)crpflid&tet war,
unb für baö gemeine 9ted^t ergiebt ftd) ein ö^nlid^cö 'Ser{)ältnig, wenn man
ben SBcnifcncn btofflr t)crantwortli(^ mad&t, bafe er feinerfeitö bic rid)tertid}c
ScftcUung nad^fud^t. 2(ud& nad^ franj. JRcd^tc beginnt bic SScrantworttid^feit
gegenüber bcm 9Wünbel mit ber .Henntnife ber ^Berufung, unb jwar ^aftet ber
Scnifcnc, biö fein etwaiger SBcigerungögrunb red^tlid^ anerfannt ift, bcm
'ÜWünbcl für Sd&abenöcrfaß wegen ^flid^toerlcfeung (code civil 9Crt. 440).
9lber and) bicjcnigcn Ocfcfie, wetd&c oon bcm ScftcUungöprinjipc auögc^cn,
geben Aem ü)Jänbel liäufig fraft pofitioer SSorfcftrift einen Slnfprud^ auf ®rfafe
bcö il)m auö ber grunbtofen SBcigcrung bcö alö SBormunb Scnifcncn ent*
ftanbcncn Sd^abenö (preufe. 9r. S. 91. II, 18 § 204; öften\ ®. 33. § 203;
fäd&f. ®. SB. § 1899; tübccf. 3?orm. D. § 21; brem. a3onn.C. § 26; ^amb.
33orm. D. 2lrt. 17). I^cr Gntw. ber preufe. 93orm. D. entl)ielt im § 19 eben*
fallö eine fold&c Seftimmung. 3n bic preufe. SSorm. C ift fte inbcfien nid^t
1062 aSonnunbfd&aft üBer SKinbcrialSriöc. Ucberna5ntc^?flid6t. § 1639.
aii^örujtfl be« 2)a bcr (gntmurf baß 3nftitut bcö ©cmcinbcroaifcnratöcö ubcrl^aupt auf:?
x^\^^m- Senommcn ^at (§ 1725), fo ift cö jmcdhnäfeiö, ju bcftimmcn, ba^ baö S8or^
munböf^aftfigcridöt nad& Sluprung bc« Oemeinberoaifcnratficö bic äuömal^l
bcö 33ormunbcß oorjuncl^men l^obe, jumal bic ®crid)tc crfatirungömäfeig mcift
gar niä)t in bcr Sage ftnb, geeignete SJormünber ol)ne bie Untcrftüfeung ort*
(ic^cr Organe in ben (Semeinben ju finbcn (preufe. SBorm. D. § 19 aibf. 1).
3m 3ufammcn^angc bamit ftc|t bie aSorfd^rift bcö § 1725 Slbf. 3, bafe bcr
äBaifenratfi bcm SBormunbfd&aftögcric^te bie ^erfonen oorjufdjilagcn ^at, rocid&c
er in ben einjelncn gällen jiir Scftellung als äSormunb für geeignet erad^tet.
3}ie aSorfc^rift, bafe baii a3ormunbfdöaftdgerid&t üor bcr 3ludma^l bcö ^or:^
munbcö ben SBaifcnratl^ ^oren foH, l^at inbe^fcn nur ben Sinn, bofe bem
lefttcrcn bie Oelcgcni^eit, pd^ ju äufeern, gegeben wirb. 3)la6ft berfelbc t>on
feiner Sefugnife feinen ©cbraud), obroo{)l i^m bic ©elegetiljcit baju geboten
ift, fo fann baö aSormunbfd^aftftgcrid^t ol^ne SlüdEfidöt auf if|n bie ^erfon be&
$8ormunbcS beftimmcn.
Sa^i ber «or* 2Begen bcr »cgrünbung befi § 1638 Slbf. 2 mirb auf bie 3lr. V bcr all*
meinen Scgrünbung biefcß 9lbf(J6nitted oben S. 1031 oerroicfen.
^euÄ'n*'*'' ®^^ »cftimmung bcö § 1638 3lbf. 3 beruht auf ä^nlid^en (Srünben, mie
entta ung. j^j^j^j^^g^^^ ^j,^{^^ ^^ ^^ SSorfd^rift beö § 1637 2(bf. 2 gcfötirt ^abtn (t)crgL
aWotipe 5u § 1637 oben S. 1057). ^nä) gemeinred^tUd^ fann bic obrigfeitlic^c
SefteUung cineß aSormunbcß, menngleid) nid^t unter einer Sebingung ober
3citbeftimmung, fo bod& für einen oorübcrgef)enben Scbürfnifefall erfolgen
(Dcrgt. ferner preufe. 31. S. 91. II, 18 §§ 125—127; öfterr. ®. S. § 256;
fSd^f. ®. 33. §§ 1900, 1901 ; Weimar. ®cf. u. 27. 3ßärj 1872 § 79). S)ic
preufe. Sßorm. D. cntf(ä(t in ber l^ier fraglidfien 9lid^tung feine befonberc Sc*
ftimmung. 2)ie Surißprubenj nimmt aber an, ba^ eine ScftcHung bcß ajor*
munbcß auf ^z\t juläffig fei (Dcrgl. SWotiüc ju § 23 bcß ©ntm. ber preuft.
aSorm. D. S. 68). Sieben bem ©intritte eines fünftigen ®reigniffeß a\i6) noc^
ben Slblauf einer beftimmteu 'S^xt ju bcrüdfrid^tigcn, ift nid^t für crforberH(^
gdjaltcn, ba I)ier eine beftimmte 3cit praftifd^ immer nur im 3wfömmenl)ange
mit einem beftimmtcn ©reigniffc in grage fommcn wirb unb eß bebenflid^ ift,
of)m einen fold^en S^fammcn^ang bem aSormunböfd^aftfigerid^tc bie Sefugnip
JU geben, bie ©ntlaffung nad^ 2lblauf einer beftimmtcn 3^*it bei bcr 39e*
ftcllung tjorjubcl^aftcn.
§ 1639.
s5crvfii<^tuH8 <^x^ ©cfcßc crflörcu bic Ucbcrnal^me ber SJormunbfd^aft t^cilß aM^
*"«tt^me!" brüdflid) für eine Staatßbürgerppid^t (preufe. 31. S. 9i. II 18 § 109 ; prcufe.
aSorm. D. § 20; brem. SSorm.D. § 3; ^amb. a3orm.D. 3lrt. 17; ba^r. (Sntto.
3lrt. 36), ttjcife fegen fie bieß ftillfd^mcigcnb üorauß (fä# ©.95. § 1881;
öfterr. ®. 33. §§ 200, 193, 195 ; code civü 3Irt. 427 ; meimar. ®cf. o. 27. ÜMfirj
1872 § 35; ^ejf. ©ntm. IV Slrt. 35). S)ie 9ftotf)menbigfeit einer 33eftimmung,
burdö tocld^e bie Ucbcrnafime bcr aSormunbf^aft für einen Seben, mclc^er
fd[)ig ift, aSormunb ju fein, unb roeldöcm ein 3lble^mingßgrunb nid^t jur
Seite fte^t, für eine 3'^Q"9öpftid)t crHärt wirb, (c()rt bic (Srfabrung, nad^
aSoiinunbfcfeaft üba tüliubcriäjriijc. Uctcrnaljmcvflidjt. § 1639. 1063
rodd^er auf bic Scrcitfd^aft ju einer frciroilligen Ucbcrua^me tcineömegö in
ollen %aUcn mit Si^crf)cit gered^net locrben borf. 25em Slarafter eines
gemcinfamen bürgerlid^en ®eMbud)ed entfprid^t cö, in 2lntel)ung bcr ^^fli^t
jur Uebemafimc ber a5ormunbyd)aft an bic Sleic^öangel^origfeit, nid^t an
bie Staatöangetjorigfeit in ben einjelnen SÖnnbcöftaatcn, in roeWjcn bie Se-
üormunbung einjutreten l&at anjuifnüpfen (tjcrgl. aud^ brem. aSorm. D. § 3).
3)ogcgcn foD Sluölänbern, aud) wenn fic in 3^eutfd^(anb n)oI;nen, eine aScr-
pfftd^tung jur Uebemafjmc einer 3Sormunbfdf|aft nid^t auferlegt werben (oergt.
aRotioc ber prenfe. aSorm. D. S. 65).
2)ic im § 1639 bcftlmmtc a3erpflid)tung jur Uebernal)me einer aSor*
munbfd&aft trifft iebod^ nur benienigen, wetdder auf ®runb beö § 1638 Slbf. 1
burd^ bad ^ormunbfd^aftdgerid^t ald aSormunb audgemö^lt^ nid^t aud^ ben^
ienigen, roeld&er auf ®runb beö § 1635 Slbf. 1 als aSormunb berufen ift.
35er ©ntrourf gel(|t bonon auö, ba^ bic S3erufung auf ®runb beö § 1635
Slbf. 1 nur bie 93ebeutung ^at, bem berufenen ein ooräugömcifcö Siedet auf
bic aSormunbfdjoft ju gewähren (oergl. bapr. @nJro. Slrt. 36, 30, 35), unb bafe
inftbefonbcrc burd^ eine tcfttmillige aSerfügung einem ©ritten grunbfä^lid^ eine
aSerpflid^tung ni^t auferlegt werben fann. 2)er Stanbpunft beö ©ntwurfes
^at aud) praftifdde 83ebeutung für fold^e gälle, in roetd^en mcl&rere auf Orunb
beö § 1635 Slbf. 1 nad^ einanbcr berufene 5ßerfonen üor^anben fmb unb ber
junä(^ft berufene bie aSormunbfd^aft nidfit übernel^men mill, ba in biefem
^llc baö aSormunbfdjaftögeri^t ben tegteren wegen beö nad^ i^m 83crnfenen
nid&t auf ®runb beö § 1638 Slbf. 1 jum aSormunbc beftellen unb baburd^
baö Med&t beöfelben, bic Ueberna^mc ber a^ormunbfd^aft auf ®runb ber
nad) § 1635 Slbf. 1 erfolgten 83crufimg ju ücnoeigern, illuforifd^ mad^en fann.
2)er Entwurf be{)anbelt bic aScrpflid^tung jur Uebernal)mc ber aSor^ *"*'?"^'
munbf^aft nid^t bloö alö eine offentlic^rcd^tli(^e, fonbcrn alö eine ani) gegen* ^ * ""*
über bem aWünbel begrünbete gefefelid&e aSerpflid&tung, TOcld[ie, wenn fie au^
nid^t im SRed^töroegc eriwingbar ift, bod^ im gallc it)rer SBerlcfeung bie Haftung ^tung für
jum Sd^abenöerfafee gegenüber bem üJlünbel mit fic^ bringt. %nx baö röm. ""ei^^^*'
9led^t, nacö meld^em ber berufene oI)ne weitere SBefteDung aSormunb würbe,
ergab fid) bic pricatred^tlid^c aScrantwortlid^fcit im 2Begc bcr actio tutelae
t)on fctbft, wenn ber ^Berufene baöienigc nid&t tl(at, woju er ücrpflid&tct war,
unb für baö gemeine SRed^t ergiebt fid) ein ä^nlid^cö ^Scr^ältnife, wenn man
ben berufenen Itofür ncrantwortlid^ mad&t, ba% er feinerfeitö bic rid)terlid)e
Seftellung nadjifu^t. Slud^ nad^ franj. ^t6)it beginnt bie a3erantwortlid)feit
gegenüber bem 9Wünbel mit ber .Henntnife ber Berufung, unb jwar l^aftet ber
berufene, biö fein etwaiger aSeigerungögrunb red^tlid^ anerfannt ift, bem
'ÜWünbel für Sd^abenöerfaß wegen ^Pid^tücrlefeung (code civil Slrt. 440).
Slber and) bicjcnigen ®efege, wcld^e von bem 95eftcllungöprinjipc auögcf^en,
geben Aem SWünbcl pufig fraft pofitioer aSorfdfirift einen Slnfprud) auf ®rfag
beö i^m an& ber grunblofen aBeigerung beö alö aSormunb Senifcnen cnt*
ftanbencn Sd^abenö (preufe. Sl. 2. 91. II, 18 § 204; öften*. ®. 93. § 203;
fäc^f. ®. ». § 1809; tübecf. «onn. 0. § 21; brem. aSonn.C. § 26; \)amb.
aSorm. D. Slrt. 17). 2^er Gnlw. ber preufe. ajorm. D. entt)ielt im § 19 eben*
fallö eine foldde Seftimmung. 3n bie preufe. aSorm. C ift fie inbcffen nid^t
1064 9Sonnunbfd&aft üBcc SWinberjal&rioe. Uebcrna^mcpfü*!. § 1639.
übernommen, meil man bcrfclbcn im c^inblitfe auf bic ©d^roicrigfeit bcö ju
fül)rcnbcn Sewcifeö praftifd^ feine grofec Scbcutung beilegte (Scrid^t ber
^crrenI)auöfommiffion 6. 30). ©bcnfo fcnnt ber bapr. Gntro. STrt. 86,
121, 42 eine priDatred&tlid&e ^aftppici^t nnr für bcn befteUtcn SBormunb, nid^t
and) für bcn, mclcftcr fic^ weigert, fici^ jnm SBormimbe beftcHen ju laRen
(oergl. ferner meimor. ®ef. x>. 27. äJiärj 1872 §§ 38, 43).
SBcnngleid^ ber t|ier frogli^cn SBorfd&rift eine grofee praftifd^c ©ebeutung
nid^t jufommen mag, fo cmpfiel[)It biefelbe fid^ bod^ mit Stürfftd^t auf
baö 3ntereffe beö ü)lünbcte, wenn im befonberen galle ber Seweiö
geführt werben fann, baß bcm Sßünbel auß ber Sßcrlc|ung ber in SHcbc
ftefienben SScrbinblid^feit ein beftimmter Schoben crwad^fen ift, fowic von
bem ©efid^töpunftc anß, bafe bic aSorf^rift fid& afe eine angemejfene ^u^
gleid^ung jwifddcn bem Sefteüimgöprinjipe beö ©ntwurfeö imb bem ©tanb*
punfte bcrienigen JHed^te barftellt, naä) wcld^en bie ^ßflid^t beö SBormunbeö
bcreitö mit ber Berufung jur SBormunbfc^aft beginnt. Slud^ wirb bic SBor^
fdE)rift im 9lUgemeinen baju beitragen, grunblofe SBcigerungen ju oerminbern.
3n bem ®efe|c über bie gragc ju fd&wcigen unb bie Söfung berfelben an ber §anb
ber allgemeinen ©rimbfäfec, namentlid^ im 4>inblic!e auf bie Seftimmung beö § 704
9lbf. 1, ber 3uriöprubcnj ju überlaffen, ift alö bebcnflid^ eradjitet, ba eö crl&cb^
lid^en S^^eifeln unterliegt, ob in Ermangelung einer befonberen 33eftimmung
bic SBcrpflic^tung jur Uebernal^mc ber SSormunbfd^oft nidfit nur als eine
publi5iftifd^e, fonbern a\i6) alö eine gegenüber bem aJlünbel begrünbete priDat*
rccfttlid)e 5ßfj[id&t angefcljcn, bejw. ob auö bem § 704 9lbf. 1 eine aScrpflid^tung
jum Sc^abenöerfagc oon bcm Oefid^töpunfte eincö ©cliftcö auö l^ergeleitet
werben fönnte. S)aju fommt, bafe auö bem § 704 9lbf. 1 eine fold^c 33a^
pftid^tung fid^ icbenfallö nur bann ergeben würbe, wenn ber bie Ueber*
naijme ber 50ormunbfd&aft aSBeigernbe ben auö ber SEBeigcrung entftanbcnen
©dbaben f)at üorauöfcI)cn fönncn, bur^ eine fold&e ©infd&ränfung ber f|ier in
SRcbe ftef)enben SSerpPid}tung jum ©djabenöerfafec aber bic (entere i^rcn
praftifc^en SBertlj cin5ubü6en brol)t.
^ftwfeT' ^^^^" ^^^ prioatrcd^tlid&en aScrantwortli^fcit läßt ber Entwurf (§ 1639
©afe 3, 4) nad^ bcm SJorgange ber meiften ©cfcfec unb inöbefonbere im
engen Slufd^luffe an bie preufe. SBorm. 0. gegen ben ber Ueberna^me fid^
aBeigernbcn bie 3lnwenbung eineö öffentlid^cn Sn^^J^ÜC^ 8^ (oergl. prcuß.
31. 2. SR. II, 18 §§ 202, 205; preufe. aSomi. D. § 20 aibf. 2, 3; fädfif. ®. ».
§ 20; Weimar. ®cf. o. 27. SDMrj 1872 § 38; tübedf. 93orm. D. § 16; ^amb.
aSorm. D. 9lrt. 17; öfterr. ®. 83. § 203; bai)r. ßntw. 9W. 121). 5Dcr Entwurf
gef|t baoon ax\&, bafe nur ein mäßiger Bw'ö^fl^ "i^t ^"^ abfoluter S^anQ
äsujulaffen ift, ha berienige, weld^cr eine beftimmte aSormunbfd^aft mit cnt*
fd^iebenem SBibcrwillcn übernimmt, t)orauörid)tIicft fein guter 9Jormunb fein
wirb (uergf. SDlotioe beö bai)r. Entw. ©. 95). 3t)rcr 5Watur nad& I)at bic im
§ 1639 5ugelaffenc Strafe nur ben ftaraftcr einer Drbnungöftrafe, wcld&c bcn
3werf f)at, gegen bcn aScrpflid&teten einen ^roanq ju einem beftimmten 2:^un
auö5uüben, nid^t aber I;at fic einen ftrafredbtlid)cn Äarafta\ Eine aSerwanbelung
ber ©clbftrafc für ben gall ber Unbcibringlidjfeit fann ba^er nad^ allgemeinen
©runbffifecn nid)t eintreten. Eö empficf)It fid) and) uid^t, eine folc^e Um^
aSonnunbf*aft ükr aJlm^eriaWoe. Unfal)iöfcit. § 1640. 1065
Toanblung pofitit) jusulaffcn ober neben bcr ®elbftrnfc auö) eine greiljcitß*
ftrafc anjubrol^cn, wie bieö naä) bem fäc^if. ®. f8. § 1881 nnb bem bai)r. ©ntw.
^rt. 121 ber gaD ift. Sabci ^onbelt eß fid^ nalürlid) immer nur nm bcn
Swang pr Uebernaljmc einer bcftimmten SSormunbfdJlöft. ©elbftrebenb ftel)t
lüd^tö im SBege, benjenigen, roeld)er f)eute mit ©rfolg fid^ weigert, eine if|m
angetragene SBormunbfd&aft ju übernehmen, morgen ju einer anberen SBormunb-
fd&aft ^erouiujiel^en, fo bafe eß nid^t etwa bem SReid^en frciftefit, fid^ ber SSor-
tnunbfd^aftßlaft für ein ©cringeß jum 9Jad^tl^eiIe feiner minber mol^I^abenben
^Bürger ein für alle 3Rol ju entfd)lagen.
Dafe bie SBeigerung, bie Sßormunbfd^oft ju übernehmen, eine unbegrünbete
fein mufe, «m bie Slnmenbung dou 3wJongßmaferegeln ju red^tfertigen, ift alß
felbftperftänblid^ erQ^tet. ©agegen ift bie 9lnbro^ung t)on Drbnungßftrafen
Jiid&t t)on einer porgfingigen ünterfud&ung ber grage abfiängtg, ob bie SBeigerung
ober aSerjögerung ber Ueberna^me olß eine fdEiulbDoDe fid^ borftellt. 2)ie
©d^ulbfrage fommt erft banrt in 33etrad^t, rocnn eß fid^ barum Ijonbclt, ob
bie Drbnungßftrofe verwirft ober auf Orunb norgebradfiter ©ntfd^ulbigungß-
flrünbe oon berfelben Slbftonb ju nehmen ift. ®benfo t)erftef|t eß fid& t)on
felbft, bofe ber grunbloß fi^ SBcigernbe bie burdE) bie SBeigerung entftanbenen
Äloften nad^ SRaggabe ber Äoftengefefee inforoeit ju trogen Ijot, alß burd) bie
SBeigerung befonbere, nid[|t bereitß burd^ bie aDgemeincn, bem üRünbeloermögen •
jur Saft faHenben Äoften beß SBormunbfd^aftßmefenß gebetfte Soften entftanben
fmb, unb bafe eo. ber aJlünbel bie il^m barauß etwa erroad^fenen Soften auf
©runb ber S3eftimmung beß § 1639 ©afi 2 erfefet verlangen fann.
S)aß in t)erfd)iebenen ®ef efeen bem 3lid^ter eingeräumte SRed&t, auf ®efal^r ^«^'»"fl '***
unb ftoften beß fi^ SBeigernben einen anberen SBormunb ju beftellen (ocrgj. ^beruatöT
preufe. 21. S. SR. U, 18 §§ 205, 206; fäd&f. @.S3. § 1899; lübecf. SSorm. D. «'''"«"*^-
§ 16), foU, meil ju meitgelienb, bem SRid^ter nid^t iufte^en. 3(ud& bie preufe.
35orm. D. unb ber bai)r. (Sntrourf I;aben eine berartige pofitioe SSorfd^rift nic^t
aufgenommen.
§ 1640.
SBenngleid^ ber § 1638 S[bf. 1 baß Sßormunbfc^aftßgerid&t anioeift, nur unta^iflfeit,
<?ine fold^e 5ßerfon alß SSormunb außjuroäblen, weld^e nad^ i{)ren perföntid^en *^"{dn!* *"
aSerliältnijfen unb nad^ il^ren SBermogenßüerFiältniRen fomie nad^ ben fonftigen
Umftänben beß gallcß jur güfirung ber 9Sormunbfd&aft geeignet ift, fo ift eß
bod^ nad) bem übereinftimmenbcn SSorgange ber geltenben SRed&te angezeigt,
beftimmte gefefelid^e Unfäl^igfeitßgrünbe auf juftcllen, meiere baß SBormunbfd^aftß'
gerid^t nötl^igen, gemiffe 5ßerfonen unter beftimmten SSoraußfcgungen in feinem
gaUe iu SBormünbern ju befteDen. Slufeerbem ift bie Shifftellung bcftimmter
Unfätjigfeitßgrünbe mit JRüctpdjt auf bie nad) § 1635 2lbf. 1 berufenen nid^t
jU entbel^ren (üergl. § 1635 2(bf. 1). ®er Gntrourf gef)t aber, namentüd)
ium ©d^u|c beß SRed^teß ber in ®emäfeljeit beß § 1635 3ibf. 1 berufenen,
fomie mit Slüdftd^t auf bie bem ©rmeffen beß 33ormunbfd(iaftßgerid)teß weiten
SRaum Ia?fenbe Sßorfd^rift beß § 1638 Slbf. 1, baoon auß, bafe alß Unfäljigfeitß^
grünbe nur fold^e St^atfad^en anjuerfennen fmb, auß roeldEien bie Untaugüd;-
1066 aSormunbf^aft üBcr SKinbcriaWQe. Unfä^ioWt § 1640.
feit, aSortnunb jii fein, oI}ue SBcitereö pd^ crgicbt, b. 1). o^nc bafe cö einer
näfieren ^ßrüfung bcr fonfretcn Umftänbc unb aSerl^ättniffc pon Seiten beft
aSormunbfd^aftöflcrid)teö bebarf.
Sßennglcid^ bic im § 16i0 bcftimmten Unfäl)i9feitöflrünbc, abgefe^en von
bem gallc ber ®efdfcfft«unfä^igfcit bed befteBten SBormunbeß (§ 1640 9lr. 1),
nad^ § 1646 auf bie ©ültigfeit bcr SeftcBung otjnc ©influfe ftnb unb beöl^alb
in 9BirfIid)feit nur bcn Äarafter von Untauglic^fcitögrünben im ©inne beft
gemeinen 3led}teS f)abtn, fo ift bodö eine furje ted^nifd^e 33cjeid^nung ber Ijicr
in SRebc ftel^cnben gälle au0 reboftioncUcn ©rünben nic^t rool^I ju entbcl^i^cn,.
ber äußbrud „unfäl^ig'' aber bem Sluöbrude „untaugfid^" namcntlid^ um bcö*
millen uorjugie^en, meil baburd) bie ^äDc bed § 1640 t)on benjenigen ^aKcn,
in n)e(d)en eine ^erfon aud anberen ©riinben nid^t old geeignet erf^eint,
jum aSormunbe beftellt ju n>erben (§ 1638 3lbf. 1), fd^arfer abgehoben loerbcn
unb jubem aud^ baß Str. ®. 93. § 34 9ir. 6, foroie bic preufe. SBorm. D. § 21
ftd^ befi Sluöbrudeß „unfäl^ig" bebienen.
3m Ucbrigen ift jum § 1640 im (ginjelncn uo^ golgenbeö ju bemerteu:
«efc^f»* 1. 2)a6 eine gefd^äftßunfä^igc ober in bcr (Scfd&äftßfäl^igfeit befdbräntte
«nfä^iflfeitacspgj^^j^ (oergl. §§ 64, 65, 70, 71) unfal)ig ift, «ormunb ju fein, liegt in ber
3Jatur ber ©ad^c. 9lnbererfcitß fe^lt eß an einem außrcid^enbcn ©runbe,.
einen a)iinberi8I)rigen, meld&cr für üoUiä^rig crflärt ift, in 3lbn)cidöung von
bem ^rinjipe beß § 26 für unfähig ju crflärcn, SSormunb ju fein, roenngleit^
üerfd)iebenc (Sefeggebungen, inöbefonbere anä) bie preuft. 95orm. D., in biefer
^infidjt auf bem cntgegengefefeten ©tanbpunfte ftel^en (ücrgl. 1. 5 Cod. de leg.
tut. 5,3o; preufe. aSorm. D. § 21 3lv. 1, 2; ofterr. 0. 95. § 191; föd^f. ®. 93.
§ 1885 9ir. 2, 3; meimar. ®ef. v. 27. aßärj 1872 § 32; lübed. Sorm. D.
§ 23; brem. aSorm. D. § 23 lit b— d; l^amb. SSorm. D. 9lrt 16 5Rr. 1;
Code civil 2lrt. 442, 396; Ijeff. Qntm. IV Slrt. 29; ba^r. ®ntro. »rt. 37
9lr. 2, 3).
«flenf<^ft 2. 2)er im § 1640 3lv. 2 anerfanntc Unfäf)igfeitßgrunb entfprid^t ber
""fÄ«"' P'^^"^- ''^^^^' ^' § "^^ ^^^' ^ ""^ uerfd^iebenen anberen neueren ©efefi*
gebungen (ücrgl. brem. SJorm. D. § 23 lit. g; lübed. aSorm. D. § 23 lit. c;
l^amb. Sßorm. D. 3lrt. 16 3Jr. 2). Slbcr aud^ fold^e ©efege, meldte in bicfer
93ejief)ung eine außbrüdUc^e 93orfd^rift nid^t enthalten, gemö^ren bod) mittelbar
ber Oberoormunbfd^aft regelmäßig bie SRoglid^feit, ben ®emeinfdf)ulbncr alß
eine bcbenflid&e ^^Jerfon von ber '^ormunbf^aft außjHfd&tiefeeu. 3)er baqr.
©ntmurf (uergl. 3)lotiüe beßf. S. 63) crfennt baß Sebürfnife, bm \)kx fragli^en
Unfäf)igfeitßgrimb aufjufteHen, uic^t an. Ueberroiegenbc ©rünbe, inßbefonbcrc
bic Siüdfid^t auf baß Sfitercffe beß ÜKünbclß unb auf ben öffentlid^cn 3lnftanb,
fpred)en inbetlcn für bie 9tufnal^mc bcr 93eftimmung (uergl. aud& § 1553).
öCTiufi ber 3. 2)ie ©cfefee gcroöfiren regclmäfeig bie 3Hi>g(idöfeit, ^ßerfoncn, meldte
«?J?^*^tT ^^8^" fd^rocrcr aSerbred^cn ober iJcrgel^en ftrafrcd^tlid^ ücrurtl^eilt fmb, üon
einer Siormunbfd^aft außjufd^Iicfeen, fei cß, baß fic in gemiffen gäUcn an bic
3Serurtf|cilung bie Unfäf)igfcit, aSormunb ju fein, fnüpfen, fei eß, bag jie
bem aSormunbfdöaftßgcrid)tc im rocitcftcn Umfange bic 9M5gIid^feit gemfi^rcn,
?ßerfoncn, gegen bereu 33eftcIIung ju aSormünbern 33cbenfcn üorliegen, üon bcr
SScnmmbf^aft üfcr SWhibcriä^rißc. Unfäfiöfcit. § 1640. 1067
SSormuubfd^Qft ouöiufd^Uc6cn (ocrfli. fäd&f. ®. 93. §§ 1886, 1889, 1890, 1893;
rocimar. ®cf. o. 27. üKörj 1872 § 32; ofterr. ©.35. § 191 unb öftcn:. ®ef.
ü. 15. Sioocmbcr 1867; lübedE. 33orw. D. § 23; brcm. aJorm. C. § 23 lit. g;
[)Qmb. »omt. D. 2lrt. 16 9?r. 3, 4; code civil airt. 25, 443, 444; ^cff.
entw. IV 3lrt. 28—30; bQi)r. entro. STrt. 37 im ®ing.). 2)er ©ntiüuvf löfet
cö in bicfcr cfeinfid^t in Uebcvcinftimmung mit ber prcufe. aSorm. D. § 21
3lx. 3 bei bcn ^eftimmungcn bcö Str. ®. S. § 34 9lr. 6 bcjoenbcn. Sluö
bcr goffunfl bcö § 1640 91r. 3 crgiebt fid^, ba% ba^ jerocilige ©trafßefcfebud^
mo6gebenb ift, eine Slcnbcrunfl bcö gegenwärtigen ©trafgefefebud^eö in ben
(jier fraglid[)en 33c}ic]^ungen mitljin eine glei^ieitige 3lenberung bed bürget«
ticken ®e[e^bud^eö nid^t crforberUd) mad^t.
4. 3n Ucbercinftimmung mit bem geltenben Siedete l^ält ber ©ntrourf ,JJ"^S|^*
als Siegel baran feft, bafe eine grau unfQl)ig ift, SSormunb ju fein^). S)er
Umftanb, bog bad ®efe|bud^ bie unbefd^ränfte ®efd[}äftöfä^igteit ber grauen
auf bem ®ebietc beß ^rioatreddteß anertennt imb ber SWutter gegenüber i^ren
Äinbern bie eltcrUdde (Seroalt einräumt, fann in feiner SBeife baju nöt^igen,
aud) ben ^ier fraglid^cn Unfä^igfeitögrunb allgemein aufjugeben. SRidfitiger ift
eö t)ielmel^r unb gerabc auc^ im 3ntereffe ber grauen geboten, biefctbcn mit
ber ^^fli^t jur Uebemal)me öffentlid^er Slemter unb in biefem ©innc aud& mit
ber ^Pflidjit beß SBormunbfd^aftßbienfteß ju - t)erf d^onen. 3nßbefonberc ift, mcnn
ber ^ier in Jlebe ftelienbc Unfö^igfeitögrunb allgemein aufgegeben wirb, ju be«
forgen, ba^ gegen baß 3ntereffe ber aWünbel unb gegen baß 3ntereffc beß
öffcntlid^en 2)ienfteß oon ber SBefugnife, grauen atß SSormünbcr ju beftellen,
in JU gro§em Umfange ®ebraud> gemad^t werben fönntc. ®leid^molöl finb «««»w^me,
nad^ bem nal^eju übereinftimmenben SJorgange ber geltenben 9led)tc (uergl.
bagegen lübedP. SSorm. D. § 23 ; jür. ®. 93. § 334) gemiRc 9lußna^men an-
juerfennen. liefen Slußnal^men liegt ber ©ebanfe ju ®runbe, baß in befonberö
nal)eu uermanbtfd^aftlid^en ^Ser^öltnif[en au(S) bei grauen bie ®rünbc nid^t
obmalten, meldte eß n)iberratl[)en, bie grauen im ^}lllgemetneu gleich ben aßännern
5um aSormunbfd&aftßbienfte ^eranjujlel^en, inbem l(ier ber ®efid&tßpunft beß
offentlid^en 3lmteß, ber ©rfüBung ftaatßbürgerlid^er ^fKd^ten, in ben hinter-
grunb tritt gegenüber bem ®eftd^tßpunfte eineß inbiuibuellen 93erufeß im
Snncrn ber gamilic, ju beffen ©rfüDung aud^ bie grau fe^r mol^l geeignet ift
unb, ot)ne bafe i^re SBürbc barunter leibet, l)erangejogen werben !ann. 3nß*
befonbere ift eß in Dielen göUen baß Siatürlid^ftc unb 2lngemejfenfte, roenn bie
Snutter aud) in fold^en gällen, iuiweld^en il)r bie elterli^e ©emalt uerfagt
wirb (oergl. inßbef. §§ 1558, 1570), mä) bem (grmeffen beß SBormunbfd^aftß^
gerid&teß jum SSormunbc über il^r minberjä^rigeß Äinb beftellt werben fann.
2)iefe 3lußna^me fteljt aud^ mit bem geltenben Siedete im ©inflange. SRegel*
mä§ig ift im Slufd^tuffe an baß rom. Jled&t aud^ bie ©rogmutter für fällig
frflärt, gSonnunb ju fein (oergl. preufe. 31. S. % II, 18 § 143; preuft. SSorm. D.
§21 3lbf. 2; ofterr. ®. SS. § 198; fäddf. ©. 93. § 1885; weimar. ©ef. o.
^) SSergl. baöegcu ^-^ctiticn beS aHo. bcutfd&eu JraucnüereincS an ben 3{eid&ßtag,
afcflcbrudft in ,?lcue Safincn", Drgan beS aDfl. bciitfd^crt ^raucnccreincö, SBb. xn,
1877, 5Rr. 8.
1068 93Drmunbf*aft über affiuberiä^rioe. Unfäl^iöfcit. § 1640.
27. aWärj 1872 § 32; brem. Sßortn. D. § 23 Ut, a; \)amb. SBorm. D. 9lrt. 16, 8;
codo civil 3(vt. 442 ; I}eff. (Sntro. IV 3lrt, 29), roicroo^I cinjclnc JRcd^te, fo bnö
loürttemb. SRccftt (pcrgf. auä) ha\)v. ®ntn). 2[rt. 37 9lr. 1), fic md)t jufancn.
3nöbefonberc war anä) in bem ßntiü. bcr preuß. SBorm. D. § 20 3lx. 3 bic
©rofemuttcr aiiögcfd^loffcn. JBcreiiö bie Rommiffion bcö ^errcnl^aufcö (ftom-
tniffionöbcridjlt ®' 31) erklärte pd^ jcbo^ für bic S^^'ßüwng bcr ©rofemuttcr.
Snbcm fic bic gragc, ob bic Unfäfiiöfcit bcr grauen, SBormünbcr ju fein, nad)
i^n gütigen SScr^ältniRcn nidf|t überhaupt aufiUßcbcn fei, ücrncintc, wfinfcfttc
fic auf bcr anbcrcn ©citc bringcnbc Scbürfniffc in bicfer SRld^tuncj ju bcrücf^
ftc^figcn. 9Iud^ bcr uorlicgcnbc (Sntmurf Ijat fid^ unbcbcnfüd^ iu ©unftcn bcr
gäl^igfcit bcr ©rofemuttcr cntfd&icbcn. 5Rod) weiter ju gc^cn unb mit bcm
Code civil ärt. 442 unb bem ital. ®. 93. 3lrt. 268 übcrl^anpt wcibüd^c 3lf jcn^
beuten ober mit bcm ital. ®. ffl. Wct. 268 unücr^cirat^etc t)onburtigc ©d^rocftcm
pjulaffcn, empfiehlt fid^ iebod^ nid^t; bagcgcn ift cd unbcbcnflid^, nac^ bcm
Vorgänge bcr preufe. SJorm. D. § 21 9(bf. 2 grauen, rocld&c nac^ bcn S3c5
ftimmungcn bcr §§ 1635, 1636 jur SSormunbfdJiaft berufen fmb, ffir fäl;ig ju
erMären, ^ormünber ju fein.
«^efrouen. ®ie gäj^igfeit ciucr grau, in bcn jugclaffcnen gälten aSormunb ju fein,
ift nic^t bauon abl^ängig gemalt, ba% bic grau unocrl^cirattict ift. 3n lieber-
cinftimmung mit bcr prcufe. SBorm. D. § 21 Slbf. 3 ^at icbod^ bcr ©ntwurf
bem 3ntercffe bcö ©l^emanncö, bamit feine 6()efrau burd^ bereu SeftcBung jum
aSormunbc bcn i^r in gotge bcr cljclid^en ©emcinfd^aft oblicgcnbcn 5ßfH(^tcn
nid}t entjogen werbe (ucrgl. § 1275), burd^ bic SSorf^rift bc« § 1641 SRcd^nung
getragen, baft eine (g^efrau, weld^c mit einem 3lnberen afe bem SSater bc«
3)iünbcld Dcrl&ciratlict ift, nur mit Swftinimung i^rcß ®^cmanncö jum 95or*
munbc beftcHt werben barf (ocrgl. ferner § 1705 9lr. 3). ©in SSebürfnife, eine
©Hrau fdbledfitfiin für unfäfiig ju erflärcn, fann im fiinblidfc auf bic S^or-
fd^riftcn bcö § 1637 9lbf. 1 unb bcö § 1638 9lbf. 1, wcld&c bem ermeffen bcö
aSormunbfc^aftögerid^tcö für bcn cinjclnen gall auörcid^cnben Spielraum laffen
(ücrgl. aud^ § 1707), nii^t anerfannt werben. 9luö bicfcm (Srunbe {)at bcr
Entwurf aud[i bie in bcr preufe. SSorm. D. § 21 9lbf. 2 fidji finbenbc, auf einem
93cfd^luf[e bcr Äommiffion bcö $errenl)aufeö beru^enbc 33cftimmung, bafe bic
aJhittcr unb bic ©rofemutter jur güljrung bcr SJormunbfd^aft unfäf)ig fein
follen, wenn fic bei etwaiger J'rcnnung bcr @f)c für ben fd&ulbigen 2:^cil er*
hört fmb, alö cntbcf)rlid^ crad^tet. 3cnc öeftimmung ge^t awi) ju weit, ©ö
fann unter Umftänben unbcbcnflid) unb fogar angemcffen fein, au^ in einem
fold^en galle jene ^erfonen alö SSormünber ju beftcUen.
«uM^uc^uns 5. 2)cr im § 1640 9lr. 5 anerfannte Unfäl^igfeitögrunb cntfprid^t einer
»aÄrbie fl^ofe^" 3öf|l ^ou Dlcdjtcn. ® IC Ic^tcrcn geben baö SRc^t, beftimmte ^erfonen
wutter. x)ün bcr ajormunbfdfiaft auöjufd&Iicfecn, jum 2^^eil nur bcm 83atcr (preufe.
31. 2. SR. ir, 18 § 143; öftcrr. ®. 58. § 193; lübed. SSorm. D. § 23 lit. d;
brem. SBorm. D. § 23 lit li; ^amb. SSorm. D. 3lrt. 16 9lr. 6), jum S^eit
aber bcm Sßater unb bcr SKutter (1. m § i> D. de tut dat. 26, d; 1. un. Cod.
si contra matr. vol. 5,4?; fäd^f. ®. S. § 1887; preufe. SJorm. O. § 21 3lr. 6;
Ijclf. entw. IV 9lrt. 30 9ir. 3, 9lrt. 23; baijr. ©ntw. 9lrt. 38). ®aö franj.
Siedet fcnnt bcn I)icr in 9Jcbc ftcl^cnbcn llnfä^igfcitögrunb fibcrl;aupt nic^t.
Sormunbfd&aft ükr 2)?infccria5riöe. Unfä^iofcit. § 1640. 10G9
Scr ©ntwurf ift bcnicnigcn SRcd^tcn ßcfolflt, wcld^c baä Siecht bcr 3luö=^
f^ticfeung bcm aSatcr unb bei* 3ßuttcr einräumen; er gicbt aber bei wiber*
fprec^enben SJlnorbnungen bcr Stnorbnung bej5 SBaterö vov ber bcr ÜKuttcr
unbcbingt bcn SBorjug unb beftimmt bcö^alb — abiDcid^enb üon bem l^cff.
©ntn). IV Slrt; 30 3lx. 3, 9lrt. 23, nad^ njeld&em rcgetmäfeig nur ber leßt^
(ebenbe @(terntl^ei(, n)ic baö ätcd^t ber Benennung, fo aud) bod ber 9lus-
fdilliefeung l&at — bafe ber in (Semöfel^eit.ber §§ 1635, 1636 t)on bem SBatcr
alß aSormunb benannte von bcr äWutter nidit ouögefd^lojfcn werben faniu
2)iefer oon bcm ©ntrourfe eingef d^lagenc SDSeg entfprid&t cinerf eitd bem ^rinjipe
ber ^lttxi\6)cn ®en)o(t beiber ©ttern, anbererfeitö bem im § 1635 Slbf. 1 unl>
in anbercn Scftimmungen be« ©ntmurfeö (§§ 1693, 1718 Slbf. 2) jum 3luß^
brude gelangten ©ebanfen, bag bcm SBater ein flberroiegenber @influ§ gebftl^rt ;
er beseitigt Äonflitte jroifd^en cinanbcr roibcrfprcd&cnben SBerfügungen bcft.
93aterö unb bcr aJlutter unb genügt bem prattifddcn Scbürfnijfe. (Segen bie
in Siebe ftel^cnbc Seftimmung fann aud& barauÄ ein 83ebenfen nidbt entnommen
merbcn, baß auf bicfc SBeife bcr SJater aud^ bie iülutter üon ber SSormunb«^
fd^aft auöiuf daliegen bcred^tigt ift, ba bied nur in fotd^cn fällen praftifd^
werben fann, in meldten bcr äWuttcr auöna^mömeife bie elterliche ©ewalt
nid&t iuftcl[)t, in biefen gSllen aber, inöbcfonberc in bem gaDe, in weld^cm
bie aölutter bie clterlid^c ©croalt burdd ©d&liefeung einer neuen 6^e tjcrlicrt,.
bie Scfugnife beö 58aterö, bie aJluttcr von ber SBormunbfddaft audxufd^tiefeen^
bcn SBcr^ältniffcn burd^ouö cntfprid&t. Uebrigend rfiumt bcr § 1640 3lv. d-
bcm 3Satcr unb ber üButtcr nur baö 9le^t ein, beftimmt beseid^nctc ^Perfonen
Don ber SBormunbfdfiaft auöjufd^liefecn. Slnorbnungen , burd) meldte ganje
Älaffcn pon 5ßerfoncn außgefd^to^fen werben, foll bie SBirfung, bafe baburd>
fammtlid[ic Slnge^origen fold^er Älaffen gefeßlid^ unfähig roiirben, nid&t bci«^
gelegt werben.
3n Slnfe^ung ber SBoraußfefeungen, von weld^en baß Slußfd^liefeungßrcc^t
bcß aSaterß unb ber aJlutter ab^öngig ift, wirb auf bie SWotioe ju § 1636
Sejug genommen.
Stnberen 5ßcrfonen, alß bcm aSatcr unb ber Sßutter, räumt ber ©ntwurf
ein älußfd^liegungßreddt nid^t ein, inßbefonbere nid^t bem ©rogoater ober bcm
2^cftator ober bem ©d^enfcr in Slnfel^ung bcß jugewcnbcten SBermögcnß,
wie bieß nad^ ber brem. SBorm. D. § 23 lit li unb ber ^amb. SSorm. D.
9lrt. 16 3lt. 6 ber gall ift.
6. SSerfd^iebene 9led^te liaben nod^ eine Slnjal^l anberer Unfäl^igfcitß^ stie^tiunff
grünbe aufgcftcDt. So werben alß unfä^iig bejeid^net fold^c ^erfoncn, weld^c un"ätifltehd*
offenfunbig einen unfitttid&en üebeußwanbel fül^ren (prcufe. SSorm. 0. § 21 aröw^e.
3ir. 5; code civil Slrt. 444; baxjx. 6ntw. 9lrt. 37 3lv, 4), weld(|c bereitß cim
mal eineß oormunbfd^aftlid^en SImteß entfegt finb (lübecf. 93orm. D. § 23
lit. b; brem. SSorm. 0. § 23 lit f; prcufe. 31. S. SR. II, 18 § 136; hav)x.
@ntw. Slrt. 37 91r. 5), weld^e in fd^led^ten, inßbefonbere in jerrüttetcn SScr*
mögenßoerl^ältniffen leben (lübcd. SBorm. D. § 23 lit c; brem. SSorm. D.
§ 23 lit g; liamb. aSorm. D. 3lrt. 16 3lx. 2); ferner ^erfonen, wcld^en cß
an bcr erforberlic^en 83ilbung fe^lt, inßbefonbere Sefenß* ober ©^reibenß*
unfäljigc (württemb. 9lcdS)t; Iflbecf. SBorm. D. § 12; liamb. »orm. D. 3lrt. 16
1070 S3ormunbf$aft ü6cr aninbcriajriöe. Unfa6ig!eit. § 1640.
3lv. 7; öftcrr. ®. 95. § 191; M. Qntro. IV 3lrt. 30 5Rr. 5); ^erfoncn, welche
tnit bcrtt aWünbcI ober bejfcu ©Itcrit in einen 9ied&tfiftreit tjerroidelt fmb (code
dvü ärt. 442; preug. 31. S. SR. II, 18 § 145; ofterr. ®. 93. § 193; lübcdf.
«orm. D. § 23; brem. SJorm. D. § 23 lit. c; ^amb. Sßorm. D. 9lrt. 16 9lr. 5;
fieff. 6ntm. IV 3lrt. 30) ober beren ^ntereffen fonft mit bcnen bcö a»ünbcte,
tiamentlid^ wegen eineß jmifdöen il^nen beftel&enbcn ©ci^ulboerliältniffeö, foflibircn
<6rem. SBonn. D. § 23 lit. c; l|omb. SBorm. D. 3lrt. 16 SRr. 5). ««eben biefcn
I)äufi8er beräcffiddtigten ©rfinben finben ftd) l^in ttnb n)ieber nod^ Unfä^igfeitö^
flrünbc für STuölänber (oergt. roürttemb. ®ef. x>. 28. 3uni 1876 Slrt. 1), für
€^riftcn unb 5lid&td^riftcn untereinonber (preufe. 3(. 2. SR. II, 18 § 137 ; Dergl.
3Rotiue ber preufe. SSorm. D. ©. 66 unb Serid^t ber ^crrenJ^aufifontmiffion
©. 34), für DrbenögeiftUd&e, ©pitalpfrünbner, ftranfe unb Oebred^üdje, ©tief-
Dätcr (entw. ber prcufe. SBorm. D. § 20 nebfi SWotipen ©. 66 unb 93eri(^t
ber ^errenl^auöfommiffion ©. 33), ferner für bcn unel^elid&en ©rjeuger (©ntn).
t)cr preufe. 95orm. 0. § 20 nebft SSerid^t ber ^errcn^auöfommiffion @. 33)
iinb für eine SRcil&e anberer 5ßcrfonen crroäl^nt, roeld&e einjeln anjufüfircn
oljnc 3ntcreife ift. 2)ie einfielet, bafe eö im SBege ber Äafuiftif bod) niemals er-
x^\6)i werben fann, baö Sntereffe beö Sßünbefe gegen bie SefteDung eines i^m
{)effiI;rKd(|en 93ormunbeS ju fd^|en, \)at bie ©efege Dielfad^ bal^in gebröngt,
burd^ mel&r ober weniger allgemeine Älaufeln ber Dberoormunbfd&aft bie
URogli^feit ju gewäl^rcn, eine im befonbcren galle ungeeignete 5ßerfon aus
Orünben bes einjelnen galles pon ber Sßormunbfd^aft auSjufd^liefeen. 3nß*
befonberc ift nad^ gemeinem SRedJite bie Dberüormunbfd^aft befugt, aud& in
joldS)en göUen, in weld^en ein eigentUd^er Unfäl^igfeitsgrunb ni^t t)orIie9t,
bie 2:auglid&feit bc« S3erufenen im befonberen gaUe im weiteften Umfange ju
prüfen (oergt. 1. 3 § 12 D. de susp. 26, lo). SRadj) bem fäd^f. ®. 83. §§ 1886,
1889, 1890 ift ferner ber SRid^tcr niemals genötl^igt, einen SBormunb ju be^^
ftellcn, wenn bemfelben 33ebenfen entgegcnfte^en. Slud) bas preufe. 31. S. SR.
II, 18 §§ 110, 129 giebt in biefer SRidfitung bem SRid^ter jebe erforbedid^c grci^
J^eit; ebenfo flnb anbere ©efefec bemüht gewefen, burd^ eine l^inreid^cnb weite
gaffung ber cinjelnen Unfäl^igfeitsgrünbc bem rid^terlid^en ®rmeffen einen ge«
wiffen ©pielraum ju lajfen (t)ergl. j. 93. öftcrr. ®. 93. § 191 ; ^eff. ©ntw. IV
mrt. 30 SRr. 4, 5).
®er ®ntwurf ^at es ni^t für angemcffen, aud& nid^t für erforberlid^
<radf|tet, neben ben im § 1640 beftimmten Unfäf|igteitSgrünben nod^ weitere
Unfä^igfeitsgrünbe oufjufteDen, ba bas Sntereffe beS SKünbelß im Uebrigen
burd^ bie 95cftimmungen bes § 1637 Slbf. 1 unb bes § 1638 Sftf. 1, welche
iem Grmeffen bes SSormunbfd^aftSgerid^tes fiinreid^cnben Spielraum laRen,
genügcnb gefd^ü|t ifl (oergl. oben S. 1065). Slus bicfem ©runbe liegt ins-
iefonbere aucft fein Sebürfnift t)or, mit ber preufe. SBorm. D. § 21 SRr. 5
<Dergt. oben ©. 1069) bcnjenigen für unfäl^ig ju ertlären, SBormunb ju fein,
wetd^er offenfunbig einen unfittlid^en Sebenswanbel fü^rt. S)aju tommt, bafe
We aSorauSfefeungen biefes Unfäl^igfeitsgrunbes ju unbeftimmt unb ju wenig
greifbar ftnb, um lebiglid^ barauf bie 93efugni6 bes 9Sormunbfd(iaftsgerid^teS,
btn in ©emäfe^ieit beS § 1635 3lbf. 1 als 9Sormunb 95erufenen ol^ne beffen
^uftimmung ju übergel)cn (§ 1637 3lbf. 1), grünben ju fönnen. 3m Uebrigen
S5onnunbi"4. über SWinbcrj. SeiMung einer gfiefrau 2C. §§1641,1642. 1071
fielet ber »on bem ©ntrourfc cingefd^Iagene 9Beg mit bcr preufe. 5Borm. D.
§ 18 Stbf. 2, § 19 3lbf. 1, § 21 im ^:ßrinjipe im einflonge.
§ 1641.
S)ic Orünbe, aus rocld^en bcr ©ntmurf eine ©(lefrau nid^t fdökd^tl^i»^ 3«fti«nn!una
für unfäl^ig erMdrt, SBormunb ju fein, aber porfd^reibt, bafe bicfelbe nur mit Gö«mf„„e«.
3uftimmung il^reö ß^emanneö jum SBormunbe befteHt werben barf (oergl. audb »«p««"««
§ 1705 5ßr. 3), ftnb bereits in ben SOlotioen ju § 1640 unter SRr. 4 ©. 1068""''®^*^'"^
bargelegt. 93on biefer SSorfd^rift ift j|ebocb nad) bem äSorgange ber prettß.
SBorm. D. § 21 aibf. 3 für ben gaH eine 3luönal;me gemad^t, wenn ber ©^e«
mann ber ^ater beö aJliinbete ift, ba in biefem gaHe bie güt)rung ber SSor^s
munbfd&aft burd^ bie ß^efrau mit ben il)r auf ®runb ber c^elid&en Sebenfis
gemeinfd^aft obliegenben ^ftid^ten gegenüber bem @l^emanne nicmate als un«
vereinbar betrad^tet merben fann.
§ 1642.
®ie Uebernaljme oon SBormunbfd^aftcn ift eine allgemeine ©taatö* »efieaun«
bürgerpflid^t, locld&e möglid^ft glcidö t)ert(|eilt werben mufe. Gö ift ba^er im ©eamtl^^ob«
^rinjipe baoon auöjugel^en, bafe ^rioilcgien in biefer ^infid^t nid^t ^^lafe «eiiflion»-
flreifen bürfen. Sluönal^men finb nur inforoeit anjuerfenncn, alö fic burd^ baö **'*"***'
iffentlid^e Sntercffe geboten fmb. 3Som Stanbpunfte beß öffenttid^en 3ntereRcö
nuö fann eö aber erforberlid^ werben, bafe beftimmtc Älaffen oon ^erfoncn
nid&t burd^ ^eranjiefiung jum SBormunbfdjaftöbienfte il^rcm fonftigen, bem
ftoatlid^en 3ntereffe bienenben Serufe entjogen werben.
2)ie beftel^enben 9ied^te l^aben biefem ©cfid^töpunfte in Derfd&iebener
SBeife 3led&nung getragen, inbem fie tbcite beftimmcn, bafe ^Pcrfonen, weld&c
jjewiffe STemter bef leiben, ol^ne oorgängige (Genehmigung ber Dorgefeßten
S3el^örbe burd^ bad 93ormunbfd[)aftdgerid^t a(ö Sßormünber nid^t befteQt werben
foDen, tl^eite bm gebadeten 5ßerfonen . mit SiüdEfid&t auf baö Don il^nen bef leibete
9lmt ein 3lblel^nung«red^t geben.
3u ber erften ©ruppe Don ©efegen geboren inßbefonberc bie preufe. oeitenbe«
«orm. D. § 22 unb baö weimar. ®ef. r>. 27. SWörj 1872 §§ 33, 34 (ocrgl. ****•
aud^ bapr. (Sntw. 9lrt. 36, 39 nebft SWotioen ©. 61), ju ber jweiten ©ruppe
namentlid^ ba& gemeine SHed&t, baö prcufe. 31. S. 9i. 11, 18 §§ 208, 213, baß
üftcrr. ®. ». § 195, baß fäd^f. ®. 33. § 1897 unb ber code civU 3lrt. 427
biß 431 (oergl. femer l^eff. (Sntw. IV 3lrt 34 nebft aWotioen ©. 224, 225).
Slud^ ba^ 31. anil. ©ef. o. 2. aWai 1874 § 41 giebt ben 3»ilitfirperfonen
beß griebenßftanbeß unb ben 3ioilbeamten ber aßilitfiroerwaltung ein 3lb'
le^nungßred^t, beftimmt aber baneben, bag biefelben }ur Uebemal^me einer
SSormunbfd^aft nur mit ©ene^migung i^rer SBorgefegten bered&tigt Tinb. gür
bie SReid^ßbeamten fel^lt eß in biefer ^infid^t an einer außbrüdfU^en S3eftimmung
(oergl. iebod^ § 19 beß 9ieid^ßbeamtengef. o. 31. SWärj 1873).
®a eß fid^ nur barum l^anbelt, ju oerl^inbern, bag gewifje Jtlaffen oon stgu^mmaft«
^erfonen jum ©d&aben anberer ftaatlic^er Sntereffen jum SBormunbfd^aftß* "**•
1072 SSonmmbfd&aft uBcc SWiitbcriäßriflc. Scftclluno eincö Beamten jc. § 1642.
bicnftc l^crangcäoßcn tücrbcn, miltjiii uid)t ein ©d^ug prioatrcd^tUd^ev 3ntcvcffcn,
fonbcrn baö offcntlid)c Sntcreffc allein in "^xac^c ftcl)t, fo I)filt bcv ©ntrourf in
Uebcrcinftimtnung mit ber prcug. 93orm. D. (ücrßl. SKotioc jn bcrfclbcn ©. 67)
unb mit bem bavjv. ©nlro. cd prinsipicll nid^t für gcrcd^tfertigt, mit bcr ^c^
jtein «Me^. flcibung gcroiffcv Slcmtcr ober bcr 3hiöübung geroiffcr äcniföartcn ein Slb-
nung re . (g^j^^jj^gg^^^j^j jy perbirtbcn unb babnrd) gcmiffen Älaffcn Don 5[Jcrfonen ein
Sonberrcd^t in änfefiung bcr ^ftid)t jur Ucbcrnafjmc einer SSormunbfd^aft
einjuräumen. 3(uf bcr anbcren Seite mirb jubem burd) bie Einräumung eine&
SlblclÖnungdrcd^tcö allein bcm öffcntlid^cn Sntereffe nid^t genügt, weil ba&
SKble^nungdred^t uerlorcn gel^t, menn baöfetbe nid^t bei bem ^ormunbfc^aftd^
geridjtc por ber SSerpflid^tung geltenb gcmadjt mirb (§ 1644 Stbf. 1). ^a^
öffeutlid^c Sntereffe wirb Dietme^r nur bann genügenb gcfd&üfet, romn beftimmt
(sriaubuip lüitb, bajj bie betreffenben ^erfoncn ol^ne bie Dorgcfc^riebcnc ©rlaubnife bcr
m&erno^me. oorgcfcfetcn öcl^orbe nid^t als 93ormünber bcfteUt werben bürfcn bcjn). ju ent*
laffcn ftnb, wenn iene 6rlaubni§ oerfagt ober jurüdEgenommen wirb (§§ 1642,
1705 9Jr. 4). 2)iefcn ©rmägungen gegenüber fann ber Ocfid^töpunft, ba&
bie betreffenben 5ßerfonen felbft am beften bcurtl)eilen fonntcn, ob ftc o^nc
33ccinträd^tigung ber il)nen obtiegenbcn ©efd^äfte bie SBormuubfd^aft ju über*
nehmen im ©tanbe feien, bafe bie SScrfagung bcö Slblel^nungÄredbteö bie ®c*
fd^öftc bcr Dorgefcgten 93c^orben nid^t uncrlicblic^ ju Dcrmel&ren brol^jc unb in
benienigen SRed^tögcblcten, in roeld&en baö 3lbleljnungöred&t gegenroärtig heftete,
eine ©rtaubnife ber Dorgefegten 93el;örbe jur Uebernat)me ber 83ormunbf(Jaft
aber nid^t Dorgefd^rieben fei, bie Sanbedgefeggebungen in bie Slotl^roenbigfeit
ücrfcftc, in bcr t)icr fraglichen ©infid^t neue 93eftimmungen ju treffen, ebenfo*
wenig alö burd^fd^lagenb crad^tct werben, wie ber Umftanb, bafe audj bcr
§ 41 bes SR. aMil. ®ef. \). 2. Ü)lai 1874 ben 2)lilitfirperfonen bcö Sanb^ccrcft
ein foldöcö 2lb(el|nungöred&t gewäl;rt. 6^cr fonnte cd in gragc fommcn,
ob nidjt, um bie 3}iilitärperfonen in biefcr Sciieljung mit bcn Sanbeöbeamten
gleidöjuftcUen, baö bcn erftercn gewäl^rte 9lbtel^nungörcdöt cbenfalld ju bcfeitigcu
fei. Snicin eine fold^c 9lcnbcruug bcö 91. 3Wi(. ®cf. ift bebcnflic^ unb würbe
mit bem ^^Jrinjipe, baß baö beftel^cnbe SHeid^sred^t t^unlid^ft aufred^tcrfiattcn
werben foU, nid&t im ©inflange fte^en.
«cflrctiiunö ®ic Scurtficitung ber grage, ob eine befonbere Erlaubnis jur Ueber-
Äotejoriee«. ua^mc ciucr SBormunbfc^aft in bcn in SBetrad^t tommenben gällen burd^ bai^
offentlid^e 3ntcreffc geboten erfd^cint, ift ©ac^c bcr cinjelnen Sanbcögcfcös:
gebungen, ba bie ®ntfd)eibung icner gragc nid^t bem bürgerlid&en, fonbern
bem 5ffentlid^en dicd)te angehört; bod) liegt cd innerl^alb bed 9tal^mend bcd>
bürgcrtid^cn SRcd^teö, bie ©renjen }u jie^en, innerhalb bcren einer t)orgc=
fd&riebcnen befonbercn ©rlaubnife jur Uebernal;me einer SSormimbfd^aft bie im
§ 1642 beftimmtc SBirfung übcrl)aupt beigelegt werben foH (ucrgl. aud^ § 1243).
I)cr Entwurf iict;t bicfc (Srciiäcn burc^ bie Seftimmung bcö § 1642 fo weit^
bag bie Sanbedgcfcggcbung in ber Sage ift, burd^ geeignete ^eftimmungen bad^
öffcntlid^e Sntcrcffc nac^ allen SRid^tungen Ijin ju fd^üfecn. Sndbefonberc ge*
wäljrt bcr § 1642, entfprecftcnb bem ^rinjipe ber ©Icid^ftellung ber pcr^
fcfticbcncn Äonfcffionen, bcr yanbcßgefcggcbung bie aWöglid^fcit, icbcn SRcligionö*
biencr o^ne Unterf^ieb bcr SHctigion, fowett ttjatföd^lic^ ein öcbürfnife baju
aSormunbfiJ^aft über SWinberiS^rifle. abIe6nuito3rcd6t. § 1643. 1073
Dorliegt, gegen bic ^eranjiel^ung jum SSormunbfd^aftöbienfte ju fd^üfeen (t)ergl.
cud^ § 34 3lx. 7, § 85 be« ®. 58. ®.; § 196 beö ©tr. 0. S5.)- dagegen a»iiitar-
fd^ioeigt bcr ©ntrourf in 3lnfe^ung ber aJlHitärperfonen unb in ^r\\tf)unQ'^^^^^^^aZl
ber SHcic^öbcamtcn. 6in Sebürfnife, im bürgerlid^en ©cfelbud^e ouc^ biefc
ÄQtegorlcen ju berüdfidötigen, liegt nid^t por. 3n 9lnfcf|ung beö Sanbl^cereß
finbet bic »eftimmung beö § 41 beö SR. aWU. @ef. t). 2. SWai 1874 änroenbung.
®ic Scrücffid^tigung ber SRilitfirperfoncn im § 1243 in Slnfel^ung ber ®r?
laubnife jur (gl^efd^Iiefeung bcrul^t auf befonbercn, l^icr nid^t jutreffenben
©rünben (oergl. § 38 beö SR. @ef. über bie 93eurtunbung bcö 5ßerfonen*
ftanbeö 2c. t). 6. gebruar 1875). SBeri^iält baö bürgcrlid^c ©efeftbud^ ftd^ in
9lnfe^ung ber 3KUitärperfonen unb ber SReid^öbeamtcn fdE)H)eigenb, fo ergicbt
fic^ ollerbingß eine SüdEc in Slnfel^ung ber bcr SKarine angef)örenben ^ßer-
fönen unb ber SRcid^öbcamtcn, fofern nid^t für bie legteren ber § 19 beö
SReid^öbeamtengef. o. 31. SRärj 1873 qIö mafegebenb ju bctrad^ten fein foUte.
Snbejfen \)at bic SReid^ögefe^gebung eö in ber $anb, bicfe Südfe, foroeit ein
Sebürfnife oorliegen foUte, ieberjeit burd^ ©pcjialgefeßc auöjufüDen.
§ 1643.
SRad^ bem SSorgonge beö gemeinen SRed^tcö unb bcr aJlel^rjol^I bcr neueren «Meinung
Oefejgebungcn, inöbefonberc aud^ ber preufe. SSorm. D. § 23, ftcUt bcr ©ntrourf uebc^a^me
eine SlnjQ^t bcftimmtcr ©rünbc auf, ioeld^e ben t)on bem SSormunbfd^aftöj^ «*"«f «»'*
gcrid&tc alö 5Bormunb 3luöcrroäf)Iten unbcbingt bcrcd^tigcn, bic Ucberna^me """^*"^'-
bcr aSormunbfd^aft abjulcl^ncn. 9lur einjelnc Siechte (ücrgl. j. 93. bagr. 2. SR.
I, 7 § 21) übcriaffen in biefcr ^inftd^t bic ©ntfd^cibung Icbiglid^ bem freien
©rmcffcn ber Dbcrüormunbfd^aft. S)a nad^ bem ©ntmurfc eine ^Bcrpflid^tung,
bic aSormunbfd&aft ju übcrnei)mcn, nur für bcnienigen begrünbct ift, meldten
baö 93ormunbfdE)aftögcrid&t in ©cmäfei^icit beö § 1638 alö SSormunb auömä^lt
(§ 1639), bem SSormunbfd^aftögcridötc aber bei bcr Sluöroal^l fcinerici bccngcnbc
Sd^ranfen gcjogcn fmb, fo ift ein Söcbürfnife nid^t oorfianbcn, befonbcrö auö*
jufprec^en, bafe ber Siid^ter auc^ bann, wenn einer ber gcfcglidE)en Scfrciungö^^
grünbc nid^t oorlicgt, berechtigt fein foll, eine ^crfon auö cr^ebUd^cn (Srünbcn
üon bcr Ucbernafimc ber SBormunbfd^aft ju cntbinben, roie bieö j. 93. in ben
f)anf cat. 58ormunbfc^af töorbnungcn (lübedE . $8orm. D. § 18 Slbf. 2 ; brcm. aSorm. D.
§ 24 9lbf. 2 ; ^amb. 93orm. D. 2lrt. 17 3lbf. 2) unb in bem bapr. entro. airt. 40
gefd^c^en ift. 2)aö gemeine SRcd^t, baö franj. SRcd^t unb bic prcufe. SSorm. D.
§ 23 befdE)ränfcn fid^ auf bic SttufftcUung bcftimmtcr ©rünbc im ©cfcße.
ein SBcbürfnife, im änfd^Iuife an baö fäcftf. ®. 93. § 1897 bic 93eftlmmung
aufjunclimcn, ba% ber SRid^tcr unter befonbercn Umftänbcn, namcntlidö in ®r*
mangclung anberer geeigneter ^crfonen, aud^ fold^c ^crfonen, meldten ein
9lblcf)nungägrunb jur Seite ftc^t, jur Ueberna^mc bcr SSormunbfd^aft anju-
fialtcn befugt fein foll, liegt nid^t t)or.
3m Ucbrigcn ift ju ben cinjetncn 9lblcl)nungögrünbcn nodö S^Igcnbcö «brc&nunfls«
JU bemerren. «'^"'*'
1. S)er im § 1643 $Rr. 1 beftimmtc 2lblef)nungögrunb fdjticöt fic^ ber S"»««-
preufe. aSorm. D. § 23 5Rr. 1 unb bem ba^r. ®ntn). 9lrt. 39 5Rr. 1 an unb
SRotioe ). bürgerl. (Bt\c%bü^. lY. 68
1074 23ormunbfd&aft über SKinberiä^rtöe. 3lbIc6nuno«re(]&t. § 1643.
cntfprid^t bcr ©ad^c nad^ bem gemeinen Siedete, rocld^eö ber üWutter unb ber
©rogmuttcr baö Med^t auf Uebcrtragung ber SBormunbfd^aft giebt, ol^ne ben«
felben eine 5ßflid^t jur Ucbema^me aufjuerlegen. ©injelne (Sefe|e Derfagen
allerbingß ber 3)lutter beä aWünbefe ben f)ier fraglid^en STblel^nungögrunb
(ücrgl. fäd^f. ®. 93. § 1897 3lx. 5; rocimar. ®cf. t). 27. aßärj 1872 § 35 SRr. 3,
§ 32 3lx. 1 ; brem. aSorm. D. § 23 lit. a, § 24), 5Bom ©tanbpunfte bcß (SnU
rourfeö aus ift eine fold^e SÄuöna^me inbcffen burd^ ein 93ebürfni§ iebenfallö
nid^t geboten, ba ber 2Rutter regetmäfeig bie elterlid^e ©eroatt suftel^t unb fie
auf biefe nid&t werjid^ten fann.
3urürf. 2. Oemeinrcd^tltd^ ift bcrjenigc, roeldjer ba§ ficbenjigftc Sebendja^r jurüdE^
fe^^Ä« gelegt l^at, t)on ber SBerpflid^tung, eine SSormunbfc^aft ju übemel^men, befreit.
2eben«}a^r. gjjijelne 5ßartifularred^te, inöbefonbere baö roürttemb. SRed&t unb pcrfd&iebenc
ba^r. Statuten, l^aben biefe 9llterögrenje feftgel^alten. dagegen laffen bie
neueren ©efefee bie Befreiung regelmöfeig frül^er eintreten, 5um Xf)dl mit bem
äurüdEgelegten fünfunbfed^öjigften Äebensja^re (code civil §ttrt. 433; lübcdE.
5Borm. D. § 18 5«r. 4; ^eff. ©ntro. IV 3lrt. 35), meiftenö fd&on mit bem
jurüdEgelegten fcd^öjigften Sebenöjal^re (preuß. 31. S. 91. IT, 18 § 208; prcu§.
aSorm. D. § 23 3lx. 2 ; öfterr. ®. 93. § 195 ; fädjf. ®. 93. § 1897 ; roeimar. ®ef.
0. 27. aKärj 1872 § 35; brem. aSorm. D. § 24 lit. c; ^amb. 58orm. D. Slrt. 17
9ir. 2; bapr. ©ntm. 2lrt. 39 5ßr. 2). 2)er (gntrourf f|at f\ä) ben giedöten bcr
legten ®ruppe ongefc^Ioffen.
»«ft^j eigener 3. S)er im § 1643 5lr. 3 beftimmte 9(blel^nungögrunb red^tfertigt fid^
burd^ bie ®rmägung, ba§ cö unbillig ift, bemjenigen, metd^em bereits im
eigenen §aufe bie Saft ber ©orge für eine größere Slnjalit eigener fiinbcr
obliegt, baneben nod& bie Saft aufjuerlegen, für frembe kinber forgen ju
muffen. 3m Slnfd^luffe an baö gemeine SRed^t tragen aud^ bie meiften neueren
®efefee, inöbefonbere bie preug. SSorm. D., biefem Silligfeitßgrunbe Sled^nung
(oergl. preug. 91. S. SR. II, 18 § 210; preufe. aSorm. D. § 23 3lx. 7 ; öfterr. ®. 93.
§ 195; code civü 2lrt. 436; föd^f. ®. 93. § 1897 3lx. 3; lübecf. aSorm. D. § 18
3lx. 1; brem. aSorm. D. § 24 lit. a; Ijamb. aSorm. D. 2lrt. 17 5Rr. 3; ^eff.
(gntro. IV Slrt. 35). dagegen ift bem meimar. ®ef. o. 27. aWärj 1872 § 35
unb bem haxjx. ©ntro. 3lrt. 39 (pergl. baju aKotipc ©. 63) ber ^ier fragliche
9lblel^nungögrunb unbcfannt ©in 93ebürfni6, in biefer 9lid^tung eine Slenbe^
rung in bem l^ergebrad^ten ©pfteme ber aSert^eilung ber öffentlichen Saften
eintreten ju laflen, fann inbeffen nid^t anerfannt werben.
2)te ^a\)l von minbeftenö fünf Äinbern entfprid^t bem, maß bisher bie
JRegel bilbete. ©injelne SRed^te nennen neben Äinbem aud& @nfel, jäl^len
iiinber eines oorocrftorbenen ^auöfol^neö an beffen ©teile mit, ebenfo bie oor
bem geinbe ober im Äriegöbienfte beö eigenen Sanbeö geftorbenen ftinber ober
legen SBerti^ barauf, bafe bie Äinber bejro. ©nfel noc^ unuerforgt ftnb. SUlc
biefe Unterfd^eibungen fmb im Slnfd^luffe an bie preu§. aSorm. D. alö entbel^rlid^
erad^tet. 2)ur(^ bie 93eftimmung beö § 1643 5Rr. 2 wirb regelmäßig bafi
TOd^tige getroffen.
2)a6 legitimirte unb an Hinbeöftatt angenommene Äinber ben e^elid^cn
in ber l^ier fraglid^en ^infid^t gleid&ftel^en, ergicbt fid^ aus ben 93efiimmungen
ber §§ 1579, 1583 9lbf. 2 unb beö § 1601 Slbf. 1. Slnbererfeitö ftnb nad& ber
S3ormunbf(5aft über SKihbcrid^ctge. ablc^nungSrcd&t. § 1643. 1075
ratio bcr SBcflimmung für bic Iciblid^en ßltcrn bcrcn ron einem ©ritten an
ftinbeöftott angenommene Äinber in Uebereinftimmung mit ber preufe. SBorm. D.
nid&t in Setrad^t ju jiel^en.
4. ®er Slblel^nungögrunb unter 3lr. 4 fd^Iiegt fid^ an ä^ntid^e SBor* Ärattr^ctt
fd^riften beö gemeinen Siedete« unb ber meiften neueren ©efefegebungen an ©eb^e^e«.
(oergl. preufe. 31. S. 91. II, 18 § 209; preug. 93orm. D. § 23 3lx. 4; code civü
S[rt. 434; lübect. aSorm. D. § 18 3lx. 3; ^omb. aSorm. D. Skt. 17 5»r. 4;
l^eff. &ntm. IV STrt. 35).
5. 3)er im § 1643 3lr. 5 anerfannte 9lbtel(inungögrunb beruht auf ber entfernter
©rmägung, bafe bie gül^rung bcr aSormunbfd^aft jmar nid^t immer, ober bod^ »»^«f»»-
in bcr SRegel eine unocrf|äItni§mä§ig größere Seläfligung für ben aSormunb
mit fid^ bringt, mcnn er genotl^igt roirb, mit einem fremben Ocrid^te ju t)er*
I^Qnbeln, als wenn er bie ©efd^äfte bei bemienigcn Ocrid&tc erlebigen fonn,
roetd^eö an bem Orte feinen ©ife f)at, auf meieren er in feinen gcfd^äftlic^en
©ejic^ungen im Mgemeinen angemiefen ift. ®aö ©ntfd^eibenbc ift ^iemad^
mcfentUd^ bie ©ntfernung bcö ajormunbfd^aftögerid^teö ron bem aCßol^nfiße beö
aSormunbeö. Sd^on baö röm. SWed^t berüdrid&tigt neben bem SKangel beö
©erid^tsjroangeö ben Umftanb, bafe ber aSormunb burd^ bic aSerroaltung ju
©cfd&äftcn in entfernten ©cgenbcn genötl^igt fein mürbe. 3lud& bas franj. 9ltä)t
trägt ber ©ntfernung beö 5Bol^nfl6eö in gcroiffer SBeife Slcdönung (code civil
airt. 432; pcrgl. aud^ l^eff. entro. IV 3lrt. 37). S)aö preufe. 31. S. 91. II, 18
§§ 150—154 geftattct nur auö befonbercn ©rünbcn, anbere ^JJerfoncn alö
©erid^töcingefeffcne ju SBormünbem ju bcftellen. ®ie preufe. SBorm. D. § 23
9lr. 5 ftcfjt mit bem ©ntrourfe im ©inflangc. ©rfafirungömäfeig mirb bem
praftifc^en S3ebürfnif[e genügt, oud& wenn man ben SBo^nfig beö SSormunbcö
im ^cjirfe beö 93ormunbfd^aftögerid^teö a(ö baö @ntfd^eibenbe ^inftcUt.
6. aSSegcn ber Segrünbung beö im § 1643 5Rr. 6 bcicid^neten 3lblel^nungö* ©i<*eri^«.
grunbeö wirb auf bic Sluöfü^rungcn unter 9lr. VII ber allgemeinen Segrünbung ^*'*""®'
ju biefem Slbfd^nitte, oben ©. 1041 ff., Sejug genommen.
7. S)ie Söeftimmung unter 3lx. 7 beö § 1643 fd^liefet fxd^ bem fäd^f. »eneaung
®. S3. § 1897 9lr. 6 unb bem mcimar. ®ef. v. 27. SWärj 1872 § 35 9lr. 4 „?rmuSl«.
an (ocrgl. ferner l^eff. ©ntro. IV 3lrt. 44 nebft aWotioen ©. 236). ©ö fönnte ju
großen gärten füfiren, mcnn 3emanb fid^ gefallen laRen müßte, mit einem
Slnberen jur gemeinfc^aftlid^en gü^rung ber SBormunbfd^aft beftellt ju roerben
(§ 1652), fomolil mit mdfx6)t auf bie eigene aSerantroortlid^fcit (§ 1696) alö
auf bie 9lot^roenbigfeit, in feiner Slmtöfü^rung an einen il|m rielleid^t per*
fontid^ unangencl[imen unb unbequemen 2Witoormunb gebunben ju fein (§ 1652).
8. 3)ie Seftimmung beö § 1643 9lr. 8 bejmcdft einen ©d^uft gegen einegü^runfline^-
unbillige ^eranjie^ung jum SBormunbfd^aftöbicnfte unb entfprid^t fil^nlid&en im ,JSJ| ^afun
gemeinen Siedete unb in ben neueren ©efegen fid^ finbenben SBorfd^riften o»>er|jfiefl.
(Dcrgl. preufe. 31. 2. % II, 18 § 210; preuß. aSorm. D. § 23 3lr. 3; öfterr. ^*"^*"-
®. 93. § 195; code civil Slrt. 435; fäd&f. ®. 93. § 1897; meimar. ®ef. o.
27. anärj 1872 § 35; lübedE. aSorm. D. § 18 9ir. 2; brem. aSorm. D. § 24
lit. b; l^amb. aSorm. D. Slrt. 17 3lr. 1; ^ejf. (gntm. IV Slrt. 35; baDr. (gntro.
a^rt. 39 5Rr. 3).
68*
1076 aSormunbfd&aft üBcr SDWnbcriojriflc. ^IBIe^nunöörcd&t. § 1643.
S)a§ fc^on bte ^ü^rung von jroei SSomtunbfd^aften Don ber Ueber^
nal^me weiterer SSortnunbfd&aften befreien foK, ol^ne Untcrfd^ieb jroifd^en ein*
fad^en unb fd^roierigen ober lafticjen SBormunbfd^aften, ftel^t insbcfonbere mit
bem franj. Siedete unb ber preufe. SBorm. D. im (ginftonge. Die Oteid^ftellung
einer 5ßfi[egfdE)aft mit einer SBormunbfd^oft in ber l^ier fraglichen Sejiel^ung
red^tfertigt pd^ boburdE), bofe bie 5ßf[egfd&aft ron ber SBormunbfd^aft begrifftid^
nid^t rerfd^ieben ift unb aud^ umfänglid^ ber legieren in Dielen ^aUtn feines*
roegä nadE)ftel(|t. 9lud^ bie preug. SBorm. D. öat 93ormunbfc^aft unb ?ßfleg*
fd^aft in biefer ^infid^t einanber gleid^geftellt. Dbn)o^l biefe ©lei^fteDung
fd^on ouß bem ^Prinjipe beö § 1743 abgeleitet werben fönnte, fo ift eä bocf^
im Stttcreffe ber ©eutlid^leit beö ©efefeeö als rat^cim erad^tet, biefelbc be*
fonberö ^eroorjul^eben, um feinen S^^^i^t barüber ju laffen, bafe aud& ber*
ienige jur 3lblebnung bcred^tigt ift, roeld^er neben einer SSormunbfd^aft eine
5ßflegf(^aft fü^rt.
wic^berürf- 5luf ber anberen ©eite f olt bagegen, ebenfaltö in Uebereinftimmung mit ber
ein«Xen. Pteufe. aSorm. D. § 23 2lbf. 2 — obroobl ber ©inn ber legtcren nidjt unbeftritten
Bormunb. ift —^ feie gü^ruug einer ©egenoormunbfd^aft nid^t in 93etrad&t fommen. Ob
^^^' naä) franj. Siedete bie ©egenoormunbfd^aft in ber l^ier fraglidien ^infid&t ber
aSormunbfd&aft gleid^fte^t, ift beftritten. pr biefe ©lei^ftcUung Ififet ftd^
allerbingö geltenb mad^en, bafe aud^ ber ©egenoormunb begriff lid^ SBormunb
ift unb bie Saft ber ©cfd^äfte eineö (Segent)ormunbeö feincöroegs eine abfolut
geringere ift alö bie eines SSormunbeö, mcnngleid^ fie bei einer unb berfelben
SBormunbfd^aft im SBerpltnijfc ju ber Saft beö üerroaltenben SBormunbeä bie
geringere ift. 3)iefe ©efid^töpunfte fönnen inbeffen gegenüber ber ©rrofigung,
bafe jene (Sleid^ftellung einen aJlangel an SBormünbem, inöbefonbere an gc*
eigneten ©egenwormünbern , l^erbeijufübren bro^t, als burd^fc^lagenb nicftt
erad^tct werben, um eine Slbroeid^ung non ber preufe. SSorm. D. ju red^t*
fertigen, jumal bie lefetcre, fooiel befannt, in biefer ^infid&t ju aWifeftfinben
nid^t geführt ^at.
»ormunb* ^iu uul) wieber ift in ben ©efegcn auöbrüdflid^ beftimmt, ba§ bie SBor*
ttb«r^1?!jrcre ^"*^^f<^öf* Über mehrere ©efd^miftcr, folange biefelbe eine einfieittic^e SBer-
öe^wiftci. maltung bilbe, ate eine SSormunbfd^aft gelten foUe (fäd^f. ®. S3. § 1897 ; l^eff.
entw. IV 3lrt. 35), wä^renb anberc ©cfegc, j. 93. baö franj. SRed^t, bieg ftiü*
fc^weigcnb tjorauöfegen (ocrgl. aud^ bie ajlotioe beö bapr. ®ntw. ju 2lrt. 39
©. 63). 2)ie grage, unter weld&en SSorauöfegungen bie 83erwaltung in bem
l^ier fraglidien galle alö eine einl^eitlid^e betrad)tet werben fann, läßt ficf^
icbod^ nad^ praftifd^ braud^baren Kriterien nid^t leidet beantworten; inö*
befonbere ift eö bcbenflic^, allein barauf ©cwid^t ju legen, ob baö JBermögen
nod^ unget^eilt (ocrgl. fäcbf. ®. 93. § 1897 ; l^cff. (gntw. IV Slrt. 35) ober ob
bem Sßormunbe eine gemcinfd^aftli^e ober getrennte 9led^nungöfüf)rung gc*
ftattet ift (t)ergl. § 5 Inst, de excus. 1,26; 1. 31 § 4 D. de excus. 27, i).
^an benfe nur an bie fraft ©efegcö eintretcnbe Si^l^eilung ber Slad&lafe*
forberungcn (§ 2051) unb bie oft lebiglidE) an^ S^JcdEmöfeigfeitörüctfid^ten
ftattfinbcnbc befonbere SRecbnungöfütirung für meljrere ©efd^wifter, Umftfinbe,
weld^c gewiß nid^t immer baju nöt^igen, bie betrcffenbc SSormunbfd&aft nidbt
me^r als eine einl^citlid^ie ju bctrad^ten. S)cr § 1643 9lr, 8 beftimmt beö^alb
»ormunbf^aft über SKinberiaJriöc. ablcjnuttflßre^t. § 1644. 1077
jur Sefeitigung von Sxoex^tln auöbrüdfßd^, bofe bie aSortnunbfd^aft ober ?ßfleg*
fd&aft über mel^rere ©ef^roifter als eine gilt, ©in SBebürfnife, in Slbroeid^ung
von ber preufe. SBorm. D. etwa bemienigen ein Slble^nungöred^t einjuräumen,
roeld^er eine fünf ober mel^r Ocfd^raifter betreffcnbc SBormunbfd^aft ober ^fleg*
fd^Qft fü^rt, ^at fid^ nid^t füfjlbar gemad^t, Slud^ fonn bie Slnatogic bcö im
§ 1643 SRr. 3 beftimmten Slble^nungögrunbefl in bicfer Slllgemcin^eit Qte ju*
treffenb nid^t anerfannt werben.
§ 1644.
®ie . Seftimmung beö § 1644 Säbf. 1 fd^Uefet ftd^i eng an bie preufe. ^^^^'^
SBorm. D. § 23 9lbf. 3 an (oergl, ferner 1. 2, 1. 6 Cod. de excus. 5, 62 ; ffid^f. HbieS"2„gj!
©. 93. § 1898; roeimar. ®ef. t). 27. 3Rärj 1872 § 36; lübedE. SSorm. D. § 19; «**««•
brem. SBorm. D. § 25; IjQmb. 33orm. D. Slrt. 17; l^eff. ©ntro. IV Slrt. 39;
bapr. ©ntro. Slrt. 39). ©iefelbe red^tfertigt fid^ aud^ inforocit, als ber ®c[xd)i&^
punft beö aSerjid^teö nid^t jutrifft, burd^ bie ©rroägung, ba§ ein SBed^fet beö
einmal beftcllten SBormunbefi im Sntcreffe ber Dormunbfd^aftUd^en SBerroaltung
mogtid^ft ju Dermciben ift. 2)er SBeftimmung einer grift, binnen roctd^er baö
Slbte^nungöred^t gegenüber bem SRid^ter geltenb ju mad^en ift, bebarf eö nidE)t.
®a es fid^ bei ber Ucbcma^mc ber SBormunbfd&aft um bie ©rfüllung einer
offentUd&en SSerpflid^tung gegenüber ber ©taatßgeroalt I)anbelt, fo l^aben ®r^
flfirungen bcö ate SSormunb Sluögemä^Iten, burd^ mcld^ie er bie Ucbcrna^me
ber aSormunbfd^aft gegenüber ben Slngc^örigen, inöbefonbcre bem SSater,
beö 3Rünbe(ö nerfprod^en \)at (ocrgl. 1. 15 § 1 D. de excus. 27, i; § 9
Inst, de excus. 1,25), bcn SBerluft bcö 9lblel)nungörec^tcö nid^t jur golge.
JRid^tiger ift cö, berartigen ©rHörungen nur eine moralifd^e Sebeutung
bcijulegen.
®ie (Sntfd^eibung über baö SSorl^anbenfein eincö Slblel^nungögrunbeö SuftÄnbigfeit
ftel^t bem SBormunbfd^aftögerid^te ju. 2)er ^rojefemeg (Dcrgl. preug. 9t. fi. SR. ^ft^eiLng"*'
II, 18 § 203) über biefe grage foll nid^t 5utäffig fein. Snroierocit bem 93c*
tl^eiligten gegen bie ben geltenb gemad^ten Slbtel^nungögrunb nerroerfenbe 93er*
fügung ein SRed^tömittel iuftel)t, rid^tet pd^, fofern in bicfer 93cjiel^ung in
einem ®efc|e über baö SBerfa^ren befonbcre reid^ögcfe|lid^e 93orfd&riften nic^t
erlaffcn werben, nad^ ben £anbeögcfe|en. Ungead^tct ber gegen bie 93erfügung „^J^*"?me
beö SBormunbfc^aftögcrid^teö julftffigen Med^tömittel foU aber ber Slble^ncnbeberöonnunb.
ijerpflid^tct fein, auf ©rforbcm bcö 93ormunbf^aftögerid^teö bie 9Sormunbfd[iaft ^^*^-
t)orläufig ju überncl^men, ba baö ©crid^t in ber 2age fein mug, unter allen
Umftfinben fofort einen 9Sormunb beftcllen ju tonnen, eine prattifd&e ?lotl^'
menbigfeit, meiere ba& geltenbe SRed^t regelmäßig baburd^ anerfannt ^at, baß
cö ber 93efdön)erbc in 9Sormunbfd&aftöfad^en auffd^icbcnbe SGBirfung nid^t bei*
legt. 93eftimmungen ä^nlid^er 9Irt, wie bie l)ier fraglid^c, finben fi^ inö*
befonbcre im franj. SRcd^tc (code civil 3lrt. 440) unb in ben ^anfeat. 9Sormunb*
fd^aftöorbnungen (lübcdE. aSorm. D. § 21 ; brem. SBorm. 0. § 26 ; ^amb. SBorm. D.
3lrt. 17 2lbf. 3).
1078 aSormunbWaft über SKinbcriätriöe, SScftcKunö beö SSonnunbcö. §1645.
§ 1645.
öefteaungbeft 3laä) bctit § 1645 9lbf. 1 ftcllt bie ©cftcBung bcö SBormunbcö fi(J nid^t
«omiunbeä. ^jg ^^^ ^^j^ citifeitifler Seftätigungöaft beö SBomtunbfd^aftöflcridötcß bor, fonbcm
als ein fold&cr 9lft, burd^ roeld^cn bcr SSormunb, roälircnb er bie rid^tcrlid^e
SBeftätigung crJ^fttt, gteid^ijcitig bcroufet unb formell freiwillig boö ämt bcfi
aSortnunbeö übernimmt. ®iefe Sttuffoffung ift oUcrbingö nic^t bie beö rom.
unb gemeinen SRed^teö; rielme^r erf^eint nad^ jenem bie obrigfeitlid^e S3c^
rufung, nad^ biefem bie Seftätigung olö ein cinfeitiger 3ßt ber Scl^orbe; baö
Slmt beö aSormunbeö wirb bort burd^ bcn S3efe^t beö SRagiftroteö, l^ier burd&
bie Eröffnung ober Sel^änbigung ber Seftätigungöücrfügung begrünbet. 3)ie
S3eftellung ift l^ier ctmaö Don bcr SBerpflid&tung an ftdd SSerfd^icbeneö, U)eI(Jeö
ber S^it nad& begrifflich nid^t pfammenjufallen brandet, ©benfo liegt bie
©Qd^e n)of)[ mä) bem fronj. SRed^tc, roeld^eö auf bie ©rncnnung boö ent*
fd^eibenbe ©croid^t legt (code civil 9lrt. 418, 438, 439; t)ergf. Qud& bab. ®ef.
t). 6. gcbruar 1879 § 21). dagegen l^oben bie meiften neueren ©efcfegebungen
bie rid^tcrlid^c Seftötigung unb bie SSerpflid&tung, burd& rocld^c bcr SSormunb
aud^ feinerfeitö bie SBormunbfd^oft übernefimcn ju wollen erflört, begrifflid& in
eiaien 9ßt Dcrfd^moljen (oergt. preufe. 21. S. 31. II, 18 § 220 ; preufe. 83orm. D.
§ 24 aibf. 1; fäd&f. 0. ». §§ 1900, 1901 nebft ber föd^f. prooif. ®er. D. § 42;
mürttcmb. JRed^t; fieff. ©ntm. IV 3lrt. 22; bav)v. (Sntn). 3lrt. 52, 53).
gormberJBer- Sttulangcnb bic gorm ber aSerpfüd^tung, fo fd^reibt baö gemeine Siedet
Pfiic^tung. jjj^ g3ecibigung beö SBormunbcö üor (t)ergl. auö) fiomb. SSorm. D. 9rrt. 13;
l^cff. ®ntn). IV 2lrt. 22). Wogegen erfolgt nod^ ben meiften neueren ©cfefeen
bie aSerpflid^tung mittelö ^anbfd^lagcö an ©ibeöftatt (preufe. 91. S. M. II, 18
§ 220; prcufe. aSorm. D. § 24 3lbf. 1; lübedf. SSorm. D. § 14; brem. aSorm. O.
§ 24) ober burc^ ©elobcn on ®ibeöftatt (mürttemb. $Red6t ; ba^r. ©ntm. 3lrt. 52).
©injctne ©efege begnügen fid^ mit einem einfad^en ©elübbe mittelö ^anb?
fd)lageö (öftcrr. ©. 93. § 205; fäd^f. prooif. ©er. D. § 42; roeimor. ©ef. v.
27. aWärj 1872 § 39).
S)er ©ntrourf f)at fid^ aud^ in bicfcr Scjie^ung an bie preufe. SBorm. D.
angefd^toffen. SBenngleid^ bie SBcrleßung beö üorgefd^riebenen eibeöftattlid^en
Slngclöbniffeö ftrafred^tlid^e folgen nidbt nac^ fic^ jiel^t , fo ift bod& bic Sei*
befialtung biefcr quo ber gcmeinred^ttid^en ^ßröjiö in böö preufe. 91. S. 9?. unb
auö biefem in bie preu§. SSorm. D. übergegangenen unb aud^ in anberen SRcd&tö*
gebieten feftgeljaltenen 9lrt bcö 9lngelöbniffcö bei ber SSerpflic^tung bcö aSor*
munbcö roegen ber barin cntljaltcnen ^inroeifung auf bie bem ßibe glcid^^
ftef)cnbc fittlid&e Sebcutung beö ©etöbnifSeö alö augemeffcn erad^tet, STud^
üom praftifd^cn ©tanbpunfte auö ift bie Beibehaltung beö ©ibcömomenteö
Icincörocgö uncrf)cbtid^. 2Bic bie S)ingc jur 3^it "o^ Dielfad& liegen, bilbet
bcr gclciftcte ®ib jiDcifctloö einen ©d^u^ für bie aSormünbcr felbft, inbcm bie^
felbcn gegenüber ©ritten crfalirungömäßig gern auf i^ren @ib [xä) berufen,
um bic it)nen gcmad)ten 3ii"iiitl^ungcn, inöbcfonbcrc bie i^nen auf Jloften beö
SDiünbcfö oft angcfonnencn flcinen ©cfölligtcitcn an 9Jad&barn ober ^^Srosefe«
gcgncr, abjufd^lagen. 9hif ber anberen Seite empfiet)lt eö fic^ nic^t, ftatt bcr
iöerpflicfitung mittelö .^anbfdjlagcö an ©ibcöftatt bie SSerpflid^tung mittelö
^
ouf b\e aSergangen^eit begtefit, in bem ^ier in 3iebe ftefienben galle es f«^
aber um ein ätngelöbnig fQr bie 3utunft fianbelt. £aju fomtnt, bag boiS 91ns
getöbnife mittel« §anbf(^Iagc« einer alten Sitte unb übetroiegenb bem geltenben
aiet^te entfprtc^t.
Sie ^eftimmung bee g 1645 ^bf. 2 ftimmt im SBefentUdicn mit ber «(paDung.
pteu^. aSonn. O. § 24 9Ibf. 2 überein. SIucE» nod& gemeinem 9te(f)te unb ben
meiften neueren ®efe(;en roirb bem 58ormunbe eine Urfunbe über bie erfolgte
Seftellung Dom ©etidite nuögeftellt, ous roetdier bie für bie SierljältnifTe ber
9äormunbfd&aft ooi^ugflnieife roicfitigen Umftönbe erfi^tli^ fein foUen (oergl.
fQ# 0. S8. § 1901; roeimnr. @ef. u. 27. aWürj 1872 § 40; lüberf. aSorm. 0.
§ 15; brem. «orm. D. § 32; ^amb. Sßorm. O. 9trt. 14; öfterr. ®. ©. § 206;
lieff. entro. IV 9[rt. 22).
Sie bem Sionnunbe ausge!)äiibigtc Seftollung fiat nac^ ollgemeinen flmatut ut
Orunbfäßen an fi* nur bie SBebeutung eine« 9erid)tlicl)cn Beugniftea, bafe bie »'«"""'ft
barin bejeic^nete ^rfon nac^ 3J!a6gabe bes ^n^oltc« ber Seftallung nis Soor'
munb bcflellt roorben ift, nit^t ober ben Karofter einer felbftänbigen ©r*
mäi^tigung jum atbfd&Iuffe tion 9tect)tSgefdi(iften, eines iiegitimationSpapiercS
in bem ©inne, bofe ber gutgliSubige ©ritte, roett^er auf ®runb ber i^m von
gelegten ^eftoUnng mit bem SSormunbe auf Steditsgefdiäfte fii^ einläßt, gegen
injioifdieH eingetretene, ou« ber SBeftaHung [i^ nictit ergebeube Slenberungen
ber aSertretungämac^t bes in ber BeftaUung beäeicfinelen 58ormunbe« gefi^u|t
loirb, ber aJiünbel mitfjin bie bomit nerbunbenen noi^tljciligen golgcn ju
tragen l)at, 2)te Seftallung ganj allgemein mie eine SoUrnadit ju betianbeln
unb bie Siorfi^riften bc« § 121 auf bie öeftallung für entfpredjenb anrocnbbor
8u erflären, mürbe jebenfallä ju roeit ge^en. Sie lätnalogie fiitirt an fic^ nidit
ju einer (oli^en aiuSbe&nung. Sic ©ac^tage tft bei ber aüoIJmat^t unb ber
^u«l)änbtgung ber Seftottung nidit bie gleite. Sie SSeftellung eines ScdoU=
mäct)tigten unb bie Slus^änbigung einer aJoUmat^iläurEunbe beruht auf bem
eigenen Tillen bes SSoIImai^tgeber«. ^^m roirb badcr nii^t ju naEje getreten,
nienn er bie mit ber Slusftellung einer foliftcn Urfuiibe oerbunbenen ®efat)ren
für bie aUerte^rsri^erlieit ju tragen tiat, jumat bie bircHe Stell Dertrcfiing fic^
a(« ein pofitiDes, rorjugsroeifc bem 3ntcre((e beö ajollmac^tgeberä bienenbc«
3nftitut borftellt. Sei ber 2Bal)[ bes Süormunbee unb ber 9Iu6t)änbigung ber
SöefioUung ift bogegen ber 'iÖJünbel felbft nftio nic^t bctE)ci(igt unb bei ber
©eftaltung bes SBormunbfd)aftSrec[)teS mufe in erfter ^tnic bas 3ntcrcffe be«
ÜJlünbels mafegebenb fein. Saju Tommt, bafe bem geltenben 9!ed)tc bie Be^
^onbtuitg bei Seflaüung noi^ ben (^nmbfäjcn ber ^ollmoc^t unbe!ünnt ift.
Snsbefonbere Tann, fooiel baö gemeine iRcc^t betrifft, ouS ber 1. 14 §§ 1, 2
D. de solut 40, s ber ©a^, bafe gutgläubige Srittc ju fi^ü^en feien, nidjt
f)ergelcitet roerben. ebenforoenig ^at nai^ bei preuß. a^Sorm. O. bie ©eftaUung
ben Äaraftcr einer ajoUniocfit. *^enigftetis ift bieß bie Ijerrfc^enbc ainftd)t.
Saraus, baß bie Scflallung nidjt ben Harnfter eines Segitimationapapicrcs
lint. llrtbcU fidi ' ■.. iii.'lmli.liLii 'fHiriiiu llii;iitni(ili(iifcitfn unb Sdnuimg-
feiltn in Vluji'! !;!i;i. v,i 'ji ii:iij::uLi^';i :.ü -L-,.;i!iinDco, m[d)i M}u\ briiiigcn.
1 080 aSormunbf 4af t üBcr aWinbcriaJrifle. »efteHung bc» SBormunbeß. § 1645,
im Sntercffc bcr ©id^erfieit beö ^crlcl^rcÄ unb im eigenen 3*itcrcjfe befi
SRünbelö bo« beftcf)cnbc SRcd^t in biefer SRid^tung ju änbern, nid^t ergeben.
3m gemöl^nlici^en ^^erlel^re Dertraut man ber in ben ^finben bed SBormunbed
befinbUd^en ^eftallung^ ba bie %&U^, in meldten biefelbe bem n>ii:fßc^en @ad^
oer^ade nid^t entfpric^t unb t)on bem barin bejeic^neten SSormunbe migbraud^t
wirb, nur feiten fmb. Sw^^if^I^^ft^^ f^^^ ^ f^i"/ ob nid^t mit SRüdEjtd^t
auf [old^e ?{älle, in meldten ber SSormunb ein ©rroerbögcfd^äft im 5Ramcn beö
aWünbcIö betreibt, foroie im ipinblidfe auf ben SSerfel^r mit Beamten, ©par^
f äffen, hinter legungöftellen unb anbcren berartigen 3nftituten, bei meldten
burc^ bie SKenge ber ©cfd&äftc bie Prüfung ber Segitimation erfd^roert, anberer*
feitd bei Prüfung ber Segitimationdfrage Dorftd^tiger p SBerfe gegangen mirb,
ein Sebürfniß anjuerfenncn ift, bem SBormunbfd^aftögerid^te bie Sefugnife bei*
julegen, in größerem ober geringerem Umfange jum 3"^^^^ ^^ Segitimation
beö SBormunbcö neben ber Scftallung bem SSormunbe ein gerid^tUc^ed ScwS^^ife
über beffen 93ertretungdmad^t mit ber äSirfung audjuftellen, bag fp&ter eim
getretene Slenberungen ber ^ertretungdmad^t gegenüber bem gutgläubigen
dritten nid^t in ©etrod^t fommcn (t)ergl. ®cf. über bie eingefd^riebencn
^ülföfaffen d. 7. Slpril 1876 § 17 2tbf. 2; Oero. O. § 101 3lbf. 3, § 104 i
Slbf. 2; Unfatoerfic^erungögcf. v. 6. 3«H 1884 § 23 3lbf. 3). Snbcffen fprid^t
aud^ gegen eine bcrartige Seftimmung, ba§ fie gegenüber bem gelteriben 9led^te
eine Steuerung entl^ält unb baö Sebürfnife einer Slenberung beöfelben ouc^
infomeit fid^ nid^t ober bod^ menigftend nid^t in befonberd l^eroorragenber
2Beife fül^Ibar gemad^t f|at. @ö ift nid^t ju beforgen, bafe in ©rmangelung
eines fo(d(|cn Scgitimationßpapiereö bie l^icr in Sctrac^t lommenben Sßcrfel^rd'
inftitute ftd^ jum 9ladötl(|eile ber 2Wünbel auf Oefd^äfte mit ben nur mit einer
geroöfinlicften 93eftallung auögeftatteten SBormünbcrn nid^t einlaffen merben.
Slöt^igenfallfi fann auc^ auf bem SBege geholfen werben, ba§ ber SBormunb
jum Qxocdt ber SBornal^me bcr ^ier fragUdE)cn Oefd^öfte einem 9lnberen Sßoll*
mad^t ert^eilt unb unter ber 93oDmac^töurhinbe baö ^ormunbfc^aftdgerid^t
bie Segitimation beö 3luöftenerö alö 33ormunbeö jur geit ber 3luöfteUung ber
^oUmad^töurfunbe bejeugt. ^a eine f old^e SSoIImac^t nid^t mit ber ^cenbigung
beö üormunbfd^aftlid^en 3lmteö beö SluöfteUcrö erlifd^t, fo geniefet ber 3)ritte,
meld&er ftd^ in gutem (Stauben mit einem fold^en 33et^ciligten einläßt, ben
8d^u^, meldten bie aSorfd^riften beö § 121 einem ©ritten gemäl^ren. ©in
SJebürfniß, jum 3w)edfe ber Segitimation beö SSormunbeö ein befonberc«
Segitimationöpapier }u fd^affen, ift um fo weniger anjuerfennen, alö aud^
bie Segitimation beö 3nt)aberö ber elterUd^en ©emalt, beö gefefilid^en SJer*
treterö ber juriftifc^en ^^^crfonen unb beö Äonfuröoerroalterö fid^ lebiglicft nad^
ben allgemeinen ®runbfä|cn rid^tct. 3^^ beachten ift ferner, baß, abgefel^cn
oon einer geroiffcn ®efäl)rbung beö 9Künbetö, eine beftimmte 2lbgrenjung ber
gällc, in meldten baö SSormunbfd^aftögeriddt eine fold^e Urhinbe auöjufteUen
l^at, untf)unlid^ ift unb baß, roenn man bem SBormunbfd^aftögerid^te bie alt
gemeine SBefugniß beilegt, bem ajormunbe jum 3roecfe feiner Segitimation für
einjclne ober mclirerc beftimmte SRed^tögefd^äfte eine befonbere Urfunbe ouö^
5uftcIIen, bie ©cfalir na^e liegt, baß im ^erfel^re mit SSormünbcm ftc^ bie
^^rajiö bilbct, bc^ufö größerer @id&crf)eit allgemein auf Vorlegung einer
S3ormimbf(i6aft üBcr ÜRlnberia^riflc. nnfä^ißfett jc. fflcbcutung. §1646. 1081
fold^cn Urfunbc ju bcftcl^en, road ju einer ßtofecn SBetäftigung ber aSormunb==
fc^aftößerid^te unb einer erl^cblid^en JBermel^rung iljrcr aSeranhüortüd^feit ju
führen brol^t.
§ 1646.
®ie Seftimmung bcö § 1646 9lbf. 1, roeld^e fic^ ber preufe. SBorm. D. »ebeutung
§25 äbf. 1 onfc^Iiefet, ergiebt fic^ aus bem 5Be[cn ber ®ef(^äftfiunfät)ig!cit ftS
Don fclbft (ocrgl. § 64). 3m Uebrigen follen mäf § 1646 3lbf. 2, ebenfallß in
Uebcreinflimmung mit ber preufe. SSorm. 0. § 25 Slbf. 3, bie im § 1640 be^
jeid^neten Unfal^iglcitegrünbe fomic ber aKangel ber naä) ber SBorfd^rift beß
§ 1641 erforberüd^en 3uftimmiing beö (Sl^emanneö ober ber in OemÄfe^cit ber
Seftimmung bcö § 1642 erforberlid^en ©riaubnife auf bic ©ültigteit ber SBe*
fteUung ol^nc ©influfe fein unb ber SeftcIItc bie SSormunbfc^aft fo lange führen,
bid er enllaffcn ift (§ 1705 9lr. 2, 3). ßö entfpridöt bieö ber öffentfid^red^t^
lid&cn ©teUung beö aSormunbeö unb bem bem ©ntrourfe ju ©runbe licgenben
Seftellungöprinjipe. 6d wirb burd^ biefe 9lrt ber Siegelung jubem bie ©efa^r
t)crmieben, baß bie 9ied&töl^anblungen beö beftcUten SSormunbeß rocgen eineö
unbefannt gebliebenen Unfo^igteitegrunbeö fpätcr als l^infällig fid^ erroeifen,
eine Oefafir, beren SBermcibung nid^t nur im Sntereffe 2)ritter, fonbern aud^
im eigenen Sntereffc bcö SMünbelö liegt, unb roeld^e iebcnfaHö weit größer ift,
alö bie ®efal^r, meld&e bem SRünbel barauö ermad&fen fonn, bafe im ein jelnen gaUc
DicDcid^t ein in ber ®efd^äftfifät)igfeit Sefc^ränf ter ober eine ^^Jerfon alö SSormunb
befteUt ift, meldte fid^ nid&t im S3efifte ber bürgerlid^en ®f|renred^te befinbet. Ob
bie für biefen tefeteren gall im § 34 3lx. 6 beö ©tr. ®. 33. beftimmte Unfä^igfeit,
SSormunb iu fein, in bcmfelben ©inne aufjufaffen ift, roie bieö.nad^ bcmßnt*
murfe ber gall, fann f)ier bal)ingeftellt bleiben. SBöllig abroeid^enbe, Ijingefe^en
auf ifire praftifd^e 33raud^barfeit inbcffen crl^eblid^en SBebenfen unterlicgenbc
®runbfä|e enthält in ber ^ier fraglid&en 3lid^tung bafi gemeine 3ied^t, roetd^eö
jmifd^en Unfäfiigfeitögrünbcn unb Untauglid^feitögrünben unterfd&eibet. S)ie
Unfai^igfeitögrünbe bcÄ gemeinen SRed^teö finb burd^auö pofitioer 9iatur. Um
fällig ftnb grauen, SRinbcriä^rige unb ©olbaten, roä^renb j. 93. ber ®eifteö^
tranfe nur untauglich ift. 2)ie Seftellung eineö unfäl^igen SSormunbeö ift
nid^tig. Slud^ nad^ franj. SWec^te fmb 9ied^tÄ^anblungen, meldte ein jur
gü^rung ber SBormunbfd^aft Unfähiger ober ein üon ber SSormimbfd^aft
3luögcfc^loffener (code civil 3Irt. 442— 444) alö SSormunb rorgenommen ^at,
unmirffam.
Slnlangenb bie gragen, ob bie 33eftellung eines SBormunbeS in ©rmange* swanoei ber
lung ber gefeßlid^en SBorausfefeungen für bie Slnorbnung einer SBormunbfd^aft f^ungjji
(§ 1633) bejm. bann als nid^tig anjufe^cn ift, wenn bereits ein SBormunb be* J^JJJ^ ®!^^'
ftcUt mar unb bie 93eftellung eines jroeiten SSormunbcS nur in bem Srrtftume """
erfolgte, baß ber SKünbel nod^ unbeoormunbet fei (pergl. ©ntfd^. b. 51. ®. in
ffiipilf. IX, 45 ©. 183, XIV, 71, in ©traf f. XI, 55 ©. 201), fo fxnb biefe
gragen, fomie bie grage, ob bie Unjuftänbigfeit bes beftellenben ®crid^tes bie
SWid^tigfeit ber 33eftellung jur golge l^at ober nid&t, foroeit nötl)ig, in bem
®efc6e über bas JBerfal^ren ju entfd^eiben.
1082 aSormunbf dfeaft 2c. ©eflcnbormunb. ©tcKuiiöbcßSSormunbc«. §§1647,1648.
§ 1647.
»efteüunfl SBcgeit bcr 93eörünbung bcr SBorfd^riftcn beö §1647 2lbf. 1, 2 loirb auf
Tormu^Sa"* bie Sluöfüfirungcn unter 9ir. V bcr allgemeinen SBegrünbung bicfeö Slbfd^nittcö,
oben ©. 1032 ff., uerroiefcn.
2)ie SBorfd^riften beö § 1647 W)\. 3, 4 fmb ber preug. 33orm. D. § 26
W)l 3, 5 nad^gebilbet.
II. Sit^rung ber 9Si)nitiiiibfd|aft
§ 1648.
?fii<^tcn unb 3)er § 1648 ©Qfe 1 bringt einerfeitö boö 5ßrinjip ber ©clbftänbiflfeit beö
aomunbc*. SSomtunbcö gegenüber ber Dberüormunbfd^aft (oergt. in biefcr ^infid^t 9ir. n
ber aDgetncinen SBegrünbung biefeö Slbfd^nitteö, oben S. 1022 ff.), anbercr^
feitö baö SBefen ber SBormunbfd^aft als ber allgemeinen gürforge im Oegenfa^c
ju ber auf befonbere 3rnge(egeni)citen befd^ränften ^ßPcgfd^aft oorjugöroeife jum
SluSbrucfe (oergl. 3lv. VIII bcr allgemeinen SBcgrünbung, oben ©. 1043 ff.),
©einem Sn^altc nadE) ftimmt bcr Dormunbfd^aftUc^e ©d&ug ganj mit bemienigcn
©d^uge überein, roet(^er bem SKinbcrjöl^rigen regelmäßig burd^ bie elterliche
(Seroalt ju S^fieil roirb (§ 1502 9lr. 1) ; er begreift foroo^l bie ©orge für bie
^^erf on als für baö SSermogen beö SMünbclö. 3n biefer SBeife roirb ber 3nl^att
beö üormunbfd^aftlidöen ©c^ugeö unb bcmgcmöfe ber Umfang ber ^ßflid^tcn unb
SRed^te beö SSormunbeö aud^ oon bcn beftclienben ©efegen übereinftimmcnb be*
ftimmt (oergt. preufe. a3orm.D. §27; preu§. 91. S.31. II, 18 §231; ofterr.
®. 33. § 188; fäd^f. ®. 93. §§ 1922 ff., 1926 ff.; rocimar. ®ef. o. 27. SRärj
1872 §§ 41, 49, 51; code civil 9lrt. 450; lübedf. SSorm. D. § 25; brem.
aSorm. D. § 29; fiamb. SSorm. D. 3lrt. 19; öejf. ©ntro. IV 3lrt. 43, 54; bagr.
entro. 3lrt. 59, 63).
2lnlangcnb bie ©orge für baö 9Sermögen beö SWünbelö, fo l(|ot felbft*
ücrftänblid^ in 2lnfel^ung einer betjormunbettn ß^efrau bcr SBormunb bie
5ßftid^t unb baö SRed&t, für baö SSermögen berfelben ju forgen, nur unbefc^abet
ber bem ©bemanne nad^ Sßaggabe beö et)etid&cn ©ütcrftanbeö iuftc^enben
SRed^te (t)ergl. bie a«otit)c ju § 1509 ©. 759).
*1ei[L^"' S)ie a3orfd)rift beö § 1648 ©afe 2 ift eine Äonfcquens beö ScftcUungö*
prinjipeö (t)ergt. 9Jr. VI ber allgemeinen 93egrünbung, oben ©. 1034 ff.; ofterr.
®. 33. § 204; preufe. 5Borm. D. § 32 3lbf. 2; bab. ©ef. o. 6. gebruar 1879 § 21;
f)eff. ©ntro. IV 3lrt. 22; bax)x. ©ntro. 2lrt. 41). ein »cbürfnife, nad^ bem
aSorgange einzelner 3led&te (preufe. 91. S. SR. II, 18 § 226; brem. SBorm. D.
§ 20) bcn butd) Ic^troiUigc S3crfügung ober fraft beö ©cfc^eö als SSormunb
berufenen ju oerpftid&ten ober il)m }u gcftatten, in eiligen gäBcn fc^on t)or ber
Seftellung alö Söormunb ju Ijanbcln, ober bcmfelbcn roenigftcnö — roaö ge*
meinred)tlict) gcletjrt roirb — bie S3crpflid^tung aufjuerlcgcn, feinerfeitö bie
rid)terlid)c 33eftcllung auöjumirfcn, liegt nid6t t)or. 2)er ®ntrourf mad^t bem
©erid^te bie Scftellung beö SBormunbcö oon 9lmtöroegen jur ^flic^t, unb in
einem bcfonbcrcn ©cfe^e über baö SSerfa^rcn ober in bem ©infü^rungögefegc
roirb bafür geforgt roerbcn, bafe baö ©cri^t oon eintrctcnbcn SBcüormunbungös
L
1084 aSormunbfd&aft über SWlnbcnä^rige. Sertretunßßmad&t. § 1649.
fd^Qftöred&tcö in crfter Sinic boö Sntcrcffe be« SRünbcIö mafegcbenb fein muß.
9lu(i| in anbcrcn Scjicl^ungcn liegen bic SBer^ättniffe bei ben juriftifc^en
5ßerfoncn unb bei ber SBormunbfd^aft nid^t ßlcici^. 9Ba^renb bie SBertrctungö^
mod^t bcß gcfefcUd^cn SBertrcterö ber juriftifc^en 5ßerfon burtö bie SBerfaffung
in ber SRegcI näl}er beftimmt unb cingefd&ränft werben fann (§ 44), ift bie
3SertretungömQd)t befl SSormunbcS ouf bem ^ier Dorjugöioeife in S3etrac^t
fommcnben (Scbiete fQftifxi^er ^anbtungen eine unbefd&ränfte, mithin bie bem
aWünbcl brol^cnbe ©efa^r bei entfpred^enber SInrocnbung befi § 46 auf benfelben
eine grö&ere, a(ö bei ben juriftifd^en 5ßcrfonen. Slud^ bie für eine weiter^
ge^enbe Haftung ber legieren quo ber Äomplijirtl^eit i^rer SSerl^ältniffe im
^ntercffe ber SSerfe^röfid^erljeit ju entnel^menben ©rünbe treffen bei ben
ÜWünbcIn nid^t ju. ©in 33ebürfni§, bie Haftung ber ajlünbel für bie ^anblungen
ber aSormünber in 9lbiüeid^ung von bem geltenben SRed^te noc^ ÜJlofegabe befi
§ 46 iu erweitern, ift jubem, fot)ieI befonnt, im SBerfel^re nid^t l^en)orgetretcn.
3n t)ielen ber ^icr in Setrod^t fommenben %aUe l^onbett eö fid^ um bie
erfüIIuna,gcfegH^er Obligationen. Sluf biefe gälle finbct ber § 224 Slbf. 2
Slnroenbung. 3n mand&en fallen ^aftet aufeerbem ber SBormunb, wenn er
burd^ bic 9lid^tbead^tung eines 93erbotö? ober ©ebotögefefeeö in Slusübung
feines oormunbfd^aftlicben 9lmteS einem ©ritten ©d^abcn jufügt, fei t^ auf
®runb allgemeiner »eftimmungen (oergl. §§ 710, 734 3lbf. 2, § 735 3lbf. 3)^
fei es im ©inne bcs fpejiellen ©cfcgcs, pcrfönlid^. Ob unb inmicroeit ber
3Künbel nad^ allgemeinen (Srunbfäften megen eines bei Slbfd^lufe eines Sted^ts*
gefdE)äfteS begangenen SSerfd^ulbcnS bes SSormimbeS, insbefonbere wegen eines
üon bemfetben bei Slbfd^lufe eines 9?edE)tsgefd^äfteS begangenen Betruges ober
Sroanges, für ©d^abenöerfafc haftet, fjängt oon ber Beantwortung ber Don
bem ©ntwurfe abfid^tlid) unentfd&ieben gelaffenen ^rage ab, ob bie Haftung
wegen fog. culpa in contrahendo als eine red^tsgefd^äftli^e ober als eine
Haftung aus einem 35clifte aufjufaffen ift.
umfon« ber 2)ie 93ertretungsmac^t beS SSormunbeS ift nad) bem Segriffe ber SBor^
®* m^Sl"**' munbfc^aft (oergl. 5ßr. vni ber aUgemeinen SBegrünbung biefes Slbfc^nittes
©. 1043 ff.) an fid^ eine allgemeine; fie erftredt fid^ jeboc^ nid^t auf fold^e
Slngelegenl^citcn, für weld^e eine 5ßflegfd&aft befielt ober weld^e im gaUe ber
3::i)eilung ber 33ormunbfd^aft unter mehrere SKitoormünber bem SKitPormunbe
jugewiefcn finb (§§ 1650, 1652). SRu^t bie ©orge für bie ^ßerfon unb bie
©orge für bas aSermogen in oerf^iebenen ^änben, fo ift es als felbftDerftänblid&
ju betrachten, ba§ bie erftere bie SSertretungSmad^t aud^ in fold^en 3(ngelegen*
Öeiten umfaßt, mit wetd&en traft (SefefeeS nermögenSred^ttid^e golgen oerbunben
fmb; benn bie 3lüdfwirfung bes bie perfonlid^en 3lngelegenl^eiten betreffcnben
SRed^tsgefd^äftes auf bas SBermögen bes aWünbets berul^t in ben norausgefefetcn
gäBen nid^t auf bem red&tsgefd^äftlid^en SBillen bes aSertreterS, fonbem auf
bem ©efege. 3m Uebrigen bebarf es, wenn eine ^anblung fowol^l in ben
Sereidö ber ©orge für bie ^erfon, als in ben Serei^ ber ©orge für bos
aSermogen fällt, ber 3ßitwirfung ber mehreren aSertreter. S6ei einer aSer*
fd^ieben^eit ber SReinungen ift bie aSorfd^rift beS § 1653 mafegebenb.
»«' 9Ius bem Begriffe beS gefeglid^en aSertreters im ©inne bes ©efegbud^es
<^ränhiiigcn. ^^gj^j^j j-j^ fcmer, ba§ bie aSertretungSmad^t bes aSormunbeS an fid& eine
I
1086 Sßorinunbfd&aft über SKinberiäJ&rißc. aSeitretungßmadbt. § 1649.
bcm (Sebictc bcr ©orge für baö SSermögcn von ber Unbcfd&räntt^cit ber Scr^
trctungömad^t ausjuge^cn unb bic le^tcre burd^ SlufftcHung cinjclner bcftimmter
unb greifbarer Eategorieen ju befd^ränfen, im Uebrigcn aber mit ber SScrant-
TOortlid^fcit beß SSormunbeö ftd^ ju begnügen (§ 1696), ein ©tanbpunft, loeld^er
üorroiegenb anä) ber bes geltenben 9*ed|teö ift.
Bormunb«! ®emeinred)tlid^ fmb fold^e von bem aSormunbe im 5Ramen bes SÄünbete
* vorgenommene SRcd^tögef^äftc für ben 3ÄunbeI unoerbinblid^, meldte ftd^ als
ein argliftiger ©ingriff in baö SJermögen beö SWünbelö barftellen (oergl. 1. 7
§ 3 D. pro emt 41, 1; ©euffert XXIV, 126; ©ntfdö. b. 5R. ®. in 6iolIf. XV, 42).
©ine berartige ©inf^rcintung ber SBertretungömad^t fmbet fid^ inbejfen in ben
neueren ®cfe|cn nid^t; fte ift aud^ mit bem ©ebanfcn ber Slepräfentatiogcmalt
beß aSormunbeö nid^t t)ereinbar. 3m engftcn S^fommen^onge bamit ftefjt cß,
bafe ber ©ntmurf aud^ bie gemeinred^tlid^e SBiebercinfefeung in ben üorigcn
©tanb gegen ffied&tsgefdjäfte beö SSormunbeö auf ®runb ber aKinberJä^rigfcit
aufgegeben t)at. ^ier, roie bort ift baoon ausgegangen, bafe ber Jiugen,
meld^er im SlUgemeincn für bie Sid^erljeit bcs 9Sertef)reö unb baö SntercRc
beS äUünbels barauö crroäd^ft, bafe bas ®efe6 für eine ftd&ere, frebitroirfenbc
SJertretung bes SWünbels forgt, fd^it^erer miegt, als bie ®efa^ren, meldte in
cinjelnen gäUen für ben 2RunbeI baraus entfte^en fönnen, bafe ber 58ormunb
feine SBertretungömad^t argliftig jum 9lad^t^eile bcS SKünbelS mifebraud^t
33ofer SBille ift es Derl^öltnifemäfeig am aüerroenigften, woraus bem aJlünbel
®cfal)r brol^t, unb gegen aSerbred^cn fann fd^Iieglid^ fein ®efeg fd^ü^en,
3li(^tiger ift es, in bicfer ^infid^t eS bei bem allgemeinen ftrafred^tlid^en
Sd^ufee gegen Untreue beö SSormunbeö (§ 266 beS ©tr. ®. S3.) unb bei bcffen
perfönlid^er 5BerantmortUd^teit (§ 1696) beroenben ju lajfen unb foroeit
bem mobernen 9led)te ju folgen, meld^es burd^ bas ©rforbernife ber ©enc^-
migung bes SBormunbfd^aftsgerid^tes bejm. bes ®cgenoormunbeS ju mid^tigeren
®efd^äften unb burd^ bie regelmäßige S3eaufftd^tigung beS SöormunbeS bic
3!ntereifen bcs 3RünbelS im 3lllgcmeinen roir!famer fd^üfet, als bies bem rom.
3led^tc mittels feiner aScrflaufulirung ber aScrtretungSmad^t bes SBormunbeS
gelungen ift.
2)er ba^r. ©ntm. Slrt. 54 befd^ränft bie SJlad^t beS aSormunbcö, ben
3Äünbel JU vertreten, auf fold^e göUe, in meldten ber lefetcrc nid^t fä^ig ift,
felbft 5lc(|tsl)anblungen gültig t)orjunel&men. ©ine fold^e SBefd^ränfung empfiel^tt
fid^ icboc^ nid^t. SBcnnglcid^ bie SSertretungSmad^t beS SOormunbeS im SID*
gemeinen i^ren ®runb in bem Sebürfniffe einer ©rgänjung ber befd^ränftcn
®efd^äftsfä^igfeit bcS aWünbelS l^at, fo ift biefclbc bod^ t^rem Umfange na^
t)on bcm im bcfonberen gälte t^atfäd^lid) üor^anbenen 33ebürfniRe burd&auö
unabljängig. SnSbefonbere foU bcr ^ormunb bered^tigt fein, aud^ fold^e 9te^ts^
gefd^öfte im Sfamen bes 3KünbelS oorjune^men, burd^ meldte bcr ÜÄünbel
Icbiglid^ Siedete erroirbt ober Icbiglid^ von SBcrbinblid^fciten befreit mirb, aud^
TOcnn ber aWünbel felbft jur 9Sorna^me jener SWed^tsgefd^äfte fä^ig fein mürbe
(§ 65 9rbf. 2).
^üb^ bf*' ®^" Sebürfnig, ben SBormunb im ®efege befonbcrs barauf l^injuroeifen,
»Irtreumgfl. bafe cr als gcfcßlid^cr SSertreter beS Sßünbcls gegenüber bcm teßtcrcn bic
mQ<^t. s;ßf[i^t Ijat, je nad^bem bas Sebürfnife es erforbert, ben aotünbcl ju vertreten
@enel)miflunfl ju ert^eilen ober ju oerroetgem, liegt im ^inblirfe auf bie
aUßemeine SSefümmung bes § 1648 (oergl. aucti § 1696) ni^t vox. ©benfos
roenig empfiehlt eö [xd^, DDtjufcftreibcn, bafe ber aSormunb in allen fallen, in
meii^en ec materieQ @ef^äfte bcs äüünbclfi beforgt, biefelben aucfi focmeU itn
3Iamen befi aBünbele {oergl. § 116) fcftlie^cn (oll. eine fo[^e SSorfc&rift
entl^ält atletbingä isas fäc^f. @. S9. g 1910, unb auä) ein in ber Jtommtfflon
beß preu§. ^etren^aufeS geftellter, aber abgelel)nter Antrag besmedte bie aiuf=
naljme einer foldien Siotf^lrift in bie pteufe. Sßorm. O. (oergl. SSeri^t ber
§crrenl)ü«ftIoinnii[fion @. 43). ©ine berorlige Siorfc^rift ift inbcRen praEtift^
ni^ burc^iufüljren, ha es rie(e ©efc^Üftc gicbt, roel^ic etfa^rungsmäfeig nii^t
auf einen beftimmten 91ameii flefdjIoUcn roerben unb roeii^ie aucf) ein SSormunb
trog einer bies oertangenben gefeglii^en SJorfc^rift t^atfäc^tic^ niemals auf ben
31amen beS äHünbefS f{^[ie6en roirb, j. S. alle geringfügigen ©aareinfäufe in
Säbcn ober auf ben äßärften. 3)Ian mürbe bes[)a[b eine foldie Seftimmung
ftiUfc^roeigenb als auf er^eblidiete @efcl)äfte beft^iänft jfi betrachten l)aben,
3Iber auc^ in biefet 31id)tung fann man 9lllefl fügli^ ber allgemeinen ^ev-
pflic^tung bes SSormunbee übeclaffen, fo ;u ^anbeln, niie eS im {on!reten
goUc bas SBefte be8 aHünbelS nerlangt. Sana^ ift ber 5ßormunb immer oer^
pftic^let, im 9!omen bc9 aJiünbete ju Itanbeln, wenn ein entgegengefe&te«
SSerfo^ten bem 9)lünbel gefä^rlii^ roerben lann. 3)er SSormunb roirb bicfl
jubem ttjatföc^lic^ fd&on befl^ttib regelmöfeig l^un, roeil er nur babur(^ feine
eigene Haftung gegenüber bem Sritlcn oon fi(fi abroenbet. ^or allem tommt
femer in 93etrai$t, ba% man ben beabfic^iigten '^ntd, ben SRünbel gegen
ungerecf)tfertigte8 a3erfQ6ren bea SSormunbeS r'c^erjuftellcn, bur{| bie f)ier in
SHebe ftc^enbe SBorfc^rift au^ feineSroegS erreicfit, ba man ben SJormunb
formcU ni^t jroingen fann, im einjelnen golle nic^t bennod) gegen eine foli^e
Sßorfd&rift gu ^anbeln. 3ln bem einen roie bem anberen %aUt bleibt bot)cr ber
aSünbel auf bie SSerontroortltc^Ieit bea 58ormunbe6 angeroiefen. SHc^t ju übers
fe^en ift fetner, bafe bei einer JHei^e roiiiitiger 9te^tsgefd)äfle bie SBirtfamfeit
berfelben oon ber ©eneljmigung bea SßDrmunbfdjaftsgeri^les bcjro. bes (Segen*
oormunbes ob^ngig ift, bicfe ©enetjmigung aber nur bann erttieilt roerben
roirb, roenn baa ©cfdiäft in einer ben aJIünbel fii^ernben 9Irt abgefc^Ioffen ift.
§ 16r.O.
38enngleid) bie bem § 27 ber preufe. SJorm. D. ficj anfd)[iefeenbe SBes «»n'une'ij
ftimmung bea § 1650 als felbftBerftänblif^ crac&tet roerben tonn, fo ift bod^ »om"^»e«
bie aufnähme berfelben im Jintereffe ber Surdirii^tigteit bes ®efegea unb jut ""J ""'*
Stlartegung be« Sßer^ältniffea bea Sßormunbes ä" einem baneben befteUten '""*'
^Pfleget (oetgl. 9Ir. vni ber allgemeinen Segrünbung biefeö atbfi^nittea oben
©. 1044) als angemeffen unb rat^fam erachtet roorben (oergl. auc^ SOlotioe ju
§ 1649 oben ©. 1084).
SBegen ber ©rünbe, auS meieren ber ©ntrourf eine bem § 1510 ent;
(pre(^enbe 9iotf4rift in bas Sßormunbfc^aftsretdt ni(^t aufgenommen l)«t,
bie iKiii •Hüvmuiiin' i>blii-gfiiöf SofiU' jüv bdQ ^i'i'nnögcn in ?ln)i,'l)iiug ber
1088 a3ormimbfd6aft üBcr SJlinbcrioiriflc. Scrttctunö8ma<]&t. § 1651.
bort bcjcid&nctcn SSermogcnögegcnftänbc bal^cr crft burd^ bic nad^ SKafegabc
bcö § 1738 2lbf. 1 Safe 2 n)irtad& crfofgtc SefteUung cincö 5ßPcgcr«
Qußgcfd^loRcn fein foD, roirb Quf bic SWotioe ju bcn §§ 1510, 1738 33cjug
genommen.
§ 1651.
«»«ft^iiciuufl SBic bie Raffung bcö § 1651 im ©ingangc (pcrgl. aud^ § 45 Saft 1)
tmungTmUt ^^w"i* ctfenncn läfet, ift in hm gälten beö § 1651 bie aBincnöerHärung
bes bc8 SSormunbeö nid&t ctroa alö nid^tig, fonbern alö üon einem nid^t mit SSer*
tretungömad&t auögeftatteten SBertretcr ausgegangen (§§ 123—126) anjufcl^en.
@d entfprid^t bieg ben allgemeinen ©runbfägen, von benen ab)un)eid^cn
um fo weniger ein Sebürfnife vorliegt, afe bic jad^Iid^en SScrfd^iebcnl^eitcn,
ic nad^bem man eö in biefer S3ejie^ung bei ben allgemeinen ©runbfäftcn
belöfet ober bie aBiUcnöerflärung bcö SBormunbeö als nid^tig be^anbclt, nid^t
von erl^eblid^er praftifd^cr fflebeutung finb unb bie 3lnn)cnbung ber allgemeinen
©runbfäfte in geroiffen göllen im iginblidEc auf bie 33orfd^rift bcö § 126 ©aft 2
bem SWünbcl fogar günftiger ift, alö wenn man bie 9lid^tigfeit ber SBiDcnö^
erflörung beö 9Sormunbcö vorfd^reibt. 3^^^"^ ^^t ber ©ntrourf eö au6) in
bem analogen gallc beö § 45 ©aft 1 in biefer ^infic^t bei bcn allgemeinen
©runbfäften bemcnben laffcn.
9luö bem 9luöfd^luffe von ber gefcftUd&en aSertretung ergicbt fid^ ferner
von fctbft, bafe bem SSormunbc in ben fallen bcö § 1651 aud^ baö in
ben cinjctncn Seftimmungen bcö ©cfeftbud^cö bem gcfeftlid^cn aScrtrctcr alö
fotd()em beigelegte Siedet, bie ©inroilligung ober Oenc^migung ju SRcdötögefd^äftcn
JU ertl)ei[cn ober ju vcrrveigern, nid^t juftel^t (vcrgl. § 65 älbf. 3).
3u ben einjelnen S3eftimmungcn beö § 1651 ift golgenbcö ju bemerfen:
«ec^tä* 1. 33cm (Sntrourfe liegt baö ^ßrinjip ju ©runbc, bafe ber aSertreter einer
m^^^ntov» ^ctrfon mit ftd^ felbft im eigenen SRamen ober im Flamen einer von i^m eben*
munb unb ^^U^ vcrtrctcncn anberen 5ßerfon mirtfam fontral^ircn fann (vcrgl. § 45 2lbf. 1
©aft 2, § 805 3lbf. 2). 3n ©rmangetung einer cntgcgcnftc^enben befonbcrcn
aSorfd&rift mürbe ba^er aud^ ber aSormunb bei SHed^tögcfd^öftcn jroif^cn
itim felbft unb bem 3Künbcl von ber gefcftlid^cn aScrtretung bcö festeren
ni^t anögefd^loffen fein. 6ö ^at fid^ iebo^ jrocifclloö ba& SBcbürfnife gc*
jcigt, in fold^cn gälten bic von bem (Sefefte verliehene aSertretungömad&t
jum ©dfiufte bcö aWünbclö gegen SRifebraud^ berfetben auöjufd^licgcn. 3nö*
©eitenbe« bcfoubcrc ift im gcmcincn 3lcdE)tc unb in vcrfd)icbcncn neueren ©efeften an*
^^** erfannt, bafe ber aSormunb aUünbelfad^en, abgcfclicn von ber im röm. SRc^te
bcftimmtcn unb in bcn neueren ©efeften mct)r ober roeniger beibcl^altcncn
3luöna^mc bcö galleö, in mcld^cm „palara" gclianbelt ift, burd^ Sauf nid^t
crmcrbcn fann (vergl. ®ntfd^. b. 91. ©. in ßivilf. VI, 3 ©. 15; code civil
3lrt. 450; lübcdf. a$orm.D. § 57; brem. 9Sorm. D. § 76; fäd^f. ©. 95. § 1919
unb baju ©iebcnljaar, Kommentar III ©. 192 ff.; I^cf). ©ntn). IV ärt. 76).
(Sinselnc ©cfc^c verbieten ferner ben 93erfauf von ©ad^cn beö SBormunbeö an
bcn aJiünbcl (vcrgl. fäd)f. ®. 93. § 1919; lübcdf. 93orm. D. § 58; brcnu SBorm. D.
§ 77) ober baö aJlictl)cn unb 5ßad)ten von Sßünbclfad^en, inöbcfonbere von
SJom. O. § 53; bcem. SBorm. O. § 72; f)t% Gntro. IV atrl. 72), foioie bie §m=
ga6e eines ^clc^enfi aiifl bem äjermägett befi Sltiinbela an ben 33ormunb
(pteufe. 'X a. 9J. II, 18 § 485; brcm. Sßonn. O. §. 64; Ijef^. Sntro. IV 31«. 64;
rergl. omJi (tamb. 5Bonn. O. 9ttt. 60, 45 ; W.oim bes ba^r. (Stttro. ä" Strt. 75
S. 80). lEagegcn ift noi^ gemeinem iRt6)te ber Sßormuiib berechtigt, fw^
felbfl QU» bem ^ennögen befi äßünbele ein Tiai:(et)en ju geben, roäEirenb cd
iit)eifcIf)oft ift, ob ber aSormunb oua feinem eigenen aiennogen bem 'ülünbel
ein S)QrIe[)en gemähten (ann {»ergl. ). 9 § 7 D. de administr. 26,7; ®ntfc^.
b. 9t. (S. in Simtf. vi, 3 ©. 15).
SBcitct fommm l|icu foldie ©cfc^e in 3ktrati)t, iue[c£)c Dorf t^rci ben, bajj
ber iDliiiibci bei bem aibfi^liiile Don a^eclrägcn jit>ifd}en bem 3Jormunbe unb
bem äßünbef ([iibecf. SJorm. C. § SB; brcm. ilorm. O. § 77; t}amb. i^arm. C.
9Iri. 60; Dcrgl. anc^ prcufe. a. Ü. S. II, 18 gg 46, 253, 254), ober boc^ bei
Vertrügen jmifc^en bem SJotmunbe nnb bem 'iiiünbet, burd; raelrfte ber letztere
Dcrpflic^tet niirb (fä^f. ®. SJ. § 1919; roeimar. (^ef. t). 27. aHärä IST-J g 26),
ober im %aÜe eiiica EoIIibircnben 3ntere[yes jioif^cn bem 3Jormnnbe nnb bem
'Jiünbcf (coile civil 9tri. 420; [)amb. SJorm. O. Slrt. 60; cergl. mid) batfx.
ISnlro. 31«. 56) burd) einen Spejialfiirator »ettreten roerben foU. Iiic preuft.
SJorm. D. entiiätt in biefer ^infiii&t feine oufibriidltcfie ^(orfdtrift. Sic bc
ftimmt äioar im § 86, ba^ bei einem Siberftreite crlicblii^er Onterefjen mebrcrec
'Bhinbcl bcöfelben 'liormunbeö icbem ^Uünbci ein pfleget bcftellt luerbcn foU,
and) i>a^ ein '^iflcgcc für ben iDfünbei ju beflellcn ift in 9[ngclfgent)eitcn, bei
roeldien bie 91u6iibniig ber rormnnbfi^Qftiitbcn 3ic[f)te crforberüc^ ift, ober aus
l^nlfäd)licften ober recfttlidien (Srünbeii nidjt ftaftfiiiben fanii; fie läfil ober bie
gragc offen, ob ber Süormiinb übertjaupt bcjm, in roelc^cn befonbcrcii g^Uen
befugl ift, nlö 'Hertreter bra üJfünbelß mit fid) fclbft ©efc^äftc nbjufdjiicfeen.
3n ben "Diotiöcn S. 180 fd)eint oUerbingö für bie %&\lc eines foUibireiibcn
3nterciTefl jiij!frf)en SSornuinb unb ÜJiünbci eine rec&tiidie iSe^inberung bea
erfteren atfgemein angenommen jn roerben (uergl. aucft ©nlfd). b. 3i. @. in
Sioilf. VI, 3 ©. Iß unb in Straff. IX, loa S. 340, XIII, 99).
3im 9tnf(^liijfc an ben ben nngcfüljrten gcfcßlicben iöeftimmiingen ju s
(Srunbc [iegenbcu (Bcban!en bcftimmt mid} ber ßntrouvf im § 1651 9ir. 1, öqö ^
ber SBormunb oon ber gefe^Iic^en Söertrctung beö älfünbcls anägefcöioifen [ein
foU bei l^lfedltögcft^ölte« »nb 3lei$tsftreiligtciten jroifdien bem SBormnnbe fclbfl
unb bem ÜJJiinbct. I^urc^ bicfc äcftimmung loirb aud) ber «alt geberfl, roenn
ein 3ted)lägefdiäft gegenüber einem 9Inbcreii »orgenommen loirb (§ llö). ^ic
jener Seftimmung ju (Srunbc liegenbe mtio, nömli(^ ber SdjuB beö 3JIitnbelS
gegen bie llerfolgung eigennüßiger 3[ntcreffen beö 'üomtunbes, läßt cö inbeffeii
als ratljfflm unb angcmeffen erfd)einen, bie 'ilerlretungflmadjt bcS liormnnbcß
and) in bem im § 1651 32r. 1 bcftimmtcn incitcrcn Umfange aua.^nfdiüeöeii.
"Jled] loeitev ju gelten unb bie ^^crtrctiingömactt btö Üormunbcö in allen
fällen frnft beä Wefe^eö aufljufdilic^cn, in meieren ber 3iid)tcr nnd) ÜRafis
gnbe beö g 4o 9ir. 3 ber G. 1'. O. wegen feiner 2.*enuanbtft^üft ober 3djroäge^
fd)aft mit einer ber ^Jßarteicn uon ber 5luänbung be9 Süc^teromleS aus-
gefdiloffcn ift, ift bagegen al6 bebeiitlid) eradjlcl. 33ei ber jnriflifdicn "llerfon
1090 aSormunbfd&aft über 2yitnberi%iflc Scrtretiinö§uia*t. §1651.
^at ber ©ntrourf jtd^ barauf bcfci^räntt, bei einem SRcc^tögefd^äftc jroifd^en bcr
Äörpcrfd^aft unb einem äßitgliebc beö SBorftanbeö, foroic bei einem SRed^tö^
ftrcitc jroifdEien bcnfelben boö bet^eiügte SRitflUeb t)on ber SBertretung ber
ÄörperfdEiaft auöjufdilieBen (§ 45 Safe 1). 3nbeffen bei ber iuriftifd&en ^crfon
unb ber SSormunbfd^aft ift bie ©ad^lage nomentlid^ um beöroillen nic^t bic
gleid^e, roeil bie Sntereffen beö äWünbefe in l^öl^erem aWafee beö ©d^ußeö
bebürftig [inb unb bei ber SSormunbfdiaft jubem bie Sluöfd^liefeung ber SSer-
tretungömod^t in bem im § 1651 9lr. 1 bejeid^neten weiteren Umfonge im
§inbtidfe auf baö Snftitut ber 5ßflegfd^aft Dom proftifd&en ©tanbpunfte aud
meniger SBebenfen gegen fid& ^ot, alö bieß bei ber juriftifd^en 5ßerfon wegen
ber mit ber Se^inbcrung beö 58orftanbeö leidet eintretenben SBciterungen unb
©torungen in bem ©efd^äftöbetriebe ber "^aU ift.
SSon bem ^rinjipe beö § 1651 3lx. 1 eine 9luönQ^me in 3lnfe^ung ber
SRed^tögefd^äfte unb Dlec^töftreitigfeiten jmifd^en 9lbfömmlingen beö SBormunbeö
5u ma6)tn, ift l^ier nocf) meniger angcjeigt, qIö bei bcr elterlid^en ©eroalt
(oergl. bie Sßotioe ju § 1503 oben S. 740 ff.). 2)ie %&Uz fönnen fo liegen, bafe
ber SBormunb für einen feiner 9lbfömmlinge ein befonbereö 3nterejfc l^at unb
bcöfialb baö Snicrefje ber anberen Slbfömmlinge gefäl^rbet ju werben bro^t,
wenn man ben SBormunb md)t nad) äßafegabe beö § 1651 Sir. 1 üon ber
gefe6lid)en SKertreiung auöfd^liefet. SRamentlic^ fommen fold^e gälle in SBe-
trad^t, in rocldjen eö fid^ um Slbfömmlinge auö uerfd&iebcnen ®^cn ^anbelt.
auflnoi^mc 33on ber SRegct beö § 1651 9lr. 1 mad&t icbod^ ber ©ntrourf — abgefe^en
örfflaungs- ^^" ^^^ fpejiellen a3orfd)riften beö § 1326 3lbf. 2 unb beö § 1370 — um ben
flcfc^aften. ainforberungen beö Sebenö gerecht ju werben unb ben Unjuträglid&feiten ju
begegnen, weld^e mit ber unbebingten ©urd&fü^rung ber Siegel ocrbunbcn fein
würben, bie, aud) oom ©tanbpunfte beö Snterejfeö beö 3Künbelö auö un*
bebenflidbc, allgemeine 9luönal|me, baß bem SSormunbe aud^ in ben gälleu
beö § 1651 9]r. 1 bie SBertretungömad&t aufteilen foU in Slnfel^ung fold&cr 9led^tö=
gefd^äfte, weld^e auöfd^liefelidö in ber (Erfüllung einer SSerbinblid^teit befte^en
(oergl. § 45 Safe 1). 2lud^ nad^ 'gemeinem SWed^te finb SöWw'^Ö^"/ roeld^c
ber aSormunb an fid) felbft alö ©laubiger beö aWünbclö auö beffen SSer*
mögen ober alö Sd^ulbner beö aWünbelö auö feinem eigenen SOermögen on
ficb felbft alö SBotmunb leiftet, wirffam (1. 9 § 5 D. de administr. 26, 7;
entfd^. b. SR. ©. in SiDilf. VI, 3 ©. 14 unb in Straff. IX, 77 S. 250). @benfo
geftattet taö franj. SHed&t bem SBormunbe, fid^ felbft wegen ber i^m gegen ben
3)lünbel juftc^enben gorberungen beja^lt ju mad^en. 3^* bemfelben SRefultate,
wie bcr Entwurf, fül;rt in bicfer SBejie^ung bie SSorfc^rift beö fäc^f. ®. 33.
§ 1919, bafe bie Seftellung eineö befonberen 3Sormunbeö bei fold&en SSerträgen
jwifc^en bem SSormunbe unb bem ÜRünbel erforberlic!^ ift, burd^ weld^c ber
lefetere Derpfliditet werben foll. SDurd^ bie im § 1651 3Jr. 1 am ©d^luffe bc^
ftimmte 9luönal|me wirb inöbefonbere bie 3lbwicfelung berjenigen ©d^ulb*
üer^ättniffe, welche alö golge ber SSormunbfd^aftöfü^rung felbft jwifc^en bem
SSormunbe unb bem OJlünbet entftel^en (§§ 1696—1699), fd^on roä^renb bc^
ftc^enber SBonnunbfc^aft ermöglid^t. Uebrigenö wirb burd^ bie Seftlmmung,
ba^ eö in ben gällen beö § 1651 9Jr. 1 bei fold&en SRed^tögefd^öften, wet^c
lebiglic^ in ber ©rfüUung einer Sßerbinblid^feit bcftel^cn, ber 33efteltung eineö
1092 a5crmunbfd6att über SKmbcridJriflc. Scrtrdunggma^t § 1651.
j. S3. in golgc bcr aBieberocr^ciratl^ung (ocrgl, §§ 1&48, 1734), erfolgten 83er*
mogeni&audetnanberfe^ung S(^u(bner bed SRünbelö gemorben ift unb n)egen
biefer @(^ulb bem Sßunbel Sid^eri^t befteDt f)at ^ür bad Sormunbfc^aftd^
rcd^t ^at bie 33cftimmung beö § 1651 9?r. 3 im ^inblicfe auf bie 33orf^riften
bed § 1669 unb bed § 1674 3lv. 13 Derb, mit §§ 1681, 1682 aDerbingd nic^t
eine fo er^eblid)e ä3ebeutung, nne für bad Siedet ber tlicdxdfcn @emalt, auf
weld^ed burd^ § 1503 älbf. 1 bie 93eftimmungen bed § 1651 für entfpred^enb
anmenbbar erfUrt ftnb, ba fär bie elterli^e ®eroalt äSorfd^riften, melc^ bem
§ 1669 unb bem § 1674 9lr. 13 entfprec^en, nic^t gegeben finb unb galle ber
im § 1651 5lt. 3 bejeidönetcn Strt in bem SSer^altniffe jroifi^n bem SSormunbe
unb feinem SRünbel überl^aupt nid^t fo ^aufig norfommen merben, mie in bem
SSerl^ältniffe jroifd^en bem 3nt|ober ber dUxliä^n (Seroalt unb. feinem Äinbe.
Snbeffcn ift eö aud^ auf bem Oebictc beö SSormunbf^oftörcd^teä ein (Seroinn^
ba§ in ben l^ier in 9lebe fte^enben '^Utn bie Sefteüung eines Pflegers erforber*
lid^ wirb (§ 1738 3l6f. 1) unb baburd^ baö 83ormunbfd^aftögeri<^t bejro. ber
©egenüormunb beffcr in bcn ©tanb gefegt roirb, bie älngemeffenl^eit beö Sled&tö*
gefd^äftcö auf ®runb ber ©rmittelungen beö 5ßflcgerö ju prüfen. 3"i>^"i finben
bie 83orf(^riften bed § 1669 aud^ auf bem ©ebiete bed 3}ormunbfc^aftdred[)ted
in oerfc^iebcnen gäUcn feine Slnroenbung (§§ 1690, 1733). (Sin Scbürfnife^
nod& weiter ju gelten imb aud^ in 2lnfel^ung ber SSerfügung über nid^tocrfid^ertc
^orberungen be« 5Qlünbe(ö gegen ben 93ormunb über bie gälle bed § 1654 9h:. l
l^inaue bie SSertretungdmad^t bed Sßormunbed unbebingt aud)ufd^(iegen, fann
bagegcn nid^t anerfannt werben. 3nforocit genügt bcr burd^ bie 5Borfd^riften
beö § 1669 bem aSünbcl gemährte ©d^u|.
cntsie^unö 4. ^{^ Seftimmuug beö § 1651 31t. 4, roeldl^e jtd& benienigen ©efefc*
ÄoaTfSn"bcr gebungen notiert, bie für ben gaU foUibirenber 3nteref[en beö SOormunbeö
Sntereffeii. ^^jj jj^g gRünbcIö bie SefteUung eineö 5ßf[egerö öorfd^reiben (oergl. oben unter
3lv. 1 ©. 1089), empfiefitt ftd^ namenttid^ mit SlüdEft^t auf eilige gSIIe unb
auf fold&e gctDe, in roeldEien ber SBormunb an ber 33omal^me non äted^tö*
l^anbiungen für bcn ÜKünbcI in geroijfen 9lngelegenl^citen beö Ic|teren für bie
3ufunft tjcrl^inbcrt rocrbcn foD, ol^ne bafe eö ber Slnorbnung einer ^fleg*
fd^aft jur 3cit bcbarf.
«rwerb einer 5. giad^ bcr prcufe. SBoHU. D. § 40 2lbf. 2 barf ber SSormunb eine auf
09Pot^ef K. ^^.^^^ ©runbftücfc ^aftenbe §i)pot^cf ober Orunbfdiulb für hcn 2ßünbet nic^t
©runbfiütfe enoerbcn. 2)cr ©ntrourf f)ai eine berartigc SSorfd^rift nid^t aufgenommen,
oomunbeö. ®ö ift jTOor uid^t JU Dcrfcnncu, bafe im galle einer fold^en ©rrocrbung eine
geroiffe ÄoUifion bcr 3ntcreffcn l^erbcigefül^rt roirb, rocld^c nid^t roünfd&cn&=
rocrtf) ift. (Segen bie 3lufnal)me einer fofd^en SBorfd^rift, rocl(^e jubem nur
ben Äaratter einer Drbnungöoorfd^rift l^at, fprid^t inbejfen, bafe biefelbc eine
fafuiftifc^c ift unb bafe man für aUe gälte, in meldten äJ^nlid^c ÄoDifionen bcr
3ntereffcn eintreten, ben aSormunb bo(^ nid^t in gleid^er ©eifc befd&ränfen
fann. 3ft bie Seforgniß bcgrünbet, ba§ auö bem aSBiberftreite ber 3ntcreffen
bem aWünbet ein Slad&tl^eil erroäd^ft, fo bleibt immer bie Stbl^ülfc, ba§ baö
93ormunbfd^aftögerid&t bem SSormunbc in ber betreffenben Slngelegen^cit bie
6orge für baö SBermögen cntjiefien unb einen 5Pffcgcr beftcllen fann (§ 1651
3lx. 4, § 1738 3lbf. 1), moburd^ eine bcr Sid^cr^eit beö ÜÄünbelö entfpred^enbe
l
1094 aSormunbfd&aft üfccr SWinberja^rige. SKeJrcre Sormünbcr. § 1652.
bcftimmt bcr § 1652 3lbf. 1 im anfd^Iujyc an baö preufe. 31. £. SR. II, 18
§§ 115, 116, an bic prcufe. aSorm. D. § 30 unb baö fäd^f. ®. 83. § 1957,
ba^ mclircrc SBormünbcr bic SSormunbfd^aft gcmcinfd&aftlid^ führen, b. ^. nur
in ilircr ®cfammtl|cit l^anbcln fönnen. S)icfc 3lrt bcr Siegelung ift nid^t allein
bie natürlichere, fonbcm aud^ bic jrocdcntlpred&cnbcre. Uebrigenfi ge^t ber
©ntrourf baüon auö, bofe, wenn ein 2)litt)ormunb roegföHt, bie übrigbleibenbcn
SSormünber bis jur etwaigen SefteHung eineö neuen 2)liti)onnunbeö bie 93or*
ntunbfd&aft aBein fortjufül^ren l^aben (preufe. SBorm. D. § 65 3lbf. 2).
(jntfc^ibuna S)ie SBorfd^rift beö § 1652 9lbf. 2, bai im gallc ber gSerfd^iebenl^eit ber
TOciminfl»- aWeinungen baö ajormunbfd^aftögerid^t entfci^eibet, [^liefet ftd^ bcm preu§.
3lrt. 43 an; bagegen roeid^t bicfelbe üon ber preufe. SSorm. D. § 30 Slbf. 2
(oergl. aud^ bapr. S. 31. I, 7 § 31 9?r. 8) infofern ab, alö bei ÜReinungö*
perfddieben^eiten unter ben aKitoormünbem nid^t junäd&ft bie SDlel^rl^eit, fonbem
ol^ne SlüdEfidEit barauf baö 9Sonnunbfd()aftögerid&t cntf^eiben foD. S)ie S3c^
ftlmmung bcr preufe. SSorm. D. empfiehlt fid^ namentlich beöl^alb nic^t, weil
fie ju 3wjeifeln megen bcr ©tellung ber SSormünber na6) aufeen SJcranlaffung
giebt. 6inc unjuläffigc Steigerung bcö @inf(uffcö ber DberDormunbfd^aft ift
t)on ber Siegelung bcö ©ntrourfeß nid^t ju befürd^tcn. Uebrigenö ift baö aSor*
munbfc^aftögcriddt aud) nur befugt, bcm einen ober anbcrcn S^l^cilc bcijutretcn,
nid&t aber, eine neue 2lnftdE|t aufjuftellen unb bic SSormfinber anjul^alten,
banad^ ju l^anbeln, eö fei benn, bafe im fonfreten gallc ein fold&eö ©ingrcifen
burd^ baö Sluffidötöred^t (§ 1684) begrünbet fein foUte. SDic (Sd&Iufemorte bcÄ
§ 1652 9lbf. 2 foUen bcm aSormunbfdEiaftögerid&tc bic 3Möglid^feit gcroä^ren,
über bic 3luögleid^ung non 9)leinungöoerfd^iebenl^eiten im Sßorauö ein Stnbcrcö
JU beftimmen, fomeit bicö im !onfrcten galle jn)crfmö6ig erfc^eint.
j&eiiuufl bcr 3n Ucbereinftimmung mit bcm gemeinen Siedete unb ben neueren ®e?
®eT*«ttc. ^^^^^ ^jj^^^ ^^^ g ^^^2 3ibf. 3 eine 3;f|cilung ber $öormunbfd^aftöfül&rung
unter mehrere SSormünbfcr nad& bcftimmtcn SSSirfungötrcifen in ber STrt, baß
im gaUe einer fold^en S^^cilung bie SSormunbfdEiaft oon iebem SOormunbe für
ben i^m übermiefencn SBirfungöfrciö felbftänbig geführt wirb, für juläffig,
legt biefcr 2;f|cilung inbeffen nur bann red^ttidde Sebeutung bei, wenn biefelbe
Don bcm Söormunbfcl)aftögeriddtc angeorbnct ift (oergl. preufe. 21. 2. 31. 11, 18
§§ 118, 119; preufe. aSorm. D. § 30 3lbf. 3, 4, § 24 äbf. 2; öftcrr. ®. ».
§ 210; fäd^f. ®. 33. §§ 1958, 1960; roeimar. ®cf. o. 27. aJlörj 1872 §§ 64, 65;
bapr. entro. 9lrt. 42 3lbf. 3, 3lrt. 51 nebft aWotioen ©. 64).
3n mcld^er 3lrt im gaUe ber 2:f)cilung bcr aSonnunbfd^aft ber SBirfungö«
freiö bcö cinäclncn 93ormunbeö abgegrenjt roerben foll, überläßt ber (Sntmurf
bcm ßrmeffen bcö aSormunbfd^aftögcrid^tcö. 3nöbefonbere ge^t bcr ©ntmurf,
abroeid^cnb t)on bcm ofterr. ®. S3. § 210, bat)on auö, baß nid&t not^menbig
einer bcr SSormünbcr bie ©tcUung eines ^auptoormunbcö ju erl^altcn braui^t,
©oioeit eine 3lngelcgen^cit nid^t auöfd[)ließlid) in ben SBtrfungöfreiö bcö einen
aSormunbeö fällt, tritt bie Siegel bcö § 1635 Slbf. 1 ein.
Hnorbmutflcii ©ic SSorfc^rift bcö § 1652 Slbf. 4 beruht auf äl^nlid)cn ©npägungen,
ber eitern. ^.^ ^^^ ^^^ ^^^^^ ^^^ ^^^ ^^^^^^^ .^^^ g ^^^ ^^^ ^^ g ^^^ j^ g ^^3g j^.^
gelegte Siedet, einen SSormunb ju benennen. 6ö ^anbelt ftc^ bei ben im § 1652
a
preufe. aSorm. O. § 30 aibf. i, § 17 9Ir. 2, 4; |ü(fif. ®. S. § 1960; roeimov.
®ef. B. 27. aJIätj 1872 § 65; bogt. ©ntm. Slrt. 61 aibf. 2). a)em SerteKungs^
ptingipe entfprtc^t es aber, bag bte elterüi^c 9[iiorbnun(| niemals fraft bes
©effßeS bie i^eilunfl ^ecbcifül)rt, fonbern nur eine 3!öfl)i3ung für baS 9ior-
munbfc^aftdgerii^t enthält, bie 33armünber ju gett)et[ter i^eriDaltung ju bc>
fteDen. SJafe bie in Jfebe fteftenben Slnorbnunßen beS a3atcr« ober ber 5Kuttct
nirf)t JU befolgen Rnb, roenn aus beren Sefofgung eine ertjeblti^e ©efö^ibung
brt ^ntereRes be« ÜJlünbelÄ ju beforgcii ift, enlfpric^t ber ^Analogie be« § 1637
%bl 1 (oergl. oudj preuft. aSorm. 0. § 30 9tbf. 4 rcrb. mit § 17 91r. 2, 4
unb § 18 aibf. 1).
§ l«5;i.
Xic a3eftimmung bcs g 1653 betrifft einen beni Solle beS § 1652 9lbf. 2 en'!**"""-«
analogen ^aQ unb bejmccft, ju uer^inbern, ba§ eine im 2[titerc|fe beft SRünbelä «ntinungts.
roünfc^enäroerl^e .ÜKairegcI, roeti^e in ben Sffiirfungflfreie ber oerfrftiebeneii "J(^*J,%"'
^ormtiiiber fällt, in Solge beß maierieU unbegrünbeten SBiberfprudies eineö amennur
ber 33ormünber unterbleiben muß. '^n ben befle^enben SHei^leu finbet fic& eine ^'""""""b
berarlige ousbrüdlidie aSorfc^rift aUerbingö ni{^t. T^tefelbe fann aber im
^inblicfc oiif bog ^rinjip ber Sctbftänbigteit bcä aSormunbeö als felbft^
iwrftänbiic^ md)t eroctitet roerbcn. ^näbefonbere ift biefelbe nic&t etroa roegeu
bes bem SJormunbfc^Qftsgeric^te norf) § 1084 juftc^eiiben Siufft^tßrei^teä cnt^
belirlicb, ba bae [entere für foii^e ^älle nii^t ousreidit, in roeldicn haa 93er'
galten bcs einen ober onbcren Siormunbeß fid) ni^t atä eine ^flii^troibrigfeit
barftellt, (onbetn bie Slleinungen berfetben über ^roedmäSigfeitäf ragen aua =
einonbcrge^en. 2ßie in bem gaUe bes § 1652 Ibf. 2, ift aber auc^ in
bem [)ier in jHebe fte^enben gatle baa aSormnnbfi^aftsgerii^t nur befugt, ber
einen ober anbeten Meinung beizutreten.
^ic 9.!orfc[)rift bes § 1653 ift befonbet« ouf bem ©ebiele ber clterlid)en
Oeroatt uon 39cbeutung (oergl. § 1503 'Ibf. 1), inbem bort bie '^IxUe, in
nwlf^cu bie Sorge für bie 5ßctfon unb bie Sorge für ha^ SSermögen wer-
fcbiebeuen ^-ßcrfoicn, nämlid) bem 3nf)aber ber elterltii)en ©crooll bejit). einem
Pfleger (§ 1738 9(bf. 1) obliegt, [jäufigcr »orfommcn roerbeii, mie bei einer
9?ocmunbf(i)aft (ocrgl. g§ 1546—1548, 1550, lö-V")).
Sßcgcn ber 39egrünbung befl S 16ö4 (»crgl. §§ 31, 115 9lbf. 1 ber preufe. sitfiuifl*.
Sßorm. C) roirb ouf bie SHuafüfirungcn unter 31r. v ber allgemeinen Sßegrünbung 'JJ^^
biefes 9lbf(f)n., oben S. 1034, Scjug genommen. »ocniun»*..
liic ©rünbe, aua roelrf)cn ber ©ntmurf 9(nftanb genommen I)at, nad^
bem 'llorgonge ber preufe. Sßorm. C. § 31 3lbf. 1 bem (Scgenpormunbe o^nc
Sßeiteres au^ bie Seaditung eines an StcHc bcs Dcr^inbctten ^ormunbcft
eintretenben ^ßflegers jur $fli(^t ju ma^en, Rnb in ben aWotioen ju § 174(1
borgclegt.
1096 aSormunbfd&aft üBcr SKinberjä^rtöc ©orßc für bic 5)erfon. § 1655.
*
§ 1655.
sorflcfürbic 1. 2)ie 2lna[o9ic jTOifd&cn bcr cltcrlid&en ©craolt, roic bicfclbc in bcm
^Äeisf ®ntrourfc gcftaltct ift, unb jroifd^cn bcr SOormunbfd&Qft unb baö-^ßrinjip bcr
Selbftanbigfcit bcö 33ormunbcö muffen baljin führen, bcm SBormunbe in.
Slnfel^ung ber Sorge für bic 5ßerfon beö aUünbclö bic glcid^cn ^fttd^tcn unb
$Hcd^tc bcijulegcn, mic bicfclben in bcn §§ 1504, 1505, 1509 bcm Snl^abcr
bcr elterlichen ©eroalt in 3lnfcf)ung bcr ©orge für bic 5ßcrfon bcfi Rinbcö bei*
gelegt ^xnb. ®aö 6rjiel^ungöred&t in Slnfc^ung bcö aWünbete in bic ^onb ber
DberDormunbfd^aft ju legen, roic bicö nod^ gemeinem SRcd&tc unb cinjclncn
neueren ©cfefeen, j. 8. bcm fäd&f. ®. S. bcr gaU ift, fann alö jrocctmäfeig nid^t
crad^tet roerben, ba ber SSormunb bic in biefcr ^infid^t in 33ctrad&t fommenben
33er^ältniffc regelmäßig beffer ju beurt^eilcn in ber Sage ift, als baä aSor*
munbfd&aftögerid&t. STud^ bic meiften neueren ©efe^c l^abcn in biefcr Sejic^ung
an bcm 5ßrinjipe ber Sclbftänbigfcit beß SSormunbeö feftgcl^altcn (oergl. prcufe.
91. 2. SR. 11, 18 §§ 308 ff.; preuß. SSorm. D. § 27; ofterr. ®. 33. §§ 216, 217;
Code civil 3Irt. 450, 468; fäd^f. ®. 33. §§ 1922, 1923; roeimar. ®cf. v. 27. a»ärj
1872 §§ 41, 49; lübedE. SSorm. D. §§ 25, 27, 31; brcm. SSorm. D. §§ 38, 39;
Ijamb. 33orm. D. 9lrt. 22, 23; ^eff. ©ntro. IV ärt. 45—48; ba^r. (Sntro. Slrt. 59
bis 62). ©ine 2luönal^mc t)on bcm ^^rinjipc bcr ©clbftänbigfcit bcö üßor*
munbes auf bcm ®ebietc ber ©orge für bic 5ßerfon enthalten iebod^ bic
'i?orfd)riften beö § 1232 Slbf. 2 unb bcö § 1685 (ücrgl. bic aKotioe jU §§ 1232,
1685). Slufeerbcm ift bei einjclnen roid^tigcren, bic perfönlid^cn aScrJ^öltniffc
bcö SJlünbclö betreffenben SRci^töaftcn bic SBcrtrctungömad^t bcö aSormunbeö
burd^ baö ©rforbcmiß ber ®encl)migung bcö SSormunbfdiaftögcrid^tcö ein^
gefd)rän!t (t)crgl. §§ 67, 1589, 1600, 1613, 1629 2lbf. 5, §§ 1630, 1657).
SBcitcr crleibet bic ^^flid(|t unb baö 9lcdE)t bcö SSormunbeö, für bic ^erfon bcö
SWünbclö 5U forgcn, eine 6infd)ränfung burd& bic 33cftimmung beö § 1656.
3m Uebrigen roirb, fooicl bic im § 1655 bcftimmtc entfpred^cnbc Sin-
roenbung ber §§ 1504, 1505, 1509 betrifft, auf bic SWotioe 511 bicfcn ^^Jaragrap^cn
33cjug genommen.
ü^eftimmuitfl 2. S)ie ©clbftänbigfcit bcr 58crroaltung, meldte ber ©ntrourf bcm 33or^
unte/^ou«* munbc auc^ nad^ ber pcrfonlic^cn ©cite bcr oormunbfd^aftlid^cn gürforgc
aufroanbeö; einröumt, bringt cö mit fid^, bag ber SBormunb nad^ eigenem pflid^tmäfeigcn
©rmeffen bic für bcn Untcrlialt unb bic 6rjicl^ung bcö SJfünbclö ju oerrocnbcnbc
Summe ju beftimmcn l)at. 3in biefcr ^infic^t gc^t bcr ©ntrourf über baö
gemeine 5Rcd&t ^inauö, rocld^eö baö SKafe beö Untcrl^altö^ unb ®rjict)ungöauf:j
nmnbcö burc^ bic Dberüormunbfd^aft beftimmcn läßt (1. 3 pr. D. uhi pup. 27, a),
eine ^Borfc^rift, roeldöc mit ber äluffaffung bcö röm. unb gemeinen SHcd^tcö, bafe
bic (Srjie^ungögcroalt ni^t bcm 58ormunbc, fonbem bcr Dbcroormunbfd^aft
5uftef)t, in engem 3ufammen^angc fte^t unb, rocnnglcid^ jum Xf)t\l mit einigen
^Wobififationen, aud^ in ücrfdiicbcnc neuere ®cfcggcbungen übergegangen .ift
foergl. preufe. 31. S. SR. II, 18 §§ 335—337; ofterr. ®. 33. § 219; fäd^f. ®. 33.
§ 1922; Code cinl 3lrt. 454; f|eff. ®ntro. IV 9lrt. 48; bapr. ©ntro. 9lrt. 61).
ainbcre ®efc|c überlaffen äroar an f\d) bcm aSormunbc bic 33e5
ftimmung ber Sebarföfumme, fd^reiben aber üor, bafe, rocnn bic Icfetcrc
roerben bacf {lübcd. aSotm. O. § 28; ^omb. aSorm. D. ärt. 53; rorimar. Oef- «'■'"»«"":
V. 27. anärj 1872 § 50; ocrgt. ferner fät^f. ®. S8. § 1925; ba^r. entro. 2Irt. 61
9lbf. 2). Wogegen gcftnttet bie preiife. Sonn. O. § 37 bcm a^ormmibe, fetbftänbig
baS Stomraoermöaen anjugreifen, roenn bie Einfiinfte bcsfetben jur Seftreitung
ber ®rite()ungaroften nidfit nusreidien. 5Dcc entniutf ift ber preufe. 93orm. O.
gefolgt, o^ne bag ed einer auäbrüiflif^en 33cftimmung in btefa ^infic^t bcbarf.
©ine ^orfd)tift, roeli^e ben Siormunb in ber 93erroenbung bes StammöcrmögenB
}u ben Soften bcä Unterhaltes unb ber (^jte^ung bes ^ünbels be(ci)ränft, l^at
praftifi^en SBcrtt) überhaupt nur für fo[i^e ^älle, in roeldien bie ©iiifünfte
bca aJiünbeltermögens allenfalls baju ausreißen, ben !Dliinbel ju unter[)alten
unb JU einem mit geringeren 5Iufroenbungen uecbunbenen a^crufe auSjubilbcn,
in ii)eld)en es iebodö in (yrogc fommt, ob es nicfit im 3nl^«ift beä 9)tünbel6
üngemeffencr ift, bemfelben eine mit größeren .Höften uerbunbeiie ©rjic^ung
unb äluöbilbung ju S^cil incrben ju laffetx unb i^u biefem 3ioecfe bas £tamm=
Dermögen beö aüünbels ganj ober t^eilioeife ju oerioenDcn. götle biefer 3Irt
ftnb aber bie fcitcneren. 3n ber großen Slfel)CiaI)[ ber 3^Ile reti^en bie @in=
Fünfte beä 'iuiünbeloermögcne ju bem Unterhalte unb pr @t}ie^ung bcS
SUünbels nid)t oiiö, fo bo^ e8 nicf)t jroeifelliaft fein lonn, ob bafi ®tQmra=
Dcrmögen ju biefem ^roecfe üerroenbet roerben foll. Segt boä ©efefe bem a3or=
munbe bie ^ffitflt "wf/ in oUen bicfen 'JäHen bie ©enefjmigung bes SBor=
ntunbfii)aftsgeri(ftleö ju ber aScrroenbung pon ©tammüermögeii beö ÜJlünbel«
jnm Qmedc bc« Unterftalteß unb ber ©rjiel)ung beöfelben einju^olen, fo
crroädjft barous nic^t allein ben aSormünbem, fonbem aud& hen Sormunb'
fiftciftSgetid)ten eine gro^c Scläftigung, lueii^e ju ben aSort^eileii, roelt^c man
fici) aus einer ben aiormunb in ber fiier fraglictjen ^infictit I)efd)rän!enben
Sorfi^rift Dcrfpri^t, in feinem a.lerl!)ältniife ftc^t. SJopi tommt, bofe bie
3ionnunb[i^aftflgerid)ie bei ßntfi^eibung ber T^roge, ob bas Stommoermögen
ongegtiffen roerben foU, um baburi^ eine beffcte ©rjie^ung beö 2)Jünbel6
unb bie ^usbilbung besfelben ju einem f}öbeten !6crufe ju ermoglii^en,
erfabningsmäfeig oft ju ängftlit^ »erfahren unb jum Sdiaben bes tünftigen
^orttommens bes "iDIiinbels auf bie Erltaltung beS ©tammoermögcns ju guofees
Qkxoiätt fegen.
3. 3iert^icbrne ©efefigebviHgen beftimmen, bofe bei ber Sorge für bie «'«H'*« «"'
Werfen bcß 3)(ünbels auf bie änorbnungcn ber eitern Stüdfi^t genommen " """'"'
roerben foUe (pcrgl. ]. l § l D. ubi pup. 27, a; preufi. 3t. ü. 3*1. II, IK
§§ 312—316; fä(^f. ®. 33. !?§ 1922, 19-2G; roeimor. ©ej. D. 27. 'JJJärj 1872
§41; lüberf. 3^orm. C. § 27; ^eR. entro. IV 91«. 48; baijr. Gntro. 91rt. 59,
64), I)ie ®rünbe, aus roeli^en ber Sntrourf in Ucbereinftimmung mit ben
übrigen neueren ®efegen, insbef. mit ber preufe. 3!onn. C. (oecgl. ieboc& Urt^.
b. 3i. ©. bei ©ruc&ot XXVri 8. 1051), Slnftanb genommen ^at, bem aSater
unb ber aßutter als 9lusflu6 ber elterli^en ©eroalt nad) ÜBofegabe ber ^or:
fünften bes § 1636 baS 9ic$t beijulegen, binbenbe Slnorbnungen für ben
Sormunb in ber 3lrt ju treffen, bafe biefelben ju befolgen fmb, fofcrn ni^t
aus beren »efolßung eine erljeblic^e ©effl^rbung bcfl OTünbels ju beforgen
1098 aSormunbf d6. über SminbcriaWöc. ©orge für ble 33crfon. §§1656,1657.
ift (üergl. § 1637 Slbf. 1), finb bicfclbcn, roctc^c bcn ©ntiourf bcftimmt l^abcn,
bctn SSotcr ober bcr 3Rutter alö 3n^<ibcr ber cöcrüd^cn ©cmalt ein fold&cÄ
SRcd^t auä) nici)t in STnfcl^ung bcr SScnooItung bcß SBcrmögenö bcß SDWinbcte
cinjuräumcn. (So wirb ba^er in bicfcr ^inftd^t Quf bic Sffufifü^rungen in bcn
aWotiocn ju § 1660 Dcrmiefen.
§ 1656.
^Trfoi *"'' ®^^ 3lufnatime beö § 1656 ift im Sntercjyc ber Seuttid^feit bcd ©cfefeeö
etcaunfl bcr ^^* angemej^cn erad^tct, um namentlid^ für bic au6) nad^ bem ©ntrourfe ntd^t
eitern, jeltcn üorfommenbcn gälte, in rocld^en bcr äJlntter in 3lnfcl^ung i^rcö bcoor^
munbeten Äinbed unter bcr 9luffid|t bcö SSormunbeö als S3ciftanbeö bie Sorge
für bie ^crfon beö Rinbeö unter SluSfdEjlufe bcr gcfcfelic^en aScrtrctung jufte^t
(ücrgl. § 1554 2lbf. 2, §§ 1558, 1565, 1566, 1570), auf bie (Stellung ber
3Kuttcr gegenüber bem SSormunbc l^injuroeifen \mb baö SKi^perftäubnife auö-
jufd&Iicßen, als ob forool^I ber SBormunb als anä) bie üßutter bie 5ßf[id^t unb
baß SRed^t ber Sorge für bie 5ßcrfon bcö ttinbeö in bcr bejeid^neten SRid^-
tung l^abc.
S)a jcbod^ nad^ § 1554 9lbf. 2 ber gaD üorfommcn !ann, bofe aud& bem
33oter bcö 3JlünbcIö bic Sorge für bic ^erfon bcß Icfttcrcn felbftänbig jufte^t,
fo fprid^t bcr § 1656 ganj allgemein oon bcn gällen, in meieren ein ©Itcrns
tfjcil bie ^ßflid^t unb baß Siedet bcr Sorge für bic 5ßcrfon beß SRünbelß \)ai.
§ 1657.
entraffutifl 2)ie 33cftimmung beß § 1657 Safe 1, meldte fid) an ä^nlid^e aSorfd&riften
beöSKünbew p^^^^jg^g^^^ ucucrcr ©cfcfegcbungcn anfc^Iicfet (oergl. preufe. 31. S. 9i. II, 17
^'mfanb-'^' § 129 ; preufe. aSorm. D. § 42 SRr. 1 ; roürttcmb. S3orm. D. x>. 15. Sluguft
1817 §§ 4, 6; ^amb. SSorm. D. 3lrt. 63 Slbf. 2; ba^r. (gntro. STrt 62
3lv. 3, 4), bcru()t auf ä^nlid&cn ©rmägungen, mic bic Seftimmung beß § 1507
(üergl. ÜRotioe ju § 1507 oben S. 756 ff.). 2)ic aSorfd^rift bcß § 1657 Soft 2
empfiehlt fidf) mit älüdEfid^t auf bic SBid^tigteit bcr l^icr fraglid^cH angelegen«
f)cit (Dcrgl. § 1678).
©in 33cbürfni6, etroa weiter ju bcftimmcn, bafe ber 3Jotmunb bem
OJJünbcI of)nc ®enc()migung bcß a?ormunbfd^aftßgcrid^teß einen baucmbcn
9lufcntf)alt im 9lußlanbe nid^t gcftattcn bürfe, um ju t)crf|inbcrn, ba% ber
aJlünbcI bur^ jcliniäljrigcn 2Iufcnt^alt im Slußlanbc feine Staatöangcprigfeit
o^nc ®cncf)migung bcö aSormunbfi^aftßgcrid^tcö Dcriiere, liegt nid&t oor. S)ie
^flid^t bcß aSormunbcö, bcn SWünbcl oor einem auß längerem 3lufentf)alte im
Slußlanbe cnoad^fcnbcn 5lad&tf)cilc 5U bcptcn, t)erftcl^t fid^ Don felbft. 2)icfer
3lad^t(jeil ift jubcm nad) bem 9t. ®cf. über bcn ©rmcrb unb Säcrluft ber
Stoatöangc^örigtcit t). 1. 3uli 1870 §§ 20, 22 nur unter bcfonberen Um-
ftänbcn JU befürd)tcn unb leidet ju ^eben, fo bafe cß um fo mcniger in biefer
9lid^tung einer bcfonberen aSorfd(|rift bebarf.
3)ie SBorJ^cifl Ws § 1658 entfpti^t faem § 1508 uitb fern ©rroöflungeii, »
ouf roelc^eti bitfe SSotfc^rift beruht (oetfll. baijr. SReliflionsebitt d. 26. aüoi 1818 "
§ 22; ^aiiitoö. JBetotbn. v. 7. Oftober 1823 § 55; bob. Oef. o. 9. Oftober
1860 § 2; roeimar. ®bift v. 7. Cftotier 1823 § 55; frantf. ®ef. d. 5. Sep=
tember 1811 3Irt. 14 unb v. 30. 33ejembcr 1819; roalbetf. ®cf. o. 28. 3J!eiri
1827 § 4; preufe. 91. S?. 9^1. II, 2 §§ 753, 754 iwbft 2ln^. § 104). Die aiuf=
na^mc einer ^öeftimmung, bafe, wenn bei SDIünbel nüi^ 'ilaftgobe bcr 3ior=
(d^riften über bie reiigtöfe erjiei^ung nic^l in bem religibfen SJctenntniffe bcfi
SBormunbcS äu crjiE^en ifl, bem legieren inforoeit bie ©orgc für bie ^erfon
beö 2)Iünbelß uon bem SBormunbfcf)QftÄgeriijte cntjogen tticrbcn tonne, um
nöt^igenfaDs eine riicf^aitslofe 33cfoigung ber für bie religiöfe 6räiei)ung bes
'iRünbeia mofegebcnben iBorfi^riften ju fiebern unb unbcrei^tigtcn ©inftüffen
in biefer Sejieijung energif^ entgegentreten ju lonnen, ift iücf)t als angemeffeii
etQi^let, jumal ber ©ntrourf eine bem § 19 9Ibf. 2 ber preiil. iBorm. D. enl=
fpre^enbe aSorfrfirift nii^t aufgenommen i)al. ®ie ®rünbe, roelc&e ju ber
Slic^taufna^me biefer leßtercn SJorfdfjrift gefüljrt ^oben (»crgf. ÜHotioe ju
§ 16.38 oben £. lOfil), treffen, roenigftenä pim S^^cil, audj tiicc ju.
§ 1(!59.
3)ie SBcrpftid&tung be6 Sßormunbeft jur ^nocntarifotion be« SHünbeU .i""«""!-
oermögenö fte^t mit bem gemeinen 31cd)te unb ben neueren ©efegen im ©in: ' ""i^ ' '
Hange (nergl. pteuß. 9t. Ö. 31. II, 18 §§ 376 ff.; preufe. SSorm. O. § 35; ««'""'"'*«■
öfiert. ®. S. § 222; code civil 9lrt. 451; fäc^f. ®. ©. ^ 1906 nebft bcr
proDif. ©er. 0. § 47; baitr. ^Jlotariatagef. o. 10. 3iooember 1861 Sürt. 19;
nieimar. PSef. u. 27. OTörj 1872 § 45; lübed. SGorm. O. § 35; brem. 33orm. O.
§ 35; i)amb. ißorm. O. 3trl. 26; [)e(f. Gntro. IV 9lrl. 49, 50; bavft. Entw.
9Irt. 65). ^et eittrourf fafel bie im § 1659 befummle Ißflic^t beS aSormunbe«
lebiglic^ al& eine publijiftifd)e ^flic^t, ni^t jugleic^ als eine prioatre^tlidie
^flidflt gegenüber bem iOlünbel auf. 2>er SSormunb fann hal)er iiad; 3luf^
na^me bc« 3noentares nicftt etina auf (SJrunb be6 § 777 äiir aiblciftung beö
Dffenbarungacibeö angehalten werben. ^Dagegen ift er nai^ Scenbigung feines
Docmunbf^aftlic^en Slmtca in Sßerbinbung mit ber aSerpflic^fung, bem inünbet
bas Bon i^m oetioaltete aSermögen ^eraufljugcben unb über bie SBerroaltung
SRet^nung ju legen (§ 1700), auf Sßerlangen be« ÜHünbets bejro. bcffen gefe|=
lidjen 5ßcrtcetcrS ben Dffenbarungfleib nad) Maßgabe bes § 777 abjuleiften
ocrpfIid)tet (oergl. 'üJoline ju § 1700).
3kct) bem SUorgange bes gemeinen SHed&leS fdjreiben ncrfdjicbene' ber s»™ ""
angefül)rten neueren ©cfeje für bie ©rrii^tung beö 3lnöentürefl eine öffentlidie
^orm Dor; bo^ geftalten einige bcrfeiben boneben für etnfni^ere aJer^üUniflc
auc^ eine 9(ufnal)me unter ber §Qnb ober unter ©eobac^tung geringerer ^bnn;
lic^feitcn. Siogegen i)Qben bie mciflen neueren Wefeßgebungen, insbefonbcre bie
preufe. ajorm. C, bos fodjf. Siecht, i>a& roeimor. Oef. v. 27. Wärj 1872 unb
ber bfl^r. Gntro., bas Grforbevnife einer öffentlichen gorm ganj aufgegeben.
1100 aSormunbWaft üBcr aJWnbcriaferigc. SnDentar. §1659.
3)icfcn SSorgängen fd^Ucfet bcr ©ntrourf ftd^ an. S)ie Scftimmimg, bafe bei
bei* 9lufna^mc bcö SBcrjcid^niffcö bcr ®egent)ormunb jugejogcn rocrben foH,
tocnn ein fotcf)er oor^Qitbcn ift, unb bafe ber aSormunb unb ber Oegenoormunb
bie pftid^tmäfeige SSerfid^erung ber Slid&tigfeit unb SBoUftänbigfeit beö SBer^^
jeic^niffeä abzugeben l^aben, entfprid^t bcr prcufe. 93orm. D. § 35 Stbf. 1
(ocrgf. in crfterer ^infid^t anif code civil 2Irt. 451). 3)em SSormunbfd^aftfi*
gcrid^te im 3lnfdjluffe an boö fäd^f. 0. S3. § 1906 unb boö roeimar. ®ef. x>.
27. aßörj 1872 § 45 baß Sle^t beijutegen, bie eiblid^e S3eftär!ung befi »er^
jcid^niReö }u oerlangen, ift burd^ ein Seb&rfnife nid^t geboten.
Mufno^me Ucbrigcuö betrod^tet ber (Sntrourf eö als felbfioerftonbüd^, bofe baö S8or^
^'«clttln!" ntunbfd^aftögerid^t, wenn baö cingereid^te SScrjeid^nife ungenügenb unb nad^
Sage bcr Sadjc bie 9lufna^me bcö SBerjeid^niffeö burd^ einen öffentlid&en föt^
amtcn erforberlid^ erfd^eint, im 9luffid^tön)ege bie 6inreid&ung eines oon einem
öffentlid^en Beamten aufgenommenen SSerjeid&niffeö verlangen fann. SnbeRen
ift cd bcbenflic^, im ©efefie befonberö barauf fjinjumeifen, ba ju beforgen ift,
bafe bie SSormunbfd^aftägcric^tc aißbann ju ftrenge Slnforberungen an bie SSor^
mflnber in 9lnfcf)ung beö aufjune^menben Serjeid^nijfeö fteHen unb t)on ber
Sefugnig, bie ©inrcid^ung eines üon einem öffentlid^en Beamten aufgenommenen
SJcrjeid^niffcS 5U verlangen, ol^ne 9iotI) in ju grofeem Umfange Oebraud^
machen föunten, mas megen ber mit einer fold^en ^noentaraufnal^me üer-
bunbenen Äoften unb aud^ im Sntereffe bes öffentlid^en S)ienfteS nid&t
münfd^enSmertl^ ift. 3n vkkn gälten fann ber ^n>td in ausreid^enber SQBeifc
unb mit geringeren Höften burd^ bie Swjiei^ung einer anberen fad^üerftänbigen
^^Jerfon als eines offentlid^cn 33eamten erreid^t merben.
2luf ber anberen Seite ift es jebod^ bei ber großen proftifd^en SBid^tigteit
bcr gragc ols rat^fam crad^tet, im § 1659 9lbf. 2 ausbrüdlidö ju beftimmcn,
bafe ber SSormunb fid^ bei bcr Slufna^mc bes aSerjcid&nijfcs ber :&ülfe eines
öffentlichen Scamten bebienen fonne, bie baburd^ entftctienbcn Äoften mithin
bem aWünbcl jur Saft fallen, mcnnglcidö auä) biefe SBeftimmung als felbft*
Dcrftänblid^ betradE)tet mcrben !ann. 3ft ber SBormunb befugt, auf Äoften bes
SJlünbelS [\ä) bei 9lufnaf)me bes SSeräcid^niffcS ber §ülfe eines öffentUd^en
S3eamten ju bebienen, fo ift um fo mel)r bie mit geringeren Äoften tjcrbunbcne
3ujie^ung eines anberen ©ad^oerftänbigen als julöffig ju crad()ten.
^ift für bie ®ine gefcglid&e grift jur ®rrid^tung bes ^ti'J^ntarcS (oergl. code civil
«ufnaötne. gj^ ^^^ . {^^^^ ^^^^^ q^ gg 3^^ 37^ ^^ ^^j oorgcfd^ricbcn. giid^tigcr ift
es, in biefer Sejie^ung 9lltes bem ©rmejfen bes ©erlebtes unter S3erü(tftd^tiguna
ber SSerf)ältniffe beS einzelnen galles ju überladen. 35a6 bcr SSormunb um
ücrjüglidl^ jur Slufna^me beö ^noentarcs ju fd^reiten l^at, ücrftc^t fid^ üon felbft
(oergl. preufe. 91. S. di. II, 18 § 376; preufe. aSorm. D. § 35 nebft aßotioen
S. 75; fäd^f. 0.83. § 1906; rocimar. ®ef. t). 27. aßärj 1872 § 45; tübed.
aSorm. D. § 34; ^cff. ©ntro. IV 2lrt. 49; bapr. gntro. 3lrt. 65). 3Jerj5gcrt
ber aSormunb bie 9lufnal)me bes Snoentarcö, fo fann er boju pom SJormunb*
fd^aftsgeric^te im Sluffic^tSrocgc (§ 1684) angehalten merben.
Umfang. S)ie SBcrpflid^tung trifft ben aSormunb forool^l in ä^nfe^ung besicnigen
aScrmögenS, mclc^es bei ber 3lnorbnung ber 33ormunbfd^aft oorl^anben, als
aud^ in 9lnfe^ung besicnigen, meld^es bem SRünbcl fpäter jugefoUen ift (Dcrgt,
S3ormunbf(6aft üBer TOiuberiä^rioe. Snöcntar. §1659. 1101
prcufe. SBorm. D, § 35; fäd&f. ®. 93. § 1906; toeimor. ®ef. d. 27. aWörj 1872
§ 45; lübccf. aSorm. D. § 73; brem. SSorm. D. § 87; ^amb. «orm. D. 3lrt. 24;
bagr. @ntn). 3lrt. 65).
®mc aSorfd&rift, bafe bem Snocntarc eine ©d^ä|ung ober Soje beö SBcr? »ertDangabe.
mogcnö beigefügt werbe, toaö in einzelnen ©efefeen allerbingö oorgefd^rieben
ifi, l^at ber ©ntrourf nid()t oufgenommen, ba biefelbe ol^ne proftifd^en SBert^
ift nnb ber aSormunb, weld^er als folc^er baö Snüentor oufjunebmcn l^at,
perfönlid^ in ben feltenften gällcn in ber Sage fein wirb, ben Sßertl^ ber Dor::
^onbenen ©ad^en in einer objeftiD rid&tigen Sßeifc ju fd^dfeen. 2)er SSormunb
wirb t)ictme{|r im einzelnen %aUt naä) ^xo^dm^^xQtcit ju oerfa^ren, mitt|in,
wenn bieö jnr Sefd&reibung bes SSermögenö angemeffen ift, einen geroiffcn
SBertl^anfc^lag in baö ^noentar Qufjunel^men ^aben, roa& \6)on beötialb fxd)
Don felbft Derftefjt, weil er fid^ unb ber Dbert)ormunbfd&aft iiber bie ©otüenj
beö SSermogend unb bie aWögtid^feit ber güfirung beö ^ouöfialteö für ben
äKünbel ©eroifefieit Derfd&affen mu§.
©benforoenig ift eß bei ben nid^t beengenben gormoorfd^riften, roeld^c ^^"^***'
ber ®ntrourf für baö 3nt)entar Qufftellt, erforberlid^, nod& bcfonbere 9liiöna^men ^ananbeiJ!
für fold^e gäDe ju beftimmen, in roeldfeen boö 93ermBgen beö aWünbelö in einem
^anbelögefd^öfte ober einem anberen größeren geroerblid^en Unternel^men fi(^
bcfinbet, mie bieö in einzelnen ©efegcn aüerbingö gcfd&el^en ift (tjamb. SJorm. D.
2lrt. 29;- Dergt. auä) fäd^f. ®. 93. § 1908; Weimar. ®ef. d. 27. aKärj 1872
§ 47). ©oroeit eö fid^ in biefer i&infid^t um bered[)tigte SBünfd^e 93ett|eiügter
wegen ®ef)eim{|altung ber 93erl|ältniffe lianbelt, mirb benfelben burd& bie be*
fonbere 3Sorfd^rift beö § 1695 Sled^nnng getragen. 3in Uebrigcn l^at ber
©ntmurf roeber bem 95ater unb ber aWutter beö SRünbelö, nod^ bemjcnigcn,
meld&er bem aWünbet SSermogen ^interfaffen ober jugemenbet ^at, baö ?fic6)i
eingeräumt, bem SSormunbe bie 9lufna{)me unb ©inreid^ung cineö 3noentareö
JU erlajfen (oergl. §§ 1660, 1690—1692).
2tuö bem 93egriffe ber SBormunbfc^aft, meld&e bie allgemeine gürforge ^^^^IJ^f Jjf*
für ben SMünbel umfaßt, folgt Don felbft, bafe aud& in ber l^ier fraglid&en
^infiddt jmifd^en inlänbifd^em unb auölänbifd^cm 33erm5gen ober jmifd^en
fold^em SSermbgen, meld&eö innerhalb beö 93cjirfeö beö 93ormunbfd^aftögerid&teö
ober augerl^alb beöfelben belegen ift, fein Unterfd^ieb flattfinbet. 93efonbcre
SSorfd^riften, mie ber Sßormunb in 3lnfel)ung ber il^m obliegenben SSerpflid^tung
jur Snüentarifirung auömärtigen 33ermögenö ju ©erfahren f)at, finb nid()t
erforberlid^. 6ine SBerpflic^tung, fid^ unter alten Umftänben an Ort unb
Stelle JU begeben, ift felbftDerftänblid^ unmBglid^. a3ielmel)r fte^t eö i^m frei,
geeignetenfallö 93eamte ober 93ef)örben am Orte ber belegenen ©ad^e um 3luf^
nafime beö Snoentareö ju erfud^en unb ju biefem ^roedt fid^ aud^ an baö
aSormunbfd&aftögerid^t ju menben (oergl. Sßotioe ber preufe. SSorm. D. ©. 70 ;
anbererfeitö preug. 31. S. SW. II, 18 § 379; öfterr. ®. 93. §§ 22^—227; ^ejf.
@ntro. IV 9lrt. 52 nebft aWotioen ©. 242).
$Rad^ gemeinem SRe^te ift bie aSerföumung ber 9lufna^mc beö SSer^ '^^^^^^l^^^^^^^
jeid^niffeö mit ber 3lbfefcung beö SSormunbcö unb ber Suloffung beö SJlünbelö fatilnsifii^t.
jum SBürberungöeibe bebrolit. Slud^ einige neuere 5Redf|te fnüpfen an bie
Slid^taufna^me beö Sncentareö befonbere $Rad&tl[)eile (t)ergl. lübetf. 58orm. D.
1102 SSormunbf(6aft über SRinberjafirioe. 9tnocbnungcn ©rittet. §1660.
§ 34 ; \)amb. SSortn. D. Slrt. 28). ®ö reid^en in biefcr SJejiel^ung jebod^ bte
allgemeinen ®ninbfä|e beö SSormunbfd&aftßre^teö (§§ 1696, 1684, 1705 3h. 1)
bejn). beä ^ßrojefered^teö auö (§ 260 ber S. % D.).
«ngabc SSon felbft ergiebt [x6), bafe ber aSovmunb Dcrpflid^tct ift, in bem ^n-
^f^xtn^tn. ücntare auä) fotd)c gorberungjp anjugeben, n)eld&e il^m felbft gegen ben
aWünbet ober biefem gegen if)n juftcl^en. 3n bciben SRid&tungen treten als
golge ber Siid^tangabe lebiglid^ biejenigen SJad^t^cile ein, roeldie an ^ßflid^t:^
Verlegungen bcö SSormunbeö nod& ben allgemeinen (Srunbfägen befi aSormunb?
fd&aftörecftteö (§§ 1696, 1705 3lx. 1), nad^ Umftänben aud) beft ©trafrcd&teö
(§ 266 beö ©tr. ®. a.)/ gcfnüpft Rnb. S)ie befonberen 9lad^t^eile, weld^c in
beiben Schiebungen baö gemeine 9ied^t eintreten läfet (33erluft ber gorberung
bejro. Jlid^tbefreiung burd& S^ilgung mä^renb ber SSormunbfd^aft) — Nov. 72
c. 4 ; ©euffert XXVI, 249 — führen leid&t ju großen gärten unb in ber
SGßeife, roie fie von bem franj. Siedete beibehalten fmb (code civil Slrt. 451;
ücrgl. aud^ l)eff. ©ntto. IV 9lrt. 53), ju einem nid&t angemeffencn gormatiömuö.
©in praftifd^eö Sebürfnife befonberer Sled&tönad^tlieile liegt nid^t üor, roie fd^on
barous ^en)orgel)t, bafe biefelben ben meiftcn neueren (Sefefeen unbefannt ftnb.
93on allen befonberen SSeftimmungen in biefer SWid^tung ift bie Seftimmung
ber l^amb. SSorm. D. 3lrt. 16, metd&e bie 5Rid^tanjeige neben ben allgemeinen
folgen mit Meinen Oelbftrafen bcbrol|t, an fid^ gcroife nid&t nur bie praftifd^
jwetfmöfeigftc, fonbern aud^ bie bem mobemen (Sered^tigfeitsgcfü^le, roeld^cfi
an ber millfürli^en §ärte ber röm. ^rioatftrafen Slnftofe nimmt, am meiften
entfpred^enbe. (Sleid^roolil ift ein SBebürfnife einer befonberen ©trafoorfd^rift
aud& in biefer ^infid^t nid^t anjuerknncn.
§ 16()0.
«norbnunden SGßölirenb baö föd^f. 0. S. § 1926 unb ber bai)r. ®ntro. 3lrt. 64 ben
^bie oerr Sluorbnungeu ber ®ltern afe fold^er einen ©influfe auf bie 3Sem)altung beö
roaitunfl, ajJünbeloermögens überliaupt beilegen, ol^ne Söefd^ränfung auf bafi t)on i^nen
bem aWünbel ^interlaffene SBermögen, gewähren anbere SRed^te, inöbefonbere
baö preu§. 21. £. SR. II, 18 § 438, bie preufe. aSorm. D. § 36 unb bie brem.
aSorm. D. §§ 89, 68, nur bem ©rblajfer (bie brem. aSorm. D. auc^ bem
Sd^enfer) bie Sefugnife, in Slnfel|ung beö bem SRünbel l^interlaffenen aSer*
mbgenö für ben äSormunb Derbinblid&e Slnorbnungen über bie aScrroaltung }u
treffen (oergl. and) meimar. ®ef. o. 16. 3uli 1881 § 4). fiegtereö mirb aud)
nad^ franj. SRed&te angenommen. Db nad^ gemeinem Siedete bie Sefugnife beö
aSaterö, Slnorbnungen über bie aSermögenöDerroaltung ju treffen, fid^ auf baö
von i^m t)interlaffene aSermögen bcfd^r&nft, ift nid&t ol^ne 3w>^if^I (oergl. 1. 5
§§ 8, 9 D. de administr. 26, 7 ; 1. 47 § 4, 1. 58 pr. D. eod.; 1. 1 § 2, 1. 14 D.
de reb. eor. 27, 9 ; 1. 7 Cod. de administr. tut. 5, 8?).
anorbnungen gg loffeu ftd^ uid&t unerl)eblid^e (Srünbe bafür anfuhren, nad^ Slnalogie
ber ertem. ^^^ g ^^^^ ^^^ ^^^^^ ^^^ ^^^ SSlntttx alö aiuöflufe ber elterlid^en ©eroatt
baö SWed^t beijulegen, über bie aSermaltung beö Sßünbelnermogenö, o^ne SHüdf*
fid&t barauf, ob biefelben bem 3)lünbel aSermögen l)tnterlaffen l^aben, binbcnbc
Slnorbnungen für ben 58ormunb ju treffen, Dorbeljalttid^ ber Scfugnife beö
uiijulutluti:!!, iveiiii uu» ueitii «quiuuitu tute is^qui^cuuiiy oea a/(unueiB ju iie=
fotgen ijl (oergl. audi 33eti(^t bei- fiommiffion befl pteiife. ^erren^aufcfl über
ben ©ntro. bet preufe. Sotm. D., 1875 3!r. 39 S. 48). Ucberroiegeribe Oriinbc
fpret^en inbeflen hagegen, mit bcr etterlic&en Oeitialt übet ben Xob befi 3n-
fiobere f)inau8 3(ac[|roirfiingen bet ^ict ftaglic&en 9ltt ju nerbinben. lierartigc
Slai^Tolttungen finb poriÜB itnb bcsfiaib nur inforoeit getedttfertigt, als ea Dom
Stanbpunfte bee ^nteteneS beS ältünbela auS bur<^ übcrroiegenbr, ^iet jeboi^
nic^t onjuerlennenbe (Srünbe praftifc()er S^^^t^äfeigfett geboten ift, jumol bie
in Stebe fte^enben 9Inorbnungen fic^ olä ein ©inc^riff in baa hem öffent=
ticken JRecdte angc^örenbe Siormunbidioftsre^t batftellcn. 23aß ^iotütlii^ere
unb atngemeRenere ift eS, roenn über bie 91tt bet gürforge für faoS Sßetmögcn
bce aJIünbele baa pftii^tmäfeige ©tmenen bca SJonnunbea entfi^eibft, ba bic
3roetfmä&igteit einer Stnorbnung ber ^icr fraglichen aitt roefentlic^ boDon ab-
Elfingt, bofe biefefbe auf @ninb ber Sicrt)äItniRe bcr unmittelbaren Oegenroart
erfolgt, ber Sßormunb aber biefen ißetpltniffen in gebül)renbet 9Bei|e 9tccf)nung
trogen Tann, roäfircnb bie Eltern nid)f im ©tonbe fmb, ju überfeticn, ob unb
inroieroeit if)rc ainotbnungm oudi für bie 3w^""ft bem ^"'«tffle beä ailünbels
entfptec^en roerben. 2)ent ißormunbe in biefet ^infidit auf ®runb ber 3ln=
orbnungen bea aSatere ober ber SDJutter traft Äecfitenfl geifeln anjulegen, tann
bealiatb leicht bem ailünbci el)er jum 9!od)tt)eitc ale jum aSort^cile gcteiifien.
S)iefe Oefa^r wirb oud) ntt^t DöÜtg befeitigt, roenn man beftimmt, ba^ mit
(Senedmigung bea ^otmunbfi^aftagen^tcö non ben Slnorbnimgen bea Katers
ober bcr IKutter obgcroii^cn roerben fönne, fofcrn oua beren Sefotgung eine
(Sefä[)rbung bes ^ntereifea bea aJIünbete ju beforgen fei. 3"bem entfptiiit ee
bem ^rinjipe ber Sctbftänbigfeit bea Siormunbea mcl)r, roenn man bie ©nt^
fc&eibung bec groge, ob ca im 3nteref|e hei ÜHünbelö liegt, bie änorbnungen
ber ®[tcm jU befotgen, nid^t in bie ^aub bes aSormunbf^aftageric^tca, fonbern
bea aSotmunbea [egt unb »on beffen pftiditmä^igem gimeffen abtjüngig mad|t.
üDer ©efiditepuntt, ba^ bie bem SKünbef unb ben ^ier in Setta^t tommenben
a3n[;ältni(fen am nödiften flefeenben ©[tem am beften ju beutt^cilen in bet
Sage feien, roelc^e art ber gürfotge für bos Vermögen bcö SJIünbela bem
Snfereife beä legieren norjuganieife entfpre^e, unb baß best)alb i^re Slnotbnungen,
»on meieren corauagefefit roerben bütfe, bafe bie ©Itern fie^ babei non bcr
Siebe ju ilirem Slinbe unb oan bem ^"tereffe bea [enteren Ratten feiten lafjen,
befonbere %rücEfii§tigung uerbienten, nöt^igt nii^t baju, ber ©clbftänbigfeit
bea Sormunbea in ben ^icr fraglic&cn S8eiie£)ungen rec^tlic^e Sc^ranten
ju fegen. 3lu^ roenn er on bie ätnorbnungcn ber eitern nid)t gebunbcn
ift, fo ift boi$ iü beacEiten, bog benfe(6en, roenn audi feine re^tUt^e,
fo bod( eine motaUfd)e Jttaft inncroo^nt, roelc(ier, foroeit bie« im 3ntercifc
bes aWünbelä liegt, aui^ ber aSotmunb fid) nidtit entjieften roirb. 3m
Sntereffe ber Kontinuität ber Sermügenanerrooltung roirb er auf Icgtroillige
9Inorbnungcn ber ©Item nii^t minber gcbu^renbe SRütfRdit nefimen, als auf
ben buri^ bie bia&erige 9ttt ber 93ernio[twng tiintfäc^iic^ tunbgegcbencn aßiUen
berfclben. %ü-c bie Snerfennung ber tec^tiii^en Sinbung beä Sßormunbefl an
bie ^ier in 9tebe ftelgenben älnorbnungen Conn man ft*^ a^ä) nicf)t auf bie
1104 aSormunbf^aft üBcc SWinbcriäfinfle. Snorbnunßen Dritter. §1660.
Analogie bcr »eftimmunocn bcö § 1635 3lt. 1, 2, beö § 1636 unb 1652 SÄbf. 4,
foroic bericnigen Scftimmungcn berufen, roeld^c beti ßltem bie SBefugnife bcU
legen, bcn Don i^nen benannten SSormunbern burd^ Icfttwilligc SSerfügung Qt:^
TOiffc Befreiungen ju ^^eil werben ju toffen (§§ 1690 ff.). 3^^^ I)onbcIt eö
pd^ anä) in biefen gälten um 9lad^n)lrfungen ber clterlid^en ©croalt für bie
3eit nad^ bem ^obc beß betreffenbcn ©Iterntl^cilcö unb um SInorbnungen für
bie 3wfunft; inbeffen ift in biefen fallen bod^ bie ©ad^logc infofem eine
mefentlicö anbere, als bie 5ßerfönUd^feit beö .benannten SSormunbeö unb bie
perfönlid^en ®igenfd^aften bcöfelben, meldte ben SBater ober bie 3ßutter ju bcn
^Befreiungen bcftimmt tiaben, weit fettener im Saufe ber 3^i* f^^ änbern, afö
biejenigen Sßerl^ältniffe, meldte für bie Slnorbnungen bcr 6Itern über bie SBer*
mattung bes aJlünbetoermögcnö mafegebenb geroefcn pnb unb bcren gortbaucr
bie ®ttern bei i^rcn 2lnorbnungen Dorauögefefet ^aben. S)aju tommt, bo§ bie
Befreiungen bem SSormunbe feine Süffeln anlegen unb if|u in feinem freien
©rmeffen nid^t beengen, gür ben ©tanbpunft beö ©ntmurfcö fällt ferner inö
(Seroid^t, bafe bcrfetbe mit bem in ben mciften SRed^tßgebieten gcttenbcn JRed^te,
namentlid^ mit ber preufe. SBorm. D., im ©inHange ftct)t.
bc« Stuf ber anbcren ©eite empfie^tt eö fid&, im Stnfd^fuffe an bie preufe.
mv^TC 3}orm. D. unb bie übrigen oben ©. 1102 angefüfirten SRcc^te bem erblaffer,
meld^em, mie in ben gälten ber §§ 1287, 1347, 1510, 1517, fo oud& ^ier bcr^
ienige glei^äuftellen ift, meld^er bem SWünbel einen SSermogenögcgenftanb burd^
SRed&tögefd^äft unter Sebenben jugeroenbet ^at (Dergl. brem. aSorm. D. § 89;
ba^r. ©ntio. Sttrt. 64), bie Scfugnife einjuräumen, nad& SWafegabe beö § 1660
in 9lnfet|ung ber bort bejcid&neten ©egenftänbe für bcn SSormunb oerbinblic^c
Slnorbnungen über bie SSermattung ju treffen. 2)urd& bie l^ier in JRebe
ftetienben S3eftimmimgen werben bie allgemeinen (Srunbfäfee beö ©rbred^tcö
unb bcö Dbligationenred^teö in Betreff ber grage, inmicroeit berjenige, rocld^er
bem SKünbel SBermogen J^interläfet ober burd^ Med&tögcfc^äft unter Sebenben
93ermogenögegenftänbe jurocnbct, Slnorbnungen über bie SJermattung ber hinter*
laffenen ober jugeroenbeten (Segenftänbe in ber gorm ber Bebingung, bcr
SBorauöfefeung ober ber Sluftage mirffam treffen fann (Dcrgt. §§ 448, 742,
1781, §§ 1886 ff.), überall ni^t berül^rt. 2)ie Beftimmungcn bcö § 1660 bc*
jiel^cn fid& t)iclmcl^r auf fotd^e gälte, in meldten bie bctreffenbe Slnorbnung
nic^t ben Äarafter einer bcr SScrmögenöjumcnbung beigefügten Bebingung,
33orauöfe^ung ober Sluftage ^at. Slntangenb inöbefonbere bie Sluftage, fo bc*
ftet)t baö SBcfen berfetben barin, bafe bem Bebad^ten eine obligatorifc^c SBer*
pflid&tung auferlegt mirb. 3n bcn ^ier in 9lebe ftcl^cnben gälten l^anbett eö
fid^ bagegen um Slnorbnungen, metc^e nid^t ben Bebad^ten, bcn SDlünbel, be*
taften, fonbern für ben Bormunb bei gü^rung ber 93ormunbfd^aft in Slnfc^ung
ber bem SJiünbel l^intcrlaffenen ober jugeroenbeten SBcrmögenögegcnftänbc eine
^ftiddt gegenüber bem SWünbel begriinben foUcn. ©old&e Slnorbnungen
mürben, ba fie nii^t ben Äaraftcr einer Sluftage l^abcn, fonbern bie Siegelung
bcr bem Söormunbc atö fold&em obliegenben Dormunbfd&afttid&en SSerroattung
betreffen, mittiin in bie bem öffentlid^en Siedete angeprenben Bcftimmimgen
beö 33ormunbfd^aftörcd&teö befd^rän!cnb eingreifen, in ©rmangetung einer bc*
fonbcrcn Bcftimmung ol^nc rcd^ttid^e SBirfung fein. 2)ic 3^löfiwi^9 fotd^cr
I
ciiiiuycii »ui. Hill VJn:iKi^iiiiyuiiy u(u wiiiiuiiu|U)U[iu})tiiu)ii;u uu]|4)[i|i(ii 3iainin>
joerben barf ((übccf. 5Botm. D. § 28; ^omb. 3Jorm. O. ^rt. 53; lorimat. @ef. «^»b*»*-
V. 27. aWätj 1872 § 50; oergl. ferner fäi^f. ®. SB. § 1925; bavfi. Entm. 9[rt. 61
9Ibf. 2). dagegen gcftüttet bie preufe. iöorni. D. § 37 bcm SJormunbe, felbftflnbig
bas ©tammuennögcn anjiigreifen, rocnn bie Eiiitünfte bcajelbett jur öeftreitung
ber ©rjie^ungstoflcn nic^t ausreii^cn. SDer Entrourf ift ber prcufe. SJorm. D.
gefolgt, o^nc bofe efl einer a«6brütf[id)en Säcftimmung in biefcr ^infic^t bebürf.
©ne Sorfi^rtft, rocld)e ben Sßormunb in ber SSeriDenbung beS StammDermögen«
ju ben Äoftcn bcs Unterljoltcö unb ber ©rjieliung be8 aJlünbetfl bcfrfiränd, Iiot
prQftifdben ifflertt) überhaupt nur für fol^e giSIle, in roelijeti bie ©inffinftc
bca aJIimbelDermögens üUenfaDö boju ausreißen, ben 'iDIünbel ju untctfwlten
unb iu einem mit geringeren Slufroenbungen uerbunbenen Berufe auajubtlben,
in loel^en es jebo^ in ^ragc fommt, ob eö nicfit im ^nterelfe beö 'iOIünbeld
angemeftener ift, bcmfctbeit eine mit größeren Soften uerbimbene (Srjic^ung
unb atusbilbung ju Zf)eH roetbcn ju laflcn unb ju biefem Srofäc bü9 3tomm;
nermögcn bc8 'älliinbele ganj ober t^cilroeife ju oermenöen. ^ällc biefer 9lrt
ftnb aber bie felteneren. 3n ber großen 3)ie]&rjal)[ ber "^aUe reiben bie ein=
fünfte beS 'üJÜinbeitiermögena ju bem Unterhalte unb ä^f ©rjieliung beö
3KünbeIs ni(f|t ouä, fo bo6 c9 ni^t jnictfetÖQf' ff*" tann, ob bae StQmni=
BcrmBgen äu biefem '^meic oermenbet rocrben foU. 2egt bas Oefeß bem 5ßor=
munbe bie ^j^idtil auf, in allen bicfcn fällen bie ®enel)miguitg beö aSop
munbfc^aftsgcri^teö ju ber aSermenbung oon ©tammoermögeH bcs lB!iiibel6
ium Bwetfe bea Unler^altce unb ber erjie^ung beafelben einjutiolcn, fo
erroäi^ft baroitä ni(fet allein ben 95ormürtbcrn, fonbcrn aud) ben Siormunb:
f^oftageriiftten eine grofee Selaftigung, roeli^e ju ben SßDrt&eilen, rocl^e man
fi(^ aus einer ben Siormunb in ber ^ict fraglichen liinfic^t befi^räntcnben
Sßorfcfiriff iierfprid)t, in feinem ller^ftltniffe ftef)t. 3)ajU fommt, bafe Mc
93ormunbfd|QftBgcric[)lc bei ©ntfcfteibung ber t^rage, ob bas StommDcrmögen
angegriffen roerben joll, um bnburi^ eine beffere ©riie^ung beö 5D!iinbeIö
unb bie Stuabilbung bcöfelben ju einem (jo^eren Serufc ju ermöglidien,
erfalirungamäSig oft >,a ängftlicfi ocrfabren unb jum ©c&aben bcs fünftigen
gortlommena bes ^iinbcla auf bie etf)a[tung befl ©tammnermügenfl ju grofeefl
®eroi(f)t legen.
3. 5!erf(!&iebcne ©efe^gebimgen beftimmen, bofe bei ber Sorge für bie '»«"* »"
^erfon bes älJünbelö auf bie 3tnorbnungen ber ©Itern 9tücffi(f)t genommen " """**"'
werben foUe (Dcrgl. 1. 1 § 1 D. ubi pup. '27, s; preufe. 9t. id. SU. 11, 18
§§ 312—310; fÖ^f. @. 93. §§ 1922, 1926; roeimar. ®ef. V. 27. «lärs 1872
% 41 ; (übetf. aiorm. C. § 27; befi. ©ntro. IV 3trt. 48; baqr. Gntro. SIrt. 59,
64), 3)ie ®rünbe, aua roeldten ber entniurf in Uebereinftimmung mit ben
übrigen neueren ©cfeßen, inflbef. mit ber prcufe. SJorm. C (oergl. jeboi^ Urt^.
b. 3}. ®. bei ©ru^ot XXVll ©. 1051), Slnftanb genommen t)ot, bem 5Bater
unb ber a)!utter ale 9Iu6flu6 ber elterüiicn ©cioall nac& üKofegabe ber 3ior:
fdiriftcn beö § 1636 ta^ 'Jieiit beijutegen, binbenbe 3lixorbiiungen für ben
Stormunb in ber 9lrt mi treiten, bafe biefelbcn i,\\ bcfpl((cn fiub, (offrn tii<tit
fllio bcrni 'ilqulaunii .;;;;.; .■!!;, h:i,l;; (^■.vr.ihi.Mii!,) ^l■■i A"i;!;]i;''''.-.. j: l'.iV'jni
1106 aSormunbfd&aft über SDltnberl55riflc. ©cßenfungcn. § 1661.
fange ber S)ritte lebt, beffen Suftimmung ju einer Sttroeld^ung t)on ben Sln^
orbnnngen erforbertid^ unb genügenb ift.
3luß ber ^a^m^ beö § 1660 3lbf. 1 ©afe 2 ergiebt fid^ übrigens jur
©enuge, bag cd bem pfftd^tmäfeigen ©rmeffcn beö SSormunbeß überfaffen bleibt,
ob SBeronlaRung Dorlicgt, bie Oenel^migung beö S8ormunbfd^aft«gerid6tcfi ju
einer 3lbn)eiciiiung einjul^olen, unb baß er geeignctenfaUö bem SBormunbfd^afte:?
gerid^te Slnicigc ju ntadden perpflid^tet ift, anbererfeitö, ba^ aud^ für einen
einjefnen gall, unter fonftiger Slufred^ter^altung ber Slnorbnung, Don ber
lejtercn abgeroid^en werben fann.
§ 1661.
e^hxntn 3)er ©runbfafe, bafe ber SBormunb eine ©d^enfung für ben 3Rünbel
b«n sRflnbei. "^^* t)omef)men fann, ergiebt fid^ auft bem Sw^^cfe jeber SBerroaltung eines
oermöflett. frembeu S8erm5gend unb fte^t mit bem gemeinen SRed^tc, foroic mit ben neueren
©efefecn, inöbefonbere bem preu§., franj. unb fäd^if. SHcd^te, im 6inf(ange
(Dergl. 1. 12 §§ 2, 3, L 13 § 2 D. de administr. 26, ?; preufe. Sorm. D.
§ 38; fäd^f. ®. 85. § 1947; meimar. ®cf. t). 27. aRärj 1872 § 55; bagr.
©ntn). Slrt. 76).
5£)a bic tJoffung beö § 38 ber preuß. SSorm. D. ju bem 3n>^if^l SScr^^
anlaffung gegeben f)at, ob baä SBerbot beö § 38 aud^ auf ben gatt fid^ bejie^e,
in metd^em eine ©d^cnfung Don bem SWünbel mit ©inroilligung ober ®c*
ne^migung beö SBormunbcö oorgcnommen merbe (ocrgl. Urt^. b. SR. ®. bei
®rud^ot Beiträge S3b. XXX ©. 1046), fo ift eö alö angemeffen erad^tet, im
§ 1661 auöbrüdEIid^ l^eroorjul^eben, bag ber § 1661 auc^ auf jenen %aU fid^
crftrectc, obwohl bem ©ntmurfe ganj allgemein baö ^rinjip ju ®runbe liegt,
bafe einerfcitö bie gcfefelid^e SSertretungömad^t aud^ baö SRed^t beö gefefclid^en
aSertreterö, ju SRed^tögefd^fiften beö SBertretenen bie erforberlid^e ©inroiHigung
ober ®enelimigung ju ertl^eilen, anbererfeitö bic Sluöfd^liefeung von ber gcfeß-
lid^en aSertretung aud^ bie Sluöfd^liefeung jeneö SRed^teö umfaßt.
umfonsbei ^ti ber prcuß. Suriöprubenj befte^t ©treit, ob baö in ber preufe.
^iJSotS*' aSorm. D. § 38 auögefprod^ene ©d^enlungöüerbot nur auf ©ddenfungen im
juriftifd^en ©inne ober aud& auf fonftige Sibcralitäten, meldte nic^t ©d^cnfungen
fmb, }U bejiel^en fei. 35er ©ntmurf uerftel^t im § 1661 unter ©d^enfungen
nur ©d^cnfungen im engeren, juriftifd^ien ©inne (§§ 437—439). ©in Sebürfniß,
baö aSerbot beö § 1661 auf fonftige Siberatitäten, meldte nid^t ©d^enlungen
in bem bejeid^neten ©inne finb, auöjubel^nen, liegt nid^t Dor. 3^^ ben t)or^
jugömeife bier in S3etrad&t fommcnben göDen, nämlid^ in btn gäUen ber Suf*
gäbe ober SJlinberung ber für einen 3lnfpru^ beö SMünbclö beftellten ©ic^er*
bcit, beö ©rboerjid^teö, ber Sluf^ebung cineö Dcrtragömäßigen ©rbred^teö, fomie
ber Sluöfd^lagung einer ®rbfcbaft ober cineö aScrmäd^tniffcö, meldte angefallen,
aber nod^ ntdftt angenommen finb, ift ber aBünbel gegen einen ÜRifebraud^ beö
bem aSormunbc juftcbenben SRcd^teö ber aSermogenöocrmaltung baburdd genügenb
gefd^üfet, baß bic SBirffamfeit icner SRcd^tögefd&äfte Don ber ®ene]^migung beö
aSormunbfd^aftögcrid^teö abfjängig gemad^t ift (oergt. § 1674 SRr. 13, § 1957
2lbf. 3, § 1962 3lbf. 2, § 2020 3lbf. 1, §§ 2043, 1873). S)ie »uöbe^nung
I'ic Ülorfdjrift beS S lf>58 ciitfvcid)! bcm § 1508 uiib bcn ©ciDögungcn, «
auf rodi^cu Wie aSorfiijnft bmi^t (wrgl. bai)r. Sfligionöfbitt v. 2«. )Slai 1818 "
g 22; ^aiinoD. SJetorbn. d. 7. Cttober 1823 § 55; bab. ®cf. d. 9. Otlobcr
1860 g 2; iBciinar. ebift n. 7. Cftober 1823 § 55; fronff. föcf. ». 5. Sep=
lember 1811 2Irt. U unb ». 30. Sejmbcr 181!) ; luntbeö. ®cf. ö. 28. Sifirj
1827 § 4; prnife. 3[. S. 9i. II, 2 §§ 753, 754 iiebft 3[nb. § 104J. Sic 9twf=
nat)mc einer ©cftimmung, bofe, roeim bec Sliiinbet i:a(^ 'ifnftgabe bct 3ior=
(c^riftcn über bie reüfitöfe SräieEjiina iiidit in bcm religiöfen Sicfcnntniüe bcS
•BormnnbcS ju eräieljeii ift, bcm legieren inforoeit bie Sorge für bie ^erfon
bea ajfünbelo uoit bcm SCormiinbfdjaflfigeriditc cntjogen loerbcn fönnc, um
nöt^igenfalls eine rücthattelofe Befolgung bcr fiir Die religiöfe Öriicftung be«
■•Ktiinbele maögcbcnben ilSorfdiriftcn 511 (id)crn tmb imbcreAtigtcti ßiiiflüf)cii
in biefcr Sejicliung cncrgifift entgegentreten jn Eönncn, ift \\\d}t als anflcmefim
erachtet, jumol ber entimirf eine bcm g lil 3Ib|, 2 bcr preu^. iÖorm. D. ent=
fprecficnbe SSorf^rift nid)t aufgenommen [)«t. Iiie ©rünbe, meiere ju bct
^Jlid)taufnQl)me biefcr Icßtcren 3iorfi^rift gcfiifirt !)abcn (DCi-g(. ätJotiue ju
§ Iß-SS oben 3. lom), treffen, mciiigftcnä .iiirn Ji)cil, and} l}\n },u.
§ i(;r);t.
Eie 3Jcr;ifIid]tung bcS ^iormunbeö juc 3;nucntnrifQtion bcö 4,'Iimbci- -i'
netmogcnö ftetjl mit bcin gemeinen ;>icd}le unb ben neueren Ölcfegcn im @in'
[lange (ocrgl. preitfe. 91. li!. ;H. II, IS §§ 37« ff.; prenfe. ißonn. C. § 35; *'
öfterr. (S). 93. g 222; iwie civi! 9trt. 451; fäiftf. @. 33. g 1906 nebft bct
proöif. ®er. D. § 47; bonr. ■Jlotariategcf. v. 10. ^ionembcv 1801 9lrt. 10;
TOcimar. C^ef. v. 27. atfärj 1872 % 45; tübecf. ^orm. C. § 35; brcm. Sorm. C.
g 35; homb. ';öomi. D. 91r{. 20; tieif. entro. IV SIrt. 49, 50; bai)r. (Siitiü.
9Irt. 65). Ter (Sntrourf faßt bie im § 1659 beftimmte ^flid)t bes Sormunbcs
lebigtid) als eine publijiftif^e *^Jftitftt, nic^t jiigieiii) aia eine prioaltcditltdic
¥flid)t gegenüber bem '.üüinbel auf. S)er Siormunb fnnn batict nac^ 5hif-
na^ime bca ^nncntoreö nidjt elioa auf ÖSrunb bes g 777 jut Slbtctftung bce
Offenbarungöeibeö anfleljfllten roetben. i^ogcgen ift er nadj söcenbigung fcincö
üEinmmbfd)aft!i(i)cn Sfmteö in 3!etbinbung mit bcr 'itetpilid)tung, bem "Dlünbcl
ba& öon ilim Dcrronitete Vermögen Ijeraufisugcbcn unb über bie Jierroaltung
SHecfinung }\i legen {§ 1700), auf 5Bcrlangen bes Üiünbels bcjro. beffen gefeg;
liefen aiicrtretcrö ben OffenborungSeib nnd) iViofegabe bcs g 777 abjiilctflcn
uerpRiditet (üctfll. SHotioc ju g 1700).
"l|ad) bem iöorgange bcö gemeinen 3ied)teö fi^reiben Bctfcbiebcne ber !■
nnsefiiljvten neueren (Sefe^f füt bie ©tric&tnng bcs 3"Dentarcfi eine öffentlidje '
^orm Dov; botft geftatten einige berfetbeii baneben für einfad&ere iÖecI)äItniffe
aui^ eine Slnfnaijme unter bcr ,öanb ober unter iöeobQ(^tung geringerer ^önn:
Urteilen. Sagegen ^aben bie meiften neueren (^cfepgebungen, inöbefonbece bie
prcnfe. aJorm. C, bas fädjf. ;)kd)t, ba^ rocimar. ®cf. ». 27. Ülarj 1872 unb
ber bai)t. Gntni., hoä tftfptbernife einer BffentÜcften ^orm ganj aufgegeben.
iiioiitrfliiijt
1108 aSormimbfdbaft über SKinberiäl&rigc. (SnrerBöocWäff. § 1663.
fDlünbcIgcIbcr niddt in feinen Stuften pcrrocnben (oergl 1. 7 §§ 4, 10, 12 D. de
administr. 26, 7; preu§, 31. S. SR. II, 18 § 486; fäd^f. ®. ». § 1937; roeimar.
Ocf. t). 27. m&xi 1872 § 58; l^amb. SSonn. D. ärt. 62; ^cff. ©ntn). IV ärt. 59;
bo^r. 6ntn). 2lrt. 75), auä) nid)t — abroeid&cnb Dom röm. unb ßcmcinen SWcdbtc
(1. 9 § 7 D. de administr.) — in bcr gorm eincö SJarlcl^enö (üergl. § 1651 3lv, 1).
9lbcr a\iä) bcr blofee ©ebraud^ Don SRünbelfad^en ift bcm SBormunbe burd) bie
^orfd^rift bcö § 1662 untcrfagt (oergl. § 793), fofern il^m bcrfelbc nid^t biird^
ein gültiges Sttbfommcn jugcftanben ift.
^anbclt bcr SSormunb gegen bic 33prfd()rift bcö § 1662, fo treffen i(|u
nad^ ben Umftönben bie ntel^r ober ntinber ftrcngen golgcn pflid^troibrigeti
^anbelnö, inflbefonbcre haftet er bem 3WünbeI njcgcn Sd^abenöerfofteö (oergL
§§ 1684, 1696, 1697, 1705 3lv. 1 bcö (Sntn).; § 266 bcö ©tr. ®. 93.).
1663.
«efiinn unb SBcgcn bcr Scgrünbung bcr SBorfc^rift beö § 1663, roeld&e fid^ an äl^n*
*dne«"^ lid&e aSorfd^riften Dcrfd&icbencr neuerer ©efeftc Qnfd()Iie6t (Dcrgl. preu^. 31. S. 91.
s^ÄiuV. ^^' ^^ §§ 605 ff.; preufe. 58orm. D. § 42 5Rr. 9; öftcrr. @.». § 223; lübcrf.
SBorm. D. § 59; brem. SSorm. D. § 68; l^amb. aSorm. 0. 3lrt. 29; roeimar.
®cf. t). 27. aKärj 1872 § 52 lit. a; Ijcff. (gntro. IV 3lrt. 86—90; ba^r. ento.
3lrt. 66 3lx. 1), roirb auf bie aWotit)e ju § 1515 oben ©. 768 ff. 93cjug genommen^
©ort fmb oud^ bie Oriinbc bereite bargcicgt, quo rocid&cn ibcr ©ntrourf im
©egenfaftc ju ber SSorfd^rift beö § 1515 l^ier and) bie Sluflöfung cineö bcfte^cnbcn
©rroerbögefd&öfteö burdd bcn aSormunb an bic ©cnel^migung beö aSormunbfdbaftö*
gerid&tcö binbet. 3"^ ©rgänjung bcr tcbiglid) ben Äaraftcr einer Drbnungö*
Dorft^rift an fic^ tragenben Scftintmung bcö § 1663 bicncn bie SBorfd&riften
beö § 1674 9lr. 5, 7, 14 t)erb. mit § 1681 (ocrgt. aufeerbcm § 1680).
§ 1664.
Änfeflunfl S)ic Scftimmungcu bcö § 1664 gelten oon bcr bem ®ntn)urfc überhaupt
^^^^ jw ©runbc tiegenben 3luffanung au'ö, bafe bic aSerroaltung bcö ÜÄünbct
t)ermögenö an fid& in ber ^anb bcö SSormunbcö liegt, nid^t aber von ber
Dbcroormunbfd^aft geführt unb geleitet wirb. SJcmgemSfe ift cö ©ac^e bcft
aSormunbeö, ben für bie aSermögenöDcrroaltung im 3lllgemeinen inncju^altcnben
|)auö]^aItöpIon aufiuftcUcn unb fclbftänbig ju ermcffen, roiemel er alö 33etriebö«
fonbö für aScrroaltungöfoften unb Untcrl^alt bcö SKünbelö in ^änbcn bel^altcn
mufe, Dorbel^altlid) feiner eigenen aSerantmortlic^fcit für fd^lcd^te aScrmaltunft
(§ 1696) unb bcö nad^ allgemeinen Orunbfäftcn cintretenbcn äuffid&törcd^tcö
ber Dberoormunbfd&aft (§§ 1684 ff.); nid&t aber ift il^m, mic bieö nad^ franj.
Siedete ber gaD ift, ein bcftimmter ^auötialteptan Don ber Dberoormunbfd^aft
Dorjufd^reibcn unb bie ©umme ju beftimmen, mit merc^er bie aScrpflid&tung,.
oor^anbene 93aarfd&aften ju belegen, für if|n beginnt (oergl. code civil Strt. 454,.
455; lieff. ®ntro. IV 3lrt. 57; hax)x. ®ntn). 3[rt. 66 3lx. 1, 4).
35ie aScrpflid^tung bcö SSormunbeö, Dcrfügbarc SWünbelgelber jinöbar
anjutcgcn, ift t)on fämmtlid^cn 9?ed()ten ancrfannt. 35ie entgegengefejtcn SSor*
t^riftcn ber iuftinianifd^cn ©cfcfegcbung (Nov. 72 c 2—4) jtnb aud^ gemein^
xtä)tl\ä) nid^t praftifc^ gcroorbcn. 2BÄl)renb ba^ frang. Siedet befonberc SBor^
fd&riften über bic 9ln(cgutig uon ÜRünbcIgelbcrn in beftimmtcn SGBcrtf)cn nid^t
«uf [teilt (oergl. ©ntf^. b. 31. ®. in 6it)i(f. VIII, 74), entgolten bic beutfd^en
iSefeßc in bicfer Scjie^ung regclmäfeig eingel^enbc SBorfd^riften (üergl. bie
SufamnienftcKung bei ^tä)i, 3JlmbcU unb ©tiftungögelber, 1875, ©. 1.53,
205, 220; aufecrbem preiii SBorm. 0. § 39; lübedE. ®cf. t). 20. SRai 1877;
roeimar. ®ef. d. 16. 3uli 1881; meining. ®ef. v. 12. 3lpril 1882; brem. ®cf.
V. 15. aWärj 1887; braunfd&ro. ®ef. ü. 8. gcbruQr 1883; \)amh. aSorm. 0. t).
14. ©ejcmber 1883 3lrt. 45, 46; ^eff. ®ef., bie Slnlegung Dormunbfd&aftlidöer
nnb pPegfd^aftlid&er ®elber u. f. ro. betr., d. 18. 3uni 1887 SIrt. 1—3; 3*. ®ef.,
betr. Äranfcnoerfid^erung ber Slrbciter, t). 15. 3uni 1883 § 40; Unfat
Derftc^crungögef. t). 6. 3uU 1884 § 76; ®cf., betr. bie Unfall* unb Äranfem
tjerftd^erung ber in lonb^^ unb forftroirtl^fd^aftUdöcn Setrieben befd^äftigten
^crfonen, t). 5. SMai 1886 § 85; ®ef., betr. bie UnfaÜDerfidfierung ber ©ce*
teutc unb anberer bei ber ©eefd[)ifffttt|rt bet^eiligter 5|Jerfonen, ü. 13. 3uU 1887
§ 88). SSom ©tanbpunfte beö (Sntrourfcö aM ift bic 3lufftettung berortiger
äjorfd^riftcn um fo weniger ju entbefiren, afe eö bei ber bcm SSormunbe ein*
geräumten freien Stellung gerabe aud^ für biefcn felbft von SBert^ ift, xotnn
i^m bie in biefer 9lid^tung einjufd^lagenben SBcge n)enigftcnd im Slllgemeinen
bairc^ baö ©cfeß Dorgefd^ricben werben. S)ie Sebcutung ber im § 1664 ge* »ebetttung
gcbenen SSorfd^riften ift iebod^, wie boö SGßort „nur" im ©ingange bcö § 1664 «orf«^riften
mf. 2 beutti^ erfenncn löfet, nid^t bie, bafe eine nad^ aWafegabe bcö § 1664 ^»^^^^c
crfolgenbc 9lnlcgung ber ajlünbelgclber ben 93ormunb unb ben ®cgenoormunb
(oergl. § 1666 3lbf. 1) fd^led&tl)in t)on ber aScrantmortlid^Ieit befreit; melmefir
bleiben biefetben bem SRünbel in jebem einjelnen galle nad& SKafegabe ber
allgemeinen ®runbfäfee bcö SSormunbfdjaftöred^teö (§ 1696) für ein fie trcffcnbcd
SBerfd^ulben Dcrl^aftet. 3lnbererfeitö barf aber ber aSormunb bie im § 1664
9lbf. 1 bcjeid&nctcn, jur bauernben Kapitalanlage beftimmtcn ®elbcr, oor*
be^altli(^ ber Seftimmung bcö § 1667, in anberer 3lrt, alö im § 1664
3lbf. 2, 3 oorgcfdiiriebcn ift, nic^t jinöbar anlegen. X^nt er eö gleid&rool^l,
f 0 fann jroar ber SHünbel eine nid&t in ©emäfelieit ber gefeftlid^en SBeftimmungen
für i^n erfolgte Äopitalanlage nid^t überhaupt jurüdEmeifen, ba bie Seftimmungcn
beö § 1664 nur ben Äarafter von DrbnungöDorfd&rif ten l^aben. 2)aö aSormunb* .
f d^aftögerid&t ift aber in einem fold&en galle befugt, ben SBormunb im 3luffid^tö*
wegc anju^atten, bie nid^t üorfd^riftömÄfeige 9lntegung ju befcitigen unb eine
onbermeite Anlegung l^erbeijufüfiren (§ 1684). 3nn)ien)eit ber aSormunb in
einem fold^en gaUe bem aWünbet aud& perfönlic^ oerantroortlid^ ift, inöbefonbere
bcm leftteren roegen ©c^abenöcrfafecö l^aftet unb im 2Bege ber Älage von
©eitcn beö SWünbelö angehalten merben fann, eine anberroeite 3lnlegung ju
bcmirfen, rid&tct fid& nad^ ben allgemeinen ®runbfäfeen (ücrgl. §§ 1696, 218,
219; ©ntfdö. b. SR. ®. in ßioilf. IV, 48, XI, 70, XVI, 47).
Slnlangenb bie SKrt ber nuftbaren ainlegung ber aHünbelgclber, fo fann «rt b«
— abmeid^enb t)om röm. 3led&tc — naä) ben heutigen mirt^fd^aftlid^en S8er* «"JJJmefnelT
j^ältniffen felbftt)erftänblid& bie Slnlegung ber ®elber burd& ben Slnfauf Don
frud&ttragenben ®runbftüdfen in crfter Sinie nid^t Dorgcfd^rieben merben;
1110 SSormunbfd&aft über SWinberj. änleflunö bcr SWfinberflcIbcn §1664.
Dtcimctir fann cä fid^ im ungemeinen nur barum ^anbeln, bcm SSormunbe
jur ^ßflid^t ju mad^en, bie verfügbaren ©eiber in ^gpotl^efen ober Orunb*
fd^ulben, in ©taatßpopieren ober anbercn, benfelben gleid&juftellenbcn SBertl^en
ober aud& bei Sparfaffen anjulegen. 3[uf ber anberen ©eitc foU eä bem SSor*
munbc jebod^ mä)i Denoel[)rt fein, bie ÜJHinbelgelber, foroeit bicö nad^ bcn
SBerl^ältnijfen bem 3Rünbel üortl^eil^after ift, anä) in anberer 3lrt, als burd^
jinöbare Anlegung, nufebar ju mad()en, fei eß bur^ änfanf oon ©runbftüdfen
ober burd^ Stnlegung ber ©eiber in einem i^anbetegeroerbc ober in einem
anberen geroerblid&en ^Betriebe u. bergl. (üergl. 3ßotioe beö bagr. ©ntm. ©. 70),.
felbftDerftänbUdd aber unter 58eobad&tung ber in biefen 9lid^tungen gegebenen
befonberen SBorfd^riften (t)ergl. § 1674 3lx. 5, 7, 14, § 1663). 3ene greifteit
ber SBerroaltung wirb bem SBormunbe burd^ bie 93eftimmung beö § 1664 Slbf. 1
geroal^rt, nad^ meld^er bie 5ßflid^t beö SSormunbeö, bie SRünbelgelber nac^ SDlafe*
gäbe ber SBorfd&riftcn beö § 1664 2lbf. 2, 3 jinöbar anjulegen, fid& nur auf
fold^e ©eiber begießt, meldte nid^t erforbcrli^ finb, um bie laufenben unb
anbere burd^ bie Sßermögenöoermaltung begrünbete Sluögaben ju beftreiten
(üergl. preufe. SBorm. D. § 39 ; meining. ©ef. v. 12. äpril 1882 ; l^ejf . ©ef., betr.
bie Slnlegung Dormunbfd^aftlid^er unb pflegfddaftUd&er ©elbcr u. f. to. o. 18. 3uni
1887 3lrt. 1).
3m Uebrigen ift ju bcn einzelnen Seftimmungcn beö § 1664 nod^
golgenbeö ju bemerfen:
^qpot^efen 1. S)em Äarafter beö ©efe^bud&eö alö eiueö beutf(^en bürgertid^en
"^^iiub^r' ©efe|bu^eö in SBerbinbung mit bem einfieitlid^en ^ßrojefeoerfa^ren cntfprid^t
eö, bie S^läfftgfeit ber Slntegung ber SRünbelgelber in fid&eren ^^pot^clen
ober ©runbfd^ulben auf inlänbifd^c ©runbftüdfe allgemein ju erftrecfcn. Slnberer^
feitö foU eine 3lnlegung in aufeerbeutfd&en ^ijpot^efen regelmäßig auögcfd&lojfen
fein. ®ie ©efefee enthalten jum SC^eil eine fold^e auöbrüdflid^c aSefc^ränfung
aUerbingö nid^t (oergl. j. S3. fäd&f. ©. ». § 1934; preufe. »orm. D. § 39 Slbf. 1).
3nbef[en ift ber ©rroerb augerbeutfd&er i&gpotliefen Dom ©tanbpunfte beö
Sntereffeö beö SRünbclö auö regelmäßig bebenflid^ unb bie S^toffung einer
folc^en Sünlegung burd& ein Sebürfnife nid^t geboten, gür befonbere gälle,
inöbefonbere für ben ©renjoerfe^r, gemalert bie SJorfd^rift beö § 1667 ben er*
forberlid&en SRaum.
»eiei^unß«. ^n 9lnfef)ung ber SSorauöfeftungcn, unter meldten allein eine ^gpotl^et
®*"***- ober ©runbfd^ulb alö fidler anjufe^en ift, enthalten baö gemeine unb baö
franj. Siedet feine naiveren SBorfd^riften (ocrgl. aud^ bagr. 6ntn). Slrt. 73
nebft 3ßotiüen ©. 80). dagegen ^aben bie neueren ©efefee überroiegenb nähere
Seftimmungen über bie pupillarifd&e ©id^erl^eit für erforbertid^ erad^tet (oergL
inöbef. preug. SSorm. ©• § 39 3lbf. 3; fäd^f. ©. S3. §1935; roürttemb. ©ef.
0. 28. 9ioocmber 1833 Strt. 1, 2 ; öftcrr. ©. 33. § 230 ; lübecf. ©ef . t). 30. aWai
1877; meimar. ©ef. d. 16. 3wfi 1881 § 2; meining. ©ef. t. 12. Slpril 1882;
brem. SBonn. D. u. 14. aWai 1882 § 61; liamb. SBorm. 0. d. 14. ©ejcmbcr 1883
3lrt. 45 ; ^eff . ©ef., betr. bie ^Anlegung Dormunbfd&af tlidder ober pflegfd&af tlid&er
©eiber u. f. m., v. 18. 3[uni 1887 2lrt. 2). 5Dem aSorgange biefer ©efefee l^at
aud^ ber ©ntrourf pd^ angefd^Ioffen (§ 1664 3lbf. 3 ©ag 1). Säon näheren
33eftimmungen über bie pupillarifc^e ©id^erl)eit ganj abjufel^en unb eö lebiglid^
nur in fi(fteten §^pot^efen ober ©runbf^ulben erfolgen foUe, lonn oom Stanb^
punite befl 3nterefies beS aWünbelS ans unb, fiingefe^en auf bie 58erantn)orts
iti^Ieit bee aSormunbcB, aui^ »om Stanbpunlte befl leßtcrcn QUä ntc^t olfi
onflemeRen unb ratf)fom ero^tet rocrben. ©agu fommt, bafe nähere Se*
ftimmungen über bie pupiHoriff^e ©i^er^eit ani) um bEflioiDen nid)t ioo£)(
entbehrt nierbm fännen, roeit biefelben melfoc^ in anbeten gefeßlic^en Ses
ftimmungen oorausgefegt toerben, nwti^e o^ne fo[^e !8eftimmungen bcr @rgänjung
bebürfen mürben (oergt. inflbef . §§ 203, 1034, 1292, 1323, 1815 b. entro. ; SR. @ef.,
belr. bie AranfenDerTicöeriing bcr Slrbeiter, r. 15. 3Smi 1883 § 40 9Ibf. 3).
älus biefem [enteren @runbe tnsbefonbere empfiehlt eS ftc^ awii nic^t, bie
m1)en Seflimmung bet ©runbfätse über bie pupittarife^e Si^er^eit oUgemetn
ber Sonbefigefelgebung ju überiajfen, jumot eS unfii^er ift, ob bie Sanbeagefeßs
gebung in ber ^icr fraglidien SBejie^ung überall eingreifen roürbe. 3)ie Sßers
IfäftniRe in ben einjelnen S:&eifen äSeutfcEiIanbö finb oud) feinesroegs fo nee»
trieben, ba% bie 93eIei^ungAgrenje eintieitlic^ nic^t feftgej^eUt merben Fönntc.
3n bem größten ST^eile ©eutf^Ianbfl, namentlich in JJJteiifeen unb in ©oc^fen,
iß fie im Sffiefentlicden in betfelben 91rt feftgefleUt, roie biea im Entrourfe
(§ 1664 aibf. 3 Sag 1) gefi^eljen ifl (oergl. auc& roeimar. ®ef. w. 16. 3luli
1881 § 2). 3ift eine einlieittidie Segefung bet aitt o^ne bie ©efä^rbung
ber 3ntcre|fen bes 5Dlünbe(a in ber ganjen preufe. aJlonarc^ie mögti^ geroefen
trog bcr fc^r werfc^iebenen roirft)fd)ofilii^cn SJerl^SItniffe in ben einjelnen ^ros
utnjen, fo brau<$t man au^ ni<it oor einer einEieitlii^en Siegelung für bas
gonje beutji^e SReicE) äurüdjufrf)recfen.
Sie a3e(eif)ungögrenje entgegen bem in bem grBfelen X^tUt Seutfi^Ianbfl,
namentliii in ^ßreu^en, @ad)fen unb nadti ber ^rofifl aui^ in Saijcrn, gertenben
SIedfite au^ bei tanbnitrtlifc^aftiicöen ©runbftücten auf bie ^ätfte fjerabjufe^en
(oergl. j. 33. roürttemb. ®ef. v. 28. Sfooember 1833 Sri. 1, 2; lübecf. @e[. v.
30. SRoi 1877; meining. Oef. ». 12. 3tpri( 1882; ^omb. SBorm. O. 9(rt. 45;
tjeff. gntio. IV 3[rt. 58), ift einerfeitft mit JRücEricöt auf bie Si^ert)eit be«
SWünbcta trog ber ©dinianhingen in bem Üßert^e ber ©runbftüde ni^t ole
geböten, anbercrfeits mit ?Hütfriilt Quf iiie lanbroirt^fc^aftlic&en Rrebitoer^ättniffe
olS bebenflicö ju erac&fen. ^ufiem roirb bet Sonbeagefeßgebung buri^ bie 9iot=
fc^rift bce § 1664 2lbf. 3 Saß 2 ein ?DiitteI an bie -§anb gegeben, inbireft
bur(^ 5!orf4riften über bie 9trt ber 3Bertficnnitte[ung bie im § 1664 ^b\. 3
©ag 1 beftimmte Selcttjungsgrenje ju befii)ränfen, roenn fie biea etma mit
JHüdrii^t auf bie SiIjroonEungen bes SSett^eft ber Oninbftüde in bem betreffenben
SBunbcaftaote ober in 3:^ei(en bc« legieren für angemeffcn erachten follte.
9tnbcr6, ole in 9Infe^ung bcr ^eftimmungen über bie Seteifningagrenje, S^«"'
oer^Ält ea f't^ in 9InfcI)img ber ©runbfüße über bie aBert^etmittelnng. 3!n *** ^'
btefcT 33ejiet)ung ift eö untt)unlid), teirfiSgefeglii^ einfieitlic^e ©tunbfdge ouf' «"■*»'
ju^teBen, bo bie f)ierbei in %trac^t (ommenben SSer^ältniife unb @inricl)tungen
in ben einjelnen S^be'lcn Xieutfi^lanbfl ju T)erf{f)icben fxnb. ©6 (ann jn)eifefi)üft
fein, ob ea berartiger ®runbfäge überhaupt bebarf unb ob es nic^t bem ^ot>
miinbe ju übcrfaffen ift, in roetciier 9lrt et fid) über ben SBertb beS betreffenben
O^niiiöfiüiifö ^/ciui^iicii iH'iiiiwiit'u uiii) fitfi K'u .'itciüciü, Daf) « bic ~Iliiuiöel=
1112 SSormunbfd&aft über SWlnbcrj. 9lnlcflunö ber Wünbelgclbcr. §1664.
gelber innertjalb ber erften jroei 35ritttt|eile bcjiü. innerl^alb ber erften ^älfte
beö Sßert()cö bcö betreffenbcn Orunbftücteö angelegt l^abe, ftd^ern wolle. Slud^
o^ne bcrartige (Srunbfäfee l^at bie SSeftimmung beö § 1664 9l6f. 3 ©aft 1 t)om
©tanbpunfte beö 3[nteref?eö beö 3JlünbcIö unb beö SBormunbeö auö immer nod^
praftifd^en SBert^, roeil fie bem SBormunbe objettiüe 3ln]^altöpunftc für bie
2lnlegung an bie §anb giebt unb il^n in bcn ©tanb fe|t, [eine 33erantn)ort*
lid^teit einigermaßen ju überfeinen. 3m ^inblidEc auf baö in großen ©ebieten
geüenbe Siedet (nergl, inöbef. preuß. SBorm. 0. § 39 2lbf. 3; lübecf. (Sef. t).
30. 9)Jai 1877 ; mcining. (Sef. o. 12. 9lpril 1882) unb um bem aSormunbc bie
SBertJiermittelung ju erleid^tern unb feine aSerantroortlid&feit ju minbem, ift cö
icbod) ratl[)fam, ber Sanbeögefejgebung in ber l^ier fraglid^en Sejicl^ung für bie
innerhalb i^reö (Seltungögebieteö belegenen ©runbftüdte 9taum ju geben. 2)aß
bie 2anbeögcfe|gebung Don bem il^r eingeräumten SJled&tc ju bem Qiozdt Oe^
braud& mad)cn tonnte, um inbircft bie Säelei^ungögrcnje 5u erl^ö^cn unb auf
biefe SBeife im Sntereffe beö laubTOirt^fd^aftUd^cn Ärebiteö auf Roften ber
©idöer^eit ber 3JlünbeI bie 3WünbeIgelbcr an fid^ ju }icl)en, ift nid&t 5U beforgcn.
Sefbftoerftänblidö ift eine lanbeögefefeUd^c Seftimmung über bie Orunbfäfee,
nad) meldten ber SBert^ ber (SrunbftüdEe feftjuftellen ift, foroeit cö fid^ um
SKnlegung Don 9WünbeIgcIbern in §t)pot^efcn ober (Srunbfd&ulbcn an bcn in
bem bctrcffenbcn 93unbeöftaate belegenen (Srunbftüdfen ^anbelt, für alle, auc^
in anbercn Sunbeöftaaten anpngigcn SBormunbfd&aften maßgebcnb.
»oritflung Ucbrigcuö ge^t ber ©ntmurf baoon auö, baß ber SBormunb, aucb menn
°^*" er o^ne a?orlegung einer S^ajc 3Künbelgelber in ^gpot^efen ober ©runb*
fd^ulbcn angelegt ^at, fid^ t)on feiner aSerantroortlid^feit burd^ bcn fpfitercn
Jla^ioeiö befreien fann, baß bie 9lnlegung inncrl^alb ber erften jroci S)ritt*
tbeilc bcjro. ber erften ^älfte beö mirflid^en ober, fallö lanbcögefeglid^e S8or^
fd^riften über bie SGBert^ermittelung oor^anben fmb, beö nad^ bicfcn gu
ermittclnben 2Bertl)eö beö ©runbftürfeö erfolgt fei, Dorauögcfcfit, baß i^n im
Uebrigen fein aSerfd&ulben trifft (t)crgl. ©ntfc^. b. 31. (S. in ßioilf. IV, 48,
banebcn aber XI, 70).
e<^uibi>er. 2. 35ie Seftimmungen beö § 1664 Slbf. 2 3lt. 2, 3 fd^licßen fid^ an
b^rS" ^^^ SSorf d&riftcn beö $W. ®ef. d. 23. SWai 1873 über bcn 3fleid^ö*3nüalibenfonbö an
ober eine« (ocrgl. aud^ ©cf. D. 30. äßai 1873 über bcn 9teid&ö-geftungöbauf onbö ; § 40
iiaatcV' 2[bf. 4 beö @ef., betr. bie Äranfcnnerfidnerung ber 2lrbeitcr, v. 15. 3uni 1883;
§ 76 beö Unfallocrfi^crungögef. o. 6. 3uli 1884; § 85 beö ®ef., betr. bie Un«
fall* unb Äranfenoerfid^erung ber in lanb- nt\b forftroirtl^fd^aftlid^cn Setrieben
befd^äftigten 5ßerfonen, o. 5. aßai 1886; § 88 beö ®ef., betr. bie Unfall*
ücrrid^crung ber ©celeute u. f. n)., o. 13. 3uU 1887), fomic an oerfc^icbene
Sanbeögefefee, inöbef. bie preuß. SSorm. D. (preuß, SBonn. 0. § 39 SKbf. 1;
mcining. ©cf. t). 12. äpril 1882; braunfd^m. ®ef. x>. 8. gebruar 1883 § 1;
bagr. ®ntm. Slrt. 73; meimar. ®ef, t). 16. 3uli 1881 § 3; ^eff. ®ef., betr.
bie 3lnlegung Dormunbfd^aftlic^er unb pftegfd^aftlid^cr ®clber u. f. m., t).
18. 3wni 1887 Slrt. 2 $Rr. 2, 3). 3)ie in ben angcfül&rten ^ieid&ögefcfeen unb
}um 3;^eil aud^ in ben angefüljrten Sanbeögefegen, namentlich in ber preuß.
SSorm. D., fid) finbenben 3ufä|e, baß bie ©d^ulbuerfd^reibungen „mit gefeft*
lid^er 6rmäd()tigung" auögeftcllt, bejm. bie aSerjinfung „gcfeftlid^" garantirt fein
lam
SJornmnbft^oft ihn OTinberj. anfcflimj ter SBünbcIfldbtir. §1664. 1113
müßten, tiat bec ISntrourf ieboc^ nli^t mit übernommen. S)ie ^iniiifüguiig
jener SBotte ift nidit flUein überflüfrig, ia bet SBormunb bie ®etber (etbfti
oerRänblii^ nur in gültigen (^c^utbuerfd^ceibungen bei ^iec fragtic^cn ätct ans
Icflen batf unb in jebem einjciiien goUe bie Oültigfcit berfelben, mithin audj
bie @efegmÖgig(eit ber Smifjion, ju prüfen ^al, fonbern audi ni(^t uölli(t
torreft, bo buri$ jene SBorte nur ein einjelneS ©rfotbernife ber 3ieti)tsgültiiiteit
^erDorget)oben mirb unb biejefben jubem jii bem aJIi^werftänbniffe oerleitcn
f&nnen, ald ob eine fpejicUe [|e[eg(id)e ®nnäd)tigung erforberlid) fei.
3n bem § 40 2Ibf. 4 beä SR. Oef., betr. bie SronfenoerTitöerunfl ber
Arbeiter, v. 15. 3uni 1883 nierben neben ben non bem beutf^eii üRcid&e ober
Don einem beutfc^en 33unbeaftaote ausgefteHten Si^ulbuerfi^reibungcn noc^ bie
oon bem 9Iei<^alanbe &l|ag'Sot[|ringen auägefleQieu Sdiulboerfc^reibunQen be^
fonbcta ermähnt. 3n biefer .öinfic^t ift ber S9eratl)ung befl ©infü^rungSgefe^ee
bie ^Prüfung »orbeljalten, ob in bicjem eine allgemeine ffleftimmung beä ^n;
^altce aufi^une^men fein loirb, bag ber äCuöbrucf „^unbeeftaat" im <Sinne
bcs @efegbu(^e$ oui^ baS 9tei<^Ianb @lfag<Sotbringen mitumfaf^e (ncrgl. auc^
§ 701 abf. 1 b. ©ntro.; ®cf., betr. bie ISinf. be« Str. @. S. für bafi bcutfctic
SReitEi in ßlfa&=£ot6ringen d. 30. Sluguft 1871).
3. 3tu^ bie SBorfc^rift bcö § 1664 9lbf. 2 SUr. 4 ftimmt mit ben oben e*u[b«i.
©. 1112 nnier 9ir. 2 bcjeidHieten (Scfeßen, iii&bef. mit ber preu^. SBorm. O., K^S«
bem ®ef., betr. bie 5lranfenBertid)crung ber 2lrbciter, o. 15. 3uni 1883 § W ^^-u^'
Stbf. 3 unb bem Unfallöerfidieningagef. im aBefentIii|ien überein. Sie in jenen
Oejc^cn iiinlcr bem iffioric „Mürperjrftöftcn" f\d) jtnbenben SIBovtc „(^praiiinjcn,
«reifen, ©emcinbcn u. f. id.)" finb aiä cntbcijtlidj mcggelnifcn, jumal bie *JiQ"i"
tliefc bod) iiii^t alle Ijicr in S3etro(!)t fommenben fornmiinalcn ftörpcrfdjnftcn
in bell einjcliicn SJunbeäftaatcn, j. i\ bie 9ImtSoerbänbe, umfaßt.
4. SffiSiirenb bie prenfe. Sorm. O. % 39 9lbf. 2 {oergl. and] brcm. Wef. sv^"n'n.
0. 15. OTorj 1887 9lbf, 2) bie 3uläfftgteit ber jinsbaren Belegung uon aj!iinbet=
gcibern bei einer öffentüdjen, obriflfcitlicö bcftätigtcn, ntdit unter bie im 9Ibf. 1 beö
§ 39 erroä[)nten .ftrebitonftallen beulf(^er Fommunaler .Korporationen follcuben
Sparföffe uon ber be[d)ron!enben iiorüuSfefiing abtiöngig rnndjl, bafe bie
ÜSetber tu ber im § 39 91i)[. 1 beäcit^ncten 9Seife nod) ben obroaltenben Um'
flänbcn nid)t Angelegt roerben !önncn, geftottet ber § 1664 9Ibf. 2 •ilr. 5 aud)
bie bouernbe jin-Sbare 3In[egung ber aiJünbelgelbcr bei einer öffentiic^cn unb
obrigfeitlid) beftfltigten Sporfaffc {öergl. födjf. ®. 33. § 1935; iBcimor. (Sef. v.
16. 3uli 1881 § 3 ^r. 7; meining. ©ef. d. 12. 3tpri[ 1882; braunfc^ro. ®cf. b.
8. gebruar 1883 § 1; ))amb. iöorm. D. 3Irt. 45; baijr. Cntro. 9frt. 73 9lbf. 2
lit. b; ^cff. @ef., betr. bie Slnlegung oormunb[d)Qfllicöer unb pflegfd)aft=
lidtcr (Selber u. f. id., u. 18. 3luni 1887 STri. 2 '31r. 6; ferner @ef., betr.
bie «ranfenoerricfterung ber 3Irbeiter, ». 15. ^mi 1883 § 40 aibf. 2; Unfall^
Bcrfic^erungsgef. v. 6. 3u[i 1884 § 76 9tbf. 1; ®cf., betr. bie Unfall^ nnb
.^iranfenuerfidierung ber in Ianb= unb forftn)irtf}fc^afUi(^cn Setrieben be^
f(5nftigtcn ^Icrfonen, v. 5. atni 1886 § 85 9tbf. 1; ®ef., betr. bie Unfall*
werfi^crung ber ©ccteute u. f. id., v. 13. 3uli 1887 § 88 3lbf. 1). Sie 9In=
[egung ber iülünbelgelbcr bei einer iniAnbifcftcn bffcntlidjen nnb obrigteitlid)
beftötiflten Sportaffc ift in Dielen ilynllfn, nnmcntlid) mcnn baS .^apital=
1114 aSormmibWaft über SDWnberi. anleautifl ber OTünbelßcIbcr. §1664.
Dcrmogcn beö 3HünbeIö nid^t erl^eblid^ ift unb üoraufiftd^tUd^ im Saufe ber
SSormunbfd^aft jum Qxotdt bcs Untcrl^altcd beö Sßünbclö naä) unb nadö auf*
gcbraudit roerben mu^, bie cinfad^fte unb bcqucmftc Sfrt bcr Anregung, xotläfc
crfjcblid^c S8ortf|cUe bietet, otjne onbererfeitö bie ©id^erl^eit ber SWünbelgelber
}u gcfälirben. ©ie überl^ebt ben SBormunb ber, namentlich auf bem Sanbe
unb in ben {(einen ©täbtcn, mit bem Stnfaufe unb bem nid^t feiten not^*
TOcnbig roerbenben Umfafte ber SBert^papierc perbunbenen SGBeiterungen unb
ber 9lotl^n)cnbigfeit, bie Slußloofung ber 5ßapiere f ortlauf enb ju fontrolircn,
n)Oiu ber SSormunb l^äufig gar nid^t im ©tanbe unb in ber Sage ift. ©ie
üerminbert femer bie mit bem SBefige t)on SGßert^papieren Derbunbenen ©e-
fafiren beö SSerlufteö berfelben unb gemährt bem SBormunbe bie ÜMöglid^feit,
bie (Selber ju jeber 3^^* in beliebigen Slaten ju ergeben. Diefen SBort^eilen
gegenüber fann barauf, ba§ bie SKnlegung ber (Selber bei einer ©parfaffe in
ber Siegel etmaö geringere S^n^en gerofifirt, als bie Slnlegtmg in SBcrtJ^papirrcn,
erhebliches ©emic^t nid^t gelegt werben. ®ie f|ier fraglid^e Seftimmung ift
aud^ nic^t etroa im ^inblicte auf bie 5lr. 4 beö § 1664 Slbf. 2. alö entbel^rlid^
ju eraddten, ba bie ©parfaRen, aud^ mcnn biefelben Don ©emeinben ober
anberen Rommunafoerbänben gehalten werben, im ^inblicfe auf ben 3"^^/
meldten fie verfolgen, nid^t ober bod^ nid&t burd^gängig ben Äarafter t)on
Ärebitinftitutcn ber ©emeinben ober ber anberen Äommunatoerbänbe l^aben
unb iebenfaUö bie felbftänbigen, üon ben fommunalen Äbrpcrfddaften nur
garantirten ©parlaffen nid^t unter bie SWr. 4 beö § 1664 faDen. j)aö S3e*
beuten, cö fei jmeifel^aft, ob bie öffentlid&en unb obrigfeitUd^ betätigten ©par*
faffen burd^gc^enbö in ©eutfd&lanb eine auöreic^nbe ©id&crl^eit bieten, fann
alö begrünbet nid^t anerfannt werben. 3)ie ^ragc, meiere ©parfaffen alö
öffenttid^ unb obrigfeiilid^ beftätigte ©parfaffen anjufel^en finb, entfd^eibet fid&
nac^ Sanbeöred^t. 6ö fann barauf oertraut werben, ba§ bie obrigfeitlid[|e
33eftätigung einer ©parfaffe nur bann erfolgen wirb, wenn bie ©id^erl^eit ber^
felbcn aufeer 3^ciH f*^^*-
Mnicflunfl 5. SBeber t)om ©tanbpunfte beö ^ntereffeö beö 9Wünbelö nod^ mit
'"ffimt**" SHüdffid&t auf bie allgemeinen ÄrebitbebörfniJle würbe cö angemeRen fein,
papieren. ^\^ Slnlcgung uon ÜJHinbelgelbem in anberen alö ben unter 9lr. 2—4 beö
§ 1664 9lbf. 2 bcjeid^neten aCBertfipapieren unbebingt auöjufd^licfeen. 3nö*
befonbcre fommen ^icr in Setrad^t bie ^Pfanbbriefe ber Derfc^iebencn RxchxU
inftitute, weld)e, wenn fie oft anä) rec^tlidd nur ein perfonlid&eö gorberungö-
rcd[)t gegenüber bem Ärebitinftitute begrünben, in Dielen göUen bod^ t^atfäc^lid)
eine ö^nlid^e Sid^cr^eit wie ©pejiall^Qpot^efen gewähren unb pd^ jur SÄnlcgung
Don SDlünbclgelbern burd^auö eignen. S)ie SBorauöfefeungen, unter welken
biefe unb anberc nid&t unter bie 9lr. 2—4 beö § 1664 3lbf. 2 faUenbe gSertl)*
papiere alö jur Slnlegung oon SRünbelgelbern geeignet anjufe^en finb, laufen
[x6) iebod^ burc^ eine allgemeine gefeftlid^e Seftimmung nid^t bejeid&nen; üiel*
mel^r mufe bie grage, ob ein nid&t unter bie 9lr. 2—4 fallenbeö SBertl^papier
fid& jur Slnlegung oon aWünbelgelbcrn eignet, fonfret geprüft unb entfd^ieben
werben. S)a bie einjelnen S3unbeöftaaten ben mafegebenben SBerl^ältniifen am
nädöftcn fteficn unb biefe om beften ju bcurtfieilen in ber Sage finb, fo liegt
eö nal)e, jene S3eftimmung, wennglcidö eö fld^ babei nid^t um eine groge
««■üai^
geprenbcn (Segenftanb be6 iUoimunt)f(^affsred)teä ^anbclt, bcn äanbeegefe^
flebungen ober ben SanbcBreßierungen ju überlofTen (uerul. tjeff. ®ef., betr. bic
StnUguiig cocmunbf^oftlicber unb pPegfiJaftlii^er (Selber u. (. ro., d. 18. 3uni
1887 3Irl. 2 9Ir. 5). 3)ofür läfet fi^ fernev geltenb madien, ba^ bic einjelncn
SSiinbeöftaaten ein beoc^tenBniert^eö ^itfi^ciTe baren Ijoben, bofe gemifyen in
i^ren Oebieten beftetjenben, gemcinnüfeige« Si^fdcn bienenben, ober nie^t unter
bie 9!r. 4 beft § 1664 foBenben ^nftttulen, fofcrn noc^ iljrem — DOtouflfitdtli^l
unpartetifdien — ecmcilen biefetben auärei^enbe ©id)er^eit bieten, bie aJlünbel*
gelber nii^t entzogen roerben. Wlein btcfen ©eficdtapunften fann entfd&eibenbefl
®cn)id)t ni^t beigemeilen roerben gegenüber ber Srroägung, bofe, nwnn man
bie Seftimmung barüber, in welchen onberen 5[8ertt)pQpieren, a[8 in ben unter
Str. 2—4 bea § 1664 bejeic^netcn, bic aintegunfl ber aKfmbelgelber foll erfolgen
tonnen, ben einjelnen Öunbesflooten überläßt, man bamit in einer proltift^
IierDorroflenb roii^tigen SDIaterie bce SBflrmunbf^oftärei^tes auf eine ein^citiii^c
Siegelung oeräli^tet unb ber große Uebelftanb entftefit, baß bie Sirage, in roeliien
fonftigen papieren bie Stnlegung ber äüünbelgelber erfolgen barf, je no^bem
eine SBormunbfcfiQft in bem einen ober in bem onberen Sunbeflftaate anhängig
ifi, nod) nerfcbtebenem Steinte ju beurtf)eilen fein roiirbe, ein Uebelftanb, roeldier
gonj befonbers ^eroortritt, roenn bic ört[i(I)e 3»ftänbigfeit ber Siormunbfi^aftft!
geriefte o^ne 9Iüdfid)t auf bie ©taatäange^örigFeit bed ^^iünbela ju bent be^
treffcnbeii SunbeSftaate, roeldiem bo« aSormunbfdtaftögeric^t ongeliört, geregelt
roerben foUte. 3)aju fomml, bafe on oerfctiicbenen onberen ©teUen beß (Sefe^
bi4tÄ (ucrgl. §§ 201, 1034, 1292, 1323, 1815) ouf bie Sßorfd&riften über bie
ainlegung oon SDIünbelgelbem »cnoiefen niirb (nergl. quc^ § 40 3lbf. 3 b. fH. ®ef.,
betr. bie Äronfenaerfiiimmg berSrbeiter, n. 15.3uni 1883; § 76 bcS Unfatt=
Merficöerungflgef. ». 6. 3uti 1884), in jenen iÖ^iebungen Dber auf eine ein^elüi^e
9iege[ung teineSfaHa Derii{5tet roerben barf. S"""^ '"6* ^^^^ eintieitli^ We*
flelung fii^ outft burtfi bie Seftimniung erreichen, boß bie in ber l}ier fraglidden
§inric[)t non bem einen ober onberen ©unbeflftoote erlaffenen iOorfi^riftcn nicf)t
nur für bie in biefem, fonbern au^ für bie in onberen Sunbeeftonten ans
gängigen Sßormunbfc^affen bei Entf^eibung ber grage, in roetcfien aBertb=
papieren bic ainlegung ber OTünbelgelber erfoigcn bürfc, ol« ipaßgcbenb ju
bctracf)len feien. Slllein eine fol^e ©eflimmnng mürbe, obgefeljen con ber
Slnomfltie, roetdie borin liegt, bog bie Sanbcagefe^c bcß einen Sunbesftootea
auc^ für bie in einem onberen SunbeSfloate an^ditgigen SJormunbfd&aften
maßgcbenb fein folfen, oon roirtfjf^aftli^em Stonbpunftc aus in f)of)em @rnbe
bebentlid) (ein. Unter biefen Umftäuben bleibt nur übrig, bie ^ier fi-aglicfic
Seftimmuug ber SReii^sfpeäiolgefeßgebung ober bem SBunbeSratfie ju überladen.
gür ben crftercn 9Beg fpric^t, baß eS fti^ um eine praftifd) fc^r roit^tigc,
jubcm in bic allgemeinen ScebitDcrljältniffe eingreifenbe Seftimmnng beS SSor*
mimbfdiaftsrec^tes l)anbe[!, roeld)e an ftd) nii^f Orgenftanb beä ißerorbnung«;
rechtes, (onbern ber ©efc^gcbung ift unb insbcfonbere auct) in ^rciißcn biätjer
einen ©cgenflanb ber (Scfeggebung gcbilbet IjQt. 9tiif ber nnbcrcn Seite fommt
icbpd) in 5'dracl)t, rui", ". < '. ■ ■ "[i':
fi'lbtii nmfigi-btnötn iiai/^.UiLJji lIju. JuHui üikIj iL'.i.iJjxiLnu jiiu>, iiuiifujci uiier
1116 SormimbWaft über SKlnbcrj. Stnlegunfl bcr SWunbcIflelbcr. §1665.
Slenberung bcbürfcn rocrbcn unb cö aus bicfem ©runbc nid^t jmcdEmä^ifl ift
locnn jebcö ÜWoI bcr fd^roerfäUigcrc unb weitläufigere SBcg ber ©cfeggebung
betreten werben müfete. ^uS) ift efi fad&Iici^ unbebenfiidj, bm ©rfofe bcr
SBorf^riften bem 93unbedratl^e ju überladen, ©erfelbe wirb bei ber 3[ufin)al^l
ber Sßcrtl^papiere auf bic SSerl^ältniffe in bcn einjclncn Sunbeßftaaten unb auf
bie bcadötenöwertl^en aBünfd^e unb Sntcreffen ber [enteren bic gebül^rcnbc
SRücffic&t nel^mcn.
ffla^i ber An. ß. gpgie bic ga^ung bcä § 1664 Slbf. 2 crgicbt, ift ber SBormunb in
leguitflsart. ^^^^^^^^ ^^^ ^^^ j^ § {^^^ g[bf. 2 jur SBa^I gcftcUtcu arten ber 3lnlegung
an eine beftimmtc SRcil^enfolgc nid^t gebunben.
Sn^obcr. 7. Sei ber äntegung ber 3BünbcIgcIbcr foU ber Sßormunb fclbft*
Tattoni!'' ücrftänblic^ ftctö im S«amcn bcö aWünbcIä t)anbeln. ®ie bcfonbere 9lrt ber
papiere. sinlcgung bringt ieboc^ Untcrfd^iebe mit fid^, loeld^c auf bic @in}ie[)ungö«
befugnig bed ^ormunbed von @inf[ug ftnb. @§ fann bie ©läubigerfd^aft
ftrcng an bie 5ßerf on beö 3BünbcIö gcfnüpft fein ; cö fann ferner ber 9DlünbcI
ixoav jum ©laubiger gemad^t, bem ©d&ulbner aber iuglcid^ bie Sefugnife ein*
geräumt rocrben, bur^ S^^hing an bcn Snl^abcr cineß Scgitimationöpapicrcß
fid^ ju befreien (§ 703), unb cnblid^ fann bic OKubigerfc^aft an bic Sn^
Labung einer ©c^ulbt)erfd&reibung gcfnüpft fein (§ 685). 3)ic SBorfd^riften
beö § 1664 befd^ränfen bcn SBormunb nic^t auf eine beftimmtc 3lntcgungßart
in biefer 3lid6tung, menn nur übcrliaupt in t)orgefd)ricbencr SBcife angelegt
mirb. (Segen bic ©efal^rcn, roel^c für bcn SKunbct aus ber Anlegung in
3nl)abcrpapieren ober gegen SluöfteUung Don fiegitimationöpapieren bcr oben
gebadjtcn 9lrt fid^ ergeben fönnten, fd^üfecn bie SSorfc^riften beß § 1666
9lbf. 2, beö § 1669 3lbf. 2 unb ber §§ 1670, 1671.
»ei »eßinn 8. Scfoubcvc SBorfd^riftcu barüber, wie ber SSormunb in Slnfctiung
^'m!^T f oW)cr Sapitalanfagcn ju ücrfa^ren ^at, nieldje ft* im SBcrmogcn beß SKünbcte
^anbeneÄopu bercitß üorftnbcn unb nid^t bic Dorgefd&riebcne eid&erl^cit gemäl^rcn (oergf.
*""'"• j. 58. preufe. 21. S. SR. II, 18 §§ 455 ff.; Ijamb. SBorm. D. 9lrt. 46; meimar.
Ocf. ü. 16. 3uli 1881 § 4; ^cff. ®ef., betr. bic 3lnlegung üormunbfdjaftüc^er
(Selber u. f. ro., v. 18. Suni 1887 3lrt. 4), l)at bcr ©ntmurf nid&t auf*
genommen, bat)on außge()enb, bag cß ri^tigcr ift, cß bem SSormunbc ju über*
laffen, mic er nad^ bcn Umftänbcn beß einjelnen gallcß alß guter ^außDater
glaubt Ijanbcln }u muffen. @ß ift unmöglich, bem ^ormunbc ol^ne SBeitcred
bcn Umfag fämmtlid^er SBert^papicre in pupillarifd^ [\(t)m Rapiere por«
iuf d^reibcn ; cß mürben bamit oft crl^cbUd&c (Sinnafimc^ ober SScrmögcnßoerluftc
Dcrbunbcn fein. S)a6 er befonberß unfi^ere 5ßapierc, foroeit cß ol^ne grofec
?lad)tl)eile gefd^el^en fann, umjufe^cn bemüht fein mufe, fo[gt auß allgemeinen
(Srunbfägcn (% 1696), ebenfo ba6 er unjid^crc ^riüat^qpot^cfcn regelmäßig
}u fünbigeu I)at; inbe^en mirb au^ in biefer ^inftd^t Slllcß nad^ bcn befonberen
Umftänbcn fid^ rid^ten muffen.
§ 1G65.
«sorüber« 2)cr § 1665 bcimcdt, bem SSormunbc jur $f{id^t ju ma^cn, bie im
^^^^unT' § ^^^^ ^^^* ^ bcäci^nctcn ®clber menigftcnß oorübergcl^cnb ju belegen, mcnn
eine bauernbe 3lnlagc nadd ^^" obmaltcnbcn Umftänbcn nid^t in bcr im § 1664
»erriÄierunfl ber SKrbeitet, d. 15. ^uni 1883 § 40 äbf. 4; UnfotlBetrKfeermtflflgef.
0. 6. 3iili 1884 § 76 «bf. 2). ©egenübcr bct preufe. Sßorm. 0. enllwlt bev
§ 1665 tnfofem eine &rmeiteruiig, als er bie SBelegung nidit nur bei ber
:)lei^ebQnf, fonbcm aui$ bei ben anbercn im § 1665 nä^er bejeii^nelen Sanfen,
(oroie bei einer Bffentliiicn ^intcrlegungaftcUc gcftottet, fofern biefcr bie 5Äns
na^mc füld)er (Selber lanbcStjcfeBtic^ neftattet ift (§ 280). ffiiefe errociterung
ip einerfetta »om ©tanbimnCtc bcB 3ntcreRca bes 9)Iünbeifl aus unbebenfliift,
anbererfeitfi mit Slüdfic^t auf bie in ben einzelnen Sunbedftaaten beftcEienben,
bem ^ier fraglichen ^medc bienenben ßinric^tungen angemeffen. 2)ie preug.
ajonn. D. § 39 Slbf. 2 erroäbnt neben ber 3ieiii)8banf Bffentüd&e, obrigteitlic^
beftätigte Sparfaffen. gür ben (Sntniurf fommen bie legteren megcn ber !Bes
ftimmung im § 1664 3Ibf. 2 31r. 5 tiier ni^t in a3dra(f|t.
2)nfi prenfe. Siedet fcbricb für ^er^ältniffc ber i)kt in 5Rebe fietienben
9(rt bie gEridjlli^e Seponirunfi ber (Selber Dor (oernt, preufe. 91. 9. 9t. II, 18
§§ 422, 454). Somit [)ing bie biiri^ bie 2)eporitalorbn. o. 15. September
1783 gtregcHc gericfitiidic SepofilalDfrroQltnng jii[nmmcn, roelcbc iebod), mcit
für bicfclbe nat^ ben 93erl)älfniffen ber Oegenroart ein Sebürfnift nit^t mef)r
bcftaub unb fte äubem mit einer nncrträglid)cn Öeläftigung für bie ®crid)tc unb
aüä) mit fonftigen Uebelftönben ocrbunbcn mar, burd) bie pceiig. %orm. O.
beteiligt ifl (oergt. Sßoiioe gu ber preufe. Sorm. O. S. 93, 95). Som Stonbj
punfte bcs (Sntronrfca auö, nie[ci)er auf bem ^rinjipe ber <Sc(bftfinbigfeit beö
93ormunbefl berul)t, fann eine SBieberberftellung be« filteren preufe. S^ftcmee
in biefet Sichtung nii^t in ^agc tommcn. 3n8bcfonbere ift bie« auäi im
Sntcreffe ber Si^erbeit be« 3)lünbe[8 nlcfet geboten, ba bie im § 1665 bc=
jeidincten ^nftitute auörcic^eiibe Sit^crbeit gercätjrcn.
(Segen bie ®efül)rcn, rocli^e für ben 51IünbeI aus einer Belegung bei
ben im § 1665 bcj^cidincten ^nflituten gegen SluS^änbigung üon 3in[)Qbers
papieren ober SegilimationSpapicrcn (§ 703) Tni) ergeben Ifinnten, fcfiüBen bie
aSorfc&riftcn br« § 1666 äfaf. 2 ocrb. mit § 1669 Sbf. 2 (»ergl. aHotioe ju
§ 1664 oben S. 1116).
§ 1666.
3;ie an bie preufe. aSorm. D. § 39 SHbf. l oerb. mit g 46 fii^ on= TOii»ii[""«
f^Iiefernbe Sßorfrfjrifl bea § 1666 Sbf. 1 eafi 1 Ijat nur ben flarafter einer ,%S.
Crbnnngeoorftiirift. Sie SBirffamfcit ber bur(§ ben aSormunb erfolgten Mn^
legung ber (Selber »on ber ®cnef)migung befl ©egenoormunbes ober bes Sßor=
munbfi^aftflgeric^tcs ober ftete eon ber (Senebmigung befi [enteren abhängig
%\x. «iQii)en (»ergl. §2 0.®. Inst. quib. aliea. 2, s; prcu&. 21. 2. JH. II, 18
§§471,479; braunfdiro. aSerorbn, ». 3. ^bruar 1814 § 50 nerb. mit bem
braunfcfiro. Oef. v. 8. gebruar 1883 § 1), ift alß beb«nKi(^ era^tet. ^mav
lägt ft(^ bafür anffiljren, bog baburt^ bie iiorf<^rift8mä6ige Anlegung ber
aßünbelgelber nac^ 2Rafigabe be« § 1664 in ^B^erem ^a^e geriiftert
loetbe unb insbefonbere ba& @rforbemig ber @enet|migung be« 9}ormunbf4)aftes
1118 Sormunbfc^aft üBcc SWtnbcri. Slnlcöung ber SWunbelgelbcr. §1666.
flcrid^ted eine größere ©eroäfir bafür biete, bafe nid^t bei ber ^[nfegunfl burd^
ben SSormunb bie ^üttbigung ju iDeit ^inaudgefd^oben unb baburd^ ba& Sto^itaU
üermögen beö SKünbels feftgelegt werbe. Snbeifen finb bie anbererfeitfi mit
einer berartigen, bie SEBirffamfeit ber Anlegung t)on ber ®ene^migung beft
©egenoormunbeö ober beö aSormunbfd^aftsgerid^teö ober t)on ber ©enel^mi*
gung bed (enteren allein abl^öngig ntad^cnben ^eftimmung für ben äßünbel
oerbunbenen Ocfal^ren größer, alö bie von berfelben ju erroartenben SBort^eite.
SBirb bie Oenel^migung ju ber erfolgten 2lnlegung nad^träglid^ üerroeigert, fo
fann jroar ber 3Wünbel baö Oeleiftetc fofort im SBege ber Äonbiftion jurüdE*
f orbern; anbercrfeitö fommt aber in Setrad^t, bafe bicfer Ronbiftionöanfprud^
ber binglid&en ©ic^erl^eit burd^ bie befteHte ^qpot^ef entbel^rt. Unter bicfen
Umftänben üerbient eö ben SSorjug, in ber l^ier fraglid^en SSciieJ^ung ber
preufe. SBorm. D. ju folgen. S)aö im § 1666 Sttf. 1 oorgcfd^riebenc S^föw^
menroirfen beö SSormunbeö unb beö ©egenoormunbefi unb bie SBerantroort^
lid^feit bciber (§ 1696) bietet in ber großen 3ße^rja^I ber gälte für ben
SKünbel auöreid^enbe (Sarantieen, bafe bie SKnIegung nid&t in einer bie Snter-
cffen beö Ic|teren gefäl^rbenben SBeife erfolgen mirb. Slel^nlid^e ®rroägungen,
wie bie uorftei^cnben, fpred^en aud& bagcgen, bie SBirffamfeit ber bem 3lnlage*
gefd^äfte felbft t)orl^crgel^enben obligatorifd^en, auf bie Sluöleiliung von ©clbern,
fowie auf ben Srmerb tjon SBert^papieren unb üon bcftel^cnben ^gpot^efen
ober ©runbfd^utben gerid^teten 9le(^tögef(^äfte t)on ber Oenei^migung beö SBor*
munbfd^aftögerid^teö abl^öngig ju mad^en. Slud^ von bem ©efid^töpunfte aud
ift bie 3lufnal^me einer berartigen Seftimmung burd^ ein Sebürfnife nid^t
geboten, bafe biefelbe baju beitragen werbe, ben SSormunb an ©pcfulationen
mit bem aRünbeloermogen ju üerl^inbem. ®ie ©efa^r, ba^ ber SBormunb
für 9led^nung beö SKünbelö auf ©pefutationögefd^äfte fid^ einladen werbe,
liegt fe^r fern. ®egen böfen aCBiUcn beö SBormunbeö vermag in biefer
^infic^t aud^ bie bejeid^nete Seftimmung ben ÜRünbel ni^t ju fd&üften,
ba ber Sßormunb, wenn er will, eö in ber ^anb f)at, bnv6) ©efd&afte
anberer SKrt ju fpefuliren. S^^i^^w^ ift ^^^^ fötd^e S3eftimmung bem geftenben
SHed^te fremb.
Um fd^ärfer jum 3luöbrudEe ju bringen, ba^, wenn einmal nad^ SWafe*
gäbe beö § 1647 ein Oegenoormunb befteUt worben, berfelbe aber fpäter, j. SB.
in golge S^obeö, weggefallen unb ein neuer ®egent)ormunb nod^ nid&t befteHt,
ber (Srunb für bie SefteHung eineö fold^en aud^ nid^t weggefallen ift, bie jinö*
bare Slnlegung oon ©eiten beö SBormunbeö nid^t e^er erfolgen foK, alö biö
ein anberer ©egenoormunb befteUt ift unb biefer feine (Senel^migung ert^cilt
Ijat, bebient ber ©ntwurf im § 1666 SIbf. 1 ©aft 1 [xä) ber SBorte „wenn
ein ©cgenoormunb befteUt worben ift" (oergt. aud^ §§ 1679, 1687 3[bf. 6),
löäl^renb er in foId(ien gäHen, in weld^en eö nur barauf antommt, ob gegen«
wärtig ein Oegenoormunb üor^anben ift, ben SÄuöbrudf gebrandet „wenn ein
©egenoormunb oorlianben ift" (oergL j. 93. § 1659).
(srfetungber Xit SSorfd^rift beö § 1666 9lbf. 1 ©afe 2 bejwedt, für ben gaU, wenn ber
trt Ce^ aSormunb nac^ aJla&gabe beö § 1664 in einer beftimmten Slrt bie ÜRünbetgelbcr
Dormunbe«. anlegen will, baö erforberlid(ie ©inücrftänbnife beö (Segenoormunbeö aber ni^t
JU erlangen ift, bem aSormunbc im 3ntereffe einer angemeffcnen 58ermogenö«
einer inlfinbift^en Bffentlid)eii unb obrigCeitlid) befiätigtm Spartaffe au^ o(inc
bie Ocne^mtgung befl ©eflcnoormunbefl bouetnb anleflcn borf (§ 1660 9Ibf. 2
oergUti&en mit § 1664 äbf. 2 Sftr. 5), reicht nic(|t au«, bn in oieten güUcn eine
bouexnbe Einlage bei einer Sportoffe im ^inblide auf bcn geringeren 3'"ff"=
genug ober aufl fonftigen ©rünben fii^ nic^t als bie geeignetfte Anlage er:
weifen roiib. S^eifel^aft tann ea oUerbingS fein, ob nicbt bie ausbrüdlidie
aSorf^rift bc« § 1666 9lbf. 1 Sag 2 im ^inblitfc ouf bie ©eftimmung befl
§ 1669 W}\. 3, nad) melier fogar in ben gätten beS § 1669 bie juc ^irfs
famfeit bc8 Mtc^tßgefdiÖftefi erforberlit^e ©ene^migung bes ©egenoormunbe«
burd^ bie Genehmigung btä aSormunbfi^aftögcriditeA erfegt merben tann, fotoie
im ©inbliie botauf, bafe bie in ben gäflen beß § 1664 erforberlic^e Oenelimi!
gung beö ©egenöormunbe« fii^ nur a£s ein äusPufe feine« atuffid^tSre^te«
barfteUt, ald felbftoerftänbli^ unb bestia!b als eutbetirü^ ju erachten iß, gumal
aviif bie preuß- aSorm. D. eine berortige ouebrütflic^e Sßorfdjrift ni(^t auf*
genommen ^ot. 3m 3ntereffe ber Seutlid&teit beB Oefegca unb mit ^üctfic^t
borauf, bog bafl ©c&meigen bec pceu§. aSorm. D. in btefer ©ejie^ung ju
Streitfragen gefütirt ^at, ift eS jebot^ ratlifamer, bie Sßorft^rift aufjunelimen.
aiufl § 1679 ergiebt [i^ übrigens, bog au^ in bem ^Ue bes § 1666
Sbf. 1 ©aß 2 bas aSormunbfcfiaftagettdit nor feiner ©ntfc^eibung ben ©egen^
Dormunb ^ören foD. '
^ennglei^ bei 37teinungsbtfferen)en irotfc^en bem iQormunbe unb bem <
©cgenoormunbe über bie Slrt ber jinflboten Stntegung bet 3)lünbelge(bet nacd IX)!!Iflt t«"
§ 1666 9lbf. 1 ber Sßormnnb ben Erfaß bet fef)Ienben Genehmigung beS Segens »B«*nii.
DormunbeS buri^ 91o^fu(^ung bec ®enel)migung bea aSormunbfcfeoftSgcri^tcs '""''
^erbeifütiren tann, fo mug hoä} bafür geforgt merben, bag bei iQormunb bie
©eiber in ber Sro'f^enicit o^ne bie Genehmigung bes ©egenootmunbea onlegen
fann. SSoDte man ben IGormunb in einem folgen ^alle bloa auf bcn SSeg
befl § 1665 Detroeifen, fo ergiebt fi(^ ber Uebelftanb, bag bie ©eiber nottöufig
mSglli^erroeife unoetjinslidi ober ju un»er^ä[tnifemä6ig niebrigcn 3itifen belegt
nierben muffen. Um biefen Uebelftanb ju »ermeiben, befttmmt ber (Sntroucf,
ba§ eß ni^t nur ju einer unter bie Seftimmung be« § 1665, fonbern au^
gu eimr unter bie Seftimmung be« § 1664 3lv, 5 faUcnben ainlegung, b. i. jur
^Anlegung bei einer inlänbift^en unb obrigfeitli^ beftätigten Spartaffe, ber
Genehmigung bea ©egenvormunbea nic^t bebarf, obmolil ber Sntmucf bie 9Ins
legung bei einer folgen Sportaffe nirfit btos oorübecge^enb, fonbern bauemb
geftattet. 3m prattlfc^en SRefuHate ftimmt in biefer §infid|t au^ bie preufe.
SÖorm. O. § 39 atbf. 2 mit bem entrourfe überein.
S)er SBormunb foU aber na^ § 1666 2Ibf. 2, »orbe^altlitl ber Im ©efeße ■" i« »«•
beftimmten Kuftnatimen (§§ 1690, 1733), eine unter bie 33orf(%riften bea § 1664 m^2X
3Ibf. 2 Sdr. 5 unb befl § 1665 follenbe Anlegung nur mit ber Seftimmung *« *"«-
beitiirfen^ ha% jur ©ctiebung ber ©eiber bie Genehmigung bes ©egenDocmunbcs "'*"'"'^
ober bea aSormunbfdiaftageric^tea (§ 1669) erforberlifi^ ift. aSüre ca in ben
^ier fraalit^en göKen bem aSormutibe geftattet, bie Gelber bei Spartaffen unb
ben vm § 1665 bejelc^neten 3nftituten gegen *Beirabfolgung non 3nUberpapieren
1 1 20 SScrmunbf*. ütct mnttxi. anlegung bcr aRünbcIocfter. §§ 1667, 1668.
ober ScgitiinotionÄpapicren bcr im § 703 bcjeid^nctcn Slrt onjutcgcn, fo toürbe
n, ba bie Sr^ebungdbefugnig bed äSormunbeß atebonn nii)t naä) ben SSor-
fd&riftcn über feine ScfugiüRe ate Sßormunb, fonbern md) ben ^orfc^riftcn
über bic 3n](iaberpapicre unb Segitimationöpapicre fid^ rid^ten loürbc, bie nad)
§ 1669 (ocrgl. ttuc§ § 1671) prinjipiett i^m Derfagte freie »efugniß jur ®im
jicljung burc^ bie SKrt bcr Anlegung fid^ oei-fd^affcn tonnen (oergf. Sßotioe ju
§ 1669).
§ 1667.
Mnberroeite S)ie t)on bcr prcufe. Sßorm. 0. § 39 (ücrgf. Scridjt bcr ^crrcnljauös
i?ö!nebmu 'ommiffion 6. 53) abrocid^enbc, aber bem in üerfti^iebencn anberen SBed^te^
mit
flunflbe«»or* gebieten gcttcnben Siedete (ocrgl. fäd^f. proüif. ©er. D. § 57; roürttcmb. (Sef.
Te"Ä«"* ^- 28. SRooembcr 1833 STrt. 3; braunfd^ro. (Scf. v. 8. gebruar 1883 § 1;
brem. SBorm. D. § 61 unb brem. ®ef. o. 15. anörj 1887 ; IJiamb. SSorm. D.
airt. 45; bapr. (Sntn). 3Irt. 66, 73 nebft 3Kotiüen ©. 80; J^eff. ©ntro. IV
Slrt. 58 ; l^cff. (Sef ., betr. bie ^Anlegung oormunbfd^aftUc^cr unb pffegfc^aftlid^er
©clber u. f. ro., o. 18. 3uni 1887 ärt 3) fid^ aufd^Uefeenbe 58orfd^rift be«
§ 1667 ift namcntüd^ für fo[d^e gäHe t)on 5Bcrtt|, in roeld^en bcr SKünbcI,
j. 93. in golgc einer ©rbfd^aft, Äapitalocrmogcn in auötänbifc^cn aCBcrt^cn
befigt unb im 3wfontmenf|angc mit biefcm 33cfige jum S^t^e bcr SBcrmcibung
fonft bT^)l)cnber großer SScrtuflc bie roeitcre ^Anlegung oon SKünbelgcIbcrn in
fold&cn 2Bcrtl)cn, fei cä burd^ Sluöübung eines Scjugörcd^teö, fei eö burd^ 3la^
jot|Iungen, crforberlid^ roirb, ober in TOcId^cn cß fxä) barum l^anbelt, bem SBotcr
ober bcr SKutter bcö 2)Jünbe(ö burd^ bic ^ingobc eincfi 3)arlet|en8 gegen ^r)^
pottjcf ben Scfife eincö im Sluölanbc belegenen (Srunbftüdfcö ju crtjcltcn, loenn
burd) bic ®rl^altung biefcö Sefigcö bic ©ubfiftcnj bcr gamilie unb beö 3ßünbeld
fclbft bebingt ift. S)a oud^ in ben gällcn bcö § 1667 immer eine fidlere 9ln*
legung bcr SDiünbcIgelbcr ooraußgefefet mirb unb ba& 93ormunbfc6oftögerid^t
rocgen feiner (Scnetimigung oerantroortlid^ ift (§ 1702), fo fte^t bcr SBcftimmung
beö § 1667 auc§ oom ©toubpuntte bcr ©id^cr^eit bcö 9Künbe(ö auö ein be^
grünbeteß Sebenfen nid&t entgegen.
§ 1668.
hauchen ®^^ Seftimmung bcö § 1668 ©ag 1 in SBerbinbung mit bem § 1669
«Sng 2lbf. 2 ©afi 1 bejrocdft, bem SBormunbe in bcr Belegung unb ®r^ebung bcr
^Ä« * ^^ § ^^^® ®^& ^ bcjcic^nctcn ®elber, b. 1^. berienigen ®elber, auf weld^e bic
SBorfd^riften bcr §§ 1664—1667 fid^ nid^t bcjielicn, freie §anb ju laffcn. 3)en
aSormunb in 3lnfel)ung bcr aBiebercr^cbung biefer ©eiber bcr regelmäßigen
Sefd^ränlung bcö § 1669 ju unlermerfen, empfiehlt fid^ nid^t ®ine folc^e
Sefd^ränfung würbe l|ier rocgen beö Sebürfniffcö micbcrldolter ©r^ebungen oon
fleinen ^ßoften oon bem SSormunbc, mie oon bem ©d^ulbner läftig empfunben
mcrben. 3lud6 bic preu§. SBorm. D. § 41 5Rr. 2 cntptt in S^nfel^ung bcr ^icr
fraglid^en ©ctbcr feine Scfd^ränlung beö SSormunbeö.
Xxc aSorfd&rift beö § 1668 ©afe 2 in SBcrbinbung mit bcr aSotfd&rift
beö § 1668 ©aß 1 bringt im Sntcreffe bcr S)eutlid^fcit beö ©efcftcö ferner
'*-
jum 3ludbru(fc, bofe bic SBcftimmung barübcr, in tocld^cr 3lrt für bic fid^crc
SBclcßung ber im § 1668 ©afe 1 bcjeiti&nctcn ©clbcr ju forgen fei unb ob
tinb in rocld^er 9lrt etwa aud^ eine Dorübcrßcl&cnbc Belegung bicfcr (Selber,
j. 33. in ber gorm cinefi Äontofurrentoerfel^red mit einem juoerläffigen
SBonfier, erfolgen fotle, bcm pflid^tmäfeigen ©rmcffen be« SBormunbeö überladen
bleibt unb bejfen aSerantroortUti&feit in biefer Sejic^ung fid^ na6) ben allgemeinen
©runbföfcen über bie Sßerantroortlid&feit befi JBormunbeö (§ 1696) richtet. Sluf
bemfetben ©tanbpnnfte ftcl^t bie preufe. SBorm. D., wenngleich bicfeCbe eö nid^t
audbrüdlid^ ondfprid^t.
§ 1669.
I. ®er ©runbfoft, ba§ bie JBertretnngömttd&t beö SBormnnbeö eine um «wfügunfl
befd^ränfte ift (§ 1649 nebft ÜKotiüen ©. 1084), erleibet bur^ bie »cftimmungen «„f^J^e be»
beö § 1669 in 9lnfel^ung ber bem 3Künbel juftel^enben 2lnfprü^c eine meit^ swünbei«.
greifenbe aiußnal^mc. Slud^ nad^ bem geltenben SHe^tc ift bie aSertretungsmac^t «citenbe»
bcö aSormunbeö in ben ](|icr fraglid^en SRid^tungen balb me^r balb weniger ^***'
gemiflen SBefd^ränfungen untermorfen. Snßbefonbere l^aben nad^ bem Sor*
gange beö gemeinen Stentes (1. 25 Cod. de admin. tut 5, s? ; § 2 Inst quib. alienare
2, «) aud& neuere ©efefte oielfac^ bie SBirtfomfeit ber Slnnoi^me uon 3a^lungen
burd& ben aSormunb, foroeit e& fi^ um bie ©r^ebung befi ©tammefi einer
gorberung l^anbelt, t)on ber (Senel^migung befi aSormunbfddaftfigerid^tefi ab*
l^ängig gemad^t (oergl. preufe. 21.2.91. II, 18 §§ 499, 500; öfterr. ©.».
§ 234; fäd^f. ®. 33. § 1038; meimar. ®ef. v. 27. 2Kärj 1872 § 52 5«r. 5).
Db nad^ gemeinem SRed^te aud^ bie Abtretung einer bem aJlünbel jufte^enben
Äapitalforberung ber (Senel^migung befi SBormunbfddaftfigeric^tcfi bcborf, ift
beftritten; bod6 mirb biefi üon 2;i^corie unb ^ßrajifi Dorioiegenb angenommen
(pcrgl. entfd^. b. 31. ®. in ©bUf. XII, 34, XVI, 24). SKuf bemfelben Söoben
[teilen aud& t)erf d^iebene neuere ©efefte (oergl. öfterr. ® . 33. § 233 ; fäd^f. ®. 33.
§§ 1941, 1946; meimar. ®ef. t). 27. aßärj 1872 § 52 5lr. 6; ^eff. ©ntm. IV '
Sttrt. 78 ; haxjx. ©ntn). 2lrt. 78 3lr. 3). 3um Sl^eil fe^cn inbeRcn bie aru
gefül^rten ©efefec, foüiel bic Slnnal^me oon 3öi&Iungen unb bie 3lbtretung oon
gorberungen betrifft, für geringere gorberungen t)on bem erforberniffe ber
©enel^migung befi ^Bormunbfd^aftfigerid^tefi ab (oergl. fäd^f. ®. 33. §§ 1946,
1938; roeimar. ®ef. o. 27. SDlärj 1872 § 52 3tr. 5, 6). ©agegen ift na^
fronj. 3led()tc bem 58ormunbe bie ©injie^ung unb SIbtretung ber bem ÖJIünbel
jufte^enbcn SDIobiliarforberungen felbftänbig überladen. 9lud^ bie brcm.
aSorm. D. § 48 unb ©erfd^iebene bai)r. Statuten fiaben bie Sßerfügung befi
33ormunbeö in 2lnfe](iung ber bem SWünbel juftel&enben gorberungen einer
SBefd&ränhing nid^t untermorfen (rergl. femer, fot)iel bic SUnna^me oon
Ballungen betrifft, l^amb. SBorm. D. Slrt. 48; bat)r. entm. Slrt 79). ©inen
üTiittcImeg l^at bie preufe. SSorm. D. §§ 41, 46 eingefd^Iagen. 9iad^ biefer
bcbarf efi ber ©enci^migung befi ®egem)ormunbefi jur SBcräulerung von SBertl)«
papieren, ferner jur ©injiel^ung, Slbtrctung ober SBerpfänbung t)on Äopitalien,
fofcrn bie lefcteren nid^t bei ©parfaRen belegt finb. S)ic ©cnel^migung bc&
©cgenoormunbefi fann burd) bic ®enel^migung befi 33ormunbfd^aftfigeric^tefi
crfcßt werben.
aXottoc t. bOrgerL aefc|bu<(. lY. 71
11Z£ =üotmunD|tv. UDCt'^cinoeri. V2;eneijmiguny oe» vs/eöenoüniiuriDCü. ^iüdi?.
«tanbpunft 3)ie 3lrt unb 5lBcife, lüic ber Umfang ber Sßcrtretungßmad^t bcö SJor-
«ntourfeB. tTtuubcö Iti 9lnfc^ung ber aSerfügung über bie bcm SKünbct juftcfjenben 3In5
fprüd^e, namcntli^ in 3lnfcf|ung ber eiujic^ung ber gorberungcn, geregelt
Toirb, ift einerfeitä für bie ©id^crtieit beö SKünbete, anbererfeitö für ben
aSerfel^r, für bie SSe^töftcHung beö Sd^ulbnerö, oon befonbcrß groger 93e*
beutung. S)a§ ©trcben nad) größerer ©id^erl^eit beö ÜRünbelö ift bie
Stellung beö ©d&ulbncrö, auf iüeld)e bie ^icr einfd^lagenben Seftimmungen,
unabhängig x»on bem 3BiUen beöfelben, einroirten, leidet ju gefäl^rben geeignet.
Sic SHüdEfic^t auf ben Sd^ulbner perbietet eä namentlid^, bie befreienbc
SBirfung x>o\x Seiftungen irgenb melier 9Irt, roetd^e burdd ben ©c^ulbner an
ben SJJünbel ju beroirfen fmb, im 3ntcreffc größerer Sicherung bed Ic^teren
gegen SSeruntreuungen beß SBormunbeö baran ju fnüpfen, baß bie Seiftung
an eine öffentliche ^intcrlegungöfteHe gefd^elje, ganj abgefe^en oon ben mit
einer fold^en Siegelung oerbunbenen ftoften unb fonftigen praftifd^cn Um
juträglid^feitcn. Slüdfic^ten prattifc^er Srocdmäfeigfeit, insbefonberc bie diM-
fid^t auf bie S3equemlid&feit ber 93et^eiligten unb auf bie aScrminbcrung ber
(Scfd&äftötaft ber Oerid^le fpred^en ferner bagegcn, bie SBirtfamteit ber ^ier
fraglichen ©efc^äfte, meldte bei einer aSermögendoermaltung Ijäufiger vov^vLf
fommen pflegen, ftets t)on ber Oenel^migung beö ^ormunbfd^,aft8gerid&ted
öene^mißimg a6l|ängig JU mad^en. 3m ^ntereffe ber ©i^er^eit beö SRünbefe ift eö oiefc
»wmurtbS tnel^r regelmäßig als genügenb ju erad^ten, meitn ber 5Bormunb bei $Bornal)me
ber l^ier in SHebe ftel^enben ©efd^äftc an bie (Genehmigung beö Oegcn*
Dormunbeö gebunben (oergL § 1682) unb nur bann bie Oene^migung beö
beaw.beö«or*SBormunbfd&aftögeric^teö für erforberlic^ ertlärt mirb, menn ein ©egen*
"aertl^te«*' t)ormunb nic^t beftellt ift. S)urdö baö ©rforberniß ber ©cne^migung beö
(Segenoormunöeö wirb ber le^tere in ben ©tanb gefegt, ba^ weitere orbnungö*
mäßige aSerfal^ren beö 93ormunbeö ju beauffid^tigen unb, mcnu Sebenfen pd&
ergeben foUten, bie nöt^igen Sd^ritte ju tl^un, um bie Oefä^rbung beö
SRünbelö abjuroeifiren , inöbefonbere bur^ Slnjeige an baö 93ormunbfd&aftö«
geriet (§ 1654). ®ie ©efaljr, baß ber ®egent)ormunb im (Sinoerftänbnijfc
mit bem SSormunbe einer Untreue fid^ fd^ulbig mad^t, liegt fe^r fern. 3"
bead^ten ift baneben, baß bem 3Jormunbfd&aftögeri^te burd^ bie S3eftimmungen
über bie aSerpfti^tung beö SSormunbeö, bem SBormnubfc^aftögerid^te jä^rlic^
über bie 3Jern)oltung beö aWünbeloermögenö Sled^nung ju legen (§§ 1687,
1688), bie 3Äögtid^feit gemalert mirb, bei (Setegenl^eit ber Prüfung ber
SRec^nung fic§ bat)on ju überjcugen, ba^ ber 33ormunb inöbefonbere aud^ in
3lnfel^ung ber 9lnlegung ber SWünbelgelber bie il^m obliegenben ^flic^tcn
erfüllt l^at. ®ö oerftel^t ft^ oon felbft, baß ba^ SBormunbfc^aftögerid^t and)
nad) biefer 9lid&tung ^in bie fad^lid&e 5ßrüfung ber SRe^nung ju erftrcdfen l^at.
©in 33ebürfniß, burd^ eine befonbere S3eftimmung 58orforge ju treffen, baß
ba^ aSormuubfd^aftögeri^t mit Slüctfid^t auf ba& bemfelben juftelienbe ftänbige
aiuffid^törcd^t (§ 1684) in allen gällen, in meieren ber ®egent)ormunb bcm
aSormunbe bie erforberli^c (Senc^migung namentlich jur STnnal^mc einer
Seiftung ertfieilt f|at, burcf) ben ©egenoormunb fofort oon bem ©tanbc ber
3)inge in ber Ijier fraglichen Sejic^ung in Äcnntniß gefegt wirb, um auc^
feinerfeitö bie shöglicbfeit ju tiaben, barauf einjuroirfen, ba^ bie Slntegung
aSonnimbidb. übcr^JJJinbcrj. ©encßmigungbcßOcöcnöormunbeö. §1669. 1123
ier 3BunbcIgeIbcr o^nc aScvjogcning Dorfd&riftömäfeio erfolgt, liegt im ^inblicfc
<juf bic bem ®egcnt)ormunbc allgemein oblicgenbe 33erpfli(^tung, etwaige
Ißflid&troibrigfcitcn beö 35ormunbcö bem 93ormunbf^aftögerid^te untjcrjüglid^
-aujujeigcn (§ 1654), foroic im ^inblicfc auf bic bem SBonnunbfd^aftögcric^te
r\a6) % 1686 jufte^enbe SSefuguig, audd ot)ne eine fold^c Sluseigc fraft feincö
tttuffi^törei^ted von bem SBormunbe 9luöfunft ju ocrlangeu, nid^t vov,
Ueberbicö ift eine bcfonbcre SJorfd^rift ber beäeid^neten 2lrt, Eingefeuert auf
bie bamit oerbunbene erljö^te 93erantn)ort(i(i^feit beö ©egenoormunbeö unb
beö 33ormunbfci^aftögerid^teö, foroie auf bie baburd^ I)erbcigefül)rte 33ermet)vung
ber ®cf^äftc ber SBormunbfd^aftfigcrid^te bebenflid^.
5Kte bebcnflid^ ift cß aud^ eradfitet, ben ©egenoormunb burd^ eine be^
-fonbcre Seftimmung anjuroeifen, für ben galt, wenn (Selber anjunel^men fmb,
lüel^e nad^ ben SSorfd^riften beö § 1664 angelegt werben f ollen, bie Oe^
iiel^migung jur Stnnafime nur bann ju crtl^cilen, wenn bie Slnlcgung gefid&ert
toirb. S)urd^ eine berartige S3eftimmung mürbe baö Oefcg STnforberungen an
ben ©cgenoormunb ftellen, meldten berfelbe nur bann einigermaßen mürbe nad^«
fommen fönnen, mcnn i^m bie ©tellung eines SRitoormunbeö eingeräumt
Tt)ürbe unb er fid) bemgemäß in bie aJlitin^abung ber (Selber bejm. ber SBcrtl^*
:papierc fegen fönnte. (Sine fo((^e Stellung mürbe aber mit ber ©igcnfd^aft
beö ©egenoormunbeö alö eines 3tuffid^töorganeö nid^t im 6inf(ange ftellen.
■©ö genügt, baß ber (Segenoormunb in golge beö ®rforberniffeö feiner (Se«
itetimigung Äenntnife erhält, roenn bem SBormunbe ©eiber ober SBcrt^papiere
geiciftet werben. Ob ein SWifetrauen in baö tünftige rcbUd^e 3Scrfal^ren beö
IBormunbeö für ben ©egenoormunb einen gcnügenbcn ©runb abgiebt, feine
<Senel)migung jurüdfjul^alten, fann nur nad^ ben befonbercn Umftfinben beö
einjelnen galleö beurtt)ei(t werben.
3m einjelnen ift ju ben 93eftimmungen beö § 1669 nod^ gotgenbeö ju
temerf en :
1. SBie bereits oben ©. 1121 erwäl^nt würbe, verlangt bie preufe. SSorm. D. «"»t«"« *>«f
*§ 41 bie ©enc^migung beö ©cgcnoormunbeö außer jur SSeräußerung üon bim ®^JI?
tBertlipapieren jur 6injiel)ung, STbtretung ober 33erpfänbung von Kapitalien, t*««*^««««^'
jofern biefelben ni^t bei ©parfaffen belegt finb. 3)er ©ntwurf get)t in ber
iBefd^rönfung beö SBormunbeö weiter, inbem er ganj allgemein für bie 93er*
äußcrung cineö bem 2Rünbel juftel^enben 2lnfprud&eö bic ©cnetimigung beö
Oegent)ormunbeö oorfd^reibt, foweit baju nid^t nad^ ben aSorfc^riften ber
§§ 1671, 1674 bie ©ene^migung beö 93ormunbfd^aftögeri(^teö erforbertid^ ift.
^ö mac^t alfo feinen Unterfd^ieb, ob baö SRed^t beö SKünbelö auf eine Seiftung
auf einem ©d^ulboerl^ältniffe im engeren ©inne ober auf einem anberen SRed^tö*
grunbe, inöbefonbcrc einem binglid(ien 9ted&töoerl^filtniffc, berul^t (§ 154) ober
ob, wie im galle ber ©runbfd^ulb (§ 1135), eine beftimmte Seiftung ni^t in
obligatione, fonbcrn in solutione ift, 3nöbefonbere ^at ber ©ntwurf aud^ bie
SBefd^ränfung auf „Kapitalien" aufgegeben, ba bicfer ^uöbrud an einer gewiffcn,
t)ie ©id^erlieit beö 93ertel^reö gefälirbenben Unbeftimmtl^eit leibet unb inöbcfonbere
iwcifel^aft läßt, ob unb inwieweit baruntcr aud^ ber no^ auöftefienbc Äauf*
preis für nerfaufte SKünbelfad^en, inöbcfonbere für oerfaufte ©runbftüdEc beö
IDiünbelö, fällt, eö aber bebenflid^ fein würbe, folc^e Slnfprüc^c beö ÜRünbelö
71»
1124 S3cmiunbf(6. üBerSWinberj, ®enc]&miöun0bc§@c0enüormunbcg. §1669.
üon her im § 1669 beftimmtcn Sefd^rSnfung bcr SScrtrctungömad^t bcö SSor^
munbefi auöjunclimcn. 3Wit 3lüdf[id)t auf il^rc bcfonbcre aSidötigfcit tinb jur
SBermcibung t)on S^eifctn l^ebt bcr § 1669 Slbf. 1 auöbrücflicl^ l^croor, ba^
an6) ^ppotl^efen, (Srunbf^ulbcn unb SBcrtfipopicrc unter bie bort bcjcid^neten.
3lnfprü(^c fallen. 9BcnngIeid& ber ©ntrourf ju einem SRcc^tÄgcfdjäfte, bur^
weld^eö ein 3itä)t an einem ©runbftüdfe ueräufeert wirb, im Ucbrigen grunb*-
fä|Iid) bie ©ene^migung be« a3ormunbf(]&aftögeri(]&tcd Derfangt (§ 1674 9lr. 1),
fo l^at er bod^ bie SSeröu^erung tjon ^t)potl^eIen unb ©runbf^ulben, ba bie*
felben u)irtt|f(i^aftlid& bem gorberungöocrlel^re angepren, bie SSerfügung über
biefclbcn aud^ nid^t über bie (Srenjen bcr geroo^nlid^en SBermögendoermoItung.
Ijinauöge^t unb eine freiere Serocgung in biefer Sejiel^ung in fielen göUcn
aud) im Sntereffe beö 3WünbeId felbft liegt (uergl. bie SRotiüe ju § 1511 oben-
©. 765 ff.), bem § 1669 unterfteUt (üergl. aud& § 1432 3lbf. 2 9]r. 2). ©omeit.
iebod) bie für einen 9lnfprud^ beß 3Künbeld beftelienbe $ppotl|cf aufgepben
ober geminbert werben foU, ift nac§ § 1674 Jlr. 13 — abroeid^cnb üon ber
prcufe. 33orm. D. § 41 3lx. 3 — bie Oenel^migung beö 93ormunbf(|aftfigeric^ted.
erf orber lid^ (tjergl. SKotioe ju § 1674).
mit »atffic^t 2. ^a ber äludbrudt ^.^eröugerung'' nad^ bem @prad^gebraudf)e bed-
beö w«^^ ©cfefebud^cö nur bie Uebertragung unb baö 9luf geben beö Stentes in feiner
Qtmm' SEotalilät umfaßt (uergl. j. 93. §§ 107, 1300, 1511 SRr. l), fo ift neben ber
aSeraufeerung im § 1669 Slbf. 1 no^ befonberö bie Selaftung ermähnt, um.
bie Seftellung t)on SRicfebraud^ö« unb inöbefonberc von 5|Jfonbrcd{|ten an ben.
^ier fraglichen ®egenftänben ju treffen, gerner ftellt ber § 1669 9lbf. 1, bamit.
ber beabfic^tigtc 3roed nid^t vereitelt mirb, bem binglid^en SRec^tßgcfc^äftc-
baö obligatorifd^e äled^tögefd^äft gleich, burd^ meld^ed bie ^erpflid^tung jU:
einer SSeräufeerung ober S3elaftung ber im § 1669 9lbf. 1 bejcid^neten 9lrt be*
grünbet wirb (t)crgl. aud& § 1674 3lr. 1).
©ine 9luönal|me uon bem ©runbfa^e, bafe jur SSeräufeerung ober ?3e*
(aftung eineö bem SWünbel juftel^enben SKnfprud^eö bie ©enel^migung beö-
©egenüormunbeö erforberlid^ ift, ^at ber ©ntmurf oud& n\6)t für ben gott.
gemaddt, menn bem ©ritten ein Siecht auf bie SScräufeerung jufte^t (oergl.
fäc^f. ®. 33. § 1946). SBennglcid^ bie Sluönal^me an fid^ innerlid^ bcgrünbct.
ift, fo pafet fie bodd nid^t für fold(ie gälte, in meldten über ein SReddt on einem
©runbftüdfe ober über ein SRcd^t an einem fold^en Steinte ju verfügen ift, ba.
bie Legitimation jur SBornal^me t)on 9icd&töf|anbtungen, meldte auf baö ©runb«
bud^ fic^ bejiel)cn, eine unbebingte unb für ben ©runbbud&rid^ter fidler erfennbore
fein mu6 (oergl. § 1318 3lx. 1). Unter biefen Umftänben ift cö im Sutereffe
ber ®infa^^eit beö ©efegbud^eö angemeffener, oon jener Sluönal^me überliaupt
abjufelien. S)aö ©rforbernife ber ©enelimigung in gällen bcr l^ier fraglid&en.
3lrt f)ai maleriell nur bie Sebeutung, ba^ ber ©egenuormunb ju prüfen ^at,.
ob bem ©ritten ein SRed^t auf bie aSeräufecrung roirflid^ juftc^t. SBirb bie
©enelimigung ücrmeigert, fo fann ber ©ritte felbftoerftänblid[i feinen Slnfprud^^
gegen ben SWünbel im SBcge beö ?ßrojeffeö geltenb mad^en. 3m § 1676 ift
ouöbrüdElid^ beftimmt, bafe eö ju ber aSeräufeerung ober a3claftung eineö ©egen-
ftanbcö im SBcge einer gegen ben äßünbet gcri^teten 3w)angöi)oUftredEung ber
©cnet)migung beö ©egenoormunbeö nid^t bebarf.
M
1126 S5örmimbfd&. übcrTOnbcri. ®eneBmigunobeö®cöenuormunbeö. §1669.
®elbcrn erfüllt wirb, rod(f)c m6) SWofegabc bcr S3cftimmung beö § 1668 be^
legt ftnb, wirb auf bie 3Kotit)c ju § 1668 oben ©. 1120 93ejug genommen,
83on ber SWcgel, bo^ jur ©inäicl;ung üon Äopitalicn bic (Genehmigung
bcö ©egcnoormunbcö erforbcrlid^ ift, läfet bie preufe. 93orm. D. § 41 9ir. 2
eine 9luSnol^mc eintreten für fold^e Sapitalien, weld^c bei ©parfajfen belegt
finb. SBenngleid^ biefe Sttuönolime geeignet ift, ben gcfc^äftlid^en SBerfe^r mit
ben Sparfaffen ju erleid)tern, ein ©cfxd^töpunft, meld^er bafür fprid^t, biefe
9luönal^me aud^ auf bie ^tiebung bcr nad^ SKafegabe beö § 1665 belegten
©eiber auöjubel^ncn, fo ift cö.bod^ im 3ntereffe ber ©iti^erl^eit bcö SRünbefe
alö bebenlli^ era^tet, in biefen gälten, in meld&en eö fid) möglicher SBeife
um bie (Srl^ebung fel^r beträd^tlid^er, an fid) ju einer baucrnben 3lnlegung be^
ftimmter ®elber ^anbelt, üon bem (Srforberniffe ber ©eneljmigung beö ®cgen^
uormunbcö abjufe^en (t)ergl. aud^ § 1666 9lbf. 2 nebft SKotiuen oben S. 1119 ff.)-
2)ic an ölinlid^e Scftimmungen beö föd^f. ®. 33. § 1938 unb beö weimar.
®ef. V. 27. 3ßärj 1872 § 52 3lx. 5 ftd^ anfd^Ucöenbc SKuönalimc im § 166^
9lbf. 2 ©afe 2 beruht auf ber ®rn)ägung, ba§ bei SBormunbfd&aften mit einiger-
mafeen erl^cblid)cr SSermögenöüermaltung bcm SSormunbe bic SScrroaltung be&
SWünbeloermögenö nid^t ju fel^r erfd^mert unb er in ber grei^cit feiner 93e*
megung nid&t in einer mit ben SJebürfniffen beö praftifd^eu Sebenö nic^t im
©inffange ftet;enben SBeife beengt mcrben barf. 3)icfcr Srmägung gegenüber
fann auf baö 33ebenfen, ba§ biefe 2luönat)me bem minbcr begüterten SKüubel
in 9lnfel^ung ber bcmfclben juftei^enbcn .Kapitalien ben ©d&ufe entäiel^c, u}cld)en
bie Siegel bcö § 1669 bem rcidjcn Sßünbel burd^ baö ©rforbernife bcr ®c^
nel^migung bcö 33ormunbfd^aftögcrid^teö gen)ät;re, entfd^eibcnbcö ®croid&t nid^t
gelegt werben, jumal bei minbcr begüterten 9Jlünbetn bie jlnöbare Selcgunft
ber SJJünbelgelber oorjugömcife bei einer ©partaffc ju erfolgen pflegt, in einem
fold{|cn gallc aber bic Ijier fraglid^e 3luönat)mc nad) ben ©^luferoortcn bc^
§ 1669 3lbf. 2 feine 3lnn)enbung finbet, fofern, roie bieö na6) § 1666 äbf. 2
gcfd^elien foU, bie SKnlegung mit ber Seftimmung bewirft ift, bafe jur ©r^ebuna
bcr ®elber bie ®cncl^migung beö ©egenoormunbeö ober beö SBormunbfd&aftö^
gerid^teö crforberlid^ fei. ©benfowenig foH bie 9luöna^me in Slnfcl^ung ber
3urüdfjal)lung ber nad^ SKafegabe beö § 1665 belegten ®elbcr ^ßlafi greifen^
wenn biefelben in ®emä6bcit bcö § 1666 3lbf. 2 mit bcr bort bejcid^netcn
SBcftimmung angelegt finb. ®ie 2luöbel^nung ber ^icr in SHebe fte^enben 3luö^
na^mc auf fold^c ®clber, weld(ie mit ber im § 1666 9lbf. 2 bejcid&neten 8e^
ftimmung angelegt finb, würbe mit bem 3^^^^ ber 5Borfd^rift bcö § 166^
Slbf. 2 nic^t im ©inflange ftel;cn. Uebrigenö ift für bic im § 1669 aibf. 2
©a| 2 bcftimmtc Sluöna^me, wie aud; bie gaffung ergiebt, nid^t bcr Sctrag
bcr Seiftung, fonbcrn beö 3lnfprud^eö mafegebenb, fobafe bcr SBormunb, wenn
bcr 93ctrag beö 3lnfpruc^eö breil^unbcrt 2Rarf überfteigt, auc^ 3;^cilja^lungcn,
weld^c Jenen 93ctrag nid^t überfteigen, ol^ne ©cnel^migung bcö ®egenr)ormunbcÄ
wirffam nid^t annel;men fann. S)ie ©ntfd&cibung ber grage, wann ein ein*
l^citlidicr 3lnfprud^ ober eine 3)lel)r]^eit üon älnfprüdien vorliegt, ^ängt Don
ben fonfreten Umftftnben ab unb ift bcr Suriöprubenj ju überlaffen.
jtünbigung 4, j^ie prcufe. 93orm. D. § 41 5Rr. 2 ©erlangt bie ®ene^migung beö
»mffagung. ©cgcttüormunbcö jur ©injicl^ung uon Kapitalien. Db bcr Sluöbrucf ,,6im
agcrmunbf c6. üBcr TOtnberi. ©ciicl^mtöuno beß ©cßcitüormunbeS. § 1669. 1127
jic^unfl" axiäj bic Äünbigung, foroic bic ©inffagung mitumfafet, ift beftrittcn.
S)cr ©ntiüurf bcfd^ränft bcn 33onnunb iDcber in ber einen nod& in bor anbeten
S9ejieJ)ung. ©ine befonbere (Scfäfirbung crgicbt fi(j& für bcn 3Künbcl aus ber
blofeen Äünbigung nid^t. ®cgen einen ÜKifebrau^ ber freien Äünbigungö*
bcfugnife beö 5Bormunbeö ift ber äßünbel burd^ bie pcrfönlid^e 83erantn)ortIi(j&^
feit beö aSormunbeö genügenb gefc^üfct. Stuf ber anberen Seite fann eine
93e|c^ränfung bicfer SScfugnife für ben SKünbel unter Umftänben nad&t^eilig
wirfen, wenn cö firf) wm eine Sef^Icunigung jur Slbroenbung öon ©efafiren
^anbclt (oa-gl. prcu§. 91. S. 91. II, 18 § 497; abrocid&enb braunfd^n). SBerorbn.
V. 3. '^cbruQr 1814 § 50; öfterr. ®. 33. § 233).
SEBegen ber ®rünbe^ auö roeld^en ber ©ntiDurf ben SSormunb in ber
Sefugnife jur ^ßrojefefü^rung nid^t befdjronft, wirb auf bie 9JlotiDe ju § 1674
Dcriüiefen.
5. Sie Seftimmüng beö § 1669 3Ibf. 3 ©afe 1 entfprid&t bem § '^^^^^^^
2lbf. 2 ber preufe. aSorm. C 3luä § 1679 ergiebt fid) übrigens, bafe baö 'f^^a^SII"
aSormunbfc^aftögerid&t, bet)or baöfelbe burc^ feine ®enef)migung bie beö Oegcn^ aeric^te«.
Dormunbeä erfe|t, ben lefeteren f)ören foH.
©in Sebürfnife, für ben gall, wenn ber ®egcnt)ormunb feine (Se-
nefimigung jur Slnnatime einer Seiftung üerfagt, bem SSormunbe baö dt€ä)t
beijulegen, von bem ©d^ulbner bie öffentliche Hinterlegung ber Seiftung ju
verlangen, bamit bic ©injie^ung ber gorberung nid^t oerjögert mirb unb ber
aJlünbel nid&t in 3tnna^mcoerjug gerötfi, (iegt nid^t oor. S)er regelmäßige
Sluöroeg liegt in einem fofd^en gallc in ber 5Jad)fud^ung ber Oencl^migung
beö 5}ormunbfd^aftögericf)teö burd^ ben SSormunb. 3"^^^^ ift ^'^ berartiger
Hintcrlcgungöjmang gegen bcn ©d^ulbner nid&t gcred&tfertigt.
S)ic weitere 93eftimmung beö § 1669 aibf. 3 ©aft 2, bafe bie ®e^
nefimigung beö 93ormunbfd)aftögerid&teö audd ^^^^ erforberlidö ift, menn ein
®egent)ormunb nid^t beftellt ift — mag nun bic ^lid^tbefteDung orbnungö*
mäfeig fein ober nid^t (§ 1647) — , fd^neibet einerfeitö bic an bcn § 41 ber
preufe. 5Jorm. D. fid^ fnüpfenbc Streitfrage ab, ob, wenn baö ©cridjt tfiat*
födblid^ einen ©cgcnoormunb nid&t beftellt l^at, obrool^l ein fol^er nad| ber
aSorfc^rift beö ©efc^cö (§ 26 Slbf. 2 ber preufe. SSorm. D.) ^ättc beftcHt
werben muffen, bie im § 41 bcjcid^nctcn SJerfügungen beö aSormunbeö fo
longc unroirffam finb, biö bic ©enc^migung eincö ©cgcnoormunbcö erfolgt ift
(üergt. 3a^rb. ber (Sntfd^. beö Hammerger. IV, 38, 39), unb forgt anbcrerfeitö
bafür, ba§ auc^ in fold^cn gällcn, in meldten ein ©egenoormunb nid^t beftellt
ift, weil ein fold^cr nac^ ber 33orfc^rift beö ®efe|eö (§ 1647) nid^t beftellt ju
werben brandete, bem SKünbcl ber ©d)u6, rocldficn il^m ber § 1669 2lbf. 1 im
gallc ber SeftcDung eincö ®cgeni)ormunbeö burd^ baö ©rforbernife ber ©c-
nel)migung beö Icgtcren ju geroä^ren bcjroedEt, burd& baö ®rforbemi6 ber ®c-
ne^migung beö 3]ormunbfd^aftögcric§tcö ju 2:i^cil mirb. ®cl|t man einmal
baoon auö, bafe im 3^tcreffc ber Sidf)crt)cit beö SÖtünbclö bem aSormunbc bic
im § 1669 bejcic^netcn SRed^tögefd(|äftc nid^t allein überlaffcn werben bürfen,
fo würbe eö infonfequent fein unb ber inneren SSegrünbung entbel^rcn, bem
ÜKünbel biefc ©ic^ierung nur bann jU gcwäl^ren, wenn ein ®cgcnt)ormunb beftellt
ift ober bod^ nad^ ber 9tbftd^t beö ®efe6eö ^ätte beftellt werben follen, il^m
biefelbe aber ju Dccfagen, mm ein ©cgenoormunb, j. ^. ivcqcn Uner^cblitiitelt
bct SSermöflenÄoenoaltung, nic^t befteUt tft. aiiii| bei einer «ner^ebli^en
aScrmBgenaDeriDallung fönncn bte im § 1669 bejeidineten SJe^tflgefi^ofte vov
fommen unb ))at in fo[d)en ^äUeti ber iveniger begüterte ^ünbel ni(^t minbcr
roie ber reii^e SDlünbel ein 3ntercile boron, bafe i^m bur^ boa ©rforbemife
ber Genehmigung etneä Suffid)taorganefi eine grdgerc @ici)er^eit gemährt niicb.
«i Sßon facr SBcftimmung, ba% cS in bcn %äüen beS § 1669, rocun ein
iti^i'HknBai. ©egcnoonnunb ni^t befleüt ift, ber (Sene^migung befl Sßormunbfc^iQftBgerit^tc«
tj^^^bebarf, mo^t ieboi^ ber § 1669 3[bf. 3 <Ba% 2 im ainfdiluiye an bie SBod
■ fdiriften ber preufe. ißorm. D. §§ 41, 26 Slbf. S eine 3Iu6nafime für ben
gnK, ntenn me^te SJormünber hie aSormunbfd^oft semeinfd)aftli^ führen.
ffiiefe Shisnn^me rctfitfertigt [läf b\xtä^ bie ©rroflgung, ba| in biefem %a\le bec
Sßangei ber @ene[)migung eineg 9Iufft(^t3organeä burt^ bie gegenfeitige
Sontrole ber aJlitoormünber unb bie SJorft^rift erfe^t roirb, bofe biefelben nur
flenieinfiiafttid) |anbeln tonnen, bei äßcinungSncrf^ieben^eiten aber bas Sßor'
munbfdjQftisgerii^t entfrfieibet (§ 1652).
SBeitere ausnahmen döu ber Meflet be« § 1669 rmö t" l>en §§ 1676,
1690, 1733 beftimnit (oergl. ferner bie in ber 5(Inm. 1 ju § 163i entgoltene,
für bas ©infü^runflSgcfeg bcftimmte 93acTt&rift). Segen biefer Sluflna^me
mirb auf bie ^Jlotitie ju ienen Paragraphen Sejug genommen.
B(rtu*HiinB II. ®emeinre^tli(ö ift juc SBeröu^ening ni^t nur Bon unberoegli^cn,
'ptawT' fonbcm fludi »on beroeglicf)en SHünbetfac^en bie oberBormunbfc^oftliffte ©es
f"*'"- ne^migung erforberli^. 2lu6genommen fini' i^bo^i bie ®in[ünfte unb ganj
ttiert^lofe unb überftüffige ©ac^en.
Sie neueren Oefege Öaben ben SSormunb in 9lnfel)ung ber SßcräuSening
beroeglicfier SDlünbelfac^cn meift freier gefteßt; jum X^tH f ^reiben fie um=
gefe^rt bem Säormunbe bie fofortige aSerfilberung befl berocglit^en SBermögens
»or unb geftotten bemfelben nur aufina^msroeifc, inflbefonbcre mit obers
normunbfdiaftiidiec Genehmigung, bie 33eräugerung ju unteriaffcn. Segterefl
ift namentlich ber ©tanbpunft bea franj. SHe^tes (code civil airt. 452, 45S;
Dcrg!. QuiJ l)c)). Qntn. IV 3(rt. 55; bat)r. ©iitro. 3frt. 70), faioic im ifficfcnt=
litficn ber beS prcu^. 31. Ü. 3). II, 18 §§ 439 ff. unb bcS öftcrt. ®. S. g 231.
SIuc^ nad) roücttemb. Siechte foU bie ga^mife mit 9tuQnal)mc (otdier @egcn=
ftänbe, roclrfiet ber 3Jliinbcl felbft bebacf, »erfnuft mecbcn; roenn aber beren
9Bert^ 50 '^l. überftcigt, ift bie (Senelimigung ber DberDormunbft^aft cr=
forbcrlitf). T'aö föi^f. (S. 93. § 1940 mai^t bem Siormunbc jur 'Pflidit, 6e=
locglii^e Sachen, roeli^e ot)ne ©cfattr unb ©cf)abeu nid)t aufbema^rt werben
tonnen, ju »cräufeern.
®er entmucf ge[)t baoon aus, ba6 ber Söormunb in 9Infeö»ng ber ajcr«
äugerung bcn)egli{f)cr Sad)cn roeber nad) ber einen nod) nnt^ ber onberen
;)iid)tung I)in on eine allgemeine Stcgcl gcbunbcn fein, cfl iE)m Diclmebr üben
Iflflen bleiben foO, im einjelnen gallc \d ju «erfahren, loic ca nacft feinem ®r»
mcReii bem 3i"'erci)c beö SHünbelfi am mciften enlfpridjt (rcrgl, aud) lüberf.
SJorm. D. § 54; brem. SSorm. D. § 52; prcufe. Sorm. C. g 41 nebfl OTotioen
S. 77). atudi bie in neueren Oefe^en (nergl. prcufi. 51.2.91. 11, 18 § 441;
S3ormunbf(Saft 2c. 3nl6öBcrpa|)ierc 2C. |)intcrlegunö 2C. §1670. 1129
öftevr. ®. 33. § 231; code civil «rt. 452; lübcd. aSorm. D. § 54; brem.
aSorm. D. § 52; ^omb. JBonn. D. Strt. 44; l^eff. ®ntn). IV Slrt. 55; bapr.
©ntro, Slrt. 72) l^äuftg fid^ finbenbc, bcm gemeinen Sled&te, bcm fäd^f. ®. S.
nnb ber preug. SBorm. D. (Dcrgl. SWotipe ju berf. S. 77) bagegen unbcfannte
S8orf<^rift, bofe bie aSeräufeerung bcrocgli^er ©ad^cn In ber JRegel im SBege
öffentlid^er SScrflelgerung erfolgen folfe, ^at ber ©ntrourf nid^t aufgenommen,
weit fie ben Sßormunb in ber grei^eit ber SJerroaltung o^ne 9lot^ jn fel^r beengt
®ine 3luönal^me pon ber Stegel, bafe ber aSormunb in Änfel^ung ber ••t*^^'*»*«"-
aSeräufeerung beraeglid^er ©ad^en einer aScfd^ränfung nid^t unterliegt, ift aud^
nid^t für Äoftbarfeiten gemad^t, obmo^t t)erfd&iebene neuere (Sefcße bie aSer«
äu^erung ber lefiteren an oberoormunbfd^aftlic^e ©enel&migung binben (oergl.
prcu|. Sr. S. 91. II, 18 §§ 445—447; ffid&f. ©.33. § 1940; meimor. ®ef.
D. 27. aWärj 1872 § 52 3lv. 6). 5Der Segriff ber Äoftbarfeiten ift ein fel)r
unbeftimmter, unb ift eö beöl^alb in ^o^em SWafee bebenfUd^, ben Urnftonb,
bafe eö ftd^ um ftoftbarfeiten l&anbett, in bie aSorauöfegung einer 3fled&t8norm
Qufjunel^men, meldte nid^t nur bie 9led&tfibejiet|ungen jroifd^en aSormunb
unb ÜRünbcI betrifft, fonbern audd nad& außen wirft. 3)ian Bnnte bee^s
l^olb nur an eine inftruftioneHe 3}orfd^rift beuten. 3)er praftifd^e SRufeen
einer fotd^cn aSorfd^rift für ben SDlünbel ift inbeffen ein fo geringer, ba^ il^re
9lufnat)me mit 3flüdEfid&t auf bie mit einer fold^en aSorfc^rift t)erbunbenen &c^
fd^roerungcn unb a3cläftigungen ber Dormunbfd^aftlid^en aSerwaltung nid(|t als
angemeffen erad&tet werben fann. 3)er Gntmurf ber preug. aSorm. D. fteHte
allerbingö für bie aSeräufeerung Don Äoftbarfeiten baß ®rforberni§ ber ®e*
nel^migung beö ©egenoormunbeö auf. 3)urd^ bie Äommiffton bed Ferren«
Kaufes mürbe biefe a3eftimmung iebod^ geftrid^en unb finbet fld^ in ber preufe.
aSorm. D. felbft nid^t me^r.
?ßur in bem gaUe, wenn Äoftbarleiten beö ÜWünbelö auf 3lnorbnung
beö aSormunbfd&aftögerid^teö hinterlegt fmb (§ 1670 3lbf. 3), ift in 2lnfel^ung
berfelben bie aSertretungöma^t be« aSormunbed nad^ SWafegabe beö § 1671
9lbf. 1 befd&ränft.
§ 1670.
1. SEBenngteid^ nid^t üerfannt wirb, baß bie im § 1670 3lbf. 1 be^ ^^^^l'
ftimmte gefe^Kd^e aSerpflid^tung beö aSormunbeö gegenüber bem in bem größten «intet cegung ;
SC^eile ©eutfd^lanbö gcttenben Siedete, namentlich gegenüber bcm gemeinen ""*'*^"**""^'
SRe^te, bem franj. SRed^te, ber preu§. aSorm. 6. § 60 (oergl. aud& § 24
befi preuß. ®ef., betr. bad ©taatfifd^ulbbud^, o. 20. 3uli 1883) unb bem
fäd&f. ®, 33. § 1904, eine Sßeuerung entl&alt (oergl. femer elf.lot^r. ®cf.
t). 16. 3uni 1887 § 3; ^ejf. ®ef., betr. bie Anlegung oormunbfd&aftlid^er
unb pPegfd&aftlid&er (Selber, fomie bie Slufbemaldrung ber aBcrtl^papiere u. f. m.,
0. 18. 3uni 1887 Slrt. 5; bagr. ©ntm. Slrt. 68), roenngleid^ ferner ju^
gegeben werben mag, baß iene aSerpffid^tung infofern bie aSerantmorttid^feit
bed aSormunbefi fteigert, alö bcrfelbe bei fd^ulbooHer aSerjögerung ber gefefe«
lid^en aSerpflid^tung bie ©efa^r beö aSerlufteö ber ^ier fraglid^en Rapiere
burd^ S)iebfta^l, »ranbunglüdE u. f. ro. trögt, unb baß ber ^interlegungö*
1130 2l5onnunbfd?att K. SnoaberWicre 2C. 4)mrerlcöuiiG 2C. §1670.
jroang bei gröfeciem SBcrmögcn bic SBcrroaltung bcö 3Sormunbed crfd^iocrcti
tann, bic SSovmunbfd^aftögcrid^te aber im ^inblicfc auf if)rc SBerantroort^
lici^feit (§ 1702) nid)t leidet geneigt fein loerben, ben SJormunb oon ber
J)ier fraglid^eu gefefelidöen 95crpfli(i^tung ju bißpcnfiren (§ 1670 3lbf. 2), fo
fmb bo^ bic für bic 93cftimmung beö § 1670 3Ibf. 1 fpred^enbcn ®rünbe
alö überroiegenb ju erad&tcn. ©ntfdbeibenb fällt ins ©eroid^t, ba§ baburd^
ber 9)JünbcI gegen bie mit ber 5ßotur ber 3n^abcrpapiere ücrbunbenen
©efo^ren bcficr gefd^ü^t mirb. S)ie ©rünbe, auf roeldjcn bic 33eftimmungen
beö § 1669 beruljen, ia^ ber Sßormuub über 2lnfprüd^c beö SKünbelö tegefc
mäfeig nid^t oljnc bic ©ene^migung beö ©cgenoormunbeö ober beö SSormunb*
fc^aftögerid^tcö foU Derfügen fönncn, fprec^en bafür, bei 3nbaberpapicren bic
Hinterlegung ober bie Umfd^reibung auf ben 5Ramen beö SKünbclö, fofern bicö
juläfftg ift (üergt. prcufe. ®ef., betr. baö Staatöfd^utbbud^, v. 20. 3uli
1883; fädjf. ®ef., baö ©taatöf^ulbbud) betr., t). 25. 3lpril 1884), oor*
jufd^reiben, um bm SBormunb ju t)erf)inbern, bafe er alö 3nl^aber über jene
5ßapierc otine bic ©cnel^migung beö ©egenüormunbcö ober beö 3Sonnunbfd^aftö^
gerid&teö verfügt. 2)iefer ©djug beö SWünbelö gegen Untreue beö 5Bormunbeö
ift um fo mel^r angejcigt, alö ber SBormunb nid^t melir jur Äautionöfciftung
gejTOungen roerbcn fann (§ 1689 ücrb. mit § 1643 5Rr. 6 unb § 1706 3lbf. 2)
unb bem SKünbel eine gcfeglid^c ^ppotl^ef an bcm SSermögen beö SBormunbcö
nid)t me^r juftet|t. 5lber nid&t nur von bcm ©cfid^töpunfte beö Sd^ugeö gegen
ben 3Sormunb auö, fonbern t)ornct)mUd^ jum ©d^ugc gegen ben SSerluft ber
Rapiere burd^ jufällige Umftänbc ift bic Hinterlegung ober bie Umf^rcibung
ber 5ßapicrc auf ben 5Ramen beö 5DlünbcIö alö angemcffen ju erad)ten. 58on
biefem lefetcren ©efid^töpunftc auö bctrad^tet, liegt bic 3Ra§rcgel aud^ in bcm
eigenen 3fntercffc beö SSormunbeö, mcld^er auf biefe SBeifc ber SSerantroorllic^^
feit in 3lnfe^ung ber eigenen SBerroatirung ber Rapiere überl^oben wirb. S)aö
Sebcnten, bafe bei einer größeren SJermögenöocrmaltung ber ^interlcgungö«
iioang für ben SBormunb mit fielen SBeiterungen unb Sclaftigungcn ücr*
bunbcn ift, roirb, abgcfcl^en baoon, ba% bcm 33ormunbfd^aftögcrid6tc nad^
§ 1670 9lbf. 2 bie S3efugni^ juftel^t, ben Sßormunb gccignetcnfallö von ber im
§ 1670 9lbf. 1 beftimmten SScrpflid^tung gänjtid^ ju entbinben, mefcntlidi ba«
burd^ gemilbert, bag bic l;ier fraglid()c gefcgtid^e 35crpP[id{|tung beö SBormunbcft
auf bic 3ii^öfd&einc, 5{cntcnfuponö, ©cminnantl^eitöfd^einc unb bic ©rneuenmgö«
f(^cinc fid^ nid^t bejic^en foU. Um fo unbcbcnflid^cr ift bie ©eftimmung beö
§ 1670 3lbf. 1, alö erfal^rungömäfeig im ©cbictc ber prcufe. Sßorm. D. in ber
großen aßet)rjal^l ber göHc bic 3»^^öbcrpapiere beö 3Wünbclö l^interlcgt
aufeer Äurö gefegt ober nad^ SKafegabc beö preufe. ©ef. t). 20. 3uli 1883,
betr. ba& ©taatöfdf)ulbbud), auf ben Flamen beö aßünbclö im ©taatöfc^ulb^
buc^c umgcfc^ricben roerben. 9lud^ in fold^en 9lcd^tögcbicten, in meldten, wie
in S8ai)crn (ücrgt. ba^r. ^^potl^. ©ef. d. 1. 3uni 1822 § 20) unb ia
SBürttemberg (3uftijminifterialt)crfügungcn t). 28. äUärj 1856 u. d. 9. Dftober
1863) ä^nlic^e SBorf d)rif ten , mic bic 5Borfd&rift beö § 1669 9lbf. 1, fd^on feit
längerer Seit befte^en, ^abcn biefetbcn praftifd^ fid^ bemäfirt, unb aud^ in
neuerer 3^'* fti^ö in tjcrfc^icbenen anberen ©ebietcn ä^nlid^c SBorfc^riftcu a«
lafjcn (olbcnb. ©efegc ü. 3. 3lprit 1876 5lrt. 2, v. 28. Januar 1879 3lrt. 2
S8ormimbfc6aft 2C. Sn^flberpcipierc k. |)intcrTcöuiig k. §1670. 1131
unb D. 19. üKärj 1879 Slrt. 2; brnunfd&w. @cf. v. 8. gcbruor 1883 § 2;
brem. ®cf. d. 15. SKär} 1887; ocrcjl. oud^ bofi % ®cf., betr. bic Äronfen^
Dcrfic^crung bev 9lrbcitcr, d. 15. 3uni 1883 § 40; ®ef., betr. bic Unfall*
Dcrfidöcrung bor bei 93auten bcfd^öftigten 9lrbciter, v. 11. 3uli 1887 § 43;
öfterr. ®. 33. § 229). 3^ bcod^tcn ift ferner, bafe, wenn man bic ^intcr^
legung bejm. bic Umfd&rcibung ate SWegel üorfd^rcibt, ftatt mit bcn oben
S. 1129 angeführten ®efe5en bic nmgefe^rtc SRegct aufjuftellen nnb bem 93or*
munbfd^aftögerid^te nur bic Sefugnife bcijulcgcn, eine berartigc 9lnorbnung ju
treffen, bic SWaferegel bcn Marafter einer aus befonbcrem aWifetraucn ^crDor^^
gegangenen SÖiafercgcI ücriiert unb einer ungteid&en ^^Jrayiö in bcr f)icr frag*
lid&en Sejic^ung entgegengetreten mirb.
2. S)ic im § 1670 2lbf. 1 beftimmte, fraft ®efetcö cintretenbe SSer* «eflenftanb
pflid^tung befd^ränft ftd^ auf bie auf 3ln^aber (autenben Sd^ulbncrfci^reibungcn ^tnterieüung.
unb Slftien beö 9)Jünbel8. Unter bcn Sn^aberpapicren finb aber nid^t aud^
S3Ianfon)cd[)feI unb anbere Drbre* ober 9lamcnpapicre ju Dcrftcfien, beren
Uebertragung in blanco gefd&ef)en fann. ©in Sebürfnife, bic 93cftimmung beö
§ 1670 3lb|. 1 aud& auf anbere Sfficrt^papiere, inöbefonbere auf fog. unnoB*
fommenc 3nl)abcrpapicrc (§ 703), auöjube^nen, liegt nid^t Dor. Snfomcit
reid^en bic 93eftimmungen beö § 1669 auö. Slnlangenb namcntlid) bie ©par*
faffenbüd^cr, foroic bic nad^ 9)ta6gabe beö § 1665 bei bcn bort bcjciddnctcn
3nftituten Dorübergc^enb belegten ®elbcr, fo ift inforoeit burd^ bic Seftimmung
beö § 1666 9tbf. 2 auörcid^cnb SSorforgc getroffen, ba§ eine unter bie S3e*
ftimmung beö § 1664 9Ibf. 2 3lr. 5 unb beö § 1665 fallcnbc 3lnlcgung
nur mit bcr Seftimmung beroirft merben foll, bafe jur ®rl)ebung bcr ®elber
bie ®ene^migung beö ©egenoormunbeö ober beö SSormunbfdöaftögcrid^teö er*
forbcrlid^ ift.
3. S)ic Hinterlegung foII bei bcr 9lcidt|öbanf ober einer anberen baju 4^mter.
burd^ bie Sanbcögcfc^c für geeignet crHörtcn Stelle erfolgen (ocrgl. preu§. ^*«""8*^*"*'
aSorm. D. § 60 nebft bcr preu§. §intcrl. D. o. 14. a)iärä 1879 §§ 46
biö 52; ba^r. $i)poti ®ef. o. 1. 3uni 1822 § 20; föd^f. ®. 93. § 1904;
roeimor. ®ef. o. 27. 9)lärj 1872 § 44; braunfd^ro. ®cf. o. 8. gebruar 1883
§ 2; brem. ®cf. v. 15. aWärs 1887; baDr. entro. 2lrt. 68; ^eff. ®ef., betr. bic
2tnlegung Dormunbfd&aftIid[)er unb pflcgfd&aftlidjcr ® eiber u. f. ro., v. 18. 3uni
1887 9lrt. 5). 2)ie fianbeögefc^gebung bat eö f)kxnaä) in bcr §anb, 5u bc*
ftimmen, ba§ bie Hinterlegung aud) bei bcn offcntlidden Hinterlegungöftellen
(§ 280) erfolgen fann.
4. S)er ^xocd bcr im § 1670 2lbf. 1 beftimmten gcfejlid^en 9Serpflid)tung «rt b«r oc»
beö aSormunbeö bringt eö mit fid[), ba^, roenn eine Hinterlegung in Erfüllung JllS*J|JgJJ,g
iener SScrpflidlitung erfolgt ift, bie ®enc^migung beö a3ormunbfd^aftögerid[)teö »^
jur ®rt)ebung bcr hinterlegten Sn^abcrpapiere für erforberlid^ erflärt ^pj^j, ""^^^»^"*«"fl-
(§ 1671 2lbf. 1). ebcnfo bebarf eö nad& § 1671 2lbf. 2, roenn eine Um*
f(^reibung in Erfüllung bcr im § 1670 2lbf. 1 beftimmten gefe^lid)en 33er*
pflid^tung erfolgt ift, bcr ®cncf|migung beö SBormunbfd&aftögeric^tcö jur @r*
fefeung bcr umgefd^riebenen Rapiere burd^ 3nl^aberpapicrc unb jur ©rftebung
ber lejtcrcn (oergl. bic aKotioe ju § 1671). S)agcgen mu§ in folgen gällcn,
in meldten ber JBormunb auönaljmömcifc ju ber Hi"tc^*f^n""9 ^^^* i^^ 35e*
1132 2}ormunbfd&aft k. 3n6öbetpcH)icre k. |)interreoung jc. §1670.
rolrhing ber UmfdEireibiing nid&t DcrpPid&tct xoax (ocrgl. § 1670 9lbf. 2, §§ 1692^
1733), er aber quo freien Stüdfen icnc ajtofercgeln ergriffen f)al bemfelben
bie Sefugnife eingeräumt werben, auä) o^ne Ocne^migung beö SSormunbfcfiaftö*
gcridfited jene SRafercgeln roieber aufju^eben (§ 1672). 3lu8 biefem ©runbe
ift eö erforberlid^, jroifd^en fotd^en gällen, in weisen ber SSormunb bie üWa^^
regeln in ©rfüDung feiner gefefelid^en SBerpfli^tung, unb fold^en goDcn, in
w)eld)en er biefelben o^ne 9lötl)igung ergriffen I)at, eine Unterfc^eibung auf^
juftetten. 3" i^cm ©nbe empfiehlt eö fxd^, im Sinfdiluffe on bie fi^ntid^e 93or=
fd^rift beö § 1666 Slbf. 2 ju bcftimmen, bog ber SSormunb, roenn er jum
3n)edfe ber ©rfüUung feiner gefefeli^en SBerpflid^tung bie 3n^oberpapierc l^inter^
legt ober ouf ben 9lomen beö aKünbefe umfd^rciben tä§t, bie Hinterlegung
bejn). bie Umf^reibung mit ber im § 1670 3lbf. 1 bejei^ncten 33eftimmung
bemirfen foH (Dcrgl. aud& preufe. ^intcrl. 0. v. 14. SKärj 1879 §§ 48—51;
brem. ®ef. v. 15. aWärj 1887). 2)a bie im § 1671 beftimmten Sefd^ränhtngen
ber SSertretungömad^t beö 33ormunbed in Slnfe^ung ber l^interlegten Oegem
ftänbe unb umgefd^riebenen Rapiere nur bann eintreten, romn bie hinter*
legung ober Umfd^reibung mit ber fraglid^en Älaufel nad& aWafegabe beö
§ 1670 erfolgt ift, fo wirb auf biefe SBeife {ebe ©efä^rbung ber ©id^crl^eit
beö SBerfcl^reö oermieben.
**aibem""^ 5. S)ie SSorf^rift beö § 1670 2lbf 3, mel^e ftd^ an ä^nlid&c 93or*
sBcrt^papim fd^rifteu nerfd^iebener neuerer ©efcfee anfd^lie^t (Dergl. preufe. 33orm. 0. § 60
"tarwt^'^ ""*^ preufe. ®ef., betr. baß ©taatöfd^utbbud), t). 20. 3uli 1883 § 24; fSd&f.
0. 33. § 1904; meimar. ®ef. d. 27. aWärj 1872 § 44; olbenb. ®ef. v. 3. äpril
1876 9lrt. 2, ü. 28. Sanuar 1879 9lrt. 2 unb ü. 19. üßärj 1879 9lrt. 2; banr.
6ntm. 3lrt. 68; l^eff. ®ef., betr. bie Slnlegung Dormunbfd^aftlid^er unb pflege
f^aftlid^er ®elber u. f. m., v. 18. 3uni 1887 9lrt. 5) ift namentli^ für fol(§e
gälle nid^t 5U entbehren, in roetdöcn ba& SSormunbfd&aftögerid^t bcm SJor-
munbe mißtraut ober in weld^en ber Icfetere außer ©tanbc ift, felbft für
eine gehörige Slufberoa^rung ber im § 1670 Slbf. 3 begeid^neten ®egenftänbe
JU forgen. 2luf ©runb beö § 1670 Slbf. 3 fann bafi Söormunbfd&aftögerid^t
inöbefonbere aud^ bie Hinterlegung ber im § 1670 9lbf. 1 bcjeid^neten 3in8*
fd^eine, 9lententuponä, ®en)innantf|eilfd&eine unb S^alonö anorbnen. SSon bc*
fonberer SBi^tigleit ift bie 9Sorfd&rift beö § 1670 2lbf. 3 megen ber na^ § 1671
9lbf. 1 an bie Hinterlegung fxd^ fnüpfenben Sefd^ränfungen ber SScrtretungd^
ma^t beö SBormunbeö in 9lnfe^ung ber hinterlegten ©egenftänbe.
ein Sebürfnife, bie im § 1670 9lbf. 3 bem aSormunbfd^aftögerid^te bct^
gelegte Scfugniß au^ nod^ auf anbere ©egenftänbe, alö bie bort bejeid^ncten,
auöjubeljncn, inöbefonbere auf baareö ®elb (roeimar. ®ef. d. 27. SWörj 1872
§ 44; ^eff. ©ntn). IV 9lrt. 42; bagr. @ntn). 68) ober allgemein auf ©^ulb*
urfunben ober aud^ auf fonftige Ur!unben (preuß. 21. S. 91. II, 18 § 422
Derb, mit ber preuß. 5Berorbn. t). 19. 3uli 1849; öfterr. ®. S3. § 229; fSc^f. ®. 33.
§ 1904; meimar. ®ef. x>. 27. üßärj 1872 § 44; olbenb. ©efefee t). 3. 3lpril 1876
Slrt. 2, ü. 28. Sanuar 1879 9lrt. 2 unb v. 19. 2»ärj 1879 3lrt. 2; bapr. ©ntm.
9lrt. 68), fann bagcgen nid^t anerfannt werben, ©omeit ber 93ormunb baareö
®elb in Hönben ^at, lommen bie SBorfd^riftcn ber §§ 1664—1668 jut
änroenbung.
SBonnunbfd&aft 2c. 3n5öBer)>apiere k. '|)mterle0imö JC. §1671. 1133
6. Sinige ®efe|c fd^rcibcn bic SKufeerturöfclung her bcm SKünbct gc^^ ««Mur«-
l^örcnbcn Sn^abcrpapicrc vox ober gcftottcn bcr Dberüortnunbfd^aft, eine fold^e '**""^*
anjuorbncn (ocrgl. prcufe. aSonn. D. § 60; brem. ®cf. d. 15. SHärj 1887;
ba^r. entro. 3lrt. 66 3lx. 2). 2)cr ©ntrourf l^at boö Snftitut bcr Slufecrfurfi^
fcfeung nici[)t oufgcnommcn (»ergl. § 700). Slbcr auc^, wenn tttoa im ©in*
fü^rungdgcfege bcn 2anbedgcfc|gebungen bie 93etbel^a(tung ober @infü^rung
iencö Snftituteß gcftattct loerbcn foUte, empfiel^lt cö fid^ nid^t, bie Slufeerfurfi*
fc^ung bcr bcm SKünbet gcl^örenben Snl^aberpapiere ald ein loeitereö ©id^erungö*
mittel jur SBal^l ju ftcHen, ba eine fold^e aWafercgel für bie ÜWarftgängigfeit
bcr 5ßopierc mit Jlad^t^citen uerbunben fein fann, anbererfeit« bie Seftinp
mungen bcÄ § 1670 3lbf. 1 ben Sßünbel gegen bie Oefal^rcn bcr 3[nl^aber*
papiere audreid^cnb fd^ägen.
7. 6in 33ebürfni§, baö SSormunbf^aftögeri^t and) auf Slntrag beß aSor* 4^interiegunö
munbe« ju ücrpfKd&tcn, eine Hinterlegung naö) aKafegabe bed § 1670 äbf. 3 um^^bung
eintreten ju laffen (Dcrgl. preufe. aSorm. D. § 60 3lbf. 3 ; f äd&f . ®. 33. § 1904 ; «*! ««*W8.
Weimar. ®ef. v. 27. aWärj 1872 § 44; bagr. entro. Slrt. 68), tiegt nid^t t)or.
@ine berartige aSorfd^rift pagt aud^ nid^t ju ben nad^ § 1671 an bie ^inter^
legung gefnüpften SBirfungen. 2)em aSormunbe ftel^t eö aber frei, aud^ in*
fomeit, ald eine 9iöt^igung jur Hinterlegung nid^t beftel^t, nad^ äl'laggabe bed
§ 1672 aBert^popiere unb Äoftbarfeiten ju hinterlegen, bejro. bie in 3nl^aber*
papieren beftc^enben SBertl^papiere auf ben Flamen bed äKünbeld umfd^reiben
JU loffen. Der Sanbefigefejgebung ift cö übrigenö unbenommen, ju beftimmen,
bag bad aSormunbfd^aftdgcrid^t in fold^en fällen auf älntrag bed aSormunbcd
Dcrpflid^tet fein foU, eine berartige Hinterlegung ober Umfd^reibung t^atfSd^lidd
JU vermitteln.
§ 1671.
3n bcr prcufe. 3uridprubenj ift cd beftritten, meldte 53ebeutung eine nad& »efc^ramung
ÜKafegabe bed § 60 bcr prcug. aSorm. D. auf geri^tlid^e 2lnorbnung erfolgte «ertretung«*
Hinterlegung ^at. S)ie eine Slnfid^t ge^t baoon aud, baß jene aSorfc^rift Icbiglid^ *"««** *>««
eine Sicherung gegen bie ®efa^r bed Slb^anbenfommend bcr hinterlegten ©egen^ *^'"'"" *
ftänbe, nid^t aud^ eine Sid^erung bed £D2ünbeld gegen ben aSormunb bejmedCe,
bcr lefitere ba^er burd& eine fold^e aWaferegel in feiner aScrfügungdgcroalt rcd^t^^
lid^ überall nid^t befd&ränft merbe, aud^ bie SBirffamfcit bcr SHüdEgabe bcr l^inter=^
legten ®egenftänbe an ben SSormunb nad^ bcr aSorm. O. t)on ber ®enel^migung
bed äiormunbfd^aftdgcrid^ted nid^t abhängig fei. dagegen mirb in le^teraSejie^ung
t)on bcr ^crrfd^cnbcn SRcinung bad ®cgent^eil angenommen. 3lnbere gel)en nod^
weiter imb finb ber 9lnfid&t, bafe bie aSerroafirungdanorbnung fraft ®efe|ed
eine aScrfügungdbefd^ränfung bed Sormunbed enthalte ober boc^ t)on bcm aSor«
munbfd^aftdgerid^tc mit biefer SBirfung erlajfcn werben fbnne. 2)urd^ bie preug.
Hintcrt. D. v. 14. 3Wärj 1879 § 51 ift für bie unter biefelbe fallenben Hinter*
legungen audbrücflid^ beftimmt, ba^ cd jur H^^^ndgabe ber nad^ § 60 älbf. 1
ber prcug. 9}orm. O. auf älnorbnung bed aSormunbfc^aftdgcrid^tcd tiinterlegten
©cgcnftänbc an ben aSormunb ber ®eneömigung bed aSormunbfd^aftdgcrid^ted
bcbarf. 3Hnä) wirb, wenn auf ®runb bed preug. ®ef., betr. bad Staatdfd^ulb^
büäf, 0. 20. 3uli 1883 § 24 bas SBDnnunbf(f)aft6gcric^t ongeorbnct bat, bafe
bie ©intvagung tec bem 9)Iünbel get)örcnben Sc^ulbüerfc&reiOiingen auf bot
31amen besfelbcn im iStaatöfe^uIbbuc^e facaittraflt luetbc, auf 5Snlrflfl eine Sc
fdirfintiing bcä SSocmuiibeä im <Stnat6fi$u[bbuc^c eingetragen, ba§ bie ^ud:
rei^ung Don Slaatfltdtuibuettc^rctbunflen gegen SöfdiHiig bct eingetragenen
J^orbcrung nur mit ®cnc()migung bes $ormunbf(^aftögcri(^tes juiäffig fei
(oergl. aUg. Söcrf. befi SuftiiminificrS v. 17. ©egemba 1884 im preufe. 3uft. SDIin.
ÖL 1884 S. 288; ferner e[f.iott)r. ®cf. n. 16. 3uni 1887 g 6).
M «^esung S3ie ©rüubc, anf töeti^en bie Seftimmnngen beS § 1670 betuljcn, muffen
sininiuint «ot^iDcnbig ba[)in füftren, wenn eine ^interCcgung iiod) äßo^gabc bcr Se;
«t«(Rfia«M, ftimtnungen bes § 1G70 erfolgt ift, bie ©i-^ebung ber tjintcrlegteu ©egenftfinbe
burd) ben SBormunb an bie ©ene^migung bcß 93ormunbfiJ)Qftflgcri^tcS ju
binbcn, bo fene SSeftimmwngen audf eine Sid)erung bca SWünbclö gegen ben
3}onnimb unb ben ©fgenoormunb bcjmetfen imb nur baß ^ormunbic^aftS:
gend)t oon ber im § 1670 Slbf. 1 beftimmten S3erpfticl)tung ben iöormunb ju
entbinben bereditigt ift, and) bie gortbauer einer auf ®runb be« § 1670
9lbf. 3 erfolgten Slnocbnung von bem ©i-mejfen beö SJormunbfcöüftflgerifJteä
ob^ängt.
M !M,te. ailQdtt mou ober bie aSirffamfcit ber ©r^ebung ber t)intct(cgten ©egen*
(,,*^^{^J^„ ftünbe Don ber Genehmigung be« ajormunbft^aftÄgeric^tcS abfiüngig, crocfitet
' man bemnat^ in biefer ^inftdit bie Genehmigung beS ©egenDormunbefi nac^
ajlafegobe beS § 1669 niiftt aii auflreicficnb, fo ift efi fonfequent, oud) bie SBirfs
famleit eines leben 91e({|t&gefcl)äftce, burdi me(d)ee bie I)interlegten ©egenftänbe
unb bie ^opolHcn ober ©runbfcfiulbfn, auf ioeId)e bie [)iuterlegten §i)po-
t^efenbriefe ober ©runbfc^ulbbriefe fidi beiiefien, »eräufeert ober bcfaftct tverben
ober bie 93crpfli{filung ju einer fofdien ajeräufecrung oba- SSetoftung begrünbet
roirb, in Sfbroeic^ung oon ber Jtegel bee § 1669 nidjt oon bcr Genehmigung
bea Gegenoormunbeö, fonbern ftetfl uon bcr Genehmigung be« Sormunbf»^üft6=
getii^tea abhängig ju machen. ®s ift ju befotgcn, bofe o^ne eine fotrfie Se=
ftimmung bet Siocd bet Siorf^riften befl § 1670 in Dielen gälten, namentli(t
in folc^en, in roeldjen baö 5ßormunbf(6oftßgeri(ibt bie Hinterlegung angcorbnct
^Qt ober in ©rmangelung bcr im § 1670 9[bf. 1 beftimmten gcfeglic^en Sßer=
pflicbtung befl 5ßormnnbe6 ongcorbnel öaben mürbe, roeil eö bem SGormunbe
unb bem Gegenuotmunbc fein »oUeö SJcrtroucn fdientt, oercitett rocvbcn fönnte.
^on bcfonberem praftifdiem SSJert^e ift bie fiier fraglidie SBorf^rift ferner
im §inblide auf bie ^cfttmmungen beö § 1547 für bie eltcriirfie Gcnwlt, ba
auf bie legtcre bie aSorfi^riften bes § 1669 feine älnroenbung finben (oergt. bie
aHotiDC ju g 1547 oben ©. 809 ff.).
Sie mit ber Hinterlegung in anfe^nng ber im § 1671 äbf. 1 bejelc^ncten
91ec^tflgefc^ofte oetbunbene befonberc SBirfung foU inbeffen nur eintreten, fo=
lange bie ©r^ebung ber fiinterlegten Gegenftönbe nii^t erfolgt ift. S3iefc Scs
fi^ränfung \\l im ^ntereffe ber Sicticr^cit unb ber ©vlei^terung bea aUerfe^refl
geboten, jumal bie ^ier froglic^i; Söcftimmung nit^t ben Sarofter eine« SBers
ünlerungSDcrbotcS (§ 107), fonbern ben einer Scfc^räntung ber SJertretungfis
niad)t beS SiormunbeS Iiat, ber dritte mitliin, menn bie @r^ebung ber
hinterlegten ©egenftänbe oljne bie Genehmigung be« 9Jormunbf(^oftdgerid)tea
aSormunbfctaft ic. Sn^abcrpapierc 2C. |)mterle0un9 2C. §§1672,1673. 1135
erfolgt fein fottte, o^ne jenen bcfd^rönfenben 3^ifö6 ^^^ ^^^t ^^^^ feinen
guten ©louben gefd^üfet fein würbe, rotnn er fic^ mit bcm SBormunbe olä
fofd^cm auf Sled&tögcfd^äfte über bic ju Unred&t erl^obcnen ©egenftonbe, nament*
lid) über bie §i)pot^efen unb Orunbfd^ulben, in 2lnfc{)ung beren bie ^i)pot^efen5
briefe unb bie ©runbfd^ulbbriefe ouf Stnorbnung bcö SJormunbfd^Qftögcrid&teö
hinterlegt roorbcn ftnb, einlast. 2Iud^ in Slnfcl^ung ber bem SWünbel gcl^örenben
3nf|abcrpQpierc, roeld^e bcr SSormunb naij § 1670 3(bf. 1 Iraft beö ©efefeeö
JU f)intcrlegen ober auf ben ^tarnen beö aJlünbelö umfd^rciben ju taffcn uer*
pflid)tet ift, lann jener bcfd^rönfenbc S^fag nid^t cntbcfjrt werben, ba fonft
ber S8erte{|r jroifdEien bem Söormunbe unb ©ritten in Stnfel^ung ber Snl^aber*
papiere mcgcn ber atöbann bcm ©ritten obtiegcnben ©rfunbigungöpffid^t, ob
ber SSormunb oon ber ^icr fraglici[)en SSerpflid^tung befreit fei (t)crgl. § 1670
9lbf. 2, §§ 1692, 1733), ju fcf|r erfd^roert unb gefäl;rbct werben würbe.
3ubcm würbe ber Srocd einer in Slnfebung ber 3n^aberpapierc üon jenem
faefd)ränfenben B^f^gc abfe^cnbcn SBeftimmung, ben 2Rünbcl aucfi in fold^en
göHen mel^r ju fid^ern, in wctd^en ber SSormunb feiner im § 1670 Slbf. 1
beftimmten 33erpftid^tung nid^t nad^gefommcn ober bie 6rf|ebung ber 5ßapierc
ol^ne ©ene^migung bcö SBormunbf^aftögerid&teö erfolgt ift, auf biefem SBcge
bod^ nur unoollfommen erreid^t werben, ba ber SSormunb, wenn er will, afe
3nbaber über bic Rapiere ju Dcrfügcn in ber Sage ift unb alöbann bem Dritten
bie aSorfd^riften bcr §§ 687, 877, 879 fd^üfcenb jur ©cite ftel^en.
S)ie S3cftimmungen beö § 1671 3lbf. 2 bcni^en auf Sfinlid^cn ®r* über umöe.
wäflungen, wie bicjenigcn, weld^c ju ben S3cftimmungen beö § 1671 3lbf. 1 l^aiuw*
geführt ^aben.
§ 1672.
SBenngleid) bie SSorfd^riften bcö § 1672 alö fclbftüerftänbtid^ crad^tet Sfreiwimgc
werben fönncn, fo ift eö bod^ wegen ber praftifcben SBid^tigfcit bcrfclben ^S,«""^
(Dcrgt. inöbcfonbere bie §§ 1692, 1733) unb nad) SKnalogie beö § 1668 alö ^»"Wretbung.
angemeffcn crad^tct, bicfelbcn im ®efcfec befonberö jum Sluöbrudfe ju bringen
(ücrgL SRotiüc ju § 1670 oben ©. 1133; preufe. Wintert. D. v. 14. aWärs
1879 §§ 46, 50; preufe. ®ef., betr. baö ©taatöfd&ulbbudö, v. 20. 3uH 1883
§ 7; fäd^f. ®ef., baö ©taatöfd^ulbbud^ betr., v. 25. 9lprit 1884 § 7). 3ft
eine Hinterlegung ober Umfd^rcibung na^ SWafegabc beö § 1672 erfolgt, fo
pnben, foDiel bie Sefugnife beö 3Sormunbcö jur SJoma^mc bcr im § 1671 bc*
jcid&nctcn 9tcc[)tögefd^äftc betrifft, an ©teile bcr SSorfd^riften bcr §§ 1670^
1671 bie allgemeinen SSorfd^riften 3lnwenbung (ocrgl. § 1669 Derb, mit
§§ 1690, 1733).
§ 1673.
®a bic im § 1673 bejeid^neten Äoftcn fxd) alö allgemeine SSerwaltungö^ ^^^^ ^*'
f often barftelten, f o muffen bicfelbcn bcm Sttünbct jur Saft fallen. 3m Sntcreffe * "*ob« ""*
bcr ©cutlid^fcit beö ©cfejeö ift cö al^ angcmcffen era^tct, bieö befonberö jum »«f*«*«»«««-
Sluöbrudc ju bringen (uergl. aud^ § 1549).
§ 1674.
atnt^iRigung I. ^[t Sefttmtnungen t)eä § 1674 berufen im SIQgetnctnen auf bcm
'"'!^™(Ji"'*©ebQnfcn, bofe in Slnfe^ung befonbers roit^tiger unb übet bie Otenjcn ein«
Kti«tc« iu gemö^nli^en SerwQttwnQ fiinauSge^enber DJedjtSgcfeEiöfte, o^ne Unterfcftieb,
gtfitwtn. oh ber ^ormunb biefelben al& Vertreter bcä 3)iiinbe(jS im Flamen befl
legieren ober ob ber aUünbel felbft f\e unter ^injutritt ber ©iniDiUiflung
ober Genehmigung beg 33onnunbcä oornimmt, bic ^crtretungsmodit beä ^on
munbeö in ber äirt cingeft^ränft nierben foU, t>a% ju ben fonftigen allgemeinen
©rforbcrnilien ber SBirffamfeit befl betteffenben SRedjtögcfcöäftcs als loeiteues
@rforb(rni| bie Genehmigung bcfi ^iormunbfi^aftegeric^teö Einzutreten mu§
(üergi. § 1681). 3n ben aWotioen ju § 1649 oben S. 1085 ff. ift bereits
borauf ^ingeroiefcn, bafe es ni^t mög[id) ift, bie nu^ctiialb ber geroö^ntidjen
aSerrooItung liegenben ©efc^äfte burdj eine allgemeine prinji;)iene aSorfi^rift
ju treffen, fonbetn bafe bas ®efcg [i^ begnügen mufe, bie SQertretungSmoc^t
bes SormunbeS burtf) bie äufftellung cinjclnec beftimmter unb greifborcr Mos
tegorieen ju befdjcänfen.
9Bfi£)renb bet bem § 1674 cntfprccfienbe, auf bie etterli^e ©eroalt T^
bejiedenbe § 1511 im Eingänge ben ^inrocis auf foId)e 92e^tsgefc^äftc entl)fllt,
meiere ba9 ber elteclidien SSermaltung untecüegcnbe aScrmögen beö AinbeS
betreffen, ift im § 1674 oon einem foli^cn §innieifc abgcfe^en. Sie @a<^Iagc
bei bem § 1511 ift infofcrn eine onbcre, alg eincSt^eilö bet § 1511 eine ber
31r. 8 bes § 1674 entfprc^enbe, aüä} nid)t oermögenSrci^Hii^e 9ted)t6gcf(^äfte
umfaffenbe Seftimmunfl nic^t enthält, onberent^eilfl im § 1511 [)ttt jum ^u3=
brucfe gebrat^t roerben foUen, bfl§ bet § 15U auf bafi bet elterlidjen SBetnialtung
cntjogene, oon einem Pfleger oerroaitete Sßermögen beö fiinbes (§ 1738) feine
Snroenbung finbet, roäb^nb bet § 1674 o^ne Siüdfi^t botouf mofegebenb ift,
ob baS VermBgen bes ^ünbeCs oon bem ^ormunbe ober non einem pfleget
»etroaltet roirh (oergl. § 1743).
UebrigenS ftnb im § 1674 bieienigen KeditSgefd^äftc, bcren SBirtfamfeit
Don bet ©enetimiguug beS 3iormunbfd)aftSgeni$tcS abt)ängig gemacht ift,
feineSroegs crfdibpfcnb aufgefü[)rt; uiclmelit ift not^ in einer 91eif)e anbetet
gälle im Sufiwicn^ange mit anbeten ÜRatcticn bie ®enel)migung beS 93ots
munbfi^aftSgetiditcS als ©cforbetnife bet 9i?itffamfeit eines 9tec(itsgefcf)äfteft
uotgef^tieben (tcrgl. § 1341 Sbf. 2, § 1431 aibf. 2, §§ 1576, 1589, 1600,
1613, 1629 abf. 5, § 1630, § 1669 3Ibf. 3, § 1671, § 1957 aibf. 3, §§ i960,
1962 aibf. 2, § 2020 aibf. 1, § 2013, § 2094 9lbf. 6).
^ Sinjelnen ift ju ben ^cftimmungcn bcS § 1674 golgenbes ju
bemer!en:
««• 1. 3)ie Sßorfc^tift, bofe ju einem Slec^tsgefi^äfte , burd) rocli^e« ein
scIwiTmU ©funbftüd Detäufecri niitb, bie ©cnc^migung beS 33onnunbf4oftSfletid)teÄ
9™"!*'"'' erforbetli^ fein foU, betu()t auf bem ©efi^ltspunfte, ba^ bet ©tuubbefig olft
fo[*nI!''"einc, namentlii^ in fojialer §in[x(f)t, befonbet« roetl()DoUe aiit bes Sßermögena
bem ^ünbet regclmfi^ig ju erl)Qlten ift unb bes^alb nur unter erfebnierenben
aSorauSfeßungen foU oerüußctt roetbcn fönnen. 3Jlit bem ©ntroutfe ftimmen in
biefet .^iiifif^t baS gemeine Äci^t unb bie ncueten ©efcße im ^tinjipc übeteia
aSormunbf^aft 2C. ©eneftmißuno bcö aSormunbfAaftögcric^teö. §1674. 1137
(ücrgl. ptcufe. 31. S. 9t. II, 18 § 550; prcufe. «Dan. D. § 42 3ir. 5; öftcrr.
®. ». § 232; fäd&f. ®. ». § 1942; iDcimar. ®cf. t). 27. aWörj 1872 § 52;
brcm. gSorm. D. § 74; l^amb. SBomt. D. Slrt. 42; ^cff. entro. IV 3lit 73; barjr.
entro. art. 78 3lv. 1). SRac^ bem franj. SRcd^te (code civil 3lrt. 457, 458) ift
neben ber (Scne^migung bed ^amilienrat^eö bie ^eftätlgung bed ^oDegial-
gerid^tcö erforbcriidb-
2)ic grage, ob bie ©cnel^migung bcö SBormunbfd^oftögcrid&tefi nod)
§ 1674 3lx. 1 au^ }u einem fold^cn SRc^tögefd^öftc erforberti^ ift, roel^cö
lebiglic^ bad 3Iuf geben, indbefonbere bie Uebertragung, bed ^eftged eines im
S3efige bcd äßünbetd beftnbUdden ©runbftücfed }um ©egenftanbe t|at tmb bei
metd^em nid^t menigftend eoentuell ber Sßille oud^ auf Uebertragung beö
SRed&teö an bem Orunbftiicfe gerichtet ift (t)ergl. §§ 808, 809), t|ot ber ©nt*
tourf ebenforoenig, wie bie befte^enben ©efefee, bur^ eine befonbere Seftimmung
entfd^ieben. S)ie Slufna^mc einer bie alienatio possessionis ber alienatio rei in
ber ^ier fraglid^en ^infid^t unbebingt gleid^ftettenben SJorfd&rift, um bem
aWünbel bie condictio possessionis (§ 737 2lbf. 3 ncrb. mit § 748) 5U fidlem,
menn ber SSormunb ol^ne ©ene^migung bed 3}ormunbfd(iaftdgeric(|ted ben ^eftg
eineö ©runbftücfed aufgegeben bot, ift bei ber ©elten^eit ber \)kx in S3etrad(|t
fommenben gälle burd^ ein proftifdbeö S5ebürfni§ ni^t geboten, auä) — ^in-
gefefien namentlid^ auf fol^e ^öUe, in n)eld[)en über bad (Sigentl^um beö
©ritten an einem Don bem SRünbel ofine SRe^tögrunb befeffenen Orunbftürfe
gar fein 3w)eifel befte^t, bie Uebertragung bed S3efi|ed an ben 3)ritten für
ha& Äinb mithin eine SSermögendoerminberung überall nid^t entl^alt — nid^t ald
angemeffen era^tct roorben. Um fo bebenflid^er mürbe ed fein, ^ier eine
befonbere SSorfd&rift aufjunel^men, ald ber ©ntmurf aud^ in anberen ä^nlid&
liegcnben gfiUen (ocrgl. §§ 107, 1300) bie grage, ob unb inroierocit bad 3lufs
geben bt& Sefifted einer ©ad^c ber SScräufeerung ber (Bad)t felbft gleid^5uftenen
fei, unentf^ieben gelaffen ^at, bie 9lufna^me einer befonberen SBeftimmung an
biefer ©teile ba^er ju einem irrefü^renben argumentum e contrario SBeranlaffung
geben fönnte.
aSie jxd^ aud § 781 ergiebt, ftel&en ben ©runbftüdEcn im ©inne bed
§ 1674 9lr. 1 fotd^e 93ered[)tigungen glei^, mct^e ein Slatt im ®runbbud[)e
erhalten fönnen. gemcr ftellt ber § 1674 3lx. 1 htn ®runbftüdEen bie SRed^tc
an einem ©runbftütfe gleid^, mit S[udnat|me ber ^ppot^cf cn unb ©runb^
f^ulben. S)ie ©rünbe, aud melden ber ©ntmurf bie ^x)poti)tUn unb ©runb*
fdbulben non ber f)kx fraglid^en Seftimmung audgenommen unb bem § 1669
untcrfteUt l)at (nergl. iebod& § 1670 3lbf. 3 unb § 1671 2lbf. 1), finb bereitd
in ben SMotinen ju § 1669 oben ©. 1124 bargelegt (oergt. aud^ bie liDiotine ju
§ 1511 oben ©. 765 ff.). Slnberd ald bei ben ^w^ti^efen unb ©runbfd^ulben
liegt bagegen bie ©acJ^e bei ben fonftigen 9ledE)ten an ©runbftücfen. S)a bad
®rbbaured[)t nad^ ben §§ 961, 962, 781 ben Orunbftücfen gleid^gefteUt ift, bad
bingli^e aSorfaufdrcd^t nad^ ben §§ 954, 486 auf einen 9lnberen nid^t über*
tragen unb eine ©runbbienftbarfeit non bem l[ierrfd^cnben ©nmbftürfe nic^t
getrennt werben fann (§ 974), fo fommen \)xcx — non einem SBerjid^te auf
ein aSorfaufdred^t ober auf eine ©runbbienftbarfelt abgcfel[ien — allerbingd
nur ber SRiefebraud^ an ©runbftüden (§ 1011), unter Umftfinben befd^rSnfte
IRotiot i. 6tti«er(. akfe|bu(^. IV. 72
perfönlic^e SÜenftbürfeitcn (§ 1047) unb bie ju ©unften einet beftimmten
'':]3etfon befte^enben SHcallapen (§§ 1057, 1059) in Setrod&t. SBenngleie^ bie
^^äQe, in meieren berartige Steinte an ©runbftücfen )u bem 33crm5gen bed
Sllünbela gehören, fcltener fmb wnb bes^aib bie Srnge, ob ber aSormunb bei
bec SßeräuSerunfl berfetben an bie ©enc^migung bea 5Bonnunbf(^aft«geri^teB
gebunöen nterben foD ober nic^t, oon geringerer proltift^er Sßiijtigfeit ift, fo
fäUt bod) anberetfeits cntfijeibenb tnä ©ernicbt, ba§ bie ^ier frogÜii^en Seii^te,
nomcntiid) bie IReoHoften, aiii^ nodi ber heutigen Siet^tSs unb ®erfe^r9=
auffaTIung ju bcm unben)cg(id)en a3ennögen gerccljnet ju mecben pflegen (cergl.
§ 1432 nebft SJIotinen oben S. 551), ferner, ba| bie SSctfiigung über bie ^iet
in SRebe fte^enben 3ied)tc bwrd) ben regelmü&igen Sauf ber 58errooItung nid|t
geboten wirb, fonbern elroas Sliifeergeroö^nlidicß ift. aJIit bem ©ntrourfe
ftimmen in ber ^icr frogtidjen SScsie^ung boä gemeine Seijt, bas preufe. unb
bas fä^f. Sedit übcretn (»ergl, ]. 3 §§ 4, 5 D. de rebus eomm 27, »; preufe.
Sorm.O. § 42 SUr. 5 »erb. mit preufe. 31. 2. 3t. I, 2 §§ 6—9, boju Urtfi.
b. Ob. arrib. bei Oru^ot XXIII S. 917; fäcfef. ®. S. §§ 59, 60, 1942).
Sturfi nad) frön;. 91ed|te xoitb ongenommen, ba| ben (Srunbfiüden bie 3m=
moftiliarrcdite gleic^fte^cn.
9tu8 benfelben (Sriinben, roie im § 1669 9lbf. 1 {Bcrgl. bie 9MotiDe ju
§ 1669 oben ©. 1124), emtäfint aui^ öiet ber ©ntrourf neben ber SBeräii^erung
bie Selaftung (oergl. 1. 3 § 6, 1. 7 § 5 D. de rebus eorum 27,«; preufe.
aSorm. O. § 42 31t. 5; code civil STtt. 457; föd)f. ®. ». § 1942), joroie bie
Segrünbung ber 9ierpfltä)tung jii einer iöeräuSetung ober Selaftung bet im
§ 1674 9ir. 1 bejeidineten Sri.
9icrf(ftiebene Slci^te matten Bon bem etfotbctniffc ber ©eneEimigung
bc8 SSormunbfdfaftägetic^tea für fol^e göHe eine ^[usna^me, in melden eine
aSetppic^tung befl SOTünbelfl gut ^eräufeetung befielt (uergl. LI § 2, 1. 5
§§ 6, 7 D. de rebus eorum 27, »; code civil 9Irt. 460 unb baju ©ntfd). b. 9J. ®.
in eitiilf. XI, 81; fnd)f. @. S. § 1945; roetmor. ®ef. o. 27. äÜörj 1872
§ 52 9ir. 6). Sic ©rünbc, ntelcfee ben entnturf beftimmt ^aben, non einer
foliiien älusna^me abjufefien, ftnb biefclben, aua roeli^en au^ für bie '^Ue
be« g 1669 eine 3Iuanatime nid&t ata angemeffen era^tet ift (oergt. bie 2Botioe
JU § 1669 oben ©. 1124). dagegen ift nac^ bem Sotgangc bet pteufe. aSorm. D.
§ 42 31r. 5 im § 1676 ouabrücfüc^ »orgef^riebcn, ba^ ea ju bet ^Jcräufeerung
ober 33elaftung eines ©egenftonbea im SBege einer gegen ben SHünbel ge*
ricfitelen ^roangäDotlfttcctyng ber ©ene^migung beö SJormnnbfdiaftagcri^tefl
ni(^t bebatf. üßegen btefcr ffleftimmung unb bet im § 1676 gegebenen roeiteren
ajorf^rift, bafe bie ©ene^mtgung bea Siormunbfdiaftsgeri^fes nicftt erfotberlic^
ift JU bcm äintrage, einen gemeinf^oftlidien ®egenftanb jum 3roede ber atuf*
^ebwng ber ©emeinfc^aft nac^ aHaigabe bea § 769 9rbf. 2 ju nertoufen, roirb
ouf bie aJiotioe gu § 1676 a3ejug genommen.
91ttd| röm. Steckte barf bie obetBotmunbfiftaftti^e ©ene^migung pr 3Jer»
" Qufeerung bei Süermeibung bet Jlic^tigfeit nur aus ©riinben bet «dot^roenbigj
feit, nic^t au* aua Slüßlic^feitagriinben crifteift loerben. Ob gemeinreditlic^
bie ettt)eilung ber ©ene^migung qu<^ au« ^lü^Ii^rcitagrünben erfolgen (onn,
ift bcftritten. Die neueren @efe|e geftotten regelmofeig bie Serflufeerung au*
aJormunbf$aft 2c. Oenc^mtöung beö S3orntunbf$aft§gcri(i^tcS. §1674. 1139
aud StDedfmäfeigfcitßgrünben (ücrgt. prcufe. 21. S. SR. II, 18 §§ 555, 563;
oftcrr. ®. 33. § 232; föd^f. 0.93. § 1943; rocimar. Ocf. t). 27.2n8rj 1872
§ 53 ; brcm. 58orm. O. § 74 ; f)amh. SBorm. D. 2lrt. 42 ; toürttcmb. 9lotarlotegcf .
V. 14. 3uni 1843 9lrt. 21 ; code civil 9lrt. 457 ; ^eff. ®ntn). IV Slrt. 74).
Slnbcrc neuere ®efe|c erroöl^nen ben Unterfciiicb jroif^cn 5Rotl^n)cnbigIeit unb
JlugUd^fclt überliaupt nid&t mctir, fonbern überloffen in bicfer 93cjie^ung STUeö
bem t)on bem Sntcrcffe bed ajlünbete geleiteten oerftänbigen (Srmeffen ber Ober«
üormunbfd^Qft (ucrgl. preufe. SSorm. D. § 42 3lx. 5, § 44 nebft 3Kotiüen ©. 78;
ba^r. ©ntro. Slrt. 78 3lx. 1). 3)ieö ift ou^ ber ©tonbpuntt beö ®ntn)urfeö.
©ine ©infdfiränhing beö ©rmeffenö beö 5Bonnunbfci&aftögeri^teö burd^ bcftimmte
3)ireftiDen ift im ^inblicfe auf bie aSietgeftoltung beö Sebenö ni^t afe am
gemeffen ju erad^ten, aud^ für bie SBormunbfd^aftögerid^te, l^ingefe^en auf bie
aSerantwortlid^feit berfelben (§ 1702), mit großen ©efa^ren oerbunben unb
fann ba^in führen, bafe von ben SSormunbfd^aftögerid^ten bei ©rt^eilung ber
Oene^migung jum SJiadEit^eitc beö 3ßünbetö ju ängftli^ üerfa^ren wirb. 3Son
felbft Derftel;t cö fid^ übrigenö, baß in biefem gatte, mie übcrl^aupt in allen
gäUen, in meldten bie ©ene^migung beö SBormunbfd^aftögerid^teö ju einem
SRed^tögef^äfte ober ju einer ^anblung beö SBormunbeö erforbert wirb, baö
33ormunbfd^aftögerid[)t fid^ nid^t bloö auf bie Prüfung ju befd^ränfen ^at, ob
bie aSorna^me beö SHed^tögefd^äfteö eine ^flid^troibrigfeit beö SSormunbeö ni^t
entl^ält unb nid^t mit befonberen SRad&t^eilen für bm 5Wünbel Derbunben ift,
fonbern bie ®enef)migung nur bann ert^eilen barf, wenn eö bie Ueberjeugung
gewonnen ^at, bafe bie SSoma^me beö Sled^tögefc^äfteö bem Sntereffe beö
2RünbeIö entfpri^t, roibrigenfallö baö SBormunbfddaftögerid^t bem SJlünbel ft^
nad^ 3Ba6gabe beö § 1702 uerantroortUd^ mad^t. 2)aö SSormunbf^aftögerid^t
nimmt in biefer ^infid^t ganj biefelbe Stellung ein, mie ber SSormunb bei
ber @inn)ittigung ober ©enel^migung ju einem 9led^tögefd^äftc beö aWünbcIö.
3luö äl&nU^en ©rmägungen ^at ber ®ntn)urf aud^ über bie 9(rt ber ^^^^ ^^ ««-
aSeräufeerung, inöbcfonbere nad^ ber SHid^tung f)in, ha^ biefelbe bei ©runb^ öu^cning.
ftücfen regelmäßig im SBege ber ©ub^aftation ju erfolgen l^abe (oergl. preufe.
31. 2. K. II, 18 §§ 550, 558, 574—582, 636; öfterr. ®. 35. § 232; code civil
2lrt. 459; bab. @ef., baö 3;i^eilungöüerfal^ren unb bie aSeräufeerung oon
Sßünbelgütern u. f. io. betr., v, 26. SIpril 1886; roeimar. ®ef. v. 27. äßärj
1872 § 53; ^eff. ©ntro. IV, 75; ba^r. (Snixo. Slrt. 78 5Rr. 1), fpejieDe »eftim^
mungen nid^t aufgenommen, fonbern aud^ in bicfer 33ejie^ung nad^ bem SSor»
gange beö gemeinen Sled^teö unb oerfd^iebener neuerer ©efefee bem üon bem
Sntercjfc beö Sttünbelö geleiteten oerftänbigen ©rmcffen beö aSormunbfd^aftö*
gerid^teö SHaum gelaffen (oergl. preufe. 58orm. D. § 44; fäd(if. ®. 33. §§ 1942 ff.;
brem. SBorm. D. § 74; ^amb. 58orm. D. 9lrt. 42). ©ineö befonberen 9luö^
brudeö im ®efe|e bebarf bieö ni^t. S)a baö aSormunbfd^aftögerid^t feine
®enel^migung uon geroiffen Söorauöfejungen abf)ängig machen fann, fo ^at
baöfelbe eö in ber §anb, feinerfeitö eine beftimmte Slrt ber SBeräufeerung por*
jufd^reiben.
2. 2)ie 93eftimmung beö § 1674 3lx. 2, meldte fid^ alö eine 3luönal^me »«äu^erung
von bem ^rinjipe beö § 1669 barftellt, berul^t auf ber ©rroägung, ba^ bie ammobutar*
i&ier fraglld^en Slnfprü^e, mirt^fd^aftlid^ betrad^tct, ben in ber SRr. 1 beö ««fpfft*«^
72*
auäj bei t>cc ©cmeinfi^aft beB beniegli^en SJermägertS uttb ber Scrungenf^aft
iti ber äJe^immung beS § 1432 äfbf. 2 9h. j geführt ^ot.
Brtaustruna 3, Sie bem § 1353 3[bf. 1 fi* anfc^ liefe Mibe aSorfdfcift bes § 1674
^ifle"n™t. ^^r. 3 reditfettigt fic^ burc^ bie befonbcre Sffii^tigfcit unb ben ateatoritc^eii
fiaraftet bct im § 1674 9!r. 3 bejeit^ncten, jubem über bie ©renjen einer ge*
ni5^nli(^en SJennaltung ^inau&ge^enben, nur in augerorbentlid^n ^Ken alfi
ongemeffeu ju eroditenbeii ©eft^äftc.
8«ti(a«iib« 4. Die an ü^n(i(^e äJorfd&riften neuerer ©efeje {preufe. SJomi. O. § 42
«r. 9Ir. 4; brem. aSorm. C § 79; bopr. ©ntro. 3lrt. 78 Dir. 5) ftc^ anfctiüefeenbe
"• SJorfiftrift be* § 1674 9Jr. 4 empfiehlt fi^ namentli^ oon bem praftifi^ien
©efii^tSpunfte QUfi, bafe in einer grogen Qaf)l von ^äüm bie nomtunbfi^afts
litfte SBemialtung mit einer erbauaeinonberfeßung beginnt unb biefe bie Sofis
für bie roettere ©eftattung ber normunbf^afttidien SBerrooltung bilbet, ba^ e«
ober jiDectmöfeig ift, wenn baS SßormwTibfdiaftflfleriit in gotge ber 'SloÜf
rocnbigfeit feiner Sßitmirfung bei ber ®rbau6einanberfe|ung »on ben SSer^ältj
niffen fofort unb nic^t erft bei Prüfung ber nädiften ^a^refire^iiung Aenntnife
erlangt, ^nfofern ift bei ber 33ormunbfrf)Qft bie ©oi^Iage eine anbere, alft
bei ber elterlichen ©eroatt, für roeti^c eine bem g 1676 3ir. i entfpre^nbe
SSorf^rift in § 1511 mcf)t aufgenommen ift. 2ier Stonbpunft bes franj.
9}ec^teä unb anberer ®cfe|e, bo§ bie ©rbt^eilung, roenn SDlinbcrjü^rige ober
fonftigc Seoormunbete bei berfelbeu betdeiligt [inh, immer gertd)t[id| erfolgen
mw6 {oergl. code civil 3Irt. 4(i6, 838—840; füdif. @. 33. § 2349), ^at in ben
erbrei^tlidjen Seftimmitngen bc8 ©ntrourfeS (§§ 2151 ff.) leine ^Knccleiinung
gefunben. ©in ^ebürfnife, in biefer Mid^tung befonbere Sßorf^riften p geben,
liegt nii^t vor.
3)ie aJorfclirift beS § 1674 31t, 4 begießt ftc^ nur ouf aSertröge über
bie Sluöetnanberfe^ung in Slnfe^ng einer @rbfi$aft. Slagcgen ift bie @e=
ne^migung beä ^ormunbf^aftögeriditefi ntcE)t erforberlic^ jur @i^ebung ber
3:tieilungdflage ober ju bem antrage, bie gu einer gemeinfc|aft[id|en &:bf(^aft
ge^örenben ©cgenftänbe jum ^oxdt ber ^ufficbung ber ©emeinfi^aft nad^
aWafegabe be« § 769 Sbf. 2 ju ocrfoufen (oergl. in biefer aSeiietjung § 1676
nebft aKotitien).
3n Uebereinftimmung mit ber pcufe. Siotm. O. § 43 — abroeit^enb »on
bem iireufe. 91. 2. SR. 11, 18 § 409 — ge^t übrigens ber (Sntrourf baoon ou*,.
bafe bas ^ormunbfdiaftögencbt uon bem Siormunbe bie Herbeiführung bec
©rbfluaeinanberfe^ung regelmöfeig ni^t uerlongen (onn, fonbetn ber SJormunb
JU ermcffen l)at, ob bie Sluseinanberfeßung erfolgen foU. 3n ©rmangeluna
einer entgcgcngefeglen 33orf^rift ergicbt fiiJ) bieS aufl bem ^rinjipe ber ©etb*
ftünbigfeit beS 93ormunbeö oon felbft (§ 1C48), ofjite bofe e6 eines befonberen
äuBbrucEea im ©efe((e bebarf (nergl. iebodj § 1734 »erb. mit § 1548).
»"• 5, 2)er entgeltlii^e Snoerb »on Orunbftütfen für ben STIünbel fonn
"n bem aSormunbe ni^t gänjlidi unterfagt werben. äBenngleit^ es in ber 5Regel
itof oorjngif^en fein roirb, bte äßunbelgelber in anberer SBetfe nu^bar gu machen,
fo ift boi^ nid)! gu oerFennen, bog unter Um^änbcn oucl) ber ßnoerb oon
©runbbefi^ für ben iOlünbel iroedmä&ig, oicBei^t fogar bur^ baa 3nteref(e
SSormunbf(6aft 2C. ©cne^miguno beö S3onnunbf(6aft8fleri(6tc§. §1674. 1141
bed 3Rünbe(d geboten fein lann. ^q bied iebod^ nur audnal^mSmetfe ber %aU
iinb ba^ Ocfd^äft oon bcfonberer SBid^tigteit ift, fo empfiehlt cö \iä), bie
SBirffamfeit bc« ouf ben entgcttlid^en ©rroerb eineö^ ©runbftüdfeö geri^tetcn
aScrtrogcö von ber ©cnc^migung bed SBormunbf^of tegerid^teö . abl^ängig ju
mo^en (§ 1674 9Jr. 5). 2)er ratio biefer SSorfd^rift entfprici[)t eö, bcn (Srunb:^
ftücfen oud^ in ber ^ier fraglid^en Sejiel^ung biejenigcn SRed&te unb Slnfprü^e
gIeidE)jufteIIcn, ju beren SBcräufecrung naä) ben Scftimmungen ber 9Jr. 1, 2
bed § 1674 bie Ocnei^migung beö SBormunbfd^aftögerid^teö erforbcrli^ ift.
3nöbefonberc trifft bie ratio ju ouf einen SBcrtrag über ben entgettUd^cn ®r*
rocrb cineö Sßicfebroud^eö (Dergl, preufe. 31. S. SR. II, 18 §§ 597—599 ; prcu§.
aSorm. D. § 42 3\x. 6; brem. SSonn. D. § 73; ^omb. SBonn. D. 3lrt. 49; bopr.
entro. 2lrt. 78 3lx, 1).
6. SBäl^renb gemcinred^tlid^ ber Söormunb in bcm älbfd^luffe oon ^aä)U 3»iet^. unb
unb ÜWictIdDerträgen für ben aWünbel na^ aufecn ^in überall nid^t befd^rönft °t*T w'*^*
ift (uergl. ©euffert XXIV, 126), geftattet ba§ fronj. Siedet bentfctben SScr*
mietl^ungen unb aSerpad^tungcn Don SKünbelgütem biß auf bie 2)auer oon
neun 3Q^ren. darüber l^inauö fann er audE) mit ©enefimigung bed gamilien«
rat^ nid^t Dermietl^en ober ücrpad^ten (code civil 9lrt. 1718, 1429, 1430).
3)iefer Unteren 2lrt ber Siegelung fielen alle Sebenfen entgegen, rocld^c gegen
berartige abfolute 5Bcrn)aItungöüorf^riftcn überhaupt fpred^en. (So wirb immer
gäUe geben, in meldten baö 3ntcrejfe beö SMünbelö baburd^ gefd&äbigt mirb.
©d&on bie für Sanbgüter ^in unb roieber üblid^cn längeren ^ad^tperioben
bürfen nidE)t unberütffid^tigt gelaffen werben. Sluf ber onberen ©eite ift eö
ober für ben 3Äünbel gefäfjrtid^, bem SSomiunbe bie 9Kad&t einjuröumen, ben
erfteren burd^ berortige SJertröge unbefd^ränft oud^ über bod ^^oUiä^rigfeitö*
olter ^inouß binben unb baburd& bie greitieit ber ?}erocgung beö ooHiäl^rig
geworbenen aJlünbefe bceintrö^tigen ju fönnen. Unter biefen Umftönben
crfd^eint eö otö ein ongemeffener 3luön)eg, im Slnfd^tuffc on ä^nlid^e SSor*
f^riften neuerer ©cfefte (oergL preufe. 9Sorm. D. § 42 5«r. 7 ; fä^f. ®. 93.
§ 1915; roeimor. ®ef. d. 27. 3Kärj 1872 § 52 9lr. 2; brem. SBorm. D. § 71;
Itiomb. SSorm. D. 9lrt. 50; l^cff. (gntro. IV 3lrt. 69; bar)r. ©ntm. 3lrt. 78 3lx. 2)
ben aSormunb in 9lnfel|ung ber ©d&Iiefeung fold^er SRietf)* unb ^ßo^toertröge,
beren SBirfungen über baö 3?oIIiä^rigfeitöaIter l^inauö fid^ erftreden foUen, an
bie Oenel^migung beö l^ormunbfd^aftögeric^tcö ju binben, jebod^ nodf) bem SJor^
gonge bed fäd^f. ®. 93. unb beö meimor. ®ef. v. 27. aJMrj 1872 (oergf. au^
bopr. 6ntro. o. o. D.) nur bonn, menn bos aSertrogöüerf)äItni§ über ein 3atir
nod^ erreid^ter SäoUiö^rigfeit beö aJIünbetö l^inouö fortbouern foH (§ 1674
9Jr. 6). S)ie Weinen SBermiet^ungen unb SSerpod^tungen von SBol^nungen,
aicfcrlonb unb ©ortenlonb für boö toufenbe ^a\)v bejm. biö jum 2^ermine ber
näd^ftcn ®rnte tonnen unbebenflid^ bcm SJormunbe allein überlaffen werben,
oud^ wenn biefelben im legten Softre ber aRinbcriäl^rig!eit beö SMünbelö
erfolgen. 2lud& in fold&en gällen bie ©ene^migung beö ^Bormunbfdfioftö*
gerid^teö ju erforbcm, mürbe ju einer unnöt^igen ©rfd^merung ber oormunb?
fd^oftlid^en 33ermoltung unb ju einer unnot^igen SSermel^rung ber ©efd^äftöloft
ber aSormunbfd^oftögerid^tc fül^ren. S)er ratio ber ^ier froglid^en 93cftimmung
entfprid^t eö ober, blefelbe altgemein auf aWiet^* unb ^odjjtoerträge auö*
1142 aSormunbWaft K. Oencjmigunö bc8 SSonnunbf(l&aftegeri(5ttf. §1674.
jubcl^ncn, ol^nc jiDifd^cn unbcrocgtid^ctt ©od^cn unb anbeten ©egenjtänben ju
unterfd^elben, unb ol^ne Unterfd&ieb, ob für ben ÜRünbel Dermictl^ct ober t)cr«
pad^tct ober ob für benfelben ßcmietl^et ober gepad^tet tocrben foH. SUd^t
minbcr trifft bic ratio ju für alle anberen SSerträge, burd^ toeld^e für ben
ÜRünbel bie SBcrpflid^tung ju roieberfetirenben Seiftungen begrünbet werben
foH, j. 33. für aSerjxc^erungöoerträge ober für einen SBertrag, bur^ toeld^en ber
ÜRünbel als ^anblungsge^ülfe in bafi (Sefd&aft eincö ainbercn eintritt (oergL
au^i fäc^f. 0. 33. § 1915; roeimar.- Oef. ü. 27. ÜRärj 1872 § 52 3lx. 2).
Um ftar ju fteUcn, bafe im ©inne beö § 1674 SRr. 6 bie »oUiSl^rigfeitö^
erflärung ber SSoIIjläl^rigteit nicfit glei^fte^cn foD (üergl. § 26), lägt ber &nU
murf ftatt ber SBoUiä^rigfeit beö SWünbetö baö jurüdfgclegte einunbjmanjigfte
ßebenöia^r mafegebenb fein. S)ie ©leid&fteHung ber SSonjä^rigleitöerflfirung
mit ber SSoDiäl^rigfeit würbe eine bebenflid^e Unftd^erl&eit ber oon bem 5Bor^
munbe allein o^ne ©ene^migung beö aSormunbfd^iaftögerid^ted gefd^toffenen
aSerträgc jur golge l^aben.
gel^It bie nadE) § 1674 3lr. 6 erforberlid&c ©ene^migung beö aSormunb^
fd^aftögerid^teö, fo ift ber gan^ie SBertrag, nid^t bloö berjenige 2:i^ei[ beöfelben^
weld^er über bie im § 1674 3lx. 6 beftimmte Orcnse f|inauöliegt, nad^ SKafe^
gäbe beö § 1681 unmirffam, cö fei benn, bafe bie SBertragfd&Iiefeenben ben
SSertrag überfiaupt nid^t alö einen cintieitli^en gerooBt fiaben.
^tt<^toerträ8c 7. S)ie Seftimmuug beö § 1674 9lr. 7 bejmedt, btn SSormunb bei
san^^üter I>^fonberö wid^tigeu SBerpad&tungcn immer an bie (Senel^migung beö 38or*
unb flwcrb. munbfd[)aflögerid^teö ju binben, o^ne 9lärffidE)t barauf, ob baö SSertragöüer^äUnife
lic^e «etriebc. « j^^^ j^.^ .^ g ^^^^ ^^^ ^ beicid^ucte ©renje f ortbauern foU ober nid^t. 3n
©rmangelung einer ein^eitlid^en (Srunbfteuergefefegebung fann babei Jebod^
nid[|t mit ber preufe. S3orm. O. § 42 Sßr. 7 auf bie ^b\)t beö Orunbfteuer*
reincrtragcö abgeftettt werben. Uebcrbieö fianbelt eö fxä) babei um einen rein
formalen, ben praftifd^en 33cbürfniffen beö Scbenö oft nid&t entfpred&cnben
ÜRafeftab. (So fommt barauf an, bem aJlünbel bei ^ßad^toerträgen über ein
Sanbgut ober über mebrere jum betriebe ber Sanbroirtl^fd^aft ocrbunbene
©runbftüdfe ober über einen geroerblid^en ^Betrieb einen größeren ©d&ufe ju
gewähren, ba berartige SSertröge, au^ wenn baö 5ßad[|tDcrl^fiItni6 nid(|t über
bie im § 1674 3lr. 6 bejeidEinete ®renje l^inauö fortbauern foll, für bie ®e»
fammtmirtl^fd^aft beö SJlünbcIö oon einfd^neibenber S3ebeutung finb, ber 3Ibfd&Iu6
von 5ßad&toerträgen ber l^ier fraglid&en 3lrt jubcm in ber Siegel ein fd^mierigcö
unb lompUjirteö Oefd^Sft ift unb, wenn baö 3ttt)cntar beö SKünbcIö oon bem
^äd^tcr burd^ Äauf übernommen wirb, bor ajormunb oft grofee ©etbbeträgc
für ben SJlünbel in feine ^änbe befommt. S)ie S3orf^rift beö § 1663 reicht
inforoeit nid^t auö, ba biefelbe nur ben Äarafter einer Drbnungöoorfd^rift ^at
3luf ber anberen ©eitc mürbe eö ju weit ge^cn unb eine ju gro§e 83eläftigung
beö aSormunbeö unb beö aSormunbfd^aftögerid&teö mit fidb bringen, votnn bie
©enei^migung beö (enteren allgemein ju bem ^ßad^toertrage über ein einielneft
lanbmirt^f^aftUdfieö ©runbftüdf crforberIid& fein foUte, namentlid^ in fold^en
©egcnben, in meldEjen eö üb(id& ift, ganje 2anbgüter in einjelnen ^ßarjeUen ju
ocrpa^ten.
aSormwnbf (jj^aft K. ©encftmigung bc3 2}ormunbfd5aftSöcrid&tcß. §1674, 1143
8. (Scmcinrcd^tlicfi ift ju einem SSergleid^e unb bemgemäfe nad) § 851 sscrouic^
ber 6. 5ß. O. anä) ju einem ©d^icböoertrage bic ©ene^migung bes SBor^^ ""»emat**
munbfd^aftögerid^tcö inforoeit crf orberlid^ , olö berfelbe eine SBerfiufeerung Don
aßünbelfadö^tt in fid^ f ^tiefet (1. 46 § ult D. de adm. et per. 26, 7 ; 1. 4 Cod.
de praed. et aliis reb. min. 5,7i). SBerfd&iebene neuere ©cfc^e fd^reiben für
bie bejeid^neten SBerträge gonj attgemein bie ©cne^migung beö SSormunbfd^aftö-
flcrid^ted Dor (üergl. preufe. 91. S. K. II, 18 §. 521; öfterr. ®. SB. § 233; fä^f.
®. 33. § 1917 ; mürttemb. Sßotoriatögef. u. 14. 3uni 1843 3lrL 20 nebft § 31
ber reüib. SSorfd^riften für 5ßflege v. 26. 3uni 1843 unb bem mürttemb. 9lußf.
®ef. jur e. 5ß. O. t).. 18. Sluguft 1879 9lrt. 15 ; lüberf. SBorm. D. § 64 ; tieff.
entm. IV 3lrt. 78; bo^r. (SntTO. 3lrt. 78 5Rr. 5, 7). 3la(l) fronj. Siebte beborf
eö neben ber ©rmäd^tigung bcö gamitienrat^eö ber an geroiffe görmlid^feiten
gebunbenen S3eftätigung burd^ bafi ®erid&t erfter Snftanj (code civil 9lrt. 467 ;
t)ergl. ferner bab. ®ef. v. 6. gebruar 1879 § 19 ; bar)r. Sluöf. ®ef. jur 6. % D.
t). 23. gebruor 1879 3lrt. 177). SDie auö praftifd&en giüdfid&ten einen mUttU
weg einf^Iagenbe Seftimmung beö § 1674 Sßr. 8 fd&ticfet ftd^ — abgefel^en
baoon, ba^ fie bie Seroeiölaft in einer bem äWünbel günftigeren SBeife regelt —
an bie preufe. SBorm. D. § 42 5Rr. 8 in aSerbinbung mit bem § 851 ber 6. 5ß. O.
an (Dergt. aud^ roeimar. ®ef. t). 27. aWörj 1872 § 52 $ßr. 4 ; brem. SBorm. D. § 44 ;
l^amb. aSorm. D. 3lrt. 52). SBon felbft Derfte{)t eö fid^, ba^ inforoeit, als ber
aSerglcid^ ftd[) als SSeröufeerung eineö ber unter bie 5lm. 1—3 beö § 1674
fattenben ©egenftänbe barftettt, bie Sßrn. 1—3 o^nc Siürifftd^t barauf 3lnroenbung
finben, ob ber ©egenftanb ben 93etrag von breil^unbert SKarf überfteigt ober nid&t.
Db bie S3eftimmung beö § 1674 9lr. 8 burd& ben § 52 ber 6. 5ß. D.
für 5ßroie6t)crgIei^e eine aWobifilation erleibct, I|ängt oon ber in biefer 9iidS)tung
aDerbingß fetir beftrittenen 9ludlegung beö § 52 ber ß. % D. ab (t)ergl.
übrigenö bie Oftotioe ju §§ 1352, 1353 oben ©. 360). ®benfo ift bie ©nt^
fd^eibung ber ftreitigen grage, ob ju einem 3w)angöt)ergteid^e im Äonfurö*
üerfafiren (§§ 160 ff. ber Äonf. D.) bie ®enef|migung beö a5ormunbfd^aftö:=
geriddtcö crforberlic^ ift (oergt. brem. SBorm. D. § 44), t)on ber projeffualif^en
äSorfrage abhängig, ob ber SroangötJergleid^ bie ?latur einer gerid^tUd^en ®nU
fd^eibung ober eineö eigentlid^en 93ergleid^eö I)at.
9. S)ie Seftimmung beö § 1674 3lr, 9 (oergf. aber baneben § 1675) ec^uibm^r.
rcdjtfertigt ftc^ burc^ bie SBic^tigleit unb bie ®efäf)rUc^feit ber (ginge^ung ber ^^«;^J«^"
l^ier fraglid^en aSerbinblid&fciten. 5Die preufe. SSorm. D. § 42 Sßr. 10 fc^reibt on^aber jc.
bie ®enel&migung beö SSormunbfd&aftögerid&teö t)or jur ®inge^ung med^fet
mäßiger S?erbinblid^feiten. Der ©ntrourf l(iat ben 3luöbruct „roed^felmägige
aSerbinblid^feiten" wegen feiner Unbeftimmtlieit »ermieben; er fteDt aber ber
aSerbinblid^feit auö einem SBed^fel bie äSerbinblid^feit auö einer anbcrcn Urfunbe,
meldte bur^ Snboffament übertragen werben fann (oergl. § 1225), gleid^.
2Bie bei SBed^feln (3lrt. 82 ber SB. D.), liegt baö ®cfätirlic^e ber (ginge^ung
jener a3erbinblid[)feiten barin, bafe ber SBerpflid^tete fid^ nur fold^er ©inreben
bebienen fann, meldte if|m naö) SKaßgabe ber Urfunbe felbft ober unmittelbar
gegen ben jebeömaligen Älägcr juftef)en (t)ergl. Slrt. 302 beö ^. ®. S3.).
©er @ntrourf gel^t über bie preufe. SSorm. D. § 42 3lx. 10 femer infofern
l^inauö, alö er megcn gleid^er ratio hm SBerbinblid^feiten auö SBec^feln unb
1144 3.>ortnunbfd&aft 2C. ©cnel^miguno bed Sormunbfd&aftdgeriAted. §1674.
bcn anbcrcn im § 1674 3lx. 9 bcjelcä^ncten Urhinbcn aud^ bic S^erbinblid^feiten
aus ©d^ulbocrfd^rcibungcn ouf Sn^obcr flleid^fteHt (ocrgL § 689). ®icfc Äuö^
be^nung giebt trog bcd tDeiten Umfanged, in toeld^em naä) § 702 ^n^aber^
papierc gcfd^offcn werben töntien, ju praftifd^en Scbenfen feinen älnlag;
anbererfeitd würbe bie 9ludbel^nung (ebigli^ auf fold^e 2Ett{|aberpaptere^ ipeld^
eine (Selbfummc jum Ocgenftanbc ^abcn, nid^t genügen.
^^^^nawe 10. ®emeinrc(i|t(id^ ift jur 2tufnal^me eineö 2)or(c^enö für bcn SRünbet
be^Ärebit be"« bie ©cuei^migung bcr Dberoormunbfd^oft nid^t erforberlid^. 9Kit 9lüc!|id(>t auf
wünbe». uerfd^icbene ©teilen bed röm. SRe^teß (1. 2 D. quod jussu 15, 4; 1. 3 Cod. quando
ex pactis tut, 0,39; 1. 27 D. de reb. ored. 12, 1) ift aber bcftrittcn, ob ber
3)tünbel aus einem üon bem 5Bormunbe aufgenommenen 3)arie^en nur bann
haftet, roenn baöfelbe in feinen 3lu^tn üerroenbet ift (oergt. ©euffert XXVr, 44,
XXVIII, 213, XXXII, 152). ®ie neueren (Sefeße ^aben meiftenö ben 93or^
munb bei 9lufnal)me üon 2)arlel^en an bie (Sene^miguug bcß SSormunbfc^aftö^
gerid^teö gebunbcn (Dergl. preufe. 91. S. SR. II, 18 §§ 525, 526; preuß. 5?orm. D.
§ 42 5nr. 12; roeimar. ®cf. t). 27. SKäri 1872 § 52 5Rr. 3; code civil girt 457,
458; ^ef). ©ntn). IV 9lrt. 78; bapr. Cntro. 9lrt. 78 9lr. 4).
2)er ©ntrourf folgt biefen jutcfet angeführten ®efe|gebungen, bc^nt aber
bic SSefd^rönfung beö 3Sormunbe8 auf alle Oefd^äfte auö, burd^ roel^e berfelbe
(Selb auf ben Rrebit bcö iDlünbelö entnimmt, ©erartige Oefd&äftc finb burd&
ben regelmäßigen iJauf ber SSermaltung ni^t geboten uub fönnen jubcm gro§c
®efal)ren für ben 3}Hiubel mit fid^ bringen. Dl)ne bie im § 1674 9lr. 10
beftimmte 93efd^ränfung mürben überliaupt alle übrigen SBefd^rönfungen ber
55ertretungömad^t befi J?ormunbeö erl^eblid^ an praftifd^cm SBert^c verlieren
(üergl. jebod[) § 1675). Co fanu jmeifel^aft fein, ob ni^t in ber Sefd^ränfung
ber SScrtrctungömad^t beö 3Sormunbe8 nod) weiter ju ge^cn unb für ben 9lb?
fd^luj^ Tjon Ärebitgef^äfteu überhaupt ober bod^, um ber fonft leidet möglid^cn
Umgel)ung ber ^ier fraglid^en Scftimmung entgegcnjutreten, menigftend aud^
für bie ®ingel)ung oon Käufen auf 93org (oergl. ^. ®. 93. 9lrt. 497) bie
©cne^migung beö 35ormunbfd^aftßgerid^tcd üorjufd^reiben märe. 9luf ber an?
bcren ©eite ift inbeffen ju berüdEfid&tigcn, ba^ eine fo mcitge^cnbc Sefd^ränfung,
inöbefonbcre megen i^rer Unbeftimmtl)eit, aud^ fd^äblid^ mirfen fann, bafe bic*
felbe bcn Sebürfuiffen beö ficbcnö n\ä)i geredet wirb unb eine Ueber^äufung
ber 93ormunbfd^aft0gcrid^te mit ©efd^äftcn J^crbcijufü^ren brol)t. 9tud^ baß
bcftcljcnbc ?Rcd)t gebt nid^t fo meit.
ueb«nia[,me n. 2)ic äJorfd^rift bcö § 1674 3lv. 11 (ücrgl. aber bancben § 1675)
""c^binwij)!" f^ niit ber preufe. ä5orm. D. § 42 3lx. 13 im Ginflange unb empfiehlt
''^'*- fid^ megcn ber ®efä^rlic^!eit ber t|ier in SRebe ftel^enben ®efd^äftc unb in ber
ßrroägung, baß es fid) babei nid&t um einen Umfafe r>on SSermogcnöobjefteu
^anbclt. ©er äluöbrudf „Ueberna^me frcmber äJcrbinblid^feitcn" fann jmar
megcn feiner Unbeftimmt^eit ju äl)nlid^cn Streitfragen SJcranlaffung geben,
mic ber SBegriff ber Sutcrjefrion nad^ röm. unb gemeinem SRcd^te. Stii^cffen
eine fafuiftifc^e 9luffül)rung ber cinjclncn l&ier in S3etrac^t fommenben gälle
ift im ^inblicfc auf bie ®efa^r ber Unoollftänbigkit unb auf bie ganje 9lnlagc
beö ©efegbudjcö nidt|t ratl)fam, auc^ bat, fooiel befannt,. im ©cbietc ber
3Sormunbfd6oft K. ©enc^migung be§ SBormunbfd&aftöoerid&tcß. §1674. 1145
prcufe. SBorm. D. bic in SRcbe ftcl^cnbe ScftimmuitB ju befonbercn Sw^^if^l«
bei bcr praftif^en Slnrocnbung feine Scranlojfung gegeben.
12. 3)iit Sflücffid^t auf bie an bie ©rt^eilung einer 5ßrofura ftd^ f nüpfenben crt^eiiimg
roid^tigen golgen (oergl. ^. @. S3. Slrt. 42 — 45) ift no^ bem 93organge ber ^«"ura.
preufe. aSorm. D. § 42 9lr. 11 aud^ für bic Grtöeilung einer 5ßrotura bie @^
nel^migung bed ^ormunbfc^aftdgerid^ted Dorgefd^rieben^ gumal bie ^rofura
iur ®ingel^ung ber unter 3lx. 9—11 bed § 1674 bejeid^neten 9led(|tögef^äfte
ermäd&tigt ber Umfang ber mit ber 5ßrofura fraft Oefe^eö üerbunbenen SSer*
tretungfimad^t aber gegenüber dritten ni^t befd^ränft werben fann.
13. 2Ba^rcnb nad& ber preufe. aSorm. D. § 41 9ir. 3 ju ben im § 1674 «ufi^ebunfl
3lx. 13 bejeiddneten SRcd^tögefd&äftcn nur bic (Sene^migung bed (Segenoormunbcö winbernng
crforberli(^ ift beftimmt ber ©ntmurf im § 1674 3lx. 13 für iene 3led&td^ ^.''^'^.
gcfc^äfte ba& ftrengere ©rforbernife ber Ocne^migung beö aSormunbfdEiaftd^
gerid^tcö. @inc fold^c ©trcnge rcd^tfertigt fid^ burd& bie ®r5§e ber auö fold^en
(Scf^äften ju befürd^tcnbcn ?Rad&tl&eiIe unb bie Ungeroöl^nlidöfeit fold^er @e^
fd^äfte (Dcrgt. aud& fä^f. 0. 33. § 1942). SSon felbft ocrfte^t eß ftd^, bafe baö
83onnunbfd)aftögerid^t bie ©cnctimigung ju ben im § 1674 3lv. 13 bcjcid^neten
JRed^tögefd&öften nur innerhalb ber burd& bie Sorfd&riften bed § 1664 für bie
Slnlcgung von ®clbcrn gezogenen ®renjcn ertl^eiten barf.
14. S)ie aSorfd^rift beö § 1674 9ir. 14 (Dcrgl. preu§. )i}orm. D. § 42 catgeitiic^r
5lr. 9 pcrb. mit § 44) ftellt fxd^ afe eine angemejfene ©rgänjung beö nur ben ^"^ilV'
Harafter einer DrbnungöDorfc^rift an ftd^ tragenben unb nur hen faftifd^cn örroerw.
S3cginn unb bic faftifc^c 3lufl5fung eines erroerbögefc^äftcö treffenbcn § 1663 ^'^*'^''*-
bar unb empficfjlt ftd) aus ö^nlid^cn (Srünben, rote bicjcnigen, roeld^c ju ben
SBeftimmungen bcö § 1674 5Rr. 5 unb 7 gefül^rt l^aben. S)a ju bem ©rmerbe
eines ©rroerbsgefd&öftcs burd& ©rbfolgc ober a3ermäd[)tni6 bic ©cncl^migung bcS
aSormunbfd^aftsgcrid^teS ni^t crforberlidE) ift, fo ift cS als angcmejfcn era^tct,
ienen gällen ben gall bcS ©rroerbes eines ©noerbsgcfc^äftcs burd& ©d^enfung
gleid[)äuftencn unb bcslialb bie SBorfd^rift bcS § 1674 5Rr. 14, fonicl ben erroerb
eines ©rroerbsgefd^äfteS burd^ SScrtrag betrifft, auf ben entgeltlid^en ©rroerb ju
bcfd)ränfen. ©s entfpri^t bics jubem ber 5Rr. 5 bes § 1674.
15. aScrfc^iebene Oefe^c cntl^attcn nod) SJorfd^riften über bie Sefdfiränfung
ber aSormunbeS in Scjic^ung auf größere 9lnIogcn, Sleubauten, ^aupt-
reparaturen u. bergl. (ncrgl. preuß. 31; £. K. II, 18 §§ 537, 538; föd^f.
©. a. § 1931; Weimar. 03ef. v. 27. ÜKärj 1872 § 52 5Rr. 8; brcm. SJorm. D.
§ 51 ; ^amb. SBorm. O. 3lrt. 41 ; f)eff. ©utTO. IV Slrt. 67). 5Die $ßirffamfeit
ber einjcinen in Siebe fte^enben 3led&tSgefd^äfte t)on ber (Genehmigung bes SBor-
munbfd&aftgeric^teS abhängig 5U mad^en, mürbe für bie Sid^erfieit beS aScp
fel^res in l^ol^em ®rabe bcbcnflid^ fein, ba es in Dielen gälten ber 2Biffenfdf)aft
bes ©ritten fid^ gönjlidE) cntjie^t, ob bas cinjelne Sled&tsgefd^äft für einen
Jieubau ober eine ^auptreparatur beftimmt ift. QubQm lajfcn f\ä) bie eigent*
lid^ gefä^rlid^en SSerträge ber f)ier fraglid^en 9lrt burd^ eine gefc^lid^e aSor-
fd^rift nid^t treffen. 9lud(i liegt bie praftifd&e ©efa^r eines 9)iiftbraud[)eS l&icr
fcl)r fem. 3n Uebereinftimmung mit bem gemeinen unb bem franj. Siechte,
ber preuft. aSorm. D. imb bem bai)r. ®ntn). I^at bes^alb bcr ©ntrourf be^
fonbere aSorfd^riften in ben bcjcid^nctcn 9Jid&tungcn ni^t aufgenommen, fonbern
(§ 1696) beroenben laufen,
c %üä) nai^ anberen 91id)tungen titn, inebefonbere in Snfel^ung ber 93er:
füfliing über immalerielle Sledite, ftnfa loeiltre einfi^ranhingeii ber aSertretungS«
tnai^t be€ ^ormunbefi nii^t als ongejeigt eracEitet.
II. 3m ©egenfo^c jum gemeinen SRedite, ju ber preug, aSorm. D. (»ergl.
ieborf) § 41 5Rr. 2 baf. in Setreff ber gingiebung »on gorberungen unb baju
bie anotine jU § 1669 oben ©. 1126 ff.), bem roeimor. Oef. v. 27. aßärä 1872
unb bcn ^anfeat. Sjormunbfi^aftgorbnungen i)at eine bleibe anberer 9ted|te bie
^ßrojefefü^tung be9 SJormunbes balb in gröfeerem, balb in geringerem Umfongc
Don ber ©enebmigiing befl Sßormunbfc&aftSgeridfite« abhängig gemocbt (oergl.
preufe. a. S. 91. n, 18 §§ 501—507 ; öfterr. @. S. § 233 ; fdrfif. (S. Ö. § 1916 ;
code civü ärt. 464; bcil- ®ntro. IV 3lrt. 83; ba^r. ©rttni. 3Irt. 78 9Jr. 8). 3lo(^
roürttemb. 91e(i)lc (uergl roürttemb. atusf. ®ef. jur S. 5|J. O. r. 18. auguft
1879 arrt. 15) ift bie ©ültigteit ber ^rojefefü^ning ber ^ionnfmber burc^ bie
oberoormunbfcfiflftliile ermS(f)figung nid)t bebingt; bod) fmb bie SJormünber
oerpftii^tet, bie ©ene^migung ber SormunbfcfeaftäbeiiBrbe jur ^bcng »on
■iptojenen einsuboten. Slurd) bie G. 5ß. O. fiiib bie Sßorfdiriften bcft bürger*
li(ben 91cd|teä, nacb meli^cn bie ^irffamFeit ber ^rojegfübrung befl ^ou
munbcö uon ber oberpormunbf^aftiirfien Oenelimigung abhängig gemai^t ift,
nid)t befeitigt (oergf. §§ 50, 52, 54, § 513 91r. 3, g 542 31t. 4 ber ffi. ^. D.).
3ur aSereinfad^ung unb Si^erung ber ftreitigen Slec^tepflege fteOt abet
ber § 52 ber 6. % 0. boS roirfttigc ^ringip ouf, bog einjclne ^rojefe*
I)anblungen, ju roelc^en na(b ben SSorfdiriften beS bürgerlii^en Slc^teä eine
befonbere ©rmäc^figung erforberlirf) ift, o^ne biefetbe gültig fttib, roenn bie
©rmorfitigung jur ^ßrojefefü^rung im SIBgemeinen ertt)cilt ober bie ^rojefes
fübning owcb o^nc eine foii^e Ermäcbtigung im 9lHgemeinen ftattI)Qft ift.
Ueber bie S^ragrocite befl Sluflbrucfcs „^rojefifiQnbEungen" gc^en jebocb bie
Slnfidlten aufleinanber; insbefonbeie ift es, mic bereits oben @. 1143 ^docs
geI)oben n)ur^e, beftritten, ob jener Sluflbrud aucE) ben ^^^rojegoergleid) unb
(inbere projeffualifi^e SRerfifsgefi^äfte mitumfaftt (oetgf. bagegen roürttemb.
9ru6f. ®cf. jur 6. ^. D. o. 18. 9Juguft 1879 9lrt. 15 3lbf. 3).
3)er ©ntrourf bot norbe^altlirf) ber Seftimmung beß § 11 ©oft 3, fein
Sebeiifcit getragen, bie ^rojegfübning befl ^ormunbeö alfl fo(d)e fflr ben
SKünbel, (ei c8 als J^Inger ober als SBetlagtcn, oon einer ©rmäditigung be«
aSormunbfc^affsgeritöteS nirfjl abbängig ju madjen. Sie ^rojcfefü^rung alfi
foirfje ift (ein 9tufgcben oon Sfled)tcn; fe ift, ^ingefeöen auf bie ©eföbrbuna
ber 9le(^te bcs ailünbelä, roeit uncr^ebü^cr, als jafiireii^c einjelne ^irojefe*
t)anblungen, roic (Seftänbniffe, ©ibefljufiicbungen, Stnfgeben ron Seroeiß«
mittein n. bergl., bei roeldien man ben 'iSormunb an eine ©ene^migung befi
(Seric^teS im ©injelnen niemals roirb biiiben tonnen, roenn mon nic^t bie
^4Jroie6fül)rung im 91amcn bes aUünbds i[)atfätf)Ud) in bie §onb befl 93orraunb»
frfiaflSgeritbfl« legen roiK, rocldjes leitete baburc^ in unerträgli^ier 2Betfe mit
@efd)äftcn überbäuft rocrben roürbe. Unterroirft man ober ben aSormunb in
anfctmiifl foti^er ^ßrojcfefianblungen feiner Jlcfcbränfung, fo liegt fein @runb
Bor, if)n bejüglid) ber '■^rojcfefübrung im 9Illgemeiiten an eine ©ene^migung
SSomtunbf 4af t k. ©cnc^mißunö bcö SSormunbf 4af töfleri^teö k. § 1 675. 1 1 47
ju binbcn, ba bic (Scfal^r, rocld^cr bcr aWünbcl burd^ bie ^ßrojcfefül^rung als
fotd^e auögcfefet ift, ftd^ ouf bic ®cfal)r bcr S^ragung bcr ^ßrojcfefoftcn bc*
fd^ränft, unb bic Scforgnife, bafe bcr 33ormunb geneigt fein werbe, ftd^ Icid^t^:
fertig fiir bzn aWünbel in ^ßrojcffc ju ftürjcn, fd^on beöl^alb unbcgrünbct ift,
Tocil bcm SSormunbc ouö bcr ^Projcfefülörung 9Wü^e unb Unbequemlid^fcit crj=
road^fcn. 2)ic ©cfa^r für b^n äWünbcI liegt nid^t borin, bafe bcr SBormunb
für i^n überl^oupt ^ßrojcifc fül^rt, fonbern barin, bafe er fic niogüd^cnocifc
fd^Ied^t fül^rt. ®cgcn bicfc (Sefa^r tjcrntag man i^n aber burd^ ba^ ©rforbemife
bcr ©cncl^migung beö SSormunbfd^aftögcrid^teö bod^ nid^t ju fd^üfeen, md)
aufeen f)xn fd^on im fiinblicfc auf bic SSorfd^riften beö ^ßrojcfercd^tcö (§ 52 bcr
6. 5ß. D) ni^it, nad& innen auö fad^Iid^cn ©rünbcn ebenforoenig. ®cr SRünbcI
bleibt bemnad^ in Scjicl^ung auf eine fcfelcd^tc ^ßrojcfefül^rung bcö SBormunbeö
unter allen Umftönben auf feinen pcrfönli^en SRücfgriff gegen ben SBormunb
angeroiefcn (§ 1696), unb bicfc aSerantwortlid^fcit bcö SSormunbeö bleibt im
SBcfcntlid^cn bicfclbe, mag bie grage, ob übcrbaupt ein ^ßrojcfe gefül^rt merben
foD, vom 3Sormunbfd&aftögcrid^te Dorl^cr geprüft fein ober nid^t.
§ 1675.
S)er (Sntrourf gel^t bauon auö, bafe bie ju einem Sled^tögcfd^äftc erforber^ «aßemeine
lid&c Ocncfimigung bcö aSormunbfd^aftögerid^teö i^rem 3"^^*^ entfprcd^enb ®JII*^*^8?®
rcgclmäfeig nur für ieben cinjcincn gall roirffam crtl^eilt merbcn fann. 9lad^ aewaftw.
bcm SSorgange bcö barir. ©ntro. 3Irt. 78 9lbf. 2 bcm SBormunbfd&aftögerid^tc
ganj allgemein bic S3efugni& ju geben, bcm 5Öormunbe bic ©rmäd^tigung ju
beftimmten bcr Genehmigung bcbürftigcn 9led&tögcfd)äften im 33orauö, unb
jmar unbefd^ränft ober mit befonbcrcn (Sinfd^ränfungen, ju crt^eiten, ift afe
bcbcnflid^ erad^tet. 3)agcgcn ift aücrbingö für eine Slnjal&t von SRcd^tögcfd^äftcu
ba& 33cbürfni|, eine allgemeine ©rmäd&tigung bcö 83ormunbfd)aftögcrid(itcö
iujulaffcn, anjuerfenncn, namenttid^ im ^inbttdfc auf fotd^c gälte, in roetd^en
für bcn ÜJlünbel ein ©rmcrbögcfd^öft betrieben wirb. ®in berartigeö 93cbürfni6
befielet inbcffen nid)t nur für bie ©ingc^ung rocc^fctmäfeigcr SBcrbinblid^fcitcn,
bcn cinjigcn gall, für meldten cö in bcr prcufe. aSorm. D. § 45 93erücffi(^tigung
gefunbcn ^at, fonbern aud& für bie 3Iufnal^me con (Selb auf ben Ärcbit bcö
aJlünbelö, für bie Uebema^me frcmbcr SBcrbinblid&fcitcn (§ 1674 9?r.9— 11), fomic
für bicienigen SRcd^tögcfd^äftc, ju meldfien nad^ ben SBorfd^riftcn bcö § 1669
bie ®cnct)migung bcö ©cgcncormunbcö erforbertid^ unb gcnügcnb ift. Snö-
befonberc ift bic 3wtoffung einer allgemeinen ©rmöd^tigung aud^ ju ben unter
3lv. 11 bcö § 1674 bcjctd^netcn Stcd^tögcfd^äftcn unter Umftönben, j. 33. wenn
für bcn aWünbcl ein Slommiffionögcfd^äft fortgefegt wirb (ücrgl. 9lrt. 370 bcö
$. ®. 93.)/ tiid^t ju entbehren, meit fonft ein berartigeö ©rmerbögefd&äft über-
l^aupt nid^t betrieben merbcn fann.
Die Slufna^mc bcr nur bcn Starafter einer Crbnungöüorfd^rift an fid^
tragenben Seftimmung bcö § 1675 Slbf. 2 ift, rocnnglcid^ bicfclbe an ftd^ alö
cntbc^rlid^ crad^tct merben fann, bod^ a(ö angemeffen crad^tet, 5uma( anä) bic
preufe. aSorm. D. § 45 einen öl^nlid^cn ^inroeiö enthält.
bie ®rtl)eilun9 ber fiicr ftaglii^en ©nnäi^tigunfl nur burt^ Slufno^me in bie
SeftaDung (§ 1645 äCtif. 2) etfolsen fönnc, ber äJeftaUung aber, oim^ btefeüe
im Uebrigen nur ben ^arafter eines f|eri(E)llid)cn Scugniffee ^at (oergl. IDtotitie
iu § 1645 oben ©. 1079 ff.)/ ^i^i^ aufina^msroeife ben Äaralter einer 33olImQ(Öt
naif ältaggabc beä § 121 beijulegen, fann nicbt anecFannt nierben.
§ 1C76.
antrofl 1, jiflg gemeine !Hed)t be^anbelt ben Slnlrag bcS aSotmunbe« ouf
°" «ints ""* S^eilung eines gemcinfcf|afllid)en Oegenftonbes ata eine SJeräufeerung im
H4"*'ek°oi'. ^'""^ bcrjcnigen iBorfdirift, nad) roetdier jur SBerän^ening einer aÜünbelfai^e
ft«i.»(^, bie oberoormunbyd)oftli(ie ©cnefimigung ecforberli(§ ift (»etgl. l. l § 2, 1. 7
pr. D. de rebus forum 27, 9; 1, 17 Cod. de praediis «"t alüs rebus minorum 5, 17).
33if8 ift oudt ber Stnnbpuntt bes fronj. Sftei^tes (code civil 9Irt. 465; tergl,
ober bftflr. 9luSf. ©cf. jur 6. % 0. n. 23. Sebruar 1879 ärt. 180; ^.
lusf. @ef. jur 6. ^. 0. d. 4. 3uni 1879 airt. 191). ©benfo loirb für bie
preufe. Sßorm. D. ongenommen, ba§ ber Slntrog auf 3:[)eilung einer im aiiiteigen*
ttjume beS ^HlünbelS fte^enben unbenieglii^en @a^e unter bie SQorfc^nft bes
!5 42 9Ir. 5 ber prcufe. Sorm. D. fäHt, nadti roel^cr jur SBerÖu^erung einer
unberocglicEicn Sacfie bie ®cne^mi(iung bcs aiormunbfdiaflSgerii^ieB crforbertiii
ift (oergf. Scrtd)t ber ^crrenE)aiiSfommiffion ©, 60).
3)a boS Ocfcgbuc^ betiufs 3Iuf&ebung einer Oemcinfc^aft ein ^C^eilungS'
uerfoOren mit fonftitutioem S^eilung8urtl)ctle ni^t fennt, fo fann in ber ©tj
bebung einer S^beilnngaftogc eine unter bie 5yorfd)riften ber g§ 1669, 1671,
1674 follenbc SÖeräu^crung jcbenfaUs nirfit gefunben werben. 3lai^ § 769
füf)ct bie S^btÜungsflage q[s fol^e niemals ju einer ^Jeräugerung burd^
ric^teriicbcS 3^()ei(ung6ucif)eil, fonbcrit bas auf bie S^eitungSflage ergebenbe
Uribcii (prid)t im J^alle ber Sterurtbeilung bcS Setiagtcn nur aus, ba% ber
(cßtere uerpfüditct ift, btc 3:t)eilung in ber in bem Urtl)etle bejeidineien 3[rt
gefc^cbeu ju Ittffcn. 2)urcEj ein folijcs ju (fünften bes Jtlägers ergetienbe«
Urti)ei( loirb ber legtcrc aud) nicfit einmal mittelbar ju einer ^teraufeerung
bcs gemcinf(ftaftlid)en (Segenftanbes gcjmungcn, bn auö bem Urtbeile nur er,
nid)t aber and) ber ^ctlagte einen crimingbarcn älnfpnii^ ouf ^^eilung na^
'Äa^gobe bcs Uri^eilea gcroinnl. ©ine asieräufeerung «on ©eilen bes ftlägcrS
fommt erft bann in ^rage, roenn er bie ?b<^t'ui<9 bemnäi^ft nac^ SHa^gabe
bes Urttieiles in itoHjug fegen roiH. Sautetc baS Uriiieil auf Siornabme einer
Slaturoltfieilung in ©emäfe^cU befl § 7(i9 9lbf. 1, fo enthält bie Uebcrtragung
ber nad) bem llrtE)eile bem ^eflagtcn juFommenben STbeile ober @egenftänbe
DOn Seiten bea Jtlägere on ben S8cflag(en jineifcltos eine Steräufeening, jm
meli^cr, roenn ber gemeinf$flftlid)c ©egenftanb unter bie ^iorfi^riftcn ber
§§ 1669, 1671, 1674 fällt, bie (Senebmigung beä ®egen»ormunbeö bejm. beB
itonnunbfdiafiegfric^tea erforberlid) ift.
3)agegen ift bie ^rage, ob, iuriftifi^ betrad)tet, ber Slnlrag, einen
gemeinfdjaftlidjen ©egenftanb jum Sroede ber äuffiebung ber ©emeinfc^afl
nat^ 9)Ia6gobe bea § 769 STbf. 2 ju nerfaufen, ficd überbaupt o[s eine Sßer«
SSormunbf^aft 2C. UcBcrIaffunfl \>on Scrmößcn an ben Wünbcl. § 1677. 1 149
äufeerung borftcUt, eine jroeifell^Qftc, namentlid^, roenn man bie 2Cuffaffunfl
i\)dlt, bag bei ber 3ii>^^Sd^^^t^i0^^^9 ^^^ Sßeräugerung^ votnn aud^ auf
Wxixaq, burd^ btn bie 3n><^ngdDerfteigerung leitenben Beamten fraft Slmtd^
geioatt erfolge. S5ei ber prottifd^en SBid&tigfeit ber grage barf baö (Sefefe bic^
fette nid^t unentfd^ieben laffen. SBetd^e Slnfid^t oont rein iüriftifd^en ©tonb*
punfte aud ben 93or}ug Derbient !ann ba^ingeftellt bleiben^ ba iebenfaUd üom
©tanbpunfte bed Snterefleö bcö Äinbeö auö fein Sebürfnig oortiegt, ben
bejeid^neten Eintrag an bie @enel)migung bed SSormunbfd^aftgerid^ted }u binben.
5Die Herbeiführung ber 2^öei(ung eines gemeinfd^oftlid^en ©cgenftanbeö ift
etroaö burd& bie 3latnx beö SSer^ältniffeö Oebotencd unb liegt im natürlid&en
©ntmidfelungögonge einer Oemeinfd^aft. Um fo unbebenflid^er ift eö, Don ber
$Rot^n)enbigfeit ber ©enel^migung beö (Segenoormunbcö bejm. beö SJormunb-
fd^aftdgerid^teö l^ier abjufel^en^ alö bie 2:^eilung aud^ gegen btn äSiUen
bcÄ SSormunbed von ben anberen 2^^eil^abern ber ©emeinfd^aft burd&gefefet
merben fann.
2. 3n ben 3»otiDen ju §§ 1669 unb 1674 oben ©. 1124, 1138 pnb We fjj^"^^™;;^
®rünbe bargetegt, auö meldjicn ber ©ntmurf üon ber Siegel, ba6 ju ber JBer- Jouiiredunft«-
äufeerung ober a3eloftung eine« unter bie §§ 1669, 1671, 1674 foUenben »«^^'»^'^«'•
©egenftanbeö bie ©enel^migung bed ©egenoormunbeö be^m. bed ^^ormunbfd^oftö^
gerid&teö erforberlid^ ift, aud& für ben gaU feine 3ludnal>me mad&t, wenn eine
SJerpflid^tung beö 3Hünbelö ju einer fold^en SJeräufeerung ober Selaftung
befte^t. 2)agegen fann bie (Genehmigung beö Oegenoormunbeö ober beö SSor-
munbfd&aftögerid^teö ju ber aSeräufeerung ober 93elaftung eincö Ocgenftanbeö
im 2J8ege einer gegen ben äWünbel gerid^teten 3w)angöt)oUftrecfung nid^t
erforberlid^ fein. 5Da inbeffen aud^ eine im SBcge ber ^wöngöooHftrecfung
erfolgenbe SBeräufeerung fid^ alö eine 3Jeräu§erung von ©eiten beöjenigcn auf=
faffen lägt, gegen meldten bie 3n>o^S^ooDft^^äung ftd^ rid^tet, fo ift eö nad^
bem aSorgange ber preu|. aSorm. C § 42 9Jr. 5 jur aSermeibung von 3n)eifeln
alö ratl^fam erad^tet, jenen ©ag im @efege auöbrücflid^ auöjufpred^en.
§ 1()77.
aCBegen ber »egrünbung beö § 1677 wirb auf bie iSfloiivt ju bem § 1512, lu&^rtonung
meld^er bem § 1677 entfpric^t, oben ©. 767 ff. Sejug genommen. ben wunbci.
§ 1678.
3n ber allgemeinen Segrünbung ju biefem Slbfd^nitte unter 3lx. III oben «"^»'»«fl
©. 1012 ff. ift bereitö barauf ^ingeroiefen, bag aud^ fold^e 3?ed^te, meldte bie Ober* »anM^Vc.
pormunbfd^aft in bie §anb ber (Sendete legen, beftrebt gemefen flnb, ber gamilic
beö aWünbelö einen geroiffen ®influ6 auf bie güfirung ber aSormunbfd^aft ju
fidlem, inbem pe t^eilö jum 3n)edfe ber gutac^tlid^en aWitmirfung ber gamilie ein
nad^ beftimmten 9tegeln }ufammengefegteö förmlid^eö f^amilienorgan, einen
beratl^enben Familienrat^, fd^affen, mie bie bab. (Sefefegebung unb ber ^eff.
©ntmurf, tl^eilö baö aSormunbfd^aftögerid^t in formell freier gCSeife auf ben
oon il^m nad^ feinem @rmef[en ober in n)id^tigen älngelegen^eiten einju^olenben
1150 SJormunbfd&aft üBcr üRinbeci. Anhörung üon aScrwanbtcn k. §1678.
diati) Don Slngcfiörigen bc8 ÜRiinbcIö ocrroeifen, n)ic bicö namentlid^ naäf bem
prcufe. 31. S. SHv bcm öftcrr. unb bem fäd^f. ®. 33., foroic nad^ bcm rocimar.
®cf. V. 27. aKärj 1872 b^r gall ift. (Smcn cigent^iimlid^cn SBcg ^at in bcr
fjicr fraglid^en 33cjicl^ung bic preufe. 38orm. D. § 55 9lbf. 1 cingcfd^Iagcn. ©ic
vcxpf[\6)iti baß SBormunbfd^aftögcrid^t, Dor einer oon i^m ju treffcnben 3ln«
orbnung auf 9lntrag beä SBormunbeö ober beö Oegenoormunbeö ober eincö
aSenoanbten ober SBerfd^roägerten bcö SKünbefe brei oon ben näheren 33er?
loanbten ober SScrfd^roögerten beöfetben, fofern fte o^ne SSerjug erreici^bar ftnb,
gutad^tlid^ ju Igoren. ®ö fielet i^m frei, aud^ ol^ne Slntrag SBerroanbte ober
SSerfd^roägertc beö ajlünbelö gutad^tüd^ ju l^ören. 2)ie jefeige gaffung beö § 55
9lbf. 1 ber preufe. SBorm. D. flammt aud ber Slommiffion bcö ^errcntiaufeö
(üergl. 33erid[|t jener Stommif jton 9lr. 39 ©. 69 ff.), ©ie rourbe namentlid^
t3on ben SR^einlänbern als (Srfaft für ben gamlfienrat^ beö r^ein. Sled^teö,
loeld^en ber ©ntrourf ber preufe. SJorm. D. nur in fel^r befd^ränfter SBcife ju-
laffen wollte, befürwortet unb in biefem ©inne t)on ber ^Regierung gebilligt.
3)ie 33eftimmung ift bann flehen geblieben, aud& nad&bem in ber 33orm. D. bcr
Familienrat^ in weit größerem Umfange fafultatio jugelaffen unb bamit ber
uäd^fte (Srunb, meld^er jur 9lufnal^me berfetben geführt ^atte, weggefallen mar.
Slud^ ber ©ntmurf \)&H eö im SntercRe beö 3ßünbelö für angemeffen,
ber gamilic beöfelben eine gutad[)tlid^e SRitroirfung bei gü^rung bcr SBor?
munbfd&aft ju fidlem; er ge^t aber weiter baoon aM, bafe für biefe SKit?
mirfung bie freie gorm ben ^Sorj^ug oerbient, ba^ eö inöbefonbere rid&tiger ift,
über 3ö^l unb ©rabeänöl^e ber ju l;5renben 33ermanbten unb SBerfc^mägcrten
nid^ts JU bcftimmen, auc^ feine jmingenbcn 33orfd^riften über bie 3lrt il^rcr
SSernel^mung aufjunel^men. S)er tjormunbfd^aftlid^cn aScrroaltung wirb gerabe
bann am beften gebleut, rotnn in biefer §infid&t SllleS bem freien, geroiffen?
t)aften ©rmejfen beö 93ormunbfd^aftdgerid&ted überladen bleibt; bad SBormunb*
fd^aftdgerid)t ift bann in ber Sage, gerabe fold^e SBermanbte ober SSerfd^mfigcrtc
beö 3Rünbetö ju Igoren, bei meldten cd bie reinfte Dermanbtfd&aftlid^e Oefinnung
gegen ben 3Rünbel ober bie meifte ©ad^fenntnife Dorauöfefcen barf; cd erfährt
im SBege münblid^er Sefpred^ung ober eineö ^rioatbriefmed^felö häufig mctir
alö burd^ eine förmlid^e SSerne^mung. 2)iefe SRoglid^feit Derfd&licfet man i^m
aber fad^lid^, wenn man i^n an ben amtlid^en 33eirat^ beftimmter gamilicm
mitglieber uermeift; benn in biefem galle liegt in ber 3"^öt^cjlc^ung anberer
35erroanbten unb SBerfd^mägerten, mag fie öffentlid^ ober gemiffermafeen hinter
bem 3lürfen ber berufenen gamilienrat^dmitglieber gefd&e^en, leid&t ttroa& ®c*
Ijäffigeö. Den fog. berat^enben gamilienrat^ trifft in ber S^^at biß ju einem
gemiffen (Srabe ber aSorrourf einer l^albcn SKaferegel. 3Kan übernimmt bamit
roefentlid^e SRad^t^eile beö franj. ©i)ftemeö, o^ne bie biefem in feiner DolIen
©urd^fül^rung mieber cigent^ümlid&en aSorjüge ju crreid^en. S)ie Dorftefienben
(Sefid^töpuntte fpred^cn jum Slfieil aud^ gegen htn von ber preufe. SSorm. O.
eingefd^lagenen SBeg infomeit, als banad^ bad 93ormunbfc^aftdgerid^t auf Eintrag
ber bort bcjeid&neten ^ßerfoncn ocrpflid^tet ift, brei von ben naiveren SBermanbten
ober aSerfc^roägerten beö 9Künbelö gutad&tlid^ ju §oren.
9luf ber anberen ©cite gel^t ber ©ntmurf über ben Don ben beutfc^cn
®efefegebungen regelmäßig feftgel)altenen ©tanbpunft infofern ^inauö, ate er
S8onnunbfd6aft über SKinbcri. Stn^örung bc8 ©egentoormunbeö. § 1679. 1 151
bem SBormunbfc^aftdgerid^te nid^t nur freifteQt fonbern baefelbe audbrücflic^
Dcrpftid^tct, Dor einer i^m juftel^enben ©rttfd^eiburtg auf Slntrag bcö SBormunbeö
ober ©cgcnDormunbed unb in wid&tigen Slngclegen^citen (Dergl. aud^ § 1657)
Don 3lmtdTücgcn aSemjanble ober 33erfd^n)ägcrte bcö aWünbete gutad^tlid^ ju
pren, fofern bieö ol^ne er^eblid&e aSerjögerung \mb o^ne unoerl^ältnigmäfeige
koftcn gcfd&el^en fann. 6d foü baburd^ bem ©ebanfen ein beftimmterer SIuö*
bruä gegeben roerben^ bag bad ©efeg grunbfäg[id^ barauf 98ertf| (egt^ ben
SufQmmen^ang ber i)ormunbfd)aftIid&en SSerroaltung mit ben 3lnfd&auungen
ber gami[ie beö 3Künbete ju pflegen, unb bafe boö 3}ormunbfd)aftögerid^t in
mid^tigen 3Ingctegen^eiten regetmöfeiger, als bieö in ber bisherigen 5ßrajiö
gefc^e^en fein mag, fid^ über bie Slnfic^ten ber näd&ftcn ^Angehörigen beö
SWünbelö ju nergerolffern t^erpflid^tet fein foü.
SBic bie gaifung beö § 1678 Slbf. 1 crgicbt, f)at bie ^ier fragtid^e ^t^ ^arafter ber
ftimmung übrigens nur ben Slarafter einer Drbnungöoorfd^rift (oergl. aud^ '^ovw-\\t.
preufe. SSorm. D. § 55 3lbf. 4). S)ie 2Bir!famfeit ber ©ntf^cibung Don ber
Seobad^tung ber SBorfd&rift beö § 1678 .9lbf. 1 abl^ängig 5u mad^en, mürbe,
abgefe^en oon ber Unbeftimmtf)cit beä 93egriffcö einer roid&tigen 3lngelegertf;eit,
JU meit gefien.
2)aö fäd^f. ®. 8. § 1882 beftimmt, bafe bie oom aSormunbf^aftdgerid)te ^li^terjiDinfl.
aufgeforberten SBermanbten ober SSerfd^mägerten beö ÜJlünbelö i^rcn diaÜ) ol^ne
cr^eblic^e (Srünbe nid^t üermeigem bürfen. Sine berartige 33orfd&rift \)at ber
(Sntmurf nid^t aufgenommen, ba biefelbe einen praftifd^en Stufen nid^t ju
gemä^ren üerfprid&t. ©in Statin na^er 9lnge^5riger beö aWünbcIö toirb reget
mäßig nur bann non SBertl^ fein, menn er freimillig ertl^eilt wirb.
®ine SeloJ^nung follen bie aSermanbten ober SBerfd&mfigerten beö SRünbelö js«i«» ^"
für bie ©rt^eilung beö ©utad^tenö nid^t in 9lnfprud& nel^mcn förtnen. ©agegen '^"*^"^*"'
ift eö rat^fam, benfelben baö SRed^t beijulegen, oon bem SKünbel ©rfafe ber
i^nen entftanbenen baaren 3luölagen ju forberrt (oergt. aud^ fäd^f. @. 93. § 1882).
SBürbe man i^nen biefeö SRed^t oerfagert, fo ift ju beforgen, baß ber Qroti
beö § 1678 in oielen ^fiUen oerfel^It werben mürbe, ba bie aSermanbten ober
aSerfd^roägerten beö SBünbelö nic^t immer in ber Sage ober gemiUt finb, bie
baaren äuötagen felbft ju tragen. 2luf ber anberen ©eite fefjlt eö aber an
einem 93ebürfniffe, über bie S3eftimmung beö § 1678 ^inauöjuge^en unb etwa
bie SBorfd^riften beö § 1698 auf bie SBermanbten unb SSerfd^mägerten beö
aWünbelö für entfpred^enb anmenbbar ju erflären (oergl. auc^ § 1720).
®ic aSeftimmung beö § 1678 äbf. 2 ©afc 2, bafe ber SÄnfprud^ auf ©rfag
ber baaren Sluölagen in Slnfe^ung beö Setrageö nid^t projeßfä^ig fein, fonbern
ber lefetere oon bem SBormunbfd^aftögerid^te feftgefefet werben foU, empfiehlt
ftd^ auö ©rünben praltifd^er 3n)edmä6igleit unb im ^inbliäe auf bie Slnalogie
ber geftfefcung ber 3ci*9^nflc6ü^i^cn (oergl. aud^ § 1720).
§ 1679.
5Die aSorfc^rift beö § 1679, meiere auf berßrmägung beruht, baß eö imanöömn^bos
3nteref[c einer fad^gemäßen ©ntfd&eibung beö SSormunbfd^aftögerid^teö liegt, ^o®X"be.5.
wenn baö lefetere bei ^Prüfung ber grage, oh ju einer ,^anblung beö SBor*
1152 SSormunbfd&aft über 2»inbcria5nge. anßöruno be§ aWünbelS. §1680.
i
munbcö bic crforberlid^c ©cnc^migung ertl^eilt rocrbcn foU, fid^ nic^t Icbiglii^
auf bic 9luötunft bes 5Bonnunbcö befd^ränft, fonbcru vor feiner ©ntfd&cibung
auä) ben ©egenüormunb l^ört, fofern ein fold&cr beftcüt roorben ift, fd^Iiefet fic^
ber preufe. SBomt. D. § 55 3lbf. 2, 3 an. S)a bcr § 1679 aud^ auf folc^e
gälle Slnroenbung finben foll, in roeld^en nid^t bic ©enebmigung ju einem
SRcd^tSgefd^äfte, fonbern ju einem faftifd^en ^anbeln beö 33ormunbeg in gragc
fte^t (üergl. § 1663), fo ift ber 9ludbru(f ,,su einer ^anblung bcö aSormunbeö"
gebrandet.
SBegen ber gaffung ,,n)enn ein fotd^cr beftcBt morben ift" oergt. bie
a)totioe ju § 1666 oben @. 1118.
3n Uebercinftimmung mit ber preufe. SSorm. D. § 55 3lbf. 4 ^at bie
aSorfdfjrift beö § 1679 nur ben Äarattcr einer Drbnungöoorfd^rift. 2)ie SBirf*
famfeit ber ertl^cilten Oene^miguijg von ber Seobad^tung ber SBorfd^rift beö
§ 1679 abl^ängig ju mad^en, mürbe mit ber ©id^er^eit beö 3Jcrte^re6 nic^t
oereinbar fein.
§ 1680.
atn^örung be4 <S)\c au öfinlid^c SSorfd^riftcu neuerer (Sefege (tjcrgl. preufe. 3(. S. 9?. II, 18
wünbeu. gg 243—246, 330, II, 2 §§ 110, 112, 115; preufe. SBorm. D. § 55 3lbf. 3, 4;
fäd&f. 0. 33. § 1922 nebft ber prooif. ©er. D. § 20; roeimar. ®ef. d. 27. aWärj
1872 § 104; brem. 3Sorm. D. §§ 71, 74; bai)r. (Sntro. 3lrt. 55) fic^ am
lel^nenbe, ben Saratter einer OrbnungöDorfd^rift an fid^ tragenbe SSorfd&rift
beö § 1680 beni^t auf bem (Sebanlen, bag eö eine angemeffene (Semfi^r für
bie 3intereffen beö SHünbefö bietet, wenn bem Söormunbfd^aftögerid^te bie ^flid^t
auferlegt mirb, ben 3KünbeI, meld^er bereitö baö ad^tjcfinte üebcnöiafir jurürf-
gelegt l^at unb bei meld^em beö^alb baö erforberlid^e '^erftdnbnig Dorauögefegt
werben barf, in fold&en gölten Dor ber ©ntfd&eibung über bie ©encl^migung ju
einer .^aublung bcö 33ormunbeö ju t)ören, in meldten eine ^anblung in grage
ftel^t, meldte il^rer 33efd^affenl;eit nad^ für bie aSer^ättniffe beö aRünbelö von
befonberer SBid^tigfeit ift, namenttid^ auf bie perföntid^en SSerl^ältniffc unb bic
fünftige ficbcnöftcllung bcö SKünbcIö einmirft (oergl. aud^ § 1341 9lbf. 2,
§ 1431 aibf. 2, § 1657). SBcnnglcidö bie öeftimmung bcö § 1680, foroeit bie*
felbe auf bie im § 1674 3lv. 1, 2, 5 bcjeid^neten SRcd^tögefdfiäftc ftd^ erftredEt,
einjcine gäUe umfaßt, auf meldte bie ratio berfelbcn roeniger jutreffen mog unb
für meld&e, menn fie allein in gragc ftänbcn, feine genügcnbe SJeranlaRung
oorlicgcn mürbe, bie S^ji^^w^S i>^ö aWünbclö üorjufd^rciben, fo fprid^t boc§
bcr ©eftd^töpunft, bafe in ben 9irn. 1, 2, 5 beö § 1674 ben (Snmbftücfen bic
Siedete an ©runbftüdfcn mit 3luönal)me ber §i)pot^efen unb Orunbfd&ulbcn
unb in ben 9irn. 1, 2 bcr aSeräugerung bie Selaftung glcic^gefteDt ift, bofür,
l^ier in gleid^er SBcife ju Dcrfa^rcn, alfo bie 3iiji^'^w"9 ^cö SKünbclö, au^er
ju ben in 3lx. 14 bejeid^neten SRed^tögcfd^äftcn, ju allen Slcd^tögcfd^äften oor-
äufd^rcibcn, meld&e baö Smmobiliarocrmögcn beöfelbcn im ©innc ber 3flm. 1, 2
beö § 1674 betreffen ober ben cntgcttlid^en (Srmerb von 3mmobi[ian)ermögen
im Sinne bcr 3lxn. 1, 2 beö § 1674 jum ©egenftonbc ^aben. 3nöbefonbere
mürbe eö bebcnflid^ fein, bie Sclaftung cineö Orunbftüdfeö, namcntlid^ mit
aSonnuubfdfeaft ?c. Äaraftcr bcr ©eneljmiounö bcö 3>orm. ®cr. § 1681. 1 153
(Srunbgcrcd^tigfcitcn, ganj ouöjufd^ncßcn, ba bcrartigc Sclaftungcn bcu Äaiaftcr
beö (SrunbftüdEeö unter Umftänbcn TOefcntnd^ t)cränbern unb bcnt ©igcnt^ümcr
ben Scfiß bcöfelbcn tJöUig verleiben fönuen. (Sine fafuiftifd^e Untcrfd^eibung
ift aber nid^t olö angemcffen ju erati^ten.
2)a6 eß bem SBormunbfd^aftögeric^te frei fte^t, aud^ in anbcrcn als bm
im § 1680 bcicid^neten gällen üor feiner ©ntfd&eibung ben SWünbel jii Ijören^
ücrfte()t fid^ ton felbft.
Gbenfo betrachtet ber ©ntrourf ed als eine felbftDerftänblid^e, burd) bie
Dormunbfd^aftfid^c Sierroaltung begrünbete 5ßf[id^t beö SJormiinbcö, in geeigneten
gällcn ben reiferen äRünbel t)or ber 9luöfül^rung n)id)tigcr 33ern)altungö*
maßregeln ju I)ören, namcntUd) wenn eö fi(^ um aWagregeln f)anbelt, weld&e
bie 5ßerfon beöfelben betreffen unb, wie j. S9. bic . Seftimmung bes S3erufcö,
burd^ bie Sieigungeu unb bie 8Bünfd)e beö ÜRünbetä felbft mit bebingt fmb.
3n meldten gäUen biefe WW eintritt, läfet fid^ im 3Sorauö gefefelic^ nid)t
genauer beftimmen; eö f;ängt bieö mefentlid^ ab von ber Stnroefen^eit beß
üDtünbefö, bem ®rabe feiner 6inrid)t unb ber 9lrt ber ju treffenben aWafercget.
§ 1681.
^a bie ju einem 9icd)tögcfd)äftc erforber{id)e ®encl;migung bcö SSor- Aiarcrfter
munbfd^aftögeric^teö infofern, atö fie bie aSertretungömadit beö Sßormunbcö ju ging^bT/lo»
befd&rÄntcn bejmedEt, bcnfelben Äarofter l;at, mic bie ju einem 9led)tögefd^äftc «««Woftfl-
beö äWünbelö erforberlid)c ©inroilligung ober (Sene^migung beö SBormunbeö, ®'^
fo muß bie 3lnaIogie bal;in fül^ren, ber ©cne^migung beö ajormunbfd^aftß-
gerid^teö im 5ßrinjipe unb im 3nigemeinen biefclbe red^ttid^e 33ebeutung bei^^
julegen, meldte nad^ ben 33orfd^riftcn beö § 65 Slbf. 3—6 ber ©inroiUigung
bejro. ber ©ene^migung bcö 33ormunbeö ju einem Sled^tögefd^öfte beö SRünbetö
jufommt (oergl. auc^ preufe. SBorm. C § 46).
3m ©injelnen ift ju ben Scftimmungen bcö § 1681 golgcnbcö ju
bcmerfen.
1. SBie auö § 65 3lbf. 3 uerb. mit § 127 Slbf. 1 fid& ergiebt, fann bie ajorflängiÄe,
ju einem 5led)tögefdEiäfte bcö aWünbelö erforberlic^e ©inroiUigung beö SBor-
munbeö forool^t gegenüber bem äWünbel ote aud^ gegenüber bem onberen Se^
t()eiligten erflärt werben. 3n Grmangelung einer entfpred^enben SSorfd^rift
mürbe nad^ § 127 Slbf. 1 aud^ bie tjorl^erige ©enel^migung beö SBormunb^
fd^aftögerid^teö nid^t nur gegenüber bem SSormunbe, fonbern aud^ gegenüber
bem 2)ritten mirffam erllärt merben fonnen. Sefetereö entfprid^t aber meber
ber ©tellung beö SSormunbfd&aftögerid^teö, nod^ ber beö SSormunbeö. 2)er erfte
3tbf. beö § 1681 beftimmt bcö^alb, bofe, menn ju einem SRed^tögcfd^äfte bie
(S)enel)migung beö 3Sormunbfd^aftögerid^tcö erforberlid^ ift, biefe ©enel^migung
im aSorouö nur gegenüber bem Sßormunbe erflärt werben fönne.
2. 2)ic aSorfdhriftbcö § 1681 3lbf. 2 entfpridbt bem § 65 3tbf. 3 ©afe 2. na<^traöH<^e
3. 9luö ber SSorfd^rift beö § 127 9(bf. 1 mürbe in ©rmangelung einer be^ gun«; »er.
fonberen Seftimmung folgen, bafe bie ©enel^migung bcö SBormunbfd^aftögerid^teö "*{J!J^en!^*'^
ober bie SBermeigerung ber ©eneljmigung bem bct^eiligten ©ritten gegenüber
SRotioe }. bflrgerl. Oefe^bue^. IV. 73
Itqon oaoüia) ziiirtiainieii enangtc, uoß uie Deiverreni'e ^errugung uem
©ritten ober bem aSormunbe oon Seiten beS 3Jotmunbfrf)Qft6gcti^te8 mits
get^eUt iDütbc. 3n biefer 93ejiel)unfl enthält ber § 1681 Slbf. 3 ©Q^ 1 bie
abtoeic^enbc 33orfi$rtft, bog bie nadjträQCiifie Genehmigung bee $onnunbfc^afts=
getii^teB foroie bie Sßcrroeigerung biefer ©eneltmigung gegenüber bem anbeten
33ertragfc(iliegcnbcn nur boburi^ SBirf[amfeU erlangt, bag fie betnfelben burc^
ben SSomninb mitget^eilt roirb. SJiefe mit ber Sßorftlirift be« § 1681 9lbf. 1 im
@inflauge fte(|enbe 9(rt ber Sf{ege(ung entfprid)! ntdit aDein bet prinjiptellen
Stellung beS SßormunbeS als be« Meptäfentantcii be« aWünbclfl na^ aufeen,
fonbern uerbient aud) oom Stanbpunfte beö 2!>iterejiefi befl ^Aünbels au0 um
beeniiUcn ben iGoigug, meil ^le bem ^ormuiibe bie ^itöglidileit getoä^rt, bie
SBerfügung beö Sßormunbfc^aftageri^te« im aSege ber Sefdttroerbe mit Scfolg
anfeilten ju Tonnen, roenn biefetbe bem 3ntercffe be8 Sftünbels na^ feiner
Slnfid)! miberftreitct.
^^t*M ®" formale Äonlequenj beS bem § 1681 ju ©runbe liegenben $rin=
snntunM. Mpcfi tn SScrbinbung mit bem § 65 9Ibf. 4 roiirbe roeiter ba^in führen,
mtc in bem galle beö § 65 äbf. 4 bem 33linberiä^rigen, fo ^ier bem 93or=
munbe ben ^Jücftritt non bem Vertrage, (otange bie Genehmigung bee 9Jot>
munbfd&oftögerii^te« nidjt oeriDcigert ift, ju uerfagcn. Sfnbeffen ber materielle
©runb, anf roeld)cm bie Sefttmmung befl § 65 9lbf. 4 benit)t, nämlidEi ber
Oerti^tßpunft, ba6 ber SUinbcrjäfirige, roeil er in ber ©efc^öftfifö^igtett bc
fdiränft ift, aud) bie iljm burrf) ben 9tbfct)[u6 beö SßertrageS crroorbene günfiige
^ofttion ber Binbung beö anberen a^tiettcs nic^t oufgeben fann, trifft für
ben Sjormunb in bem tn ^cbe ftc^enben f^aUe ni^t )u. 2)(e SJertretungS^
modtit beä SSormunbeö ift grunbfäglid) eine unbef^räufte. 3n ermongelung
einer entgegenfte^enben pofttitien Beftimmung fann er beötialb in ^äQen ber
£)ier fraglii^en ävt oui^ ouf bie burdi ben Slbf^lufe beS SBertragefl bem
^iinbel erraorbeiie günftige ^ofition loirffam Derjic^ten. @in ^ebürfnig, tn
biefer 9ejie()nng bie ^ertretungsma(i^t bcS iQormunbefi ju bef($rän!en, liegt
Hill fü iUL'iUiicr liüf, nlö ci und) eine uaii bem Siitti'u gcmürfjtt, Üicfcii
binbcnbc Offerte objuleljnen befugt ift. aSeilec fommt in Sctroi^t, ba% naäi
§ 1681 9(bf. 3 gegen ben SBißcn beä iOormunbrs ein 9Icd)t9gefciiäft burcfe bie
G5eHel)migung beö 3>ormuiibfd)Qfl4gerid)teß ofineI)in iiidit loirffom locvben tonn.
©cftattct man aber bem SBocmunbe, non bem SJcrttnge juräcfgutreten
(g 1681 3I6f. 3 eng 2), fo ift es fonfequeut, aud) ben 8 65 3Ibf. 5 mir mit
ber a)InfjgQbf I)ier[)cr ju übertragen, bafe bie bort bcjeii^ncte 9tufforbcrung
nii$t (in baä 3iormunbfdiQftfigerid)l, fonbern nn ben SSormunb ;u cridüeu ifl
unb in einein fold)en gallc bie Uniulrffamfeil beö SJertragcfi boDon ab^Öngi)]
gcmadjt luirb, ba^ ber aSormiinb innerl)nlb ber bcftimmteu grifi bem
anberen ^Uertragftölicßciiben bie Ocnc&migung bcs a?ormunbfi^flftflgerid)te6
nid)t mittl)cilt,
»tni.u«g i. s^ic iöorf(ftrifl beö § 1681 9H)f. 4 fd)liefit [lä) mit ber nus § 1681
^'z^«!"" 3Ibi. ;J £a& 2 ficb ergcüenbeti, unter 9Ir. 3 91bf. 2 gcrcd)tfcrtigtcn SDIobintotion
bem § Co 3rbf. 4 an.
BtmBmijuno 5. Xxe 'Borfdinft beö g HiSl 9Ibf. 5 übcrfc^t ben § 65 Bbf. 6.
®ene6m. b. ©cGeutJorm. § 1682. JJürforgc 2C. b. »orm. ®crid6te§. §§ 1683, 1684. 1155
6. 9luö bcm ^vinjipc bcö § 1681 9lbf. 2 in aSerbinbung mit § 127 »tttfroirfun«
W)l 4 crgicbt fid^ t)on fcfbft, bafe bic nod&träglid^c ©encl^migung bcö SSor- „e^^
ittunbfd^aftögcrid^tcß ju einem aSertragc in glcid^er SBeife, mie bie Oencl^migung
ieö gefegUd^en aSertrcterö m6) ÜRafegabc bcß § 127 3lbf. 4 rücfroirfcnbc Straft Ijat.
§ 1682.
3)ic cntfpre^cnbc Slnroenbung ber SSorfd^riften beß § 1681 auf biejenigen ^a^ohtt hn
gällc, in weld^en ju einem SRed^tögefd^äfte bic ©encl^migung bcö ©egcnpor? ^*S^^*
munbcö ober an Stelle berfelben bie Ocncl^migung bcö SSormunbfd&aftögerid^teö »o"»"»^»«»-
erforberlid^ ift (§ 1669), rcd^tfertigt fid^ wegen ©leid^l^cit beö (Srunbcö (Dcrgf.
cnö) preufe. SSorm. D. § 46).
III. SlOgemeitte itirforge nnh Stttffid^t bed Sormttnbfd^aftSgerid^te».
§ 1683.
S)ic SBeftimmung bcö § 1683 eröffnet bcm aSormunbfd^aftögcrid^tc bie einnmcuige
^JJIöglid^fcit unb legt bemfdbcn jugtcidj bic 5PfIid^t auf, in fotci^cn gällcn, inbe?»omimtM
njeld&en für bcn äWünbel ein SSormunb nocft nid^t beftcDt ober ber befteütc J^jJJJ^
SSormunb für bic ?ßcrfon ober baö SSermögen bcö Icfetcrcn iu forgen bcl^inbcrt
ift, burd^ einftroeiligc SJlafercgcIn bcm 3ntcrcffe bcö aWünbelö ju ^ülfc ju
f ommcn. 3)a ein fold^eö Scbürfnife norjugöroeifc in eiligen gäUcn unb ^äupg
cufecrl^alb bcö Sejirfeö bcö regclmäfeigcn aSormunbfd^aftögcrid^tcö l^eroortretcn
wirb, fo ift cö tjorbcl^altcn, in bcm (Scfcgc über baö SSerfal^rcn in SSormunb^:
-fd^aftöfad^cn (oergl. bic Slnm. ju bcm 4. 93ud^c §§ 1227 ff.) für bie 3lnorbnung
ber I)ier fraglid^cn SWafercgcIn icbeö Slmtögcrid^t für iuftanbig ju erflärcn, in
beffen SBcjirfc baö Sebürfnife t^atfäd(|Ii(^ l^croortritt (Dcrgl. preufe. SSorm. D.
•§ 15; meimar. ®ef. x>. 27. üJlärj 1872 § 121; bai)r. ©ntn). 3lrL 48; ^eff. ©ntro.
IV 3lrt. 20).
Snroieroeit baö SBormunbfd&aftögerid^t in bcn l^icr in SRcbc ftel^enben
gäUcn an ©teile beö SSormunbeö felbft l^anbcln ober jur Seforgung ber ht^
treffcnbcn bcfonbcren 3lngelegenl|cit einen 5ßflcger bcftcllcn roiD (§ 1738), ift
■feinem (Srmeffen ju ubcriaffen.
^anbclt cö fid& um bic ©id^erftcUung eineö ?Jlad^taffeö, bei roeld&em ein 6i<^eriien»nft
SWünbcI alö erbe bct^eiligt ift (mgt. preufe. aSorm. D. § 15), fo ift nad^ «a^f^e».
§ 2058 baö 9lad^[a6gcrid^t juftänbig unb Dcrpflid&tct, t)on Slmtörocgcn für bie
Sid^cning bcö 9Jad)Iaffcö infomeit ju forgen, atö baö Sebürfnife eö crforbcrt.
§ 1684.
aBcgcn ber Scgrünbung bcö § 1684 (Dcrgl. preufe. SSorm. 0. § 51; ^mt
1ä# ®. ». §§ 1880 1881; baijr. entm. 9lrt. 6) loirb auf bic 3luöfü^rungcn ^^'^^ST^
4mter 3lx. rv ber allgemeinen Scgrünbung bicfeö Slbfd^nittcö, oben ©. 1026 ff., «ent^e«.
tBcjug genommen.
73 •
aJie cvtoi:OerUd)cii !Oe)timmungen über Die ijmQiigSfleroait öca JüocmuiiDs
fd)aftdgeri(^tcs, infibefonbere über bad die^t, gegen ben 93onnunb unb bcn
(Segenpotmunb DtbnungSfttofeit ju oer^ängen (uetgl. prcufe. 93orm. D. § 51
3tb[. 2; fä# ®. S. § 1881 ; baijc. enlro. 9[tt. 123; M- ®cf. ». 18. ^uni 1887
9[rt. 6), fmb bem ©efeße über baä SSerfa^cen jii überladen.
§ 1685.
unui. Sßeiingletiii nii^t uerfannt toitb, ba% btc SSeftimmung beä § 1685, roclc^e
«ttSwii^bem Sommnbfi^ttftageric^te bas 9tecfit gicbt, bie bort bcjeidinete SDIaferegel
"""fl*"«- au(f) gegen ben SBiDen bes 58onnunbc6 im 3nt«fcRc beä Münbeffl felbfl bann
SamUK K. JU befd)Iiegcii, rocnii bem äSormunbe eine ^flic^tmtbcigFcit in ^nfetiung bcr
©rjie^ung bes SOIünbelS nicfit jur Saft fällt, einen Eingriff in bie fonft bem.
aSormunbe (elbftänfaig äuffe^cnbc Grjie^imgSgeroalt enthält {§§ 1648, 1655),
fo fönt bod) für bie aufnähme jener Seftimntung onbercrfeitö cntfilictbenb
in« ®eroi(§l, boß eö im öffcntlidien Stnterejfe a(a in ^oE)cm ©robc nngemeffeii
erfrfjeint, bem SBormunbfc^offsgcridlte bie 5D}ögIt(^Icit ju gerofi^ren, jur ajcr=-
^ütung roeifercc fitt[i(5er 35o:rooE)r(ofunfl eines ÜHünbets in ber tiier frogUiöen
j[rt energif^ eingreifen jn tonnen, Safe baS 83ormunbfc&aftsgeri^t Don bcr
tftm eingeräumten Sefugnife o^nc bringenben 9[nla| ©ebrttudti machen roerbe,
ift nitfit 5u beforgen. ©ceignelenfaUa geroätirt au^ bciS SHct^tSmittet bcr Söe»
f^raerbe ben nött)igen Sc^ug.
a)cc S^fofi i"" Jineiten ©age be« § 1685 fflnn als fclbftiKtftÖnblic^ er^
achtet roerben, ba bie @rjte^ungSgenia[t ber Stutter bejiv. im gaDe bcS § 1554
%b\. 2 bie (Srgic^ungegemalt bes ätatcrs na^ bem @ntn)nrfe als ein residaum.
ber eltetlii^en ©eroalt unter ben Segeln bct leiteten fte^t (oergt. § 1656).
SBei bem aUgemeinen Wortlaute bes § 1685 Sag 1 ift ienet S^\a% {eboi) im
Sntereffc ber 3)etitlid|Feit beS @efe|ed alfl rat^fam erachtet.
'X>uri> bie aSorf^rift be* § 1685 roerben übrigen« bie [onbeßgefeftlid&cii.
33orf$riflen über bie 3'co<tg'^<^ME^ung nennalirlofter ^inber nad) näherer
^Beftimmuug beS fSinfü^rungsgefeges (tierg[. bie Biotine ju § 1546 oben
S. 806 ff.), iii^t berüE)rt ; inSbefonbcre niirb burdi biefetbe leine SBcrpPic^tung
begrünbet, einen naäf Snafigabe bes § 16S5 oon bem !Gonnunbfd)aftSgerid)te
gcfafeten Säef^dife e». nnf öffentlidjc Soften juc 9lu8füf|ning jn bringen.
§ IG&J.
CbiQo^t bie ^eftimmung be« § 1686 fd)on au« bem ^ed|te bcr
Sluffidjt t)ergeleitet roerben fann (oergl. § 1684), fo ift cfl bod), um ÜHi6=
^' nerftönbniffcn eutgegcnjutreten , vom pratttf({)en ©tanbpuni^c au« rattifam,
bas %ormnnbfd)aftsgerid)t borauf ^injurocifeit, bog cS von bem ÜJormuiibe
«nb bem ©egenoormwnbe icbcrjeit äuäfunft über bie güf)rang bcr 5ßormunb:
fdiaft, unb jiDor insbefonbevc audi in 5Infe^ung bcr *Jierfon bcö SIKinbel«,
forbern fann. ©er 3"fiB' bafe bas iKct^t, 31«sfunft ju ocrtangcn, fte^ inS^
bcfonbcre avä) auf bie pcrf&ntid)cn S8ert)filtniffc beä SDlünbcIS crftredc (oergl.
prcuß. 3t. S. % II, 18 § ^27; lubccE. 33orm. C. % -31 ; brem. a^orm. D. § 88),.
SSormunbfd&aft ütcc SJlmberia^rigc. SRciJ^nungöIeöunö. §1687. 1157
ift uamentlid) mit Jiüdffid^t bavauf alö ongemcffcn crod^tet, ba6 bcfonbcrc 35ors
fd^riftcn iibcr fog. @rjie^ung§bcrid)tc nid)t aufgenommen [inb. S)erortige Gr-jic^ung«.
<grjiel^ungöberid^te ^aben feinen erJ^ebUdjcn proftifd^en 2BertI) unb finb t^eilö ^*''****'
im ^inblirfc auf boö ^i^ftitut beö ©emeinbemaifenratl^cö (§ 1725), tl;ei(ö im
^inWidfe auf bie bem aSormunbfd^aftögerid^le burd) bie §§ 1684, 1686 ein^
geröumten Scfugnifie cntbe^rüd^.
§ 1687.
3lci6) bem SBorgange beö gemeinen SRed^teö Derppid)ten bie meiften ^enobiwe
neueren (Sefeggebungcn ben SBonnunb, bem 5Bormunbfd(iaftögerid^te über bie ^^UßTnT'
SSermaltung beö SBermögenö beö 3)tünbelö regelmä|ig SRe^nung ju legen
(Dcrgt. preufe. 31. S. SR. II, 18 §§ 647—678; preufe. SBorm. D. § 56; öfteiT.
®. 83. §§ 238—242 ; fä^f. ®. SB. §§ 1950, 1951 ncbft bcr prooif. ©er. D,
§§61—72; mürttcmb. 5Rotariatögef. v. 14. 3um 1843 9lrt. 51; meimar. ®ef.
t). 27. aJläti 1872 § 59; bob. @ef. t). 6. gcbruar 1879 § 22; lubetf. SBorm.D.
§§68—75; brem. SBorm. C. §§ 82—91; l^eff. entro. IV 3lrt. 96 ff.; bai)'r.
€ntn). 3rrt. 89 ff.), ©agegen ift ber Ijamb. SJorm. C. Slrt. 54—57, 70—74
imb bem franj. SRed^tc eine pcriobifc^c SRed^nungöfegung an bie Dberoormunb*
fd^aft fremb; bod) fann nad^ bem [enteren (code civil 3(rt. 470) bcr 33ormunb,
©Itern auögenommcn, im SluffK^tömege angehalten merben, bem ©egeu:^
Dormunbe periobifd^ eine Ueberfid^t feiner aSermaltung ju liefern.
2)er (Sntmurf gef)t im 9lnfd(|Iuffe an bie 3Re^r5aI;l bcr beftel)enben
Sled&te, inöbcfonbere aud^ fold&cr, meld)e, mic bie prcu^. 35orm. C. unb baö
bab. SRed^t, ia^ Snftitut beö ©cgcnüormunbcö aufgenommen l^abcn ober, mic
bie [fibedf. SBorm. D., ftetö bie 9lufrid)t über ben Dcrmaltenben SSormunb burd^
txnen jrociten SBormunb eintreten (äffen, bat)on aus, bafe trofc ber 3lufnal)mc
beö 3nftituteö beö ©egenoormunbeö bie rcgctmäBiS^ ' SRed^nungölegung alö ein
SRitlel bcr ©elbftfontrolc beö SBormunbeö unb alö bie roirffamftc ^anbl^abc
für bie 83eauffid)tigung beöfclben nid^t cntbel)rt mcrbcn fann (oergf. SWotioc
ber preufe. SSorm. C. ©. 86 ff.; üJlotiDc beö ba^r. ®ntm. ©. 82 ff.), ©em^
gemäß ift im § 1687 3lbf. 1 beftimmt, bafe ber SSormunb, oorbef)altiid) bcr auö
ben §§ 1691, 17.33 fid) crgebenbcn 3luönai)men, DerpfUd)tet ift, bem 33ormunb*
fc^aftögcriddte über bie SBermattung beö aSermögenö jä^rlid^ SRcc^nung ju legen,
^^on bcr preufe. SJorm. C § 56 3lbf. 1 ©afc l meidet bicfe 33cftimmung infofern
ab, alö bcr SSormunb nid^t btoö auf @rforbern beö SBormünbfd^aftögerid^teö,
fonbern fraft beö ®efcfecö jöl^rlid^ SRcd&nung ju legen Dcrppid^tct fein foll.
IDiefc, bem gemeinen SRcd^tc unb ben meiften neueren ©efeften cntfprcd^enbc
3lrt bcr ^Regelung ift ni^t allein bie näf^cr liegenbe, fonbern ift audd um beö^
roillcn üorju5ie]^cn, weil fie bie SBcrantmortUd^fcit beö SSormunbcö megen SSer*
jögerung bcr SRcd^nungöIcgung nid^t Don einer Dorgängigen 9lufforberung beö
SSormunbfd^aftögcrid^tcö abhängig madbt.
SJic im § 1687 3lbf. 1 beftimmte SScrpflic^tung beö 93ormunbeö \)at aber ««after ber
Tiidjt Icbiglid) ben Äarafter einer im Stuffid^tömege (§ 1684) ersmingbaren **^^^*'**""^'
öffentlid^re^tlid^en ^ßftid^t gegenüber bem Sßormunbf^aftögerid^te, fonbern
3ug(cid& ben Äaraftcr einer bem äRünbel gegenüber begrünbeten prioatrcd^t*
einen ju Wefem 3roe(fe faeftellten ^ffcger crjnningen nierben tann (oergf. i)c^.
®ntu). IV ärt. 96). Sfn engem Bufammen^itge mit 'V^ Suffoffunß bei
®ntinurfes fte^t bie 93orf^riff beä § 1700 atf. 2, bofe ber SOIünbel oon bem
SSormunbe no{§ ber Seenbigung be* 3lintefi bcfl leßtercn nicfit nodimale über
bic ganje normunbfrfioftlic^e aSerroaltunfl bie ficgung einer neuen SHec^nung
nerlangcn Fann, fonbem bag, foioeit ber S^ormunb bem SSormunbfi^aftesertt^te
eine JRecInung gelegt Ijat, bie öejugnolime ouf biefc Siet^nung genügen foH.
K<4nuns<< 33ic Seftimmuiig bes SRedimingsia^res, foroic be« Sfitpunfteß ber ©ins
adi^» in i'cif^wiS ber 9ied)iiung foU bem aiormunbfc^aftagertc^te überloflen roerben
«itrdflmiB, (oergl. fcic^f. prooif. ©er. D. § 62). ES cmpfiet)It ft^ bics f^on be«i)olb, bamit
nicf)t bic SJormunbfc^aftsgecidlite auf ein 3J1qI burt^ beti Singong (flmmttic^er
Wc^inungcn mit ©ej^Öften überhäuft rocrben.
BnWBBMviiB gür unbebeutettbere SJcrmögenaoerrooItungen ift eine ttHjö^rlidtie 9iec^
Mi f.iie»<. nungelegung erfaljrungftmofeig ent&e^rlii^. 3)ur(^ bie SBorfe^rift bcfl § 1687
abf. 3 ift bem SßormunbfrfiQftÄgerit^te baficr bos SRcc^t eingerßumt, bie
Segung ber SRe(ftnung bei einer SBcrroaltung oon geringem Umfange au(^ für
einen längeren Seit^aum, n)cld)cr jeboi^ bret 3o[)re tüdjt überfteigen borf, ju
geftatteii {ocrgl. preuß. 33orm. D. § 56 aibf. l). SÄngere Sci'röuine ä"i"'
laffcn, ift im ^nteretje ber 9luffirf)t6fßf)rung nirfit vat^fam, n>enng(eieE) iit ber
^rari« unb in bcn @efe|en biaroeilen qu(^ Dier=, felbft fünfiä^rigc ^etioben
jiigelQiTen icerben (uergl. bab. ®ef. v. 6. gcbruQc 1879 § 22). 3m Sinf^luffc
an bie preu^. 3!orm. D. § 56 SIbf. 1 foU aber baä Süormunbfi^Qftflgerii^t bie
Segung ber 9Iei^nung für einen längeren 3citQW(il"i't "'ß t"" ""^8 3Qljrcft
erft mit Regung ber Sici^nung bcfl erften 3olirca geflotten bürfen, ba es al8=
bann bef^er ju beurtl)ci(en im Stanbe ift, ob bie ^erfon befl Sßormunbes unb
bie 9Irt ber bist)erigen Sßcrroaltung beafelbcn ju Sebcnfen 3InIo6 geben
ober nic^t.
««mtuns Die in ber Raffung an ben § 591 Saft 2 jt(^ antc^nenbe Seftimmung
*" "'*'"'"' bes § 1687 aibf. 4 berul^t ouf ber enoögung, bafe in Slnfe^ung ber aiet^nung
o^nc 9Iot^ ni^t ju gro^e Sinforberungeu an ben SSormunb gefteUt itietbcn
bürfen. Ea mürbe inabefonbere eine ju grofee Saft für ben ^ormunb fein,
wenn bcrfelbe oerpfliditet fein foUic, bei jcbcrJRec^nung eine uoUftänbige Ucber^
fi^t über ben gcgenmärligen Stanb befl Vermögens ju geben. 3^" ^inblide
auf baS bei Seginn ber ffiormunbfc&oft ju befc^affenbc 3"i»cntar (§ 1659)
genügt eS, tocnn bie 9ted)nung bic 9lngabcn über ben aib= unb Big""!! ***
Siermögenfl enthält (uergl. peeu^. Siorm. D. § 56 Slbf. 3). 3"ifi^eit bic
Sefdiaffung ber Söetege erforberlit^ ift, unterliegt ber DerflÖnbigen Seurt^cilunß
bes %onnunbf^aflageri(^tes unter ^erüdfti^tigung ber Umftünbc bcä einzelnen
galles.
B«fi*eruna 'Ztz in ber preu§. 9Jorm. D. § 56 äbf. 3 Saft 2 [id) finbenbc 3"f<ift'
3K^t(i(. ba^ ber ^ormunb unter bct 3iec^nung oerTti^em foDe, bog er alle @inna^men
Derre(i)nrt i)abt unb au^er bcn in ber 9ted)nung auftjefü^rtcn pormunbfi^Qftj
Eitlen ^ermögeitöftücFen anbcrc nii^t uerroa^re, ift ola entbcftriic^ nid)t auf-
genommen, ba es felbftoerftänbliii ift, bafe bie ^iJei^nung ooQftönbig [ein mufe,
unb ba bie Vorlegung einer Slet^nung nac^ bem 3<i)<^(fc unb bem Begriffe
SSormunbfd^aft üBcr SWinbcrial^riöc. ^^rüfimo bcr Stec&ming k, § 1688. 1 159
Der SRc^mmg fd&ou oon fclbft bic @rftärunfl bcr SBoüftänbigfcit unb 9lid)tig*
feit bcrfelbcu in fid^ fd)lic6t. 6in Scbürfnife, bem 93ormunbc bicd uod^
befonbcrö jiim SBcroufetfcin 511 bringen, liegt nid^t vor. Sluf ber anberen ©eitc
ifi ber S^f^fe ober a\x6) bebentlid^, ba, rctnn bic SBerftc^erung unter ber
Sfled^mtng fel^It, bad 93ormunbfc^afti^gcrid(|t, um ftd^ nid)t t)crantn)ortlid^ 5u
tna^en, bic 9{ed^nting jurücf geben mug nnb baburdb bie Prüfung berfelben
üerjogcrt loirb. 3wbem ^at eine berortige SSerfid^enmg erfal^rungÄmQ6ig
geringen SBert^, namentlid) wenn fie formularmäfeig erfolgt.
2)ie »eftimmung beö § 1687 3lbf . 5 fd^tiefet [\i^ an bad preufe. 3t. 2. 9t. »"«««
n, 18 § 653 nnb bie fäc^f. proüif. ©er. D. § 67 an. SJafe bcr 3ludbnicf ,,fauf^ "*"""*
männifd^c Sud^fü^rung" ju bem SHifeDcrftönbrnffe ^nla^ geben fonne, bic Sc-
ftimmung bcß § 1687 2lbf. 5 foBe nur bei faufmönnifc^en Oefd^äftcn 3lnn)enbung
finben, ift nidjt ju beforgen. ®ntfd&eibcnb ift, ob in bem Setriebe beö be*
treffenben (Srmerbögefd&äftcö bie Suc^fü^rung nac^ bcnfelben ®runbfä|cn er*
folgt, wie bei faufmännifd^en ®efd&äften, fo ba§ eine Silanj im ted^nifd^en
©inne auö bcn S5fld&em gcjogen werben fann. S)em 3Sormunbe ift cd fclbft*
Dcrftänblid^ unbenommen, bei 3i<^^w"9 ber Silanj and bcn SBüd^crn ftd) ber
^ülfc eines ©ad^oerftänbigen }u bcbicncn ; bod^ mufe baran feftge^alten werben,
bafe, ba bie Silanj bic ©teile ber SReddnung oalritt, ber aSormunb bie Slid^tig*
feit ber 33ilanj nad& 2)la6gabe ber angemeinen ®runbfä^c über bic SBcrant*
roortlid&fcit beö SBormunbeö bei gul^rung ber aSerwaltung ju oertrctcn ^at
(Dcrgl. fä^f. prooif. ©er. D. § 67). ©runbfäfelid^ mufe ferner bem SBormunb*
fd&aftögcrid)tc bad Siedet oorbetialtcn werben, audj bic SSorlegung ber Sucher
unb ber fonftigen 93elegc ju verlangen, c^ält ia^ SBormunbfd^aftögcrid&t bicfl
aud befonberen ©rünben für erforberlid^, fo mufe bic SRüdEfiddt auf etwaige
©efd&äftdgcldeimniffe in bcn ^intergrunb treten, foweit nid^t bic 33orfd^riftcn
beö § 1695 ^lag greifen.
25ic Seftimmung bed § 1687 2lbf. 6 ftimmt fa^lid^ mit ber preug. witmirfung
aSorm. D. § 56 aibf. 4 überein (ocrgl. aud^ preufe. 21. S. 9t. II, 18 §§ 664 ^JLS
bid 666; lübcdE. 33orm. D. § 68; brem. »orm. D. § 83). gßcgen bcr gSortc
„wenn ein ©egenoormunb beftcHt worben ift" ucrgl. bie aWotioe ju § 1666
oben ©. 1118.
2)a6 mcl^rcrc 5U ungetrennter SScrwaltung bcftelltc 5Bormünber bic Mec^nun««*
Siec^nung gemcinfc^aftlic^ su legen I}aben (oergl. prcufe. »orm. C. § 55 3lb|. 2), ^'^""^t.^"'*
folgt aud ber SSorfd^rift bed § 1652 Don felbft unb bcbarf bal^er feincd be* wrmanber.
fonbercn 3Iudbnirfcd.
§ 1G88.
Sic Scftimmung bed § 1688 2lbf. 1 ergiebt fid^ a\\^ bem 3wedEc bcr im ?rafmiß ber
§ 1687 bcftimmten aScrpfli^tung bed aSormunbcd jur 9icd)nungdlcgung, fowie ^**"«"ö'
oud bcr ^ßflid^t unb bem Sichte bcr Sluffid^t bt^ aSormunbfd&aftdgerid^ted (oergl.
aud^ prcufe. 21. S. 9t. II, 18 §§ 662—671; preufe. SSonn. C. § 56 3lbf. 5;
oftcrr. ®. a. § 241; fäd^f. ©. 83. § 1950 nebft bcr prooif. ©er. C. §§ 70—72;
Weimar, ©ef. v. 27. anärj 1872 § 59; lübccf. SBorm. D. §§ 74, 75; brem.
SBorm. D. § 90; ba^r. (Sntw. 9trt. 83). SBon fctbft oerfte^t cd ftc^, bafe bad
1 160 a>ocmuttbfd&aft über OTinberia^riöP. Prüfung bec Sted&nung k, § 1688.
SSormunbfc^aftögeridjt bic fad^Ud)C Prüfung bcr Stcd^nung inöbefonbcre awä)
auf bic ^jjpic^tmä&igfcit bcr 3lnlcgutig von ©clbcrn ju crftrcdcn l^at iinb
flccignctcnfallö bcl^iifö SBortiafimc bcr 5|irufung bic SSortcgung bcr in bcn
§änbcn bcö SSormunbcö bcfinblid^cn ©d)ulburhinbeu unb SBcrt^apierc bcö
SKiinbcIö nid^t nur Dcrtangcn fann, fonbcrn awä), foiocit namentlich bic
Prüfung bcr 3lcd)nung baju 9lnlafe gicbt, ju Dcrlangcn ocrpfCid&tct ift. Sluf
bcr aubcrcn ©citc roiirbc cö aber ju mit gelten, baö SSormunbfd^aftdgerid^t
unbcbingt ju Dcrpflid^ten, bei {cbcr SRcd^nungöIcgung fW^ t)on bcm SSor^anben*
fein bcr bcjcid)ncten Rapiere ju iibcrscugcn unb bic üorgclegten 5ßapierc barauf
l^in ju prüfen, ob bic Slnfcgung bcr aKünbcfgctbcr Dorfd^riftömä^ig erfolgt ift,
Ginc bcrortige Scftimmung würbe bcm SBormunbc unb bcm SSormunbfd^aftö«
gcrid^te eine ju gro^c Saft aufbürben, aud^ bic SScrantitJortlid^teit bcö lefetercn
in einer bcbcntlic^cn SBcifc'Dcrme^ren. S)icfclbe ift burd^ ein S3ebürfni§ um
fo weniger geboten, als nad^ § 1687 9lbf. 6 bcr SBormunb bcm Ocgcnoormunbc
bcn SScrmögcnöbcftanb nad^juroeifcn ^at.
*bw «r"^ aBcnnglcid^ baö aSormunbfd^aftögcrid^t, foroeit crforberlid^, bic Serid^tigung
innerungen. luxb ©rgSujung bcr 9lcd)nung im Slufrid^törocgc l^crbeijufü^ren bcrcd^tigt ift,
fo ftct)t bod& bemfelbcn nad^ allgemeinen ©runbfäfccn fraft feines Stuffid^tö^
rcd^tcö nid;t bic Scfugnife ju, bcn SSormunb unter bcm ^räiubijc beö
Sfncrfcnntniffcö für bcn gall bcr Slid^tcrf fönmg (ocrgl. lübcdE. aSorm. D. § 75 ;
brem. aSorm. O. § 91) ju einer ©rtlärung über bic SRid^tigfeit einer gcftcUten
©rinncrung ansu^altcn. ©benforoenig ift es bered^tigt, über uncriebigt bleibcnbc
3lnfprüd^e bcö aSormunbeö ju entfd^eiben. ©elbft bic ©rfüHung anerfanntcr
9lnfprüd^c bcö 2Künbc(ö gegen bcn a?ormunb fann eö üon bcm Icßtcrcn ouf
Orunb bcr ildm juftcljcnben Swangögemalt nid^t crjmingcn. Um SWifeocrftönb^
niffen ju begegnen, ift bicö im § 1688 SÄbf. 2 ©afc 1 befonberö jum äuöbrurfc
gebradjt. Sieö ift aud) bcr ®tanbpunft beö gemeinen SRcdöteö unb bcr meiften
neueren ©efefte (oergl. preufe. SBorm. D. § 56 Slbf. 5 unb SBcrid^t bcr Äom^^
miffion bcö ^crrcnl^aufcö ©. 72; fäd^f. prooif. ©er. D. § 71; ^cff. ©ntm. IV
9Irt. 98 nebft 3»otiocn ©. 264; bai)r. ©ntro. 3lrt. 84 nebft aÄotioen ©. 85).
dagegen fiat baö preufe. 91. 2. SR. IT, 18 §§ 669, 671 jraar bic ©nifd^cibung
bejügüdö nid)t anerfanntcr Defefte bcm Slcc^tömcge- Dorbebatten, bk ©refution
mcgcn anerfanntcr S)efeftc aber bcm aSormunbfd&aftögcrid)te übermicfen. Ginc
berartige pofitioe S5orfd)rift ift jcbod^ nid^t bnxä) ein Sebürfniß geboten,
©erii^tiic^e SBäl^rcnb nad) rom. unb gemeinem Siedete bic 9lnfprüd&c bcö aSormunbeö
moi^uV ober bcö a}lünbclö fomol^t von bcm SSormunbc alö bcm äRünbcI erft nad&
^«n?^ra4e*'^ Sccnbiguttg ber SJormunbfd^aft gcrid^ttid) gcitcnb gemacht merben fönnen, gcl^t
bcr ©ntrourf in Uebereinftimmung mit bcn neueren ©cfefegebungcn bauon auö,
ba^ bic gcrid)tlid^e ©cttenbma^ung biefer 9lnfprüd^c fd^on mö^renb bcö
33eftcl)enö ber SSormunbfd^aft in einem 5ßrojeffc jmifd^cn bcm SSormunbc unb
einem bcm SMünbet ju biefem B'oedc iu beftcUenben Pfleger (§ 1738) juläffig
ift (§ 1688 9lbf. 2 Safe 2). 5Dicö ift inöbefonbere au^ ber ©tanbpunft befi
fäd&f. SRcd^tcö (proDif. ©er. 0. § 71) unb bcö bapr. ©ntw. Slrt. 84. S)aft*
fclbc ift, obrool^I barüber ©treit bcftc^t, in ©rmangclung einer entgegen^
ftcl)cnbcn Scftimmung alö bcr ©tanbpunft bcr preufe. SSorm. D. anjufe^en
(ücrgl. ©ntfd;. b. 9t. ©. in ©iüilf. XVI, 47). ©in genflgenber ©nmb, bic
SJormunb^aft über gWinberjältriflc. ©ic^crrjeitSleiftuno. §1689. 1161
^ü^nmg cineft Slcci^tdftrcitcö über 9Infprüd)c beö SBormunbeö ober beß ällunbelö
auö ber üortnunbfd^aftlid^en SBerrooItuiifl rofil^rcnb beft Sefte^enö ber SBormimb*
fd^aft gänjiicö auöjufcöüeßen, ift nid^t Dortionbcn. 3«^ ©egent^eile liegt cö
tuimentlid) im Sntcrefje ber ©id)erl^eit beö aWünbcIft unb bient eö jur aSermeibung
ber aSerbunlelung ber l^ier fraglid^cn 3lnfprfid&e, roenn biefelben fd^on lüäfirenb
beö Sefie^enö ber aSormunbfdjaft gerid^tUci^ geltenb getnad^t werben fönnen.
Sic aSorfd^rift ber preufe. SBorm. D. § 56 Slbf. 5, ba6 nad^ ©rlebigung md^abt ber
ber Grinncrungcn bafi aSormunbfd^aftögerid)! bem aSonnimbe bie Selege mit ^Jj^t
einem SBermerfc beö erfolgten ©ebroud^eö jurüdfjugcben unb auf SSerlangen ^«f s»«*^"«»«-
3lbfd^rift ber SRed&nung ju ertticilen l^abe, {)Qt ber ©ntrourf nid^t aufgenommen,
ba bicfelbe, fomel bie 9lüdfgabc ber Sciegc onlangt, in biefer STOgemeinljeit
bebenflid) ift unb bef?cr bem (grmejfcn beß SSormunbfd^oftßgeri^teß nadf>
a3cfd)affenl|eit beß gallcö uberlaffen bleibt, in 3InfeI)ung ber 2lbfd&rift ber
dled^nung aber auß allgemeinen ©runbfögen folgt.
SBenngleid^ ber Entwurf baoon außge^t, bafe bie fiegung ber So^teß- »«*>««t«»fl
red&nungen gegenüber bem Sormimbfd^aftßgcridjte jugleid^ eine Segung ber^wStw^*
felbcn gegenüber bem 2)lünbel ift (oergl. § 1700 9tbf. 2 unb Sßotiüe ju § 1687
oben ©. 1157 ff.), fo fann bod^ eine eigentlid^e 3lbnal^mc ber Sicd^nung mit
materieller ©rlcbigung burd^ baß SBormunbfd&aftßgerid)t nid&t ftattfinben, ba
ia& lefitere bie JRedjnung nur fraft beß 9tuffid^tßred^tcß prüft, eine SBcrtretungß*
mad^t für ben äRünbel aber nid^t befigt. 2)aburd^, bag baß 93ormunbfd^aftß^
flerid^t bie Sal^reßred^nungen alß orbnungßmä^ig ancrfannt l^at, wirb batjer
bem SWed^tc beß SOlünbelß, naä) 33eenbigung beß 9lmteß beß SSormunbeß gegen
bie früheren Sled^nungen Slußftellungen ju erfiebcn, in feiner SBeife präiubijirt
(uergl. födbf. prooif. ©er. D. § 71). 9luß bicfem ©nmbe ift eß audf> rermieben,
eine $?orfd)rift aufjunel)men, ba6 baß S8ormunbfd&aftßgerid&t bem SSormunbe
wegen ber SRed&nungßlegung Quittung ober SJed^arge ju ertfieilen l}abc (oergl.
f öd&f. proüif. ©er. D. § 72 ; lübedf. 93orm. C. § 75), ba biefelbe in ber bejeid^neten
Slid&tung ju ajhfeoerftftnbniffen SSeranlaf^ung geben fönnte, infoweit aber, alö
fic bem X^ormunbc ben Seweiß fidjcrn foll, ba§ er feiner im § 1687 beftimmtcn
S3crpflid)tung genügt l)abe, felbftt)erftfinblid& ift.
§ 1689.
Sßegcn ber Segrünbung ber 33orfd()riften beß § 1689 9(bf. 1—3, 5, welche sic^er^ei».
fidd im Sßefentlid^en an bie aSorfd&riften ber prcufe. SBorm. D. § 53 anfd^liefeen, ^"^""^'
wirb auf bie 3lußfüf|rungen unter 9lr. VII ber allgemeinen Segrünbung biefcß
9lbfd()nitteß, oben ©. 1039 ff., unb in ben 9)iotit)en ju § 1673, oben ©. 1135,
S3e5ug genommen (t)ergl. aud) bie §§ 1547, 1551). *
2)urcö ben in ber preuS. 95orm. C § 58 fid^ nidbt finbenben S^f^ft i«^
§ 1689 2lbf. 3 „folange baß 9Imt beß SSormunbeß nid^t beenbigt ift" foU
bem SOhfeücrftänbnirtc begegnet werben, alß ob baß SSormunbfd&aftßgerid^t aud)
no^ nad^ 3IufI)ebung beß oormunbfd^aftlid^en 9lmteß bie SBerminberung ober
9luf^ebung ber üon bem 95ormunbe auf ©runb beß § 1689 bcftelltcn ©i^er{)cit
anjuorbnen befugt fei. Sffiennglei^ in ben liier fraglid^en gälten ber SÄünbcl
ein 9lcd)t auf bie beftellte ©id&erl;eit nidE)t fd&led^t^in, fonbem nur in 3(b*
1 162 a3ormunb[d&. nbct 2Riubcri. befreite SSormunbfcfiaft. (§§ 1690—1695).
l^ängigfcit ooii bem @rmef[eit bed äJorntunbfd^aftögerici^ted ald älufftd^tdlteprbe
ermorbeu l^at^ fo l^ört bod^ mit ber Seenbigung bed oormunbfd5aftUd(^eit
aimtcö bafi 3lcc||t bcö SBormunbfd^aftögcrid^tcö auf, ote 3lufftd^töbcl^5rbe nad^
bicfer aiid^tung im aSerl^iältnijfe bcö äßüubete ju bem früheren SBormunbc
cinjugreifen.
Sic SBcftimmung bcö § 1689 3lbf. 4 ftcttt fx6) ate eine auf 3n)etfmfi6ig!eitö^
riidEfK^tcn berul^cnbe pofitiüe SBorfd^rift bar (pcrgL ffid^f. proüif. ©er. D. § 48).
3ii Ermangelung einer befonbcrcn SJeftimmung mürbe bie nad^ ben allgemeinen
©runbfäften jur 93efteUung, Slenberung ober Sluf Hebung ber ©id^erl^eit cr^
forbcrliclie aKitroirfung beöienigen, meld&em bie ©id&erl^eit ju befteUcn ift, l^ier
nur in ber Slrt erfolgen fönnen, bafe bem ättünbcl in ©emäfel^eit befi § 1651
9ir. 1 unb bcä § 1738 ein 5ßPegcr beftcUt mürbe. S)a iebod& biefer SBBeg
unter Umftänben längere 3cit in 3lnfprud^ nel^men fann, in ben in Siebe
fte^enben gällcu aber, menn ber ^mtd erreicht werben foB, oft @ile geboten
ift, fo liegt eö im 3ntereffe beß aOlünbelö unb erfd&eint cö alö baö SRatürlid^fte,
l^ier audnal^mdmeife ron ber $)eftellung eined Pflegers abjufel^en unb auf baö
aSormunbfd&aftögcricIit gemiffermafeen bie gunftion eine« SBertrcterß beö SRünbelö
ju übertragen in ber 3lrt, bag bie älnorbnung bed ^ormunbfd^aftögerid^tcft
bie an fxä) erforberlid&e aRitmirfung beö ÜRünbetß erfefet.
Die 2lrt unb SBeife, in wetdöer bie Erfüllung ber bem SSormunbe auf^
erlegten ©ic|ier^eitßleiftung gegen ben aSormunb erjmungcn werben fann,
ift CO. in bem Oefe^c über baß SBerfal^rcn in SBormunbfdjaftßfad^en nä^er
iu regeln.
Sßegen ber oon ber SRegel beß § 1689 beftimmten Slußnal^men oergl.
bie §§ 1692, 1733.
lY. »efrette Sotmttttbfdiaft
§§ 1690-1695.
"Äffun*"" ®^" Sebürfni§, oon ben allgemeinen Orunbfäßen beß SSormunbfd^aftö^
redjtcß 9lußna^mcbcftimmungcn ju (Sunften gemijfer SBormünber ju trcf^n,
wirb in um fo größerem SRafee Iieroortreten, je mel^r ber Sßormunb nad^ ber
JRegel beß siedjteß in ber grciljeit feiner Seroegung bef^ränft ift. ©er
Stanbpuntt ber beftel^enben dit(S)ic ift in biefer Scjiel)ung ein fel^r oerfd^ieben*
artiger. 3ltß ® jtreme fönnen einerfeitß baß preug. 21. Ä. 31., anbererfeitß büft
frauj. SHed^t beieid^net werben. Saß erftere, weil eß ben SBormunb übermofetg
bcf^ränft, mufe oon bem 3nftitute beß befreiten Sßormunbeß ben wcitge^enbften
(Sebraudb madben, baß lefctere bagegen. weldbeß bem SSormunbe immer ein qq^
nügcubcß SWafe freier Bewegung geftattct, fennt, abgefe^en Don bem SBcr^
^ältniffe ber ©Itern alß aSormünber itirer Äinbcr, Befreiungen fo gut wie
gar nid^t. Saß gemeine Stecht unb bie bcmfelben oerwanbten Siedete, inß:^
befonbere aud^ bie preufe. SSorm. D., nel^men in biefer Sejiel^ung eine SBittct
ftcUung ein.
®ß fommen bei ber grage, ob unb weld^en SBormünbem Sefreiungeu
eingeräumt werben f ollen, in SBetrad^t bie (Sttern, fonftige 93erwanbte, ber
Sßccmunbf4 üfier gJIinbeti. befreite SßcniiuubMaft. (§§1690—1695.) 1163
S^cgalte bca SnünbciS unb bie von bem fHatct ober bct 3Rudcr m^ Ma^Qabc
befl § 1635 3Ir. 1, 2 utib bcfl § 1636 (Kiiannten SBormutiber. Sic im § 13
her prcufe. 9Jorm. 0. tinertanntc, mit flcroificn SBcfreiuitgen (oergi. § 26 3tbf. 4
ucrb. mit § 41 baf.) ousgeftottcte flefcllidjc aSormunbfi^aft gcroifiet SInftolteii
f^cibct für ben ©ntiuurf, luelc^er eine bem § 13 bcu prciig. aSorm. O. cnt=
fprccficnbe SQorf^rift nid)t aufgenommen fjat, auß (nergi. iebod) bic Slnm. ju
§ 1634).
1. Snlaiigenb bic gefeglic^en Befreiungen ber ©ttcrii ol« Sormünber swrriun»
ilircr minberjä^rigen Äinber, fo" fommcii folc^c SBefceiunflcii für biciciiiflen *" """^
©cfcggebunflSrocrtc, ioeIcf)c, mie bcr ^«H- ®ntro., bas roeimar. ®ef. c. 27. ÜJIärj »«ritnb«»
1872 unb bnfl ifal. ®. S., bie cltcrlirfie Oeroalt n\ii)t nur bem 58Qter, fonbem *"*'■
üüäi bcr 2)!uttcr eiiitäumen, rcge(mä§ig Don felbft nid)t in "^xOQt. dagegen
modbt fid) für fotdöe Diei^tc, iDcIdje eine elterliche (Seroatt bcr aiiuttcr nic^t
fcnncn, ^auptfäi^tid) in 9lnfc^ung bcr Snutter al6 a}onnunb i^rer e^c[td)cn
Üinber ein proftifc^es SScbürfiiife, gemifle Befreiungen aniuerfennen, geltcnb.
Srogbem finb bem gemeinen JHedjle, ber liibedE. Siorm. 0. (oergl. iebod»
§§ 26, 70 3tr. 2 büf.) unb bcr brcm. SBorm. D. (oergl. ttbcr §§ 7—9) bcr=
ortiflc (ruft bcfl ©cfegefl eintrctenbc Befreiungen, inabefonbere avdt ber
liDlutter, gäntlid) unbeFannt. 3[uf bemfetben @tanbpunFte ^e^cn im äScfents
(iiftcn bo« öftcrr. ®. B-, bnfl fronj. Me^t, i)a& \ää)\. <S. B., bie Ijamb.
aSorm. O. nnb ber boiir. Gntro. (nergl. jcbodi öftcrr. ®. S8. § 205; code
civil ärt. 453—456, 470; fä# ®. B. § 1905; ^amb. '^üorm. C. atrt. 13, 24
3lbf. 2 ; baijr. ©ntro. Krt. 67 ncbft aJlotioen S. 74). Wogegen ^at bie pccufe.
Borm. O. bem Büter unb bcr iOlutter bcfl minberiä^rigen aiiünbcla in weiterem
Umfange Befreiungen ju ^[)cil nicrbcn laff^n, uor ^^Ucm bem Bater als ge^
fcgli^em Bormunbe (»ergl. §§ 12, 24, § 26 9lbf. 4 oerb. mit § 41, § 35
3Ibf. 2 ber prcufe. Bonn. C). ®enjiffe Befreiungen finb ferner bem Batcr
o^ne Mürffid)! barauf eingcriSumt, ob et gcfeßEicEier ober beftellter Sßormunb
ift (»ergl. g§ 57, 59, 60 Slbf. 2 baf.); bie Icfeteren fielen jum a:f)cil oucf) ber
aWutter JU (§§ 57, 59).
2)er ©ntinurf gel)t booon oua, ba6 für bie Bormunbfcf)aft über SKinber- «"«tp«"«
jättrigc — im ®egen[a|e ju ber Bormunbfc^oft über BoUiä^rige (oergL onwucks.
§ 1733) — (ein Bebürfnife corliegt, c6 rielme^c bebenftii^ fein mürbe,
bem Bater ober ber iOIuttcr bcö minberiö^riflen aJlünbelß für bcn nai$ bem
©ntrourfe allein in Bctracftt tommenbcn gall, menn fie ole SJormünber
itjres minberjä^riflcn Rinbea beftellt finb, befonbere gefeßii^e Befreiungen
einjuröiimen. Da na^ bem ©ntrourfc bos ctielidic minberiö^rige Sinb unter
bcr cltcrlidjen ©eroalt bcö Baters unb na^i beffem 2:obe unter ber elierli^en
(Gewalt bcr :WJiittct ftcljt (§ 15011 unb find) bei ^.'cbjcitcn bcS itotn-fl im
Jalle bca 3iii[]cn6 bcr cltcilii^en ©cmalt beß legieren in bcr Siegel bie
c[tcrlid)e ©croalt bcr iüJnttcr mit ^luönaljmc bcr bem Bater ucrbleibenben
cllcrlid)en Dlugniefeung eintritt (§ 1555; »ergl. aufeerbcm § 1557 Slbf. 2, 3,
g 1559 9I6f. 2, § 1564), ferner burc^ bie Berljcirottjung bcß minberialfrigen
Mtnbcß bie citcriidie OJeiuait nid){ bccnbigt roirb {§§ 1509, 1530), fo lommt
uom Stanbpunftc beS Sntmuvfcs aus eine 3Jormunbfd)aft bcß Batcrö ober
bcr ÜHuttcr über i^r minberiöfivigca Sinb regelraaBig ni^t in S'^agc. 3»
1 164 aSorniunbf*. über mwhcxl S?cfrcitc »ormunbfiaft. (§§ 1690—1695.)
3lnfcl)img bcö Sßatevö rcrbient bcr fcitcnc "^dü, in roelc^em über baf^ von
einem 2lnbercn an Äinbeßftatt angenommene 5?inb, j. 35. nad) bem S^obe
beß Srnnc^mcnben, bic 3lnovbnnng einer JKormunbf^aft crforbcrlid) wirb
(üergl. § 1557 3lbf. 2, § 1626) unb ber Ieiblid)e Sater jum SBormunbc bcö
,^inbeö befteHt ift — abgefel)en baüon, bag cö audj an einem genflgcnbcn
Onmbc fe^It, in einem fold^en galle bem SSater befonbere Befreiungen fraft
bcö ©efefecö ju 2;^cil merbcn ju laRen — , feine befonbere Serücffidjtrgung
im ©efeftc. 3n anberen gällcn aber, in wclci^en bei Scbjciten beö SBatcrö bie
9lnorbnung einer 33ormunbfd;aft für fein minberiä^rigeö Äinb crforbcrlid) wirb,
fei eö, baß bie elterlid^e ©croalt beö SSatcrö rut)t ober cntjogen ober ücrmirft
ift ober anö anberen ©rünben il)m ui^t jufte^t (ocrgl. §§ 1555, 1547,
1559, 1564, 1566), fann non einer SeftcUnng bcö SBatcrö jum SBormunbc
fcincö minbcriäljrlgen Äinbeö felbftDerftänbUd^ feine SRcbc fein.
häufiger finb aUerbingö bic gällc, in rocld^en aud^ rom ©tanbpunftc
bcö (Sntronrfeö auö bie JBeftcKung ber 3)Jntter jum SSormunbc i^rcö minbcr*
itil^rigen Xlinbcö in grage fommen fann. ®inc Seftellung ber 2)tuttcr jum
S?ormunbe il)reö minbcrjä^rigcn Rinbeö fann namentlich üorfommcn, mcnn
bic elterlid)c ©eroalt bcö SJatcrö in golge ber ©ntmünbigung bcöfelben wegen
SJcrJci^roenbung rut|t ober wenn biefclbc auö einem anberen ®runbc rul)t, bic
Cbc ber ©Itern bcö Äinbeö aber aufgclöft ift (§ 1555 3lbf. 2), romx baö
SJormunbfd&aftögericbt bem 3Satcr bic cltcrlid)e ©croalt mit Sluönal^mc bcr
eltcrlid^cn Slufenicgung entjogen (§ 1547) ober ber SBater bic cltcrüd^c Ocroalt
uerrairft (§ 1559) ober — unb bicö fmb praftifd^ bic ^auptfSHc — menu bie
3Rnttcr burd) bic ©d^Iicfeung einer neuen @I)c bie clterüdjc ©cmalt ücrlorcn
f|at (§ 1558) ober rocnn cö fxd> um bie SBormunbf(^aft über ein minbcr*
]äl)rigeö uncl)clid&cö ftinb bcr 9)hittcr Ijanbclt (§ 1570). 3n aßen bicfcn
fällen fpre^cn aber bicfelben ®rünbc, roddde bal^in geführt f)aben,
nid)t bic cltcrlid^c ©eroalt ber 9)hittcr eintreten ju laffen, mcf)r ober
roeniger aud^ bagegcn, bcr jum SSormunbc ifircö Äinbcö beftcUten 9)hittcr
befonbere gefefelid)c S3efrciungcn cinjurSumen. 9iamcntlid^ gilt bicö für bie
beiben julcgt l)cn)orgeI)obcnen, praftifd) l^auptfäd&Ii^ in Setrad^t fommenben
gäUe. ^wav roirb in benfelben ha^ SSormunbfd^aftögcrid^t bic äKutter
nur bann jum SBormnnbe beftellen, rocnn bicö nac^ ben obroaltcnbcn Um*
ftänbcn, inöbcfonbcre mit SHudfid^t auf bie ^erfonli^fcit bcr aJluttcr, alö
nnbebenflid^ ju erad)len ift; allein l^äufig werben bic 83crl)äUniffc fo liegen,
ia^ ha& 93ormunbfdöaftögerid)t fein SBcbcnfen tragen wirb, bie aSormnnbfc^aft
in ben l^ier fraglid^cn gällen bcr 2)lutter ju übertragen, rotnn biefc alö a>or*
ntunb bcnfelbcn 33efd^ränfungcn unb berfclbcn SKuffid^t unterliegt, wie anbcrc
SJormünber, wöbrcnb, rvmn man il^r eine freiere Stellung einräumt, baö
SSormunbfd&aftögcridjt, obwol^l il^re Seftcllung jum SBormunbe an fid^
ii)ünfd)enöwcrtl) wäre, leidet 9lnftanb ncl^men wirb, il)r bic SBormunbfd&oft
JU übertragen. 5Dicfen ©rünbcn gegenüber fann barauf, baß bic preufe.
SSorm. D. aud^ in ben Ijicr in SWebe ftclicnbcn gällen bcr SÖluttcr alö 3>or*
munb iljrcö minberiäljrigcn Äinbcö gewiffe gefcfelid()c ^Befreiungen ju J'&cil
werben läßt unb ia^ eö im Sntcreffe bcr ©infad^l^cit bcö ©efeftcö an ^\d)
angc5elgt crfd&cincn fönnte, ben ßltern, mögen bicfelben alö 58ormünbcr i^rcö
aSorinunbf *. üBcr SKuibcri. fflcfrcitc aScrmunbf^af t. (§§ 1690-1695.) 1165
miubcriäl^riflcn ober tJoHifil^rigcn Äinbcö bcftcUt fein, bicfclbe ©teDung ein*
iuräumen, evI^ebUd^eö. Oeroid&t nid&t gelegt werben. 2)er ©tonbpunft ber
preufe. aSomt. D. I^ängt auf baö ©ngftc bomit jufammen, ba§ berfclben eine
elterli^c Oewalt ber ÜRutter unbcfannt ift unb fic halber T)omei)mlic|i mit
bem gaUc ju red^ncn ge{)abt f)at, in roeldjcm m6) beut ^obe beö SBatcrö
bic Ü}luttcr jum SBormunbe über i^r minberiä^rigcö Äinb bcftcHt roirb. Sin*
longenb aber bie SSomiunbfd^aft ber ©Itcrn über i^rc roUiäl^rigen Äinbcr, fo
fontmen für biefelbe in biefer 33ejiel^ung befonbere für bie l^ier in Sflebe
fte^enben %&Uc nid^t jutreffenbc ®efic||töpunfte in Setrod^t (oergt. 3RotiDc ju
§ 1733).
2. Slud^ für fonftigc aSermanbte beö ÜRünbelö, inöbefonberc für bic ^onfiifle oer»
Orogcftern beöfelben, obrool^l bie leftteren mäf § 1635 9ir. 3, 4 froft bcö ©e^
fcgcö als aSormünber berufen fmb, fiat ber ®ntn)urf, obroei^enb üon ber
preuß. aSornt. D. §§ 57, 59, aber in Uebereinftimmung mit itn übrigen
Siebten, Befreiungen nid^t jugelaffen, ba in biefer Sejiel^ung ein S9ebürfni6
nid&t anjuerfcnncn ift. ®ic m^ ber prcufe. SBorm. D. §§ 12, 26 3lbf. 4 rerb.
mit § 41 bem aSatcr ber unel^elid^cn äßutter als gefeglid^em SSormunbc beö
une^clid^en Äinbeö eingerSumtc bct)oräugte Stellung fommt für ben ®ntrourf,
lueld^er eine fold^e gefefclid^c aSormunbfdjaft nid^t fennt, nid^t weiter in gi^age.
3. ©benfomenig fann cä für bie gällc, in loeld^en ein (S^egotte jum s^eflattenL
äJormunbe beö anbercn nod) minberjätirigen G^cgatten beftellt mirb, als am
gemeffen erad^tet werben, gefefelid^e Befreiungen eintreten ju Iaf[cn. S)er %a\i,
bafe bie @l^efrau sum aSormunbc i^rcö minberjäl^rigen Seemannes beftellt wirb,
ift im .^inblirfe auf bic »orfd^riften beö § 1233 unb beö § 1640 9h\ 4 in
aSerbinbung mit ben §§ 1635, 1636 unter Umftänben ivoax red^tlid^ möglid^,
uom praftifd)en Stanbpuntte auö aber nic^t bcfonberö }u bcad^ten. älnlangenb
aber btn gall, rotnn bie 3lnorbnung einer iBormuubfd^aft über eine minber*
jährige ©l^cfrau erforberlid^ wirb, fo fann eö jroar unter Umftönben angcmeffen
fein, ben (Sfiemann trog ber auf ®runb beö cöelid&en @üterred)tcö in mand^en
gällen cintretenben ÄoHifion ber Sntereffen 5um SJormunbc feiner (S^efrau
5U bcftellen; bcmfelben aber in biefem golle eine beoorjugte Stellung ju^jeben,
wie bic preufe. aijorm. 0. §§ 57, 59 bieö in einsclnen SRid^tungen allerbingö
getl^an l^at, erfd^eint bebenflid^ unb fann bal^in führen, bag baö aSormunbfd^aftö«
gerid&t aud& in fold^en fallen, in wctd)en cö an fid^ angcseigt ift, ben ®l^e*
mann 5um ajormunbc ju bcftellen, 9lnftanb nefimcn wirb, bcmfelben bie aSor-
munbfd&aft 5U übertragen.
• SBefonbcrc Bcftimmungen über baQ 33erl)öltni6 ber bem ©bemanne nad) steDuna bes^
3}to6gabe beö e^clid&en ©ütcrftanbeö suftel^enben SRed^tc on bem aSermögcn ber ^mmit
©^efrau ju feiner Stellung als aSormunb ber le|tcren, wenn er atö fol^cr «"^ ^ß»
beftellt worben ift, Ijat ber Sntwurf alö cntbel^rlid^ crad^tet. Daö ®cfc^ ©u^tem^t
crgiebt mit genügenber ftlar^eit, bag bem Sl^emannc bie il)m nad^ aßaggabc
beö e^clid^en ©ütcrftanbeö {uftclienbcn Siedete alö eigene 9led^te ücrliel^cn fmb
(ocrgl. ®ntfd&. b. SR. ®. in ßioilf. XVI, 32). 3ft bieö aber ber gall, fo fann
cö nid^t jweifcl^aft fein, baft bicfc JRcd^te beö (gf)cmanncö cbcnfowcnig, wie
anbcrc il^m an bem aScrmogen ber ©l^cfrau, 5. 33. auf ®runb eineö buvi)
lc§twiUigc aSerfügung beö Grblafferö begrünbeten Sliefebraudööredöteö, jufte^cnbc
1 166 aSormunbf*. üBcr 3Kmberi. Scfrcitc SJörmunbf^aft. (§§ 1690-1695.)
Siedete burd^ [eine ©igenfd^Qft q(ö SSormunb bcr ß^efrau bcrul^rt roerben, bo6
er namentlid^ in Slnfel^uitfl beö auf Orunb beö el^elid&en ©üterre^teö feinem
SScrroaltungöred^tc untcriiegenben SSermögenö ber ß^efrou jur J&interlcgung
imb ©id^erfteUung nad^ SKafegabe bcr Seftimmungen ber §§ 1670, 1689 nid^t
Dcrpflid^tet ift, weil bieö fid& als eine Scfd^ränfung feiner el|emännlid&en SRed&tc
an bem SScrmögen ber ©^efrau barfteHen würbe, unb bafe feine SeftcUung
jum SBormunbc ber Unteren if)n nid^t l^inbcrt, nad^ aRa§gabe beö e^elid^en
Oüterftanbeö über baß Sßcrmögen ber ß^rau ju oerfügen. S)ie ©tettung
beö ß^emanneö jur SBormunbfd^aft ift in ben l^ier fraglid&en öejie^ungen in
bem gatte, in roeld^em er fetbft ber 35ormunb ber ß^efrau ift, feine anbere,
mie in bem gaDe, in roeld^em ein Sritter bie SBormunbfd^aft über bie ßl^efrau
fü^rt (oergl. SRotiüe ju § 1648 oben ©. 1082). S)er SBorgang bcr prcufe.
35orm. D., meiere im § 95 Slbf. 1 allerbingß beftimmt, bag bie Sefugniffe,
mel^e ©Item ober S^egatten traft gefcfelid&er 3lu6nie|ung am SBermogen ber
Äinber ober traft c^elid&en Oüterre^teß suftel^cn, tjon ienem ©efefec nid&t
berührt werben (oergl. aud^ haxjx. 9luöf. ®ef. }ur ®. 5ß. D. t). 23. gebruar 1879
Slrt. 98 Slbf. 1), fann l&ier nid^t mafegebenb fein. 35om ©tanbpuntte ber preufe.
SSorm. D. alö cincö ©pejiatgefeleö aus mag bie 9Iufnal^me jener Seftimmiing
jum 3roedEe ber S3efeitigung oon S^^cifeln angemeffen geroefen fein. 3« fold^en
S^^ifcln giebt aber baö Oefegbud^, meld^eä baß c^elid^e Oüterree^t fefbftSnbig
regelt, feine SSeranlaffung.
sinorbnuna 4. SBöJ^rcnb bcr ßntrourf auö ben oorftcl&enb bargelegten Orünben ge-
bet eitern, j^gj^^. Scfrciungcn eineö SSormunbcö nid&t anerfennt, gicbt er bagcgen, gc*
oertenbes (eitct üon ber ©rroägung, ba§ baö Oefeg feine 58orfd^riften nur ber Siegel beö
**^*' Sebenö cntncfimcn fann, in Scjie^ung auf bie S3efreiung beö SBormuubeö ber
^ßrioatroinfür in geroiffen SRid&tungen 3laum, um auf biefe SBeifc ben fonfreten
aSerliältniffen, meldte eine ©rmeiterung ber gefeglid^cn ©d^ranfen jutaffen, o^nc
bie ©id&erfieit beö ÜJiünbelö ju gefäl^rben, Sled^nung ju tragen. Samit
ftimmt, abgefe^en üon bem franj. SRe^te, baö gcitenbc Siedet übercin. ^'i-
beffen gel)en aud^ biejenigen Slcd&te, meldte ber ^rioatioillfür in biefcr $infid[)t
einen gemiffen ©pielraum geroä^ren, in bcr Seftimmung bcrienigen ?ßcrfoncn
auöeinanber, melden baö SRed&t juftei^t, berartige Befreiungen anjuorbnen.
S3alb ift eö ber ßrblajfer, meld&em ein fold&eö Siedet eingeräumt mirb, fei cö
nur in Slnfel^ung beö ron ifim felbft ober aud^ beö oon Slnberen l^errü^renben
SJermögenö, balb nur ber ßrbfaffer, meld^er ben ^ßflic^ttl^eil ^interläSt, balb
ber ßrblaRer ober ber ©d^enfer (oergl. 1. 13 § 1 Cod. arb. tut. 5, 6i ; L i § 2,
1. 14 D. de reb. eorum 27^ »; 1. 3 Cod. quando decr. 5, 7«; ©euffcrt V, 192,
VI, 225; preufe. 31. S. SR. II, 18 §§ 681—694, Sln^. § 166, H, 18 § 175;
öfterr. ®. S. § 238; brem. SBorm. D. §§ 36, 49, 52, 68, 89), balb fmb eö
bie eitern (ffid^f. ©. 83. § 1907, 1926; roeimar. ®ef. v. 27. SKärj 1872
§§ 41, 46), balb forool^l bie ßltern alö aud^ bcrjenige, ron roeld^em baö SBer«
mögen l^errül^rt (bapr. ßntn). 3lrt, 51, 59, 64, 67, 81). Slnbere Oefefee l^aben
«in beftimmteö 5ßrinjip überliaupt nid^t feftgcl^alten, j. 33. bie lübetf. SBorm. 0.,
meldte baö 9le^t in einjelnen gftHen bem SBater, in anberen bem erblaffer
mräumt (§§ 41, 59, 70 oerglid&en mit §§ 41, 47), unb bie prcufe. SBorm. D.,
nad^ mcld^er in btn gälten beö § 35 3lbf. 3 bem ßrblaffer, in ben gSUcn bcr
aSormunbf*. üBcr SWinbcrj. Scfrcitc aSormunbf^aft. (§§ 1690—1695.) 1 167
§§ 26, 57, 59 bcm SBatcr unb bcr aßuttcr, in bcn gällcn bcr §§ 47, 60 oKcin
bcm SSater baö fRc6)t jugeftanben ipirb.
3m Slnfd^Iuffe an baö bcm SBoter unb bcr SWuttcr nad& bcn SSorfd^riftcn ©tanbpimft
bcß § 1635 3lt. 1, 2 unb bcö § 1636 beigelegte SRed^t, burd^ tcfetiüilligc SBcr* e„tl^««.
fügung einen SSormunb für il^rc minbcriöl^rigen ftinbcr ju benennen, unb in
nfil^erer Sludgeftaltung biefed 9led^ted f)at bcr @ntn)urf junöci^ft bcm SSater,
foroic bcr cl^eliti^cn aJluttcr beß aWünbefe ofe Sluöffufe bcr cltcrlid^cn Oemalt
boö mcitere SRed^t beigelegt, ju ©unften beö t)on ilinen benannten SBormunbcö
nad& aWafegabe bcr aSorfd^riften beö § 1636 bie in bcn §§ 1690—1692 bc^-
jeic^ncten Befreiungen üon bcn fonft mafegebenben allgemeinen Seftimmungcn
beö äSormunbfc^aftörcd^tcö anjuorbncn, bat)on auögel^enb, bag man }u ben
©Itern mcgen i^rer Siebe ju bcn Äinbern unb megen il^rer ©infid&t in bic
SSerl^ältnijfc berfelbcn am unbebenflie^ften baö S^t^^^w^^^ ¥q^^ fonn, bafe fie
bie l^ier in SRebe ftel^enben Befreiungen nur bann anorbnen roerben, menn fie
jum Beften beö 3HünbeIö gereid^en. Die Befugnife fte^t bcn @Itern, ba bie*
felbc eine SRad^roirfung bcr elterlie^en ©cmalt ift, ol^nc SRüdffid^t barauf
JU, ob baö bcr SScrmaltung beö SSormunbeö unterliegenbe aSermogen von
il^nen l^errül^rt ober nid^t. ®inc Unbilligfeit gegen ben ©ritten, lueld^er bcm
aJlünbel baö SSermögen iugemenbet l^at, liegt barin nid^t, ba nad^ § 1738 W)l 1
bcm ©ritten baö SHed&t aufteilt, bie SScrroaltung beö }ugcroenbeten SBcrm5genö
bem allgemeinen SBormunbe vbUxQ ju cntjielien unb baburd^ bcr üon ben
©Itern angeorbneten Befreiung beö lefetcrcn ieben ©influfe auf bie SBerroaltung
beö jugeroenbeten SSermögenö ju benel^men (uergl. aud^ §§ 1744, 1745). Slnbcrer-
feitö foHen bic üon ben ©Item angeorbneten Befreiungen nur ben von il^neu
benannten SSormünbem }u S^^cil mcrbcn, ba bie grage, ob bic Befreiungen
unbebenflid^ finb unb im 3ntercffe beö aJlünbclö liegen, fid) nur im ^inblidfe
auf bie ^erfönlid^fcit eineö beftimmten SSormunbeö angemeffen beantmortcn
lägt (oergl. preufe. aSorm. D. §§ 47, 59, 60). ©runbfäfetid^ geftattet bcr
©ntrourf ferner ben ©Item nur bic Slnorbnung fold^er Befreiungen, meldte bic
®ltern fclbft alö bcftcUte SBormünber über il^rc roUiäl^rigcn ftinbcr geniefeen
(§ 1733).
5lebcn ben @ltcrn f|at bcr ©ntiourf in bcfd&ränftem Umfange aud^ bcm* «norbnuna
ienigen, rocld&er bem SRünbcl aSermögen jugeroenbet Ijat, inöbefonberc bem ^^Z
@rblaf)er, baö 9led^t beigelegt, geroiRc Befreiungen anjuorbnen. S)cr \na%^ su»enber«.
gebenbc ©eftd^töpunft ift l^ier nid^t baö natürlid^c Banb, fonbcm bie ©rrofigung,
Äa6 man bemienigen, metd^er burd) feine Siiw'c^^wng ein befonbereö 3&o\)U
moUen unb Sntercffc für ben SRünbcl an bcn 2:ag legt, f^on im 3ntereRe beö
2)lünbclö nid^t motit bic Befugnife ücrfagcn fann, in Slnfc^ung berienigen aSer*
l)ältniffc, mel^c alö eine unmittelbare ^olgc biefcö SBoJ^lmoUcnö crf^cincn,
mithin in 2lnfcl)ung beö jugcmcnbetcn aSermögenö ju ©unften eineö ton if|m
benannten 5ßflegcrö ä^nlid^e Slnorbnungen ju treffen, wie fic ben ©Itcrn für
t)ic Dormunbfd^aftli^e aScrmaltung allgemein geftattet werben. S)ie barauf
fecjüglidjcn Bcftimmungcn fxnb in bem 2:itcl über bie ^egfd^aft (§ 1745)
flcgcben.
Slufecrbcm gemalert ber ©ntrourf im § 1695 bemienigen, meld^cr bem
aWünbct aSermogen iugcmcnbet l^at, abgefel^en t)on bcr ajorfd^rift beö § 1660,
1168 aScrmunbfd&aft über SRinbcriä^riöc Scfrcitc 25crnumb|<5aft §1690.
noä) infofcrit einen ®inpu6 auf bie allgemeine Stellung beö 33onnunbeö, ate
er if)m in 3lnfe^ung beö jugeroenbeten 3Sermogcnö baft 9tcd)t beifegt, nad^ SBafe^^
gäbe beö § 1695 bic Dffcnfegung beö SSermögenöDerjeii^mffes (§ 1659) ju
verbieten. 3m Ucbrigen ift ber SJermogcnösurocnber burdö 9lnorbnung uon
?)efreiungen in bie üovmunbfd^aftUd;e SSerroaltung cinjugreifen nid^t bered^tigt.
SBegen ber Segrünbung im ©injelnen wirb auf bie befonbercn aWotioc
ju bcn §§ 1690—1695, 1744 t)ern)icfcn.
§ 1690.
ginorbnung 2)ie Seftimmung beö § 1690 ©aö 1 fd&Kefet fid^ ber preu§. SBorm. D.
t'Ä § 26 3lbf. 6 an. 3ft auf ©runb bkfer öeftimmung ein ©egeuDormunb nic^t
eines ®eflen- befteUt, fo ergiebt ftd& a\{& § 1666 9tbf. 1 t)on felbft, iag ber SSormunb aud^
x)orm««be«; ^^ ^^^ .^ g ^^^^ ^^^^^ ^ ^^ ^_^^ ^ beftimmteu Slnlegung oon ©etbcrn beö
aKünbetö weber ber ©enel^migung beö Oegenoormunbcö nod) ber ®t^
ncfimigung beö SSormunbft^aftögerid^teö bebarf. 3)agegcn wiirbe in ©r-
mangelung einer befonberen 33cftimmung nad) § 1669 Sttbf. 3 in ben gSUcn
beö § 1669 9lbf. 1, 2 an SteUc ber Oene^migung beö nid)t beftetttcn ®egcn^
Dormunbeö bie Oenel^migung beö Sßormunbfd^aftögerid^teö erforberlid^ fein unb
trog ber Tjier fraglid^en 3lnorbnung ber aSormunb öerpfli^tet bleiben, in bcn
gällen beö § 1664 3lbf. 2 3flr. 5 unb beö § 1665 bie Anlegung mit ber im
§ 1666 3lbf. 2 bejeid^ncten Seftimmung ju beroirfen. S)iefeö Sftefultat ift aber
mit bem ^roedt ber älnorbnung, bag ein ©egencormunb nid^t ju befteUen
fei, ni^t t)creinbar; benn cö ift gerabe ber ^tocd Jener t)om ©efcfte jugelaRenen
3lnorbnung, für ben SSormunb- ©rleic^terungen eintreten ju taffen unb i§m
eine freiere ©teUung ju geroäfiren. ©tatt einer ©rleid^tenmg lonnte auö bem
9luöfd^luffe ber ©efteUung eineö ©egenoormunbeö bem SBormunbc eine (Sr*
fd^merung erroad^fen, wenn in biefem galle an ©teile ber (Genehmigung beft
®egenüormunbeö bie ©enel&migung beö SBormunbfdöoftögerid^tcfl crforberlid^
werben mürbe. Sluö biefem ©runbe beftimmt ber § 1690 am ©dbluffc in
fad)lid)er Uebereinftimmung mit ber preufe. SBorm. D. § 26 9l6f. 6 unb § 41,
ba§ in ber 9lnorbnung, ba6 ein ©egenoormimb nid(>t ju beftellen fei, bie
weiteren im § 1690 ©ag 2 bejeid^neten älnorbnungen alö entl^alten aniufel;en
öefc^ranfung fiub. fiönneu aber bic Gltern b\xx6) bie Untcrfagung ber öeftellung einc&
dlwToi^Vn ®cöc"^ö^^""^^ö ^^^ ^ö" i^"^'^ benannten SSormunb inbireft von ber 9iot^*
«norbnuitfl roenbigfcit ber ©enel&migung beö @egent)ormunbeö ober beö SSormunbfd&aftö*
«T/rdunflw. gcrid^teö in ben gällen beö § 1669 befreien unb üon ber SSerpflid^tung ent*
binben, 5U ber 9lnlegung ron ©etbern beö 2Rünbelö bie ©enel^migung beö
©egent)ormunbeö ober bie ®enel)migung beö ^ormunbfd^aftögeric^teö eim
iuliolen unb in ben gäKen beö § 166*4 Slbf. 2 5ßr. 5 unb beö § 1665 bic än^
legung ^mit ber im § 1666 3lbf. 2 bejeidtineten Sefiimmung ju bemirlen, fo
wirb man ben Altern aud^ baö 9)}inuö geftatten muffen, bem SSormunbe o^nc
Sytücffid^t barauf, ob bie Seftellung eineö ©egenoormunbeö mn i^nen untere
fagt ift, bie im § 1690 Safe 2 bejeid()neten Befreiungen ober bie eine ober
anbere berfelben ju S:^eil roerbcn ju laffen <oergl. aud& prcufe. SBorm. D. § 47).
SSorntimbfcfcaf t ü6cc SWinberiä^rlöe. »efrcttc SSormunb^aft. § 1C90. 1 169
3laä^ ber prcufe. SBortn. D. § 47 2lbf. 2 tritt, rocnn ber aSotcr beö ffiirtfamfeit
OKünbcld in ber in § 17 9lr. 2 baf. bcftimmtcn gorm bcn von iljm benannten «uo^bnuno.
aSormunb von ber SRot^ioenbiofcit ber ©enel^miflung beö ©egenüormunbcs jn
bcn im § 40 bejeie^ncten ^anbUmgcn befreit ^at, eine folc^e Befreiung ni^t
unmittelbar auf ©runb ber Dätcriid&en 9tnorbnung, fonbern evft baini ein,
wenn auf ®runb berfelbcn baß SSormunbfd^aftögericidt bem SBormunbe in bor
93eftallung bie allgemeine ©rmäd^tigung jur 93ornaf)me ber bcjeid&ncten §anb*
lungen ertl^eilt ^at. 3luf ©runb bicfer 33eftimmung nimmt bie Suriöprubenj
weiter an, bafe, wenn einmal eine foId;e ©rmäd^tigung crtl^eilt raorben ift, bie
Unroirffomfeit ber von bem SSormunbe ofint ©ene^migung bcö ©egenüormuubcö
vorgenommenen, unter bie 93eftimmungen beö § 40 fallenben Sled^tögef^öfte auf
bie Ungültigfeit ber bie Befreiung anorbnenben SScrfügung beö SSaterö nid^t
geftüfet werben fönne. gür eine berartige Siegelung fann man geltenb machen,
bog baburd) in 9lnfe^ung ber unter bie Seftimmungen beö § 1669 fallenbcii
Sied&tßgefd^äfte bie ©ic^erl^cit bcö 93erfel^rcö geförbert werbe, ?Jroje{?e über bie
©ültigfeit ber I|icr fraglichen SKnorbnungen abgcfd&nitten unb Slonflifte swifc^cn
bem 3Sormunbe unb bem SSormunbfdjaftögcrid^te oermiebcn würben, aucb bem
lefeteren, wenn baöfetbc bafür t)alte, ba^ auö ber Befreiung eine ©efäl^rbung
bcö aWünbelö ju bcforgen fei (§ 1694), bie aWöglid^feit gcwäl^rt werbe, dou
üorn^ercin ber angeorbncten SJcfreiung burd^ SBerweigerung ber ©rt^eilung
ber allgemeinen ©rmäd^tigung jebe SBirffamfcit ju entäiel)en, fobag ber SSor«
munb in feinem Slugenblicte bie üBad^t f)abe, bie im § 1669 bejeid^netcu
SRcd^tögefd^äftc ofine bie ©ene^migung beö ©egenoormunbeö ober beö SSor-
munbfc^aftögcric^teö wirffam uorjunelimen. 2Beungteid& baö ®crv\i)t biefcr
©rünbe nidbt ju üerfennen ift, fo fommt bo^ onbererfeitö entfdjeibenb in Sc*
trad^t, bafe eine berartige, einen pofitiüen JUarafter an fidj tragenbe Siegelung
ben 6inn ber Icfttwilligen SSerfügung in einer bem SBillcn beö SSerfügenbcu
nic^t cntfprcd^enben SJBeifc umbeutet unb bie ©ntfc^eibung ber an ftd^ projefe*
fälligen grage, ob bie Icgtwillige SSerfügung unb bie auf ©runb berfelben von
bem aSormunbe of)nc bie ©enelimigung beö ©egenoormunbeö ober beö SSor-
munbfdjaftögerid^teö vorgenommenen 9led)lögefd^äfte gültig finb ober nic^t,
bem ^jjrojeferid&ter entjiel)t. 9ludö ift eine Seftimmung ber ^ier fraglichen 3(rt
burc^ ein praftifd^eö SBebürfni^ nid&t geboten. 3}nöbefonbere fann bie Sc*
forgnife, bafe ol^ne eine folifte SBeftimmung bie ©id^erfieit beö 93erfe^rcö gc*
fälirbet werbe, nic^t gctl^eilt werben, um fo weniger, atö eö nid^t auögefd^toffcn
ift, ba§ ia& SSormunbfd&aftögeric^t über baö Sefte^en ber betreffenben 58e*
freiungen ein gerid^tlid^cö S^ugnife ertl)cilt ober biefelben in ber 93eftallung er*
wäljnt. Sm SJerfe^re wirb man mit einem fold^en gerid&tlid^en 3^9i^ift^
regelmäßig pd) begnügen unb fein Sebenfen tragen, auf ©runb beöfelben mit
bem SSormunbe auf 9ied)tögefd&öfte fic^ einjulaffen.
Dbwobl bie preufe. 93orm. D. mit bem lanbred^tlidden ©qfteme über^^ «udfc^iie^ung
mäßiger Sefd^ränfung beö SSormunbcö gebrochen l^at unb uon bem ^rinsipe ©cnejmioung
auögel)t, bcn 33ormunb fd)on nad^ ber SHegel beö SRed^teö fo frei alö möglich i>«««ormunb.
}u ftellen, fo fjat fie benuod^ alö SJad^flang an ben befreiten SBormunb bcö ^^^tci.
prcuß. 31. S. 31. — wclc^eö bem (Srblaffer, wenn biefer bem Sßünbcl me^r alö ben
5ßftid&tt^eil juwenbct, bie Sefugniß gicbt, ben von il^m benannten SSormunb
SRotioc }. e&rger(. Oefe|6u((. IV. 74
1170 aSormunbfd&aft über gRinbcriSBrigc. Scfrcitc SBormunbfc^aft. §1691.
in roeitcftcm Umfange inöbcfonbcrc anä) von ber fonft oorgcfd^riebcncn 3JliU
wirfung bcö SSormunbfd^aftögeric^tcö bei SRcd^tö^anblungcn bcö SBormunbcö ju
befreien (tjergl. II, 18 §§ 681—684, 3lnt|. §§ 166, 167) — , in § 47 bic im
SRegierungßcntrourfe fel^tenbe, auf einem 93efd^Iuffe ber Slommiffion bcd ^crren^
liaufeß (Serid&t ©, 63) berul^enbe SBorfd^rift aufgenommen, ba^ ber SBata"
beö SKünbelä bered^tigt ift, in ber im § 17 3lt. 2 bcftimmten gorm ben von
i^m benannten SBormunb aud^ t)on ber 5Rot^menbigfeit ber ©enel^migung bcö
SBormunbfd&aftögeric^teö ju ben im § 42 3lr. 4—14 unb im § 44 bejeicöncten
^anblungen ju befreien, 3)anaci(i fann ber Sßater bem Don il^m benannten
SSormunbe eine meit freiere Stellung einräumen, als er felbft, fei cö afe ^Ütu^
l^aber ber räterlid&en Ocmalt, fei es alö gefefeUd^er ober beftcltter SBormunb,
einnimmt. 3nöbefonbere fann banad^ bie fonft not^menbige ©enel^migung beß
aSormunbfd^aftfigerid^teö in SKnfel^ung ber 83ermögenöt)ermaltung üoUig auö^
gefd^loffen merben.
dagegen geftatten — abgefelien t)om gemeinen Siedete, nad^ metd^em bic
oberoormunbfd^aftlid^e @enel^migung ju äSeräugerungen burd^ bie @riaubnig
beß ©rblafferö, uon wcld&em bie ju ücräu^ernbe ©ad^e l^errü^rt, erfegt mirb
(1. 1 § 2, 1. 14 D. de rebus eorum 27, » ; 1. 3 Cod. quando decr. 5, 72) — bic
übrigen ©efefcgebungßmerle, inßbefonbere baß öfterr. unb baß fäd&f. ®. S3., fo«
mie ber ^eff. unb ber bagr. ©ntrourf (3Jlotivt ©. 74), mcber ben ©Itern nod&
bem ©rbiaffer, bic gefefelid^ üorgefd^riebene ©enel^migung beß SBormunbfd^aftß^
gerid^teß in irgenb einem gatte außjufd(>Iie6en.
2)iefer legten ©ruppe t)on ©efeggebungen folgt audti ber ©ntmurf. 3n
weiterem Umfange, alß bieß im § 1690 gefd^el^en ift, eine Befreiung beß
Sßormunbeß von ber ©enebmigung beß Sßormunbf^aftßgerid&teß jujulaffcn, ift
im Sntereffe ber ©i^erl^cit beß äRünbelß bebenflid^ [unb anbcrerfeitß burd^
ein 93ebürfnig nid[)t geboten, ba bie Tiotl^menbigfeit ber ©enel^migung beß
Süormunbfd^aftßgerid^teß ol^nel^in auf eine ücrJ^ältnifemäfeig geringe ^a^ üon
göUen befdiränft ift.
§ 1691.
»efrd«n9 ©ic ©tcBung ber ©efeße gegenüber ber gragc nad^ ber 3wIäfPfl^it ber
9tlmn\s ^^^^^^"9 ^^^ SSormunbeß üon ber im '§ 1687 bcftimmten aScrpflid^tung,
leflwig. ' roäfirenb beß Seftebenß ber SBormunbfd^ft SRed^nung ju legen, ift eine oa>
fd^iebenc. 3laä) gemeinem SKcd^te, für meldfieß allerbingß au^ bie gcgentbciligc
9lnpd^t bißmeilen tjcrtbeibigt ift, nad^ bem franj. .SRed^te, bem föd^f. ®. 83,
§ 1951 unb bem meimar. ©ef. v. 27. aWärj 1872 § 60 ift eine fol^c Sc*
frciung im SGBcge ber 5ßrit)atmiUfür unftattl^aft. 3)agegen laffen baß prcufe.
21. 2. SR. II, 18 §§ 681—694, bie preufe. SBorm. D. § 57, baß öfterr. ®. ».
§ 238, bie brem. SBorm. D. § 89 unb ber bar)r. ßntm. Slrt 81, in einem
befd&rfinften aRafee aud& ber beff. ©ntm. IV 3lrt. 97, ber ^SrioatmiDfür SRaum,
inbem fte tl^eilß bem @rblaffcr, tl^eilß aud^ ben @(tem bad !Red(|t einräumen^
eine ^Befreiung Don ber SRed^nungßlegung anjuorbnen,
aSenngleidd — f)ingefel^en auf bie 3w)edEe, meldte bic im § 1687 bcflimmte
3Serpftid^tung beß SBormunbeß jur SRed^nungßlegung verfolgt (oergl. ÜRotioe
JU § 1687 oben ©. 1157 ff.), unb mit SRürffid^t barauf, baS bie SRcd^
Sormunbfc^aft üBcr SJtmberiaJrigc. S3cfrcitc SSormunbfc^aft. § 1691. 1171
iiungötcgung roo^rcnb beS S3cftcf|cnö ber SBormunbfd^oft bic ©runblagc bilbct
für bic bem aSormunbc naä) 93ecnbigung bcö rormunbfd^aftlidöcn 3lmtcj5 ob*
licgcnbc ^ßflidöt/ ^^^ 2Jlünbel SRcc^nung ju legen (§ 1700) — üom ©tttnbpuntte
bcö 3ntercffcö bcö aWünbeld ouö geroid^tige Scbcnfen bagcgen erl^oben werben
fönnen, in ber l^ier fraglid^cn Scjieldung ber ^rioatroiUfür SRaum ju geben, .
to [inb bod^ bie für ben Stonbpunft beö ©ntrourfcö fpred^enben (Srünbc qIö
überroiegenb ju eroditcn. 3)ic unbebingte ©urdifü^rung bes ben SSormunb
jur periobifd&en SWed^nungöIegung Derpflid&tenben ©runbfogeö gel^t ju weit. S)aß
praftifc^e Sebürfnife forbert es, SSorforge ju treffen, bo^ unter Umftänbcn uon
jenem ©runbfafcc abgeroid^en werben fonn. 58[m näd^ften liegt eö, im 3lm
td^Iuffc an bie preufe. 3Sorm. D. § 57 3lbf. 1, bic ®ntfd^eibnng ber grage, ob
eine fold^c 3lbn)eidE)ung ftattfinben foH, in SSerbinbung mit bem Siedete, einen
SSormunb ju benennen, in bie §anb ber ®Itern ju legen, ba barauf üertrout
TOcrben fonn, bofe biefelben ben üon itinen benannten SBormunb oon ber SBer*
pflic^tung jur SRed^nungöIegung nur bann befreien rocrben, wenn bieö mit
JRüdEfid^t auf bic ifinen bctanntc ^erfönlic^fclt beöfelben unbcbenüid^ ift
unb jum Seften bes SKünbeld gereid^t. 6s ift ju bcforgen, bafe ol^ne bic
3ulaffung einer fold^cn Befreiung bic ron ben ®Itern alö SBormünber be«
nannten ^^Jcrfonen, bercn SeftcHung ju SBormünbcrn im Sntcrcffc befi SWünbete
liegt, auö ©d^cu Dor ben mit einer pcriobifd^en 9led&nungötegung für
fic Dcrbunbcncn Seläftigungen unb SGBciterungen fid^ meniger leidet baju
t)erftc^en rocrbcn, bie i^nen angetragene SBormunbfd^aft ju übernel^mcn. Um
fo unbcbcnflid(|cr ift eä, ber prcufe. aSorm. D. in biefer ^infic^t ju folgen, alö
im ©ebiete berfctbcn au3 ber in SHcbe fte^cnbcn ' Befreiung Uebelftänbc fid^
uid&t ergeben l)aben.
Um icbod^ baä SSormunbfc^aftögeric^t in 'ben ©tanb ju fefcen, ftänbig «nwic^un«
fontroliren ju fönnen, meiere ©inroirfung auf baö aSermogen bie aSerroattung »ermd«en«*
bcö üon ber ^piic^t jur Stcd^nungölcgung befreiten SSormunbeö fiat, ift eö im «^»n^^*«-
Sntcreffe bed SWünbetö unb namcntlid^ im ^inbtidfe barauf, ha^ bic ^erfom
lid&tcit bcö Don ben ©(tern benannten SSormunbeö unb bcf[en aScrl^ättniffc im
Saufe ber 3<^it f^^ änbern fönnen, alö angcmcffcn crad^tet, bem oon ber
^flid&t }ur SRcd^nungölegung befreiten SSormunbc nid^t bloö auf ®rforbem bcö
ajormunbfd&aftögerid^teö (oergl. preufe. SBorm. D. § 57 3lbf. 2), fonbcm froft
bcö ©cfcgeö bie SScrpflid^tung aufjuerlegen, nad& 9lblauf Don je jmei S^^^^cn
tinc hm bermaligen Scftanb bcö 33ermögcnö bcö üKünbelö crgebcnbc Ueberfid^t
nad& ajlafegabe ber notieren, an bie preufe. aSorm. D. § 57 2lbf. 2 im Ucbrigen
fidd antcljnenbcn Seftimmungen bcö § 1691 Slbf. 1 Safe 2, 3 bem aSor:*
munbfc^aftögerid^te cinjurcii^en. Siefe aSerpflid^tung ron einer rorgängigen
3lnorbnung bcö aSormunbfc^aftögcric^tcö abl)ängig ju mad^cn, empfict)lt fid^
nid^t, weil alöbann bie ©ad^c praftifd^ fid^ Ici^t fo gcftalten roirb, ba^ bic
©inreic^ung einer aSermogcnöübcrfid^t regelmöfeig überhaupt unterbleibt. 3)em
S3ebürfniffe in befonbcrcn göUcn trögt bie Scftimmung bcö 1691 Slbf. 2 in
ouöreic^enber SBcifc Jied^nung. 2)iefe 9trt ber Siegelung in ajerbinbung mit
ber aSorfdirift bcö § 1694 ftcUt f\ä) alö eine angcmcjfenc 3luögleid^ung ber
rcrfd^icbcncn 9iütffid^ten unb ber oerfc^iebencn im gcltenbcn Siedete vertretenen
Hluffaffungen bar.
74»
1
1172 aSormunb[*aft üBcc »Hnberj. befreite SSormimbfci&aft. §§ 1692, 1693.
»efreiuKfloon S)a bos üott bem Sßormunbc naä) § 1659 einjurcid&cnbc 3nDentar bic
^*'' *"Jrt ^*"* (Srunblage für bic bem SSormunbc nod^ Sccnbigunfl bcs oormunbid^aftUti^cn
Snoetttarcs. gitutcö obUcgenbc ^ftld^t bilbct, bem aWünbcI baö oon ilim oerroaltetc SScr-
mögen l^crauöjugeben unb über bic SBcrroaltung SRcd&nung 5U legen (§ 1700),
eine ^Befreiung von bicfer ^flid^t aber na6) bem ©ntiourfe ni^t juläffig ift
(tjergl. aWotiüc ju § 1700), fo \)at bcr ©ntrourf in Uebercinftimmnng mit bem
gemeinen Siedete unb ben neueren ©efeggebungen (oergl. prcufe. 21. S. 9t. II, 18
§§376—408; preug. SSorm. D. § 35 nebft SKotiüen ©. 74; öftcrr. ®. S.
§ 223; Code civil 3lrt. 451; fä# ®. 33. §§ 1906—1908; rocimar. (Scf. d.
27. aWärj 1872 §§ 45—47; lübecf. SBorm. D. §§ 34—43; brem. aSorm. C.
§§ 34—37; l^omb. SBorm. D. 2lrt. 24, 25; tieff. entro. IV SKrt. 51; boiir.
®ntn). 3lrt. 65) ben Eltern als foldjcn nid^t and) boö Siecht eingeräumt, ben
von i^nen benonnten Sßormunb oon ber 9lufnaf)mc unb ber ©inreicftung eined
Snücntareö ju befreien. SBegen ber groge, ob bemienigcn, welcher bem ÜÄünbcI
SSermögen jugerocnbet ^at, in SÄnfe^ung beö jugeroenbeten 5Bermögcnö eine
fold^e 33efugni6 eingeräumt werben foU, mirb auf bic ÜWotioc ju § 1695 per=
miefen. 3)ort finb audj bie Orünbc bargelegt, auä metdien ber ©ntrourf —
abmeid&enb üon bem födif. ®. 93. § 1907 unb bem roeimar. ®ef. v. 27. aJiärj
1872 § 46 — ben ©Itern alö fold^en nid&t geftattet, bic Offenlegung beö aSer^
mögenöoerscidinijfcö ju verbieten.
§ 1692.
»efrciunft ©ic 93cftimmung bcä § 1692 f^licfet ftd^ ben a5orfd)riften beö § 59 aftf. 1
^irruauna""^ bcö § 60 2lbf. 2 bcr prcufe. aSorm. D., fomic beö prcufe. ®ef., betr. boÄ
2c. (Staatöfd)ulbbud&, v. 20. 3uli 1883 § 24 Sttbf. 2 an unb ift namentlich im
^inblide auf bie bem 58ormunbf^aftögerid)te im § 1694 beigelegte 33efugni&
(uergl. preu^. SSorm. D. § 59 9lbf. 2) unbebenftid^. S)ie gotge ber ^icr frag*
li(i[)cn aSefrciung ift, ba^, wenn ber SBormunb trofcbem aCBcrtl^popicrc unb
5loftbarfeiten beö SDlünbelö bei einem S)rittcn l)intertcgt ober bic in Sn^abcr*
papieren beftel^enben SBcrtljpapierc auf ben Flamen bcö SKünbctö umfc^rciben
läfet, bie bic aScrtretungömad&t beö aSormunbeö befd^ränfenbcn befonberen SBor*
fdiriften bcr §§ 1670, 1671 feine Slnmcnbung finbcn (oergL § 1672).
§ 1693.
*°'^°"*ber SBcgcn ber Segrünbung beö § 1693 ©afe 1 mirb auf bic allgemeinen
citciiic^cn äJlotiüc JU ben §§ 1690—1695 oben @. 1167 unb auf bic audd ^icr jutreffenben
*"''**"""8*"- 9luöfüt)rungcn in ben ÜKotiDcn ju § 1636 oben ©. 1053, 1055 93cjug gc^
nommen (oergt. aud) preug. 58orm. D. § 26 SÄbf. 6, § 57 5lbf. 1, § 59 9lbf. 1,
§ 60 3lbf. 3 in aSerbinbung mit § 17 3lv. 2).
2)ic 93eftimmung beö § 1693 ©aß 2 bcrul^t auf bcnfelben ®rünbcn,
meldte ju ber aSorfdjrift beö § 1635 9lbf. 1 gefüfirt l^aben, bafe bcr üon bem
aSatcr alö aSormunb SSenannte bem üon bcr 3Jluttcr atö aSormunb benannten
t)orgc||t (ücrgl. SWotioe ju § 1635 ©. 1048, § 1640 3lt. 5, § 1718 9lbf. 2).
j
aSormunbfdbaft über SWinbcrj. S3cfrcitc SSorwunbf^aft. §§ 1694, 1695. 1173
§ 1694.
S)ic Scftimmung bcä § 1694 ift eine Äonfcqucnj bcß § 1637 Stbf. 1 unb «uierfroft-
cwpficlilt fid), Qbflcfet)cn bavon, f^on um bcßroillcn, lucil jic in mand^en SöD^'^ sÄnln*^^^^^^^
bic fonft cintretcnbc SRotl^rocnbigfcit, fofort jur ©nttaffung bt^ SSormunbeö ju
fd)rcitcn (§ 1705 SRr. 1), abfddncibcn wirb (ocrgt. prcui 21. S. dt. II, 18 §§ 688
bis 691; brcm. aSorm. 0. § 89; bQi)r. ento. 3lrt. 81). Die prcu^. SSonn. D.
})ai in biefcr ^infid^t weiter feine Quöbrüdflic^e Scftimmung, alö bie im § 59
2lbf. 2 enthaltene, bofe bic angeorbnctc Befreiung oon ber ©id^crl^eitdlciftung
mcgföUt, loenn Umftänbe eingetreten fxnb, roeld^e nad& bem ©rmeifen bcß SBor^
munbfcliaftdgcrid^teö eine @id)er^eitd(eiftung not^roenbig mad^en (DcrgL iebod^
baneben § 18 3lbf. 2, § 36 baf.). Db unter ber glcid^en SSorauöfegung baß
a3ormunbfd^aftßgerid)t oud& in ben gällen ber §§ 47, 57, 60 bie 9lnorbnung
oufecr Äraft fcfien fonn, ift ftreitig.
§ lfi95.
3la(i) gemeinem SRed^te fann ber ©rbfaf^er bie 3nt)cntarifirung beß non »criiot ber
if)m riinterloffcnen SSermögenß mirffam verbieten (1. 13 § 1 Cod. arb. tut. 5, 5i); ^tfeia«««"«
bo^ wirb üictfod^ angenommen, bafe in einem folc^cn galle menigftenß ein «emdgen«.
5ßriüatt)crjcicftni6 aufgenommen werben muffe (ücrgl. ©euffert V, 192, VI, 225). '**^*"*"^*^'*-
Sie neuen CJcfe^e ^aben bagegcn übereinftimmenb bem ©rblaffer bie S3efugni§ **jj*^t**
Dcrfagt, ben SSormunb in Slnfeljung bcß ^interlaffenen SBcrmögcnß Don ber
93crpfl[id)tung jur Slufnafimc unb ®inreic^ung cincß a3crscid)niffcß gänjlid^ ju
befreien (uergl. bie in ben SKotiocn ju § 1691 oben ©. 1172 angcfüf)rtcn
©cfefee). 3m änfd^lujfe an bic Seftimmungen bcß preufe. 31. 2. 5H. II, 18
§§ 399—408 l^at icbod^ bie preufe. SBorm. D. § 35 9lbf. 3 (oergl. aud^ ^amb.
aSorm. D. 9lrt. 29) bem ©rblaffcr bcß 2JlünbcIß ba^ 9led)t eingeräumt, in ber
§ 17 9lr. 2 beftimmtcn gorm bie Offenlegung bcß SBcrjeic^niffcß f cincß 5Ra(^^
laffcß mit ber SSBirhmg ju verbieten, baß baß non bem SSormunbe ein-
jurcid)enbc aScrjeiddnig t)on bem S8ormunbfd&aftßgcrid)te, unb jmar auf aSer^
langen bcß aSormunbeß in bcRen Ocgenroart, einjufiegcin ift unb baß aSor^
munbfc^aftßgcri^t nur auß bcfonbcren ©rünbcn, über meldte ber aSormuub ju
l^örcn ift, t)on bem Snl^alte biefcß a[5crieid()niffcß Renntnife netimcn barf. Sleljn-
lidje aBirfungen treten nad^ bem fäd^f. ®. 83. § 1907 unb bem meimar. Oef.
ü. 27. aWärj 1872 § 46 bann ein, wenn Don ben ©Itern bcß 3WünbcIß alß
folc^en bie 9lufna^me cincß aScrmögcnßocrjcic^niffeß nerboten roorben ift.
Slnbcre SRcd^tc, Inßbcfonbcre baß öfterr. ®. SB. § 223, ber code civil 3lrt. 451,
bie lübedE. 58orm. D. § 41 unb bie brcm. SSorm. D. §§ 36, 37 (oergt. femer
F)c{f. Gntm. IV 9lrt. 51; ba^r. ©ntro. 2lrt. 65) geftatten aud^ in ber f)ier
fraglid^cn 53ejief)ung mcber bem ©rblajfcr nod& ben Altern alß fold^en einen
(Sinflufe auf bie gcfcglidden SBorfd^riften über bie 2lufnal)me unb ©inreid^ung
bcß aScrmögenßücrjeid^niffeß.
5Wad^ bem aSorgangc ber neueren ©cfcfce l^at ani) ber ©ntwurf Sebenfcn «tanbpunft
getragen, bem Srblaffer bic Sefugnig beijulcgcn, in 3lnfel^ung bcß l^inter« ^t^u'rfe«.
laffencn aSermögenß ben aSormunb ober einen Don i^m benannten 5ßPcger
(§ 1745) Don ber im § 1659 beftimmtcn aScrpftid&tung jur 9lufnal^mc unb
Öaflcn (ocrof. preug. 31. S. 31. II, 18 § 275; preufe. SBorm. D. § 32; code civü
lUrt. 450; oflerr. ®. ©. § 228; lübedf. SBorm. D. § 32; brcm. SBorm. D. §§ 45, 46;
bomb. 33onn. D. 3Irt. 19; l^cff. entm. IV 9lrt. 45, 54; bo^r. entro. 5lrt. 42).
S)icfcr Icfetcn ®ruppe t)on ©cfcfecn I^Qt bcr ©ntrourf [xä) angcfc^Ioffcn (§ 1696
9lbf. 1). gür bic gemcinred)tlidöe öcfd^ränfung ber Haftpflicht bcs SSormunbcö
loffcn [\6) allcvbingö gcroif^e Siüdffid^tcn bcr SBilligfcit geltenb mai)tn, iiamcntU^
Die ©cfid^täpuiiftc, baß bic 3Sormiinbfd6aft rcgclmäfeig unfreiwillig übernommen
tüirb unb bcm SSormunbe felbft feinen 33ortl^eiI bringt. 3lud) lo&t fx^ nid^t
Dcrtcnnen, bo^ baö 9Iufgcben bcö gemeinred^tlid^en Stonbpunftcö für größere
(Scbictc 2)eutfdölanbö im ^ßrinjipc eine Steigerung bcr an fid^ fd^on oft fcftrocr
cmpfunbcnen Soft bcö SSormunbfd^aftöbienftcö bebeutet unb bie 9lbneigung
gegen bie Ucbcrnatjmc t)on 33ormunbfd^aften ju erf)5t;en geeignet ift. Sluf
bcr aiibercn Seite fommt inbeffcn in Setrodjt, bafe, obwohl in neuerer 3cit
loegen 9luöbct;nung ber Sefbftoerroaltung ber ©injelne jur Uebernaf)mc Don
^unftionen im öffentüd&cn Siitcreffc I)äufiger f)crangcjogen wirb, alö frülicr, man
Oierbci troß bcö gegen bcn ^crangcjogcncn geübten Sw^^^W^ ^^^ ^^ ^^
•)legcl fcftgcljaltcn l;at, bajj bcr ^crangcjogcne bei ©rfüflung feiner Obliegen^
I)eitcn fd&[cd)tl)in lücgcn "galirlcifrigfcit t)aftct. Sei bcm Sßormunbe uon bicfer
Siegel (oergf. §§ 144,224 3lbf. 1) abjumcidicn, liegt ein jureidjenber ©runb nid&t
Dor. 3m (Scbictc bcö prcuf^. SRcd^tcö namcntlid^ {)at bie regetmäfeige Haftung
beö SBormunbcö ju Unjuträglidjfcitcn nid^t gcfül^rt. ©ine SSerfd&ärfung ber
Haftung bcö ä^ormunbcö gegenüber bcr im gemeinen SWed^te abgefd)H3ädE)ten
Haftung culfprid^t bcr größeren SScrfügungöfrei^eit, iDcId&c ber Gntrourf bcm
SSormunbc einräumt, unb ift erforberlid^, um bcn auö ber Sriueiterung bcr
a)lad)tbcfugnifjc bcö 3?ormunbeö für bcn 3)Muibct fid^ ergcbcnben ©efaf)rcn cnt-
gegcujutretcn. 2)ic ScftcIIung einer in iljrcn eigenen 9lngelcgen[;citen na^-
läffigcu ^^icrfon 5um 35ormunbc lüiivbe anbcrenfaüö ju Senad^tl^eitigungcn beö
aJZünbcIö füf)rcn, für iücld)e mcber bcr 3?ormunb nod^ ba9^ bcftcHenbc S3or*
munbfdiaftögcric^t aufjufommen Ijättc.
^aftupfl bc§ 3)ie üorftcljcnbcn ©riüägungcn treffen in glcid^er 3Beife aud^ bei bcm
«ommL. ©egcnüormunbc ju (ocrgl. preufe. aSonn. D. § 53 3lbf. 1).
SBie bie allgemeine S'^ffung beö § 1696 9lbf. 1 ergiebt, besiegt fid^ bic
äJorfdjrift bcöfclben foiuol)! auf bic bcm aSormunbe unb ©egenoormunbe in
2tnfe^ung bcr Sorge für baö SBermogen alö aud& auf bie benfelben in 9ln*
fe^ung ber Sorge für bic ^>ßcrfon beö 9J}ünbe(ö obliegenben SSerpffi^tungcn.
©in gcnügcnbcr ©runb, bie S8orfd(iriften über bic Haftung auf bie aScrmogenfi*
Dcnualtung ju befd)ränfen (oergl. öfterr. ®. 33. § 228; code civil 2lrt. 450;
lübccf. aSorm. C. § 32 ; brcm. SSorm. D. § 45) liegt nid^t oor.
gür befonbere aScrljftltniffc eine 9JJobifitation ber im § 1696 äbf. 1
beftimmten Siegel eintreten unb ben SSormunb nur megen grober ^^^tläffigfeit
l;aftcn su laffen (ocrgl. 1. 7 § 2 D. de admin. 20, 7; preufe. 91. S. SR. II, 18
g§ 513, 462, 284, 285), ift burdj ein »ebürfnife uid)t geboten. Sic neueren
©efefee, inöbefonbere aud^ bie preufe. 93orm. D., l;aben fold^e Unterfd^eibungcn
mit gutem ®runbe aufgegeben.
Ginpu6 ber S)ie prcufe. S^orm. C § 49 beftimmt auöbrüdflid^, ba^ burd& bic Oc*
f »om öe? ncl)migung cincö ©cfd^äftcö feitenö beö ©cgcnoormunbeö ber aSormunb, bur^
aSormunb^aft üBcc SWinbcti. aSerBinblid&feiten auö bcrfcIBc«. § 1696. 1175
©cgcnfafec ju ben in ben §§ 1690—1692 bcftimmtcn Befreiungen (oergl.
§ 1694), bem SBomtunbfci^Qftögericötc, t)orbel^oltIi(§ ber Seftimmungen beö
§ 1695 Sttbf. 2 unb Stbf. 4 ©aß 2, ein JRed^t, blc l^ier fraglid^en 3lnorbnungen
aufeer Äroft ju fegen, nici^t beigelegt, ©incö bcfonberen 3[uöbrudEcd bebarf
bieö nid^t weit eö ftd& fd&on aus ben übrigen Seftimmungen beö § 1695, ins*
befonbcre auö bem jiDeiten Stbfafte beö § 1696 t)on felbft crgiebt (t)erg(. an6)
preui SSomt. D. § 35 3Ibf. 3).
3m Uebrigen roirb, foDiel bic im § 1695 9lbf. 1, 4 beftimmten SBorauß*
fefeungen ber ^ier fraglid^en STnorbnungen betrifft, auf bie SRotiüe beö einen
analogen gnU betreffenben § 1660 oben S. 1105 93ejug genommen.
Ueber bie 93orf(^riftcn ber §§ 1695, 1660 ^inaud f)ot ber ®ntmurf bem eonftiae
©rblaffer beö SKünbelö ober bem fonftigen aSermogenSjuroenbcr, Dorbel^öltlic^ «norbimnaw
ber 33cftimmungen beö § 1745, roetd&e ben gall betreffen, roenn biefelben für ®*^'f ^^J*'
bic SSerroaltung beö jugeroenbeten SSermogenö einen ^ßficger benannt l^aben, *""^*"
einen Ginflug auf bic allgemeine ©tellung beö SSormimbeö nid^t gcftattet
(tjcrgf. aui) bie SSotioe ju § 1700), bcnfelben — abmeid&enb oom gemeinen
9le($te (1. 1 § 2, 1. 14 D. de rebus eorum 27, 9; I. 3 Cod. quando decr. 5, 72)
unb bem preufe. 31. S. SR. IL 18 §§ 681 ff. — inöbefonbere nid^t bie 33efugni§
gegeben, ben SSormunb t)on ber 9lotl^menbigfeit ber Oenel^migung beö ©egen-
üormunbeö ober ber ©enel^migung beö aSormunbfd^aftögerid^tcö ju SRed^tö^
gefd^öften, meldte baö jugemenbete SSermögen betreffen, ju befreien. 2luö erb*
red&tUd^cn ®rünben lägt eine folc^e Sefugnife fid^ nid^t ableiten; ebenf omenig
wie ber ©rblaffcr ben 3JlünbcI üon ber SRitroirfung beö 58ormunbeö 5U SRec^tö^
gcfd&öften, mefd^c auf ben Jiac^Iafe fid) bejief)en, cntbinben unb infomcit
gefd^äftöföl)ig mad^en fann, Dcrmag er bie ber SSertretungömad^t beö SBor^
munbcö gcfefe(id& gcjogencn, bem öffentlichen 5Red&tc ange^örenben ©d&ranfen ju
erweitern. 35 on felbft rerfte^t eö fid& ttbrigenö, bafe, foroeit bie 9lnorbnungen
beö ©rblafferö bm Äara!ter eineö SBermäd^tniffeö ober einer 2luf(age l)aben
foUten, cö bei ben erbred^tlid^en 93orfd&riften bemenbct. 3n fold^en fällen mu§
ber ©egenuormunb bejm. baö Sßormunbfddaftögeriddt bie (Senebmigung ertl^eilen;
et), fann bie auö bem SSermäd^tniffe ober auö ber 2luflage entfpringenbe
93erpPicf)tung beö 3Rünbelö im SBcge ber Älage eriwungeu werben.
y. JBerbinbli^feUen stuifd^ett Sottntmb imb SRünbel. Haftung
be$ Sottnttnbfd^aft^rid^ter«.
§ 1696.
SBäbrenb nad^ gemeinem SRecbtc unb aud& mä) uerfd^iebenen 5ßartifu(ar^ Mtuna ^
rechten (oergl. inöbefonbere roürttemb. £. SR. II, 26 § 1 ; fäddf. ®. 33. §§ 1949, T^^l
121, 122, 750; Weimar. ®ef. v. 27. m&Xi 1872 § 42; bai)r. S. SR. I, 7 § 14 ^^^
5Rr. 1) ber 33ormunb in 9lnfel^ung ber ©rfüllung ber i^m obliegenben 9Jer^
pfliübtungen nur für bie 9Inwenbung berjenigen ©orgfalt liaftet, weld^e er in
eigenen 2lnge(egenl^eiten anjuwcnben pPegt, (äffen bie meiften neueren Oefeße
benfelben für bie Sfnwenbung ber Sorgfalt eincö orbentlid&en ^auötjaterö
««itppm SBä^renb nad& flcmeinem JRcc^te (L 12, 1. 49 D. de O. et A. 44, 7;
*" ^"*'- 1. 39 § 6 D. de adiu. 26, t), bcm preu&. 31. S. % II, 18 §§ 293, 294 unb
bcr brcm. Sßocm. D. § 46 bic ®r6en bea Jßotmunbes nur roegm Slcglift ober
locgeii grober ga^rläJSigfeit itjrcä ©r&IaRerä in 2lnfptu^ genommen roerben
fbimen, t& [ei benii, bafi ber ^iifpcud) fdion bei Sebjetteit be6 @rb[afferS le^tSs
Itängig geroorben rcäre, löfet ber ®ntimirf es im ainfc^Iujfe an bcn Stanbpuntt
bcr meiftcn neueren ©cfcge, insbefonbcte bc8 [ä(6|. 0. S. unb ber preu^.
aSorm. 0. (ocrgl. SOiotioe ju bev leiteten 6. 71), bei ben allgemeinen ©runbs
fä|cn (g 292) beioenben, ba eö an einem genügenbcn ©runbe fe^lt, in biefec
Sßidltung bie Srben bcö ^ormunbcS ober bcö ^genootmunbed auf Jtoften bc&
3JIönbclä ju begünfligen.
eattuna S!ic aacftimmung bea § 1696 9lbf. 2, bafe, roenn 51IeI)rece Derautroorlticö
"«rfilLb * ffb, biefelbcn als ®efammtfcl)ulbncc Ijaften, cnffpttdit ber foliborifi^cn Haftung,
'*""""■- roel^e fc^on baa gemeine Steigt eintreten Iä|t unb in ben neueren @c|c^eii
beibet)altcn ift (oergl. preufe. 9J. £. 31. II, 18 § 288; preufi. S8orm. O. § 32
aibf. 4 ncbft aßotioen S. 71; ofterr. ®. S. § 210; fäc^f. ®. SB. §§ 1958,
1020; roeimar. @ef. 0. 27. aHärj 1872 § 64; lübecf. aiorm. O. § 33; brem.
aSorm. D. § 45; bomb. Socm. O. Slrt. 19; bnqr. entm. Slrt. 42 nebft
SDIotioen £. 64). äßie aua bem Eingänge bea § 1696 Sbf. 2 mit genügenber
Seuttic^tcit ^erDorge^t, ftaftet inbefjen ein 33onnunb für ben au8 einer ^anb«
[ung beö üDIttoormunbeö entftanbenen Sdjaben nur bann, roenn i^m in älm
fc^ung bicfefl ereigniiyeö jelbft ein 93crfc^ulben jnr Saft fällt. Eie« ift in8=
befonberc audj ber Stanbpuntt bcg gemeinen !Hed)tc6, befl fäcftf. 0. S. unb
bcr pteuß. 5Jorm. D. (cergl. ^Dtotiüc ber legieren S. 73).
«iniAe btr 3m ^ntercifc größerer Sidjcrtjeit bc8 SWünbclS ift bie ©inrebc bcr
«Seiiuiig. rj^difyng^ iöelcj)e boa gemeine SRe^t julä&t, burd) bie neueren ©efege reget
mÖfeig befeitigt (ocrgl. preufe. SJorm. D. § 32 3lbf. 4; f(ici)f. ®. S. §§ 1958,
1020, 1024). S)a na(^ bem entrourfe (§ 324) bei einem (Sefammtfc^ull^
oerljältniffc bie Sinrebe ber ^^eilung übcrbaupt aiiegefi^loffen ift, fo bebarf
CS in biffcr Scjte^ung für baa Sßocmuiibfdiaftstcdit einer befonbjrcn ffles
ftimmung nici)t. @in @runb, jene Sinrebc ^ier auänalimeroetfe gu^ulalfen,
liegt nid)t cor.
flenci 3Cnbererfetta ergiebt fi^ aus bcn allgemeinen 5ßorf(^ciften über bie
©efammtid)ulbocr[)altniife »on felbft, bafe, roenn mebrerc SJocmiinber ob«
©egenöonniinbcr oerantroortlid) finb, biefelben im Sier^ältniffe ju einanbcr
ju gleichen Slntljeilen oetpflidjtel (inb «nb bcricnige, melier me^r a(6 feinen
3Int^eil gcleiftet bot tnforoett »on bcn übrigen 3)Iitoeröafteten, oorbetialtli^
ber ^efCimmung bea ^ 338, nac^ ällaggabe bcö § 337 @rfag ;u »erlangen
bered)tigt ift. Damit ftimmen namentti^ baS gemeine SRet^t unb boS pteufe.
3le^t (31. y. % II, 18 § 289, I, 5 §§ 443 ff.) überein (abioei^enb fä#f. 0. 33.
§§ 1958, 1036).
eutfibta« 3lad} gemeinem Medite boftct beim SJor^anbcnfein mebrerer SDJitüormünbec
^'ifli*(^ berjenige aJütoormunb, nieldjen bcöfiatb ein SJorroucf trifft, roeil er ftdi eine
rfi*iifl"i- aScvfäumung in SJnfe^ung ber Ucbetroo^ung ber 3)iitDonnünber ^at ju
Sd)ulbcn fommcn Iflffen ober toeit er feinerfeita T'^ ä'" ©odie nid&t an»
genommen ^at, ana bcn gestern ber SDlitöormünber erft in jnieiter Sinie.
aSormunbfdjaft über Winberia^rige. C)aftuno beS SBormunbcö 2C. § 1696. 1177
bic ®cncl)migun9 fcitenö beö Sßormunbfciöaftögcrid^tcs bcr SSormunb unb bcr
OcgcnDonnunb t)on ilircr Haftpflicht bem 3)lünbel gegenüber ni^t befreit
tocrben. S)er ©ntrourf l^ot eine berortige 93efttmmung, roeil biefelbe, richtig
DerftQnben, felbftoerftänblid^ ift, mä)i aufgenommen. 3Som Stanbpunftc ber
preu^. aSorm. D. aus mag bie Slufnal^me jener 33eftimmung jroecfmäfeig ge*
roefen fein, um bic SSormünber auf bie Äonfequenjen bcr i^nen nac^ ber
preu&. 9Sorm. D. im ®egenfa|e jum preufe. 31. S. SR. jugeroiefcnen fefb=j
ftönbigcn Stellung aud^ in ber ^ier fraglid^en S3ejiel;ung l^injuroeifen. ©icfcr
©runb fommt aber für baö bärger[id)e ©efe^bud^, rocld^eö mit ben auf ben
Sßorfd)riften beö preuß. 91. S. 91. berufienben Slnfc^auungen über bie Stellung
bcö 33ormunbeß gegenüber bem SSormunbfd^aftögerid^tc nid^t mcl^r ju red^nen
l)at, nid^t in Söetrac^t. 9luf ber anbcren Seite ift bie 3lufnal)me bcr in SRebe
ftel)enben Seftimmung aber aud^ bebenlüd^, tl)eil3 meit fie baftin fül^ren fann,
baß ber aSormunb jum 9lad^t()eite bcö SWünbelö allju ängfttic^ ©erfährt, t^eitö
weil fic bem 3)li§oerftänbniffc außgefegt ift, als ob bie ©enel^migung beö
aSormunbfdjaftögerid^teö ben SSormunb ober ben (Segenoormunb in feinem
galle ju entfd&utbigcn geeignet fei. Db bic ®in^otung bcr ©enel^migung beö
S8ormunbfd)aftdgerid&teö unb bic 6rtl)eitung ber te|tcren baö aSerfd^utbcn beö
banad^ Ijanbctnben 93ormunbcö auöfd^licßt, ift eine 2^)atfrage, beren ®nt==
fd}cibung üon ber 93eurtf|citung ber Umftänbe beö einjelnen gallcö abl)ftngt.
9Ud^tig ift nur, bafe, roenn bem SSormunbe ober bem ©egenüormunbc ein 33er*
fd^utben jur 2aft fällt, er t)on bcr Haftung rocgen biefeö 33crfd)ulbcnö nid^t
burd^ bic 2:^atfad;c befreit ift, baß baö S3ormunbfd&aftögeridj)t bic ^anblung
gcncl;migt Ijat.
®a6 bic SSerantroortlic^fcit beö SSormunbeö unb bei Oegenoormunbeö »«fl'«" ^
mit bem 3eitpuufte ber »eftcUung beginnt (§ 32 9rbf. 2 ber preufe. Sßorm. D.), ^'^*^^^**-
ift fclbftoerftänblid^ unb braud)t nid^t befonberö lierüorgc^oben ju merben
(ücrgl. § 1648 Safe 2).
3)ie S3ebeutung ber SSorfd^rift bcö § 1696 9lbf. 1 ift eine boppelte. 3)er »«bcutunfl
S8ormunb ober ber ®egcnt)ormunb, roetd^cr nic^t nad^ SKafegabe jener 35or*
fd^rift ücrfölirt, l)anbelt pflid^troibrig unb fann beö^alb üom SSormunbfd^aftö*
gcrid^te im 3lufft(^tön)cgc ben angemejfenen aRaferegetn untermorfen, inö-
bcfonbcre auc^ nad) Umftänben feineö 9lmtcö enttaffen roerben (§§ 1684, 1705
9Jr. 1). daneben begrünbet bie ^ftid}tn)ibrigfeit nad^ ben allgemeinen ®runb*
fofeen einen S^abcnöcrfafeanfpruc^ bcö 9Künbefö gegen ben SSormunb. ©in
fofd)cr Sd^abcnöerfafeanfprud^ wirb üon ben befte^enben Mec^ten allgemein
entmeber auöbrücflid^ gegeben ober atö fetbftDcrftfinbUd^ Dorauögefcfet (oergl.
preug. 91. S. 91. II, 18 §§ 275, 282, 287; öfterr. ®. SS. § 210; lübedE.
a^orm. D. § 33; brem. aSorm. D. § 45; ^amb. SSorm. D. 9lrt. 19; code
civil Slrt. 450; f)eff. entm. IV 9Irt, 54; ba^r. (Sntro. 9Irt. 42).
gßic in ben aWotiücn ju § 1688 oben S. 1160 bereitö auögefüf)rt
würbe, gc^t ber ©ntrourf, abroeid^cnb üom gemeinen 9led^te, baüon auö, bafe
ber bem SWünbel gegen ben SSormunb jufte^enbe 9Infprud^ auf Sd^obenöerfafe
aud^ fd[)on njftlircnb bcö Seftcljenö ber a5ormunbfd)aft gerid^tlid^ gcltenb gcmad)t
roerben fann.
SBegen ber Sßerjä^rung ücrgl. § 168.
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ift. Sffud^ Tücnn mon bic ^oftpffid^t bcö ®{|cmanncö auf bcn gall bcfd^ränfcu
lüonte, in TDcfd^cm er bic Uebcrna^me ober bie gortfegung bor SSormunbfd^aft
burd) bic ©ficfrou gcnel;migt Ijat (§§ 1641, 1705 9lr. 3), roürbe bcnnod^ bie
SJorfci^rift immer nod^ einen pofitiücn Äorafter behalten, inbcm bem mirflid^en
SBillcu bcö ®enel;migenben biird} bic 9luölegung als SBürgfd^Qftöroillen ein
ni(i^t geringer ^mawQ anget^an mürbe.
§ 1697.
sBerjinfunßö. SBö^rcub uaä) bcm aSorgangc bes gemeinen SRe^teö (1. 7 § 11, 1. 15
»«8?ßermlfl ^- ^^ ^^^' ^^z *^) ^"^ Dcrfd)iebene neuere (Sefc^e ni^t feiten längere ober
ber «nicfluno f ürjerc griftcu norf^reiben, innerl;alb mclc^er berSSormunb bic SWünbcIgcIber
rn, j{^gjj^^. Q^jiii^gj.,^ ijf^i^ roibrigenfaUß er bicfelben ju ocrjinfcn ücrpffi^tet fein
foK (ocrgl. code civil 9lrt. 455, 456; fäd^f, ®. 93. §§ 1936, 1937; meimor.
fsJcf. 0. 27. gWftrj 1872 § 57 ; f)Qmb. S8orm. D. Slrt. 45 ; f|eff . entro. IV 9lrt. 59),
fjaben anberc ®efe|c üon bcr Slufftcllung einer bcftimmten grift Slbftanb
genommen unb 2lUeö bcr 33eurtt)eilung bcö befonberen galleß überladen
(oergt. preu§. SSorm. C § 39 9lbf. 5; lübcd. 33orm. O. § 48; brem. 9Sorm. D.
§ 60; meining. ®ef. ü. 12. 9lpri[ 1882; bQi)r. ©utro. airt. 74). ®iefe 9lrt
bcr Siegelung oerbicnt bcn 93orjug, ba bic ^^^ftfegung einer grift immer
mclir ober meniger roillüirlid) ift. 9lbmci(^cnb üon bcr prcu^. SSorm. O. § 39
9lbf. 5, mcld)c im goDc bcr SSerfäumnife ober SScrjögerung bcr 9lnlcgung bcr
9)lünbclgelbcr bie üon bem SSormunbc ju jal)lenbcn 3'^^^^^ ^^f fccibö --ßrojent
fcftfc^t (t)crg(. ttud^ fäd)f. ®. 33. § 1937; meining. ®ef. o. 12. 3lpril 1882),
Idfet bcr entrourf im 9lnfdb(uffe an baö gemeine Siedet (1. 7 § 10 D. de adm. 26, ?),
nad() melddem bcr SBormunb lanbcöübfid^c 3i"f^'^ jal^fen mufe, cö bei bem aM
§ 217 fid) crgcbenbcn B^i^fufe^ ^on fünf ^rojcnt berocnbcn, ba fein genügcnbcr
®runb vorliegt, in biefer §infid)t I)ier üon bcn allgemeinen ®runbfägcn ab«
äumeid)cn. 3laä) § 1697 9lbf. 2 bleibt bcr Slnfprud^ bcö 9)hmbelö auf ©rfaß
eines mcitergel^cnben ©djabenö iebod& unberührt.
6ei S)ie 93cftimmung bes § 1697 Slbf. 1 ©ag 2 gel^t über bic cntfprcd^cnben
«errpenbunö sß^rfd^riftcu bcr prcufe. aSorm. D. § 40 Slbf. 1 unb bcö fäc^f. ®. 33. § 1937
»ermögen (pergl. auö) § 593 bcö ©utmurfcö) infofern f|inauö, afö er bic $Berjinfungöpfiid|t
"»"4T''"bcö aSormunbeö nid)t nur für bcn gall, rotnn berfclbe ®elb bcö 9)lünbclö,
fonbcrn awä) für bcn gaü t)orfd)reibt, menn er anberc 93ermögenögegcnftänbe
bcöfclben in eigenen 5lugen oerroenbet l^at. Slud^ in göKcn bcr (enteren
9lrt ift eine ©rlcid^terung bcö SScroeifcö bcr ®röfec bcö bcm a)lünbcl crmad&fencn
©d^abcnö im Sntcrcfjc bcö SWünbcfö angemeffcn. 9luf bcr anbcrcn Seite
empfiehlt cö fi^ aber ni^t, entgegen bcn allgemeinen ®runbfä6cn nadö bem
33organge bcr preufe. SSorm. D. § 40 9lbf. 1 bcm SSormunbfc^aftögcridjte in
bcn gftUen bcö § 1697 9lbf. 1 ©ag 2 bie 93cfugni6 beijutegen, bcn 3i"öfw6 "^d^
feinem ®rmcffen auf ac^t biö jroanjig ^rojent 5U beftimmen. 6in 33cbürfnii
jiur 9lufnaf|me einer fold^cn, einen pönalen Slaraftcr on fid^ tragenbcn 3?or*
fc^rift !ann im ^inbtidfe auf bie aSorfd^riften bcö § 260 bcr 6. 5ß. 0. ni^t
SSomtunbfd&aft über aWinbcriä^nöc. Haftung be§ SSormunbcß 2C. § 1696. 1179
3Iud& nad) preufe. 31. S. 3i. n, 18 §§ 286, 287, 291, 292 ift eine foId)e fubftbiärc
Haftung begrünbct, wenn bic SBormünber burd^ ^Priootabfornmcn bic SSer-
roaltung unter fid^ get^eilt l^abcn ober roenn ein ©fjrcnoormunb ober bei einer
burd^ ben SRid^tcr oorgenommencu S^cilung bcr Oefd^äftc ein 3KitDormunb
wegen SSerfäumung ber SKufftd^t über ben üerroaltenbcn SSormunb fid) Der*
antroortUd^ gemad^t f)at S)agegen ift bcr preufe. SBorm. D. eine fold^c fub^
Itbiärc Haftung, namcntlidö au^ beö ©cgenoormunbcö, unbcfannt (ocrgl. Urtl^.
b. SR. (S. bei ©ruc^ot XXVII ©. 1052), cbenfo bcm fäd)f. ®. 33. §§ 1958,
1036. Sind) bcr ©ntrourf gcl^t baüon auö, ba§ in ©emägfieit bcr allgemeinen
S3eftimmungen über ®efommtfd)uIbt)erl^äItniffe (§ 324) bie fammtlid^cn SSor*
münbcr ober ©egcnüormünber, roeldöe im bcfonberen gallc über[)aupt ein
Sßerfd^ulben trifft, bem 9Wünbel gegenüber prinjipal J)Qften. 9luf bcr anbcrcn
Seite fpred^en aber überroiegentc SHüdEfid^tcn ber Silligfcit bafür, in ben gäKcn,
in rocid&cn bcr Oegcnoormunb für ben von bcm SSormunbc ober bcr SKitoormunb
für ben oon einem 2ßitoormunbc jugefügtcn ©droben nur rocgcn SScrlcfeung
ber 3lufrid^töppi(^t Dcrantroortlid^ ift, im 33er^ä(tnifie ber beiben 93erpflid^tctcn
ju cinonber in SIbrocid&ung oon ber Siegel beö § 337 Slbf. 1 benicnigcn,
welcher ben ©droben jugcfügt \)ai, für aDcin ocrpftid^tct ju erftärcn (§ 1696
9Ibf. 3). ®ine Haftung wegen blofecr 58crlc|ung bcr STuffid^töpfli^t fann nid)t
bloß bei bcm ©egenoormunbc, fonbern unter Umftänbcn aud^ bei einem SOlit^
tJormunbc eintreten, wenn bie Ucberlaffung ber SBcrmottung in 3lnfcl^ung gc*
miffer ©efc^äftc an ben anbcrcn 3Sormunb, j. 33. bcr förpcrlid^cn 3»I|öl>wng
einer Sod^c bcö SWünbelö, naä) ben fonfreten Umftänbcn bcm aSorrourfc einer
faEirlaffigcn ober orgliftigcn ^anblungörocife cntjogen ift.
9lud^ bem bloö 9luffi^tSpflid&tigcn foU jebo^ bcr SRüdEgriff im galle
beö § 338 Dcrfogt fein (ocrgf. 1. 1 § 14 D. de tutelae 27,3; 1. 38 § 2
D. de adm. 26, ?).
Slnmicroeit berienige, meiner nad^ SWafegobe bcö § 1696 3lbf. 3 im SBcr:?
][)ciltniffc iu bcm anbcrcn SBcrpflidötetcn allein t)erpflid)tct ift, oon bem lefetcrcn
nad) § 337 3lbf. 1 nid^t nur ©rfaß, fonbern aud) fof ortige 33cfreiung oon
feiner 95erbinblid()fcit gegenüber bem SRünbcl ocrlangcn fann, ift nad) hcn
aSorfd)riftcn bcö § 337 9Ibf. 1 ju bcurtljcilcn.
3« 9Infnüpfung an baö franj. 9^cdöt, na^ roetd^cm bcr 6[)cmann bcr e«t*""8 ^«»
fidö n)icbcn)crf|eiratl)cnbcn 3)Juttcr, roetdjc ^ormunb itjrcr Kinber auö früljcrcr einer^sttm
®f)e ift, jum SRitoormunbc beftcllt werben mu§ unb alöbann für bie nad& ber ^J^^iy^^y**
©^cfd^liefeung geführte oormunbfdöafttidjc aScrroaltung folibarifd) mit feiner
ß^cfrau ocrantroortlid^ ift (code civil Särt. 396; ocrgt. aber anä) preufe.
31. S. SR. II, 18 § 949), beftimmt bic preufe. SBorm. D. § 32 3Ibf. 3, bafe
bcr @I)cmann einer jum SSormunbe bcftclttcn grau, wenn er nid^t ber SBatcr
bcö SJlünbclö ift, wegen bcr oormnubfc^aftlid^en 33crwaltung a(ö Sürge l^aftet.
S)cr ©ntwurf f)at eine berartigc S3cftimmung nid^t aufgenommen, weil baburd^
bem ©fjcmanne ein nid^t gcredötfertigtcr S^^öi^Ö anget^an wirb. 2)ie 3luf*
brängung einer fotd^cn 93ürgcn^aftung wirb namentlidl) burd^ ben ®influ6,
wetd^en ber ©Ijcmann regelmäßig auf bic ®f)cfrau Ijat, nid)t gcnügcnb gcrcd^t^
fertigt, jumal ein fold^cr Einfluß tl)atfäd()lid) burdiauö nxi)i in allen fällen
bcftc^t unb, wo er beftcllt, ein SRißbraudö beöfetben baljin, baß bie ®^efrau ju
tur H>Fiegcr o. 26. yunt 1843 § 38) uuD Die ^amö. )üorm. äj. ^iirt. 75 (ocrgi.
Qud& l^cR. ßntiü. IV 3Irt. 92), in SKnlc^nung on bas ältere bcutfd&c Mcd^t
bem SSormunbc regelmäßig einen Slnfprud) auf ein Honorar einräumen,
Qnbererfeitö ju bem franj. Siedete, nad^ melt^em bie Sßormunbfd^aft, obgefel^en
von einer bem 33ormunbe lefetroillig jugerocnbeten SSergütung, ftets unentgeltlich
5U führen ift, obwohl man neuerbingö auä) ^ier geneigt ju [ein fc^eint, bem
gomilienrat^e baö Siecht jur SewiDigung eines ^onorareö an ben 3Sormunb
cinäuräumen.
Siefer le^tere ©tanbpunlt, nad^ roetd^em aud^ ein fclbft mitteltofer SBor^
munb genötl^igt mirb, baö SSermögen feincö reid^en SKünbelß unentgeltlid^ ju
uerroatten, ift n)irt{)fdE)aftlid^ nid^t ju billigen, inbem er ju einer ungcred^t^
fertigten 33cfteuerung ber 3lrbeitötraft ju ©unften beö Äapitaleö fü^rt. Ueber«
bieö mibcrratlien i^n, wie bieg in ben 3)lotiüen neuerer ©efefegebungöroertc
n)ieberl)olt l)erDorgef)oben mirb (t)ergl. SJJotiüe beö tjcjf. ©ntro. ©. 261, ber
preufe. aSorm. D. ©. 73 unb beö bai)r. ©ntro. ©. 65), ©rünbe ber !^mti^
mäfeigfeit unb ber 33iUigfeit foroofil üom ©tanbpunftc beö SBormunbeö wie
beö 9Jlünbelö auö, inbem bie unbebingte Serfagung eineö ^onorarcö inöbefonberc
jum 9lad)tf)eite beö 5Bormunbfd)aftöroefenö baju beiträgt, bie Slbneigung gegen
btn a3ormunbfd()aftöbienft nur ju fteigern.
9luf ber anberen ©eite ift eö inbeffen audl) bebenfUd^, bem Sßormunbc
fraft ©efe^cö einen mirtlid^en 9lnfpruc^ auf ein Honorar nod^ rid^tertld&er
(Srmäfeigung einjuräumen; üielmeljr t)erbient cö ben SSorjug, im STnfd^luffe
an bie erfte ©ruppe von 9led)ten bie Seroilligung beö ^onorareö, roie aud&
bcffen .^öi)t bem oerftänbigen ®rme5fen beö 83ormunbf(^aftögcric^tcö ju über*
lajfcn. ®abei gel;t ber ©ntrourf, inforoeit abroeid^enb Don ber preufe. aSorm, D.
§ 34 3lbf. 2, baDon auö, bafe ein jureid^cnber ©runb für bie Scroilligung beö
^onorareö nid^t lebiglid^ in bem Umfange ber aSermogenöDerroattung }u finbcn
ift, fonbern auc^ burdE) ben Umfang unb bie a3ebeutung ber fonftigen bie
^erfon beö SWünbelö betreffcnben oormunbfd^afttidj)en ©efd^äfte gegeben fein
fann. ©benforoenig empfiehlt eö fid^, über bie §o^e beö iuloffigen ^onorareö
nähere SJorfd^riften ju geben, obgleid^ ©erfd^iebene ©efege in biefcr SRid^tung
Sßorfd)riften über eine beftimmte ©fala ober über beftimmte ^ßrojentfäfee tnU
l;alten. Slud^ ift eö nid)t jmedEmäfeig, baö SJormunbfc^aftögerid^t allgemein
ouf bie aSemilligung eineö „mäßigen" ^onorareö ju befd^ränten, ba blc
©d^mälerung beö ^onorareö auf bie ©üte ber für baöfelbc ju tciftenben
©ienfte oon (Sinfluß ift unb fomit bem SRünbel jum SWad^tl^eile gereid^en fann.
^T^^eJi.^** 2Bäl|renb bie preuß. Sßorm. D. § 34 3ß)f. 3 bem SBormunbfc^aftögeri^te
»onnunbeä. uiemolö geftattct, bem ©egenoormunbe ein Honorar ju bewilligen (t)ergl.
ajlotiüe ber preufe. aSorm. D. ©. 73), crflärt ber ©ntmurf unter befonbcren
Umftänben aud^ bie Semilligung eineö §onorareö an ben ©cgenoormunb für
juläffig. 5!Benngleic^ tl^atfä^Uc^ bie 3}eranta|fung ju einer fold^en Scroilligung
fcltener fein mirb, fo ift eö bod^ nidE)t gered^tfertigt, bie ^onororberoilligung
bei bem ©egenoormunbe prinjipiell auösufd^tießen, ba aud^ er bcgrifflidö 3Jors
munb ift unb, wenn aud^ in eigentl)ümlid&er 9lidj)tung, fo bod^ alö ein für
geroiffe äSormunbfd^aften organifd^ roi^tigeö ©lieb ber Dormunbfd^aftlid^en aSer^
maltung t)ormunbfd^aftlic^e gunftionen Derfiel^t.
SßDniumbfd&.üBerSKinbeiji. 2luftt)cnbunocnbcg9ScrmunfceS2C. §§1198,1699. 1181
Qnerfonnt tücrbcn. SKit bcm (Sntrourfc ftimmt in blefcr ^infid^t baö föc^f,
®. 83. § 1937 iibcrcin ; icbod) f)at baö lefetcrc ben S^i^öfufe awä) für biefc goUc
auf fcd^ö ^rojent feftgefc^t, roöfircnb r\ad) bem ©ntrourfe bcr SBormunb, t)or*
be^Qltlid) bcr Sßorfd&rift bcö § 1697 3lbf. 2, mir fünf ^ßrojcnt 3infcn (§ 217)
ju 5Qt)Icn ocrpflid^tct ift.
§ 1698.
S)ic aSorfc^rift bcö § 1698 ©Qfc 1 rcd)tfcrti9t \i6) burd) bic Slnatogic ^^^^^"^^
jroifc^en aSormunbfdöoft unb SWanbat unb cntfprid^t int SBefentlic^cn bcm sormunbe«
gcitenben Siechte (üerol. 1. 1 § 6, 1. 3 pr., §§ 1, 7, 8 D. de contr. tut. 27, 4; ''^;^^^^^
prcufe. 9r. 2. 9?. II, 18 §§ 255, 258, 259; prcufe. aSorm. D. § 33 9lbf. 2;
föd^f. ®. 83. § 1953; lücimor. ®cf. u. 27. aWarj 1872 § 62; code civil 3lrt. 471;
^cff. ßntro. IV 9lrt. 51 ; haxjv. ©ntro. 9trt. 46). 2)ic cntfprcd&cnbc Slnrocnbung
bcö § 594 -über bic ^ßfüd^t jur aSorfd^ufeleiftung fann namcntlid^ in foldjcn
göBen üon praftifd}cr 33cbcutung werben, in roeldjcn ein OegciiDormnnb bcl^ufö
Erfüllung feiner ^ftid^ten Slufroenbungen ju ntodjen f)at ober in roetd)cn einem
aSormunbc ftüffige ÜHittel nid^t ju (Sebote ftcl)cn, roft^rcnb ein anberer aSormunb
ober ein ?ßfleger beö 9Künbc(ö fotc^e in ^änben l^at. 2)ie SJorfc^rlft beö
§ 595 9lbf. 3 ift namenttid^ im galle bcr 33eenbigung ber aSormunbf^oft von
SBid)tigfeit.
Sie 83eftimmung beö § 1698 Safe 2, meldte fid) bcr prenfe. aSorm. D.
§ 33 9lbf. 3 Qnfdölicfet (ücrgt. aiid^ preug. 91. 2. 3t. II, 18 § 262; fäd^f. ®. 33.
§ 1956; TOcimar. ®ef. t). 27. SKärä 1872 § 70; bax)v. ©ntro. 9lrt. 46), beruljt
auf bem ©ebanfen, ba§ jwar bic Sieget ber Uncntgeltlid)feit ber oon bem
aSormunbc geleifteten S)ienftc feftju^atten, eö aber billig ift unb aud^ im
eigenen ^ntereffe beö SKünbelö liegt, für fol^e gälte eine 9luönal^me am
juerfcnnen, in roctd^en bcr Sormunb eine aSergütung für geleiftcte SDienftc
aud) non einer ieben anbercn 5ßerfon ju forbern bered^tigt fein mürbe.
Sarüber, ha^ ber aSormunb unb ber ©egenoormunb bic l)ier fraglid^en
9lnfprüdöe aud& fd^on mä^renb beö 33cfte^enö bcr aSormunbfd^aft gerid)tlid)
geltenb mad^en fönncn, ücrgt. bic SJlotiDc ju § 1688 oben S. 1160 unb roegcn
ber aScrjälirung § 168.
§ 1699.
2)ie aSeftimmungen bcö § 1699 ©ag 1, 2, fomeit biefclben bm aSormunb |'j;"„";J^
betreffen, fd^tiefeen fid^ im aOBcfentlic^en bcm gemeinen Siedete unb einer SRcilie
neuerer ©efege, inöbcfonbcrc ber preufe. aSorm. D. an (ocrgt. preufe. 91. S. dl
n, 18 §§ 263 — 269; preug. aSorm. D. § 33 9lbf. 1, § 34; fäd^f. ®. 93.
§§ 1954, 1955 nebft bcr prooif. ®er. D. § 73; meimar. ®cf. 0. 27. «Wärj 1872
§§ 68, 69; lübedE. SBorm. D. § 79; brcm. aiJorm. D. § 31; ofterr. ®. 93.
§§ 266, 267; ba^r. (Sntw. 9lrt. 45). ®er (Sntmurf ftc^t mit biefer 9lrt ber
Siegelung im ©cgcnfafec cinerfeitö ju benicnigen Siedeten, rocl^e, wie ocr^:
fd^iebcnc bar)r. SRcd^tc, inöbcfonbcrc baö bar)r. S. 31. I, 7 § 15 9ir. 4, unb
mic baö mürttcmb. 9lcd^t (aSerorbn. 0. 14. aKärj 1809 § 11; aSorfd[)riften
,,-_ y-., , ^ y ,^ ^J JJ ^
berartige öefugnife alö 9lu§ftii§ bcr clterlid^cn Ocroalt cinjuräumcn, ba cd
über bcu 5lQl^mcn bcr elterlichen Oeroalt l^inauöge^t, bcn @Iterii eine berartige
SBerfiigung über ba^ von ifinen nid^t fierrüfirenbe 93erm5gen bed aRünbclö 511
Ounftcn eines ©ritten ju geftatten. @in Sebürfnife in biefer SRic^tung liegt
um fo weniger cor, als eä ben ©Item unbenommen ift, inStnfe^ung beö dou
i^ncn ^errü^renben 33ermögenö na6) SWa^gabe bcr allgemeinen erbred^tlid&en
SBorfd)riften bem SBormunbc eine SSergütung jujumenben.
§ 1700.
^eraudßabe S)ie Scftimmung beä § 1700 9(bf. 1 ergiebt [xä) auö bcr 9Jatur beö
»ermböens. 93erf|ältnifleß unb ftelit mit bem gcitenbcn gied)te im ©inflangc (ocrgf. 1. 1
We^inunfl«. § ^ ^^^ ^^« ^^^^^^^ -^^ ^i^^ ^^^ ^^^- ^^^' ^/ *^ i P^^^^^' 21. S. SR. II, 18 §§ 861,
lefluna. 863; preug. SSorm. D. § 67 3lbf. 1 ; code civil atrt. 469; bab. ®cf, r>. 6. gcbruar
1879 § 22 unb 5Rotoriatdgef. v. 7. 3uli 1864 § 82; fäc^f. @. 33. § 1952;
öfterr. ®. 33. §§ 262, 263; roeimor. ®ef. o. 27. äßärj 1872 § 61; lübecf.
aSorm. D. § 76; brcm. SSorm. D. § 93; ^amb. SBorm. D. 9trt. 70—74; ^cff.
entro. IV airt. 99—101 ; bopr. entro. 3lrt. 91—93). 3n 9lnfe^ung ber SJer-
pflirfltung beö SSormunbeö, auf a3er(angen beö 2WiinbeIö ben Dffenbarungöcib
ju leiften, verbleibt eö bei ben oHgemeinen ©runbfä^en (§ 777), ebenfo in
älnfe^ung ber 33cn)eiö(aft bei SÄnfprüd^en beö 3)lünbelö auf ^erauögabe eineö
aSermogenögegcnftanbeö ober auf ®ntfd)äbigung (ücrgt. bie SWotiüc ju § 1503
oben ©. 746 ff.).
»ejuflna^ine ©ic im § 1700 Slbf. 1 bcftimmtc aSerpflic^tung jur SRedönungöIegung
Äungw. bejie^t fid) nidit bloö auf bie SSerroaltung ber lefeten Stec^nungöperiobe, fonbern
auf bie aSerroaltung roäfirenb bcr gonjen 2)auer beö oormunbfc^aftlidb^n SImteö.
3lad) § 1700 2lbf. 2 foU jeboc^, fomeit ber SSonnunb bem 93ormunbfd)aftö^
gerid^te eine 3lec^nung gelegt, b. \). foroeit baöienige, loaö ber SBormunb nac^
2Ra^gabe beö § 1687 bem 93ormunbfd^aftögeri(4te afö SRec^nung oorgelegt 1)ai,
ben !^arafter einer SRed^nung an fid^ trägt, eine Sejugna^me auf biefe 9{ed)nung
genügen. 6ö gelangt baburd) ber Oebanfe beö ©ntrourfeö jum äuöbrucfc, bafe
bie im § 1687 beftimmte 3led)nungölegung fid^ jugfeid^ alö 3ledj)nungölegung
gegenüber bem äßünbet barftellt, jebod^ ol&nc ^räjubij für bie SRec^tc beö
3KünbeIö, gegen bie früheren Jted^nungen 9luöfteüungen ju cr^bcn (ocrgL
aWotiüe ju § 1688 oben ©. 1161). SJon felbft t)erftef|t eö fid) ferner, bafe ber
aRünbcI berechtigte ©rgänjungen unb Serid^tigungen ber früheren SRec^nungen
verlangen fann, ba inforoeit bie lefeteren nid)t bm Äaratter einer orbnungö«
mäßigen Sled^nung f)aben.
switwirfunfl 2)ic Scftimmung beö § 1700 9lbf. 3 fdblieöt fid^ im SBefentlid^en ou bie
IfxmZti V^^^^' 33orm. O. § 67 3lbf. 2 an (ücrgl. aud& § 1687 3lbf. 6 beö entwürfe«).
Seit ber 3" üerfd^icbcnen ©efegen finb bem SBormunbe für bie ^ier in 3Rebe
9te(^nungft>. fte^cube Mcdinungölegung griften üorgefd&rieben (ocrgl. preufe. 21. 2. SR. II, 18
*®""** § 261; preuö. SBorm. D. § 67 3lbf. 1; ofterr. ®. 33. § 262; fäddf. ©. ».
§§ 1952, 1972; Weimar. ®cf. ü. 27. SRärj 1872 §§ 61, 76). SDagegcn fmb
bem gemeinen unb franj. SRed&te, wie auc& bem ^cff. unb bem batjr. ©ntw. folc^e
SSormunbfc^aft üBcr ÜRinbcriätrioe. Honorar bcß Sormunbcö. §1699. 1183
S)urd) bic rocitcre in bcr preu§. SSorm, D. fc^Icnbc Scftimmung beö stuf^ebimg
§ 1699 ©aß 3, \>a^ bie Setüilligung beö ^onorarcö oon bcm SBormuubfd^aftö^ 8te,°b^^„g
gcrid^tc ju jcbcr Qdt für bic S^fwnft aufgcl^obcn ober geänbert tüerbcn fann,*»«' 4&onorar*
fon bcr Sluffajfung entgegengetreten roerben, als ob bcr SBormunb ober ®cgen- ^* '°""^
üormunb bwcä) bic SubiHigung beö ^onororeö von ©eiten bcs äJormunbf^aftös
gcrid^tcö für bic 3wtunft ein fcftcö n)ol)teriüorbened, anä) im 5ßroje§n)egc ücr^
folgbareß JRcd^t auf baö Honorar erlangt l^abe unb x\)m baöfelbc bafier fpäter
troß t)cränbcrter Umftänbc burdö baö SBormunbfc^aftögcrid^t nid^t roieber cnt^^
jogen ober fingef^ränft werben tonne, eine 2Iuffaffung, xodd)t für bic preu§.
SSorm. D. von tJcrf^icbcncn Seiten oertreten wirb. 3)icfc Sluffaffung ift jcbod^
mit bcm 3ntcre5fc bcöSKünbcIö nid)t vereinbar; üiclmcl^r muß baö 93ormunb^
fd^aftögeri(^t in bcr Sage fein, baö äugebilligtc §onorar für bic S^funft ju
entjie^cn ober ju minbern, mcnn cö bieö mit SRüdEfid^t auf 9lenbcrungen in
bcr 9lrt unb bcm Umfange bcr SScnüaltung olö angemcRcn crad^tet. ®aö SBor*
munbfd^aftögcrid^t, inbem eö ba^ Honorar bcroilligt, fd^tiefet nidfit alö SScrtreter
beö SWünbcIö mit bcm SBormunbc einen SSertrag ab, fonbcrn l)anbelt traft
feiner SImtögemalt unb gcmäfirt in biefer ©igenfd^aft bcm SSormunbc ein 3itä)t
gegen bcn SKünbcl, aber nur ein fol^eö SRcd^t, roeld&eö in feinem Seftanbc
von bcm ®rmcffen beö aSormunbfd^aftögcrid^tcö abl^ängig bleiben foU. ©olangc
baö 3Sormunbfdjaftögerid^t iene Sßerfügung n\ä)i geänbert f)ot, ift bagcgen für
bic SBcrgangen^cit bcm SSormunbc ein fcftcö Siedet erioorbcn, mcld^eö i^m
nid)t me^r entjogen unb nötl^igcnfaDö im ^rojeferoege geltcnb gemat^t merben
fann. 2luö biefer 9luffaffung ergicbt fid^ oon fclbft, bofe bie SScrfügung beö
aSormunbfd^aftögerid^teö, burd^ roel^eö baö Honorar jugcbilligt mirb, auc^ im
3Begc bcr 93efd^n)crbe roiber baö ©erid^t abgcänbert merben fann. Die näf)cren
93eftimmungcn in biefer Scjicl^ung, namentlid^ über bic SBirtung einer im
9lcd^tömittelt)crfal^rcn ergc^enben abänbcrnbcn ®ntf d^cibung , finb co. in bcm
Ocfcfec über baö SSerfa^ren in Sßormunbfdjaftöfad^en ju treffen.
S)ic S3cftimmung beö § 1699 ©ag 4 bejrocdft, eincrfeitö baö 3nterejfc «n^»f«nß *>«»
beö Sßormunbeö ju fid^ern, onbcrcrfeitö baö 9Sormunbfd[)aftögerid^t anju^alten, „„b JSöefleti-
für bcn gall, wenn ein ©cgcntjormunb bcftellt morben ift, aud^ biefcn im »onnunbe*.
3ntcrcffe einer fa^gemäfeen ©ntfd^eibung Dorl^cr ju f|5ren (ocrgl. au^ prcufe.
aSorm. 0. § 34 5lbf. 3).
Sßerfd^iebene ©efeftc lieben nod^ auöbrüdEfid^ l^croor, ba^ bcm SBormunbc «onoror-
cin Honorar aud^ bann iuftcl^t, romn i^m ein fold^eö burd^ bcn ©rblaRcr ju* '"ui^""*
gebilligt morben ift (oergl. preufe. 91. 2. JR. II, 18 §269; prcufe. SBorm. 0. »>«« «^J^Mer.
§ 34 3lbf. 1; fäd^f. ®. 93. § 1955; rocimar. ®cf. v. 27. 2Rärj 1872 § 69;
l^cff. ®ntn). IV Slrt. 93 ; ba^r, ®ntm. 9lrt. 45). 2)cr ©ntrourf f)at eine ber^^
artige S3cftimmung nid^t aufgenommen, ba cö felbftDcrftänbtid^ ift, ba^ bcr
©rbtaffer bcm SBormunbc nad& ajlafegabc ber SBorfd^riften beö ©rbrcd^teö in
bcr ^orm beö 83crmäd)tnijfcö ein Honorar jumenben fann.
9lad^ gemeinem SWed^tc (1. 33 § 3 D. de adm. 26, 7; l. l § 6 D. de anorbmiuß
tutelae 27, s) j^at bcr SBormunb aber aud^ bann einen Slnfprud^ auf ein ^ **^
Honorar, menn i^m ein fold^eö burd) bcn 58ater bei bcr ®rncnnung, unb nad^
bcm baqr. ®ntu). Slrt. 45, mcnn i^m ein fold^cö Don bcn t)erftorbenen ©Itern
ouögefcfet morben ift. 3n Ucbereinftimmung mit ber aRcl^rjal^t bcftcl^cnbcr
1 1 84 S5ormunbfd}af t k. ^erauSßabc beS aScrmöflcnö ; S^fugrcdiminfl. § 1700,
9lcd)tc l)ai her (SntiDurf icbod& 93cbcn!cn getragen, ben ®(tcrii ald folgen eine
bcrartigc Scfugnife ald SluöPtu^ ber clterUd^cti (Seroalt einzuräumen, ba cd
über bcu Stal^mcn ber elterlichen Oeroatt ^inauögel^t, bcn @ltern eine bcrartige
aSerfiigung über baft üon i^nen nid^t ^errü^renbe 93ermogen bed "äihmbete ju
Ounftcn eines ©ritten ju geftatten. @in Sebürfnife in biefer SRic^tung liegt
um fo weniger cor, olö es bcn ©Iteru unbenommen ift, in Slnfc^ung befi oon
il)ncn ^errü^renben 33ermogenö nad^ SWa^gobc ber allgemeinen erbrec^tli^cn
33orfd)riften bem 93ormunbe eine SBergütung jujuroenbcn.
§ 1700.
^erauäflaDe S)ie Scftimmuug beä § 1700 9tbf. 1 ergiebt fid^ auö ber !Jlatur bc«
Bermögen«. 9Serl)ältnineß unb [teilt mit bem gcltenben SWed^tc im ©intlangc (oergt. 1. 1
wec^nunfla* § ^ D. (Ic tutclae 27, 3; 1. 9 Cod. arb. tut. 5, 6i ; preug. ä. S. dt. II, 18 §§ 861,
lefluiifl. 863; preufe. Sorm. D. § 67 3lbf. 1 ; code civil 3(rt, 469; bab. @cf. o. 6. gebniQr
1879 § 22 unb Slotariatsgef. v. 7. 3uli 1864 § 82; fäd&f, ®. ». § 1952;
öftcrr. ®. SB. §§ 262, 263; loeimar. ®ef. u. 27. äßärj 1872 § 61; lübcrf.
aSorm. D. § 76; brem. aSorm. D. § 93; l^amb. SBorm. O. 9lrt. 70—74; W-
entro. IV 9Irt. 99—101 ; bapr. (gntro. 3lrt. 91—93). 3n Stnfc^ung ber Scp
pflic^tung bcö aSormunbeö, auf SJerlangen beö 2Wiinbelö ben Dffcnbarungdcib
JU leiften, verbleibt eö bei ben allgemeinen ©runbfä^en (§ 777), ebcnfo in
2lnfel)ung ber Seroeiölaft bei 9lnfprü(^en beö 3Jlünbete auf Verausgabe cined
aSermogenSgegenftanbeS ober auf ®ntfd()äbigung (pergl. bie aJlotioe ju § 1503
oben ©. 746 ff.).
»eiugntt^me ©ic im § 1700 2lbf. 1 beftimmte aSerpflicJ^tung jur SRcc^nimgslegung
Se^nunten. bcjie^t fid) uid^t bloS auf bie aSerroattung ber testen Siec^nungöperiobe, fonbern
auf bie aScrroaltung roä^renb ber ganjen S)auer beS oormunbfdöaftlid^n ämtcfi.
5ßadb § 1700 9lbf. 2 foll icbod^, foroeit ber aSonnunb bem aSormunbfc^aftß*
gerid^te eine ^ied^nung gelegt, b. l). foroeit basjenige, roas ber aSormunb nocj
äßaggabe bcs § 1687 bem aSormunbfc^aftSgerid^te als SRec^nung oorgelegt H
ben Äarafter einer Stec^nung an fid^ trägt, eine Sejugna^me auf biefe Sied&nung
genügen. @s gelangt baburd^ ber ©cbanfe beS ©ntrourfeS jum Slusbrucfe, ba§
bie im § 1687 beftimmte Sierfinungßlegung fid& jugleic^ als JRcd&nungStegunj
gegenüber bem 3Jlünbcl barftellt, jebod^ ol^ne ^räiubij für bie Siechte befl
aJJünbels, gegen bie früheren SHerfinungen Slusftellungen ju er^ben (ocrgL
aWotioe JU § 1688 oben ©. 1161). aSon felbft oerftel^t es fid) ferner, baft b«
aJlünbcl bcred^tigte ©rgänjungen unb Serid&tigungen ber früheren Slec^nungen
©erlangen fann, ba inforoeit bie le^tcren nid)t bcn Äarattcr einer orbnung**
mäßigen SRed^nung l)aben.
swuroirfunfl S)ie SSeftimmuug beS § 1700 9lbf. 3 fcftliefet ftc^ im aSefcntlid^en on bie
lox^nZ P^^wfe. aSorm. D. § 67 3lbf. 2 an (uergl. aud) § 1687 2lbf. 6 beS gntrourfe«).
Seit ber 3^ üerfc^iebeueu ©efegen finb bem SSormunbc für bie ^icr in Äebe
***"«"«*- ftelienbe SRed^nungslegung griften üorgefd^rieben (t)ergl. preug. 91. £• 91. II, 18
''""^' § 261; preuö. aSorm. D. § 67 9lbf. 1; öfterr, ®. 53. § 262; fäddf. ®. ».
§§ 1952, 1972; roeimar. ®ef. v. 27. SWärj 1872 §§ 61, 76). SJagegen fin»
bem gemeinen unb franj. SRed&te, role auc^ bem ^cjf. unb bem baijr. @ntn). fol<^
SSormunbf d&aft K. ^erau8öö6ebeö3>ermo9enö. ©cfaluBced&nunö- §1700. 1185
Triften unbcfannt. 9lud^ bcr üorlicgcnbc ©ntrourf l)at cö oorgejogcn, eine
55tiftbeftimmung nid&t aufjune^me», baooit audgcfienb, bofe bie im § 1700
Slbf. 1 beftimmtc aSeq)flid^tung jur SWedjnungöIegung fofort mit ber Secnbigung
beö üormunbfd^aftUd^cn Slmtcö eintritt (§ 231 9lbf. 1), bcm SSormunbc jebo^
md) bcn allgemeinen (Srunbfofeen beö Cbligationcnre^teß felbftüerftänbllc^ eine
ongemeffene, ben SSerl^ätnijfen beö einjcinen goUeö cntfpred^cnbc grift jiir SBe^
roirlung ber i^rcr ?latur mä) eine gemiRe 3^it ^^ 9lnfprud^ nel^menben
Sciftung frei bleibt. SWon üermeibct auf biefe SBeifc bie ©d^roierigfeit, ben
Umfong ber grift, foroie ben 33eginn beö Saufeö berfelben, inöbefonbere ben
(Srben gegenüber (preufe. aSorm. D. § 67 Slbf. 4), in einer allgemein an^
gemeRenen SBeife ju beftimmen.
®a6 betreffenbcnfallö ber 93ormunb nic^t bem SWiinbcl felbft, fonbern »ec^nunflö.
bejfcn SWed^tönad^folger ober bem neu beftellten SSormunbe baö üon iljm Der^ "*^'"*'^'
mattete SBermögen l^crauöjugcben unb 9Zed)nung über bie SScrmaltung ju legen
\)at (ocrgl. preufe. 93orm. D. § 67 3lbf. 1), ift, meil felbftDerfteinblid&, nid)t be^
fonberö jum 5luöbrucfc gebrad)t,
©benforoenig liegt ein Sebürfui^ dov, außbrüdflid) ju beftimmen, bafe bic"'^^«^»^*'«
^Pflid^t jur SRedinungölegung ouf bie ©rben übergel)t (preu§. aSorm. D. § 67 ti^trhtn,
3lbf. 4; fäd^f. ®. 33. § 1972; meimar. ®cf. ü. 27. äßcirj 1872 § 76; liibedF.
aSorm, D. § 84; brem. SBorm. D. § 98, l)cff. ®ntn). IV 3lrt. 101, 107; bai)r.
ßntro. 9lrt. 91), ober bafe bie ©rben beö SSormunbeö Derpfli^tet [xnb, baö
aSermogen l^erauöjugeben unb biö ju biefem 3^itpunfte für bie Sidjcrftcllung
ber im SWac^laffc befinblidö^n aSermögenögegenftäube beö 3Künbelö ju forgeu
(preufe. aSonn. D. § 65 3lbf. 1; l)c% ©ntn). IV 9lrt. 105 nebft 9)lotiücu
S. 274; bar)r. ®ntn). 3lrt. 94), ba eö ficb nid)t um bie 33eftimmung bcfonbcrer
in ber ^erfon ber ©rben neu entftel^enbcr aSerbinblid^fciten Ijanbelt, fonbern
nur um geroiffc aM ben allgemeinen ajorfc^riften über Sd^ulboerliftltniffc
(§ 292) fic^ ergebenbe Ronfequenjen, meiere Ijier ebenfomenig beftimmt ju
werben brauchen, mie bieö beim Wanbate gcf(^el)en ift.
2)ie preufe. aSorm. D. § 67 9lbf. 4 entljött ferner bie S3eftimmuug, »«t bcn
ba6 bie l^ier in SRebe ftel^enbe ^flic^t beö SJormunbeö jur Sled^nungölegung vcTmaiuv.
auf ben aSermalter im Äonfuröüerfal)ren übergelie. 2)iefe Seftimmung ift
nid^t etroa, mie bie üHotiüe ber preug. aSorm. C. (3)lotioe beö ©ntio. ©. 56)
anjuncl^men fd^einen, auö allgemeinen ©ninbfä^cn abjuleitcn, fonbei-n pofitioer
$Ratur. 3)a ber Slnfprud^ auf 9led)nungölenung im ©egenfafee 5U bem 9lm
fprud^c auf baö auö bcr 9lcd&nungölcgung fid^ ergebenbe ©uttjabcn fein 91^
fprud^ auö bem aSermögen beö ®emeinfd)ulbuerö ift, fo liegt infomcit eine
Äonturöforberung nid^t oor (§ 2 ber ÄonF. D.). ©benforocnig ift ber 9lnfprud)
beö 3Künbelö auf 9led()nungölcgung mi) allgemeinen ©runbfdgen alö ein
aWajfeanfprud^ anjufe^en (ücrgl. ®ntfd). beö 3:rib. ju ßelle VI, 209). 3fad)
allgemeinen ©runbfägen ift cö üielmcl)r ©ad^e beö SBünbelö, feine 9lnfprüd^e
aM bcr üormunbfd^aftlid&en aSerroaltung im Slonfurfc ju fubftantüren unb,
foroeit nöt^ig, ju biefem ^xocdc ben ©emcinfc^ulbner außerhalb beö Stonfurfeö
iur JRec^nungölegung anjulialten. aBennglelt^ nid^t ju t)er!ennen ift, bafe bem
ajlünbel l^ierauö unter Umftänben ©d&roierigfeiten bei ber ©eltcnbmad^ung
feiner 9lnfpriid^e ermad^fen fönnen unb biefe ©d^roierigfeiten, menn aud^ nid^t
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SSormmibfcfiaft über aWinbeq. @c6Iu§re(^mmG. ^ISttafeme. § 170L 1187
fofec ju bic[cn ©cfcfien J^obcn anbcrc Ocfcfcc luebcr bie ®inrcid^uug bcr 3lcd)5
nung bei bcr Dbcroormunbfdööft nod^ eine Prüfung biirrf) bicfelbc porgcfc^ricbcn.
S)al^in gcprt au fid& baö gemeine Siecht; inbcffcn ift bieS nid^t unjrocifelfiaft
unb in bcr gemcinred^tUd&cn ^ßrajis wirb icbenfoH« ttjotföd^lid) aud^ bie
Sd^fu&rcd^nung tJielfad^ burd) boö ©cric^t geprüft Sluci^ baö franj. Siedet
be^anbelt bie Slbnal^me bcr ^ier froglic^cri 9?ed)nung afe reine ^ßrioatfod^c
jroifd^en bcm aSormunbe unb bcm aßünbcl. 9luf bemfelben 33oben ftel(|t bcr
bar)r. ©ntro. 9lrt. 92, 93, iebod^ mit bcr aWobififotion, ba^, wenn loäl^renb ber
5ßormunbf(f|aft bie ©ntl^ebung bcö SBormunbcö ober beffen Xob eintritt, oon
bcm abtretcnben aSormunbe ober bcffen ©rben bie Sd^Iufered^nuug bei bcm
aSormunbfc^aftögerid^te Qbiulegen ift unb bcr gamilienratf) bie Mcd&nung ju
prüfen i)at
©inen bcfonbcren SBeg l^at ba& preufe. 31. S. 91. II, 18 §§ 861, 880,
885 eingef dalagen; boöfclbc fc^reibt iwar eine Prüfung ber Sd^tuferec^nung
burd^ boö ©erid^t nid^t Dor, mol^I aber bie Slblcgung bcrfelben vox bcm aSor^
munbfd^aftdgerid^tc (ocrgf. SRotiüe bcr prcujj. SSorm. D. S. 101; 33erid^t ber
Äommiffion bcö ^errenl^aufcö ©. 95).
S)cr ©ntrourf bcr preufe. 5Borm.^C. § 77 mad)te bie Segung ber Sd^Iufe-
rec^nung ju einer rein aufecrgcric^tlidjen ^riüatfad)e jmifd^en bcm 58ormunbc
unb bem 3)iünbeL 3n ber Eommiffion bcö ^crrcn^aufcö erl^oben fid^ inbcffen
Stimmen für bie Siücdtmö^igfeit einer ücrmittetnben 2^^Ätigfeit bcö SSormunb^
fd^aftögerici)tcö bei fiegung bcr Sd^Iuferc^nung im Sutercffe einer rafd)cren
SlbroidEelung fd^roieriger aSerf)äItniffe, unb bieö l;atte jur golge, bafe bie in ber
prcufe. aSorm. D. § 67 9lbf. 3 [xd) finbenbe Sßorfd^rift aufgenommen rourbe.
I)onad& ift bie ©c^Iufered^nung bem SBormunbfd^oftögcrid^te einjureid^cn, mcld^cö
le^tere bicfelbe bem äßünbel ober beffen Slcc^tönad^fofger ober bcm neu be«
ftcUten aSormunbe jur ©rllärung Dorjulcgcn unb, menn aiuöftcUungcn nid^t
gemad^t werben, bie ©ntlaftung l^crbeijufü^rcn ^at.
SWad^ ber 3luffoffung bcö ©ntmurfcö ift cö burd& ein praftifd)cö Sc* etanbpunrt
bürfnife im Sntcreffe ber ©ricbigung bcr ctroa obroaltenbcn ©treitigfeiten unb entwürfe«,
im Sntcreffc bcö üRünbelö geboten, ba^ ba^ aSormunbf^aftögcridjt, roclt^cö
mit ben 33er^ältniffcn genau bcfannt unb feiner ganjcn ©tcüung nad& be*
fonbcrö geeignet ift, bie STuöcinanbcrfcgung über bie ©c^tufercc^nung sroifd^cn
aSormunb unb äJlünbel l^crbeijufüfircn, ni^t ctroa bloö auf Slntrag, fonbern
oon äfmtömcgcn tt)ätig wirb, um bie 2lbnaljme bcr SHed&ming ju ücranlafjcn.
®o6 in golge beffcn bie 2:(jätigfcit bcö 9[5ormuubfd)aftögerid&tcö in bie 3cit
fid^ crftrcdEt, in meld^er bie SSormunbfdjaft bereitö bcenbigt ift unb ber biö^
Ijcrige aWünbel fcineö ©(^u^eö mcljr bcbarf, fann 93cbcnfcn nid)t erregen, ba
anbererfeitö für ben eben bcr SSormunbfdjaft cntmadjfencn unb in bcr eigenen
Oefd^äftöfü^rung nod) nid^t geübten SJlünbcl a\\^ jener Sluöbe^nung bcr obcr^
Dormunbfd^aftlid^en ^f)ütigfeit ein nid;t ju unterfc^äfecnber aSortl^eil fic^ er^
giebt. ^ßraftifd^e SWüdEfid^ten fprcd^en aber loeiter bafür, über bie SBorfd^riftcn
bcö preufe. SRed^teö l^inauö, im 9lnfd^[uf[c an bie ber oben bcieid^nctcn erften
®ruppe t)on Siedeten angcf)6rcnbcn Ocfcgc, bcm aSormunbfd^aftögcric^tc ju*
glcid^ bie 5Pflid)t aufjucrlcgen, bie SRedfinung rcd&nungömä^ig unb fad;Iid) ju
prüfen unb burd) bie aJiittljcitung bcr SHcfultate bicfcr 5ßrüfung bem Sted^nungö^
75 ♦
gcjTDunscii luicb, bm roflfpieligcii SScg bcd Ißi'ojcilcS }u betreten. Ifluc^ lö^t
fic^ ntdjt »crtctmen, baß bnfl Sßormimbf^nftsgciidjl, roeil baßfctbe ber ®ad)c
am nädiftcn fte^t, tu bcv JRcget bcfonberS geeignet fein loirb, ju beurt^eileii,
ob bie Sluöftellungen eine reelle Uiiterloge Ijabcn ober niia ber Suft gegriffen
finb. ^iibclfcn tonnen bicfe Sriuägniigcit nidjt ali aueveit^cnb erad)tet roerben,
lim in biefer SRidjtunfl bic allflemeinen ©ntnbläßc jii bnrc&bredjen. Set 93or=
munb, welket allen feinen $crbinblid)feiten genügt t)flt, tann im ^rojegmegc
bie auf^ebung ber ©ic^crljeit wrlongcn unb im galle eine« aSerjngeä be«
aKiinbctfl Qud) etroaige Sdiobensanfpriidie gcUcnb ma^en.
§ 1702.
» 1. 3lQtf) gemeinem fRtd)k ift ber Dberuormnnb, roelctier bie ilim ob«
' Ucgcnben DbcroormunbfdiQfKidien $f[i(^tcn quo SJorfa^ ober gaf)rläffigfeit
Dcricgt, bcm aHiinbet fiir bcn hieraus entftc^enben ©i^Q&cn oerantroorttic^.
®er SInfprud) beS aHünbelS Ijot ober nidjt ben Äarntter eine* Slelittonfpru^e«,
fonbern bcn eine« 9[n[prui$es quo einem Oiiafttontrafte (oergl. Seuffert V,
298, XI, 252, XXX, 253).
Sm Slnftfiluffe an baS gemeine SRec&f ftabcn quc^ oecfc^icbcne neuere
©cfc&e ouabril(flii$ ouflgcfpro^en, bofe bie aSormuubfdiQftebeöbrbc roegcu 5Ber=
nat^täffigung ber il)r bei bec Sluorbmmg unb SBerrootiung ber Sormunbfc^nften
obticgcnben $f[id)tcn bem 33tüubfl erfaßvfliiitig fei (ocrgf. bapr. 8. ^. I, 7
§ 29; niütltemb. 9iotariat6gcf. n. 14. 3nni 1843 ÜTrt. 67—75; brem. SJorm. O.
§§ 112—116; öfterr. ®. S. §265). ©afl prenfe. 91. S. ?H. 11, 18 § 301 bc=
ftimmt, bafe ber SJormunbfc^nf tarierter bem 5DIünbct roegeit mäßigen Serfedcnft
(löftet, n)eld)efl er bei Scftellimg beä SBormunbefl ober bei ber gütirung ber
Slnffit^t unb ©itettiou über benfclben begangen I)Qt (öergl. banebeu II, 18
§ 170). Siefe bcfonbercn Ianbred)tHd)cn Seftimmiingen ü6er bie 3icrant=
iBOrttidfleit bcß £ßormimbfd)Qfisrid)ter6 finb ieboc^ bnrd) bic preuß. 33orm.D.
§ 102 befcitigt, oline hau neue befoiibere Sßorfc^riften in biefer SBejicljung an
bic ©teile getreten finb. @§ ridjtct fid) bcflljolb in ^reufeen bic Haftung bcö
S3ormunb|d)aftörid|terö ie|t nad) ben allgemeinen @runbfä|cn über bie ^ftung
ber iöcamlcn megen i8erIe|Hng i^rer 9[niH3pfIid)t. 9}a^ biefen allgemeinen
©runbfät^cn ift aber ber SBormunbfi^nf törichter rocgcn SJcrna^Ififfigung ber
itim oblicgenbcn Slmtöpflidjtcn jcbem ©ritten fiir ben nue biefer aSerlegung
entflonbcncn ed)aben oerantroorllicÖ (ocrgt. 91 S. M. II, 10 §§ 88—91). Slud)
bafi ffid)f. ®. S. entt)n(t über bie ^oftpflidjt bcs Sßormunbf^aftärid)tera feine
befonbercn Seftimmungen. ©S finbet bntjer in biefer Sejic^ung bic allgemeine
Sßorfdjrift bcS § 1506 bee ffidjf. &. S. Slniuenbung, nod) nicli^er berjenige,
rocld)cc burcö tibrid)tliiic SBerfi^ulbung ober burd) grobe ga^rlöffigfeit einca
riditcrlic^cn Seamten in @Efd)äflen ber freimiUigcn ©eridjlabarFeit ©c^aben
ctleibet, ©rfn^ oon bem fc^ulbigen SQeamtcn forbcrn fann. Db unb inroienicit
nad) franj. 3ted)te, welc^cß ben atUlgliebem bcs ^nmilienrotltes rocgcn ber oon
i^nen gefallen ©efd)IüRe (eine bcfonbcre 3Scranttoortlid)fett oufcrlegt, biefelbcn
aSormunbWaft fiter 2Winberi. ©^lufirecbnung. 9l6na]&me. §1701. 1189
SRcd^nung ju enoirfcn. 3"^^^ "i^^* ^^^ § 231 bcr 6. 5ß. C. bie Suläfftflfeit
bcr geftftcUunflöflage boüon abhängig, bafe ber Kläger ein rcd)tlid^eö 3ntercRc
bavan 1)at, bofe baö 9le(i^tet)erl^ä(tm6 alöbalb feftgefteüt werbe; ollcin biefc
SBorQußfefeung roirb in gällen ber ^ier froglid^en 9lrt immer vorliegen. 916er
axiä) Qbgcfel^en booon ift eö bcbenflid^, ben SKünbel ju jroingen, im SBege beö
9ie^tögcfd&ofteö einer xlfm günftigen SRed^tepontion fid^ ju begeben, ol&nc bofe
er oielleid^t jur 3cit über alle 5ßunfte ber aSermaltung beö SBormunbed gc*
nügenb inftniirt ift.
©benfowenig fann ein Sebürfni^ anerfanut werben, pofitiü ju beftimmen, «orbc^ait
bo6 im galle fcfiriftti^er 9lncrfennung bcr 3led;nung ein roegen einjclner ginerfennung.
3lu8fteKungcn gemachter aSorbcf)alt nur bann SBirffamfeit f)abe, roenn er in
bie über bie 9lnerfennung ausgefteüte Urtunbc aufgenommen fei, jumal ber
aSormunb jeberjeit nad^ ^Kafegabe bcs § 231 bcr 6. ^. D. auf geftftellung ber
Dorbe^altencn 5ßunftc ffagen fann unb gegenüber ber oorbe^alttoö auögefteütcn
Urfunbe bem SKünbel bcr Semeis obliegt, ba^ unb inrolcmeit ein münblid^er
SSorbcfialt gemad^t ift unb bafe berfelbe nad^ ber 9lbfid^t ber ^Parteien neben
bcr Urfunbe roirffam fein foKe.
9lud^ über bie SSoraußfefeungen unb bie SBirfungen einer ücrtragömäfeigen »ertrüß«»
Slnerfennung ber 9lcd)nung (oergL preufe. 9f. S. 91. 11, 18 §§ 895- 897 ; a„eÄung.
preufe. aSorm. C. § 69 9lbf. 4; bai)r. ®ntu). 9lrt. 96) bebarf cd bcfonberer
SBorfd^riften nid)t. @ö pnb in biefcr S3cjiel)ung bie allgemeinen ©runbfäfec
beö entrourfeö (§§ 683, 684, 290) mafegebenb.
3, ©ine bcfonbere Scftimmung, bag ber 3)lünbet bem SSormunbe über c^wi««««-
bie Slufionttüortung bcö aSermögenö Quittung ju crtl;eilen l^abe (preufe. aSorm.C
§ 69 2lbf. 2 ; föd)f. prooif. ®cr. 0. § 78), ift im ^inblidfe auf bie SBorfd^rift
beö § 269 entbe^rlid^.
4. 3laä) allgemeinen (Srunbfäfccn oerfte^t eö ftdb ferner oon felbft, bafe ««f^cbuns
ber aSormunb bie 5luf^cbung beim, bie S^^^'üdfgabc bcr bcftellten ®i(^erl)eit 3„rüigaB€
verlangen fann, wenn er feine SScrbinblid^feiten erfüllt l;at (ocrgl. preuß. ^J^L^^
aSorm. D. § 70; födjf. ®. 83. § 1953; meimar. ®ef. o. 27. JDJcirj 1872 § 62;
^ejf. ©ntm. IV 3lrt. 107). 2)ie preufe. aSorm. D. § 70 entf|dlt banebcn bie
weitere Seftimmung, bafe, wenn bei ber Quittung unb Sntlaftung ein 5}or*
bcl^alt gemad)t ift, baö 9Sormunbfd^aftögcrid)t ju entfd^eiben \)ai, ob unb wie
üiel von bcr 6id^erl(ieit jurücf jube^altcn ober von ber ^^potfief fteljcn 5U tafjen
fei. 9luö allgemeinen ©runbfögen löfet ein folc^eö 9icd^t bcö aSormunbfd^aftö^
gcri(^teö ftd^ nid)t ableiten ; benn, n)enngtcid& in folgen gällcn, in mcld;cn bcr
aSormunb auf Slnorbnung bcö a3ormunbfd}aftögcrid)tcö nat^ SKafegabe bcö
§ 1689 ©i^er^eit befteOt ^at, ein 9led&l bcö ajJünbclö auf bie ©id)erl)eit ni^t
fdjled^t^in, fonbern nur in 9lb^ängigfeit Don bem l;ierüber 5unäd)ft cntfd^eibcn'
ben ©rmeffen bcö SSormunbfd&aftögeri^teö ate SÄufrid^töbe^örbe erworben
wirb, fo l^ort bod^ mit ber Seenbigung bcr aSormunbfd)aft ba^ Siedet bcö aSor^
munbfd^aftögerid^tcö, alö Stufftdjtöbe^örbe in baö 9led;t bcö SWünbclö ein-
jugrcifen, auf. aSom ©tanbpunfte bcö aSormunbeö auö lafjen ficb allerbingö
SlüdEfic^ten bcr 33illigfcit unb ber 3^<^rf^ä6igfcit für bie in Siebe ftcl;cnbc
SBcftimmung ber prcuß. aSorm. D. anfüfjrcn. @ö wirb baburd^ inöbcfonbcre
errcid^t, baß bei offenbar frioolen unb unbcgrünbctcn SluöftcUungcu bcö
liai)t. y. 91. I, 7 § 29, fac8 lofirttcml). 3lotariQt8gcf. d. 14. 3uni IS43 Sri 67,
75, bct tivcin. aSortn. D. §§ 114, 115 iiiib brS eftciT. @. 93. g 265. ebenso
bcftimml boö prcufe. ä. 2. 9i. II, 18 §§ 302, 303, ba% her 93onnuiibf(^afts=
ric^tri von bcm ()e[d}äbigteii 3)}üiibr( mir fudftbidr in STnfptc^ genommen inerbcn
(aiiii. 3)uv(I) bell § 102 bcv prcujj. 5!onn. D. fmb jioar in 5ßrew6en bie bi6=
Ijetiflcn Oc(oiibercn ®orf[|)rtftcn iiticv bic ^croutroorilic^fcit bc6 aSormunbf^aftä^
rid)tcrS licfciligt; inbcffcn füt)ccii ait^ bie jcgt rnftfegebcnben allocmeincn
®ninb[ägc über bie $Qftunfl bec Seamten rorgcn !ÜctIc|uiig ber ämtappidit
nur ju einer fubfibiöreii .^aftung brS Sßormunbfrfiaftörii^ierS in bcc 3rt, bog
bicfe Itüftung erft eintritt, loenn fein anberea gcfeßmö^igea SOlittel, bur^
iDe(<$ce bcn nac^ttieiligcn folgen bcv ^tlic^tvcrlelung a6ge^o[fen werben
rennte, me^t übrig ift (»crgl. preufe. 3r. S.,% il, 10 § 91; SScrorbn., betr.
bie allgemeine Siegelung ber Staatabicncroer^filtniffe in ben neu ermorbencn
ÜQnbeflt^eilcn, a. 23. September 1867 § 1). 3iad) bem ffl^f. @. 33. § 1506
fäQt ber Slnfprui^ auf Sdiabenserfa^ gtgcn bcn Beamten nur bann loeg,
iDetin ber Verlegte Sici^tfimittel ni^t gcbraud)t ^at, burd) nicli^e bcrfelbe bie
i()m Sdjabcn bringcnbe ^anblung ^ättc abmcnbcn fi^nnen.
S)ie @rüiibc, luelc^c ben Entwurf bcfttnimt (jaben, bic Haftpflicht ber
SBcamtcn lucgcn SJerIcgung ber gegeniiber ©ritten gcfeglirf) i^nen obltegenben
aimtäpPtditcn in bcn gölleii bea § 736 rcic^sgefe^li^ überhaupt iiic^t baoon
abhängig jn niadjcn, ba% ber Scfifiäbigte auf onbcre SJcife ©rfots bc6 ©(^abcnö
nit^t ju erlangen oermng (ocrgl. iDIottue ä" § 736), muffen baf)in führen,
aud) bic aSciantmortlic^teit bcö ißormunbfi^QftSri^tcrä gegenüber bcm S^ünbel
in bcifclbcn 9Irl ju regeln. 3it bcm Ijicr in SRcbc fte^enbcn golle oon jenem
®runbfa|e i« ©uiiften beö 58Drmunbfd)nf(6rii^terS jum 9Ia(^t6cile bea aJlün'
bei« eine Sluöitatimc ju machen, la^t ft^ nic^t re^tfertigen. Sogegen gilt
nac^ § 1702 in äjerbinbuug mit ben a3orfc^riflen be* § 736 3lbf. 2 unb beB
§ 713 im 58erl}ältniife äinifdien bem 3!ormunbf(^aftaridjtCT einerfeit« unb bem
äjormunbe besro. bcm ©egenoonminbe onbercrfcits nüd) IKnologie beö § l69fi
91bf, 3 ber Siormuiib bcäin. Oegenoormuiih, iinbcfc^abct ber Ißorfdirift bea
?! 338, ale aliein ocrpflic^tci. Ucbrigcna bejic^t fi^ bec in ber 9lnm. ju § 73C
eriuäC)nte, für bnö Sinfüljrungägcfe^ in ^usfidit genommene ^orbc^alt für
bic aanbcsgefcüe aud) auf bic 3iercintroort[i(^Eeit bcS Sßormunbfcfiafl6rid)ter6
gegenüber bem 2J!ünbel.
sigtniMi 3. älls aSonnunbfd)aftSrid)ler im Sinne bea § 1702 ift felbftDerftänbli^
^JJ^^J™",;^' jcber ri^lcrlid)e ©eamte nniiifcl)eii, melcfiem nod) ben mafegcbcnben Seftim=
mungen über baä ^crfa^rcn in ^ormutibfi^aftafac^cn bic Slufiübiing bct
©criditöbnrleit in 33ormunbfiftaft6fod)en, fei ce in erfter Snftana ober in
Ijätjercii 3"flQ"if''/ übertragen ift. Sollte im ©infü^rungSgefcSc ber Sonbefr
gcfe^gebung oorbel)aUen bleiben, bic im^ bem bürgerlid)en ©efet^bud^e bem
5Bormunbfd)aftsgcncf)te jugcmicfciie ©crtd)t6barfcit ni(^trtd)tcrlic%en Se^örbcn
jii übertragen, tinb bie £a]ibcagefc|3gcbung oon btefem Sßorbe[)a[te @ebrauc^
madjeti, fo Dcrftcljt eö fiel) ferner Don fclbft, bofe bic bem materiellen 33or=
niunbfc^aftflrcdjtc angcljorcnbcn öcflimmungen bcB § 1702 au^ auf bic ai!it=
glicbcr jener 33ei)örben 9Iimienbung fiiiben, rocil fie bie Stellung bes 9Jor*
SSormunbf<6aft k. 4)afluiiö bc8 Sormunbfd&aftöri^tcrö. § 1702. 1191
fllcid^ioo^I, Qud^ Qbgcfcl)cn t)on bcm goUc bcr Slrglift, naä) bcn oBgcmcinen
»cftimmungcn (code civil 9lrt. 1382, 1383) wegen S«od^läffigfeit betn 3KünbcI
I^Qften, ift ftreitig.
2)a6 bcr SSormunbfd^aftSrid^ter lücgen einer fold^en ^ßffid^tocrlegung, ^tanbpunft
weld^e mit einer im 3Bege bed gerid^tlid^en Strafoerfa^renö ju t)er]^ängenben entwurfeft.
Strafe bebrof)t ift ober einen eingriff in bcn Rreiö ber abfoluten 3icd)k eincö gj^iur
2lnbcrcn cnt^öft, bcm babnrd^ Sefd^äbigtcn mi) SWaßgabe ber allgemeinen ««^ ««f«««
®ninbfä6e über ©d^öbenöerfafe auö unerlaubten ^anblungen (§ 704) t)er**''' *"^*""^"
ontmortH^ ift, fann einem Si^^if^I ^W unterliegen. S)agegen l^ängt bie
®ntf(i^eibung ber §rage, ob berfelbe rocgen einer ^flic^tüerlcfeung anbcrer 31 et
für ben hieraus einem ©ritten entftanbencn ©^aben oerantroortlic^ ift, ab^
gefeiten von bem l^ier jur Slnmenbung faum geeigneten § 705, md) § 736 9lbf. 1
baoon ab, ob anjunel^men, bafe bie von i^m ücrlefete 3lmtöpflici^t i^m aud^
gegenüber SJritten l&at auferlegt werben follen. 3n ©rmangclung bcfonbercr
Seftimmungen mürbe bie ©ntfc^eibung biefer grage bcr rid^terlid&en Sluölegung
bcr betreffenben, jene 5ßf[id^t auferlegenbcn Sßorfd^riftcn bcfi 93ormunbfd&aftö*
red)tcö überlaffen bleiben. S)cr S^cd bcö § 1702 ift, in biefer Siid^tung bie
93orf(i[)riftcn bcö SSormunbfddaftöred^tcß baljin iu ocrbeutlid^en, bafe bie bem
93ormunbf(i[)aftöri(]öter in 3lnfe^img bcr 9lnorbnung ober gül)rung ber SBor^^
munbfd^aft oblicgenbcn Slmtßpflid&tcn alö folc^e aufjufajfcn finb, xvcl6)t im
Sinne bcö § 736 9lbf. 1 il^m gegenüber bem SÖlünbcl, b. l). gegenüber bem^
fenigcn obliegen, über rocl(i[)en bie SBormunbfd^aft anjuorbnen ift ober befielet,
bie aSerlcftung jener ^ßflid^ten mitliin gegenüber bem äßünbcl alö eine miber?
xci)Hxi)t ^anblung im Sinne bcö § 704 3lbf. 1 fid^ barftellt. SJiefe Sluf-
faffung ber Seftimmungen bcö aSormunbfd^aftörcd^tcö entfprid^t bem ©eifle
bcrfelben, ba biefelben gerabc ben Sd^uft unb bie Sid^erung fold&cr ^jSerfonen
bejroedfen, meldte bcö Dormnubf^aftlid^cn Sd[)ugcö bebürftig finb. Slnbcrerfeitö
mürbe cö mit ber ^^cnbenj bcr l^icr fraglid^en SBeftimmungen nid&t im ßinflangc
ftel^cn unb ju meit führen, menn auf bie üßcrlclung ber be5eid)netcn 5}Jflid)ten
Qnä) fonftige britte 5ßerfonen, bereu 3ntcreffe baburi^ berührt ift, Sd)abens^
erfa|anfprü(^e foUten grünbcn fönnen; benn in il)rem Sntcrcjfe finb bcm SSor-
munbfd^aftöri(i[|ter jene ^flic^tcn nidjt auferlegt, wenngteid^ bicfclbcn mittelbar
anö) i^nen ju Oute fommen mögen. Sie fönnen bal^cr ben 3Sormunbfc^aftö*
riddter megen einer ^flid)tocrlc6ung nur bann in 9lnfprud) nclimcn, wenn biefe
na^ SWafegabe bcr fonftigcn S3eftimmungcn alö SScrlc^ung einer abfoluten
9lorm ober alö ein eingriff in ben Slrciö i^rer abfoluten Siedete fid^ barftellt.
SGßcnngleid^ bie Dcrbcutlidöenbe Seftimmung beö § 1702 oielleic^t alö cntbel^rlid)
angefel)cn werben fann, fo ift bie 9lufnal)mc bcrfelben bod) jur SScrmeibung
Don 3rocifcln im Sntercffe bcr Stcd^töfii^erl^eit alö angemcffcn cradjtet, um fo
meljr, alö in t)crfd(|iebenen JRcdjtögebieten nad& bcm gegenmärtig beftelienbcn
SWed^tc ber 93ormunbf(^aftörid)ter wegen a3erlc6ung ber ilim oblicgenbcn 5ßp[id^tcn
nid^t bloö gegenüber bem SRünbcl, fonbern aud) gegenüber anbcren ^erfoncn
oerantwortlid^ ift.
2. 9iad) bcn mciften bcflcljcnben 9lcd[)tcn ift bie Haftung bcö SSormunb^ eubfiMoritat
fdöaftörid)tcrö nur eine fubfibiäre, b. l;. fie tritt nur bann ein, wenn webcr ^ftung.
pon bem SSormunbe nod) Don ben für i^n Ijaftenben 5iebcnpcrfonen etwaö }u
1192 aSormunbfc^aft K. ^afhino bcß ajormunbfci&aftgri^terd. §1702.
crfangcu ift, 2)ieö ift nQmcntIi(^ Der Stanbpuntt bcö gemeinen Sled^teö, be^
baijr. SJ. 9t. I, 7 § 29, bcö württcmb. 3lotQriatdgcf. t). 14. 3um 1843 »rt 67,
75, bor bvcm. SBorm. D. §§ 114, 115 \m\> bcö öfterr. ®. 33. § 265. (Sbenfo
bcftimmt boö prcufe. 91. 2. 9t. II, 18 §§ 302, 303, bofe ber SBormunbf^^afts^
ridjtcv Don bcm gefd^äbigtcn üJlünbcI nur fubfibiär in 3fnfprd^ genommen locrben
fann. 2)urd) ben § 102 bcr preujj. 93orm. D. ftub jroar in 5ßreu6cn bie bifi^
I;crigcn befouberen SBorfd^riftcn über bie iierontmortlid&feit bcö SBormunbfd&aftß^
rid)terd bcfcitigt; inbcjfen fiUjrcn and) bie jcfet ma^gebenben ollgemcincn
©runbfäfee Aber bie Haftung bcr Beamten mcgcn Sßcriefeung ber 9(mtdpf[i(^t
nur jn einer fubfibiörcn .^oflung bcö aSormunbfd^aflörid&terö in bcr STrt, bag
biefc Haftung erft eintritt, wenn fein onbcrcö gcfefemäfeigeö aRittel, bnxi)
rocld^cö bcn no^t^eiligcn gotgen bcr 5ßflid^tDcrIefenng abgeholfen toerben
fönnte, melir übrig ift (ücrgl. prcufe. ST. fi. 9t. II, 10 § 91; »crorbn., betr.
bie oBgemeine 9legc[ung bcr ©taatöbicnerocrI)ftItniRe in ben neu ermorbencn
«anbcßt^eifen, o. 23. ©cptember 1867 § 1). ^lad) bcm föcibf. ®.83. § 1506
fällt bcr 3lnfprud& auf Sd^abcnöerfn^ gegen bcn Beamten nur bann weg,
roewn bcr 9}erlc^te 9Ic(^tdmittel nid}t gcbraud)t ^at, burc^ meiere bcrfelbe bie
iljm Sd;abcn bringcnbc ^anblung ^ättc abmcnbcn fönncn.
S)ie Orünbe, tücld^c ben ©ntwurf bcftimmt l;abcn, bie ^aftpflid^t bcr
S3camten mcgcn SSerlcfeung ber gegenüber ©ritten gcfc|lid^ il^ncn obUegenben
Stmtdpflid^tcn in ben pllcn bcd § 736 rcic^dgefej^lid^ überliaupt ni(^t baoon
abhängig ju mad^cn, bog bcr %ef(^Qbigte auf anberc SBcife @rfag bcö @d^abcnö
nicl)t ju erlangen ücrmag (ocrgl. äWotiüe 5U § 736), müjfen bal^in führen,
awä) bie SBerantmortlid^fcit bcö 5Bormunbfd)aftöri(iÖtcr6 gegenüber bcm fröünbei
in berfelbcn 3lrt ju regeln. 3n bcm l;ier in Siebe fte^enben galle t)on fenem
®runbfa|c ju ©unftcn bcö ajormunbfdöaftörid^terö jum Stad^t^eilc bcö ÜHün«
bcld eine äluenal^mc ju mad^cn, lägt fid^ nid^t red^tfertigen. dagegen gilt
nad) § 1702 in SBerbinbung mit ben SBorfd^riften bcö § 736 Äbf. 2 unb bcö
§ 713 im SJerliältniffe jn)ifd)en bcm SBormunbfcbaftöridjtcr cincrfcitö unb bem
SSormunbe bcjro. bcm (Scgcnüormunbc anbercrfeitö nad& 2lnalogie bcö § 1696
3lbf. 3 bcr SSormunb bejm. ©cgcnoormunb, unbefc^abet ber 33orf4irift bcö
§ 338, alö allein Dcrpftid^tct. Uebrigcnö bcjie^t fid^ bcr in ber 9lnm. ju § 736
cnuä^nte, für ba^ @infüljrungögcfcg in Sluöfid^t genommene 93orbc^alt für
bie Sanbcögefcße aud^ auf bie Syerantn)ortlid)fcit bcö JBormunbfddaftöritftterfi
gegenüber bem aJlünbct.
(Siflenf4aft 3. 9llö aSonnunbfdjaftßvid&tcr im ©innc bcö § 1702 ift felbfti)crftänbli(i&
XftSer'i^^^^ rid;tcrlid;c 93camte anjufel^en, meldjcm nad^ ben mafegcbcnben Seftim-
mungcn über baö SSerfal^ren in 58ormunbfd&aftöfad^cn bie aiuöübung bcr
©crid^töbartcit in 93ormunbfd)aftfifad^en, fei cö in erftcr Snftanj ober in
ljöl)crcn ^nftanjcn, übertragen ift. Sollte im ©infül^rungögcfcfte bcr Sanbcö*
gcfc^gcbung vorbehalten bleiben, bie nad^ bcm bürgerli(^en ®cfe|bud[|e bem
S3ormunbfd^aftögcrid)tc jugemicfene (Scrid^töbarfeit nidötrid^terlic^cn Seprbcn
5u übertragen, unb bie Sanbcögcfc^gcbung Don bicfem ^orbcl^alte ©ebrouc^
mad^en, fo ücrftcljt cö fid) ferner von fclbft, bafe bie bem materiellen SSor*
munbfc^aftörcd)tc angcljorcuben Scftimmungcn bcö § 1702 oud^ auf bie 9)Kt*
glicbcr jener S3el)orben 9lnmenbung finbcn, meil fie bie ©tcUung beö 33or*
aSormunbfd&aft üBec aKmberiaWge. Scenbiöuiiö. §1703. 1193
munbfd&aftörid^tcrß im ©inne beö bürgerlid^cn ©efcfebud^c« imb bomit aucft
bic ^füd)tcn cincfi fold^cn ^abcn (ucrgl. auä) § 1719 3lbf. 1).
3rt bic bcn aWünbcI bcna^tl^ciligcnbc SBcrfügung Don einem ÄoUegium
ausgegangen^ fo ftnb nad| 9)2aggabe bcr allgemeinen ©runbfQge nur bie
f(i[)u(bigen SWitglieber, bicfe aber ate ®efammtf(i[)ulbner für ben ©(^aben ner«
antroortlid), ba ber ©ntwurf befonbere Seftimmungen über bie Haftung von
ÄoIIegicn in gaUen ber ärt nid^t gegeben I)at (oergl. §§ 713, 714, 736;
iKotiüe ju § 736).
4. 3ta6) gemeinem dicä)tt gel^t, obrool^I ber aSormunbfc^aftßrid^ter megen ^ft^na t>cr
ieber Slad^Iöfftgfeit l^aftct, bie 33erpf[id)tung bcöfclbcn ouf befjcn Srben nur ®'^^"''
über, forocit pe auf grober gal^rtäffigfcit beruht. SHel^nlid^e bic ©rbcn be^
günftigenbc Seftimmungen finb aud^ in einjetne neuere ®cfe|e übergegangen
(Dcrgl. 21. 2. SR. II, 18 §§ 304, 293, 294; brcm. »orm. D. § 113). 3n
^reufecn finb jehodö in golgc bcr preufe. aSorm. D. § 102 an ©teile ber
bcfonbcren Ianbred(>tlid^cn SSorfdiriften in ben ^ier fragti^en Sejie^ungen bie
allgemeinen Orunbfäfee über bic Haftung ber (Srben eines Beamten megen SSer*
leftung ber SKmtspflidöt getreten, ©anad^ l^aft